The Gospel of Luke
GA 114
26 September 1909, Basel
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The Gospel of Luke, tr. SOL
Zehnter Vortrag
Tenth Lecture
[ 1 ] Was uns heute beschäftigen soll, ist die Hinführung der verschiedenen Erkenntnisse, die wir in den letzten Tagen gewonnen haben, zu dem Gipfelpunkte des Ganzen, wie es uns gerade an der Hand des LukasEvangeliums aus der Geistesforschung heraus erscheinen kann, zu jenem Gipfelpunkte, den wir das Mysterium von Golgatha nennen.
[ 1 ] What we shall focus on today is bringing together the various insights we have gained over the past few days and leading them to the culminating point of the whole, as it can be revealed to us through spiritual research, specifically as presented in the Gospel of Luke—that culminating point which we call the Mystery of Golgotha.
[ 2 ] Wir haben gestern versucht, in eindringlicher Weise zu schildern, was eigentlich an jenem Zeitpunkte der Menschheitsentwickelung geschehen ist, als der Christus durch drei Jahre hindurch auf der Erde wandelte, und wir haben in den vorhergehenden Vorträgen zu charakterisieren versucht, wie dieses Ereignis überhaupt durch den Zusammenfluß jener Geistesströmungen, die wir betrachtet haben, zustandekommen konnte. Gerade der Schreiber des Lukas-Evangeliums charakterisiert uns die ganze Mission des Christus Jesus auf der Erde in einer wunderbaren Weise, wenn wir nur das, was er schildert, im Lichte jener Erkenntnisse zu sehen vermögen, die aus der Akasha-Chronik gewonnen sind.
[ 2 ] Yesterday we attempted to vividly describe what actually took place at that point in human evolution when Christ walked the earth for three years, and in the preceding lectures we sought to characterize how this event could have come about through the convergence of those spiritual currents we have been examining. The writer of the Gospel of Luke, in particular, characterizes the entire mission of Christ Jesus on Earth in a wonderful way, if only we are able to view what he describes in the light of the insights gained from the Akashic Records.
[ 3 ] Es könnte jemand nun die Frage aufwerfen: Wie kommt es denn, da sich doch die buddhistische Geistesströmung ganz organisch in die christliche Lehre hineinverwebt, daß innerhalb der christlichen Lehre keine Andeutungen geschehen von dem großen Gesetze des Karma, von jener Ausgleichung, die im Verlaufe der einzelnen Inkarnationen des Menschen geschieht? Es wäre aber nur ein Mißverständnis, wenn man glauben wollte, daß das, was wir durch das Gesetz des Karma erkennen sollen, nicht auch in der Verkündigung des Lukas-Evangeliums liege. Es liegt darin. Nur müssen wir uns klar sein, wenn wir so etwas richtig verstehen wollen, daß die Bedürfnisse der Seelen der Menschen zu den verschiedenen Zeiten eben verschiedene sind und daß die großen Missionare der Weltentwickelung nicht immer die Aufgabe haben, die absolute Wahrheit in abstrakter Gestalt den Menschen zu geben. Denn die würden die Menschen auf den verschiedenen Reifestufen gar nicht verstehen, sondern die großen Missionare müssen so zu den Menschen sprechen, daß diese das Richtige in einer entsprechenden Epoche erhalten. In dem, was die Menschheit durch den Einschlag des großen Buddha erhalten hat, ist alles das als Weisheit enthalten, was in Verbindung mit der Lehre vom Mitleid und von der Liebe und der Umschreibung dieser Lehre in dem achtgliedrigen Pfade zu einem weisheitsvollen Verständnis der Lehre vom Karma führen kann. Und es heißt: nicht alles in der Menschenseele suchen, was zu der Lehre vom Karma und der damit verbundenen Lehre von der Reinkarnation führt, wenn man, von diesem ausgehend, nicht zu dieser Lehre kommt.
[ 3 ] Someone might now ask: Since the Buddhist spiritual current is so organically interwoven with Christian doctrine, why is there no mention within Christian doctrine of the great law of karma—of that balancing out that takes place over the course of a person’s individual incarnations? However, it would be a misunderstanding to believe that what we are meant to recognize through the law of karma is not also found in the Gospel of Luke. It is indeed found there. We must simply be clear, if we wish to understand such things correctly, that the needs of human souls vary at different times, and that the great missionaries of world evolution do not always have the task of presenting the absolute truth to people in abstract form. For people at various stages of maturity would not understand it at all; rather, the great missionaries must speak to people in such a way that they receive what is right for their particular era. In what humanity has received through the influence of the great Buddha, all the wisdom is contained that—in connection with the teaching of compassion and love, and the elaboration of this teaching in the Eightfold Path—can lead to a wise understanding of the doctrine of karma. And it is said: do not seek everything in the human soul that leads to the doctrine of karma and the associated doctrine of reincarnation if, starting from this, one does not arrive at this doctrine.
[ 4 ] Gestern ist geschildert worden, wie dreitausend Jahre nach unserer eigenen Zeit ein großer Teil der Menschheit so weit sein wird, daß er die Lehre vom achtgliedrigen Pfade und damit — wie wir heute hinzufügen können -— auch die Lehre von Karma und Reinkarnation aus sich selbst heraus gewinnen kann. Dies muß aber nach und nach geschehen, muß ganz allmählich geschehen. Denn ebensowenig, wie bei der Pflanze, unmittelbar nachdem wir den Keim in die Erde gesenkt haben, sich gleich die Blüte entwickeln kann, sondern wie sich nach notwendigen Gesetzen erst Blatt für Blatt entwickeln muß, ebenso ist notwendig, daß die geistige Entwickelung, die sich durch die Menschheit hindurchzieht, von Stufe zu Stufe geht und daß zur richtigen Zeit das Richtige erscheint. Wer, durchströmt von den Fähigkeiten, welche ihm die Geisteswissenschaft geben kann, sich heute in die eigene Seele versenkt, findet die Lehre von Karma und Reinkarnation als eine notwendige Lehre. Aber beachten Sie, daß die Entwickelung nicht umsonst ist, daß es wirklich so ist, daß erst in unserer Zeit die Seelen wieder reif geworden sind, um in sich zu finden, was man die Lehre von Karma und Reinkarnation nennt. Es wäre nicht gut gewesen, wenn etwa einige Jahrhunderte vorher diese Lehre exoterisch verkündet worden wäre, und es wäre für die Menschheitsentwickelung nicht gut gewesen, wenn das, was heute Inhalt der Geisteswissenschaft ist, wonach die Menschenseelen lechzen, und womit die Erforschung der Untergründe der Evangelien verbunden ist, schon vor ein paar Jahrhunderten der Menschheit in offener Gestalt verkündet worden wäre. Denn dazu war notwendig, daß diese Seelen der Menschheit danach lechzten und Fähigkeiten entwickelten, um die Lehre von Karma und Reinkarnation aufzunehmen. Dazu war notwendig, daß diese Seelen durch frühere Inkarnationen, auch der nachchristlichen Zeit, schon durchgegangen sind und das erlebt haben, was man erlebt, bevor man eben reif ist, um die Lehre von Karma und Reinkarnation zu empfangen. Hätte man in den ersten Jahrhunderten des Christentums die Lehre von Karma und Reinkarnation so offen verkündet, wie dies heute geschieht, so würde das geheißen haben, von der Menschheitsentwickelung dasselbe zu verlangen, was man verlangen würde, wenn aus der Pflanze statt des grünen Blattes gleich unmittelbar die Blüte herauswachsen sollte.
[ 4 ] Yesterday it was described how, three thousand years from now, a large portion of humanity will have reached the point where it can derive the teaching of the Eightfold Path—and with it, as we can add today, the teachings on karma and reincarnation—from within itself. But this must happen step by step; it must happen very gradually. For just as a plant cannot immediately develop a flower right after we have planted the seed in the earth—but must first develop leaf by leaf according to necessary laws—so, too, it is necessary that the spiritual development running through humanity proceed step by step, and that the right thing appear at the right time. Anyone who, imbued with the abilities that spiritual science can provide, delves into their own soul today will find the doctrine of karma and reincarnation to be a necessary one. But note that this development does not come about by chance; it is truly the case that only in our time have souls once again become ripe to find within themselves what is called the doctrine of karma and reincarnation. It would not have been good if, for example, this teaching had been proclaimed exoterically a few centuries earlier, and it would not have been good for human development if what is now the substance of spiritual science—for which human souls yearn, and which is connected to the exploration of the deeper meanings of the Gospels—had been proclaimed to humanity in an open form a few centuries ago. For it was necessary that these souls of humanity yearn for this and develop the capacities to receive the doctrine of karma and reincarnation. It was necessary that these souls had already passed through earlier incarnations—including those of the post-Christian era—and had experienced what one experiences before one is ripe to receive the doctrine of karma and reincarnation. If the teachings of karma and reincarnation had been proclaimed as openly in the first centuries of Christianity as they are today, it would have meant demanding of human development the same thing as demanding that a flower grow directly from a plant instead of a green leaf.
[ 5 ] So ist die Menschheit erst heute dazu herangereift, die Lehre von Karma und Reinkarnation ihrem geistigen Inhalt nach in sich aufzunehmen. Es ist daher durchaus nicht zu verwundern, daß in dem, was der Menschheit seit Jahrhunderten aus den Evangelien übergeben worden ist, manches steht, was eigentlich ein ganz falsches Bild vom Christentum gibt. Es ist das Evangelium den Menschen sozusagen in einer gewissen Beziehung verfrüht übergeben worden, und erst heute reift die Menschheit heran, in der Seele alle Fähigkeiten zu entwickeln, welche zu einem Verständnisse dessen führen können, was in den Evangelien eigentlich enthalten ist. Es war durchaus notwendig, daß das, was als Verkündigung des Christus Jesus erfolgte, auf den damaligen Zustand, auf die damalige Verfassung der Menschenseelen Rücksicht nahm; so daß man damals nicht in abstrakten Lehren Reinkarnation und Karma lehrte, sondern daß man solche Gefühle in die Menschenseele einströmen ließ, durch welche die Seelen erst nach und nach reif wurden, die Lehre von Reinkarnation und Karma aufzunehmen. Das heißt, man mußte in der damaligen Zeit das sagen, was nach und nach zum Verständnis der Lehre von Karma und Reinkarnation führen konnte, und nicht die Lehre selber.
[ 5 ] It is only today that humanity has matured enough to truly grasp the spiritual essence of the teachings of karma and reincarnation. It is therefore by no means surprising that much of what has been handed down to humanity from the Gospels over the centuries actually presents a completely false picture of Christianity. The Gospel was, so to speak, handed down to people prematurely in a certain sense, and only now is humanity maturing to the point of developing within the soul all the capacities that can lead to an understanding of what the Gospels actually contain. It was absolutely necessary that the proclamation of Jesus Christ take into account the state of human souls at that time; so that at that time, reincarnation and karma were not taught as abstract doctrines, but rather, feelings were allowed to flow into the human soul through which the souls gradually matured to the point of being able to accept the doctrine of reincarnation and karma. In other words, at that time it was necessary to say what could gradually lead to an understanding of the teachings on karma and reincarnation, rather than the teachings themselves.
[ 6 ] Sagten das der Christus Jesus und die, welche um ihn waren? Um das zu verstehen, müssen wir das Lukas-Evangelium aufschlagen und es in richtiger Weise vor unsere Seele treten lassen. Und wenn wir es mit dem Verständnis für diese Dinge richtig vor unsere Seelen treten lassen, so werden wir schon lesen, wie damals gerade das Karmagesetz den Menschen verkündet werden konnte.
[ 6 ] Did Christ Jesus and those around him say this? To understand this, we must open the Gospel of Luke and allow it to truly sink into our souls. And if we allow it to truly sink into our souls with an understanding of these things, we will see how the Law of Karma could be proclaimed to people at that time.
«Selig seid ihr, die ihr arm seid, denn euch wird das Reich der Himmel werden.
Selig seid ihr, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet gesättigt werden. Selig seid ihr, die ihr jetzt weinet, denn ihr werdet lachen.
Selig seid ihr, wenn euch die Leute hassen, wenn sie euch ausschließen und beschimpfen und euren Namen ausstoßen als einen bösen wegen des Sohnes des Menschen.
Freuet euch an diesem Tage und jubelt, denn siehe euer Lohn ist groß in den geistigen Welten» (Lukas 6, 20-23).
“Blessed are you who are poor, for the kingdom of heaven is yours.
Blessed are you who are hungry now, for you will be filled. Blessed are you who weep now, for you will laugh.
Blessed are you when people hate you, when they exclude you and revile you, and when they cast out your name as evil because of the Son of Man.
Rejoice on that day and be glad, for behold, your reward is great in the spiritual worlds” (Luke 6:20–23).
[ 7 ] Hier haben wir die Lehre von der Ausgleichung, welche, ohne auf die Lehre von Karma und Reinkarnation in abstrakter Weise einzugehen, bemüht ist, die gefühlsmäßige Gewißheit in die Seelen fließen zu lassen, daß der, welcher auf irgendeinem Gebiete noch eine Zeit hungert, den Ausgleich erfahren wird. Diese Gefühle mußten in die Menschenseelen einfließen. Und die Seelen, die damals lebten, und in die sich diese Lehre damals in dieser Form hineingegossen hat, sie waren erst, als sie wieder verkörpert waren, reif, um als Weisheit die Lehre von Karma und Reinkarnation aufzunehmen.
[ 7 ] Here we have the doctrine of compensation, which—without delving into the doctrines of karma and reincarnation in an abstract manner—strives to instill in souls the emotional certainty that whoever still suffers deprivation in any area will experience compensation. These feelings had to flow into human souls. And the souls who lived at that time—into whom this teaching poured itself in this form—were not ready to receive the doctrine of karma and reincarnation as wisdom until they had incarnated again.
[ 8 ] So mußte zu jener Zeit in die Seelen hinüberfließen, was in den Seelen heranreifen sollte. Denn es war eine vollständig neue Zeit gekommen, eine Zeit, in welcher sich die Menschen in völliger Reife anschickten, ihr Ich, ihr Selbstbewußtsein, zu entwickeln. Während früher die Menschen die Offenbarungen empfingen und deren Wirkungen im Astralleibe, Ätherleibe und physischen Leibe hatten, sollte jetzt das Ich vollbewußt werden. Aber es sollte sich erst nach und nach mit den Kräften anfüllen, die es erhalten sollte. Nur das eine Ich, das damals auf der Erde wandelte und in seiner Leiblichkeit dazu vorbereitet war, das als nathanischer Jesus die Individualität des Zarathustra in sich verkörpert hatte, nur dieses Ich konnte das allumfassende ChristusPrinzip in sich verwirklichen. Die anderen Menschen müssen nun nach und nach in der Nachfolge des Christus das entwickeln, was damals in der einen Persönlichkeit drei Jahre hindurch auf der Erde war. Nur die Anregung sozusagen, den Keim, konnte damals der Christus Jesus in die Menschheit hineinverpflanzen, und dieser Keim muß nun nach und nach wachsen und sich entfalten. Auch dafür wurde vorgesorgt, daß immer in entsprechend richtigen Zeiten diejenigen Menschen innerhalb der Erdenentwickelung erscheinen können, die nun das bringen können, wofür die Menschheit in einer späteren Zeit reif wird. Der, welcher damals auf der Erde als der Christus erschienen ist, mußte dafür sorgen, daß die Menschheit unmittelbar nach seinem Erscheinen die Verkündigung hatte, so wie sie dieselbe verstehen konnte; und er mußte auch Vorsorge treffen, daß später Individualitäten erschienen, die in dem Maße für die Seelen in spiritueller Beziehung sorgten, als diese später reifer geworden sind.
[ 8 ] Thus, at that time, what was to mature within the souls had to flow into them. For a completely new era had dawned, an era in which human beings, having reached full maturity, were preparing to develop their “I,” their self-consciousness. Whereas in the past people received revelations and experienced their effects in the astral body, the etheric body, and the physical body, the “I” was now to become fully conscious. But it was to fill itself only gradually with the forces it was to receive. Only that one “I” who walked the Earth at that time and was physically prepared for it—who, as the Nathanic Jesus, had embodied the individuality of Zarathustra within himself—only this “I” could realize the all-encompassing Christ principle within himself. The other human beings must now, little by little, in the footsteps of the Christ, develop what was present in that one personality on Earth for three years. Christ Jesus was able to implant into humanity, so to speak, only the impulse—the seed—at that time, and this seed must now gradually grow and unfold. Provision has also been made to ensure that, at the appropriate times within Earth’s evolution, those human beings may appear who can now bring forth what humanity will become ready for at a later time. The One who appeared on Earth as the Christ at that time had to ensure that, immediately after His appearance, humanity received the proclamation in a form it could understand; and He also had to make provisions so that individualities would later appear who would care for the souls in a spiritual sense to the extent that they would later become more mature.
[ 9 ] Die Art und Weise nun, wie der Christus für die Zeiten vorgesorgt hat, die auf das Ereignis von Golgatha folgten, schildert uns der Schreiber des Johannes-Evangeliums. Er zeigt uns, wie der Christus selber in Lazarus jene Individualität auferweckte, die dann als Johannes weiterwirkte, und von der die Lehre in der Form ausging, wie sie in den Vorträgen über das Johannes-Evangelium beschrieben worden ist. Aber der Christus mußte auch dafür vorsorgen, daß in späteren Zeiten jene Individualität kommen konnte, welche ganz sachgemaß im Sinne der weiteren Entwickelung das in die Menschheit hineinbringen konnte, wofür die Menschen später reif sein konnten. Dazu mußte der Christus aber eine andere Individualität auferwecken Wie das geschah, schildert uns treulich der Schreiber des Lukas-Evangeliums. Während er sagt, daß er schildern will, was damals die imaginativen und inspirierten Hellseher über das Ereignis von Palästina sagen konnten, weist er zugleich darauf hin, was einmal gelehrt werden wird von einem anderen; aber erst in der Zukunft wird es gelehrt werden. Und um uns diesen geheimnisvollen Vorgang zu schildern, hat der Schreiber des Lukas-Evangeliums in sein Dokument auch eine Auferweckung hineinverwoben (Lukas 7, 11-17). Was wir über die «Auferweckung des Jünglings zu Nain» lesen, enthält das Geheimnis von dem fortwirkenden Christentum. Während bei der Heilung der Tochter des Jairus, die ich Ihnen vorgestern wenigstens andeutungsweise erklären konnte, die damit verknüpften Geheimnisse so tiefe sind, daß der Christus Jesus nur einige der Menschen mitnimmt, die den Heilungsvorgang ansehen konnten, und ihnen dann den Auftrag gibt, daß es nicht erzählt werden solle, sehen wir eine andere Auferweckung sich so abspielen, daß sie dann gleich erzählt wird. Das eine war ein Heilungsvorgang, der voraussetzte, daß der, der ihn vollzog, tief hineinschaute in die Vorgänge des physischen Leibes. Das andere war eine Auferweckung, eine Initiation. Diejenige Individualität, die in dem Leibe des Jünglings zu Nain enthalten ist, sollte eine Initiation ganz besonderer Art erfahren.
[ 9 ] The author of the Gospel of John describes to us the way in which Christ made provision for the times that followed the events at Golgotha. He shows us how Christ Himself raised up in Lazarus that individuality which then continued to work as John, and from which the teaching went forth in the form described in the lectures on the Gospel of John. But Christ also had to ensure that, in later times, that individuality could come into being who—in keeping with the course of further development—could bring into humanity what people would later be ready to receive. To this end, however, Christ had to raise another individuality from the dead. The author of the Gospel of Luke faithfully describes how this came about. While he states that he intends to describe what the imaginative and inspired clairvoyants of that time could say about the event in Palestine, he simultaneously points to what will one day be taught by another; but it will not be taught until the future. And to describe this mysterious process to us, the author of the Gospel of Luke has also woven a resurrection into his account (Luke 7:11–17). What we read about the “Resurrection of the Young Man at Nain” contains the mystery of Christianity’s enduring influence. Whereas in the healing of Jairus’s daughter—which I was able to explain to you, at least in part, the day before yesterday—the mysteries associated with it are so profound that Christ Jesus takes only a few of the people who witnessed the healing and instructs them not to tell anyone about it, we see another resurrection unfold in such a way that it is recounted immediately afterward. The former was a healing process that required the one who performed it to look deeply into the processes of the physical body. The latter was a resurrection, an initiation. The individuality contained within the body of the young man of Nain was to undergo an initiation of a very special kind.
[ 10 ] Es gibt verschiedene Arten von Initiation oder Einweihung. Die eine Art besteht darin, daß der Betreffende, der eingeweiht worden ist, unmittelbar nach dem Einweihungsvorgange in sich aufleuchten sieht die Erkenntnisse der höheren Welten, daß er hineinschauen kann in die Vorgänge und Gesetze der geistigen Welten. Eine andere Art der Initiation kann aber so stattfinden, daß zunächst in die betreffende Seele nur der Keim hineinversenkt wird, so daß sie dann noch eine Inkarnation abzuwarten hat; dann tritt dieser Keim heraus, und es wird dann in der späteren Inkarnation der Betreffende ein Initiierter im ausdrücklichen Sinne.
[ 10 ] There are various types of initiation. In one type, the person who has been initiated sees the insights of the higher worlds light up within them immediately after the initiation process, enabling them to look into the processes and laws of the spiritual worlds. Another type of initiation, however, may take place in such a way that at first only the seed is planted within the soul in question, so that it must then await another incarnation; later, this seed sprouts, and in the subsequent incarnation, the individual becomes an initiate in the full sense of the word.
[ 11 ] Eine solche Initiation wurde mit dem Jüngling zu Nain vollzogen. Damals wurde seine Seele bei dem Ereignis von Palästina umgewandelt; da hatte sie noch nicht das Bewußtsein, hinaufgestiegen zu sein in die höheren Welten. Erst in der nächsten Inkarnation keimten die Kräfte heraus, die damals in diese Seele gelegt waren. — Es können hier in einem exoterischen Vortrage nicht die Namen genannt werden, welche damals in Betracht kamen, es kann nur darauf hingewiesen werden, daß später in einem gewaltigen Religionslehrer diejenige Individualität erwachte, welche der Christus Jesus in dem Jüngling zu Nain auferweckt hatte, und daß auf diese Weise in späterer Zeit ein neuer Lehrer des Christentums erstehen konnte mit den Kräften, die damals in seine Seele versenkt worden waren.
[ 11 ] Such an initiation was performed with the young man of Nain. At that time, his soul was transformed during the event in Palestine; at that point, it was not yet aware that it had ascended into the higher worlds. It was not until the next incarnation that the powers which had been placed within that soul at that time began to emerge. — The names of those involved at that time cannot be mentioned here in an exoteric lecture; but it can only be pointed out that later, in a mighty religious teacher, the very individuality awakened that Christ Jesus had awakened in the young man of Nain, and that in this way, in later times, a new teacher of Christianity could arise with the forces that had been implanted in his soul at that time.
[ 12 ] So hat der Christus dafür gesorgt, daß auch später eine Individualität erscheinen konnte, die das Christentum weiterbrachte. Und diese Individualität, diein dem Jüngling zu Nain auferweckt wurde, ist dazu berufen, später immer mehr und mehr das Christentum mit den Lehren von Reinkarnation und Karma zu durchdringen, jene Lehren mit dem Christentum zu verbinden, welche damals, als der Christus selber auf der Erde wandelte, noch nicht ausdrücklich als Weisheitslehren verkündet werden konnten, weil sie damals erst gefühlsmäßig in die Menschenseelen hineinversenkt werden mußten.
[ 12 ] In this way, the Christ ensured that an individuality could later emerge who would advance Christianity. And this individuality, which was awakened in the young man of Nain, is destined to later on to increasingly permeate Christianity with the teachings of reincarnation and karma, and to unite those teachings with Christianity—teachings that, at the time when Christ Himself walked the earth, could not yet be explicitly proclaimed as teachings of wisdom, because they first had to be instilled emotionally into human souls.
[ 13 ] Der Christus Jesus weist in der Tat, auch im Sinne des Lukas-Evangeliums, genügend darauf hin, wie etwas ganz Neues, das Bewußtwerden des Ich, in die Menschheitsentwickelung eingetreten ist; er weist darauf hin, und man muß es nur lesen können, daß die Menschen früher die geistige Welt nicht in ihr selbstbewußtes Ich einströmend gesehen haben, sondern daß sie dieses Geistige in sich einströmend hatten durch ihren physischen Leib, Ätherleib und Astralleib und daß immer ein Grad von Unbewußtheit dabei war, wenn früher göttlich-geistige Kräfte in den Menschen einströmten. Das sollte jetzt anders werden. Früher mußten die Menschen in der Strömung, in die der Christus Jesus unmittelbar hineinversetzt war, das Gesetz vom Sinai empfangen, das nur zum menschlichen Astralleib sprechen konnte. Es war dem Menschen so gegeben, daß es zwar in ihm wirkte, aber nicht unmittelbar aus den Kräften seines Ich heraus wirkte. Diese Kräfte waren erst in den Zeiten des Christus Jesus möglich, weil erst da die Menschen überhaupt zu einem Bewußtsein ihres Ich kamen. Das deutet der Christus Jesus auch im Lukas-Evangelium an da, wo er davon spricht, daß die Menschen allerdings zur Aufnahme eines ganz neuen Prinzips in ihre Seele erst völlig reif werden müssen; das deutet er an, wo er von seinem Vorläufer Johannes dem Täufer spricht (Lukas 7, 18-35).
[ 13 ] Christ Jesus does indeed, in keeping with the Gospel of Luke, point out sufficiently how something entirely new—the emergence of the “I”—has entered into human evolution; He points this out—and one need only be able to read between the lines—that in the past, people did not perceive the spiritual world as flowing into their self-aware “I,” but rather that this spiritual element flowed into them through their physical, etheric, and astral bodies, and that there was always a degree of unconsciousness involved whenever divine-spiritual forces flowed into human beings in the past. This was now to change. In the past, within the current into which Christ Jesus was directly immersed, human beings had to receive the Law of Sinai, which could speak only to the human astral body. It was given to human beings in such a way that, although it worked within them, it did not work directly out of the powers of their “I.” These powers were only possible in the time of Christ Jesus, because it was only then that human beings came to any awareness of their “I” at all. Christ Jesus also alludes to this in the Gospel of Luke, where he speaks of how people must first become fully mature before they can receive a completely new principle into their souls; he alludes to this when he speaks of his forerunner, John the Baptist (Luke 7:18–35).
[ 14 ] Wie sah der Christus selbst diese Individualität des Johannes an? Er sagte: Johannes war dazu berufen, vor dem Erscheinen des Christus selbst den Menschen in der reinsten, edelsten Form das zu charakterisieren, was alte Prophetenlehre war, was rein und edel von alten Zeiten heraufströmte, Er sah den Johannes sozusagen als denjenigen an, der als der letzte in reinster, edelster Form brachte, was den alten Zeiten angehörte. Das «Gesetz und die Propheten» gehen bis zu Johannes. Er sollte noch einmal vor die Menschen hinstellen, was alte Lehre und alter Seeleninhalt den Menschen bringen konnte. Denn wie mußte dieser alte Seeleninhalt in den Zeiten vor dem Eintritt des ChristusPrinzips wirken?
[ 14 ] How did Christ himself view this individuality of John? He said: John was called to characterize for humanity, in the purest and noblest form, before the appearance of Christ Himself, what the ancient prophetic teaching was—that which flowed down from ancient times in purity and nobility. He regarded John, so to speak, as the one who, as the last, brought forth in the purest and noblest form that which belonged to ancient times. The “Law and the Prophets” extend up to John. He was to present once more to humanity what the ancient teachings and the spiritual substance of the past could offer people. For how must this ancient spiritual substance have worked in the times before the advent of the Christ principle?
[ 15 ] Hier haben wir etwas, was auch einmal Lehre der modernen Naturwissenschaft werden wird, wenn diese sich ein wenig inspirieren lassen wird von dem, was Geisteswissenschaft oder Theosophie ist, wenn es ihr auch heute noch ganz sonderbar vorkommen würde. Ich muß hier auf etwas eingehen, was ich allerdings nur streifen kann, was Ihnen aber zeigen wird, in welche Tiefen Geisteswissenschaft gerade in bezug auf die Naturwissenschaft hineinzuleuchten berufen ist. Wenn Sie sich heute auf den Gebieten der Naturwissenschaft umsehen und sehen, wie diese durch die eingeschränkten Fähigkeiten des menschlichen Gedankens in die Geheimnisse des Menschendaseins eindringen will, so können Sie dargestellt finden, daß das Zusammenwirken des männlichen und weiblichen Fruchtkeims den ganzen Menschen zustande bringe. Das ist gerade ein Grundbestreben der modernen Naturwissenschaft, daß sie darstellen will, wie aus dem Zusammenwirken des männlichen und des weiblichen Keims der ganze Mensch wird. Sorgfältig sucht die Mikroskopie in den Substanzen festzustellen, was von den Eigenschaften aus dem männlichen und was aus dem weiblichen Keim herrühren kann, und sie ist befriedigt, wenn sie beweisen zu können glaubt, wie der Mensch wird aus einer Zusammenwirkung von männlichem und weiblichem Keim. Aber die Naturwissenschaft wird durch sich selber gedrängt werden, anzuerkennen, daß nur ein Teil der menschlichen Wesenheit durch das Zusammenwirken von männlichem und weiblichem Keim bestimmt wird und daß es für den heutigen Menschen in dem gegenwärtigen Entwickelungszyklus in der Tat so ist, daß man, selbst wenn man noch so genau weiß, was von dem einen und was von dem anderen Keim kommt, in der Regel nicht den ganzen Menschen erklärt hat.
[ 15 ] Here we have something that will one day become part of the teachings of modern natural science, provided it allows itself to be inspired, even just a little, by what spiritual science or theosophy is—even if that still seems quite strange to it today. I must address something here that I can only touch upon briefly, but which will show you the depths into which spiritual science is called upon to shed light, particularly in relation to the natural sciences. If you look around today in the fields of natural science and see how it seeks to penetrate the mysteries of human existence through the limited capacities of human thought, you will find it explained that the interaction of the male and female germ cells brings the whole human being into being. This is precisely a fundamental aim of modern natural science: to demonstrate how the entire human being arises from the interaction of the male and female germ cells. Microscopy carefully seeks to determine within the substances which characteristics may originate from the male germ and which from the female germ, and it is satisfied when it believes it can prove how the human being arises from the interaction of male and female germs. But science will be compelled by its own nature to acknowledge that only a part of the human being is determined by the interaction of male and female germ cells, and that for human beings today, in the current cycle of development, it is indeed the case that even if one knows with the utmost precision what comes from one germ and what from the other, one has generally not explained the whole human being.
[ 16 ] Es gibt in jedem Menschen etwas, was nicht durch den Keim angeregt wird, sondern was sozusagen jungfräulicher Geburt ist, was sich von ganz anderen Gebieten her in die Keimung ergießt. Es verbindet sich mit dem Keime des Menschen etwas, was nicht von Vater und Mutter abstammt und was doch zu ihm gehört, was doch für ihn bestimmt ist, was sich hineinergießt in sein Ich und was veredelt werden kann, wenn es das Christus-Prinzip aufnimmt. Dasjenige ist im Menschen jungfräulich geboren, was sich im Laufe der Menschheitsentwickelung mit dem Christus verbindet. Und das hängt zusammen das wird einmal die Naturwissenschaft mit ihren eigenen Mitteln erkennen — mit jenem bedeutsamen Übergange, der sich in der Zeit des Christus Jesus abgespielt hat. Vorher konnte nichts in des Menschen Innern sein, was nicht auf dem Wege des Keimes in die Menschen gekommen ist. Es geschieht wirklich etwas zur Veränderung der IchEntwickelung im Laufe der Zeit. Die Menschheit ist seit jener Zeit. anders geworden; nur muß sie das, was ihr seit jener Zeit zu den Bestandteilen des bloßen Keimes hinzugefügt wird, nach und nach entwickeln und veredeln durch die Aufnahme des Christus-Prinzips.
[ 16 ] There is something in every human being that is not stimulated by the germ, but is, so to speak, a virgin birth—something that flows into the germination from entirely different realms. Something connects with the human germ that does not descend from the father and mother and yet belongs to the human being, that is destined for him, that pours into his “I,” and that can be ennobled when it takes in the Christ principle. That which is born of the Virgin within the human being is what connects with Christ in the course of human evolution. And this is connected—as natural science will one day recognize through its own means—to that significant transition that took place in the time of Christ Jesus. Before that, nothing could exist within the human being that had not come into humanity through the path of the germ. Something truly happens over time that alters the development of the “I.” Humanity has changed since that time; yet it must gradually develop and refine what has been added to the components of the mere seed since then through the assimilation of the Christ principle.
[ 17 ] Wir nähern uns damit einer sehr subtilen Wahrheit. Und für den, der die moderne Naturwissenschaft kennt, ist es merkwürdig und interessant, wie es heute schon Gebiete gibt, wo die Naturforscher sozusagen mit der Nase darauf hingestoßen werden, daß etwas im Menschen nicht aus dem Keime stammt. Es sind die Vorbedingungen dafür schon da, nur ist der Intellekt der Forscher nicht weit genug, um das, was er selbst in seinen Experimenten, in seinen Beobachtungen gegeben hat, richtig zu erkennen. Denn in dem, was objektiv in den Experimenten vorgeht, wirkt mehr, als die heutige Naturwissenschaft erkennt. Die Naturwissenschaft käme wenig weit, wenn sie nur der Geschicklichkeit der Forscher überlassen wäre. Während dieser oder jener im Laboratorium steht, in der Klinik oder im Kabinette arbeitet, stehen hinter ihm die die Welt lenkenden und leitenden Mächte und lassen an die Oberfläche kommen, was der Forscher nicht versteht, und wozu er nur Werkzeug ist. Es ist daher durchaus auch richtig, daß sogar die objektive Forschung von den «Meistern», das heißt von den höheren Individualitäten geleitet wird. Nur werden die Dinge, auf die jetzt hingewiesen ist, gewöhnlich nicht beobachtet. Aber sie werden beobachtet werden, wenn die bewußten Fähigkeiten der Forscher mit dem durchdrungen sein werden, was die spirituelle Lehre der Anthroposophie ist.
[ 17 ] We are thus approaching a very subtle truth. And for anyone familiar with modern natural science, it is remarkable and interesting that there are already fields today where natural scientists are, so to speak, confronted with the fact that something in human beings does not originate from the germ. The prerequisites for this are already in place; it is just that the researchers’ intellect is not yet advanced enough to correctly recognize what they themselves have established in their experiments and observations. For there is more at work in what objectively takes place in the experiments than modern science currently recognizes. Natural science would not get very far if it were left solely to the skill of the researchers. While this or that researcher stands in the laboratory, works in the clinic, or in the study, the powers that guide and direct the world stand behind him, bringing to the surface what the researcher does not understand—and for which he is merely an instrument. It is therefore entirely correct that even objective research is guided by the “Masters,” that is, by the higher individualities. However, the things now being pointed out are usually not observed. But they will be observed when the researchers’ conscious faculties are imbued with the spiritual teachings of anthroposophy.
[ 18 ] Dadurch, daß das stattgefunden hat, was ich jetzt geschildert habe, ist mit den Fähigkeiten des Menschen seit dem Erscheinen des Christus auf der Erde eine große Veränderung vorgegangen. Vorher hat der Mensch nur jene Fähigkeiten benutzen können, die ihm aus dem väterlichen und mütterlichen Keime zugeflossen sind; denn nur diese sind so, daß sie sich in dem Menschen ausgestalten. Wenn wir zwischen Geburt und Tod stehen, entwickeln wir das an Fähigkeiten, was wir aus dem physischen Leibe, Atherleibe und Astralleibe sind. Vor der Zeit des Christus Jesus waren die Werkzeuge, die der Mensch für sich verwendete, allein zu präparieren aus dem bloßen Keim; nachher kam das hinzu, was jungfräulicher Geburt ist, was gar nicht durch den Keim angeregt ist. Das kann natürlich sehr verdorben werden, wenn der Mensch der bloßen materiellen Anschauung hingegeben ist. Wenn er sich aber der Wärme hingibt, die von dem Christus-Prinzip ausgeht, dann kann es veredelt werden, und er bringt es dann in die folgenden Inkarnationen in einer immer höheren und höheren Art hinein.
[ 18 ] Because what I have just described has taken place, a great change has occurred in human abilities since the appearance of Christ on Earth. Previously, human beings could use only those abilities that had flowed to them from the paternal and maternal germ; for only these are such that they can develop within the human being. As we live between birth and death, we develop the abilities that constitute our physical, etheric, and astral bodies. Before the time of Christ Jesus, the tools that human beings used for themselves had to be prepared solely from the physical germ; afterward, what is known as virgin birth was added—something not at all stimulated by the germ. This can, of course, become very corrupted if a person is devoted to a purely material outlook. But if a person surrenders to the warmth that emanates from the Christ principle, then it can be ennobled, and the person then carries it into subsequent incarnations in an ever higher and higher form.
[ 19 ] Was aber jetzt gesagt worden ist, das setzt voraus, daß wir verstehen, daß in allen jenen Verkündigungen, welche der Christus-Verkündigung vorausgingen, etwas steckte, was an die Fähigkeiten gebunden war, die aus der Abstammung herrührten, welche der Mensch mit dem Keim empfing; und es setzt weiter voraus, daß wir uns bewußt werden müssen, daß der Christus Jesus zu den Fähigkeiten sprechen mußte, die nichts mit dem Keime aus der Erde zu tun haben, sondern die sich verbinden mit dem Keim aus den göttlichen Welten heraus. Alle die, welche vor dem Christus Jesus auftraten, konnten sich, um zu den Menschen zu sprechen, nur jener Fähigkeiten bedienen, die ihnen in ihrer irdischen Wesenheit durch die Keimanlagen übertragen worden sind. Alle die Propheten und Verkünder, so hoch sie waren, selbst wenn sie als Bodhisattvas herunterstiegen, sie mußten sich, um zu verkündigen, der Fähigkeiten bedienen, die durch den Keim gegangen sind. Der Christus Jesus aber sprach zu demjenigen im Menschen, was nicht durch den Keim geht, sondern was aus dem Reiche des Göttlichen ist. Darauf weist er im Sinne des Lukas-Evangeliums hin, wenn er zu seinen Jüngern über das Wesen Johannes des Täufers spricht:
[ 19 ] But what has now been said presupposes that we understand that in all those proclamations that preceded the proclamation of Christ there was something connected to the faculties derived from the lineage that a human being receives with the seed; and it further presupposes that we must become aware that Christ Jesus had to speak to the faculties that have nothing to do with the seed from the earth, but are connected to the seed from the divine worlds. All those who appeared before Christ Jesus could, in order to speak to humanity, make use only of those faculties that had been imparted to them in their earthly existence through the germicidal forces. All the prophets and heralds, however exalted they were—even when they descended as Bodhisattvas—had to make use, in order to proclaim, of the faculties that had passed through the germ. Christ Jesus, however, spoke to that part of the human being which does not pass through the germ, but which is of the realm of the Divine. He points this out in the Gospel of Luke when he speaks to his disciples about the nature of John the Baptist:
«Ich sage euch, einen größeren Propheten als Johannes gibt es nicht unter denen, die vom Weibe geboren sind»
“I tell you, among those born of women there is no greater prophet than John”
[ 20 ] das heißt, die in ihrer Wesenheit, wie sie vor uns stehen, erklärt werden dadurch, daß diese Wesenheit durch die physische Geburt aus dem männlichen und weiblichen Keim entstanden ist. Aber er sagt weiter:
[ 20 ] that is, their essence, as it appears to us, is explained by the fact that this essence arose through physical birth from the male and female germ. But he goes on to say:
«Der kleinste Teil desjenigen, was nicht aus dem Weibe geboren ist, der sich mit dem Menschen aus dem Reich Gottes verbindet, ist größer als Johannes» (Lukas 7, 28).
“The least of those who are not born of a woman, yet unite with the human being from the Kingdom of God, is greater than John” (Luke 7:28).
[ 21 ] So Tiefes verbirgt sich hinter solchen Worten. Wenn die Menschen einmal die Bibel studieren werden, durchleuchtet von dem Wesen der Geisteswissenschaft, dann werden sie sehen, daß in ihr physiologische Wahrheiten enthalten sind, die größer sind als alles, was neues, stümperhaftes physiologisches Denken zutage fördern kann. In einem solchen Worte wie dem eben angeführten liegt der Antrieb zur Erkenntnis einer der größten physiologischen Wahrheiten. So tief ist die Bibel, wenn wir siein Wahrheit auffassen.
[ 21 ] Such profound truths lie hidden behind these words. Once people begin to study the Bible in the light of spiritual science, they will see that it contains physiological truths greater than anything that new, amateurish physiological thinking can bring to light. In a passage such as the one just cited lies the impetus to recognize one of the greatest physiological truths. That is how profound the Bible is when we truly understand it.
[ 22 ] Was ich Ihnen jetzt gesagt habe, erläutert der Christus Jesus in mannigfaltiger Weise auch in anderer Form. Er will darauf hinweisen, wie das, was sich durch ihn in die Welt einleben soll, ein ganz Neues ist, ein ganz anderes, als was jemals früher verkündet worden ist, weil es mit den Fähigkeiten verkündet wird, die herausgeboren sind aus den Reichen der Himmel, die wir nicht vererbt haben. Er weist darauf hin, wie schwierig es für die Menschen ist, sich nach und nach zum Verständnis einer solchen Lehre, eines solchen Evangeliums aufzuschwingen, wie die Menschen verlangen werden, so überzeugt zu werden, wie sie früher überzeugt worden sind. Aber er sagt ihnen zugleich: Von dem Neuen, was da gekommen ist, von der neuen Wahrheit könnt ihr nicht in derselben Art überzeugt werden; denn was als Zeugnis von der alten Form kommen konnte, das könnte euch an der neuen Form nicht überzeugen. Art und Form im Sinne der alten Wahrheit stellen sich am höchsten dar, so wie es der Mensch fassen kann, in der Weise, wie es symbolisiert wird in dem Zeichen des Jonas. In diesem wird durch die alte Art symbolisiert, wie der Mensch allmählich zur Erkenntnis hinaufwächst und in die geistigen Welten eindringt, oder wie er, um biblisch zu sprechen, Prophet wird (Lukas 11, 29-32).
[ 22 ] What I have just told you, Christ Jesus also explains in many different ways and in other forms. He wishes to point out how what is to take root in the world through him is something entirely new, something entirely different from anything that has ever been proclaimed before, because it is proclaimed with abilities born of the realms of heaven—abilities that we have not inherited. He points out how difficult it is for people to gradually rise to an understanding of such a teaching, such a Gospel, just as people will demand to be convinced in the same way they were convinced in the past. But at the same time he tells them: You cannot be convinced of the new thing that has come, of the new truth, in the same way; for what could serve as testimony in the old form would not convince you in the new form. The nature and form of the old truth are presented at their highest level—as far as human beings can grasp them—in the way it is symbolized in the sign of Jonah. In this sign, the old way symbolizes how a person gradually grows toward knowledge and enters the spiritual worlds, or, to speak in biblical terms, how he becomes a prophet (Luke 11:29–32).
[ 23 ] Das ist die alte Art, zur Initiation zu kommen, zuerst seine Seele reif zu machen, alles vorzubereiten, was die Seele reif machen kann, dann durch dreieinhalb Tage hindurch in einen Zustand gebracht zu werden, in welchem man völlig der äußeren Welt entrückt ist und auch den Werkzeugen, mit denen man die äußere Welt wahrnimmt. Daher wurden die, welche in die geistige Welt hinaufgeführt werden sollten, zuerst sorgfältig vorbereitet; ihre Seele wurde zum Erkennen des geistigen Lebens präpariert. Dann wurden sie durch dreieinhalb Tage der Welt entrückt und dazu an einen Ort gebracht, wo sie auch durch ihre äußeren Sinne nichts wahrnehmen konnten, wo ihr Körper in einem todähnlichen Zustande war, und nach dreieinhalb Tagen wurden sie wieder auferweckt; da wurde ihre Seele wieder in den Körper zurückgerufen. Dann waren solche Menschen fähig, sich an das, was sie als Anschauung der höheren Welten empfangen hatten, zu erinnern und selber von den geistigen Welten zu künden. Das war das große Geheimnis der Initiation, daß die lange vorbereitete Seele durch dreieinhalb Tage aus ihrem Körper herausgeführt wurde in eine ganz andere Welt; da war sie abgeschlossen von der äußeren Welt und drang in die geistige Welt ein. Immer gingen unter den Völkern solche Menschen herum, die Verkünder der geistigen Welt sein konnten; sie waren es, die das durchgemacht hatten, was in der Bibel angedeutet wird als das Ruhen des Jonas im Walfisch (Jona 2, 1). Dazu wurde ein solcher vorbereitet, und er trug dann als alter Initiierter, wenn er vor dem Volke erschien, das Zeichen an sich, das die an sich trugen, die selbst die geistige Welt erleben konnten, das Zeichen des Jonas.
[ 23 ] This is the ancient way of attaining initiation: first, to bring one’s soul to maturity; to prepare everything that can help the soul mature; and then, over the course of three and a half days, to be brought into a state in which one is completely detached from the external world and also from the instruments through which one perceives the external world. Therefore, those who were to be led up into the spiritual world were first carefully prepared; their souls were prepared to perceive spiritual life. Then, for three and a half days, they were withdrawn from the world and taken to a place where they could perceive nothing even through their external senses, where their bodies were in a death-like state, and after three and a half days they were revived; at which point their soul was called back into the body. Then such people were able to recall what they had received as a vision of the higher worlds and to speak of the spiritual worlds themselves. This was the great mystery of initiation: that the soul, after long preparation, was led out of its body for three and a half days into an entirely different world; there it was cut off from the outer world and entered into the spiritual world. Such people—who could be heralds of the spiritual world—were always found among the peoples; they were the ones who had undergone what is alluded to in the Bible as Jonah’s rest in the belly of the whale (Jonah 2:1). A person was prepared for this, and then, as an old initiate, when he appeared before the people, he bore upon himself the sign that was borne by those who could themselves experience the spiritual world—the sign of Jonah.
[ 24 ] Dies war die eine Art der Einweihung. Es gibt - so sagte der Christus — im alten Sinn kein anderes Zeichen denn das Zeichen des Jonas (Lukas 11, 29). Und noch deutlicher drückt er sich aus im Sinne des Lukas-Evangeliums: Es gibt allerdings als eine Erbschaft der alten Zeiten noch dieses, daß man ohne sein Zutun, ohne Initiation dumpf, dämmerhaft hellsehend werden kann und durch Offenbarung von oben in die geistige Welt hinaufgeführt werden könnte. — Er wollte darauf hinweisen, daß es neben der eben geschilderten jene zweite Art von Eingeweihten in die geistige Welt gäbe, daß es solche Menschen gäbe, die herumgingen unter den anderen Menschen und dadurch, daß sie eine entsprechende Abstammung hinter sich hatten, fähig waren, ohne eine besondere Initiation durchgemacht zu haben, in einer Art erhöhten Trancezustandes Offenbarungen von oben zu bekommen. Und der Christus wies darauf hin, daß diese zweifache Art, sich in die geistige Welt zu versetzen, von den alten Zeiten überkommen ist. Er sagte: Sehet hin und erinnert euch an den König Salomo. - In diesem wollte er eine Individualität jener Art hinstellen, welche ohne ihr Zutun, durch Offenbarung von oben, in die geistige Welt hineinschauen konnte. Daher ist auch die Königin von Saba, die zu dem König Salomo kommt, die Trägerin der Weisheit von oben, die Repräsentantin derjenigen, die dazu prädestiniert sind, alle die Erbstücke dumpfen, dämmerhaften Hellsehens zu haben, wie es in der atlantischen Zeit alle Menschen gehabt haben (Lukas 11, 31).
[ 24 ] This was one form of initiation. According to Christ, there is—in the ancient sense—no other sign than the sign of Jonah (Luke 11:29). And he expresses himself even more clearly in the Gospel of Luke: There is, however, one legacy from ancient times—that one can become a dim, twilight-like clairvoyant without any effort on one’s part, without initiation, and could be led up into the spiritual world through revelation from above. — He wanted to point out that, alongside the type just described, there was this second kind of initiate into the spiritual world—that there were such people who walked among other people and, by virtue of having the appropriate lineage, were able, without having undergone any special initiation, to receive revelations from above in a kind of heightened trance state. And Christ pointed out that this twofold way of entering the spiritual world has been handed down from ancient times. He said: “Look and remember King Solomon.”—In him, he wished to present an individual of the kind who, through no effort of his own but by revelation from above, could look into the spiritual world. That is why the Queen of Sheba, who comes to King Solomon, is the bearer of wisdom from above—the representative of those who are predestined to possess all the vestiges of that dim, twilight-like clairvoyance which all people possessed in the Atlantean era (Luke 11:31).
[ 25 ] Diese zwei Arten von Eingeweihten gab es: die eine Art, dargestellt durch Salomo und in dem bildhaften Hingehen der Königin von Saba, der Königin des Südens, zu ihm; die andere Art war die, welche im Zeichen des Jonas erfolgte, das heißt die alte Initiation, bei der man in vollem Abgeschlossensein von der Außenwelt während dreieinhalb Tagen durch die geistige Welt durchgeht. Nun fügt der Christus hinzu: «Hier ist mehr denn Salomo ..... hier ist mehr denn Jonas» (Lukas 11, 31 und 32), und weist damit darauf hin, daß etwas Neues in die Welt eingetreten ist, daß nicht bloß zu den Ätherleibern von außen durch Offenbarungen gesprochen wird wie bei Salomo und daß nicht gesprochen wird zu den Ätherleibern von innen durch Offenbarungen, die der dazu vorbereitete Astralleib dem Ätherleib mitteilen kann, wie bei denen, die symbolisiert sind durch das Zeichen des Jonas. Der Christus will sagen: Hier ist etwas, wo der Mensch, wenn er sich in seinem Ich dazu reif macht, sich mit dem verbindet, was den Reichen der Himmel angehört, weil die Kräfte aus den Reichen der Himmel sich mit dem jungfräulichen Teil in der Menschenseele verbinden, der den Reichen der Himmel angehört, und den die Menschen verderben können, indem sie sich von dem Christus-Prinzip abwenden, den sie aber auch hegen und pflegen können, wenn sie sich mit dem durchdringen, was von dem Christus-Prinzip ausströmt.
[ 25 ] There were two kinds of initiates: one kind, represented by Solomon and symbolized by the Queen of Sheba, the Queen of the South, coming to him; the other type was that which took place under the sign of Jonah—that is, the ancient initiation in which one passes through the spiritual world for three and a half days in complete seclusion from the outside world. Now Christ adds: “Here is more than Solomon … here is more than Jonah” (Luke 11: 31 and 32), thereby pointing out that something new has entered the world—that it is not merely a matter of speaking to the etheric bodies from the outside through revelations, as in the case of Solomon, nor is it a matter of speaking to the etheric bodies from the inside through revelations that the astral body, when properly prepared, can communicate to the etheric body, as in the case of those symbolized by the sign of Jonah. Christ means to say: Here is something through which the human being, when he matures to it in his “I,” can connect with that which belongs to the realms of heaven, because the forces from the realms of heaven unite with the virginal part of the human soul that belongs to the realms of heaven, and which human beings can corrupt by turning away from the Christ principle, but which they can also nurture and cherish when they become imbued with what flows forth from the Christ principle.
[ 26 ] So fügt der Christus Jesus — im Sinne des Lukas-Evangeliums — dasjenige seiner Lehre ein, was als ein neues Element damals auf die Erde gekommen ist, und wir sehen, wie sich alle alten Arten der Verkündigung des Gottesreiches durch das Ereignis von Palästina geändert haben. Daher sagt er zu denen, von welchen er voraussetzen konnte, daß sie ihn durch ihre Präparation ein wenig verstehen können: Wahrhaftig, es sind solche unter euch, die nicht nur in der Weise wie Salomo durch Offenbarung oder durch Initiation im Zeichen des Jonas das Reich Gottes sehen können; würden solche unter euch nichts anderes erlangen, so würden sie in dieser Inkarnation niemals das Reich Gottes sehen, sie würden eher sterben. — Das heißt, vor ihrem Tode würden sie das Reich Gottes nicht sehen, wenn sie nicht etwa initiiert würden; dann aber müßten sie auch einen todähnlichen Zustand durchmachen.
[ 26 ] Thus, Christ Jesus—in the spirit of the Gospel of Luke—incorporates into his teaching that which came to Earth at that time as a new element, and we see how all the old ways of proclaiming the Kingdom of God were transformed by the events in Palestine. Therefore, he says to those whom he could assume were prepared enough to understand him to some extent: “Truly, there are some among you who cannot see the Kingdom of God in the manner that Solomon did—through revelation or through initiation in the sign of Jonah; if such people among you were to attain nothing else, they would never see the Kingdom of God in this incarnation; they would rather die.” — That is to say, they would not see the Kingdom of God before their death unless they were initiated; but then they would also have to undergo a state akin to death.
[ 27 ] Nun aber wollte der Christus zeigen, daß es auch solche Menschen geben kann, die, ehe sie sterben, durch das, was jetzt als neues Element in die Welt gekommen ist, die Reiche der Himmel zu sehen vermögen. Die Jünger verstanden zunächst nicht, um was es sich handelte. Doch wollte er ihnen zeigen, daß sie es sein sollten, die, ehe sie eines natürlichen Todes stürben oder jenes Todes, den man früher bei der Initiation gestorben ist, die Geheimnisse der Reiche der Himmel erfahren würden. Das ist jene wunderbare Stelle im Lukas-Evangelium, wo der Christus von einer höheren Offenbarung spricht und sagt:
[ 27 ] But now the Christ wanted to show that there can also be people who, before they die, are able to see the realms of heaven through what has now come into the world as a new element. At first, the disciples did not understand what this meant. But he wanted to show them that they would be the ones who, before they died a natural death or that death which was formerly experienced during initiation, would come to know the mysteries of the realms of heaven. This is that wonderful passage in the Gospel of Luke where Christ speaks of a higher revelation and says:
«Ich sage euch aber wahrhaftig: es sind einige unter denen, die hier stehen, welche den Tod nicht kosten werden, bis sie die Reiche der Himmel sehen» (Lukas 9, 27).
“But I tell you the truth: there are some standing here who will not taste death until they see the kingdom of heaven” (Luke 9:27).
[ 28 ] Das verstanden sie nicht, daß sie, die um ihn herum waren, dazu ausersehen waren, jene starke Wirkung von jenem Ich, von dem ChristusPrinzip, zu erfahren, durch die sie unmittelbar in die geistige Welt hinaufdringen sollten. Die geistige Welt sollte ihnen offenbar werden ohne das Zeichen des Salomo und ohne das Zeichen des Jonas. Ist das geschehen?
[ 28 ] They did not understand that they, who were gathered around him, were chosen to experience the powerful effect of that “I”—the Christ Principle—through which they were to penetrate directly into the spiritual world. The spiritual world was to be revealed to them without the sign of Solomon and without the sign of Jonah. Did that happen?
[ 29 ] Unmittelbar an diese Worte schließt sich die Szene der Verklärung an, wo drei Jünger, Petrus, Jakobus und Johannes, in die geistige Welt hinaufgeführt werden und ihnen entgegentritt, was in der geistigen Welt als Moses und Elias vorhanden ist, und zugleich das Geistige selbst, was in dem Christus Jesus lebt (Lukas 9, 28-36). Sie schauen für einen Moment in die geistige Welt hinein, um ein Zeugnis dafür zu bekommen, daß man ohne das Zeichen des Salomo und ohne das Zeichen des Jonas in die geistige Welt Einblick erhält. Aber zugleich zeigt sich, daß sie noch Anfänger sind: Sie schlafen gleich ein, nachdem sie durch die Gewalt dessen, was geschieht, aus ihren physischen und Ätherleibern herausgerissen sind. Daher findet der Christus sie schlafend. Daran sollte gezeigt werden, welches die dritte Art, in die geistige Welt hineinzukommen, ist, außer der unter dem Zeichen des Salomo und der unter dem Zeichen des Jonas. Das wußte eben derjenige, der für die damalige Zeit die Zeichen der Zeit zu deuten verstand, daß das Ich sich entwickeln mußte, daß es jetzt unmittelbar inspiriert werden mußte, daß die göttlichen Kräfte unmittelbar in das Ich hineinwirken mußten.
[ 29 ] These words are immediately followed by the scene of the Transfiguration, in which three disciples—Peter, James, and John—are led up into the spiritual world and encounter what exists there as Moses and Elijah, as well as the Spiritual itself, which lives in Christ Jesus (Luke 9:28–36). For a moment, they gaze into the spiritual world to receive a testimony that one can gain insight into the spiritual world without the sign of Solomon and without the sign of Jonah. But at the same time, it becomes clear that they are still beginners: they fall asleep immediately after being torn from their physical and etheric bodies by the power of what is happening. Therefore, Christ finds them asleep. This was intended to demonstrate the third way of entering the spiritual world, apart from the one under the sign of Solomon and the one under the sign of Jonah. The one who understood how to interpret the signs of the times in those days knew precisely that the “I” had to develop, that it now had to be directly inspired, and that the divine forces had to act directly within the “I.”
[ 30 ] Es sollte aber zu gleicher Zeit gezeigt werden, wie die damaligen Menschen, wenn sie auch Exemplare höchster Art waren, nicht fähig waren, das Christus-Prinzip in sich aufzunehmen. Ein Anfang sollte in dieser Beziehung in der Verklärung gemacht werden, aber zugleich gezeigt werden, daß die Jünger zunächst nicht fähig waren, das ChristusPrinzipganz aufzunehmen. Daher versagen gleich hinterher ihreKräfte, als sie das Christus-Prinzip anwenden und einen Menschen heilen wollen, der von einem bösen Geiste gepackt ist; sie können es aber nicht. Da weist der Christus darauf hin, daß sie erst an einem Anfange stehen, indem er sagt: Ich werde noch lange bei euch bleiben müssen, bis eure Kräfte auch in die anderen Menschen einströmen können (Lukas 9, 41). Und er heilt dann den, den die Jünger nicht heilen konnten. Dann aber sagt er, sie noch einmal auf alles hinweisend, was sich als Geheimnis dahinter verbarg: «Jetzt ist die Zeit gekommen, daß der Sohn des Menschen ausgeliefert werden soll in Menschenhände», das heißt, wo das, was die Menschen in ihrer Erdenmission aus sich heraus entwickeln sollen, nach und nach in die Menschen einströmen soll, wo das menschliche Ich dem Menschen übergeben werden soll, das sie in der höchsten Gestalt, in dem Christus, erkennen sollen.
[ 30 ] At the same time, however, it should be shown how the people of that era—even though they were exemplary individuals of the highest order—were not capable of assimilating the Christ Principle within themselves. A beginning was to be made in this regard at the Transfiguration, but at the same time it was to be shown that the disciples were not yet capable of fully embracing the Christ-principle. Therefore, their powers fail immediately afterward when they attempt to apply the Christ-principle to heal a man possessed by an evil spirit; yet they are unable to do so. Christ then points out that they are only at the beginning by saying: “I must remain with you for a long time yet, until your powers can also flow into other people” (Luke 9:41). And he then heals the one whom the disciples could not heal. But then, pointing out once more to them all that lay hidden as a mystery behind it, he says: “Now the time has come for the Son of Man to be delivered into the hands of men”—that is, where what human beings are to develop from within themselves during their earthly mission is to flow gradually into humanity, where the human “I” is to be handed over to human beings, which they are to recognize in its highest form, in Christ.
«Nehmt euch diese Worte zu Ohren: es ist an der Zeit, daß der Sohn des Menschen ausgeliefert wird in Menschenhände.
Sie aber verstanden dieses Wort nicht, und es war vor ihnen verborgen, daß sie es nicht begriffen» (Lukas 9, 44-45).
“Take these words to heart: the time has come for the Son of Man to be handed over to human hands.
But they did not understand this saying, and it was hidden from them so that they could not grasp it” (Luke 9:44–45).
[ 31 ] Nun, wieviel Menschen haben bis heute dieses Wort verstanden? Aber immer mehr und mehr Menschen werden dieses Wort verstehen, daß damals das Ich, der Menschensohn, an die Menschen hat ausgeliefert werden sollen. Was für die damalige Zeit als Erklärung beigefügt werden konnte, das fügt der Christus Jesus nun auch bei. Er sagt: So, wie der heutige Mensch vor uns steht, ist er ein Produkt, das entstanden ist aus jenen alten Kräften, die wirksam waren, als noch keine luziferischen Wesenheiten in den Menschen eingegriffen hatten; dann sind die luziferischen Kräfte gekommen und haben den Menschen heruntergezogen. Das alles hat sich in die Fähigkeiten hineinversenkt, welche heute dem Menschen zu eigen sind. In alles das, was aus dem Keime ist, hat sich in des Menschen Bewußtsein dasjenige hineingemischt, was Ihn in eine niedere Sphäre herunterzog.
[ 31 ] Well, how many people have understood this word to this day? But more and more people will come to understand this word—that back then, the “I,” the Son of Man, was to be handed over to the people. What could have been added as an explanation back then, Christ Jesus now adds as well. He says: As modern human beings stand before us, they are a product that arose from those ancient forces that were at work when no Luciferic beings had yet intervened in human beings; then the Luciferic forces came and pulled human beings down. All of this has become embedded in the faculties that are inherent in human beings today. Into everything that arises from the seed, that which drew humanity down into a lower sphere has become intermingled in human consciousness.
[ 32 ] Der Mensch ist ein zweifaches Wesen. Was er bisher aber an Bewußtsein entwickelt hat, das ist ganz von dem Früheren durchdrungen, von den luziferischen Kräften. Nur das, worinnen Unbewußtes im Menschen waltet, ist dasjenige, was sozusagen wie ein letzter Rest aus der Entwickelung durch Saturn, Sonne und Mond, als noch keine luziferischen Kräfte vorhanden waren, heute als jungfräuliches Teil in den Menschen hineinströmt; aber das kann sich nicht mit dem Menschen verbinden ohne das, was der Mensch durch das Christus-Prinzip in sich ausbilden kann. So wie der Mensch heute vor uns steht, ist er zunächst ein Ergebnis der Vererbung, ein Zusammenfluß dessen, was aus den Keimen heraus stammt. Indem er so heranwächst, ist er von vornherein eine Zweiheit. Nur ist diese Zweiheit schon von luziferischen Kräften durchdrungen. Solange aber der Mensch noch nicht von Selbstbewußtsein durchleuchtet ist, solange er aus seinem eigenen Ich heraus noch nicht zwischen Gut und Böse voll unterscheiden kann, solange zeigt er uns durch den Schleier des Späteren hindurch seine frühere, seine ursprüngliche Natur. Nur das, was an dem heutigen Menschen kindlich ist, hat noch einen letzten Rest jener Wesenheit, die der Mensch gehabt hat, bevor er dem Einfluß der luziferischen Wesenheiten unterlegen ist.
[ 32 ] Human beings are dual beings. However, the consciousness they have developed so far is entirely permeated by what came before—by the Luciferic forces. Only that which is governed by the unconscious in human beings is what, so to speak, as a final remnant from the evolution through Saturn, the Sun, and the Moon—when no Luciferic forces yet existed—flows into human beings today as a virgin part; but this cannot unite with the human being without what the human being can develop within themselves through the Christ principle. As human beings stand before us today, they are first and foremost a product of heredity, a convergence of what springs from the seeds. As they grow up in this way, they are, from the outset, a duality. However, this duality is already permeated by Luciferic forces. But as long as human beings are not yet illuminated by self-consciousness, as long as they cannot yet fully distinguish between good and evil from within their own “I,” they reveal to us, through the veil of what comes later, their earlier, their original nature. Only that which is childlike in modern human beings still retains a final remnant of the essence that human beings possessed before they succumbed to the influence of the Luciferic beings.
[ 33 ] Daher haben wir jetzt den Menschen so vor uns, daß wir einen «kindlichen» Teil und einen «erwachsenen» Teil haben. Der erwachsene Teil ist der von den luziferischen Kräften durchdrungene, aber er macht seinen Einfluß geltend von der allerersten Keimanlage an. Die luziferischen Kräfte durchdringen auch schon das Kind, so daß im gewöhnlichen Leben nicht das zum Vorschein kommen kann, was schon früher, vor dem luziferischen Einfluß, in den Menschen hineinversenkt worden ist. Dasmuß dieChristus-Kraft wieder aufwecken. Die ChristusKraft muß sich mit dem verbinden, was die besten Kräfte der kindlichen Natur im Menschen sind. Sie darf nicht an die Fähigkeiten anknüpfen, die der Mensch verdorben hat, an das, was aus der aus dem bloßen Intellekt geborenen Weisheit herstammt, sondern sie muß an das anknüpfen, was aus den alten Zeiten der kindlichen Natur geblieben ist. Das ist das Beste; das muß sie wieder regenerieren und von da ausgehend das andere befruchten.
[ 33 ] Therefore, we now see the human being as having a “childlike” part and an “adult” part. The adult part is the one permeated by the Luciferic forces, but it exerts its influence from the very first embryonic stage. The Luciferic forces already permeate the child as well, so that in ordinary life, what was previously instilled in human beings—before the Luciferic influence—cannot come to the fore. The Christ force must reawaken this. The Christ force must unite with the best forces of the childlike nature within the human being. It must not take hold of the faculties that human beings have corrupted—that which stems from wisdom born of mere intellect—but rather it must take hold of what has remained from the ancient times of childlike nature. That is the best; it must regenerate that and, starting from there, fertilize the rest.
«Es fuhr aber der Gedanke unter sie, wer von ihnen der größte sei»
“But a question arose among them as to which of them was the greatest.”
[ 34 ] das heißt, wer am meisten geeignet sei, das Christus-Prinzip in sich aufzunehmen.
[ 34 ] that is, who was best suited to internalize the Christ principle.
«Da aber Jesus ihres Herzens Gedanken wußte, nahm er ein Kind, stellte es neben sich und sagte: Wer dieses Kind aufnimmt in meinem Namen,»
“But Jesus, knowing the thoughts of their hearts, took a child, placed it beside him, and said, ‘Whoever welcomes this child in my name,’”
[ 35 ] das heißt, wer sich im Namen des Christus mit dem verbindet, was aus den vorluziferischen Zeiten geblieben ist -,
[ 35 ] that is, anyone who, in the name of Christ, connects with what remains from the pre-Luciferian era —
«der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat» (Lukas 9, 46-48),
“Whoever receives me receives the one who sent me” (Luke 9:46–48),
[ 36 ] das heißt, der diesen Teil des Menschen auf die Erde gesandt hat. Da haben Sie die große Bedeutung dessen betont, was im Menschen kindlich geblieben ist und was gehegt und gepflegt werden soll in der menschlichen Natur.
[ 36 ] that is, the one who sent this part of the human being to Earth. There you emphasized the great importance of what has remained childlike in the human being and what should be cherished and nurtured in human nature.
[ 37 ] Man kann sagen: Der Mensch, welcher da vor mir steht, hat eigentlich ganz gute Anlagen. Man kann sich alle Mühe geben, diese Anlagen zu entwickeln, wie der Mensch im gewöhnlichen Leben ja auch gute Fortschritte macht. Wie man es heute macht, so wird man nicht auf das in den Untergründen des Menschen Vorhandene Rücksicht nehmen. Man sollte aber auf das im Menschen kindlich Gebliebene schauen, denn auf dem Umwege über dieses kindlich Gebliebene sollen durch die Christus-Fähigkeit erst wieder die anderen Fahigkeiten erwärmt werden. Das Kindliche soll er wir gescheit machen, damit von da aus die anderen Fähigkeiten wieder gescheit werden. Jeder trägt in dieser Beziehunz die kindliche Natur in sich, und diese wird, wenn sie rege ist, auch eine Empfänglichkeit haben für die Verbindung mit dem Christus-Prinzip. Die Kräfte aber, die unter dem luziferischen Einfluß stehen, wenn sie auch noch so hoch sind, sie werden heute nur, wenn sie allein im Menschen wirken, dasjenige, was als Christus-Kraft auf der Erde leben kann, ablehnen und verspotten, wie es der Christus selber vorausgesagt hat.
[ 37 ] One might say: The person standing before me actually has quite good potential. One can make every effort to develop this potential, just as this person makes good progress in everyday life. The way things are done today, however, does not take into account what lies deep within the human being. But one should look to what remains childlike within the person, for it is through this childlike aspect—as a detour—that the other abilities are to be rekindled through the Christ-capacity. One must make the childlike aspect mature, so that from there the other abilities may also become mature. In this regard, everyone carries the childlike nature within themselves, and when this nature is active, it will also possess a receptivity to the connection with the Christ principle. But the forces that are under Luciferic influence—no matter how exalted they may be—will today, if they act alone within a person, reject and mock that which can live on Earth as the Christ force, just as Christ Himself foretold.
[ 38 ] So wird uns gerade im Sinne des Lukas-Evangeliums klar vor die Seele gestellt, welches der Sinn der neuen Verkündigung ist. Wenn einer, der das Zeichen des Jonas an der Stirne trug, ein alter Initiierter, durch die Menschen schritt, so erkannte man ihn als einen solchen, der von den geistigen Welten zu verkünden hatte. Aber nur diejenigen wußten es, wie ein solcher aussieht, die darüber unterrichtet worden waren; es gehört eine besondere Vorbereitung dazu, um das Zeichen des Jonas zu verstehen. Eine neue Vorbereitung aber sollte dazu gehören, um — mehr als das Zeichen des Salomo und mehr als das Zeichen des Jonas — eine neue Art des Verstehens, eine neue Art, die Seele reif zu machen, hervorzubringen. Die Zeitgenossen des Christus Jesus konnten zunächst nur die alte Art verstehen, und eine den meisten bekannte Art war noch das, was Johannes der Täufer brachte. Daß aber jetzt der Christus Jesus etwas vollständig Neues brachte, daß er Seelen unter denen suchte, die gar nicht so aussahen, wie man sich früher solche Menschen vorgestellt hatte, das war den Leuten etwas ganz Fremdes. Sie hatten vorausgesetzt, daß er bei denen sitzen werde, welche Übungen der alten Art durchmachten, und ihnen seine Lehre verkünden werde. Daher konnten sie nicht verstehen, daß er bei denen sitzt, welche sie als Sünder ansahen. Aber er sagte ihnen: Würde ich das, was ich als ganz Neues der Menschheit zu geben habe, in der alten Art verkünden, würde nicht auch eine ganz neue Form an die Stelle der alten treten, so würde ich dasselbe machen, wie wenn ich einen neuen Flicken auf ein altes Kleid nähen würde oder wenn ich neuen Wein nehmen und ihn in alte Schläuche geben würde. Was jetzt der Menschheit gegeben werden soll und was mehr ist als das Zeichen des Salomo oder das des Jonas, das muß in neue Schläuche, in neue Formen gegossen werden. Und ihr müßt euch dazu aufraffen, um in einer neuen Form auch die neue Verkündigung zu verstehen (Lukas 5, 36-37).
[ 38 ] Thus, precisely in the spirit of the Gospel of Luke, the meaning of the new proclamation is clearly presented to our souls. When one who bore the sign of Jonah on his forehead—an ancient initiate—walked among people, he was recognized as one who had a message to proclaim from the spiritual worlds. But only those who had been instructed knew what such a person looked like; it requires special preparation to understand the sign of Jonah. A new kind of preparation, however, was needed to bring about—more than the sign of Solomon and more than the sign of Jonah—a new way of understanding, a new way of bringing the soul to maturity. At first, the contemporaries of Christ Jesus could understand only the old way, and a way still familiar to most was what John the Baptist had brought. But the fact that Christ Jesus now brought something entirely new—that he sought out souls among those who did not at all resemble how such people had previously been imagined—was something completely foreign to the people. They had assumed that he would sit among those who were undergoing the old-style disciplines and would proclaim his teaching to them. Therefore, they could not understand why he sat among those whom they regarded as sinners. But he said to them: If I were to proclaim what I have to give to humanity as something entirely new in the old way, and if a completely new form were not to take the place of the old one, I would be doing the same thing as if I were sewing a new patch onto an old garment, or as if I were taking new wine and putting it into old wineskins. What is now to be given to humanity—and what is greater than the sign of Solomon or that of Jonah—must be poured into new wineskins, into new forms. And you must summon the will to understand the new message in a new form as well (Luke 5:36–37).
[ 39 ] Die, welche verstehen sollten, sie mußten verstehen durch den gewaltigen Einfluß des Ich, nicht durch das, was sie gelernt hatten, sondern durch das, was übergeströmt war aus der spirituellen Wesenheit des Christus in sie. Dazu aber waren nicht diejenigen ausersehen, die im Sinne der alten Lehren vorbereitet waren, sondern die, welche durch Inkarnationen und Inkarnationen durchgegangen waren und sich trotzdem als einfache Leute zeigten, die durch die in sie übergeströmte Glaubenskraft verstehen konnten. Daher mußte auch vor sie ein Zeichen hingestellt werden, das vor aller Augen sich abspielte. Was sich durch Jahrhunderte und Jahrtausende in den Mysterientempeln abgespielt hatte als das Hindurchgehen durch den «mystischen Tod», das mußte sich auf dem großen Schauplatze der Weltgeschichte abspielen. Alles, was sich geheimnisvoll in den großen Initiationstempeln zugetragen hatte, das trat jetzt heraus und stand da als ein einzelnes Ereignis auf Golgatha. In intensiver Weise trat vor die Menschheit hin, was sonst nur vor die Eingeweihten in den dreieinhalb Tagen getreten war, wo eine alte Initiation vollzogen worden war. Daher mußte der, welcher die Tatsachen kannte, den Vorgang von Golgatha als das schildern, was er war, als die in Historie umgewandelte, auf den äußeren Platz der Weltgeschichte gebrachte alte Initiation.
[ 39 ] Those who were to understand had to do so through the powerful influence of the “I”—not through what they had learned, but through what had flowed into them from the spiritual essence of Christ. But those who were prepared in the sense of the ancient teachings were not chosen for this; rather, it was those who had passed through incarnation after incarnation and yet appeared as simple people who could understand through the power of faith that had flowed into them. Therefore, a sign had to be set before them as well—one that unfolded before everyone’s eyes. What had taken place over centuries and millennia in the mystery temples as the passage through “mystical death” now had to unfold on the great stage of world history. Everything that had mysteriously occurred in the great initiation temples now came to light and stood there as a single event on Golgotha. What had otherwise only been revealed to the initiates during the three and a half days in which an ancient initiation had been performed now appeared before humanity in an intense manner. Therefore, anyone who knew the facts had to describe the events at Golgotha for what they were: the ancient initiation transformed into history and brought into the open arena of world history.
[ 40 ] Das ist es, was sich auf Golgatha zugetragen hat. Was die wenigen Eingeweihten früher in den Initiationstempeln gesehen hatten, das Ruhen während dreieinhalb Tagen in einem todähnlichen Zustande, wodurch sie die Überzeugung gewonnen hatten, daß das Geistige immer das Leibliche überwinden wird, daß das Seelisch-Geistige des Menschen einer geistigen Welt angehört, das sollte sich jetzt einmal vor aller Augen abspielen. Eine Initiation, hinausgetragen auf den Plan der Weltgeschichte, ist das Ereignis von Golgatha. Damit ist diese Initiation aber nicht bloß für diejenigen vollzogen, welche damals um dieses Ereignis herumstanden, sondern für die ganze Menschheit. Und was vom Tode am Kreuz ausgeflossen ist, das strömt von da aus in die ganze Menschheit ein. Ein Strom geistigen Lebens geht von den Blutstropfen aus, die auf Golgatha aus den Wunden des Christus Jesus geflossen sind, ausströmend von da in die ganze Menschheit hinein. Denn als Kraft sollte in die Menschheit gehen, was als Weisheit von anderen Verkündigern ausgeflossen ist. Das ist der große Unterschied zwischen dem Ereignis von Golgatha und der Lehre der anderen Religionsstifter.
[ 40 ] That is what took place on Golgotha. What the few initiates had once witnessed in the temples of initiation—the three-and-a-half-day rest in a death-like state, through which they had gained the conviction that the spiritual will always overcome the physical, and that the soul-spiritual nature of human beings belongs to a spiritual world—was now to unfold before everyone’s eyes. The event at Golgotha is an initiation carried out on the stage of world history. This initiation, however, is not merely accomplished for those who stood around this event at that time, but for all of humanity. And what flowed forth from the death on the cross pours out from there into all of humanity. A stream of spiritual life emanates from the drops of blood that flowed from the wounds of Christ Jesus on Golgotha, radiating out from there into all of humanity. For what flowed forth as wisdom from other teachers was meant to enter humanity as a power. This is the great difference between the event of Golgotha and the teachings of the other founders of religions.
[ 41 ] Es gehört ein tieferes Verständnis dazu, als es heute vorhanden ist, um richtig aufzufassen, was damals auf Golgatha geschehen ist. Dasjenige, woran das menschliche Ich physisch gehängt wurde, als die Erdenentwickelung begann, das ist das Blut. Das Blut ist der äußere Ausdruck des menschlichen Ich. Die Menschen würden ihr Ich immer stärker und stärker gemacht haben und ohne die Erscheinung des Christus in eine Entwickelung des Egoismus hineingekommen sein. Davor wurden sie bewahrt durch das Ereignis von Golgatha. Was mußte fließen? Dasjenige, was das überschüssige Substantielle des Ich ist, das Blut mußte ausfließen. Was damit begonnen hat, als auf dem Ölberge die Schweißtropfen von dem Erlöser wie Blutstropfen herunterrannen, das mußte fortgesetzt werden, indem aus den Wunden des Christus Jesus auf Golgatha das Blut floß. Was damals als Blut geflossen ist, das ist das Zeichen für das, was als das Überschüssige des Egoismus in der Menschennatur hingeopfert werden mußte. Daher müssen wir tiefer eindringen in die spirituelle Bedeutung des Opfers auf Golgatha. Was auf Golgatha geschah, das ist nicht für den Chemiker - als den Menschen mit dem nur äußeren intellektuellen Blick - durchsichtig. Wenn jemand das Blut, das auf Golgatha geflossen ist, chemisch untersucht haben würde, so würde er dasselbe an Stoffen gefunden haben, was er in dem Blute von anderen Menschen finden würde. Wer aber dieses Blut mit den Mitteln der okkulten Forschung untersucht, der findet, daß es in der Tat ein anderes Blut ist. Es ist das überschüssige Blut der Menschheit, durch welches die Menschen in Egoismus hätten verkommen müssen, wenn nicht die unendliche Liebe gekommen wäre und dieses Blut hätte fließen können. Die unendliche Liebe ist beigemischt dem Blute, das auf Golgatha geflossen ist, und der okkulte Forscher findet diese unendliche Liebe, wie sie das Blut auf Golgatha ganz durchdringt. Und weil der Schreiber des Lukas-Evangeliums insbesondere schildern wollte, wie die unendliche Liebe durch den Christus in die Welt gekommen ist, die den Egoismus allmählich herauszutreiben hat, so bleibt er in dieser Rolle. Ein jeder Evangelist schildert das, was er nach seiner besonderen Rolle gerade schildern muß.
[ 41 ] It requires a deeper understanding than is available today to properly grasp what happened on Golgotha at that time. That which the human “I” was physically attached to when Earth’s evolution began is blood. Blood is the outward expression of the human “I.” Human beings would have made their “I” stronger and stronger and, without the appearance of the Christ, would have entered into a development of egoism. They were preserved from this by the event at Golgotha. What had to flow? That which is the excess substance of the “I”—the blood—had to flow out. What began on the Mount of Olives, when the Saviour’s drops of sweat ran down like drops of blood, had to be continued as the blood flowed from the wounds of Christ Jesus on Golgotha. What flowed as blood at that time is the sign of what had to be sacrificed as the excess of egoism in human nature. Therefore, we must delve more deeply into the spiritual significance of the sacrifice on Golgotha. What happened on Golgotha is not transparent to the chemist—as a person with only an external, intellectual perspective. If someone had chemically analyzed the blood that flowed on Golgotha, they would have found the same substances in it as they would in the blood of other human beings. But whoever examines this blood through the methods of occult research will find that it is, in fact, a different kind of blood. It is the excess blood of humanity, through which people would have had to degenerate into selfishness had infinite love not come and allowed this blood to flow. Infinite love is mingled with the blood that flowed on Golgotha, and the occult researcher finds this infinite love permeating the blood on Golgotha entirely. And because the writer of the Gospel of Luke wanted in particular to describe how infinite love came into the world through Christ—love that is meant to gradually drive out selfishness—he remains within this role. Each evangelist describes precisely what he must describe according to his particular role.
[ 42 ] Wenn wir noch tiefer in diese Zusammenhänge hineinleuchten könnten, so würden wir finden, daß alle Widersprüche fortfallen, welche die materialistische Forschung etwa finden könnte, wie die Widersprüche in der Vorgeschichte des Jesus von Nazareth dadurch weggefallen sind, daß wir gesehen haben, wie es sich mit dieser Jugendgeschichte verhält. Jeder der Evangelienschreiber schildert das, was nach seinem Gesichtspunkte ihm besonders nahelag; daher schildert Lukas das, was seine Berichterstatter, die «Selbstseher» und «Diener des Wortes», nach ihrer besonderen Präparation haben wahrnehmen können. Die anderen Evangelisten nehmen anderes wahr, der Schreiber des Lukas-Evangeliums nimmt das wahr, was die ausströmende Liebe ist, die auch da verzeiht, wo ihr das für die physische Welt Furchtbarste angetan ist, so daß noch vollständig zu Recht von dem Kreuze von Golgatha die Worte heruntertönen, die der Ausdruck dieses Liebeideals sind — Verzeihung auch dann, wenn einem das Ärgste angetan ist —: «Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun» (Lukas 23, 34). Verzeihung erfleht der, der da an dem Kreuze von Golgatha das Unendliche vollzieht, aus seiner unendlichen Liebe für die, welche ihn gekreuzigt haben.
[ 42 ] If we could shed even more light on these connections, we would find that all the contradictions that materialistic research might uncover would disappear—just as the contradictions in the early history of Jesus of Nazareth have been resolved by our understanding of the truth behind this account of his youth. Each of the Gospel writers describes what was particularly close to him from his own perspective; therefore, Luke describes what his informants—the “seers” and “servants of the Word”—were able to perceive based on their special training. The other evangelists perceive different things; the writer of the Gospel of Luke perceives what radiant love is—love that forgives even when the most terrible things are done to it in the physical world—so that the words that are the expression of this ideal of love still resound quite rightly from the cross of Golgotha — forgiveness even when the worst is done to one —: “Father, forgive them, for they do not know what they are doing” (Luke 23:34). The one who accomplishes the infinite there on the cross of Golgotha implores forgiveness out of his infinite love for those who crucified him.
[ 43 ] Und noch einmal das Evangelium von der Macht des Glaubens. Bekräftigt werden sollte, daß es in der menschlichen Natur etwas gibt, was aus ihr ausströmen kann, was nur vorhanden zu sein braucht, um den Menschen der Sinneswelt zu entreißen, wenn er auch noch so sehr mit ihr verknüpft ist. Denken wir uns einen Menschen, der durch alle möglichen Verbrechen mit der Sinneswelt verwachsen ist, so daß das Gericht der Sinneswelt die Strafe vollzieht; denken wir uns aber, er habe sich das gerettet, was die Kraft des Glaubens in ihm aufkeimen lassen kann; dann wird er sich von einem anderen, der das nicht in sich aufkeimen lassen kann, so unterscheiden, wie der eine der beiden Verbrecher sich von dem anderen unterschied. Der eine hat den Glauben nicht; an ihm hat sich das Strafgericht vollzogen. Der andere aber hat diesen Glauben wie ein schwaches Licht, das hineinscheint in die geistige Welt, daher kann er den Zusammenhang mit dem Geistigen nicht verlieren. Darum muß ihm gesagt werden: Heute noch — wo du weißt, daß du verbunden bist mit der geistigen Welt — wirst du mit mir in dem sein, was im Paradiese ist (Lukas 23, 43).
[ 43 ] And once again, the gospel of the power of faith. It should be emphasized that there is something in human nature that can flow out from it—something that need only be present to tear a person away from the sensory world, no matter how deeply connected he may be to it. Let us imagine a person who, through all manner of crimes, has become so intertwined with the sensory world that the judgment of the sensory world carries out the punishment; but let us imagine that he has preserved within himself that which allows the power of faith to take root; then he will differ from another who cannot allow this to take root within himself, just as one of the two criminals differed from the other. One has no faith; the judgment of punishment has been carried out upon him. The other, however, possesses this faith like a faint light shining into the spiritual world; therefore, he cannot lose his connection with the spiritual. That is why he must be told: “Today—while you know that you are connected to the spiritual world—you will be with me in Paradise” (Luke 23:43).
[ 44 ] So ertönen auch die Wahrheiten vom Glauben und der Hoffnung zu der Wahrheit von der Liebe hinzu aus dem Lukas-Evangelium vom Kreuze herab.
[ 44 ] Thus, the truths of faith and hope also resound alongside the truth of love from the Gospel of Luke, coming down from the cross.
[ 45 ] Und dann ist noch eines zu erfüllen aus jenem Seelengebiete heraus, das uns insbesondere der Schreiber des Lukas-Evangeliums schildern will. Der Mensch kann, wenn er von jener Liebe durchdrungen ist, die von dem Kreuz auf Golgatha herunterströmte, in die Zukunft hineinsehen und sagen: Auf der Erde muß allmählich die Entwickelung so stattfinden, daß dasjenige, was als Geist in mir lebt, nach und nach das ganze physische Erdendasein umgestaltet. Was vor dem luziferischen Einfluß da war, das Vater-Prinzip, der Geist, den wir empfangen, wir werden ihn allmählich dem Vater-Prinzip wiedergeben; aber wir werden unseren ganzen Geist durchströmt sein lassen von dem ChristusPrinzip, und unsere Hände werden zum Ausdruck bringen, was in unseren Seelen lebt als ein klares, deutliches Bild. Wie unsere Hände nicht von uns, sondern von dem Vater-Prinzip geschaffen sind, so werden sie durchströmt werden von dem Christus-Prinzip. Und indem die Menschen durch Inkarnationen und Inkarnationen durchgehen, wird nach und nach in das, was die Menschen in ihren äußeren Leibern verrichten, das einströmen, was als Geistiges herunterströmt von dem Mysterium von Golgatha bis in das Vater-Prinzip, so daß die äußere Welt durchdrungen werden wird von dem Christus-Prinzip. Nachleben werden die Menschen jene Gelassenheit, die vom Kreuz von Golgatha heruntertönte und die zur höchsten Hoffnung für die Zukunft führt, zu dem Ideal: Ich lasse in mir aufkeimen den Glauben, lasse in mir aufkeimen die Liebe; dann werden Glaube und Liebe in mir leben, und ich weiß dann, daß sie, wenn sie stark genug sind, alles Äußere durchdringen werden. Dann weiß ich auch, daß das Vater-Prinzip in mir von ihnen durchdrungen sein wird. -— Die Hoffnung von der Menschheitszukunft wird hinzukommen zu Glaube und Liebe, und verstehen werden die Menschen, daß sie sich nach der Zukunft hin jene Gelassenheit aneignen müssen: Habe ich nur den Glauben, habe ich nur die Liebe, so darf ich mich der Hoffnung hingeben, daß das, was von dem Christus Jesus in mir ist, nach und nach hinübergehen wird nach außen. Dann werden die Menschen die Worte verstehen, die als hohes Ideal von dem Kreuze heruntertönen:
[ 45 ] And there is one more thing to be fulfilled from that realm of the soul which the writer of the Gospel of Luke in particular seeks to describe to us. When a person is permeated by that love which flowed down from the cross on Golgotha, he can look into the future and say: On Earth, evolution must gradually take place in such a way that what lives within me as spirit will, little by little, transform the entire physical existence on Earth. What was there before the Luciferic influence—the Father-principle, the spirit we have received—we will gradually return to the Father-principle; but we will allow our entire spirit to be permeated by the Christ principle, and our hands will express what lives in our souls as a clear, distinct image. Just as our hands were created not by us but by the Father principle, so they will be permeated by the Christ principle. And as human beings pass through incarnation after incarnation, what flows down as the spiritual—from the Mystery of Golgotha into the Father Principle—will gradually flow into what human beings accomplish in their outer bodies, so that the outer world will be permeated by the Christ Principle. People will live out that serenity which resounded from the Cross of Golgotha and which leads to the highest hope for the future, to the ideal: I let faith sprout within me, I let love sprout within me; then faith and love will live within me, and I will know that when they are strong enough, they will permeate everything external. Then I will also know that the Father-principle within me will be permeated by them.—Hope for humanity’s future will be added to faith and love, and people will understand that they must cultivate that serenity as they look toward the future: If I have only faith, if I have only love, then I may give myself over to the hope that what is of Christ Jesus within me will gradually pass outward. Then people will understand the words that resound from the cross as a lofty ideal:
«Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist» (Lukas 23, 46).
“Father, into your hands I commit my spirit” (Luke 23:46).
[ 46 ] So tönen Worte der Liebe, so tönen Worte des Glaubens und der Hoffnung vom Kreuze herunter in dem Evangelium, wo geschildert wird, wie in der Seele des Jesus von Nazareth die früher getrennten Geistesströmungen zusarnmengeflossen sind. Was ehedem der Menschheit als Weisheit geworden war, das ist als Seelenkraft, als das hohe Ideal des Christus in sie eingeströmt. Und es ist die Aufgabe der Menschenseele, das, was uns durch eine solche Urkunde wie das LukasEvangelium verkündet wird, immer besser zu verstehen, damit lebendiger und immer lebendiger in den Menschenseelen die tief eindringenden Töne werden, die in den drei Worten liegen, die von dem Kreuze heruntertönen. Wenn die Menschen mit den Fähigkeiten, die sich durch die spirituellen Wahrheiten, die uns die Geisteswissenschaft geben kann, in ihnen entwickeln werden, so fühlen werden, daß ihnen nicht mehr eine tote Mitteilung, sondern ein lebendiges Wort von dem Kreuze herunterströmt, dann werden sie sagen: Wir beginnen zu begreifen, daß ein lebendiges Wort in einer solchen religiösen Urkunde enthalten ist, wie sie Lukas geschrieben hat. So muß die Geisteswissenschaft allmählich enthüllen, was in den religiösen Urkunden verborgen liegt.
[ 46 ] Thus do words of love, words of faith, and words of hope resound from the cross in the Gospel, which describes how the previously separate spiritual currents converged within the soul of Jesus of Nazareth. What had once become wisdom for humanity has now flowed into it as a power of the soul, as the high ideal of Christ. And it is the task of the human soul to understand ever more deeply what is proclaimed to us through a text such as the Gospel of Luke, so that the deeply penetrating tones contained in the three words that resound from the cross may become ever more alive within human souls. When people, through the spiritual truths that spiritual science can impart to us, develop within themselves the abilities to feel that what flows down to them from the cross is no longer a dead message but a living word, then they will say: We are beginning to grasp that a living word is contained in a religious text such as the one Luke wrote. In this way, spiritual science must gradually reveal what lies hidden in the religious texts.
[ 47 ] Durch die Reihe dieser Vorträge suchten wir soviel als möglich von dem tiefen Sinn des Lukas-Evangeliums zu ergründen. Es ist natürlich auch diesem Evangelium gegenüber so, daß ein Vortragszyklus nicht ausreichend ist, um alles zu enthüllen. Daher werden Sie begreifen, daß vieles unerklärt geblieben ist, ohne daß wir besonders betonen, daß vieles unerklärt bleiben muß in einem Dokument mit einem solchen universellen Inhalt. Aber wenn Sie sich auf den Weg begeben, der einmal mit einem solchen Vortragszyklus angedeutet ist, so werden Sie auch immer tiefer und tiefer in solche Wahrheiten hineindringen können, und Ihre Seelen werden immer mehr zu dem Empfangen eines solchen lebendigen Wortes heranreifen, das unter dem äußeren Worte verborgen ist. Die Geisteswissenschaft oder Theosophie ist keine neue Lehre. Sie ist ein Instrument, um das zu begreifen, was der Menschheit zunächst gegeben ist. Und so ist uns Geisteswissenschaft ein Instrument, um die religiösen Urkunden der christlichen Offenbarung zu begreifen. Verstehen Sie Geisteswissenschaft in diesem Sinne, so werden Sie nicht mehr sagen: Da ist eine christliche Theosophie, da ist eine andere Theosophie. — Es gibt nur eine einzige Theosophie oder Geisteswissenschaft, nur ein einziges Instrument zur Verkündigung der Wahrheit. Und wir wenden es an, um die Schätze des Geisteslebens der Menschheit zu heben. Dieselbe Geisteswissenschaft ist es, die wir anwenden, um einmal die Bhagavad Gita, ein anderes Mal das LukasEvangelium zu erklären. Das ist das Große an der geisteswissenschaftlichen Strömung, daß sie in jeglichen Schatz eindringen kann, der auf geistigem Gebiete der Menschheit gegeben ist, aber wir würden sie falsch verstehen, wenn wir uns verschließen wollten gegen irgendeine der Verkündigungen, die der Menschheit gegeben worden sind.
[ 47 ] Through this series of lectures, we sought to explore as much as possible the profound meaning of the Gospel of Luke. Of course, even with this Gospel, a single series of lectures is not enough to reveal everything. You will therefore understand that much has remained unexplained, though we do not wish to emphasize that much must remain unexplained in a text with such universal content. But if you set out on the path that has been hinted at by this series of lectures, you will be able to penetrate ever deeper and deeper into such truths, and your souls will mature more and more to receive the living Word hidden beneath the outer words. Spiritual Science, or Theosophy, is not a new teaching. It is an instrument for comprehending what has been given to humanity from the very beginning. And so, for us, Spiritual Science is an instrument for comprehending the religious texts of the Christian revelation. If you understand Spiritual Science in this sense, you will no longer say: There is a Christian Theosophy; there is another Theosophy. — There is only one theosophy or spiritual science, only one instrument for proclaiming the truth. And we use it to unearth the treasures of humanity’s spiritual life. It is this same spiritual science that we apply to explain the Bhagavad Gita on one occasion and the Gospel of Luke on another. That is the greatness of the spiritual science movement: it can penetrate every treasure given to humanity in the spiritual realm; but we would misunderstand it if we were to close ourselves off from any of the revelations that have been given to humanity.
[ 48 ] Nehmen Sie gerade in dieser Gesinnung die Verkündigung des Lukas-Evangeliums auf und verstehen Sie, wie es ganz durchströmt ist von der Inspiration der Liebe. Dann wird das, was Sie am Lukas-Evangelium durch Geisteswissenschaft immer besser erkennen lernen, in Ihre Seele fließen und dazu beitragen können, nicht nur zu durchschauen, was die Geheimnisse des Umkreises sind, was uns die geistigen Untergründe des Daseins offenbart, sondern es wird Ihnen aus einem solchen Verständnis der Geisteswissenschaft, die auch das Lukas-Evangelium durchdringen kann, das strömen, was die eindringlichen Grundworte besagen: «Und Frieden in den Seelen der Menschen, in denen ein guter Wille lebt.» Denn mehr als irgendeine Urkunde ist gerade das Lukas-Evangelium geeignet, wenn wir es ganz verstehen, jene warme Liebe in die Menschenseele hineinzugießen, durch welche der Friede auf der Erde lebt, das schönste der Spiegelbilder, das erscheinen kann, wenn sich die göttlichen Geheimnisse auf der Erde offenbaren können. Was sich offenbaren kann, das muß sich auf der Erde spiegeln und im Spiegelbilde wieder hinaufdringen in die geistigen Höhen. Lernen wir in diesem Sinne die Geisteswissenschaft erkennen, dann wird sie uns die Geheimnisse der göttlich-geistigen Wesenheiten und des geistigen Daseins offenbaren können, und das Spiegelbild dieser Offenbarungen wird in unseren Seelen leben, Liebe und Friede, das schönste Spiegelbild, das auf der Erde wiedergibt, was ihr aus den Höhen zuströmt.
[ 48 ] It is precisely in this spirit that you should receive the message of the Gospel of Luke and understand how it is entirely permeated by the inspiration of love. Then what you will come to recognize more and more clearly in the Gospel of Luke through spiritual science will flow into your soul and help you not only to fathom the mysteries of the outer world and the spiritual foundations of existence, but from such an understanding of spiritual science—which can also permeate the Gospel of Luke—will flow to you the meaning of those powerful words: “And peace in the souls of men in whom good will dwells.” For more than any other text, the Gospel of Luke—when we fully understand it—is particularly suited to pouring that warm love into the human soul through which peace on earth lives, the most beautiful of the reflections that can appear when the divine mysteries are revealed on earth. What can be revealed must be reflected on earth and, through that reflection, ascend once more into the spiritual heights. If we learn to recognize spiritual science in this sense, then it will be able to reveal to us the mysteries of the divine-spiritual beings and of spiritual existence, and the reflection of these revelations will live in our souls—love and peace, the most beautiful reflection that reproduces on earth what flows to it from the heights.
[ 49 ] So können wir uns die Worte des Lukas-Evangeliums zu eigen machen, die ertönen, als der Nirmanakaya des Buddha seine Kraft herunterströmt auf das nathanische Jesuskindlein. Die Offenbarungen ergießen sich aus den geistigen Welten auf die Erde herunter, und die Offenbarungen spiegeln sich aus den Menschenherzen heraus als Liebe und Friede in dem Maße, als die Menschen sich zu dem entfalten, was das Christus-Prinzip wahrhaftig als den aus dem menschlichen Zentrum, aus dem menschlichen Ich herausfließenden guten Willen zur Entfaltung bringt. Das klingt hell, und das strömt zugleich warm aus diesen Worten heraus, wenn wir das Lukas-Evangelium begreifen:
[ 49 ] In this way, we can make the words of the Gospel of Luke our own—words that resound as the Buddha’s Nirmanakaya pours its power down upon the infant Jesus of Nazareth. The revelations pour down from the spiritual worlds onto the Earth, and these revelations are reflected from the hearts of human beings as love and peace to the extent that people unfold into what the Christ principle truly brings forth—the good will flowing from the human center, from the human “I.” This sounds bright, and at the same time, warmth flows from these words when we comprehend the Gospel of Luke:
«Die Offenbarung der geistigen Welten aus den Höhen und ihr Spiegelbild aus den Menschenherzen heraus bringt den Menschen Frieden, die auf der Erde aus sich heraus den wahrhaft guten Willen im Laufe der Erdenentwickelung entfalten wollen.»
“The revelation of the spiritual worlds from on high and their reflection from within human hearts brings peace to those who, on Earth, wish to develop true goodwill from within themselves as Earth’s evolution unfolds.”
