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The Rudolf Steiner Archive

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Occult History
Esoteric Reflections on the Karmic Connections
between Personalities and Events in World History
GA 126

28 December 1910, Stuttgart

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Zweiter Vortrag

Second Lecture

[ 1 ] Es ist gestern einleitend zunächst darauf aufmerksam gemacht worden, wie wir gewisse ältere geschichtliche Ereignisse der Menschheit nur dann richtig verstehen können, wenn wir nicht bloß auf die Kräfte und Fähigkeiten der Persönlichkeiten selbst blicken, sondern wenn wir voraussetzen, daß durch die betreffenden Persönlichkeiten, wie durch Werkzeuge hindurch, Wesenheiten wirken, die sozusagen ihre Taten aus höheren Welten herunterströmen lassen in unsere Welt. Wir müssen uns vorstellen, daß diese Wesenheiten hier in unserer Welt nicht unmittelbar angreifen können an unsere physischen Dinge, bei unseren physischen Tatsachen, weil sie wegen ihrer gegenwärtigen Entwickelungsstufe sich nicht in einem physischen Leibe verkörpern können, der seine Elemente aus unserer physischen Welt nimmt. Wollen sie daher wirken innerhalb unserer physischen Welt, dann müssen sie sich des physischen Menschen bedienen, seiner Hand, aber auch seines Verstandes, seiner Auffassungsfähigkeiten. Wir finden den Einfluß und die Einwirkung solcher Wesenheiten der höheren Welten um so deutlicher ausgeprägt, je weiter wir zurückgehen in den Zeiten der Menschheitsentwickelung. Man darf aber nicht etwa glauben, daß dieses Herunterströmen von Kräften und Wirkungsweisen aus den höheren Welten in die physische Welt durch Menschen bis in unsere Zeit herein jemals aufgehört habe.

[ 1 ] Yesterday, as an introduction, attention was first drawn to the fact that we can only truly understand certain older historical events in human history if we do not merely look at the powers and abilities of the personalities themselves, but if we assume that, through these personalities—as through instruments—beings are at work who, so to speak, allow their deeds to flow down from higher worlds into our world. We must imagine that these beings cannot directly intervene here in our world in our physical things, in our physical realities, because, due to their current stage of development, they cannot incarnate in a physical body that draws its elements from our physical world. If they therefore wish to act within our physical world, they must make use of the physical human being—his hand, but also his intellect and his powers of perception. We find the influence and impact of such beings from the higher worlds to be all the more pronounced the further back we go in the history of human development. One must not, however, believe that this downflow of forces and modes of action from the higher worlds into the physical world through human beings has ever ceased, even down to our own time.

[ 2 ] Für den Geisteswissenschafter, der, wie wir es seit Jahren nun schon entfalten konnten, in sich aufgenommen hat, was unser Empfinden und unser Vorstellen hinführt zu der Voraussetzung der höheren Welten, für den wird ja eine solche Tatsache, wie sie eben charakterisiert worden ist, gewiß von vorneherein etwas Verständliches haben, denn er ist gewohnt, sozusagen die Verbindungsfäden immer zu ziehen, die unsere Erkenntnis, unser Denken, unseren Willen mit den Wesenheiten der höheren Hierarchien verknüpfen. Aber der Geisteswissenschafter kommt ja zuweilen auch in die Lage, sich wehren zu müssen gegenüber den materialistischen Vorstellungen, die nun schon einmal in unserer Gegenwart vorhanden sind, gegenüber den Vorstellungen, die es den Menschen, die der spirituellen Entwickelung fernestehen, unmöglich machen, irgendwie auch nur einzugehen auf das, was über das Herunterwirken höherer Welten in unsere physische Welt gesagt werden muß.

[ 2 ] For the spiritual scientist who, as we have been able to demonstrate over the years, has internalized what our feelings and imagination lead us to regard as the prerequisite for the higher worlds, a fact such as the one just described will certainly be understandable from the outset, for he is accustomed, so to speak, to always drawing the connecting threads that link our knowledge, our thinking, and our will with the beings of the higher hierarchies. But the spiritual scientist sometimes finds himself in the position of having to defend himself against the materialistic ideas that are now prevalent in our time, against the ideas that make it impossible for people who are far removed from spiritual development to even begin to engage with what must be said about the influence of higher worlds on our physical world.

[ 3 ] In unserer Zeit gehört es ja im Grunde genommen schon zu den veralteten Anschauungen, wenn man nur von dem Walten abstrakter Ideen innerhalb der Menschheitsereignisse, innerhalb der Geschichte spricht. Schon das gilt heute manchen Menschen für etwas ganz Unerlaubtes gegenüber wahrer Wissenschaftlichkeit, wenn man davon spricht, daß gewisse Ideen, abstrakte Ideen, die eigentlich im Grunde doch nur in unserem Verstande leben können, daß diese sich ausleben in den aufeinanderfolgenden Epochen der Geschichte. Einen letzten Schein sozusagen von Glauben an solche abstrakte Ideen — von denen man allerdings nicht begreifen kann, wie sie wirken sollen, da es doch abstrakte Ideen sind —, wenigstens einen gewissen letzten Schein von Glauben an solche abstrakte Ideen hat ja im 19. Jahrhundert selbst die Geschichtsschreibung des Ranke noch gehabt. Aber auch dieser Glaube an wirkende Ideen der Geschichte wird nach und nach von unserer fort_ schreitenden materialistischen Entwickelung über Bord geworfen, und es gilt heute in gewisser Beziehung auch der Geschichte gegenüber für das Zeichen eines aufgeklärten Kopfes, wenn man lediglich daran glaubt, daß alles, was die Epochen charakterisiert, was in den Epochen aufgetreten ist, im Grunde genommen nur durch das Zusammenfließen physisch anschaulicher äußerer Taten entsteht, äußerer Bedürfnisse, äußerer Interessen und eben Ideen der physischen Menschen. Die Zeit ist ja heute schon vorüber, in der noch in einer gewissen Weise wie durch Inspiration solche Geister wie etwa Herder die Entwickelung der! Menschheitsgeschichte so dargestellt haben, daß man überall merkt: es liegt wenigstens die Voraussetzung lebendiger Mächte, lebendiger übersinnlicher Mächte zugrunde, die sich durch die Taten der Menschen, durch das Leben der Menschen äußern. Und wer ein ganz gescheiter Kopf heute sein will, wird sagen: Na, so ein Mensch wie Lessing hat ja manche recht vernünftige Idee gehabt, aber dann kam er am Ende seines Lebens auf so konfuses Zeug, wie er es in seiner «Erziehung des Menschengeschlechts» geschrieben hat, wo er sich nicht anders mehr zu helfen wußte, als die strenge Gesetzmäßigkeit im Flusse des historischen Werdens an die Idee der Wiederverkörperung zu knüpfen. In den letzten Sätzen seiner «Erziehung des Menschengeschlechts» hat ja Lessing in der Tat zum Ausdruck gebracht, was die Geisteswissenschaft aus den okkulten Tatsachen heraus schildert: daß Seelen, die in alten Epochen gelebt haben, die da aufgenommen haben die lebendig wirksamen Kräfte, diese Kräfte herübertragen in ihre neuen Verkörperungen, so daß nicht ein abstrakter, nicht bloß ein ideenhafter Fortfluß vorhanden ist, sondern ein wirklicher, ein realer Fortfluß des Geistes hinter dem materiellen Geschehen. Wie gesagt, ein gescheiter Kopf wird sagen: Da ist er im Alter noch auf solche konfuse Ideen gekommen wie auf die Wiederverkörperung; über die muß man hinwegsehen. — Das erinnert einen immer wiederum an die so bitterironische und doch so kluge Notiz, die sich einmal Hebbel in sein Tagebuch geschrieben hat, wo er sagt, es wäre ein schönes Motiv, daß ein Gymnasiallehrer in seiner Schule den Plato durchnimmt, daß sich der wiederverkörperte Plato unter seinen Schülern befindet, und daß der den Plato, wie ihn der Gymnasiallehrer durchnimmt, so schlecht versteht, daß der Lehrer ihm arge Strafen auferlegen muß.

[ 3 ] In our time, it is essentially already considered an outdated view to speak solely of the influence of abstract ideas within human events, within history. Even that is considered by some people today to be completely unacceptable to true scientific rigor: the notion that certain ideas—abstract ideas, which can really only exist in our minds—play out their course in the successive epochs of history. Even Ranke’s historiography in the 19th century retained, so to speak, a final semblance of belief in such abstract ideas—though one cannot, of course, comprehend how they are supposed to work, since they are, after all, abstract ideas—at least a certain final semblance of belief in such abstract ideas. But even this belief in the active ideas of history is gradually being cast overboard by our advancing materialistic development, and today, in a certain sense, it is also regarded as a sign of an enlightened mind when it comes to history if one believes merely that everything that characterizes the epochs, everything that has occurred in the epochs, arises fundamentally only through the convergence of physically tangible external deeds, external needs, external interests, and indeed the ideas of physical human beings. The time has already passed when minds such as Herder, as it were through inspiration, portrayed the development of human history in such a way that one could see everywhere: at least the premise of living forces, of living supersensible forces, underlies it, forces that express themselves through human actions, through human life. And anyone who wants to be considered a truly intelligent person today will say: Well, a man like Lessing certainly had some quite sensible ideas, but then, toward the end of his life, he came up with such confused nonsense as he wrote in his *Education of the Human Race*, where he could find no other way out than to link the strict lawfulness in the flow of historical becoming to the idea of reincarnation. In the final sentences of his *Education of the Human Race*, Lessing did indeed express what spiritual science describes based on occult facts: that souls who lived in ancient epochs, having absorbed the living, active forces, carry these forces over into their new incarnations, so that there is not merely an abstract, not merely an ideal flow, but a genuine, a real flow of the spirit behind material events. As I said, a clever mind will say: In his old age he came up with such confused ideas as reincarnation; one must overlook them. — This always reminds one again of the so bitterly ironic and yet so clever note that Hebbel once wrote in his diary, where he says, it would be a lovely motif for a high school teacher to go through Plato in his school, for the reincarnated Plato to be among his students, and for the reincarnated Plato to understand the Plato the teacher is going through so poorly that the teacher must impose severe punishments on him.

[ 4 ] In bezug auf die historische Auffassung der MenschheitsentwickeJung ist ja von der früheren geistigen Erfassung gar manches verlorengegangen, und die Geisteswissenschaft wird sich wirklich wehren müssen gegenüber dem Ansturm des materialistischen Denkens, das von allen Seiten her eindringt und einfach töricht findet, was aus den geistigen Tatsachen heraus mitzuteilen ist. Wir haben es ja im Grunde genommen recht herrlich weit gebracht, zum Beispiel auch darin, wie alle jene gewaltigen Bilder, jene gewaltigen symbolischen Vorstellungen, welche dem alten hellseherischen Erkennen der Menschen entflossen sind und die in den Mythologien, in den Heroengestalten, in den Legenden- und Märchengestalten zum Ausdruck kommen, heute Erklärer sonderbarster Art finden. Das Kurioseste auf diesem Gebiete ist wohl jenes Büchlein «Orpheus» von Salomon Reinach, das in vielen Kreisen Frankreichs in unserer Zeit ein gewisses Aufsehen gemacht hat. Da wird alles das, woraus die Ideen der Demeter, des Orpheus, die Ideen anderer mythologischer Kreise ausgeflossen sein sollen, zurückgeführt auf rein materialistische Geschehnisse, und manchmal ist es urgrotesk, wie die historische Existenz dieser oder jener Gestalt abgeleitet wird, die, sagen wir, hinter dem Hermes oder dem Moses steckt, und in welch trivialer Weise diese Gestalten sozusagen aus freier Menschheitsdichtung, aus der Phantasie heraus zu erklären gesucht werden. Nach der Methode des Salomon Reinach würde es leicht sein, nach sechzig bis siebzig Jahren, das heißt, wenn das äußere Gedächtnis an ihn ein wenig verwischt wäre, nachzuweisen, daß es niemals einen solchen Reinach gegeben habe, sondern daß es nur die Volksdichtung ist, die die alte Idee vom Reineke Fuchs auf den Salomon Reinach übertragen hat. Das würde nach seiner Methode absolut möglich sein. So absurd ist das Ganze, was in diesem Büchlein «Orpheus», wie in der Vorrede auseinandergesetzt wird, «für die weitesten Kreise unserer gegenwärtigen Gebildeten, ja auch für die jüngsten Kreise» geschrieben worden ist! «Für die jüngsten Kreise», denn er betont, daß er alles vermieden habe - obwohl er nicht vermieden hat, die Idee der Demeter auf ein Schwein zurückzuführen -, was Anstoß erregen könnte bei jüngeren weiblichen Persönlichkeiten. Er verspricht aber, daß, wenn sein Buch den Einfluß gewinnt, den er erhofft, er dann für die Mamas eine besondere Auflage seines Büchleins schreiben wird, welche alles das enthalten soll, was man jetzt noch den Töchtern vorenthalten muß. So weit haben wir es also gebracht.

[ 4 ] With regard to the historical view of human development, much has indeed been lost from the earlier spiritual understanding, and spiritual science will truly have to defend itself against the onslaught of materialistic thinking, which is encroaching from all sides and simply considers foolish whatever needs to be communicated on the basis of spiritual facts. We have, after all, come a remarkably long way, for example in the way all those powerful images, those powerful symbolic concepts that sprang from the ancient clairvoyant knowledge of humanity and are expressed in mythologies, in heroic figures, and in the characters of legends and fairy tales, now find the strangest of explanations. The most curious thing in this field is probably that little book *Orpheus* by Salomon Reinach, which has caused quite a stir in many circles in France in our time. There, everything from which the ideas of Demeter, Orpheus, and other mythological figures are said to have sprung is traced back to purely materialistic events, and it is sometimes utterly grotesque how the historical existence of this or that figure—who, let us say, lies behind Hermes or Moses—is deduced, and in what trivial manner these figures are sought to be explained, so to speak, as products of humanity’s free imagination, born of fantasy. Using Salomon Reinach’s method, it would be easy, after sixty or seventy years—that is, once the external memory of him had faded somewhat—to prove that no such Reinach ever existed, but that it is merely folk poetry that has transferred the old idea of Reineke Fuchs to Salomon Reinach. That would be entirely possible according to his method. So absurd is the whole thing that, as explained in the preface, this little book “Orpheus” was written “for the broadest circles of our present-day educated public, indeed even for the youngest circles”! “For the youngest circles,” for he emphasizes that he has avoided everything—though he has not avoided attributing the idea of Demeter to a pig—that might cause offense to younger female readers. He promises, however, that if his book gains the influence he hopes for, he will then write a special edition of his little book for the mothers, which is to contain everything that must still be withheld from the daughters. So far, then, is the state of affairs.

[ 5 ] Man möchte gerade die Anhänger der Geisteswissenschaft immer darauf hinweisen, daß es möglich ist, auf rein äußere Vernunftsgründe hin das Walten geistiger Mächte, geistiger Kräfte durch Menschen bis in unser Jahrhundert herein wirklich zu beweisen, ganz abgesehen von der rein okkult-esoterischen Forschung, die uns hier hauptsächlich beschäftigen wird. Aber damit wir uns darüber verständigen, wie die Geisteswissenschaft eine gewisse Möglichkeit gewinnen kann, rein äußerlich das Walten übersinnlicher Mächte in der Geschichte zu verteidigen, lassen Sie mich auf folgendes hinweisen.

[ 5 ] One would like to point out to the followers of spiritual science in particular that it is possible to prove, on the basis of purely external rational arguments, the influence of spiritual powers and forces through human beings right up to our own century—quite apart from the purely occult-esoteric research that will be our main concern here. But so that we may agree on how spiritual science can gain a certain ability to defend, on purely external grounds, the influence of supersensible powers in history, let me point out the following.

[ 6 ] Wer ein wenig Einblick gewinnt in die Entwickelung der modernen Menschheit, wie sie sich vollzogen hat etwa im 14., 15. bis ins 16. Jahrhundert hinüber, der wird wissen, daß von einer ganz unendlich tiefen Bedeutung war, wie in diese neuzeitliche äußere Menschheitsentwickelung eine bestimmte Persönlichkeit historisch eingegriffen hat, von der man wirklich, ich möchte sagen, mit äußerlichsten Gründen nachweisen kann, daß durch sie geistig-übersinnliche Mächte gewirkt haben. Man kann nämlich die Frage aufwerfen, um ein klein wenig Licht hinzubreiten über okkulte Auffassung der Geschichte: Was wäre aus der Entwickelung des neueren Europa geworden, wenn im Beginne des 15. Jahrhunderts sich nicht hineingestellt hätte in die Entwickelung das Mädchen von Orleans, die Jungfrau von Orleans? Derjenige nämlich, welcher die Entwickelung dieser Zeit einmal auch nur ganz äußerlich ins Auge faßt, der muß sich sagen: Man streiche einmal die Taten der Jungfrau von Orleans hinweg aus dem geschichtlichen Werden, dann muß man nach demjenigen, was man rein nach äußeren geschichtlichen Forschungen wissen kann, sich klar sein: ohne das Wirken höherer übersinnlicher Mächte durch das Mädchen von Orleans hätte im 15. Jahrhundert Frankreich, ja ganz Europa tatsächlich eine andere Gestalt bekommen müssen. Denn damals ging alles, was sich abspielte in den Willensimpulsen, in den Gehirnen der physischen Köpfe, dahin, Europa sozusagen zu überziehen durch alle Staaten hindurch mit einer die Völkerindividualitäten ausstreichenden und auslöschenden allgemeinen Staatsauffassung. Und unter deren Einfluß wäre ganz gewiß unendlich viel von dem unmöglich geworden, was sich in den letzten Jahrhunderten durch das Ineinanderspiel der europäischen Völkerindividualitäten innerhalb Europas herausgebildet hat.

[ 6 ] Anyone who gains a little insight into the development of modern humanity, as it unfolded roughly from the 14th and 15th centuries into the 16th, will know that it was of infinitely profound significance how a certain historical figure intervened in this modern, external development of humanity—a figure of whom one can truly I would say, can prove with the most external of reasons that spiritual-supernatural forces were at work through him. One can, in fact, raise the question to shed a little light on the occult view of history: What would have become of the development of modern Europe if, at the beginning of the 15th century, the Maid of Orleans had not stepped into the course of events? For anyone who even considers the development of that time from a purely external perspective must say to themselves: If one were to remove the deeds of the Maid of Orleans from the historical process, then one must be clear, based on what can be known purely from external historical research: without the working of higher, supersensible forces through the Maid of Orleans, France—indeed, all of Europe—would indeed have taken on a different form in the 15th century. For at that time, everything that was taking place in the impulses of the will, in the minds of physical human beings, was directed toward, so to speak, covering Europe across all its states with a general conception of the state that would obliterate and wipe out the individualities of the peoples. And under its influence, an infinite amount of what has emerged within Europe over the past centuries through the interplay of the individualities of the European peoples would certainly have become impossible.

[ 7 ] Man denke sich einmal die Tat der Jungfrau von Orleans hinweggestrichen aus der Geschichte, man denke sich Frankreich seinem Schicksal überlassen, ohne daß sie eingegriffen hätte, man frage sich: Was wäre aus Frankreich ohne diese Tat geworden? — Und dann bedenke man, welche Rolle Frankreich in den nachfolgenden Jahrhunderten für das ganze Geistesleben der Menschheit gespielt hat! Und dazu stelle man die nicht hinwegzuleugnende, sondern durch äußere Dokumente zu belegenden Tatsachen von der Sendung des Mädchens von Orleans! Man mache sich klar, daß dieses Mädchen mit einer wahrhaftig auch im Sinne ihrer Zeit nicht besonders hohen äußeren Bildung plötzlich in einem Alter von noch nicht zwanzig Jahren im Herbst 1428 fühlt, wie zu ihr sprechen geistige Mächte der übersinnlichen Welten, Mächte, denen sie allerdings die Formen zuerteilt, die ihr geläufig sind, so daß sie sie durch die Brille ihrer Vorstellungen sieht; aber das ist kein Einwand gegen die Realität dieser Mächte. Stellen Sie sich vor, daß sie weiß: übersinnliche Mächte lenken ihre Willenskraft nach einem ganz bestimmten Punkte hin. Ich erzähle Ihnen zunächst von diesen Tatsachen nicht, was durch die Akasha-Chronik erzählt werden kann, sondern nur das, was aktenmäßig, rein historisch festgestellt ist.

[ 7 ] Just imagine if the deeds of the Maid of Orleans had been erased from history; imagine France left to its fate without her intervention; ask yourself: What would have become of France without these deeds? — And then consider the role France played in the subsequent centuries for the entire spiritual life of humanity! And add to this the undeniable facts—facts supported by external documents—regarding the mission of the Maid of Orleans! Let us realize that this girl, who—even by the standards of her time—had not received a particularly high level of formal education, suddenly felt, in the fall of 1428 at the age of not yet twenty, that spiritual powers from the supersensible worlds were speaking to her—powers to which she, however, assigned the forms familiar to her, so that she saw them through the lens of her own conceptions; but that is no objection to the reality of these powers. Imagine that she knows: supernatural powers are directing her willpower toward a very specific point. I am not telling you, for the time being, about those facts that can be recounted through the Akashic Records, but only what has been established as a matter of record, purely historically.

[ 8 ] Wir wissen, daß dieses Mädchen von Orleans sich zunächst einem Verwandten geoffenbart hat, bei dem sie - man möchte fast sagen zufällig — Verständnis gefunden hat; daß sie nach mancherlei Umwegen und Schwierigkeiten in das Hoflager des Königs Karl geführt wurde, der mit dem ganzen französischen Heerwesen sozusagen am Ende seines Witzes angelangt war; und wir wissen, daß sie, nachdem man ihr alles Erdenkliche in den Weg gelegt hatte, zuletzt unter einer ganzen Menge von Leuten, in die König Karl so hineingestellt war, daß er durchaus nicht für äußere Augen zu unterscheiden war, ihn richtig herausgefunden hat, indem sie kurzweg auf ihn losgegangen ist. Man weiß auch, daß sie ihm dazumal etwas anvertraut hat — er wollte sie dadurch prüfen —, wovon man sagen kann, daß nur er allein und die übersinnlichen Welten das Entsprechende gewußt haben. Und Sie wissen ja vielleicht aus der äußeren Geschichte, wie dann sie es war, die unter den fortwährenden Impulsen und unter dem fortwährenden Eindruck ihres starken Glaubens — man würde besser sagen, durch ihr unmittelbares Schauen — die Heere unter den größten Schwierigkeiten zum Siege führte und den König zur Krönung.

[ 8 ] We know that this girl from Orléans first revealed herself to a relative, with whom she—one might almost say by chance—found understanding; that after various detours and difficulties she was led to the royal camp of King Charles, who, along with the entire French military establishment, had, so to speak, reached the end of his wit; and we know that, after every conceivable obstacle had been placed in her path, she finally, amidst a whole crowd of people into which King Charles had been placed in such a way that he was utterly indistinguishable to the outside eye, correctly identified him by simply rushing straight toward him. It is also known that she confided something to him at that time—he wanted to test her by doing so—of which one can say that only he alone and the supersensible worlds knew the corresponding truth. And you may know from the external history how it was she who, under the constant impulses and under the constant influence of her strong faith—one would better say, through her direct vision—led the armies to victory amid the greatest difficulties and brought the king to his coronation.

[ 9 ] Wer hat dazumal eingegriffen in den Gang der historischen Entwickelung? Doch niemand anders als Angehörige höherer Hierarchien! Das Mädchen von Orleans war ein äußeres Werkzeug dieser Wesenheiten, und sie, diese Wesenheiten der höheren Hierarchien, haben die Taten der Geschichte gelenkt. Es mag ja sein, daß irgendein Verstand sich sagt: Hätte ich sie gelenkt, so hätte ich sie klüger gelenkt -, weil er dieses oder jenes, was geschehen ist in dem Auftreten der Jungfrau von Orleans, seinem Denken nicht angemessen findet. Anhänger der Geisteswissenschaft sollen aber nicht Göttertaten durch Menschenverstand korrigieren wollen, was ja allerdings heute innerhalb unserer sogenannten Zivilisation überall vorkommt. Sehen Sie, es haben sich: natürlich auch Leute gefunden, welche ganz im Sinne unserer heutigen Zeit die Geschichte der modernen Welt sozusagen entlasten wollten von den Taten der Jungfrau von Orleans. Und ein für unsere heutige Zeit charakteristisches Werk nach dieser materialistischen Richtung hin hat Anatole France geschrieben. Man möchte eigentlich doch nur wissen, wie sich das materialistische Denken abfindet mit Mitteilungen, welche wahrhaftig — und ich rede immer noch von Dokumenten der äußeren Geschichte — recht gut begründet sind. So möchte ich, weil wir gerade hier an diesem Orte sind und ich manchmal gerne Rücksicht nehme auf lokale Verhältnisse, Ihnen anführen ein Dokument, auf das man sich schon einmal hier berufen hat.

[ 9 ] Who intervened in the course of historical development back then? None other than members of the higher hierarchies! The Maid of Orleans was an external instrument of these beings, and they—these beings of the higher hierarchies—guided the events of history. It may well be that some mind tells itself: ‘Had I guided her, I would have guided her more wisely’—because it finds this or that aspect of the Maid of Orleans’s conduct incompatible with its own thinking. But followers of spiritual science should not seek to correct the deeds of the gods with human reason, something that, admittedly, occurs everywhere today within our so-called civilization. You see, there have been—naturally—people who, very much in the spirit of our present age, have sought to, so to speak, exonerate the history of the modern world from the deeds of the Maid of Orleans. And Anatole France wrote a work characteristic of our present age that follows this materialistic line of thought. One really just wants to know how materialistic thinking reconciles itself with accounts that are truly—and I am still speaking of documents of external history—quite well-founded. So, since we are here in this very place and I sometimes like to take local circumstances into account, I would like to cite a document that has already been referred to here before.

[ 10 ] Die Stuttgarter wissen gewiß, daß hier an diesem Orte einmal ein bedeutender Evangelienforscher gelebt hat. Man braucht als Geisteswissenschafter durchaus nicht einverstanden zu sein mit dem auch mancherlei recht Gescheiten, das Gfrörer — so hieß der Evangelienforscher — in seiner Evangelienforschung dargeboten hat, und man kann ganz sicher sein, daß Gfrörer, wenn er hörte, was jetzt auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft verkündet wird, diejenige Redensart gebrauchen würde, die er oftmals gebraucht hat für seine Gegner, die er mit seiner Starrköpfigkeit durchaus nicht immer leicht angelassen hat: die Redensart, daß diese Theosophen auch solche Leute seien, «bei denen es unter dem Hute nicht recht richtig ist». Deshalb aber war doch dazumal die Zeit noch nicht gekommen, wo man sozusagen in rein materialistischer Weise über historische Dokumente hinweggehen kann, wie man das heute macht, wenn diese historischen Dokumente Tatsachen betreffen, die unbequem sind, die augenscheinlich das Wirken lebendiger höherer Kräfte innerhalb unserer physischen Welt anzeigen. Und so möchte ich heute auch wiederum ein kleines Dokument zitieren, einen Brief, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts veröffentlicht worden ist. Ich möchte Ihnen nur einige Stellen vorlesen, so wie sich dazumal zur Rechtfertigung seines Glaubens Gfrörer auf diesen Brief berufen hat. Ich möchte Ihnen eine Stelle aus einer Charakteristik der Jungfrau von Orleans vorlesen und Sie dann fragen, was eine solche lebendige Schilderung bedeutet.

[ 10 ] The people of Stuttgart certainly know that a prominent Gospel scholar once lived here. As a scholar of the humanities, one need not agree with the various, often quite clever ideas that Gfrörer—as the Gospel scholar was called—put forward in his research on the Gospels, and one can be quite certain that if Gfrörer heard what is now being proclaimed in the field of the humanities, he would use the very phrase he often applied to his opponents—whom he, with his stubbornness, certainly did not always treat lightly: the phrase that these Theosophists are also the sort of people “whose heads are not quite right.” But back then, the time had not yet come when one could, so to speak, gloss over historical documents in a purely materialistic way, as is done today, when these historical documents concern facts that are inconvenient, that apparently indicate the workings of living higher forces within our physical world. And so today I would like to quote another short document, a letter published in the first half of the 19th century. I would like to read just a few passages to you, as Gfrörer referred to this letter back then to justify his beliefs. I would like to read a passage from a characterization of the Maid of Orleans and then ask you what such a vivid description signifies.

[ 11 ] Nachdem der Schreiber dieses Briefes, auf den sich Gfrörer beruft, aufgezählt hat, was die Jungfrau von Orleans vollbracht hat, fährt er fort:

[ 11 ] After the author of this letter, to whom Gfrörer refers, has listed the achievements of the Maid of Orleans, he continues:

[ 12 ] «Dieses und vieles andere hat die Jungfrau (von Orleans) vollführt und mit Gottes Hilfe wird sie noch Größeres verrichten. Das Mägdelein ist von anmutiger Schönheit und besitzt männliche Haltung, es spricht wenig und zeigt eine wunderbare Klugheit; in seinen Reden hat es eine gefällig-feine Stimme nach Frauenart. Es ißt mäßig, noch mäßiger trinkt es Wein. An schönen Rossen und Waffen hat es sein Gefallen. Bewaffnete und edle Männer liebt es sehr. Die Zusammenkunft und das Gespräch mit vielen ist der Jungfrau zuwider; sie fließt oft von Tränen über, liebt ein fröhliches Gesicht, erduldet unerhörte Arbeit, und in der Führung und Ertragung der Waffen ist sie so beharrlich, daß sie sechs Tage lang Tag und Nacht ohne Unterlaß vollständig gewappnet bleibt. Sie spricht: Die Englischen hätten kein Recht an Frankreich, und darum habe sie, wie sie sagt, Gott gesandt, auf daß sie jene austreibe und überwinde, jedoch erst nach vorher geschehener Mahnung. Dem König erweist sie die höchste Verehrung; sie sagt, er sei von Gott geliebt und in besonderem Schutze, weshalb er auch erhalten werden würde. Vom Herzog von Orleans, Eurem Neffen, sagt sie, er werde auf wunderbare Weise befreit werden, jedoch erst, nachdem zuvor eine Mahnung an die Englischen, die ihn gefangenhalten, zu seiner Befreiung geschehen sein werde.

[ 12 ] “The Maid (of Orleans) has accomplished this and much more, and with God’s help she will accomplish even greater things. The maiden is of graceful beauty and possesses a manly bearing; she speaks little and displays a wonderful wisdom; when she speaks, she has a pleasant, delicate voice, as is typical of women. She eats in moderation and drinks wine even more sparingly. She takes pleasure in fine horses and weapons. She loves armed and noble men very much. The maiden dislikes gatherings and conversation with many people; she often weeps, loves a cheerful face, endures unimaginable labor, and is so persistent in handling and bearing arms that she remains fully armed day and night without ceasing for six days. She says: The English have no right to France, and therefore, as she says, God has sent her to drive them out and overcome them, but only after a prior warning has been issued. She shows the King the highest reverence; she says he is loved by God and under special protection, which is why he will also be preserved. Regarding the Duke of Orleans, your nephew, she says that he will be miraculously freed, but only after a warning has first been given to the English, who are holding him captive, regarding his release.

[ 13 ] Und damit ich, erlauchter Fürst, meinem Bericht ein Ende mache: Noch Wunderbareres geschieht und ist geschehen, als ich Euch schreiben oder mit Worten ausdrücken kann. Während ich dieses schreibe, ist die genannte Jungfrau schon nach der Gegend der Stadt Rheims in Champagne gezogen, wohin der König eilends zu seiner Salbung und Krönung unter Gottes Beistand aufgebrochen ist. Erlauchtester und Großmächtigster Fürst und mein höchst zu verehrender Herr! ich empfehle mich Euch sehr demütig, indem ich den Allerhöchsten bitte, daß er Euch behüte und Eure Wünsche erfülle.

[ 13 ] And so, illustrious prince, that I may bring my account to a close: even more wondrous things are happening and have happened than I can write to you or express in words. As I write this, the aforementioned maiden has already journeyed to the region of the city of Reims in Champagne, whither the King has hastily set out for his anointing and coronation with God’s assistance. Most illustrious and mighty prince and my most revered lord! I commend myself to you most humbly, asking the Most High to protect you and grant your wishes.

[ 14 ] Geschrieben Biteromis am 21. Tage des Monats Junius.

[ 14 ] Written by Biteromis on the 21st day of the month of June.

[ 15 ] Euer demütiger Diener Percival, Herr von Bonlamiulk, Rat und Kämmerer des Königs der Franzosen und des Herrn Herzogs von Orleans, Seneschal des Königs, gebürtig aus Berry.»

[ 15 ] Your humble servant Percival, Lord of Bonlamiulk, Councilor and Chamberlain to the King of the French and to the Duke of Orleans, Seneschal to the King, a native of Berry.»

[ 16 ] Einer, der das Mädchen kennt, schreibt aus unmittelbarer Nähe des Königs diesen Brief. Es ist in der Tat dann erstaunlich, wenn aus rein okkulten Gründen und Beweismitteln heraus man alle diese Sachen wiederfinden muß — denn sie sind auffindbar in der Akasha-Chronik und sieht, wie gerade in solchen Fällen man auch äußerlich geschichtliche Dokumente durchaus beibringen kann. Kurz, es erscheint einem fast wahnsinnig, an dem zu zweifeln, was durch die Jungfrau von Orleans wirkte. Und wenn wir dann noch in Betracht ziehen, daß durch ihre "Taten die ganze Geschichte der neueren Zeit ein anderes Gesicht bekommen hat, so gibt uns das ein Recht zu sagen, daß wir hier unmittelbar hereinwirken sehen, äußerlich dokumentarisch belegbar, die übersinnliche Welt. Wenn dann der Geistesforscher weitergeht und Umschau hält auf seine Art nach dem eigentlichen Inspirator, der auf die Jungfrau von Orleans gewirkt hat, dann findet er, durchforschend die aufeinanderfolgenden Zeiten, etwas ganz Merkwürdiges. Er findet, wie derselbe Geist, der durch die Jungfrau von Orleans als sein Werkzeug dazumal gewirkt hat, sozusagen in ganz anderer Form, in ganz anderer Art inspirierend auch auf eine andere Persönlichkeit gewirkt hat, die als Philosoph am Hofe Karls des Kahlen lebte: Scotus Erigena, durch dessen philosophisch-theologische Ideen in einem frühen Zeitraum Europa so tief beeinflußt worden ist. Und so sehen wir, daß dieselben Mächte in verschiedenen Epochen in verschiedener Art durch Menschen als durch ihre Werkzeuge wirken; daß Kontinuität, fortlaufendes Geschehen ist in dem, was wir Geschichte nennen.

[ 16 ] Someone who knows the girl is writing this letter from a location very close to the king. It is indeed astonishing when, based purely on occult reasons and evidence, one must rediscover all these things—for they can be found in the Akashic Records, and one sees how, precisely in such cases, one can also provide external historical documents. In short, it seems almost insane to doubt what was brought about through the Maid of Orleans. And when we further consider that through her “deeds the entire history of modern times has taken on a different face,” this gives us the right to say that we see the supersensible world acting directly here, verifiable externally through documentary evidence. When the spiritual researcher then goes further and looks around in his own way for the actual inspirer who worked through the Virgin of Orleans, he discovers, as he explores the successive eras, something quite remarkable. He finds that the same spirit that once worked through the Maid of Orleans as its instrument has, so to speak, in a completely different form and in a completely different way, also worked inspiringly upon another personality who lived as a philosopher at the court of Charles the Bald: Scotus Erigena, through whose philosophical-theological ideas Europe was so deeply influenced in an early period. And so we see that the same forces work in different eras in different ways through human beings as their instruments; that there is continuity, a continuous unfolding, in what we call history.

[ 17 ] Nun habe ich Ihnen gestern gezeigt, wie in einem bedeutsamen Mythos aus der babylonisch-chaldäischen Zeit hingewiesen wird auf das Hereinwirken der geistigen Welten auf Menschen, von denen vieles im Verlauf der Geschichte abhing für den dritten unserer nachatlantischen Zeiträume, wie den Verlauf des ganzen geschichtlichen Werdens im alten Chaldäa, im alten Babylonien. Wir müssen aber allerdings jetzt auch vom Standpunkt der okkulten Wissenschaft die beiden Persönlichkeiten betrachten, die sich hinter den sagenhaften Namen Gilgamesch und Eabani verbergen. Okkult-historisch haben wir in ihnen Persönlichkeiten zu sehen, die am Ausgangspunkt dessen stehen, was wir babylonische, was wir chaldäische Kultur nennen. Was von ihnen hat kommen können an Impulsen, das finden wir wieder in der Entwickelung der eigentlich geistigen Kultur des alten Babyloniens und Chaldäas. Nun war Gilgamesch eine solche Persönlichkeit, welche viele Inkarnationen in der Art hinter sich hatte, daß man gewissermaßen diese Persönlichkeit als eine alte Seele innerhalb der Menschheitsentwickelung bezeichnen kann.

[ 17 ] Yesterday I showed you how a significant myth from the Babylonian-Chaldean period points to the influence of the spiritual worlds on human beings, upon whom much depended in the course of history for the third of our post-Atlantean epochs, such as the course of the entire historical development in ancient Chaldea and ancient Babylonia. However, we must now also consider, from the standpoint of occult science, the two personalities hidden behind the legendary names Gilgamesh and Eabani. From an occult-historical perspective, we must see in them personalities who stand at the starting point of what we call Babylonian and Chaldean culture. The impulses that may have come from them are reflected in the development of the true spiritual culture of ancient Babylonia and Chaldea. Now, Gilgamesh was a personality who had undergone many incarnations of this kind, so that one can, in a sense, describe this personality as an old soul within the development of humanity.

[ 18 ] Sie wissen ja aus der Darstellung in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß», daß während des lemurischen Zeitraums der Erdentwickelung nur ganz wenige Menschen die Ereignisse der Erdentwickelung auf der Erde selbst sozusagen überdauert haben, daß nur wenige auf der Erde blieben während des lemurischen Zeitraums; daß die Mehrzahl der Seelen, bevor die eigentliche Gefahr der Mumifizierung alles Menschlichen begann, sich von der Erde hinweghob nach anderen Planeten und weiterlebte auf Mars, Saturn, Venus, Jupiter und so weiter; daß dann vom Ende des lemurischen Zeitraums an und während des atlantischen Zeitraums nach und nach diese Seelen wieder herunterkamen auf die Erde, um unter den veränderten irdischen Verhältnissen sich in irdischen Leibern zu verkörpern und in immer neuen Inkarnationen zu erscheinen. Da haben wir also solche Seelen, die verhältnismäßig früh heruntergekommen sind aus der Planetenwelt, und andere, die spät, erst in späten Zeiträumen der atlantischen Entwickelung niedergestiegen sind. Die ersteren Seelen, die also früher heruntergekommen sind, haben mehr Inkarnationen innerhalb der Erde hinter sich als die später herniedergestiegenen, und diese können wir daher im Gegensatz zu den ersteren, jüngere Seelen nennen, Seelen, die also weniger in sich aufgenommen haben.

[ 18 ] As you know from the account in my *Outline of Esoteric Science*, during the Lemurian period of Earth’s evolution, only very few humans, so to speak, survived the events of Earth’s evolution on Earth itself; that is, only a few remained on Earth during the Lemurian period; that the majority of souls, before the actual danger of the mummification of all that is human began, lifted themselves away from Earth to other planets and continued to live on Mars, Saturn, Venus, Jupiter, and so on; that then, from the end of the Lemurian period onward and during the Atlantean period, these souls gradually returned to Earth to incarnate in earthly bodies under the changed earthly conditions and to appear in ever-new incarnations. So we have souls that descended from the planetary world relatively early, and others that descended late, only in the later periods of Atlantean development. The former souls, who thus descended earlier, have undergone more incarnations on Earth than those who descended later, and we can therefore call the latter, in contrast to the former, younger souls—souls who have thus absorbed less within themselves.

[ 19 ] Eine alte Seele war diejenige Individualität, die sich hinter dem Namen Gilgamesch verbirgt, und eine jüngere, die in Eabani verkörpert war am Ausgangspunkte der babylonischen Kultur. Ja, in bezug auf dieses Jüngere oder Ältere der menschlichen Seelen zeigt sich — man möchte fast sagen selbst zur Überraschung des Okkultisten — etwas sehr Merkwürdiges. Wenn zum Beispiel irgend jemand heute es so weit gebracht hat, daß er die Wahrheiten der Geisteswissenschaft ein wenig zugibt, sonst aber noch immer an den Vorurteilen und Werturteilen der äußeren Welt hängt, dann wird es ihm ja plausibel erscheinen, daß zum Beispiel Philosophen- oder Gelehrtenseelen unserer heutigen Zeit zu den älteren Seelen gerechnet werden müssen. Die okkulte Forschung ergibt das gerade Gegenteil, so sonderbar es klingt, und es ist für den Okkultisten selbst überraschend, daß zum Beispiel in Kart eine junge Seele lebte. Ja, die Tatsachen sagen es, da ist nichts dagegen zu machen. Und man könnte nun darauf hinweisen, daß die jüngeren Seelen sich allerdings in der Mehrzahl in den farbigen Rassen verkörpern, daß also die farbigen Rassen, namentlich die Negerrasse, vorzugsweise jüngere Seelen zur Verkörperung bringen. Aber gerade das Eigentümliche jener menschlichen Denkungsart, die sich in Gelehrsamkeit, in der heutigen materialistischen Wissenschaft auslebt, die bedingt jüngere Seelen. Und es ist sogar nachweisbar, daß bei mancher Persönlichkeit, bei der man es gar nicht voraussetzen würde, die vorhergehende Inkarnation durchaus bei den Wilden liegt. Ja, das sagen wieder die Tatsachen! Das alles muß durchaus festgehalten werden, es ist so. Das nimmt natürlich den Urteilen, die wir über unsere Umwelt haben, nichts von ihrer Bedeutung, nichts von ihrem Werte; dennoch muß es erfaßt werden zum Gesamtverständnis dessen, um was es sich handelt. In diesem Sinne haben wir es mit Eabani im alten Babylonien zu tun mit einer jungen Seele, in Gilgamesch mit einer alten Seele. Eine solche alte Seele, die wird ihrer ganzen Natur nach früh erfassen, was gewissermaßen nicht nur Kulturelement, Kulturfaktor der Gegenwart ist, sondern was als Kultureinschlag in die Gegenwart hereinfällt und weit hinausblicken läßt in die Perspektive der Zukunft.

[ 19 ] The individuality behind the name Gilgamesh was an ancient soul, while the one embodied in Eabani was a younger soul at the dawn of Babylonian culture. Indeed, with regard to this younger or older aspect of the human soul, something very curious becomes apparent—one might almost say to the surprise of the occultist himself. If, for example, someone today has come so far as to acknowledge the truths of spiritual science to some extent, but otherwise still clings to the prejudices and value judgments of the outer world, then it will seem plausible to them that, for example, the souls of philosophers or scholars of our time must be counted among the older souls. Occult research reveals the exact opposite, strange as it may sound, and it is surprising even to the occultist himself that, for example, a young soul lived in Kart. Yes, the facts speak for themselves; there is nothing to be done about it. And one might now point out that younger souls do indeed incarnate in the majority of the colored races, that the colored races—namely the Negro race—therefore preferentially bring younger souls into incarnation. But it is precisely the peculiar nature of that human way of thinking, which finds its outlet in scholarship and in today’s materialistic science, that conditions younger souls. And it is even demonstrable that in the case of some personalities, in whom one would not at all expect it, the previous incarnation lies quite clearly among the savages. Yes, the facts speak for themselves! All of this must certainly be noted; it is so. This, of course, takes nothing away from the significance or value of the judgments we make about our surroundings; nevertheless, it must be grasped for a comprehensive understanding of what is at stake. In this sense, with Eabani in ancient Babylonia we are dealing with a young soul, and with Gilgamesh with an old soul. Such an old soul, by its very nature, will grasp early on not only what is, so to speak, a cultural element or factor of the present, but also what enters the present as a cultural impact and allows one to look far into the perspective of the future.

[ 20 ] Es mag sich ja allerdings mancher dagegen verwahren, wenn man ihm plausibel machen würde, daß die oftmals von ihm so inferior gehaltenen Theosophen zumeist ältere Seelen sind als diejenigen, die akademische Vorträge halten. Aber die Forschung zeigt es, und wenn auch die geistige Forschung nicht etwa dazu mißbraucht werden soll, die Werturteile umzustoßen und Spott zu treiben mit dem, was einmal der Einschlag unserer Kultur ist, so muß man doch der Wahrheit streng ins Auge schauen. So war denn Gilgamesch eine Persönlichkeit, die es vermöge ihrer Seelenkonstitution mit demjenigen hielt, was zu den fortgeschrittensten Geisteselementen und Geistesfaktoren der damaligen Zeit gehörte, was für die damalige Zeit weit hineinleuchtete in die Zukunft, und was auch damals nur erreicht werden konnte dadurch, daß eine solche Persönlichkeit eine Art Initiation durchmachte. In einer gewissen Initiation, in einer Mitteilung dessen, was man nur durch die Initiation empfangen kann, sollte dem Gilgamesch gegeben werden, was ihn befähigte, Fermente für die babylonische Kultur zu liefern. Also eine Einweihung sollte er bis zu einem gewissen Grade durchmachen.

[ 20 ] Some people might, however, object if it were made clear to them that the Theosophists—whom they so often regard as inferior—are for the most part older souls than those who give academic lectures. But research shows this to be true, and while spiritual research should not be misused to overturn value judgments or to mock what was once the defining feature of our culture, one must nevertheless look the truth squarely in the face. Thus Gilgamesh was a personality who, by virtue of his soul constitution, aligned himself with what belonged to the most advanced spiritual elements and factors of his time—elements that, for that era, shone far into the future—and which could only be attained at that time through such a personality undergoing a kind of initiation. Through a certain initiation, through a communication of that which can only be received through initiation, Gilgamesh was to be given what enabled him to provide the catalysts for Babylonian culture. Thus, he was to undergo an initiation to a certain degree.

[ 21 ] Betrachten wir ihn einmal, diesen Gilgamesch, wie er sich in die Menschheitsentwickelung hineinstellen mußte vor dieser Einweihung. Da war er ein Mensch des dritten nachatlantischen Zeitraumes. In diesem Zeitraume aber war für das natürliche menschliche Hellsehen, für das, was der Mensch konnte und vermochte durch seine natürlichen Kräfte, dazumal schon die Abenddämmerung gekommen. Das war nicht mehr in dem Grade vorhanden, daß die Menschen in größerer Anzahl zurückschauen konnten in ihre früheren Inkarnationen. Wenn wir weiter zurückgehen in den zweiten, in den ersten nachatlantischen Zeitraum, da würden wir finden, daß die Mehrzahl der Menschen auf unserer Erde noch zurückschauen konnten in ihre früheren Inkarnationen, in das Verfließen ihres Seelenlebens vor ihrer gegenwärtigen Geburt. Aber das war allmählich verloren worden. Bei Gilgamesch war die Sache so, daß von vornherein diejenige Wesenheit, die sich durch ihn offenbaren sollte und die sich nur offenbaren konnte durch ihn, indem sie ihn nach und nach zu einer Art Initiation führte, daß diese Wesenheit sozusagen immer ihre Hand über ihn hielt. Sie stellte ihn hin auf den Platz, durch den er seine eigene Stellung in der Weltgeschichte beurteilen lernte. Es wurde sozusagen durch Ereignisse übersinnlicher Art, welche uns in dem Mythos, den ich gestern angeführt habe, in Bildern entgegentreten, ihm ein Freund an die Seite gegeben, ein Freund, dessen Barbarei, dessen Unzivilisiertheit uns dadurch angedeutet wird, daß er halb tierisch an äußerer Gestalt ist. Es wird gesagt, daß dieser Freund Tierfelle am Leibe trug, das heißt, daß er sozusagen noch wie die Menschen des Urzustandes behaart war, daß seine Seele so jung war, daß sie einen Leib sich aufbaute, der den Menschen noch in verwilderter Gestalt zeigt. So hatte Gilgamesch, der fortgeschrittenere, in Eabani einen Menschen neben sich, der durch seine junge Seele und seine dadurch bedingte Leibesorganisation noch ein altes Hellsehen hatte. Um sich selber zu orientieren, war ihm dieser Freund beigegeben worden. Mit Hilfe dieses Freundes gelang es ihm dann, gewisse Dinge auszuführen, wie, sagen wir, die Zurückführung jener geistigen Macht, die uns wiederum im Mythos unter dem Bilde der Stadtgöttin von Erek, Ischtar, dargestellt wird. Ich habe Ihnen gesagt, daß die Stadtgöttin gestohlen worden war von der Nachbarstadt und daß daher die beiden, Gilgamesch und Eabani, Krieg begannen gegen die Nachbarstadt, den König dieser Nachbarstadt besiegten und die Stadtgöttin wieder zurückführten.

[ 21 ] Let us consider this Gilgamesh and how he had to position himself within the course of human evolution prior to this initiation. He was a human being of the third post-Atlantean epoch. But in this epoch, the twilight had already fallen on natural human clairvoyance—on what human beings could and were able to do through their natural powers. It was no longer present to the extent that large numbers of people could look back into their earlier incarnations. If we go further back into the second, into the first post-Atlantean epoch, we would find that the majority of people on our Earth could still look back into their past incarnations, into the flow of their soul life prior to their present birth. But that had gradually been lost. In the case of Gilgamesh, the situation was such that from the very beginning, the being who was to reveal himself through him—and who could only reveal himself through him by gradually leading him toward a kind of initiation—kept, so to speak, a constant watch over him. This being placed him in the position through which he learned to assess his own place in world history. Through events of a supersensory nature, which confront us in images in the myth I cited yesterday, he was, so to speak, given a friend at his side, a friend whose barbarism, whose uncivilized nature, is indicated to us by the fact that his outward form is half-animal. It is said that this friend wore animal skins on his body, that is, that he was, so to speak, still hairy like the people of the primal state, that his soul was so young that it built itself a body that still shows humanity in a feral form. Thus Gilgamesh, the more advanced one, had in Eabani a man at his side who, through his young soul and the physical constitution resulting from it, still possessed an ancient clairvoyance. This friend had been placed at his side to help him find his bearings. With the help of this friend, he then succeeded in accomplishing certain things, such as, let us say, the restoration of that spiritual power which is in turn depicted in the myth through the image of the city goddess of Erech, Ishtar. I have told you that the city goddess had been stolen by the neighboring city and that therefore the two, Gilgamesh and Eabani, waged war against the neighboring city, defeated the king of that neighboring city, and brought the city goddess back.

[ 22 ] Wenn man solche Dinge, die uns in diesen alten Mythen dargestellt werden, richtig historisch verstehen will, dann muß man schon auf die okkulten Hintergründe der Sache eingehen. Es verbirgt sich ja hinter diesem Raube der Stadtgöttin etwas Ähnliches wie hinter dem Raube der Helena, die nach Troja entführt wird durch Paris. Wir müssen uns darüber klar sein, daß es durchaus auf guten Gründen beruht, was in meiner kleinen Schrift «Blut ist ein ganz besonderer Saft» ausgeführt ist. Da werden Sie hingewiesen darauf, daß in den Völkern der alten Zeit ein gewisses Gesamtbewußtsein vorhanden war, daß der Mensch nicht nur sein persönliches Ich empfand innerhalb seiner Haut, sondern daß er sich als ein Glied des Stammes, der Stadtgemeinschaft empfand. So wie die einzelne menschliche Seele als Zentralfaktor für unsere Finger, Zehen, Hände, Beine, die zusammengehören, für unseren ganzen Organismus empfunden wird, so fühlte sich der Mensch in alten Zeiten gegenüber der Gruppenseele wie ein Glied, dem er zugehörte. So etwas war in älteren Zeiten noch in den alten Stadtgemeinden, selbst in Griechenland, vorhanden. Ein gemeinschaftlicher Geist, eine VolksIchheit, eine Stammes-Ichheit, lebte und webte durch die einzelnen Volkspersönlichkeiten hindurch. Aber dasjenige, was zum menschlichen Bewußtsein kommen konnte von einer solchen gemeinsamen Ichheit, das mußte gewissermaßen in Mysterien, in geheimen Tempelstätten verwaltet werden. Da waren die alten Mysterienpriester und verwalteten die gemeinsamen spirituellen Angelegenheiten einer Stadt oder eines Stammes. Und man spricht nicht bloß figürlich, sondern in einer gewissen Weise real und richtig, wenn man sagt, eine solche Tempelstätte war wirklich wie eine Wohnung für das Stadt-Ich, für die Gruppenseele. Da hatte sie ihren zentralen Wohnsitz und die Tempelpriester waren ihre Diener. Sie waren diejenigen, welche die Aufträge dieser Gruppenseele durch Inspiration empfingen — was man Orakel nannte — und sie hinaustrugen in die Welt, damit dieses oder jenes geschehe; denn die Orakel sind ja damals durchaus in dem Sinne aufzufassen, den ich Ihnen jetzt charakterisiert habe.

[ 22 ] If one wishes to understand the things depicted in these ancient myths correctly from a historical perspective, one must delve into the occult background of the matter. For behind this abduction of the city goddess lies something similar to what lies behind the abduction of Helen, who is carried off to Troy by Paris. We must be clear that what is set forth in my short treatise “Blood Is a Very Special Juice” is based on sound grounds. There you are reminded that among the peoples of ancient times there existed a certain collective consciousness, such that human beings did not merely perceive their personal “I” within their own skin, but rather saw themselves as a member of the tribe or the city community. Just as the individual human soul is perceived as the central factor for our fingers, toes, hands, and legs—which belong together—and for our entire organism, so too did people in ancient times feel themselves to be a member of the group soul to which they belonged. Such a thing still existed in earlier times within the ancient city-states, even in Greece. A communal spirit, a national selfhood, a tribal selfhood, lived and wove its way through the individual national personalities. But that which could come to human consciousness from such a shared selfhood had to be, so to speak, administered in mysteries, in secret temple sites. There were the ancient mystery priests, who administered the collective spiritual affairs of a city or a tribe. And one speaks not merely figuratively, but in a certain sense truly and correctly, when one says that such a temple site was truly like a dwelling for the city-self, for the group soul. There it had its central abode, and the temple priests were its servants. They were the ones who received the commands of this group soul through inspiration—what was called an oracle—and carried them out into the world so that this or that might happen; for the oracles of that time are indeed to be understood in the sense I have just described to you.

[ 23 ] Nun war die Verwaltung solcher Tempelstätten mit gewissen Geheimnissen verbunden, und viele Kämpfe in den alten Zeiten spielten sich so ab, daß die Tempelpriester einer Stadt von der Nachbarstadt als Gefangene hinweggeschleppt wurden, daß also sozusagen mit den Tempelpriestern die wichtigsten Geheimnisse einer Stadt weggeschleppt wurden in die Nachbarstadt. Da haben Sie die reale Tatsache, welche dem Bilde entspricht, daß die Stadtgöttin Ischtar, die Volksseele von Erek, geraubt wird durch die Nachbarstadt. Die Tempelpriester, die Verwalter der Tempelgeheimnisse, waren zu Gefangenen gemacht worden, weil die Nachbarstadt hoffte, auf diese Weise in den Besitz der heiligen Geheimnisse und damit der Macht der betreffenden Stadt zu kommen. Das ist der reale Hintergrund.

[ 23 ] The administration of such temple sites was shrouded in certain mysteries, and many conflicts in ancient times unfolded in such a way that the temple priests of one city were taken captive by the neighboring city; in other words, the most important secrets of a city were, so to speak, carried off to the neighboring city along with the temple priests. There you have the real fact that corresponds to the image of the city goddess Ishtar, the soul of the people of Erech, being abducted by the neighboring city. The temple priests, the custodians of the temple secrets, had been taken captive because the neighboring city hoped in this way to gain possession of the sacred secrets and thus the power of the city in question. That is the real background.

[ 24 ] Und solche Dinge konnte Gilgamesch in der Seelenverfassung, in der er sich zunächst befand, nicht selber wahrnehmen, weil er nicht hineinsah in diese Zusammenhänge. Aber eine jüngere Seele konnte ihm sozusagen wie der hellseherische Sinn dienen, der ihm half, den 'Tempelschatz für seine Vaterstadt zurückzuerobern. Da wurde ihm, dem Gilgamesch, so recht zum Bewußtsein gebracht, daß es im menschlichen Leben gerade in Übergangszeiten so etwas gibt, wie es in der Legende von dem Blinden und dem Lahmen dargestellt wird, von denen jeder einzelne hilflos ist, die aber zusammen sich weiterbringen, indem der Blinde den Lahmen auf die Schulter nimmt und der Lahme dem Blinden sein Sehvermögen leiht. Da sehen wir bei Gilgamesch und Eabani ins Spirituelle umgesetzt ein solches Zusammenwirken von Menschen ganz verschiedener Begabung. Wir treffen das insbesondere in den historischen Tatsachen der älteren Zeiten auf Schritt und Tritt an. Und es ist wichtig, so etwas zu verstehen, denn dann erst kann man verstehen, warum uns so oft in Mythen und Sagen Freunde, die gemeinsam etwas zu vollbringen haben, vorgeführt werden: Freunde, die dann gewöhnlich so ungleich sind in bezug auf ihre Seelenverfassung, wie es eben Gilgamesch und Eabani waren. Das aber, was Gilgamesch außerdem durch Eabani, seinen Freund, sich für seine Seele erobern konnte, das war, daß er gleichsam von Eabani angesteckt wurde mit einer eigenen hellseherischen Kraft, so daß er in gewisser Weise zurückschauen konnte in seine eigenen früheren Inkarnationen. So lernte Gilgamesch wirklich von Eabani das Zurückschauen in frühere Inkarnationen. Das war etwas, was schon außerhalb der normalen Fähigkeiten des Gilgamesch lag. Und nun stellen wir uns lebendig vor, wie Gilgamesch beeinflußt gewesen sein mochte von diesem Zurückschauen in seine früheren Inkarnationen.

[ 24 ] And Gilgamesh, in the state of mind he was initially in, could not perceive such things himself, because he did not see into these connections. But a younger soul could serve him, so to speak, like a clairvoyant sense, which helped him to reclaim the ‘temple treasure’ for his hometown. Then it was truly brought to his awareness—to Gilgamesh’s—that in human life, especially during times of transition, there is such a thing as is depicted in the legend of the blind man and the lame man, each of whom is helpless on his own, but who together make progress by the blind man carrying the lame man on his shoulders and the lame man lending his sight to the blind man. In Gilgamesh and Eabani, we see such a collaboration between people of very different gifts, translated into the spiritual realm. We encounter this at every turn, particularly in the historical facts of earlier times. And it is important to understand such things, for only then can one understand why myths and legends so often present us with friends who have something to accomplish together: friends who are usually as dissimilar in their spiritual disposition as Gilgamesh and Eabani were. But what Gilgamesh was also able to gain for his soul through Eabani, his friend, was that he was, as it were, infected by Eabani with a clairvoyant power of his own, so that he could, in a certain sense, look back into his own past incarnations. Thus Gilgamesh truly learned from Eabani the ability to look back into past incarnations. This was something that lay beyond Gilgamesh’s normal capabilities. And now let us vividly imagine how Gilgamesh might have been influenced by this looking back into his past incarnations.

[ 25 ] Was konnte er sich etwa sagen von dem Tage an, da in seiner Seele die Möglichkeit auftauchte, zurückzublicken in dasjenige, was seine Seele durchlebt hatte in früherer Inkarnation? Das befremdete ihn zunächst. Er konnte sich nicht recht in seine eigene Wesenheit hineinfinden, wie sie in früheren Inkarnationen war; er erkannte sich sozusagen nicht so recht wieder. So würde es ja überhaupt den Menschen gehen, wenn sie anfingen, in ihre früheren Inkarnationen zurückzublicken. Da würde es meist anders ausschauen als in den Einbildungen, die immer wieder und wieder auftreten, wenn gesagt wird, irgendein Mensch sei eine Reinkarnation von dieser oder jener Persönlichkeit. Da kann es einem ja passieren, daß man irgendeine Persönlichkeit findet, die eine ganze Reihe von historischen, großen Namen als diejenigen ihrer vorhergehenden Inkarnationen anführt. Es soll sogar ganze Gruppen von Menschen geben, die davon überzeugt sind, daß es in ihren früheren Inkarnationen nichts unter dem Range einer Königin oder einer Prinzessin gibt! — In diesen Dingen, mit denen es so ernst stehen sollte, darf eben keine Phantasie obwalten; damit darf kein Unfug getrieben werden.

[ 25 ] What could he possibly say to himself from the day that the possibility arose in his soul to look back on what his soul had experienced in a previous incarnation? At first, this bewildered him. He could not quite find his way into his own being as it had been in earlier incarnations; he did not, so to speak, quite recognize himself. This is how it would be for people in general if they began to look back on their earlier incarnations. It would usually look quite different from the notions that arise time and again when it is said that some person is a reincarnation of this or that personality. It can indeed happen that one finds a personality who lists a whole series of great historical names as those of their previous incarnations. There are even said to be entire groups of people who are convinced that in their past lives there is nothing below the rank of a queen or a princess! — In these matters, which are supposed to be so serious, one must not let the imagination run wild; one must not engage in such nonsense.

[ 26 ] Nun, derjenige, der so wie Gilgamesch damals zunächst auf die Reihenfolge seiner Inkarnationen zurückblickt, der kann wirklich zuweilen auch überrascht sein. Er blickte ja zurück auf Inkarnationen, da er noch hineinverwoben war in allerlei Zusammenhänge, die durch die Gruppenseelenhaftigkeit gegeben waren. Er hatte sich allerdings in gewisser Weise für seine Person herausgearbeitet aus diesen Zusammenhängen, er hatte auch erst durch Eabani den ganzen Wert erfahren können dessen, was durch die Stadtgöttin in der Mythe symbolisiert wird. Da er aber zurückschaute, da gefiel ihm manches nicht in seinen früheren Inkarnationen, da konnte er sich sagen: das ist doch nicht nach meinem Geschmack. Da fand er, daß zum Beispiel seine Seele in den Inkarnationen ganz besondere Freundschaften, ganz besondere menschliche Zusammenhänge gehabt hatte, deren er sich jetzt hätte schämen mögen. Da kam denn heraus, was uns dargestellt wird im Mythos, daß er demgegenüber, was ihm auf dem Umwege durch Eabani die Stadtgöttin offenbart hatte, anfing, in gewisser Weise zu schelten, daß er Vorwürfe machte seiner Seele. Im Mythos wird angedeutet, daß er der Göttin Vorwürfe machte über ihre Bekanntschaften, denn er wurde eifersüchtig auf solche Bekanntschaften. Da blickte er sozusagen auf den Horizont seiner Seele und die Schauungen standen so lebendig vor ihm, wie Menschen um einen anderen herumstehen in der äußeren physischen Welt, gegenüber denen man diese oder jene Sympathie oder Antipathie empfindet. Und in alledem, was nun Gilgamesch der Stadtgöttin an Vorwürfen macht, erkennen wir, daß er eigentlich mit demjenigen redet, was auf dem Grunde seiner Seele sich abspielt. Wenn uns also gesagt wird zum Beispiel, daß er der Stadtgöttin den Vorwurf machte, daß sie vorher Bekanntschaft gehabt hätte mit irgendeinem Menschen, der da in der Mythe Ischulanu genannt wird, so bedeutet das nichts anderes, als daß seine eigene Bekanntschaft mit einem gewissen Menschen, der der Gärtner seines Herrn in der vorhergehenden Inkarnation war, ihm nicht gefiel. Also dasjenige, was sich in der Seele des Gilgamesch abspielte, und wodurch er eigentlich erst jene innere Gedrungenheit, jene innere Erfülltheit seiner Seele erhielt, die er brauchte, als er der Inaugurator der babylonischen Kultur werden sollte, das alles wird uns dargestellt in dem Zurückkommen zu einer gewissen Hellsichtigkeit, in dem Hinaufsteigen in übersinnliche Welten, was ihm, weil er eine alte Seele war, in gewisser Beziehung schon verloren war. Das wird uns im Mythos dargestellt.

[ 26 ] Well, anyone who, like Gilgamesh back then, first looks back on the sequence of their incarnations may indeed be surprised at times. He was looking back on incarnations because he was still entangled in all sorts of connections dictated by the nature of the group soul. However, he had, in a certain sense, carved out his own individual identity from these connections; it was only through Eabani that he had been able to fully appreciate the value of what is symbolized by the city goddess in the myth. But as he looked back, there were things in his earlier incarnations that he did not like, and he could say to himself: “That is not to my taste.” He found, for example, that in his incarnations his soul had had very special friendships, very special human relationships, of which he might now have been ashamed. This is what is depicted to us in the myth: that in contrast to what the city goddess had revealed to him indirectly through Eabani, he began, in a certain sense, to reproach her, to make accusations against his soul. The myth suggests that he reproached the goddess for her acquaintances, for he became jealous of such acquaintances. There he gazed, so to speak, upon the horizon of his soul, and the visions stood before him as vividly as people stand around another in the outer physical world, toward whom one feels this or that sympathy or antipathy. And in all the reproaches Gilgamesh now makes to the city goddess, we recognize that he is actually speaking to what is taking place at the bottom of his soul. So when we are told, for example, that he reproached the city goddess for having previously been acquainted with a certain man named Ischulanu in the myth, this means nothing other than that he did not like his own acquaintance with a certain man who had been his master’s gardener in a previous incarnation. So what was taking place in Gilgamesh’s soul, and through which he actually first attained that inner intensity, that inner fulfillment of his soul, which he needed when he was to become the inaugurator of Babylonian culture—all of this is presented to us in the return to a certain clairvoyance, in the ascent into supersensible worlds, which, because he was an old soul, had in a certain sense already been lost to him. This is presented to us in the myth.

[ 27 ] Und dann sollte er eine Art von Einweihung durchmachen dadurch, daß er zurückgeführt wurde zu jener Art von Anschauung, die seine eigene Seele während der atlantischen Inkarnationen hatte. Was uns nun der Mythos darstellt als die See- und Irrfahrten des Gilgamesch nach dem Westen, das ist nichts anderes als die innere Initiationsfahrt seiner Seele, durch die sie hinauffährt auf geistige Höhen, auf denen sie wahrnehmen kann, was um sie herum war in der alten atlantischen Zeit, da die Seele noch hellsichtig in die geistige Welt hineinschaute. Daher erzählt der Mythos, daß Gilgamesch auf dieser seiner spirituellen Fahrt zusammengebracht wurde mit der großen atlantischen Herrscherpersönlichkeit Xisuthros. Das war eine Persönlichkeit, welche gewissen höheren Hierarchien angehörte und während der atlantischen Zeit in den Regionen der Menschheit lebte, seither aber dieser Menschheit entrückt war und in höheren Gebieten des Daseins wohnte. Diese Persönlichkeit sollte er, der Gilgamesch, kennenlernen, um aus der Anschauung ihrer Wesenheit dasjenige zu gewinnen, was notwendig war, um zu wissen, wie die Seelen sind, wenn sie hineinschauen können in die geistigen Welten. So sollte er wiederum hinaufgeführt werden in die spirituellen Sphären dadurch, daß er zurückgeführt wurde in seiner Seele bis in die atlantischen Zeiten hinein. Und wenn ihm aufgetragen wird, er soll sieben Nächte und sechs Tage nicht schlafen, so bedeutet das nichts anderes als eine Übung, durch welche die Seele gestaltet werden sollte, um völlig einzudringen in die entsprechenden, eben charakterisierten geistigen Regionen. Wenn uns nun gesagt wird, daß er dies nicht aushielt, dann bedeutet das wiederum etwas sehr Wichtiges: es bedeutet, daß Gilgamesch uns dargestellt werden soll als eine Persönlichkeit, die hart an den Rand der Initiation gebracht wird, die gleichsam durch die Pforte der Initiation hineinschauen sollte in die geistigen Geheimnisse, die aber durch die ganze Art der Zeitverhältnisse doch nicht in alle Tiefen dringen konnte. Kurz, es soll gesagt werden, daß der Inaugurator, der Einrichter der babylonischen Kultur gewissermaßen an der Pforte der Initiation stehengeblieben ist, daß er nicht ganz klar in die höheren geistigen Welten hineinschauen konnte, und daß er deshalb der babylonischen Kultur so recht das Gepräge gegeben hat, welches ein Abdruck ist von einem bloßen Hineinschauen in die Initiationsgeheimnisse.

[ 27 ] And then he was to undergo a kind of initiation by being led back to the kind of perception that his own soul had possessed during the Atlantean incarnations. What the myth now presents to us as Gilgamesh’s sea voyages and wanderings to the West is nothing other than the inner journey of initiation of his soul, through which it ascends to spiritual heights where it can perceive what surrounded it in the ancient Atlantean era, when the soul still looked into the spiritual world with clairvoyance. Hence the myth relates that on this spiritual journey of his, Gilgamesh was brought together with the great Atlantean ruler Xisuthros. This was a being who belonged to certain higher hierarchies and lived among humanity during the Atlantean era, but who had since been removed from humanity and dwelt in higher realms of existence. Gilgamesh was to get to know this being in order to gain, from the insight into its nature, what was necessary to understand how souls are when they can look into the spiritual worlds. Thus he was to be led up into the spiritual spheres by being guided back in his soul all the way to the Atlantean era. And when he is instructed not to sleep for seven nights and six days, this means nothing other than an exercise through which the soul was to be shaped so as to fully penetrate the corresponding spiritual regions just described. If we are now told that he could not endure this, then this in turn signifies something very important: it means that Gilgamesh is to be presented to us as a personality who is brought to the very edge of initiation, who was to look, as it were, through the gate of initiation into the spiritual mysteries, but who, due to the very nature of the circumstances of the time, could not penetrate into all the depths. In short, it is to be said that the inaugurator, the founder of Babylonian culture, remained, so to speak, at the threshold of initiation; that he could not look quite clearly into the higher spiritual worlds; and that he therefore gave Babylonian culture the very character that is an imprint of a mere glimpse into the mysteries of initiation.

[ 28 ] Wir werden nun sehen, wie diese äußere babylonische Kultur tatsächlich so ist, daß sie rechtfertigt, was eben gesagt worden ist. Während uns zum Beispiel alles darauf hinweist, daß wir in Hermes eine Persönlichkeit vor uns haben, welche tief, tief hineinschaute in die heiligsten Geheimnisse der Initiation und deshalb der große Initiator der ägyptischen Kultur werden konnte, so müssen wir sagen, daß die äußere babylonische Kultur in einer Weise zubereitet worden ist, wie wir es eben charakterisiert haben: nämlich durch eine führende Persönlichkeit, die in ihrer Seele alle diejenigen Eigenschaften hatte, die sich entwickeln, wenn man nicht ganz in das Innerste der heiligen Geheimnisse eindringt. Deshalb haben wir in der Tat im alten Babylonien die historische Entwickelung so, daß wir deutlich nebeneinandergehend einen äußeren Kulturverlauf und einen esoterisch-inneren haben. Während im ägyptischen Leben diese beiden mehr ineinanderspielen, fallen sie gewissermaßen in der alten babylonischen Kultur durchaus auseinander. Und innerhalb dessen, was wir als die babylonische Kultur anzusehen haben, wie sie inauguriert worden ist durch Gilgamesch, lebte dasjenige, was in den heiligsten, verborgensten Mysterien der Chaldäer liegt.

[ 28 ] We will now see how this external Babylonian culture is, in fact, such that it justifies what has just been said. While, for example, everything points to the fact that in Hermes we have before us a personality who looked deeply, deeply into the most sacred mysteries of initiation and was therefore able to become the great initiator of Egyptian culture, we must say that external Babylonian culture was prepared in the manner we have just characterized: namely through a leading figure who possessed in his soul all those qualities that develop when one does not penetrate fully into the innermost core of the sacred mysteries. Therefore, in ancient Babylonia, we indeed have a historical development such that we clearly have an outer cultural trajectory and an esoteric-inner one running side by side. While in Egyptian life these two are more intertwined, in ancient Babylonian culture they diverge quite distinctly, so to speak. And within what we must regard as Babylonian culture, as inaugurated by Gilgamesh, lived that which lies in the most sacred, most hidden mysteries of the Chaldeans.

[ 29 ] Diese Initiierten der Mysterien waren allerdings in das Innerste eingeweiht, aber das zog sich doch nur wie ein kleiner Strom durch die äußere Kultur hindurch. Diese äußere Kultur war ein Ergebnis der Impulse des Gilgamesch. Nun hat sich uns ja aus all diesen Betrachtungen ergeben, daß Gilgamesch als Persönlichkeit im Grunde genommen nicht so weit war, daß er eine völlige Einweihung hätte erleben können. Gerade dadurch aber, daß er nicht in der Zeit, in der er wirkte, sozusagen seine eigenen persönlichen Impulse auslebte, das, was seine Kraft war, der Welt mitteilte, war er ganz besonders dazu imstande, durch sich durchwirken zu lassen eine der geistigen Wesenheiten, die wir zu der Klasse der Feuergeister, also der Archangeloi, der Erzengel, rechnen. Solch eine Wesenheit wirkte durch Gilgamesch, und die Ordnung der babylonischen Verhältnisse, die treibenden Kräfte derselben, für die Gilgamesch das Werkzeug war, haben wir bei einem solchen Feuergeist zu suchen. So haben wir uns diesen Gilgamesch so recht vorzustellen unter einem Bilde, das uns geben konnte das Symbolum des alten Kentauren. Solche alten Symbole, sie entsprechen mehr der Wirklichkeit als man gewöhnlich denkt. Ein Kentaur, halb Tier, halb Mensch, sollte immer darstellen, wie in den mächtigeren Menschen der alten Zeiten wirklich in gewisser Weise auseinanderfiel das höchste spirituelle Menschentum und dasjenige, was die einzelnen Persönlichkeiten mit der tierischen Organisation verband. Wie ein Kentaur, so wirkte dieser Gilgamesch auf diejenigen, die ihn beurteilen konnten, und so wirkt er heute noch auf diejenigen, die ihn beurteilen können.

[ 29 ] These initiates of the mysteries were indeed initiated into the innermost mysteries, but this flowed through the outer culture only like a small stream. This outer culture was a result of Gilgamesh’s impulses. Now, it has become clear to us from all these considerations that Gilgamesh, as a personality, was not, in essence, advanced enough to have been able to experience a complete initiation. Precisely because he did not, so to speak, live out his own personal impulses during the time in which he was active—that is, because he did not communicate to the world what was his strength—he was particularly capable of allowing one of the spiritual beings, whom we count among the class of fire spirits, that is, the Archangeloi, the Archangels, to work through him. Such a being worked through Gilgamesh, and the order of Babylonian conditions, the driving forces behind them, for which Gilgamesh was the instrument, are to be found in such a fire spirit. Thus we are to imagine this Gilgamesh most rightly in an image that the symbol of the ancient centaur could provide. Such ancient symbols correspond more closely to reality than is usually thought. A centaur, half-animal, half-human, was always meant to represent how, in the more powerful human beings of ancient times, the highest spiritual humanity and that which connected the individual personalities to the animal organization were, in a certain sense, truly divided. Like a centaur, this Gilgamesh worked upon those who could judge him, and so he still works today upon those who can judge him.

[ 30 ] Es ist sehr merkwürdig, daß gerade dieses Bild des Kentauren heute wiederum auftaucht auf dem Felde des modernen naturwissenschaftlichen Denkens. Da ist jüngst ein Buch erschienen, das ganz auf naturwissenschaftliche Tatsachen fußen will, das aber doch in gewisser Weise vorurteilslos mit diesen Tatsachen umgeht und daher nicht so dilettantisch, so sinnlos alles durcheinanderwirft, wie es diejenigen tun, die sich Monisten nennen. Es sucht der Verfasser wirklich den Menschen zu verstehen, wie er als selbständige seelisch-geistige Wesenheit der physischen Leibesorganisation gegenübertritt. Und da kommt ein auf naturwissenschaftliche Unterlagen sich stützender Mensch zu einem eigentümlichen Bild. Er hat ganz gewiß nicht an den Kentauren gedacht, als er sich dieses Bild ausmalte, aber er sagt zu dem, was sich aus naturwissenschaftlichen Vorstellungen ergibt über die Beziehungen der Seele zum Leibe: Das läßt sich vergleichen mit dem Reiten des Reiters auf dem Pferde. Man kann gar nicht anders sich vorstellen, wozu die wirklich verstandenen naturwissenschaftlichen Tatsachen zwingen, als daß man sagt: Selbständig ist die Seele, die den Leib als Werkzeug benutzt wie der Reiter sein Pferd. — Der Kentaur ist wieder da, die Dinge werden tatsächlich schnell gehen, und ehe es sich die Menschen vermeinen, werden geisteswissenschaftliche Vorstellungen unter dem Zwange gerade naturwissenschaftlicher Tatsachen sich in unsere Zeitgenossen einleben müssen. Denn noch nicht lange ist es her, da hatte ich mit einem Philosophen gesprochen, der viel auf materialistische Vorstellungen hielt und aus seinen materialistischen Vorstellungen heraus mir sagte: «Das Bild des Kentauren ist natürlich so entstanden: Die alten Bewohner Griechenlands sahen gewisse Völkerschaften auf ihren Pferden vom Norden kommen, und da es meistens neblig war, so hatten sie die Vorstellung, daß Reiter und Pferd eine einzige Gestalt seien. In ihrem Aberglauben konnten sie sich das leicht einbilden.»

[ 30 ] It is very curious that this particular image of the centaur has resurfaced today in the realm of modern scientific thought. A book has recently been published that claims to be based entirely on scientific facts, yet treats these facts in a certain sense without prejudice and therefore does not mix everything up so amateurishly and senselessly as those who call themselves monists do. The author truly seeks to understand the human being as an independent soul-spiritual entity standing in relation to the physical body. And so a person grounded in scientific evidence arrives at a peculiar image. He certainly did not have centaurs in mind when he envisioned this image, but he says of what emerges from scientific concepts regarding the relationship of the soul to the body: This can be compared to the rider on the horse. One cannot help but conclude, based on what the truly understood scientific facts compel us to acknowledge, that the soul is independent, using the body as a tool just as the rider uses his horse. — The centaur is back; things will indeed move quickly, and before people realize it, spiritual scientific ideas will have to take root in our contemporaries under the very compulsion of scientific facts. For it was not long ago that I spoke with a philosopher who held materialistic ideas in high regard and, based on his materialistic views, told me: “The image of the centaur arose naturally in this way: The ancient inhabitants of Greece saw certain peoples coming from the north on their horses, and since it was usually foggy, they had the idea that rider and horse were a single figure. In their superstition, they could easily imagine this.”

[ 31 ] In der Tat eine recht einfache Vorstellung, wenig philosophisch vielleicht, aber doch recht einfach! Diese Vorstellung des Kentauren, die nicht dadurch entstanden ist, daß die Griechen nicht haben unterscheiden können den Reiter von seinem Pferd, sondern die dadurch entstanden ist, daß die älteren Völker wirklich die geistige Wesenheit des Menschen selbständig zu der physischen Natur haben denken müssen — diese Vorstellung taucht wieder auf in unserer Zeit, ganz selbständig aus naturwissenschaftlichen Vorstellungen heraus. So müssen wir sagen, wir sind heute schon trotz aller materialistischen Vorstellungen auf dem Wege, daß selbst der Materialismus, wenn er nur auf Tatsachen sich stützen will, nach und nach zu dem hinführt, was die Geisteswissenschaft aus ihren okkulten Quellen heraus zu sagen hat. Wollen wir aber eine solche Gestalt wie Gilgamesch, die ja auch der äußeren Forschung jetzt schon nahegetreten ist, so wie wir das für unsere Betrachtungen tun müssen, an die Spitze der okkulten Betrachtung stellen, dann müssen wir uns klar sein, daß wir es da zu tun haben mit einem Hereinwirken eines Wesens der höheren geistigen Hierarchien. So daß, wenn wir eigentlich jeden Menschen in bezug auf seine Geistigkeit hin im Bild des Kentauren anschauen müssen, wir bei einem solchen Menschen, der so wirkt wie Gilgamesch, noch insbesondere annehmen müssen, daß das Geistige des Kentauren dirigiert wird von höheren Mächten, die ihre Kräfte hereinsenden in den Fortschritt der Menschheit. Und wir werden sehen, wenn wir noch weiter hinaufgehen in der Geschichte, daß sich uns das noch deutlicher darstellen wird. Wir werden weiter sehen, wie sich das dann modifiziert bis in unsere Gegenwart herein und wie geistige Kräfte immer andere Gestalten annehmen, wenn sie durch Menschen wirken, je mehr wir in unsere unmittelbare Gegenwart hereinkommen.

[ 31 ] Indeed, a rather simple concept—perhaps not very philosophical, but certainly quite simple! This concept of the centaur—which did not arise because the Greeks could not distinguish the rider from his horse, but rather because the ancient peoples truly had to conceive of the spiritual essence of the human being as independent of physical nature—this concept is reappearing in our time, emerging entirely independently from scientific ideas. Thus we must say that today, despite all materialistic ideas, we are already on the path where even materialism, if it wishes to base itself solely on facts, gradually leads to what spiritual science has to say from its occult sources. But if we wish to place a figure such as Gilgamesh—who has, after all, already come close to external research, just as we must do for our own considerations—at the forefront of occult contemplation, then we must be clear that we are dealing here with the inner working of a being from the higher spiritual hierarchies. So that, while we must actually view every human being in terms of their spiritual nature through the image of the centaur, in the case of a figure like Gilgamesh, we must further assume that the spiritual aspect of the centaur is directed by higher powers that send their forces into the progress of humanity. And we shall see, as we go further back in history, that this will become even clearer to us. We shall further see how this then modifies itself right into our present and how spiritual forces always take on different forms when they work through human beings, the closer we come to our immediate present.