Wonders of the World,
Trials of the Soul,
and Revelations of the Spirit
GA 129
26 August 1911, Munich
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Neunter Vortrag
Ninth Lecture
[ 1 ] Es war gestern meine Aufgabe, darauf hinzuweisen, wie innerhalb der menschlichen Organisation in der Tat etwas wie eine Rückverwandlung von Kräften stattfindet, welche sich bis zur Verdichtung des physischen Leibes gebracht haben. Als ein Beispiel habe ich darauf hingewiesen, daß von unserem Blut- und Herzsystem fortwährend eine Art Ätherisierung der groben physischen Substanz des Blutes ausgeht, so daß in der Tat das Blut fortwährend in seinen feinsten Teilen in dieselbe Substanz übergeht, aus welcher der Ätherleib des Menschen besteht. Und wir haben gesehen, daß diese Ätherteilchen vom Herzen herauf in ganz besonderen Strömungen unser Gehirn durchströmen, und ferner, daß es in der Tat von dem Durchströmen unseres Gehirnes von seiten dieser gewissermaßen neugebildeten Teile unseres Ätherleibes abhängt, daß wir ein Wissen, eine Erkenntnis entwickeln können, welche über die ganz egoistische Erkenntnis dessen hinausgeht, was in uns selber vorgeht, was innerhalb unserer Organisation sich abspielt. Ich versuchte, Ihnen deutlich zu machen, daß, wenn nicht diese Ätherströmungen vom Herzen nach dem Gehirn heraufziehen würden, nur jene Vorstellungen, Begriffe, Gefühle durch das Instrument des Gehirns zum Ausdrucke kommen könnten, welche mit unserem eigenen Leibe, mit unserer Organisation zu tun haben. Das, was ich Ihnen so ausgeführt habe, hängt zusammen mit dem ganzen Werden, mit der ganzen Entwickelung des Menschen. Halten wir nochmals fest, daß unsere Erdenentwickelung so begonnen hat, daß ihr vorangegangen ist die Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung, daß diese ein Ergebnis geliefert haben und daß dieses Ergebnis der Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung sozusagen in der vorlemurischen Zeit der Erdgestaltung zu einem ätherischen Menschen geführt hat. Bevor der Mensch in die lemurische Entwickelung eingetreten ist, war er auch in bezug auf seine physischen Kräfte nur eine Äthergestalt. Einen solchen physischen dichten Menschen, wie wir ihn heute mit dem physischen dichten Blut, Nervensystem, Knochensystem und so weiter haben, gab es in der vorlemurischen Zeit noch nicht. Alle die Kräfte, die heute auch im physischen Leibe sind, waren dazumal noch in ihrer Ätherform vorhanden. Diese Äthergestalt des Menschen war also in bezug auf den späteren Menschen in einer gewissen Beziehung schatten- und schemenhaft, war gleichsam nur eine Andeutung dessen, was später dann als der dichtere Mensch sich herauskristallisierte. Erst durch die lemurische, durch die atlantische und nachatlantische Zeit geschah die Verdichtung des Menschen.
[ 1 ] Yesterday, it was my task to point out how, within the human organism, something akin to a re-transformation of forces actually takes place—forces that have developed to the point of condensing into the physical body. As an example, I pointed out that a kind of etherization of the coarse physical substance of the blood is constantly emanating from our blood and heart system, so that in fact the blood is constantly transforming, in its finest parts, into the very substance of which the human etheric body is composed. And we have seen that these etheric particles flow up from the heart in very special currents through our brain, and furthermore, that it is in fact dependent on the flow through our brain of these, so to speak, newly formed parts of our etheric body that we can develop a knowledge, an insight, which goes beyond the entirely egoistic awareness of what is happening within ourselves, of what is taking place within our organism. I have tried to make it clear to you that if these etheric currents did not rise from the heart to the brain, only those ideas, concepts, and feelings could find expression through the instrument of the brain that have to do with our own body, with our physical constitution. What I have explained to you in this way is connected with the entire process of becoming, with the entire development of the human being. Let us note once again that our Earth evolution began in such a way that it was preceded by the Saturn, Sun, and Moon evolutions, that these produced a result, and that this result of the Saturn, Sun, and Moon evolutions led, so to speak, to an etheric human being in the pre-Lemurian period of Earth’s formation. Before humanity entered the Lemurian stage of development, it was, even in terms of its physical powers, merely an etheric form. A physically dense human being such as we have today—with physically dense blood, nervous system, skeletal system, and so on—did not yet exist in the pre-Lemurian era. All the forces that are present in the physical body today were still in their etheric form at that time. This etheric form of the human being was thus, in relation to the later human being, in a certain sense shadowy and ghostly; it was, as it were, merely a hint of what later crystallized as the more dense human being. It was only through the Lemurian, Atlantean, and post-Atlantean periods that the densification of the human being took place.
[ 2 ] Wir müssen nun, um Weltenwunder, Seelenprüfungen und Geistesoffenbarungen vollständig zu verstehen, einmal diese Gestaltung des Menschen etwas ins Auge fassen, sehen, wie der Mensch sich allmählich eigentlich aus der ursprünglich vorhandenen Schattengestalt heraus verdichtet hat. Machen wir uns heute einmal schemenhaft sinnbildlich klar, wie der Mensch in der vorlemurischen Zeit war. Da würden wir eine Art Schattenbild, nur andeutend die spätere Menschenform, haben. In dieses Schattenbild des Menschen würden die mannigfaltigsten Strömungen hineingehen, es würden die Wesenheiten der höheren Hierarchien da hineinwirken. Es war dazumal so, daß der Mensch nicht etwa mit seinen Füßen auf der Erde ging, sondern im Umkreise der Erde als Schattenbild schwebte; erst später stieg er sozusagen auf die Erde herab. Die Erde war selbst noch in einem dünneren Zustande. Alles, was die höheren Hierarchien auf den Menschen wirkten, das strömte in allerlei Strömungen auf den Menschen ein. Während der Mensch so auf der Erde als ein Schattenbild lebte, entwickelte sich aber auch die Erde, die keineswegs jenes dichte Stück Materie ist, als welches die Geologen oder Mineralogen oder die Physiker sie beschreiben. Die Erde zu beschreiben, wie die Physiker, die Mineralogen es tun, ist ungefähr so, als wenn man von einem Menschen nur das Knochengerüst beschreiben wollte. Das alles, was die physische Wissenschaft beschreibt, ist nur ein Teil, ist das Gerüst der Erde. Mit der Erde sind noch ganz andere Kräfte, ganz andere substantielle Dinge verbunden, welche die Erde zu einem Organismus machen, in dem wir eingebettet sind. Die Erde also setzte ihre Entwickelung fort, und aus der Erde selbst strömten den Menschen fortwährend und immer andere Kräfte zu im Verlaufe der lemurischen, der atlantischen und nachatlantischen Entwickelung. Diese Kräfte wollen wir einmal näher ins Auge fassen.
[ 2 ] In order to fully understand the wonders of the world, the trials of the soul, and spiritual revelations, we must now take a closer look at the development of the human being and see how humanity gradually took shape from the original shadow-like form. Let us today sketch out a symbolic picture of what the human being was like in the pre-Lemurian era. There we would have a kind of shadow figure, only hinting at the later human form. Into this shadow figure of the human being would flow the most manifold currents; the beings of the higher hierarchies would work within it. At that time, human beings did not walk on the earth with their feet, but rather floated around the earth as a shadow figure; only later did they, so to speak, descend to the earth. The earth itself was still in a more ethereal state. Everything that the higher hierarchies worked upon the human being flowed into the human being in all manner of currents. While the human being lived on Earth in this way as a shadow image, the Earth itself also developed; it is by no means that dense piece of matter as which geologists, mineralogists, or physicists describe it. To describe the Earth as physicists and mineralogists do is roughly like trying to describe a human being solely by its skeletal framework. Everything that physical science describes is only a part—it is the Earth’s framework. Entirely different forces and entirely different substantial entities are connected to the Earth, which make the Earth an organism in which we are embedded. The Earth, then, continued its evolution, and from the Earth itself, ever-changing forces continually flowed to humanity in the course of the Lemurian, Atlantean, and post-Atlantean periods. Let us now take a closer look at these forces.
[ 3 ] Da müssen wir zuerst gewisse Kräfte beachten, welche durch die geistigen Wesenheiten der höheren Hierarchien gleichsam der unterirdischen Strömung angehören, die ich gestern angeführt habe. Diese Kräfte strömten in den Menschen ein, und zwar, wenn wir es örtlich beschreiben wollen, von unten, von der Erde nach oben gerichtet. Der Mensch wird im Laufe der Erdenentwickelung von unten her durchzogen von den Kräften der höheren Hierarchien; und wenn wir in Beziehung auf das Äußerliche der Wissenschaft, auch der Geisteswissenschaft, sprechen wollen, so können wir heute nicht anders sagen, als daß die Kräfte, welche da vorzugsweise während der lemurischen Zeit, aber dann auch fortwährend weiter in den Menschen einströmten und mitwirkten an seiner Gestaltung, Kräfte sind, die sozusagen die Erde in ihrem Wesen durchwirkten. Überall auf der Oberfläche der Erde, wohin man kommen mag, sind diese Kräfte vorhanden. Diese Kräfte nun, welche auch noch anderes zu bewirken hatten in der Erdenentwickelung, wollen wir uns zuerst dadurch anschaulich machen, daß wir auf die Wesenheiten eines anderen Reiches hinweisen, in dessen Gestaltung diese Kräfte vorzugsweise tätig waren.
[ 3 ] First, we must consider certain forces that, through the spiritual beings of the higher hierarchies, belong, as it were, to the subterranean current I mentioned yesterday. These forces flowed into human beings; to describe it in spatial terms, they flowed upward from below, from the earth. In the course of Earth’s evolution, human beings are permeated from below by the forces of the higher hierarchies; and if we wish to speak in relation to the external aspects of science, including spiritual science, we can say nothing other than that the forces which flowed into human beings primarily during the Lemurian epoch, but then also continued to flow into them and contributed to their formation, are forces that, so to speak, permeated the very essence of the Earth. Everywhere on the surface of the Earth, wherever one may go, these forces are present. These forces, which also had other effects on the Earth’s development, we shall first make vivid to ourselves by pointing to the beings of another realm in whose formation these forces were primarily active.
[ 4 ] Die Zoologen, die äußeren Naturforscher werden einmal recht erstaunen, wenn sie sehen werden, auf welch komplizierte Weise aus der geistigen Welt heraus alles das gestaltet worden ist, was sie jetzt so einfach in ihren von einer gewissen Seite ganz richtigen Stammbäumen so abstrakt und niedlich, möchte ich sagen, in den Büchern figurieren lassen. Das, was sie recht verwandt denken, ist unter Umständen von den verschiedensten geistigen Seiten her durch die kompliziertesten geistigen Strömungen zustande gekommen. In der Tat, wir dürfen das, was wir in der Zoologie die Säugetiere nennen, durchaus nicht so darstellen, wie eine äußere darwinistische Zoologie dies heute tun möchte. Wir dürfen durchaus nicht glauben, daß eine so gerade Linie von den einfachsten Säugetieren bis herauf zu den kompliziertesten zu ziehen ist. Bei zwei verschiedenen Säugetierwesen finden auch ganz verschiedene Gestaltungskräfte Anwendung. Alles das, was da unter den Säugetieren um uns herum ist und in einer gewissen Weise verwandt ist mit alledem, was wir unsere Wiederkäuer nennen - Tiere, welche, wie Sie ja wissen, vorzugsweise zu unseren Haustieren gehören -, stand im Laufe der Entwickelung unter ganz anderen geistigen Bedingungen als zum Beispiel das, was zu den katzenartigen, zu den löwenartigen Tieren gehört. Wir müssen uns das so vorstellen, daß die geistigen Kräfte namentlich auf die Gruppenseelen und damit auch auf die physische Gestalt gewirkt haben. Was zu den löwenartigen Tieren gehört, fing erst gegen die atlantische Zeit hin und namentlich in der atlantischen Zeit an, auf die Erde zu wirken, indem es so zur Erde kam, wie wenn es vom Innern der Erde an die Oberfläche herausgedrungen wäre. Alles das, was aber auf den Menschen selbst gewirkt hat während der lemurischen Zeit, das ist verwandt mit dem, was auf unsere wiederkäuenden Tiere gestaltend einwirkte und was die Esoterik zusammenfaßt in dem Bilde des Stieres. Das ist alles das, was in der lemurischen Zeit auch anfing, auf den Menschen seinen Einfluß zu gestalten, was dazumal eingriff, wie vom Innern der Erde nach der Oberfläche hin wirkend in die menschliche Gestaltung. Es darf Ihnen nicht als etwas besonders Schockierendes erscheinen, wenn ich sage, meine lieben Freunde: Wenn nichts anderes in der ferneren Zeit auf den Menschen eingewirkt hätte, dann wäre der Mensch in seiner äußeren Gestaltung stierähnlich geworden. Denn diese Kräfte wirkten so, daß, wenn sie allein gewirkt hätten auf den Menschen, sie ihn in dieser Weise gestaltet hätten. — Es griffen aber nach und nach andere Kräfte in die menschliche Organisation vom Innern der Erde heraus ein. Das sind dieselben Kräfte, welche auf die andere Säugetierreihe ihre besonderen Einflüsse ausübten, und in der Esoterik werden sie zusammengefaßt unter dem Namen des Löwen. Diese Kräfte griffen in der Erdenentwickelung etwas später ein. Wenn die früheren Kräfte nicht dagewesen wären, sondern nur allein diese Kräfte auf den Menschen gewirkt hätten, so wäre die äußere Form des Menschen löwenähnlich mit all den Merkmalen der Löwenorganisation geworden. Nur dadurch ist die komplizierte Gestalt des Menschen zustande gekommen, daß nicht eine Strömung bloß auf ihn eingegriffen hat, sondern daß verschiedene Strömungen aufeinanderfolgend eingegriffen haben.
[ 4 ] Zoologists, those who study the external natural world, will one day be quite astonished when they see the intricate ways in which everything has been shaped from the spiritual world—things they now present so simply in their family trees, which are, from a certain perspective, quite accurate, yet appear so abstract and, I might say, cute in their books. What they consider to be closely related may, under certain circumstances, have come into being from the most diverse spiritual aspects through the most complex spiritual currents. In fact, we must by no means portray what we call mammals in zoology in the way that an external Darwinian zoology would like to do so today. We must by no means believe that a straight line can be drawn from the simplest mammals all the way up to the most complex ones. In two different mammalian species, entirely different formative forces are at work. Everything that exists among the mammals around us and is in a certain way related to all that we call our ruminants—animals which, as you know, belong primarily to our domesticated animals—was subject to entirely different spiritual conditions in the course of evolution than, for example, those belonging to the cat-like or lion-like animals. We must imagine it in such a way that the spiritual forces acted specifically upon the group souls and thereby also upon the physical form. What belongs to the lion-like animals only began to act upon the Earth toward the Atlantean epoch and specifically during the Atlantean epoch, coming to the Earth as if it had forced its way up to the surface from the Earth’s interior. But everything that acted upon human beings themselves during the Lemurian epoch is related to what had a formative influence on our ruminant animals and what esotericism summarizes in the image of the bull. This is everything that also began to shape its influence on human beings during the Lemurian epoch, intervening at that time as if working from the Earth’s interior toward the surface into the human form. It should not seem particularly shocking to you, my dear friends, when I say: If nothing else had acted upon human beings in the distant past, then human beings would have become bull-like in their outward form. For these forces acted in such a way that, had they acted alone upon human beings, they would have shaped them in this manner. — But gradually other forces intervened in the human organism from within the Earth. These are the same forces that exerted their particular influences on the other mammalian lineages, and in esotericism they are grouped under the name of the lion. These forces intervened somewhat later in the Earth’s development. If the earlier forces had not existed, but only these forces had acted upon human beings, the outer form of the human being would have become lion-like, with all the characteristics of the lion’s constitution. The complex form of the human being came about only because not a single current acted upon him, but because various currents acted upon him in succession.
[ 5 ] Und jetzt können Sie sich eine Vorstellung machen, warum die stierähnlichen Tiere stierähnlich geblieben und die löwenähnlichen Tiere löwenähnlich geworden sind. Aus dem Grunde, weil die ihnen zugrunde liegenden Schemen- oder Schattengestalten nicht so organisiert waren wie die vorlemurischen Schattengestalten des damaligen Menschen. Diese Schemengestalten waren durch ihre vorausgehende Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung so organisiert, daß sie immer die richtigen Zeiten abgewartet haben, daß sie die aufeinanderfolgenden verschiedensten Strömungen auf sich einwirken ließen, um die eine Strömung durch die andere zu paralysieren und dadurch im höheren Sinne auch zu harmonisieren. Ein Stier würde kein Stier bleiben, wenn auf ihn einwirken würde die Löwennatur und die Stiergestaltung umgestalten würde. Der Mensch ist so auf der Erde angekommen, daß er all diese Strömungen hat auf sich einwirken lassen können. Und erst im Laufe der atlantischen Zeit ist etwas anderes eingetreten, was, wenn es einmal erkannt wird und fruchtbar gemacht wird für die äußere Wissenschaft, unendliches Licht auf unsere Tierkunde werfen wird.
[ 5 ] And now you can begin to understand why the bull-like animals remained bull-like and the lion-like animals became lion-like. This is because the archetypal or shadow forms underlying them were not organized in the same way as the pre-Lemurian shadow forms of the humans of that time. These archetypal forms were organized through their preceding Saturn, Sun, and Moon developments in such a way that they always waited for the right times, allowing the most diverse successive currents to act upon them, in order to paralyze one current through the other and thereby also harmonize them in a higher sense. A Taurus would not remain a Taurus if the nature of the Lion were to act upon it and transform the Taurus form. Humanity arrived on Earth in such a way that it was able to allow all these currents to influence it. And it was only during the Atlantean epoch that something else occurred which, once recognized and made fruitful for external science, will shed infinite light on our zoology.
[ 6 ] Im Laufe der atlantischen Zeit traten ganz andere Verhältnisse ein. Merken Sie wohl, daß ich gesagt habe: diese Stierkräfte, diese Löwenkräfte wirkten so, als wenn sie vom Innern der Erde nach der Oberfläche wirkten, gleichsam ausströmten vom Innern der Erde. - Die Kräfte, welche sich während der atlantischen Zeit mit diesen von der Erde ausströmenden Kräften verbanden, kamen nun von außen, gleichsam aus dem Umkreis herein, so daß während der atlantischen Zeit solche Kräfte eingriffen, die wir uns von unten nach oben in den Menschen hineingreifend und gestaltend zu denken haben, und von oben nach unten gehend andere Kräfte in den Menschen hereinfließend aus dem Weltenraum. Da wurde also jener Schemen oder Schatten des Menschen wiederum ausgesetzt anderen Kräften, die aber jetzt von anderer, ganz entgegengesetzter Richtung her auf den Menschen einwirkten.
[ 6 ] During the Atlantean epoch, entirely different conditions arose. Please note that I said: these Taurus forces, these Leo forces acted as if they were working from the Earth’s interior toward the surface, as it were, streaming out from the Earth’s interior. - The forces that joined with these forces streaming out from the Earth during the Atlantean epoch now came from the outside, as it were from the surrounding space, so that during the Atlantean epoch forces intervened that we must conceive of as reaching into and shaping the human being from below, while other forces flowed into the human being from the outer space, moving from above downward. Thus, that form or shadow of the human being was once again exposed to other forces, which now, however, acted upon the human being from a different, entirely opposite direction.
[ 7 ] Um uns eine Vorstellung von diesen Kräften zu machen, müssen wir uns fragen: In welchen Wesenheiten auf der Erde wirkten vorzugsweise, unbeirrt durch die anderen Kräfte, diese Kräfte, die also wie aus dem Himmelsraume auf die Erde einströmten? Auch da können wir gewisse Wesenheiten in unserer Umgebung aufzeichnen, von denen wir sagen können: bei ihnen waren die Stierkräfte, die Löwenkräfte, die vom Innern der Erde kommen, möglichst gering wirksam, möglichst schwach wirksam. Dagegen waren bei ihnen fast ausschließlich wirksam die aus dem Weltenraum auf die Erde herunterwirkenden, in die Erdensubstanz einströmenden Kräfte. Diese Wesenheiten sind die dem Vogelreich angehörenden. Und unsere abstrakte Zoologie wird einmal recht sehr staunen müssen, wenn sie sich wird sagen müssen: Ganz anders geartet als bei den Säugetieren sind die Kräfte, die auf das Vogelreich hauptsächlich wirken und im weiteren Sinne auch auf alles dasjenige, was sich fortpflanzt durch nach außen abgelegte Eier. Bei all den Wesenheiten also, wo die Fortpflanzung so geschieht, besonders aber im Vogelreich, wirken im wesentlichen auf die Gestaltung aus dem Weltenraum hereindringende Strömungen. Diese Kräfte werden esoterisch zusammengefaßt unter dem Namen Adler.
[ 7 ] To get an idea of these forces, we must ask ourselves: In which beings on Earth did these forces—which flowed down to Earth as if from the heavens—primarily take effect, undeterred by other forces? Here, too, we can identify certain beings in our surroundings of whom we can say: in them, the bull forces and the lion forces—which come from the Earth’s interior—were as minimally effective as possible, as weakly effective as possible. In contrast, the forces acting upon them were almost exclusively those flowing down from outer space onto the Earth and into the Earth’s substance. These beings belong to the bird kingdom. And our abstract zoology will one day be quite astonished when it will have to admit: The forces that primarily act upon the bird kingdom—and, in a broader sense, upon everything that reproduces by laying eggs externally—are of a completely different nature than those acting upon mammals. In all beings, therefore, where reproduction occurs in this way—but especially in the bird kingdom—currents penetrating from outer space have a fundamental effect on form. Esoterically, these forces are summarized under the name “Eagle.”
[ 8 ] Wenn wir nun diese Kräfte, die vorzugsweise in der Gestaltung der Vogelwelt zum Ausdruck kommen, harmonisiert denken mit den Löwen- und Stierkräften im Menschen, so daß sich das alles einfügt der ursprünglichen Schemen- oder Schattengestalt, dann haben wir in dieser Harmonisierung dasjenige gegeben, was als ein Ergebnis die gegenwärtige Menschengestalt liefert. Wenn Sie das ganz anders Geartete der Vogelwelt ins Auge fassen, so werden Sie nicht lange daran zweifeln können, daß die ganze Vogelgestaltung etwas wesentlich anderes ist als die Gestaltung zum Beispiel der Säugetiere. Ich will heute auf die anderen Wesen des Tierreichs nicht eingehen. In der Vogelgestaltung liegt etwas, was auch dem hellseherischen Blick sich in ganz besonderer Weise aufdrängt. Während wir bei den Säugetieren überall, wohin wir hellseherisch blicken mögen, ganz besonders mächtig ausgebildet finden den astralischen Leib, tritt uns hellseherisch in der Vogelwelt als das Hervorstechendste ganz besonders der Ätherleib entgegen. Der Ätherleib, der von außen herein durch die Kräfte des Weltenraumes angeregte Ätherleib, ist es, der die Federn der Vögel zum Beispiel zum Ausdruck bringt, die Feder, das Gefieder. Von außen wird das alles gestaltet, und eine Vogelfeder kann nur dadurch entstehen, daß die Kräfte, welche von dem Weltenraum auf die Erde herunterwirken und mitwirken bei der Ausbildung der Vogelfeder, stärker sind als die Kräfte, die aus der Erde kommen. Dasjenige, was der Feder zugrunde liegt, was man als den Schaft der Feder bezeichnen kann, unterliegt allerdings gewissen Kräften, die aus der Erde kommen. Dann aber sind es die Kräfte, die aus dem Weltenraum wirken, die dasjenige angliedern, was sich an den Schaft der Feder anfügt und was konstituiert das äußere Gefieder des Vogels. Ganz anders ist es bei den mit Haaren bedeckten Wesenheiten. Da wirken bis in die Haare hinein vorzugsweise die Kräfte, die von der Erde nach auswärts, also in der entgegengesetzten Richtung wirken als bei der Vogelfeder. Und weil da nur im geringeren Maße die Kräfte aus dem Weltenraum auf die Haare der Tiere und der Menschen wirken können, so kann das Haar nicht zur Feder werden, wenn ich diesen paradoxen Ausdruck gebrauchen darf. Er entspricht völlig der Wirklichkeit, und man könnte, wenn man die Paradoxie fortsetzen wollte, sagen: Jede Vogelfeder hat die Tendenz, ein Haar zu werden, aber sie ist kein Haar, weil die Kräfte des Weltenraums von allen Seiten auf die Vogelfeder einwirken. Und jedes Haar hat die Tendenz, eine Feder zu werden, und es wird das Haar keine Feder aus dem Grunde, weil die Kräfte, welche von der Erde nach aufwärts wirken, stärker sind als die Kräfte, die von auswärts hereinwirken. - Wenn man sich solche Paradoxien wirklich ernsthaft vorhält, dann kommt man auf gewisse grundlegende Geheimnisse in der Konstitution unseres Weltalls.
[ 8 ] If we now conceive of these forces—which are expressed most prominently in the form of the bird world—as harmonized with the lion and bull forces within the human being, so that all of this fits into the original schematic or shadow form, then in this harmonization we have provided what ultimately yields the present human form. If you consider the entirely different nature of the bird world, you will not be able to doubt for long that the entire bird form is something essentially different from the form of mammals, for example. I do not wish to go into the other beings of the animal kingdom today. There is something in the structure of birds that also imposes itself upon the clairvoyant gaze in a very special way. Whereas in mammals, wherever we may look with our clairvoyant vision, we find the astral body developed with particular power, in the world of birds the etheric body stands out most prominently to the clairvoyant eye. It is the etheric body—the etheric body stimulated from the outside by the forces of the cosmos—that gives expression, for example, to the feathers of birds, the plumage. All of this is shaped from the outside, and a bird’s feather can only come into being because the forces that act down from outer space onto the Earth and contribute to the formation of the bird’s feather are stronger than the forces that come from the Earth. That which underlies the feather—what one might call the shaft of the feather—is, however, subject to certain forces that come from the Earth. But then it is the forces acting from outer space that attach what is joined to the shaft of the feather and what constitutes the bird’s outer plumage. The situation is quite different with beings covered in hair. Here, the forces acting into the hair are primarily those that move outward from the earth—that is, in the opposite direction compared to the bird’s feather. And because the forces from outer space can act on the hair of animals and humans only to a lesser extent, the hair cannot become a feather, if I may use this paradoxical expression. It corresponds entirely to reality, and one could, if one wanted to continue the paradox, say: Every bird feather has the tendency to become a hair, but it is not a hair because the forces of outer space act upon the bird feather from all sides. And every hair has a tendency to become a feather, and the hair does not become a feather for the reason that the forces acting upward from the earth are stronger than the forces acting in from the outside. — If one really considers such paradoxes seriously, one arrives at certain fundamental mysteries in the constitution of our universe.
[ 9 ] Nehmen wir einmal an, es hätte ein Mensch mit alter Hellsichtigkeit nicht den Menschen darstellen wollen, der eigentlich die verschiedenen Strömungen, die in ihn eingeflossen sind, verbirgt, indem er sie harmonisiert und sie nur in ihrer Wechselwirkung zeigt, sondern denken wir, er hätte gerade diese verschiedenen Strömungen anschaulich machen wollen. Dann hätte er sagen müssen: Dem Menschen liegt etwas zugrunde, was man nicht physisch sehen kann: die ursprüngliche Schemen- oder Schattengestalt, die heute nur deshalb auch in der äußeren physischen Gestalt herauskommt, weil der Mensch harmonisiert hat, was man die Adler-, Stier- und Löwenströmung nennt. — Derjenige, der den Menschen in bezug auf seinen Werdegang betrachtet, müßte die ursprüngliche Schemen- oder Schattengestalt des Menschen als übersinnlich betrachten, dafür aber müßte er dasjenige, was beim Menschen zusammengeflossen ist, sondern, auseinanderbringen, das heißt, er müßte sich denken: der ganzen Menschwerdung liegt zugrunde eine ätherische Schemengestalt, und in diese fließen ein, vermischen sich so, daß sie beim fertigen Menschen der Gegenwart nicht mehr zu unterscheiden sind, ein Stier-, ein Löwen-, ein Vogelelement.
[ 9 ] Let us suppose that a person with ancient clairvoyance had not wanted to portray the human being who actually conceals the various currents that have flowed into him by harmonizing them and revealing them only in their interaction, but rather that he had wanted to make precisely these various currents visible. Then he would have had to say: Underlying the human being is something that cannot be seen physically: the original schematic or shadow form, which today only manifests itself in the outer physical form because the human being has harmonized what are called the eagle, bull, and lion currents. — Anyone who considers the human being in terms of its development would have to regard the original schematic or shadow form of the human being as supersensible; to do so, however, they would have to separate what has flowed together in the human being—that is, they would have to conceive: underlying the entire process of human becoming is an ethereal schematic form, and flowing into this, mixing in such a way that they can no longer be distinguished in the fully formed human being of the present, are a bull, a lion, and a bird element.
[ 10 ] Nehmen wir nun einmal an, eine Kulturepoche wie etwa die altägyptische hätte das Bestreben gehabt, vor den Menschen die Menschwerdung hinzustellen, die ganze große Rätselfrage der Menschwerdung, dann hätte der eigentliche Mensch, die ursprüngliche, als Ergebnis von Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung herübergekommene Schemengestaltung des Menschen als Mensch, unsichtbar bleiben müssen. Aber wie aus dem Unsichtbaren heraus hätte sich bilden müssen ein Kompositum, zusammengefügt aus Stier- und Löwengestalt und mit Flügeln, wie sie der Adler hat, wie sie überhaupt der Vogel hat. Wenn Sie sich an die Sphinxgestalt in ihrem umfassendsten Sinn erinnern, die uns darstellen soll das große Rätsel vom Menschwerden, dann haben Sie tatsächlich das, was eine hellseherische Kultur, die im Innern wußte, wie es um die Menschheit steht, vor diese Menschheit hingestellt hat. Was in der Sphinx gesondert auftritt, ist innig verwoben in der menschlichen Natur. Und man kann sagen, daß für den hellseherischen Blick sich die Menschengestalt auf eine ganz sonderbare Weise ergibt. Wenn man nämlich eine solche Sphinx, die tatsächlich zusammengesetzt ist aus einer Löwengestalt und einer Stiergestalt mit Vogelflügeln, auf den hellseherischen Sinn wirken läßt und sie durch das ergänzt, was als menschliche Schemen- oder Schattengestalt dahinter steht und das innig miteinander verwebt, dann entsteht die menschliche Gestalt vor uns, dann wird das, was wir heute als Mensch vor uns haben. Daher kann das hellseherische Bewußtsein eine Sphinx, die zunächst gar nicht menschenähnlich ist, nicht ansehen, ohne daß es sich sagt: Du bist ich selber.
[ 10 ] Let us now suppose that a cultural epoch such as that of ancient Egypt had sought to present the Incarnation to humanity—the great enigma of the Incarnation—then the actual human being, the original human form that emerged as a result of the development of Saturn, the Sun, and the Moon, would have had to remain invisible. But out of the invisible, a composite figure would have had to emerge, formed from the figures of the bull and the lion and with wings, such as the eagle has, such as birds in general have. If you recall the figure of the Sphinx in its broadest sense, which is meant to represent the great mystery of human becoming, then you actually have what a clairvoyant culture—one that knew inwardly the state of humanity—has set before this humanity. What appears separately in the Sphinx is intimately woven into human nature. And one can say that, to the clairvoyant gaze, the human form reveals itself in a very peculiar way. For when one allows such a sphinx—which is indeed composed of a lion’s form and a bull’s form with bird’s wings—to act upon the clairvoyant sense, and supplements it with what stands behind it as a human phantom or shadow figure, and intimately weaves these together, then the human form arises before us; then what we have before us today as a human being comes into being. Therefore, the clairvoyant consciousness cannot look upon a sphinx—which at first glance is not at all human-like—without saying to itself: You are myself.
[ 11 ] Wir haben nun im Verlaufe dieser Betrachtung etwas sehr Merkwürdiges gesagt. Wir haben ja die viergliedrige Wesenheit des Menschen von einem anderen Standpunkt aus beleuchtet. Eine Schemen- oder Schattengestalt, die esoterisch als der Mensch bezeichnet wird, kommt herüber als das Ergebnis der alten Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung. Im Laufe der Verdichtung dieser Schemen- oder Schattengestalt wirken die Strömungen, die man esoterisch bezeichnet als die Löwen-, als die Stier- und als die Adlerströmung. Hier haben wir jene vier esoterischen Symbole, die tatsächlich zusammen den Menschen ausmachen und die mit der menschlichen Entwickelung am tiefsten, am bedeutsamsten zu tun haben. Nun haben wir erwähnt, daß im Laufe der Menschheitsentwickelung auf der Erde sowohl in diesen Menschen selber wie auch in die anderen Wesenheiten, namentlich also in die Wesenheiten der Vogelwelt, Kräfte von draußen, vom Weltenraum eingriffen. In der Tat fand das während der atlantischen Zeit statt, so daß man sagen kann, in diejenigen Teile der menschlichen Organisation, bis zu denen das menschliche Normalbewußtsein allerdings jetzt nicht mehr hinunterreicht, trat eine Strömung ein in den Menschen, die aus dem Weltenraum hinunterkam. Diese Strömung war in der atlantischen Zeit, war natürlich auch in der nachatlantischen Zeit vorhanden. Das war diejenige Strömung, die aus dem Bereich kam, welchen ich gestern als die oberen Götter bezeichnet habe, die in gewisser Weise die Vorstellungen der unterirdischen Götter, der chthonischen Götter sind. Das sind Wesenheiten, welche denjenigen Schülern der griechischen Mysterien entgegentraten, die sich an das große Rätsel der Sphinx heranmachen mußten. Sie mußten in der Tat den unterbewußten Teil der menschlichen Wesenheit in dieser Weise erschauen, daß sie durch die Selbsterkenntnis auch in dieser Beziehung zur viergliederigen Menschheit gekommen waren. Dasjenige nun, was in das Unterbewußtsein des Menschen seit der atlantischen Zeit vom Weltenraum hereinströmte, was, man möchte sagen, selbst in bezug auf seine niedrigeren Teile in es eindrang, strömte nun in bezug auf seine höchsten geläuterten Teile in die Erdenentwickelung des Menschen bei der Johannestaufe am Jordan ein. Das ist in der Tat ein bedeutsames Ereignis. Da strömten in der reinsten Weise jetzt nicht nur in den unterbewußten Teil des Menschen, sondern so, daß immer mehr und mehr der bewußte Teil des Menschen ergriffen werden kann, diejenigen Kräfte ein, die seit der atlantischen Zeit als die Strömung aus dem Weltenraum fortwährend schon auf unsere Erden- und Menschheitsgestaltung gewirkt haben. Daher mußte das Bild auftreten, welches auch tatsächlich unter den großen, durch die okkulten und religiösen Schriften auf uns gekommenen Symbolen vorhanden ist: das Symbolum, das wir in den Evangelien finden.
[ 11 ] In the course of this discussion, we have now said something very curious. We have, after all, examined the fourfold nature of the human being from a different perspective. A schematic or shadow figure, which is esoterically referred to as the human being, emerges as the result of the ancient Saturn, Sun, and Moon evolutions. In the course of the densification of this schematic or shadow figure, the currents known esoterically as the Lion, the Bull, and the Eagle currents are at work. Here we have those four esoteric symbols that actually constitute the human being and are most deeply and significantly connected to human evolution. Now we have mentioned that in the course of human evolution on Earth, forces from outside, from outer space, intervened both within these human beings themselves and within other beings, namely the beings of the bird world. In fact, this took place during the Atlantean epoch, so that one can say that into those parts of the human organism—to which normal human consciousness, however, no longer extends—a current entered the human being that came down from outer space. This current was present in the Atlantean epoch and, of course, also in the post-Atlantean epoch. This was the current that came from the realm I referred to yesterday as the higher gods, who in a certain sense are the counterparts of the underground gods, the chthonic gods. These are beings who confronted those students of the Greek mysteries who had to grapple with the great riddle of the Sphinx. They had to perceive the subconscious part of the human being in such a way that, through self-knowledge, they had also come to understand the fourfold nature of humanity in this regard. Now, that which had been flowing into the human subconscious from outer space since Atlantean times—which, one might say, penetrated it even in regard to its lower aspects—now flowed into the earthly development of the human being, in regard to its highest, purified aspects, at the baptism of John on the Jordan. This is indeed a significant event. For now, in the purest sense, those forces that had been continuously working upon our Earth and human form since Atlantean times as a current from outer space flowed in—not only into the subconscious part of the human being, but in such a way that the conscious part of the human being could increasingly be encompassed. Hence the image had to emerge that is indeed present among the great symbols handed down to us through occult and religious writings: the symbol we find in the Gospels.
[ 12 ] Wie konnte man nun diese Einströmung von oben aus dem Weltenraum in ihrer reinsten Gestalt darstellen? Wir wissen, was dazumal bei der Johannestaufe stattgefunden hat, daß dazumal der dreigliedrige Leib des Jesus von Nazareth, welcher durch die zwei Jesusknaben vorbereitet worden ist, wie Sie das in dem Büchelchen «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit» finden, verlassen wurde von seinem Ich, welches das Ich des Zarathustra war. Dieses Ich strömte nach oben, und in dieses Ich strömte ein bei seinem Fortgehen der reinste Teil jener Strömung, die schon fortwährend aus dem Weltenraum einströmte, aber nur zu den heute unterbewußten Gliedern des Menschen. Deshalb wird als ein richtiges Symbolum angegeben eine Vogelgestalt, die Gestalt der reinen weißen Taube, die gleichsam den reinsten Extrakt dessen darstellt, was das Adler- oder Cherubhafte der alten Sphinxgestalt war. Und es gehört im wesentlichen zu der Vollendung der Menschheit auf der Erde, daß in den bewußten Teil des Menschen einströmt diese kosmische, diese Weltenströmung. In dem Bilde des Jesus von Nazareth am Jordan, mit der Taube über ihm, finden wir in der Tat ausgedrückt das Geheimnis, das jetzt zu einem gewissen Abschluß gekommen war.
[ 12 ] How, then, could one depict this influx from above, from outer space, in its purest form? We know what took place at the time of the baptism of John, that at that time the threefold body of Jesus of Nazareth—which had been prepared by the two Jesus-children, as you will find in the booklet *The Spiritual Guidance of the Individual and of Humanity*—was left by his I, which was the I of Zarathustra. This I flowed upward, and into this I flowed, as it departed, the purest part of that stream which was already flowing continuously from outer space, but only into the parts of the human being that are today subconscious. That is why a bird form is given as a true symbol—the form of the pure white dove, which represents, as it were, the purest essence of what was the eagle-like or cherubic aspect of the ancient sphinx figure. And it is essentially part of the perfection of humanity on Earth that this cosmic, this world-stream flows into the conscious part of the human being. In the image of Jesus of Nazareth at the Jordan, with the dove above him, we indeed find expressed the mystery that had now reached a certain conclusion.
[ 13 ] Diese Strömung vom Weltenraum herein haben wir ja in ihrer Geschichte, ihrer kosmischen Geschichte gestern ein wenig verfolgen können. Warum konnte diese Strömung aus dem Weltenraum herein so sich gestalten, daß sie zu jener Christus-Kraft wurde, zu jenem Christus-Impuls, der, indem er immer weiter und weiter auf der Erde wirkt, die menschliche Wesenheit ganz ausfüllen, ganz durchdringen wird? Indem der Mensch diesen Impuls in sein Inneres aufnimmt, wird er in der Tat immer mehr und mehr die Wahrheit des Paulinischen Wortes in sich erfüllen: Nicht ich, sondern der Christus in mir. - Gegenüber den anderen drei Strömungen, die da waren als Ergebnis der früheren Entwickelung, wird die neue Strömung, welche die geläutertste Strömung von oben ist, den Menschen immer mehr und mehr ergreifen, immer mehr umspannen, wird immer mehr ihn aber auch loslösen von dem, was ihn an die Erde bindet. Wir haben das geschichtliche Werden dieser Strömung gestern dadurch charakterisiert, daß wir sagten, sie hat eigentlich nur so sein können, wie sie geworden ist, dadurch, daß sie sich schon auf der alten Sonne vorbereitet hat.
[ 13 ] Yesterday we were able to trace this current flowing in from outer space a little in its history, its cosmic history. Why was this current flowing in from outer space able to take shape in such a way that it became that Christ force, that Christ impulse which, by continuing to work further and further on Earth, will completely fill and permeate the human being? As the human being takes this impulse into their inner being, they will indeed fulfill more and more the truth of Paul’s words within themselves: Not I, but Christ in me. — In contrast to the other three currents that existed as a result of earlier development, the new current—which is the most purified current from above—will increasingly take hold of the human being, increasingly encompass him, and increasingly detach him from what binds him to the earth. We characterized the historical development of this current yesterday by saying that it could actually only have become what it has become because it had already prepared itself on the old sun.
[ 14 ] Während die oberirdischen Götterwesenheiten, die in unserem gestrigen Sinne die Vorstellungen der anderen Götterwesenheiten sind, nur in den feineren Elementen, in dem Wärmeelement, in dem Lichtelement, dem chemischen Element, dem Lebenselement leben wollten, nahm diese Wesenheit, die später durch die Johannestaufe im Jordan herunterstieg, aus innerster Weisheit die Kräfte mit, zu denen dazumal während der alten Sonnenentwickelung unsere Entwickelung schon vorgeschritten war. Wir wissen ja aus der Geisteswissenschaft, daß während der alten Sonnenentwickelung schon jene Verdichtung des Wärmeelementes, das noch auf dem alten Saturn das Wesentlichste war, zum Luftelemente stattgefunden hatte. Während die anderen Wesenheiten der überirdischen Götterwelten sich nicht darauf einließen, bei ihrem Hiinausgehen aus der Gesamtentwickelung in den Weltenraum etwas Luftartiges mitzunehmen, hat diese Wesenheit das Element der Luft mitgenommen, so daß sie verwandt blieb mit der Erde, also bei aller kommenden Entwickelung draußen im Weltenraum durch diese Wesenheit fortwährend ein der Erde verwandtes Element war: das, was sich auf der alten Sonne schon zur Luft oder zum Gas verdichtet hatte. - Wenn wir in dem Weltenraum wie mit dem Auge des alten Zarathustra hinausblicken zur Sonne, dann müssen wir in ihr zunächst ein Überbleibsel der alten Sonne sehen, gleichsam die wiederbelebte alte Sonne, die in der Gegenwart gleichsam nachahmt dasjenige, was auf der alten Sonne war. Wir haben also in der Sonne geheimwissenschaftlich zu sehen den Wohnplatz oder wenigstens einen Teil des Wohnplatzes — unsere übrigen Planeten gehören auch zu diesem Wohnplatz -, aber den wesentlichsten Teil des Wohnplatzes der oberen Göttergestalten, die wir gestern als die eine Strömung der Götterwelt angeführt haben. Wenn Sie aber diese ganze Sonne mit hellseherischem Blick anschauen, so ist alles das, was diese oberen Götter sind, nur ätherisch in der Sonne vorhanden, von den Wärmeelementen nach aufwärts nur als Wärme-, als Lichtäther, chemischer und Lebensäther. Aber die Sonne, wie sie heute im Weltenraum draußen schwebt, ist nicht nur für den hellseherischen Blick als ätherische Gestalt da, sondern sie ist als ein Gasball, als ein bis zur Luftigkeit Verdichtetes vorhanden. Die Sonne wäre niemals bis zur Luftsubstanz verdichtet worden, wenn nicht während der alten Sonnenentwickelung jene Wesenheit, von der ich gestern gesprochen habe und die mit der Taube bei der Johannestaufe im Jordan wiederum herunterkam, sich in einem Luftleib und nicht bloß in einem Ätherleib von der Sonne getrennt hätte. Wenn wir also die Sonne ansehen, so müssen wir sagen: Was in der Sonne Wärme-, Licht-, chemische Impulse sind, was Lebensimpulse sind, das hängt zusammen auch mit den anderen Wesenheiten, die nur die Vorstellungen der unteren Göttergestalten sind. Was in der Sonne gasig ist, ist in der Tat Körper des Christus.
[ 14 ] While the divine beings above the earth—who, in our modern sense, are the manifestations of the other divine beings— wished to live only in the finer elements—the element of warmth, the element of light, the chemical element, and the element of life—this being, who later descended through the baptism of John in the Jordan, took with it, out of innermost wisdom, the forces to which our development had already advanced at that time during the ancient solar evolution. We know from spiritual science that during the ancient solar evolution, the condensation of the element of warmth—which was still the most essential element on ancient Saturn—had already taken place, transforming into the element of air. While the other beings of the super-earthly worlds of the gods did not choose to take anything air-like with them when they stepped out of the overall development into outer space, this being took the element of air with it, so that it remained related to the Earth; thus, throughout all future development out in outer space, there was continually an element related to the Earth through this being: that which had already condensed into air or gas on the ancient Sun. — When we look out into outer space toward the Sun, as if with the eye of the ancient Zarathustra, we must first see in it a remnant of the ancient Sun, as it were the revived ancient Sun, which in the present, as it were, imitates that which was on the ancient Sun. We must therefore view the Sun, from a secret-scientific perspective, as the dwelling place—or at least a part of the dwelling place—of the higher divine beings we mentioned yesterday as one current of the divine world; our other planets also belong to this dwelling place. But if you look at this entire sun with a clairvoyant gaze, everything that these higher gods are is present in the sun only in an ethereal form, rising from the heat elements upward as heat-ether, light-ether, chemical ether, and life-ether. But the Sun, as it floats out there in outer space today, is not merely present as an ethereal form to the clairvoyant eye; rather, it exists as a gaseous sphere, condensed to the point of airiness. The Sun would never have been condensed to the substance of air if, during the ancient development of the Sun, that being of whom I spoke yesterday—and who descended again with the dove at the baptism of John in the Jordan—had not separated from the Sun in an air body and not merely in an etheric body. So when we look at the sun, we must say: What in the sun are impulses of warmth, light, and chemistry—what are life impulses—is also connected to the other beings, who are merely the representations of the lower divine forms. What is gaseous in the sun is, in fact, the body of Christ.
[ 15 ] Darin wird unsere heutige so materialistische Wissenschaft einmal die alte Zarathustralehre wiederum kennenlernen, wird sich sagen müssen: Die Sonne als Gasball im Weltenraum draußen ist nicht nur dasjenige, was unsere Astrochemie aus derselben machen will, nicht bloß, was unsere Spektralanalyse entdeckt, sondern die Sonne als Luft- oder Gasball draußen im Weltenraum ist der ursprüngliche Leib des Christus, der im Verein mit den anderen oberen Göttern, aber eine dem Erdenwesen verwandte Göttergestalt war. -— Das empfand Zarathustra, als er das Geheimnis von dem Christus in der Sonne mit dem Worte ausdrückte: Aura oder Ahura Mazdao, der große weisheitsvolle Geist, die große Weisheit, die große Aura. - In der Tat, das, was vorher bloß in der Sonne war, verwandt mit der Erdenwesenheit, ergriff in dem mysteriösen Moment der Johannestaufe im Jordan Besitz von dem physischen, dem Ätherleib und astralischen Leib des Jesus von Nazareth. Und in diesem Leibe des Jesus von Nazareth vereinigte sich zuerst auf unserer Erde die gereinigte, geläuterte Strömung aus dem kosmischen Weltenraum mit dem aus dem menschlichen Herzen nach dem Gehirn zu strömenden neu entstehenden Ätherleib. Mit jener ätherischen Strömung, die fortwährend als feinste Ätherteile aus dem Blut vom Herzen nach dem Kopfe zu strömt, vereinigte sich während der Johannestaufe im Jordan das, was als eine wirkliche, auch von Luftsubstanz durchzogene Strömung von draußen aus dem Weltenraum hereinkam. Damit war der Anfang dazu gegeben, daß für jede Menschenseele seither die Möglichkeit vorliegt, sich zu durchdringen mit jenem Elemente aus dem Weltenraum, das in der Signatur der Taube uns vorgestellt wird bei der Johannestaufe im Jordan. Da war in der Tat eine Korrespondenz geschaffen zwischen dem ganzen Weltenall, soweit es uns zugänglich ist, und seinem reinsten Extrakt, der vorher, vorläufig möchte man sagen, mitgewirkt hat in dem, was man esoterisch die Adlerströmung nennt. Es war eine Kommunikation, ein Zusammenwirken zwischen alledem, was die Strömung der Erde war, die den menschlichen Leib von unten herauf gestaltet hat, und demjenigen, was von außen herein als die makrokosmische Strömung auf den Menschen einwirkte. Sie sehen daraus, daß man in der Tat das Mysterium von Palästina immer mehr und mehr vertiefen kann. Je weiter wir selbst vorrükken in der Erkenntnis dessen, was die Welt ist, desto mehr kommen wir auch dazu, das Mysterium von Palästina zu begreifen.
[ 15 ] In it, our present-day, so materialistic science will one day rediscover the ancient teachings of Zarathustra and will have to admit: The Sun as a ball of gas out in outer space is not merely what our astrochemistry seeks to make of it, nor merely what our spectral analysis discovers; rather, the Sun as a ball of air or gas out in outer space is the original body of Christ, who, in union with the other higher gods, was a divine figure akin to earthly beings. — This is what Zarathustra sensed when he expressed the mystery of Christ in the sun with the words: Aura or Ahura Mazdao, the great wise Spirit, the great Wisdom, the great Aura. - Indeed, that which had previously existed only in the sun, akin to the earthly being, took possession of the physical, etheric, and astral bodies of Jesus of Nazareth at the mysterious moment of John’s baptism in the Jordan. And in this body of Jesus of Nazareth, the purified, refined current from the cosmic space of the worlds first united on our Earth with the newly emerging etheric body flowing from the human heart to the brain. During the baptism of John in the Jordan, that which entered from outside the cosmos as a real current, also permeated by airy substance, united with the ethereal current that continually flows as the finest etheric particles from the blood from the heart to the head. This marked the beginning of the possibility, ever since, for every human soul to be permeated by that element from outer space which is presented to us in the symbol of the dove at the baptism of John in the Jordan. A correspondence was indeed established between the entire universe, insofar as it is accessible to us, and its purest essence, which had previously—one might say provisionally—contributed to what is esoterically called the eagle current. It was a communication, an interaction between all that constituted the Earth’s current—which shaped the human body from below—and that which acted upon humanity from the outside as the macrocosmic current. You can see from this that one can indeed delve ever deeper into the Mystery of Palestine. The further we ourselves advance in our understanding of what the world is, the more we also come to grasp the mystery of Palestine.
[ 16 ] Nun müssen wir uns die Frage vorlegen, meine verehrten Freunde: Warum sieht heute der Mensch gar nichts mehr, empfindet gar nichts mehr von Ätherströmungen, die von seinem Herzen gegen sein Gehirn zu fließen? Die heutige Wissenschaft ist oberflächlich. Daher nimmt sie auch die Geschichte höchst oberflächlich und nimmt das, was uralte Wahrheiten sind, oftmals als uralte Irrtümer. Wenn Sie den Aristoteles, den alten griechischen Philosophen, studieren würden, so würden Sie eine merkwürdige Menschennaturlehre finden, eine merkwürdige Darstellung des Weltenwunders der menschlichen Wesenheit. Sie würden da die Darstellung finden, daß vom Herzen feinste Ätherteile nach dem Kopfe strömen und, indem diese Ätherteile das Gehirn berühren, abgekühlt werden. Natürlich sagt die heutige Wissenschaft: Aristoteles war zwar für die alten Griechen recht gescheit, aber heute weiß jeder Schulbube, daß das ein Irrtum ist. - Ein Irrtum ist aber das, was diejenigen glauben, die so über Aristoteles sprechen. In Wahrheit hat zwar Aristoteles nicht das hellseherische Bewußtsein besessen, um über diese Dinge selbst etwas zu wissen, aber er hat noch aus alten Traditionen heraus gewußt, was man in noch älteren Zeiten durch ein ursprüngliches natürliches Hellsehen hat beobachten können. Und dies Bewußtsein von den Ätherströmungen, die vom Herzen zu dem Gehirn heraufziehen, war in einer gewissen Weise bis tief in unser Mittelalter herein noch vorhanden, bis ins 15., 16. Jahrhundert, und wir finden ein gewisses Bewußtsein dafür noch in den Werken des Cartesius. Nur daß die Geschichte der Philosophie sagt: Nun ja, das ist halt etwas, was der Cartesius da so phantastisch erzählt von den sogenannten Lebensgeistern, die vom Herzen nach dem Gehirn strömen, das sind eben alte Vorurteile. Glücklich, daß wir darüber hinaus sind! - Es sind aber nicht alte Vorurteile, es sind alte Wahrheiten, die von der Zeit herrühren, wo man durch natürliches Hellsehen dergleichen Dinge hat wahrnehmen können. Der späteren Zeit ist das Bewußtsein von diesen Dingen eben verlorengegangen. Wie müssen wir denn vom Gesichtspunkt des heutigen Hellsehens, der heutigen okkulten Wissenschaft, diese Dinge darstellen? Man kann sich vielleicht, weil Aristoteles notwendigerweise nur aus den Überlieferungen schöpfen mußte, da ihm selbst nicht mehr die alten hellseherischen Kräfte zur Verfügung standen, etwas schwer abfinden mit der Art und Weise, wie er diese Dinge ausdrückt. Wenn man aber durch die heutige, seit dem 13. Jahrhundert gangbare Esoterik sich wiederum einläßt auf die Prüfung der vollen Menschenwesenheit, dann bemerkt man, daß in der Tat eine solche Ätherströmung vom Herzen nach dem Kopfe strömt.
[ 16 ] Now we must ask ourselves this question, my dear friends: Why is it that people today no longer perceive anything at all, no longer sense the etheric currents flowing from their hearts toward their brains? Modern science is superficial. Consequently, it also approaches history in a highly superficial manner and often regards what are ancient truths as ancient errors. If you were to study Aristotle, the ancient Greek philosopher, you would find a remarkable theory of human nature, a remarkable depiction of the wonder of the human being. You would find there the description that the finest etheric particles flow from the heart toward the head and, as these etheric particles touch the brain, are cooled. Of course, modern science says: Aristotle was quite clever for the ancient Greeks, but today every schoolboy knows that this is an error. - But what those who speak of Aristotle in this way believe is itself a mistake. In truth, Aristotle did not possess the clairvoyant consciousness to know anything about these things himself, but he still knew, from ancient traditions, what had been observed in even earlier times through a primal, natural clairvoyance. And this awareness of the etheric currents rising from the heart to the brain was, in a certain sense, still present well into the Middle Ages, into the 15th and 16th centuries, and we find a certain awareness of it even in the works of Descartes. Except that the history of philosophy says: Well, that’s just something Descartes tells in such a fantastical way about the so-called vital spirits flowing from the heart to the brain—those are just old prejudices. How fortunate that we have moved beyond that!—But these are not old prejudices; they are old truths stemming from a time when one could perceive such things through natural clairvoyance. In later times, awareness of these things was simply lost. How, then, must we present these things from the standpoint of modern clairvoyance, of modern occult science? Perhaps, because Aristotle necessarily had to draw only from tradition—since he himself no longer possessed the ancient clairvoyant powers—it is somewhat difficult to come to terms with the way he expresses these things. But when one engages once more in the examination of the full human being through the esotericism that has been in use since the 13th century, one notices that such an etheric current does indeed flow from the heart to the head.
[ 17 ] Man merkt aber noch etwas weiteres. Nicht nur eine Ätherströmung geht vom Herzen nach dem Kopfe, sondern in demjenigen, was da als Strömung vom Herzen nach dem Kopfe strömt, da sind auch Strömungen des astralischen Leibes vorhanden. Wenn man also genauer auf diese Strömungen sieht, die vom Herzen nach dem Kopfe gehen, stellt sich heraus, daß in diesen Strömungen vorhanden sind sowohl Ätherteile, Substanzen des Ätherleibes des Menschen, wie auch Substanzen des astralischen Leibes des Menschen. Es strömt also eine Substanz von dem Herzen nach dem Kopfe, in welcher Teile, substantielle Teile sowohl des Ätherleibes wie des astralischen Leibes des Menschen vorhanden sind. Nun ist das Gehirn ein höchst eigentümliches Werkzeug der menschlichen Natur; es hat nämlich durch die Art und Weise, wie es sich seit dem letzten Drittel der atlantischen Zeit gebildet hat, die Eigenschaft angenommen, daß es das, was da heraufgeht als astralische Strömung, aufhält, nicht durch sich durchläßt, während es die Ätherströmung tatsächlich durchläßt. Also wohlgemerkt: Das Gehirn ist als physisches Werkzeug etwas, worin sich zum Teil die Strömung, die vom Herzen nach aufwärts geht, staut. Das Gehirn ist durchlässig für die Ätherströmung, aber nicht durchlässig für die astralische Strömung. Die wird aufgehalten in unserem Gehirn, so daß für den hellseherischen Blick in der Region des Kopfes des Menschen das sich so zeigt, daß astralische Strömungen, welche von dem menschlichen Leib aufwärts gehen, im Gehirn sich ausbreiten, aber von diesem Gehirn aufgehalten werden, nicht oder nur zum geringsten Teil durch dieses Gehirn durchkönnen. Diese astralischen Strömungen aber, die von unten nach oben gehen und vom Gehirn aufgehalten werden, haben eine gewisse Anziehungskraft zu den äußeren astralischen Substantialitäten, die uns in der astralischen Substanz der Erde immer umgeben. Daher ist dieser astralische Leib des Menschen, insofern er die Region in der Nähe des Kopfes betrifft, wie zusammengenäht aus zwei Astralitäten: aus der Astralität, die fortwährend aus dem Kosmos zuströmt, und aus derjenigen, die von unten nach oben im menschlichen Leibe geht und angezogen wird von der äußeren Astralität.
[ 17 ] But there is something else to note. It is not only a stream of ether that flows from the heart to the head; within what flows there as a stream from the heart to the head, there are also streams of the astral body. If one therefore looks more closely at these currents flowing from the heart to the head, it turns out that these currents contain both etheric particles—substances of the human etheric body—as well as substances of the human astral body. A substance thus flows from the heart to the head, in which there are present substantial parts of both the human etheric body and the human astral body. Now, the brain is a highly peculiar instrument of human nature; for, through the way it has formed since the last third of the Atlantean epoch, it has acquired the property of holding back what ascends as an astral current, not allowing it to pass through, while it does indeed allow the etheric current to pass through. So, mind you: as a physical instrument, the brain is something in which the current flowing upward from the heart is partially blocked. The brain is permeable to the etheric current, but not to the astral current. It is held back in our brain, so that to the clairvoyant gaze, the region of the human head appears as follows: astral currents rising from the human body spread out in the brain but are held back by it, unable to pass through the brain at all or only to a very small extent. These astral currents, however, which rise from below and are held back by the brain, exert a certain attraction toward the external astral substances that constantly surround us in the Earth’s astral substance. Therefore, this astral body of the human being, insofar as it concerns the region near the head, is as if sewn together from two astralities: from the astrality that continually flows in from the cosmos, and from that which moves upward in the human body and is attracted by the external astrality.
[ 18 ] Also das, was wir als astralischen Leib um den Kopf herum finden, ganz in der Nähe unserer Kopfhaut, das hat gleichsam eine Verdickung, etwas wie eine Mütze, wenn ich mich paradox ausdrücken darf, die wir als astralische Substanz fortwährend aufhaben. Wir haben eine solche astralische Kopfbedeckung, die aus der Verdickung entsteht, durch welche die äußere und die innere Astralität hier in der Nähe des Kopfes gleichsam zusammengenäht werden. Durch diese astralische Haube oder Mütze dringen nun die Strahlen des Ätherleibes hindurch, da sie ja nicht aufgehalten werden vom Gehirn, und um so heller und glänzender erscheinen sie für den hellseherischen Blick, je reiner sie sind, das heißt, je weniger sie noch enthalten von den Trieben, Begierden und Leidenschaften, von den Affekten der menschlichen Natur. Dadurch gewinnt das, was wir als die Aura des Menschen bezeichnen, eine Art von Kranz, wenn wir es von vorne anschauen, einen Kranz von Astralität, durch welchen die Strahlen des Ätherleibes des Menschen hindurchstrahlen. Das ist die Kopfaura, welche von den alten noch hellseherisch begabten Menschen bei solchen Persönlichkeiten wahrgenommen wurde, bei denen durch die Reinheit ihres Wesens dieser Ätheraurateil hellstrahlend war: das, was als der Heiligenschein auch auf den Bildern abgebildet wird. Das ist eigentlich gemeint mit dem Heiligenschein, und das wird gesehen, wenn der hellseherische Blick die Kopfaura sehr deutlich sieht. Da haben wir also durch die Eigenart des Gehirns ein Aufhalten, ein Verteilen der inneren astralischen Aura, der inneren astralischen Substanz am Kopf herum.
[ 18 ] So what we find as the astral body around the head, very close to our scalp, has, as it were, a thickening—something like a cap, if I may put it paradoxically—which we constantly wear as astral substance. We have such an astral head covering, which arises from the thickening through which the outer and inner astral bodies are, as it were, sewn together here near the head. The rays of the etheric body now penetrate through this astral hood or cap, since they are not held back by the brain, and the purer they are—that is, the less they still contain of the drives, desires, and passions, of the emotions of human nature—the brighter and more radiant they appear to the clairvoyant eye. As a result, what we call the human aura takes on a kind of wreath when viewed from the front—a wreath of astral light through which the rays of the human etheric body shine. This is the head aura, which was perceived by the ancient people still gifted with clairvoyance in such personalities in whom, through the purity of their being, this part of the etheric aura shone brightly: that which is also depicted as the halo in pictures. This is actually what is meant by the halo, and this is seen when the clairvoyant gaze perceives the head aura very clearly. So, due to the peculiar nature of the brain, there is a retention and distribution of the inner astral aura, the inner astral substance, around the head.
[ 19 ] Bitte fassen Sie diesen Vorgang ganz genau ins Auge. Von unten herauf strömt beim Menschen ätherisch-astralische Substanz. Diese ätherisch-astralische Substanz breitet sich im Gehirn so aus, daß sie dieses Gehirn erfüllt, aber vom Gehirn aufgehalten wird, ebenso wie der Lichtstrahl aufgehalten wird, der von innen auf den Spiegel fällt und zurückgeworfen wird. Und hier haben Sie die wahre Gestaltung der Spiegelung. Indem der astralische Stoff vom Gehirn aufgehalten wird, spiegelt er sich zurück, und das, was da hineingeht und sich zurückspiegelt, das sind Ihre Gedanken, das ist Ihr bewußtes Gefühl, ist dasjenige, was Sie als Ihr Seelenleben gewöhnlich erleben. Und nur dadurch, daß gleichsam dieser astralische Teil durch die das Gehirn durchströmenden Ätherteile zusammengeknüpft oder zusammengenäht wird, wodurch nämlich bewirkt wird, daß der innere astralische Teil sich mit der äußeren Astralität verbinden will, kommt ein äußeres Wissen, eine Erkenntnis der äußeren Welt zustande. Alles, was wir von der äußeren Welt wissen, alles das kommt in uns dadurch herein, daß die äußere Astralität durch die Ihnen so paradox geschilderte astrale Mütze oder Haube, die jeder aufhat, durch diesen Helm sich zusammenfügt mit der inneren Astralität.
[ 19 ] Please pay very close attention to this process. In human beings, etheric-astral substance flows upward from below. This etheric-astral substance spreads out in the brain in such a way that it fills the brain, but is held back by the brain, just as a ray of light falling from within onto a mirror is held back and reflected back. And here you have the true nature of the reflection. As the astral substance is held back by the brain, it reflects back, and what enters there and is reflected back—that is your thoughts, that is your conscious feeling—is what you usually experience as your inner life. And only because this astral part is, as it were, woven or sewn together by the etheric particles flowing through the brain—which causes the inner astral part to seek connection with the outer astral realm—does external knowledge, an understanding of the external world, come into being. Everything we know of the outer world—all of that enters us through the fact that outer astral reality, via the astral cap or hood described to you in such paradoxical terms—which everyone wears—through this helmet, unites with inner astral reality.
[ 20 ] Ja, meine lieben Freunde, auch die Kulturgeschichte wird noch manche Bereicherung erfahren aus dem Okkultismus. Ich erinnere Sie daran, daß man in alten Zeiten doch eben solche Dinge gesehen hat, und das, was in der alten Zeit noch sichtbar war, den Aurenteil, hat man in der Gewandung nachgeahmt. Helme haben sich die Menschen deshalb aufgesetzt, weil sie den Helm im Sinne der astralen Mütze oder Haube, die jeder Mensch auf hat, geformt haben. Alle äußere Gewandung ist an ihrer ursprünglichen Stelle so entstanden, daß dasjenige, was der Mensch ätherisch oder astralisch um sich herum hat, in der Gewandung nachgeahmt worden ist. Und wenn wir die alten Gewandungen, namentlich die Priestergewandungen, verstehen wollen, wenn wir wissen wollen, warum das eine so oder so entstanden ist, dann brauchen wir bloß hellseherisch hinzuschauen auf die Dinge, die um die Menschen entweder als ätherische Aura oder als astralische Aura herum sind. Denn die Gestaltungen der ätherischen oder astralischen Aura wurden in den alten Gewandungen nachgeahmt und werden noch nachgeahmt in den Gewandungen, welche mit irgendeinem Kultus oder Ritual zu tun haben. Es ist daher - das bemerke ich nur in Parenthese - einer Zeit, welche dem Materialismus so verfallen ist, daß sie die Aura leugnet, ganz angemessen, daß sie auch keine Gewandung mehr haben will, die hervorgegangen ist aus der Nachahmung dessen, was der Mensch an sich trägt. Und wenn die Schrulle der Nacktkultur jetzt in unserer heutigen Zeit auftritt, so rührt das davon her, daß der materialistische Sinn nichts mehr wissen will von jenen höheren ätherischen und astralischen Aurenbildungen, die der Mensch um sich herum hat und aus denen heraus er die Formen seiner Gewandung gebildet hat. Ältere Zeiten, aber gar nicht so alte Zeiten, haben noch die Färbungen der Aura nachgebildet in der Gewandung der Menschen. Und wenn Sie die Bilder der älteren Maler sich anschauen, dann können Sie ein, man möchte sagen, noch in seinen alten Resten auftretendes Bewußtsein darin erblikken, daß das Aurische in den Farben der Gewänder auftritt. Sehen Sie sich die Bilder an, wie sie die Maria in der Regel mit ganz bestimmten Farben des Unterkleides und mit ganz bestimmten Farben des Übergewandes und wie sie mit anderen Farben zum Beispiel die Magdalena darstellen! Das Kleid der Magdalena mit der gelben Farbe konnte der alte Maler nicht verwenden für das der Maria. Warum nicht? Weil die Aura einer Magdalena verschieden ist von der Aura einer Maria. Der alte Maler hat noch durchaus das Bewußtsein zum Ausdruck gebracht, daß das Gewand der Ausdruck ist für dasjenige, was der Mensch übersinnlich, wie eine Art Gewandung mit sich herumträgt. Und wenn Sie namentlich auf das blicken, was nicht nur als Gewandung, sondern als Helmgestalt oder dergleichen die griechischen Göttergestalten an sich tragen, wie zum Beispiel die Pallas Athene dieses oder jenes an sich trägt, so hängt das davon ab, wie sich der griechische Künstler die Aura bei den alten Göttergestalten nach diesen Voraussetzungen denken mußte.
[ 20 ] Yes, my dear friends, cultural history, too, will be further enriched by occultism. I remind you that in ancient times people did indeed perceive such things, and what was still visible in those days—the auric aspect—was imitated in their clothing. People wore helmets because they shaped them in the likeness of the astral cap or hood that every human being wears. All outer garments originated in their original form in such a way that what a person has around them in the etheric or astral realm was imitated in the garment. And if we wish to understand the ancient garments, particularly the priestly vestments, if we wish to know why a particular design came about in a certain way, then we need only look clairvoyantly at the things surrounding human beings, whether as an etheric aura or an astral aura. For the forms of the etheric or astral aura were imitated in the ancient vestments and are still imitated in the vestments associated with any cult or ritual. It is therefore—I note this only in parentheses—entirely fitting for an age so steeped in materialism that it denies the aura to also no longer want garments that have emerged from the imitation of what the human being carries within themselves. And if the fad of nudism appears in our present day, it stems from the fact that the materialistic mindset no longer wants to know anything about those higher etheric and astral aura formations that surround the human being and from which the forms of their clothing were derived. In earlier times—though not so very long ago—the colors of the aura were still reflected in people’s clothing. And if you look at the paintings of the older masters, you can discern a consciousness—one might say—still emerging in its ancient remnants, in which the auric is expressed in the colors of the garments. Look at the paintings: how Mary is usually depicted with very specific colors for her undergarment and very specific colors for her outer garment, and how, for example, Mary Magdalene is portrayed with different colors! The old painter could not use the yellow color of Mary Magdalene’s robe for Mary’s. Why not? Because the aura of Mary Magdalene is different from that of Mary. The old painter still fully expressed the awareness that the garment is an expression of what the human being carries around with them in a supersensible way, like a kind of garment. And if you look specifically at what the Greek deities wear—not just as garments, but as helmets or similar items—such as what Pallas Athena wears, this depends on how the Greek artist had to conceive of the aura of the ancient deities according to these premises.
[ 21 ] Sie sehen also, daß der Mensch, welcher zu der wirklichen geistigen Erkenntnis der Menschennatur vorrückt, in der Tat sich sagen muß: Alles, was du um dich erblickst, ist zunächst nur ein ganz äußerlicher oberflächlicher Ausdruck der wahren Wesenheit. Wenn der Mensch sein Bewußtsein in sich walten fühlt, in sich walten weiß, dann muß er sich sagen: Dieses Bewußtsein umfaßt eigentlich den allergeringsten Teil der Menschennatur. In mir wirkt fortwährend noch etwas ganz anderes. - Und da können wir das, was wir in bezug auf das Gehirn gesagt haben, ergänzen.
[ 21 ] You see, then, that the person who advances toward a true spiritual understanding of human nature must indeed say to himself: Everything you see around you is, at first, merely a very external, superficial expression of true essence. When a person feels this consciousness at work within them, knows it is at work within them, then they must say to themselves: This consciousness actually encompasses only the very smallest part of human nature. Something entirely different is constantly at work within me. — And here we can add to what we have said regarding the brain.
[ 22 ] Wenn wir hellseherisch den Menschen in bezug auf seine anderen Regionen wiederum verfolgen, dann finden wir etwas höchst Eigentümliches. Während der ätherische und astralische Aurenteil bis zum Gehirn heraufgeht und da der astralische Aurenteil aufgehalten wird, der ätherische wie als Korona heraustritt, sehen wir, daß der Ich-Teil des Menschen als innerliche Aura schon aufgehalten wird in der Herzgegend. Die eigentliche innere Ich-Aura wird schon in der Herzgegend aufgehalten, dringt nur bis in die Herzgegend herauf und verbindet sich mit einem der äußeren Aurenteile der entsprechenden makrokosmischen Aurenteile. Im Herzen verschlingen sich in der Tat zwei Elemente, das eine Element, welches aus dem Makrokosmos hereinkommt und welches mit der Ich-Aura zusammengeknüpft wird, die von unten herauf kommt, aber schon beim Herzen sich staut, schon beim Herzen aufgehalten wird. So wie die astralische Aura im Gehirn aufgehalten wird, so wird die Ich-Aura im Herzen aufgehalten und berührt sich dort mit einem äußeren IchAuren-Element. Daher kommt das eigentliche Ich-Bewußtsein des Menschen im Grunde genommen den Tatsachen nach nicht im Gehirn zustande. Was ich Ihnen gesagt habe für den alten atlantischen Menschen, daß sein Ich hineingezogen ist, das haben wir noch genauer vorzustellen als ein Hineinziehen des äußeren makrokosmischen Ich, das seit der alten atlantischen Zeit nun vorgedrungen ist bis zum Herzen, sich da verbunden hat mit einer anderen Ich-Strömung, die von unten heraufströmt, und die im Herzen zusammenkommen, so daß wir im Herzen organisiert haben den Ort, wo durch das Werkzeug des Blutes das eigentliche Ich des Menschen, wie es in unserm Bewußtsein auftritt, zustande kommt.
[ 22 ] If we again follow the human being clairvoyantly as regards his other regions, we find something most peculiar. While the etheric and astral parts of the aura ascend as far as the brain—where the astral part is held back and the etheric part emerges like a corona—we see that the human ego, as an inner aura, is already held back in the region of the heart. The actual inner ego-aura is already held back in the region of the heart, rises only as far as the region of the heart, and connects with one of the outer parts of the aura corresponding to the macrocosmic parts of the aura. In the heart, two elements do indeed intertwine: the one element that enters from the macrocosm and is linked with the ego-aura, which rises from below but is already blocked at the heart, already held back at the heart. Just as the astral aura is held back in the brain, so the ego-aura is held back in the heart and comes into contact there with an outer ego-aura element. Therefore, the actual ego-consciousness of the human being does not, in fact, come into being in the brain. What I have told you about the ancient Atlantean human, that his ego has been drawn in, we must imagine even more precisely as a drawing-in of the outer macrocosmic ego, which since the ancient Atlantean time has now advanced as far as the heart, where it has connected with another ego-current flowing upward from below, and which converge in the heart, so that we have established in the heart the place where, through the medium of the blood, the actual human ego, as it appears in our consciousness, comes into being.
[ 23 ] Das alles zeigt Ihnen, wie der Mensch in die große, in die makrokosmische Welt hineingestellt ist. Das alles sind wir, das alles ist in uns. Das alles geht in uns vor, und von alledem umfaßt das normale Bewußtsein des gegenwärtigen Menschen nur, was eben jeder Mensch kennt, was an der Oberfläche liegt. Wenn Sie sehen, daß das Weltenwunder des Menschen so Ungeheures enthält, so können Sie auch voraussetzen, daß dasjenige, was uns in den drei Reichen der Natur umgibt, die mannigfaltigsten, die kompliziertesten Strömungen enthält und daß das Wissen, welches wir von dieser Welt für unser Bewußtsein haben, nur ein kleiner, oberflächlicher Ausschnitt ist. Kommt man zu dem Bewußtsein dieser Tatsache, so muß man sich vor die Welt hinstellen und sagen: Mit dem, was unser Seeleninhalt, unser Bewußtsein ist im gewöhnlichen Leben, ist uns nur gegeben, was äußerste Oberfläche der Dinge ist, und durch das normale Bewußtsein kennt man nur den geringsten Teil der menschlichen Wesenheit.
[ 23 ] All of this shows you how human beings are situated within the great, macrocosmic world. All of this is us; all of this is within us. All of this takes place within us, and of all this, the normal consciousness of modern human beings encompasses only what every person knows—what lies on the surface. When you see that the wonder of the human world contains such immense things, you can also assume that what surrounds us in the three realms of nature contains the most manifold, the most complex currents, and that the knowledge we have of this world for our consciousness is only a small, superficial fragment. When one becomes aware of this fact, one must stand before the world and say: With what constitutes the content of our soul, our consciousness in ordinary life, we are given only the outermost surface of things, and through normal consciousness one knows only the smallest part of the human being.
[ 24 ] Was ich jetzt in einem einfachen, schlichten Satz gesagt habe, wird einmal zu einem durchdringenden harten, schweren Bewußtsein beim Menschen, der nach einer höheren, nach einer übersinnlichen Erkenntnis hinaufstrebt. Dann wird ihm plötzlich bewußt: Ja, mit dem, was du bisher gewußt hast, hast du dir eigentlich die Dinge mehr verdeckt, verborgen, als daß du sie dir enthüllt hast. Der Mensch steht da in seiner ganzen menschlichen Schwachheit gegenüber den Weltenwundern. Daß er nicht ohnmächtig wird während dieses Bewußtseins, daß er in sich das schon gestern charakterisierte Vertrauen findet, dennoch durchzudringen, das umfaßt den Umfang alles dessen, was man Seelenprüfungen nennen muß. Starke, kraftvolle Energie, Hoffnung und Vertrauen bringen die Seele durch jede Prüfung hindurch, denn durch sie stellt sich die Seele alledem gegenüber, was wir als Weltenwunder bezeichnen können. Und die Welt stellt uns immer mehr und mehr Wunder dar, je mehr wir zu den übersinnlichen Welten hindurchdringen. Da wir aber mit jedem neuen Weltenwunder vor immer neues Unbekanntes gestellt werden, werden wir auch immer vor neue Seelenprüfungen gestellt. Im kleinen, gewöhnlichen Leben wäre es eine Prüfung, wenn wir zum Beispiel eine Zeitlang einen Menschen kennengelernt hätten und geglaubt hätten, er sei das, als was er uns eben entgegentritt, und wenn er dann sich plötzlich als etwas ganz anderes zeigen würde. Dann könnten wir entweder da von ihm abfallen oder wir könnten unsere Seele über diesen Punkt hinwegführen und auch dann treu bleiben. Dann hätten wir die Prüfung der Freundschaft in gewisser Weise bestanden. Den Weltenwundern gegenüber gibt es auch diese Prüfungen. Mit alledem, was sich unsere Seele erworben hat an Vorstellungen und Gefühlen gegenüber den Weltenwundern, stehen wir, indem wir vorrücken, allerdings nicht einer Welt gegenüber, die sich ändert, aber dadurch, daß wir immer mehr und mehr in diese Welt hineinschauen, steht immer anderes vor uns, und immer von neuem müssen wir uns sagen: Das ist Maja, was wir bisher geschaut haben. - Da kann uns der Zweifel ankommen. Da kann uns vor allen Dingen die Stimmung ankommen, daß wir uns sagen: Du bist zu schnell vorgedrungen wie Johannes Thomasius in dem vorletzten Bild des zweiten Rosenkreuzer-Dramas «Die Prüfung der Seele» sich sagen muß. Er hat sich bisher nach seiner Seelenentwickelung ein gewisses Bild des Luzifer gemacht. Das ist aber nur ein Bild, ein Schemen. Indem er aber weiter vordringt, erscheint ihm Luzifer durchaus inhaltsvoller, und er muß wiederum zurück, um ihn in seiner Fülle kennenzulernen, nicht wie bisher als Schemen.
[ 24 ] What I have just expressed in a simple, plain sentence will one day become a piercing, harsh, and profound realization for the person who strives toward a higher, supersensory understanding. Then it suddenly dawns on them: Yes, with what you have known up to now, you have actually veiled and concealed things from yourself more than you have revealed them. The human being stands there in all their human weakness before the wonders of the worlds. That he does not faint in the face of this awareness, that he finds within himself the confidence—characterized yesterday—to persevere nonetheless: this encompasses the scope of all that must be called trials of the soul. Strong, powerful energy, hope, and trust carry the soul through every trial, for through them the soul confronts all that we may call the wonders of the world. And the world presents us with more and more wonders the further we penetrate into the supersensible worlds. But since with every new wonder of the world we are confronted with ever new unknowns, we are also constantly faced with new trials of the soul. In small, ordinary life, it would be a trial if, for example, we had known a person for a while and believed him to be exactly as he appeared to us, and if he then suddenly revealed himself to be something entirely different. Then we could either turn away from him or we could guide our soul beyond this point and remain faithful even then. Then we would have passed the test of friendship in a certain sense. These tests also exist in relation to the wonders of the world. With all that our soul has acquired in terms of ideas and feelings regarding the wonders of the world, as we advance we do not, however, face a world that changes; but because we look deeper and deeper into this world, something different always stands before us, and we must say to ourselves again and again: What we have seen so far is Maya. — Here doubt may arise in us. Above all, the feeling may arise that we say to ourselves: You have advanced too quickly, just as Johannes Thomasius must say to himself in the penultimate scene of the second Rosicrucian drama, “The Trial of the Soul.” Up to this point, in accordance with his soul’s development, he has formed a certain image of Lucifer. But that is only an image, a phantom. As he advances further, however, Lucifer appears to him as far more substantial, and he must turn back again to get to know him in his fullness, not as a phantom as before.
[ 25 ] Und so kann auch derjenige, der in gewisser Weise in eine für ihn zunächst höhere Stufe des Hellsehens vorgedrungen ist, noch weiter vordringen und sich sagen: Was ich bisher erreicht habe, ist doch nur Schemen, Bild, es muß dichter werden. - Wir stehen, weil wir selber vorrücken, vor immer neuen Gestaltungen der Welt. Wir können die starken Kräfte der Seele hineintragen in diese neuen Gestaltungen. Dann wird unsere Seele die Prüfungen bestehen und immer neue Geistesoffenbarungen aus dieser Welt herein aufnehmen können. Jedes Mal, wenn eine neue Geistesoffenbarung kommt, wird eine Prüfung der Seele zu bestehen sein. Aus einer jeglichen Stufe der Entwickelung entspringen neue Prüfungen, und wir müssen geradezu den Impuls für alle höhere Entwickelung darin sehen, daß unsere Seele niemals abzuschließen braucht, sondern sich immer höheren und auch vielleicht schwereren Prüfungen unterziehen kann. Niemals bleiben aber aus, wenn die Seele die Prüfungen besteht, die Geistesoffenbarungen, die, vielleicht erst nach längerer Zeit, der Seele dasjenige geben, zu dem sie durch ihre Prüfungen aufsteigen muß.
[ 25 ] And so even those who have, in a certain sense, advanced to what is for them a higher stage of clairvoyance can go even further and say to themselves: What I have achieved so far is merely a shadow, an image; it must become more concrete. — Because we ourselves are advancing, we are faced with ever-new forms of the world. We can carry the powerful forces of the soul into these new forms. Then our soul will pass the tests and be able to receive ever new spiritual revelations from this world. Every time a new spiritual revelation comes, a test of the soul will have to be passed. New tests arise from every stage of development, and we must see the very impulse for all higher development in the fact that our soul never needs to come to an end, but can always undergo higher and perhaps even more difficult tests. But whenever the soul passes these tests, spiritual revelations never fail to follow—revelations that, perhaps only after a long time, give the soul that to which it must ascend through its trials.
[ 26 ] So sehen wir, wie solche Prüfungen der Impuls zum Aufwärtsstreben sind, wie Geistesoffenbarungen immer wiederum das sind, was uns als Befriedigendes von oben entgegenkommt. Deshalb müssen wir durchaus nicht vorschnell das, was erreicht werden kann auf einer Stufe und was zum Beispiel dargestellt worden ist in unserem ersten Rosenkreuzer-Mysterium, als einen Abschluß betrachten. Wir würden fehlgehen, wenn wir das als einen Abschluß betrachteten. Es kann der Mensch in dem Sehen von Bildern der höheren Welten zum Beispiel sehr weit sein, und doch eines Tages darauf kommen, daß er nur Bilder gesehen hat, nicht Wirklichkeiten. Dann steht er vor der harten Seelenprüfung, vor welcher Johannes Thomasius noch ist, als schon das zweite RosenkreuzerDrama zu Ende geht. Dann wird er gewahr, daß es Bild war, daß er die Wirklichkeit noch gar nicht genügend selbst auf dem physischen Plan kennengelernt hat, um sein Bild mit Wirklichkeit auszufüllen. Dann treten solche Prüfungen an die Seele heran, daß diese Seele sich fragen muß: Wie entwickele ich die starken Kräfte in mir, um dem Inhalt zu geben, was zunächst bloß Bild ist? - So müssen wir uns darüber klar sein, daß wir Prüfungen der Seele nicht zu scheuen haben, denn mit jeder Neugestaltung der Welt, die uns entgegentritt, müssen wir wiederum Prüfungen bestehen, und das Hinauskommen über die Prüfungen wäre der Tod des wirklichen geistigen Lebens. Wir müssen uns gestehen, daß wir die Seelenprüfungen nicht zu scheuen haben, weil sie uns stark machen, um hinaufzudringen in die geistige Welt.
[ 26 ] Thus we see how such trials serve as an impetus for upward striving, just as spiritual revelations are always that which comes to meet us from above as a source of satisfaction. Therefore, we must by no means hastily regard what can be attained at one stage—and what, for example, has been depicted in our first Rosicrucian Mystery—as a conclusion. We would be mistaken if we regarded it as a conclusion. A person may, for example, have advanced very far in the vision of images of the higher worlds, and yet one day come to realize that they have seen only images, not realities. Then he faces the harsh trial of the soul that Johannes Thomasius still faces as the second Rosicrucian drama draws to a close. Then he realizes that it was an image, that he has not yet come to know reality sufficiently on the physical plane to fill his image with reality. Then such trials come upon the soul that this soul must ask itself: How do I develop the strong forces within me to give substance to what is at first merely an image? — Thus we must be clear that we must not shy away from trials of the soul, for with every new configuration of the world that confronts us, we must once again pass trials, and to escape these trials would be the death of true spiritual life. We must admit to ourselves that we must not shy away from the trials of the soul, because they make us strong enough to ascend into the spiritual world.
