Occult History
Esoteric Reflections on the Karmic Connections
between Personalities and Events in World History
GA 126
29 December 1910, Stuttgart
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Occult History, tr. SOL
Dritter Vortrag
Third Lecture
[ 1 ] Einiges von dem, was bis jetzt als skizzenhafter Einblick in den okkulten Verlauf der menschlichen Entwickelung gesagt worden ist, wird Sie ja schon hinweisen darauf, daß der Verlauf der Inkarnationen, wie er durch den individuellen Charakter und die individuelle Entwickelung der Menschen selbst gegeben ist, durch das Eingreifen geistiger Kräfte aus den höheren Hierarchien modifiziert wird. Reinkarnation ist eben kein ganz so einfaches Geschehen in der Menschheitsentwickelung, wie man es gerne aus einer gewissen theoretischen Bequemlichkeit heraus annehmen möchte. Gewiß, die Tatsache liegt vor, daß der Mensch sich immer wieder verkörpert, daß das, was wir seinen Wesenskern nennen, in immer neuer Inkarnation erscheint; und ebenso ist es wahr, daß ein Ursachenzusammenhang ist zwischen den Leben, die später als Inkarnationen auftreten, und den früheren Leben. Auch das Gesetz des Karma liegt vor, das sozusagen der Ausdruck ist dieses Ursachenzusammenhanges. Darüber hinausgehend aber gibt es etwas anderes, und dieses andere führt uns erst zum Verständnis des historischen Entwickelungsganges der Menschheit. Die Entwickelung der Menschheit würde ganz anders ablaufen, wenn nichts anderes in Betracht käme als die Ursachenzusammenhänge zwischen einer und der nächsten oder zwischen vorhergehenden und’ nachfolgenden Inkarnationen des Menschen. Fortwährend aber greifen in das menschliche Leben in jeder Inkarnation mehr oder weniger — und insbesondere bei historisch führenden Persönlichkeiten — ganz bedeutsame andere Kräfte ein und bedienen sich des Menschen als eines Werkzeuges. Daraus kann geschlossen werden, daß der eigentliche, rein im Menschen selbst liegende karmische Verlauf des Lebens durch die Inkarnationen hindurch modifiziert wird; und das ist auch der Fall.
[ 1 ] Some of what has been said so far as a brief insight into the occult course of human development will already point out to you that the course of incarnations, as determined by the individual character and development of human beings themselves, is modified by the intervention of spiritual forces from the higher hierarchies. Reincarnation is simply not quite as straightforward a process in human evolution as one might like to assume out of a certain theoretical convenience. Certainly, the fact remains that human beings incarnate again and again, that what we call their essential core appears in ever-new incarnations; and it is equally true that there is a causal connection between the lives that later appear as incarnations and the earlier lives. The law of karma also exists, which is, so to speak, the expression of this causal connection. Beyond that, however, there is something else, and it is this other factor that leads us to an understanding of the historical course of human development. The development of humanity would proceed quite differently if nothing else were taken into account but the causal connections between one incarnation and the next, or between preceding and subsequent incarnations of the human being. However, in every incarnation—and especially in the case of historically significant figures—other forces of considerable significance continually intervene in human life to a greater or lesser extent and make use of the human being as an instrument. From this it can be concluded that the actual karmic course of life, lying purely within the human being itself, is modified throughout the incarnations; and this is indeed the case.
[ 2 ] Nun kann man von einer gewissen Gesetzmäßigkeit sprechen — wir wollen uns zunächst nur auf die nachatlantischen Zeiten beschränken -, von einer Gesetzmäßigkeit, wie in den nachatlantischen Zeiten bis in unsere Gegenwart herein die Einflüsse anderer Welten und das individuelle Karma des Menschen zusammenhängen. Und es geht nicht anders, als durch eine schematische Zeichnung Ihnen klarzumachen, wie diese Einflüsse sich gestalten und wie sie sich zu der Individualität des Menschen stellen. Stellen wir uns einmal vor: Diese hier in der Mitte der Tafel gezeichnete Fläche soll dasjenige sein, was wir gewöhnt sind, das menschliche Ich zu nennen, unseren gegenwärtigen menschlichen Wesenskern. (Siehe Zeichnung S. 47.) Und zeichnen wir nun die anderen Wesensglieder des Menschen ein, indem wir zunächst absehen von der Gliederung der Seele in Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußstseinsseele. Also haben wir hier schematisch dargestellt den Astralleib, den Ätherleib, den physischen Leib.
[ 2 ] Now we can speak of a certain law—let us limit ourselves for the time being to the post-Atlantean era—a law describing how, from the post-Atlantean era right up to the present day, the influences of other worlds and the individual karma of human beings are interrelated. And there is no other way than through a schematic diagram to make clear to you how these influences take shape and how they relate to the individuality of the human being. Let us imagine: This area drawn here in the center of the board is to represent what we are accustomed to calling the human ego, the core of our present human being. (See drawing on p. 47.) And let us now draw in the other members of the human being, initially setting aside the division of the soul into the soul of feeling, the soul of understanding, and the soul of consciousness. Thus, we have schematically represented here the astral body, the etheric body, and the physical body.
[ 3 ] Nun wollen wir, weil wir bei der nachatlantischen Entwickelung bleiben wollen, uns klarmachen, worin denn die Zukunft des Menschen, nach dem, was wir schon an den verschiedenen Orten besprochen haben, zunächst bestehen wird. Wir wissen ja, daß wir mitten drinnenstehen in der nachatlantischen Entwickelung, die eigentliche Mitte allerdings schon etwas überschritten haben. Es braucht hier nur kurz wiederholt zu werden, was bei anderen Gelegenheiten gesagt worden ist: daß innerhalb der griechisch-lateinischen Kulturepoche vorzugsweise dasjenige zu einer besonderen Entwickelung gekommen ist, was wir nennen die Verstandes- oder Gemütsseele, und daß wir jetzt in der Entwickelung der Bewußtseinsseele stehen. In der babylonisch-ägyptischen Kulturperiode ist die Empfindungsseele zur Entwickelung gekommen, vorher in der persischen Entwickelungsepoche der Empfindungs- oder Astralleib und in der uralt indischen Entwickelung der Atherleib des Menschen. Die Anpassung des physischen Leibes an unsere nachatlantischen irdischen Verhältnisse ist schon in den letzten Epochen vor der großen atlantischen Katastrophe geschehen. So daß, wenn wir jetzt übergehen dazu, auch die anderen Glieder einzuzeichnen, wir sagen können: Es entwickelt sich das Ich innerhalb unserer nachatlantischen Zeit so, daß die Entwickelung während der indischen Periode vorzugsweise im Ätherleib verläuft, die der persischen im Astralleib, die der ägyptisch-chaldäischen in der Empfindungsseele, die der griechischen in der Verstandesseele und unsere Kultur in der Bewußtseinsseele — in dem fünften Gliede des Menschen, wenn wir die einzelnen Seelenglieder rechnen. In einem sechsten Kulturzeitraum werden die Menschen sich weiter hinaufentwickeln, und es wird in gewisser Art hereinwachsen das Seelenhafte des Menschen in Manas. In einer siebenten, der letzten nachatlantischen Kulturepoche, wird dann zur Entwickelung kommen eine Art Hineinwachsen des Menschen in den Lebensgeist oder die Buddhi, während das, was hineinwachsen könnte in Atma, nach der großen Katastrophe, die unsere nachatlantische Zeit abschließen wird, erst in einem späteren Zeitalter sich entwickeln wird.
[ 3 ] Now, since we wish to remain focused on post-Atlantean development, let us clarify what the future of humanity will initially consist of, based on what we have already discussed in various places. We know, of course, that we are right in the midst of post-Atlantean development, though we have already passed the actual midpoint somewhat. It suffices here to briefly repeat what has been said on other occasions: that within the Greco-Latin cultural epoch, it was primarily what we call the intellectual or emotional soul that underwent a special development, and that we are now in the development of the conscious soul. During the Babylonian-Egyptian cultural period, the feeling soul developed; prior to that, during the Persian epoch of development, the feeling or astral body developed, and in the ancient Indian development, the etheric body of the human being. The adaptation of the physical body to our post-Atlantean earthly conditions already took place in the last epochs before the great Atlantean catastrophe. So that, when we now proceed to outline the other members as well, we can say: The ego develops within our post-Atlantean era in such a way that development during the Indian period takes place primarily in the etheric body, that of the Persian period in the astral body, that of the Egyptian-Chaldean period in the feeling soul, that of the Greek period in the intellectual soul, and our culture in the conscious soul — in the fifth member of the human being, if we count the individual soul members. In a sixth cultural epoch, human beings will develop further upward, and the soul aspect of the human being will, in a certain sense, grow into Manas. In a seventh, the final post-Atlantean cultural epoch, a kind of growth of the human being into the life spirit or Buddhi will then come to fruition, while that which could grow into Atma will, after the great catastrophe that will conclude our post-Atlantean era, only develop in a later age.


[ 4 ] Das sind Dinge, die bekannt sind aus dem Zyklus über die Apokalypse. Jetzt aber müssen wir darauf Rücksicht nehmen, daß für den ersten Zeitraum, den indischen, der Mensch in bezug auf seine Entwickelung noch unterhalb dessen war, worin das Ich lebt; daß im Grunde genommen die altindische, die vorvedische Kultur eine im wesentlichen inspirierte Kultur war, das heißt also eine Kultur, welche gleichsam in die menschliche Seele einfloß ohne jene Arbeit des Ich, welche wir heute als unsere Gedanken- und Vorstellungsarbeit kennen. Der Mensch muß sich seit der ägyptischen Kulturperiode sozusagen aktiv verhalten mit seinem Ich. Er muß sein Ich durch die Sinne herumwenden in dem Umkreis der Außenwelt, damit er Eindrücke empfängt; er muß gewissermaßen bei dem Sich-Fortarbeiten mit seinem eigenen Anteil aktiv dabei sein. Die altindische Kultur war eine mehr passive Kultur, eine Kultur, die sozusagen errungen wurde durch eine Hingabe an das, was wie eine Inspiration in die menschliche Wesenheit hereinfloß. Daher wird es auch begreiflich erscheinen, daß wir diese altindische Kultur auf eine andere Tätigkeit zurückzuführen haben als diejenige, die heute das menschliche Ich ausführt; daß sozusagen die heutige Tätigkeit des Ich für die damalige indische Seele dadurch ersetzt werden mußte, daß sich in die menschliche Wesenheit höhere Wesenheiten hineinsenkten und die menschliche Seele inspirierten. Wenn wir fragen, was damals sozusagen von außen her in diese menschliche Seele hineingebracht wurde, was hineingesenkt wurde von Wesenheiten der höheren Hierarchien, dann können wir sagen: Es ist dasselbe, was später einmal der Mensch erringen wird als seine eigene Tätigkeit, als seine eigene Aktivität, wenn er sich emporgehoben haben wird zu dem, was wir als Atma oder Geistesmensch bezeichnen. Mit anderen Worten, es wird sich in der Zukunft die menschliche Individualität zu einem Einarbeiten in Atma emporheben. Dieses Einarbeiten wird eine Eigenarbeit der menschlichen Seele, des menschlichen Wesenskernes sein, etwas, was mit dem innersten Wesen unmittelbar verbunden ist. Und so wie dann der Mensch selbst in sich arbeiten wird, so arbeiteten Wesenheiten höherer Hierarchien an der indischen Seele. Wenn wir beschreiben wollen, was in den Atherleibern der indischen Seelen vorging, so können wir sagen: Es arbeitete gleichsam noch ein verdunkeltes, im Dämmerschlummer liegendes Ich-Bewußtsein, es arbeitete Atma im Ätherleib. Wir können ganz gut sagen, daß die alte indische Seele ein Schauplatz war, auf dem sich im Grunde genommen eine übermenschliche Arbeit abspielte: ein Arbeiten höherer Wesenheiten innerhalb des Atherleibes der alten Inder. Und das, was da hineinverwoben wurde in den Ätherleib, war eine Arbeit, wie sie der Mensch später in der angedeuteten Weise erreichen wird, wenn Atma am Ätherleib arbeitet. — In der persischen Kultur war es dann so, daß Buddhi oder der Lebensgeist im Astralleib, im Empfindungsleib arbeitete. — Und in der chaldäisch-babylonisch-ägyptischen Kultur arbeitete dann Manas oder Geistselbst in der Empfindungsseele. So also ist in der ägyptisch-babylonisch-chaldäischen Kultur immer noch nicht ausgeprägt ein volles aktives Arbeiten des Ich innerhalb der Seele selbst. Der Mensch ist, wenn auch in geringerem Grade als vorher, doch noch ein passiver Schauplatz für eine Arbeit des Manas in der Empfindungsseele. Erst in der griechisch-lateinischen Zeit tritt sozusagen der Mensch voll aktiv in sein eigenes Seelenleben ein. Wir wissen ja, daß es die Verstandesseele ist, in der sich das Ich als selbständiges inneres menschliches Glied zuerst geltend macht, und wir können deshalb sagen: Innerhalb der griechischen Kultur arbeitet in der Tat das Ich im Ich, das heißt, der Mensch als solcher im Menschen. Wir werden noch sehen im Verlaufe dieser Vorträge, daß innerhalb der griechischen Epoche das Eigenartige der damaligen Kultur gerade dadurch hervortritt, daß das Ich im Ich arbeitet.
[ 4 ] These are things that are known from the cycle of the Apocalypse. Now, however, we must take into account that during the first period, the Indian one, humanity was, in terms of its development, still below the level at which the ego lives; that, in essence, the ancient Indian, pre-Vedic culture was essentially an inspired culture—that is, a culture that flowed, as it were, into the human soul without that work of the ego which we know today as our work of thought and imagination. Since the Egyptian cultural period, human beings have had to engage actively with their ego, so to speak. They must turn their ego through the senses toward the external world in order to receive impressions; they must, in a sense, be actively involved in the process of working through their own part of the process. Ancient Indian culture was a more passive culture, a culture that was, so to speak, attained through a surrender to what flowed into the human being like an inspiration. Therefore, it will also seem understandable that we must attribute this ancient Indian culture to an activity different from that which the human ego performs today; that, so to speak, the present-day activity of the ego had to be replaced for the Indian soul of that time by higher beings sinking into the human being and inspiring the human soul. If we ask what was, so to speak, brought into this human soul from the outside at that time, what was poured into it by beings of the higher hierarchies, then we can say: It is the very same thing that humanity will one day attain as its own activity, as its own initiative, when it has raised itself to what we call the Atma or the spiritual human being. In other words, in the future, human individuality will rise to a state of working its way into the Atma. This working will be the soul’s own work, the work of the human core of being, something directly connected to the innermost being. And just as the human being will then work within themselves, so did beings of the higher hierarchies work upon the Indian soul. If we wish to describe what was taking place in the etheric bodies of the Indian souls, we can say: there was, as it were, still a darkened, slumbering ego-consciousness at work; Atma was at work in the etheric body. We can quite rightly say that the ancient Indian soul was a stage upon which, in essence, a superhuman work was taking place: the work of higher beings within the etheric body of the ancient Indians. And what was woven into the etheric body there was a work such as humanity will later attain in the manner indicated, when Atma works upon the etheric body. — In Persian culture, it was the case that Buddhi, or the life spirit, worked within the astral body, within the feeling body. — And in Chaldean-Babylonian-Egyptian culture, Manas, or the mental self, worked within the feeling soul. Thus, in Egyptian-Babylonian-Chaldean culture, a fully active working of the ego within the soul itself is still not fully developed. Human beings are, albeit to a lesser degree than before, still a passive arena for the work of Manas in the soul of feeling. It is only in the Greco-Latin period that human beings, so to speak, enter fully and actively into their own soul life. We know, of course, that it is in the intellectual soul that the ego first asserts itself as an independent inner human member, and we can therefore say: Within Greek culture, the ego does indeed work within the ego, that is, the human being as such within the human being. We shall see in the course of these lectures that within the Greek epoch, the distinctive character of the culture of that time emerges precisely through the fact that the ego works within the ego.
[ 5 ] Jetzt aber sind wir schon seit geraumer Zeit über diese Kulturepoche hinaus; und während es in der vorgriechischen Zeit so war, daß gewissermaßen höhere Wesenheiten sich hineinversenkten in den menschlichen Wesenskern und darin arbeiteten, haben wir in unserer Zeit eine entgegengesetzte Aufgabe zu erfüllen. Wir müssen das, was wir durch unser Ich erarbeitet haben, was wir imstande sind, durch unsere Aktivität aus den Eindrücken der Außenwelt in uns aufzunehmen, zunächst auf ganz menschliche Art erwerben können. Dann aber dürfen wir nicht stehenbleiben bei dem Standpunkte, bei dem die Menschen der griechisch-lateinischen Zeit stehengeblieben sind, indem wir nur das Menschliche, das reine Menschentum als solches herausarbeiten. Sondern das, was wir uns erarbeiten, müssen wir hinauftragen und es einverweben dem, was da kommen soll, wir müssen sozusagen die Richtung hinauf nehmen nach dem, was später kommen soll: Manas oder Geistselbst. Das ist aber erst in der sechsten Kulturperiode zu erwarten. Jetzt stehen wir zwischen der vierten und sechsten. Die sechste verspricht der Menschheit, daß die Menschheit in der Lage sein werde, hinaufzutragen in höhere Regionen das, was erarbeitet wird durch die äußeren Eindrücke, die das Ich durch seine Sinne empfängt. In unserer fünften Kulturepoche sind wir nur in der Lage, sozusagen den Ansturm zu unternehmen, alles das, was wir uns erarbeiten an äußeren Eindrücken und was wir erlangen durch Verarbeitung dieser Eindrücke, so auszuprägen, daß es die Richtung nach oben empfangen kann. Wir leben in dieser Beziehung wahrhaftig in einer Übergangsepoche, und wenn Sie sich daran erinnern, was gestern über die in der Jungfrau von Orleans wirksame geistige Macht gesagt worden ist, so werden Sie sehen, daß schon in der Jungfrau von Orleans etwas von dem wirkte, was sich in entgegengesetzter Richtung bewegt als die Einwirkungen höherer Mächte in der vorgriechischen Zeit. Wenn, sagen wir, irgendein Angehöriger der persischen Kultur den Einfluß einer übersinnlichen Macht empfing, die sich seiner als Werkzeug bediente, so wirkte eben diese Macht in seinen menschlichen Wesenskern herein; sie lebte sich da aus, und der Mensch schaute, erlebte das, was ihm diese geistige Macht einpflanzte, womit sie ihn inspirierte. Der Mensch unserer Zeit kann, wenn er zu solchen geistigen Mächten in Beziehung tritt, das, was er in der physischen Welt durch die Arbeit seines Ich, durch die Eindrücke seines Ich erlebt, sozusagen hinauftragen, er kann ihm die Richtung nach oben geben. Daher ist es bei solchen Persönlichkeiten wie bei der Jungfrau von Orleans so, daß sich die Kundgebungen, die Manifestationen jener geistigen Mächte, die zu ihr sprechen wollen, zwar in der Sphäre befinden, bis zu welcher sie aufragt, daß sich aber vor diese Offenbarung etwas hinstellt, was zwar nicht die Realität dieser Offenbarungen beeinträchtigt, was ihnen aber eine bestimmte Gestalt gibt; es ist das, was das Ich hier in der physischen Welt erlebt. Mit anderen Worten: die Jungfrau von Orleans hat Offenbarungen, aber sie kann sie nicht so unmittelbar sehen wie die Alten, sondern es stellt sich zwischen sie in ihrer Ichheit und diese objektiven Mächte die Vorstellungswelt hinein, welche die Jungfrau von Orleans aufgenommen hat in der physischen Welt: das Bild der Jungfrau Maria, des Erzengels Michael, so wie sie sie aufgenommen hat aus ihren christlichen Vorstellungen; die stellen sich dazwischen.
[ 5 ] But we have now been beyond this cultural epoch for quite some time; and whereas in pre-Greek times higher beings, so to speak, immersed themselves in the core of the human being and worked within it, we have a task to fulfill in our time that is the opposite of that. We must first be able to acquire in a wholly human way that which we have worked out through our ego, that which we are capable of taking in through our activity from the impressions of the external world. But then we must not remain at the stage where the people of the Greco-Roman era remained, by working out only the human, pure humanity as such. Rather, we must carry what we have worked out upward and weave it into what is to come; we must, so to speak, take the upward path toward what is to come later: Manas or the spiritual self. But this is not to be expected until the sixth cultural epoch. We now stand between the fourth and sixth. The sixth promises humanity that it will be able to carry up into higher regions what is worked out through the external impressions the ego receives through its senses. In our fifth cultural epoch, we are only able, so to speak, to make the initial effort to shape all that we acquire through external impressions and what we gain through the processing of these impressions in such a way that it can receive the upward direction. In this respect, we are truly living in a transitional epoch, and if you recall what was said yesterday about the spiritual power at work in the Maid of Orleans, you will see that something was already at work in the Maid of Orleans that moves in the opposite direction to the influences of higher powers in pre-Greek times. If, let us say, any member of Persian culture received the influence of a supersensible power that used him as an instrument, then this very power worked into the core of his human being; it lived itself out there, and the person saw and experienced what this spiritual power implanted in him, with which it inspired him. The human being of our time, when entering into a relationship with such spiritual powers, can, so to speak, carry upward what he experiences in the physical world through the work of his ego, through the impressions of his ego; he can direct it upward. Thus, with such personalities as the Maid of Orleans, it is the case that the expressions, the manifestations of those spiritual powers that wish to speak to her, are indeed situated in the sphere to which she rises; yet something stands before this revelation that, while not impairing the reality of these revelations, gives them a certain form; it is what the ego experiences here in the physical world. In other words: the Maid of Orleans has revelations, but she cannot see them as directly as the ancients; rather, the world of ideas that the Maid of Orleans has absorbed in the physical world interposes itself between her ego and these objective powers: the image of the Virgin Mary, of the Archangel Michael, as she has absorbed them from her Christian conceptions; these interpose themselves.
[ 6 ] Da haben wir zu gleicher Zeit ein Beispiel, wie wir unterscheiden müssen, wenn es sich um spirituelle Dinge handelt, zwischen der Objektivität einer Offenbarung und der Objektivität eines Bewußtseinsinhaltes. Die Jungfrau von Orleans sah die Jungfrau Maria und den Erzengel Michael in einem gewissen Bilde. Diese Bilder dürfen wir uns nicht unmittelbar in die spirituelle Realität hineindenken; der Gestalt dieser Bilder dürfen wir nicht unmittelbare Objektivität zuschreiben. Wenn aber jemand sagen würde, es sei nur eine Einbildung, so ist das Unsinn. Denn es kommen der Jungfrau Offenbarungen aus der geistigen Welt entgegen, die der Mensch in der Gestalt, wie er sie sehen soll in der nachatlantischen Periode, allerdings erst in der sechsten Kulturepoche, wird sehen können. Aber wenn auch die Jungfrau von Orleans die wahre Gestalt nicht sieht, so senkt sich diese wahre Gestalt doch auf sie nieder. Die Jungfrau von Orleans bringt ihr die religiösen Vorstellungen ihrer Zeit entgegen, sie deckt sie gleichsam zu; es wird aus ihr herausgefordert ihre Vorstellungswelt durch die spirituelle Macht. So ist also die Offenbarung als objektiv anzusprechen. Wenn auch in unserer Zeit irgend jemand nachweisen kann, daß bei einer Kundgebung aus der geistigen Welt subjektive Elemente einfließen, wenn wir das Bild, das sich der Betreffende macht von der spirituellen Welt, nicht als objektiv ansehen können, wenn das auch ein Schleier ist, so dürfen wir deshalb doch nicht die objektiven Offenbarungen als solche Schleier deuten. Sie sind objektiv. Sie zaubern aus unserer eigenen Seele den Inhalt heraus. Wir müssen unterscheiden zwischen der Objektivität des Inhaltes und der der Tatsachen, die aus der geistigen Welt kommen. — Ich mußte das insbesondere deshalb betonen, weil auf diesem Felde sowohl von denen, welche die spirituelle Welt anerkennen, wie auch von den Gegnern zwar entgegengesetzte, aber doch überall Fehler gemacht werden.
[ 6 ] Here we have an example of how, when dealing with spiritual matters, we must distinguish between the objectivity of a revelation and the objectivity of a content of consciousness. The Virgin of Orleans saw the Virgin Mary and the Archangel Michael in a certain image. We must not immediately interpret these images as spiritual reality; we must not attribute direct objectivity to the form of these images. But if someone were to say that it is merely a figment of the imagination, that would be nonsense. For revelations from the spiritual world come to the maiden in a form that humanity will be able to see—in the form it is meant to see in the post-Atlantean period—though only in the sixth cultural epoch. But even if the Maid of Orleans does not see the true form, this true form nevertheless descends upon her. The Maid of Orleans presents her with the religious ideas of her time; she covers them, as it were; her world of ideas is challenged from within by the spiritual power. Thus, the revelation must be regarded as objective. Even if in our time someone can demonstrate that subjective elements flow into a manifestation from the spiritual world, even if we cannot regard the image that the person in question forms of the spiritual world as objective—even if this is a veil—we must not therefore interpret the objective revelations as such veils. They are objective. They conjure the content forth from our own soul. We must distinguish between the objectivity of the content and that of the facts coming from the spiritual world. — I had to emphasize this in particular because in this field, both those who acknowledge the spiritual world and its opponents make mistakes that, though opposite in nature, are nevertheless present everywhere.
[ 7 ] So also stellt uns die Jungfrau von Orleans gleichsam eine historische Persönlichkeit dar, die schon ganz in dem Sinne unserer Epoche wirkt, wo ja zum Geistigen hinaufgerichtet sein muß alles das, was wir sozusagen produzieren können auf Grundlage unserer äußeren Eindrücke. Was heißt das aber, wenn wir es anwenden auf unsere Kultur? Das heißt: Wir mögen den Blick hinauswenden zunächst naiv auf unsere Umgebung. Wenn wir aber dabei bleiben, das Auge bloß auf die äußeren Eindrücke zu richten, dann tun wir nicht unsere Schuldigkeit. Wir tun sie nur dann, wenn wir uns bewußt sind, daß wir die äußeren Eindrücke beziehen müssen auf hinter ihnen stehende geistige Mächte. Wenn wir Wissenschaft treiben und machen es so wie die Gelehrsamkeit, dann tun wir nicht unsere Schuldigkeit. Wir müssen alles das, was wir erfahren können über die Gesetze der Naturerscheinungen, über die Gesetze der Seelenerscheinungen so betrachten, daß wir es wie eine Sprache anschauen, die uns hinaufführen soll in eine göttlich-geistige Offenbarung. Wenn wir das Bewußtsein haben, daß wir alle physikalischen, chemischen, biologischen, physiologischen, psychologischen Gesetze so betrachten sollen, daß wir sie auf etwas Geistiges beziehen, was sich uns offenbart, dann tun wir unsere Schuldigkeit.
[ 7 ] Thus, the Maid of Orleans presents us, as it were, with a historical figure who already embodies the spirit of our age, in which everything we can produce—so to speak—on the basis of our external impressions must be directed toward the spiritual. But what does this mean when we apply it to our culture? It means: We may initially turn our gaze naively toward our surroundings. But if we persist in directing our eyes solely toward external impressions, then we are not fulfilling our duty. We fulfill it only when we are conscious that we must relate external impressions to the spiritual forces lying behind them. If we pursue science and do so in the manner of scholarship, then we are not fulfilling our duty. We must regard everything we can learn about the laws of natural phenomena and the laws of psychological phenomena in such a way that we view it as a language intended to lead us up into a divine-spiritual revelation. If we are conscious that we should regard all physical, chemical, biological, physiological, and psychological laws in such a way that we relate them to something spiritual that reveals itself to us, then we are doing our duty.
[ 8 ] So ist es in bezug auf die Wissenschaften unserer Zeit, und so ist es mit der Kunst. Diejenige Kunst, die wir charakterisieren als die griechische Kunst, die sozusagen einfacher auf den Menschen reflektierte, die ganz und gar darstellte das bloß Menschliche, das Arbeiten des Ich mit dem Ich, insoweit sich das Ich im sinnlich-physischen Material ausdrückt, diese Kunst hat ihre Epochen gehabt. In unserer Zeit ist bei den wirklich großen künstlerischen Persönlichkeiten wie instinktiv der Drang entstanden, die Kunst zu einer Art von Opferdienst für die göttlich-geistigen Welten zu gestalten, das heißt das, was zum Beispiel in Töne gekleidet wird, anzusehen als eine Interpretation geistiger Mysterien. So wird man kulturhistorisch-okkult einmal anzuschauen haben bis in alle Einzelheiten hinein Richard Wagner. So wird man gerade ihn anzusehen haben als einen repräsentativen Menschen unseres, des fünften Kulturzeitraumes, der den Drang immer gefühlt hat, auszudrücken in dem, was in ihm in Tönen lebte, den Zug nach der spirituellen Welt, der das Kunstwerk als eine äußere Sprache der spirituellen Welt betrachtete. Und da stehen im Grunde genommen die Überbleibsel der alten Kultur und die Morgenröte einer neuen Kultur scharf, schroff selbst, in unserer Zeit sich gegenüber. Haben wir doch gesehen, wie sozusagen das rein menschliche Weben in den Tönen, die rein formale Musik, die Richard Wagner überwinden wollte, in heftiger Weise von den Gegnern Richard Wagners verteidigt wurde, weil sie nicht imstande waren, zu fühlen, daß gerade bei Richard Wagner ein neuer Impuls instinktiv wie eine Morgenröte aufging.
[ 8 ] This is true of the sciences of our time, and it is true of art as well. The art that we characterize as Greek art—which, so to speak, reflected more simply upon the human being, which depicted entirely the merely human, the working of the ego with the ego, insofar as the ego expresses itself in the sensory-physical material—this art has had its epochs. In our time, the truly great artistic personalities have instinctively felt the urge to shape art into a kind of sacrificial service to the divine-spiritual worlds, that is, to regard what is clothed in sound, for example, as an interpretation of spiritual mysteries. Thus, from a cultural-historical and occult perspective, one will have to examine Richard Wagner in every detail. Thus, one will have to regard him in particular as a representative figure of our fifth cultural epoch, who always felt the urge to express, in what lived within him as sound, the striving toward the spiritual world, which viewed the work of art as an outer language of the spiritual world. And here, in our time, the remnants of the old culture and the dawn of a new culture stand in sharp, even jarring, contrast to one another. For we have seen how, so to speak, the purely human weaving in the sounds—the purely formal music that Richard Wagner sought to overcome—was fiercely defended by Richard Wagner’s opponents, because they were unable to sense that it was precisely in Richard Wagner that a new impulse was rising instinctively like the dawn.
[ 9 ] Ich weiß nicht, ob die meisten von Ihnen wissen, daß Richard Wagner lange Zeit hindurch die herbsten, die furchtbarsten Kritiker und Ablehner gefunden hat. Diese Kritiker und Ablehner haben eine gewisse Art von Anführung gehabt in dem außerordentlich geistvollen musikalischen Schaffen Eduard Hanslicks in Wien, der das interessante Büchelchen «Vom musikalisch Schönen» geschrieben hat. Ich weiß nicht, ob Sie wissen, daß damit dem Neuaufgehen einer historischen Morgenröte das Alte sozusagen entgegengestellt war. Dieses Buch «Vom musikalisch Schönen» kann ein historisches Denkmal für die spätesten Zeiten werden. Denn was wollte Hanslick? Er sagt: Man kann nicht in dieser Weise Musik machen wie Richard Wagner; das ist gar keine Musik, denn da nimmt die Musik sozusagen den Anlauf, auf etwas hinweisen zu wollen, was außerhalb des Musikalischen steht, auf etwas Übersinnliches. Musik sei aber «Arabeske in Tönen» — das war ein Lieblingswort des Hanslick. Das heißt, eine arabeskenartige Aneinanderfügung von Tönen, und der musikalisch-ästhetische Genuß kann darin bestehen, sich rein menschlich zu erfreuen an der Art und Weise, wie die Töne ineinander und nacheinander erklingen. Hanslick sagte, Richard Wagner sei überhaupt kein Musiker, er verstehe gar nicht das Wesen des Musikalischen. Das Wesen der Musik müsse liegen in einer bloßen Architektonik des Tonmaterials. - Was kann man über eine solche Erscheinung sagen? Nichts anderes, als daß Hanslick im eminentesten Sinne ein Nachzügler, ein Reaktionär der vierten Kulturepoche war. Da hatte er recht - für diese Kulturepoche; aber was für eine Kulturepoche richtig ist, gilt nicht mehr für die nächste. Man kann von seinem Standpunkt aus sagen, Richard Wagner sei kein Musiker. Dann aber müßte man weiter sagen: Es ist diese Epoche jetzt vorbei, wir müssen uns nun mit dem zufriedengeben, was aus dieser Epoche stammt, wir müssen uns versöhnen damit, daß sich das im Hanslickschen Sinne Musikalische erweitert über sich selbst hinaus zu einem Neuen.
[ 9 ] I do not know if most of you are aware that Richard Wagner faced the harshest, most ferocious critics and opponents for a long time. These critics and opponents found a certain kind of leadership in the extraordinarily witty musical work of Eduard Hanslick in Vienna, who wrote the interesting little book *On Musical Beauty*. I don’t know if you are aware that, in a sense, the old was thus set against the dawning of a new historical era. This book “On Musical Beauty” may become a historical monument for the latest times. For what did Hanslick want? He says: One cannot make music in the manner of Richard Wagner; that is not music at all, for there the music, so to speak, takes a running start to point toward something that lies outside the musical, toward something supernatural. But music is “arabesque in tones”—that was one of Hanslick’s favorite phrases. That is, an arabesque-like arrangement of tones, and the musical-aesthetic pleasure can consist in taking purely human delight in the way the tones sound together and one after another. Hanslick said that Richard Wagner was no musician at all, that he did not understand the essence of music at all. The essence of music, he claimed, must lie in a mere architecture of the tonal material. — What can one say about such a phenomenon? Nothing other than that Hanslick was, in the most eminent sense, a laggard, a reactionary of the fourth cultural epoch. In that he was right—for that cultural epoch; but what is true for one cultural epoch no longer applies to the next. From his standpoint, one can say that Richard Wagner was no musician. But then one would have to go on to say: This epoch is now over; we must now be content with what stems from this epoch; we must come to terms with the fact that what is musical in the Hanslickan sense expands beyond itself into something new.
[ 10 ] Und so könnten wir auf mancherlei Gebieten diesen Zusammenstoß des Alten und des Neuen gerade in unserer Kulturepoche studieren. Außerordentlich interessant ist das insbesondere in den einzelnen Zweigen der Wissenschaft. Es würde viel zu weit führen, wenn wir zeigen wollten, wie es da überall Reaktionäre gibt und solche, die herausarbeiten aus den einzelnen Wissenschaften, was die Wissenschaft werden soll: der Ausdruck eines hinter den Erscheinungen stehenden Göttlich-Geistigen. Das Grundelement, von dem sich die Gegenwart durchdringen muß, um immer bewußter das Göttlich-Geistige zum Zielpunkte, zum Perspektivpunkt für unsere Arbeit zu machen, das soll eben die Geisteswissenschaft sein, und die Geisteswissenschaft soll überall erwecken die Impulse von unten nach oben; sie soll überall die menschlichen Seelen auffordern zum Opfer, das heißt zum opfern dessen, was wir durch die äußeren Eindrücke erwerben, gegenüber dem, was wir erreichen sollen im Hinaufarbeiten in die Regionen des Geistselbstes, Lebensgeistes und Geistesmenschen.
[ 10 ] And so we could study this clash between the old and the new in various fields, particularly in our cultural era. This is especially fascinating in the individual branches of science. It would take us far too far afield to demonstrate how there are reactionaries everywhere and those who, within the individual sciences, work to bring out what science should become: the expression of the divine-spiritual reality lying behind phenomena. The fundamental element through which the present must be permeated in order to make the divine-spiritual ever more consciously the goal, the focal point of our work—that is precisely what spiritual science is meant to be, and spiritual science is meant to awaken everywhere the impulses from below to above; it should everywhere call upon human souls to make a sacrifice, that is, to sacrifice what we acquire through external impressions in favor of what we are to attain by working our way up into the regions of the spiritual self, the life spirit, and the spiritual human being.
[ 11 ] Wenn wir dieses Bild der menschlichen Geschichte, der okkulten Geschichte uns vor Augen stellen, dann werden wir es begreiflich finden, daß eine Seele, die in der indischen und dann in der persischen Epoche inkarniert war, durchdrungen sein konnte von dem inspirierenden Elemente einer Individualität der höheren Hierarchien; daß dann aber, als sie eintrat in die griechisch-lateinische Zeit, diese Seele mit sich allein war, daß diese Seele so arbeitete, daß das Ich im Ich eben arbeitete. Alles das, was in der vorgriechischen Epoche für alle einzelnen Zyklen der nachatlantischen Kulturen wie eine göttliche Eingebung, wie eine Offenbarung von oben erscheint — und es gilt das auch noch im Beginne der griechischen Kulturperiode für das 9., 10., 11. Jahrhundert der vorchristlichen Zeit -, was sich uns darstellt als eine inspirierte Kultur, in die von außen einfließt, was sie geistig erhalten soll, das gestaltet sich immer mehr und mehr dazu, rein menschlich-persönlich sich darzuleben. Und am stärksten findet das seinen Ausdruck gerade eben im Griechentum. Einen solchen Ausdruck des äußeren Menschen, wie er sich in der physischen Welt darlebt, für das, was der Mensch als auf sich gestellte Ich-Wesenheit ist, hat keine Zeit vorher gesehen und wird keine Zeit nachher wieder sehen können. Das rein Menschlich-Persönliche, das ganz in sich abgeschlossene Menschlich-Persönliche tritt in der antiken Lebensweise des Griechen und in seinen Schöpfungen historisch zutage. Vergleichen wir, wie in seine Göttergestalten der griechische Plastiker hineingeheimnißt hat das Menschlich-Persönliche! Wir können sagen: So wie uns ein griechisches plastisches Kunstwerk entgegentritt, soweit es durch physische Mittel zu erkennen ist, so steht der Mensch ganz als Persönlichkeit vor uns. Und wenn wir bei den Kunstwerken der Griechen nicht vergessen könnten, daß dieser Inkarnation, die uns da ausgedrückt wird, andere Inkarnationen vorangingen: und andere folgen werden, wenn wir nur einen Augenblick denken würden, daß der Apollogestalt und Zeusgestalt nur eine einzelne Inkarnation aus vielen zugrundeliegt, so würden wir nicht richtig empfinden dem griechischen Kunstwerk gegenüber. Da müssen wir vergessen können, daß der Mensch in aufeinanderfolgenden Inkarnationen sich verkörperte. Da ist die Persönlichkeit ganz hineingegossen in die Form der einen Persönlichkeit. Und so war das ganze Leben der Griechen.
[ 11 ] When we consider this picture of human history, of occult history, we will find it understandable that a soul who was incarnated during the Indian and then the Persian epochs could have been imbued with the inspiring element of an individuality from the higher hierarchies; but that then, when it entered the Greco-Latin era, this soul was left to itself, that this soul worked in such a way that the I worked within the I. All that which in the pre-Greek epoch appears for all the individual cycles of the post-Atlantean cultures as a divine inspiration, as a revelation from above—and this also holds true at the beginning of the Greek cultural period for the 9th, 10th, 11th centuries of the pre-Christian era—what presents itself to us as an inspired culture, into which flows from without that which is meant to sustain it spiritually, increasingly takes shape as a purely human-personal self-expression. And this finds its strongest expression precisely in Greek civilization. No era before has seen, nor will any era after be able to see, such an expression of the outer human being—as it manifests itself in the physical world—for what the human being is as a self-conscious I-being. The purely human-personal, the human-personal that is entirely self-contained, comes to light historically in the ancient way of life of the Greeks and in their creations. Let us compare how the Greek sculptor has imbued his divine figures with the human-personal! We can say: Just as a Greek sculptural work of art confronts us, insofar as it can be perceived through physical means, so does the human being stand before us entirely as a personality. And if, when considering the works of art of the Greeks, we could not forget that this incarnation, which is expressed to us there, was preceded by other incarnations—and will be followed by others—if we were to think for just a moment that the figure of Apollo and the figure of Zeus are based on only a single incarnation out of many, then we would not perceive the Greek work of art correctly. There we must be able to forget that the human being has embodied himself in successive incarnations. There the personality is entirely poured into the form of that one personality. And such was the whole life of the Greeks.
[ 12 ] Gehen wir dagegen weiter zurück, da werden die Gestalten symbolisch; da deuten die Gestalten etwas an, was nicht rein menschlich ist, da drücken sie etwas aus, was der Mensch noch nicht in sich selber fühlt. Da konnte er nur in Symbolen ausdrücken, was hereinkam aus göttlich-geistigen Welten. Daher die alte symbolisierende Kunst. — Und sehen wir wiederum, wie die Kunst heraufkommt gerade zu dem Volk, welches das Material hergeben soll zu unserem, zum fünften Kulturzeitraum — wir brauchen uns da nur die ältere deutsche Kunst zu vergegenwärtigen -—, da sehen wir, wie wir es nicht mit einer Symbolik, aber auch nicht mit einer Ausprägung des rein Menschlichen zu tun haben, sondern mit dem in sich vertieften Seelischen; wir sehen, wie da das Seelische sozusagen nicht ganz hineinkann in die Menschengestalt. Wer könnte gerade die Gestalten Albrecht Dürers anders charakterisieren, als daß bei ihnen dasjenige, was nach der übersinnlichen Welt im Menschen verlangt, man möchte sagen, im griechischen Sinne genommen nur einen unvollkommenen Ausdruck findet in der äußeren Ausgestaltung der Körperlichkeit. Daher die Vertiefung nach dem Seelischen, je weiter die Kunst heraufkommt.
[ 12 ] If, on the other hand, we go further back, the figures become symbolic; there, the figures hint at something that is not purely human; there, they express something that human beings do not yet feel within themselves. There, he could only express in symbols what came from divine-spiritual worlds. Hence the ancient symbolic art. — And let us again observe how art emerges precisely among the people who are to provide the material for our fifth cultural epoch—we need only recall older German art—; there we see that we are dealing neither with symbolism nor with a manifestation of the purely human, but with the soul life deep within; we see how the soul, so to speak, cannot quite fit into the human form. Who could characterize the figures of Albrecht Dürer in any other way than to say that in them, that which in man yearns for the supersensible world—one might say, in the Greek sense—finds only an imperfect expression in the outward form of physicality. Hence the deepening toward the soul, the further the art ascends.
[ 13 ] Und jetzt werden Sie es nicht mehr unbegreiflich finden, daß ich in der ersten Stunde sagte: Es erscheint in der physischen Welt das, was früher verkörpert war, wie ein Abbild; in die Individualität flossen herein Wesenheiten der höheren Hierarchien. So daß, wenn wir von einem Menschen der griechischen Welt in früheren Zeiten sagen müssen, er war inkarniert, wir nicht nur diese in sich geschlossene Wesenheit sehen müssen, sondern hinter ihr stehend die Individualität einer höheren Hierarchie. So tritt uns in der griechisch-lateinischen Periode Alexander, so tritt uns Aristoteles gegenüber. Wir verfolgen ihre Individualitäten nach rückwärts. Da müssen wir von Alexander zurückgehen zu Gilgamesch und sagen: Bei Gilgamesch ist diese Individualität, die dann wie auf den physischen Plan herausprojiziert als Alexander erscheint; hinter ihr müssen wir einen Feuergeist sehen, der sich seiner als Werkzeug bedient. Und bei Aristoteles sehen wir, zurückgehend in der Zeit, die Mächte des alten Hellsehens wirken in dem Freunde des Gilgamesch. So also sehen wir sowohl junge wie alte Seelen, hinter denen früher Hellsichtigkeit stand, ganz herausgestellt in der griechischen Zeit auf den physischen Plan. Und so tritt uns das ganz besonders bei der großen Mathematikerin Hypatia entgegen, bei der sozusagen die ganze mathematische und philosophische Weisheit ihrer Zeit als persönliches Können, als persönliche Wissenschaft und Weisheit lebte. Das war abgeschlossen in der Persönlichkeit der Hypatia. Und wir werden noch sehen, wie diese Individualität gerade die weibliche Persönlichkeit annehmen mußte, um eine so weiche Zusammengeschlossenheit alles dessen auszuprägen, was sie früher aufgenommen hatte in den orphischen Mysterien, um alles das als persönliche Wirkungsweise auszuprägen, was sie dort vermittels der Inspiratoren als ein Schüler der orphischen Mysterien aufgenommen hatte.
[ 13 ] And now you will no longer find it incomprehensible that I said in the first lecture: What was once embodied appears in the physical world as an image; beings from the higher hierarchies flowed into the individuality. So that when we speak of a person from the Greek world in earlier times and say that he was incarnated, we must not only see this self-contained being, but also, standing behind it, the individuality of a higher hierarchy. Thus Alexander appears to us in the Greco-Roman period, and thus Aristotle stands before us. We trace their individualities backward. There we must go back from Alexander to Gilgamesh and say: In Gilgamesh is this individuality, which then appears, as if projected onto the physical plane, as Alexander; behind it we must see a fire spirit that makes use of him as an instrument. And in Aristotle, looking back in time, we see the powers of ancient clairvoyance at work in the friend of Gilgamesh. Thus we see both young and old souls, behind whom clairvoyance once stood, fully manifested on the physical plane during the Greek era. And this is particularly evident in the great mathematician Hypatia, in whom, so to speak, the entire mathematical and philosophical wisdom of her time lived as personal skill, as personal science and wisdom. This was embodied in the personality of Hypatia. And we shall yet see how this individuality had to take on the form of the female personality in order to express such a gentle synthesis of all that she had previously absorbed in the Orphic Mysteries, in order to express as a personal mode of action all that she had received there through the inspirers as a student of the Orphic Mysteries.
[ 14 ] So sehen wir also, wie in aufeinanderfolgende Menschheitsinkarnationen Einflüsse aus der geistigen Welt modifizierend eintreten. Und nur hinweisen kann ich darauf, daß gerade eine solche Individualität wie diejenige, die als Hypatia inkarniert war, die also mitbrachte die Weisheit der orphischen Mysterien und sie persönlich auslebte, dann in einer nachfolgenden Inkarnation berufen war, nun den umgekehrten Weg einzuschlagen: alle persönliche Weisheit wiederum hinaufzutragen zum Göttlich-Geistigen. Daher erscheint Hypatia ungefähr um die Wende des 12. zum 13. Jahrhundert als ein bedeutender, umfassender, universeller Geist der neueren Geschichte, der einen großen Einfluß hat auf das, was Zusammenfassung des naturwissenschaftlichen und auch des philosophischen Erkennens ist. So also sehen wir, wie hineindringen in die aufeinanderfolgenden Inkarnationen der einzelnen Individualitäten die historischen Mächte.
[ 14 ] Thus we see how influences from the spiritual world come to bear in successive human incarnations, shaping them. And I can only point out that it was precisely an individuality such as that which was incarnated as Hypatia—who thus brought with her the wisdom of the Orphic Mysteries and lived it out personally—who was then called upon in a subsequent incarnation to take the opposite path: to carry all personal wisdom back up to the Divine-Spiritual. Thus, around the turn of the 12th to the 13th century, Hypatia appears as a significant, comprehensive, universal spirit of recent history, exerting a great influence on what constitutes the synthesis of scientific and philosophical knowledge. Thus we see how historical forces penetrate the successive incarnations of individual personalities.
[ 15 ] Wenn wir so den Verlauf der Geschichte betrachten, dann sehen wir wirklich eine Art Niederstieg aus geistigen Höhen bis in die griechischlateinische Zeit und dann wiederum einen Aufstieg: ein Aufsammeln des rein vom physischen Plan zu gewinnenden Materials während der griechischen Zeit — das dauert natürlich herein bis in unsere Zeit —- und ein Wiederhinauftragen in die geistige Welt, zu dem ein Impuls geschaffen werden soll durch die Geisteswissenschaft, und wozu schon einen instinktiven Impuls gehabt hat eine solche Persönlichkeit wie Hypatia, die im 13. Jahrhundert wieder verkörpert war.
[ 15 ] When we look at the course of history in this way, we truly see a kind of descent from spiritual heights down into the Greco-Roman era, and then an ascent once more: a gathering of material to be gained purely from the physical plane during the Greek era—which, of course, extends right into our own time—and a carrying back up into the spiritual world, for which an impulse is to be created through spiritual science, and for which a personality such as Hypatia, who was reincarnated in the 13th century, had already possessed an instinctive impulse.
[ 16 ] Ich möchte an dieser Stelle, meine lieben Freunde, weil die allgemeine Theosophische Gesellschaft in gewisser Beziehung ein Tummelplatz ist von Mißverständnissen, ich möchte hinweisen darauf, daß wirklich unendlich viel von diesen Mißverständnissen wie rein aus den Fingern gesogen ist. So will man gerne dasjenige, was zum Beispiel hier vorgetragen wird innerhalb unserer deutschen Bewegung, in einen gewissen Gegensatz bringen zu dem, was ursprünglich die Offenbarung der theosophischen Bewegung in der neueren Zeit war. Deshalb ergreife ich gerne die Gelegenheit, darauf hinzuweisen, wie das, was hier aus ursprünglich rosenkreuzerischem Quell gegeben wird, in Harmonie steht mit mancherlei von dem, was gerade ursprünglich der theosophischen Bewegung gegeben worden ist. Und wir haben ja in diesem Augenblick gerade Gelegenheit, auf etwas hinzuweisen, was von dieser Art ist. Es ist also von mir gesagt und ganz unabhängig von Traditionen entwickelt worden, daß gewisse spätere historische Persönlichkeiten gleichsam die Schattenbilder sind von früheren, durch die Mythen dargestellten Persönlichkeiten, hinter denen höhere Hierarchien stehen. Solches darf man nicht in Widerspruch bringen mit denjenigen Manifestationen, die durch H.P. Blavatsky in die Theosophische Gesellschaft hineingebracht worden sind. Denn sonst könnte man durch ein reines Mißverständnis sich sehr wohl in einen Widerspruch versetzen zu den guten alten Lehren, die durch das außerordentliche, brauchbare Instrument von H.P.Blavatsky der theosophischen Bewegung zugeflossen sind. Aber in bezug auf das, was hier entwickelt worden ist, möchte ich Ihnen eine Stelle aus den späteren Schriften der Blavatsky vorlesen, wo sie auf die «Entschleierte Isis», ihr ältestes okkultes Werk, hinweist. Da möchte ich die folgende Stelle Ihnen vorlesen, damit Sie sehen, wie das, was von solchem Widerspruch gesagt wird, im Grunde genommen, ich kann nicht anders sagen, aus den Fingern gesogen ist:
[ 16 ] At this point, my dear friends, since the General Theosophical Society is, in a certain sense, a hotbed of misunderstandings, I would like to point out that an infinite number of these misunderstandings are truly pure fabrications. For example, people are quick to contrast what is presented here within our German movement with what was originally the revelation of the Theosophical Movement in modern times. That is why I am happy to take this opportunity to point out how what is presented here, originating from Rosicrucian sources, is in harmony with much of what was originally given to the Theosophical Movement. And we have, in fact, the very opportunity at this moment to point out something of this nature. It has thus been stated by me—and developed entirely independently of traditions—that certain later historical figures are, as it were, the shadow images of earlier figures depicted in myths, behind whom higher hierarchies stand. One must not bring this into contradiction with those teachings that were introduced into the Theosophical Society by H.P. Blavatsky. For otherwise, through a mere misunderstanding, one could very well find oneself in contradiction to the good old teachings that flowed into the Theosophical Movement through the extraordinary, useful instrument of H.P. Blavatsky. But with regard to what has been discussed here, I would like to read to you a passage from Blavatsky’s later writings, where she refers to *Isis Unveiled*, her earliest occult work. I would like to read the following passage to you so that you may see how what is said about such a contradiction is, in essence—I cannot put it any other way—purely fabricated:
[ 17 ] «Außer dem beständigen Wiederholen der alten stets bestehenden Tatsache von Reinkarnation und Karma — und zwar in der Art, wie es die älteste Wissenschaft der Welt, nicht der Spiritismus von heute, gelehrt hat — sollten die Okkultisten eine zyklische und mit der Evolution Schritt haltende Reinkarnation lehren: jene Art der Wiedergeburt, geheimnisvoll und noch unverständlich für die vielen, die nichts wissen von jener Geschichte der Welt, auf welche wir vorsichtig hingewiesen haben in der «Entschleierten Isis. Eine allgemeine Wiedergeburt für jedes Individuum mit Zwischenpausen von Kama Loca und Devachan, und eine zyklische bewußte Inkarnation mit einem großen und göttlichen Ziel für Wenige. Jene großen Charaktere, die in der Geschichte der Menschheit gleich Riesen emporragen, wie Siddharta Buddha und Jesus auf geistigem Gebiet, wie Alexander von Mazedonien und Napoleon der Große auf dem Gebiete physischer Eroberungen, sind nichts als widergespiegelte Bilder großer Urbilder, welche existierten — nicht vor zehntausend Jahren, wie in der «Entschleierten Isis> vorsichtig erwähnt wurde -, sondern während Millionen von aufeinanderfolgenden Jahren, vom Beginne des Mänvantara an. Denn wie oben erklärt wurde — mit Ausnahme der wirklichen Avataras sind diese Abbilder ihrer Urbilder, ein jedes entsprechend seiner eigenen ElternFlamme, dieselben ungebrochenen Strahlen (Monaden), genannt Devas, Dhyan Chohans oder Dhyanii Buddhas oder auch Planetengeister und so weiter, die durch äonenlange Ewigkeit gleich ihren Urbildern leuchten. Nach ihrem Bilde werden einige Menschen geboren, und wenn irgendein besonderes humanitäres Ziel in Aussicht genommen ist, werden diese letzteren hypostatisch beseelt von ihren göttlichen Urbildern, die immer wieder hervorgebracht werden durch die geheimnisvollen Mächte, welche die Schicksale der Welt leiten und lenken.»
[ 17 ] “Apart from constantly reiterating the age-old, ever-present fact of reincarnation and karma—specifically as taught by the world’s oldest science, not by modern spiritualism—occultists should teach a cyclical form of reincarnation that keeps pace with evolution: that kind of rebirth, mysterious and still incomprehensible to the many who know nothing of that history of the world to which we have cautiously alluded in *Isis Unveiled*. A general rebirth for every individual with intervals of Kama Loka and Devachan, and a cyclical, conscious incarnation with a great and divine goal for the few. Those great figures who tower like giants in the history of humanity—such as Siddhartha Buddha and Jesus in the spiritual realm, and Alexander of Macedonia and Napoleon the Great in the realm of physical conquests—are nothing but reflected images of great archetypes that existed — not ten thousand years ago, as was cautiously mentioned in *Isis Unveiled*, but over millions of successive years, from the beginning of the Manvantara. For as explained above—with the exception of the true Avatars, these images of their archetypes, each corresponding to its own parental flame, are the same unbroken rays (Monads), called Devas, Dhyan Chohans, or Dhyani Buddhas, or also Planetary Spirits and so on, which have shone like their archetypes through eons of eternity. Some human beings are born in their image, and when some special humanitarian goal is envisaged, these latter are hypostatically animated by their divine archetypes, which are brought forth again and again by the mysterious powers that guide and direct the destinies of the world.”
[ 18 ] «Mehr durfte nicht gesagt werden zu der Zeit, als die «Entschleierte Isis» geschrieben wurde; deshalb blieb das Gesagte beschränkt auf die bloße Bemerkung, daß es keinen hervorragenden Charakter in den Annalen der heiligen oder profanen Geschichte gibt, dessen Urbild wir nicht finden könnten in den halb sagenhaften und halb realen Überlieferungen vergangener Religionen und Mythologien. So wie der Stern, der in der schrankenlosen Unendlichkeit des Himmels in unermeßlicher Entfernung über unseren Häuptern strahlt, sich spiegelt in den stillen Gewässern eines Sees, so wird widergespiegelt das Bild der Menschheit vorsintflutlicher Zeiten in jenen Perioden, die wir mit einem geschichtlichen Rückblick umfassen können...»
[ 18 ] “No more could be said at the time when *The Unveiled Isis* was written; therefore, what was said was limited to the mere observation that there is no outstanding figure in the annals of sacred or secular history whose archetype we could not find in the half-legendary and half-real traditions of past religions and mythologies. Just as the star that shines in the boundless infinity of the heavens at an immeasurable distance above our heads is reflected in the still waters of a lake, so is the image of humanity in antediluvian times reflected in those periods that we can encompass with a historical retrospective...”
[ 19 ] Wie gesagt, ich ergreife gerne die Gelegenheit, um die Übereinstimmung dessen, was wir in unmittelbarer Gegenwart erforschen können, mit dem, was in gewisser Beziehung ursprüngliche Offenbarung war, hervorzuheben. Sie wissen ja, daß es Grundsatz hier ist, in gewisser Hinsicht treu festzuhalten an den Traditionen der theosophischen Bewegung; daß aber auch nichts ungeprüft hier wiederholt wird, das betone ich ausdrücklich; darauf kommt es an. Wo eine Übereinstimmung des Erkannten mit anderem betont werden kann, soll es wegen der Kontinuität der Theosophischen Gesellschaft scharf hervorgehoben werden, der Gerechtigkeit gemäß; aber ungeprüft soll nichts einfach wiederholt werden. Das hängt mit der Mission zusammen, die wir gerade innerhalb unserer deutschen theosophischen Bewegung haben — eben den eigenen Einschlag hineinzutragen, den individuellen Einschlag in diese theosophische Bewegung. Aber gerade solche Beispiele können Ihnen ein Bild davon geben, wie unbegründet das Vorurteil ist, das da und dort hervorwächst, als ob wir durchaus in den Dingen immer etwas anderes haben wollten. Wir arbeiten treu weiter, wir kramen nicht sozusagen immerfort die alten Dogmen aus, wir prüfen auch das, was heute von anderer Seite geboten wird. Und wir vertreten das, was mit dem besten okkulten Gewissen gesagt werden kann auf Grundlage der ursprünglichen okkulten Forschungen und der Methoden, die uns überliefert sind durch unsere eigenen heiligen Überlieferungen des Rosenkreuzes.
[ 19 ] As I said, I am happy to take this opportunity to emphasize the correspondence between what we can investigate in the immediate present and what, in a certain sense, was the original revelation. You know, of course, that it is our principle here to hold fast, in a certain sense, to the traditions of the Theosophical Movement; but I wish to emphasize explicitly that nothing is repeated here without being examined—that is what matters. Where a correspondence between what has been recognized and other knowledge can be emphasized, it should be sharply highlighted for the sake of the continuity of the Theosophical Society, in accordance with justice; but nothing should simply be repeated without verification. This is connected to the mission we have specifically within our German Theosophical Movement—namely, to bring our own unique contribution, our individual contribution, into this Theosophical Movement. But precisely such examples can give you a picture of how unfounded the prejudice is that arises here and there, as if we always wanted something different in these matters. We continue to work faithfully; we do not, so to speak, constantly dig up the old dogmas; we also examine what is offered today from other quarters. And we uphold what can be said with the best occult conscience, based on the original occult research and the methods handed down to us through our own sacred traditions of the Rosicrucians.
[ 20 ] Es ist nun außerordentlich interessant, an einer einzelnen Persönlichkeit zu zeigen, wie gewissermaßen das Alte, das in die Menschheit hereininspiriert worden ist unter dem Einfluß höherer Mächte, sozusagen einen auf den physischen Plan hingeordneten Charakter bei den Menschen des griechisch-lateinischen Zeitalters angenommen hat. Da können wir als ein Beispiel anführen, wie Eabani in derjenigen seiner Inkarnationen, die zwischen der Persönlichkeit des Eabani und des Aristoteles liegt, unter dem Einfluß der alten Mysterienlehren mit ihren aus den übersinnlichen Welten herabkommenden Kräften aufnehmen konnte das, worauf eigentlich in gewissen Mysterienschulen die Fortentwickelung der menschlichen Seele beruht. Wir wollen jetzt nicht wiederholen, was Charaktereigentümlichkeit der verschiedenen Mysterienschulen war, wir wollen auf eine Art derselben unseren geistigen Blick richten, auf jene, wo durch die Erregung ganz bestimmter Gefühle die Seele fortentwickelt wurde, so daß sie eindringen lernte in die überphysische Welt. In solchen Mysterien wurden in der Seele namentlich jene Empfindungen, jene Impulse erregt, die geeignet waren, von Grund aus allen Egoismus auszurotten aus der Seele. Es wurde der Seele klargemacht, wie sie im Grunde genommen immer egoistisch sein muß, wenn sie im physischen Leibe verkörpert ist. Es wurde der ganze Umfang und die ganze Bedeutung des Egoismus für den physischen Plan sozusagen in Impulsen auf die entsprechende Seele abgeladen. Und tief, tief zerknirscht fühlte sich eine solche Seele, die sich sagen mußte: Ich habe bisher nichts anderes gekannt als den Egoismus, ich kann ja im physischen Leibe gar nichts anderes sein als ein Egoist. Ja, weit ist eine solche Seele entfernt worden von dem billigen Standpunkte solcher Menschen, die als jedes zweite Wort im Munde führen: Ich will ja die Sache nicht für mich, sondern für einen anderen. Den Egoismus zu überwinden und den Zug nach dem Allgemein-Menschlichen und Kosmischen sich anzueignen, ist nicht so leicht, wie mancher sich vorstellt. Diesem Aneignen muß vorangehen eine völlige Niederschmetterung der Seele über den Umfang des Egoismus in den Impulsen dieser Seele. Mitleid mit allem Menschlichen, mit allem Kosmischen mußte die Seele lernen in den Mysterien, die ich da meine, Mitleid durch die Überwindung des physischen Planes. Dann konnte man von ihr hoffen, daß sie wieder heruntertragen würde aus den höheren Welten das wahrhafte Mitgefühl für alles Lebendige und alles Seiende.
[ 20 ] It is now extremely interesting to demonstrate, using a single individual as an example, how the ancient wisdom that was inspired into humanity under the influence of higher powers has, so to speak, taken on a character adapted to the physical plane among the people of the Greco-Roman era. We can cite as an example how Eabani, in that incarnation of his which lies between the personalities of Eabani and Aristotle, was able—under the influence of the ancient mystery teachings with their forces descending from the supersensible worlds—to absorb that upon which the further development of the human soul actually rests in certain mystery schools. We do not wish to repeat here what the distinctive characteristics of the various mystery schools were; rather, we wish to direct our spiritual gaze toward a certain type of them—those in which the soul was developed through the arousal of very specific feelings, so that it learned to penetrate the supersensible world. In such mysteries, those feelings and impulses were specifically aroused in the soul that were suited to eradicating all egoism from the soul at its very root. It was made clear to the soul how, fundamentally speaking, it must always be egoistic when embodied in the physical body. The full scope and significance of egoism for the physical plane was, so to speak, poured out in impulses upon the corresponding soul. And deeply, deeply contrite did such a soul feel, having to say to itself: I have known nothing but egoism until now; in the physical body I can be nothing other than an egoist. Indeed, such a soul has been far removed from the shallow perspective of those people who have as their every other word: “I do not want this for myself, but for another.” Overcoming egoism and acquiring the impulse toward the universal human and the cosmic is not as easy as some imagine. This acquisition must be preceded by a complete shattering of the soul over the extent of the egoism in the impulses of that soul. Compassion for all that is human, for all that is cosmic, the soul had to learn in the Mysteries I am referring to—compassion through the overcoming of the physical plane. Then one could hope that it would bring down again from the higher worlds true compassion for all that lives and all that exists.
[ 21 ] Aber noch ein anderes Gefühl sollte namentlich entwickelt werden als ein Hauptgefühl neben mancherlei anderem. Wenn der Mensch eindringen soll in die geistige Welt, dann muß er sich klar sein, daß dort alles anders ist als in der physischen Welt. Wie vor einem völlig Unbekannten muß man stehen, wenn man der geistigen Welt Auge in Auge gegenübertritt. Da ist wirklich das Gefühl vorhanden, durch das man in Gefahr gerät, das Gefühl der Furcht vor dem Unbekannten. Und deshalb mußte die Seele in solchen Mysterien durchleben alles, was die Seele des Menschen überhaupt an Furcht und Angst und Schreck und Grauen erleben konnte, um sich abzugewöhnen die Gefühle von Furcht und Angst und Schreck und Grauen. Dann war der Mensch gewappnet, hinaufzusteigen in die ihrem Inhalte nach ihm unbekannte geistige Welt. So mußte also die Seele des Schülers der Mysterien durchgehen durch die Erziehung zum umfassenden universellen Gefühl des Mitleids und zum universellen Gefühl der Furchtlosigkeit. Das machte jede Seele in denjenigen alten Mysterien durch, an denen Eabani teilnahm, als er wieder erschienen war in der Inkarnation, die zwischen Eabani und Aristoteles steht. Das machte auch er durch. Und nun trat das wie eine Erinnerung an frühere Inkarnationen in Aristoteles zutage. Er konnte deshalb die Theorie der Tragödie geben, weil er aus solchen Erinnerungen heraus beim Anschauen der griechischen Tragödie darauf kam, wie in dieser ein Nachklang ist, gleichsam ein äußeres, auf den physischen Plan herausgetragenes Nachspiel der Mysterienerziehung, wo die Seele durch Mitleid und Furcht geläutert wird. So sollte der dramatische Held und der ganze Aufbau einer Tragödie vor den Zuschauern etwas darleben, woran der Zuschauer abgeschwächt erleben kann Mitleid mit dem Schicksal des tragischen Helden und Furcht vor dem Ausgang seines Schicksals, vor dem schauervollen Tod, der ihm winkt. So war hineinverwoben in den dramatischen Fortgang der Tragödie, in das Weben und Leben der Tragödie, was in der Seele des alten Mysten vorging: die Läuterung, die Reinigung, die Katharsis durch Furcht und Mitleid. Und wie ein Nachklang sollte auf dem physischen Plan der Angehörige der griechischen Kulturperiode empfinden den Durchgang durch Furcht und Mitleid. Künstlerisch sollte man erleben, ästhetisch genießen das, was früher ein großes Erziehungsprinzip war. Und als das, was Aristoteles in früheren Inkarnationen gelernt hatte, in seine Persönlichkeit kam, da war er der geeignete Mann, diese eigenartige Definition der Tragödie zu geben, die so klassisch geworden ist und so großartig gewirkt hat, daß sie im 18. Jahrhundert noch von Lessing aufgenommen wurde und durch das 19. Jahrhundert hindurch eine solche Rolle gespielt hat, daß über diese Definition ganze Bibliotheken geschrieben worden sind. Man würde übrigens nicht viel verlieren, wenn der größte Teil dessen, was in den Bibliotheken liegt, verbrannt würde, denn es wurde mit einem vollständigen Verkennen dessen geschrieben, was vorhin gesagt worden ist, daß wir es nämlich damit zu tun haben, daß in die Kunst etwas herunterprojiziert wird, was im Geistigen liegt. Und die das schrieben, ahnten nicht, daß Aristoteles ein altes Mysteriengeheimnis gab, wenn er sagte: Eine Tragödie ist eine Zusammenfügung aufeinanderfolgender Handlungen, die gruppiert werden um einen Helden und die geeignet sind, im Zuschauer das Gefühl von Furcht und Mitleid zu erregen, damit eine Läuterung in der Seele des Zuschauers eintreten könne.
[ 21 ] But there is yet another feeling that must be developed specifically as a primary feeling alongside many others. If a person is to enter the spiritual world, they must be clear that everything there is different from the physical world. One must stand before something completely unknown when facing the spiritual world eye to eye. There truly exists a feeling that puts one in danger: the feeling of fear of the unknown. And that is why, in such mysteries, the soul had to experience everything that the human soul could possibly experience in terms of fear, anxiety, terror, and horror, in order to wean itself from these very feelings of fear, anxiety, terror, and horror. Then the human being was prepared to ascend into the spiritual world, the contents of which were unknown to him. Thus the soul of the initiate had to pass through training in the comprehensive universal feeling of compassion and in the universal feeling of fearlessness. Every soul underwent this in those ancient mysteries in which Eabani participated when he reappeared in the incarnation that lies between Eabani and Aristotle. He, too, underwent this. And now this came to light in Aristotle as a memory of earlier incarnations. He was able to formulate the theory of tragedy because, drawing on such memories while observing Greek tragedy, he realized how it contains an echo—as it were, an external, physical manifestation of the aftermath of the mystery training, in which the soul is purified through compassion and fear. Thus the dramatic hero and the entire structure of a tragedy were to enact before the audience something through which the spectator could experience, albeit in a mitigated form, compassion for the fate of the tragic hero and fear of the outcome of his fate, of the terrifying death that beckons him. Thus, woven into the dramatic unfolding of the tragedy, into the fabric and life of the tragedy, was what took place in the soul of the ancient mystic: the purification, the cleansing, the catharsis through fear and compassion. And like an echo, the member of the Greek cultural period was to experience on the physical plane the passage through fear and compassion. Artistically, one was to experience, aesthetically enjoy, what had formerly been a great educational principle. And when what Aristotle had learned in earlier incarnations entered his personality, he was the right man to give this unique definition of tragedy, which has become so classical and had such a magnificent effect that it was still taken up by Lessing in the 18th century and played such a role throughout the 19th century that entire libraries have been written about this definition. Incidentally, one would not lose much if most of what lies in the libraries were burned, for it was written with a complete misunderstanding of what was said earlier—namely, that we are dealing with something being projected down into art from the spiritual realm. And those who wrote this did not realize that Aristotle was revealing an ancient mystery when he said: A tragedy is a composition of successive actions, grouped around a hero, and capable of arousing in the spectator a feeling of fear and pity, so that a catharsis may take place in the spectator’s soul.
[ 22 ] So sehen wir, daß in einer einzelnen Persönlichkeit, in dem, was sie will und sagt, abschattiert ist, was uns nur dann verständlich wird, wenn wir durch die Persönlichkeit durchblicken auf denjenigen, der dahintersteht, auf den Inspirator. Erst wenn Sie die Geschichte so betrachten, können Sie sehen, was die Persönlichkeit und was die überpersönlichen Mächte für das geschichtliche Leben bedeuten, wie da etwas hereinspielt in die individuellen Inkarnationen, was Frau Blavatsky nennt das Zusammenspiel von persönlichen individuellen Inkarnationen, und dem, was sie schildert, indem sie sagt: «Aber neben der alten stets bestehenden Tatsache von Reinkarnation und Karma sollten die Okkultisten eine zyklische und mit der Evolution Schritt haltende Reinkarnation verkünden» und so weiter. Sie nennt das eine bewußte Reinkarnation, weil für die meisten Menschen doch heute die aufeinanderfolgenden Inkarnationen für das Ich unbewußt bleiben, während die geistigen Mächte, die da von oben hereinwirken, in der Tat mit Bewußtsein ihre Kraft von einem Zeitalter in das andere zyklisch hinübertragen.
[ 22 ] Thus we see that within a single personality—in what she wills and says—there is a reflection of something that becomes comprehensible to us only when we look through the personality to the one who stands behind it, to the inspirer. Only when you view history in this way can you see what the personality and the superpersonal forces mean for historical life, how something comes into play in the individual incarnations—what Madame Blavatsky calls the interplay of personal, individual incarnations—and what she describes when she says: “But alongside the ancient, ever-present fact of reincarnation and karma, occultists should proclaim a cyclical reincarnation that keeps pace with evolution” and so on. She calls this conscious reincarnation, because for most people today the successive incarnations remain unconscious to the ego, whereas the spiritual forces acting from above do in fact carry their power cyclically from one age to the next with consciousness.
[ 23 ] Das also, was da steht als eine Offenbarung dessen, was Blavatsky in ihrer ersten Zeit aus den Rosenkreuzermysterien heraus sagte, das ist durchaus zu kontrollieren und festzustellen durch ursprüngliche Forschungen. Daraus aber werden Sie sehen, daß jene bequeme Art, die eine Inkarnation immer nur als die Wirkung einer vorhergehenden Verkörperung auffaßt, wesentlich modifiziert wird. Und Sie werden begreifen, daß Reinkarnation eine viel kompliziertere Tatsachenwelt ist, als man gewöhnlich annimmt, und daß wir sie vollkommen nur dann verstehen, wenn wir den Menschen angliedern an eine höhere überphysische Welt, die fortwährend in unsere Welt hereinwirkt. Wir können sagen, daß in jenem Zwischenraum, den wir als die griechisch-lateinische Kultur bezeichnen, dem Menschen Zeit gelassen wurde, alles das, was aus höheren Welten in die Seele durch lange Inkarnationenreihen hindurch gelegt worden war, nachzuempfinden, nachklingen zu lassen einmal über einem rein menschlichen Ich. Was die griechisch-lateinische Welt auslebte, war wie ein menschlich-persönliches Ausleben unendlicher Erinnerungen, die früher von höheren Welten in dieselben Individualitäten hineingelegt worden waren. Dürfen wir uns deshalb wundern, wenn die bedeutendsten Geister gerade der griechischen Welt das sich besonders zum Bewußtsein bringen? Sie sagten sich, wenn sie hineinschauten in ihre Innenwelt: Da strömt es heraus, da dehnen sich Welten in unsere Persönlichkeit hinein; die sind aber Erinnerungen an das, was früher von den geistigen Welten hineingegossen worden ist in uns. — Lesen Sie bei Plato, wie er das, was der Mensch erleben kann, zurückführt auf eine Erinnerung der Seele an ihre vergangenen Erlebnisse. Da sehen Sie, wie aus einem tief realen Bewußtsein der vierten nachatlantischen Epoche heraus ein solcher Geist wie Plato geschöpft hat. Wir lernen erst verstehen, was solch ein einzelner Ausspruch einer so markanten Persönlichkeit bedeutet, wenn wir okkult hineinschauen können in den Geist der Epochen.
[ 23 ] What is presented here as a revelation of what Blavatsky stated in her early days regarding the Rosicrucian mysteries can certainly be verified and confirmed through original research. From this, however, you will see that the convenient approach which always regards an incarnation merely as the effect of a previous incarnation is significantly modified. And you will understand that reincarnation is a far more complex reality than is commonly assumed, and that we can only fully understand it when we connect human beings to a higher, superphysical world that continually influences our own. We can say that in that intermediate period we call the Greco-Roman culture, human beings were given time to re-experience and allow to resonate, once upon a purely human ego, all that had been placed into the soul from higher worlds through long series of incarnations. What the Greco-Roman world lived out was like a human-personal living out of infinite memories that had previously been placed into those same individualities from higher worlds. Should we therefore be surprised if the most significant minds of the Greek world in particular bring this to consciousness? When they looked into their inner world, they said to themselves: There it flows out; there worlds expand into our personality; but these are memories of what was once poured into us from the spiritual worlds. — Read in Plato how he traces what a human being can experience back to a memory of the soul of its past experiences. There you see how a spirit such as Plato drew from a deeply real consciousness of the fourth post-Atlantean epoch. We only begin to understand what such a single utterance from such a striking personality means when we can look inward occultly into the spirit of the epochs.
