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Paths and Goals of Spiritual Man
GA 125

26 May 1910, Hamburg

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Wege und Ziele des geistigen Menschen, 2nd ed.
  1. Paths and Goals of Spiritual Man, tr. SOL

2. Die Philosophie Hegels und ihr Zusammenhang mit der Gegenwart

2. Die Philosophie Hegels und ihr Zusammenhang mit der Gegenwart

[ 1 ] Keine anthroposophische, sondern eine rein philosophische Betrachtung soll heute angestellt werden. Aber sie kann in einem anthroposophischen Kreise deshalb gepflegt werden, weil zwar der Gegenstand der Geisteswissenschaft aus den Erfahrungen in der übersinnlichen Welt herausgeholt werden soll, weil aber bei der Zusammenarbeit dieser Erfahrungen zu einem umfassenden systematischen Weltbild ein scharfes und in jedem einzelnen Punkte gewissenhaftes, wohl auch geschultes Denken notwendig ist. Und wenn schon ein nicht geschultes Denken in der äußeren Wissenschaft recht viel Unheil anrichtet, so wird gerade in der anthroposophischen Bewegung mehr noch als durch unrichtige Beobachtungen dadurch Unheil angerichtet, daß bei vielen das Interesse für die übersinnlichen Dinge nicht Hand in Hand geht mit einem gleich starken Interesse für das logische Denken. Und dieses rein logische Denken kann gerade durch eine Betrachtung des Denkens von Georg Wilhelm Friedrich Hegel ganz besonders geschult werden. Von einer solchen Betrachtung aus wird auch ein gewisses Licht verbreitet werden können über unsere Gegenwart, in der man zwar ab und zu von einem Zurückgehen auf Hegel spricht, von der man aber nicht sagen kann, daß die denkerischen Voraussetzungen, die sie hat, einem Verständnis für Hegel entgegenkämen. Hegel ist mit seinem ganzen Denken herausgewachsen aus jener Zeit, die das intensivste Interesse daran hatte, die Grundlagen aller Erkenntnis und alles Seins aus gewissen höchsten Gesichtspunkten herzuleiten. Und es ist kein Zufall, sondern eine tiefe Notwendigkeit, daß Hegel in einer Zeit lebte, in der auf den verschiedensten Gebieten diese höchsten Grundlagen gesucht wurden.

[ 1 ] Keine anthroposophische, sondern eine rein philosophische Betrachtung soll heute angestellt werden. Aber sie kann in einem anthroposophischen Kreise deshalb gepflegt werden, weil zwar der Gegenstand der Geisteswissenschaft aus den Erfahrungen in der übersinnlichen Welt herausgeholt werden soll, weil aber bei der Zusammenarbeit dieser Erfahrungen zu einem umfassenden systematischen Weltbild ein scharfes und in jedem einzelnen Punkte gewissenhaftes, wohl auch geschultes Denken notwendig ist. Und wenn schon ein nicht geschultes Denken in der äußeren Wissenschaft recht viel Unheil anrichtet, so wird gerade in der anthroposophischen Bewegung mehr noch als durch unrichtige Beobachtungen dadurch Unheil angerichtet, daß bei vielen das Interesse für die übersinnlichen Dinge nicht Hand in Hand geht mit einem gleich starken Interesse für das logische Denken. Und dieses rein logische Denken kann gerade durch eine Betrachtung des Denkens von Georg Wilhelm Friedrich Hegel ganz besonders geschult werden. Von einer solchen Betrachtung aus wird auch ein gewisses Licht verbreitet werden können über unsere Gegenwart, in der man zwar ab und zu von einem Zurückgehen auf Hegel spricht, von der man aber nicht sagen kann, daß die denkerischen Voraussetzungen, die sie hat, einem Verständnis für Hegel entgegenkämen. Hegel ist mit seinem ganzen Denken herausgewachsen aus jener Zeit, die das intensivste Interesse daran hatte, die Grundlagen aller Erkenntnis und alles Seins aus gewissen höchsten Gesichtspunkten herzuleiten. Und es ist kein Zufall, sondern eine tiefe Notwendigkeit, daß Hegel in einer Zeit lebte, in der auf den verschiedensten Gebieten diese höchsten Grundlagen gesucht wurden.

[ 2 ] Hegel ist geboren am 27. August 1770 in Stuttgart. Er trat als Zögling ein in das für die Entwickelung des deutschen Geisteslebens in dieser Zeit so besonders wichtige Tübinger Stift (1788-1793), wo er ein Mitschüler war des ihn lange, lange Zeit weit überragenden, überleuchtenden Schelling und des tief veranlagten und bald — wenn auch nicht gerade durch seine tiefe Veranlagung veranlaßt - in geistige Umnachtung sinkenden Hölderlin. Sie bildeten gewissermaßen ein Kleeblatt: der tief veranlagte, in mystischem Helldunkel suchende Hölderlin, der mit einer scharfen denkerischen Energie und einer übersprudelnden Phantasie begabte Schelling und der etwas schwerfällige, seine Gedanken schwer aus der Seele bohrende Hegel. Schelling und Hegel wirkten später wieder zusammen an der Universität in Jena, die gerade damals eine Blütestätte geistigen Lebens war. Schelling riß seine Zuhörer hin durch den gewaltigen geistigen Schwung, mit dem er die denkerischen Probleme behandelte, er riß auch die hin, die nicht aus Gefühl und Gemüt heraus einzudringen suchten in die Fragen des Daseins. Schelling wies hin auf etwas, was in der menschlichen Erkenntnis über alles Denken hinausgeht, auf die, wie er sagte, intellektuelle Anschauung, die ein ursprüngliches Vermögen sein sollte, in die Untergründe des Daseins hineinzuschauen. Hegel war sein Genosse als Dozent (1801-1806). Auch damals noch war sein Denken schwerfällig, weil jeder Gedanke von ihm so geprägt sein sollte, daß er nie mehr umschloß, als er bedeuten sollte. Und wegen dieser langsam bohrenden Schwerfälligkeit des Denkens wird Hegel anfangs gar nicht leicht verstanden.

[ 2 ] Hegel ist geboren am 27. August 1770 in Stuttgart. Er trat als Zögling ein in das für die Entwickelung des deutschen Geisteslebens in dieser Zeit so besonders wichtige Tübinger Stift (1788-1793), wo er ein Mitschüler war des ihn lange, lange Zeit weit überragenden, überleuchtenden Schelling und des tief veranlagten und bald — wenn auch nicht gerade durch seine tiefe Veranlagung veranlaßt - in geistige Umnachtung sinkenden Hölderlin. Sie bildeten gewissermaßen ein Kleeblatt: der tief veranlagte, in mystischem Helldunkel suchende Hölderlin, der mit einer scharfen denkerischen Energie und einer übersprudelnden Phantasie begabte Schelling und der etwas schwerfällige, seine Gedanken schwer aus der Seele bohrende Hegel. Schelling und Hegel wirkten später wieder zusammen an der Universität in Jena, die gerade damals eine Blütestätte geistigen Lebens war. Schelling riß seine Zuhörer hin durch den gewaltigen geistigen Schwung, mit dem er die denkerischen Probleme behandelte, er riß auch die hin, die nicht aus Gefühl und Gemüt heraus einzudringen suchten in die Fragen des Daseins. Schelling wies hin auf etwas, was in der menschlichen Erkenntnis über alles Denken hinausgeht, auf die, wie er sagte, intellektuelle Anschauung, die ein ursprüngliches Vermögen sein sollte, in die Untergründe des Daseins hineinzuschauen. Hegel war sein Genosse als Dozent (1801-1806). Auch damals noch war sein Denken schwerfällig, weil jeder Gedanke von ihm so geprägt sein sollte, daß er nie mehr umschloß, als er bedeuten sollte. Und wegen dieser langsam bohrenden Schwerfälligkeit des Denkens wird Hegel anfangs gar nicht leicht verstanden.

[ 3 ] Es kam nun die traurige Zeit von 1806. In dieser Zeit unternahm Hegel, wie er sich selbst ausdrückte, die eigentlichen großen Entdekkungsreisen seines Geistes. Unter dem Kanonendonner von Jena hat er dann sein erstes aus einer eingehenden ungeheuer tiefen Sammlung des Geistes hervorgehendes Werk, die «Phänomenologie des Geistes», abgeschlossen. Es ist dies ein Werk, wie es die gesamte Weltliteratur sonst nicht aufzuweisen hat. Hegel wollte dadurch sich vor allem selbst klarmachen, welche Erlebnisse die Seele haben kann, wenn sie von den sozusagen untergeordneten Gesichtspunkten hinaufsteigt zu dem Höchsten, zu dem, was Hegel die Selbsterfassung des Geistes in sich nennt. Man lebt zunächst in einer dumpfesten Verbindung mit der Außenwelt, wo einem jedes Dieses oder Jenes, jeder Baum und jedes Haus etwas ist, mit dem man zusammenlebt, jede Meinung etwas ist, in dem man lebt. Erst wenn man nachdenkt über das Dieses und Jenes, dann entsteht die Wahrnehmung. Von der Wahrnehmung kommen wir dann durch das Denken zu einem Selbstgefühl zunächst, zu einer dunkeln Ahnung des Selbst. Dann erst kommen wir zum ersten Aufleuchten eines wirklichen Bewußtseins. Aber das Ich ist hier sozusagen noch verzaubert mit seiner Umgebung. Es arbeitet sich heraus aus dieser Verzauberung durch den Inhalt, den es nur aus sich haben soll, dadurch daß es immer mehr das wegläßt, was mit der Außenwelt zu tun hat, was mit ihr zusammenhängt. So kommt dann das Selbstbewußtsein zustande und damit die Durchwirkung, die Durchwebung des Selbstbewußtseins mit dem Geiste. Es wird selbst Geist, der sich in sich erfaßt, wird in sich selbst bewußtwerdender Geist. Und wenn der Mensch nun zurückblickt, so erkennt er, was sich da als Geist in sich erfaßt, er erkennt die Idee, die er gleichsam aus der Verzauberung der Außenwelt herausgeholt hat. Er erkennt, daß er früher in dem Widerspruch von Subjekt und Objekt steckte, daß er aber jetzt in der Überwindung von Subjekt und Objekt in der sich selbst erfassenden Idee, die nicht nur Subjekt ist und nicht nur Objekt ist, das erfaßt, was Hegel die absolute Idee nennt. So war Hegel durch eine ungeheure Anstrengung des Denkens zur Begründung des sogenannten absoluten Idealismus gekommen.

[ 3 ] Es kam nun die traurige Zeit von 1806. In dieser Zeit unternahm Hegel, wie er sich selbst ausdrückte, die eigentlichen großen Entdekkungsreisen seines Geistes. Unter dem Kanonendonner von Jena hat er dann sein erstes aus einer eingehenden ungeheuer tiefen Sammlung des Geistes hervorgehendes Werk, die «Phänomenologie des Geistes», abgeschlossen. Es ist dies ein Werk, wie es die gesamte Weltliteratur sonst nicht aufzuweisen hat. Hegel wollte dadurch sich vor allem selbst klarmachen, welche Erlebnisse die Seele haben kann, wenn sie von den sozusagen untergeordneten Gesichtspunkten hinaufsteigt zu dem Höchsten, zu dem, was Hegel die Selbsterfassung des Geistes in sich nennt. Man lebt zunächst in einer dumpfesten Verbindung mit der Außenwelt, wo einem jedes Dieses oder Jenes, jeder Baum und jedes Haus etwas ist, mit dem man zusammenlebt, jede Meinung etwas ist, in dem man lebt. Erst wenn man nachdenkt über das Dieses und Jenes, dann entsteht die Wahrnehmung. Von der Wahrnehmung kommen wir dann durch das Denken zu einem Selbstgefühl zunächst, zu einer dunkeln Ahnung des Selbst. Dann erst kommen wir zum ersten Aufleuchten eines wirklichen Bewußtseins. Aber das Ich ist hier sozusagen noch verzaubert mit seiner Umgebung. Es arbeitet sich heraus aus dieser Verzauberung durch den Inhalt, den es nur aus sich haben soll, dadurch daß es immer mehr das wegläßt, was mit der Außenwelt zu tun hat, was mit ihr zusammenhängt. So kommt dann das Selbstbewußtsein zustande und damit die Durchwirkung, die Durchwebung des Selbstbewußtseins mit dem Geiste. Es wird selbst Geist, der sich in sich erfaßt, wird in sich selbst bewußtwerdender Geist. Und wenn der Mensch nun zurückblickt, so erkennt er, was sich da als Geist in sich erfaßt, er erkennt die Idee, die er gleichsam aus der Verzauberung der Außenwelt herausgeholt hat. Er erkennt, daß er früher in dem Widerspruch von Subjekt und Objekt steckte, daß er aber jetzt in der Überwindung von Subjekt und Objekt in der sich selbst erfassenden Idee, die nicht nur Subjekt ist und nicht nur Objekt ist, das erfaßt, was Hegel die absolute Idee nennt. So war Hegel durch eine ungeheure Anstrengung des Denkens zur Begründung des sogenannten absoluten Idealismus gekommen.

[ 4 ] Mannigfach waren nun Hegels Lebensschicksale nach seiner Jenaer Dozentur. Er wirkte eine Zeitlang als politischer Redakteur in Bamberg (1807-1808), dann als Gymnasiallehrer und Gymnasialdirektor in Nürnberg (1808-1816) und wurde so durch mannigfache äußere Erfahrungen der realistisch denkende Geist, als der er uns später entgegentritt. Von Nürnberg wurde Hegel für kurze Zeit an die Universität Heidelberg berufen, wo er 1817 seine «Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften» herausgab. Über die Aufnahme des Werkes hätte Hegel wohl das sagen können, was ihm die Legende als Ausspruch, den er kurz vor seinem Tode getan haben soll, zugeschrieben hat: Von allen meinen Schülern hat mich nur ein einziger verstanden, und der hat mich mißverstanden.

[ 4 ] Mannigfach waren nun Hegels Lebensschicksale nach seiner Jenaer Dozentur. Er wirkte eine Zeitlang als politischer Redakteur in Bamberg (1807-1808), dann als Gymnasiallehrer und Gymnasialdirektor in Nürnberg (1808-1816) und wurde so durch mannigfache äußere Erfahrungen der realistisch denkende Geist, als der er uns später entgegentritt. Von Nürnberg wurde Hegel für kurze Zeit an die Universität Heidelberg berufen, wo er 1817 seine «Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften» herausgab. Über die Aufnahme des Werkes hätte Hegel wohl das sagen können, was ihm die Legende als Ausspruch, den er kurz vor seinem Tode getan haben soll, zugeschrieben hat: Von allen meinen Schülern hat mich nur ein einziger verstanden, und der hat mich mißverstanden.

[ 5 ] Es ist in der Tat ein höchst merkwürdiges Gefühl, etwas so ungeheuer Tiefes in den Strom der Welt versenkt zu haben und gleichzeitig zu sehen, wie so völlig alle Vorbedingungen zur Aufnahme des Tiefen fehlten. Nur von Hegels Standpunkt aus kann etwas wie ein Gerippe dessen gezeichnet werden, was diese «Enzyklopädie» sein sollte. Ich bitte aber nun, wenn ich jetzt im Sinne Hegels spreche, mich nicht etwa als einen Hegelianer anzusehen. Hegel handelte es sich darum, den in der «Phänomenologie des Geistes» gewonnenen Standpunkt, welchen er erreicht hatte, durch ein Sich-jenseits-von-Subjekt-und-Objekt-aufden-Standpunkt-der-Idee-Stellen — diesen Standpunkt nun auszuführen, wenn ich so sagen darf, um von ihm aus den ganzen Umfang menschlichen Denkens und Wirkens einmal zu überschauen.

[ 5 ] Es ist in der Tat ein höchst merkwürdiges Gefühl, etwas so ungeheuer Tiefes in den Strom der Welt versenkt zu haben und gleichzeitig zu sehen, wie so völlig alle Vorbedingungen zur Aufnahme des Tiefen fehlten. Nur von Hegels Standpunkt aus kann etwas wie ein Gerippe dessen gezeichnet werden, was diese «Enzyklopädie» sein sollte. Ich bitte aber nun, wenn ich jetzt im Sinne Hegels spreche, mich nicht etwa als einen Hegelianer anzusehen. Hegel handelte es sich darum, den in der «Phänomenologie des Geistes» gewonnenen Standpunkt, welchen er erreicht hatte, durch ein Sich-jenseits-von-Subjekt-und-Objekt-aufden-Standpunkt-der-Idee-Stellen — diesen Standpunkt nun auszuführen, wenn ich so sagen darf, um von ihm aus den ganzen Umfang menschlichen Denkens und Wirkens einmal zu überschauen.

[ 6 ] In der absoluten Idee dürfen nach Hegel die Begriffe von Subjekt und Objekt, von Erkennen und Meinen und dergleichen nicht enthalten sein. Über alle diese Gegensätze ist die Idee hinaus. Hegel will diese Idee so erfassen, als ob sie in ihrer Reinheit dargestellt werde, diese Idee, die zwar in Subjekt und Objekt wirkt, aber über beide hinausgeht. Diese Idee ist wohl im Menschen, in der äußeren Welt, in Geist und Natur zu finden, aber sie ist eben über beide hinaus, sie liegt jenseits von Geist und Natur. Man darf also im Sinne Hegels die Idee nicht zunächst abstrakt fassen, etwa wie einen abstrakten Punkt. Sie ist vielmehr ein in sich Volles, was aus sich als Idee einen reichen Inhalt heraussprießen läßt, so wie etwa im Pflanzenkeim implicite die ganze Pflanze mit all ihren einzelnen Teilen liegt. So soll nach Hegel die Idee aus sich einen Inhalt sprießen lassen, der unabhängig von Geist und Natur ist, der also, wenn er angewendet wird, auf beides angewendet werden muß. Man gewinnt also, bevor man sich auf die Bedeutung von Geist und Natur einläßt, einen Standpunkt über beiden und sieht dann in der Natur eine Manifestation der Idee und sieht ebenso ein Ausleben der Idee im Geistigen. Wir müssen also einen Standpunkt gewinnen, auf dem die Idee so entwickelt wird, als ob der Mensch gar nicht dabei wäre. Der Mensch überläßt sich dann dem ureigenen Prozeß der sich in sich selbst und aus sich selbst entwickelnden Ideenwelt. Dieser Standpunkt ergibt das, was man in Hegels Sinne die Wissenschaft der Logik nennen kann. Da hat man es dann nicht mit einem Subjekt und Objekt zu tun, wie die aristotelische Logik, sondern mit einer Selbstbewegung der über Subjekt und Objekt stehenden Idee.

[ 6 ] In der absoluten Idee dürfen nach Hegel die Begriffe von Subjekt und Objekt, von Erkennen und Meinen und dergleichen nicht enthalten sein. Über alle diese Gegensätze ist die Idee hinaus. Hegel will diese Idee so erfassen, als ob sie in ihrer Reinheit dargestellt werde, diese Idee, die zwar in Subjekt und Objekt wirkt, aber über beide hinausgeht. Diese Idee ist wohl im Menschen, in der äußeren Welt, in Geist und Natur zu finden, aber sie ist eben über beide hinaus, sie liegt jenseits von Geist und Natur. Man darf also im Sinne Hegels die Idee nicht zunächst abstrakt fassen, etwa wie einen abstrakten Punkt. Sie ist vielmehr ein in sich Volles, was aus sich als Idee einen reichen Inhalt heraussprießen läßt, so wie etwa im Pflanzenkeim implicite die ganze Pflanze mit all ihren einzelnen Teilen liegt. So soll nach Hegel die Idee aus sich einen Inhalt sprießen lassen, der unabhängig von Geist und Natur ist, der also, wenn er angewendet wird, auf beides angewendet werden muß. Man gewinnt also, bevor man sich auf die Bedeutung von Geist und Natur einläßt, einen Standpunkt über beiden und sieht dann in der Natur eine Manifestation der Idee und sieht ebenso ein Ausleben der Idee im Geistigen. Wir müssen also einen Standpunkt gewinnen, auf dem die Idee so entwickelt wird, als ob der Mensch gar nicht dabei wäre. Der Mensch überläßt sich dann dem ureigenen Prozeß der sich in sich selbst und aus sich selbst entwickelnden Ideenwelt. Dieser Standpunkt ergibt das, was man in Hegels Sinne die Wissenschaft der Logik nennen kann. Da hat man es dann nicht mit einem Subjekt und Objekt zu tun, wie die aristotelische Logik, sondern mit einer Selbstbewegung der über Subjekt und Objekt stehenden Idee.

[ 7 ] Für jedes Denken, das sich nur den Dingen der äußeren Welt überlassen will, ist es schwer, sich in die streng geschlossenen Kolonnen der Hegelschen Begriffe einzuleben. Man fühlt dann etwas wie Gewalt, die einem angetan wird, man fühlt sich hineingesteckt in ein Ideensystem, das so ganz und gar nichts mit dem sonstigen alltäglichen Vernunftraisonnement gemein hat. Die Idee soll denken, nicht ich: das ist das Gefühl, welches man hat. Darum lassen sich die Menschen auch meist gar nicht ein auf die Hegelsche Ideenwelt. Tut man es aber doch, nun, so mag man Hegel vielleicht da und dort korrigieren — das ist gerade bei Hegel besonders leicht —, aber darauf kommt es nicht an, sondern es kommt darauf an, daß der Mensch durch das Studium Hegels eine ganz ungeheure Selbstzucht des Denkens durchmacht, weil man an nichts so sehr wie gerade an der Hegelschen Logik lernen kann, wo ein System menschlicher Begriffe, überhaupt ein Begriff auftreten darf. Ein Begriff kann in seiner ganzen Tragweite nur erkannt werden, wenn man ihn nur denken kann an einer bestimmten Stelle eines ganzen Begriffsgewebes. Um sich das nun klar zu machen, beginnt Hegel mit dem leersten Begriff, dem Begriff des Seins, der gewöhnlich hingestellt wird, ohne daß man sich eigentlich bewußt wird, wo man ihn eigentlich hinstellt. Nun soll dieser Begriff bei Hegel ganz leer sein. Wir müssen also schon hier gleich beim Eintritt in Hegels Logik absehen von allen späteren Inhalten, welche dieser Begriff bekommen hat, also schon hier eine große Selbstzucht des Denkens anwenden. So wird also der Begriff des Seins eigentlich nicht vom Menschen aufgestellt, er stellt sich vielmehr vor den Menschen hin, nachdem der Mensch alle anderen Begriffe aus ihm herausgeworfen hat.

[ 7 ] Für jedes Denken, das sich nur den Dingen der äußeren Welt überlassen will, ist es schwer, sich in die streng geschlossenen Kolonnen der Hegelschen Begriffe einzuleben. Man fühlt dann etwas wie Gewalt, die einem angetan wird, man fühlt sich hineingesteckt in ein Ideensystem, das so ganz und gar nichts mit dem sonstigen alltäglichen Vernunftraisonnement gemein hat. Die Idee soll denken, nicht ich: das ist das Gefühl, welches man hat. Darum lassen sich die Menschen auch meist gar nicht ein auf die Hegelsche Ideenwelt. Tut man es aber doch, nun, so mag man Hegel vielleicht da und dort korrigieren — das ist gerade bei Hegel besonders leicht —, aber darauf kommt es nicht an, sondern es kommt darauf an, daß der Mensch durch das Studium Hegels eine ganz ungeheure Selbstzucht des Denkens durchmacht, weil man an nichts so sehr wie gerade an der Hegelschen Logik lernen kann, wo ein System menschlicher Begriffe, überhaupt ein Begriff auftreten darf. Ein Begriff kann in seiner ganzen Tragweite nur erkannt werden, wenn man ihn nur denken kann an einer bestimmten Stelle eines ganzen Begriffsgewebes. Um sich das nun klar zu machen, beginnt Hegel mit dem leersten Begriff, dem Begriff des Seins, der gewöhnlich hingestellt wird, ohne daß man sich eigentlich bewußt wird, wo man ihn eigentlich hinstellt. Nun soll dieser Begriff bei Hegel ganz leer sein. Wir müssen also schon hier gleich beim Eintritt in Hegels Logik absehen von allen späteren Inhalten, welche dieser Begriff bekommen hat, also schon hier eine große Selbstzucht des Denkens anwenden. So wird also der Begriff des Seins eigentlich nicht vom Menschen aufgestellt, er stellt sich vielmehr vor den Menschen hin, nachdem der Mensch alle anderen Begriffe aus ihm herausgeworfen hat.

[ 8 ] Nun will Hegel die Methode der Begriffsentwickelung finden, das heißt, der eine Begriff muß sich aus einem anderen entwickeln. So muß der Begriff des Seins, wenn wir ihn recht betrachten, sich sofort über sich erheben. Wenn wir den abstrakten Begriff des Seins auf ein Ding anwenden, so ist er schon nicht mehr rein. Er bezieht sich dann schon auf ein Dieses oder Jenes. So kommen wir dazu, zu erkennen, daß das Sein ein Nichts ist, wohlgemerkt nur innerhalb des Begriffs. Durch die in sich selbst lebende Dialektik hat man so aus dem Sein herausgezogen den Begriff des Nichts.

[ 8 ] Nun will Hegel die Methode der Begriffsentwickelung finden, das heißt, der eine Begriff muß sich aus einem anderen entwickeln. So muß der Begriff des Seins, wenn wir ihn recht betrachten, sich sofort über sich erheben. Wenn wir den abstrakten Begriff des Seins auf ein Ding anwenden, so ist er schon nicht mehr rein. Er bezieht sich dann schon auf ein Dieses oder Jenes. So kommen wir dazu, zu erkennen, daß das Sein ein Nichts ist, wohlgemerkt nur innerhalb des Begriffs. Durch die in sich selbst lebende Dialektik hat man so aus dem Sein herausgezogen den Begriff des Nichts.

[ 9 ] Hat man sich nun selbst diszipliniert im Denken, so erzieht man sich schon an dieser Stelle der Hegelschen Logik ein Denken an, das in Hegels weiteren Erörterungen über Sein und Nichts nur stets so angewandt wird, wie es sich eben jetzt ergeben hat. Sein und Nichts bringen nun ein drittes hervor: das ist das Werden. Damit wir aber das Werden erfassen können, muß es zum Stillstand gebracht werden. So sprießt an vierter Stelle aus dem Begriffe des Werdens der Begriff des Daseins hervor. Nur so darf in der weiteren Hegelschen Logik der Begriff des Daseins gebraucht werden, als ein Sein, das sich in ein Nichts umgekehrt hat, das mit diesem zusammen das Werden hervorgebracht hat, welches, zum Stillstand gebracht, das Dasein erzeugt hat. Und in dieser Methode geht Hegel weiter. Er kommt zum Begriff des Einen und Vielen, er kommt zum Begriff der Quantität und Qualität, des Maßes und so weiter.

[ 9 ] Hat man sich nun selbst diszipliniert im Denken, so erzieht man sich schon an dieser Stelle der Hegelschen Logik ein Denken an, das in Hegels weiteren Erörterungen über Sein und Nichts nur stets so angewandt wird, wie es sich eben jetzt ergeben hat. Sein und Nichts bringen nun ein drittes hervor: das ist das Werden. Damit wir aber das Werden erfassen können, muß es zum Stillstand gebracht werden. So sprießt an vierter Stelle aus dem Begriffe des Werdens der Begriff des Daseins hervor. Nur so darf in der weiteren Hegelschen Logik der Begriff des Daseins gebraucht werden, als ein Sein, das sich in ein Nichts umgekehrt hat, das mit diesem zusammen das Werden hervorgebracht hat, welches, zum Stillstand gebracht, das Dasein erzeugt hat. Und in dieser Methode geht Hegel weiter. Er kommt zum Begriff des Einen und Vielen, er kommt zum Begriff der Quantität und Qualität, des Maßes und so weiter.

[ 10 ] So haben wir im ersten Teil der Hegelschen «Enzyklopädie» einen Organismus der Idee. Nur wenn wir alles andere vorher erfaßt haben, können wir dann zum Begriff des Zweckes kommen, der am Ende der Hegelschen Logik steht. Durch eine solche absolute Logik wird in der Tat eine ungeheure Selbstzucht des Geistes erreicht, die wenigstens als Ideal einmal vor unsere Zeit hingestellt werden muß. Dadurch lernt man, nur dann einen Begriff auszusprechen, wenn man seinen Inhalt vollständig im Bewußtsein hat. Man darf dann in seinen Begriffen nichts haben, als was man sich irgendeinmal im Leben als Entwickelung des Begriffes klargemacht hat. Innerhalb der Hegelschen Logik tauchen dann wieder als spätere Begriffe auf Subjekt und Objekt, Erkennen, Wesen, Kausalität, die man nun eben klar bewußt hat.

[ 10 ] So haben wir im ersten Teil der Hegelschen «Enzyklopädie» einen Organismus der Idee. Nur wenn wir alles andere vorher erfaßt haben, können wir dann zum Begriff des Zweckes kommen, der am Ende der Hegelschen Logik steht. Durch eine solche absolute Logik wird in der Tat eine ungeheure Selbstzucht des Geistes erreicht, die wenigstens als Ideal einmal vor unsere Zeit hingestellt werden muß. Dadurch lernt man, nur dann einen Begriff auszusprechen, wenn man seinen Inhalt vollständig im Bewußtsein hat. Man darf dann in seinen Begriffen nichts haben, als was man sich irgendeinmal im Leben als Entwickelung des Begriffes klargemacht hat. Innerhalb der Hegelschen Logik tauchen dann wieder als spätere Begriffe auf Subjekt und Objekt, Erkennen, Wesen, Kausalität, die man nun eben klar bewußt hat.

[ 11 ] Nachdem Hegel so das vollständige System der Begriffe aufgestellt hatte, konnte er darstellen, wie sich die Begriffe sozusagen in der Verzauberung zeigen. Der Begriff kann nicht nur im Subjekt sein, denn dann hätte alles Reden über die Natur keinen Sinn. Unsere Begriffe liegen vielmehr den Naturerscheinungen zugrunde, sie haben diese gemacht. So ist es beim Begriff unwesentlich, ob er außen oder innen auftritt. Uns verbirgt er sich draußen. Die Natur ist der Begriff oder die Idee in ihrem Anderssein, wie Hegel sagt. Wer von der Natur etwas anderes aussagt, überschreitet das, was er sicher weiß. Es ergibt sich also eine solche Naturphilosophie, eine solche Naturwissenschaft, die die Entwickelung der Idee draußen sucht, nachdem sie zuerst an sich selbst, in ihrem reineren Dasein, in der Logik gesucht worden ist.

[ 11 ] Nachdem Hegel so das vollständige System der Begriffe aufgestellt hatte, konnte er darstellen, wie sich die Begriffe sozusagen in der Verzauberung zeigen. Der Begriff kann nicht nur im Subjekt sein, denn dann hätte alles Reden über die Natur keinen Sinn. Unsere Begriffe liegen vielmehr den Naturerscheinungen zugrunde, sie haben diese gemacht. So ist es beim Begriff unwesentlich, ob er außen oder innen auftritt. Uns verbirgt er sich draußen. Die Natur ist der Begriff oder die Idee in ihrem Anderssein, wie Hegel sagt. Wer von der Natur etwas anderes aussagt, überschreitet das, was er sicher weiß. Es ergibt sich also eine solche Naturphilosophie, eine solche Naturwissenschaft, die die Entwickelung der Idee draußen sucht, nachdem sie zuerst an sich selbst, in ihrem reineren Dasein, in der Logik gesucht worden ist.

[ 12 ] Die Idee lebt sich zunächst in den untergeordneten Erscheinungen aus, da wo der Begriff sich am meisten verbirgt, so daß wir versucht sein könnten, überhaupt von ideenlosen Naturerscheinungen zu sprechen. So etwas geschieht in der Mechanik. Aber auch schon innerhalb der mechanischen Erscheinungen bringt Hegels Denkdisziplin ein Doppeltes zur Unterscheidung. Er unterscheidet die gewöhnliche Mechanik, wie sie den Erscheinungen von Stoß, Kraft, Materie zugrunde liegt, die, wie er sagt, relative Mechanik, von der absoluten Mechanik; das heißt, er hält es für unzulässig, die gewöhnlichen Begriffe der relativen Mechanik auf die Himmelskörper anzuwenden. Erst wenn man den Begriff der absoluten Mechanik ausbildet, findet man die Idee, welche in der Himmelsmechanik liegt. Von dieser Unterscheidung aber findet man in der heutigen Wissenschaft nichts. Daher die Polemik Hegels gegen Newton, der gerade am meisten die Begriffe der relativen Mechanik ohne weiteres auf die Begriffe der absoluten Mechanik übertragen hat.

[ 12 ] Die Idee lebt sich zunächst in den untergeordneten Erscheinungen aus, da wo der Begriff sich am meisten verbirgt, so daß wir versucht sein könnten, überhaupt von ideenlosen Naturerscheinungen zu sprechen. So etwas geschieht in der Mechanik. Aber auch schon innerhalb der mechanischen Erscheinungen bringt Hegels Denkdisziplin ein Doppeltes zur Unterscheidung. Er unterscheidet die gewöhnliche Mechanik, wie sie den Erscheinungen von Stoß, Kraft, Materie zugrunde liegt, die, wie er sagt, relative Mechanik, von der absoluten Mechanik; das heißt, er hält es für unzulässig, die gewöhnlichen Begriffe der relativen Mechanik auf die Himmelskörper anzuwenden. Erst wenn man den Begriff der absoluten Mechanik ausbildet, findet man die Idee, welche in der Himmelsmechanik liegt. Von dieser Unterscheidung aber findet man in der heutigen Wissenschaft nichts. Daher die Polemik Hegels gegen Newton, der gerade am meisten die Begriffe der relativen Mechanik ohne weiteres auf die Begriffe der absoluten Mechanik übertragen hat.

[ 13 ] Vom Begriff der absoluten Mechanik geht Hegel fort zum Begriff des wirklichen Organismus. Drei Glieder des Organismus erkennt er:

[ 13 ] Vom Begriff der absoluten Mechanik geht Hegel fort zum Begriff des wirklichen Organismus. Drei Glieder des Organismus erkennt er:

[ 14 ] Erstens den geologischen Organismus. Damit darf in seinem Sinne das ganze Erdengebilde nicht so begriffen werden, daß die Gesetze eines kleinen Gebietes auf den ganzen Erdkreis ausgedehnt werden, wie das die heutige Geologie tut. Hegel sieht in jedem Gebirge, in jeder geologischen Form gleichsam einen starr gewordenen Organismus.

[ 14 ] Erstens den geologischen Organismus. Damit darf in seinem Sinne das ganze Erdengebilde nicht so begriffen werden, daß die Gesetze eines kleinen Gebietes auf den ganzen Erdkreis ausgedehnt werden, wie das die heutige Geologie tut. Hegel sieht in jedem Gebirge, in jeder geologischen Form gleichsam einen starr gewordenen Organismus.

[ 15 ] Zweitens den pflanzlichen Organismus, an dem der Begriff gleichsam in Gleichgültigkeit für die Idee, in Gleichmäßigkeit für die Idee sich zeigt.

[ 15 ] Zweitens den pflanzlichen Organismus, an dem der Begriff gleichsam in Gleichgültigkeit für die Idee, in Gleichmäßigkeit für die Idee sich zeigt.

[ 16 ] Drittens den tierischen Organismus, der schon in gewissem Sinne das Dasein der Idee in der Außenwelt darstellt.

[ 16 ] Drittens den tierischen Organismus, der schon in gewissem Sinne das Dasein der Idee in der Außenwelt darstellt.

[ 17 ] Damit ist das Scheinen der Idee, gleichsam die verzauberte Idee, im Erdendasein erschöpft. Aus diesen verzauberten Ideen wächst nun der Mensch heraus. Er muß zunächst aus seinen natürlichen Merkmalen begriffen werden. Damit beschäftigt sich die Anthropologie. In seiner Wahrnehmung findet sich der Mensch gleichsam dumpf im äußeren Dasein, aber wenn er zum Bewußtsein kommt, von da zum Selbstbewußtsein, so entreißt er sich in einer gewissen Beziehung dem äußeren Dasein. Hier tritt nun nach der Anthropologie die «Phänomenologie des Geistes» ein. Innerhalb dieser Phänomenologie erfaßt sich der Mensch endlich selbst als Geist. Damit erkennt er sich als subjektiven Geist, indem er sich zunächst aus der Naturverzauberung losringt. Nach und nach erscheint ihm wieder die Idee selbst. Das, was sie war im ersten, allerersten Begriff des Seins, springt jetzt hervor. Nachdem so der Mensch die Idee in ihrem An-sich-Sein in der Logik, in diesem Außer-sich-Sein in der Natur erkannt hat, begreift er sie jetzt da, wo sie an und für sich ist.

[ 17 ] Damit ist das Scheinen der Idee, gleichsam die verzauberte Idee, im Erdendasein erschöpft. Aus diesen verzauberten Ideen wächst nun der Mensch heraus. Er muß zunächst aus seinen natürlichen Merkmalen begriffen werden. Damit beschäftigt sich die Anthropologie. In seiner Wahrnehmung findet sich der Mensch gleichsam dumpf im äußeren Dasein, aber wenn er zum Bewußtsein kommt, von da zum Selbstbewußtsein, so entreißt er sich in einer gewissen Beziehung dem äußeren Dasein. Hier tritt nun nach der Anthropologie die «Phänomenologie des Geistes» ein. Innerhalb dieser Phänomenologie erfaßt sich der Mensch endlich selbst als Geist. Damit erkennt er sich als subjektiven Geist, indem er sich zunächst aus der Naturverzauberung losringt. Nach und nach erscheint ihm wieder die Idee selbst. Das, was sie war im ersten, allerersten Begriff des Seins, springt jetzt hervor. Nachdem so der Mensch die Idee in ihrem An-sich-Sein in der Logik, in diesem Außer-sich-Sein in der Natur erkannt hat, begreift er sie jetzt da, wo sie an und für sich ist.

[ 18 ] Nun macht dieser zunächst subjektive Geist sich zum objektiven Geist. Die Idee stellt heraus, was sie an sich ist, in dem, was die geistigen Einrichtungen sind: Ehe, Familie, Recht, Sitte. Das alles schließt sich zusammen im Staat. Was sich im Staate als objektiver Geist herausstellt, als Realisierung der Idee, was sich im Wechselspiel von Staat zu Staat findet, das ist Weltgeschichte. So ist die Weltgeschichte das Dasein der Idee nach ihrem Durchgang durch den subjektiven Geist.

[ 18 ] Nun macht dieser zunächst subjektive Geist sich zum objektiven Geist. Die Idee stellt heraus, was sie an sich ist, in dem, was die geistigen Einrichtungen sind: Ehe, Familie, Recht, Sitte. Das alles schließt sich zusammen im Staat. Was sich im Staate als objektiver Geist herausstellt, als Realisierung der Idee, was sich im Wechselspiel von Staat zu Staat findet, das ist Weltgeschichte. So ist die Weltgeschichte das Dasein der Idee nach ihrem Durchgang durch den subjektiven Geist.

[ 19 ] Und es erhebt sich die Frage: Können wir am Ende den Kreis schließen wie eine sich in den Schwanz beißende Schlange, das heißt, können wir wieder zur absoluten Idee kommen, zu einer Realisierung der Idee, wo sie subjektiv und objektiv wieder überwindet? Die absolute Idee kann in ihrer absoluten Realität zunächst vorbereitend erscheinen, so daß sie nicht verzaubert, verborgen ist wie in der Natur, sondern so, daß sie durch die Erscheinung hindurchleuchtet. Das ist der Fall in der Kunst. Jenseits der Weltgeschichte schafft sich also Hegel in der Kunst die erste Realisierung der absoluten Idee. Aber hier hat sie noch etwas von objektiver, von äußerer Nuance an sich. Sie kann aber auch so wirken, daß sie nicht mehr eine Nuance des Außerlichen, aber eine Nuance des Innerlichen hat. Das ist der Fall in der Religion. Sie ist also die Realisierung der absoluten Idee auf der zweiten Stufe.

[ 19 ] Und es erhebt sich die Frage: Können wir am Ende den Kreis schließen wie eine sich in den Schwanz beißende Schlange, das heißt, können wir wieder zur absoluten Idee kommen, zu einer Realisierung der Idee, wo sie subjektiv und objektiv wieder überwindet? Die absolute Idee kann in ihrer absoluten Realität zunächst vorbereitend erscheinen, so daß sie nicht verzaubert, verborgen ist wie in der Natur, sondern so, daß sie durch die Erscheinung hindurchleuchtet. Das ist der Fall in der Kunst. Jenseits der Weltgeschichte schafft sich also Hegel in der Kunst die erste Realisierung der absoluten Idee. Aber hier hat sie noch etwas von objektiver, von äußerer Nuance an sich. Sie kann aber auch so wirken, daß sie nicht mehr eine Nuance des Außerlichen, aber eine Nuance des Innerlichen hat. Das ist der Fall in der Religion. Sie ist also die Realisierung der absoluten Idee auf der zweiten Stufe.

[ 20 ] Aber die Idee kann auch die Nuance der Äußerlichkeit, welche sie in der Kunst, die Nuance der Innerlichkeit, welche sie in der Religion noch hat, überwinden. Das tut sie im Erfassen von sich selbst, da, wo sie sich selbst in sich fängt, in der Philosophie im Hegelschen Sinne.

[ 20 ] Aber die Idee kann auch die Nuance der Äußerlichkeit, welche sie in der Kunst, die Nuance der Innerlichkeit, welche sie in der Religion noch hat, überwinden. Das tut sie im Erfassen von sich selbst, da, wo sie sich selbst in sich fängt, in der Philosophie im Hegelschen Sinne.

[ 21 ] So ist denn der Kreis in sich geschlossen. Es gibt auf dem ganzen Gebiet der Geschichte nichts, was so in sich geschlossen ist wie das Hegelsche System.

[ 21 ] So ist denn der Kreis in sich geschlossen. Es gibt auf dem ganzen Gebiet der Geschichte nichts, was so in sich geschlossen ist wie das Hegelsche System.

[ 22 ] Einzelne Teile führte er nun später wieder besonders aus; wie die Rechtsphilosophie (1821), ein Gebiet, auf dem ganz besonders wohltätig ein streng diszipliniertes Denken wirkt. Und in der Vorrede zu den «Grundlinien der Philosophie des Rechts» tut nun Hegel einen merkwürdigen Ausspruch: Wenn die Vernunft die Idee erfaßt, muß alles begriffen werden dadurch, daß man die Idee, das heißt, das Wirken der Vernunft in den Dingen sieht. — Alles Wirkliche ist also vernünftig im Hegelschen Sinne. Dieser Satz ist natürlich mit der Willkür des gewöhnlichen Raisonnements sofort zu widerlegen, wenn man nicht Rücksicht nimmt auf Hegels Gedankenzusammenhang.

[ 22 ] Einzelne Teile führte er nun später wieder besonders aus; wie die Rechtsphilosophie (1821), ein Gebiet, auf dem ganz besonders wohltätig ein streng diszipliniertes Denken wirkt. Und in der Vorrede zu den «Grundlinien der Philosophie des Rechts» tut nun Hegel einen merkwürdigen Ausspruch: Wenn die Vernunft die Idee erfaßt, muß alles begriffen werden dadurch, daß man die Idee, das heißt, das Wirken der Vernunft in den Dingen sieht. — Alles Wirkliche ist also vernünftig im Hegelschen Sinne. Dieser Satz ist natürlich mit der Willkür des gewöhnlichen Raisonnements sofort zu widerlegen, wenn man nicht Rücksicht nimmt auf Hegels Gedankenzusammenhang.

[ 23 ] Wenn wir uns so Hegels Philosophie skizzenhaft vor die Seele stellen, haben wir den Grundnerv seiner Philosophie in dem ganz ungeheuer disziplinierten Denken erkannt.

[ 23 ] Wenn wir uns so Hegels Philosophie skizzenhaft vor die Seele stellen, haben wir den Grundnerv seiner Philosophie in dem ganz ungeheuer disziplinierten Denken erkannt.

[ 24 ] Hegel lehrte dann diese Philosophie von 1818 bis 1831 in Berlin, wo er am 14. November 1831 starb, dem Todestage von Leibniz, der einmal die gerade entgegengesetzte Philosophie hingestellt hatte. Bei Hegel steht im Mittelpunkt der Philosophie die Idee, die ganz bei sich selbst bleibt. Bei Leibniz zerstreut sich die Idee in die ungeheure Summe der Monaden. Nur eine einzige Monade aber, welche die prästabilierte Harmonie enthält, müßte, wenn sie sich entwickelt, den Weg der Hegelschen absoluten Idee nehmen. So liegt Hegels System in der Entwickelung einer einzelnen Monade. Hegel hat das strengste monistische, Leibniz das strengste monadologische System aufgestellt. Solange wir nun in Hegels Gedankenkolonnen bleiben, sind wir in einem streng geschlossenen Kreislauf des Geistes. Wir kommen über ihn hinaus, wenn wir Hegels System an der Monadologie messen. Es ist in der Tat einem Denker so gegangen, daß bei ihm Leibnizens Monadologie den Monismus Hegels sprengte. So ging es Schelling.

[ 24 ] Hegel lehrte dann diese Philosophie von 1818 bis 1831 in Berlin, wo er am 14. November 1831 starb, dem Todestage von Leibniz, der einmal die gerade entgegengesetzte Philosophie hingestellt hatte. Bei Hegel steht im Mittelpunkt der Philosophie die Idee, die ganz bei sich selbst bleibt. Bei Leibniz zerstreut sich die Idee in die ungeheure Summe der Monaden. Nur eine einzige Monade aber, welche die prästabilierte Harmonie enthält, müßte, wenn sie sich entwickelt, den Weg der Hegelschen absoluten Idee nehmen. So liegt Hegels System in der Entwickelung einer einzelnen Monade. Hegel hat das strengste monistische, Leibniz das strengste monadologische System aufgestellt. Solange wir nun in Hegels Gedankenkolonnen bleiben, sind wir in einem streng geschlossenen Kreislauf des Geistes. Wir kommen über ihn hinaus, wenn wir Hegels System an der Monadologie messen. Es ist in der Tat einem Denker so gegangen, daß bei ihm Leibnizens Monadologie den Monismus Hegels sprengte. So ging es Schelling.

[ 25 ] Nachdem er seit 1814 verstummt war, wurde er 1841 nach Berlin berufen, zehn Jahre nach Hegels Tod, und versuchte nun über Hegel hinauszugehen, mit dem er früher zusammengearbeitet und 1802 bis 1803 das «Kritische Journal der Philosophie» herausgegeben hatte. Es waren eigentümliche Vorlesungen, welche er nun in Berlin hielt.

[ 25 ] Nachdem er seit 1814 verstummt war, wurde er 1841 nach Berlin berufen, zehn Jahre nach Hegels Tod, und versuchte nun über Hegel hinauszugehen, mit dem er früher zusammengearbeitet und 1802 bis 1803 das «Kritische Journal der Philosophie» herausgegeben hatte. Es waren eigentümliche Vorlesungen, welche er nun in Berlin hielt.

[ 26 ] Nur auf eine Weise ist es möglich, über Hegel hinauszukommen, nur, indem man da von außen ein Loch bohrt, wo bei Hegel sich das Ich erfaßt in der «Phänomenologie des Geistes». Aber auch in Leibnizens Monade bleibt man stecken, wenn man da nicht auch an der selben Stelle das Loch bohrt. Wenn man hier einsetzt, dann kommt man hinaus über das Ich, das nur sich selbst erfaßt, dann kommt man zu übersinnlichen Erfahrungen, die wirklich über das hinausgehen, was Hegel in seinem System begreift. Und so machte es in der Tat Schelling. Er begann 'Theosophie zu lehren, wirkliche 'Theosophie, allerdings in abstrakter Form, und er hatte denselben Erfolg, den heute ein Mensch haben würde, welcher 'Theosophie an einer Universität lehren wollte.

[ 26 ] Nur auf eine Weise ist es möglich, über Hegel hinauszukommen, nur, indem man da von außen ein Loch bohrt, wo bei Hegel sich das Ich erfaßt in der «Phänomenologie des Geistes». Aber auch in Leibnizens Monade bleibt man stecken, wenn man da nicht auch an der selben Stelle das Loch bohrt. Wenn man hier einsetzt, dann kommt man hinaus über das Ich, das nur sich selbst erfaßt, dann kommt man zu übersinnlichen Erfahrungen, die wirklich über das hinausgehen, was Hegel in seinem System begreift. Und so machte es in der Tat Schelling. Er begann 'Theosophie zu lehren, wirkliche 'Theosophie, allerdings in abstrakter Form, und er hatte denselben Erfolg, den heute ein Mensch haben würde, welcher 'Theosophie an einer Universität lehren wollte.

[ 27 ] Eine Triplizität des Weltgrundes, eine dreifache Potenz, lehrte Schelling: erstens das Sein-Können; zweitens das reine Sein; drittens die Zusammenfassung. So bildete er das vor, was heute im dreifachen Logos gesucht wird. Und nun suchte Schelling die Geheimnisse der alten Mysterien zu erkennen in seiner «Philosophie der Mythologie». Er suchte das zu lehren, was wir heute — bereichert durch seither mögliche übersinnliche Erfahrungen — erforschen, etwa das, was in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache» über die antiken Mysterien gesagt ist. Dann erstrebte Schelling eine Würdigung der christlichen Mysterien in seiner «Philosophie der Offenbarung», welche das Christentum in theosophischem Sinne zu erhellen sucht. Diese Vorlesungen konnte Schelling überhaupt nur deshalb halten, weil er früher mit anderen Anschauungen schon einmal auf einem Katheder gestanden hatte. Um so mehr wurde jetzt gegen Schelling gewütet. Mit großem Horror wird heute in allen Lehrbüchern und sonstigen Geschichten der Philosophie diese letzte «theosophische Periode» Schellings dargestellt, wo er, nachdem er schon früher die Verrücktheit seiner «intellektuellen Anschauung» aufgestellt hatte, nun ganz und gar verrückt wurde — wie sie meinen.

[ 27 ] Eine Triplizität des Weltgrundes, eine dreifache Potenz, lehrte Schelling: erstens das Sein-Können; zweitens das reine Sein; drittens die Zusammenfassung. So bildete er das vor, was heute im dreifachen Logos gesucht wird. Und nun suchte Schelling die Geheimnisse der alten Mysterien zu erkennen in seiner «Philosophie der Mythologie». Er suchte das zu lehren, was wir heute — bereichert durch seither mögliche übersinnliche Erfahrungen — erforschen, etwa das, was in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache» über die antiken Mysterien gesagt ist. Dann erstrebte Schelling eine Würdigung der christlichen Mysterien in seiner «Philosophie der Offenbarung», welche das Christentum in theosophischem Sinne zu erhellen sucht. Diese Vorlesungen konnte Schelling überhaupt nur deshalb halten, weil er früher mit anderen Anschauungen schon einmal auf einem Katheder gestanden hatte. Um so mehr wurde jetzt gegen Schelling gewütet. Mit großem Horror wird heute in allen Lehrbüchern und sonstigen Geschichten der Philosophie diese letzte «theosophische Periode» Schellings dargestellt, wo er, nachdem er schon früher die Verrücktheit seiner «intellektuellen Anschauung» aufgestellt hatte, nun ganz und gar verrückt wurde — wie sie meinen.

[ 28 ] Mit diesem Übergang von Hegel zu Schelling war nun aber gleichzeitig ein Zeitalter heraufgekommen, das ganz unter dem Banne der Naturwissenschaft lebte. Und seitdem erleben wir ein merkwürdiges Schauspiel, durch dessen Beobachtung wir erkennen werden, warum Theosophie, Geisteswissenschaft, gerade heute so aufgenommen werden muß, wie sie aufgenommen wird.

[ 28 ] Mit diesem Übergang von Hegel zu Schelling war nun aber gleichzeitig ein Zeitalter heraufgekommen, das ganz unter dem Banne der Naturwissenschaft lebte. Und seitdem erleben wir ein merkwürdiges Schauspiel, durch dessen Beobachtung wir erkennen werden, warum Theosophie, Geisteswissenschaft, gerade heute so aufgenommen werden muß, wie sie aufgenommen wird.

[ 29 ] Keiner kann gewiß die Tatsachenergebnisse mehr bewundern als ich, und doch muß das folgende gesagt werden. Die Entdeckung der pflanzlichen und tierischen Zelle durch Schwann und Schleiden in den dreißiger Jahren war eine große Errungenschaft, aber kleine Meinungen schlossen sich an. Es kam die Kraft- und Stofflehre, welche alles Geistige nur als Schaumblasen physischer Vorgänge ansah. Die schlimmste Blüte dieser Denkart war das strenge System, in das Bächner in seinem Buche «Kraft und Stoff» den theoretischen Materialismus faßte. Zu bewundern bleibt dabei freilich der kühne Mut Büchners. Die anderen Forscher haben eben einfach nicht den Mut gehabt, ihre Gedanken so zu Ende zu denken.

[ 29 ] Keiner kann gewiß die Tatsachenergebnisse mehr bewundern als ich, und doch muß das folgende gesagt werden. Die Entdeckung der pflanzlichen und tierischen Zelle durch Schwann und Schleiden in den dreißiger Jahren war eine große Errungenschaft, aber kleine Meinungen schlossen sich an. Es kam die Kraft- und Stofflehre, welche alles Geistige nur als Schaumblasen physischer Vorgänge ansah. Die schlimmste Blüte dieser Denkart war das strenge System, in das Bächner in seinem Buche «Kraft und Stoff» den theoretischen Materialismus faßte. Zu bewundern bleibt dabei freilich der kühne Mut Büchners. Die anderen Forscher haben eben einfach nicht den Mut gehabt, ihre Gedanken so zu Ende zu denken.

[ 30 ] Aber auch feinere Geister gingen andere Wege als Hegel und Schelling unter dem Zwange der Naturwissenschaft, so zum Beispiel Hermann Helmholtz, der sich wirklich große Verdienste auf dem Gebiete der Psychophysik, der Sinnesphysiologie, der physiologischen Optik, der Tonlehre erworben hat. Seine Entdeckungen führten ihn durch die Eigenart, mit der experimentiert wurde, und durch die suggestive Gewalt der Experimente, nicht etwa durch das Denken dazu, Hegel abzulehnen, so daß er sagte: Wenn ich Hegel aufschlage und lese ein paar Sätze von seiner «Naturphilosophie», so ist das ja der reine Unsinn.

[ 30 ] Aber auch feinere Geister gingen andere Wege als Hegel und Schelling unter dem Zwange der Naturwissenschaft, so zum Beispiel Hermann Helmholtz, der sich wirklich große Verdienste auf dem Gebiete der Psychophysik, der Sinnesphysiologie, der physiologischen Optik, der Tonlehre erworben hat. Seine Entdeckungen führten ihn durch die Eigenart, mit der experimentiert wurde, und durch die suggestive Gewalt der Experimente, nicht etwa durch das Denken dazu, Hegel abzulehnen, so daß er sagte: Wenn ich Hegel aufschlage und lese ein paar Sätze von seiner «Naturphilosophie», so ist das ja der reine Unsinn.

[ 31 ] Und wiederum wurde ein feiner, auch denkerisch geschulter Geist in seinen Gedanken nicht verstanden, Julius Robert Mayer, welcher das Gesetz von der Erhaltung der Kraft entdeckte. Sein Gesetz hatte in der Tat eine gewaltige physische Bedeutung, und diese wurde auch gewürdigt. Aber Mayers Gedankengänge über das mechanische Wärmeäquivalent in seiner Schrift über «Die organische Bewegung in ihrem Zusammenhange mit dem Stoffwechsel» (1845), wurden nie verstanden. Helmholtz las man lieber, er war viel leichter verständlich. So las man lieber seine Schrift von den «Wechselwirkungen der Naturkräfte» (1854), in der er, ausgehend von der Unmöglichkeit des Perpetuum mobile, die Berechtigung des Mayerschen Gesetzes nachwies.

[ 31 ] Und wiederum wurde ein feiner, auch denkerisch geschulter Geist in seinen Gedanken nicht verstanden, Julius Robert Mayer, welcher das Gesetz von der Erhaltung der Kraft entdeckte. Sein Gesetz hatte in der Tat eine gewaltige physische Bedeutung, und diese wurde auch gewürdigt. Aber Mayers Gedankengänge über das mechanische Wärmeäquivalent in seiner Schrift über «Die organische Bewegung in ihrem Zusammenhange mit dem Stoffwechsel» (1845), wurden nie verstanden. Helmholtz las man lieber, er war viel leichter verständlich. So las man lieber seine Schrift von den «Wechselwirkungen der Naturkräfte» (1854), in der er, ausgehend von der Unmöglichkeit des Perpetuum mobile, die Berechtigung des Mayerschen Gesetzes nachwies.

[ 32 ] Dazu kamen nun die Errungenschaften des Darwinismus, und ein so kühner Geist wie Haeckel, der aber jeder denkerischen Kultur abgeneigt ist und der in der Hegelschen Philosophie daher nichts wie ein Begriffsgestrüpp sehen konnte, ein so mutiger Geist war also dazu berufen, die naturwissenschaftlichen Tatsachen auszubauen im Sinne der äußeren, materiellen Entwickelungsgeschichte. So ward er der Begründer des materialistischen Darwinismus der sechziger und siebziger Jahre. Dagegen erhob sich keine philosophische Denkrichtung. Die Welt konnte damals nicht mehr von der Philosophie erfaßt werden, für sie gab es nichts als ein Wechselverhältnis zwischen Philosophie und Naturwissenschaft.

[ 32 ] Dazu kamen nun die Errungenschaften des Darwinismus, und ein so kühner Geist wie Haeckel, der aber jeder denkerischen Kultur abgeneigt ist und der in der Hegelschen Philosophie daher nichts wie ein Begriffsgestrüpp sehen konnte, ein so mutiger Geist war also dazu berufen, die naturwissenschaftlichen Tatsachen auszubauen im Sinne der äußeren, materiellen Entwickelungsgeschichte. So ward er der Begründer des materialistischen Darwinismus der sechziger und siebziger Jahre. Dagegen erhob sich keine philosophische Denkrichtung. Die Welt konnte damals nicht mehr von der Philosophie erfaßt werden, für sie gab es nichts als ein Wechselverhältnis zwischen Philosophie und Naturwissenschaft.

[ 33 ] So wurde ein so bedeutender Denker wie Eduard von Hartmann, der in seiner «Philosophie des Unbewußten» (1869) den materialistischen Darwinismus sozusagen vor das Forum einer geistigen Philosophie zog, als Dilettant, welcher von Naturwissenschaft keine Ahnung habe, verschrien. Viele Gegenschriften erschienen, darunter auch eine höchst geistvolle anonyme: «Das Unbewußte vom Standpunkte der Philosophie und Deszendenztheorie» (1872). Haeckel sagte von dieser Schrift, sie sei so vortrefflich und zeige so gründlich die Fehler der Philosophie Eduard von Hartmanns, daß er selbst (Haeckel) sie geschrieben haben könnte, und Oscar Schmidt, der Biograph Darwins, bedauerte lebhaft, daß der geschätzte Kollege nicht aus seiner Anonymität heraustrete. Da erschien eine neue Auflage dieser Schrift, und als Verfasser nannte sich Eduard von Hartmann selbst.

[ 33 ] So wurde ein so bedeutender Denker wie Eduard von Hartmann, der in seiner «Philosophie des Unbewußten» (1869) den materialistischen Darwinismus sozusagen vor das Forum einer geistigen Philosophie zog, als Dilettant, welcher von Naturwissenschaft keine Ahnung habe, verschrien. Viele Gegenschriften erschienen, darunter auch eine höchst geistvolle anonyme: «Das Unbewußte vom Standpunkte der Philosophie und Deszendenztheorie» (1872). Haeckel sagte von dieser Schrift, sie sei so vortrefflich und zeige so gründlich die Fehler der Philosophie Eduard von Hartmanns, daß er selbst (Haeckel) sie geschrieben haben könnte, und Oscar Schmidt, der Biograph Darwins, bedauerte lebhaft, daß der geschätzte Kollege nicht aus seiner Anonymität heraustrete. Da erschien eine neue Auflage dieser Schrift, und als Verfasser nannte sich Eduard von Hartmann selbst.

[ 34 ] So hatte die Philosophie in der denkbar gröbsten Weise einmal den Tatsachenbeweis geliefert, daß sie sehr wohl die Naturwissenschaft verstehen kann, wenn auch ein geschultes Denken sie zu ganz anderen Ergebnissen als denen des Materialismus führt. Es handelt sich in diesem Kampfe eben durchaus nicht nur um Satz gegen Satz, sondern um Kulturkräfte, die sich einander gegenüberstehen.

[ 34 ] So hatte die Philosophie in der denkbar gröbsten Weise einmal den Tatsachenbeweis geliefert, daß sie sehr wohl die Naturwissenschaft verstehen kann, wenn auch ein geschultes Denken sie zu ganz anderen Ergebnissen als denen des Materialismus führt. Es handelt sich in diesem Kampfe eben durchaus nicht nur um Satz gegen Satz, sondern um Kulturkräfte, die sich einander gegenüberstehen.

[ 35 ] Feinere Geister bewahrten sich immer das Verständnis für beide, für Philosophie wie für Naturwissenschaft. Aber sie konnten durch die herrschende Suggestionsgewalt der Naturwissenschaft nur im engsten Kreise gehört werden. So konnte die außerordentlich feine, große Gesichtspunkte gebende Geschichte der Philosophie, «Die Hauptprobleme der Philosophie», von Vincenz Knauer, nur in engstem Kreise verstanden werden. Ja sogar nicht einmal das, was die enge Herbartsche Philosophie vorbrachte gegen den äußeren Materialismus, vermochte zu. wirken. So kam es denn, daß ein streng logischer, wenn auch an der Scholastik geschulter Geist, der in sich selbst die Brücke zur naturwissenschaftlichen Methode bauen wollte, das nicht einmal in sich selbst konnte. So ging es Franz Brentano, der die naturwissenschaftliche Methode mit streng logischem Denken verbinden wollte in seiner «Psychologie vom empirischen Standpunkte», deren erster Band 1874 erschien. Aber seine Gedankenselbstzucht drang nicht durch, er stand selbst innerlich doch zu sehr unter dem Zwange des naturwissenschaftlichen Materialismus. Er wurde mit sich selbst nicht fertig, und so erschien der für den Herbst angekündigte zweite Band zunächst nicht. Und heute lebt Brentano als alter Herr in Florenz, und der zweite Band ist noch immer nicht erschienen.

[ 35 ] Feinere Geister bewahrten sich immer das Verständnis für beide, für Philosophie wie für Naturwissenschaft. Aber sie konnten durch die herrschende Suggestionsgewalt der Naturwissenschaft nur im engsten Kreise gehört werden. So konnte die außerordentlich feine, große Gesichtspunkte gebende Geschichte der Philosophie, «Die Hauptprobleme der Philosophie», von Vincenz Knauer, nur in engstem Kreise verstanden werden. Ja sogar nicht einmal das, was die enge Herbartsche Philosophie vorbrachte gegen den äußeren Materialismus, vermochte zu. wirken. So kam es denn, daß ein streng logischer, wenn auch an der Scholastik geschulter Geist, der in sich selbst die Brücke zur naturwissenschaftlichen Methode bauen wollte, das nicht einmal in sich selbst konnte. So ging es Franz Brentano, der die naturwissenschaftliche Methode mit streng logischem Denken verbinden wollte in seiner «Psychologie vom empirischen Standpunkte», deren erster Band 1874 erschien. Aber seine Gedankenselbstzucht drang nicht durch, er stand selbst innerlich doch zu sehr unter dem Zwange des naturwissenschaftlichen Materialismus. Er wurde mit sich selbst nicht fertig, und so erschien der für den Herbst angekündigte zweite Band zunächst nicht. Und heute lebt Brentano als alter Herr in Florenz, und der zweite Band ist noch immer nicht erschienen.

[ 36 ] Wie furchtbar kämpfend dieser Zwiespalt in der einzelnen Seele wirken konnte, davon war ich selbst Zeuge. Ich sah, wie das Methodische in der Denkschulung geradezu seine Macht verlor durch die Suggestion der Naturwissenschaft. Es war bei einer feierlichen Sitzung der Wiener Akademie in den achtziger Jahren, bei der ich anwesend war, als Ernst Mach einen Vortrag über die Okonomie in der Auffassung der Naturerscheinungen hielt. Er fand in der Tat keinen Weg, die Naturerscheinungen in seiner Methode zu fassen. Man fühlte bei jedem Satze schmerzlich, wie alle Denkmethode verschwand, wie alles zusammenschrumpfte zu dem Prinzip der kleinsten Kraftaufwendung auf das Naturerkennen. So wurde das Denken aus der Hertscherstellung, die es bei Hegel hatte, zu der denkbar geringsten ökonomischen Bedeutung hinabgedrückt.

[ 36 ] Wie furchtbar kämpfend dieser Zwiespalt in der einzelnen Seele wirken konnte, davon war ich selbst Zeuge. Ich sah, wie das Methodische in der Denkschulung geradezu seine Macht verlor durch die Suggestion der Naturwissenschaft. Es war bei einer feierlichen Sitzung der Wiener Akademie in den achtziger Jahren, bei der ich anwesend war, als Ernst Mach einen Vortrag über die Okonomie in der Auffassung der Naturerscheinungen hielt. Er fand in der Tat keinen Weg, die Naturerscheinungen in seiner Methode zu fassen. Man fühlte bei jedem Satze schmerzlich, wie alle Denkmethode verschwand, wie alles zusammenschrumpfte zu dem Prinzip der kleinsten Kraftaufwendung auf das Naturerkennen. So wurde das Denken aus der Hertscherstellung, die es bei Hegel hatte, zu der denkbar geringsten ökonomischen Bedeutung hinabgedrückt.

[ 37 ] So blieb Hegel gleichsam selbst ein verzauberter Geist, und auch ein Kuno Fischer konnte ihn nicht erlösen. Es bewährte sich die Wahrheit dessen, was Rosenkranz in der Einleitung zu seiner Hegel-Biographie gesagt hatte: Wir Philosophen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind im besten Falle nur die Totengräber der Philosophen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Und damit meinte er — Biographen.

[ 37 ] So blieb Hegel gleichsam selbst ein verzauberter Geist, und auch ein Kuno Fischer konnte ihn nicht erlösen. Es bewährte sich die Wahrheit dessen, was Rosenkranz in der Einleitung zu seiner Hegel-Biographie gesagt hatte: Wir Philosophen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind im besten Falle nur die Totengräber der Philosophen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Und damit meinte er — Biographen.

[ 38 ] Einen neuen Aufschwung in der Methode des Denkens schienen dann die auf Kant zurückgehenden Arbeiten von Otto Liebmann, Zeller und so weiter zu bringen. Liebmann schrieb eine der scharfsinnigsten Abhandlungen, welche auf dem Gebiete der Erkenntnistheorie überhaupt geschrieben worden sind. Er versuchte mit allen Mitteln eine transzendentale Erkenntnistheorie zu begründen, aber er kam schließlich doch zu einer Art Erkenntnistheorie, die man grob bezeichnen kann als etwas, was dem Hunde gleicht, der sich um sich selbst dreht. Er kam nicht über den Anfangspunkt seiner Erkenntnistheorie hinaus.

[ 38 ] Einen neuen Aufschwung in der Methode des Denkens schienen dann die auf Kant zurückgehenden Arbeiten von Otto Liebmann, Zeller und so weiter zu bringen. Liebmann schrieb eine der scharfsinnigsten Abhandlungen, welche auf dem Gebiete der Erkenntnistheorie überhaupt geschrieben worden sind. Er versuchte mit allen Mitteln eine transzendentale Erkenntnistheorie zu begründen, aber er kam schließlich doch zu einer Art Erkenntnistheorie, die man grob bezeichnen kann als etwas, was dem Hunde gleicht, der sich um sich selbst dreht. Er kam nicht über den Anfangspunkt seiner Erkenntnistheorie hinaus.

[ 39 ] Und so wuchs dann herauf der heutige Zustand. Es kam die bedeutende Aufstellung der Wärmetheorie durch Clausius, die zurückwirkte auf die Sinnesphysiologie und diese letzten Endes wieder auf die Erkenntnistheorie. Auch hier also wieder ein Bann der Philosophie unter die Naturwissenschaft.

[ 39 ] Und so wuchs dann herauf der heutige Zustand. Es kam die bedeutende Aufstellung der Wärmetheorie durch Clausius, die zurückwirkte auf die Sinnesphysiologie und diese letzten Endes wieder auf die Erkenntnistheorie. Auch hier also wieder ein Bann der Philosophie unter die Naturwissenschaft.

[ 40 ] So kamen diejenigen nicht zu Worte, welche in Anknüpfung an die alte Denkschulung sprachen. Wohl versuchte in den achtziger Jahren ein Forscher, ausgehend von Kant, die Erkenntnistheorie wirklich weiterzuführen, aber man hörte ihn nicht. So ließ er unter dem Zwange der Verhältnisse dies Gebiet ganz liegen und ging zur Ästhetik über. Erst 1906 veröffentlichte er — es ist Johannes Volkelt — wieder eine kleine erkenntnistheoretische Arbeit über «Die Quellen der Gewißheit unserer Erkenntnis». Die Bedingungen für eine wahre Erkenntnistheorie waren so wenig wie für ein wahres Verständnis Hegels vorhanden.

[ 40 ] So kamen diejenigen nicht zu Worte, welche in Anknüpfung an die alte Denkschulung sprachen. Wohl versuchte in den achtziger Jahren ein Forscher, ausgehend von Kant, die Erkenntnistheorie wirklich weiterzuführen, aber man hörte ihn nicht. So ließ er unter dem Zwange der Verhältnisse dies Gebiet ganz liegen und ging zur Ästhetik über. Erst 1906 veröffentlichte er — es ist Johannes Volkelt — wieder eine kleine erkenntnistheoretische Arbeit über «Die Quellen der Gewißheit unserer Erkenntnis». Die Bedingungen für eine wahre Erkenntnistheorie waren so wenig wie für ein wahres Verständnis Hegels vorhanden.

[ 41 ] Unsere Zeit findet sich weit mehr befriedigt etwa durch eine Spencersche Enzyklopädie, die um ganz wenig und ganz äußerlich über die Naturwissenschaft hinausgeht. Und als da gar die Anschauung vom kleinsten ökonomischen Maß, wie sie Mach aufgebracht hatte, wieder zurückkam von der neuen Welt im Pragmatismus eines William James, wurde sie begeistert als etwas Neues aufgenommen. Allerdings geben die strengen Kolonnen der Hegelschen absoluten Logik und das gänzlich unphilosophische Raisonnement des Pragmatismus eine recht merkwürdige Zusammenstellung.

[ 41 ] Unsere Zeit findet sich weit mehr befriedigt etwa durch eine Spencersche Enzyklopädie, die um ganz wenig und ganz äußerlich über die Naturwissenschaft hinausgeht. Und als da gar die Anschauung vom kleinsten ökonomischen Maß, wie sie Mach aufgebracht hatte, wieder zurückkam von der neuen Welt im Pragmatismus eines William James, wurde sie begeistert als etwas Neues aufgenommen. Allerdings geben die strengen Kolonnen der Hegelschen absoluten Logik und das gänzlich unphilosophische Raisonnement des Pragmatismus eine recht merkwürdige Zusammenstellung.

[ 42 ] Aber das Gute kann nicht ganz, es kann nur zeitweise unterdrückt werden. Da, wo ein mißverstandener Kantianismus sich nicht wie Mehltau auf das Denken legen konnte, sozusagen aus den Kräften des Volkes heraus, regte sich ein gesundes Denken. So brachte der russische Philosoph Solowjow in der Tat neue bedeutende methodologische Ansätze dadurch, daß er auf einer jungen Volkskraft fußt, die, wenn Sie wollen, es nicht einmal zu einer rechten Kultur gebracht hat, nicht aber auf einer alten wie Franz Brentano. Auch der Franzose Boutroux führte in die Entwickelungsgeschichte einen neuen brauchbaren Begriff ein. Aber solche Bestrebungen bleiben unberücksichtigt. Unter der Asche glimmt das Wahre gleichsam fort. Es kann überwuchert werden durch Vorurteile und Impotenz, aber als Selbstzucht des Gedankens wirkt es doch heimlich fort. Und gerade derjenige, der die Geisteswissenschaft vertreten zu müssen glaubt, muß darauf hoffen, daß diese Selbstzucht des Denkens der Geisteswissenschaft den Weg bahnen wird. Er muß den Weg finden zur Hegelschen strengsten Logik und kann nur so fest fundieren auf dem Fundamente des Gedankens das, was er in oft lockeren Gebilden aus höheren geistigen Welten herunterholen muß. So gibt es denn auf dem Gebiete des Übersinnlichen, wenn wir so sagen dürfen, nichts, was ein streng geschultes Denken ablehnen müßte. Schärferes, selbsterzogenes Denken wird den Übergang, die Brücke finden, die von dem letzten höchsten Produkte des physischen Planes, dem Denken, hinüber zum Übersinnlichen führt.

[ 42 ] Aber das Gute kann nicht ganz, es kann nur zeitweise unterdrückt werden. Da, wo ein mißverstandener Kantianismus sich nicht wie Mehltau auf das Denken legen konnte, sozusagen aus den Kräften des Volkes heraus, regte sich ein gesundes Denken. So brachte der russische Philosoph Solowjow in der Tat neue bedeutende methodologische Ansätze dadurch, daß er auf einer jungen Volkskraft fußt, die, wenn Sie wollen, es nicht einmal zu einer rechten Kultur gebracht hat, nicht aber auf einer alten wie Franz Brentano. Auch der Franzose Boutroux führte in die Entwickelungsgeschichte einen neuen brauchbaren Begriff ein. Aber solche Bestrebungen bleiben unberücksichtigt. Unter der Asche glimmt das Wahre gleichsam fort. Es kann überwuchert werden durch Vorurteile und Impotenz, aber als Selbstzucht des Gedankens wirkt es doch heimlich fort. Und gerade derjenige, der die Geisteswissenschaft vertreten zu müssen glaubt, muß darauf hoffen, daß diese Selbstzucht des Denkens der Geisteswissenschaft den Weg bahnen wird. Er muß den Weg finden zur Hegelschen strengsten Logik und kann nur so fest fundieren auf dem Fundamente des Gedankens das, was er in oft lockeren Gebilden aus höheren geistigen Welten herunterholen muß. So gibt es denn auf dem Gebiete des Übersinnlichen, wenn wir so sagen dürfen, nichts, was ein streng geschultes Denken ablehnen müßte. Schärferes, selbsterzogenes Denken wird den Übergang, die Brücke finden, die von dem letzten höchsten Produkte des physischen Planes, dem Denken, hinüber zum Übersinnlichen führt.