The Deeper Mysteries of Human Development
in the Light of the Gospels
GA 119
21 March 1910, Vienna
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Macrocosm and Microcosm, tr. SOL
Erster Vortrag
First Lecture
[ 1 ] In diesem Vortragszyklus soll ein Überblick gegeben werden über die geisteswissenschaftlichen Forschungen, welche uns in den Stand setzen, die wichtigsten Rätsel des menschlichen Lebens zu durchschauen, soweit das möglich ist nach Maßgabe derjenigen Bedingungen und Grenzen, die einem Begreifen der höheren Welten in unserer Zeit nun schon einmal gesetzt sind. Und zwar soll ein solcher Überblick dieses Mal so gegeben werden, daß von Näherliegendem ausgegangen und von diesem Näherliegenden aus der Aufstieg versucht wird in immer höhere Gebiete des Daseins und in immer verborgenere Rätsel des menschlichen Lebens. Nicht so sehr soll dieses Mal in der Darstellung von irgendwelchen feststehenden, wie Dogmen sich ausnehmenden Begriffen und Ideen ausgegangen werden, sondern es soll in möglichst einfacher Weise zuerst Bezug genommen werden auf dasjenige, was jeder Mensch als etwas auch dem gewöhnlichen Leben Naheliegendes empfinden muß. Geistesforschung, Geisteswissenschaft überhaupt beruht ja darauf, daß vorausgesetzt wird, derjenigen Welt, in der wir zunächst leben, die uns zunächst bekannt ist, liege eine andere, sagen wir, die geistige Welt zugrunde, und in dieser geistigen Welt, welche unserer sinnlichen und bis zu einem gewissen Grade auch unserer seelischen Welt zugrunde liegt, haben wir die eigentlichen Ursachen, die Bedingungen zu demjenigen zu suchen, was in der sinnlichen und in der seelischen Welt eigentlich vorgeht. Nun ist es ja wohl allen hier Anwesenden bekannt, und es ist berührt worden in den einleitenden öffentlichen Vorträgen, daß es bestimmte Methoden gibt, die der Mensch auf sein Seelenleben anwenden kann und durch die er gewisse Fähigkeiten seiner Seele, die im gewöhnlichen, normalen Leben schlummern, wachrufen kann, so daß er den Augenblick der Einweihung oder Initiation erlebt, durch den er eine neue Welt, eben die Welt der geistigen Ursachen, der geistigen Bedingungen für die sinnliche und seelische Welt so um sich herum hat, wie etwa der bis dahin Blinde nach der Operation die Welt der Farben und die Welt des Lichtes um sich herum hat. Von dieser Welt, die also eigentlich diejenige ist, die wir von Stunde zu Stunde in diesem Zyklus von Vorträgen immer mehr und mehr aufsuchen wollen, von dieser Welt geistiger Tatsachen und geistiger Wesenheiten ist ja der Mensch im heutigen normalen Leben getrennt. Und zwar ist der Mensch getrennt von dieser geistigen Welt nach zwei Seiten hin: nach derjenigen Seite hin, die wir die äußere nennen können, aber auch nach derjenigen Seite hin, die wir die innere nennen können.
[ 1 ] This series of lectures aims to provide an overview of research in Spiritual Science that enables us to gain insight into the most important mysteries of human life, to the extent possible given the conditions and limitations that are currently imposed on our understanding of the higher worlds. Specifically, this overview will be presented in such a way that it begins with the more familiar and, from this familiar foundation, attempts to ascend into ever higher realms of existence and into the ever more hidden mysteries of human life. This time, the presentation should not so much proceed from any fixed concepts or ideas that resemble dogmas, but rather, in the simplest way possible, it should first refer to that which every human being must perceive as something familiar even in ordinary life. Spiritual research—and Spiritual Science in general—is based, after all, on the assumption that underlying the world in which we initially live, the world initially familiar to us, lies another—let us say, the spiritual world— and in this spiritual world—which underlies our sensory world and, to a certain extent, our psychological world as well—we must seek the actual causes and conditions for what actually takes place in the sensory and psychological worlds. Now, as is surely known to everyone here present—and as was touched upon in the introductory public lectures—there are certain methods that a person can apply to their inner life and through which they can awaken certain faculties of their soul that lie dormant in ordinary, everyday life, so that they experience the moment of initiation, through which they find themselves surrounded by a new world, namely the world of spiritual causes, the spiritual conditions for the sensory and soul world, just as, for example, a person who was blind until then, after an operation, finds the world of colors and the world of light all around them. From this world—which is, in fact, the very one we seek to explore more and more with each passing hour in this lecture series—from this world of spiritual realities and spiritual beings, human beings are, after all, separated in their normal lives today. Indeed, human beings are separated from this spiritual world in two respects: on the one hand, in what we might call the outer aspect, and on the other hand, in what we might call the inner aspect.
[ 2 ] Wenn der Mensch den Blick in die Außenwelt richtet, so sieht er in dieser Außenwelt dasjenige, was sich zunächst seinen Sinnen darbietet. Er sieht Farben, Licht, er hört Töne, er nimmt Wärme und Kälte wahr, Gerüche, Geschmäcke und so weiter. Das ist diejenige Welt, die den Menschen zunächst umgibt. Stellen wir uns einmal diese um uns liegende Welt vor, wie sie sich ausbreitet vor unseren Sinne, so können wir sagen: an ihr haben wir zunächst eine Art von Grenze, denn durch unmittelbare Wahrnehmung, durch unmittelbares Erleben kann der Mensch nicht hinter diese Grenze schauen, die ihm gegeben ist durch die sich vor ihm ausbreitende Farben- und Lichtwelt, durch die Welt der Töne, Gerüche und so weiter. Er kann nicht hinter dieser Grenze wahrnehmen. Wir können es uns ja ganz, ich möchte sagen, trivial anschaulich machen, wie wir da nach außen hin eine Grenze haben. Wir sehen uns eine meinetwillen blau bestrichene Fläche an. Was zunächst hinter dieser blau bestrichenen Fläche sich befindet, das sieht der Mensch unter gewöhnlichen Verhältnissen nicht. Nun ja, gewiß! Ein Trivialling könnte einwenden, man brauche ja bloß dahinterzuschauen. Aber so verhält es sich ja nicht in bezug auf diejenige Welt, die um uns herum ausgebreitet ist. Gerade durch dasjenige, was wir wahrnehmen, deckt sich uns eine äußere geistige Welt zu, und wir können höchstens empfinden, daß wir in Farbe und Licht, in Tönen, in Wärme und Kälte und so weiter äußere Offenbarungen einer dahinterliegenden Welt haben. Aber in einem gegebenen Augenblick können wir nicht durch die Farben, durch die Lichter, durch die Töne hindurch wahrnehmen, hindurch erleben dasjenige, was hinter ihnen ist. Wir müssen die ganze geistige Außenwelt eben durch diese ihre Offenbarungen wahrnehmen. Denn Sie brauchen sich ja nur ein wenig zu überlegen, so werden Sie auch durch einfachste Logik sich sagen können: Wenn auch zum Beispiel unsere gegenwärtige Physik oder andere wissenschaftliche Bestrebungen hinter der Farbe bewegte Äthermaterie sehen, es kostet doch nur ein wenig Überlegung, um sich zu sagen, daß dasjenige, was da hinter der Farbe angenommen wird, nur etwas Hinzugedachtes, etwas nur durch Denken Geschlossenes ist. Niemand kann dasjenige, was zum Beispiel die Physik erläutert als Schwingungen, als Bewegungen, von denen die Farbe eine Wirkung sei, direkt wahrnehmen. Niemand kann zunächst sagen, ob dasjenige, was da hinter den sinnlichen Eindrücken sein soll, irgendeiner Wirklichkeit entspricht. Es ist zunächst etwas bloß Gedachtes. Wie ein Teppich breitet sich diese äußere sinnliche Welt aus, und wir haben dann die Empfindung, daß hinter diesem Teppich der äußeren Sinneswelt etwas ist, in das wir zunächst mit der äußeren Wahrnehmung nicht eindringen können.
[ 2 ] When a person turns their gaze toward the external world, they see in that external world whatever first presents itself to their senses. They see colors and light; they hear sounds; they perceive warmth and cold, smells, tastes, and so on. This is the world that initially surrounds a person. If we imagine this world around us as it unfolds before our senses, we can say: in it we initially encounter a kind of boundary, for through immediate perception, through immediate experience, a person cannot see beyond this boundary—which is given to them by the world of colors and light spreading out before them, by the world of sounds, smells, and so on. They cannot perceive beyond this boundary. We can, in fact, illustrate this quite—I would say—trivially, showing how we have a boundary extending outward. Let’s look at a surface painted blue, for example. Under normal circumstances, a person cannot see what lies beyond this blue-painted surface. Well, yes, of course! A trivial person might object that one need only look behind it. But that is not how it works with regard to the world that extends around us. It is precisely through what we perceive that an outer spiritual world is veiled from us, and at most we can sense that we have, in color and light, in sounds, in warmth and cold, and so on, outer manifestations of a world lying beyond. But at any given moment, we cannot perceive or experience what lies behind the colors, the lights, and the sounds by looking through them. We must perceive the entire outer spiritual world precisely through these manifestations of it. For if you just give it a little thought, even the simplest logic will lead you to conclude: Even if, for example, modern physics or other scientific endeavors posit that there is moving etheric matter behind color, it takes only a little reflection to realize that what is assumed to lie behind color is merely something added by the mind, something deduced solely through thought. No one can directly perceive what, for example, physics explains as vibrations or movements of which color is an effect. No one can say at first whether what is supposed to lie behind sensory impressions corresponds to any reality. At first, it is merely something conceived in the mind. This external sensory world spreads out like a carpet, and we then have the sensation that behind this carpet of the external sensory world there is something into which we cannot initially penetrate with our external perception.
[ 3 ] Da haben wir die eine Grenze. Die andere finden wir, wenn wir in uns selber hineinblicken. In uns selber finden wir eine Welt von Lust und Leid, von Freude und Schmerz, von Leidenschaften, Trieben, Begierden und so weiter; wir finden in uns alles dasjenige, was wir mit einem anderen Worte unser Seelenleben nennen. Wir fassen dieses Seelenleben gewöhnlich so zusammen, daß wir sagen: Ich empfinde diese Lust, ich empfinde diesen Schmerz, ich habe diese Triebe, ich habe diese Leidenschaften. Aber wir haben wohl auch die Empfindung, daß hinter diesem Seelenleben sich irgend etwas verbirgt, daß dahinter irgend etwas steht, was ebenso durch unsere Seelenerlebnisse verdeckt wird, wie irgend etwas Äußeres verdeckt wird durch die sinnlichen Wahrnehmungen. Denn wer sollte sich darüber täuschen, daß Lust und Leid, Freude und Schmerz und all die anderen Seelenerlebnisse wie aus einem Unbekannten des Morgens beim Aufwachen aufsteigen, daß der Mensch ihnen in einer gewissen Weise hingegeben ist. Und wer könnte leugnen, wenn er in gewisser Selbstschau das alles vor sich hinstellt, daß da in ihm selber etwas Tieferes, etwas ihm zunächst Verborgenes sein muß, das wie aus sich herausströmen läßt unsere Lust und unser Leid, Freude und Schmerz und all unsere Seelenerlebnisse, die zunächst ebenso Offenbarungen sind eines Unbekannten, wie die äußeren sinnlichen Wahrnehmungen Offenbarungen eines Unbekannten sind.
[ 3 ] There we have one boundary. We find the other when we look within ourselves. Within ourselves, we find a world of pleasure and suffering, of joy and pain, of passions, drives, desires, and so on; we find within ourselves everything that we call, in other words, our inner life. We usually summarize this inner life by saying: I feel this pleasure, I feel this pain, I have these drives, I have these passions. But we also have the sense that something lies hidden behind this inner life, that there is something behind it that is just as obscured by our inner experiences as something external is obscured by sensory perceptions. For who could be under any illusion that pleasure and suffering, joy and pain, and all the other experiences of the soul arise, as it were, from some unknown source upon waking in the morning—that human beings are, in a certain sense, at their mercy? And who could deny—if, in a certain act of self-reflection, one were to set all this before oneself—that there must be something deeper within oneself, something initially hidden from one’s view, which allows our pleasure and our suffering, joy and pain, and all our inner experiences to flow forth as if from within itself; experiences that are, at first, just as much revelations of the unknown as external sensory perceptions are revelations of the unknown.
[ 4 ] Nun fragen wir uns einmal: Wenn zwei solche Grenzen da sind wenigstens zunächst vermutungsweise da sein können —, haben wir als Menschen nicht doch gewisse Möglichkeiten, diese Grenzen in irgendeiner Weise zu durchdringen? Gibt es für den Menschen irgend etwas in seinem Erleben, durch das er sozusagen den äußeren Teppich der Wahrnehmungen durchdringt, wie wenn er ein Häutchen durchdringen würde, das ihm etwas zudeckt, und gibt es etwas, was tiefer in das menschliche Innere hineinführt, hinter unsere Lust, hinter unseren Schmerz, hinter unsere Freude, hinter unsere Leidenschaft und so weiter? Können wir gleichsam einen Ruck weiter in die Außenwelt gehen, und können wir einen Ruck weiter in die Innenwelt gehen?
[ 4 ] Now let us ask ourselves: If two such boundaries exist—or at least might exist, hypothetically—do we, as human beings, not have certain possibilities for penetrating these boundaries in some way? Is there anything in human experience through which a person can, so to speak, penetrate the outer veil of perceptions—as if piercing a thin membrane that covers something—and is there anything that leads deeper into the human inner world, beyond our desire, beyond our pain, beyond our joy, beyond our passion, and so on? Can we, so to speak, take a step further into the outer world, and can we take a step further into the inner world?
[ 5 ] Nun gibt es ja zwei Erlebnisse, durch die in der Tat so etwas bewirkt wird, daß der Mensch sozusagen die Haut nach außen und den Widerstand nach innen in einer gewissen Weise besiegen kann. Wodurch kann sich uns zeigen, daß so etwas wie das äußere Häutchen, wie der äußere Sinnesteppich von uns in einer gewissen Weise zerrissen wird und wir in eine Welt eindringen, die verdeckt ist durch diesen Schleier des äußeren Sinnesteppichs? Wie kann sich uns das zeigen? Das kann sich uns zeigen, wenn wir in gewissen Lebensvorgängen etwas haben, was wir als neue Erlebnisse bezeichnen müssen gegenüber den gewöhnlichen Erlebnissen des Tages. Wenn es so etwas gibt, was ganz neue Erlebnisse sind, was der Mensch gewöhnlich nicht wahrnehmen kann, und wenn der Mensch während solcher Erlebnisse auch das Gefühl haben kann, daß die äußeren Wahrnehmungen, die uns durch die Sinne zukommen, hinunterschwinden, daß also der äußere Sinnesteppich gleichsam zerrissen wird, wenn das irgendwie der Fall wäre, dann könnten wir sagen, wir dringen etwas in diese hinter unseren Sinneswahrnehmungen liegende Welt ein.
[ 5 ] Now, there are indeed two experiences that bring about something that enables a person, so to speak, to overcome the skin on the outside and the resistance on the inside in a certain way. How can it become apparent to us that something like the outer membrane—the outer tapestry of the senses—is, in a certain way, torn away from us, allowing us to penetrate a world that is veiled by this outer tapestry of the senses? How can this become apparent to us? This can become apparent to us when, in certain life processes, we experience something that we must describe as new experiences in contrast to the ordinary experiences of daily life. If there is such a thing as entirely new experiences—ones that a person cannot ordinarily perceive—and if, during such experiences, a person can also have the feeling that the external perceptions reaching us through the senses are fading away, that is, that the outer sensory tapestry is, as it were, torn apart—if that were somehow the case—then we could say, we are penetrating somewhat into this world that lies beyond our sensory perceptions.
[ 6 ] Nun gibt es zunächst ein solches Erlebnis. Nur hat dieses Erlebnis einen ganz beträchtlichen Nachteil für das menschliche Gesamtleben. Dieses Erlebnis ist dasjenige, was man, und zwar sei jetzt der Ausdruck im eigentlichen Sinne des Wortes gemeint, gewöhnlich die Ekstase nennt, die einen Augenblick den Menschen, wenn wir so sagen dürfen, vergessen läßt, was um uns herum ist an Eindrücken der Sinnenwelt, die den Menschen so weit bringt, daß er für Augenblicke des Daseins nichts sieht von demjenigen, was an Farbe, Licht, an Tönen, Gerüchen und so weiter rings um ihn herum ist und unempfänglich wird für die gewöhnlichen sinnlichen Eindrücke. Dieses Erlebnis der Ekstase kann unter gewissen Umständen allerdings den Menschen so weit bringen, daß er neue Erlebnisse hat, Erlebnisse, die in das gewöhnliche Tageserleben nicht hereinfallen. Wohlgemerkt, es soll durchaus nicht diese Ekstase hier als etwas Erstrebenswertes hingestellt werden, sondern sie soll nur geschildert werden als etwas, was möglich ist. Man darf auch nicht jedes gewöhnliche Außer-sich-Sein als eine Ekstase bezeichnen. Denn es ist zweierlei möglich. Das eine ist, daß der Mensch, wenn er die Empfänglichkeit verliert für die äußeren sinnlichen Eindrücke, einfach in einer Art Ohnmachtszustand ist, in dem sich um ihn herum an Stelle der Sinneseindrücke schwarze Dunkelheit ausbreitet. Das ist sogar für den normalen Menschen im Grunde genommen zunächst das beste. Aber es gibt eine Ekstase, und wir werden im Laufe der Vorträge schon hören, welche Bedeutung solch eine Ekstase hat, durch welche nicht bloß schwarze Dunkelheit sich ausbreitet um den Menschen herum, sondern durch welche sich dieses Feld schwarzer Dunkelheit sozusagen bevölkert mit einer Welt, die der Mensch früher gar nicht gekannt hat. Sagen Sie nicht, das kann eine Welt der Illusion sein, eine Welt der Täuschung. Schön, es sei zunächst eine Welt der Illusion, eine Welt der Täuschung. Nennen Sie es meinetwillen eine Summe von Nebelbildungen oder sonstwie, darauf kommt es jetzt nicht an, sondern es kommt darauf an — seien es Illusionen, seien es Bilder, was immer —, daß es in der Tat eine Welt sein kann, die der Mensch bisher nicht gekannt hat. Der Mensch muß sich dann fragen: Bin ich denn imstande, nach alle dem, was ich mir an Fähigkeiten bisher angeeignet habe, mir aus meinem gewöhnlichen Bewußtsein heraus solche Dinge selber aufzubauen? — Wenn die Bilderwelt, die er da sieht, so ist, daß der Mensch sich sagen kann: Ich bin unfähig, nach meinen bisherigen Fähigkeiten, eine solche Welt aufzubauen — dann ist ihm klar, daß ihm diese Welt von irgendwoher gegeben sein muß. Ob ihm in ihr irgendein gewaltiger Weltenzauberer Blendwerk vorzaubert oder ob sie eine Realität ist, darüber sei hier noch nichts ausgemacht, darüber wollen wir später die Entscheidung fällen. Jetzt kommt es nur darauf an, daß es Zustände gibt, in denen der Mensch Welten sieht, die ihm bisher unbekannt waren.
[ 6 ] Now, to begin with, there is such an experience. However, this experience has a very significant drawback for human life as a whole. This experience is what is commonly called—and here the term is meant in the literal sense of the word—ecstasy, which for a moment causes a person, if we may put it that way, to forget the sensory impressions of the world around them, leading them to a state where, for fleeting moments of existence, they see nothing of the colors, light, sounds, smells, and so on, that surround them, and makes them impervious to ordinary sensory impressions. Under certain circumstances, however, this experience of ecstasy can indeed lead a person to new experiences—experiences that do not fall within the realm of ordinary daily life. Mind you, this ecstasy is by no means intended to be presented here as something to be striven for; rather, it is merely described as something that is possible. Nor should every ordinary state of being beside oneself be labeled as ecstasy. For two possibilities exist. One is that when a person loses receptivity to external sensory impressions, they simply find themselves in a kind of state of unconsciousness in which black darkness spreads around them in place of sensory impressions. For the normal person, this is actually, in essence, the best thing at first. But there is such a thing as ecstasy, and in the course of these lectures we will hear what significance such ecstasy holds—through which not merely black darkness spreads around the person, but through which this field of black darkness becomes, so to speak, populated by a world that the person had never known before. Do not say that this might be a world of illusion, a world of deception. Fine, let it be, for the time being, a world of illusion, a world of deception. Call it, for my sake, a collection of misty formations or whatever—that is not what matters now. What matters is—whether they are illusions, images, or whatever—that it can indeed be a world that human beings have not known until now. Human beings must then ask themselves: Am I, after all the abilities I have acquired so far, capable of constructing such things myself from within my ordinary consciousness? — If the world of images that he sees there is such that a person can say to himself: I am incapable, with the abilities I have acquired so far, of constructing such a world—then it is clear to him that this world must be given to him from somewhere. Whether some mighty world-magician is conjuring illusions within it or whether it is a reality—let us not decide that here; we will make that decision later. For now, the only thing that matters is that there are states in which a person sees worlds that were previously unknown to them.
[ 7 ] Nun ist aber dieser ekstatische Zustand mit einem ganz besonderen Nachteil für den normalen Menschen verbunden. Der Mensch kann nämlich auf natürliche Weise in diesen ekstatischen Zustand nicht anders kommen als dadurch, daß dasjenige, was er sonst sein Ich nennt, sein starkes inneres Selbst, wodurch er alle einzelnen Erlebnisse immer zusammenhält, wie ausgelöscht ist. Der Mensch, der in Ekstase ist, ist wirklich wie außer sich, sein Ich ist wie unterdrückt. Er ist wie ausgegossen und ausgeflossen in die neue Welt, mit der sich da die schwarze Finsternis bevölkert. So also haben wir zunächst das eine Erlebnis zu schildern, das ist ein Erlebnis, das unzählige Menschen schon gehabt haben und haben können; wie sie es haben können und gehabt haben, davon im Verlaufe der Vorträge Weiteres. Und wir haben ein Zweifaches in diesem Erlebnis der Ekstase vorliegen. Das eine ist: Es schwinden die Eindrücke der Sinne; alles, was der Mensch gewohnt ist, durch die Sinne wahrzunehmen, ist ausgelöscht; ausgelöscht sind die Erlebnisse, die der Mensch sonst hat gegenüber der Sinneswelt, wo er empfindet: Ich höre Töne, ich sehe Farben. — Ausgelöscht ist auch das Ich. Der Mensch erlebt sein Ich niemals im Zustande der Ekstase; er unterscheidet sich in der Ekstase nicht von den Gegenständen. Dadurch bleibt es auch zunächst noch unbestimmt, ob man es mit einer äußeren Wirklichkeit oder mit Blendwerk zu tun hat. Denn im Grunde genommen ist es nur das Ich, das die Entscheidung treffen kann, ob man es zu tun hat mit Gaukelei oder mit einer Realität.
[ 7 ] However, this ecstatic state is associated with a very particular drawback for the average person. For a person cannot naturally enter this ecstatic state except by having what he otherwise calls his “I”—his strong inner self, through which he always holds all his individual experiences together—effectively erased. A person who is in ecstasy is truly beside themselves; their “I” is as if suppressed. They are as if poured out and flowing into the new world, which is now filled with black darkness. So, first of all, we must describe this one experience—an experience that countless people have already had and are capable of having; we will discuss further in the course of these lectures how they can have it and have had it. And we have a twofold aspect in this experience of ecstasy. The first is this: the sensory impressions fade; everything a person is accustomed to perceiving through the senses is extinguished; extinguished are the experiences a person otherwise has in relation to the sensory world, where they feel: “I hear sounds, I see colors.” — The “I” is also extinguished. A person never experiences their “I” in a state of ecstasy; in ecstasy, they do not distinguish themselves from objects. Consequently, it remains initially unclear whether one is dealing with an external reality or with an illusion. For, fundamentally, it is only the “I” that can decide whether one is dealing with an illusion or with reality.
[ 8 ] Diese zwei Erlebnisse gehen also in der Ekstase parallel, der Verlust oder wenigstens die Herabminderung des Ich-Gefühls, auf der einen Seite, und auf der andern Seite das Hinschwinden der äußeren Sinneswahrnehmung. Die Ekstase zeigt also wirklich, wie in der Tat der Teppich der Sinneswelt sich auflöst, abbröckelt, und unser Ich, das wir sonst fühlen, wie wenn es sich stößt an der Haut, an dem Teppich der äußeren Sinneswelt, nun durchfließt durch die sinnlichen Wahrnehmungen und in einer Welt von Bildern lebt, die ihm etwas Neues ist. Denn das ist das Charakteristische, daß in der Ekstase der Mensch Wesenheiten und Begebenheiten kennenlernt, die ihm früher unbekannt waren, die er nirgends finden würde, wie weit er auch mit seinem sinnlichen Anschauen und mit dem Kombinieren über die sinnlichen Tatsachen gehen würde; das ist das Wesentliche also, daß der Mensch Neues kennenlernt. In welchem Verhältnis das zur Realität steht, werden wir in den späteren Vorträgen noch kennenlernen.
[ 8 ] These two experiences thus occur in parallel during ecstasy: the loss—or at least the diminishing—of the sense of self on the one hand, and the fading of external sensory perception on the other. Ecstasy thus truly reveals how the fabric of the sensory world dissolves and crumbles, and how our “I”—which we otherwise feel as if it were touching the skin, the fabric of the external sensory world—now flows through sensory perceptions and lives in a world of images that is something new to it. For this is the defining characteristic: that in ecstasy, a person comes to know beings and events that were previously unknown to them, which they would never find anywhere, no matter how far they might go with their sensory observation and with reasoning based on sensory facts; this, then, is the essential point—that a person comes to know something new. We will explore the relationship this has to reality in later lectures.
[ 9 ] So sehen wir in der Ekstase etwas wie ein Durchbrechen der äußeren Grenze, die dem Menschen gegeben ist. Ob wir in der Ekstase in eine wahre Welt kommen, ob diese Welt diejenige ist, von der wir vermuten, daß sie als Geistiges zugrunde liegt unserer sinnlichen Welt, das wird sich noch zeigen.
[ 9 ] Thus, in ecstasy, we see something like a breaking through of the outer boundary imposed upon human beings. Whether we enter a true world in ecstasy, and whether this world is the one we suspect lies at the foundation of our sensory world as a spiritual reality, remains to be seen.
[ 10 ] Nun fragen wir nach der andern Seite, ob wir auch hinter unsere innere Welt kommen können, hinter die Welt unserer Lust, unseres Leides, unserer Freude, unseres Schmerzes, unserer Leidenschaften, Triebe und Begierden. Auch da gibt es einen Weg. Es gibt wiederum Erlebnisse, welche hinausführen aus dem Bereich des Seelenlebens, wenn wir dieses immer mehr und mehr in sich selbst vertiefen. Der Weg, der da beschritten wird, ist derjenige, den Sie ja auch kennen, es ist der Weg der sogenannten Mystik, der Weg vieler Mystiker. Das mystische Vertiefen besteht darin, daß der Mensch zunächst ablenkt seine Aufmerksamkeit von den äußeren Eindrücken, daß er sich dafür aber um so mehr hingibt den eigenen inneren Seelenerlebnissen, daß er versucht, insbesondere aufzumerken auf dasjenige, was er in sich selber erlebt. Solche Mystiker, die die Kraft haben, nicht zu fragen nach den äußeren Veranlassungen ihres Interesses, ihrer Sympathie und Antipathie, nicht zu fragen nach den äußeren Veranlassungen ihres Schmerzes, ihrer Lust, sondern die lediglich auf dasjenige sehen, was da an Erlebnissen in der Seele auf und ab flutet, solche Mystiker dringen in der Tat auch tiefer in das Seelenleben ein. Sie haben dann ganz bestimmte Erlebnisse, welche sich unterscheiden von den gewöhnlichen seelischen Erlebnissen.
[ 10 ] Now let us ask about the other side: Can we also go beyond our inner world—beyond the world of our pleasure, our suffering, our joy, our pain, our passions, instincts, and desires? There is a way there, too. There are, in turn, experiences that lead us beyond the realm of the inner life as we delve deeper and deeper into it. The path taken here is one you are already familiar with; it is the path of so-called mysticism, the path of many mystics. Mystical deepening consists in a person first diverting their attention from external impressions, but in return devoting themselves all the more to their own inner spiritual experiences, striving in particular to pay attention to what they experience within themselves. Such mystics—who have the strength not to inquire into the external causes of their interests, sympathies, and antipathies, nor into the external causes of their pain and pleasure, but who look solely at the experiences that ebb and flow within the soul—such mystics do indeed penetrate more deeply into the life of the soul. They then have very specific experiences that differ from ordinary psychological experiences.
[ 11 ] Ich schildere nun wiederum etwas, was unzählige Menschen erfahren haben und noch erfahren können. Ich schildere zunächst nur die Erfahrungen, die der Mensch macht, wenn er nur ein wenig über das normale Erleben hinausschreitet. Solche Erfahrungen bestehen zum Beispiel darin, daß der Mystiker, der sich versenkt, gewisse Gefühle und Empfindungen in sich selber umprägt, zu ganz anderen macht. Sagen wir zum Beispiel, wenn der gewöhnliche, normale Mensch, der im Leben steht und der sehr weit entfernt ist von irgendwelchem mystischen Erleben, durch einen anderen Menschen einen Schlag erhält, der ihm weh tut, dann richtet sich gewöhnlich sein Gefühl gegen diesen andern Menschen. Das ist ja das Natürliche im Leben. Derjenige nun, der mystisch in sich selber sich versenkt, der bekommt durch sein Versenken selber ein anderes Gefühl bei einem solchen Schlag. Also wohlgemerkt, ich schildere eine Erfahrung; ich sage nicht, es soll so sein; ich schildere dasjenige, was gewisse Menschen, und es gibt deren viele, erleben. Sie bekommen das Gefühl in sich: Du hättest diesen Schlag auf keinen Fall erhalten, wenn du nicht selber irgendwann einmal durch eine Tat in deinem Leben ihn verschuldet hättest. Es würde einfach der Mensch dir nicht in den Weg gebracht worden sein, wenn du nicht irgend etwas getan hättest, was die Ursache zu diesem Schlage ist. Du kannst daher nicht berechtigterweise dein Gegengefühl gegen diesen Menschen richten, der eigentlich nur durch die Weltereignisse dir in den Weg geführt worden ist, damit du den Schlag verspüren kannst, den du verdient hast. — Solche Menschen bekommen dann, wenn sie alle ihre verschiedenen Seelenerlebnisse ganz außerordentlich vertiefen, auch ein gewisses Gesamtgefühl über das gesamte Seelenleben, und dieses Gesamtgefühl läßt sich etwa so charakterisieren. Sie sagen sich: Ich habe viel Leid, viel Schmerz in mir, aber die habe ich selber irgendwann einmal verursacht. Ich muß irgendwelche Dinge getan haben, ich muß mich irgendwie verhalten haben; wenn es mir nicht erinnerlich ist, daß ich es in diesem Leben getan habe, nun, so ist es ja ganz klar, daß es eben ein anderes Leben gegeben haben muß, wo ich die Dinge getan habe, die ich jetzt ausgleiche durch mein Leid, durch meine Schmerzen.
[ 11 ] I will now once again describe something that countless people have experienced and may still experience. To begin with, I will describe only the experiences a person has when they step just a little beyond normal experience. Such experiences consist, for example, in the mystic, as he immerses himself, reshaping certain feelings and sensations within himself, transforming them into something entirely different. Let us say, for example, that when an ordinary, normal person—who is living his everyday life and is very far removed from any kind of mystical experience—receives a blow from another person that causes him pain, his feelings are usually directed against that other person. That is, after all, the natural course of life. The person, however, who immerses himself mystically within himself, experiences a different feeling when struck in this way as a result of his immersion. So, mind you, I am describing an experience; I am not saying it must be this way; I am describing what certain people—and there are many of them—experience. They feel within themselves: You would never have received this blow if you yourself had not, at some point, brought it upon yourself through an action in your life. That person simply would not have been placed in your path if you hadn’t done something that was the cause of this blow. You therefore cannot justifiably direct your resentment toward this person, who was actually only led into your path by the events of the world so that you could feel the blow you deserved. — Such people, when they delve exceptionally deeply into all their various soul experiences, also develop a certain overall sense of the entire life of the soul, and this overall sense can be characterized something like this. They say to themselves: I have a great deal of suffering, a great deal of pain within me, but I myself caused it at some point. I must have done certain things; I must have behaved in a certain way. If I cannot recall having done them in this life, well, then it is quite clear that there must have been another life in which I did the things that I am now balancing out through my suffering and my pain.
[ 12 ] Es ist also so, daß durch dieses Hinuntersteigen der Seele in sich selber die Seele ihre bisherigen Empfindungen ändert und daß sie sozusagen mehr nun auf sich selbst lädt, mehr in sich sucht, was sie früher in der Welt gesucht hat. Denn man sucht mehr in sich, wenn man sagt: Der Mensch, der mir den Schlag versetzt hat, ist mir in den Weg gebracht worden, weil ich selbst die Ursache dazu gegeben habe — als wenn man seine Empfindungen nach außen richtet. Und so kommt es, daß solche Menschen immer mehr und mehr in das eigene Innere abladen, gleichsam das innere Seelenleben immer mehr und mehr verdichten. Wie der Ekstatiker durch den Teppich der äußeren Sinneswelt hindurchdringt und in eine Welt hineinblickt von Wesenheiten und Tatsachen, die ihm bisher unbekannt waren, so dringt der Mystiker unter sein gewöhnliches Ich hinunter. Denn dieses gewöhnliche Ich wendet sich gegen den Schlag, der von außen kommt; der Mystiker aber dringt durch zu etwas, was diesem Schlag zugrunde liegt, zu dem, was die eigentliche Veranlassung gewesen ist zu dem Schlage. Damit gelangt der Mystiker allerdings dahin, daß er allmählich die Außenwelt ganz aus dem Auge verliert. Er verliert überhaupt den Begriff der Außenwelt nach und nach und es vergrößert sich ihm gleichsam wie zu einer ganzen Welt sein eigenes Ich, dasjenige, was in seinem Innern ist. Ebensowenig wie wir heute zunächst schon entscheiden wollen, ob die Welt des Ekstatikers eine Realität ist oder eine Phantasie, irgendein Blendwerk, ebensowenig wollen wir heute schon darüber entscheiden, ob dasjenige, was da der Mystiker in seiner Seele findet unter dem Schleier der gewöhnlichen Seelenerlebnisse, irgend etwas ist, was eine Realität ist oder nicht, ob er es selber ist, der verursacht hat, was ihm Schmerz bereitet. Vielleicht ist das auch nur eine Träumerei, aber es ist ein Erlebnis, das der Mensch tatsächlich haben kann. Darauf kommt es an. Jedenfalls dringt da der Mensch auf der andern Seite in eine Welt ein, die ihm bisher unbekannt war. Das ist das Wesentliche. So dringt der Mensch nach der einen und nach der anderen Seite in eine Welt ein, die ihm bisher unbekannt war, nach außen und nach innen.
[ 12 ] It is thus the case that, through this descent of the soul into itself, the soul changes its previous feelings and, so to speak, now turns more inward, seeking within itself what it previously sought in the world. For one looks more within oneself when one says: “The person who struck me was placed in my path because I myself provided the cause for it”—rather than when one directs one’s feelings outward. And so it comes to pass that such people turn more and more inward, as it were, increasingly intensifying the inner life of the soul. Just as the ecstatic person penetrates through the veil of the external sensory world and gazes into a world of beings and realities previously unknown to them, so the mystic delves beneath their ordinary “I.” For this ordinary “I” turns against the blow that comes from without; but the mystic penetrates to something that underlies this impact—to that which was the actual cause of the impact. In this way, the mystic gradually loses sight of the external world entirely. He gradually loses all concept of the external world, and his own “I”—that which is within him—expands, as it were, into a whole world of its own. Just as we do not wish to decide today, at this early stage, whether the world of the ecstatic person is a reality or a fantasy, some kind of illusion, so too do we not wish to decide today whether what the mystic finds within his soul beneath the veil of ordinary soul experiences is something that is real or not, or whether it is he himself who has caused what brings him pain. Perhaps this is merely a daydream, but it is an experience that a person can actually have. That is what matters. In any case, on the other side, the human being enters a world that was previously unknown to him. That is the essential point. Thus, the human being enters a world that was previously unknown to him on both sides—outwardly and inwardly.
[ 13 ] Überlegen wir uns nun, was eben gesagt worden ist, daß der Mensch sein Ich verliert, wenn er ekstatisch wird, so werden wir uns sagen müssen: Dieser ekstatische Zustand ist somit nicht etwas, was für den gewöhnlichen Menschen etwas ganz Vorzügliches ist. Denn alle menschliche Orientierung in der Welt, alle Möglichkeit, in der Welt unsere Mission zu vollziehen, beruht darauf, daß wir in unserem Ich einen festen Mittelpunkt unseres Wesens haben. Wenn uns die Fkstase die Möglichkeit nimmt, dieses Ich zu fühlen, dieses Ich zu erleben, dann haben wir uns durch die Ekstase zunächst selber verloren. Wenn nun auf der anderen Seite der Mystiker alles hineinschiebt in das Ich, wenn er das Ich sozusagen zu dem Schuldigen für alles, was wir empfinden, macht, dann hat das einen anderen Nachteil. Dann hat das den Nachteil, daß wir alle Ursachen zu demjenigen, was geschieht in der Welt, zuletzt in uns suchen würden, und daß wir damit auch wiederum die gesunde Orientierung in der Welt verlieren würden. Denn würden wir das in Taten umsetzen, so würden wir niemals etwas anderes tun als uns selber beladen mit lauter Schuld und uns nicht in das richtige Verhältnis zur Außenwelt setzen können.
[ 13 ] If we now reflect on what has just been said—that a person loses their sense of self when they enter a state of ecstasy—we must conclude that this ecstatic state is therefore not something that is particularly desirable for the average person. For all human orientation in the world, all possibility of fulfilling our mission in the world, rests on the fact that we have in our “I” a firm center of our being. If ecstasy robs us of the ability to feel this “I,” to experience this “I,” then we have, through ecstasy, first and foremost lost ourselves. If, on the other hand, the mystic attributes everything to the “I”—if he makes the “I,” so to speak, the culprit for everything we feel—then this has another drawback. It has the disadvantage that we would ultimately seek all the causes of what happens in the world within ourselves, and that we would thereby also lose our healthy orientation in the world. For if we were to put this into practice, we would never do anything other than burden ourselves with nothing but guilt and would be unable to establish the proper relationship with the outside world.
[ 14 ] So also verlieren wir nach beiden Richtungen hin, mit der gewöhnlichen Ekstase und als gewöhnliche Mystiker, die Fähigkeit der Orientierung in der Welt. Daher ist es gut, dürfen wir sagen, daß der Mensch sich sozusagen nach zwei Richtungen fortwährend stößt. Wenn er nach außen hin mit seinem Ich sich entfaltet, so stößt er sich an den Sinneswahrnehmungen, die lassen ihn nicht durch bis zu dem, was hinter dem Schleier des Sinnenteppichs liegt, und das ist zunächst gut für den Menschen, denn dadurch kann er im normalen Verhalten sein Ich aufrechterhalten. Und auf der anderen Seite lassen ihn auch die Seelenerlebnisse im normalen Verhalten nicht durch unter das Ich hinunter, unter jene Gefühle des Ich, die eben zum normalen Orientieren führen. Der Mensch ist eingeschlossen zwischen zwei Grenzen: er geht eine Weile hinaus in die Welt und wird da begrenzt; er geht hinein in das Seelenleben und erfährt, was wir Lust und Leid, Freude und Schmerz und so weiter nennen, aber er dringt im normalen Leben eben nicht weiter als bis zu demjenigen, was ihm eine Orientierung im Leben möglich macht.
[ 14 ] Thus, in both directions—through ordinary ecstasy and as ordinary mystics—we lose the ability to orient ourselves in the world. Therefore, we may say that human beings are, so to speak, constantly propelled in two directions. When he unfolds outwardly with his ego, he comes up against sensory perceptions, which do not allow him to penetrate to what lies behind the veil of the sensory tapestry; and this is, for the time being, good for the human being, for in this way he can maintain his ego in normal behavior. And on the other hand, the experiences of the soul also do not allow him, in normal behavior, to penetrate beneath the “I”—beneath those feelings of the “I” that lead precisely to normal orientation. Human beings are enclosed between two boundaries: they venture out into the world for a while and are limited there; they enter into their inner life and experience what we call pleasure and suffering, joy and pain, and so on, but in normal life they do not penetrate any further than to that which enables them to find their bearings in life.
[ 15 ] Nun ist das, was da geschildert worden ist, sozusagen der Vergleich des gewöhnlichen Zustandes mit den abnormen Zuständen, die eben in Ekstase oder in einer sich selbst verlierenden Mystik zu finden sind. Ekstase und Mystik sind abnorme Zustände. Aber es gibt im ganz gewöhnlichen Menschenleben etwas, wo wir diese Zustände viel, viel deutlicher beobachten können, und das sind die gewöhnlichen Wechselzustände, die wir durchmachen in vierundzwanzig Stunden, den Wechselzuständen zwischen Wachen und Schlafen.
[ 15 ] Now, what has been described here is, so to speak, a comparison of the ordinary state with the abnormal states found in ecstasy or in a form of mysticism in which one loses oneself. Ecstasy and mysticism are abnormal states. But there is something in ordinary human life where we can observe these states much, much more clearly, and that is the ordinary transitions we go through in a twenty-four-hour period—the transitions between waking and sleeping.
[ 16 ] Was tun wir eigentlich im Schlaf? Nun, im Schlaf machen wir in der Tat genau dasselbe in einer gewissen Beziehung, was wir jetzt als einen abnormen Zustand geschildert haben in der Ekstase: wir gehen mit unserem eigentlichen inneren Leben nach außen; wir verbreiten den inneren Menschen in die Außenwelt. Das ist in der Tat der Fall. So wie wir unser Ich gleichsam ergießen nach außen in der Ekstase, wie wir in der Ekstase unser Ich verlieren, so verlieren wir im Schlafe unser Ich-Bewußtsein. Aber wir verlieren mehr im Schlafe, und das ist nun das Gute. In der Ekstase verlieren wir nur das Ich, aber wir behalten eine Welt um uns herum, eine Welt, die wir allerdings vorher nicht gekannt haben, eine Welt von meinetwillen bisher uns unbekannten Bildern, von geistigen Tatsachen und Wesenheiten. Im Schlafe fehlt uns auch diese Welt, im Schlafe ist auch diese Welt nicht vorhanden. Somit also unterscheidet sich der Schlaf von der Ekstase dadurch, daß der Mensch zum Auslöschen seines Ich auch noch dasjenige auslöscht, was man Wahrnehmungsfähigkeit nennt. Ob sie nun physisch oder geistig ist, im Schlafe löscht der Mensch die Fähigkeit, irgend etwas wahrzunehmen, überhaupt aus. Während er in der Ekstase bloß das Ich auslöscht, löscht er im Schlafe auch noch die Wahrnehmungsfähigkeit aus oder, wie wir mit Recht sagen, er löscht das Bewußtsein aus. Es ist das Bewußtsein aus seinem menschlichen Erleben herausgegangen. Er hat hinergossen in die Welt eben nicht bloß das Ich, sondern er hat dieser Welt auch übergeben sein Bewußtsein. Dasjenige also, was im Schlafe für den Menschen zurückbleibt, das ist etwas, aus dem das Bewußtsein und das Ich heraus sind. Somit haben wir im schlafenden Menschen, den wir im gewöhnlichen Leben vor uns haben, etwas vor uns, was sich entledigt hat seines Bewußtseins und seines Ich. Und wohin ist das Bewußtsein und ist das Ich gegangen? Wir können sogar auch diese Frage, nach der Schilderung der Ekstase, beantworten. Wenn bloß die Ekstase eintritt und nicht der Schlaf, dann ist um uns eine Welt von geistigen Wesenheiten und Tatsachen. Nehmen wir nun an, wir schälen auch noch unser Bewußtsein heraus zu dem Ich, wir geben auch unser Bewußtsein auf, in demselben Augenblick tritt schwarze Finsternis um uns herum ein — wir schlafen. So haben wir im Schlafe hingegeben unser Ich, wie in der Ekstase, und auch — und das charakterisiert den Schlaf — unser Bewußtsein. Daher können wir sagen: Der Schlaf des Menschen ist eine Art Ekstase, in der der Mensch nicht bloß mit seinem Ich außer seinem Leibe ist, sondern in der er auch mit seinem Bewußtsein außer seinem Leibe ist. Was wir Ich nennen, das haben wir in der Ekstase hingegeben. Das ist ein Glied der menschlichen Wesenheit. Im Schlaf geht nun noch ein anderes hinaus, der Träger unserer Bewußtseinserscheinungen, das ist der astralische Leib. Da haben Sie einen zunächst ganz aus dem gewöhnlichen Leben gewonnenen Begriff dessen, was man in der Geisteswissenschaft den astralischen Leib nennt. Das Ich ist dasjenige, was in dieser Ekstase aus dem physischen Leib herausgeht; wenn nun im Schlafe auch dasjenige herausgeht, was man astralischen Leib nennt, so ist dadurch ausgelöscht die Möglichkeit, ein Bewußtsein zu haben.
[ 16 ] What do we actually do while we sleep? Well, in a certain sense, what we do while sleeping is exactly the same as what we have just described as an abnormal state in ecstasy: we project our true inner life outward; we extend the inner self into the outer world. That is indeed the case. Just as we, so to speak, pour our “I” outward in ecstasy—just as we lose our “I” in ecstasy—so do we lose our sense of “I” in sleep. But we lose more in sleep, and that is the good part. In ecstasy we lose only the “I,” but we retain a world around us—a world that we did not know before, a world of images hitherto unknown to us, of spiritual facts and entities. In sleep, we lack this world as well; in sleep, this world, too, does not exist. Thus, sleep differs from ecstasy in that, in order to extinguish the “I,” a person also extinguishes what is called the capacity for perception. Whether it is physical or spiritual, in sleep a person completely extinguishes the ability to perceive anything at all. While in ecstasy one merely extinguishes the “I,” in sleep one also extinguishes the capacity for perception—or, as we rightly say, one extinguishes consciousness. Consciousness has departed from one’s human experience. One has poured into the world not merely the “I,” but has also surrendered one’s consciousness to this world. So what remains of the human being during sleep is something from which consciousness and the “I” have departed. Thus, in the sleeping human being whom we encounter in ordinary life, we have before us something that has divested itself of its consciousness and its “I.” And where have consciousness and the “I” gone? We can even answer this question following the description of ecstasy. When ecstasy sets in—and not sleep—we are surrounded by a world of spiritual beings and realities. Now let us suppose that we also strip away our consciousness down to the “I”; let us also relinquish our consciousness—at that very moment, pitch-black darkness descends around us—we are asleep. Thus, in sleep we have relinquished our “I,” just as in ecstasy, and also—and this characterizes sleep—our consciousness. Therefore, we can say: Human sleep is a kind of ecstasy in which a person is not merely outside their body with their “I,” but in which they are also outside their body with their consciousness. What we call the “I,” we have surrendered in ecstasy. This is a member of the human being. In sleep, another element departs as well: the bearer of our conscious phenomena, namely the astral body. There you have a concept—derived initially entirely from ordinary life—of what is called the astral body in Spiritual Science. The “I” is that which leaves the physical body during this ecstasy; when, during sleep, that which is called the astral body also leaves, the possibility of having consciousness is thereby extinguished.
[ 17 ] So haben wir den schlafenden Menschen darzustellen zunächst als einen Zusammenhang von demjenigen, was im Bette liegen bleibt, das wollen wir jetzt nicht weiter untersuchen. Im Bette bleibt etwas liegen, das man äußerlich wahrnimmt. Aber etwas ist außer diesem schlafenden Menschen; etwas ist hingegeben an eine Welt, die zunächst eine Welt des Unbekannten ist. Hingegeben ist ein Glied der menschlichen Wesenheit, das auch in der Ekstase hingegeben ist: das ist das Ich. Hingegeben ist aber auch ein zweites Glied der menschlichen Wesenheit, das in der Ekstase noch nicht hingegeben ist, und das ist der astralische Leib des Menschen.
[ 17 ] Thus, we must first depict the sleeping person as a connection to that which remains in bed—we will not examine this further at present. Something remains in bed that can be perceived externally. But something exists outside this sleeping person; something is surrendered to a world that is, at first, a world of the unknown. Surrendered is one aspect of the human being that is also surrendered in ecstasy: this is the “I.” But a second aspect of the human being is also surrendered—one that is not yet surrendered in ecstasy—and that is the human being’s astral body.
[ 18 ] Nun zeigt uns also der Schlaf eine Art von Spaltung der menschlichen Wesenheit. Der eigentlich innere Mensch, das menschliche Bewußtsein und das menschliche Ich trennen sich von dem äußeren Menschen ab, und dasjenige, was im Schlafe eintritt, das ist das, daß der Mensch in einen Zustand kommt, in dem er nichts mehr weiß von all den Tageserlebnissen, in dem er nichts mehr in seinem Bewußtsein hat von demjenigen, was durch die äußeren Eindrücke in dieses Bewußtsein eintritt. Der Mensch ist im Schlafe als innerer Mensch an eine Welt hingegeben, von der er eben kein Bewußtsein hat; er ist in eine Welt ausgegossen, von der er nichts weiß. Nun bezeichnet man aus einem gewissen Grunde, den wir noch zur Genüge kennenlernen werden, diejenige Welt, in der der innere Mensch ist, diejenige Welt also, die sein Ich und seinen astralischen Leib aufgenommen hat, in der der Mensch so ist, daß er vergessen hat alle Eindrücke des Tages, als den Makrokosmos, als die große Welt. So daß wir also sagen, und das sei zunächst eine Andeutung, wir werden die Berechtigung dieses Ausdruckes noch kennenlernen: Der Mensch ist, während er schläft, an den Makrokosmos hingegeben, in den Makrokosmos ausgegossen, nur weiß er davon nichts.
[ 18 ] Sleep, then, reveals to us a kind of division within the human being. The truly inner human being—human consciousness and the human “I”—separates from the outer human being, and what occurs during sleep is that the human being enters a state in which he is no longer aware of any of the day’s experiences, in which he no longer retains in his consciousness anything that enters it through external impressions. In sleep, the human being, as the inner self, is surrendered to a world of which he has no consciousness; he is poured out into a world of which he knows nothing. Now, for a certain reason—which we shall come to know well enough—the world in which the inner human being resides, that is, the world that has taken in his “I” and his astral body, in which the human being has forgotten all the impressions of the day, is referred to as the macrocosm, as the great world. So we say—and let this be just a hint for now; we will come to understand the validity of this expression—that while the human being sleeps, he is surrendered to the macrocosm, poured out into the macrocosm, only he knows nothing of it.
[ 19 ] In diesen Makrokosmos ausgegossen ist der Mensch auch schon während der Ekstase; nur weiß er da etwas von diesem Zustand. Das ist das eigenartige der Ekstase, daß der Mensch etwas erlebt, seien es Bilder, seien es Wirklichkeiten, was ausgebreitet ist um ihn herum, etwas, was sozusagen einen gewaltigen großen Raum einnimmt und an das er sich wie hinverloren glaubt. Das erlebt er in der Ekstase. Er erlebt mit seinem Ich etwas wie ein Verlorensein dieses Ich, dafür aber ein Hingegossensein in ein Reich, das er bisher nicht gekannt hat. Dieses Hingegossensein in eine Welt, die sich unterscheidet von der gewöhnlichen Alltagswelt, wo man sich nur an seinen Körper hingegeben fühlt, dieses Hingegebensein an eine solche Welt berechtigt schon, von vornherein zu sprechen von einer großen Welt, von einem Makrokosmos, im Gegensatz zur kleinen Welt, in der wir mit unserem gewöhnlichen Tageserlebnis leben. Da fühlen wir uns in unsere Haut eingeschlossen. Das ist zunächst nur die oberflächlichste Charakteristik dieser Leibeswelt. Wir sind dann, wenn wir in Ekstase sind, wie hineingewachsen in die große Welt, in den Makrokosmos, wo auf Schritt und Tritt irgendwelche phantastische Gestalten vor uns aufsteigen — phantastische Gestalten, weil sie nicht ähnlich sind mit den Dingen in der physischen Welt. Wir können uns nicht von ihnen unterscheiden, wir wissen nicht, ob wir es nicht selber sind, was in diesen Gestalten lebt; wir fühlen uns ausgedehnt in eine große Welt, in den Makrokosmos. Und wenn wir so die Ekstase erfassen, dann können wir auch, wenigstens vergleichsweise, uns einen Begriff davon machen, warum wir unser Ich in der Ekstase verlieren.
[ 19 ] Even during ecstasy, a person is already immersed in this macrocosm; only, at that moment, they are unaware of this state. That is the peculiarity of ecstasy: that a person experiences something—be it images or realities—that is spread out all around him, something that, so to speak, occupies an immense space and into which he feels as if he were lost. This is what he experiences in ecstasy. With his “I,” he experiences something like a loss of this “I,” but in return a pouring out into a realm he has not known until now. This immersion in a world that differs from the ordinary world of everyday life—where one feels confined solely to one’s body—this surrender to such a world justifies speaking from the outset of a great world, of a macrocosm, in contrast to the small world in which we live out our ordinary daily experiences. There, we feel confined within our own skin. At first, this is merely the most superficial characteristic of this physical world. When we are in ecstasy, we are as if we have grown into the great world, into the macrocosm, where at every turn fantastical figures rise up before us—fantastical figures because they bear no resemblance to the things in the physical world. We cannot distinguish ourselves from them; we do not know whether it is not ourselves who live within these figures; we feel expanded into a vast world, into the macrocosm. And when we grasp ecstasy in this way, we can also—at least comparatively—form a concept of why we lose our sense of self in ecstasy.
[ 20 ] Denken Sie sich einmal dieses menschliche Ich verglichen mit einem Tropfen irgendeiner gefärbten Flüssigkeit. Nehmen wir nun an, wir haben ein ganz kleines Gefäß, gerade groß genug, daß es diesen Tropfen aufnehmen kann, so wird dieser gefärbte Tropfen zu sehen sein. Wenn wir nun diesen Tropfen nehmen und ihn vielleicht in ein großes Bassin verteilen, das ganz mit Wasser angefüllt sei, da ist dann derselbe Tropfen im Wasser, aber wahrzunehmen ist nichts mehr von ihm. Wenn Sie diesen Vergleich anwenden auf das Ich, das sich ausdehnt in die große Welt, in den Makrokosmos, sich einfach hinergießt in der Ekstase über den Makrokosmos, so können Sie sich vorstellen, daß es sich immer schwächer und schwächer fühlt, indem es immer größer und größer wird. Indem es sich hinergießt über den Makrokosmos, verliert es die Fähigkeit, sich selbst wahrzunehmen, wie der Tropfen sich verliert in dem großen Bassin. So begreifen wir, daß mit dem Übergehen des Menschen an eine große Welt das Ich sich verliert. Es ist ja da; es ist nur ausgegossen über diese große Welt, daher weiß es nichts von sich.
[ 20 ] Imagine this human “I” compared to a drop of some colored liquid. Now let’s suppose we have a very small vessel, just large enough to hold this drop; then this colored drop will be visible. If we now take this drop and spread it out, perhaps in a large basin filled entirely with water, the same drop is there in the water, but nothing of it can be perceived anymore. If you apply this analogy to the “I” that expands into the vast world, into the macrocosm—simply pouring itself out in ecstasy over the macrocosm—you can create a mental image of it feeling weaker and weaker as it grows larger and larger. As it pours itself out over the macrocosm, it loses the ability to perceive itself, just as the drop is lost in the large basin. Thus we understand that as the human being passes into a vast world, the “I” is lost. It is still there; it is merely poured out over this vast world, and therefore knows nothing of itself.
[ 21 ] Aber im Schlaf tritt noch etwas anderes Wichtiges für den Menschen ein. Das ist, daß der Mensch ja, solange er ein Bewußtsein hat, handelt. Nun hat er in der Ekstase ein Bewußtsein, aber nicht das sich orientierende Ich. Er handelt also außer seinem Ich. Er kontrolliert nicht seine Handlungen, er ist wie hingegeben an dasjenige, was die Eindrücke seines Bewußtseins sind. Das ist das Wesentliche der Ekstase, daß der Mensch zu irgendeinem Tun kommt und daß, wenn man einen solchen Menschen, der in der Ekstase handelt, von außen kontrolliert, man ihn wie ausgewechselt findet. Man findet, er ist nicht eigentlich er; er handelt wie unter lauter anderen Eindrücken, und weil dasjenige, was er da sieht, in der Regel eine Vielheit ist — denn in der Ekstase treten viele Ereignisse auf —, so ist er bald an diese, bald an jene Wesenheit hingegeben und macht den Eindruck einer zerrissenen Wesenheit. Das ist das Charakteristische des Ekstatikers, und das ist die Gefahr der Ekstase. In der Ekstase ist zwar der Mensch an eine geistige Welt hingegeben, aber an eine geistige Welt der Vielheit, die ihn in bezug auf seine innere Wesenheit zerreißt.
[ 21 ] But something else important for human beings occurs during sleep. This is that, as long as a person is conscious, they act. Now, in ecstasy, they are conscious, but they lack the self that provides orientation. Thus, they act outside of their “I.” They do not control their actions; they are, as it were, surrendered to the impressions of their consciousness. This is the essence of ecstasy: that a person engages in some kind of activity, and that if one observes such a person—who is acting in a state of ecstasy—from the outside, one finds them to be as if transformed. One finds that he is not really himself; he acts as if under entirely different impressions, and because what he sees there is generally a multiplicity—for many events occur in ecstasy—he is devoted now to this, now to that entity, and gives the impression of a torn-apart being. This is the characteristic feature of the person in ecstasy, and this is the danger of ecstasy. In ecstasy, the person is indeed devoted to a spiritual world, but to a spiritual world of multiplicity that tears him apart in relation to his inner essence.
[ 22 ] Nun aber, wenn wir den Schlaf betrachten, so müssen wir doch wohl schon aus der Schilderung gemerkt haben — es soll nicht etwa alles angegeben werden, was wir an Gründen dafür anführen können —, daß diese Welt, in die wir da eintreten, doch eine gewisse Realität hat. Man kann eine Welt so lange leugnen, solange man keine Wirkungen von ihr verspürt. Sie können mit jemandem vor einer Wand stehen. Der Betreffende behauptet: Hinter der Wand steht einer. — Sie können das für sich so lange nicht glauben, solange der hinter der Wand nicht klopft; aber sobald der klopft, so operieren Sie nicht mit der gesunden Vernunft, wenn Sie ableugnen, daß einer hinter der Wand stehe. Sobald Sie Wirkungen von einer Welt wahrnehmen, so hört die Möglichkeit auf, diese Welt als bloße Phantasie anzusehen. Gibt es nun Wirkungen aus derjenigen Welt heraus, die wir in der Ekstase noch sehen, die im Schlaf aber für den gewöhnlichen, normalen Menschen ausgelöscht ist? Nun, von der Wirkung aus dieser Welt heraus kann sich jeder überzeugen, wenn er am Morgen aufwacht. Wenn man am Abend einschläft, ist man müde, man hat Kräfte sozusagen verbraucht. Diese müssen ersetzt werden. Mit Kräften, mit denen man abends nicht einschläft, wacht man des Morgens auf. Während welcher Zeit hat man sie sich also angeeignet? Nun, man hat sie sich angeeignet während derjenigen Zeit, die verflossen ist vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Also während man hingegeben ist im Schlaf mit astralischem Leib und Ich an diejenige Welt, die man in der Ekstase noch sieht, die im Schlafe aber für den gewöhnlichen, normalen Menschen ausgelöscht ist, saugt man aus dieser Welt selber heraus diejenigen Kräfte, die man braucht für das Tagesleben. Die kommen aus dieser Welt heraus. Man braucht den Schlaf; weil man aus dieser selben Welt, die man in der Ekstase sieht, im Schlafe aber nicht, diejenigen Kräfte heraussaugen muß, die man für das Tagesleben braucht. Was Sie sich für genauere Vorstellungen darüber machen, das ist für unseren heutigen Zweck zunächst gleichgültig; aber wichtig ist es, daß diese Welt, die wir sehen in der Ekstase, die aber für das gewöhnliche Bewußtsein im Schlafe ausgelöscht ist, sich darstellt als diejenige Welt, aus der die Kräfte herausströmen, mit der wir die Müdigkeit wegschaffen, die am Abend da ist. Das ist also gerade so wie bei dem Klopfenden in unserem Beispiel, der hinter der Wand steht, den wir zwar nicht sehen, von dem wir aber Wirkungen wahrnehmen. Wir nehmen an jedem Morgen wahr die Wirkungen derjenigen Welt, die wir in der Ekstase sehen und im Schlafe nicht sehen. Wo aber eine Welt ist, die Wirkungen zeigt, da können wir auch nicht mehr von ihrer Irrealität sprechen. Die Welt, die wir in der Ekstase sehen, die aber im Schlafe ausgelöscht ist für das gewöhnliche Bewußtsein, sie zeigt uns Wirkungen in das gewöhnliche Tagesleben herein. Also werden wir nicht mehr von ihrer Irrealität sprechen können.
[ 22 ] Now, however, when we consider sleep, we must surely have already gathered from the description—without going so far as to list every possible reason we could cite—that this world into which we enter does indeed possess a certain reality. One can deny the existence of a world as long as one does not perceive any effects from it. You might be standing with someone in front of a wall. That person claims, “There’s someone standing behind the wall.”—You cannot believe this for yourself as long as the person behind the wall does not knock; but as soon as he knocks, you are not acting with sound reason if you deny that someone is standing behind the wall. As soon as you perceive effects from a world, the possibility of viewing that world as mere fantasy ceases. Are there effects emanating from that world which we still perceive in a state of ecstasy, but which are extinguished during sleep for the ordinary, normal person? Well, anyone can convince themselves of the effects emanating from this world when they wake up in the morning. When one falls asleep in the evening, one is tired; one has, so to speak, used up one’s energy. This energy must be replenished. One wakes up in the morning with energy that was not present when one fell asleep that evening. So during what period of time did one acquire this energy? Well, one acquired it during the time that elapsed between falling asleep and waking up. So while one is immersed in sleep—with one’s astral body and I in that world which one still sees in ecstasy but which, for the ordinary, normal person, is obscured during sleep—one draws from that very world the very forces one needs for daily life. They come from that world. One needs sleep because one must draw from this very same world—which one sees in ecstasy but not in sleep—the forces needed for daily life. Exactly how you form your mental image of this is, for our purposes today, of no consequence for the time being; but what is important is that this world—which we see in ecstasy but which is erased for ordinary consciousness during sleep—presents itself as the very world from which the forces flow that enable us to dispel the fatigue that is present in the evening. This is exactly like the person knocking in our example, who stands behind the wall—whom we do not see, but whose effects we perceive. Every morning we perceive the effects of that world which we see in ecstasy but do not see during sleep. But where there is a world that exhibits effects, we can no longer speak of its unreality. The world we see in ecstasy—but which is erased from ordinary consciousness during sleep—reveals its effects to us in ordinary daily life. Thus, we will no longer be able to speak of its unreality.
[ 23 ] So also sprechen wir davon, daß wir aus derselben Welt, in die wir hineinschauen in der Ekstase und die für das gewöhnliche Bewußtsein ausgelöscht ist im Schlafe, die für das Tagesleben stärkenden Kräfte heraussaugen. Das aber machen wir unter ganz besonderen Umständen. Wir machen es unter den Umständen, daß wir uns selber, wenn wir uns so ausdrücken dürfen, bei diesem Heraussaugen der Kräfte, bei diesem Ergießen der Kräfte aus einer geistigen Welt, dabei nicht zuschauen. Das ist das Wesentliche des Schlafes, daß wir in dem Schlaf etwas vollbringen, und daß wir uns bei dieser Tätigkeit nicht zuschauen. Wenn wir uns zuschauen würden bei dieser Tätigkeit, so würden wir uns überzeugen, daß wir es viel schlechter machen würden als wir es machen, wenn wir mit unserem Bewußtsein nicht dabei sind. Es gibt ja schon im gewöhnlichen Alltagsleben Dinge, von denen man sagen muß: Finger weg davon! —, denn manche Menschen machen die Dinge nur schlechter, wenn sie sie anrühren. In derselben Lage ist der Mensch, wenn die Kräfte durch den nächtlichen Schlaf ersetzt werden müssen, die am Tage vorher verbraucht worden sind. Wäre der Mensch dabei, könnte er sich zuschauen bei jener schwierigen Operation, die da vollzogen wird, wenn die verbrauchten Kräfte wieder ersetzt werden, könnte er selber mittun, nun, da würde etwas Schönes herauskommen; da würde er die ganze Prozedur gründlich verderben, weil er eben heute noch nicht fähig ist dazu. So also tritt tatsächlich das Segensvolle ein, daß der Mensch in dem Augenblicke, wo er, wenn er selbst dabei wäre, an seiner Fortentwickelung etwas verderben könnte, das Bewußtsein entrissen bekommt, daß er sein eigenes Dasein vergißt.
[ 23 ] So we speak of drawing from the very same world—the one we glimpse in ecstasy and which is obliterated for ordinary consciousness during sleep—the forces that sustain us in daily life. But we do this under very special circumstances. We do so under circumstances in which—if we may put it this way—we do not observe ourselves while drawing out these forces, while pouring these forces forth from a spiritual world. This is the essence of sleep: that we accomplish something in sleep, and that we do not observe ourselves engaged in this activity. If we were to observe ourselves during this activity, we would realize that we would do it much worse than we do when our consciousness is not present. Even in ordinary everyday life, there are things about which one must say: “Hands off!”—because some people only make things worse when they meddle with them. Human beings are in the same situation when the forces expended the previous day must be replenished through nighttime sleep. If the person were present, he could watch himself performing that difficult operation that takes place as the expended forces are replenished; he could participate himself—well, then something beautiful would come of it; but instead they would thoroughly ruin the entire procedure, because they are simply not yet capable of it. Thus, the blessing truly lies in the fact that at the very moment when a person—if they were present—could disrupt their own further development, they are robbed of consciousness, so that they forget their own existence.
[ 24 ] So also schreiten wir im Einschlafen, durch das Vergessen unseres eigenen Daseins in diese große Welt, in den Makrokosmos hinein. Der Mensch tritt jeden Abend beim Einschlafen aus seiner kleinen Welt, aus seinem Mikrokosmos in die große Welt, in den Makrokosmos hinaus und vereinigt sich, indem er seinen astralischen Leib und sein Ich ausgießt in den Makrokosmos, mit diesem Makrokosmos, mit der großen Welt. Aber weil er im heutigen Verlaufe seines Lebens nur fähig ist, in der Welt des Tageslebens zu wirken, so hört sein Bewußtsein auf in dem Momente, wo er den Makrokosmos betritt. Das drückte die Geheimwissenschaft immer dadurch aus, daß sie sagte: Zwischen dem Leben im Mikrokosmos und dem Leben im Makrokosmos liegt der Strom der Vergessenheit. Der Mensch dringt auf dem Strom der Vergessenheit in den Makrokosmos, in die große Welt, indem er mit dem Einschlafen aus dem Mikrokosmos in den Makrokosmos hinüberlebt. So können wir also sagen, daß der Mensch, wenn er des Abends einschläft, hinübertritt in eine andere Welt, in den Makrokosmos, in die große Welt, und daß dieses Hinübertreten sich so charakterisiert, daß der Mensch zwei Glieder seiner Wesenheit an diese große Welt, an den Makrokosmos, jede Nacht abgibt, den Astralleib und das Ich.
[ 24 ] And so, as we fall asleep—through the forgetting of our own existence—we step into this great world, into the macrocosm. Every evening, as a person falls asleep, they step out of their small world—out of their microcosm—into the great world, into the macrocosm, and unite with this macrocosm—with the great world—by pouring their astral body and their “I” into it. But because, in the course of his present life, he is capable only of acting within the world of daily life, his consciousness ceases the moment he enters the macrocosm. Esoteric science has always expressed this by saying: Between life in the microcosm and life in the macrocosm lies the stream of forgetfulness. Human beings enter the macrocosm—the greater world—via the stream of forgetfulness by passing from the microcosm into the macrocosm as they fall asleep. We can therefore say that when a person falls asleep in the evening, they cross over into another world—the macrocosm, the great world—and that this crossing over is characterized by the fact that every night the person surrenders two aspects of their being to this great world, to the macrocosm: the astral body and the ego.
[ 25 ] Nun betrachten wir demgegenüber den Moment des Aufwachens. Dieser Moment des Aufwachens besteht darin, daß der Mensch wiederum anfängt zu erleben erstens seine Lust, sein Leid, seine Freude, seinen Schmerz, alles das, was er an Trieben und Begierden und so weiter in den verflossenen Tagen erlebt hat. Das erlebt er heute nach und nach wieder; das ist das erste. Das zweite aber, das ihm wiederersteht beim Aufwachen, das ist sein Ich-Bewußtsein. Aus dem unbestimmten Dunkel des menschlichen Erlebens während des Schlafens treten mit dem Aufwachen heraus die Seelenerlebnisse und das Ich. Nun haben wir, wenn der Mensch aufwacht, einmal uns zu sagen: Ja, hätte der Mensch nur dasjenige an sich, was in der Nacht im Bette liegen geblieben ist, während er schläft, dann würde der Mensch nicht Schmerz leiden, er würde nicht Freude und Lust und alles dasjenige, was seine Seelenerlebnisse sind, erleben können. Das könnte er nicht, der Mensch. Denn dasjenige, was da liegt im Bette, ist im wahren Sinn des Wortes wie eine Pflanze: es lebt wie eine Pflanze, es erlebt nicht solche Erlebnisse wie Freude und Schmerz und so weiter. Aber dasjenige, was der innere Mensch ist, das erlebt ja in der Nacht auch nicht solche Erlebnisse, und dennoch ist dieser innere Mensch der Träger der Seelenerlebnisse. Nicht dasjenige, was im Bette liegt, hat Leid und Schmerz, hat Lust und Freude, sondern dasjenige, das beim Einschlafen hinausgegangen ist in die große Welt, in den Makrokosmos. Daraus können wir ersehen, daß zu dem Erleben von Lust und Leid, von Freude und Schmerz, von Trieben, Begierden, Leidenschaften, von Sympathie und Antipathie, außer dem astralischen Leib noch etwas anderes notwendig ist, nämlich, daß er untertauchen muß in dasjenige, was der äußere Mensch ist, was eben im Bette liegengeblieben ist. Wenn der Mensch nicht untertaucht in dasjenige, was im Bette liegengeblieben ist, so fühlt er nicht seine inneren Seelenerlebnisse. Wir können also sagen: Dasjenige, was wir ausgegossen haben in der Nacht in den Makrokosmos, in die große Welt, das wird uns im normalen menschlichen Leben dadurch erst wahrnehmbar, daß wir des Morgens untertauchen in das, was im Bette liegengeblieben ist.
[ 25 ] Now let us consider, by contrast, the moment of waking up. This moment of waking up consists in the fact that a person once again begins to experience, first of all, his pleasure, his suffering, his joy, his pain—everything he has experienced in terms of drives, desires, and so on during the past days. He experiences these things again, little by little, today; that is the first thing. The second thing, however, that returns to him upon waking, is his sense of self. Out of the indeterminate darkness of human experience during sleep, the soul experiences and the sense of self emerge upon waking. Now, when a person wakes up, we must ask ourselves: If only a person possessed only that which remained in bed during the night while he slept, then he would not suffer pain, nor would he be able to experience joy, pleasure, and all those things that constitute his soul experiences. The human being could not do that. For what lies there in bed is, in the true sense of the word, like a plant: it lives like a plant; it does not experience such things as joy and pain and so on. But that which is the inner human being does not experience such feelings at night either, and yet this inner human being is the bearer of the soul’s experiences. It is not that which lies in bed that experiences suffering and pain, pleasure and joy, but rather that which, upon falling asleep, has gone out into the great world, into the macrocosm. From this we can see that, in order to experience pleasure and suffering, joy and pain, drives, desires, passions, sympathy, and antipathy, something else is necessary besides the astral body—namely, that it must immerse itself in what the outer human being is, in what has remained lying in bed. If a person does not immerse themselves in what has remained in bed, they do not feel their inner soul experiences. We can therefore say: What we have poured out into the macrocosm—into the great world—during the night becomes perceptible to us in normal human life only when we immerse ourselves in the morning in what has remained in bed.
[ 26 ] Nun ist das wiederum ein Zweifaches, in das wir da untertauchen. Das eine, in das wir da untertauchen, wenn wir des Morgens aufwachen, ist dasjenige, was wir sozusagen nur erleben als inneres Leben. Wir erleben während des Tages die auf- und abwogenden Empfindungen und Gefühle, die Interessen, die Sympathien und Antipathien, wir erleben die Seelenerlebnisse. Wir können sie während der Nacht nicht erleben, sondern wir können sie nur erleben, wenn wir uns gleichsam stoßen, wenn wir eintauchen in dasjenige, was im Bette liegengeblieben ist während des Schlafes.
[ 26 ] Now, this is, in turn, a twofold reality into which we immerse ourselves. The first aspect into which we immerse ourselves when we wake up in the morning is that which we experience, so to speak, solely as inner life. During the day, we experience the ebb and flow of sensations and feelings, our interests, our sympathies and antipathies—we experience the inner workings of the soul. We cannot experience them during the night; rather, we can only experience them when we, as it were, encounter them—when we immerse ourselves in what has remained behind in bed during sleep.
[ 27 ] Aber wenn wir da hineintauchen, dann erleben wir nicht nur unsere Seelenerlebnisse, sondern wir erleben auch die äußere Welt der Sinneseindrücke. Wir erleben nicht nur die Freude zum Beispiel an der Rose, wir erleben auch das Rot der Rose. Die Freude an der Rose ist ein inneres Erlebnis; die rote Farbe der Rose ist etwas, was draußen ist. So ist es mit allem, was wir erleben während des gewöhnlichen Tagwachens. Überall erleben wir ein Zweifaches: Wir tauchen unter in unsere Leiblichkeit, und indem wir untertauchen, spiegeln sich uns entgegen, kommen uns entgegen wie ein Echo unsere inneren Seelenerlebnisse; aber auch eine äußere Welt tritt auf, wenn wir beim Aufwachen untertauchen in das, was im Bette während des Schlafes liegengeblieben ist. Daher muß dasjenige, was im Bette liegt im Schlafe, aus zwei Gliedern bestehen: ein Glied muß gleichsam spiegeln dasjenige, was wir innerlich erleben, und ein Glied muß uns möglich machen, gleichsam uns selbst zu durchdringen und in die Außenwelt hinaus als eine wirkliche zu sehen. Also es kann keine Einheit sein, was im Bette liegengeblieben ist während des Schlafes; es muß ein Zweifaches sein. Wäre nur eines da, so würden wir, wenn wir hineinschlüpfen beim Aufwachen, nur eine innere Welt erleben, oder wir würden nur eine äußere Welt erleben. Es würde nur ein Panorama vor uns ausgebreitet sein, oder aber wir würden nur innerlich auf- und absteigen haben Lust und Leid, Freude und Schmerz und so weiter. Wir haben aber beides, nicht nur das eine oder das andere. Wir tauchen da ein in den äußeren Menschen, der im Bette liegenbleibt während des Schlafes, und zwar tauchen wir so ein, daß wir eine innere Welt vor uns hingezaubert finden und eine äußere Welt. Wir tauchen also nicht in eine Einheit, sondern in eine Zweiheit ein. So wie es eine Zweiheit war, was wir ausgegossen haben in den Makrokosmos mit dem Einschlafen, so dringen wir beim Aufwachen in den Mikrokosmos ein, und dieser ist ebenfalls eine Zweiheit. Was uns befähigt, ein inneres Seelenleben zu erleben, das nennen wir den Äther- oder Lebensleib; und dasjenige, was uns befähigt, ein äußeres Tableau der Sinneswelt zu haben, das ist der physische Leib. So ist dasjenige, was im Bette liegt während des Schlafes, aus zwei Gliedern bestehend, aus dem physischen Leib und dem Äther- oder Lebensleib. Würden wir nur in den physischen Leib eindringen, wenn wir des Morgens aufwachen, so würden wir einem äußeren Tableau gegenüberstehen, aber wir wären innerlich leer und öde, wir hätten keine Lust, keinen Schmerz, kein Interesse an all dem, was da um uns ist und vorgeht, wir stünden kalt und seelenlos dem Tableau der Sinneswelt gegenüber. So wäre es, wenn wir bloß in unseren physischen Leib einzögen. Wenn wir bloß in unseren Äther- oder Lebensleib einzögen, dann würden wir keine Außenwelt vor uns haben, sondern wir würden eine Welt von Lust und Leid, von Freude und Schmerz und so weiter haben, die auf- und absteigen würde; wir würden es keiner Außenwelt zuschreiben können, wir hätten einfach eine Gefühlswelt, die auf- und absprudelte.
[ 27 ] But when we immerse ourselves in it, we experience not only our inner spiritual experiences, but also the outer world of sensory impressions. We experience not only the joy of the rose, for example, but also the red color of the rose. The joy of the rose is an inner experience; the red color of the rose is something that exists outside of us. This is true of everything we experience during ordinary waking life. Everywhere we experience a duality: we immerse ourselves in our physicality, and as we do so, our inner soul experiences are reflected back to us, coming toward us like an echo; but an outer world also emerges when, upon waking, we immerse ourselves in what has remained behind in bed during sleep. Therefore, what remains in bed during sleep must consist of two parts: one part must, as it were, reflect what we experience inwardly, and one part must enable us, as it were, to penetrate ourselves and see the external world as a reality. Thus, what has remained in bed during sleep cannot be a unity; it must be a duality. If there were only one, then when we slip into it upon waking, we would experience only an inner world, or we would experience only an outer world. Only a panorama would be spread out before us, or else we would have only inner fluctuations—pleasure and suffering, joy and pain, and so on. But we have both, not just one or the other. We immerse ourselves in the outer self that remains in bed while we sleep, and we do so in such a way that we find an inner world conjured up before us, as well as an outer world. We do not, therefore, immerse ourselves in a unity, but in a duality. Just as what we poured out into the macrocosm upon falling asleep was a duality, so, upon waking, we enter the microcosm, and this, too, is a duality. What enables us to experience an inner soul life is what we call the etheric or Life-Body; and what enables us to perceive an outer tableau of the sensory world is the physical body. Thus, what lies in bed during sleep consists of two parts: the physical body and the etheric or Life-Body. If we were to enter only the physical body when we wake up in the morning, we would be faced with an external scene, but we would be inwardly empty and desolate; we would have no pleasure, no pain, no interest in anything that is around us and taking place; we would stand cold and soulless before the scene of the sensory world. That is how it would be if we were to enter merely our physical body. If we were to enter merely our etheric or Life-Body, then we would not have an external world before us; rather, we would have a world of pleasure and suffering, of joy and pain, and so on, which would rise and fall; we would not be able to attribute it to any external world—we would simply have a world of feelings that bubbled up and down.
[ 28 ] Daraus sehen wir, daß wir dann, wenn wir des Morgens beim Aufwachen untertauchen in unseren äußeren Menschen, in ein Zweigliedriges untertauchen, untertauchen in ein solches, das wir bezeichnen als einen Spiegeler unserer Innenwelt, den Äther- oder Lebensleib, und untertauchen in dasjenige, was wir bezeichnen als den Verursacher des äußeren Sinnenteppichs, des äußeren Tableaus, das ist der physische Leib.
[ 28 ] From this we see that when we wake up in the morning and immerse ourselves in our outer being, we immerse ourselves in a two-part entity—one that we describe as a mirror of our inner world, the etheric or Life-Body— and we immerse ourselves in what we call the cause of the outer tapestry of the senses, the outer tableau—that is, the physical body.
[ 29 ] Damit haben wir gezeigt aus wirklich vorhandenen Erlebnissen heraus, daß wir ein gewisses Recht haben, beim Menschen zu sprechen von einer viergliedrigen Wesenheit, von vier Gliedern der menschlichen Wesenheit, von denen zwei Glieder im Schlafe dem Makrokosmos, der großen Welt, angehören, das Ich und der astralische Leib. Im Wachen gehören diese zwei Glieder der menschlichen Wesenheit, das Ich und der astralische Leib, dem Mikrokosmos an, der kleinen Welt, die in die menschliche Haut eingeschlossen ist. So verläuft das menschliche Leben so, daß der Mensch wechselweise lebt im Mikrokosmos und im Makrokosmos. Jeden Morgen tritt er in den Mikrokosmos ein. Diese kleine Welt, der Mikrokosmos, ist die Ursache unserer täglichen Erlebnisse vom Morgen, wenn wir aufwachen, bis zum Abend, wenn wir einschlafen. Und die Tatsache, daß wir im Schlafe mit unserem astralischen Leibe und dem Ich ausgegossen sind in die ganze große Welt, in den Makrokosmos, wie ein Tropfen ausgegossen ist in den Inhalt eines großen Bassins, das ist die Ursache, daß wir im Momente, wo wir hinaustreten aus dem Mikrokosmos, aus der kleinen Welt, durchgehen müssen durch den Strom der Vergessenheit.
[ 29 ] We have thus shown, based on actual experiences, that we have a certain right to speak of a fourfold being in human beings—of four members of the human being—two of which, during sleep, belong to the macrocosm, the great world: the “I” and the astral body. While awake, these two aspects of the human being—the “I” and the astral body—belong to the microcosm, the small world enclosed within the human body. Thus, human life unfolds in such a way that the human being alternately lives in the microcosm and in the macrocosm. Every morning, a person enters the microcosm. This small world, the microcosm, is the source of our daily experiences from the morning, when we wake up, until the evening, when we fall asleep. And the fact that, in sleep, we are poured out with our astral body and the “I” into the entire vast world—into the macrocosm—just as a drop is poured into the contents of a large basin—is the reason why, at the moment we step out of the microcosm, out of the small world, we must pass through the stream of forgetfulness.
[ 30 ] Nun können wir uns noch die Frage vorlegen: Wodurch kann denn der Mensch, wenn er mystisch sich vertieft, in einer gewissen Weise, jenen Zustand herbeiführen, welchen wir am Anfang unseres Vortrags charakterisiert haben? — Wir haben die Ekstase verstanden dadurch, daß da das Ich ausgegossen ist in den Makrokosmos und der astralische Leib im Mikrokosmos im physischen Leib darinnengeblieben ist. Wenn wir so die Sache fassen, so verstehen wir die Ekstase. Die Ekstase ist einfach ein Ergossensein des Ich in den Makrokosmos, während der astralische Leib im Mikrokosmos drinnengeblieben ist. Worin besteht denn nun dasjenige, was wir im Anfang der heutigen Betrachtung als einen mystischen Zustand geschildert haben? Dieser mystische Zustand besteht in folgendem: Unser Leben in dem physischen und in dem Äther- oder Lebensleib, im Mikrokosmos, in der kleinen Welt, vom Morgen beim Aufwachen bis zum Abend beim Einschlafen, ist ein höchst Eigentümliches. Wir gehen nicht etwa in unseren Äther- oder Lebensleib und in unseren physischen Leib so hinunter des Morgens beim Aufwachen, daß wir den Ätherleib und den physischen Leib wahrnehmen würden; wir nehmen nicht das Innere unseres physischen und unseres Ätherleibes wahr, trotzdem wir hineinsteigen. Unser physischer und unser Ätherleib machen möglich unser Seelenleben und unser äußeres Wahrnehmen; das ermöglichen uns diese beiden Glieder der menschlichen Wesenheit. Warum nehmen wir denn unser Seelenleben wahr, wenn wir des Morgens aufwachen? Gerade aus dem Grunde nehmen wir unser Seelenleben wahr, weil uns der Äther- oder Lebensleib nicht gestattet, wirklich sein Inneres wahrzunehmen. Geradesowenig wie uns der Spiegel gestattet, dasjenige zu sehen, was hinter ihm ist und uns gerade deshalb ermöglicht, uns selber darin zu sehen, so ist es mit unserem Äther- oder Lebensleib. Unser Ätherleib spiegelt unser Seelenleben zurück. Er läßt uns nicht dasjenige, was in ihm drinnen ist, wahrnehmen, sondern er spiegelt uns unser Seelenleben zurück. Weil er es uns zurückspiegelt, so erscheint er uns als der eigentliche Verursacher unseres Seelenlebens. Er erweist sich für uns als undurchdringlich, wir durchblicken sein Inneres nicht. Das ist gerade das eigenartige des menschlichen Äther- oder Lebensleibes, daß wir nicht in ihn hineindringen, sondern daß er uns unser eigenes Seelenleben zurückwirft. Das aber ist beim Mystiker der Fall durch jene starke Ausbildung des Seelenlebens. Durch dasjenige, was er an innerer Versenkung erlebt, gelingt es ihm bis zu einem gewissen Grade, in diesen Äther- oder Lebensleib hineinzudringen, nicht bloß das Spiegelbild zu sehen, sondern sich tatsächlich einzubohren in den Mikrokosmos. Dadurch, daß er sich in diese kleine Welt, in diesen Mikrokosmos, einbohrt, erlebt er in sich selber dasjenige, was sonst der Mensch im normalen Zustande im Äußeren erlebt, was sonst über die Außenwelt ergossen ist. Er erlebt, während sonst der Mensch zum Beispiel einen Schlag abwehrt, daß er sich gleichsam in sich hineinbohrt und die Ursache zu dem Schlage in sich selber sucht. Der Mystiker also bohrt sich bis zu einem gewissen Grade in seinen Ätherleib hinein, er dringt durch jene Schwelle durch, durch welche sonst das Seelenleben gespiegelt wird und dringt in das Innere seines Äther- oder Lebensleibes hinein. Und das sind Vorgänge in seinem eigenen Ätherleib, welche der Mystiker erlebt, wenn er jene Schwelle durchschreitet, durch welche sonst das Seelenleben gespiegelt wird. Dann aber, wenn er diese Schwelle überschreitet, erlebt der Mystiker in der Tat etwas, was in gewissem Sinne ähnlich ist dem Verlust des Ich durch die Ekstase. Das Ich ist gleichsam verdünnt worden, indem der Mensch es bei der Ekstase hinausergossen hat in den Makrokosmos, in die ganze große Welt. Jetzt, bei der mystischen Versenkung, bohrt der Mensch sein eigenes Innere in den Ätherleib hinein. Dadurch verdichtet das Ich sich jetzt. Und in der Tat erlebt der Mensch diese Verdichtung seines Ich dadurch, daß dasjenige aufhört, was beim gewöhnlichen Ich das Herrschende ist, nämlich das Orientierungsvermögen durch den an das Gehirn gebundenen Verstand und die Sinne, und daß er durch gewisse innere Gefühle die Impulse erhält zu seinem Handeln. Beim Mystiker ist alles, was aufsteigt, tiefstes inneres Erlebnis, weil die Dinge direkt aus seinem Äther- oder Lebensleib herauskommen, die andere Menschen nur durch den Ätherleib gespiegelt erhalten. Das sind die Gründe, warum der Mystiker solch starke innere Frlebnisse hat, weil er sich einbohrt in das Innere seines Äther- oder Lebensleibes.
[ 30 ] Now we can ask ourselves the following question: How can a person, when immersing themselves mystically, in a certain way bring about that state which we characterized at the beginning of our lecture? — We have understood ecstasy as a state in which the “I” is poured out into the macrocosm, while the astral body remains within the microcosm—that is, within the physical body. When we grasp the matter in this way, we understand ecstasy. Ecstasy is simply an outpouring of the “I” into the macrocosm, while the astral body remains within the microcosm. What, then, is the nature of what we described at the beginning of today’s reflection as a mystical state? This mystical state consists of the following: Our life in the physical body and in the etheric or Life-Body—in the microcosm, in the small world—from the morning when we wake up until the evening when we fall asleep, is highly peculiar. We do not descend into our etheric or Life-Body and our physical body in the morning upon waking in such a way that we would perceive the etheric body and the physical body; we do not perceive the innermost part of our physical and etheric bodies, even though we enter them. Our physical and etheric bodies make our soul life and our external perception possible; these two members of the human being make this possible for us. Why, then, do we perceive our soul life when we wake up in the morning? We perceive our soul life precisely because the etheric or Life-Body does not allow us to truly perceive its inner workings. Just as a mirror does not allow us to see what lies behind it—and yet, precisely for that reason, enables us to see ourselves in it—so it is with our etheric or Life-Body. Our etheric body reflects our soul life back to us. It does not allow us to perceive what lies within it, but rather reflects our soul life back to us. Because it reflects it back to us, it appears to us as the actual source of our soul life. It proves impenetrable to us; we cannot see through to its innermost being. This is precisely what is unique about the human etheric or Life-Body: that we do not penetrate it, but rather that it reflects our own soul life back to us. But this is the case with the mystic due to the intense development of his soul life. Through what he experiences in inner contemplation, he succeeds to a certain degree in penetrating this etheric or Life-Body, not merely to see the reflection, but to actually delve into the microcosm. By penetrating this small world, this microcosm, he experiences within himself what a person in a normal state otherwise experiences externally—what is otherwise poured out into the external world. For example, while a person would normally ward off a blow, the mystic experiences, as it were, a turning inward, seeking the cause of the blow within himself. The mystic, then, delves to a certain degree into his etheric body; he passes through that threshold through which the life of the soul is otherwise reflected and penetrates into the interior of his etheric or Life-Body. And these are processes within his own etheric body that the mystic experiences when he crosses that threshold through which the life of the soul is otherwise reflected. But then, when he crosses this threshold, the mystic does indeed experience something that, in a certain sense, is similar to the loss of the “I” through ecstasy. The “I” has, as it were, been diluted, in that during ecstasy the human being has poured it out into the macrocosm, into the entire vast world. Now, during mystical contemplation, the human being drills his own inner being into the etheric body. Through this, the “I” now becomes condensed. And indeed, the person experiences this condensation of the “I” through the cessation of what is dominant in the ordinary “I”—namely, the ability to orient oneself through the intellect and the senses, which are bound to the brain—and through the fact that the person receives the impulses for action through certain inner feelings. For the mystic, everything that arises is a profound inner experience, because these things emerge directly from his etheric or Life-Body—experiences that other people receive only as reflections through the etheric body. These are the reasons why the mystic has such powerful inner experiences: because he penetrates deep into the innermost core of his etheric or Life-Body.
[ 31 ] Während also der Ekstatiker sich verbreitet über den Makrokosmos, verengt sich der Mystiker mit seiner inneren Wesenheit in den Mikrokosmos hinein. Und nun zeigt sich etwas höchst Merkwürdiges. Beide Erlebnisse, das des Ekstatikers, wenn er gewisse Ereignisse und Wesenheiten draußen sieht, und das des Mystikers, wenn er gewisse Gefühle innerlich erlebt, die man sonst nicht erleben kann, stehen in einem gewissen Verhältnis, das man in folgender Weise charakterisieren kann: Unsere Welt, die wir sehen mit unseren Augen und die wir hören mit unseren Ohren, erregt in uns gewisse Gefühle von Lust und Schmerz und so weiter —, das fühlen wir, daß das im normalen Leben zusammengehört. Der eine Mensch kann sich mehr freuen über die Dinge und Geschehnisse der Außenwelt, der andere weniger; aber das sind nur Gradunterschiede, das sind keine solchen Unterschiede wie die in dem furchtbaren, vehementen Schmerz und wiederum in den Verzückungen des Mystikers gegenüber dem gewöhnlichen Erleben. Da sind allerdings gewaltige Unterschiede vorhanden zwischen dem, was der gewöhnliche Mensch erleben kann, und dem, was der Mystiker erlebt an inneren Seligkeiten und an inneren Verzückungen und Qualen. Das ist ein gewaltiger Unterschied in der Qualität. Ebenso ist ein gewaltiger Unterschied zwischen dem, was der gewöhnliche Mensch mit seinen Augen sehen und mit seinen Ohren hören kann, und dem, was der Ekstatiker wahrnimmt, wenn er einer Welt hingegeben ist, die nicht ähnlich ist der Sinnenwelt. Wenn man den Ekstatiker aber beschreiben lassen würde seine Welt und dann den Mystiker anhörte und ihn beschreiben lassen würde seine Seligkeiten und Verzückungen und Qualen, dann würde man sagen können: Ja, durch solche Wesenheiten und Tatsachen, wie sie der Ekstatiker sieht, kann dasjenige hervorgerufen werden, was der Mystiker erlebt. Wenn man auf der anderen Seite den Mystiker hören würde, dann würde man sagen: So etwas wäre auch möglich, wenn man die Erlebnisse des Ekstatikers hat; man könnte glauben, der Ekstatiker beschreibe diese Welt.
[ 31 ] So while the ecstatic person expands into the macrocosm, the mystic draws inward with his inner being into the microcosm. And now something most remarkable becomes apparent. Both experiences—that of the ecstatic person, when he perceives certain events and beings externally, and that of the mystic, when he experiences certain feelings internally that cannot otherwise be experienced—stand in a certain relationship that can be characterized as follows: Our world—which we see with our eyes and hear with our ears—stirs within us certain feelings of pleasure and pain and so on—we sense that these belong together in normal life. One person may take greater joy in the things and events of the external world, another less; but these are merely differences of degree; they are not of the same nature as the differences found in the terrible, intense pain and, conversely, in the ecstasies of the mystic compared to ordinary experience. There are, however, enormous differences between what the ordinary person can experience and what the mystic experiences in terms of inner bliss, ecstasy, and torment. This is an enormous difference in quality. Likewise, there is a vast difference between what the ordinary person can see with their eyes and hear with their ears, and what the ecstatic person perceives when they are immersed in a world that is unlike the sensory world. But if one were to let the ecstatic person describe his world and then listen to the mystic and let him describe his bliss, raptures, and torments, then one could say: Yes, through such entities and realities as the ecstatic person sees, that which the mystic experiences can be brought about. On the other hand, if one were to listen to the mystic, one would say: Something like this would also be possible if one had the experiences of the ecstatic; one might believe that the ecstatic is describing this world.
[ 32 ] So wie die Welt des Mystikers real, subjektiv real ist, das heißt so, daß er sie wirklich sieht, so sind es auch die Wesenheiten des Ekstatikers. Ob sie nun objektiv real sind oder nicht, das lassen wir heute dahingestellt sein. Das eine aber können wir heute sagen: Illusion oder Wirklichkeit, gleichgültig, der Ekstatiker sieht eine Welt, eine Welt, die anders ist, als dasjenige ist, was man in der sinnlichen Welt wahrnehmen kann, und der Mystiker erlebt Gefühle, Seligkeiten, Verzückungen und Qualen, die sich mit nichts vergleichen lassen, was der gewöhnliche Mensch erlebt. Beide Welten sind nur für gewisse Menschen da. Nur sieht der Mystiker nicht die Welt des Ekstatikers und der Ekstatiker erlebt nicht die Welt des Mystikers. Beide Welten sind unabhängig voneinander. Ein Dritter aber kann die eine der beiden Welten durch die andere begreifen. Das ist ein höchst sonderbares Verhältnis, daß sich eine Welt durch die andere erklärt, daß die beiden Welten zusammenstimmen.
[ 32 ] Just as the mystic’s world is real—subjectively real, that is, in the sense that he truly sees it—so too are the entities of the ecstatic. Whether or not they are objectively real, we will leave that question open for now. But one thing we can say today: whether illusion or reality, it makes no difference—the ecstatic person sees a world, a world that is different from what can be perceived in the sensory world, and the mystic experiences feelings, bliss, rapture, and torments that cannot be compared to anything the ordinary person experiences. Both worlds exist only for certain people. However, the mystic does not see the world of the ecstatic person, and the ecstatic person does not experience the world of the mystic. Both worlds are independent of one another. A third person, however, can comprehend one of the two worlds through the other. This is a most peculiar relationship—that one world is explained through the other, that the two worlds are in harmony.
[ 33 ] Damit haben wir auf einen gewissen Zusammenhang hingewiesen zwischen der Welt des Mystikers und der des Ekstatikers und haben gezeigt, wie der Mensch sozusagen stößt an die Welt des Geistes nach außen und stößt an die Welt des Geistes nach innen.
[ 33 ] We have thus pointed out a certain connection between the world of the mystic and that of the ecstatic, and have shown how human beings, so to speak, encounter the world of the spirit outwardly and inwardly.
[ 34 ] Das, was wir heute nur beschrieben haben, wird für Sie noch in der Luft hängen. Es wird nun unsere Aufgabe sein, die Fragen zu beantworten: Inwieweit können wir überhaupt in eine reale Welt hineingelangen, wenn wir den Teppich der äußeren Sinneswelt durchdringen? Inwieweit ist es möglich, über die Welt des Ekstatikers hinauszukommen, um in eine wirkliche geistige Welt nach außen hineinzudringen? Und inwieweit ist es möglich, unter die innere Welt des Mystikers hinunterzudringen und dort eine wahre geistige Welt zu finden? — Die Wege, die in die geistige Welt hineinführen durch Makrokosmos und Mikrokosmos, die werden wir in den nächsten Tagen immer genauer und genauer zu beschreiben haben.
[ 34 ] What we have merely described today will still be up in the air for you. It will now be our task to answer the following questions: To what extent can we actually enter a real world once we penetrate the veil of the external sensory world? To what extent is it possible to go beyond the world of the ecstatic to penetrate outward into a true spiritual world? And to what extent is it possible to delve beneath the inner world of the mystic and find a true spiritual world there? — The paths leading into the spiritual world through the macrocosm and the microcosm—we will have to describe these in ever greater detail over the next few days.
