Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Anthroposophy, Psychosophy
and Pneumatosophy
GA 115

4 November 1910, Berlin

Translate the original German text into any language:

Versions Available:

Anthroposophy Psychosophy Pneumatosophy, tr. SOL
  1. Anthroposophie Psychosophie Pneumatosophie, 5th ed.

Psychosophie IV

Psychosophy IV

[ 1 ] Auch heute wird vor dem Vortrag eine kurze Dichtung zur Rezitation gebracht werden, und zwar wieder von dem jungen Goethe.

[ 1 ] Today, too, a short poem will be recited before the lecture—once again by the young Goethe.

Poetische Gedanken Über Die Höllenfahrt Jesu Christi

Poetic Reflections on the Descent of Jesus Christ into Hell

Welch ungewöhnliches Getümmel!
Ein Jauchzen tönet durch die Himmel,
Ein großes Heer zieht herrlich fort.
efolgt von tausend Millionen,
Steigt Gottes Sohn von Seinen Thronen,
Und eilt an jenen finstern Ort.
Er eilt, umgeben von Gewittern,
Als Richter kommt Er und als Held;
Er geht, und alle Sterne zittern,
Die Sonne bebt, es bebt die Welt.

What an extraordinary commotion!
A shout of joy resounds through the heavens,
A great army marches on in splendor.
Followed by a thousand million,
The Son of God descends from His thrones,
And hurries to that dark place.
He hurries, surrounded by storms,
He comes as a judge and as a hero;
He walks, and all the stars tremble,
The sun quakes, the world quakes.

Ich seh Ihn auf dem Siegeswagen,
Von Feuerrädern fortgetragen,
Den, der für uns am Kreuze starb.
Er zeigt den Sieg auch jenen Fernen,
Weit von der Welt, weit von den Sternen,
Den Sieg, den Er für uns erwarb.
Er kommt, die Hölle zu zerstören,
Die schon Sein Tod darnieder schlug;
Sie soll von Ihm ihr Urteil hören:
Hört! jetzt erfüllet sich der Fluch.

I see Him on the chariot of victory,
Carried away by wheels of fire,
He who died for us on the cross.
He shows victory even to those far away,
Far from the world, far from the stars,
The victory He won for us.
He comes to destroy hell,
Which His death has already struck down;
It shall hear its judgment from Him:
Hear! Now the curse is fulfilled.

Die Hölle sieht den Sieger kommen,
Sie fühlt sich ihre Macht genommen,
Sie bebt und scheut Sein Angesicht;
Sie kennet Seines Donners Schrecken,
Sie sucht umsonst sich zu verstecken,
Sie sucht zu fliehn und kann es nicht;
Sie eilt vergebens sich zu retten
Und sich dem Richter zu entziehn,
Der Zorn des Herrn, gleich ehrnen Ketten,
Hält ihren Fuß, sie kann nicht fliehn.

Hell sees the Victor coming,
It feels its power taken away,
It trembles and shuns His face;
It knows the terror of His thunder,
It tries in vain to hide,
It tries to flee but cannot;
It rushes in vain to save itself
And to escape the Judge,
The Lord’s wrath, like chains of iron,
Holds its foot fast; it cannot flee.

Hier lieget der zertretne Drache,
Er liegt und fühlt des Höchsten Rache,
Er fühlet sie und knirscht vor Wut;
Er fühlt der ganzen Hölle Qualen,
Er ächzt und heult bei tausend Malen:
Vernichte mich, o heiße Glut!
Da liegt er in dem Flammen-Meere,
Ihn foltern ewig Angst und Pein;
Er flucht, daß ihn die Qual verzehre,
Und hört, die Qual soll ewig sein.

Here lies the crushed dragon,
He lies and feels the Most High’s vengeance,
He feels it and grits his teeth in rage;
He feels the torments of all Hell,
He groans and howls a thousand times:
Destroy me, O fiery heat!
There he lies in a sea of flames,
Tormented eternally by fear and pain;
He curses that the torment should consume him,
And hears that the torment shall last forever.

Auch hier sind jene großen Scharen,
Die mit ihm gleichen Lasters waren,
Doch lange nicht so bös als er.
Hier liegt die ungezählte Menge
In schwarzem, schrecklichem Gedränge,
Im Feuer-Orkan um ihn her;
Er sieht, wie sie den Richter scheuen,
Er sieht, wie sie der Sturm zerfrißt,
Er sieht’s und kann sich doch nicht freuen,
Weil seine Pein noch größer ist.

Here, too, are those great multitudes,
Who shared his same vice,
Yet were nowhere near as wicked as he.
Here lies the countless crowd
In a black, dreadful throng,
surrounded by a fiery storm;
He sees how they shrink from the Judge,
He sees how the storm devours them,
He sees it, yet he cannot rejoice,
For his torment is even greater.

Des Menschen Sohn steigt im Triumphe
Hinab zum schwarzen Höllen-Sumpfe,
Und zeigt dort seine Herrlichkeit.
Die Hölle kann den Glanz nicht tragen;
Seit ihren ersten Schöpfungstagen
Beherrschte sie die Dunkelheit.
Sie lag entfernt von allem Lichte,
Erfüllt von Qual im Chaos hier;
Den Strahl von Seinem Angesichte
Verwandte Gott auf stets von ihr.

The Son of Man descends in triumph
Down into the black swamp of Hell,
And there reveals His glory.
Hell cannot bear the radiance;
Since the very first days of its creation
Darkness has reigned there.
It lay far from all light,
Filled with torment amid the chaos here;
The radiance of His countenance
God ever turned away from it.

Jetzt siehet sie in ihren Grenzen
Die Herrlichkeit des Sohnes glänzen,
Die fürchterliche Majestät.
Sie sieht mit Donnern Ihn umgeben,
Sie sieht, daß alle Felsen beben,
Wie Gott im Grimme vor ihr steht.
Sie sieht’s, Er kommet, sie zu richten,
Sie fühlt den Schmerzen, der sie plagt,
Sie wünscht umsonst, sich zu vernichten;
Auch dieser Trost bleibt ihr versagt.

Now she sees, within her limits,
The glory of the Son shining,
His awesome majesty.
She sees Him surrounded by thunder,
She sees all the rocks trembling,
As God stands before her in wrath.
She sees Him coming to judge her,
She feels the pain that torments her,
She wishes in vain to destroy herself;
Even this comfort is denied her.

Nun denkt sie an ihr altes Glücke,
Voll Pein an jene Zeit zurücke,
Da dieser Glanz ihr Lust gebar;
Da noch ihr Herz im Stand der Tugend,
Ihr froher Geist in frischer Jugend
Und stets voll neuer Wonne war.
Sie denkt mit Wut an ihr Verbrechen,
Wie sie die Menschen kühn betrog;
Sie dachte, sich an Gott zu rächen,
Jetzt fühlt sie, was es nach sich zog.

Now she thinks of her former happiness,
Looking back with anguish on that time,
When this splendor brought her joy;
When her heart still dwelt in virtue,
Her cheerful spirit in the freshness of youth,
And was always filled with new delight.
She thinks with fury of her crime,
How she boldly deceived people;
She thought she was taking revenge on God,
Now she feels the consequences.

Gott ward ein Mensch. Er kam auf Erden.
«Auch dieser soll mein Opfer werden»,
Sprach Satanas und freute sich.
Er suchte Christum zu verderben,
Der Welten Schöpfer sollte sterben;
Doch weh dir, Satan, ewiglich!
Du glaubtest Ihn zu überwinden,
Du freutest dich bei Seiner Not;
Doch siegreich kommt Er, dich zu binden:
Wo ist dein Stachel hin, o Tod?

God became a man. He came to earth.
“This one, too, shall be my sacrifice,”
said Satan, and rejoiced.
He sought to destroy Christ,
the Creator of the worlds was to die;
But woe to you, Satan, for all eternity!
You thought you could overcome Him,
You rejoiced in His distress;
But He comes victorious to bind you:
Where is your sting, O Death?

Sprich, Hölle! sprich, wo ist dein Siegen?
Sieh nur, wie deine Mächte liegen;
Erkennst du bald des Höchsten Macht?
Sieh, Satan! sieh dein Reich zerstöret,
Von tausendfacher Qual beschweret,
Liegst du in ewig finstrer Nacht.
Da liegst du wie vom Blitz getroffen,
Kein Schein vom Glück erfreuet dich.
Es ist umsonst. Du darfst nichts hoffen,
Messias starb allein für mich!

Speak, Hell! Speak—where is your victory?
Just look at how your powers lie in ruins;
Will you soon recognize the power of the Most High?
Behold, Satan! Behold your kingdom destroyed,
Burdened by a thousand torments,
You lie in eternal, dark night.
There you lie as if struck by lightning,
No glimmer of happiness delights you.
It is in vain. You may hope for nothing,
The Messiah died for me alone!

Es steigt ein Heulen durch die Lüfte,
Schnell wanken jene schwarzen Grüfte,
Als Christus Sich der Hölle zeigt.
Sie knirscht aus Wut; doch ihrem Wüten
Kann unser großer Held gebieten;
Er winkt - die ganze Hölle schweigt.
Der Donner rollt vor seiner Stimme,
Die hohe Siegesfahne weht;
Selbst Engel zittern vor dem Grimme,
Wenn Christus zum Gerichte geht.

A howl rises through the air,
Those black tombs quickly sway,
As Christ reveals Himself to Hell.
It grinds its teeth in rage; yet our great hero
Can command its fury;
He beckons—and all of Hell falls silent.
Thunder rolls before His voice,
The lofty banner of victory flies;
Even angels tremble before His fury,
When Christ proceeds to judgment.

Jetzt spricht Er; Donner ist Sein Sprechen,
Er spricht, und alle Felsen brechen,
Sein Atem ist dem Feuer gleich.
So spricht Er: «Zittert, ihr Verruchte!
Der, der in Eden euch verfluchte,
Kommt und zerstöret euer Reich.
Seht auf! Ihr waret Meine Kinder,
Ihr habt euch wider Mich empört,
Ihr fielt und wurdet freche Sünder,
Ihr habt den Lohn, der euch gehört,

Now He speaks; His speech is thunder,
He speaks, and all the rocks shatter,
His breath is like fire.
Thus He speaks: “Tremble, you wicked ones!
He who cursed you in Eden,
Comes to destroy your kingdom.
Look! You were My children,
You rebelled against Me,
You fell and became brazen sinners,
You have the reward that is yours,

Ihr wurdet Meine größten Feinde,
Verführtet Meine besten Freunde,
Die Menschen fielen so wie ihr.
Ihr wolltet ewig sie verderben,
Des Todes sollten alle sterben; Doch, heulet!
Ich erwarb sie Mir. Für sie bin Ich herabgegangen,
Ich litt, Ich bat, Ich starb für sie.
Ihr sollt nicht euren Zweck erlangen;
Wer an Mich glaubt, der stirbet nie.

You became My greatest enemies,
You led My best friends astray,
People fell just as you did.
You wanted to destroy them forever,
All were to die; but now, weep!
I have won them for Myself. For them I came down,
I suffered, I prayed, I died for them.
You shall not achieve your goal;
Whoever believes in Me shall never die.

Hier lieget ihr in ew’gen Ketten,
Nichts kann euch aus dem Pfubl erretten,
Nicht Reue, nicht Verwegenheit.
Da liegt, krümmt euch in Schwefel-Flammen,
Ihr eiltet, euch selbst zu verdammen,
Da liegt und klagt in Ewigkeit!
Auch ihr, so Ich Mir auserkoren,
Auch ihr verscherztet Meine Huld;
Auch ihr seid ewiglich verloren.
Ihr murret? Gebt Mir keine Schuld.

Here you lie in eternal chains,
Nothing can save you from this abyss,
Neither repentance nor recklessness.
There you lie, writhing in sulfuric flames,
You rushed to condemn yourselves,
There you lie, lamenting for all eternity!
Even you, whom I chose for Myself,
Even you forfeited My favor;
Even you are lost for all eternity.
You murmur? Do not blame Me.

Ihr solltet ewig mit Mir leben,
Euch ward hierzu Mein Wort gegeben,
Ihr sündigtet und folgtet nicht.
Ihr lebtet in dem Sünden-Schlafe;
Nun quält euch die gerechte Strafe,
Ihr fühlt Mein schreckliches Gericht.»
So sprach Er, und ein furchtbar Wetter
Geht von Ihm aus, die Blitze glühn,
er Donner faßt die Übertreter
Und stürzt sie in den Abgrund hin.

You should live with Me forever,
My Word was given to you for this purpose,
But you sinned and did not obey.
You lived in the slumber of sin;
Now the just punishment torments you,
You feel My terrible judgment.”
Thus He spoke, and a terrible storm
Goes forth from Him, the lightning glows,
The thunder seizes the transgressors
And plunges them into the abyss.

Der Gott-Mensch schließt der Höllen Pforten,
Er schwingt Sich aus den dunklen Orten In Seine Herrlichkeit zurück.
Er sitzet an des Vaters Seiten,
Er will noch immer für uns streiten,
r will’s! O Freunde, welches Glück!
Der Engel feierliche Chöre,
Die jauchzen vor dem großen Gott,
Daß es die ganze Schöpfung höre:
Groß ist der Herr, Gott Zebaoth!

The God-Man closes the gates of hell,
He ascends from the dark places back into His glory.
He sits at the Father’s side,
He will still fight for us,
He will! O friends, what joy!
The angels’ solemn choirs,
who rejoice before the great God,
so that all creation may hear:
Great is the Lord, God of Hosts!

[ 2 ] Es wird einiges beitragen können zu einem intimeren Verständnisse dessen, was gestern gesagt worden ist und was noch heute gesagt werden wird, wenn wir einen Vergleich zu ziehen versuchen zwischen der gestern vorgetragenen Dichtung Hegels und der Dichtung des jungen Goethe, die wir soeben gehört haben. Dieser Vergleich wird aus dem Grunde gut sein, weil uns durch ihn zum Bewußtsein kommen kann die Verschiedenartigkeit der Seelen derjenigen, von denen die beiden Gedichte herrühren. Versuchen wir uns einmal zu vergegenwärtigen, wie gewaltig verschieden die beiden Dichtungen sind, die gestern und die heute vorgetragene. Durch die Kürze der Zeit ist es ja geboten, daß gewisse Dinge mehr oder weniger nur angedeutet werden können. Allein ich denke, es wird möglich sein, daß wir uns verständigen.

[ 2 ] It may go some way toward fostering a deeper understanding of what was said yesterday and what will be said today if we try to draw a comparison between Hegel’s poetry, presented yesterday, and the poetry of the young Goethe, which we have just heard. This comparison will be valuable because it can help us become aware of the diversity of the souls from which these two poems originate. Let us try to visualize just how vastly different the two poems are—the one recited yesterday and the one recited today. Given the limited time available, it is inevitable that certain things can only be more or less hinted at. Nevertheless, I believe it will be possible for us to understand one another.

[ 3 ] Wir haben gestern gehört die Dichtung eines Philosophen, eines Menschen, der es im Reiche des reinen Gedankens zu einer ungeheuren Höhe gebracht hat. Und wir haben gesehen, daß in dieser Dichtung «Eleusis» gewissermaßen der Gedanke selber in der Seele Hegels schöpferisch geworden ist. Wenn Sie sich nun vergegenwärtigen, wie die gestrige Dichtung auf Sie gewirkt hat, so werden Sie sich sagen können: Man fühlt gewaltige Gedanken, die da ringen mit den größten Fragen der Menschheit ebenso wie mit den großen Fragen der Zeiten, die anknüpfen an die sogenannten Mysterien. Man fühlt, daß jemand den Gedanken eingebohrt hat in diese großen Weltengeheimnisse, aber man fühlt eine gewisse Ungelenkigkeit in der dichterischen Behandlung. Man fühlt sozusagen an dieser Dichtung heraus, daß sie etwas ist, was nicht in der Hauptmission derjenigen Persönlichkeit liegt, von der sie herrührt. Es ist ein Ringen mit der dichterischen Form, und man sieht es der Dichtung an, daß sich der Gedanke nur schwer hat zu der Form heranringen können, durch welche die dichterische Form überhaupt erst möglich wird. Man sieht es der Dichtung an, daß derjenigen Persönlichkeit, von der sie herrührt, nicht viele Dichtungen im Leben möglich gewesen wären.

[ 3 ] Yesterday we heard the poetry of a philosopher, a man who reached tremendous heights in the realm of pure thought. And we saw that in this poem, “Eleusis,” thought itself, so to speak, became creative within Hegel’s soul. If you now reflect on how yesterday’s poem affected you, you will be able to say to yourself: One senses mighty thoughts wrestling with the greatest questions of humanity as well as with the great questions of the ages that tie in with the so-called Mysteries. One senses that someone has delved into these great mysteries of the world with thought, yet one also senses a certain awkwardness in the poetic treatment. One can tell, so to speak, from this poem that it is something that does not lie within the primary mission of the individual from whom it originates. It is a struggle with poetic form, and one can see from the poetry itself that the thought has had great difficulty in adapting to the form through which poetic expression becomes possible in the first place. One can see from the poetry that the individual from whom it originates would not have been capable of producing many works of poetry in a lifetime.

[ 4 ] Vergleichen wir damit die Dichtung, die wir eben gehört haben, aber an der Hand eines bestimmten Umstandes. Ich habe Ihnen vor dem ersten Vortrage vorlesen lassen eine Jugenddichtung Goethes, die zu diesem Zwecke umgeändert worden war, und an der uns so recht hat anschaulich werden können, wie zwei Seelen in Goethes Brust lebten, zwei Seelenmächte, zwei Seelenkräfte, und wir sahen, was in dieser Dichtung — würdig auch dessen, was in dem alten Goethe als sein Wesenskern gelebt hat - dennoch in gewaltigen Bildern vor den Menschen hintritt. Aber wir sehen an der Dichtung des jungen Goethe, daß eine ganz andere Seelenkraft zunächst wirkt in Goethe als etwa in Hegel. Überall ist es in Goethe das, was wir nennen können: es fließen ihm die vollsaftigen Bilder zu. Und wie bilderinhaltvoll ist nun auch die Dichtung, die jetzt eben als ein Gedicht des jungen Goethe vor uns hingetreten ist! Das also lag schon in seinen Anlagen, daß ihm zuflossen vollsaftige, inhaltvolle Bilder. Und wo die Größe des Gegenstandes ihn überwältigt, da werden wir gewahr, wie das, was sich in der ersten Dichtung ihm noch störend in den Weg gestellt hat, zurückgedrängt wird durch ein mächtiges Seelenleben, das sich in vollsaftigen Bildern auslebt.

[ 4 ] Let us compare this with the poem we have just heard, but by focusing on a specific detail. Before the first lecture, I had you read a poem from Goethe’s youth that had been adapted for this purpose, and which so vividly illustrated to us how two souls lived within Goethe’s breast—two spiritual forces, two spiritual powers—and we saw what in this poem—worthy, too, of what lived as the core of his being in the mature Goethe—nevertheless presents itself to people in powerful images. But we see in the poetry of the young Goethe that a completely different spiritual force is at work in him, at least initially, than, say, in Hegel. Throughout Goethe’s work, it is what we might call: rich, vivid images flow to him. And how rich in imagery is the poem that has just appeared before us as a work by the young Goethe! This, then, was already inherent in his nature—that rich, vivid, and meaningful images flowed to him. And where the grandeur of the subject overwhelms him, we become aware of how that which had still stood in his way as a hindrance in his early poetry is pushed back by a powerful inner life that expresses itself through rich, vivid images.

[ 5 ] Wir sehen gewissermaßen ein Dreifaches an den vorgetragenen Dichtungen. Wir sehen, wie in Hegel der Gedanke wirkt, der es mehr oder weniger zu Bildern nur dadurch bringt, daß er ein ungeheures Ringen durchmacht. Wir sehen es der Blässe der Bilder noch an, wie stark das Ringen nach ihnen war. Wir sehen es den Dichtungen des jungen Goethe an, wie sie in vollsaftigen Bildern dahinrollen. Und wir sehen, wie diese vollsaftigen Bilder in der Dichtung Goethes, wo er die Sage vom «Ewigen Juden» behandelte, in einer gewissen Weise so beeinträchtigt werden konnten - weil jene zwei Seelen in ihm kämpften —, daß er sie gar nicht hat zu Ende führen können. Sie ist ja nur Fragment geblieben. Da werden wir auf eine Vielgestaltigkeit des Seelenlebens hingewiesen. Halten wir uns das einmal vor Augen, wie eine Seelenkraft, die wir in gewissem Sinne gedankenhaft nennen können, wie bei Hegel, sich nur schwer hineinbohrt in jene Seelenkraft, die bei Goethe die größte ist, und wie diese Seelenkraft in der Seele Goethes selber wiederum sich in ein Entgegengesetztes hineinbohrt.

[ 5 ] In a sense, we see a threefold aspect in the poems presented here. We see how, in Hegel, thought takes effect, giving rise to images more or less solely through the immense struggle it undergoes. We can still tell from the pallor of the images just how intense that struggle was. We see it in the poetry of the young Goethe, as it flows along in richly evocative images. And we see how these richly evocative images in Goethe’s poetry—where he dealt with the legend of the “Perpetual Jew”—could, in a certain sense, be so compromised—because those two souls were struggling within him—that he was unable to bring them to completion. It has, after all, remained only a fragment. Here we are pointed to the multifaceted nature of the soul’s life. Let us keep this in mind: how a force of the soul—which we might, in a certain sense, call “conceptual,” as Hegel does—struggles to penetrate that force of the soul which is the greatest in Goethe, and how this force of the soul, in Goethe’s own soul, in turn penetrates into its opposite.

[ 6 ] Und nun wollen wir in unseren psychosophischen Betrachtungen fortfahren. Erinnern wir uns, daß innerhalb unseres Seelenlebens wirken Urteile und die Erlebnisse von Liebe und Haß, die aus dem Begehrungsvermögen stammen. Wir können auch noch in anderer Weise, als wir es gestern getan haben, zusammentragen, was in unserer Seele einerseits lebt als urteilende Kraft, indem wir uns erinnern, daß uns diese Urteilskraft da entgegentritt, wo wir von der Verstandesfähigkeit der Seele reden, von der Fähigkeit, die Wahrheiten der Welt zu verstehen, und wenn wir andererseits daran denken, daß uns eine ganz andere Seelenkraft entgegentritt, wenn wir davon sprechen: eine Seele ist in der oder jener Weise an der Außenwelt interessiert. — Je nachdem die Erlebnisse von Liebe und Haß wirken, ist eine Seele an der Außenwelt interessiert. Aber diese Phänomene von Liebe und Haß selbst haben nichts zu tun mit der Denkfähigkeit, mit der Intelligenz. Urteilsfähigkeit und Interessiertheit sind zwei in der Seele verschieden wirksame Kräfte. Das zeigt schon eine einfache Beobachtung. Wer glaubt, daß das Wollen noch etwas Besonderes in der Seele sei, der kann sehen, wenn er in seine Seele blickt, daß er in ihr nur begegnet dem Interesse an dem Gewollten. Kurz, außer Interesse durch Liebe und Haß und Urteilsfähigkeit, die sich äußert in dem Urteilen, außer diesen beiden Gebieten werden Sie im Binnengebiet der Seele nichts finden. Damit haben Sie das Seelenleben in bezug auf seinen Inhalt erschöpft. Aber eines lassen Sie dabei vollständig unberücksichtigt, was zum Wichtigsten gehört, was uns sogleich am Seelenleben entgegentritt, nämlich das Bewußtsein. Zum Seelenleben gehört Bewußtsein. Das heißt, wenn wir den Inhalt des Seelenlebens nach allen Seiten zu durchforschen trachten, treten uns entgegen Urteilsfähigkeit und Interesse; wenn wir aber auf die innere Eigentümlichkeit, auf die Artung des Seelenlebens sehen, so müssen wir sagen: Wir dürfen nur insofern die Erlebnisse von Liebe und Haß und die Urteilsfähigkeit zum Seelenleben rechnen, als wir sie mit dem Wort «Bewußtsein» belegen. Wir müssen uns daher fragen: Was ist denn Bewußtsein? Das werde ich Ihnen nun wieder nicht definieren, sondern ich werde es charakterisieren.

[ 6 ] And now let us continue with our psychosophical reflections. Let us remember that within our inner life, judgments and the experiences of love and hate—which stem from the faculty of desire—are at work. We can also summarize—in a different way than we did yesterday—what lives in our soul, on the one hand, as a judging power, by recalling that this power of judgment confronts us when we speak of the soul’s intellectual capacity, of the ability to understand the truths of the world; and, on the other hand, by considering that a completely different soul force confronts us when we say: a soul is interested in the external world in one way or another. — Depending on how the experiences of love and hate take effect, a soul is interested in the external world. But these phenomena of love and hate themselves have nothing to do with the power of thought, with intelligence. The power of judgment and the power of interest are two forces that operate differently within the soul. A simple observation already shows this. Anyone who believes that volition is still something special in the soul can see, when looking into their soul, that they encounter there only an interest in what is willed. In short, apart from interest arising from love and hate, and the power of judgment, which manifests itself in judgment—apart from these two realms, you will find nothing within the inner realm of the soul. With this, you have exhausted the life of the soul in terms of its content. But in doing so, you have completely overlooked one thing that belongs to the most important aspects, something that immediately confronts us in the life of the soul: namely, consciousness. Consciousness is part of the life of the soul. This means that when we seek to explore the content of the life of the soul from every angle, we encounter the power of judgment and interest; but when we look at the inner nature, the character of the life of the soul, we must say: We may only count the experiences of love and hate and the capacity for judgment as part of the life of the soul to the extent that we attribute them to the word “consciousness.” We must therefore ask ourselves: What, then, is consciousness? I will not define it for you now, but I will characterize it.

[ 7 ] Wenn Sie mit Hilfe dessen, was wir schon betrachtet haben, an das menschliche Bewußtsein herantreten, werden Sie gerade gegenüber dem fortfließenden Strom der Vorstellungen, die Sie aufgenommen haben, sagen: Es zeigt sich, daß in der Seele die Bewußtheit doch nicht zusammenfällt mit dem Seelenleben. Denn wir haben ja gesehen, daß ein gewisser Unterschied ist zwischen dem Seelenleben überhaupt und der Bewußtheit. Eine Vorstellung, die wir vor Tagen, Wochen oder Jahren einmal aufgenommen haben, lebt in uns weiter, denn wir können uns ihrer erinnern. Aber wenn wir uns ihrer in diesem Augenblick nicht erinnern, sondern vielleicht erst nach zwei Tagen, so hat diese Vorstellung zwar weitergelebt, aber sie war in diesem Augenblick nicht bewußt, das heißt, sie war in unserer Seele, aber nicht im Bewußtsein.

[ 7 ] If you approach human consciousness with the help of what we have already considered, you will say—precisely in light of the flowing stream of ideas you have taken in—that it becomes apparent that, in the soul, consciousness does not, after all, coincide with the life of the soul. For we have seen that there is a certain difference between the life of the soul in general and consciousness. An idea that we took in days, weeks, or years ago continues to live within us, for we can remember it. But if we do not remember it at this very moment—perhaps only after two days—then although this idea has continued to live on, it was not conscious at that moment; that is to say, it was in our soul, but not in our consciousness.

AltNameAltName

[ 8 ] Also der Strom des Seelenlebens fließt dahin, und das Bewußtsein ist wieder etwas anderes noch als der fortfließende Strom des Seelenlebens. Kurz, wir müssen sagen: Wenn wir die Vorstellungen, an die wir uns einmal wieder erinnern können, bezeichnen mit einem Strom, der - die Seele als Kreis gedacht - in der Richtung des Pfeiles geht [siehe Zeichnung], dann kann dieser Strom in sich enthalten alle Vorstellungen, die sozusagen in unserer Seele fließen von der Vergangenheit in die Zukunft hinein; aber wenn sie bewußt werden sollen, müssen sie aus der Art, wie sie unbewußt in der Seele leben, erst durch ein Streben heraufgeholt werden ins Bewußtsein. Bewußtheit ist also etwas, was zur Seele gehört. Aber Bewußtheit gehört nicht so zum Seelenleben, daß alles, was in der Seele ist, in das Bewußtsein hereinfallen müßte. Es fließt der Strom des Vorstellungslebens weiter, und das Bewußtsein beleuchtet nur in einem gewissen Momente einen gewissen Teil unseres Seelenlebens.

[ 8 ] So the stream of soul life flows on, and consciousness is yet something else entirely than the flowing stream of soul life. In short, we must say: If we describe the ideas that we can recall at any given moment as a stream that—conceiving the soul as a circle—flows in the direction of the arrow [see diagram], then this stream can contain within itself all the ideas that, so to speak, flow within our soul from the past into the future; but if they are to become conscious, they must first be brought up into consciousness through an act of striving, out of the way in which they exist unconsciously within the soul. Consciousness is therefore something that belongs to the soul. But consciousness does not belong to the life of the soul in such a way that everything in the soul must necessarily enter into consciousness. The stream of the life of the imagination continues to flow, and consciousness illuminates only a certain part of our soul life at a given moment.

[ 9 ] Weil wir nun doch auch mit andern Leuten zu tun haben und auf Einwendungen gefaßt sein müssen, so muß folgendes wie in Parenthese gesagt werden. Es könnte jemand jetzt einwenden: Was du den fortfließenden Strom der Vorstellungen nennst, ist nichts weiter als die Seelen- oder Gehirndisposition, die einmal hergestellt worden ist und dann bleibt; und es braucht dann nichts weiter zu erfolgen, als daß die Gehirndisposition in einem gewissen Momente vom Bewußtsein beleuchtet würde. - Das wäre dann der Fall, wenn es nicht notwendig wäre, daß gleich nach dem Wahrnehmen etwas losgelöst würde von der Wahrnehmung, damit dieselbe weitergetragen werden kann. Wenn wirklich von der Wahrnehmung schon die Disposition geschaffen wäre zur Erinnerung, brauchte nicht erst etwas losgelöst werden von dem ganzen Prozeß und die Wahrnehmung in eine Vorstellung umgeändert zu werden. Die Wahrnehmung entwickelt sich am äußeren Gegenstande, die Vorstellung aber nicht, Die Vorstellung ist eine Antwort von innen heraus. Wir haben also in uns dasjenige, was erlebt worden ist an der Welt, und was mit dem Strom der Zeit weiterfließt von der Vergangenheit in die Zukunft, aber doch nicht immer mit dem Bewußtsein zusammenfällt, sondern erst von dem Bewußtsein beleuchtet werden muß, wenn es erinnert werden soll.

[ 9 ] Since we are, after all, dealing with other people and must be prepared for objections, the following must be noted as a aside. Someone might now object: What you call the flowing stream of ideas is nothing more than the disposition of the soul or brain, which, once established, remains; and all that needs to happen is for this disposition of the brain to be illuminated by consciousness at a certain moment. - That would be the case if it were not necessary for something to be detached from perception immediately after the act of perceiving, so that the perception itself can be carried forward. If the disposition for memory were truly already created by the act of perception, there would be no need for something to be detached from the entire process first, nor for the perception to be transformed into a representation. Perception develops in relation to the external object, but the idea does not. The idea is a response from within. We therefore have within us that which has been experienced in the world and which flows along with the current of time from the past into the future, yet it does not always coincide with consciousness; rather, it must first be illuminated by consciousness if it is to be remembered.

[ 10 ] Wie geschieht es nun, daß auf den fortfließenden Strom der Vorstellungen in unserer Seele Licht geworfen werden kann, so daß Teile davon sichtbar werden können in der Erinnerung oder sonstwie? Eine Tatsache des gewöhnlichen Seelenlebens, wie es sich auf dem physischen Plan abspielt, kann uns darauf führen, wie das geschieht. Das ist folgende Tatsache, die ja in der äußeren Psychologie überhaupt nicht berücksichtigt wird, weil man da nicht mit den Tatsachen, sondern mit den Vorurteilen arbeitet. Wir aber wollen unbefangen mit den Tatsachen arbeiten.

[ 10 ] How is it, then, that light can be shed on the flowing stream of ideas in our soul, so that parts of it can become visible in memory or in some other way? A fact of ordinary soul life, as it unfolds on the physical plane, can show us how this happens. This is the following fact, which is not taken into account at all in external psychology, because there one works not with facts but with prejudices. We, however, wish to work impartially with the facts.

[ 11 ] Unter den Gefühlen des Menschen gibt es mancherlei Arten. Ich will nur auf einige aufmerksam machen, die wir gestern schon genannt haben, und auf einige andere, auf Gefühle zum Beispiel, welche sich aussprechen in der Sehnsucht, in der Ungeduld, in der Hoffnung, im Zweifel; ich will Sie verweisen auf solche Gefühle, wie Angst und Furcht sind. Was sagen uns denn alle derartigen Gefühle? Wenn wir sie wirklich prüfen, haben sie alle etwas merkwürdig Gemeinsames: sie beziehen sich alle auf die Zukunft, sie beziehen sich auf das, was eintreten kann, oder von uns als eintretend gewünscht wird. Der Mensch also lebt in seiner Seele so, daß ihn in seinen Gefühlen nicht nur die Gegenwart, sondern auch die Zukunft interessiert. Und sogar recht lebhaft interessiert ihn die Zukunft! Sie können weitergehen: Sie können die Tatsache, daß Gefühle in uns leben, die sich auf die Zukunft beziehen, mit einer andern vergleichen. Versuchen Sie in Ihren Erinnerungen wachzurufen irgend etwas, was Sie in Ihrer Jugend oder vielleicht auch erst vor kurzer Zeit erlebt haben als Freude oder als Schmerz. Versuchen Sie einmal, nur ein klein wenig zu vergleichen, was in Ihren Gefühlen lebt von der Vergangenheit herein von einem überstandenen Schmerz oder auch von einer erlebten Freude, und wie unendlich blaß die Erinnerung an solche Dinge nur wieder aufgefrischt werden kann. Wenn sie etwas hinterlassen haben, wenn sie auf unsere Gesundheit oder sonstwie eingewirkt haben, da machen sie sich geltend, da drängen sie sich in das Bewußtsein herein. Da ist es aber die Gegenwart! Was wir aber in der Vergangenheit erfahren haben in bezug auf unser Gefühlsleben, das verblaßt, je mehr wir uns davon entfernen. Und nun denken Sie, wie es bei den ausgesprochenen Begehrungen ist. Wenn Sie etwas begehren, was Ihnen in der Zukunft beschert werden soll, da versuchen Sie einmal das Rumoren in der Seele so recht zu beobachten. Ich möchte aber wissen, wieviele Leute darüber jammern, daß ihnen dieses oder jenes vor zehn Jahren nicht zugekommen ist, wenn es sich nicht etwa in die Gegenwart fortgesetzt hat und einen gegenwärtigen Mangel bewirkt. Da ist ein gewaltiger Unterschied zwischen unserem Interesseleben, insofern wir der Zukunft entgegenschauen und insofern wir nach der Vergangenheit den Blick richten. So weit Sie sich auch umsehen, wenn Sie alles zu Rate ziehen, gibt es nur eine Erklärung für die Ihnen eben charakterisierte Tatsache. Die Tatsache ist ja offenbar; Erklärungen aber gibt es nur die eine einzige: daß das, was wir begehren, überhaupt nicht in derselben Richtung fließt wie der dahinfließende Strom der Vorstellungen, sondern daß es diesem Strom entgegenkommt. Sie werden einen ungeheuren Lichtblitz auf Ihr ganzes Seelenleben werfen können, wenn Sie das eine Einzige nur voraussetzen: daß alles, was Begehrungen, Wünsche, Interessiertsein, was die Phänomene von Liebe und Haß sind, einen Strom darstellen im Seelenleben, der gar nicht fließt von der Vergangenheit in die Zukunft, sondern der uns entgegenkommt von der Zukunft, der von der Zukunft in die Vergangenheit fließt [siehe Zeichnung, D-C]. Mit einem Male wird die ganze Summe der Seelenerlebnisse klar! Ich brauchte Tage, um das weiter auszuführen, und kann daher jetzt nur folgendes sagen.

[ 11 ] There are many different kinds of human emotions. I want to draw your attention only to a few that we already mentioned yesterday, and to a few others—emotions, for example, that express themselves in longing, impatience, hope, and doubt; I want to point out emotions such as anxiety and fear. What, then, do all such emotions tell us? If we truly examine them, they all share a remarkable commonality: they all relate to the future; they relate to what may happen, or to what we wish will happen. Human beings, then, live in their souls in such a way that their emotions are concerned not only with the present but also with the future. And indeed, they are quite keenly interested in the future! You can take this further: You can compare the fact that feelings relating to the future live within us with another phenomenon. Try to recall from your memories something you experienced in your youth—or perhaps even quite recently—as joy or as pain. Try, just for a moment, to compare what lives on in your emotions from the past—whether it be a pain you’ve overcome or a joy you’ve experienced—and how infinitely faint the memory of such things can be when it’s refreshed. If they’ve left a mark, if they’ve affected our health or had some other impact, then they make themselves felt; then they force their way into our consciousness. But that is the present! What we have experienced in the past with regard to our emotional life, however, fades the further we move away from it. And now consider how it is with explicit desires. When you desire something that is to be granted to you in the future, try to really observe the stirrings in your soul. But I would like to know how many people complain that this or that did not come their way ten years ago, unless it has continued into the present and caused a current lack. There is a tremendous difference between our life of interests when we look toward the future and when we turn our gaze to the past. No matter how far you look around, no matter what you consult, there is only one explanation for the fact I have just described to you. The fact is, of course, obvious; but there is only one explanation: that what we desire does not flow at all in the same direction as the flowing stream of ideas, but rather that it flows against this stream. You will be able to shed an immense flash of light on your entire inner life if you assume just this one thing: that everything—desires, wishes, interests, the phenomena of love and hate—constitutes a stream in the inner life that does not flow from the past into the future at all, but rather comes toward us from the future, flowing from the future into the past [see diagram, D-C]. Suddenly, the entire sum of soul experiences becomes clear! It took me days to elaborate on this further, and so I can only say the following for now.

AltNameAltName

[ 12 ] Wenn Sie voraussetzen, daß der Strom der Phänomene von Liebe und Haß, von Begehrungen und so weiter Ihnen entgegenkommt aus der Zukunft und sich begegnet mit dem Strom der Vorstellungen, den wir vorhin charakterisiert haben, was ist dann im Moment unser Seelenleben? Es ist nichts anderes als die Begegnung eines Stromes aus der Vergangenheit in die Zukunft, und eines Stromes, der aus der Zukunft in die Vergangenheit fließt. Und wenn der gegenwärtige Augenblick in unserem Seelenleben eine solche Begegnung ist, dann werden Sie leicht begreifen, daß diese zwei Ströme in der Seele selber zusammenkommen, sozusagen übereinanderschlagen. Dieses Übereinanderschlagen ist das Bewußtsein. Es gibt keine andere Erklärung für das Bewußtsein, als die eben gegebene. So nimmt also unsere Seele teil an allem, was aus der Vergangenheit weiterfließt in die Zukunft, und an allem, was uns aus der Zukunft entgegenkommt. Wenn Sie also in irgendeinem Moment in Ihr Seelenleben schauen, können Sie sagen: Da ist etwas wie eine Durchdringung von dem, was aus der Vergangenheit in die Zukunft fließt, mit dem, was aus der Zukunft in die Vergangenheit fließt und sich dem ersteren entgegenstemmt als Begehrungen, als Interessiertheit, als Wünsche und so weiter. Zweierlei durchdringt sich.

[ 12 ] If you assume that the stream of phenomena—of love and hate, of desires, and so on—is flowing toward you from the future and intersects with the stream of ideas we characterized earlier, what then is our inner life at that moment? It is nothing other than the encounter between a stream flowing from the past into the future and a stream flowing from the future into the past. And if the present moment in our inner life is such an encounter, then you will easily understand that these two streams converge within the soul itself—they clash, so to speak. This clash is consciousness. There is no other explanation for consciousness than the one just given. Thus, our soul participates in everything that flows on from the past into the future, and in everything that comes toward us from the future. So when you look into your inner life at any given moment, you can say: There is something like an interpenetration of what flows from the past into the future with what flows from the future into the past and opposes the former as desires, as interest, as wishes, and so on. Two things interpenetrate each other.

[ 13 ] Wir wollen, weil das ganz deutlich zu unterscheiden ist, diesen Strömungen im Seelenleben zwei Namen geben. Wenn ich jetzt so vor einem Publikum sprechen würde, als ob es gar keine geisteswissenschaftliche Bewegung gäbe, so würde ich möglichst sonderbare Namen wählen, welche die zwei Strömungen bezeichnen sollen. Aber es kommt ja nicht auf die Namen an. Ich möchte in diesem Augenblick Namen wählen, in denen Sie wiedererkennen, was Sie schon von anderer Seite her kennengelernt haben, so daß Sie es jetzt von zwei Seiten betrachten können: einmal von der Seite des reinen Empirikers, der Ihnen die Seelenphänomene schildert, wie sie sich auf dem physischen Plan abspielen, und der daher Namen wählen kann für etwas, was er konstatiert hat, so wie er will; und dann können Sie es betrachten von der Seite der okkulten Forschung. Betrachten wir zunächst diese letzte Seite. Namen sind da ganz gleichgültig, aber ich möchte doch solche Namen wählen, wie sie derjenige wählt, der vom Standpunkte der Hellsichtigkeit die Dinge anschaut und sie daher wirklich ineinanderfließen sieht, Namen aus der Geisteswissenschaft, durch welche Sie in der Psychosophie wiedererkennen werden, was Sie in der Geisteswissenschaft gelernt haben. Bezeichnen wir daher den Strom, der die für den Moment unbewußten Vorstellungen birgt, der aus der Vergangenheit kommt und in die Zukunft fließt, als den Ätherleib, und den andern Strom, der von der Zukunft in die Vergangenheit geht, der sich mit dem ersteren staut und zum Schnitt bringt, als den Astralleib. Und was ist das Bewußtsein? Das sich gegenseitige Treffen des Astralleibes und des Ätherleibes.

[ 13 ] Since this distinction must be made very clearly, we want to give these currents in the life of the soul two names. If I were speaking to an audience right now as if there were no such thing as the spiritual science movement, I would choose the strangest possible names to designate the two currents. But the names themselves are not what matters. At this moment, I would like to choose names in which you will recognize what you have already come to know from another perspective, so that you can now view it from two sides: first, from the perspective of the pure empiricist, who describes to you the phenomena of the soul as they unfold on the physical plane, and who can therefore choose names for what he has observed however he wishes; and then you can view it from the perspective of occult research. Let us first consider this latter aspect. Names are entirely irrelevant here, but I would nevertheless like to choose names such as those selected by one who views things from the standpoint of clairvoyance and therefore truly sees them flowing into one another—names from spiritual science through which you will recognize in psychosophy what you have learned in spiritual science. Let us therefore designate the stream that contains the ideas that are unconscious for the moment—which comes from the past and flows into the future—as the etheric body, and the other stream, which flows from the future into the past, merges with the former, and brings about their intersection, as the astral body. And what is consciousness? It is the mutual encounter of the astral body and the etheric body.

[ 14 ] Versuchen Sie einmal die Probe darauf zu machen: Alles, was Sie aus den Forschungen des hellsichtigen Bewußtseins gelernt haben über den Ätherleib, versuchen Sie es anzuwenden auf das hier Gesagte. Sie werden es schon wiedererkennen. Und versuchen Sie alles, was Sie über den Astralleib gelernt haben, mit dem zu vergleichen, was hier gesagt worden ist: Sie werden auch damit zurecht kommen und Ihre Wahrheiten von dort wiedererkennen. Sie brauchen sich nur die Frage vorzulegen: Was ist es, was da die Stauung hervorbringt, was den Durchschnitt hervorbringt? - Daß sich da etwas staut, das liegt daran, daß sich die beiden Ströme im physischen menschlichen Leben begegnen. Nehmen Sie an, der physische menschliche Leib sei weggenommen, und der Ätherleib sei auch weggenommen. Das ist aber der Fall nach dem Tode, wo die von der Vergangenheit in die Zukunft gehende Strömung nicht mehr da ist. Dann hat die von der Zukunft in die Vergangenheit drängende Strömung, das heißt der Astralleib, freien Lauf und macht sich nun nach dem Tode unmittelbar geltend. Und die Folge ist, daß das Leben in Kamaloka rückwärts verläuft, wie es Ihnen erzählt worden ist.

[ 14 ] Try this experiment: Take everything you have learned from research into clairvoyant consciousness regarding the etheric body, and apply it to what has been said here. You will recognize it again. And try comparing everything you have learned about the astral body with what has been said here: you will also be able to make sense of it and recognize your truths from that source. You need only ask yourself the question: What is it that causes the blockage, that produces the intersection? —The fact that something becomes blocked there is due to the fact that the two currents meet in physical human life. Suppose the physical human body were removed, and the etheric body were also removed. But this is the case after death, when the current flowing from the past into the future is no longer present. Then the current pushing from the future into the past—that is, the astral body—has free rein and now makes itself felt immediately after death. And the result is that life in Kamaloka proceeds in reverse, as you have been told.

[ 15 ] So sehen Sie, daß wir auf psychosophischem Gebiet wiederfinden, was wir auf geisteswissenschaftlichem Gebiet gelernt haben. Ich möchte allerdings, daß Sie dabei noch eines bemerken: daß in der Tat manchmal ein recht weiter Weg ist von dem Wissen der geisteswissenschaftlichen Wahrheiten aus Mitteilungen hellseherischer Forschung heraus zu dem, was auf dem physischen Plan wirklich erfahren werden kann, denn dies muß erst in Ordnung gebracht werden. Wenn es aber in Ordnung gebracht ist, dann werden Sie überall finden, daß die Forschungen des hellsichtigen Bewußtseins sich durch die Beobachtungen des physischen Planes überall rechtfertigen lassen.

[ 15 ] As you can see, we find in the field of psychosophy what we have learned in the field of spiritual science. I would like you to note one more thing, however: that in fact, there is sometimes quite a long way from the knowledge of spiritual-scientific truths derived from clairvoyant research to what can actually be experienced on the physical plane, for this must first be brought into order. But once it has been brought into order, you will find everywhere that the findings of clairvoyant consciousness can be validated by observations on the physical plane.

[ 16 ] Jetzt aber betrachten wir eine andere Erscheinung unseres Seelenlebens, eine solche Erscheinung, die gewöhnlich bezeichnet wird durch Worte wie «Überraschung», «Erstaunen» gegenüber irgendeiner Sache. Wann können wir von einer Sache, die uns begegnet, überrascht sein? Nur dann, wenn wir in dem Augenblick, wo sie an uns herantritt, nicht in der Lage sind, sogleich zu urteilen, wo sozusagen auf unser Seelenleben ein Eindruck gemacht wird und wir also nicht gleich mit unserem Urteil der Sache gewachsen sind. Im Augenblick, wo wir mit dem Urteil der Sache gewachsen sind, hört das Erstaunen, hört die Überraschung auf. Und was uns so begegnet, daß wir gleich der Sache gewachsen sind, das bringt uns überhaupt nicht zur Überraschung, zum Erstaunen. So also können wir sagen: Wenn uns eine Erscheinung so gegenübertritt, daß wir überrascht sind, vielleicht sogar Furcht empfinden —- denn auch da werden wir das Gefühl so charakterisieren können, daß wir mit unserem Urteil der uns entgegentretenden Erscheinung nicht gewachsen sind —, wo also die Erscheinung auf unser Seelenleben einen bewußten Eindruck macht, ohne daß unser Urteil sogleich eintreten kann, da drängt sich die Zukunft in unser Seelenleben hinein. Da tritt unser Gefühl, unser Interesse in Kraft, aber unser Urteil kann nicht sogleich heran. Daraus müssen wir uns sagen, daß in der Tat unsere Interessiertheit, unsere Gefühle und unser Begehrungsleben nicht die Richtung haben können, die von der Vergangenheit in die Zukunft geht, denn da würde unmittelbar aus derselben Richtung her das Urteil fließen können. Also muß das Urteil noch etwas anderes sein als die Interessiertheit. Das haben wir schon aus der gewöhnlichen Beobachtung heraus gewonnen. Aber dieses Urteil kann auch nicht zusammenfließen, kann auch nicht ein und dasselbe sein mit dem aus der Vergangenheit in die Zukunft fließenden Strom des Seelenlebens. Wenn das der Fall wäre, müßte in jedem Augenblick das Urteil sich decken mit dem Strom der Vorstellungen. Es müßte in jedem Augenblick, wo wir urteilen, unser ganzes Seelenleben tätig sein. Es müßte in jedem Augenblick fertig sein mit den Vorstellungen. Das Urteilen ist aber etwas Bewußtes. Denken Sie aber, wie weit Sie entfernt sind in dem Augenblick, wo Sie urteilen, von dem Gegenwärtig-Haben aller Ihrer Vorstellungen, die Sie haben könnten! Das Urteilen fällt ins Bewußtsein herein, ist aber nicht imstande, den fortfließenden Strom des Seelenlebens aufzufangen. Es stehen Ihnen nicht immer alle Ihre Vorstellungen zu Gebote. Also mit dem fortfließenden Strom des Seelenlebens kann unser Urteilen nicht zusammenfallen. Es kann aber auch nicht zusammenfallen mit dem von der Zukunft in die Vergangenheit gehenden Strom, weil sonst solche Gefühle wie Furcht, Überraschung, Staunen, nicht möglich sein würden. Daraus folgt, daß mit keiner dieser Richtungen zusammenfällt, was wir Urteilen nennen.

[ 16 ] But now let us consider another aspect of our inner life—one that is usually described by words such as “surprise” or “astonishment” in response to something. When can we be surprised by something we encounter? Only when, at the very moment it approaches us, we are unable to judge it immediately—when, so to speak, an impression is made on our inner life, and we are thus not yet able to measure up to the thing with our judgment. The moment we are able to assess the matter, the astonishment and the surprise cease. And whatever we encounter in such a way that we are immediately able to assess it does not lead to surprise or astonishment at all. Thus, we can say: When a phenomenon confronts us in such a way that we are surprised, perhaps even feel fear—for even there we can characterize the feeling in such a way that we are not yet able to assess the phenomenon confronting us with our judgment—where, then, the phenomenon makes a conscious impression on our inner life without our judgment being able to take hold immediately, the future forces its way into our inner life. That is when our feeling, our interest, comes into play, but our judgment cannot keep up immediately. From this we must conclude that, in fact, our interest, our feelings, and our life of desire cannot have a direction that runs from the past into the future, for then judgment could flow directly from that same direction. Thus, judgment must be something other than mere interest. We have already deduced this from ordinary observation. But this judgment also cannot merge with, nor can it be one and the same as, the stream of inner life flowing from the past into the future. If that were the case, judgment would have to coincide with the stream of perceptions at every moment. At every moment when we judge, our entire inner life would have to be active. It would have to be fully engaged with the ideas at every moment. But judgment is a conscious act. Consider, however, how far removed you are, at the very moment you are judging, from having all the ideas you could possibly have present in your mind! Judgment enters into consciousness, but it is incapable of capturing the flowing stream of the life of the soul. Not all of your ideas are always at your disposal. Thus, our judging cannot coincide with the flowing stream of soul life. Nor can it coincide with the stream flowing from the future into the past, because otherwise feelings such as fear, surprise, and amazement would not be possible. It follows, then, that what we call “judging” does not coincide with either of these directions.

[ 17 ] Halten wir das fest und betrachten wir jetzt einmal den fortfließenden Strom unseres Ätherleibes, der von der Vergangenheit in die Zukunft sich bewegt. Er zeigt als sein Eigentümlichstes, daß er sowohl unbewußt fortfließen kann in der Seele, wie auch bewußt werden kann. Fassen wir nun ins Auge, wodurch unbewußte, in der Seele fortfließende Vorstellungen bewußt werden können. Darüber müssen wir uns klar sein: vorhanden sind diese Vorstellungen fortwährend. Aber was geschieht indem Moment, wo sie bewußt werden? Betrachten wir einmal den Moment, wo, in einer höchst eigenartigen Weise, uns entschwundene Vorstellungen bewußt werden. Ich will Ihnen einen solchen Moment vor die Seele rufen. Sie gehen durch eine Bildergalerie; Sie sehen ein Bild, schauen es an. In diesem Augenblick taucht in Ihnen dasselbe Bild auf: Sie haben es nämlich schon gesehen. Nehmen wir das an. Was hat da die Erinnerung hervorgerufen? Sie ist hervorgerufen worden durch den Eindruck des neuen Bildes. Der Eindruck des neuen Bildes war es also, der Ihnen, wenn ich so sagen darf, in die Seelensichtbarkeit hereingezaubert hat die alte Vorstellung von dem Bilde, die in Ihnen fortgelebt hatte. Wenn das neue Bild nicht gekommen wäre, würde sie nicht aufgetreten sein.

[ 17 ] Let us bear this in mind and now consider the ever-flowing stream of our etheric body, which moves from the past into the future. Its most distinctive feature is that it can flow on unconsciously within the soul, yet it can also become conscious. Let us now consider how unconscious ideas flowing within the soul can become conscious. We must be clear about this: these ideas are constantly present. But what happens at the very moment they become conscious? Let us consider the moment when, in a most peculiar way, images that have slipped from our minds become conscious. I would like to evoke such a moment for you. You are walking through an art gallery; you see a painting and look at it. At that very moment, the same image surfaces within you: you have, in fact, already seen it. Let’s assume that. What brought the memory to the surface? It was brought to the surface by the impression of the new picture. It was, therefore, the impression of the new picture that—if I may put it this way—conjured into the visibility of your soul the old image of the picture that had lived on within you. If the new picture had not appeared, the old one would not have surfaced.

[ 18 ] Diesen Vorgang können wir uns überhaupt nur verdeutlichen, wenn Sie sich folgendes klarmachen. Was ist geschehen, indem Sie das neue Bild gesehen haben? Ihr Ich ist willens, dem Bilde entgegenzutreten. Es tritt in Wechselverkehr mit dem Bilde durch die Sinne. Und dieser Umstand, daß Ihr Ich einen neuen Eindruck hat, etwas Neues in sich hereinnimmt, der wirkt merkwürdigerweise auf etwas in dem fortfließenden Strom des Seelenlebens derartig, daß dieses nun auch sichtbar wird. Versuchen wir ein Bild zu gewinnen, um diesen Vorgang zu charakterisieren. Denken Sie einmal an alle die Gegenstände, die, wenn Sie in einer Richtung stehen, hinter Ihnen sind. Sie sehen sie nicht, weil sie hinter Ihnen sind. Sie können sie nur sehen, wenn Sie sich einen Spiegel vorhalten; dann sehen Sie im Spiegel die Gegenstände, welche hinter Ihnen sind. Daraus können Sie schon schließen, daß etwas ganz Ähnliches der Fall sein muß mit den Vorstellungen, die in der Seele unbewußt fortleben. Wenn der neue Eindruck kommt, stellt er sich so in das Seelenleben herein, daß der alte Eindruck seelisch sichtbar wird. Wenn Sie sich nun vorstellen, daß das Ich im Seelenleben etwas ist, was vor den alten Vorstellungen steht, die unbewußt sind, und der Moment des Erinnerns dadurch charakterisiert ist, daß diese Vorstellungen durch einen inneren Seelenvorgang veranlaßt werden, sozusagen sich zu spiegeln, dadurch, daß eine Ursache für die Spiegelung geschaffen wird, dann haben Sie den Vorgang des Erinnerns, des Bewußtwerdens der alten Vorstellungen.

[ 18 ] We can only begin to understand this process if you realize the following. What happened when you saw the new image? Your “I” is willing to encounter the image. It enters into interaction with the image through the senses. And this fact—that your “I” has a new impression, that it takes something new into itself—strangely enough affects something in the flowing stream of your soul life in such a way that this, too, now becomes visible. Let’s try to form a mental image to characterize this process. Think for a moment of all the objects that, when you are standing facing a certain direction, are behind you. You do not see them because they are behind you. You can only see them if you hold up a mirror; then you see in the mirror the objects that are behind you. From this you can already conclude that something very similar must be the case with the ideas that live on unconsciously in the soul. When a new impression arrives, it enters the inner life in such a way that the old impression becomes psychologically visible. If you now imagine that the “I” in the inner life is something that stands before the old, unconscious ideas, and that the moment of recollection is characterized by the fact that these ideas are prompted—as it were—to “reflect” themselves through an inner psychological process, by creating a cause for this reflection, then you have the process of remembering—of bringing the old ideas into consciousness.

[ 19 ] Und wo ist denn der Grund, daß eine solche Spiegelung entsteht? Sie können ihn leicht finden, wenn Sie nur nachdenken wollen. Sie gewinnen eine Anschauung über den Grund, daß eine solche Spiegelung entsteht, wenn Sie sich an etwas erinnern, was ich sogar schon neulich im öffentlichen Vortrage über «Leben und Tod» gesagt habe: daß als eine höchst wichtige Tatsache im Seelenleben zu beobachten ist, daß die rückwärtslaufende Erinnerung des Seelenlebens bei einem bestimmten Punkt aufhört. Von diesem Punkte an rückwärts erinnert sich der Mensch nicht mehr. Bei diesem Punkte fängt dann im Menschen die Erinnerung an. Mit andern Worten: Welche Vorstellungen werden überhaupt im gewöhnlichen physischen Leben des Menschen erinnert? Nur diejenigen, bei denen das Ich dabeigewesen ist, die wirklich das Ich hereingenommen hat. Denn ich habe schon darauf aufmerksam gemacht: Ungefähr so weit zurück, als die Erinnerung an die früheren Ereignisse zurückreicht, liegt auch der Moment, wo das Kind überhaupt fähig geworden ist, die Ich-Vorstellung, das Ich-Bewußtsein zu entwickeln. Nur diejenigen Vorstellungen, die so aufgenommen worden sind, daß das Ich tätig dabei war, daß eine aktive Kraft dabei war, indem das Ich sich als bewußtes Ich gefühlt hat, nur diese Vorstellungen werden im gewöhnlichen Menschenleben überhaupt erinnert, können nur erinnert werden. Was macht denn also dieses Ich, indem es sozusagen geboren wird, sagen wir im zweiten oder dritten Jahre des kindlichen Lebens? Früher hat es sozusagen unbewußt die Eindrücke aufgenommen, war nicht selbst dabei. Dann fängt es an, als Ich-Bewußstsein sich wirklich zu entwickeln, und mit diesem Ich-Bewußtsein beginnt dann das Kind alle Vorstellungen zu verknüpfen, die es von außen hereinnimmt. Das ist der Moment, wo das menschliche Ich beginnt, sich vor seine Vorstellungen zu stellen und diese hinter sich zu setzen. Sie können das fast handgreiflich erfassen: Vorher war das Ich sozusagen in seinem ganzen Vorstellungsleben darinnen; dann tritt es heraus und stellt sich so, daß es nunmehr frei der Zukunft entgegengeht und sozusagen gewappnet ist, alles das, was aus der Zukunft herankommt, aufzunehmen, aber hinter sich stellt die vergangenen Vorstellungen.

[ 19 ] And what, then, is the reason that such a reflection arises? You can easily find it if you’re willing to think about it. You’ll gain insight into the reason why such a reflection arises if you recall something I actually mentioned recently in a public lecture on “Life and Death”: that a highly significant fact to be observed in the life of the soul is that the backward flow of memory in the life of the soul stops at a certain point. From this point onward, a person can no longer recall the past. It is at this point that memory begins for a person. In other words: Which mental images are recalled at all in a person’s ordinary physical life? Only those in which the “I” was present—those that the “I” has truly taken in. For I have already pointed out: Roughly as far back as the memory of earlier events extends lies the moment when the child first became capable of developing the concept of the “I,” the “I”-consciousness. Only those perceptions that have been taken in in such a way that the “I” was actively involved—that an active force was at work, in that the “I” felt itself as a conscious “I”—only these perceptions are remembered at all in ordinary human life; only these can be remembered. So what does this “I” do when it is, so to speak, born—let’s say in the second or third year of a child’s life? Previously, it had, so to speak, absorbed impressions unconsciously; it was not present in the process itself. Then it begins to truly develop as “I”-consciousness, and with this “I”-consciousness, the child begins to link all the perceptions it takes in from the outside world. This is the moment when the human “I” begins to place itself before its perceptions and set them behind itself. You can grasp this almost tangibly: Before, the “I” was, so to speak, entirely immersed in its entire imaginative life; then it steps out and positions itself so that it now moves freely toward the future and is, so to speak, equipped to take in everything that comes from the future, while placing past images behind it.

[ 20 ] Wenn wir das, was wir jetzt gesagt haben, festhalten, was muß denn dann geschehen in dem Moment, wo das Ich anfängt, alle Vorstellungen sozusagen in sich hereinzunehmen, wo das Ich bewußt wird? Da muß das Ich sich verbinden mit dem fortfließenden Strom, mit dem, was wir den Ätherleib genannt haben. Und in der Tat, in dem Moment, wo das Kind anfängt, sein Ich-Bewußtsein zu entwickeln, da hat der Strom des Seelenlebens einen Eigeneindruck auf den Ätherleib gemacht. Dadurch entsteht aber auch die Ich-Vorstellung. Denn bedenken Sie einmal, daß die Ich-Vorstellung Ihnen niemals von außen gegeben werden kann. Alle andern Vorstellungen, die sich auf die physische Welt beziehen, sind Ihnen von außen gegeben. Die IchVorstellung, schon die Ich-Wahrnehmung kann Ihnen niemals von außen zufließen. Das wird Ihnen erst erklärlich, wenn Sie sich jetzt vorstellen, daß das Kind, bevor es die Ich-Vorstellung hat, unfähig ist, den eigenen Ätherleib zu verspüren; in dem Augenblick, wo es anfängt, das Ich-Bewußtsein zu entwickeln, verspürt es seinen Ätherleib, und es spiegelt zurück in das Ich das Wesen des eigenen Ätherleibes. Da hat es den «Spiegel». Während also alle andern Vorstellungen, die sich auf den physischen Raum und auf das Leben im physischen Raum beziehen, durch den physischen Leib des Menschen aufgenommen werden, nämlich durch die Sinnesorgane, entsteht überhaupt das Ich-Bewußtsein dadurch, daß das Ich den Ätherleib ausfüllt und sich gleichsam an seinen Innenwänden spiegelt. Das ist das Wesentliche des Ich-Bewußtseins, daß es der nach innen sich spiegelnde Ätherleib ist.

[ 20 ] If we take to heart what we have just said, what must then happen at the moment when the “I” begins, so to speak, to take all perceptions into itself—when the “I” becomes conscious? At that moment, the “I” must connect with the flowing stream, with what we have called the etheric body. And indeed, at the very moment the child begins to develop its sense of self, the current of soul life has made a distinct impression on the etheric body. This, in turn, gives rise to the concept of the “I.” For consider that the concept of the “I” can never be imparted to you from the outside. All other perceptions relating to the physical world are given to you from outside. The sense of self—indeed, even the perception of the self—can never come to you from outside. This will only become clear to you if you now imagine that, before the child has a sense of self, it is incapable of sensing its own etheric body; the moment it begins to develop self-awareness, it senses its etheric body and reflects the essence of its own etheric body back into the self. Therein lies the “mirror.” While all other perceptions relating to physical space and life within physical space are received through the human physical body—namely, through the sense organs—self-consciousness arises precisely because the “I” fills the etheric body and, as it were, reflects itself upon its inner walls. This is the essence of “I”-consciousness: that it is the etheric body reflecting inward.

[ 21 ] Durch was kann das Ich denn nur veranlaßt werden, sich so im Innern zu spiegeln? Dadurch allein kann es dazu veranlaßt werden, daß der Ätherleib einen gewissen inneren Abschluß erlangt. Wir sahen ja, daß dem Ätherleib entgegenkommt der Astralleib. Es ist also sozusagen das Ich, welches den Ätherleib ausfüllt und sich dieses Ätherleibes als solchem, wie durch innere Spiegelung, bewußt wird.

[ 21 ] What, then, can cause the “I” to reflect itself in this way within? Only this can cause the etheric body to attain a certain inner completion. We have seen, after all, that the astral body corresponds to the etheric body. It is, so to speak, the “I” that fills the etheric body and becomes aware of this etheric body as such, as through an inner reflection.

[ 22 ] Aber eines hat diese Ich-Vorstellung, dieses Ich-Bewußtsein: es wird mächtig ergriffen von aller Interessiertheit und von allen Begehrungen. Denn die setzen sich gehörig fest in dem Ich. Aber trotzdem sich die Interessiertheit, die Begehrungen so in dem Ich festsetzen was wir als die verschiedenen Egoismen bezeichnen -, müssen wir sagen: Diese Ich-Wahrnehmung hat wieder etwas sehr Eigentümliches. Sie hat in gewisser Beziehung doch wieder etwas Unabhängiges von den Begehrungen. Es gibt nämlich eine gewisse Forderung in der Menschenseele, die sie sich selbst stellt und die ja sehr leicht für die Seele selber beglaubigt werden kann. Es wird sich jede Seele sagen: Durch das bloße Begehren kann ich unmöglich mein Ich hervorrufen. Wenn ich noch so sehr mein Ich wünsche: dadurch ist es nicht da, daß ich es wünsche. - Ebensowenig wie das Ich etwa nur besteht aus dem fortfließenden Strom der Vorstellungen, ebensowenig besteht es aus dem andern Strom, der aus der Zukunft in die Vergangenheit geht, dem Strom der Begehrungen. Es ist ein von beiden Strömen grundverschiedenes Element, das aber beide Ströme in sich aufnimmt.

[ 22 ] But this concept of the “I,” this self-awareness, has one characteristic: it is powerfully gripped by all kinds of interests and desires. For these take firm root in the “I.” But even though these interests and desires take such a firm hold in the “I”—what we call the various forms of egoism—we must say: This perception of the “I” has, in turn, something very peculiar about it. In a certain sense, it does have something that is independent of these desires. For there is a certain demand within the human soul that it makes of itself—and which can very easily be verified by the soul itself. Every soul will say to itself: I cannot possibly bring forth my “I” through mere desire. No matter how much I desire my “I,” it is not present simply because I desire it. —Just as the “I” does not consist solely of the flowing stream of ideas, neither does it consist of the other stream that flows from the future into the past—the stream of desires. It is an element fundamentally distinct from both streams, yet one that encompasses both within itself.

[ 23 ] Das können wir uns graphisch darstellen — und die graphische Darstellung entspricht in diesem Falle vollständig dem Tatbestand -, indem wir den Strom des Ich senkrecht auf den Strom der Zeit [auffallen] lassen. So muß man es nämlich tun, wenn man alle Seelenerscheinungen richtig in Betracht zieht. Sie kommen zurecht mit den Seelenerscheinungen, wenn Sie außer den beiden Strömen — dem aus der Vergangenheit in die Zukunft und dem aus der Zukunft in die Vergangenheit [Pfeil C-D] — noch eine solche Strömung in der menschlichen Seele annehmen, welche senkrecht auf den beiden andern steht [Pfeil E-F]. Das ist die, welche dem menschlichen Ich-Einschlag selber entspricht.

[ 23 ] We can illustrate this graphically—and in this case, the graphic representation corresponds exactly to reality—by having the stream of the “I” intersect perpendicularly with the stream of time [arrow C-D]. This is, in fact, how one must proceed if one is to properly consider all phenomena of the soul. You can make sense of these mental phenomena if, in addition to the two currents—the one flowing from the past into the future and the one flowing from the future into the past [arrow C-D]—you also assume the existence of a third current in the human soul that is perpendicular to the other two [arrow E-F]. This is the current that corresponds to the human “I” itself.

[ 24 ] Nun ist aber mit dem Ich etwas verbunden, was Sie auch wieder durch eine bloße Beobachtung des Seelenlebens leicht finden können, nämlich die Urteilsfähigkeit. Mit dem Ich schlägt die Urteilsfähigkeit herein. Sie können das an einer solchen Erscheinung wie der der Überraschung ganz leicht jetzt begreifen. Wenn das Ich - seitlich allerdings - wirkt, kann ein Ereignis an Sie herantreten, das Ihnen entgegenbringen wird eine Fülle von Interessiertheit. Aber wenn nicht seitlich zugleich einschlagen kann die urteilende Tätigkeit des Ich, dann ist es unmöglich, daß sich das Ereignis mit dem Urteil begegnet. Aber was geschieht denn, wenn das Ich seitlich einschlägt? Wir haben gesehen, es ist die Ich-Wahrnehmung wie eine innere Spiegelung in der Seele. Die Spiegelung müßte so geschehen, daß das Ich förmlich die Vorstellungen hinter sich hätte, die da unbewußt fließen. Das würde dann der Fall sein, wenn die Ich-Strömung so einströmte, daß sie tatsächlich in ihrem eigenen Einströmen die Richtung hat, die ich mit dem Pfeil E-F bezeichnet habe, im Leben aber die Richtung hätte, die ich mit dem Pfeil G-H bezeichne, nämlich der Zukunft entgegen.

[ 24 ] But there is something connected to the “I” that you can easily discover simply by observing your inner life: namely, the capacity for judgment. The capacity for judgment arises with the “I.” You can understand this quite easily right now by considering a phenomenon such as surprise. When the “I”—albeit indirectly—is at work, an event may approach you that will evoke a wealth of interest. But if the judgmental activity of the “I” cannot simultaneously come into play indirectly, then it is impossible for the event to encounter that judgment. But what happens when the “I” comes into play indirectly? We have seen that ego-perception is like an inner reflection in the soul. The reflection would have to occur in such a way that the ego literally has the ideas flowing unconsciously behind it. That would be the case if the “I” stream flowed in such a way that, in its own inflow, it actually had the direction I have indicated with the arrow E-F, but in life it had the direction I indicate with the arrow G-H—namely, toward the future.

AltNameAltName

[ 25 ] Nun nehmen Sie an, das Ich wäre, insofern es in den Ätherleib eingeschlagen hat, selber ein Spiegel geworden. Die Sache stimmt in ganz auffälliger Weise. Wenn das Ich die Vorstellungen, die unbewußt weiterfließen, hinter sich hat, was hat es denn dann vor sich, wenn es nach der Zukunft schaut, wie es ja die Natur des Ich ist, der Zukunft entgegenzuleben? Was müßte da sein?

[ 25 ] Now suppose that the “I,” insofar as it has become embedded in the etheric body, has itself become a mirror. This is strikingly true. Once the “I” has left behind the images that continue to flow unconsciously, what does it have before it when it looks toward the future—since it is, after all, the nature of the “I” to live toward the future? What must be there?

[ 26 ] Denken Sie sich: Sie stehen vor einem Spiegel und sehen hinein. Wenn auf der Rückseite des Spiegels kein Spiegelbelag ist, sehen Sie überhaupt nichts; dann sehen Sie in die unendliche Ferne hinein. Das ist zunächst der Blick des Menschen in die Zukunft. So sieht der Mensch in der Tat in den Strom hinein, der von der Zukunft hereinkommt. Der fließt seelisch auf ihn zu: er sieht nichts. Wann nur sieht er etwas? Wenn er dadrinnen - im Spiegel — etwas sieht von der Vergangenheit. Dann sieht er natürlich nicht die Zukunft, sondern die Vergangenheit! Sie sehen nicht die Gegenstände, welche vor Ihnen sind, wenn Sie in den Spiegel schauen, sondern die, welche hinter Ihnen sind. Wenn das Ich - in dem Augenblick, wo das Kind zum Selbstbewußtsein kommt, das dadurch entsteht, daß das Ich einschlägt in den Ätherleib - sich innerlich spiegelt, so bedeutet alles seelische Leben von da ab ein Mitspiegeln der Erlebnisse, ein Mitspiegeln der Eindrücke. Daher können Sie sich an nichts erinnern, bevor sich das Ich zum Spiegelapparat gemacht hat. Die allerersten Kindheitseindrücke bleiben außer der Erinnerung. Das Wesentliche ist nämlich, daß das menschliche Ich, insofern es in den Ätherleib hineinschlägt, das heißt, aufnimmt die Vorstellungen aus der Vergangenheit, dadurch selber zu einem Seelen-Spiegelungsapparat wird. Und für alles, was es von da ab hereinnimmt in seinen Spiegelungsapparat, ist es zugänglich. Was muß denn also geschehen, damit nun das Ich sozusagen Vergangenes wirklich widerspiegeln kann?

[ 26 ] Imagine this: You are standing in front of a mirror and looking into it. If there is no reflective coating on the back of the mirror, you see nothing at all; you are looking out into infinite distance. This, at first, is how a person looks into the future. In this way, a person actually looks into the stream flowing in from the future. It flows toward him in a spiritual sense: he sees nothing. When, then, does he see anything? When he sees something from the past inside the mirror. Then, of course, he does not see the future, but the past! When you look into the mirror, you do not see the objects that are in front of you, but those that are behind you. When the “I”—at the very moment the child attains self-consciousness, which arises when the “I” enters the etheric body—reflects inwardly, all soul life from that point onward consists of a mirroring of experiences, a mirroring of impressions. That is why you cannot remember anything before the “I” has become a mirroring apparatus. The very earliest childhood impressions remain outside of memory. The essential point is that the human “I,” insofar as it penetrates the etheric body—that is, absorbs the ideas from the past—thereby becomes a soul-reflecting apparatus itself. And it is accessible to everything it takes in from that point onward into its reflecting apparatus. What, then, must happen so that the “I” can, so to speak, truly reflect the past?

[ 27 ] Man könnte sagen: Wenn Sie einen äußeren Eindruck haben, wie ich ihn vorhin geschildert habe - wenn Sie ein Bild neuerdings sehen, das Sie schon gesehen haben -, so wird dadurch die Spiegelung bewirkt in bezug auf die alte Seelenvorstellung, die früher unbewußt war; die wird dadurch von der andern Seite so in ihrer Strahlung zurückgehalten, daß sie in den inneren Seelenspiegel hereinfällt. Wenn aber kein neuer Eindruck, keine Wiederholung irgendeines alten Eindruckes geschieht, so muß das Ich selbst herbeiziehen, was als Spiegelung auftreten soll; da muß es von der andern Seite wirken und Ersatz schaffen für das, was sonst der äußere Eindruck bewirkt hat. Was ist denn aber dieses Ich zunächst, wie es sich im physischen menschlichen Leben auslebt? Es ist die innere Erfüllung des Ätherleibes. Also es muß innerlich diesen Ätherleib, damit es sich an seinen Innenwänden spiegeln kann, zum Spiegeln gebracht haben. Das kann nur dadurch - geschehen, daß der Ätherleib wirklich abgeschlossen wird. Für die äußeren Sinneseindrücke wird er abgeschlossen, indem Sie im physischen Leibe sind, denn dadurch sind Sie mit Augen, Ohren und so weiter umgeben, und was innerhalb des Ätherleibes lebt, kann dadurch zurückgeworfen werden. Für das aber, dessen Sie sich frei erinnern sollen, müssen Sie eine andere Kraft haben, denn wenn der Ätherleib spiegeln soll, muß er einen Spiegelbelag haben. Diesen Spiegelbelag geben für die neuen Eindrücke die Sinnesorgane, das heißt der physische Leib. Wenn aber der physische Leib nicht wirkt, wie das bei einer freien Erinnerung ist, wenn wir keine neuen Eindrücke zur Auffrischung haben, so muß der Belag von der andern Seite hergenommen werden. Das kann nur dadurch geschehen, daß wir das, was entgegenschlägt dem Ich, wir könnten sagen, seitlich entgegenschlägt dem Ich, als eine Hauptkraft verwenden, indem wir das Begehren heranziehen, den uns entgegenkommenden Strom hereinschieben und ihn zum Spiegelbelag machen. Das heißt, nur durch eine entsprechende Stärkung unseres Astralleibes können wir bewirken, daß wir die Strebenskräfte, die Begehrungskräfte entwickeln können, die uns fähig machen, eine Vorstellung, die sich weigert zur Spiegelung zu kommen, in die Erinnerung heraufrufen. Nur dadurch, daß wir unser Ich, wie es sich in der physischen Welt auslebt, stärker machen, sind wir allein imstande, diesen Strom, der sonst nicht von uns ergriffen wird, der von der Zukunft kommt, tatsächlich hereinzuziehen und ihn zum Spiegelbelag zu machen. Also nur durch eine Stärkung unseres Ich, nur durch den Umstand, daß wir das Ich zum Meister des Astralleibes, des Stromes aus der Zukunft machen, können wir das Ich zur Erinnerungsfähigkeit bringen von Vorstellungen, die sich nicht spiegeln wollen, die sich weigern, sich uns zu ergeben. Es ist da ein Kampf, den wir kämpfen mit den unbewußten Vorstellungen. Das Ich ist nicht stark genug, sie herbeizuholen, und da müssen wir eine Anleihe machen bei dem, was uns entgegenkommt.

[ 27 ] One might say: When you have an external impression, such as the one I described earlier—when you see an image again that you have already seen—this brings about a reflection in relation to the old mental image that was previously unconscious; this image is thereby held back in its radiance from the other side in such a way that it falls into the inner mirror of the soul. But if no new impression occurs, no repetition of any old impression, then the ego itself must draw forth what is to appear as a reflection; it must act from the other side and create a substitute for what the external impression would otherwise have brought about. But what, then, is this “I” in the first place, as it expresses itself in physical human life? It is the inner fulfillment of the etheric body. Thus, in order to be able to reflect itself on its inner walls, it must have brought this etheric body into a state of reflection. This can only happen by the etheric body being truly enclosed. It is sealed off from external sensory impressions because you are in the physical body; for through this you are surrounded by eyes, ears, and so on, and what lives within the etheric body can thus be reflected back. But for what you are to recall freely, you must have a different power; for if the etheric body is to reflect, it must have a reflective surface. The sensory organs—that is, the physical body—provide this mirror-like surface for new impressions. But when the physical body is not active, as is the case with free recollection, when we have no new impressions to refresh our memory, the surface must be drawn from the other side. This can only happen by using what strikes the “I”—we might say, strikes the “I” from the side—as a primary force, by drawing upon desire, channeling the stream coming toward us, and making it the mirror-like surface. This means that only by appropriately strengthening our astral body can we bring about the development of the forces of striving and desire that enable us to recall into memory an image that refuses to be reflected. Only by strengthening our “I”—as it manifests itself in the physical world—are we truly able to draw in this stream, which otherwise eludes us and comes from the future, and transform it into a mirror-like surface. Thus, only by strengthening our ego—only by making the ego the master of the astral body and of the stream from the future—can we enable the ego to recall images that do not want to be reflected, that refuse to yield to us. There is a struggle here that we wage against these unconscious images. The “I” is not strong enough to bring them forth, and so we must draw upon what comes toward us.

[ 28 ] Um das zu verdeutlichen, will ich ein Beispiel nehmen aus der Lebenspraxis, um zu zeigen, wodurch es geschehen kann, daß Sie tatsächlich eine Stärkung Ihres Ich herbeiführen. Gewöhnlich erleben Sie die Lebensereignisse so, daß Sie einfach dem fortlaufenden Strom des Erlebens folgen. Wenn eine Glocke tönt, einmal, ein zweites, ein drittes Mal anschlägt, so hören Sie zuerst den ersten, dann den zweiten und dann den dritten Ton. Dann sind Sie aber fertig. Wenn Sie ein Drama anhören, hören Sie die einzelnen Teile hintereinander; dann sind Sie fertig. Das heißt, Sie leben in dem Ätherleibe mit dem fortlaufenden Strom. Nehmen wir aber an, Sie betreiben es systematisch, den umgekehrten Strom sich anzueignen, Sie gewöhnten sich daran, Dinge, die Sie sonst nur in der einen Richtung verfolgen, auch umgekehrt zu verfolgen. Zum Beispiel, Sie nehmen sich vor, einige Ereignisse des Tages in umgekehrter Reihenfolge zu erinnern. Wenn Sie so das Tagesleben rückwärts betrachten, dann folgen Sie nicht dem gewöhnlichen Ich-Strom, der dadurch zustande kommt, daß das Ich im Ätherleibe lebt, sondern Sie folgen dann dem entgegengesetzten Strom, dem Strom des Astralleibes. Wenn Sie zum Beispiel das Vaterunser statt, wie Sie gewohnt sind, es vorwärts zu beten, es Jetzt rückwärts beten, dann folgen Sie einem dem gewöhnlichen Strom der Ereignisse entgegengesetzten Strom. Das ist nicht der gewöhnliche Strom, der dadurch zustande kommt, daß das Ich den Ätherleib ausfüllt. Und die Folge ist, daß Sie Ihrem Ich dadurch eine Kraftzufuhr bereiten aus dem astralischen Strom heraus. Dann tritt in der Tat eine Erinnerungsfähigkeit ein in ganz gewaltigem Maße. Ich selbst habe in meiner Erziehertätigkeit bei meinen Schülern dahin gewirkt, damit sie eine Stärkung des Gedächtnisses für später haben sollten, daß sie gewisse Dinge, die man sonst nur in einer Richtung lernt, auch in der umgekehrten Richtung lernten und immer wieder und wieder üben mußten. So wird die Härteskala der Mineralien gewöhnlich in der folgenden Reihenfolge gelernt: 1. Talk, 2. Steinsalz, 3. Kalkspat, 4. Flußspat, 5. Apatit, 6. Orthoklas oder Kalifeldspat, 7. Quarz, 8. Topas, 9. Korund, 10. Diamant. Da habe ich nun die Schüler neben dieser Aufzählung auch immer wieder die umgekehrte Reihenfolge üben lassen: Diamant, Korund, Topas, Quarz, Orthoklas, Apatit, Flußspat, Kalkspat, Steinsalz, Talk. Das ist eine außerordentlich gute Übung besonders wenn sie zu guter Zeit im Kindheitsalter vorgenommen wird - für die Stärkung der Gedächtniskraft.

[ 28 ] To illustrate this, I’d like to use an example from everyday life to show how you can actually strengthen your sense of self. Usually, you experience life’s events by simply following the continuous flow of experience. When a bell rings—once, a second time, a third time—you first hear the first ring, then the second, and then the third. But then you’re done. When you listen to a play, you hear the individual parts one after another; then you’re done. In other words, you live in the etheric body with the continuous flow. But let’s suppose you systematically set out to master the reverse flow; you get used to following things—which you would otherwise follow only in one direction—in the opposite direction as well. For example, you resolve to recall some events of the day in reverse order. When you look back on daily life in this way, you are not following the usual “I”-current—which arises because the “I” lives in the etheric body—but rather you are following the opposite current, the current of the astral body. If, for example, instead of reciting the Lord’s Prayer in the usual forward direction, you now recite it backward, you are following a current opposite to the usual flow of events. This is not the usual current that arises from the “I” filling the etheric body. And the result is that you thereby provide your “I” with a supply of energy drawn from the astral current. Then, in fact, a capacity for memory emerges on a truly immense scale. In my work as an educator, I have encouraged my students to strengthen their memory for the future by having them learn certain things—which are otherwise learned only in one direction—in the reverse direction as well, and to practice them over and over again. For example, the mineral hardness scale is usually learned in the following order: 1. talc, 2. rock salt, 3. calcite, 4. fluorite, 5. apatite, 6. orthoclase or potassium feldspar, 7. quartz, 8. topaz, 9. corundum, 10. diamond. So, in addition to this list, I had the students practice the reverse order over and over again: diamond, corundum, topaz, quartz, orthoclase, apatite, fluorspar, calcite, rock salt, talc. This is an exceptionally good exercise, especially when done at the right time during childhood—for strengthening memory.

[ 29 ] Eine andere Übung gibt es dafür noch, eine Übung, die wieder mit . alledem zusammenhängt, was wir in den verflossenen Tagen und auch heute betrachtet haben, und die besteht in folgendem. Nehmen wir an, jemand leide an auffallendem Gedächtnisschwund, und er gibt sich die Mühe, irgendeine Beschäftigung, die er in der Jugend vorgenommen hat, mit voller Hingabe wieder vorzunehmen. Denken Sie, der Betreffende stände jetzt im siebenundvierzigsten Lebensjahr, und er habe sich mit fünfzehn Jahren besonders befaßt mit einem Buche, das ihm damals sehr große Freude gemacht hat, und er nimmt dieses Buch jetzt wieder vor und versucht es von neuem durchzugehen. Wenn Sie in einem solchen Falle dieselben Tatsachen wieder vor Ihre Seele rufen, kommt Ihnen der neue Strom entgegen, und Sie stärken sich aus dem astralischen Strom, der Ihnen aus der Zukunft entgegenkommt. Wenn das ausgeführt wird von einem Menschen, wenn er zum Beispiel als ein Greis wieder an Beschäftigungen geht, die er zwischen dem siebenten und vierzehnten Jahre getrieben hat, dann ist das eine ganz besondere Hilfe zur Aufbesserung des Gedächtnisses.

[ 29 ] There is another exercise for this, one that is again connected to everything we have considered in recent days and today as well, and it consists of the following. Let’s suppose someone suffers from a noticeable loss of memory and makes the effort to take up again, with full dedication, some activity they engaged in during their youth. Imagine that this person is now forty-seven years old, and that at the age of fifteen he had devoted himself particularly to a book that gave him great pleasure at the time; he now takes up this book again and tries to work through it anew. When, in such a case, you bring those same events back to mind, the new stream flows toward you, and you draw strength from the astral stream that comes toward you from the future. When a person does this—for example, when an elderly person returns to activities he engaged in between the ages of seven and fourteen—it is a very special aid to improving memory.

[ 30 ] Diese Dinge können Ihnen also zeigen, daß tatsächlich unser Ich sich stärken muß aus dem dem Strom des Ätherleibes entgegenkommenden astralischen Strom, wenn es die Erinnerungsfähigkeit fördern will. Das alles sind außerordentlich wichtige Dinge für die Lebenspraxis. Und wenn zum Beispiel beim Unterricht mehr Aufmerksamkeit auf solche Dinge verwendet würde, so könnte man dadurch ungeheuer segensreich wirken. So könnte man zum Beispiel segensreich wirken, wenn man die aufeinanderfolgenden Schulklassen in einer siebenklassigen Schule so einteilen würde, daß man sozusagen eine Mittelklasse einrichtete, die gewissermaßen für sich dann bestünde, und daß dann in der fünften Klasse - verändert - sich das wiederholen würde, was in der dritten durchgenommen worden ist, und ebenso in der sechsten Klasse sich wiederholen würde, was in der zweiten, und in der siebenten, was in der ersten Klasse behandelt worden ist. Das würde eine vorzügliche Stärkung des Gedächtnisses bedeuten, und die Menschen würden schon sehen, wenn sie dies in die Praxis einführten, wie segensreich sich diese Dinge auswirken würden, einfach aus dem Grunde, weil sie den Gesetzen des wirklichen Lebens entstammen.

[ 30 ] These things can thus show you that our “I” must indeed draw strength from the astral current flowing toward the etheric body if it is to foster the capacity for memory. All of these are extraordinarily important matters for practical life. And if, for example, more attention were paid to such things in the classroom, this could have an immensely beneficial effect. For example, one could have a beneficial effect by organizing the successive grades in a seven-grade school in such a way that, so to speak, a middle grade would be established that would then stand on its own, and that in the fifth grade—in a modified form—what was covered in the third grade would be repeated, and likewise, in the sixth grade, what was covered in the second grade would be repeated, and in the seventh grade, what was covered in the first grade. This would greatly strengthen memory, and people would see, if they put this into practice, how beneficial these measures would be, simply because they stem from the laws of real life.

[ 31 ] Daraus sehen wir zugleich, daß der Mensch in seiner Ich-Vorstellung, in seinem Ich-Bewußtsein überhaupt etwas hat, was erst entsteht. Es entsteht ja erst im kindlichen Alter. Und wir haben auch hingewiesen darauf, wodurch es entsteht: nämlich dadurch, daß sich der Ätherleib nach innen spiegelt. Kein Wunder daher - für denjenigen, der die Geisteswissenschaft kennt, gewiß nicht, da er weiß, daß der Mensch in der Nacht außer dem physischen Leib und Ätherleib ist —, daß das Ich-Bewußtsein in der Nacht nicht da sein kann, weil sich das Ich nicht im Ätherleibe spiegeln kann. Wir sind also gar nicht überrascht, wenn wir hören, daß die Ich-Vorstellung während des Schlafzustandes auch in die Unbewußtheit hinuntergehen muß, denn der Ätherleib ist der fortlaufende Strom der Zeit; er enthält die Vorstellungen, die erst von der andern Seite beleuchtet werden müssen, das heißt vom Astralleib. Dann kann das, was im Ätherleib sozusagen vorwärtsschwimmt, beleuchtet werden vom Seelenleben. Was der Mensch als Ich-Vorstellung hat, ist selbst nur im Ätherleibe; das ist selbst nur der gesamte Ätherleib von innen gesehen. Die Ich-Vorstellung ist selbst nur im Ätherleibe wirksam, nicht aber das Ich selber, denn - haben wir gesagt — das Ich ist die seitlich einfallende Urteilskraft. In dem Augenblick, wo Sie das Ich begreifen wollen, dürfen Sie nicht zum Ich-Bewußtsein gehen, sondern da müssen Sie zum Urteil gehen. Und merkwürdigerweise erklärt sich das Urteil ziemlich souverän gegenüber dem Ich-Bewußtsein. Wir haben ganz genau unterschieden zwischen dem, was vom Urteilen ergriffen ist, und dem, was noch nicht davon ergriffen ist. Wenn wir den Eindruck der roten Farbe haben, so ist noch kein Urteil gefällt vom Seelenleben. Da steht die Urteilsfähigkeit still. Es brandet von außen herein, was entscheidet über den Eindruck. In dem Augenblick, wo wir das einfachste Urteil fällen: «Rot ist», wenn wir dem Rot das Sein zuschreiben, findet schon eine Urteilsfällung des Seelenlebens statt. In dem Augenblick, wo wir Urteile fällen, regt sich das Ich. Wenn nun das Ich seine Urteile fällt auf Grund der Ergebnisse der äußeren Eindrücke, so kommen die äußeren Eindrücke ins Urteil herein, dann sind die äußeren Eindrücke Gegenstand des Urteilens, zum Beispiel «Rot ist». Was muß denn aber möglich sein, wenn das Ich eine Wesenheit ist, verschieden von allen Vorstellungen und auch von seiner eigenen Wahrnehmung? Wenn das Ich der Veranlasser ist der Ich-Wahrnehmung, was muß da sein? Dann muß eine Urteilsmöglichkeit sein. Unter den verschiedenen Urteilen in unserem Seelenleben muß es eines geben, dem gegenüber sich das Ich souverän fühlt, nicht angewiesen auf einen äußeren Eindruck. Das tritt in der Tat ein, wenn Sie das Urteil fällen: «Ich ist». «Ich bin» ist ja nur ein anderer Ausdruck dafür. Da haben Sie das, was sonst im Ich lebt, was Sie aber noch nicht zum Bewußtsein gebracht haben, mit Urteilsfähigkeit ausgefüllt im «Ich ist» oder «Ich bin». Was vorher eine leere Blase war, die wie Schaum zerfließt, wenn das Seelenleben unbewußt wird, das haben Sie ausgefüllt mit Urteilskraft.

[ 31 ] From this we see at the same time that the human being, in his conception of the “I,” in his “I”-consciousness, possesses something that is only just coming into being. It does not emerge until childhood. And we have also pointed out how it comes into being: namely, through the etheric body reflecting inward. It is therefore no wonder—certainly not for those familiar with spiritual science, since they know that at night the human being is outside both the physical body and the etheric body—that ego-consciousness cannot be present at night, because the ego cannot reflect itself in the etheric body. We are therefore not at all surprised to hear that the sense of the “I” must also descend into unconsciousness during sleep, for the etheric body is the continuous flow of time; it contains the perceptions that must first be illuminated from the other side—that is, by the astral body. Then what is, so to speak, flowing forward in the etheric body can be illuminated by the life of the soul. What a person has as the sense of self exists only in the etheric body; it is, in itself, merely the entire etheric body viewed from within. The concept of the “I” is itself active only in the etheric body, but not the “I” itself, for—as we have said—the “I” is the power of judgment that enters from the side. The moment you wish to grasp the “I,” you must not turn to “I”-consciousness, but rather to judgment. And curiously enough, judgment asserts itself quite confidently in relation to “I”-consciousness. We have made a very precise distinction between what is grasped by judgment and what is not yet grasped by it. When we have the impression of the color red, no judgment has yet been formed by the soul life. The power of judgment remains at rest. What determines the impression surges in from the outside. The moment we make even the simplest judgment—“Red is”—when we ascribe existence to the red, a judgment is already being formed by the soul life. The moment we make judgments, the “I” becomes active. If the “I” now makes its judgments based on the results of external impressions, then the external impressions enter into the judgment; the external impressions become the object of judgment—for example, “It is red.” But what must be possible if the “I” is an entity distinct from all concepts and even from its own perception? If the “I” is the instigator of “I”-perception, what must be present? Then there must be a capacity for judgment. Among the various judgments in our inner life, there must be one in relation to which the “I” feels sovereign, not dependent on an external impression. This indeed occurs when you make the judgment: “I am.” “I am” is, after all, merely another expression of this. There you have filled what otherwise lives within the “I”—but which you have not yet brought to consciousness—with the power of judgment in the “I is” or “I am.” What was previously an empty bubble, which dissolves like foam when the life of the soul becomes unconscious, you have filled with the power of judgment.

[ 32 ] Wenn das so ist, wenn das Ich sich selber ausfüllt, was geschieht dann? Urteilen ist eine Seelentätigkeit. Seelentätigkeiten entstehen im Seelenbinnenleben, innerlich. Sie führen zu Vorstellungen. Im Bereiche dieser Vorstellungen taucht auch auf die Ich-Vorstellung. Aus der Ich-Vorstellung haben wir aber nichts über das Ich selbst lernen können. Aber eines zeigt sich jetzt: Nichts von äußeren Eindrücken kann uns zur Ich-Vorstellung bringen. Mit andern Worten: Die Ich-Vorstellung stammt nicht aus der physischen Welt. Da sie also nicht aus der physischen Welt stammt, sonst aber ganz den Charakter hat wie Vorstellungen, die aus der physischen Welt stammen, und da doch das Urteilen in der Seele, das eben zu den elementaren Inhalten des Seelenlebens gehört, auf das Ich angewendet wird, so muß das Ich von woanders her in das Seelenleben hereinkommen. Das heißt, wir haben damit zur Evidenz gezeigt, daß geradeso wie die Vorstellung «Rot» von der äußeren Welt in die Seele hereinkommt und vom Ich durch das Urteil umspannt wird, so von der andern Seite her etwas in die Seele hereinkommt, das vom Urteil umspannt wird. Nehmen wir den Eindruck «Rot» und umspannen ihn mit einem Urteil, so haben wir «Rot ist». Nehmen wir in ähnlicher Weise das Ich und sagen «Ich ist», so nehmen wir einen Eindruck aus derjenigen Außenwelt, die wir die geistige Welt nennen, auf und umspannen ihn mit einem Urteil. «Rot» als solches entspricht den Daseinsformen der physischen Welt. «Rot ist» ist ein Urteil und kann nur innerhalb des Seelenlebens zustande kommen. «Ich» ist eine Tatsache, wie «Rot» eine Tatsache ist, und es kann nur in das Seelenleben eintreten, das heißt, von einem Urteil umspannt werden, wenn das Urteil von der andern Seite der Seele entgegenkommt und das Ich umspannt mit dem Urteil und sagt «Ich bin» oder «Ich ist». «Ich ist» ist nur die Umkehrung des «Ich bin» nach der andern Seite. Der Sprachgenius ist eben sehr gescheit und drückt die Dinge sehr prägnant aus.

[ 32 ] If that is the case—if the “I” fills itself—what happens then? Judging is an activity of the soul. Activities of the soul arise in the inner life of the soul, internally. They lead to ideas. Within the realm of these ideas, the idea of the “I” also emerges. However, we have been unable to learn anything about the “I” itself from the idea of the “I.” But one thing is now clear: nothing from external impressions can lead us to the idea of the “I.” In other words: The concept of the “I” does not originate in the physical world. Since it does not originate in the physical world—yet otherwise possesses all the characteristics of concepts that do originate in the physical world—and since judgment within the soul, which belongs to the elementary contents of soul life, is applied to the “I,” the “I” must enter into soul life from somewhere else. This means we have thus demonstrated clearly that just as the concept “red” enters the soul from the external world and is encompassed by the “I” through judgment, so too does something enter the soul from the other side that is encompassed by judgment. If we take the impression “red” and encompass it with a judgment, we have “red is.” If, in a similar way, we take the “I” and say “I is,” we take in an impression from that external world we call the spiritual world and frame it with a judgment. “Red” as such corresponds to the forms of existence in the physical world. “Red is” is a judgment and can only come about within the life of the soul. “I” is a fact, just as “red” is a fact, and it can only enter the life of the soul—that is, be encompassed by a judgment—when the judgment comes from the other side of the soul and encompasses the “I” with the judgment, saying “I am” or “I is.” “I is” is merely the reversal of “I am” from the other side. The linguistic genius is indeed very clever and expresses things very concisely.

[ 33 ] Wenn ich nun die vierte Richtung zeichne, von unten nach oben, so würde ich die dem Ich entgegengesetzt laufende Richtung als die Richtung der physischen Welt bezeichnen müssen [siehe Zeichnung I-K]. Darin hätten wir das, was dem physischen Leib entspricht.

[ 33 ] If I were now to draw the fourth direction, from bottom to top, I would have to designate the direction running opposite to the “I” as the direction of the physical world [see Drawing I-K]. This would correspond to the physical body.

AltNameAltName

[ 34 ] Die Eindrücke der physischen Welt gehen also, graphisch dargestellt, von unten nach oben und offenbaren sich in der Seele als Sinneseindrücke. Auf der einen Seite sind entgegengesetzt das Ich und seine physisch-leiblichen Sinnesorgane, auf der andern Seite stehen sich entgegen die Strömung des Ätherleibes und die des Astralleibes. Wenn nun das Ich aufstößt an das, was der physische Leib ist, wenn es gerade hinströmt gegen sein Auge, gegen sein Ohr, so bekommt es die Eindrücke der physischen Welt. Die werden in der Seele weitergebracht dadurch, daß die Seele ein Bewußtsein hat durch das Gegenströmen von astralischer und ätherischer Welt. Und aus dem ganzen Bilde können Sie sich klarmachen, daß man verhältnismäßig eine gute graphische Darstellung bekommt von dem Verhältnis der verschieden zusammen wirkenden Welten in der menschlichen Seele, wenn man sich sagt: Auf der einen Seite ist entgegengesetzt Ich und der physische Leib mit seinen Sinnesorganen; die stehen sich direkt gegenüber. Dann stehen sich direkt gegenüber, indem sie gleichsam zu den beiden andern Strömungen einen rechten Winkel bilden, Ätherleib und Astralleib.

[ 34 ] The impressions of the physical world thus flow, as depicted graphically, from bottom to top and manifest themselves in the soul as sensory impressions. On the one hand, the “I” and its physical sensory organs stand in opposition; on the other hand, the currents of the etheric body and those of the astral body stand in opposition to one another. When the “I” encounters what the physical body is—when it flows directly toward the eye and the ear—it receives the impressions of the physical world. These impressions are processed further in the soul through the soul’s consciousness, which arises from the counter-flow of the astral and etheric worlds. And from this entire picture, you can see clearly that one obtains a relatively good visual representation of the relationship between the various worlds interacting within the human soul when one considers: On the one hand, the “I” and the physical body with its sense organs stand in opposition; they are directly opposite one another. Then, standing directly opposite them—forming, as it were, a right angle with the other two currents—are the etheric body and the astral body.

[ 35 ] Nun kann ich Ihnen die Versicherung geben, daß sich Ihnen unzählige Rätsel der Seele lösen werden, wenn Sie dieses Schema zugrunde legen. Sie werden dann schon begreifen, daß in diesem Kreuz, das von einem Kreis durchzogen ist, ein sehr gutes Schema des Seelenlebens gegeben ist, wie es angrenzt an das Geistige nach oben, an das Physische nach unten, an das Ätherische nach links und an das Astralische nach rechts. Nur müssen Sie sich dabei zu der Vorstellung aufschwingen, daß der Strom der Zeit nicht nur etwas ruhig DahinflieRendes ist, sondern daß ihm etwas entgegenkommt, daß aber das IchLeben und das Sinnesleben nur begriffen werden können, wenn sie wieder im rechten Winkel auf die Zeitströmung auftretend verstanden werden. Wenn Sie dies ins Auge fassen, werden Sie wohl verstehen, daß in unserer Seele wirklich recht verschiedene Kräfte sich treffen. Unsere Seele ist gewissermaßen der Schauplatz, auf dem sich Kräfte treffen der verschiedensten Richtungen.

[ 35 ] Now I can assure you that countless mysteries of the soul will be unraveled for you if you use this diagram as a basis. You will then come to understand that this cross, through which a circle passes, provides a very good diagram of the life of the soul, as it adjoins the spiritual realm above, the physical realm below, the etheric realm to the left, and the astral realm to the right. You must, however, rise to the conception that the stream of time is not merely something flowing calmly along, but that something meets it head-on; and that the life of the “I” and the sensory life can only be grasped when they are understood as occurring at a right angle to the flow of time. If you bear this in mind, you will surely understand that truly diverse forces meet within our soul. Our soul is, so to speak, the stage on which forces of the most diverse directions converge.

[ 36 ] Nehmen wir einmal an - da ja diese Kräfte gerade bei der Mannigfaltigkeit der Menschen sich auch in der mannigfaltigsten Weise geltend machen werden -, bei einem Menschen sei das urteilende Ich vorherrschend. Dann wird es seiner Seele außerordentlich schwer sein, die abstrakten Begriffe so vollsaftig zu machen, daß sie unmittelbar die Gefühle ansprechen. Daher werden wir erwarten können, daß bei einem Menschen, dessen Hauptgeschäft das Urteilen ist, sich nicht so leicht aus dem, was in seinen Worten liegt, Vollsaftiges ergeben wird, was zu unserem Gefühlsleben spricht. Ein Mensch dagegen, dessen Seelenleben so veranlagt ist, daß schon in seinen Anlagen reiches astralisches Leben fließt, reiche Interessen fließen, die entgegenströmen dem fortlaufenden Strom des physischen Lebens, der wird hereinbringen in das Leben die Anlagen für vollsaftige Begriffe. Der wird sozusagen nicht als ein Gedankenmensch auf den physischen Plan treten, sondern so, daß er zeigt, wie leicht es ihm wird, was er innerlich erlebt, in solche Worte zu kleiden, die zu unserem Interesse sprechen. Und da nun der Mensch in verschiedenen Inkarnationen lebt und sich mitbringt in seinen Anlagen die Disposition für den einen oder den andern Strom, so müssen Sie sich denken in die Goethe-Seele hereingebracht die Disposition für den aus der Zukunft entgegenkommenden Strom. Und wenn er sich dem überläßt, dann bringt er von vornherein die in der Zukunft liegenden Ideen als vollsaftige Begriffe in das Leben. Wenn er aber einmal dieses Element, was sein eigenes Leben ist, in Kampf treten läßt mit dem, was da unter der Schwelle des Bewußtseins die in seinem Ätherleib fortschwebenden Vorstellungen sind, kurz, was er aufgenommen hat aus der Umgebung, dann kommt etwas heraus, was nicht zusammenstimmt, so wie die beiden Dinge, welche wir als die nichtsnutzigen in dem Gedicht vom «Ewigen Juden» bezeichnet haben, und diejenigen, die wir davon herausgehoben haben. Und bei einem Menschen wie Hegel, der sich die Urteilsdisposition mitgebracht hat, ist es so, daß er ringt mit alledem, was jener Strom ihm entgegenströmen läßt, der von der Zukunft in die Vergangenheit fließt. In der Tat ist es so, daß sich der Mensch mit seinem Ich fortwährend so stellt, daß der fortlaufende Strom von der Vergangenheit in die Zukunft in jeder Gegenwart zugedeckt ist. Das Ich deckt ihn zu, und es läßt sich entgegenkommen den Strom des Begehrungsvermögens. Es sieht in die unendliche Zukunft hinein wie in einen Spiegel, der keinen Belag hat. Und in dem Augenblick, wo der Spiegel den Belag bekommt, werden die vergangenen Dinge sichtbar.

[ 36 ] Let us suppose—since these forces, given the diversity of human beings, will assert themselves in the most varied ways—that the judging self is predominant in a person. Then it will be exceedingly difficult for that person’s soul to imbue abstract concepts with such richness that they directly appeal to the emotions. Therefore, we can expect that in a person whose primary activity is judgment, it will not be so easy for the words they speak to convey a richness that speaks to our emotional life. A person, on the other hand, whose inner life is such that a rich astral life already flows within their disposition—rich interests that flow counter to the continuous stream of physical life—will bring into life the capacity for vivid concepts. Such a person will not, so to speak, enter the physical plane as a “man of thought,” but rather in a way that demonstrates how easily he is able to clothe what he experiences inwardly in words that speak to our interest. And since human beings live through various incarnations and bring with them in their dispositions a predisposition for one current or another, you must imagine that the Goethe soul brought with it the predisposition for the current coming toward it from the future. And when he surrenders to this, he brings the ideas lying in the future into life from the very beginning as rich and vivid concepts. But once he allows this element—which is his own life—to clash with the ideas floating in his etheric body beneath the threshold of consciousness, in short, what he has absorbed from his surroundings—then something emerges that is incongruous, just like the two elements we described as “useless” in the poem “The Eternal Jew” and those we singled out from it. And in the case of a person like Hegel, who possesses an innate capacity for judgment, he wrestles with everything that flows toward him from that current which flows from the future into the past. In fact, it is the case that human beings, with their “I,” continually position themselves in such a way that the continuous flow from the past into the future is obscured in every present moment. The “I” obscures it, and it allows the stream of the faculty of desire to flow toward it. It looks into the infinite future as into a mirror that has no film on it. And the moment the mirror acquires a film, past things become visible.

[ 37 ] Ich konnte nur einiges in diesen Vorträgen aus dem unendlich reichen Gebiet der Psychosophie Ihnen vor die Seele stellen. Sie werden aber aus dem Gesagten, wenn Sie die Dinge wirken lassen, mancherlei Schlüsse ziehen können. Besonders wird Ihnen manches aufgehen, wenn Sie sich klarmachen, daß der von der Vergangenheit in die Zukunft fortlaufende Strom im Seelenleben, der Ätherleib, die unbewußten Vorstellungen enthält, die da sind, auch wenn sie nicht ins Bewußtsein hereintreten. Wenn Sie aber aus der Geisteswissenschaft wissen, daß der Ätherleib der Architekt des physischen Leibes ist, dann werden Sie sich sagen können: Wenn die Vorstellungen auch nicht im Bewußtsein sind, vorhanden sind sie doch; der Ätherleib trägt sie. Und solche im Ätherleib vorhandenen Vorstellungen können - gerade wenn sie nicht bewußt sind - eine rege Tätigkeit nach der andern Seite entwickeln. Und wer Leibes- und Seelenkenner ist, der weiß, wie unendlich zerstörend Vorstellungen sein können, die das Bewußtsein nicht herauflocken kann aus dem unbewußten Seelenleben, und die dennoch in dem unbewußten Seelenleben fortschwimmen mit dem ätherischen Strom. Sie entwickeln dann alle Kräfte in die Leiblichkeit hinein.

[ 37 ] In these lectures, I have been able to present to you only a few aspects from the infinitely rich field of psychosophy. However, if you allow these ideas to take root, you will be able to draw various conclusions from what has been said. In particular, much will become clear to you when you realize that the stream of soul life flowing from the past into the future—the etheric body—contains unconscious ideas that are present even when they do not enter consciousness. But if you know from spiritual science that the etheric body is the architect of the physical body, then you will be able to say to yourself: Even if the ideas are not in consciousness, they still exist; the etheric body carries them. And such ideas present in the etheric body can—precisely because they are not conscious—develop a lively activity on the other side. And anyone who is familiar with the nature of the body and the soul knows how infinitely destructive ideas can be—ideas that consciousness cannot draw up from the unconscious life of the soul, yet which continue to flow along with the etheric current in that unconscious life. They then direct all their forces into the physical body.

[ 38 ] Es gibt eine diesbezügliche Tatsache im Leben. Denken Sie, der Mensch habe im zehnten bis zwölften Jahre seines Lebens etwas erfahren oder erlebt, was ganz und gar von ihm vergessen worden ist. Es kann nicht ins Bewußtsein heraufgerufen werden. Es wirkt aber doch im Ätherleibe weiter und kann ihn krank machen. Da unten in der Unbewußtheit wirken gar manche Vorstellungen, die wirklich als Vorstellungen Krankheitsursachen sind. Wer das weiß, der weiß aber auch, daß es in einer gewissen Weise eine Hilfe dafür gibt. Sie besteht darin, daß man diesen Vorstellungen ihre Kräfte nimmt, das heißt, daß man sie nach andern Richtungen hinleitet, indem man versucht, dem betreffenden Menschen, der selbst dazu nicht stark genug ist, Anhaltspunkte zu geben, daß seine Vorstellungen ihm ins Bewußtsein hinaufkommen können. Damit hat man recht viel bewirkt. Wenn man jemandem bei Vorstellungen, denen gegenüber er machtlos ist und die im Ätherleibe weiterwirken, dazu verhilft, daß sie ins Bewußtsein heraufkommen, so wirkt man ungeheuer gesundend im Leben.

[ 38 ] There is a fact in life that relates to this. Imagine that a person, between the ages of ten and twelve, experienced something that has been completely forgotten. It cannot be brought back into consciousness. Yet it continues to exert an influence in the etheric body and can cause illness. Down there in the unconscious, there are many such ideas at work that are truly, as ideas, causes of illness. Anyone who knows this also knows that, in a certain sense, there is a way to help. It consists in depriving these ideas of their power—that is, in redirecting them—by trying to give the person in question, who is not strong enough to do this on their own, clues so that their ideas can rise into their consciousness. This achieves quite a great deal. When one helps someone—who is powerless against certain ideas that continue to affect their etheric body—to bring those ideas up into consciousness, one has an immensely healing effect on their life.

[ 39 ] Vielleicht sagen jetzt einige von Ihnen: Das versucht man auch schon! Es gibt sogar schon eine Schule, die Freudsche Psychiaterschule, die sich damit befaßt, Vorstellungen von dem früher Getanen und Erlebten heraufzurufen in das Bewußtsein. Aber:ich kann diese Schule nicht auffassen als irgend etwas, was mit dem zusammenhängt, was ich jetzt gesagt habe, weil diese Schule gerade dort dieses Mittel versucht, wo es nicht wirksam ist: nämlich gerade für die Vorstellungsmassen des sexuellen Lebens gilt es nicht. Bei allem übrigen gilt es. Und gerade mit Vorliebe wird dieses Mittel auf die Vorstellungen des sexuellen Lebens ausgedehnt. Aber da fruchtet es nicht. Und das muß ins Auge gefaßt werden. Also es handelt sich nicht darum, daß man unter dem Einfluß der materialistischen Vorstellungen hintappt auf etwas, worauf die Tatsachen schon stoßen, sondern daß man die Tatsachen ganz genau kennt.

[ 39 ] Perhaps some of you are now thinking: “We’re already trying that!” There is even a school—the Freudian school of psychiatry—that focuses on bringing memories of past actions and experiences into conscious awareness. But I cannot view this school as having anything to do with what I have just said, because this school applies this method precisely where it is ineffective: namely, it does not apply to the mass of mental images related to sexual life. It applies to everything else. And this method is extended with particular enthusiasm to the mental images of sexual life. But there it bears no fruit. And that must be taken into account. So it is not a matter of stumbling upon something under the influence of materialistic ideas—something that the facts already point to—but rather of knowing the facts very precisely.

[ 40 ] So werden Sie vielleicht außer den einzelnen Bemerkungen, die Sie mit nach Hause tragen können, noch eines gewonnen haben. Wenn man gewissenhaft und mit Urteilskraft zu Werke geht in der Beobachtung des gewöhnlichen Lebens auf dem physischen Plan, so bietet sich durch solche Beobachtung überall das, was man Belege nennen kann für die Geisteswissenschaft. Und Sie werden gerade durch solche Vorträge eine gewisse Sicherheit gewinnen können für das, was Ihnen an Mitteilungen, die auf hellseherischer Forschung beruhen, zukommen kann. Hellseherische Forschung sucht allerdings nicht durch solche Dinge im physischen Leben die Tatsachen auf. Ich kann Ihnen die Versicherung geben, daß der Hellseher selbst oft überrascht ist, wenn er, nachdem er etwas auf dem hellseherischen Wege gefunden hat, daran geht, die Dinge im physischen Leben zu prüfen und dann eine wunderbare Harmonie findet. Umgekehrt würde vielleicht der Weg nicht gelungen sein. Wenn man versucht, bloß auf dem physischen Plan zu bleiben, gruppiert man die Dinge falsch; da bekommt man gar nicht die richtigen Gruppierungen heraus und schlägt fortwährend den Tatsachen ins Gesicht.

[ 40 ] So, in addition to the individual insights you can take home with you, you may have gained something else. If one approaches the observation of ordinary life on the physical plane conscientiously and with discernment, such observation provides, everywhere, what one might call evidence for spiritual science. And it is precisely through such lectures that you will be able to gain a certain degree of confidence in the information you may receive that is based on clairvoyant research. Clairvoyant research, however, does not seek out facts through such things in physical life. I can assure you that the clairvoyant himself is often surprised when, after discovering something through clairvoyance, he proceeds to verify the facts in physical life and then finds a wonderful harmony. Conversely, the approach might not have been successful. If one tries to remain solely on the physical plane, one categorizes things incorrectly; one fails to arrive at the correct classifications and continually runs up against the facts.

[ 41 ] Also das Grundgefühl, das Sie haben gewinnen können, und das sein kann eine gewisse Sicherheit auch gegenüber den geisteswissenschaftlichen Forschungen, das ist etwas, was Sie mitnehmen können auch als Sicherheit für die psychosophische Forschung. Daher bemühe ich mich auch, Ihnen da, wo ich Ihnen erzähle aus höheren Welten, ab und zu mit Nüchternheit, mit Trockenheit zu kommen, entsprechend einer streng wissenschaftlichen Betrachtung des physischen Planes. Das entspricht der Pflicht: zu beobachten, daß der Mensch auf den physischen Plan gestellt ist, damit er den physischen Plan verstehen lernt. Unsere Zeit hat ein Zweifaches notwendig. Das eine ist, wirklich in entsagungsvollem Denken den physischen Plan zu studieren, auf den wir nicht umsonst durch die großen Weltgesetze gestellt sind. Auf der andern Seite sind wir heute schon in jenem Stadium, wo wir nicht mehr mit den gewöhnlichen Mitteln den physischen Plan bewältigen können, wenn uns nicht die okkulte Forschung zu Hilfe kommt. Mag heute noch so viel Scharfsinn aufgewendet werden von der gewöhnlichen Wissenschaft auf die Dinge: sie wird notwendig irren, wenn sie nicht zum Führer hat die okkulte Wissenschaft, die ihr die Richtung geben kann. Nachdem die Menschheit an der Wende des 15., 16., 17. Jahrhunderts an einem Punkt gestanden hat, wo die physische Forschung im heutigen Sinne geboren worden ist und daher das Hauptaugenmerk darauf gewendet werden konnte, sind wir heute schon wieder so weit, daß neben diese physische Forschung jetzt eine andere, die okkulte Forschung treten muß, die der physischen Forschung die Richtlinien geben kann. Damit aber, daß er dies nicht nur weiß, sondern es in seine Pflichten aufnimmt, erfüllt der Okkultist etwas, was unsere Zeit als ein Zweifaches in sich aufnehmen muß: ein Gefühl dafür, daß wir fest stehen sollen auf dem physischen Plan, nicht davor zurückscheuen, uns auch in entsagungsvoller Weise dem Denken hinzugeben, und gerade die physischen Tatsachen erfordern ein entsagungsvolles Denken. Ein Gefühl dafür hervorrufen sollen diese Vorträge, wo ich Ihnen mit Nüchternheit komme. Und ganz gewiß wird andererseits derjenige, der den Gedanken aufnimmt des Hereinspielens des astralischen Stromes von der Zukunft her, ungeheuer viel für das Leben gewinnen können.

[ 41 ] So the fundamental sense that you have been able to gain—and which may also provide a certain sense of certainty regarding research in the spiritual sciences—is something you can carry with you as a source of certainty for psychosophical research as well. That is why I also strive, whenever I speak to you about higher worlds, to occasionally approach the subject with objectivity and detachment, in keeping with a strictly scientific examination of the physical plane. This corresponds to the duty to recognize that human beings are placed on the physical plane so that they may learn to understand it. Our time calls for two things. The first is to truly study the physical plane with self-sacrificing thought, for it is not without reason that we have been placed on it by the great laws of the universe. On the other hand, we have already reached a stage today where we can no longer master the physical plane by ordinary means unless occult research comes to our aid. No matter how much ingenuity ordinary science may apply to these matters today, it will inevitably err unless it has occult science as its guide, which can show it the right direction. Just as humanity stood at the turn of the 15th, 16th, and 17th centuries at a point where physical research, in the modern sense, was born—and thus the main focus could be directed toward it—we have now reached a point again where, alongside this physical research, another form of research—occult research—must now step forward to provide physical research with its guiding principles. But by not only knowing this but also incorporating it into his duties, the occultist fulfills something that our age must embrace in twofold terms: a sense that we must stand firm on the physical plane, not shy away from devoting ourselves to thinking in a self-sacrificing manner, and that it is precisely the physical facts that require self-sacrificing thinking. These lectures, in which I approach you with objectivity, are intended to evoke this sense. And certainly, on the other hand, anyone who takes to heart the idea of the astral current flowing in from the future will be able to gain an immense amount for their life.

[ 42 ] Ich muß gestehen - ich könnte es Ihnen fast ad oculos beweisen, daß es so ist; ich habe die entsprechende Tatsache an einem andern Orte einmal erwähnt -, unter allen Psychologen der Gegenwart, die, ohne von Okkultismus etwas wissen zu wollen, mit einer feinen Schulung an die Seelenphänomene herangegangen sind und daher, wenn auch in schiefer Weise, für die allerelementarsten Dinge das Richtige auch gefühlt haben, von diesen ist eigentlich nur zu nennen der Name Franz Brentano. Franz Brentano hat sich an die psychologischen Probleme herangemacht in den sechziger, siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Und obwohl eigentlich das, was in seiner Psychologie steht, ein scholastisches Spintisieren ist, so lebt doch darin etwas, was einem so vorkommt wie die ersten kindlichen Schritte, die wir jetzt weitergehen sollen. So ist zum Beispiel die Lehre vom Begehren und vom Fühlen und auch was er über das Urteilen sagt, schief; aber die Tendenz ist eine solche, die merkwürdig richtige Linien hätte nehmen können, wenn nicht eine absolute Ignoranz in bezug auf alle okkulten Einschläge dagewesen wäre. Da ist sozusagen der fähigste Psychologe auf den physischen Plan getreten. Er hat auch den ersten Band seiner «Psychologie» erscheinen lassen im Frühjahr 1874, mit dem Versprechen, daß im Herbst der zweite Band folgen werde. Aber dieser zweite Band ist bis heute noch nicht erschienen. Es gibt nur den ersten Band. Warum ist das? In den psychosophischen Vorträgen können Sie sich die Antwort suchen: Franz Brentano mußte steckenbleiben, konnte überhaupt nicht weiter. Er hat in einer ganz netten Weise abgegrenzt, was die nächsten Abschnitte hätten bringen sollen. Er hat sogar einen . Ausblick geben wollen von dem Ich aus auf das Geistesleben und von da in die Unsterblichkeit. Das ist alles abgesteckt. Aber er ist steckengeblieben! Denn es hätte ausgeführt werden müssen, indem von der andern Seite eingezogen wäre der Strom des okkulten Forschens, so daß beobachtet worden wäre der Strom der Seelenphänomene von der Seite der okkulten Forschung aus.

[ 42 ] I must admit—I could almost prove it to you ad oculos that this is the case; I have mentioned the relevant fact elsewhere—among all contemporary psychologists who, without wishing to know anything about occultism, have approached psychological phenomena with refined training and have therefore, albeit in a somewhat oblique way, intuitively grasped the truth regarding even the most elementary matters, the only name worth mentioning is that of Franz Brentano. Franz Brentano tackled psychological problems in the 1860s and 1870s. And although what is written in his psychology is, in fact, scholastic speculation, there is nevertheless something alive in it that strikes one as akin to a child’s first steps, which we are now to follow. For example, his theory of desire and feeling, as well as what he says about judgment, is flawed; but the underlying tendency is one that could have taken remarkably correct paths, had it not been for an absolute ignorance regarding all occult influences. Here, so to speak, the most capable psychologist has entered the physical plane. He also had the first volume of his Psychology published in the spring of 1874, with the promise that the second volume would follow in the fall. But this second volume has not yet appeared to this day. There is only the first volume. Why is that? You can look for the answer in the Psychosophical Lectures: Franz Brentano had to come to a standstill; he could not proceed at all. He outlined quite nicely what the next sections were supposed to cover. He even wanted to provide a perspective from the “I” toward spiritual life and from there into immortality. All of that was laid out. But he got stuck! For this would have required incorporating, from the other side, the current of occult research, so that the flow of soul phenomena could have been observed from the perspective of occult research.

[ 43 ] Da haben Sie den Tatsachenbeweis: Franz Brentano lebte als ein Kind unserer Zeit. Er fing an, die Tatsachen zu gruppieren, die Sie auf dem physischen Plan finden. Aber er blieb stecken, konnte nicht weiter. Er lebt heute als ein alter Herr in Florenz. So wird alles in unserer Zeit steckenbleiben müssen, wenn es auf die Wirklichkeit losgehen will. Selbstverständlich kann man Psychologien schreiben, wie zum Beispiel Lipps und Wundt; aber das sind alles vorgefaßte Begriffe und keine Vorgänge, welche im Seelenleben wirklich geschehen, sondern die nur existieren in den vorgefaßten Meinungen der betreffenden Autoren. Gerade da, wo sie auf das psychologische Gebiet gehen, da dreschen sie - es ist nicht so böse gemeint, es soll nur deutlich ausgedrückt sein - nur leeres Stroh, selbst in der Völkerpsychologie oder Sprachenpsychologie. Und so würden alle Wissenschaften steckenbleiben, wenn nicht das, was von der andern Seite kommt, ihnen entgegenkommt.

[ 43 ] There you have the factual evidence: Franz Brentano lived as a child of our time. He began to group together the facts that you find on the physical plane. But he got stuck; he couldn’t go any further. Today he lives as an elderly gentleman in Florence. Thus, everything in our time will have to get stuck if it wants to tackle reality. Of course, one can write works on psychology, such as those by Lipps and Wundt; but these are all preconceived concepts and not processes that actually occur in the life of the soul, but rather exist only in the preconceived opinions of the authors in question. Precisely where they venture into the psychological realm, they thresh—and I don’t mean this in a malicious way, I just want to make it clear—nothing but empty straw, even in ethnic psychology or linguistic psychology. And so all the sciences would get stuck if what comes from the other side did not meet them halfway.

[ 44 ] Fassen Sie daher von dieser Seite das Gefühl auf, daß Sie sich durch Ihre eigenen Interessen hineingestellt haben in eine Bewegung, wo zu verstehen gesucht wird, was so recht die Mission der Zeit ist, und daß Ihr Vertrauen, Ihr Wissen und Glauben wachsen kann, wenn Sie dies so als eine karmische Tatsache auffassen, daß Sie sich sagen: Mein Karma hat mich dazugeführt, teilzunehmen an einem Kreuzungspunkt einer Zeitenströmung, und ich muß gerade aus dieser Erkenntnis Mut, Kraft und Zuversicht gewinnen, um energisch mitzuarbeiten auf diesem Gebiet! Und fruchtbar muß diese Arbeit sein, weil sie von der Notwendigkeit des Menschheitsfortschrittes gefördert wird. Und wenn ich selber mitwirken kann, so werde ich selbst Gelegenheit nehmen, eine so selbstlose Arbeit jetzt oder in einem späteren Leben in der Zukunft zu wirken, welche der Weiterentwickelung der ganzen Menschheit dienen kann. — Und damit kommen wir zu dem größten Ideal, das derjenige fühlen kann, der an den Geist glaubt. Dieses Ideal fassen Sie nicht bloß als ein abstraktes Ideal auf, sondern gewinnen Sie es durch das immer wieder stetige Zurückkehren zu unserer geisteswissenschaftlichen Arbeit, wozu ja in unseren Versammlungen hinreichend Gelegenheit geboten ist. Und versuchen Sie mitzunehmen das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu dieser Arbeit. Habe ich etwas dazu getan, was dieses Gefühl Ihnen in die Seele geben kann, dann habe ich Ihnen den Gruß mitgegeben in die Heimat, denen, die sich jetzt an die einzelnen Orte ihrer Heimat zerstreuen. Nehmen Sie diesen Gruß mit als einen Ausfluß der Kraft des Zusammenhaltes, der bestehen soll zwischen allen Gliedern unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung. Fühlen Sie dies, auch wenn wir nicht räumlich zusammen sind, und versuchen Sie aus unserem räumlichen Zusammensein, wenn wir uns wieder in die Welt zerstreuen, Mut, Zuversicht und Energie zu schöpfen, so wie sie jetzt charakterisiert worden sind.

[ 44 ] Therefore, take from this page the sense that, through your own interests, you have placed yourself within a movement that seeks to understand what the true mission of our time is, and that your trust, knowledge, and faith can grow if you accept this as a karmic fact—telling yourself: My karma has led me to participate at a crossroads of the currents of time, and it is precisely from this realization that I must draw courage, strength, and confidence to work energetically in this field! And this work must be fruitful because it is driven by the necessity of human progress. And if I myself can contribute, I will seize the opportunity to perform such selfless work—whether now or in a future life—that can serve the further development of all humanity. — And with that, we come to the greatest ideal that anyone who believes in the spirit can feel. Do not regard this ideal merely as an abstract one, but gain it through your constant and repeated return to our spiritual scientific work—for which, after all, ample opportunity is provided in our gatherings. And try to carry with you the sense of belonging to this work. If I have done anything that can instill this feeling in your souls, then I have given you this greeting to take back home to those who are now dispersing to their respective places of residence. Take this greeting with you as an expression of the power of unity that should exist among all members of our spiritual science movement. Feel this, even when we are not physically together, and try to draw courage, confidence, and energy from our physical togetherness—even as we disperse back into the world—just as these qualities have now been described.