The Gospel of Luke
GA 114
25 September 1909, Basel
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The Gospel of Luke, tr. SOL
Neunter Vortrag
Ninth lecture
[ 1 ] Es wird Ihnen bereits aus dem gestrigen Vortrage hervorgegangen sein, daß man eine Urkunde wie das Lukas-Evangelium nur verstehen kann, wenn man die Entwickelung der Menschheit in jenem höheren Sinne auffaßt, der uns durch die Geisteswissenschaft an die Hand gegeben wird, das heißt, wenn man wirklich die Veränderungen ins Auge faßt, die sich im Laufe der Menschheitsentwickelung vollzogen haben und die den ganzen Menschen in seiner Organisation anders gemacht haben. Wenn wir uns jenen radikalen Vorgang, der sich zur Zeit des Christus Jesus mit der Menschheit vollzogen hat, verständlich machen wollen — was notwendig ist zum Begreifen des Lukas-Evangeliums -, so ist es gut, daß wir ihn vergleichen mit dem, was sich zwar nicht so rasch, sondern mehr nach und nach, aber doch auch deutlich wahrnehmbar für den, der sehen kann, in unserer Zeit vollzieht.
[ 1 ] As you will have gathered from yesterday’s lecture, a text such as the Gospel of Luke can only be understood if one grasps the development of humanity in that higher sense provided to us by spiritual science—that is, if one truly takes into account the changes that have taken place in the course of human evolution and that have transformed the entire human being in his or her constitution. If we wish to understand that radical process that took place within humanity at the time of Christ Jesus—which is necessary for comprehending the Gospel of Luke—it is helpful to compare it with what is taking place in our own time: not so rapidly, but rather gradually, yet still clearly perceptible to those who can see.
[ 2 ] Um das zu verstehen, müssen wir erst einmal gründlich mit einem anderen Urteile brechen, das so häufig ausgesprochen wird, und an dem die menschliche Bequemlichkeit so gerne hängt. Das ist das Urteil, die Natur oder die Entwickelung mache keine Sprünge. Es kann, wenn man die gewöhnliche Auffassung dieses Satzes zugrunde legt, gar keinen falscheren Satz geben als gerade diesen. Die Natur macht fortwährend Sprünge! Und das ist gerade das Wesentliche, daß Sprünge geschehen. Sehen wir uns zum Beispiel an, wie sich der Pflanzenkeim entwickelt. Wenn er das erste Blättchen herauswachsen läßt, so ist das ein bedeutsamer Sprung. Ein weiterer bedeutsamer Sprung finder statt, wenn die Pflanze übergeht vom Blatt zur Blüte, dann wieder, wenn es vom äußeren zum inneren Teil der Blüte geht, und ein weiterer, ganz bedeutsamer Sprung geschieht in der Ausbildung der Frucht. Es geschehen fortwährend Sprünge, und wer das nicht berücksichtigt, wird die Natur nicht begreifen. Er wird glauben, wenn er die Menschheitsentwickelung betrachtet und an einem Jahrhundert bemerkt, daß da die Entwickelung im Schneckenschritte vorwärtsgeht, daß dann auch zu anderen Zeiten die Entwickelung in demselben Tempo vorwärtsgehen müsse. Es kann aber durchaus sein, daß die Entwickelung zu einer gewissen Zeit langsam geht wie bei der grünen Pflanze vom ersten grünen Blatt bis zum letzten; wie aber dann bei der Pflanze ein Sprung geschieht, wenn sich das letzte Blatt entwickelt hat und die Blüte ansetzt, so geschehen in der Menschheitsentwickelung fortwährend Sprünge.
[ 2 ] To understand this, we must first thoroughly break with another judgment that is so frequently expressed and to which human complacency clings so readily. This is the judgment that nature or evolution does not make leaps. If we take the common interpretation of this statement as our basis, there can be no statement more false than this very one. Nature is constantly making leaps! And that is precisely the essential point—that leaps occur. Let’s look, for example, at how a plant seedling develops. When it sprouts its first little leaf, that is a significant leap. Another significant leap takes place when the plant transitions from leaf to flower, then again when it moves from the outer to the inner part of the flower, and yet another, very significant leap occurs in the formation of the fruit. Leaps occur continuously, and anyone who fails to take this into account will not understand nature. When observing human development and noticing that over the course of a century progress moves at a snail’s pace, such a person will believe that development must proceed at the same pace in other eras as well. But it may well be that at a certain time, development proceeds slowly, as with a green plant from the first green leaf to the last; yet just as a leap occurs in the plant once the last leaf has developed and the flower begins to form, so too do leaps occur continuously in human development.
[ 3 ] Und ein solcher bedeutsamer Sprung geschah in der Zeit, als der Christus Jesus auf Erden auftrat. Da geschah ein solcher Sprung, daß in verhältnismäßig kurzer Zeit die Eigenschaften des alten Hellsehens und die Herrschaft des Geistigen über das Leibliche sich verwandelten, so daß nur noch wenig vorhanden war von hellseherischer Kraft und von Wirksamkeit des Seelisch-Geistigen über das Leibliche. Daher mußte, bevor jener Umschwung geschah, noch einmal zusammengefaßt werden, was von alten Zeiten als Erbschaft vorhanden war. Darinnen mußte der Christus Jesus wirken. Dann konnte das Neue aufgenommen werden in der Menschheit und konnte sich nun langsam und allmählich entwickeln.
[ 3 ] And such a significant leap occurred during the time when Christ Jesus appeared on Earth. Such a leap occurred that, in a relatively short time, the characteristics of the old clairvoyance and the dominion of the spiritual over the physical were transformed, so that very little remained of clairvoyant power and of the influence of the soul-spiritual upon the physical. Therefore, before that transformation took place, it was necessary to once again synthesize what had been inherited from ancient times. It was within this that Christ Jesus had to work. Then the new could be received by humanity and could now develop slowly and gradually.
[ 4 ] Auf anderem Gebiete geschieht, nicht ganz so rasch, aber doch auch ein Sprung in unserer Zeit. Er vollzieht sich zwar in längerem Zeitraum, aber er muß für die, welche unsere Zeit verstehen wollen, durchaus begreiflich erscheinen. Wir machen uns am besten einen Begriff davon, wenn wir hinhören auf Menschen, die heute, von diesem oder jenem geistigen Gebiete ausgehend, an die Geisteswissenschaft herankommen. Es kann zum Beispiel, was öfters vorkommt, ein Vertreter dieser oder jener Religionsgemeinschaft zu einem geisteswissenschaftlichen Vortrage kommen. Was ich jetzt ausspreche, ist etwas, was durchaus erklärlich ist, und soll kein Tadel sein. Ein solcher Mensch hört sich also einen geisteswissenschaftlichen Vortrag an, der sich etwa gerade mit dem Wesen des Christentums befaßt, und sagt hinterher: Das ist ja alles sehr schön, und im Grunde genommen widersprichtesgar nicht dem, was wir von der Kanzel oder vom Lehrstuhle herab auch sagen; aber wir sagen es so, daß es jeder verstehen kann. Was dagegen hier gesagt wird, das ist so, daß es nur einzelne verstehen können. — Das ist etwas, was sehr häufig geschieht. Wer so etwas sagt oder meint, daß nur das das einzig Mögliche ist, wie er das Christentum auffaßt oder verkündet, der berücksichtigt eines nicht: daß man die Verpflichtung hat, nicht nach seinen Liebhabereien, sondern nach den Tatsachen zu urteilen. Und einmal mußte von mir einem solchen Menschen geantwortet werden: Sie haben vielleicht den Glauben, daß Sie die christlichen Wahrheiten für alle Menschen verkünden. Aber unser Glaube entscheidet nichts in diesem Falle, sondern es entscheiden die Tatsachen. Gehen alle Leute zu Ihnen in die Kirche hinein? Die Tatsachen beweisen das Gegenteil! Für diejenigen, für welche Sie das Richtige treffen, ist eben die Geisteswissenschaft nicht da: sondern sie ist für diejenigen da, die etwas anderes brauchen. -— Wir müssen eben nach den Tatsachen urteilen und nicht nach unseren Liebhabereien; und das ist in der Regel für die Menschen sehr schwierig, ihre Liebhabereien von den Tatsachen zu unterscheiden.
[ 4 ] In other areas, a leap is taking place in our time—not quite as rapidly, but a leap nonetheless. Although it unfolds over a longer period, it must seem entirely comprehensible to those who wish to understand our time. We can best grasp this by listening to people who, starting from one spiritual field or another, are now approaching spiritual science. For example—and this happens quite often—a representative of one religious community or another might attend a lecture on spiritual science. What I am about to say is something that is entirely understandable and is not meant as a criticism. Such a person listens to a lecture on spiritual science that deals, for example, with the essence of Christianity, and says afterward: “That’s all very nice, and, when you get right down to it, it doesn’t even contradict what we say from the pulpit or the lectern; but we say it in a way that everyone can understand. What is said here, on the other hand, is expressed in a way that only a few can understand.” — This is something that happens very frequently. Anyone who says such a thing—or believes that the way they understand or proclaim Christianity is the only possible way—fails to take one thing into account: that one has an obligation to judge not according to one’s personal preferences, but according to the facts. And on one occasion I had to reply to such a person: You may believe that you are proclaiming Christian truths to all people. But our faith does not decide anything in this case; rather, the facts do. Do all people go to church with you? The facts prove the opposite! Spiritual science is not intended for those for whom you are correct; rather, it is intended for those who need something else. — We must judge according to the facts and not according to our personal preferences; and as a rule, it is very difficult for people to distinguish their personal preferences from the facts.
[ 5 ] Wenn nun solche Menschen gar nicht von der Meinung kuriert werden könnten, daß sie das Richtige treffen, und jeden anderen perhorreszieren, der anders spricht als sie, und wenn gegen solche Menschen das spirituelle Leben gar nicht aufkommen könnte, was würde da geschehen? Immer zahlreicher würden dann die Menschen werden, die nicht die Art der Verkündigung der geistigen Tatsachen hören könnten, wie sie in dieser oder jener Geistesströmung bisher üblich war. Immer weniger Menschen würde es geben, die dahin gehen, wo so etwas zu hören ist. Und wenn es dann keine geisteswissenschaftliche Strömung gäbe, so würden diese Menschen gar nichts haben, keine Befriedigung ihrer geistigen Bedürfnisse; sie würden verkommen, denn es würde ihnen keine Nahrung gegeben. Es hängt aber nicht von dem Willen des einzelnen ab, wie man die geistige Nahrung zugeformt bekommt — das hängt ab von der Entwickelung. Wir sind jetzt an der Tatsache und an dem Zeitpunkte angekommen, wo die Menschen Befriedigung haben wollen für ihre geistigen Bedürfnisse, für die Interpretation der Evangelien und so weiter. Aber nicht darauf kommt es an, wie wir die geistige Nahrung geben wollen, sondern wie die Menschenseele sie verlangt. Die Sehnsucht der menschlichen Seele nach der Geisteswissenschaft ist heute geboren. Und es hängt gar nicht von denen ab, die etwas anderes lehren wollen, ob sie die geistigen Bedürfnisse der Zeit befriedigen; denn sie werden immer weniger Zuhörer bekommen.
[ 5 ] If such people could not be dissuaded from the belief that they are right, and if they were to reject anyone who speaks differently from them, and if spiritual life could not take root at all among such people, what would happen then? The number of people who could not hear the manner in which spiritual truths are proclaimed—as has been customary in this or that spiritual movement—would then grow ever larger. Fewer and fewer people would go where such things are heard. And if there were then no spiritual-scientific movement, these people would have nothing at all, no satisfaction of their spiritual needs; they would wither away, for they would be given no nourishment. However, it does not depend on the will of the individual how spiritual nourishment is shaped for them—that depends on evolution. We have now reached the point where people want satisfaction for their spiritual needs, for the interpretation of the Gospels, and so on. But what matters is not how we wish to provide spiritual nourishment, but how the human soul demands it. The human soul’s longing for spiritual science has been born today. And it does not depend at all on those who wish to teach something else whether they satisfy the spiritual needs of the age; for they will have fewer and fewer listeners.
[ 6 ] Wir leben in einer Zeit, in welcher immer mehr aus den Menschenherzen die Möglichkeit verschwindet, die Bibel so hinzunehmen, wie sie während der letzten vier bis fünf Jahrhunderte der europäischen Kulturentwickelung hingenommen worden ist. Entweder wird die Menschheit die Geisteswissenschaft bekommen und durch die Geisteswissenschaft die Bibel in einem neuen Sinne verstehen lernen, oder die Menschen werden dahin kommen, wie es bei vielen schon heute der Fall ist, welche die Anthroposophie nicht kennen, daß sie nicht mehr hinhorchen können auf die Bibel. Die Menschheit würde die Bibel vollständig verlieren, die Bibel würde verschwinden, und ungeheure Geistesgüter würden der Menschheit verlorengehen — die wichtigsten Geistesgüter unserer Erdenentwickelung. Das muß eingesehen werden. Wir stehen an einem solchen Sprunge unserer Entwickelung. Das Menschenherz verlangt nach geisteswissenschaftlicher Erklärung der Bibel. Wird der Menschheit diese geisteswissenschaftliche Erklärung der Bibel, so wird die Bibel zum Segen der Menschheit erhalten bleiben; wird ihr diese Erklärung nicht, so wird die Bibel verlorengehen. Das sollten sich diejenigen sagen, welche glauben, ihre Liebhabereien, ihre hergebrachte Art, die Bibel zu nehmen, unbedingt aufrechterhalten zu müssen. So können wir jenen Sprung charakterisieren, den wir jetzt in der Menschheitsentwickelung machen. Wer diese Tatsache kennt, den kann nichts beirren in der Pflege der anthroposophischen Geistesströmung, weil er sie als eine Notwendigkeit für die Menschheitsentwickelung erkennt.
[ 6 ] We live in a time when the ability to accept the Bible as it has been accepted over the last four to five centuries of European cultural development is increasingly disappearing from people’s hearts. Either humanity will come to embrace spiritual science and, through spiritual science, learn to understand the Bible in a new light, or people will reach the point—as is already the case for many today who are unfamiliar with anthroposophy—where they can no longer listen to the Bible. Humanity would lose the Bible entirely; the Bible would disappear, and immense spiritual treasures would be lost to humanity—the most important spiritual treasures of our earthly evolution. This must be recognized. We stand at such a turning point in our evolution. The human heart yearns for a spiritual-scientific explanation of the Bible. If humanity receives this spiritual-scientific explanation of the Bible, the Bible will be preserved as a blessing for humanity; if it does not receive this explanation, the Bible will be lost. Those who believe they must absolutely maintain their personal preferences and their traditional way of approaching the Bible should take this to heart. This is how we can characterize the leap we are now making in human development. Anyone who is aware of this fact cannot be deterred from nurturing the anthroposophical spiritual movement, because they recognize it as a necessity for human development.
[ 7 ] Nun ist das, was jetzt geschieht, von einem höheren Gesichtspunkte aus betrachtet, sogar verhältnismäßig etwas Kleines gegenüber dem, was damals geschah, als der Christus Jesus auf der Erde erschien. Zu jener Zeit war die Menschheitsentwickelung so, daß sozusagen noch die letzten Ausläufer jener Entwickelung vorhanden waren, die seit uralten Zeiten, sogar seit der vorherigen Verkörperung unserer Erde, stattgefunden hat. Der Mensch entwickelte sich im wesentlichen in seinem physischen Leib, Atherleib und Astralleib. Er hatte zwar schon längst das Ich eingegliedert, aber dieses Ich spielte zu jener Zeit noch eine untergeordnete Rolle. Das vollständig selbstbewußte Ich war noch überdeckt von den drei Hüllen: physischer Leib, Atherleib und Astralleib, bis zur Zeit der Erscheinung des Christus Jesus.
[ 7 ] Now, viewed from a higher perspective, what is happening now is actually relatively minor compared to what took place back then, when Christ Jesus appeared on Earth. At that time, human evolution had reached a stage where, so to speak, the final vestiges of the development that had been taking place since time immemorial—even since the previous incarnation of our Earth—were still present. Human beings developed primarily in their physical body, etheric body, and astral body. Although they had long since integrated the “I,” this “I” still played a subordinate role at that time. The fully self-conscious “I” was still veiled by the three sheaths—the physical body, etheric body, and astral body—until the time of the appearance of Christ Jesus.
[ 8 ] Nehmen wir an, der Christus Jesus wäre nicht auf die Erde gekommen. Was würde da geschehen sein? Da wäre die Menschheitsentwickelung so fortgeschritten, daß das Ich voll herausgekommen wäre. Aber in demselben Maße wie das Ich voll herausgekommen wäre, würden alle früheren hervorragenden Fähigkeiten des Astralleibes, Atherleibes und physischen Leibes geschwunden sein; alles alte Hellsehen, alle alte Herrschaft von Seele und Geist über den Leib würden geschwunden sein, denn das wäre die Notwendigkeit der Entwickelung gewesen. Der Mensch wäre ein selbstbewußtes Ich geworden, aber ein Ich, das den Menschen immer mehr zum Egoismus geführt hätte, das immer mehr dazu geführt hätte, die Liebe auf der Erde ersterben zu machen, die Liebe von der Erde verschwinden zu machen. Iche wären die Menschen auch geworden, aber ganz egoistische Iche. Das ist das Wesentliche.
[ 8 ] Let us suppose that Christ Jesus had not come to Earth. What would have happened then? Humanity’s evolution would have progressed to the point where the “I” would have fully emerged. But to the same extent that the “I” had fully emerged, all the former outstanding abilities of the astral body, etheric body, and physical body would have faded away; all former clairvoyance, all former dominion of soul and spirit over the body would have faded away, for that would have been the necessity of evolution. Human beings would have become self-conscious “I’s,” but “I’s” that would have led humanity ever more toward selfishness, that would have led ever more to the withering away of love on Earth, to the disappearance of love from the Earth. Human beings would also have become “I’s,” but entirely selfish “I’s.” That is the essential point.
[ 9 ] Die Menschheit war in dem damaligen Zeitpunkte reif, um zu der Entwickelung des Selbstes, des Ich, aufzusteigen; daher war sie aber zu gleicher Zeit darüber hinaus, in der alten Weise auf sich wirken zu lassen. In der alten hebräischen Entwickelung konnte zum Beispiel das Gesetz, die Verkündigung vom Sinai deshalb wirken, weil das Ich noch nicht völlig herausgetreten war und dem astralischen Leibe, der als Höchstes dastand, sozusagen eingeflößt und eingeprägt wurde, was er tun und fühlen sollte, um in der. Außenwelt in der richtigen Weise zu handeln. So war das Gesetz vom Sinai wie eine Vorverkündigung erflossen, aber wie eine letzte Vorverkündigung, bevor das Ich völlig herausgekommen war. Wenn das Ich herausgekommen wäre und wenn nichts anderes eingetreten wäre, würde der Mensch nur auf sein Ich geschaut haben. Die Menschheit war eben reif zu der Entwickelung des Ich, aber das Ich wäre so ein leeres Ich gewesen, ein Ich, das nur an sich gedacht hätte und nichts für die anderen Menschen oder für die Welt hätte wirken wollen.
[ 9 ] At that point in time, humanity was ready to ascend to the development of the Self, the “I”; therefore, at the same time, it had outgrown the old way of allowing itself to be influenced. In the ancient Hebrew development, for example, the Law—the proclamation from Sinai—was able to take effect because the “I” had not yet fully emerged, and the astral body, which stood as the highest entity, was, so to speak, imbued and imprinted with what it was to do and feel in order to act correctly in the outer world. Thus, the Law from Sinai had flowed forth as a kind of preliminary proclamation—but as a final one, before the “I” had fully emerged. If the “I” had emerged and nothing else had occurred, human beings would have looked only to their own “I.” Humanity was indeed ripe for the development of the “I,” but the “I” would have been such an empty “I”—an “I” that would have thought only of itself and would not have wanted to do anything for other people or for the world.
[ 10 ] Diesem Ich den Inhalt zu geben, dieses Ich nach und nach zu einer solchen Entwickelung anzutreiben, daß es von sich aus jene Kraft ausströmt, die wir die Kraft der Liebe nennen, das war die Tat des Christus auf der Erde. Wie ein leeres Gefäß wäre das Ich ohne den Christus geworden; wie ein sich immer mehr und mehr mit Liebe erfüllendes Gefäß steht das Ich da durch die Erscheinung des Christus. Daher konnte der Christus zu seiner Umgebung sagen: Ihr sagt, wenn ihr Wolken heranziehen seht, es komme dieses oder jenes Wetter; so beurteilt ihr das Wetter nach den äußeren Zeichen. Die Zeichen der Zeit aber versteht ihr nicht. Denn würdet ihr sie verstehen und beurteilen können, was um euch herum vorgeht, dann würdet ihr wissen, daß in das Ich der Gott eindringen muß, der es durchdringt und imprägniert; dann würdet ihr nicht sagen: Wir können auch mit dem leben, was von den Vorzeiten her überliefert ist.- Was von den Vorzeiten stammt, das geben euch die Schriftgelehrten und Pharisäer, welche das Alte bewahren und nichts hinzukommen lassen wollen zu dem, was vorher an die Menschen herangetreten ist. Das ist aber ein Sauerteig, der nichts weiter wirken wird in der Menschheitsevolution. Wer aber sagt: Ich will stehenbleiben bei Moses und den Propheten -, der versteht nicht die Zeichen der Zeit, der weiß nicht, welcher Übergang in der Menschheit sich vollzieht (Lukas 12, 54-59). In bedeutungsvollen Worten sagte der Christus Jesus zu seiner Umgebung, daß es gar nicht von der Liebhaberei des einzelnen abhänge, ob man nun christlich werden wolle oder nicht, sondern von der Notwendigkeit in der Fortentwickelung der Menschheit. Begreiflich machen wollte er mit den Reden, die uns im Lukas-Evangelium überliefert sind als die von den «Zeichen der Zeit», daß der alte Sauerteig bei den Schriftgelehrten und Pharisäern, die nur das Alte bewahren, nicht mehr ausreiche, und glauben, daß er ausreiche, könne nur derjenige, der nicht die Verpflichtung fühlt, nach den Notwendigkeiten zu urteilen, die für die Entwickelung der Welt gelehrt werden, der alles nach seinen Liebhabereien beurteilt. Daher nannte der Christus Jesus das, was die Schriftgelehrten und Pharisäer wollten, eine Unwahrheit, etwas, was nicht mehr mit der äußeren Welt stimmt. Das würde der Ausdruck eigentlich bedeuten.
[ 10 ] To give substance to this “I,” to gradually guide this “I” toward such a development that it radiates of its own accord that power we call the power of love—that was the work of Christ on earth. Without Christ, the “I” would have become like an empty vessel; through the appearance of Christ, the “I” stands there like a vessel filling more and more with love. That is why Christ could say to those around him: “You say that when you see clouds gathering, such and such weather is coming; thus you judge the weather by outward signs. But you do not understand the signs of the times. For if you could understand and judge what is happening around you, you would know that God must enter the “I,” permeating and imbuing it; then you would not say: “We can also live with what has been handed down from ancient times.” - What comes from ancient times is given to you by the scribes and Pharisees, who preserve the old and refuse to allow anything to be added to what was previously presented to humanity. But this is leaven that will have no further effect on human evolution. But whoever says, “I will remain with Moses and the prophets”—such a person does not understand the signs of the times and does not know what transition is taking place within humanity (Luke 12:54–59). In meaningful words, Christ Jesus told those around him that whether one chooses to become a Christian or not does not depend at all on the individual’s personal preference, but rather on the necessity of humanity’s continued evolution. Through the discourses handed down to us in the Gospel of Luke as the “signs of the times,” ,” that the old leaven among the scribes and Pharisees—who preserve only the old—is no longer sufficient; and only those who do not feel the obligation to judge according to the necessities taught for the development of the world—those who judge everything according to their personal preferences—can believe that it is sufficient. That is why Christ Jesus called what the scribes and Pharisees wanted a falsehood—something that no longer corresponds to the external world. That is what the expression actually means.
[ 11 ] Wir können uns die Gefühlskraft seiner Rede am besten vor die Seele rücken, wenn wir sie mit den entsprechenden Vorgängen in unserer Zeit vergleichen. Wie müßte man denn in bezug auf das Angedeutete in unserer Zeit sprechen, wenn man ganz auf unsere Zeit übertragen wollte, was der Christus Jesus von den Schriftgelehrten und Pharisäern gesagt har? Haben wir in unserer Zeit etwas Ähnliches wie die Schriftgelehrten? Ja, wir haben etwas Ähnliches! Und das sind die, welche nicht mehr mitgehen wollen mit der tieferen Erklärung der Evangelien, die da stehenbleiben wollen bei dem, was ihnen ihre ohne die Geisteswissenschaft erworbenen Fähigkeiten über die Evangelien sagen können; das sind die, welche nicht mitgehen wollen die Schritte in die Untergründe der Evangelien, die durch die Geisteswissenschaft gemacht werden. Das ist im Grunde genommen überall da der Fall, wo man versucht - gleichgültig, ob in mehr fortschrittlicher oder mehr rückschrittlicher Weise —, die Evangelien zu interpretieren. Denn die Kraft, um die Evangelien interpretieren zu können, wächst einzig und allein auf geisteswissenschaftlichem Boden. Nur aus der Geisteswissenschaft ist die Wahrheit über die Evangelien zu gewinnen! Daher ist auch alles andere, was heute über die Evangelien geforscht wird, so trostlos, läßt so kalt, wenn wir wirklich nach der Wahrheit forschen wollen. Nur haben wir heute zu den Schriftgelehrten und Pharisäern noch eine dritte Sorte von Menschen erhalten, die Naturgelehrten, so daß wir heute von drei Kategorien sprechen können, die überhaupt alles ausschließen wollen, was zum Geistigen führt, was der Mensch sich an Fähigkeiten erwerben kann, um zu den geistigen Grundlagen der Naturerscheinungen zu kommen. Und diejenigen, welche man für die heutige Zeit, wenn man im Sinne des Christus Jesus redet, mittreffen muß, die sitzen heute vielfach auf den Lehrstühlen; sie haben es in der Hand, die Naturerscheinungen zusammenzustellen, und lehnen die geistigen Erklärungen ab. Sie sind es, die den Fortschritt der Menschheitsentwickelung aufhalten, denn der Fortschritt der Menschheit wird überall da aufgehalten, wo man die Zeichen der Zeit in dem angedeuteten Sinne nicht erkennen will.
[ 11 ] We can best bring home the emotional power of his speech by comparing it to corresponding events in our own time. How, then, should we speak in our time regarding what has been alluded to, if we were to apply fully to our own era what Jesus Christ said about the scribes and Pharisees? Do we have anything similar to the scribes in our time? Yes, we do! And these are the ones who no longer wish to follow the deeper interpretation of the Gospels, who want to remain stuck at what their abilities—acquired without spiritual science—can tell them about the Gospels; these are the ones who do not wish to follow the steps into the depths of the Gospels that are taken through spiritual science. This is essentially the case wherever one attempts—whether in a more progressive or a more regressive manner—to interpret the Gospels. For the power to interpret the Gospels grows solely on the soil of spiritual science. The truth about the Gospels can be gained only from spiritual science! That is why everything else being researched about the Gospels today is so disheartening and leaves us so cold if we truly wish to seek the truth. However, in addition to the scribes and Pharisees, we now have a third type of person: the natural scientists. Thus, we can speak today of three categories that seek to exclude everything that leads to the spiritual—everything that human beings can acquire in terms of abilities to arrive at the spiritual foundations of natural phenomena. And those whom one must encounter in the present day—speaking in the spirit of Jesus Christ—are often found today in academic chairs; they hold the power to interpret natural phenomena and reject spiritual explanations. They are the ones who are holding back the progress of human development, for the progress of humanity is held back wherever people refuse to recognize the signs of the times in the sense indicated.
[ 12 ] In unserer Zeit würde es der Nachfolge des Christus Jesus nur entsprechen, wenn man den Mut fände, so wie er sich gegen die wandte, die nur Moses und die Propheten gelten lassen wollten, überall sich gegen diejenigen zu wenden, die den Fortschritt der Menschheit zurückschrauben wollen, indem sie sich gegen die anthroposophische Interpretation der Schriftwerke auf der einen Seite und der Naturwerke auf der anderen Seite wenden. Es sind zuweilen wirklich gutmeinende Leute, die gern einmal da oder dort hinein einen vagen Frieden vermitteln möchten. Allen solchen Leuten müßte etwas davon ins Herz wachsen, was gerade der Christus Jesus im Sinne des Lukas-Evangeliums gesprochen hat.
[ 12 ] In our time, it would be in keeping with the way of Christ Jesus only if we found the courage—just as he turned against those who would accept only Moses and the prophets—to turn everywhere against those who seek to set back the progress of humanity by opposing the anthroposophical interpretation of the Scriptures on the one hand and the works of nature on the other. Sometimes these are truly well-meaning people who would like to foster a vague sense of peace here and there. All such people should allow something to take root in their hearts—something that Jesus Christ himself spoke of in the Gospel of Luke.
[ 13 ] Es gehört zu den schönsten und eindringlichsten Gleichnissen des Lukas-Evangeliums jenes, das gewöhnlich genannt wird das Gleichnis von dem ungerechten Hausverwalter (Lukas 16, 1-13). Da wird erzählt: Ein reicher Mann hatte einen Hausverwalter, von dem ihm gesagt worden war, daß er ihm sein Gut verschwende. Er beschloß daher, diesen Hausverwalter zu entlassen. Dieser aber war im höchsten Grade darüber bestürzt und fragte sich: Was soll ich nun tun? Ich kann mich nicht dadurch ernähren, daß ich irgendwie Ackerbauer werde, denn das verstehe ich nicht; ich kann auch nicht Bettler werden, denn zu betteln schäme ich mich. Da kam er auf ein Auskunftsmittel. Er sagte sich: Ich habe ja als Verwalter immer die Leute, die mit mir in Berührung kamen, so behandelt, daß ich nur auf die Interessen meines Herrn gesehen habe. Daher haben sie mich nicht besonders gern, weil ich auf ihre Interessen nicht gesehen habe; ich muß etwas tun, damit sie mich aufnehmen bei sich, damit ich nicht zugrunde gehe; ich werde etwas tun, damit die Leute sehen, daß ich Wohlwollen für sie habe. - Da kam er zu einem der Schuldner seines Herrn, fragte ihn: Wieviel bist du schuldig? — und ließ ihn die Hälfte der Schuld abstreichen. Ebenso machte er es bei den anderen. Auf diese Weise suchte er das Wohlwollen der Schuldner zu erreichen, damit er, wenn ihn sein Herr fortjagt, zu den Leuten gehen und Aufnahme finden könne und nicht Hungers sterbe. Das ist der Zweck. — Nun heißt es im Evangelium weiter, worüber vielleicht dieser oder jener, der das Lukas-Evangelium liest, recht‘ erstaunt sein könnte (Vers 8): «Und der Herr lobte den ungerechten Haushalter, daß er klüglich getan hatte.» Es hat wirklich von der Sorte der’Leute, die heute die Evangelien erklären, welche gegeben, die sich Gedanken machten, welcher «Herr» damit gemeint sei, trotzdem da ganz deutlich steht, daß Jesus selber den Verwalter wegen seiner Klugheit gelobt hat. Und dann heißt es weiter: «denn die Kinder dieser Welt sind klüger denn die Kinder des Lichtes in ihrem Geschlechte». So steht es seit Jahrhunderten in der Bibel. Man möchte sich fragen, ob denn niemand darüber nachgedacht hat, was das heißen soll: «die Kinder dieser Welt sind klüger denn die Kinder des Lichtes in ihrem Geschlechte». «In ihrem Geschlechte» steht überall in den verschiedenen Bibelübersetzungen. Wenn jemand mit bloß einiger Kenntnis den griechischen Text übersetzen würde — er müßte ihn natürlich richtig übersetzen —, dann aber hieße es richtig: «denn die Kinder dieser Welt sind klüger als die Kinder des Lichtes in ihrer Art»! Das heißt, nach ihrer Art sind die Kinder der Welt klüger als die Kinder des Lichtes, nach dem, wie sie es verstehen, sind sie klüger, meinte der Christus. Diejenigen, die seit Jahrhunderten diese Stelle übersetzt haben, haben einfach bis heute die Bezeichnung «in ihrer Art» verwechselt mit einem Wort, das zwar in der griechischen Sprache sehr ähnlich klingt: ri» yerear = (ten genean), sie haben es mit «Geschlecht» verwechselt, weil man unter Umständen dieses Wort auch für den anderen Begriff brauchte. Ist es möglich, so möchte man fragen, daß sich durch Jahrhunderte hindurch eine solche Sache fortschleppte und daß neuere Menschen auftreten, von denen gesagt wird, daß sie gute Bibelübersetzungen zustande gebracht haben und sich bemüht haben, den richtigen Text herzustellen, die es nicht anders machen? Bei Weizsäcker zum Beispiel steht es gerade so! So sonderbar es ist, es ist geradeso, wie wenn die Menschen ihre allerersten Schulkenntnisse verlernten, wenn sie sich anschicken, die wahre Gestalt der biblischen Urkunden zu erforschen.
[ 13 ] One of the most beautiful and powerful parables in the Gospel of Luke is the one commonly known as the Parable of the Unjust Steward (Luke 16:1–13). The story goes: A rich man had a steward about whom he had been told was squandering his property. He therefore decided to dismiss this steward. But the steward was deeply distressed by this and asked himself: What am I to do now? I cannot make a living by becoming a farmer, for I do not understand that; nor can I become a beggar, for I am too ashamed to beg.” Then he came up with a plan. He said to himself: “As a steward, I have always treated the people I came into contact with in such a way that I looked only to my master’s interests. That’s why they don’t particularly like me—because I didn’t look out for their interests; I must do something so that they’ll take me in, so that I don’t come to ruin; I’ll do something so that people see that I have goodwill toward them.” So he went to one of his master’s debtors and asked him, “How much do you owe?”—and had half the debt written off. He did the same with the others. In this way, he sought to win the goodwill of the debtors so that, if his master drove him away, he could go to the people and find refuge and not die of hunger. That is the purpose. — Now the Gospel goes on to say something that might well astonish this or that reader of the Gospel of Luke (verse 8): “And the master commended the dishonest steward for having acted shrewdly.” There are indeed some among those who explain the Gospels today who have wondered which “master” is meant here, even though it is stated quite clearly that Jesus himself commended the steward for his shrewdness. And then it goes on to say: “For the children of this world are wiser in their own generation than the children of light.” This is how it has been written in the Bible for centuries. One might wonder whether no one has ever thought about what this means: “the children of this world are wiser than the children of light in their own generation.” “In their own generation” appears consistently in the various Bible translations. If someone with even a little knowledge were to translate the Greek text—and of course they would have to translate it correctly—then the correct rendering would be: “For the children of this world are wiser than the children of light in their own way”! That is to say, in their own way, the children of this world are wiser than the children of light; according to their own understanding, they are wiser, Christ meant. Those who have translated this passage for centuries have simply, up to the present day, confused the phrase “in their own way” with a word that sounds very similar in Greek: ri» yerear = (ten genean); they have confused it with “generation,” because under certain circumstances this word was also used for the other concept. One might ask: Is it possible that such a mistake has dragged on for centuries, and that modern scholars—who are said to have produced good Bible translations and to have strived to establish the correct text—do not correct it? With Weizsäcker, for example, this is exactly the case! As strange as it is, it is just as if people had forgotten their very first lessons from school when they set out to investigate the true form of the biblical documents.
[ 14 ] Vor allen Dingen wird die geisteswissenschaftliche Weltanschauung dazu führen müssen, die biblischen Urkunden der Welt wieder so zu geben wie sie sind. Denn die Welt hat heute die Bibel nicht, und sie kann sich gar keine Vorstellung machen, wie diese Bücher sind. Man könnte geradezu fragen: Sind das die biblischen Bücher? Nein, sie sind es in den wichtigsten Teilen geradezu nicht! Ich will Ihnen das auch noch näher zeigen.
[ 14 ] Above all, the humanistic worldview will have to lead to presenting the biblical documents to the world again just as they are. For the world today does not have the Bible, and it cannot even begin to imagine what these books are like. One might even ask: Are these the biblical books? No, in their most essential parts, they are certainly not! I would like to show you this in more detail.
[ 15 ] Was soll denn überhaupt mit diesem Gleichnis vom ungerechten Haushalter gesagt werden? Das ist klar darin ausgedrückt. Der Hausverwalter hat sich überlegt: Wenn ich hier fortgehen muß, dann muß ich mich bei den Leuten beliebt machen. Er hat eingesehen, daß man nicht «zweien Herren» dienen kann. So sollt ihr einsehen — sagte der Christus zu seiner Umgebung -, daß ihr auch nicht zweien Herren dienen könnt, demjenigen, der jetzt als Gott in die Herzen einziehen soll, und demjenigen, den bisher die Schriftgelehrten verkündet haben, welche die Prophetenbücher interpretiert haben; denn ihr könnt nicht dem Gotte dienen, der als Christus-Prinzip in eure Seelen einziehen soll und die Menschheit in ihrer Entwickelung um ein Mächtiges vorwärtsbringen soll, und dem Gotte, der als ein Hindernis sich davorlegen würde in dieser Entwickelung. — Denn alles, was in einer verflossenen Zeit richtig war, das wird zu einem Hemmnis in der späteren Entwickelung. Darauf beruht in gewisser Weise die Entwickelung, daß dasjenige, was für eine Zeit richtig ist, zum Hindernis wird, wenn es hineingetragen wird in eine spätere Zeit. Diejenigen Mächte, welche die Hindernisse dirigieren, nannte man damals mit einem technischen Ausdruck den Mammon. — Ihr könnt nicht dem Gott, der den Fortschritt will, und dem Mammon, dem Gott der Hindernisse, dienen. Sehet euch den Verwalter an, wie er als ein Kind der Welt einsah, wie man nicht einmal mit dem gewöhnlichen Mammon zwei Herren dienen kann! So sollt ihr einsehen, indem ihr euch erhebt, daß ihr Kinder des Lichtes werdet, daß ihr nicht zwei Herren dienen könnt (Lukas 16, 11-13).
[ 15 ] Was soll denn überhaupt mit diesem Gleichnis vom ungerechten Haushalter gesagt werden? Das ist klar darin ausgedrückt. Der Hausverwalter hat sich überlegt: Wenn ich hier fortgehen muß, dann muß ich mich bei den Leuten beliebt machen. Er hat eingesehen, daß man nicht «zweien Herren» dienen kann. So sollt ihr einsehen — sagte der Christus zu seiner Umgebung -, daß ihr auch nicht zweien Herren dienen könnt, demjenigen, der jetzt als Gott in die Herzen einziehen soll, und demjenigen, den bisher die Schriftgelehrten verkündet haben, welche die Prophetenbücher interpretiert haben; denn ihr könnt nicht dem Gotte dienen, der als Christus-Prinzip in eure Seelen einziehen soll und die Menschheit in ihrer Entwickelung um ein Mächtiges vorwärtsbringen soll, und dem Gotte, der als ein Hindernis sich davorlegen würde in dieser Entwickelung. — Denn alles, was in einer verflossenen Zeit richtig war, das wird zu einem Hemmnis in der späteren Entwickelung. Darauf beruht in gewisser Weise die Entwickelung, daß dasjenige, was für eine Zeit richtig ist, zum Hindernis wird, wenn es hineingetragen wird in eine spätere Zeit. Diejenigen Mächte, welche die Hindernisse dirigieren, nannte man damals mit einem technischen Ausdruck den Mammon. — Ihr könnt nicht dem Gott, der den Fortschritt will, und dem Mammon, dem Gott der Hindernisse, dienen. Sehet euch den Verwalter an, wie er als ein Kind der Welt einsah, wie man nicht einmal mit dem gewöhnlichen Mammon zwei Herren dienen kann! So sollt ihr einsehen, indem ihr euch erhebt, daß ihr Kinder des Lichtes werdet, daß ihr nicht zwei Herren dienen könnt (Lukas 16, 11-13).
[ 16 ] Ebenso muß der, der in unserer Zeit lebt, einsehen, daß es eine Vermittlung nicht gibt zwischen dem Gotte Mammon in unserer Zeit — zwischen den Schriftgelehrten und Naturgelehrten — und der Richtung, welche der Menschheit heute die Nahrung geben muß, die sie braucht. Das ist christlich gesprochen. Das ist für unsere Zeit in entsprechende Worte gekleidet, was der Christus Jesus im Sinne des Lukas-Evangeliums seiner Umgebung hatte sagen wollen in dem Gleichnis, daß man nicht zweien Herren dienen kann, wie er es anschaulich machte an dem Hausverwalter.
[ 16 ] Likewise, those who live in our time must realize that there is no middle ground between the god Mammon of our time—between the scribes and the natural scientists—and the path that must provide humanity today with the nourishment it needs. This is expressed in Christian terms. It is a formulation, adapted to our times, of what Jesus Christ—in the spirit of the Gospel of Luke—wanted to convey to those around him in the parable that one cannot serve two masters, as he vividly illustrated with the example of the steward.
[ 17 ] Wir müssen die Evangelien lebendig verstehen. Geisteswissenschaft selber soll etwas Lebendiges werden! Daher soll alles, was sie anfaßt, unter ihrem Einflusse Leben gewinnen. Das Evangelium soll uns etwas sein, was in unsere eigenen geistigen Fähigkeiten einfließt. Wir sollen nicht nur davon schwatzen, daß man zur Zeit des Christus Jesus die Schriftgelehrten und Pharisäer abweisen konnte, denn dann gedächten wir wieder nur einer verflossenen Zeit. Sondern wir sollen wissen, wie in unserer Zeit dasjenige lebendig wird, und wo in unserer Zeit die Nachfolge dessen liegt, was der Christus Jesus für seine Zeit als den Gott Mammon bezeichnete. Das ist das lebendige Verstehen. Das ist aber auch das, was eine tiefe, bedeutsame Rolle in dem spielt, was uns im Lukas-Evangelium erzählt wird. Denn es verbindet sich mit dieser Anschauung, die eben jetzt klargemacht worden ist, mit dem Gleichnis, das nur im Lukas-Evangelium steht, einer der allerwichtigsten Begriffe im Evangelium überhaupt; und wir können uns diesen allerwichtigsten Begriff des Evangeliums nur in unser Gemüt schreiben, wenn wir in der Lage sind, uns noch einmal in gewisser anderer Weise die Beziehung des Buddha und des von ihm gegebenen Einschlages zu dem Christus Jesus herstellen zu können.
[ 17 ] We must understand the Gospels in a living way. Spiritual science itself must become something alive! Therefore, everything it touches should come to life under its influence. The Gospel should be something that flows into our own spiritual capacities. We should not merely talk about how, in the time of Christ Jesus, the scribes and Pharisees could be rejected, for then we would once again be thinking only of a bygone era. Rather, we should know how this becomes alive in our own time, and where in our time the successor to that which Christ Jesus described as “Mammon” in his own time lies. That is what living understanding is. But this is also what plays a profound, significant role in what is told to us in the Gospel of Luke. For it connects this perspective—which has just been clarified—with the parable found only in the Gospel of Luke, one of the most important concepts in the Gospel as a whole; and we can only inscribe this most important concept of the Gospel into our hearts if we are able to reestablish, in a somewhat different way, the relationship between the Buddha and the influence he exerted on Jesus Christ.
[ 18 ] Wir haben gesagt, daß der Buddha die große Lehre vom Mitleid und von der Liebe vor die Menschheit hingestellt hat. Hier haben wir einen der Fälle, wo das, was im Okkultismus gesagt wird, ganz genau genommen werden muß; denn sonst könnte jemand sagen: Du sprichst einmal davon, daß der Christus die Liebe auf die Erde gebracht hat, und dann wird ein andermal gesagt, daß der Buddha die Lehre von der Liebe gebracht hat. Wird denn aber beide Male dasselbe gesagt? Das eine Mal sage ich, daß Buddha die Lehre von der Liebe auf die Erde gebracht hat, und das andere Mal dagegen, der Christus habe die Liebe selber als eine lebendige Kraft auf die Erde gebracht. Das ist der große Unterschied. Wo die tiefsten Sachen für die Menschheit in Betracht kommen, da muß man eben genau hinhorchen; denn sonst geschieht es, daß die Dinge, die an einem Orte mitgeteilt werden, wenn sie sich verbreiten, an einem anderen Orte in einer ganz anderen Gestalt erscheinen und daß dann gesagt wird: Ja, der hat, um allen gerecht zu werden, eigentlich zwei Verkündiger der Liebe aufgestellt. - Auf genaues Hinhorchen kommt es gerade auf dem Felde des Okkultismus an. Wenn wir die in dieser Weise in Worte gekleideten bedeutsamen Wahrheiten wirklich verstehen, dann erscheinen sie uns im richtigen Lichte.
[ 18 ] We have said that the Buddha presented the great teaching of compassion and love to humanity. Here we have one of those cases where what is said in occultism must be taken quite literally; otherwise, someone might say: “You say on one occasion that Christ brought love to Earth, and then on another occasion it is said that the Buddha brought the teaching of love.” But is the same thing being said in both cases? On one occasion, I say that the Buddha brought the teaching of love to Earth, whereas on the other, I say that Christ brought love itself as a living force to Earth. That is the great difference. When it comes to the deepest matters for humanity, one must listen very carefully; otherwise, it happens that things communicated in one place, when they spread, appear in a completely different form in another place, and then it is said: “Yes, in order to do justice to everyone, he has actually set forth two heralds of love.” - Listening carefully is particularly important in the field of occultism. When we truly understand the significant truths expressed in this way, they appear to us in their proper light.
[ 19 ] Wir wissen, daß die Umschreibung der großen Lehre vom Mitleid und von der Liebe, wie sie Buddha gebracht hat, im achtgliedrigen Pfade liegt, und wir fragen uns: Was stellt eigentlich dieser achtgliedrige Pfad für ein Ziel dar? Wir können die Frage auch so stellen: Wohin gelangt der Mensch, der nun wirklich aus den Tiefen seiner Seele heraus den achtgliedrigen Pfad als sein Lebensideal hinstellt, wenn er sich dieses Ziel so vor Augen setzt, daß er sagt: Wie werde ich am vollkommensten? Wie reinige und läutere ich mein Ich in der allervollkommensten Weise? Was muß ich alles tun, um in möglichst vollkommener Weise mein Ich in die Welt zu stellen? Er wird sich sagen: Wenn ich alles beobachte, was im achtgliedrigen Pfade gesagt wird, dann wird mein Ich das denkbar vollkommenste werden, denn alles geht auf die Läuterung und Veredelung des Ich; alles, was aus diesem wunderbaren achtgliedrigen Pfade herausstrahlen kann, soll sich sozusagen in uns hineinarbeiten, alles ist Arbeit unseres Ich an seiner Vervollkommnung. Das ist das Wesentliche. Wenn also die Menschheit das, was der Buddha als das «Rad des Gesetzes» rollen ließ, wie der technische Ausdruck heißt, weiter bei sich entwickeln würde, so würde sie nach und nach dazu kommen, möglichst vollkommene Iche zu haben, beziehungsweise zu wissen, welches die vollkommensten Iche sind. Im Gedanken, als Weisheit, würde die Menschheit die vollkommensten Iche haben. Wir könnten auch sagen: Buddha hat der Menschheit die Weisheit von der Liebe und dem Mitleid gebracht, und wenn wir unseren Astralleib so durchsetzen, daß er ganz ein Produkt des achtgliedrigen Pfades ist, dann wissen wir, was wir wissen sollen über die Gesetze von der Lehre des achtgliedrigen Pfades.
[ 19 ] We know that the essence of the great teaching on compassion and love, as presented by the Buddha, lies in the Eightfold Path, and we ask ourselves: What, exactly, is the goal of this Eightfold Path? We can also phrase the question this way: Where does a person arrive who, from the depths of his soul, truly sets the Eightfold Path as his ideal in life—when he sets this goal before himself in such a way that he asks: How can I become as perfect as possible? How do I purify and refine my self in the most perfect way? What must I do to present my self to the world in the most perfect way possible? He will say to himself: If I observe everything that is taught in the Eightfold Path, then my “I” will become as perfect as is conceivable, for everything is directed toward the purification and refinement of the “I”; everything that can radiate from this marvelous Eightfold Path is meant, so to speak, to work its way into us—everything is the work of our “I” toward its perfection. That is the essence. So if humanity were to continue developing within itself what the Buddha set in motion as the “Wheel of the Law”—as the technical term goes—it would gradually come to possess the most perfect selves possible, or rather, to know which are the most perfect selves. In thought, as wisdom, humanity would possess the most perfect selves. We could also say: The Buddha brought humanity the wisdom of love and compassion, and if we shape our astral body so that it is entirely a product of the Eightfold Path, then we will know what we need to know about the laws of the teaching of the Eightfold Path.
[ 20 ] Aber es ist ein Unterschied zwischen der Weisheit, dem Gedanken, und der lebendigen Kraft, die wirkt. Und es ist ein Unterschied, zu wissen, wie das Ich sein muß, und die lebendige Kraft in sich einfließen zu lassen, die dann wieder von dem Ich ausfließen kann in alle Welt, so wie von dem Christus ausfließend diese Kraft wirkte auf die Astralleiber, Atherleiber und physischen Leiber seiner Umgebung. Zu wissen, was der Inhalt der Lehre vom Mitleid und von der Liebe ist, das ist der Menschheit möglich geworden durch den Einschlag, den der große Buddha gebracht hat. Was dagegen der Christus gebracht hat, das ist zunächst eine lebendige Kraft, ist nicht Lehre. Er selber hat sich hingegeben, er ist heruntergestiegen, um nicht bloß in die menschlichen Astralleiber einzufließen, sondern in das Ich, damit dieses die Kraft hat, das Substantielle der Liebe von sich strahlen zu lassen. Das Substantielle, den lebendigen Inhalt der Liebe, nicht bloß den weisheitsvollen Inhalt der Liebe hat der Christus auf die Erde gebracht. Darum handelt es sich.
[ 20 ] But there is a difference between wisdom, thought, and the living force that acts. And there is a difference between knowing how the “I” must be and allowing the living force to flow into oneself, which can then flow out again from the “I” into the whole world, just as this force, flowing out from the Christ, acted upon the astral bodies, etheric bodies, and physical bodies of those around him. To know the content of the teaching of compassion and love—this has become possible for humanity through the impact brought about by the great Buddha. What Christ, on the other hand, brought is first and foremost a living force; it is not a teaching. He himself gave himself up; he descended not merely to flow into human astral bodies, but into the “I,” so that the “I” might have the power to radiate the substance of love from within itself. It is the substance—the living content of love, not merely the wisdom-filled content of love—that the Christ brought to Earth. That is what is at stake.
[ 21 ] Es ist jetzt neunzehnhundert Jahre und etwa fünf Jahrhunderte her, daß der große Buddha auf der Erde gelebt hat. Und es werden noch das ist etwas, was uns die okkulten Tatsachen lehren - etwa dreitausend Jahre über die Erdenentwickelung dahingehen. Dann werden die Menschen in größerer Anzahl so weit sein, daß sie aus ihrer eigenen moralischen Gesinnung, aus ihrer eigenen Seele und dem eigenen Herzen heraus den achtgliedrigen Pfad, die Weisheit des Buddha entwickeln können. Der Buddha mußte einmal da sein. Von da ging jene Kraft aus, welche die Menschen nach und nach als die Weisheit des achtgliedrigen Pfades entwickeln werden. Dann, nach ungefähr dreitausend Jahren von jetzt ab, werden sie ihn zu ihrem Eigentum haben. Die Menschen werden selbst diese Lehre entwickeln können, sie nicht bloß von außen aufnehmen, sondern aus sich entwickeln und sich sagen: Dieser achtgliedrige Pfad sprießt aus uns hervor als die Weisheit vom Mitleid und der Liebe.
[ 21 ] It has now been nineteen hundred years and about five centuries since the great Buddha lived on Earth. And—this is something the occult facts teach us—about three thousand years will still pass in the course of Earth’s evolution. Then a greater number of people will be ready to develop the Eightfold Path—the Buddha’s wisdom—out of their own moral disposition, out of their own soul and heart. The Buddha had to be here at one time. From him emanated that power which human beings will gradually develop as the wisdom of the Eightfold Path. Then, about three thousand years from now, they will have made it their own. Human beings will be able to develop this teaching themselves—not merely absorb it from the outside, but develop it from within—and say to themselves: This Eightfold Path springs forth from within us as the wisdom of compassion and love.
[ 22 ] Wenn nichts weiter eingetreten wäre, als daß der große Buddha das «Rad des Gesetzes» hätte rollen lassen, dann würde zwar die Menschheit von jetzt ab nach dreitausend Jahren auch die Fähigkeit erlangt haben, die Lehre vom Mitleid und von der Liebe zu wissen; aber etwas anderes ist es, auch die Kraft erlangt zu haben, um wirklich darinnen zu leben. Und das ist der Unterschied: nicht nur vom Mitleid und der Liebe zu wissen, sondern unter dem Einflusse einer Individualität auch diese Kraft zu entwickeln. Diese Fähigkeit ging von dem Christus aus. Er goß die Liebe selber in die Menschen hinein, und sie wird immer mehr wachsen. Und wenn die Menschen am Ende ihrer Entwickelung angekommen sein werden, dann werden sie in Weisheit wissen, welches der Inhalt der Lehre vom Mitleid und von der Liebe ist; das werden sie dem Buddha zu verdanken haben. Aber sie werden zu gleicher Zeit die Fähigkeit haben, die Liebe herausströmen zu lassen aus dem Ich über die Menschheit; das wird die Menschheit dem Christus zu verdanken haben.
[ 22 ] If nothing more had happened than the Great Buddha setting the “Wheel of the Law” in motion, then humanity would indeed, three thousand years from now, have acquired the ability to understand the teaching of compassion and love; but it is quite another matter to have also attained the strength to truly live by them. And that is the difference: not merely to know about compassion and love, but to develop this strength under the influence of an individual. This ability emanated from the Christ. He poured love itself into human beings, and it will continue to grow. And when human beings have reached the end of their development, they will know in wisdom what the teaching of compassion and love entails; they will owe this to the Buddha. But at the same time, they will have the ability to let love flow out from the Self to all of humanity; humanity will owe this to Christ.
[ 23 ] So mußten diese beiden zusammenwirken, und so mußte es geschildert werden, um das Lukas-Evangelium verständlich zu machen. Das tritt uns aber auch sogleich entgegen, wenn wir die Worte, die uns im Lukas-Evangelium gegeben werden, im richtigen Sinne zu deuten wissen (Lukas 2, 13-14). Da sind die Hirten, die herbeieilen, um die Verkündigung zu empfangen. Da oben ist die Engelschar, die nichts anderes ist als der geistig imaginative Ausdruck für den Nirmanakaya des Buddha. Was wird ihnen verkündet von dem, was da oben ist? Die Offenbarung des weisheitsvollen Gottes aus den Höhen! Das verkündet ihnen der Nirmanakaya des Buddha, der als Engelschar über dem nathanischen Jesuskindlein schwebt. Aber noch etwas anderes wird hinzugefügt: «Und Frieden den Menschen auf der Erde unten, die durchdrungen sind von-einem guten Willen», das heißt denjenigen Menschen, in denen die wirkliche lebendige Kraft der Liebe aufkeimt. Das ist es, was sich nach und nach auf der Erde verwirklichen muß durch den Einschlag, den der Christus gegeben hat. Er brachte die lebendige Kraft hinzu zu dem, was die «Offenbarung aus den Höhen» war. Das brachte er in jedes Menschenherz hinein und brachte jeder Menschenseele etwas, wovon diese Menschenseele überfließen konnte. Er gab ihr nicht bloß etwas, was eine Lehre war, die man aufnehmen konnte als Gedanke und Idee, sondern eine Kraft, die hinausfließen kann aus dieser Menschenseele. Und keine andere Kraft als jene, die als ChristusKraft in der Menschenseele wirken kann, und welche die Menschenseele überströmen lassen kann, ist diejenige, welche ständig — zum Beispiel im Lukas-Evangelium und in den anderen Evangelien - als die Kraft des Glaubens bezeichnet wird. Das ist Glaube im Sinne der Evangelien. Derjenige hat den Glauben, der in sich aufnimmt den Christus, so daß der Christus in ihm lebt, daß sein Ich nicht bloß als ein leeres Gefäß in ihm lebt, sondern einen überfließenden Inhalt hat. Und dieser überfließende Inhalt ist kein anderer als der Inhalt der Liebe.
[ 23 ] These two elements had to work together, and this is how it had to be described in order to make the Gospel of Luke understandable. But this also becomes immediately apparent to us when we know how to interpret the words given to us in the Gospel of Luke in their proper sense (Luke 2:13–14). There are the shepherds who hurry to receive the proclamation. Up above is the host of angels, which is nothing other than the spiritual-imaginative expression of the Buddha’s Nirmanakaya. What is proclaimed to them from above? The revelation of the God of Wisdom from on high! This is proclaimed to them by the Buddha’s Nirmanakaya, which hovers as a host of angels above the infant Jesus of Nazareth. But something else is added: “And peace to the people on earth below who are imbued with good will”—that is, to those people in whom the true, living power of love is sprouting. This is what must gradually be realized on earth through the impact that Christ has made. He added the living power to what was the “revelation from on high.” He brought this into every human heart and gave every human soul something from which that soul could overflow. He did not merely give it something that was a teaching to be received as a thought or an idea, but a power that can flow out from that human soul. And no other power than that which can work as the Christ-power within the human soul—and which can cause the human soul to overflow—is the one that is constantly referred to—for example, in the Gospel of Luke and in the other Gospels—as the power of faith. That is faith in the sense of the Gospels. The one who has faith is the one who takes Christ into himself, so that Christ lives within him, so that his “I” does not merely live within him as an empty vessel, but has a content that overflows. And this overflowing content is none other than the content of love.
[ 24 ] Warum konnte denn der Christus mit seinen Worten jenes große Beispiel der «Heilung durch das Wort» hinstellen? Er konnte es, weil er der erste war, der das «Rad der Liebe» - nicht das «Rad des Gesetzes» — als eine freie Fähigkeit und Kraft der Menschenseele rollen ließ, weil er im höchsten Maße die Liebe in sich hatte, so überfließend und überschäumend, daß sie überfloß in diejenigen, die in seiner Umgebung gesund werden sollten; weil sein Wort, das er sprach - sei es «Stehe auf und wandle» oder «Deine Sünden sind dir vergeben» oder ein anderes Wort, aus seiner im Innern überfließenden Liebe hervorging. Er sprach Worte, die aus einem Überlaufen der Liebe über das Maß des Ich hinaus gesprochen waren. Und die, welche sich ein wenig mit dieser Tatsache erfüllen konnten, nannte der Christus Gläubige. Nur diesen Gedanken müssen wir jetzt mit dem Begriffe des Glaubens — einem der wesentlichsten im Neuen Testament - verbinden. Glauben ist die Fähigkeit des Hinübergehens über sich selbst, des Hinausfließens über das, was das Ich zu seiner eigenen Vervollkommnung zunächst tun kann. Daher lehrt der Christus, da er in den Leib des nathanischen Jesus eingezogen ist und sich dort mit der Kraft des Buddha verbunden hat, nicht etwa: Wie soll sich das Ich möglichst vervollkommnen? — sondern: Wie soll das Ich überfließen? Wie kann es über sich hinausgehen? — Er sagt es oft mit einfachen Worten, wie die Worte des Lukas-Evangeliums überhaupt zu den einfältigsten Herzen sprechen können. Er sagt: Es ist nicht genug, daß ihr nur denen etwas gebt, von denen ihr genau wißt, daß sie es euch wieder zurückgeben, denn das tun die Sünder auch. Wenn sie genau wissen, daß sie wieder zurückbekommen, was sie gegeben haben, dann haben sie es noch nicht aus der überschäumenden Liebe getan. Wenn ihr aber gebt und wißt, daß ihr es nicht wiederbekommt, dann habt ihr es aus der wirklichen Liebe heraus getan; dann ist das die Liebe, die das Ich nicht umschließt, sondern die dieses Ich aus sich entlassen muß als eine Kraft, die aus dem Menschen ausfließt (Lukas 6, 33-34). Und in den mannigfaltigsten Variationen sagt der Christus, wie das Ich überschäumen soll, wie aus dem Überfluß des Ich heraus, aus einem Gefühl, das aus sich herauskann, in der Welt gewirkt werden soll.
[ 24 ] Why was Christ able to set that great example of “healing through the word” with his words? He was able to do so because he was the first to set in motion the “Wheel of Love”—not the “Wheel of the Law”—as a free capacity and power of the human soul; because he possessed love within himself to the highest degree—so overflowing and effervescent that it spilled over into those around him who were to be healed; because the words He spoke—whether “Arise and walk,” “Your sins are forgiven,” or any other words—sprang from the love overflowing within Him. He spoke words that were uttered from a surging of love beyond the bounds of the ego. And those who could be filled even a little with this reality, Christ called believers. It is precisely this thought that we must now connect with the concept of faith—one of the most essential in the New Testament. Faith is the ability to transcend oneself, to flow beyond what the “I” can initially do for its own perfection. Therefore, since Christ has entered the body of the Nathanic Jesus and united himself there with the power of the Buddha, he does not teach: “How can the ‘I’ perfect itself as much as possible?”—but rather: “How can the ‘I’ overflow? How can it transcend itself?” He often expresses this in simple words, just as the words of the Gospel of Luke are able to speak to even the simplest of hearts. He says: It is not enough that you give only to those whom you know for certain will give it back to you, for even sinners do that. If they know for certain that they will get back what they have given, then they have not yet done it out of overflowing love. But if you give and know that you will not receive it back, then you have done so out of true love; then this is the love that does not enclose the self, but which the self must release from itself as a force that flows out from the human being (Luke 6:33–34). And in the most diverse variations, Christ explains how the “I” should overflow, how, out of the abundance of the “I”—out of a feeling that can flow from within—one should work in the world.
[ 25 ] Das sind die wärmsten Worte im Lukas-Evangelium, wo von dieser überschäumenden Liebe geredet wird. Das Lukas-Evangelium enthält diese Kraft der überströmenden Liebe, wenn wir die Worte so auf uns wirken lassen, daß wir sie finden, diese überströmende Liebe, daß sie alle unsere Worte so durchdringt, daß sie die entsprechende Kraft haben, ihre Wirkung in der Außenwelt zu tun. Ein anderer Evangelist, der aus seinen Vorbedingungen heraus jene überströmende Liebe weniger betont hat, hat wenigstens in kurzen Worten dieses Geheimnis des Christentums zusammengefaßt, indem er sagt: Aus der Überfülle des Ich heraus fließt die Liebe. Und sie soll natürlich auch einfließen in alles, was wir sprechen und handeln. Im Matthäus-Evangelium haben Sie noch in der lateinischen Übersetzung die echten, ursprünglichen Worte wie eine kurze Zusammenfassung all der schönen Liebespreisungen, die im Lukas-Evangelium enthalten sind. Da heißt es lateinisch: «Ex abundantia cordis os loquitur»: Aus dem Überfließen des Herzens heraus spricht der Mund (Matthäus 12, 34). Eines der höchsten christlichen Ideale! Der Mund spricht aus dem überfließenden Herzen heraus, aus dem, was das Herz nicht umschließt. Das Herz wird vom Blute bewegt, und das Blut ist der Ausdruck des Ich. Das heißt also: Aus dem, was das Herz nicht umschließt, spricht ein überquellendes Ich, ein Ich, das Kraft aus sich ausstrahlt - denn diese Kraft ist die Kraft des Glaubens. Das sind die Worte, die wirklich die Christus-Kraft enthalten: «Aus dem Überfließen des Herzens heraus spricht der Mund.» Das ist ein Kardinalsatz von dem Wesen des Christentums.
[ 25 ] These are the warmest words in the Gospel of Luke, where this overflowing love is spoken of. The Gospel of Luke contains this power of overflowing love when we allow the words to take effect within us in such a way that we find this overflowing love, so that it permeates all our words and gives them the power to have an effect in the outside world. Another evangelist, who—due to his own background—placed less emphasis on that overflowing love, has at least summarized this mystery of Christianity in a few words by saying: Love flows from the abundance of the self. And naturally, it should also flow into everything we say and do. In the Gospel of Matthew, even in the Latin translation, you will find the authentic, original words serving as a brief summary of all the beautiful praises of love contained in the Gospel of Luke. The Latin text reads: “Ex abundantia cordis os loquitur”: Out of the abundance of the heart the mouth speaks (Matthew 12:34). One of the highest Christian ideals! The mouth speaks from the overflowing heart, from that which the heart does not contain. The heart is moved by the blood, and the blood is the expression of the self. This means, therefore, that from that which the heart does not contain, an overflowing self speaks—a self that radiates power from within—for this power is the power of faith. These are the words that truly contain the power of Christ: “Out of the abundance of the heart the mouth speaks.” This is a fundamental statement about the essence of Christianity.
[ 26 ] Und nun lesen Sie in der heutigen Bibel. Was steht an dieser Stelle? «Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.» Das sind Worte, die hingereicht haben, um einen Kardinalsatz des Christentums durch Jahrhunderte hindurch zu verdecken. Die Menschheit ist nicht darauf gekommen, was es für ein Unding ist, zu sagen, daß das Herz, wenn es voll ist, sich ausschütte. Gewöhnlich schütten sich die Dinge in der Welt erst aus, wenn sie mehr als voll sind, wenn sie übergehen. So hat sich die Menschheit — das soll keine Kritik sein - notwendigerweise in eine Vorstellung eingesponnen, welche einen allerwichtigsten, einen Kardinalsatz des Christentums geradezu verdeckt hat, und wurde nicht einmal darauf aufmerksam, daß an dieser Stelle eine völlige Unmöglichkeit steht. Wenn gesagt wird, die deutsche Sprache vertrage nicht, daß wörtlich übersetzt wird «Ex abundantia cordis os loquitur» mit «Aus dem Überfließen des Herzens spricht der Mund», und wenn das damit belegt wird, daß man auch nicht sagen kann, der Überfluß des Kachelofens mache das Zimmer warm, so ist das eben ein Unding. Denn wenn Sie den Kachelofen nur so weit heizen, daß die Wärme bis an seine Wände dringt, so wird das Zimmer nicht warm; es wird erst warm, wenn gerade ein Überfluß an Wärme eintritt, so daß die Wärme aus dem Ofen herausdringt. So stoßen wir hier auf eine wichtige Sache. Ein Kardinalsatz des Christentums, auf dem ein Teil des Lukas-Evangeliums aufgebaut ist, wird zugedeckt, so daß die Menschheit gerade an wichtigster Stelle nicht hat, was im Evangelium steht.
[ 26 ] And now read today’s Bible passage. What does it say here? “Out of the abundance of the heart the mouth speaks.” These are words that have been enough to obscure a fundamental tenet of Christianity for centuries. Humanity has not realized what an absurdity it is to say that when the heart is full, it pours itself out. Usually, things in the world only spill out when they are more than full, when they overflow. Thus, humanity—and this is not meant as a criticism—has necessarily become entangled in a notion that has virtually obscured one of the most important, cardinal tenets of Christianity, and did not even realize that this passage contains a complete impossibility. When it is said that the German language does not allow for a literal translation of “Ex abundantia cordis os loquitur” as “Out of the overflow of the heart the mouth speaks,” and when this is justified by the argument that one cannot say the “overflow” of a tiled stove makes the room warm, that is simply nonsense. For if you heat the tiled stove only enough for the heat to reach its walls, the room will not become warm; it only becomes warm when there is an actual excess of heat, so that the heat escapes from the stove. Thus we come upon an important point here. A cardinal tenet of Christianity, upon which part of the Gospel of Luke is built, is obscured, so that humanity lacks, precisely where it matters most, what is written in the Gospel.
[ 27 ] Diese Kraft, die aus dem menschlichen Herzen heraus überfließen kann, ist die Christus-Kraft. «Herz» steht hier für «Ich». Was das Ich über sich hinaus schaffen kann, das fließt hinaus durch das Wort. Das Ich wird erst am Ende der Erdenentwickelung so sein, daß es den ganzen Christus in sich hat. Vorläufig ist der Christus etwas, was aus dem Herzen überschäumt. Wenn man das Herz nur voll haben will, so hat man überhaupt den Christus nicht. Daher deckt man gerade das Christentum zu, wenn man diesen Satz nicht in seinem vollen Ernste und in seiner vollen Würde nimmt. Die wichtigsten Dinge, das Wesen des Christentums wird richtig zutage treten durch das, was die Geisteswissenschaft als Erklärung der hohen Urkunden des Christentums zu sagen hat. Durch das Lesen in der Akasha-Chronik der geistigen Welt deckt sie den ursprünglichen Sinn auf und ist dadurch in der Lage, die Urkunden in ihrer Wahrheit zu lesen.
[ 27 ] This power, which can overflow from the human heart, is the power of Christ. “Heart” here stands for “I.” What the “I” can create beyond itself flows out through the Word. Only at the end of Earth’s evolution will the “I” be such that it contains the whole Christ within itself. For now, the Christ is something that overflows from the heart. If one merely wants to have a full heart, then one does not have the Christ at all. Therefore, one actually obscures Christianity when one does not take this statement in all its seriousness and dignity. The most important things—the essence of Christianity—will truly come to light through what spiritual science has to say as an explanation of the sacred texts of Christianity. By reading the Akashic Records of the spiritual world, spiritual science uncovers the original meaning and is thereby able to interpret the texts in their true sense.
[ 28 ] Und jetzt werden wir verstehen, wie die Menschheit in die Zukunft hinein vorwärtsschreitet. Derjenige, der sich fünf bis sechs Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung vom Bodhisattva zum Buddha entwickelt hat, ist damit so in die geistige Welt aufgestiegen, daß er nun als Nirmanakaya wirkt. Er ist damit auf eine höhere Stufe gehoben worden und braucht nicht mehr in einen physischen Leib hinunterzusteigen. Die Wirkungsweisen, die er als Bodhisattva hatte, sind in einer anderen Art wieder vorhanden. Als er damals vom Bodhisattva zum Buddha wurde, übergab er das Amt des Bodhisattva an einen anderen. Da wurde ein anderer sein Nachfolger, ein anderer zum Bodhisattva. Das drückt die buddhistische Legende durch etwas aus, was für das tiefere Christentum eine tiefe Wahrheit ist. Es wird erzählt, bevor die Individualität des Bodhisattva zu ihrem Buddha-Werden heruntergestiegen ist, habe sie die himmlische Tiara abgenommen und dem ihr folgenden Bodhisattva aufgesetzt. Der folgende Bodhisattva wirkt weiter mit seiner etwas anders gearteten Mission. Auch ihm ist es vorgesetzt, ein Buddha zu werden. Gerade zu jener Zeit, wenn eine Anzahl Menschen aus sich selbst heraus die Lehre vom achtgliedrigen Pfade entwickelt haben werden - in etwa dreitausend Jahren -, wird derjenige zum Buddha werden, der zum Bodhisattva geworden ist, als sein Vorgänger Buddha wurde. Fünf bis sechs Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung wurde er mit seiner Mission betraut; er wird ein Buddha werden nach dreitausend Jahren, von unserer Zeit angefangen gerechnet. Das ist derjenige, den die orientalische Lehre als den Maitreya Buddha kennt. Damit der jetzige Bodhisattva zum Maitreya Buddha werden kann, muß eine größere Anzahl von Menschen aus dem eigenen Herzen heraus die Lehre vom achtgliedrigen Pfade entwickelt haben; die Menschen werden dann in einer größeren Anzahl so weise sein, daß sie das können. Dann wird derjenige, der jetzt Bodhisattva ist, eine neue Kraft in die Welt bringen.
[ 28 ] And now we will understand how humanity is moving forward into the future. The one who, five to six centuries before our era, evolved from a Bodhisattva into a Buddha has thereby ascended into the spiritual world to such an extent that he now acts as a Nirmanakaya. He has thus been raised to a higher level and no longer needs to descend into a physical body. The modes of action he had as a Bodhisattva are present again in a different form. When he became a Buddha from a Bodhisattva at that time, he handed over the office of Bodhisattva to another. Another became his successor; another became a Bodhisattva. Buddhist legend expresses this through something that is a profound truth for deeper Christianity. It is said that before the individuality of the Bodhisattva descended to become a Buddha, it removed the celestial tiara and placed it upon the head of the Bodhisattva who was to follow. The succeeding Bodhisattva continues his work with a mission of a somewhat different nature. He, too, is destined to become a Buddha. Precisely at the time when a number of people will have developed the teaching of the Eightfold Path on their own—in about three thousand years—the one who became a Bodhisattva when his predecessor became a Buddha will himself become a Buddha. Five to six centuries before our era, he was entrusted with his mission; he will become a Buddha in three thousand years, counting from our time. This is the one whom Eastern teachings know as the Maitreya Buddha. In order for the present Bodhisattva to become the Maitreya Buddha, a large number of people must have developed the teaching of the Eightfold Path from within their own hearts; a large number of people will then be wise enough to do so. Then the one who is now the Bodhisattva will bring a new power into the world.
[ 29 ] Wenn nun bis dahin nichts weiter geschehen würde, so würde er zwar Menschen finden, die durch innere Versenkung die Lehre vom achtgliedrigen Pfade ausdenken können, aber nicht solche Menschen, die aus dem innersten Wesen ihrer Seele heraus die überschäumende Kraft der Liebe, die lebendige Liebe haben. Diese lebendige Kraft der Liebe muß in der Zwischenzeit einströmen, damit der Maitreya Buddha nicht nur Menschen findet, die einsehen, was Liebe ist, sondern Menschen, die in sich die Kraft der Liebe haben. Dazu mußte der Christus auf die Erde herabsteigen, eine Wesenheit, die nur drei Jahre auf der Erde war, vorher aber nicht auf der Erde verkörpert war, wie Sie aus allen Ausführungen entnehmen konnten, welche Ihnen bisher gegeben worden sind. Die dreijährige Anwesenheit des Christus auf der Erde - von der Johannes-Taufe bis zum Mysterium von Golgatha — war die Ursache dazu, daß sich auf der Erde hinfort die Liebe immer mehr und mehr in das menschliche Herz, in die menschliche Seele ergießen wird, in das menschliche Ich mit anderen Worten; so daß die Menschen immer mehr und mehr von dem Christus durchzogen sein werden, damit am Ende der Erdenentwickelung das Ich des Menschen ganz ein Christus-erfülltes sein wird. So wie die Lehre vom Mitleid und von der Liebe zuerst durch den Bodhisattva angeregt werden mußte, so mußte die Substanz der Liebe durch denjenigen auf die Erde gebracht werden, der sie aus Himmelshöhen herunterbrachte und sie nach und nach zum Eigentum des eigenen menschlichen Ich werden läßt. Wir dürfen nicht sagen, daß die Liebe vorher nicht dagewesen wäre. Es war nicht jene Liebe vorher da, die unmittelbar Eigentum des menschlichen Ich sein konnte; es war eine Liebe, die inspiriert wurde, die der Christus herunterströmen ließ aus kosmischen Höhen, die ebenso unbewußt einströmte, wie der Bodhisattva vorher unbewußt einströmen ließ die Lehre von dem achtgliedrigen Pfad. Wie sich der Buddha zum achtgliedrigen Pfade verhält, so verhält sich das Christus-Wesen zu dem, was es vorher war, bevor es heruntersteigen konnte, um Menschengestalt anzunehmen. Es war für den Christus ein Fortschritt, Menschengestalt anzunehmen. Das ist das Wesentliche dabei.
[ 29 ] If nothing else were to happen by then, he would indeed find people who, through inner contemplation, could conceive of the teaching of the Eightfold Path, but not people who, from the very depths of their souls, possess the overflowing power of love—that is, living love. This living power of love must flow in during the meantime, so that the Maitreya Buddha may find not only people who understand what love is, but people who possess the power of love within themselves. To this end, the Christ had to descend to Earth—a being who was on Earth for only three years but had not previously incarnated here, as you have been able to gather from all the explanations given to you thus far. Christ’s three-year presence on Earth—from the baptism by John to the Mystery of Golgotha—was the cause of love henceforth pouring out more and more into the human heart, into the human soul, or, in other words, into the human “I”; so that human beings will be increasingly permeated by the Christ, so that by the end of Earth’s evolution, the human “I” will be entirely filled with the Christ. Just as the teaching of compassion and love first had to be inspired by the Bodhisattva, so the substance of love had to be brought to Earth by the One who brought it down from the heights of Heaven and gradually allows it to become the property of the human “I.” We must not say that love did not exist before. It was not that kind of love that could have been the immediate possession of the human “I”; it was a love that was inspired, that Christ allowed to flow down from cosmic heights, which flowed in just as unconsciously as the Bodhisattva had previously allowed the teaching of the Eightfold Path to flow in unconsciously. Just as the Buddha relates to the Eightfold Path, so does the Christ Being relate to what it was before it could descend to take on human form. For the Christ, taking on human form was a step forward. That is the essential point here.
[ 30 ] Der Nachfolger des Buddha, der heute ein Bodhisattva ist, ist denjenigen, die in der Geisteswissenschaft bewandert sind, wohl bekannt, und es wird schon einmal die Zeit kommen, wo über diese Tatsachen ausführlich gesprochen werden wird, wo auch der Name dieses Bodhisattva zu nennen ist, der dann zum Maitreya Buddha werden wird. Jetzt, wo schon so viele der Außenwelt unbekannte Tatsachen gesagt worden sind, müssen wir uns darauf beschränken, nur darauf hinzuweisen. Wenn dieser Bodhisattva auf der Erde erscheinen und zum Maitreya Buddha werden wird, dann wird er auf der Erde vorfinden die Saat des Christus. Das werden jene Menschen sein, welche sagen werden: Nicht nur mein Kopf ist angefüllt mit der Weisheit des achtgliedrigen Pfades, ich habe nicht nur die Lehre, die Weisheit von der Liebe, sondern mein Herz ist voll von der lebendigen Substanz der Liebe, von dem, was überfließt und hinausstrahlt in die Welt. Mit solchen Menschen wird dann der Maitreya Buddha seine weitere Mission in der Fortentwickelung der Welt ausführen können.
[ 30 ] The Buddha’s successor, who is now a Bodhisattva, is well known to those versed in spiritual science, and the time will come when these facts will be discussed in detail, including the name of this Bodhisattva, who will then become the Maitreya Buddha. Now that so many facts unknown to the outside world have already been revealed, we must limit ourselves to merely pointing them out. When this Bodhisattva appears on Earth and becomes the Maitreya Buddha, he will find the seed of the Christ on Earth. These will be the people who will say: Not only is my mind filled with the wisdom of the Eightfold Path, not only do I possess the teaching and the wisdom of love, but my heart is full of the living substance of love—that which overflows and radiates out into the world. With such people, the Maitreya Buddha will then be able to carry out his further mission in the continued development of the world.
[ 31 ] So schließen sich die Dinge zusammen; und so erst verstehen wir das Lukas-Evangelium in seiner Tiefe. Es spricht uns nicht von einer Lehre; es spricht uns von jener Wesenheit, die in die Erdenwesen, in die menschliche Organisation substantiell einfloß. Das ist eine Tatsache, die man im Okkultismus so ausdrückt, daß man sagt: Die ‚Bodhisattvas, welche zu Buddhas werden, können die Erdenmenschen in bezug auf ihren Geist durch Weisheit erlösen, sie können aber niemals den ganzen Menschen erlösen. Denn der ganze Mensch kann nur erlöst werden, wenn nicht nur Weisheit, sondern wenn warme Liebeskraft seine ganze Organisation durchströmt. Die Seelen zu erlösen durch die Flut von Liebe, welche der Christus auf die Erde gebracht hat, das war die Aufgabe des Christus. Die Weisheit von der Liebe zu bringen, war die Aufgabe der Bodhisattvas und des Buddha, die Kraft der Liebe der Menschheit zu bringen, war die Aufgabe des Christus. Das müssen wir unterscheiden.
[ 31 ] This is how things come together; and only then do we understand the Gospel of Luke in its depth. It does not speak to us of a doctrine; it speaks to us of that essence that substantially flowed into earthly beings, into the human organism. This is a fact that is expressed in occultism as follows: “The Bodhisattvas, who become Buddhas, can redeem earthly human beings in regard to their spirit through wisdom, but they can never redeem the whole human being. For the whole human being can only be redeemed when not only wisdom but also the warm power of love flows through their entire being.” To redeem souls through the flood of love that Christ brought to Earth—that was Christ’s task. To bring the wisdom of love was the task of the Bodhisattvas and the Buddha; to bring the power of love to humanity was Christ’s task. We must distinguish between these.
