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An Occult Physiology
GA 128

22 March 1911, Prague

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Dritter Vortrag

Third Lecture

[ 1 ] Diese drei ersten Vorträge, einschließlich des heutigen, sind dazu bestimmt, uns im allgemeinen über das zu orientieren, was für das Leben, für die Wesenheit des Menschen in Betracht kommt. Daher werden in diesen ersten Vorträgen zunächst einige wichtige Begriffe gegeben werden, die ja sonst, weil die genaueren Ausführungen natürlich erst folgen sollen, ein bißchen in der Luft hängen würden. Es ist besser, wenn wir uns erst einen Überblick über die ganze Art aneignen, wie man den Menschen im okkulten Sinne zu betrachten hat, um dann in diese Betrachtung, die wir vorläufig als eine hypothetische hinnehmen, das hineinzubauen, was uns als die tieferen Gründe erscheinen kann.

[ 1 ] These first three lectures, including today’s, are intended to provide us with a general orientation regarding what is relevant to life and to the essence of the human being. Therefore, in these initial lectures, we will first introduce some key concepts that would otherwise remain somewhat vague, since the more detailed explanations are, of course, to follow later. It is better if we first acquire an overview of the entire approach to viewing the human being in the occult sense, so that we can then incorporate into this perspective—which we will provisionally accept as hypothetical—what may appear to us as the deeper reasons.

[ 2 ] Nun habe ich am Ende des gestrigen Vortrages bereits eines ausgeführt. Ich versuchte zu zeigen, daß der Mensch durch gewisse Seelenübungen, durch starke Gedanken- und Empfindungskonzentration eine andere Art seines Lebenszustandes hervorrufen kann, als es die gewöhnliche ist. Der gewöhnliche Lebenszustand drückt sich ja dadurch aus, daß wir im wachen Tagesleben eine enge Verbindung haben zwischen Nerven und Blut. Wenn wir uns schematisch ausdrücken wollen, können wir so sagen: Was durch die Nerven geschieht, schreibt sich ein in die Tafel des Blutes. Durch Seelenübungen bringt man es nun dahin, die Nerven so stark anzuspannen, daß deren Tätigkeit sich nicht mehr hineinerstreckt bis ins Blut, sondern daß diese Tätigkeit wie in den Nerv selber zurückgeworfen wird. Weilnun das Blut das Werkzeug unseres Ich ist, fühlt sich dann ein Mensch, welcher durch starke Empfindungs- und Gedankenkonzentration gleichsam sein Nervensystem freigemacht hat vom Blute, wie entfremdet seiner eigenen gewöhnlichen Wesenheit, wie herausgehoben aus ihr, er fühlt sich gleichsam ihr gegenüberstehend, so daß er zu dieser seiner gewöhnlichen Wesenheit nicht mehr sagen kann: das bin ich -, sondern sagen kann: das bist du. Er tritt also sich selbst so gegenüber wie einer fremden, in der physischen Welt lebenden Persönlichkeit. Wenn wir einmal ein wenig auf den Lebenszustand eines solchen, in einer gewissen Art hellsichtig gewordenen Menschen eingehen, so müssen wir sagen: Ein solcher fühlt sich so, wie wenn eine höhere Wesenheit in sein Seelenleben hineinragen würde. — Es ist dies ein ganz anderes Gefühl, als man es hat, wenn man im normalen Lebenszustand der Außenwelt gegenübersteht. Im gewöhnlichen Leben fühlt man sich den Dingen und Wesenheiten der äußeren Welt, Tieren, Pflanzen und so weiter, gegenüber fremd, man fühlt sich als ein Wesen neben ihnen oder außerhalb ihrer stehend. Man weiß ganz genau, wenn man eine Blume vor sich hat: Die Blume ist dort, und ich bin hier. - Anders ist das, wenn man auf die gekennzeichnete Art sich aus seinem subjektiven Ich heraushebt, wenn man durch Losreißen seines Nervensystems vom Blutsystem in die geistige Welt hinaufsteigt. Dann fühlt man nicht mehr: da ist das fremde Wesen, das uns gegenüberrtritt, und hier sind wir -, sondern dann ist es so, wie wenn das andere Wesen in uns eindringen würde und wir uns mit ihm eins fühlten. So darf man sagen: Der hellsichtig werdende Mensch beginnt bei fortgeschrittener Beobachtung die geistige Welt kennenzulernen, jene geistige Welt, mit der der Mensch in steter Verbindung steht und die ja auch im gewöhnlichen Leben durch unser Nervensystem auf dem Umwege durch die Sinneseindrücke zu uns kommt.

[ 2 ] I already touched on this at the end of yesterday’s lecture. I tried to show that through certain spiritual exercises, through intense concentration of thought and feeling, a person can bring about a state of being that differs from the ordinary one. The ordinary state of life is expressed by the fact that in our waking daily life there is a close connection between the nerves and the blood. To put it schematically, we can say: What happens through the nerves is inscribed in the tablet of the blood. Through spiritual exercises, one can now bring about a state in which the nerves are so strongly tensed that their activity no longer extends into the blood, but rather is reflected back into the nerve itself. Since the blood is the instrument of our ego, a person who, through intense concentration of feeling and thought, has, as it were, freed their nervous system from the blood, feels alienated from their own ordinary being, as if lifted out of it; they feel, as it were, standing opposite it, so that they can no longer say of this ordinary being of theirs: “That is me”—but can say: “That is you.” He thus stands before himself as before a foreign personality living in the physical world. If we consider for a moment the state of life of such a person, who has in a certain sense become clairvoyant, we must say: Such a person feels as if a higher being were reaching into his soul life. — This is a completely different feeling from what one has when facing the external world in the normal state of life. In ordinary life, one feels alien to the things and beings of the external world—animals, plants, and so on—one feels oneself as a being standing beside them or outside of them. One knows quite clearly, when one has a flower before one: The flower is there, and I am here. - It is different when one lifts oneself out of one’s subjective “I” in the manner described, when one ascends into the spiritual world by detaching one’s nervous system from the circulatory system. Then one no longer feels: “There is the foreign being standing opposite us, and here we are”—but rather, it is as if the other being were entering into us and we felt at one with it. Thus one may say: The person becoming clairvoyant begins, through advanced observation, to get to know the spiritual world—that spiritual world with which the human being is in constant connection and which, indeed, also reaches us in ordinary life through our nervous system, indirectly via sensory impressions.

[ 3 ] Diese geistige Welt also, von welcher der Mensch im normalen Bewußtseinszustand zunächst nichts weiß, ist es, die sich dann einschreibt in unsere Bluttafel und dadurch in unser individuelles Ich. Wir dürfen nämlich sagen: Alle dem, was uns äußerlich in der Sinneswelt umgibt, liegt eine geistige Welt zugrunde, die wir nur wie durch einen Schleier sehen, der durch die Sinneseindrücke gewoben wird. Im normalen Bewußtsein sehen wir diese geistige Welt nicht, über die der Horizont des individuellen Ich einen Schleier ausspannt. In dem Augenblick aber, wo wir von dem Ich frei werden, erlöschen auch die gewöhnlichen Sinneseindrücke, die haben wir dann nicht. Wir leben uns hinauf in eine geistige Welt, und das ist dieselbe geistige Welt, die eigentlich hinter den Sinneseindrücken ist, mit der wir eins werden, wenn wir unser Nervensystem herausheben aus unserem gewöhnlichen Blutorganismus.

[ 3 ] This spiritual world, of which human beings are initially unaware in their normal state of consciousness, is what is then inscribed in our bloodline and thereby in our individual self. For we may say: Underlying everything that surrounds us externally in the sensory world is a spiritual world that we perceive only as through a veil woven by sensory impressions. In normal consciousness, we do not see this spiritual world, over which the horizon of the individual ego spreads a veil. But the moment we are freed from the ego, the ordinary sensory impressions also fade away; we no longer have them. We ascend into a spiritual world, and this is the very same spiritual world that actually lies behind the sensory impressions, with which we become one when we lift our nervous system out of our ordinary blood organism.

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[ 4 ] Nun haben wir mit diesen Betrachtungen gewissermaßen das menschliche Leben verfolgt, wie es von außen angeregt wird und durch die Nerven auf das Blut wirkt. Wir haben aber schon gestern darauf aufmerksam gemacht, daß wir in dem rein organischen physischen Innenleben des Menschen eine Art zusammengedrückte Außenwelt sehen können, und wir haben namentlich darauf hingewiesen, wie eine Art in Organe zusammengedrängte Außenwelt vorhanden ist in unserer Leber, Galle und Milz. Wir können sagen: Wie das Blut nach der einen, der oberen Seite unseres Organismus das Gehirn durchläuft, um dort mit der Außenwelt in Berührung zu kommen — und das geschieht, indem auf das Gehirn die äußeren Sinneseindrücke wirken -—, so kommt das Blut, wenn es sich durch den Körper bewegt, in Beziehung zu den inneren Organen, von denen wir zunächst Leber, Galle und Milz betrachtet haben. Und daß in ihnen das Blut nicht mit irgendeiner Außenwelt in Berührung kommt, dafür sorgt die Tatsache, daß diese Organe sich nicht wie Sinnesorgane nach außen aufschließen, sondern in den Organismus eingeschlossen und von allen Seiten zugedeckt sind, so daß sie nur ein inneres Leben entfalten. Diese Organe können alle auch auf das Blut nur so wirken, wie sie selbst ihrer Eigenart nach sind. Leber, Galle und Milz bekommen nicht wie das Auge oder das Ohr äußere Eindrücke, können also auch nicht an das Blut Wirkungen weitergeben, welche von außen angeregt sind, sondern sie können in der Wirkung, welche sie auf das Blut haben, nur ihre eigene Natur zum Ausdruck bringen. Wenn wir also die innere Welt betrachten, in die die Außenwelt gleichsam wie zusammengedrängt ist, so können wir sagen: Hier wirkt eine verinnerlichte Außenwelt auf das menschliche Blut. Wenn wir uns das wieder schematisch zeichnen wollen, so können wir durch den schrägen Strich A-B (siehe Zeichnung Seite 50) die Tafel des Blutes angeben, durch die oberen Pfeile können wir alles das veranschaulichen, was von außen kommend an die Bluttafel herandringt, und durch die unteren Pfeile alles, was von innen kommend sich der Bluttafel einschreibt. Oder, wenn wir die Sache etwas weniger schematisch ansehen wollen, so können wir sagen: Wenn wir das menschliche Haupt und das hindurchgehende Blut betrachten, wie es beschrieben wird von außen durch die Sinnesorgane, so wirkt das Gehirn in seiner Arbeit in derselben Weise umwandelnd auf das Blut, wie die inneren Organe auf das Blut umwandelnd wirken. Denn diese drei Organe, Leber, Galle, Milz, wirken von der anderen Seite her auf das Blut, welches wir hier so zeichnen wollen, als ob es die Organe umflösse. So also würde das Blut gleichsam Strahlungen, Wirkungen empfangen können von den inneren Organen und würde damit sozusagen als Werkzeug des Ich in diesem Ich das innere Leben dieser Organe zum Ausdruck bringen, so wie in unserem Gehirnleben das zum Ausdruck kommt, was uns in der Welt umgibt.

[ 4 ] With these observations, we have, so to speak, traced human life as it is stimulated from the outside and acts upon the blood through the nerves. But we already pointed out yesterday that we can see a kind of condensed external world within the purely organic, physical inner life of the human being, and we specifically noted how a kind of external world, condensed into organs, is present in our liver, gallbladder, and spleen. We can say: Just as the blood, on the one hand—the upper side of our organism—flows through the brain to come into contact with the external world there—and this happens through the external sensory impressions acting upon the brain—so, as the blood moves through the body, it comes into relation with the internal organs, of which we have first considered the liver, gallbladder, and spleen. And the fact that the blood does not come into contact with any external world within them is ensured by the fact that these organs do not open outward like the sense organs, but are enclosed within the organism and covered on all sides, so that they unfold only an inner life. These organs can all act upon the blood only in accordance with their own nature. The liver, gallbladder, and spleen do not receive external impressions like the eye or the ear; therefore, they cannot transmit effects to the blood that are stimulated from the outside, but in the effect they have on the blood, they can only express their own nature. So when we consider the inner world into which the outer world is, as it were, compressed, we can say: Here an internalized outer world acts upon the human blood. If we wish to sketch this schematically again, we can use the diagonal line A-B (see drawing on page 50) to indicate the blood table; the upper arrows can illustrate everything that approaches the blood table from the outside, and the lower arrows everything that inscribes itself into the blood table from the inside. Or, if we wish to view the matter somewhat less schematically, we can say: When we consider the human head and the blood flowing through it, as perceived from the outside by the sense organs, the brain, in its activity, acts upon the blood in the same transforming way as the internal organs act upon the blood. For these three organs—liver, gallbladder, and spleen—act upon the blood from the other side, which we wish to depict here as if it were flowing around the organs. Thus, the blood would be able to receive, as it were, radiations and influences from the internal organs and would thereby, so to speak, as an instrument of the ego within this ego, express the inner life of these organs, just as our brain life expresses what surrounds us in the world.

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[ 5 ] Da müssen wir uns allerdings klar sein, daß noch etwas ganz Bestimmtes eintreten muß, damit diese Wirkungen der Organe auf das Blut möglich sind. Erinnern wir uns daran, daß wir sagten, daß in der Wechselwirkung von Nerv und Blutlauf überhaupt erst die Möglichkeit liegt, daß auf das Blut eine Wirkung ausgeübt, daß in das Blut sozusagen etwas eingeschrieben werden kann. Wenn von der Seite der inneren Organe her Wirkungen auf das Blut ausgeübt werden sollen, wenn gleichsam das innere Weltsystem des Menschen auf das Blut wirken soll, so muß zwischen diesen Organen und dem Blut etwas eingeschaltet sein wie ein Nervensystem. Es muß die innere Welt zuerst auf ein Nervensystem wirken können, um dann ihre Wirkungen auf das Blut übertragen zu können.

[ 5 ] We must, however, be clear that something very specific must occur for these effects of the organs on the blood to be possible. Let us recall that we said that it is only in the interaction between the nerves and the bloodstream that the possibility arises for an effect to be exerted on the blood, for something to be inscribed into the blood, so to speak. If effects are to be exerted on the blood from the side of the internal organs—if, so to speak, the human inner world system is to act upon the blood—then something like a nervous system must be interposed between these organs and the blood. The inner world must first be able to act upon a nervous system in order to then be able to transmit its effects to the blood.

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[ 6 ] So sehen wir, einfach aus einem Vergleich des unteren Teiles des Menschen mit dem oberen, daß die Voraussetzung gemacht werden muß, daß zwischen unseren inneren Organen — als deren Repräsentanten wir diese drei Organe: Leber, Galle, Milz haben - und dem Blutkreislauf etwas eingeschaltet sein muß wie ein Nervensystem. Fragen wir die äußere Beobachtung, so zeigt sie uns in der Tat, daß in alle diese Organe das eingeschaltet ist, was wir das sympathische Nervensystem nennen, welches die Körperhöhle des Menschen ausfüllt und welches in einem analogen Verhältnisse zu der menschlichen Innenwelt und dem Blutkreislauf steht, wie andererseits das Rückenmark-Nervensystem zwischen der äußeren großen Welt und dem Blutumlauf des Menschen steht. Von diesem sympathischen Nervensystem, das ja zunächst längs des Rückgrates verläuft, dann, von dort ausgehend die verschiedensten Teile des Organismus durchzieht und sich ausbreitet, auch netzförmige Ausbreitungen zeigt, namentlich in der Bauchhöhle, wo man einen Teil dieses Systems populär auch das Sonnengeflecht nennt, von diesem sympathischen Nervensystem werden wir zu erwarten haben, daß es in einer gewissen Weise von dem anderen Nervensystem abweicht. Und es ist immerhin interessant — wenn es auch nicht zu einem Beweise dienen soll -, sich zu fragen: Wie könnte denn dieses Nervensystem gestaltet sein im Verhältnis zum Rückenmark-Nervensystem, wenn diese Bedingungen erfüllt würden, die wir jetzt hypothetisch gestellt haben? — Sie könnten einsehen: Wie sich das Rückenmark-Nervensystem öffnen muß dem Umkreis des Raumes, so muß dieses sympathische Nervensystem demjenigen zugeneigt sein, was zusammengedrängt ist in die innere Organisation. So verhält sich, wenn unseren Voraussetzungen entsprochen werden soll, das sympathische Nervensystem zu dem Rückenmark-Nervensystem etwa so, wie sich verhalten die Radien eines Kreises, die vom Mittelpunkt zur Peripherie gerichtet sind (siehe Zeichnung a), zu den sich von der Peripherie aus nach außen fortsetzenden Radien (b). Also in einer gewissen Weise müßte ein Gegensatz vorhanden sein zwischen dem sympathischen Nervensystem und zwischen dem Nervensystem des Gehirnes und Rückenmarkes. Dieser Gegensatz ist auch in der Wirklichkeit vorhanden. Und da sehen wir, wie schon darin vieles für uns liegen kann, daß wir imstande sind nachzuweisen: Wenn unsere Voraussetzungen richtig sind, dann muß die äußere Beobachtung sie in einer gewissen Weise bestätigen, und es zeigt sich, daß die äußere Beobachtung tatsächlich bestätigt, was wir als Voraussetzung gemacht haben. Während beim sympathischen Nervensystem im wesentlichen eine Art starke Nervenknoten vorhanden sind und die Ausstrahlungen dieser Nervenknoten, die verbindenden Fäden, verhältnismäßig dünn sind und wenig in Betracht kommen gegenüber den Nervenknoten, ist bei dem Gehirn-Rückenmark-Nervensystem gerade das Umgekehrte der Fall, da sind die verbindenden Fäden das Wesentliche, während die Nervenknoten nur eine untergeordnete Bedeutung haben. So bestätigt uns die Beobachtung in der Tat das, was wir als Voraussetzung annahmen. Wenn das sympathische Nervensystem die Aufgabe hat, die es nach dem, was wir gesagt haben, haben muß, dann muß sich das innere Leben unseres Organismus, das in der Durchnährung und Durchwärmung des Organismus zum Ausdruck kommt, gleichsam in dieses sympathische Nervensystem hineinergießen, und dieses Nervensystem müßte es auf die Bluttafel geradeso übertragen, wie die äußeren Eindrücke durch das Gehirn-Rückenmark-Nervensystem auf das Blut übertragen werden. So bekommen wir in das individuelle Ich hinein, durch das Instrument des Ich, das Blut — auf dem Umwege durch das sympathische Nervensystem -, die Eindrücke unseres eigenen körperlichen Inneren. Da aber unser körperliches Innere wie alles Physische aus dem Geiste heraus auferbaut ist, so bekommen wir das, was sich als geistige Welt zusammengedrängt hat in den entsprechenden Organen des inneren Menschen, herauf in unser [waches] Ich auf dem Umwege durch das sympathische Nervensystem.

[ 6 ] Thus, simply by comparing the lower part of the human body with the upper part, we see that we must assume that something like a nervous system must be involved between our internal organs—represented by these three organs: the liver, gallbladder, and spleen—and the blood circulation. If we turn to external observation, it indeed shows us that what we call the sympathetic nervous system is connected to all these organs; this system fills the human body cavity and stands in an analogous relationship to the human inner world and the blood circulation, just as the spinal cord nervous system stands between the external world and the human blood circulation. From this sympathetic nervous system, which initially runs along the spine and then, branching out from there, permeates and spreads through the various parts of the organism, and also exhibits a network-like spread, particularly in the abdominal cavity, where a part of this system is popularly called the solar plexus—from this sympathetic nervous system, we would expect it to differ in a certain way from the other nervous system. And it is, after all, interesting—even if it is not intended to serve as proof—to ask: How might this nervous system be structured in relation to the spinal nervous system if the conditions we have now hypothetically posited were to be fulfilled? — You can see: just as the spinal nervous system must open out toward the surrounding space, so this sympathetic nervous system must be oriented toward that which is compressed within the internal organization. Thus, if our premises are to be met, the sympathetic nervous system relates to the spinal cord nervous system roughly as the radii of a circle directed from the center to the periphery (see drawing a) relate to the radii extending outward from the periphery (b). Thus, in a certain sense, there must be a contrast between the sympathetic nervous system and the nervous system of the brain and spinal cord. This contrast also exists in reality. And here we see how much can already be gained from the fact that we are able to demonstrate: If our premises are correct, then external observation must confirm them in a certain way, and it turns out that external observation does indeed confirm what we have posited as a premise. While in the sympathetic nervous system there are essentially strong nerve nodes, and the radiations from these nodes—the connecting fibers—are relatively thin and of little significance compared to the nodes, in the brain-spinal cord nervous system the exact opposite is true: there the connecting fibers are the essential element, while the nerve nodes are of only secondary importance. Thus, observation does indeed confirm what we assumed as a premise. If the sympathetic nervous system has the task that, according to what we have said, it must have, then the inner life of our organism—which is expressed in the nourishment and warming of the organism—must, as it were, pour into this sympathetic nervous system, and this nervous system would have to transmit it to the blood just as external impressions are transmitted to the blood through the brain-spinal cord nervous system. Thus, through the instrument of the ego, the blood—by way of the sympathetic nervous system—conveys the impressions of our own physical interior into the individual ego. But since our physical interior, like all physical things, is built up out of the spirit, we receive what has condensed as the spiritual world in the corresponding organs of the inner human being, up into our [awake] ego via the detour through the sympathetic nervous system.

[ 7 ] So sehen wir auch hier, wie sich diese Zweiheit im Menschen noch genauer ausdrückt, von der wir in unseren Betrachtungen ausgegangen sind. Wir sehen die Welt einmal draußen, wir sehen sie einmal drinnen wirken; beide Male sehen wir diese Welt so wirken, daß zu dieser Wirkung einmal das eine, einmal das andere Nervensystem als Werkzeug dient. Wir sehen, wie in die Mitte zwischen Außenwelt und Innenwelt hineingestellt ist unser Blutsystem, das sich wie eine Tafel von zwei Seiten beschreiben läßt, einmal von außen, einmal von innen.

[ 7 ] Here, too, we see how this duality within the human being—which served as the starting point for our reflections—is expressed even more clearly. We see the world at work on the outside, and we see it at work on the inside; in both cases, we see this world at work in such a way that one nervous system serves as the instrument for this effect in one instance, and the other nervous system in the other.

[ 8 ] Nun haben wir gestern gesagt, und es heute der Deutlichkeit wegen wiederholt, daß der Mensch imstande ist, seine Nerven, insofern sie in die Sinneswelt hinausführen, sozusagen frei zu machen von den Wirkungen der Außenwelt auf das Blutsystem. Die Frage müssen wir uns nun vorlegen, ob auch nach der entgegengesetzten Richtung hin etwas Ähnliches möglich ist? Und wir werden später sehen, daß in der Tat auch solche Übungen der Seele möglich sind, welche dieselbe Wirkung, von der wir heute und gestern gesprochen haben, nach der anderen Richtung möglich machen. Jedoch besteht hier ein gewisser Unterschied. Während wir durch Gedankenkonzentration, durch Gefühlskonzentration, durch okkulte Übungen die Nerven unseres Gehirns und Rückenmarkes vom Blute losbekommen können, können wir durch solche Konzentrationen, welche gleichsam in unser Innenleben, in unsere Innenwelt hineingehen — und es sind dies namentlich diejenigen Konzentrationen, die man zusammenfassen kann unter dem Namen «mystisches Leben» -, so tief in uns eindringen, daß wir allerdings unser Ich dabei, also auch sein Werkzeug, das Blut, keineswegs unberücksichtigt lassen. Die mystische Versenkung, von der wir ja wissen — was später noch genauer ausgeführt werden soll-, daß der Mensch durch sie gleichsam untertaucht in seine eigene göttliche Wesenheit, in seine eigene Geistigkeit, insofern sie in ihm liegt, diese mystische Versenkung ist nicht zunächst ein Herausheben aus dem Ich. Sie ist im Gegenteil ein Sichhineinversenken in das Ich, eine Verstärkung, ein Energischermachen, eine Steigerung der IchEmpfindung. Davon können wir uns überzeugen, wenn wir — abgesehen von dem, was die Mystiker der Gegenwart sagen — uns ein wenig einlassen auf ältere Mystiker. Diese älteren Mystiker, gleichgültig, ob sie auf einem mehr oder weniger religiösen Boden stehen, sind vor allen Dingen bemüht, in ihr eigenes Ich hineinzudringen und abzusehen von alle dem, was die Außenwelt uns geben kann, um frei zu werden von allen äußeren Eindrücken und ganz in sich selber unterzutauchen. Diese innere Einkehr, dieses Untertauchen in das eigene Ich ist zunächst wie ein Zusammenziehen der ganzen Gewalt und Energie des Ich in den eigenen Organismus hinein. Das wirkt nun auf die ganze Organisation des Menschen weiter, und wir können sagen: Diese innere Versenkung, dieser im eigentlichen Sinne so zu nennende «mystische Weg» ist - im Gegensatz zu dem anderen Weg, den wir beschrieben haben — so, daß wir das Werkzeug des Ich, das Blut, nicht abziehen von dem Nerv, sondern es gerade mehr hinstoßen zum Nerv, zum sympathischen Nervensystem. Während wir also die Verbindung von Nerv und Blut lösen bei dem Vorgang, den wir gestern besprochen haben, machen wir im Gegensatz dazu durch die mystische Versenkung die Verbindung zwischen dem Blut und dem sympathischen Nervensystem stärker. Das ist das physiologische Gegenbild: Bei der mystischen Versenkung wird das Blut tiefer hineingedrängt zu dem sympathischen Nervensystem, während bei der anderen Art seelischer Übungen das Blut vom Nerv abgedrängt wird. Es ist also wie ein Eindrücken des Blutes in das sympathische Nervensystem, was in der mystischen Versenkung vor sich geht.

[ 8 ] Yesterday we said—and we have repeated it today for the sake of clarity—that human beings are capable of freeing their nerves, insofar as they lead out into the sensory world, from the effects of the external world on the circulatory system, so to speak. We must now ask ourselves whether something similar is also possible in the opposite direction. And we will see later that such exercises of the soul are indeed possible, which make the same effect we have spoken of today and yesterday possible in the other direction. However, there is a certain difference here. While we can, through concentration of thought, concentration of feeling, and occult exercises, detach the nerves of our brain and spinal cord from the blood, we can, through such concentrations that, as it were, penetrate into our inner life, into our inner world—and these are specifically those concentrations that can be summarized under the name “mystical life”— —penetrate so deeply into us that we certainly do not leave our ego, and thus also its instrument, the blood, out of consideration. The mystical absorption, of which we know—as will be explained in more detail later—that through it the human being, as it were, submerges into his own divine being, into his own spirituality, insofar as it lies within him, this mystical absorption is not primarily a withdrawal from the ego. On the contrary, it is a sinking into the ego, a strengthening, an energizing, an intensification of the sense of self. We can convince ourselves of this if we—setting aside what contemporary mystics say—engage a little with the older mystics. These older mystics, regardless of whether they stand on a more or less religious ground, are above all concerned with penetrating into their own ego and turning away from everything the external world can offer us, in order to become free from all external impressions and to submerge themselves entirely within themselves. This inner contemplation, this immersion in one’s own self, is initially like a drawing together of all the power and energy of the self into one’s own organism. This then continues to affect the entire human organism, and we can say: This inner contemplation, this “mystical path”—as it should properly be called—is, in contrast to the other path we have described, such that we do not withdraw the ego’s instrument, the blood, from the nerves, but rather push it more strongly toward the nerves, toward the sympathetic nervous system. So while we sever the connection between the nerve and the blood in the process we discussed yesterday, in contrast, through mystical contemplation we strengthen the connection between the blood and the sympathetic nervous system. This is the physiological counterpart: in mystical contemplation, the blood is driven deeper into the sympathetic nervous system, whereas in the other type of spiritual exercises, the blood is pushed away from the nerve. What takes place in mystical contemplation is thus like a pressing of the blood into the sympathetic nervous system.

[ 9 ] Nehmen wir nun an, wir könnten für eine Weile von dem absehen, daß der Mensch, wenn er in mystischer Versenkung in sein Inneres hineingeht, nicht loskommt von seinem Ich, sondern es im Gegenteil tiefer hineindrängt in sein Inneres und dabei alle schlechten, alle minder guten Eigenschaften, die er hat, mitnimmt. Wenn man sich in sein Inneres hineinversenkt, ist man sich zunächst nicht klar, daß man auch alle minder guten Eigenschaften hineindrückt in dieses Innere, mit anderen Worten, daß alles, was im leidenschaftlichen Blute ist, mit hineingeprägt wird in das sympathische Nervensystem. Aber nehmen wir an, wir könnten eine Weile davon absehen und uns sagen, der Mystiker habe Sorge getragen, bevor er zu einer solchen mystischen Versenkung gekommen ist, daß die minder guten Eigenschaften immer mehr und mehr verschwunden sind und daß anstelle der egoistischen Eigenschaften selbstlose, altruistische Gefühle getreten sind, er habe sich dadurch vorbereitet, daß er versuchte, das Gefühl des Mitleides mit allen Wesen in sich rege zu machen, um die Eigenschaften, die nur auf das Ich hinspekulieren, zu paralysieren durch selbstloses Mitgefühl für alle Wesen. Nehmen wir also an, der Mensch habe sich genügend sorgfältig vorbereitet, um sich in sein Inneres hinein zu versenken. Trägt der Mensch dann das Ich durch das Werkzeug seines Blutes in seine innere Welt hinein, dann kommt es dazu, daß dieses innere Nervensystem, das sympathische Nervensystem, von dem der Mensch im normalen Bewußtsein natürlich nichts weiß, hereinrückt in das Ich-Bewußtsein, daß er anfängt zu wissen: Du hast da in dir etwas, das dir ein Ähnliches von deiner inneren Welt vermitteln kann, wie dein Gehirn-Rückenmark-Nervensystem dir die äußere Welt vermittelt. - Man wird gewahr seines sympathischen Nervensystems, und wie man durch das GehirnRückenmark-Nervensystem die äußere Welt erkennen kann, so kommt einem jetzt entgegen die innere Welt. Aber wie wir bei den äußeren Eindrücken auch nicht die Nerven selbst sehen, sondern durch die Sehnerven die äußere Welt in unser Bewußtsein hereindringt, so dringen bei der mystischen Versenkung auch nicht die inneren Nerven ins Bewußtsein herein; der Mensch wird nur gewahr, daß er in ihnen ein Instrument hat, durch das er in das Innere schauen kann. Es tritt etwas ganz anderes ein, es tritt vor dem nach innen zu hellsichtig gewordenen menschlichen Erkenntnisvermögen die innere Welt auf. Wie uns der Blick nach außen die Außenwelt erschließt, und uns dabei nicht unsere Nerven zum Bewußtsein kommen, so kommt uns auch nicht unser sympathisches Nervensystem zum Bewußtsein, wohl aber das, was sich uns als Innenwelt entgegenstellt. Nur müssen wir sehen, daß diese Innenwelt, die uns da zum Bewußtsein kommt, eigentlich wir selbst als physischer Mensch sind.

[ 9 ] Let us now suppose that we could, for a moment, set aside the fact that when a person enters into a state of mystical contemplation within themselves, they do not detach themselves from their ego, but rather push it deeper into their inner being, taking with them all the bad and less-than-good qualities they possess. When one sinks into one’s inner self, one is not initially aware that one is also pressing all these less-than-good qualities into this inner self; in other words, that everything that is in the passionate blood is imprinted into the sympathetic nervous system. But let us suppose we could set this aside for a moment and tell ourselves that the mystic took care, before reaching such a mystical absorption, to ensure that the less-than-ideal qualities disappeared more and more, and that selfless, altruistic feelings took the place of the egoistic ones, that he had prepared himself by attempting to awaken within himself a feeling of compassion for all beings, in order to paralyze the qualities that focus solely on the ego through selfless compassion for all beings. Let us assume, then, that the human being has prepared himself sufficiently carefully to immerse himself in his inner world. If the human being then carries the ego into his inner world through the medium of his blood, it comes to pass that this inner nervous system—the sympathetic nervous system, of which the human being is naturally unaware in normal consciousness—enters into ego-consciousness, so that he begins to realize: You have something within you that can convey to you something of your inner world, just as your brain-spinal cord nervous system conveys the outer world to you. — One becomes aware of one’s sympathetic nervous system, and just as one can perceive the outer world through the brain-spinal cord nervous system, so now the inner world comes to meet one. But just as we do not see the nerves themselves in the case of external impressions, but rather the external world enters our consciousness through the optic nerves, so too in mystical contemplation do the inner nerves not enter consciousness; the human being merely becomes aware that he has in them an instrument through which he can look into the inner world. Something quite different occurs: the inner world appears before the human faculty of cognition, which has become clairvoyant inwardly. Just as our outward gaze reveals the external world to us, and our nerves do not come into our consciousness in the process, so too does our sympathetic nervous system not come into our consciousness, but rather that which presents itself to us as the inner world. We must only realize that this inner world, which comes into our consciousness, is actually ourselves as physical human beings.

[ 10 ] Vielleicht liegt es nicht besonders nahe, aber ich möchte doch sagen: Einem ein klein wenig materialistischen Denker könnte eine Art von Horror aufsteigen, wenn er sich sagen sollte, daß er seinen eigenen Organismus von innen sehen kann, und er könnte vielleicht meinen: Da sehe ich aber auch etwas Rechtes, wenn ich durch mein sympathisches Nervensystem hellsichtig werde und meine Leber, Galle und Milz zu sehen bekomme! — Ich meine, es muß ja nicht besonders naheliegen, aber man könnte es sich doch sagen. So ist die Sache aber nicht. Denn bei einem solchen Einwand würde man nicht berücksichtigen, daß der Mensch im gewöhnlichen Leben seine Leber, Galle und Milz und so weiter von außen anschaut wie die anderen äußeren Gegenstände auch. So wie Sie in der Anatomie, in der gewöhnlichen Physiologie Leber, Galle, Milz und so weiter kennenlernen, wenn Sie einen Menschen aufschneiden, sind diese Organe natürlich durch die äußeren Sinne, durch das Gehirn-Rükkenmark-Nervensystem angeschaut, geradeso wie irgend etwas anderes. Aber in einer ganz anderen Lage ist der Mensch, wenn er versucht, sein sympathisches Nervensystem zu gebrauchen, um nach innen hellsichtig zu werden. Da sieht er keineswegs dasselbe, was er von außen sehen kann, sondern da sieht er das, um dessentwillen die Hellseher aller Zeiten so sonderbare Namen für diese Organe gewählt haben, wie ich sie Ihnen im zweiten Vortrage angeführt habe.

[ 10 ] It may not be particularly obvious, but I would still like to say: A slightly materialistic thinker might feel a kind of horror if he were to tell himself that he can see his own organism from the inside, and he might perhaps think: But I do see something to that, if I become clairvoyant through my sympathetic nervous system and get to see my liver, gallbladder, and spleen! — I mean, it may not be particularly obvious, but one could still say that. But that is not how it is. For such an objection would fail to take into account that in ordinary life, a person views their liver, gallbladder, and spleen—and so on—from the outside, just like any other external object. Just as you learn about the liver, gallbladder, spleen, and so on in anatomy and ordinary physiology when you cut open a human being, these organs are naturally viewed through the external senses, through the brain-spinal cord-nervous system, just like anything else. But a person is in a completely different situation when they try to use their sympathetic nervous system to become clairvoyant inwardly. There they do not see at all the same thing they can see from the outside, but rather they see that for which the clairvoyants of all times have chosen such strange names for these organs, as I mentioned to you in the second lecture.

[ 11 ] Da wird er nämlich gewahr, daß in der Tat dem äußeren Anschauen durch das Gehirn-Rückenmark-Nervensystem diese Organe als Maja, in äußerer Illusion erscheinen in dem Anblick, den sie nach außen bieten, nicht in ihrer inneren wesenhaften Bedeutung. Man sieht in der Tat etwas ganz anderes, wenn man mit dem nach innen gewendeten Auge diese seine innere Welt hellseherisch belauschen kann. Da wird man nach und nach gewahr, warum die Hellseher aller Zeiten einen Zusammenhang der Organe mit den Wirkungen der Planeten gesehen haben. Wie wir gestern gesagt haben, wurde die Milzwirkung mit dem Namen des Saturn, die Leberwirkung mit dem Jupiter und die Gallewirkung mit dem Mars in Zusammenhang gebracht. Denn was man im eigenen Inneren sicht, das ist in der Tat grundverschieden von dem, was sich dem äußeren Anblick darbietet. Da wird man gewahr, daß man wirklich in den inneren Organen umgrenzte, zusammengeschlossene Partien der Außenwelt vor sich hat. Vor allem wird eines klar, was uns zunächst als ein Beispiel dienen soll: Durch diese Art zu einer Erkenntnis zu kommen, die über das gewöhnliche Anschauen hinausführt, können wir uns davon überzeugen, daß die menschliche Milz ein sehr bedeutungsvolles Organ ist. Dieses Organ erscheint ja der inneren Betrachtung wirklich so, als wenn es nicht aus äußerer Substanz, aus fleischlicher Materie bestehen würde, sondern — wenn der Ausdruck gestattet ist, obwohl er nur annähernd das wiedergeben kann, was gesehen wird die Milz erscheint tatsächlich wie ein leuchtender Weltenkörper im kleinen mit allem möglichen inneren Leben, das sehr kompliziert ist. Ich habe Sie gestern darauf aufmerksam gemacht, daß die Milz, äußerlich betrachtet, beschrieben werden kann als ein blutreiches Gewebe, eingebettet darin die erwähnten weißen Körperchen. So daß man von einer äußeren physiologischen Betrachtung ausgehend sagen kann, daß das Blut, welches sich durch die Milz ergießt, durch sie wie durch ein Sieb durchgesiebt wird. Der inneren Betrachtung aber stellt sich die Milz dar als ein Organ, das durch mannigfache innere Kräfte in eine beständige rhythmische Bewegung gebracht wird. Wir überzeugen uns schon bei einem solchen Organ davon, daß im Grunde genommen in der Welt ungeheuer viel auf Rhythmus ankommt. Eine Ahnung von der Bedeutung des Rhythmus im Gesamtleben der Welt können wir ja bekommen, wenn wir den äußeren Rhythmus des Kosmos wiedererkennen im Blut-Pulsschlag. Auch äußerlich können wir den Rhythmus in den Organen, auch in dem Organ der Milz, ziemlich genau verfolgen. Für den, der mit nach innen gewendetem hellseherischen Blick die Organe anschaut, dem offenbaren sich die Differenzierungen der Milz wie in einem Lichtkörper, sie sind dazu da, um der Milz einen gewissen Rhythmus im Leben zu geben. Dieser Rhythmus unterscheidet sich von anderen Rhythmen, die wir sonst gewahr werden, ganz beträchtlich. Und gerade bei der Milz ist es interessant zu studieren, wie sich dieser Rhythmus der Milz ganz beträchtlich unterscheidet von jedem anderen Rhythmus; er ist nämlich weit weniger regelmäßig als andere Rhythmen. Warum? Dies ist aus dem Grunde der Fall, weil die Milz in einer gewissen Weise naheliegt dem menschlichen Ernährungsapparat und mit demselben etwas zu tun hat. Das werden Sie gleich verstehen, wenn wir ein wenig darauf Rücksicht nehmen, wie ungeheuer regelmäßig beim Menschen der Rhythmus des Blutes sein muß, damit das Leben in einer richtigen Weise aufrechterhalten werden kann. Das muß ein sehr regelmäßiger Rhythmus sein. Aber es gibt einen anderen Rhythmus, und der ist nur in geringem Maße regelmäßig, obwohl von ihm zu wünschen wäre, daß er durch die Selbsterziehung der Menschen immer regelmäßiger und regelmäßiger würde, namentlich in dem kindlichen Lebensalter: das ist der Rhythmus, in dem wir uns ernähren, der Rhythmus von Essen und Trinken. Einen gewissen Rhythmus hält darin ja wohl ein einigermaßen ordentlicher Mensch ein; er nimmt zu bestimmten Zeiten seine Tagesmahlzeiten, das Frühstück, das Mittagessen und das NachtmaHl ein, so daß er dadurch doch einen gewissen Rhythmus hat. Aber wie ist es mit diesem Rhythmus eigentlich bestellt? In vieler Hinsicht — das ist ja traurig bekannt — wird diese Regelmäßigkeit durchbrochen durch das Entgegenkommen vieler Eltern gegenüber der Genäschigkeit ihrer Kinder, denen man einfach dann etwas gibt, wenn sie gerade danach Verlangen haben, wobei abgesehen wird von allem Rhythmus. Und auch die Erwachsenen sind nicht gerade so ungeheuer darauf aus, immer einen genauen Rhythmus in bezug auf Essen und Trinken einzuhalten. Das soll gar nicht in pedantischer oder moralisierender Weise gemeint sein, denn das moderne Leben macht das nicht immer möglich. Wie unregelmäßig die Nahrung in den Menschen hineingestopft wird, wie unregelmäßig namentlich getrunken wird, das ist ja hinlänglich bekannt und soll nicht getadelt, sondern nur erwähnt werden. Es muß aber das, was wir in einer mangelhaften rhythmischen Art unserem Organismus zuführen, allmählich so umrhythmisiert werden, daß es sich in den regelmäßigeren Rhythmus des Organismus einfügt; es muß so umgeschaltet werden, daß wenigstens die gröbsten Unregelmäßigkeiten in der Nahrungsaufnahme beseitigt werden. Nehmen wir an, ein Mensch sei durch seinen Beruf gezwungen, um acht Uhr morgens zu frühstücken und um ein oder zwei Uhr zu Mittag zu essen, und diese regelmäßige Tageseinteilung sei ihm eine Gewohnheit. Nun nehmen wir weiter an, er würde zu einem guten Freunde gehen, und da gebiete es ihm die sonst ja nicht genug zu lobende Höflichkeit, zwischen diesen beiden Mahlzeiten eine Erfrischung zu sich zu nehmen. Damit hat er den gewohnten Rhythmus seiner Nahrungsaufnahme in einer ganz erheblichen Weise durchbrochen, und dadurch wird auf den Rhythmus seines Organismus eine ganz bestimmte Wirkung ausgeübt. Es muß nun etwas da sein im Organismus, das in entsprechender Weise dasjenige stärker macht, was regelmäßig im Rhythmus ist und was die Wirkung dessen abschwächen muß, was unregelmäßig ist. Es müssen die gröbsten Unregelmäßigkeiten ausgeglichen werden, so daß beim Übergehen der Nahrungsmittel auf das Blutsystem ein Organ eingeschaltet sein muß, das die Unregelmäßigkeit des Ernährungsrhythmus ausgleicht gegenüber der notwendigen Regelmäßigkeit des Blutrhythmus. Und dieses Organ ist die Milz. So können wir an ganz bestimmten rhythmischen Vorgängen, wie es jetzt charakterisiert worden ist, einen Begriff dafür erhalten, daß die Milz ein Umschalter ist, um Unregelmäßigkeiten im Verdauungskanal so auszugleichen, daß sie zu Regelmäßigkeiten werden in der Blutzirkulation. Denn es wäre in der Tat eine ganz fatale Sache, wenn gewisse Unregelmäßigkeiten in dem Aufnehmen von Nahrungsstoffen - namentlich in der Studentenzeit oder auch zu anderen Zeiten - ihre ganze Wirkung fortsetzen müßten in das Blut hinein. Da ist viel auszugleichen, und es ist nur so viel auf das Blut überzuleiten, als diesem zuträglich ist. Diese Aufgabe hat das in die Blutbahn eingeschaltete Milzorgan, das seine rhythmisierende Wirkung so ausstrahlt über den ganzen menschlichen Organismus, daß das zustande kommt, was Jetzt beschrieben worden ist.

[ 11 ] For there he realizes that, in fact, to the external gaze—mediated by the brain-spinal cord-nervous system—these organs appear as Maya, as an external illusion, in the image they present to the outside world, rather than in their inner, essential significance. One actually sees something quite different when, with the eye turned inward, one can clairvoyantly observe this inner world. There one gradually becomes aware of why clairvoyants of all times have seen a connection between the organs and the effects of the planets. As we said yesterday, the action of the spleen was associated with the name of Saturn, that of the liver with Jupiter, and that of the gallbladder with Mars. For what one sees within oneself is, in fact, fundamentally different from what presents itself to the outer gaze. One becomes aware that one is truly faced with distinct, interconnected parts of the external world within the internal organs. Above all, one thing becomes clear, which shall serve as an example for us: by arriving at this kind of insight, which goes beyond ordinary observation, we can convince ourselves that the human spleen is a very significant organ. For when viewed from within, this organ truly appears as if it were not composed of external substance, of fleshly matter, but—if the expression is permitted, though it can only approximately convey what is seen—the spleen actually appears like a luminous celestial body in miniature, teeming with all manner of inner life that is highly complex. I pointed out to you yesterday that the spleen, viewed externally, can be described as a blood-rich tissue, embedded within which are the aforementioned white corpuscles. So that, starting from an external physiological perspective, one can say that the blood flowing through the spleen is filtered through it as through a sieve. From an inner perspective, however, the spleen presents itself as an organ set into a constant rhythmic motion by manifold inner forces. We can already see from such an organ that, fundamentally, an immense amount in the world depends on rhythm. We can indeed gain a sense of the significance of rhythm in the overall life of the world when we recognize the outer rhythm of the cosmos in the pulse of the blood. Externally as well, we can trace the rhythm in the organs, including the spleen, quite precisely. To the one who observes the organs with a clairvoyant gaze turned inward, the differentiations of the spleen reveal themselves as in a body of light; they are there to give the spleen a certain rhythm in life. This rhythm differs quite considerably from other rhythms we otherwise perceive. And it is particularly interesting to study, in the case of the spleen, how this rhythm of the spleen differs quite considerably from every other rhythm; for it is far less regular than other rhythms. Why? This is the case because the spleen is, in a certain sense, closely related to the human digestive system and has something to do with it. You will understand this immediately if we consider for a moment how incredibly regular the rhythm of the blood must be in humans so that life can be sustained in the proper way. It must be a very regular rhythm. But there is another rhythm, and it is only slightly regular, although it would be desirable for it to become more and more regular through people’s self-discipline, especially during childhood: this is the rhythm in which we nourish ourselves, the rhythm of eating and drinking. A reasonably orderly person does indeed maintain a certain rhythm in this regard; they take their daily meals—breakfast, lunch, and dinner—at specific times, so that they do have a certain rhythm as a result. But what is the actual state of this rhythm? In many respects—as is sadly well known—this regularity is disrupted by the indulgence of many parents toward their children’s cravings, to whom they simply give something whenever they happen to want it, disregarding any rhythm. And adults, too, are not exactly eager to always maintain a precise rhythm regarding eating and drinking. This is not meant in a pedantic or moralizing way, for modern life does not always make this possible. How irregularly food is stuffed into people, how irregularly—especially—drinking takes place, is well known and should not be criticized, but merely noted. However, what we feed our organism in a rhythmically deficient manner must gradually be re-rhythmized so that it fits into the organism’s more regular rhythm; it must be adjusted so that at least the grossest irregularities in food intake are eliminated. Let us suppose that a person is forced by his profession to have breakfast at eight in the morning and lunch at one or two o’clock, and that this regular daily schedule has become a habit for him. Now let us further suppose that he were to visit a good friend, and that politeness—which, incidentally, cannot be praised highly enough—would require him to have a light meal between these two main meals. In doing so, they have disrupted the usual rhythm of their eating in a very significant way, and this exerts a very specific effect on the rhythm of their organism. There must now be something in the organism that correspondingly strengthens what is regular in its rhythm and weakens the effect of what is irregular. The grossest irregularities must be balanced out, so that when food passes into the blood system, an organ must be involved that balances the irregularity of the digestive rhythm against the necessary regularity of the blood rhythm. And this organ is the spleen. Thus, through very specific rhythmic processes, as has now been described, we can gain an understanding that the spleen acts as a regulator to balance irregularities in the digestive tract so that they become regularities in the blood circulation. For it would indeed be a very serious matter if certain irregularities in the intake of nutrients—particularly during one’s student years or at other times—were to carry their full effect over into the blood. There is much to balance, and only as much should be transferred to the blood as is beneficial to it. This task is performed by the spleen, which is connected to the bloodstream and radiates its regulating effect throughout the entire human organism in such a way that what has just been described comes to pass.

[ 12 ] Was wir jetzt hervorgeholt haben aus dem Einblick des hellsehend gewordenen Auges, zeigt sich auch der äußeren Beobachtung, nämlich daß die Milz einen gewissen Rhythmus einhält. Es ist außerordentlich schwierig, durch die äußeren physiologischen Untersuchungen allein diese Aufgabe der Milz herauszufinden, man kann aber durch äußerliche Beobachtung feststellen, daß die Milz gewisse Stunden hindurch nach einer reichlich genossenen Mahlzeit angeschwollen ist und daß sie, wenn nicht wieder nachgeschoben wird, sich wieder zusammenzieht, wenn eine angemessene Zeit vergangen ist. Durch eine gewisse Ausdehnung und Zusammenziehung dieses Organs wird die Unregelmäßigkeit in der Nahrungsaufnahme auf den Rhythmus des Blutes umgeschaltet. Und wenn Sie sich dessen bewußt sind, daß der menschliche Organismus nicht bloß das ist, als was man ihn oft beschreibt, nämlich eine Summe seiner Organe, sondern daß alle Organe ihre geheimen Wirkungen nach allen Teilen des Organismus hinschicken, so werden Sie sich auch vorstellen können, daß die rhythmische Tätigkeit der Milz von der Außenwelt, nämlich von der Zuführung der Nahrungsmittel abhängt, und daß diese rhythmischen Bewegungen der Milz ausstrahlen in den ganzen Organismus und über den ganzen Organismus hin ausgleichend wirken können. Das ist zwar nur eine Art, wie die Milz wirkt; denn es ist unmöglich, alle Arten gleich anzuführen.

[ 12 ] What we have now gleaned from the insight of the now clairvoyant eye is also evident from external observation, namely that the spleen follows a certain rhythm. It is extremely difficult to determine this function of the spleen through external physiological examinations alone; however, external observation reveals that the spleen remains swollen for several hours after a hearty meal and that, unless more food is consumed, it contracts again once a reasonable amount of time has passed. Through a certain expansion and contraction of this organ, the irregularity in food intake is adjusted to the rhythm of the blood. And if you are aware that the human organism is not merely what it is often described as—namely, a sum of its organs—but that all organs send their secret effects to every part of the organism, then you will also be able to imagine that the rhythmic activity of the spleen depends on the external world, namely on the intake of food, and that these rhythmic movements of the spleen radiate throughout the entire organism and can exert a balancing effect across the whole organism. This is, of course, only one way in which the spleen functions; for it is impossible to list all types equally.

[ 13 ] Es wäre nun in der Tat außerordentlich interessant zu sehen, ob die äußere Physiologie solche Dinge, wie sie eben ausgesprochen wurden, bestätigen würde, wenn sie dieselben — da ja nicht alle Menschen gleich hellsehend werden können — hinnehmen würde, ich möchte sagen, wie eine «hingeworfene Idee», wenn also zunächst gesagt würde: Ich will mir einmal vorstellen, daß es doch nicht so ganz verdrehtes Zeug ist, was die Okkultisten sagen, ich will es einmal weder glauben noch nicht glauben, sondern es als Idee dahingestellt sein lassen und prüfen, ob sich davon irgend etwas durch die äußere Physiologie beweisen läßt. - Dann könnten Untersuchungen der äußeren Physiologie angestellt werden, die den Beweis erbringen könnten für das, was aus hellseherischer Beobachtung heraus gewonnen wurde.

[ 13 ] It would indeed be extraordinarily interesting to see whether external physiology would confirm such things as have just been stated, if it were to accept them—since not all people can become clairvoyant—as, I might say, a “casual idea,” if it were first stated: Let me imagine for a moment that what the occultists say isn’t entirely nonsense; I won’t believe it or disbelieve it just yet, but will leave it as an idea and examine whether anything about it can be proven through external physiology. - Then investigations of external physiology could be undertaken that might provide proof for what has been gained from clairvoyant observation.

[ 14 ] Eine solche Bestätigung haben wir ja schon genannt, das Ausdehnen und Zusammenziehen der Milz. Es zeigt sich, weil die Ausdehnung der Milz auf die Einnahme einer Mahlzeit folgt, daß sie von der Nahrungsaufnahme abhängig ist. So haben wir in der Milz ein Organ gefunden, das nach der einen Seite hin von menschlicher Willkür abhängig ist, auf der anderen Seite, nach der Blutseite hin, die Unregelmäßigkeiten der menschlichen Willkür beseitigt, sie ablähmt, das heißt sie umschaltet auf den Rhythmus des Blutes, und dadurch das Physische des Menschen sozusagen erst seiner Wesenheit gemäß gestaltet werden kann. Denn soll der Mensch seiner Wesenheit gemäß gestaltet sein, dann muß ja namentlich das Mittelpunktswerkzeug seiner Wesenheit, das Blut, in der richtigen Weise seine Wirkung ausüben können, in dem eigenen Blutrhythmus. Es muß der Mensch, insofern er Träger seines Blutkreislaufes ist, in sich abgesondert, isoliert sein von dem, was draußen in der Außenwelt unregelmäßig vorgeht, und von dem, was auf den Menschen dadurch einwirkt, daß er völlig unrhythmisch sich seine Nahrung einverleibt.

[ 14 ] We have already mentioned one such example: the expansion and contraction of the spleen. Since the spleen expands after a meal, it is clear that this process depends on the intake of food. Thus, we have found in the spleen an organ that, on the one hand, is dependent on human will, and on the other hand, in relation to the blood, eliminates the irregularities of human will, dampens them—that is, it switches them over to the rhythm of the blood—and thereby enables the physical aspect of the human being, so to speak, to be shaped in accordance with its essence. For if the human being is to be shaped in accordance with his essence, then the central instrument of his essence—the blood—must be able to exert its effect in the proper manner, in its own blood rhythm. Insofar as the human being is the bearer of his blood circulation, he must be separated within himself, isolated from what is happening irregularly in the external world, and from what affects the human being through the fact that he ingests his food in a completely unrhythmic manner.

[ 15 ] Es ist also ein Isolieren, ein Unabhängigmachen der menschlichen Wesenheit von der Außenwelt. Jedes solches Individualisieren, Selbständigmachen einer Wesenheit nennt man im Okkultismus «Saturnisch», etwas, das durch Saturnwirkung herbeigeführt wird. Das ist die ursprüngliche Idee, das Wesentliche des Saturnischen: daß aus einem umfassenden Gesamtorganismus ein Wesen herausgestellt, isoliert, individualisiert wird, so daß es in sich selber eine gesonderte Regelmäßigkeit entfalten kann. Ich will jetzt davon absehen, daß ja von unserer heutigen Astronomie außerhalb der Saturnbahn noch Uranus und Neptun zu unserem Sonnensystem gerechnet werden. Für den Okkultisten ist alles das, was an Kräften vorhanden ist, um unser Sonnensystem aus der übrigen Welt herauszuheben, abzusondern, zu isolieren und zu individualisieren, ihm eine Eigengesetzlichkeit zu geben, in den Saturnkräften gegeben.

[ 15 ] It is, therefore, a process of isolating the human being, of making it independent of the external world. In occultism, any such individualization or making of a being independent is called “Saturnian,” something brought about by the influence of Saturn. This is the original idea, the essence of the Saturnian: that a being is set apart, isolated, and individualized from a comprehensive whole organism, so that it can develop a distinct regularity within itself. I will now set aside the fact that, according to modern astronomy, Uranus and Neptune are also counted as part of our solar system beyond Saturn’s orbit. For the occultist, all the forces necessary to lift our solar system out of the rest of the world, to separate, isolate, and individualize it, and to give it its own laws, are found in the Saturn forces.

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[ 16 ] Alle diese Kräfte sind in dem gegeben, was in unserem Sonnensystem der äußerste Planet ist. Wenn man sich die Welt vorstellt, könnte man sagen, daß innerhalb der Kreisbahn des Saturns das Sonnensystem so darinnen ist, daß es innerhalb dieser Bahn seinen eigenen Gesetzen folgen kann und sich unabhängig machen kann, indem es sich herausreißt aus der Umwelt und den gestaltenden Kräften der Umwelt. Aus diesem Grunde sahen die Okkultisten aller Zeiten in den saturnhaften Kräften das, was unser Sonnensystem in sich selber abschließt, was es dem Sonnensystem möglich macht, einen eigenen Rhythmus zu entfalten, der nicht derselbe ist wie der Rhythmus draußen, der außerhalb der Welt unseres Sonnensystems herrscht.

[ 16 ] All these forces are present in what is the outermost planet in our solar system. If one imagines the world, one could say that within Saturn’s orbit, the solar system is situated in such a way that it can follow its own laws within that orbit and become independent by breaking free from its surroundings and the formative forces of its environment. For this reason, occultists of all ages have seen in the Saturn-like forces that which our solar system contains within itself, which enables the solar system to develop its own rhythm, one that is not the same as the rhythm outside, which prevails beyond the world of our solar system.

[ 17 ] Etwas Ähnlichem begegnen wir in unserem Organismus bei der Milz. In unserem Organismus haben wir es zwar nicht zu tun mit einem Absondern gegen die ganze äußere Welt, sondern nur von einer Umwelt, insofern sie die Nahrungsmittel für unseren Organismus enthält. In der Milz haben wir dasjenige Organ im Körper zu sehen, das alles, was von draußen kommt, so behandelt, wie das innerhalb der Saturnbahn des Sonnensystems Liegende von den Saturnkräften behandelt wird: daß es zuerst umrhythmisiert wird in den Rhythmus und die Gesetzmäßigkeit des Menschen. Was durch die Milz geschieht, das isoliert unseren Blutkreislauf von allen äußeren Wirkungen, das macht ihn zu einem in sich selber regelmäßigen System, das seinen eigenen Rhythmus haben kann.

[ 17 ] We encounter something similar in our organism in the spleen. In our organism, we are not dealing with a separation from the entire external world, but only from the environment insofar as it contains the food for our organism. In the spleen, we see the organ in the body that treats everything coming from outside in the same way that what lies within the orbit of Saturn in the solar system is treated by the forces of Saturn: that is, it is first re-rhythmized into the rhythm and laws of the human being. What takes place through the spleen isolates our blood circulation from all external influences, making it a self-contained, regular system capable of maintaining its own rhythm.

[ 18 ] Damit kommen wir schon den Gründen etwas näher, die im Okkultismus für die Wahl von Planetennamen für die Organe maßgebend waren. In den okkulten Schulen wurden diese Namen ursprünglich nicht bloß auf die einzelnen physisch sichtbaren Planeten angewendet. Der Name «Saturn» zum Beispiel wurde ja, wie schon gesagt, auf alles angewendet, was bewirkt, daß sich etwas aus einer größeren Gesamtheit aussondert und sich abschließt zu einem System, das in sich selber rhythmisch gestaltet ist. Daß ein System sich abschließt und sich in sich selbständig rhythmisch gestaltet, hat einen gewissen Nachteil für die gesamte Weltentwickelung, und das hat immer die Okkultisten ein wenig bekümmert. Es ist ja leicht verständlich, daß in der kleinen und in der großen Welt alle Wirkungen zueinander in Beziehungen stehen, daß alle sich aufeinander beziehen. Wenn nun irgend etwas, sei es ein Sonnensystem, sei es das Blutsystem des Menschen, sich herausgliedert aus der ganzen Umwelt und einer Eigengesetzmäßigkeit folgt, so bedeutet das, daß ein solches System die äußeren umfassenden Gesetze durchbricht, verletzt, daß es sich verselbständigt gegenüber den äußeren Gesetzen und sich eigene innere Gesetze und einen eigenen Rhythmus schafft, welche denen der Umwelt zunächst widersprechen. Wir werden sehen, wie das auch auf den physischen Menschen bezogen werden kann, obwohl es uns nach den ganzen Auseinandersetzungen des heutigen Vortrages klar sein muß, daß es zunächst für den Menschen segensreich ist, daß er diesen durch das Saturnische der Milz geschaffenen inneren Rhythmus erhalten hat. Aber wir werden doch sehen, daß ein Wesen, sei es ein Planet, sei es ein Mensch, durch das Sichabschließen in sich selber sich in einen Widerspruch bringt zur umliegenden Welt. Es ist ein Widerspruch geschaffen zwischen dem, was um uns ist, und dem, was in uns ist. Dieser Widerspruch, der nun einmal vorhanden ist, kann nicht früher ausgeglichen werden, als bis sich der im Inneren hergestellte Rhythmus dem äußeren Rhythmus wieder völlig angepaßt hat. Wir werden noch sehen, wie dies auch auf den physischen Menschen bezogen wird; denn so, wie es jetzt gesagt worden ist, sieht es aus, als ob der Mensch sich anpassen müßte an die Unregelmäßigkeit. Wir werden aber sehen, daß es anders ist. Der innere Rhythmus muß, nachdem er sich hergestellt hat, danach streben, sich wiederum mit der ganzen äußeren Welt gleich zu gestalten, das heißt, sich selber aufzuheben. Das heißt also: Die Wesenheit, die im Inneren entsteht und selbständig arbeitet, muß das Bestreben haben, sich wiederum an die Außenwelt anzupassen und dieser Außenwelt gegenüber so zu werden, wie diese selber ist. Mit anderen Worten: Alles, was durch eine saturnische Wirkung verselbständigt wird, das wird zugleich durch diese saturnische Wirkung dazu verurteilt, sich selber wieder zu zerstören. Der Mythos drückt das im Bilde aus: Saturn — oder Kronos — verzehrt seine eigenen Kinder.

[ 18 ] This brings us a step closer to understanding the reasons that, in occultism, were decisive in the choice of planetary names for the organs. In the occult schools, these names were not originally applied merely to the individual physically visible planets. The name “Saturn,” for example, was, as already mentioned, applied to everything that causes something to separate itself from a larger whole and to close itself off into a system that is rhythmically structured within itself. The fact that a system closes itself off and forms a self-contained rhythmic structure has a certain disadvantage for the development of the world as a whole, and this has always troubled the occultists somewhat. It is, after all, easy to understand that in the small world and in the large world, all effects are related to one another, that everything relates to everything else. Now, if anything—be it a solar system or the human circulatory system—separates itself from the entire environment and follows its own laws, this means that such a system breaks through and violates the external, all-encompassing laws; that it becomes independent of the external laws and creates its own internal laws and its own rhythm, which initially contradict those of the environment. We shall see how this can also be applied to the physical human being, although it must be clear to us, after all the discussions in today’s lecture, that it is initially a blessing for the human being to have received this inner rhythm created by the Saturn-like nature of the spleen. But we shall see that a being, be it a planet or a human being, by closing itself off within itself, brings itself into contradiction with the surrounding world. A contradiction is created between what is around us and what is within us. This contradiction, which does indeed exist, cannot be resolved until the rhythm established within has fully adapted once more to the external rhythm. We shall yet see how this also applies to the physical human being; for as it has now been stated, it appears as though the human being must adapt to the irregularity. But we shall see that it is otherwise. Once the inner rhythm has established itself, it must strive to align itself once more with the entire outer world—that is, to abolish itself. This means, then: the entity that arises within and works independently must have the aspiration to adapt once more to the outer world and to become, in relation to this outer world, just as the outer world itself is. In other words: Everything that becomes independent through a Saturnian influence is at the same time condemned by this Saturnian influence to destroy itself again. The myth expresses this in an image: Saturn—or Cronus—devours his own children.

[ 19 ] So sehen Sie einen tiefen Einklang herrschen zwischen einer okkulten Idee und einem Mythos, der dasselbe ausdrückt im Bilde, im Symbol: Kronos verzehrt seinen eigenen Kinder. - Wenn man solche Dinge in immer größerer und größerer Zahl auf sich wirken läßt, so bildet sich für die Beziehungen der angedeuteten Art ein feines Gefühl heraus, und dann wird es nach einiger Zeit nicht mehr so leicht möglich sein, wie es die äußerliche Aufklärung tun möchte, zu sagen: Nun ja, da träumen einige Phantasten davon, daß in den alten Mythen und Sagen bildliche Ausprägungen tiefer Weisheiten enthalten seien. - Wenn man zwei, drei oder auch zehn solcher Entsprechungen hört, noch dazu so, wie sie oft in der Literatur dargeboten werden, nämlich in recht äußerlicher Weise, dann kann man sich ganz gewiß dagegen auflehnen, daß in Mythen und Sagen tiefere Weisheiten enthalten seien als in der äußeren Wissenschaft. Aber wer tiefer auf die Sache eingeht, der findet bewahrheitet, daß Mythen und Sagen tiefer hineinführen in das wirkliche Wesen der Welt und der Organbildung, als es der äußeren wissenschaftlichen Betrachtungsweise möglich ist. Wer immer wieder solche Bilder auf sich wirken läßt, wie sie in den wunderbaren Mythen und Sagen über den ganzen Erdkreis hin verstreut sind, der kann bei liebevollem Eingehen auf diese Bilder in dem ganzen Fühlen und Denken der Völker, in den bildhaften Vorstellungen der Menschen, die Umgestaltung tiefster Weisheiten finden. Dann begreift man, warum einige Okkultisten sagen können, derjenige habe erst Mythen und Sagen wirklich begriffen, der durch sie in die okkulte Physiologie der menschlichen Natur eingedrungen sei. — Mehr als die äußere Wissenschaft erfaßt, enthalten Mythen und Sagen wirkliche Weisheiten über das menschliche Wesen, wirkliche Physiologie. Wenn die Menschen einmal ergründen werden, wieviel Physiologie zum Beispiel in solchen Namen wie Kain und Abel und ihrer Nachfolgeschaft liegt - diese alten Namen rühren ja aus Zeiten her, in denen man in die Namen noch einen inneren Sinn hineinprägte —, dann werden die Menschen einen ungeheuren Respekt, eine ungeheure Ehrfurcht bekommen vor alle dem, was im Laufe des geschichtlichen Werdens von weisheitsvollen Menschen ersonnen worden ist, um da, wo in die geistigen Welten noch nicht hineingeschaut werden kann, die Seelen durch Bilder ihren Zusammenhang mit diesen geistigen Welten erleben zu lassen. Da wird einem gründlich vertrieben der Hochmut, der in dem Worte steckt, das in unserer Zeit eine viel zu große Rolle spielt: Wie haben wir es heute so herrlich weit gebracht! —-, womit man meint: Wie haben wir abgestreift die alten bildhaften Ausdrücke der Urmenschheitsweistümer.

[ 19 ] Thus you see a deep harmony between an occult idea and a myth that expresses the same thing in imagery, in symbol: Cronus devours his own children. - If one allows such things to take effect on oneself in ever-increasing numbers, a subtle sense of the relationships of the kind indicated develops, and then, after some time, it will no longer be as easy as external rationalism would have it to say: Well, there are a few dreamers who imagine that the ancient myths and legends contain pictorial expressions of profound wisdom. - If one hears two, three, or even ten such parallels—especially as they are often presented in literature, namely in a rather superficial manner—then one can certainly object to the idea that myths and legends contain deeper wisdom than external science. But whoever delves deeper into the matter will find it to be true that myths and legends lead deeper into the true nature of the world and the formation of the organs than is possible through the external scientific approach. Whoever repeatedly allows such images to take effect upon them—as they are scattered throughout the entire globe in the wondrous myths and legends—can, by lovingly engaging with these images in the entire feeling and thinking of peoples, in the pictorial conceptions of human beings, find the transformation of the deepest wisdom. Then one understands why some occultists can say that one has truly grasped myths and legends only when one has penetrated through them into the occult physiology of human nature. — More than what external science grasps, myths and legends contain true wisdom about the human being, true physiology. Once people come to fathom how much physiology lies, for example, in names such as Cain and Abel and their descendants—these ancient names, after all, stem from times when an inner meaning was still imbued into names— then people will develop an immense respect, an immense reverence for all that has been conceived by wise people in the course of historical development, so that where one cannot yet look into the spiritual worlds, souls may experience their connection with these spiritual worlds through images. There, the arrogance inherent in the phrase that plays far too great a role in our time will be thoroughly dispelled: “How wonderfully far we have come today!”—by which one means: “How we have cast off the old pictorial expressions of the wisdom of primeval humanity.”

[ 20 ] Die streift man gründlich ab, wenn man sich nicht mit inniger Liebe in den Gang der Menschheitsentwickelung durch die verschiedenen Epochen hindurch versenkt. Was der Hellseher mit dem geöffneten inneren Auge als die innere Natur der menschlichen Organe physiologisch ergründet, das drückt sich in Bildern aus und läßt ihn sehen, daß die Mythen und Sagen gleichsam die menschliche Herkunft enthalten. Der Hellseher sieht in den Mythen und Sagen ausgedrückt diesen Wunderprozeß, daß Welten zusammengedrängt worden sind in menschliche Organe. Er sieht, wie sich im Laufe unendlich langer Zeiten die Organe zusammenkristallisiert haben, um zu dem werden zu können, was als Milz, als Leber, als Galle in uns wirkt. Wir werden morgen noch weiter darüber sprechen. Um das alles in Bildern ausdrücken zu können, dazu gehört wahrhaftig eine tiefe Weisheit, ein tiefes Wissen von dem, was wir durch die okkulte Wissenschaft erst erahnen. Was in unserem inneren menschlichen Organismus wirkt, das ist aus Welten herausgeboren wie ein Mikrokosmos aus dem Makrokosmos, und wir sehen alle diese ungeheuren Weistümer ausgedrückt in Mythen und Sagen. Deshalb haben jene Okkultisten Recht, die in den Namen der Mythen und Sagen erst einen Sinn finden, wenn sie darin die Physiologie erkennen.

[ 20 ] One completely misses the point if one does not immerse oneself with deep love in the course of human development through the various epochs. What the clairvoyant physiologically fathoms with his open inner eye as the inner nature of the human organs is expressed in images and allows him to see that myths and legends contain, as it were, human origins. The clairvoyant sees expressed in myths and legends this miraculous process whereby worlds have been condensed into human organs. He sees how, over the course of infinitely long ages, the organs have crystallized together in order to become what functions within us as the spleen, the liver, and the gallbladder. We will speak further about this tomorrow. To be able to express all this in images truly requires a deep wisdom, a deep knowledge of what we can only begin to glimpse through occult science. What acts within our inner human organism is born from the worlds, just as a microcosm is born from the macrocosm, and we see all this immense wisdom expressed in myths and legends. That is why those occultists are right who find meaning in the names of myths and legends only when they recognize the physiology within them.

[ 21 ] Darauf sollte heute nur hingedeutet werden, weil es dazu dienen kann, uns jene Ehrfurcht anzueignen, von der in der ersten Stunde gesprochen worden ist. Wenn wir eine solche Betrachtungsweise üben, können wir wirklich hinweisen auf das, was sich einer tieferen Erforschung des geistigen Inhaltes der menschlichen Organe darbietet. Auch wenn wir das nur für ganz weniges darstellen können, so wird sich uns doch schon zeigen, welcher Wunderbau dieser menschliche Organismus ist. Und ein wenig werden wir gerade in diesem Vortragszyklus hineinzuleuchten versuchen in diese innere Wesenheit des Menschen.

[ 21 ] We should merely allude to this today, because it can help us cultivate the sense of awe that was spoken of in the first lecture. If we adopt such a perspective, we can truly point to what a deeper exploration of the spiritual content of the human organs reveals. Even if we can only illustrate this to a very limited extent, it will nevertheless become clear to us what a marvelous structure this human organism is. And in this series of lectures, we will attempt to shed a little light on this inner essence of the human being.