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The Rudolf Steiner Archive

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Occult History
Esoteric Reflections on the Karmic Connections
between Personalities and Events in World History
GA 126

27 December 1910, Stuttgart

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Erster Vortrag

First Lecture

[ 1 ] In der Geisteswissenschaft verhält es sich so, daß die Wahrheiten, die Erkenntnisse um so schwieriger werden, je weiter man von allgemeinen Verhältnissen heruntersteigt zu besonderen konkreten Einzelheiten. Es konnte von Ihnen dies schon bemerkt werden, als in verschiedenen Arbeitsgruppen versucht wurde, im einzelnen geschichtlich zu sprechen etwa über die Wiederverkörperungen des großen Führers der Perserreligion, des Zarathustra — als gesprochen wurde über den Zusammenhang des Zarathustra mit Moses, mit Hermes und auch mit dem Jesus von Nazareth. Auch bei anderen Gelegenheiten sind ja konkrete geschichtliche Fragen bereits berührt worden. Man steigt von Dingen, über welche das menschliche Herz noch dies oder jenes Unwahrscheinliche verhältnismäßig leicht hinnimmt, in Gebiete hinab voll von Unwahrscheinlichkeiten, sobald man heruntersteigt von den großen Wahrheiten über das geistig Durchtränkt- und Durchwobensein der Welt, von den großen Weltgesetzen zur geistigen Natur einer einzelnen Individualität, einer einzelnen Persönlichkeit. Und bei noch nicht genügend vorbereiteten Menschen beginnt in der Regel an diesem Abgrund zwischen den allgemeinen und besonderen Wahrheiten die Ungläubigkeit.

[ 1 ] In spiritual science, the further one descends from general conditions to specific, concrete details, the more difficult the truths and insights become. You may have already noticed this when various working groups attempted to speak in historical detail, for example, about the reincarnations of the great leader of the Persian religion, Zarathustra—when the connection between Zarathustra and Moses, Hermes, and also Jesus of Nazareth was discussed. Concrete historical questions have, of course, been touched upon on other occasions as well. One descends from matters regarding which the human heart still accepts this or that improbable element with relative ease into realms full of improbabilities as soon as one descends from the great truths about the world’s spiritual permeation and interweaving, from the great laws of the world to the spiritual nature of a single individuality, a single personality. And for those who are not yet sufficiently prepared, disbelief generally begins at this abyss between general and particular truths.

[ 2 ] Nun werde ich Ihnen in den Vorträgen — und zu denen die heutige Betrachtung eine Art von Einleitung geben soll —, die der okkulten Geschichte gewidmet sind und von historischen Tatsachen und geschichtlichen Persönlichkeiten im Lichte der Geisteswissenschaft handeln, manches Sonderbare zu sagen haben. Sie werden manches Sonderbare hören, das auf Ihren guten Willen wird rechnen müssen, auf jenen guten Willen, der herangeschult ist durch alles dasjenige, was im Laufe von Jahren an geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen durch Ihre Seele gezogen ist. Denn das ist ja die schönste, die bedeutsamste Frucht, die wir gewinnen aus der spirituellen Weltanschauung, daß, so kompliziert, so im einzelnen ausgebaut auch die Erkenntnisse sind, die wir gewinnen, wir zuletzt doch nicht vor uns haben bloß eine Summe von Dogmen, sondern daß wir in uns, in unseren Herzen, in unseren Gemütern durch diese geisteswissenschaftliche Betrachtungsweise etwas besitzen, was uns hinausrückt über den Standpunkt, den wir sonst durch irgendeine andere Weltbetrachtung gewinnen können. Nicht Dogmen, nicht Lehrsätze, nicht ein bloßes Wissen nehmen wir auf, sondern durch unsere Erkenntnisse werden wir andere Menschen. In gewisser Beziehung gehört zu solchen Partien geistiger Wissenschaft wie diejenigen, die wir jetzt betrachten werden, Seelenverständnis, nicht intellektuelles Verständnis, Seelenverständnis, das vielleicht an gar manchen Stellen auch geneigt sein muß, Andeutungen anzuhören und hinzunehmen, die grob, die brutal werden würden, wenn man sie in allzu scharfe Konturen hineinpressen wollte. Wovon ich Ihnen gerne Vorstellungen hervorrufen möchte, das ist, daß in dem ganzen auch geschichtlichen Werdeprozeßß der Menschheit durch die verschiedenen Jahrtausende hindurch bis in unsere Tage hinein hinter allem Menschenwerden und menschlichen Geschehen geistige Wesenheiten, geistige Individualitäten als Leiter, als Führer stehen, und daß für die größten, für die wichtigsten Tatsachen des historischen Verlaufes dieser oder jener Mensch mit seiner ganzen Seele, mit seinem ganzen Wesen wie ein Werkzeug von dahinterstehenden, planvoll wirkenden Individualitäten erscheint. Aber wir müssen uns mancherlei Begriffe aneignen, die man im gewöhnlichen Leben nicht hat, wenn wir die merkwürdigen, geheimnisvollen Zusammenhänge zwischen dem Früheren und Späteren des geschichtlichen Werdens einsehen wollen.

[ 2 ] Now, in the lectures—to which today’s reflection is intended to serve as a kind of introduction—that are devoted to occult history and deal with historical facts and figures in the light of spiritual science, I have many strange things to say. You will hear many strange things that will have to rely on your goodwill—that goodwill which has been cultivated by all the spiritual-scientific insights that have passed through your soul over the years. For that is indeed the most beautiful, the most significant fruit we gain from the spiritual worldview: that, however complex, however elaborately developed in detail the insights we gain may be, in the end we do not merely have before us a sum of dogmas, but that through this spiritual-scientific approach we possess within ourselves, in our hearts, in our minds, something that lifts us beyond the perspective we might otherwise gain through any other worldview. We do not take in dogmas, doctrines, or mere knowledge, but through our insights we become different people. In a certain sense, such branches of spiritual science as those we are now about to consider require an understanding of the soul, not an intellectual understanding—an understanding of the soul that in many places may even have to be open to hearing and accepting hints that would become crude or brutal if one were to force them into overly sharp contours. What I would like to help you envision is that throughout the entire, including historical, process of human development across the various millennia up to the present day, behind all human becoming and human events stand spiritual beings, spiritual individualities, as guides, as leaders, and that for the greatest, for the most important facts of the historical course, this or that human being, with his whole soul, with his whole being, appears as an instrument of the individualities standing behind him, working with a plan. But we must acquire various concepts that are not part of ordinary life if we are to understand the remarkable, mysterious connections between the earlier and later phases of historical development.

[ 3 ] Wenn Sie sich erinnern an manches, was gesagt worden ist im Laufe der Jahre, so kann Ihnen vor die Seele treten, daß in alten Zeiten, in Zeiten auch der nachatlantischen Kulturentwickelung, wenn wir nur einige Jahrtausende vor unsere gewöhnlich historisch genannte Zeit zurückgehen, die Menschen mehr oder weniger abnorme hellseherische Zustände hatten; daß zwischen dem, was wir heute das nüchterne, nur auf die physische Welt beschränkte Wachen nennen, und dem bewußtlosen Schlafzustand mit seinem zweifelhaften Reich der Träume, ein Bewußtseinsreich war, durch welches der Mensch hineintauchte in eine geistige, in eine spirituelle Realität. Und dasjenige, was heute von gelehrten Leuten, die so viele Mythen und Sagen wissenschaftlich erdichten, als dichtende Volksphantasie ausgelegt wird, wir wissen, daß es in Wahrheit zurückführt auf altes Hellsehen, auf hellsichtige Zustände der Menschenseele, die in jenen Zeiten hinter das physische Dasein sah und das also Geschaute in den Bildern der Mythe und auch der Märchen und Legenden zum Ausdruck gebracht hat. So daß wirklich, wenn wir alte, und zwar richtige alte Mythen, Märchen und Sagen vor uns haben, wir mehr Erkenntnis, mehr Weisheit und Wahrheit in ihnen finden können als in unserer heutigen abstrakten Gelehrsamkeit und Wissenschaft. Also wir blicken sozusagen auf einen hellsichtigen Menschen zurück, wenn wir den Blick in sehr alte Zeiten lenken, und wir wissen, daß diese Hellsichtigkeit immer mehr und mehr abnimmt bei den verschiedenen Völkern verschiedener Zeiten. Heute, bei dem Vortrage in der Weihnachtsfeier, habe ich sogar darauf aufmerksam machen dürfen, wie in Europa verhältnismäßig sehr spät noch Reste des alten Hellsehens im weitesten Umfange vorhanden waren. Das Erlöschen des Hellsehens und das Auftreten des auf den physischen Plan beschränkten Bewußtseins vollzieht sich zu verschiedenen Zeiten bei den verschiedenen Völkern.

[ 3 ] If you recall some of what has been said over the years, it may occur to you that in ancient times—including the era of post-Atlantean cultural development—if we go back just a few millennia before what we usually call “historical times,” people experienced more or less abnormal clairvoyant states; that between what we today call sober wakefulness—limited solely to the physical world—and the unconscious state of sleep with its dubious realm of dreams, there was a realm of consciousness through which human beings plunged into a spiritual reality. And what is today interpreted by scholars—who scientifically fabricate so many myths and legends—as the poetic imagination of the people, we know that it in truth leads back to ancient clairvoyance, to clairvoyant states of the human soul, which in those times saw beyond physical existence and expressed what was thus seen in the images of myth, as well as in fairy tales and legends. So that truly, when we have before us ancient—and I mean truly ancient—myths, fairy tales, and legends, we can find more insight, more wisdom, and more truth in them than in our present-day abstract scholarship and science. So, to speak, we look back upon a clairvoyant human being when we turn our gaze to very ancient times, and we know that this clairvoyance has been diminishing more and more among the various peoples of different eras. Today, during the lecture at the Christmas celebration, I was even able to point out how, in Europe, remnants of the old clairvoyance were still present to a relatively great extent until quite late. The extinction of clairvoyance and the emergence of consciousness limited to the physical plane took place at different times among different peoples.

[ 4 ] Sie können sich nun denken, daß durch die Kulturepochen, wie wir sie aufgezählt haben nach der großen atlantischen Katastrophe, durch die altindische, altpersische, ägyptisch-chaldäische, griechisch-lateinische und durch unsere Kulturepoche hindurch, die Menschen sozusagen in verschiedenster Art wirken mußten auf dem Plan der Weltgeschichte, weil sie in verschiedener Art verbunden waren mit der geistigen Welt. Wenn wir in die persische, auch noch in die ägyptisch-chaldäische Zeit zurückgehen, da ragt sozusagen das, was der Mensch in seiner Seele fühlte, erlebte, hinauf in geistige Welten, und geistige Mächte spielten in seine Seele herein. Was da eine lebendige Verbindung hatte zwischen der menschlichen Seele und den geistigen Welten, das hört im wesentlichen erst auf im vierten, im griechisch-lateinischen Zeitraum, und ganz und gar verschwunden ist es erst in unserer Zeit. Für die äußere Geschichte ist es in unserer Zeit nur da vorhanden, wo mit den Mitteln, die den Menschen heute zugänglich sind, bewußt die Verbindung wiederum gesucht wird zwischen dem, was in der Menschenseele lebt, und den geistigen und spirituellen Welten. Also in alten Zeiten, wenn der Mensch hineinschaute in seine Seele, barg diese Seele nicht nur das in sich, was sie von der physischen Welt gelernt hatte, was sie erdacht hatte nach den Dingen der physischen Welt, sondern es lebte unmittelbar in ihr dasjenige, was wir zum Beispiel als geistige Hierarchien über den Menschen hinauf bis in die geistigen Welten hinein geschildert haben. Das wirkte durch das Instrument der Menschenseele herunter auf den physischen Plan, und die Menschen wußten sich in Verbindung mit diesen Individualitäten der höheren Hierarchien. Wenn wir zurückschauen meinetwillen noch in die ägyptisch-chaldäische Zeit — allerdings müssen wir da die älteren Perioden nehmen —, so haben wir Menschen, die sozusagen historische Persönlichkeiten sind; aber wir verstehen sie nicht, wenn wir sie in dem Sinn von heute als historische Persönlichkeiten auffassen.

[ 4 ] You can now imagine that throughout the cultural epochs we have listed following the great Atlantean catastrophe—through the ancient Indian, ancient Persian, Egyptian-Chaldean, Greek-Latin, and our own cultural epochs—human beings had to act, so to speak, in the most diverse ways on the stage of world history, because they were connected to the spiritual world in various ways. If we go back to the Persian, and even to the Egyptian-Chaldean, era, what the human being felt and experienced in his soul, so to speak, reached up into the spiritual worlds, and spiritual forces played a part in his soul. What was then a living connection between the human soul and the spiritual worlds essentially ceases only in the fourth, the Greco-Roman period, and it has only completely disappeared in our time. In our time, this connection exists in external history only where, using the means available to people today, a conscious effort is made to reestablish the link between what lives in the human soul and the spiritual and spiritual worlds. Thus, in ancient times, when a person looked into their soul, that soul contained not only what it had learned from the physical world, what it had conceived based on the things of the physical world, but what we have described, for example, as spiritual hierarchies rising above humanity into the spiritual worlds lived directly within it. This worked down through the instrument of the human soul onto the physical plane, and people knew themselves to be in connection with these individualities of the higher hierarchies. If we look back, for my sake, to the Egyptian-Chaldean era—though we must take the earlier periods there—we have human beings who are, so to speak, historical figures; but we do not understand them if we regard them as historical figures in the sense we do today.

[ 5 ] Wenn wir heute von historischen Persönlichkeiten sprechen, sind wir als Menschen des materialistischen Zeitalters davon überzeugt, daß es nur die Impulse, die Intentionen der betreffenden Persönlichkeiten sind, die da wirken im Laufe der Geschichte. So können wir im Grunde genommen nur noch die Menschen von drei Jahrtausenden verstehen, das heißt allenfalls noch annähernd die Menschen desjenigen Jahrtausends, das mit der Geburt des Christus Jesus abschließt, und dann die Menschen des 1. und des 2. christlichen Jahrtausends, in dem wir ja selber stehen. Plato, Sokrates, vielleicht auch Thales und Perikles, das sind Menschen, die man allenfalls noch als uns ähnlich verstehen kann. Geht man aber weiter zurück, dann hört die Möglichkeit auf, Menschen zu verstehen, wenn man sie nur aus der Analogie mit den Menschen der Gegenwart verstehen will. So läßt sich etwa der ägyptische Hermes, der große Lehrer der ägyptischen Kultur, nicht mehr verstehen, auch nicht Zarathustra, und nicht einmal Moses. Wenn wir zurückgehen jenseits des Jahrtausends, das der christlichen Zeitrechnung vorangeht, dann müssen wir schon damit rechnen, daß überall, wo wir es mit historischen Persönlichkeiten zu tun haben, höhere Individualitäten, höhere Hierarchien hinter ihnen stehen, diese Persönlichkeiten gleichsam von sich besessen machen, im besten Sinne des Wortes allerdings. Nun zeigt sich eine eigentümliche Erscheinung, ohne deren Kenntnis wir nicht den historischen Werdegang verstehen können.

[ 5 ] When we speak today of historical figures, we—as people of the materialistic age—are convinced that it is only the impulses and intentions of those figures that have an impact throughout history. Thus, we can essentially only understand people from the past three millennia—that is, at best, the people of the millennium that ends with the birth of Jesus Christ, and then the people of the first and second Christian millennia, in which we ourselves live. Plato, Socrates, perhaps also Thales and Pericles—these are people whom we can, at best, still understand as being similar to us. But if we go further back, the possibility of understanding people ceases if we seek to understand them solely through analogy with people of the present. Thus, for example, the Egyptian Hermes, the great teacher of Egyptian culture, can no longer be understood, nor can Zarathustra, nor even Moses. If we go back beyond the millennium preceding the Christian era, we must expect that wherever we are dealing with historical figures, higher individualities and higher hierarchies stand behind them, so to speak, taking possession of these figures—in the best sense of the word, however. Now a peculiar phenomenon presents itself, without knowledge of which we cannot understand the historical course of events.

[ 6 ] Wir haben unterschieden bis zu unserer Zeit fünf Zeiträume. Also wir haben den ersten nachatlantischen Kulturzeitraum weit zurückreichend in den Jahrtausenden, den indischen Zeitraum, wir haben den zweiten, den altpersischen, den dritten, den ägyptisch-chaldäischen, den vierten, den griechisch-lateinischen, und den fünften, unseren eigenen Zeitraum. Schon wenn wir von dem griechisch-lateinischen Charakter zurückgehen zu dem ägyptischen, da müssen wir diesen Übergang für die historische Betrachtungsweise machen, daß wir anstatt einer rein menschlichen Betrachtungsweise, wie sie uns allenfalls noch den Gestalten der griechischen Welt gegenüber bis ins Heroenzeitalter dienen kann, einen anderen Maßstab anlegen, daß wir anfangen, hinter den einzelnen Persönlichkeiten die geistigen Mächte zu suchen, die Überpersönliches darstellen, und die durch die Persönlichkeiten als ihre Instrumente wirken. Diese geistigen Individualitäten müssen wir dabei ins seelische Auge fassen, so daß wir also förmlich sehen könnten einen Menschen, der auf dem physischen Plan steht, und hinter ihm wirksam eine Wesenheit der höheren Hierarchien, die diesen Menschen gleichsam von hinten hält und ihn hinstellt auf den Platz, auf dem er zu stehen hat innerhalb der Menschheitsentwickelung.

[ 6 ] We have identified five distinct periods up to the present day. So we have the first post-Atlantean cultural epoch, stretching far back through the millennia, the Indian epoch; we have the second, the ancient Persian; the third, the Egyptian-Chaldean; the fourth, the Greco-Latin; and the fifth, our own epoch. Even when we move back from the Greco-Latin character to the Egyptian, we must make this transition in our historical perspective: instead of a purely human perspective—which can at best still serve us when considering the figures of the Greek world up to the Heroic Age—we must apply a different standard, so that we begin to seek behind the individual personalities the spiritual forces that represent the superpersonal and that work through the personalities as their instruments. We must perceive these spiritual individualities with the soul’s eye, so that we might literally see a human being standing on the physical plane, and behind him, actively at work, a being of the higher hierarchies who, as it were, holds this human being from behind and places him in the position he is meant to occupy within the development of humanity.

[ 7 ] Nun ist es gerade schon interessant genug, von diesem Gesichtspunkt aus die Beziehungen anzuschlagen zwischen den eigentlich wichtigen Vorgängen, den historisch bestimmenden Vorgängen der ägyptisch-chaldäischen Epoche und der griechisch-lateinischen Epoche. Das sind zwei aufeinanderfolgende Kulturepochen, und wir dringen zunächst, sagen wir, bis zum Jahre 2800, 3200 bis 3500 vor unserer Zeitrechnung, also verhältnismäßig gar nicht sehr weit. Dennoch werden wir nicht begreifen, was da geschehen ist, was ja auch heute schon die alte Geschichte etwas bloßlegt; wir werden es nur dann begreifen, wenn wir hinter den geschichtlichen Persönlichkeiten die höheren Individualitäten sehen. Dann aber zeigt sich uns weiter, daß wir von all den wichtigen Dingen, die da im dritten Zeitraum geschahen, eine Art Wiederholung haben in dem vierten, im griechisch-lateinischen Zeitraum. Es ist fast so, wie wenn sozusagen das, was durch höhere Gesetze für den vorhergehenden Zeitraum erklärlich ist, durch Gesetze der physischen Welt erklärlich wird für den folgenden; wie wenn es heruntergestiegen wäre, sich um eine Stufe vergröbert hätte, physischer geworden wäre: eine Art von Spiegelung in der physischen Welt zeigt sich uns für große Ereignisse der vorhergehenden Zeiträume.

[ 7 ] Now, it is interesting enough in itself to examine, from this perspective, the connections between the truly significant events—the historically defining events of the Egyptian-Chaldean era and the Greek-Latin era. These are two successive cultural epochs, and we will first go back, let us say, to the years 2800, 3200, and 3500 B.C., which is not very far back at all, relatively speaking. Nevertheless, we will not understand what happened there—what ancient history already reveals to some extent even today; we will only understand it when we see the higher individualities behind the historical figures. Then, however, it becomes further apparent to us that we have a kind of repetition of all the important things that happened in the third epoch in the fourth, the Greek-Latin epoch. It is almost as if, so to speak, what can be explained by higher laws for the preceding epoch can be explained by laws of the physical world for the following one; as if it had descended, coarsened by one degree, become more physical: a kind of reflection in the physical world reveals itself to us for the great events of the preceding epochs.

[ 8 ] Ich will Ihnen eben heute eine Einleitung geben und möchte Sie deshalb hinweisen darauf, wie uns in einem bedeutsamen Mythos eine der wichtigsten Tatsachen des ägyptisch-chaldäischen Zeitraumes gegeben ist; wie sich dann dieses Ereignis widerspiegelt, aber um eine Stufe herunterversetzt, im griechisch-lateinischen Zeitraum. Also zwei parallele Tatsachen möchte ich hinstellen, die zusammengehören in okkulter Beziehung; die eine dann gleichsam um einen halben Plan höher und die andere ganz auf der physischen Erde stehend, aber wie eine Art physisch gewordenen Schattenbildes eines geistigen Ereignisses der früheren Epoche. Außerlich hat die Menschheit solche Ereignisse, wo Mächte der höheren Hierarchien dahinterstehen, immer nur durch Mythen erzählen können. Aber wir werden sehen, was gerade hinter dem Mythos liegt, der uns als das bedeutsamste Ereignis schildert, was aus der chaldäischen Zeit hereinragt. Wir wollen uns nur die Hauptzüge des Mythos vor Augen stellen.

[ 8 ] I would like to offer you an introduction today and would therefore like to point out how a significant myth presents us with one of the most important facts of the Egyptian-Chaldean period; and how this event is then reflected, though on a lower level, in the Greco-Latin period. So I would like to present two parallel facts that are connected in an occult relationship; one standing, as it were, half a plane higher, and the other standing entirely on the physical earth, but as a kind of physicalized shadow image of a spiritual event from the earlier epoch. Externally, humanity has always been able to recount such events—where powers of the higher hierarchies stand behind them—only through myths. But we shall see what lies precisely behind the myth that describes to us the most significant event extending from the Chaldean era. Let us simply consider the main features of the myth.

[ 9 ] Dieser Mythos besagt das folgende: Da war einmal ein großer König, namens Gilgamesch. Aber schon aus dem Namen erkennt derjenige, der solche Namen zu beurteilen vermag, daß wir es nicht bloß mit einem physischen König zu tun haben, sondern mit einer dahinterstehenden Gottheit, mit einer dahinterstehenden geistigen Individualität, von der der König von Erek besessen war, die durch ihn wirkte. Also wir haben es zu tun mit dem, was wir im realen Sinne einen Gottmenschen zu nennen haben. Er bedrückt die Stadt Erek, so wird uns erzählt. Die Stadt Erek wendet sich an ihre Gottheit Aruru, und diese Gottheit läßt einen Helfer erstehen: aus der Erde heraus erwächst dieser Held. Das sind also die Bilder des Mythos; wir werden sehen, welche Tiefen von historischen Ereignissen hinter diesem Mythos liegen. Die Gottheit läßt erstehen aus der Erde heraus Eabani, eine Art von menschlicher Wesenheit, welche im Verhältnis zu Gilgamesch ausschaut wie eine niedere Wesenheit, denn es wird erzählt, daß er Tierfelle hatte, daß er mit Haaren bedeckt war, daß er wie ein Wilder war; aber in seiner Wildheit lebte Gottbeseeltheit, altes Hellsehen, Hellwissen, alte Hell-Erkenntnis.

[ 9 ] This myth tells the following story: Once upon a time, there was a great king named Gilgamesh. But even from the name alone, anyone capable of judging such names can see that we are not dealing merely with a physical king, but with a deity behind him, with a spiritual individuality behind him, by which the king of Erek was possessed and through which it worked. So we are dealing with what we must call, in the real sense, a god-man. He oppresses the city of Erek, we are told. The city of Erek turns to its deity Aruru, and this deity brings forth a helper: this hero springs forth from the earth. These, then, are the images of the myth; we shall see what depths of historical events lie behind this myth. The deity brings forth from the earth Eabani, a kind of human being who, in comparison to Gilgamesh, appears as a lower being, for it is told that he wore animal skins, that he was covered with hair, that he was like a savage; but in his savagery lived a divine spirit, ancient clairvoyance, clear knowledge, ancient insight.

[ 10 ] Eabani lernt eine Frau aus Erek kennen, und er wird dadurch in die Stadt gezogen. Er wird der Freund des Gilgamesch und dadurch zieht Friede in die Stadt ein. Nun herrschen sie beide zusammen, Gilgamesch und Eabani. Da wird durch eine Nachbarstadt die Stadtgöttin Ischtar der Stadt des Eabani und des Gilgamesch geraubt. Sie unternehmen beide einen Kriegszug gegen die räuberische Stadt. Sie überwinden den König und gewinnen die Stadtgöttin zurück. Nun ist die Stadtgöttin wiederum in Erek eingezogen, Gilgamesch lebt ihr gegenüber, und da tritt uns das Eigentümliche entgegen, daß Gilgamesch kein Verständnis hat für die eigenartige Natur der Stadtgöttin. Eine Szene spielt sich nun ab, die einen unmittelbar erinnert an eine biblische Szene des JohannesEvangeliums. Gilgamesch steht Ischtar gegenüber. Er benimmt sich allerdings anders als der Christus Jesus; er wirft der Stadtgöttin vor, daß sie, bevor sie ihm gegenübergetreten sei, viele andere Männer geliebt habe. Namentlich die Bekanntschaft mit dem letzten wirft er ihr vor. Darauf geht sie beschwerdeführend zu derjenigen Gottheit, zu derjenigen Wesenheit der höheren Hierarchien, der gerade sie, die Stadtgöttin, zugeteilt ist: sie geht zu Anu. Und nun sendet Anu einen Stier auf die Erde herab, mit diesem Stier muß Gilgamesch kämpfen. Wer sich an den stierbekämpfenden Mithras erinnert, der findet einen Anklang daran an dieser Stelle, wo der von Anu heruntergesandte Stier bekämpft werden muß von Gilgamesch. Alle diese Ereignisse haben. — und wir werden sehen, wenn wir den Mythos erklären werden, welche Tiefen darin stecken — nun dahin geführt, daß Eabani mittlerweile gestorben ist. Gilgamesch ist jetzt allein. Ihm kommt ein Gedanke, der furchtbar an seiner Seele zehrt. Unter dem Eindruck dessen, was er da erlebt hat, wird ihm der Gedanke erst bewußt, daß der Mensch doch sterblich ist. Ein Gedanke, den er früher nicht berücksichtigt hatte, der tritt ihm in seiner ganzen Furchtbarkeit vor die Seele. Und da vernimmt er von dem einzigen Erdenmenschen, der unsterblich geblieben ist, während alle anderen Menschen in der nachatlantischen Zeit das Bewußtsein der Sterblichkeit erlangt haben: er hört von dem unsterblichen Xisuthros weit im Westen drüben. Nun unternimmt er, weil er erforschen will die Rätsel von Leben und Tod, den schweren Zug nach dem Westen. — Schon heute kann ich sagen: Dieser Zug nach dem Westen ist kein anderer als der Zug nach den Geheimnissen der alten Atlantis, nach den Ereignissen, die vor der großen atlantischen Katastrophe liegen.

[ 10 ] Eabani meets a woman from Erek, and this draws him to the city. He becomes friends with Gilgamesh, and as a result, peace comes to the city. Now they both rule together, Gilgamesh and Eabani. Then the city goddess Ishtar is stolen from the city of Eabani and Gilgamesh by a neighboring city. They both launch a military campaign against the raiding city. They defeat the king and win back the city goddess. Now the city goddess has returned to Erech; Gilgamesh lives opposite her, and here we encounter the peculiarity that Gilgamesh has no understanding of the city goddess’s unique nature. A scene now unfolds that immediately brings to mind a biblical scene from the Gospel of John. Gilgamesh stands before Ishtar. He behaves differently, however, from Jesus Christ; he reproaches the city goddess for having loved many other men before she stood before him. In particular, he reproaches her for her relationship with the last one. Thereupon she goes to complain to the deity, to the being of the higher hierarchies, to whom she, the city goddess, is assigned: she goes to Anu. And now Anu sends a bull down to earth; Gilgamesh must fight this bull. Anyone who recalls Mithras fighting the bull will find an echo of that here, where the bull sent down by Anu must be fought by Gilgamesh. All these events have—and we shall see, when we explain the myth, what depths lie within them—now led to the point where Eabani has since died. Gilgamesh is now alone. A thought occurs to him that terribly gnaws at his soul. Under the impression of what he has just experienced, he first becomes aware of the fact that man is, after all, mortal. A thought he had not considered before now confronts his soul in all its horror. And then he hears of the only human on Earth who has remained immortal, while all other humans in the post-Atlantean era have attained the awareness of mortality: he hears of the immortal Xisuthros far away in the West. Now, because he wishes to explore the mysteries of life and death, he undertakes the arduous journey to the West. — Even today I can say: This journey to the West is none other than the journey to the mysteries of ancient Atlantis, to the events that lie before the great Atlantean catastrophe.

[ 11 ] Dahin unternimmt Gilgamesch den Wanderzug. Sehr interessant ist es, daß er vorbei muß an einer Pforte, die behütet ist von Skorpionenriesen, daß ihn der Geist einführt in das Reich des Todes, daß er eintritt in das Reich des Xisuthros und daß er in diesem Reich des Xisuthros erfährt, daß alle Menschen immer mehr von dem Bewußtsein des Todes durchdrungen werden müssen in der nachatlantischen Zeit. Nun fragt er Xisuthros, woher er denn ein Wissen habe von seinem ewigen Kern, warum er von dem Bewußtsein der Unsterblichkeit durchdrungen sei. Da sagt ihm Xisuthros: Du kannst es auch werden, aber du mußt nacherleben, was ich durchleben mußte durch all die Überwindungen von Furcht und Angst und Einsamkeit, die ich durchmachen mußte. Als der Gott Ea beschlossen hatte — in dem, was wir die atlantische Katastrophe nennen —, untergehen zu lassen, was von der Menschheit nicht weiter fortleben sollte, da trug er mir auf, mich zurückzuziehen in eine Art Schiff. Hineinnehmen sollte ich die Tiere, die übrigbleiben sollten, und diejenigen Individualitäten, die da in Wahrheit genannt werden die Meister. Mit diesem Schiff überdauerte ich die große Katastrophe. So erzählte Xisuthros dem Gilgamesch, und sagte: Was da durchgemacht worden ist, das kannst du nur im Inneren erleben. Dadurch aber kannst du zum Bewußtsein der Unsterblichkeit kommen, wenn du sieben Nächte und sechs Tage nicht schläfst. — Gilgamesch will sich dieser Probe unterziehen, schläft aber sehr bald ein. Da bäckt die Frau des Xisuthros sieben mystische Brote, die sollen ersetzen durch ihren Genuß das, was in den sieben Nächten und sechs Tagen hätte errungen werden sollen. Nun zieht Gilgamesch weiter mit dieser Art Lebenselixier und macht etwas durch wie ein Bad im Jungbrunnen und kommt wieder an die Küste seiner Heimat, die etwa am Euphrat und Tigris liegt. Da wird ihm die Kraft des Lebenselixiers durch eine Schlange genommen, und er kommt also wieder ohne das Lebenselixier in seinem Lande an, aber doch mit dem Bewußtsein, daß es eine Unsterblichkeit gibt und von Sehnsucht erfüllt, wenigstens noch den Geist des Eabani zu sehen. Der erscheint ihm nun wirklich, und aus dem Gespräch, das sich dann abspinnt, erfahren wir die Art, wie sozusagen für die Kultur der ägyptisch-chaldäischen Zeit das Bewußtsein des Zusammenhanges mit der geistigen Welt aufgehen konnte. Das ist wichtig, dieses Verhältnis von Gilgamesch und Eabani.

[ 11 ] Gilgamesh sets out on his journey there. It is very interesting that he must pass through a gate guarded by giant scorpions, that the spirit leads him into the realm of death, that he enters the realm of Xisuthros, and that in this realm of Xisuthros he learns that all human beings must become increasingly imbued with the awareness of death in the post-Atlantean era. Now he asks Xisuthros where he has gained knowledge of his eternal core, why he is imbued with the consciousness of immortality. Then Xisuthros says to him: You can become that too, but you must relive what I had to go through—all the overcoming of fear, anxiety, and loneliness that I had to endure. When the god Ea had decided—in what we call the Atlantean catastrophe—to let perish that which was not to live on from humanity, he instructed me to withdraw into a kind of ship. I was to take aboard the animals that were to remain, and those individualities who are truly called the Masters. With this ship I survived the great catastrophe. Thus Xisuthros told Gilgamesh, and said: What has been endured there, you can only experience within yourself. Through this, however, you can attain the consciousness of immortality if you do not sleep for seven nights and six days. — Gilgamesh wishes to undergo this trial, but falls asleep very soon. Then Xisuthros’s wife bakes seven mystical loaves of bread; by eating them, they are meant to replace what should have been achieved during the seven nights and six days. Now Gilgamesh continues on his way with this kind of elixir of life and undergoes something like a bath in the Fountain of Youth, and returns to the coast of his homeland, which lies near the Euphrates and Tigris. There, the power of the elixir of life is taken from him by a serpent, and so he returns to his land without the elixir, yet with the awareness that immortality exists and filled with a longing to at least see the spirit of Eabani. Eabani now actually appears to him, and from the conversation that ensues, we learn how, so to speak, the awareness of the connection with the spiritual world could emerge for the culture of the Egyptian-Chaldean era. This relationship between Gilgamesh and Eabani is important.

[ 12 ] Nun habe ich sozusagen Ihnen die Bilder eines Mythos hingestellt, des bedeutenden Gilgamesch-Mythos, des Mythos, von dem wir sehen werden, daß er uns in die spirituellen Tiefen führen wird, die hinter dem chaldäisch-babylonischen Kulturzeitraum liegen. Ich wollte Ihnen diese Bilder vorführen, die Ihnen zeigen werden, daß sozusagen zwei Individualitäten dastehen: die Individualität einer Wesenheit, die in sich hereinragen hat eine göttlich-geistige Wesenheit: Gilgamesch — und eine, die mehr Mensch ist, aber so, daß wir sie nennen möchten eine junge Seele, die noch wenige Inkarnationen durchgemacht hat und daher noch altes Hellsehen in späte Zeiten hereingetragen hat: Eabani.

[ 12 ] I have now, so to speak, presented you with images from a myth—the significant Gilgamesh myth—the myth that, as we shall see, will lead us into the spiritual depths that lie beyond the Chaldean-Babylonian cultural period. I wanted to present these images to you, which will show you that there are, so to speak, two individualities: the individuality of a being who has a divine-spiritual being within him: Gilgamesh—and one that is more human, but in such a way that we might call it a young soul that has undergone only a few incarnations and has therefore carried ancient clairvoyance into later times: Eabani.

[ 13 ] Äußerlich ist uns dieser Eabani so dargestellt, daß er in Tierfelle gekleidet ist. Es wird uns damit seine Wildheit angedeutet; aber eben durch diese Wildheit ist er noch mit alter Hellsichtigkeit begabt einerserts, und auf der anderen Seite ist er eine junge Seele, die viel weniger Inkarnationen durchlebt hat als andere auf der Höhe der Entwickelung stehende Seelen. So stellt uns Gilgamesch dar eine Wesenheit, die zur Initiation reif war, die nur diese Initiation nicht mehr erreichen konnte, denn der Gang nach Westen ist der Gang zu einer Initiation, die nicht zu Ende geführt worden ist. Wir sehen auf der einen Seite den eigentlichen Inauguratur der chaldäisch-babylonischen Kultur in Gilgamesch und hinter ihm wirksam eine göttlich-geistige Wesenheit, eine Art Feuergeist, und dann neben ihm eine andere Individualität, eine junge Seele, den Eabani, eine Individualität, die spät erst zur Erdeninkarnation heruntergekommen ist. Wenn Sie die «Geheimwissenschaft im Umriß» lesen, so werden Sie sehen, daß die Individualitäten erst nach und nach von den Planeten wieder heruntergekommen sind. — Von dem Austausch dessen, was diese beiden wissen, hängt die babylonischchaldäische Kultur ab, und wir werden sehen, daß die ganze babylonisch-chaldäische Kultur ein Ergebnis dessen ist, was von Gilgamesch und Eabani herrührt. Da ragt Hellsichtigkeit von dem Gottmenschen Gilgamesch und Hellsichtigkeit von der jungen Seele Eabani in die chaldäisch-babylonische Kultur hinein. Dieser Prozeß von zweien, die nebeneinander wirken, von denen der eine dem anderen notwendig ist, das spiegelt sich nun ab im spätern vierten Kulturzeitraum, im griechisch-lateinischen, und zwar auf dem physischen Plan. Zum vollen Verständnis einer solchen Abspiegelung werden wir allerdings erst allmählich gelangen. Es spiegelt sich also ein mehr geistiger Vorgang auf dem physischen Plane ab, als die Menschheit sehr weit heruntergestiegen ist, als sie nicht mehr die Zusammengehörigkeit der menschlichen Persönlichkeit mit der geistig-göttlichen Welt fühlt.

[ 13 ] Externally, this Eabani is depicted as being clad in animal skins. This suggests his wildness; but it is precisely through this wildness that he is still endowed with ancient clairvoyance on the one hand, and on the other hand, he is a young soul who has lived through far fewer incarnations than other souls at the same stage of development. Thus Gilgamesh presents himself to us as a being who was ripe for initiation, but who could no longer attain this initiation, for the journey westward is the journey toward an initiation that has not been brought to completion. On the one hand, we see in Gilgamesh the actual inauguration of Chaldean-Babylonian culture, with a divine-spiritual being—a kind of fire spirit—acting behind him; and then, alongside him, another individuality, a young soul, Eabani, an individuality that only came down to Earth for incarnation at a later time. If you read *Outlines of Esoteric Science*, you will see that the individualities only gradually descended from the planets again. — The Babylonian-Chaldean culture depends on the exchange of what these two know, and we shall see that the entire Babylonian-Chaldean culture is a result of what stems from Gilgamesh and Eabani. Thus, the clairvoyance of the God-man Gilgamesh and the clairvoyance of the young soul Eabani extend into the Chaldean-Babylonian culture. This process of two working side by side, each of whom is necessary to the other, is now reflected in the later fourth cultural epoch, the Greco-Latin one, specifically on the physical plane. We will, however, only gradually come to a full understanding of such a reflection. Thus, a more spiritual process is reflected on the physical plane at a time when humanity has descended very far, when it no longer feels the connection of the human personality with the spiritual-divine world.

[ 14 ] Diese Geheimnisse der geistig-göttlichen Welt sind bewahrt worden in den Mysterienstätten. So zum Beispiel war vieles von den alten, heiligen Geheimnissen, die da kündeten den Zusammenhang der menschlichen Seele mit den göttlich-geistigen Welten, aufbewahrt worden in dem Mysterium der Diana von Ephesus und im ephesischen Tempel. Da war vieles darinnen, was einem Zeitalter, das herausgegangen war zur menschlichen Persönlichkeit, nicht mehr verständlich war. Und wie ein Wahrzeichen des geringen Verständnisses der bloß äußern Persönlichkeit für das, was spirituell geblieben ist, steht uns die halb mythische Figur des Herostrat da, die nur auf das Äußerlichste der Persönlichkeit sieht; Herostrat, der die Feuerfackel wirft in den Tempel des Heiligtums von Ephesus. Wie ein Wahrzeichen des Zusammenstoßes der Persönlichkeit mit dem, was von alten spirituellen Zeiten geblieben ist, erscheint uns diese Tat. Und an demselben Tage, wo ein Mensch, bloß um seinen Namen auf die Nachwelt zu bringen, die Feuerfackel wirft in den Tempel des Heiligtums von Ephesus, an dem gleichen Tage wird der Mensch geboren, der zur Persönlichkeitskultur das allermeiste getan hat auf demjenigen Grund und Boden, auf dem die bloße Persönlichkeitskultur überwunden werden soll: Herostrat wirft die Fackel an dem Tage, da Alexander der Große geboren wird, der Mensch, der ganz Persönlichkeit ist. So steht Alexander der Große da als das Schattenbild des Gilgamesch.

[ 14 ] These mysteries of the spiritual-divine world have been preserved in the mystery sites. For example, much of the ancient, sacred mysteries that spoke of the connection between the human soul and the divine-spiritual worlds had been preserved in the mystery of Diana of Ephesus and in the temple at Ephesus. There was much within it that was no longer comprehensible to an age that had turned toward the human personality. And as a symbol of the limited understanding of the merely outer personality for that which has remained spiritual, we have the semi-mythical figure of Herostratus, who looks only at the outermost aspect of the personality; Herostratus, who throws the torch into the temple of the sanctuary of Ephesus. This act appears to us as a symbol of the clash between the personality and what remains from ancient spiritual times. And on the very same day that a man, merely to ensure his name lives on for posterity, throws the flaming torch into the temple of the sanctuary of Ephesus, on that very same day is born the man who has done the very most for the culture of personality on the very soil where the culture of mere personality is to be overcome: Herostratus throws the torch on the day Alexander the Great is born, the man who is personality through and through. Thus Alexander the Great stands there as the shadow image of Gilgamesh.

[ 15 ] Dahinter steckt eine tiefe Wahrheit. Wie das Schattenbild des Gilgamesch steht Alexander der Große im vierten, im griechisch-lateinischen Zeitraum, wie die Projektion eines Geistigen auf den physischen Plan. Und der Eabani, der ist, projiziert auf den physischen Plan, Aristoteles, der Lehrer Alexanders des Großen. So sonderbar das ist: Alexander und Aristoteles stehen nebeneinander wie Gilgamesch und Eabani. Und wir sehen sozusagen, wie im ersten Drittel des vierten nachatlantischen Zeitraumes von Alexander dem Großen herübergetragen wird — nur in die Gesetze des physischen Planes übersetzt — das, was von Gilgamesch der chaldäisch-babylonischen Kultur gegeben worden war. Das drückt sich wunderbar aus, indem als eine Nachwirkung der Taten Alexanders des Großen an der Stätte des ägyptisch-chaldäischen Kulturschauplatzes Alexandria gegründet wird, um es, wie in ein Zentrum, gerade dort hinzusetzen, wohin der dritte Zeitraum, der ägyptisch-babylonisch-chaldäische, so mächtig gereicht hatte. Und alles sollte sich zusammenfinden in diesem alexandrinischen Kulturzentrum. Da sind nach und nach wirklich zuammengekommen all die Kulturströmungen, die sich begegnen sollten aus der nachatlantischen Zeit. Wie in einem Zentrum trafen sie sich gerade in Alexandrien, an der Stätte, die hingestellt war auf den Schauplatz des dritten Kulturzeitraums, mit dem Charakter des vierten Zeitraums. Und Alexandria überdauerte die Entstehung des Christentums. Ja, in Alexandrien entwickelten sich erst die wichtigsten Dinge des vierten Kulturzeitraumes, als das Christentum schon da war. Da waren die großen Gelehrten tätig, da waren insbesondere die drei allerwesentlichsten Kulturströmungen zusammengeflossen: die alte heidnisch-griechische, die christliche und die mosaisch-hebräische. Die waren zusammen in Alexandria, die wirkten da durcheinander. Und es ist undenkbar, daß die Kultur Alexandriens, die ganz auf Persönlichkeit gebaut war, durch irgend etwas anderes hätte inauguriert werden können als durch das mit Persönlichkeit inspirierte Wesen, wie es Alexander der Große war. Denn jetzt nahm gerade durch Alexandrien, durch diesen Kulturmittelpunkt, alles das, was früher überpersönlich war, was früher überall hinaufgeragt hat von der menschlichen Persönlichkeit in die höheren geistigen Welten, einen persönlichen Charakter an. Die Persönlichkeiten, die da vor uns stehen, haben sozusagen alles in sich; wir sehen nurmehr ganz wenig die Mächte, die von höheren Hierarchien aus sie lenken und sie an ihren Platz stellen. All die verschiedenen Weisen und Philosophen, die in Alexandria gewirkt haben, sind ganz ins Menschlich-Persönliche umgesetzte alte Weisheit; überall spricht das Persönliche aus ihnen. Das ist das Eigenartige: Alles, was im alten Heidentum nur dadurch erklärlich war, daß immer darauf hingewiesen wurde, wie Götter heruntergestiegen sind und sich mit Menschentöchtern verbunden haben, um Helden zu erzeugen, all das wird umgesetzt in die persönliche Tatkraft der Menschen in Alexandria. Und was das Judentum, die mosaische Kultur in Alexandria für Formen angenommen hat, das können wir aus dem ersehen, was uns gerade die Zeiten, in denen das Christentum schon da war, zeigen. Da ist nichts mehr vorhanden von jenen tiefen Auffassungen eines Zusammenhanges der Menschenwelt mit der geistigen Welt, wie sie in der Prophetenzeit immerhin vorhanden war, wie sie selbst in den letzten zwei Jahrhunderten vor dem Beginne unserer Zeitrechnung noch zu finden ist: da ist auch im Judentum alles Persönlichkeit geworden. Tüchtige Menschen sind da, mit außerordentlicher Vertiefung in die Geheimnisse der alten Geheimlehren, aber persönlich ist alles geworden, Persönlichkeiten wirken in Alexandria. Und das Christentum tritt zuerst in Alexandria auf, man möchte sagen, wie in seiner entarteten Kindheitsstufe.

[ 15 ] There is a profound truth behind this. Like the shadow of Gilgamesh, Alexander the Great stands in the fourth, the Greco-Latin period, as the projection of a spiritual being onto the physical plane. And Eabani, who is projected onto the physical plane, is Aristotle, the teacher of Alexander the Great. Strange as it may seem: Alexander and Aristotle stand side by side like Gilgamesh and Eabani. And we see, so to speak, how in the first third of the fourth post-Atlantean epoch, what had been given by Gilgamesh to the Chaldean-Babylonian culture is carried over from Alexander the Great—translated only into the laws of the physical plane. This is wonderfully expressed in the fact that, as an aftereffect of Alexander the Great’s deeds, Alexandria was founded at the site of the Egyptian-Chaldean cultural scene, to place it, as in a center, precisely where the third epoch—the Egyptian-Babylonian-Chaldean one—had so powerfully reached. And everything was to come together in this Alexandrian cultural center. There, little by little, all the cultural currents that were to meet from the post-Atlantean era truly came together. As if in a center, they met precisely in Alexandria, at the site that had been established on the stage of the third cultural epoch, with the character of the fourth epoch. And Alexandria outlasted the emergence of Christianity. Indeed, it was in Alexandria that the most important elements of the fourth cultural epoch first developed, even after Christianity had already taken root. There the great scholars were at work; there, in particular, the three most essential cultural currents had converged: the ancient pagan-Greek, the Christian, and the Mosaic-Hebrew. These were all present in Alexandria, interacting and intertwining there. And it is inconceivable that the culture of Alexandria, which was built entirely on personality, could have been inaugurated by anything other than a being inspired by personality, such as Alexander the Great. For it was precisely through Alexandria, through this cultural center, that everything which had previously been superpersonal—everything that had previously soared upward from the human personality into the higher spiritual worlds—took on a personal character. The personalities standing before us, so to speak, contain everything within themselves; we now see very little of the powers that guide them from higher hierarchies and place them in their rightful positions. All the various sages and philosophers who worked in Alexandria are ancient wisdom fully transformed into the human-personal; the personal speaks from them everywhere. That is the peculiar thing: everything that in ancient paganism could only be explained by pointing out how gods descended and united with human daughters to produce heroes—all of that is transformed into the personal energy of the people in Alexandria. And we can see the forms that Judaism, the Mosaic culture, took in Alexandria from what the very times in which Christianity was already present reveal to us. There is nothing left of those profound conceptions of a connection between the human world and the spiritual world, as they were at least present in the time of the prophets, as they could still be found even in the last two centuries before the beginning of our era: there, too, in Judaism, everything has become a matter of personality. There are capable people there, with extraordinary insight into the mysteries of the ancient esoteric teachings, but everything has become personal; personalities are at work in Alexandria. And Christianity first appears in Alexandria, one might say, as if in its degenerate infancy.

[ 16 ] Das Christentum, das berufen ist, das Persönliche im Menschen immer weiter hinaufzuführen in das Unpersönliche, es trat gerade in Alexandria besonders stark auf. Namentlich wirkten die christlichen Persönlichkeiten so, daß wir oftmals den Eindruck haben: es sind in ihren Taten schon Vorwegnahmen späterer Handlungen rein persönlich wirkender Bischöfe und Erzbischöfe. So wirkte der Erzbischof Theophilos im 4. Jahrhundert, so wirkte sein Nachfolger und Verwandter, der heilige Kyrillos. Wir können sie sozusagen nur beurteilen von ihren menschlichen Schwächen aus. Das Christentum, das das Größte der Menschheit geben soll, zeigt sich zuerst in seinen allergrößten Schwächen und von seiner persönlichen Seite. Aber es sollte in Alexandria ein Wahrzeichen vor die ganze Entwickelung der Menschheit hingestellt werden.

[ 16 ] Christianity, which is called to continually elevate the personal aspect of human beings toward the impersonal, was particularly prominent in Alexandria. In particular, Christian figures acted in such a way that we often have the impression: their deeds already foreshadow the later actions of bishops and archbishops who acted purely on a personal level. This was the case with Archbishop Theophilos in the 4th century, and with his successor and relative, Saint Cyril. We can, so to speak, judge them only in terms of their human weaknesses. Christianity, which is meant to give humanity the greatest gift, first reveals itself in its greatest weaknesses and from its personal side. But in Alexandria, a landmark was to be set before the entire development of humanity.

[ 17 ] Da haben wir wiederum eine solche Projektion von früherem Spirituellerem auf den äußeren physischen Plan. Es gab eine wunderbare Persönlichkeit in den alten orphischen Mysterien; sie machte die Geheimnisse dieser Mysterien durch; sie gehörte zu den allersympathischsten, zu den allerinteressantesten Schülern der alten griechischen orphischen Mysterien. Sie war gut vorbereitet, namentlich durch eine gewisse keltische Geheimschulung, die sie in früheren Inkarnationen durchgemacht hatte. Diese Individualität hat mit einer tiefen Inbrunst die Geheimnisse der orphischen Mysterien gesucht. Das sollte ja an der eigenen Seele durchlebt werden von den Schülern der orphischen Geheimnisse, was in dem Mythos enthalten ist von dem Dionysos Zagreus, der von den Titanen zerstückelt wird, dessen Leib aber Zeus zu einem höheren Leben emporführt. Als ein individuelles menschliches Erlebnis sollte es gerade von den Orphikern nacherlebt werden, wie der Mensch dadurch, daß er einen gewissen Mysterienweg durchmacht, sozusagen sich auslebt in der äußeren Welt, mit seinem ganzen Wesen zerstückelt wird, aufhört, sich in sich selber zu finden.

[ 17 ] Here again we have such a projection of earlier spiritual elements onto the outer physical plane. There was a wonderful personality in the ancient Orphic Mysteries; she underwent the initiations of these Mysteries; she was among the most sympathetic, among the most interesting disciples of the ancient Greek Orphic Mysteries. She was well prepared, particularly through a certain Celtic secret training she had undergone in earlier incarnations. This individual sought the secrets of the Orphic Mysteries with deep fervor. For the disciples of the Orphic Mysteries, what is contained in the myth of Dionysus Zagreus—who is dismembered by the Titans, but whose body Zeus raises to a higher life—was to be lived through in their own souls. It was precisely this—as an individual human experience—that the Orphics were to re-enact: how, by undergoing a certain path of mystery, a person, so to speak, lives out their life in the outer world, is dismembered with their whole being, and ceases to find themselves within themselves.

[ 18 ] Während es sonst eine abstrakte Erkenntnis ist, wenn wir auf die gewöhnliche Art und Weise die Tiere, Pflanzen, Mineralien erkennen, weil wir außerhalb ihrer bleiben — so muß derjenige, der eine wirkliche Erkenntnis im okkulten Sinn erlangen will, sich so üben, wie wenn er in den Tieren, Pflanzen, Mineralien, in Luft und Wasser, in Quellen und Bergen, in den Steinen und Sternen, in den anderen Menschen darinnen wäre, wie wenn er eins wäre mit ihnen. Und dennoch muß er die starke innere Seelenkraft entwickeln als Orphiker, um wiederhergestellt als ganz in sich geschlossene Individualität zu triumphieren über die Zerstückelung in der äußeren Welt. Es gehörte in einer gewissen Weise zum Höchsten, was man an Einweihungsgeheimnissen hat erleben können, wenn dasjenige, was ich Ihnen eben angedeutet habe, menschliches Erlebnis geworden war. Und viele Schüler der orphischen Mysterien haben solche Erlebnisse durchgemacht, haben auf diese Weise ihre Zerstückelung in der Welt erlebt und haben damit das Höchste durchgemacht, was in vorchristlichen Zeiten als eine Art Vorbereitung für das Christentum hat erlebt werden können.

[ 18 ] While it is usually an abstract understanding when we recognize animals, plants, and minerals in the usual way—because we remain outside of them—so must the one who wishes to attain true knowledge in the occult sense train himself as if he were within the animals, plants, and minerals, within the air and water, within springs and mountains, within the stones and stars, and within other human beings, as if he were one with them. And yet he must develop the strong inner soul power of an Orphic to triumph, restored as a self-contained individuality, over the fragmentation of the outer world. In a certain sense, it belonged to the highest of what one could experience in the mysteries of initiation when what I have just indicated to you had become a human experience. And many students of the Orphic mysteries have undergone such experiences, have in this way experienced their fragmentation in the world, and have thereby undergone the highest experience that could be had in pre-Christian times as a kind of preparation for Christianity.

[ 19 ] Zu den orphischen Mysterienschülern gehört unter anderen auch die sympathische Persönlichkeit, die nicht mit einem äußeren Namen auf die Nachwelt gekommen ist, die sich aber deutlich zeigt als ein Schüler der orphischen Mysterien, und auf die ich jetzt hindeute. Schon als Jüngling und dann viele Jahre hindurch war diese Persönlichkeit mit all den griechischen Orphien eng verbunden. Sie hat gewirkt in derjenigen Zeit, die der griechischen Philosophie vorangegangen ist und die nicht mehr in den Geschichtsbüchern der Philosophie aufgezeichnet ist; denn das, was mit Thales und Heraklit aufgezeichnet ist, das ist ein Nachklang von dem, was die Mysterienschüler früher in ihrer Art gewirkt haben. Und zu diesen Mysterienschülern gehört derjenige, von dem ich Ihnen jetzt eben spreche als einem Schüler der orphischen Mysterien, der dann wiederum zu seinem Schüler hatte jenen Pherekydes von Syros, der in dem Münchner Zyklus «Der Orient im Lichte des Okzidents» vom vorigen Jahre angeführt worden ist.

[ 19 ] Among the initiates of the Orphic mysteries is, among others, a likable figure who has not been handed down to posterity by name, but who clearly emerges as a disciple of the Orphic mysteries, and to whom I now refer. Even as a young man, and for many years thereafter, this figure was closely connected with all the Greek Orphic traditions. He was active in the period that preceded Greek philosophy and which is no longer recorded in the history books of philosophy; for what is recorded concerning Thales and Heraclitus is an echo of what the mystery students had previously accomplished in their own way. And among these mystery students is the one of whom I am now speaking to you as a student of the Orphic mysteries, who in turn had as his student that Pherecydes of Syros, who was mentioned in last year’s Munich lecture series “The Orient in the Light of the Occident.”

[ 20 ] Sehen Sie, diese Individualität, die in jenem Schüler der orphischen Mysterien war, sie finden wir durch Forschung in der Akasha-Chronik wiederverkörpert im 4. Jahrhundert der nachchristlichen Zeit. Wir finden sie in ihrer Wiederverkörperung hineingestellt mitten in das Treiben der Kreise von Alexandria, wobei umgesetzt sind die orphischen Geheimnisse in persönliche Erlebnisse, freilich höchster Art. Es ist merkwürdig, wie das alles bei der Wiederverkörperung in persönliche Erlebnisse umgesetzt war. Am Ende des 4. Jahrhunderts der nachchristlichen Zeit als die Tochter eines großen Mathematikers, des Theon, sehen wir diese Individualität wiedergeboren. Wir sehen, wie in ihrer Seele alles das auflebt, was man durchleben konnte von den orphischen Mysterien an der Anschauung der großen, mathematischen, lichtvollen Zusammenhänge der Welt. Das alles war jetzt persönliches Talent, persönliche Fähigkeit. Jetzt brauchte selbst diese Individualität einen Mathematiker zum Vater, um etwas vererbt zu erhalten; so persönlich mußten diese Fähigkeiten sein.

[ 20 ] You see, this individuality that was present in that student of the Orphic mysteries—through research in the Akashic Records, we find it reincarnated in the 4th century A.D. We find it, in its reincarnation, placed right in the midst of the activity of the circles of Alexandria, where the Orphic mysteries are transformed into personal experiences, albeit of the highest order. It is remarkable how all of this was transformed into personal experiences upon reincarnation. At the end of the 4th century AD, as the daughter of a great mathematician, Theon, we see this individuality reborn. We see how everything that could be experienced through the Orphic Mysteries—the contemplation of the world’s great, mathematical, luminous interconnections—comes alive in her soul. All of this was now personal talent, personal ability. Now even this individuality needed a mathematician for a father in order to receive something by inheritance; so personal these abilities had to be.

[ 21 ] So blicken wir zurück auf Zeiten, wo der Mensch noch in Zusammenhang war mit den geistigen Welten wie bei jener orphischen Persönlichkeit, so sehen wir ihr Schattenbild unter denjenigen, die da lehrten in Alexandria an der Grenzscheide des 4. zum 5. Jahrhundert. Und noch nichts hatte diese Individualität aufgenommen von dem, was, man könnte sagen, die Menschen damals über die Schattenseiten des christlichen Anfangs hinwegsehen ließ; denn zu groß war noch in dieser Seele alles das, was ein Nachklang war aus den orphischen Mysterien, zu groß, als daß es von jenem anderen Licht, dem neuen ChristusEreignis, hätte erleuchtet werden können. Was als Christentum ringsherum auftrat, etwa in Theophilos und Kyrillos, das war wahrhaftig so, daß jene orphische Individualität, die jetzt einen persönlichen Charakter angenommen hatte, Größeres und Weisheitsvolleres zu sagen und zu geben hatte als diejenigen, die das Christentum in jener Zeit zu Alexandria vertraten.

[ 21 ] Thus, when we look back on times when human beings were still connected to the spiritual worlds, as was the case with that Orphic figure, we see her shadow among those who taught in Alexandria at the turn of the 4th and 5th centuries. And this individuality had not yet absorbed anything of what, one might say, caused people at that time to overlook the dark sides of the early Christian era; for in this soul, all that was an echo of the Orphic mysteries was still too great, too great to have been illuminated by that other light, the new Christ event. What appeared as Christianity all around, for example in Theophilus and Cyril, was truly such that that Orphic individuality, which had now taken on a personal character, had greater and wiser things to say and to offer than those who represented Christianity in Alexandria at that time.

[ 22 ] Vom tiefsten Haß erfüllt waren Theophilos sowohl als auch Kyrillos gegen alles, was nicht christlich-kirchlich war in dem engen Sinn, wie es gerade diese beiden Erzbischöfe aufgefaßt haben. Ganz persönlichen Charakter hatte das Christentum da angenommen, so einen Persönlichkeitscharakter, daß diese beiden Erzbischöfe sich persönliche Söldlinge anwarben. Überall wurden die Menschen zusammengeholt, die sozusagen Schutztruppen der Erzbischöfe bilden sollten. Auf Macht im persönlichsten Sinn kam es ihnen an. Und was sie ganz beseelte, das war der Haß gegen das, was aus alten Zeiten herrührte und doch so viel größer war als das in einem Zerrbild erscheinende Neue. Der tiefste Haß lebte in den christlichen Würdenträgern Alexandriens namentlich gegen die Individualität des wiedergeborenen Orphikers. Und daher brauchen wir uns nicht zu verwundern, daß die wiederverkörperte Orphiker-Individualität angeschwärzt wurde als schwarze Magierin. Und das war genügend, um den ganzen Pöbel, der als Söldlinge angeworben war, aufzustacheln gegen die hehre, einzigartige Gestalt des wiederverkörperten Orpheus-Schülers. Und diese Gestalt war noch jung, und sie war trotz ihrer Jugend, trotzdem sie manches durchzumachen hatte, was auch in der damaligen Zeit einem Weibe durch lange Studien hindurch große Schwierigkeiten machte, sie war hinaufgestiegen zu dem Lichte, das leuchten konnte über alle Weisheit, über alle Erkenntnis der damaligen Zeiten. Und es war ein Wunderbares, wie in den Lehrsälen der Hypatia — denn so hieß der wiederverkörperte Orphiker —, wie da die reinste, lichtvollste Weisheit in Alexandrien zu den begeisterten Hörern drang. Sie hat zu ihren Füßen gezwungen nicht etwa nur die alten Heiden, sondern auch solche einsichtsvolle, tiefgehende Christen wie den Synesius. Sie war von einem bedeutsamen Einfluß und man konnte das in die Persönlichkeit umgesetzte Wiederaufleben der alten heidnischen Weisheit des Orpheus in Hypatia in Alexandria erleben.

[ 22 ] Both Theophilos and Cyril were filled with the deepest hatred for anything that was not Christian or ecclesiastical in the narrow sense as understood by these two archbishops. Christianity had taken on a very personal character there, such a personal character that these two archbishops recruited personal mercenaries. Everywhere, people were rounded up to form, so to speak, the archbishops’ protective forces. What mattered to them was power in the most personal sense. And what truly animated them was hatred for that which stemmed from ancient times and yet was so much greater than the new, which appeared as a distorted image. The deepest hatred lived within the Christian dignitaries of Alexandria, particularly against the individuality of the reborn Orphic. And so we need not be surprised that the reincarnated Orphic individuality was slandered as a black magician. And that was enough to incite the entire mob, which had been recruited as mercenaries, against the noble, unique figure of the reincarnated disciple of Orpheus. And this figure was still young, and despite her youth, even though she had to endure many things that, even in those days, posed great difficulties for a woman pursuing long studies, she had ascended to the light that could shine upon all wisdom, upon all knowledge of those times. And it was a marvel how, in the lecture halls of Hypatia—for that was the name of the reincarnated Orphic—how the purest, most luminous wisdom reached the enthusiastic listeners in Alexandria. She compelled not only the ancient pagans to sit at her feet, but also such discerning, profound Christians as Synesius. She exerted a significant influence, and one could witness in Hypatia in Alexandria the revival of the ancient pagan wisdom of Orpheus, embodied in her very person.

[ 23 ] Und wahrhaftig symbolisch wirkte das Weltenkarma. Was das Geheimnis ihrer Einweihung ausmachte, es erschien wirklich hineinprojiziert, abgeschattet, auf den physischen Plan. Und damit berühren wir ein Ereignis, das symbolisch wirksam und bedeutend ist für manches, was sich in historischen Zeiten abspielt. Wir berühren eines jener Ereignisse, das scheinbar nur ein Märtyrertod ist, das aber ein Symbolum ist, in dem sich spirituelle Kräfte und Bedeutungen aussprechen.

[ 23 ] And the karma of the world truly had a symbolic effect. The essence of the mystery of their initiation seemed to be projected and cast as a shadow onto the physical plane. And with this, we touch upon an event that is symbolically significant and meaningful for many things that unfold in historical times. We are touching upon one of those events that is seemingly only a martyr’s death, but which is a symbol in which spiritual forces and meanings are expressed.

[ 24 ] Der Wut derer, die um den Erzbischof von Alexandrien waren, verfiel an einem Märztage des Jahres 415 Hypatia. Ihrer Macht, ihrer geistigen Macht wollte man sich entledigen. Die ungebildetsten, wilden Horden waren hereingehetzt auch von der Umgebung Alexandriens, und unter Vorspiegelungen holte man die jungfräuliche Waise ab. Sie bestieg den Wagen und auf ein Zeichen machten sich die aufgehetzten Leute über sie her, rissen ihr die Kleider vom Leibe, schleppten sie in eine Kirche und rissen ihr buchstäblich das Fleisch von den Knochen. Sie zerfleischten und zerstückelten sie, und die Stücke ihres Leibes wurden von den durch ihre gierigen Leidenschaften völlig entmenschten Massen noch in der Stadt herumgeschleift. Das ist das Schicksal der großen Philosophin Hypatia.

[ 24 ] On a day in March of the year 415, Hypatia fell victim to the fury of those surrounding the Archbishop of Alexandria. They sought to rid themselves of her power—her intellectual power. The most uneducated, savage hordes had been incited from the surrounding areas of Alexandria as well, and under false pretenses, the virgin orphan was taken away. She climbed into the cart, and at a signal, the incited mob pounced on her, tore her clothes from her body, dragged her into a church, and literally tore the flesh from her bones. They tore her apart and dismembered her, and the pieces of her body were dragged around the city by the masses, who had been completely dehumanized by their greedy passions. Such was the fate of the great philosopher Hypatia.

[ 25 ] Symbolisch, möchte ich sagen, ist da etwas angedeutet, das tief zusammenhängt mit der Gründung Alexanders des Großen, Alexandriens, wenn es auch spät erst nach der Begründung Alexandriens sich zuträgt. In diesem Ereignis sind abgespiegelt wichtige Geheimnisse des vierten nachatlantischen Zeitalters, das so Großes, Bedeutendes in sich hatte, und das auch dasjenige, was es zeigen mußte als Auflösung des Alten, als Hinwegfegung des Alten, in einer so paradox großartigen Weise vor die Welt hingestellt hat in einem so bedeutsamen Symbolum, wie es die Hinschlachtung — anders kann man es nicht nennen — der bedeutendsten Frau von der Wende des 4. zum 5. Jahrhundert, der Hypatia, war.

[ 25 ] Symbolically, I would say, there is a hint here of something deeply connected to the founding of Alexandria by Alexander the Great, even though it takes place much later, after Alexandria had already been established. This event reflects important mysteries of the fourth post-Atlantean epoch, which held within it something so great and significant, and which also presented to the world, in such a paradoxically magnificent way, that which it had to reveal as the dissolution of the Old, as the sweeping away of the Old, in a symbol as significant as the slaughter—one cannot call it anything else — of the most significant woman of the turn of the 4th to the 5th century, Hypatia.