Macrocosm and Microcosm
The Greater and the Lesser World Questions
of the Soul, Life, and Spirit
GA 119
21 March 1910, Vienna
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Macrocosm and Microcosm, tr. SOL
Der Kreislauf Des Menschen Durch Die Sinnen-, Seelen- Und Geisteswelt
The Human Cycle through the Worlds of the Senses, Soul, and Spirit
öffentlicher vortrag
A public lecture
[ 1 ] Der Vortrag vom letzten Donnerstag war dazu bestimmt, die Wege zu charakterisieren, durch die der Mensch in die geistigen Welten hineingelangen kann, und es wurde versucht zu zeigen, wie schon eine gewöhnliche Beobachtung der aufeinanderfolgenden Erscheinungen unseres Lebenslaufes zwischen der Geburt und dem Tode Gesetze, große Gesetze zeigt, welche auf eine hinter der physischen Welt liegende geistige Welt weisen, und es wurde skizzenhaft charakterisiert, wie dann der Mensch selber in diese geistige Welt hineingelangen kann.
[ 1 ] Last Thursday’s lecture was intended to describe the paths through which human beings can enter the spiritual worlds, and an attempt was made to show how even a simple observation of the successive events in the course of our lives between birth and death reveals laws—great laws—that point to a spiritual world lying beyond the physical world; and a rough outline was provided of how human beings themselves can then enter this spiritual world.
[ 2 ] Heute soll in großen Umrissen ein Kapitel aus jenen Erkenntnissen besprochen werden, welche der Geistesforscher auf dem vorgestern charakterisierten Wege erlangen kann. In noch höherem Grade natürlich als in dem vorgestrigen Vortrage könnte alles heute Gesagte wie eine Art Phantasterei betrachtet werden. Nach den Auseinandersetzungen von vorgestern darf aber wohl vorausgesetzt werden, daß? das heute einfach in Form einer schlichten Erzählung Vorzubringende als eine Summe von Forschungsresultaten angesehen werde, welche sich durch die Betrachtung der’ höheren Welten eben ergeben. Also einfach schlicht erzählt soll heute werden, was der Mensch an Erlebnissen hat, wenn er nach dem Tode durch die verschiedenen Welten fortschreitet, durch die er zu gehen bestimmt ist.
[ 2 ] Today we shall discuss, in broad outlines, a chapter from those insights that the spiritual researcher can attain through the method described the day before yesterday. To an even greater degree, of course, than in the lecture given the day before yesterday, everything said today could be regarded as a kind of fantasy. However, following the discussions from the day before yesterday, it may safely be assumed that what is to be presented today—simply in the form of a straightforward narrative—will be regarded as a summary of research findings that arise precisely from the observation of the higher worlds. So today, I shall simply recount the experiences a person has as they progress after death through the various worlds through which they are destined to pass.
[ 3 ] Der Anfang soll gemacht werden an demjenigen Punkte der menschlichen Lebensentwickelung, an welchem der Mensch steht, wenn er durch die Pforte des Todes schreitet, wenn er also in der Art, wie das gestern charakterisiert worden ist, seinen physischen Leib ablegt und in ein anderes, in ein geistiges Dasein aufsteigt. Dasjenige, was der Mensch zunächst erlebt unmittelbar beim Durchschreiten der Todespforte, nach dem Ablegen des physischen Körpers, das soll zunächst ins Auge gefaßt werden.
[ 3 ] We must begin at that point in human development where a person stands when he passes through the gate of death—that is, when, as described yesterday, he sheds his physical body and ascends into another, spiritual existence. What a person first experiences immediately upon passing through the gate of death, after shedding the physical body, is what we shall consider first.
[ 4 ] Der erste Eindruck, den unser astralischer Leib und unser Ich haben, nachdem der Tod des Menschen eingetreten ist, ist dieser, daß der Mensch zurückblicken kann auf sein eben verflossenes Leben, das zwischen der Geburt und dem Tode abgelaufen ist, zurückblicken kann in einem umfassenden Erinnerungstableau. Die einzelnen Ereignisse des letzten Lebens, die längst dem geistigen Blick entschwunden sind, treten sozusagen mit allen Einzelheiten an diesem wichtigen Wendepunkte des Lebens vor die Seele hin. Und wenn wir uns fragen: Wie ist so etwas möglich? — dann können wir dasjenige, was sich dem hellsichtigen Auge darbietet, uns wenigstens dadurch begreiflich machen, daß wir hinweisen auf jene allbekannten Augenblicke des Lebens, von denen diejenigen erzählen, die einmal in Lebensgefahr waren, etwa bei einem Absturz in den Bergen oder wenn sie dem Ertrinken nahe waren. Sie erzählen, daß ihnen in einem solchen Augenblicke das ganze verflossene Leben wie in einem großen Gemälde vor Augen stand. Was so erzählt wird, kann von der Geisteswissenschaft durchaus bestätigt werden.
[ 4 ] The first impression that our astral body and our “I” have after a person’s death is that the person can look back on the life that has just passed—the life that unfolded between birth and death—and see it as a comprehensive tableau of memories. The individual events of the past life, which have long since vanished from the spiritual gaze, appear before the soul, so to speak, in all their details at this important turning point in life. And when we ask ourselves: How is such a thing possible? — then we can at least make sense of what presents itself to the clairvoyant eye by pointing to those well-known moments in life described by people who have once been in mortal danger, such as during a fall in the mountains or when they were close to drowning. They recount that in such moments, their entire past life appeared before their eyes as if in a great painting. What is recounted in this way can certainly be confirmed by Spiritual Science.
[ 5 ] Woher kommt es denn, daß dem Menschen in einem solchen Augenblicke das ganze verflossene Leben wie in einem großen Gemälde vor Augen steht? Das kommt davon her, daß dasjenige, was man vom Menschen mit physischen Augen sehen, mit physischen Händen greifen kann, was man also den physischen Leib des Menschen nennt, durchzogen und durchtränkt ist von dem Äther- oder Lebensleib. Es ist dies das zweite und zwar schon ein unsichtbares Glied der menschlichen Wesenheit, das den physischen Leib in der Zeit zwischen der Geburt und dem Tode daran hindert, den ihm eingepflanzten physischen, physikalischen und chemischen Kräften und Gesetzen zu folgen. Sozusagen unser treuer Kämpfer gegen den Zerfall des physischen Körpers ist dieser Äther- oder Lebensleib, dieser zweite Leib des Menschen.
[ 5 ] How is it, then, that at such a moment a person’s entire past life appears before their eyes as if in a great painting? This is because that which can be seen with physical eyes and grasped with physical hands—what is called the physical body—is permeated and imbued with the etheric or Life-Body. This is the second—and indeed already invisible—component of the human being, which, in the time between birth and death, prevents the physical body from following the physical, physiological, and chemical forces and laws implanted within it. This etheric or Life-Body, this second body of the human being, is, so to speak, our faithful fighter against the decay of the physical body.
[ 6 ] Nun kann es ja verständlich sein, daß für einen physischen Blick, daß für die physische Wissenschaft mit dem Eintritte des Todes auch die gesamte menschliche Wesenheit diesem Tode verfallen scheint; denn dasjenige, was durch die Pforte des Todes hindurchschreitet, das dann jene Eindrücke hat, die eben geschildert werden sollen, das ist nur für eine geistige Erkenntnis, nur für ein hellsichtiges Auge vorhanden. Alles dasjenige aber, was nur für die geistige Erkenntnis vorhanden ist, muß notwendigerweise dem physischen Blick als ein Nichts erscheinen.
[ 6 ] Now, it may well be understandable that, from a physical perspective—that is, from the standpoint of physical science—the entire human being appears to succumb to death upon its onset; for that which passes through the gateway of death—and which then experiences the impressions that are about to be described—exists only for spiritual perception, only for a clairvoyant eye. But everything that exists only for spiritual perception must necessarily appear as nothing to the physical eye.
Nichts wirst du sehn in ewig leerer Ferne,
Den Schritt nicht hören, den du tust,
Nichts Festes finden, wo du ruhst!
You will see nothing in the eternally empty distance,
You will not hear the steps you take,
You will find nothing solid where you rest!
[ 7 ] So sagt Mephistopheles im Goetheschen «Faust». Ewig wird es ja so sein. Diese Charakteristik zeigt in Mephistopheles den Vertreter einer Weltanschauung, die nur auf das äußere, physische Dasein geht und in allem, was jenseits dieses physischen Daseins durch gerstige Erkenntnis zu erreichen ist, ein Nichts erblickt. Ewig wird aber auch derjenige, der eine Ahnung und eine Erkenntnis davon hat, daß im Menschenwesen Kräfte schlummern, die so entwickelt werden können, daß geistige Welten in diese menschliche Seele hereinbrechen, wie Licht und Farbe in das operierte Auge des Blindgeborenen hereinbrechen, ewig wird diese menschliche Seele, die von solcher höherer Erkenntnis etwas ahnt, dem Materialismus die Worte erwidern, die Faust dem Mephistopheles erwidert:
[ 7 ] So says Mephistopheles in Goethe’s Faust. It will indeed be so forever. This characterization reveals Mephistopheles as the representative of a worldview that focuses solely on external, physical existence and regards as nothingness everything that lies beyond this physical existence and can be attained through spiritual knowledge. But eternal, too, will be the one who has a sense and an understanding that powers lie dormant within the human being, which can be developed in such a way that spiritual worlds burst into this human soul, just as light and color burst into the operated eye of one born blind; eternal will be this human soul that senses something of such higher knowledge, and it will reply to materialism with the words that Faust replies to Mephistopheles:
In deinem Nichts hoff’ ich das All zu finden.
In your nothingness, I hope to find the universe.
[ 8 ] Wie Faust im Nichts das All zu finden hofft, so müssen wir auch zu dem Nichts der materialistischen Gesinnung und Anschauung gehen, wenn wir dasjenige ergreifen wollen, was durch die Pforte des Todes hindurchgeht und dann seine Eindrücke hat, wenn keine physischen Werkzeuge, keine physischen Organe mehr da sind, durch die eine äußere Welt vermittelt werden kann. Dieses Nichts des Materialisten, dieses Grundwesen der menschlichen Natur für den spirituellen Blick, das hat jenes gewaltige Erinnerungstableau vor sich, in dem eingeschlossen sind alle einzelnen Erlebnisse des letzten Daseins, ebenso, ja in höherem Sinne eingeschlossen sind als nach jenem Schock, den ein Mensch erlebt, wenn er in Lebensgefahr schwebt, wenn er etwa dem Ertrinken nahe ist. Was ist denn eigentlich geschehen mit einem Menschen, der vor einer Lebensgefahr steht? Durch den Schock, den er erlitten hat, ist sein Äther- oder Lebensleib für eine kurze Weile gelockert worden aus seinem physischen Leibe heraus. Nun ist aber dieser Äther- oder Lebensleib beim Menschen — ausdrücklich sei es gesagt: beim Menschen — der Träger auch der Erinnerung, des Gedächtnisses, und im gewöhnlichen Leben, wenn dieser Äther- oder Lebensleib eingeschaltet ist dem physischen Leib, dann ist der physische Leib wie eine Art Hemmnis, wie eine Art Hindernis für das Herausheben aller einzelnen Erinnerungen, aller einzelnen Gedächtnisvorstellungen. Wenn aber der Äther- oder Lebensleib durch einen solchen Schock für eine kurze Weile aus dem physischen Leib herausgehoben ist, dann tritt das ganze Leben in einem Erinnerungsgemälde vor die Seele, und wir haben dann bei einem solchen Menschen in dem Momente des Ertrinkens durchaus eine Art von Analogon zu demjenigen, was unmittelbar nach dem Tode da ist, wenn der Äther- oder Lebensleib mit allen seinen Kräften frei geworden ist, da ja der physische Leib im Tode abgelegt ist.
[ 8 ] Just as Faust hopes to find the universe in nothingness, so too must we turn to the nothingness of materialistic thinking and perception if we wish to grasp that which passes through the gate of death and leaves its impressions even when there are no longer any physical instruments or organs through which an external world can be perceived. This “nothingness” of the materialist—this fundamental essence of human nature as seen by the spiritual gaze—has before it that mighty tableau of memories, in which all the individual experiences of the last life are contained, just as—indeed, in a higher sense—they are contained after that shock a person experiences when in mortal danger, when, for example, they are on the verge of drowning. What actually happens to a person facing mortal danger? Through the shock they have suffered, their etheric or Life-Body has been loosened from their physical body for a brief moment. Now, however, this etheric or Life-Body in human beings—let it be explicitly stated: in human beings—is also the bearer of memory, and in ordinary life, when this etheric or Life-Body is integrated with the physical body, the physical body acts as a kind of barrier, a kind of obstacle to the emergence of all individual memories, all individual mental images. But when the etheric or Life-Body is lifted out of the physical body for a brief moment by such a shock, then the entire life appears before the soul as a panorama of memories, and in such a person, at the moment of drowning, we have a kind of analogue to what occurs immediately after death, when the etheric or Life-Body, with all its powers, has been set free, since the physical body has been shed in death.
[ 9 ] Das ist das eine Erlebnis, nachdem der Mensch die Pforte des Todes durchschritten hat. Wir müssen es aber noch genauer charakterisieren. Dieses Erlebnis ist ganz eigentümlicher Art. Es ist nämlich diese Erinnerung nicht so, daß wir die Ereignisse des eben verflossenen Lebens genau in derselben Art erleben, wie wir sie im Leben durchgemacht haben. Im Leben machen auf uns die Ereignisse des Tages den Eindruck der Lust, den Eindruck der Freude, den Eindruck des Schmerzes, den Eindruck des Leides. In einer Weise treten sie an uns heran, daß wir mit ihnen Sympathie und Antipathie haben. Kurz, diese Ereignisse erregen unsere Gefühlswelt, spornen uns wohl auch an, unseren Willen, unsere Begierde in dieser oder jener Weise zu betätigen. Das alles, was Lust und Leid, Freude und Schmerz, was Sympathie und Antipathie ist, was Interesse an äußeren Erscheinungen des Daseins ist, alles das ist für jene Zeit, die eben jetzt besprochen worden ist, aus der menschlichen Seele wie ausgelöscht, und es steht das Erinnerungsbild da, wirklich wie ein Bild. Wenn wir ein Bild vor uns haben, eine Szene uns vorstellen, wo wir furchtbar leiden würden — wir ertragen sie objektiv, neutral, wenn sie uns im Bilde dargestellt wird. So aber tritt uns auch das Frinnerungsbild des ganzen Lebens vor die Seele: Wir erleben es ohne Teilnahme, die wir sonst im Leben gehabt haben.
[ 9 ] This is the experience one has after passing through the gate of death. But we must characterize it in even greater detail. This experience is of a very peculiar nature. For this recollection is not such that we relive the events of the life just passed in exactly the same way as we experienced them while alive. In life, the events of the day make an impression on us—an impression of pleasure, an impression of joy, an impression of pain, an impression of suffering. They approach us in such a way that we feel sympathy or antipathy toward them. In short, these events stir our emotions and spur us on to exercise our will and our desires in one way or another. All that constitutes pleasure and suffering, joy and pain, sympathy and antipathy—all that constitutes interest in the external manifestations of existence—is, for the period just discussed, as if erased from the human soul, and the image of memory stands there, truly like a picture. When we have a picture before us, when we create a mental image of a scene in which we would suffer terribly—we endure it objectively, neutrally, when it is presented to us in the picture. But in the same way, the memory of one’s entire life also appears before the soul: we experience it without the emotional involvement we otherwise had in life.
[ 10 ] Das ist das eine. Das andere ist, daß der Mensch nunmehr etwas erlebt unmittelbar nach dem Durchschreiten der Todespforte, mit dem er zwischen der Geburt und dem Tode nur in sehr geringem Maße bekannt geworden ist, wenn er nicht selber ein Geistesforscher geworden ist. Im Leben sind wir immer außerhalb der Dinge, außerhalb der Wesenheiten, die um uns herum sind. Die Tische, die Stühle sind außerhalb unser, die über das Feld ausgebreitete Pflanzenflora ist außerhalb unser. Der Eindruck unmittelbar nach dem Tode ist der, als ob unser Wesen sich ergießen würde über alles das, was außerhalb unser ist. Wir tauchen gleichsam in die Dinge unter, wir fühlen uns eins mit ihnen. Das Gefühl des Ausbreitens und -dehnens und -weitens der Seele tritt auf, ein Verschmelzen mit den Dingen, die in der äußeren Umgebung sind als Bilder. Dieses Erlebnis dauert — so zeigt uns die Geistesforschung mit denjenigen Methoden, von denen wir gesprochen haben — verschieden lang; allein es ist im allgemeinen ein kurzes Erlebnis nach dem Tode. Wir können heute sogar schon davon sprechen, nachdem genauere hellseherische Forschungen über diese Sache vorliegen, wie lange die Zeitdauer für den einzelnen Menschen je nach seiner Individualität ist. Sie wissen, daß verschiedene Menschen im normalen Lebenszustande verschieden lang sich wach erhalten können, wenn es sein muß, ohne daß sie übermannt werden vom Schlafe. Der eine Mensch kann meinetwillen drei, vier, fünf Tage wachen, der andere kann es nur durch sechsunddreißig Stunden und so weiter. Solange der Mensch im allgemeinen im normalen Zustand des Lebens durchschnittlich sich hat wach erhalten können, ohne daß er vom Schlafe niedergezwungen wurde, so lange ungefähr dauert auch durchschnittlich dieses Erinnerungstableau. Also es ist nach Tagen zu berechnen und ist für die verschiedenen Menschen verschieden.
[ 10 ] That is one thing. The other is that human beings now experience something immediately after passing through the gates of death—something with which they have become acquainted only to a very limited extent between birth and death, unless they have become spiritual researchers themselves. In life, we are always outside of things, outside of the beings that surround us. The tables and chairs are outside of us; the flora spread across the field is outside of us. The impression immediately after death is as if our being were pouring out over everything that is outside of us. We seem to immerse ourselves in things; we feel at one with them. A sense of the soul spreading out, expanding, and widening arises—a merging with the things that exist in the outer environment as images. This experience lasts—as spiritual research shows us using the methods we have discussed—for varying lengths of time; yet it is generally a brief experience following death. Today, based on more precise clairvoyant research into this matter, we can even speak of how long this experience lasts for each individual, depending on their personality. You know that, under normal circumstances, different people can remain awake for varying lengths of time, if necessary, without being overcome by sleep. One person might, for example, stay awake for three, four, or five days, while another might manage only thirty-six hours, and so on. On average, this flashback lasts approximately as long as a person has typically been able to stay awake in their normal state of life without being overcome by sleep. So it is calculated in days and varies from person to person.
[ 11 ] Dann, wenn dieses Erinnerungstableau zu Ende gegangen ist, wenn es allmählich verblaßt ist, denn es zeigt ein Nach-und-nach Dunkelwerden, da fühlt der Mensch so etwas, wie wenn sich in ihm zurückzögen gewisse Kräfte und etwas, was bisher in seiner Natur war, ausgestoßen würde. Dasjenige, was da ausgestoßen wird, ist nun ein zweiter Leichnam des Menschen, ein unsichtbarer Leichnam; es ist dasjenige im Menschen, was er von seinem Äther- oder Lebensleib nicht mitnehmen kann durch die folgenden Erlebnisse in der seelischen Welt. Während also der physische Leichnam vorher schon abgestoßen und zu seinen physischen Stoffen und Kräften zurückgekehrt ist, wird jetzt ausgepreßt der Äther- oder Lebensleib, der sich verteilt in diejenige Welt, die wir die Ätherwelt nennen, die nun wiederum ein Nichts ist für denjenigen, der allein materialistisch sehen und denken kann, die aber alles durchwebt und durchlebt für denjenigen, dessen geistige Augen geöffnet sind. Nun bleibt aber aus diesem ausgepreßten Äther- oder Lebensleib etwas zurück, was man bezeichnen kann als eine Essenz, als einen Extrakt alles dessen, was erlebt worden ist. Gleichsam die in einen Keim zusammengedrängten Erlebnisse des letzten Daseins zwischen Geburt und Tod, die bleiben nunmehr mit demjenigen, was der Mensch ist, vereint. Also die Frucht des letzten Lebens, zusammengedrängt, die bleibt bestehen.
[ 11 ] Then, when this tableau of memories has come to an end, when it has gradually faded—for it depicts a gradual descent into darkness—the person feels something as if certain forces were withdrawing from within them and something that had hitherto been part of their nature were being expelled. That which is cast out is now a second corpse of the human being, an invisible corpse; it is that part of the human being which he cannot take with him from his etheric or Life-Body through the subsequent experiences in the soul world. So while the physical corpse has already been shed and returned to its physical substances and forces, the etheric or Life-Body is now expelled; it disperses into the world we call the etheric world—a world that is nothing to those who can see and think only materialistically, but which permeates and animates everything for those whose spiritual eyes are open. Now, however, something remains from this expelled etheric or Life-Body that can be described as an essence, as an extract of everything that has been experienced. As it were, the experiences of the last existence—compressed into a seed between birth and death—now remain united with that which is the human being. Thus, the fruit of the last life, condensed, persists.
[ 12 ] Was hat nun der Mensch an sich im weiteren Verlaufe seines nachtodlichen Lebens? Der Mensch behält dasjenige, was wir den Träger seines Ichs, was wir sein Ich überhaupt nennen; aber eingehüllt ist dieses Ich zunächst von demjenigen, was wir als das dritte Glied der menschlichen Wesenheit nach dem physischen und dem Äther- oder Lebensleib charakterisiert haben, eingehüllt ist dieses Ich von dem astralischen Leib. Wir könnten sagen, daß der astralische Leib des Menschen der Träger ist von Lust und Leid, von Freude und Schmerz, von Trieben, Begierden und Leidenschaften. Von alle dem, was des Tags über also als Lust und Leid, als Triebe, Begierden und Leidenschaften durch unsere Seele zuckt, davon ist der astralische Leib-der Träger, und jede Nacht verlassen Ich und astralischer Leib den physischen und den Äther- oder Lebensleib des Menschen, die während des Schlafens im Bette liegen bleiben. Jetzt haben wir nach dem Tode vereint das Ich und den astralischen Leib mit jener Lebensessenz, von der wir eben sagen konnten, daß sie als Frucht oder Keim aus dem Äther- oder Lebensleib extrahiert worden ist. Mit diesen Gliedern seines Wesens tritt nun der Mensch weiter die Wanderung an durch die sogenannte seelische Welt. Wollen wir verstehen, was uns der geistige Blick des Menschen über diese Welt enthüllen kann, dann müssen wir zunächst uns klarmachen, daß dieser astralische Leib es ist, welcher der Träger ist von allem, was Genuß, was Lust, was Interesse an den Dingen um uns herum ist. Ja, der astralische Leib ist der Träger aller Genüsse, Begierden, aller Schmerzen und Leiden, auch der niedrigsten Begierden, der Begierden, die zum Beispiel mit unserer Ernährung verknüpft sind. Der physische Leib, er ist ein Gefüge von physischen und chemischen Kräften und Gesetzen. Der physische Leib ist es nicht, der Lust und Genuß empfindet gegenüber irgendwelchen Nahrungs- und Genufßmitteln, das ist der astralische Leib des Menschen. Der physische Leib gibt nur die Werkzeuge her, damit wir uns solche Genüsse, die im astralischen Leib sich abspielen, verschaffen können. Derjenige nun, der einen Begriff davon erhalten hat, daß dieser astralische Leib des Menschen etwas Reales, etwas Wirkliches ist, nicht bloß eine Funktion, ein Ergebnis des Zusammenwirkens der physischen und chemischen Vorgänge, der wird sich auch nicht wundern, wenn gesagt wird, daß in dem Augenblicke des Todes, wenn der physische Leib abgelegt ist, der astralische Leib nicht gleich die Sehnsucht nach den Genüssen verliert. Das tut er in der Tat nicht. Nehmen wir einen krassen Fall, meinetwillen einen Menschen, der im Leben ein Feinschmecker war, der Genuß gehabt hat an leckeren Speisen. Was ist mit dem Tode für ihn eingetreten? Die Möglichkeit hat er verloren — weil er die physischen Werkzeuge abgelegt hat —, sich die Genüsse in seinem astralischen Leib zu verschaffen. Aber die Begierde nach diesen Genüssen ist in seinem astralischen Leib verblieben. Die Folge davon ist, daß der Mensch nunmehr in bezug auf diese Genüsse in derselben Lage ist — wenn auch durch andere Gründe —, in der er etwa wäre, wenn er im physischen Leben in einer Gegend ist, wo er brennenden Durst leidet und weit und breit nichts ist, was diesen Durst löschen kann. Nach dem Tode leidet der astralische Leib einen brennenden Durst, weil die physischen Organe nicht da sind, durch die dieser Durst befriedigt werden kann. Die Werkzeuge sind abgelegt, aber die Begierde nach diesen Genüssen ist im astralischen Leib verblieben. Die Folge davon ist, daß der Mensch nunmehr in bezug auf diese Genüsse in derselben Lage ist, der astralische Leib leidet einen brennenden Durst. Im astralischen Leib sind noch alle jene Triebe, Begierden und Leidenschaften, die nur durch die physischen Werkzeuge befriedigt werden können. Daher ist begreiflich, einfach aus dieser logischen Erwägung heraus, was der Geistesforscher auf diesem Gebiet sagen muß: Der Mensch macht, nachdem er seinen Äther- oder Lebensleib abgelegt hat, eine Zeit durch, in der er sich in bezug auf sein innerstes Wesen abgewöhnen muß alle Sehnsuchten, alle Begierden, welche nur durch die physischen Werkzeuge des physischen Leibes befriedigt werden können. — Das ist die Zeit der Läuterung, der Reinigung, in der ausgerissen werden müssen aus dem astralischen Leib alle Sehnsuchten nach irgend etwas, was dem Menschen nur verschafft werden kann dadurch, daß er seine physischen Werkzeuge in Tätigkeit versetzt.
[ 12 ] What, then, does a human being retain as they continue on in their life after death? A human being retains what we call the bearer of their “I,” what we call their “I” in the first place; but this “I” is initially enveloped by what we have characterized as the third member of the human being after the physical body and the Life-Body; this “I” is enveloped by the astral body. We could say that the human being’s astral body is the bearer of pleasure and suffering, of joy and pain, of instincts, desires, and passions. Of all that which flits through our soul during the day as pleasure and pain, as instincts, desires, and passions—the astral body is the bearer of it all; and every night, the “I” and the astral body leave the human physical and etheric, or Life-Body, which remain in bed during sleep. Now, after death, we have united the “I” and the astral body with that life essence which we have just described as having been extracted from the etheric or Life-Body as a fruit or seed. With these components of his being, the human being now continues his journey through the so-called spiritual world. If we wish to understand what the human being’s spiritual vision can reveal to us about this world, we must first realize that it is this astral body that is the bearer of everything that constitutes pleasure, delight, and interest in the things around us. Yes, the astral body is the vessel of all pleasures, desires, all pains and sufferings—even the basest desires, such as those connected, for example, with our nutrition. The physical body is a structure governed by physical and chemical forces and laws. It is not the physical body that experiences pleasure and enjoyment in relation to any food or stimulants—that is the astral body of the human being. The physical body merely provides the tools so that we can obtain such pleasures, which take place within the astral body. Now, anyone who has come to understand that this astral body of the human being is something real, something genuine—not merely a function or a result of the interplay of physical and chemical processes—will not be surprised to hear that at the moment of death, when the physical body is shed, the astral body does not immediately lose its longing for such pleasures. In fact, it does not. Let us take an extreme case—for example, a person who was a gourmet in life, who took pleasure in delicious food. What has happened to him with death? He has lost the ability—because he has shed his physical instruments—to procure these pleasures in his astral body. But the craving for these pleasures has remained in his astral body. The result is that, with regard to these pleasures, the person is now in the same situation—albeit for different reasons—as he would be, for example, if he were in a region during his physical life where he suffered from a burning thirst and there was nothing far and wide that could quench it. After death, the astral body suffers from a burning thirst because the physical organs through which this thirst can be satisfied are no longer present. The physical instruments have been cast off, but the craving for these pleasures has remained in the astral body. The consequence of this is that the human being is now in the same situation with regard to these pleasures; the astral body suffers from a burning thirst. The astral body still contains all those drives, cravings, and passions that can be satisfied only through the physical instruments. Therefore, simply based on this logical consideration, it is understandable what the spiritual researcher must say in this regard: After shedding his etheric or Life-Body, a person goes through a period in which, with regard to his innermost being, he must wean himself from all longings and desires that can be satisfied only through the physical instruments of the physical body. — This is the time of purification, during which all longings for anything that can be obtained only by setting one’s physical instruments in motion must be eradicated from the astral body.
[ 13 ] Wir werden es begreiflich finden, daß wiederum, je nach der Individualität des Menschen, die Zeit verschieden sein wird, die durchgemacht werden muß behufs dieser Läuterung, behufs dieses Ausrerßens der Begierden, die nur nach der physischen Welt gehen. Der Mensch macht aber auch diese Zeit so durch, daß sie nicht etwa bloß nach Tagen zählt, sondern daß sie nach den Forschungen der Gersteswissenschaft ungefähr ein Drittel des Lebens in der physischen Welt in Anspruch nimmt, das zwischen Geburt und Tod verlaufen ist. Es ist das begreiflich für denjenigen, der tiefer hineinzublicken vermag, daß die Läuterungszeit ungefähr ein Drittel der Lebenszeit in Anspruch nimmt. Wenn man das menschliche Leben überblickt, so findet man, daß dieses menschliche Leben zwischen Geburt und Tod deutlich zerfällt in drei Drittel. Das erste Drittel des Lebens ist dazu da, daß sich die durch die Geburt ins Dasein tretenden Anlagen und Fähigkeiten des Menschen hindurcharbeiten durch die Hindernisse der physischen Welt. Eine Art aufsteigenden Lebens ist im ersten Drittel vorhanden. Der Mensch ergreift allmählich als geistiges Wesen Besitz von seinen physischen Organen. Dann kommt das nächste Lebensdrittel, das ungefähr dauert vom 21. bis zum 42. Lebensjahre durchschnittlich. Das erste dauert bis zum 21. Lebensjahr. Dieses zweite Lebensdrittel nimmt in Anspruch die Entwickelung all derjenigen Kräfte, die der Mensch dadurch entfalten kann, daß er mit seinem Innern, mit seinem Seelischen in Wechselwirkung tritt mit der Außenwelt. Da hat er bereits die Organe seines physischen und Äther- oder Lebensleibes plastisch gestaltet, da hat er an ihnen kein Hindernis mehr. Er ist ausgewachsen. Sein Seelisches tritt in unmittelbare Beziehung zur Außenwelt. Das dauert so lange, bis der Mensch beginnen muß, wiederum zu zehren von seinem physischen und Äther- oder Lebensleib, und das geschieht dann für die übrige Zeit seines Lebens. Da saugt der Mensch nach und nach wiederum auf dasjenige, was er plastisch gestaltet hat in seiner Jugend. Wir konnten darauf aufmerksam machen, welcher wunderbare Zusammenhang zwischen Jugend und Alter besteht. Wenn während derjenigen Zeit, während welcher das innere menschliche Wesen plastisch gestaltet an den Organen des Menschen, der Mensch gewisse Eigenschaften sich aneignet, wenn er in dieser Zeit in der Seele überwunden hat mancherlei Zornesregungen, wenn er durchgemacht hat dasjenige, was wir das Gefühl der Andacht nennen, so kommt das gerade im letzten Drittel des Lebens in seiner Wirkung zum Ausdruck. Es geht das im mittleren Drittel wie in einem verborgenen Strom dahin. Und dasjenige, was wir überwundenen Zorn nennen, kommt im Alter als gerechte Milde zum Vorschein, so daß im überwundenen Zorn die Ursache liegt zur Milde. Und aus der Stimmung der Andacht, die wir hegen in jungen Jahren, kommt am Ende des Lebens jene Eigenschaft, die wir erblicken an denjenigen Menschen, die in eine Gemeinschaft treten können, und ohne daß "sie viel sagen, wie segnend wirken.
[ 13 ] We will find it understandable that, once again, depending on a person’s individuality, the time that must be endured for the sake of this purification—for the sake of this purging of desires directed solely toward the physical world—will vary. However, a person experiences this period in such a way that it is not merely counted in days, but—according to the findings of spiritual science—takes up approximately one-third of the life in the physical world that has elapsed between birth and death. It is understandable to those who are able to look more deeply into the matter that the period of purification takes up approximately one-third of one’s lifetime. When one surveys human life, one finds that this human life between birth and death is clearly divided into three thirds. The first third of life is intended for the human being’s innate dispositions and abilities, which enter into existence at birth, to work their way through the obstacles of the physical world. A kind of ascending life is present in the first third. As a spiritual being, the human being gradually takes possession of his or her physical organs. Then comes the next third of life, which lasts, on average, from the age of 21 to 42. The first third lasts until the age of 21. This second third of life is devoted to the development of all those powers that a person can unfold by bringing their inner being—their soul—into interaction with the external world. By this point, they have already malleably shaped the organs of their physical and etheric—or Life-Body—body; these no longer present any obstacle. They are fully grown. Their soul enters into a direct relationship with the external world. This continues until the human being must once again begin to draw sustenance from their physical and etheric—or Life-Body—and this then continues for the remainder of their life. Gradually, the human being draws upon once again what they had plastically shaped in their youth. We have been able to draw attention to the wonderful connection that exists between youth and old age. If, during that period in which the inner human being is plastically shaped through the human organs, a person acquires certain qualities; if, during this time, they have overcome various outbursts of anger in their soul; if they have experienced what we call the feeling of devotion—then this finds expression precisely in the last third of life. This flows through the middle third of life like a hidden current. And what we call overcome anger manifests in old age as righteous gentleness, so that the cause of gentleness lies in the overcome anger. And from the mood of devotion that we cultivate in our younger years comes, at the end of life, that quality we see in those people who are able to enter into a community and, without “saying much, have a blessing-like effect.”
[ 14 ] Deutlich ist des Menschen Leben in drei Drittel geteilt. Im ersten Drittel arbeitet sich der Mensch hin zu seinem physischen Leib, im letzten Lebensdrittel zehrt er wiederum am physischen Leib; im mittleren Lebensdrittel ist sozusagen das Seelische sich selbst überlassen. Dieser mittleren Zeit nun muß auch, wie es begreiflich scheinen kann, die Läuterungszeit nach dem Tode entsprechen. Da ist ja die Seele frei vom physischen Leib und Äther- oder Lebensleib und steht zu ihrer geistigen Umgebung in einem ähnlichen Verhältnis wie im zweiten Lebensdtrittel.
[ 14 ] It is clear that a person’s life is divided into three parts. In the first part, a person works to develop their physical body; in the last part, they in turn draw upon their physical body; in the middle part, the soul is, so to speak, left to its own devices. This middle period, as one might expect, must correspond to the period of purification after death. For then the soul is free from the physical body and the etheric or Life-Body and stands in a relationship to its spiritual surroundings similar to that in the second third of life.
[ 15 ] Was der Geistesforscher zu sehen vermag, das können wir uns logisch begreiflich machen, wenn wir einen Blick auf das gewöhnliche Leben werfen. Wir können verstehen, daß die angegebene Zeit eine Durchschnittszahl ist, bei dem einen Menschen die Zeit der Läuterung länger dauern wird, bei dem andern kürzer. Länger wird sie bei demjenigen dauern, der mit all seinen Leidenschaften hingegeben ist an das bloß sinnliche Dasein, der kaum etwas anderes kennt als die Befriedigung durch jene Genüsse, die an die physischen Organe des Leibes gebunden sind. Wer aber im gewöhnlichen Leben durch ein Eindringen in die Kunst, durch die Erkenntnis schon hindurchzuschauen vermag auf dasjenige, was durch den Schleier des Physischen hindurchdringt an geistigen Geheimnissen des Daseins, wer auch nur ahnend die Offenbarungen des Geistes durch den Schleier des Physischen ergreift, für den wird die Läuterungszeit kürzer dauern, denn er wird vorbereitet durch die Pforte des Todes gehen, vorbereitet für alles dasjenige, was eben nur aus der geistigen Welt an Befriedigung kommen kann.
[ 15 ] We can logically understand what the spiritual researcher is able to see by taking a look at everyday life. We can understand that the time given is an average figure; for some people, the period of purification will last longer, for others, shorter. It will last longer for those who, with all their passions, are devoted to a purely sensual existence, who know hardly anything other than the satisfaction derived from those pleasures bound to the physical organs of the body. But for those who, in ordinary life, through an immersion in art or through insight, are already able to glimpse what penetrates through the veil of the physical—the spiritual mysteries of existence—and who, even if only intuitively, grasp the revelations of the spirit through the veil of the physical, for them the period of purification will be shorter, for they will pass through the gate of death prepared—prepared for all that can come as fulfillment solely from the spiritual world.
[ 16 ] Hier haben wir also eine Zeit, die der Mensch durchlebt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, die sich wesentlich unterscheidet von der nach Tagen zählenden Zeit unmittelbar nach dem Tode. Während wir in dieser nach Tagen zählenden Zeit ein neutrales Erinnerungstableau haben, dem gegenüber all unser Interesse und unsere Teilnahme verstummen, haben wir gerade in der Läuterungszeit alles dasjenige in unserer Seele, was uns durch Sehnsucht nach Genuß, durch Sehnsucht nach Begierde hingezogen hat zu unseren Erlebnissen. Gerade das Gefühlsleben, das Empfindungsleben, das ist es, was da in der Seele abläuft während dieser Läuterungszeit.
[ 16 ] Here, then, we have a period that a person experiences between death and a new birth, which differs significantly from the time counted in days immediately following death. While during this period—measured in days—we have a neutral tableau of memories before which all our interest and involvement fall silent, it is precisely during the period of purification that we have within our soul everything that has drawn us to our experiences through a longing for pleasure and a longing for desire. It is precisely the emotional life, the life of sensation, that unfolds within the soul during this period of purification.
[ 17 ] Nun zeigt uns aber allerdings die Geistesforschung eine merkwürdige Eigentümlichkeit dieser Läuterungszeit. So sonderbar es klingt, es ist doch wahr: Diese Läuterungszeit verläuft nämlich von rückwärts nach vorne, so daß wir den Eindruck haben, daß wir das letzte Jahr unseres physischen Lebens zuerst, dann das vorletzte, das drittletzte nachher durchleben. Und wir durchleben also, uns läuternd, uns reinigend, unser Leben wie in einem Spiegelbild, wir durchlaufen es so, daß es erscheint, als ob es von dem Tode bis zur Geburt gehen würde, und am Ende der Läuterungszeit stehen wir im Moment der Geburt. Zuerst das Alter, dann das mittlere Alter, bis zurück zur Kindheitszeit durchlaufen wir das Leben.
[ 17 ] However, spiritual research reveals a curious characteristic of this period of purification. As strange as it sounds, it is nevertheless true: this period of purification proceeds backward to forward, so that we have the impression that we first experience the last year of our physical life, then the penultimate, and finally the third-to-last. And so, as we purify and cleanse ourselves, we relive our lives as if in a mirror image; we pass through it in such a way that it appears as if it were moving from death to birth, and at the end of the period of purification, we stand at the moment of birth. First old age, then middle age—we pass through life all the way back to childhood.
[ 18 ] Nun braucht sich niemand zu denken, daß dies durchaus nur eine schreckliche Zeit ist, nur eine solche Zeit, in der man brennenden Durst erlebt, in der man Sehnsuchten durchmacht. Das alles ist gewiß da; aber es ist nicht das einzige. Wir durchleben auch alles dasjenige, was wir zwischen der Geburt und dem Tode schon an Geistigem durchgemacht haben, wir durchleben auch die guten Ereignisse des Lebens so, daß wir sie gleichsam im Spiegelbild wiederum vor uns haben. Wie das ist, wird uns gleich vor die Seele treten, indem wir diese Zeit noch genauer betrachten. Nehmen wir an, ein Mensch wäre im 60. Lebensjahre gestorben. Dann durchlebt er zuerst das 59., dann das 58., das 57. Lebensjahr und so weiter; er durchlebt nur alles rückwärtslaufend in einer Art von Spiegelbild. Das bleibt nämlich, daß wir uns fühlen wie über die Dinge und Wesenheiten der Welt ergossen, wie in allen Wesenheiten und Dingen darinnen. Nehmen wir nun die Tatsache, daß wir in einem Leben, das also bis zum 60. Jahre gedauert hat, im 40. Jahre jemandem eine Beleidigung zugefügt hätten. Da durchleben wir also zwanzig Jahre mit einer dreifachen Geschwindigkeit zurück. Wenn wir beim 40. Jahre angekommen sind, dann durchleben wir jenen Schmerz, den wir dem andern zugefügt haben, aufs neue, aber wir erleben nicht dasjenige, was wir damals durchgemacht hatten, sondern dasjenige, was der andere durchgemacht hatte. Wenn wir aus einem Rachegefühl oder aus einer Zornesaufwallung heraus jemandem Schmerz zugefügt haben und wir dann nach dem Tode, rückwärtsschauend, zu diesem Momente kommen, dann fühlen wir nicht unsere Befriedigung, die wir durchgemacht haben, sondern dasjenige, was der andere erlebt hat. Wir sind im Geiste in ihn hineinversetzt. Und so ist es mit allem, was wir im Rückwärtswandern durchleben. Wir durchleben alles dasjenige, was wir an Wohltaten, was wir an Guttaten im Leben ausgestreut haben, in den wohltätigen Wirkungen, die es in unserer Umgebung verursacht hat.
[ 18 ] Now, no one need think that this is merely a terrible time, merely a time in which one experiences a burning thirst, in which one endures longings. All of that is certainly present; but it is not the only thing. We also relive everything we have already experienced spiritually between birth and death; we also relive the good events of life in such a way that we have them before us again, as it were, in a mirror image. How this works will become clear to us as we examine this time more closely. Let us suppose a person died at the age of 60. Then he first relives his 59th year, then his 58th, his 57th, and so on; he simply relives everything in reverse, as it were, in a kind of mirror image. For the fact remains that we feel as though we are poured out over the things and beings of the world, as though we are within all beings and things in it. Now let us consider the fact that, in a life that lasted until the age of 60, we might have insulted someone at the age of 40. In that case, we relive those twenty years in reverse at three times the speed. When we reach the age of 40, we relive the pain we inflicted on the other person, but we do not experience what we went through at that time; rather, we experience what the other person went through. If we caused someone pain out of a desire for revenge or a surge of anger, and then, after death, looking back, we come to that moment, we do not feel the satisfaction we experienced at the time, but rather what the other person experienced. We are spiritually transported into their perspective. And so it is with everything we relive as we journey backward. We relive all the acts of kindness and good deeds we have bestowed in life through the beneficial effects they have had on our surroundings.
[ 19 ] Dies durchleben wir mit jener Seele, die sich gleichsam ausgegossen fühlt in die ganze Umwelt. Das ist nicht ohne Wirkung, sondern der Mensch, indem er alles durchlebt, nimmt von all diesen Situationen des Durchlebens gewisse Marken, gewisse Eindrücke mit. Wir können dies etwa folgendermaßen charakterisieren. Aber ich bemerke ausdrücklich, daß man diese Dinge mit Worten eigentlich nur vergleichsweise charakterisieren kann, denn Sie können verstehen, daß unsere Worte geprägt sind für die physische Welt und eigentlich nur auf diese physische Welt im rechten Sinne anwendbar sind. Gebrauchen wir doch diese Worte — und wir könnten uns sonst ja nicht verständigen über all die geheimnisvollen Welten, die dem geistigen Auge sich erschließen —, dann müssen wir uns bewußt sein, daß diese Worte nur einen annähernden Sinn haben. Dasjenige, was da also durchlebt wird, kann nur so charakterisiert werden: Wenn der Mensch wahrnimmt den Schmerz, den er einem andern zugefügt hat, wenn er diesen Schmerz nach dem Tode nacherlebt, dann fühlt er ihn wie ein Entwickelungshemmnis. Er sagt sich etwa empfindend in seiner Seele: Was wäre ich geworden, wenn ich dem andern diesen Schmerz nicht zugefügt hätte? Dieser Schmerz ist etwas, was mein ganzes Wesen zurückhält von einem Grad von Vollkommenheit, den es sonst hätte erreichen können. — Und so sagt sich der Mensch bei allem, was er an Irrtum und Lüge, an Häßlichem verbreitet hat in seiner Umgebung: Das sind Entwickelungshindernisse, etwas, was ich mir selber in den Weg meiner Vervollkommnung gelegt habe. — Und daraus formt sich eine Kraft in der menschlichen Seele, die dahin geht, daß der Mensch in jenem Zustande, in dem er jetzt lebt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, aufnimmt die Sehnsucht, aufnimmt die Willensimpulse, diese Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Das heißt, Stück für Stück nehmen wir in der Rückwärtswanderung Impulse auf, im kommenden Leben das wieder gutzumachen, wiederum auszugleichen, was wir uns selber an Hindernissen in den Weg gelegt haben.
[ 19 ] We experience this with that soul which feels, as it were, poured out into the entire environment. This is not without effect; rather, as a person experiences everything, they take away certain impressions from all these situations of experience. We can characterize this roughly as follows. But I would like to emphasize that these things can really only be characterized in words by way of comparison, for you can understand that our words are shaped for the physical world and are actually only applicable to this physical world in the proper sense. Since we do use these words—and indeed, we could not otherwise communicate about all the mysterious worlds that open up to the spiritual eye—we must be aware that these words have only an approximate meaning. What is experienced in this context can only be described as follows: When a person perceives the pain they have inflicted on another, when they relive this pain after death, they feel it as an obstacle to their development. They might say to themselves, feeling it in their soul: What would I have become if I had not inflicted this pain on the other person? This pain is something that holds my entire being back from a degree of perfection that it might otherwise have attained. — And so, with regard to all the error and falsehood, all the ugliness that the person has spread in their surroundings, they say to themselves: These are obstacles to development, something I have placed in the path of my own perfection. — And from this a force takes shape within the human soul that leads the person, in the state in which they now live—between death and a new birth—to take on the longing, to take on the impulses of the will, to remove these obstacles from the path. That is to say, step by step, as we journey backward, we absorb impulses to make amends in the coming life and to once again compensate for the obstacles we ourselves have placed in our path.
[ 20 ] Daher dürfen wir uns auch nicht dem Glauben hingeben, daß dasjenige, was wir da durchmachen, bloß Leiden sei. Leid und Entbehrung ist es gewiß, und schmerzlich ist es, wenn wir all das auf unsere eigene Seele geladen sehen, was wir selber verursacht haben; aber wir erleben es doch so, daß wir froh sind, es erleben zu dürfen, weil wir nur dadurch jene Kraft aufnehmen können, die uns befähigt, jene Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Und so addieren sich zusammen alle diese Impulse, die wir während der Läuterungszeit aufnehmen, und wenn wir zurückgekommen sind bis zum Anfang unseres letzten Lebens, dann ist eine mächtige Summe da, die in uns als ein ungeheurer Drang lebt, in einem neuen Leben, in den folgenden Daseinsstufen alles dasjenige auszugleichen, was auszugleichen ist in dem charakterisierten Sinne. Mit der Kraft also, unseren Willen künftighin so zu entfalten, daß für alles Unrechte, Häßliche, Schlimme, das wir getan haben, der Ausgleich geschaffen wird, mit dieser Kraft sind wir ausgerüstet am Ende der Läuterungszeit. Das ist eine Kraft, von der der Mensch etwa eine Ahnung bekommen kann, wenn er sich durch eine weise Selbsterkenntnis damit bekanntmacht, welche Gewissensbisse es ihm verursacht, wenn er zurückdenkt an das, was er diesem oder jenem angetan hat. Aber alles das bleibt im Leben bloß Gedanke. Ein mächtiger Schaffensdrang wird es in der Läuterungszeit zwischen Tod und einer neuen Geburt. Und mit diesem Schaffensdrang ausgestattet geht der Mensch jetzt in ein neues Leben ein: in das eigentlich geistige Leben.
[ 20 ] Therefore, we must not give in to the belief that what we are going through is merely suffering. It is certainly suffering and deprivation, and it is painful to see all that we ourselves have caused weighing upon our own soul; yet we experience it in such a way that we are glad to be able to go through it, because only through this can we absorb the strength that enables us to remove those obstacles from our path. And so all these impulses that we absorb during the period of purification add up, and when we have returned to the beginning of our last life, there is a powerful sum that lives within us as an immense urge to make amends in a new life—in the subsequent stages of existence—for everything that needs to be made amends for in the sense described. Thus, at the end of the period of purification, we are equipped with the power to develop our will in the future in such a way that compensation is created for all the wrong, ugly, and evil things we have done. This is a power of which a person can gain some inkling when, through wise self-knowledge, they become acquainted with the pangs of conscience it causes them when they reflect on what they have done to this or that person. But all of this remains merely a thought in life. It becomes a powerful creative impulse during the period of purification between death and a new birth. And endowed with this creative impulse, the human being now enters a new life: the truly spiritual life.
[ 21 ] Wenn wir dieses geistige Leben, das der Mensch nach der Läuterungszeit betritt, verstehen wollen, dann können wir das auf die folgende Art. Es ist schwer, die ganz andersartigen Erlebnisse, welche der Geistesforscher hat, wenn er prüft das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, die ganz andersartigen wesenhaften Eindrücke, die sich mit nichts vergleichen lassen, was das Auge in der Sinnenwelt sehen und der an das Gehirn gebundene Verstand denken kann, einzufangen in die Worte unserer Sprache; aber man kann sich auf folgende Weise etwa eine Vorstellung von demjenigen verschaffen, was wie eine neue Welt dem Geistesforscher durch seinen Einblick in die geistige Welt aufgehen kann. Wenn Sie um sich sehen und begreifen wollen die Welt, wenn Sie verstehen wollen dasjenige, was um Sie herum ist, dann tun Sie das dadurch, daß Sie denken, daß Sie sich Vorstellungen bilden von den Dingen, die um Sie herum sind. Es wäre nun eine logisch absurde Vorstellung, wenn jemand denken würde, man könne Wasser aus einem Glas herausschöpfen, in dem keines drinnen ist. Genau so wäre es, wenn Sie sich vorstellen würden, daß Sie aus einer Welt Gedanken, Gesetze herausholen, herausschöpfen könnten, in der keine Gedanken, keine Gesetze darin sind. Alles menschliche Wissen, alle menschliche Erkenntnis wäre eitel Träumerei, wäre nichts anderes als eine Phantastik, wenn die Gedanken, die wir zuletzt in unserem Geist ausformen, nicht als Gedanken den Dingen schon zugrunde lägen, daß also die Dinge aus Gedanken herausgesprossen sind. Alle diejenigen, welche da glauben, daß die Gedanken nur etwas sind, was der menschliche Geist bildet, was nicht den Dingen zugrunde liegt als eigentliche Wirkens- und Schaffenskräfte der Dinge, die sollten nur gleich überhaupt alles Denken aufgeben; denn die Gedanken, die so gebildet würden, ohne daß sie einer äußeren Gedankenwelt entsprechen, die wären eitel Hirngespinste. Einzig und allein derjenige denkt real, der weiß, daß sein Denken der äußeren Gedankenwelt entspricht und wie in einem Spiegel in unserem Innern die äußere Gedankenwelt wiederum auferweckt; er weiß, daß aus dieser Gedankenwelt alle Dinge ursprünglich hervorgesprossen sind.
[ 21 ] If we wish to understand this spiritual life that a person enters after the period of purification, we can do so in the following way. It is difficult to capture in the words of our language the entirely different experiences that the spiritual researcher has when examining the life between death and a new birth—the entirely different, essential impressions that cannot be compared to anything the eye can see in the sensory world or the intellect, bound as it is to the brain, can conceive; but one can gain a rough idea of what may unfold for the spiritual researcher—like a new world—through his insight into the spiritual world. If you want to look around and comprehend the world, if you want to understand what is around you, then you do so by thinking, by forming mental images of the things around you. It would be a logically absurd mental image, however, if someone were to think that one could scoop water out of a glass that contains none. It would be exactly the same if you were to imagine that you could extract thoughts and laws from a world in which there are no thoughts and no laws. All human knowledge, all human understanding, would be mere daydreaming, nothing more than fantasy, if the thoughts we ultimately form in our minds were not already underlying things as thoughts—that is, if things had not sprung from thoughts. All those who believe that thoughts are merely something formed by the human mind—something that does not underlie things as the actual forces of action and creation—should simply give up all thinking altogether; for the thoughts thus formed, without corresponding to an external world of thought, would be mere figments of the imagination. Only those who know that their thinking corresponds to the external world of thought—and, as in a mirror within us, rekindles that external world of thought—think in a real sense; they know that all things originally sprang forth from this world of thought.
[ 22 ] So also ist zwar für uns Menschen der Gedanke das letzte, das wir ergreifen von den Dingen, den Dingen aber liegt er als ihr erstes zugrunde. Der schöpferische Gedanke liegt den Dingen zugrunde, aber die Gedanken der Menschen, durch die der Mensch zuletzt erkennt, unterscheiden sich doch in einer gewissen, sehr bedeutungsvollen Beziehung von den schöpferischen Gedanken draußen. Wenn Sie in die menschliche Seele hineinzublicken versuchen, dann werden Sie sich sagen: Wie auch dieses menschliche Denken herumschweifen mag in dem Horizont der Gedanken und Vorstellungen, solange der Mensch denkt, solange er durch seine Gedanken die Geheimnisse der Dinge zu ergründen versucht, so lange nehmen sie sich aus wie etwas, dem ferne liegt alles Schöpferische. — Das ist das Figenartige der menschlichen Gedanken, daß sie das produktive, das schöpferische Element, das in den Gedanken, die die Welt draußen durchweben und durchleben, enthalten ist, verloren haben. Diejenigen Gedanken, die die Welt draußen durchsetzen, werden durchzogen mit dem Element, das im menschlichen Inneren erst heraufsprießßt wie ein geheimnisvoller Untergrund unseres Daseins. Das wissen Sie ja, daß Ihre Vorstellungen, wenn sie umgegossen sein sollen in den Willen, dann untertauchen müssen in die Untergründe des menschlichen Wesens, daß der Gedanke selber noch nicht durchzogen ist von dem Willen. Der Gedanke aber, der draußen in der Welt wirkt, der ist durchzogen und durchwebt vom Willen. Und das eben ist das eigenartige des Geistes, der objektiv draußen die Dinge durchwirkt, daß er schöpferisch ist. Dadurch ist er aber nicht mehr nur Gedanke, dadurch ist er Geist. Der Gedanke der menschlichen Natur ist dadurch zustande gekommen, daß der Wille aus dem Geist herausgepreßt ist und daß dieser wie ein Reflex erst aus dem Menschen heraus erscheint. Für den geistigen Blick zeigt er sich draußen nirgends von dem Schöpferischen getrennt.
[ 22 ] Thus, while for us humans thought is the last thing we grasp about things, for things themselves it lies at their very foundation. Creative thought underlies things, but human thoughts—through which humans ultimately come to know—differ in a certain, very significant respect from the creative thoughts out there. If you try to look into the human soul, you will say to yourself: No matter how much human thinking may wander within the horizon of thoughts and mental images, as long as a person thinks, as long as he tries to fathom the mysteries of things through his thoughts, they appear to be something far removed from anything creative. — That is the peculiarity of human thoughts: they have lost the productive, creative element contained in the thoughts that permeate and animate the outer world. Those thoughts that permeate the outside world are imbued with the element that first springs up within the human being like a mysterious foundation of our existence. You know, of course, that if your mental images are to be transformed into will, they must plunge into the depths of the human being—that the thought itself is not yet imbued with will. But the thought that works in the outer world is permeated and interwoven with the will. And that is precisely what is unique about the spirit that objectively interweaves itself through things in the outer world: that it is creative. Through this, however, it is no longer merely thought; through this, it is spirit. The thought of human nature has come into being because the will has been forced out of the spirit and because this will appears, like a reflex, only from within the human being. To the spiritual gaze, it appears nowhere in the external world as separate from the creative principle.
[ 23 ] In diesen Geist, der in sich zusammengeschlossen enthält Willen und Gedanken, tritt der Mensch wie in eine neue Welt ein, wenn er nach dem Tode seine Läuterungszeit durchgemacht har. Und so, wie wir hier in dieser Welt, die wir durchlaufen zwischen Geburt und Tod, leben umgeben von den Eindrücken unserer Sinne, umgeben von alle dem, was unser Verstand denken kann, wie wir hier also von der physischen Welt umgeben und umschlossen sind, so ist der Mensch nach der Läuterungszeit überall umschlossen von der schöpferischen, geistigen Welt. Und er ist innerhalb dieser schöpferischen, geistigen Welt, er steckt darinnen und gehört dazu. Das ist auch dasjenige, was als ein erstes Erlebnis auftritt, wenn die Läuterungszeit durchlaufen ist: Der Mensch fühlt sich nicht in einer Welt, die ihn umstellt mit einem Horizont von Dingen, die er wahrnehmen kann, sondern er fühlt sich in einer Welt drinnen, wo er durch und durch schöpferisch ist. — Alles dasjenige nun, was der Mensch im letzten Leben und auch schon in den früheren Leben, soweit es noch nicht verarbeitet ist, in sich aufgenommen hat, was insbesondere in dem geschilderten Extrakt seines Äther- oder Lebensleibes ist, was zurückgeblieben in seinem astralischen Leib, als jener gewaltige Impuls, der ausgleichen will die Hindernisse, die bemerkt worden sind, alles dasjenige, was so im Menschen ist, das fühlt er in sich jetzt produktiv, das fühlt er jetzt schöpferisch.
[ 23 ] It is into this spirit—which encompasses both will and thought—that a person enters, as if into a new world, after having undergone the process of purification following death. And just as we live here in this world—which we pass through between birth and death—surrounded by the impressions of our senses, surrounded by everything our intellect can conceive, just as we are thus surrounded and enveloped by the physical world here, so too is a person, after the period of purification, enveloped on all sides by the creative, spiritual world. And they are within this creative, spiritual world; they are immersed in it and belong to it. This is also the very first experience that arises once the period of purification has been completed: The human being does not feel themselves to be in a world that surrounds them with a horizon of things they can perceive, but rather they feel themselves to be inside a world where they are thoroughly creative. — Everything that the human being has taken in during their last life and also in earlier lives—insofar as it has not yet been processed—especially what is contained in the described extract of their etheric or Life-Body, what has remained in their astral body as that powerful impulse seeking to compensate for the obstacles that have been recognized, all that which is within the human being—that is what he now feels within himself as productive; that is what he now feels as creative.
[ 24 ] Nun ist das Leben innerhalb der Produktivität etwas, was am besten bezeichnet wird mit dem Ausdruck Seligkeit oder Beseligung. Sie können schon im gewöhnlichen Leben vergleichsweise das beseligende Gefühl auf einer niedrigeren Stufe beobachten, wenn Sie das Huhn sitzen sehen auf dem Ei, es ausbrütend. In der Produktion selber liegt die wärmende Beseligung. In einem höheren Sinne kann man diese Beseligung der Produktion wahrnehmen, wenn der Künstler dasjenige, was in seiner Seele reif geworden ist, umsetzen kann in die materielle Außenwelt, wenn er produzieren kann. Von diesem Gefühl der Beseligung, von dem man auf diese Weise annähernd eine Vorstellung gewinnen kann, ist das ganze menschliche Wesen jetzt durchdrungen beim Durchgang durch die geistige Welt.
[ 24 ] Now, life within productivity is something best described by the term “bliss” or “enjoyment.” Even in everyday life, you can observe this blissful feeling on a lower level when you see a hen sitting on her eggs, hatching them. In production itself lies this warming sense of bliss. In a higher sense, one can perceive this ecstasy of creation when the artist is able to translate what has matured in his soul into the material external world—when he is able to create. The entire human being is now permeated by this feeling of ecstasy—of which one can gain a rough mental image in this way—as he passes through the spiritual world.
[ 25 ] Was arbeitet da der Mensch hinein in die geistige Welt? Er arbeitet hinein in die geistige Welt alles dasjenige, was er an Früchten, an Extrakt aus dem letzten und anderen vorangegangenen Leben gewonnen hat, wovon wir vorgestern sagen konnten, daß es zwar als Erlebnis an unsere Seele herangetreten ist, daß es der Mensch aber in dem Leben zwischen Geburt und Tod, weil er an dem physischen und Äther- oder Lebensleib eine Grenze hat, zunächst in sich behalten muß und nicht in seine Gesamtwesenheit hineinarbeiten kann. Jetzt ist der physische und der Äther- oder Lebensleib nicht mehr da, jetzt arbeitet er in rein geistiger Substantialität, jetzt prägt er ihr alles das ein, was er in dem letzten Leben zwar erlebt hat, was er aber wegen der Begrenztheit seines physischen und Äther- oder Lebensleibes nicht in sich selber hineinarbeiten konnte.
[ 25 ] What does a person bring into the spiritual world? He brings into the spiritual world everything he has gained as fruits and as an essence from his last life and other previous lives—things about which we said the day before yesterday that, although they have approached our soul as experiences, the human being, in the life between birth and death, because he is limited by the physical and etheric or Life-Body, must initially keep to himself and cannot incorporate into his entire being. Now that the physical and etheric—or Life-Body—bodies are no longer present, the human being works in purely spiritual substance; now he imprints upon it all that he experienced in his last life but was unable to incorporate into himself due to the limitations of his physical and etheric—or Life-Body—bodies.
[ 26 ] Wenn wir uns nunmehr um die Länge der Zeit bekümmern, in der der Mensch also produktiv dasjenige, was er im letzten Leben gewonnen hat, ins Geistige hineinarbeitet, dann müssen wir uns vor allen Dingen fragen: Hat denn dieses Gesetz der wiederholten Erdenleben, auf das wir hingedeutet haben, einen gewissen Sinn? — Ja, das hat einen Sinn, und dieser zeigt sich dadurch, daß der Mensch, wenn er eine Verkörperung durchgemacht hat, in einem neuen Leben nicht etwa dann erscheint, wenn er dieselben Erlebnisse wieder durchmachen kann, sondern er erscheint erst dann wieder, wenn sich die irdische Außenwelt mittlerweile so verändert hat, daß er völlig neue Erlebnisse durchmachen kann. Derjenige, der nun ein wenig nachdenkt über die Entwickelung, wird finden, daß schon in bezug auf das Physische die Erdenphysiognomie von Jahrtausend zu Jahrtausend sich beträchtlich ändert. Denken Sie einmal nach, wie es etwa ausgesehen haben mag hier, wo jetzt diese Stadt liegt, zur Zeit Christi, wie es da ganz anders war, und wie dieser Erdenfleck sich seit dieser Zeit verändert hat; und denken Sie daran, wie sich erst dasjenige, was wir moralische, intellektuelle und sonstige geistige Entwickelung der Menschheit nennen, im Laufe weniger Jahrhunderte ändert. Denken wir daran, was die Kinder etwa vor wenigen Jahrhunderten in den ersten Lebensjahren in sich aufgenommen haben, und denken wir daran, was sie heute in den ersten Lebensjahren verarbeiten. Die Erde ändert ihre Physiognomie, und nach einer bestimmten Zeit kann der Mensch die Erde wieder betreten und da ist alles so verändert, daß er nun Neues erleben kann. Erst wenn der Mensch Neues erleben kann, dann erst betritt er diese Welt von neuem.
[ 26 ] If we now consider the length of time during which a person productively incorporates into the spiritual realm what he or she has gained in the previous life, then we must first and foremost ask ourselves: Does this law of repeated earthly lives, to which we have alluded, have a certain meaning? — Yes, it has a purpose, and this is evident in the fact that when a person has completed one incarnation, they do not reappear in a new life simply so they can relive the same experiences; rather, they reappear only when the external earthly world has changed in the meantime to such an extent that they can have entirely new experiences. Anyone who reflects a little on the course of development will find that, even in physical terms, the physiognomy of the Earth changes considerably from millennium to millennium. Just think for a moment about what it might have looked like here, where this city now stands, in the time of Christ; how different it was then, and how this corner of the Earth has changed since that time; and consider how even what we call the moral, intellectual, and other spiritual development of humanity changes over the course of just a few centuries. Let us consider what children absorbed in their early years just a few centuries ago, and let us consider what they process in their early years today. The Earth changes its appearance, and after a certain time, a person can set foot on the Earth again, and everything there has changed so much that he can now experience something new. Only when a person can experience something new does he truly enter this world anew.
[ 27 ] Die Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt ist dadurch bestimmt, daß der Mensch, wenn er, sagen wir, in irgendeinem Jahrhundert sich verkörpert hatte, hineinwuchs durch die Geburt in ganz bestimmte Vererbungsverhältnisse. Wir wissen ja, daß wir uns den menschlichen Wesenskern, das Geistig-Seelische des Menschen nicht so vorstellen dürfen, als ob es zusammenaddiert wäre aus demjenigen, was die Eigenschaften der Eltern, Voreltern, Urgroßeltern und so weiter sind. Wir haben betont, daß ebensowenig wie der Regenwurm aus dem Schlamm herauswächst, die menschliche Seele aus dem Physischen entsteht. Seelisches entsteht aus Seelischem, wie Lebendiges aus Lebendigem. Wir haben betont, daß uns diese menschliche Seele zurück weist auf ein früheres Leben und daß sie durch die Geburt so ins Dasein tritt, daß sie die Vererbungseigenschaften zusammenzieht. Indem wir aber das vor die Seele rücken, müssen wir uns auch klar sein, daß, wenn wir auf ein früheres Leben zurückblicken, wir aus diesem früheren menschlichen Leben hereintragen durch die Geburt diejenigen Eigenschaften, welche sich im Verlaufe zwischen dem Tode und einer neuen Geburt nach und nach entfalten. Wir nehmen dann durch die Pforte des Todes dasjenige mit, was wir zwischen der Geburt und dem Tod neu gewonnen haben, was wir aus einem früheren Leben noch nicht haben schöpfen können. So daß wir — das ist ja auch schon hervorgehoben worden — durch die Pforte des Todes nunmehr tragen alles dasjenige, was im letzten Leben Stück für Stück gewonnen worden ist. Das können wir nun, wenn wir das Leben im Geiste durchmachen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, nur dadurch wiederum in einem neuen Verhältnis entfalten, daß wir nicht darauf angewiesen sind in diesem neuen Dasein, die vererbten Verhältnisse wiederzufinden, die wir im früheren Dasein hatten. Im früheren Dasein hatten wir in unsere Seele hereingezogen gewisse Eigenschaften der Ahnen. Wir würden nichts Neues in einem neuen Dasein antreffen, wenn wir die Eigenschaften der Ahnen in derselben Weise vorfinden würden. Haben wir uns also in einem bestimmten Jahrhundert verkörpert, dann müssen wir, damit wir auch nach dieser Richtung in einem neuen Dasein uns ausleben können, so lange durch die geistige Welt durchschreiten, bis sich alle jene vererbten Eigenschaften verloren haben, zu denen wir uns früher hingezogen fühlten, und zu denen wir uns so lange hingezogen fühlen würden, solange sie da sind. Es hängt unsere Wiederverkörperung davon ab, daß diejenigen Eigenschaften, welche durch die Geschlechter sich hindurchgezogen haben, verschwunden sind. Blicken wir also hinauf zu unseren Ahnen, dann finden wir bei unseren Eltern, Großeltern, Urgroßeltern und so weiter gewisse Eigenschaften, die sind heruntergetragen durch Vererbung bis zu unserem jetzigen Dasein. Wir treten nun nach dem Tode in die geistige Welt. Da verbleiben wir, bis verschwunden sind in der Vererbungslinie all die Eigenschaften, zu denen wir uns in dieser Verkörperung hingezogen fühlten. Das dauert aber viele Jahrhunderte, und zwar zeigt die Geistesforschung, daß die Zeit so viele Jahrhunderte dauert, daß wir etwa sagen können, es vererben sich gewisse Eigenschaften, die sich von Generation zu Generation ziehen. Ungefähr siebenhundert Jahre dauert es, dann sind die Eigenschaften, die sich von Generation zu Generation ziehen, so weit verschwunden, daß wir sagen können: Was wir damals bei den Ahnen fanden, das hat sich verflüchtigt. — Jetzt aber müssen sich Eigenschaften so weit ausbilden, daß sie neuerdings siebenhundert Jahre durchlaufen. Und wir kommen dahin, zweimal siebenhundert Jahre als die Zeit angeben zu können — sie ist natürlich nur eine Durchschnittszahl, sie zeigt sich aber der Geistesforschung als diejenige Zeit, die da verläuft zwischen dem Tod und einer neuen Geburt —, bis die Seele durch eine neue Geburt wiederum ins Dasein tritt.
[ 27 ] The period between death and a new birth is determined by the fact that when a human being incarnates—say, in a particular century—he or she, through birth, grows into very specific hereditary circumstances. We know, of course, that we must not form a mental image of the human core—the spiritual and soul aspect of the human being—as if it were simply the sum total of the characteristics of the parents, grandparents, great-grandparents, and so on. We have emphasized that just as the earthworm does not grow out of the mud, the human soul does not arise from the physical. The soul arises from the soul, just as the living arises from the living. We have emphasized that this human soul points back to a previous life and that, through birth, it enters into existence in such a way that it draws together the inherited characteristics. But in bringing this to the forefront of our understanding of the soul, we must also be clear that when we look back on a previous life, we carry over from that earlier human life—through birth—those qualities that gradually unfold in the interval between death and a new birth. We then take with us through the gateway of death what we have newly acquired between birth and death—that which we had not yet been able to draw from a previous life. Thus—as has already been emphasized—we now carry through the gateway of death everything that was acquired piece by piece in the last life. Now, as we go through life in the spirit between death and a new birth, we can unfold this in a new relationship only by not being dependent, in this new existence, on rediscovering the inherited conditions we had in our previous existence. In our previous existence, we had drawn certain qualities of our ancestors into our soul. We would find nothing new in a new existence if we were to encounter the qualities of our ancestors in the same way. So if we have incarnated in a particular century, then—in order that we may also live out our lives in this direction in a new existence—we must journey through the spiritual world until all those inherited qualities to which we were previously drawn, and to which we would continue to feel drawn as long as they remain, have been lost. Our reincarnation depends on the disappearance of those traits that have been passed down through the generations. So when we look back to our ancestors, we find in our parents, grandparents, great-grandparents, and so on, certain traits that have been carried down through heredity to our present existence. After death, we enter the spiritual world. We remain there until all the traits to which we felt drawn in this incarnation have disappeared from the hereditary line. This, however, takes many centuries, and spiritual research shows that this process lasts so many centuries that we can say, for example, that certain traits are passed down from generation to generation. It takes approximately seven hundred years for the qualities that are passed down from generation to generation to have faded to such an extent that we can say: What we once found in our ancestors has dissipated. — But now these characteristics must develop to such an extent that they, in turn, take seven hundred years to run their course. And we arrive at the point where we can specify a period of twice seven hundred years—this is, of course, only an average figure, but spiritual research reveals it as the time that elapses between death and a new birth—until the soul enters existence once more through a new birth.
[ 28 ] Nun müssen wir uns vor allen Dingen darüber unterrichten, daß hinaufragt in diese geistige Welt alles dasjenige, was hier auf der Erde schon geistig ist. Wir haben ja gerade hervorgehoben, daß dasjenige, was wir in unseren Geist hereinnehmen, draußen in der geistigen Welt schöpferisch ist. Wir haben gesehen, daß wir selber in einer gewissen Weise in dieser schöpferischen Welt mit unserem Schöpferischen drinnen sind. Diese geistige Welt, die draußen schöpferisch ist, sie spiegelt sich in einer gewissen Weise in unserer eigenen Seele. Insofern unsere eigene Seele Geistiges erlebt, ein geistiges Leben durchläuft, sind auch die geistig-seelischen Erlebnisse unseres Innern Bürger der geistigen Welt. Wie die geistige Welt in die physische herunterragt, so ragt unser Geistiges hinauf in die allgemeine geistige Welt. Dadurch aber ist uns erklärlich, was die Geistesforschung behaupter: Was am Menschen ist in bezug auf seine verschiedenen Wesensglieder, das legt die äußeren Hüllen ab, und es bleibt das Geistige und wächst hinauf in die produktive geistige Welt; es ist uns auch erklärlich, daß auch die geistigen Verhältnisse, alles Seelische, was sich hier in der physischen Welt abspielt, die äußeren Hüllen ablegt und in die geistige Welt hinauflebt. Nehmen wir die Liebe, die die Mutter hat zu ihrem Kinde. Diese wächst aus der physischen Welt heraus. Sie trägt zunächst einen animaliischen Charakter. Es sind Sympathien, welche Mutter und Kind verbinden, welche eine Art von physischer Kraftwirkung sind. Dann aber läutert sich dasjenige, was aus der physischen Welt herauswächst, es veredelt sich die Liebe der beiden Wesenheiten; immer mehr und mehr seelisch-geistig wird diese Liebe. Alles, was der physischen Welt entspringt, wird ebenso abgeworfen im Tode wie die äußeren Hüllen. Dafür bleibt aber auch alles dasjenige bestehen, was in dieser physisch-menschlichen Hülle an Seelischem, an Geistigem in dieser Liebe aufgebaut wird, ebenso wie das menschliche Innere selbst in die geistige Welt hineinlebt, so daß die Liebe zwischen Mutter und Kind fortlebt in der geistigen Welt. Da finden sie sich wiederum, Jetzt nicht mehr begrenzt durch die Schranken der physischen Welt, sondern in jener geistigen Umgebung, wo wir nicht die Dinge außer uns haben, sondern wo wir in den Dingen leben und weben und sind. Daher muß man sich dasjenige, was da herrscht in der geistigen Welt, als das Resultat der in der physischen Welt begründeten Liebe und Freundschaftsverhältnisse vorstellen; man muß sie sich so vorstellen, daß viel inniger verbunden sind diejenigen, die in der geistigen Welt sich verbunden haben, als die Bande der Liebe, der Freundschaft, die geschlungen werden in der physischen Welt. Und unsinnig ist es, zu fragen, ob wir diejenigen, mit denen wir in Liebe und Freundschaft zusammenleben in der physischen Welt, nach dem Tode wieder erblicken. Wir erblicken sie nicht nur, sondern wir leben in ihnen; wir sind sozusagen über sie ergossen. Und alles, was innerhalb der Schranken der Sinnenwelt gewoben wird, das erhält erst seinen rechten Sinn, seine rechte Bedeutung, wenn wir mit dem geistigen Teil davon in die geistige Welt hinaufwachsen.
[ 28 ] First and foremost, we must understand that everything here on Earth that is already spiritual extends upward into this spiritual world. We have just emphasized that what we take into our spirit is creative out there in the spiritual world. We have seen that, in a certain sense, we ourselves are present in this creative world through our own creative nature. This spiritual world, which is creative in the outer realm, is reflected in a certain way within our own soul. To the extent that our own soul experiences the spiritual and lives a spiritual life, the spiritual-soul experiences within us are also inhabitants of the spiritual world. Just as the spiritual world extends down into the physical world, so our own spirituality extends upward into the general spiritual world. This, however, explains what spiritual research asserts: Whatever is in the human being in relation to its various constitutional elements sheds its outer sheaths, and what remains is the spiritual, which grows upward into the productive spiritual world; it is also clear to us that spiritual relationships—everything soul-related that takes place here in the physical world—shed their outer sheaths and live on in the spiritual world. Take, for example, the love a mother has for her child. This love grows out of the physical world. At first, it has an animalistic character. It consists of sympathies that bind mother and child, which are a kind of physical force. But then what grows out of the physical world is purified; the love between the two beings is ennobled; this love becomes more and more soulful and spiritual. Everything that springs from the physical world is cast off at death, just like the outer shells. But in return, everything that is built up in this love—all that is soulful and spiritual within this physical-human shell—remains; just as the human inner being itself lives on into the spiritual world, so that the love between mother and child lives on in the spiritual world. There they find one another again—no longer limited by the barriers of the physical world, but in that spiritual environment where we do not have things outside of ourselves, but where we live, weave, and are within the things themselves. Therefore, one must create a mental image of what prevails in the spiritual world as the result of the relationships of love and friendship established in the physical world; one must have in one's mental image those who have united in the spiritual world as persons who are far more intimately connected than the bonds of love and friendship formed in the physical world. And it is nonsensical to ask whether we will see again, after death, those with whom we live together in love and friendship in the physical world. Not only do we see them, but we live within them; we are, so to speak, poured out over them. And everything that is woven within the confines of the sensory world only acquires its true meaning and significance when we grow upward into the spiritual world with the spiritual aspect of it.
[ 29 ] So sehen wir die Vergeistigung nicht nur des Menschen, sondern der Menschheit in ihren edelsten Beziehungen in dem geistigen Lande, das der Mensch durchlebt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Da bilden sich aber auch all die Impulse, die der Mensch hineingetragen hat in die geistige Welt, in lebendige Urbilder um. Wir sahen ja, daß der Mensch hineinging in die geistige Welt mit einer Essenz des Äther- oder Lebensleibes, das heißt mit einer Essenz all der Erlebnisse, die er gehabt hat zwischen der Geburt und dem Tode. Wir sehen den Menschen eintreten in die Geisteswelt mit jenem mächtigen Impulse, der ihn ausgleichen läßt, was er Unrechtes getan hat. Das webt der Mensch zusammen zu einem geistigen Urbild. Und die Zeit, die er verbringt in der geistigen Welt, die verläuft so, daß dieses Urbild immer mehr und mehr gewoben wird so, daß es die Früchte aus dem vorhergehenden Leben und den Drang, den Willen zur Ausgleichung seines Unrechtes, des Häßlichen, das er getan hat, immer mehr und mehr einverwoben erhält. Und so ist der Mensch in jener Zeit fähig, einerseits alles das, was er in früheren Leben an Fähigkeiten sich erworben hat, jetzt in den Leib, der ihm bei der Wiederverkörperung zur Verfügung gestellt wird, plastisch hineinzugestalten, andererseits wird der Mensch dadurch, daß er in sein Urbild hineinverwoben hat den Drang, den Impuls, auszugleichen, was er Unrechtes, Häßliches, Böses getan hat, angezogen von Verhältnissen, die ihm gestatten, dieses Unrecht, dieses Häßliche, das er getan hat, wiederum auszugleichen. Wir treten durch die Geburt ins Dasein mit dem Willen, in solche Verhältnisse hineinzukommen, die uns gestatten, Unvollkommenheiten unseres früheren Lebens auszugleichen. So suchen wir durch einen verborgenen Willen in entsprechenden Fällen den Schmerz auf, wenn wir aus unserem vorgeburtlichen Drang heraus die unbewußte Erkenntnis haben, daß nur die Überwindung dieses Schmerzes uns gewisse Hindernisse, die wir uns früher in den Weg gelegt haben, hinwegräumen kann.
[ 29 ] Thus we see the spiritualization not only of the individual but of humanity in its noblest aspects in the spiritual realm that the human being experiences between death and a new birth. There, too, all the impulses that the human being has carried into the spiritual world are transformed into living archetypes. We have seen, after all, that a human being enters the spiritual world with an essence of the etheric or Life-Body—that is, with an essence of all the experiences he has had between birth and death. We see the human being enter the spiritual world with that powerful impulse that enables him to make amends for the wrongs he has committed. Human beings weave this together into a spiritual archetype. And the time they spend in the spiritual world unfolds in such a way that this archetype is woven more and more, so that it increasingly incorporates the fruits of the previous life and the urge, the will to make amends for the wrongs, the ugly deeds they have committed. And so, during that time, the human being is capable, on the one hand, of vividly shaping into the body made available to him at reincarnation all the abilities he has acquired in previous lives; on the other hand, because he has woven into his archetype the urge, the impulse, to make amends for the wrongs, ugly, or evil, and is drawn to circumstances that allow him to make amends for this wrongdoing and ugliness he has committed. Through birth, we enter existence with the will to enter into circumstances that allow us to make amends for the imperfections of our past lives. Thus, driven by a hidden will, we seek out pain in appropriate situations when, out of our prenatal impulse, we have the unconscious realization that only by overcoming this pain can we clear away certain obstacles that we previously placed in our own path.
[ 30 ] So sehen wir, wie der Mensch durch die geistige Welt schreitet, in der er schon vor der neuen Geburt seinen physischen Leib plastisch ausgestalten kann. Und jetzt sehen wir auch, wie dasjenige, was wir hineingewoben haben in unser Urbild, sich erst nach und nach mit unserem Leben nach der Geburt vereinigt. Denn der kennt das Leben nicht, der da glaubt, daß im Kinde schon alles im Innern liegt, was sich an Fähigkeiten, an Seelenvermögen im Leben ausbildet. Wer das Leben richtig betrachten kann, sieht den Menschen durch die Geburt ins Dasein treten und sieht, wie der Mensch sich selber erst nach und nach im Leben findet, wie der Mensch in den ersten Jahren keineswegs schon vollständig im Innern das hat, was er werden kann. Wir können das Leben viel besser verstehen, wenn wir sagen: Der Mensch vereinigt sich erst nach und nach mit demjenigen, was er als ein geistiges Urbild in dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt gewoben hat, nach und nach wächst er damit zusammen, bis er im freien Wechselspiel der Außenwelt gegenübertritt. — Wer das Leben ohne Vorurteile betrachtet, der kann sehen, wie der Mensch als Kind noch von der geistigen Atmosphäre umschwebt wird, die er sich gewoben hat zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, und wie er sich nach und nach an sein eigenes Urbild anpaßt, das er noch nicht verwoben hat mit seiner Körperlichkeit, die er bei der Geburt mitbringt. Während das Tier schon von der Geburt an verwoben ist mit seinem Urbild, sehen wir den Menschen individuell und bestimmt erst hineinwachsen in das Urbild, das er sich durch die wiederholten Erdenleben bis zu diesem letzten herauf selber gewoben hat. Und wir verstehen dann das Physisch-Sinnliche des Menschenlebens am besten, wenn wir es so auffassen, daß wir sagen: es ist uns wirklich wie die Schale eines Tieres, einer Auster, die wir am Wege finden. Solange wir sie begreifen wollen als bloß zusammengebaut, meinetwegen aus Schlamm, so lange wird uns diese Schale nicht begreiflich werden können. Wenn wir aber voraussetzen, daß dasjenige, was an der Schale Schicht für Schicht sich abgelagert zeigt, ausgeschieden ist von dem Innern eines Tieres, das diese Schale verlassen hat, dann verstehen wir das Gebilde.
[ 30 ] Thus we see how the human being passes through the spiritual world, where, even before the new birth, he can shape his physical body. And now we also see how what we have woven into our archetype only gradually unites with our life after birth. For those who believe that everything—all the abilities and soul capacities that develop in life—is already present within the child do not understand life. Those who can view life correctly see the human being enter into existence through birth and observe how the human being only gradually finds themselves in life, how in the early years the human being by no means already possesses within themselves, in their entirety, what they are capable of becoming. We can understand life much better if we say: A human being unites only gradually with what they have woven as a spiritual archetype in the life between death and a new birth; little by little, they grow together with it until they face the outside world in a free interplay. — Anyone who observes life without prejudice can see how, as a child, a human being is still enveloped by the spiritual atmosphere they have woven for themselves between death and a new birth, and how they gradually adapt to their own archetype, which they have not yet interwoven with the physicality they bring with them at birth. While the animal is already interwoven with its archetype from birth, we see the human being growing into—individually and purposefully—the archetype that he has woven for himself through repeated earthly lives up to this last one. And we understand the physical-sensory aspect of human life best when we conceive of it in this way: it is truly like the shell of an animal, an oyster, that we find along the way. As long as we try to understand it as merely assembled—say, out of mud—we will never be able to grasp this shell. But if we assume that what appears to have been deposited layer by layer on the shell has been excreted from the interior of an animal that has shed this shell, then we understand the structure.
[ 31 ] Das Leben des Menschen zwischen der Geburt und dem Tode, wir verstehen es nicht, wenn wir es bloß aus sich selber begreifen wollen, wenn wir es so begreifen wollen, daß wir bloß dasjenige, was in der unmittelbaren Umgebung ist, zusammenziehen. Da können wir lange sagen, daß der Mensch sich anpaßt an Umgebung, Volk, Familie. Ebensowenig wie uns die Austernschale ohne Auster begreiflich wird, wird uns das menschliche Leben begreiflich sein, wenn wir es nur als aus seiner unmittelbaren Umgebung herausgebildet betrachten. Hell und klar wird es aber, wenn wir voraussetzen können, daß der Mensch aus einer geistigen und seelischen Welt kommt und daß er in dieser geistigen und seelischen Welt die Errungenschaften, den Extrakt, die Früchte früherer Leben verarbeitet hat, und daß er sein neues Dasein mit Hilfe dieser Verarbeitung neugestaltet. So wird uns das Leben selbst erst begreiflich durch dasjenige, was über dem Leben liegt, so wird uns die physische Welt erst durch die geistige und seelische Welt begreiflich.
[ 31 ] Human life between birth and death—we cannot understand it if we try to grasp it solely in and of itself, if we try to understand it by merely drawing on what is in its immediate surroundings. We can go on and on saying that human beings adapt to their environment, their people, and their family. Just as we cannot understand an oyster shell without an oyster, so too will human life remain incomprehensible to us if we view it solely as having emerged from its immediate surroundings. But it becomes clear and lucid when we can assume that human beings come from a spiritual and soul world, and that in this spiritual and soul world they have processed the achievements, the essence, and the fruits of previous lives, and that they reshape their new existence with the help of this processing. Thus, life itself becomes comprehensible to us only through that which lies above life; thus, the physical world becomes comprehensible to us only through the spiritual and soul world.
[ 32 ] Dies ist der Kreislauf des Menschen durch die Sinnen-, Seelen- und Geisteswelt. Erblicken wir den Menschen so, dann haben wir in seinem physisch-sinnlichen Leben gleichsam nur einen Teil seines vollständigen Lebenskreislaufes. Und unsere Erkenntnis ist dann, wenn wir sie so im rechten Sinne betreiben, nicht bloß eine theoretische Erkenntnis, die uns dieses oder jenes sagt wie die äußere Wissenschaft, sondern sie ist eine Erkenntnis, die uns zu gleicher Zeit objektiv zeigt, wie das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt Sinn und Bedeutung erhält, indem dasjenige, was wir hier einsammeln, in einer höheren Welt seine Verarbeitung findet. Aus solcher Erkenntnis ersprießt uns Wissen und Willenskraft für das Leben, sprießt uns Sinn und Bedeutung, Zuversicht und Hoffnung für das Leben. Wir brauchen einer solchen Erkenntnis nicht etwa bloß zuzuschreiben, daß wir trostlos blicken in vergangene Leben, von denen wir etwa sagen: Nun, da wird behauptet, daß wir unseren Schmerz uns selber zubereitet haben. Zu dem Schmerz wird noch diese Trostlosigkeit hinzugefügt! — Nein, wir können uns sagen: Dieses Gesetz ist nicht bloß ein solches, das auf die Vergangenheit weist, sondern auch ein solches, das in die Zukunft weist, das uns zeigt, daß überwundener Schmerz Kraftzuwachs ist, den wir verwerten im neuen Leben, und je mehr wir arbeiten, je mehr wir Schmerz überwunden haben, desto stärker wird unsere Kraft sein. Im Glück kann man im höheren Sinn nur leiden, es ist eine Erfüllung aus früheren Leben. Im Schmerz kann man Kräfte ausbilden, und die durch die Überwindung des Schmerzes ausgebildeten Kräfte bedeuten eine Steigerung für das zukünftige Leben. Und wir schreiten getrost durch die Pforte des Todes, wenn wir wissen, daß der Tod ins Leben hereingebracht sein muß, damit sich dieses Leben von Stufe zu Stufe steigern kann. Damit erscheint es wohl gerechtfertigt, wenn gesagt wird: Geisteswissenschaft in diesem Sinne ist nicht allein eine Theorie, sie ist Saft und Kraft für das Leben, indem dasjenige, was unmittelbar in unser ganzes seelisches Dasein einfließt, dieses gesund und kräftig und stark macht. — Geisteswissenschaft ist dasjenige, was bewahrheitet die Worte, die einem jeden Geistesforscher und wohl jedem Menschen, der etwas erahnt von der geistigen Welt, in der Seele leben müssen als Wahrworte, als Leitworte für sein sich steigerndes, gesundes und kraftvolles Leben, das selbst in der Überwindung des Schmerzes Kraftsteigerung erblickt, bewahrheitet die Worte:
[ 32 ] This is the human being’s cycle through the worlds of the senses, the soul, and the spirit. If we view the human being in this way, then his physical-sensory life represents, as it were, only a part of his complete life cycle. And our understanding—when we pursue it in the right way—is not merely a theoretical understanding that tells us this or that, as external science does, but rather an understanding that simultaneously shows us objectively how life between death and a new birth acquires meaning and significance, in that what we gather here is processed in a higher world. From such understanding springs knowledge and willpower for life; it gives us meaning and significance, confidence, and hope for life. We need not merely attribute to such understanding the fact that we look back desolately on past lives, of which we might say: “Well, it is claimed that we brought our own pain upon ourselves.” To the pain is added this very desolation! — No, we can tell ourselves: This law is not merely one that points to the past, but also one that points to the future, showing us that pain we have overcome is a gain in strength that we can utilize in our new life; and the more we work, the more pain we have overcome, the stronger our strength will be. In happiness, one can only suffer in a higher sense; it is a fulfillment from past lives. In pain, one can develop strength, and the strength developed through the overcoming of pain signifies an elevation for future life. And we stride confidently through the gates of death when we know that death must be brought into life so that this life can rise from stage to stage. Thus it seems well justified to say: Spiritual Science in this sense is not merely a theory; it is the lifeblood and strength of life, in that what flows directly into our entire spiritual existence makes it healthy, vigorous, and strong. — Spiritual Science is that which confirms the truth of the words that must live in the soul of every spiritual researcher—and indeed of every person who has even a faint inkling of the spiritual world—as words of truth, as guiding principles for their ever-elevating, healthy, and powerful life, a life that sees even the overcoming of pain as a source of increased strength; it confirms the words:
Rätsel an Rätsel stellt sich im Raum,
Rätsel an Rätsel läuft in der Zeit;
Lösung bringt der Geist nur,
Der sich ergreift
Jenseits von Raumesgrenzen
Und jenseits vom Zeitenlauf.
Mystery follows mystery in space,
Mystery follows mystery through time;
Only the mind can provide the solution,
One that reaches
Beyond the boundaries of space
And beyond the flow of time.
