Wonders of the World,
Trials of the Soul,
and Revelations of the Spirit
GA 129
27 August 1911, Munich
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Zehnter Vortrag
Tenth Lecture
[ 1 ] Wir haben im Verlaufe unserer Vorträge darauf hinweisen können, wie die Menschen zu den verschiedensten Zeiten sich Vorstellungen bildeten über das, was in den Weltenwesen und in den Weltenereignissen eigentlich darinnen steckt. So darinnen steckt, daß der Mensch dadurch, daß er sich gewisse Vorstellungen, gewisse Begriffe bildet, daß er sich bestimmte Empfindungen und Gefühle über die Ereignisse und Wesenheiten der Welt aneignet, zu etwas gelangt, was ihm Befriedigung gibt, von dem er sich sagen muß, daß es ihm einen notwendigen Zusammenhang mit den Dingen schafft, sei es, daß ihm dadurch eine Erklärung für die Weltengeheimnisse aufgeht oder sich ihm in irgendeiner anderen Weise eine Befriedigung ergibt. Dadurch zeigt der Mensch, daß er sich nicht einfach so, wie er ist, der Welt gegenüberstellt, sondern daß er zu dem, was seinen Sinnen und auch seinem hellseherischen Erkennen erscheint, ein Wissen über Tieferes erstreben will, über das, was sich zunächst verbirgt, damit er in der richtigen Harmonie zur Welt stehen könne. Der Mensch zeigt dadurch, daß er überhaupt eine Erklärung anstrebt über die Welt, daß ihm diese Welt Rätsel aufgibt, daß sein Verhältnis zur Welt nicht abgeschlossen ist mit der Art, wie er sich zunächst ihr gegenüberstellen muß. Man hat das in alten Zeiten dadurch ausgedrückt, daß man jenes Gefühl ins Auge faßte, welches die Menschen gerade den auffallendsten Wesenheiten und Tatsachen des Weltenwerdens gegenüber haben. Man hat gesagt, der Mensch hat zunächst das Gefühl der Verwunderung gegenüber den Dingen und Wesenheiten, und aus dem Gefühle der Verwunderung entspringe alle Philosophie, alles, was der Mensch als eine Erklärung über die Welt anstrebt. Nun aber dürfen wir aus den Erfahrungen heraus, die ein jeder machen kann, sagen: Die Menschenseele strebt aus dem Gefühle der Verwunderung heraus zu etwas, was diese Verwunderung dämpft, wegbringt. — Sie kann nicht bei der bloßen Verwunderung stehenbleiben, denn sonst würde ihr die ganze Welt nur aus Wundern bestehen. Die Menschenseele kann vor den Weltenwundern mit ihrer Verwunderung nicht stehenbleiben, sie muß die Verwunderung dämpfen, muß das, was als Weltenwunder erscheint, dadurch sozusagen sich aus dem Wege schaffen, daß sie durch sich selbst eine Art Erklärung, eine Antwort auf das Rätselvolle, das Wunderbare der Welterscheinungen und Weltenwesen findet.
[ 1 ] In the course of our lectures, we have been able to point out how people at various times have formed ideas about what actually lies at the heart of the beings and events of the world. What lies at the heart of this is that, by forming certain ideas, certain concepts, and by acquiring specific sensations and feelings regarding the events and beings of the world, arrives at something that gives him satisfaction—something of which he must say that it creates a necessary connection with things for him, whether this provides him with an explanation for the mysteries of the world or yields satisfaction in some other way. In this way, human beings demonstrate that they do not simply confront the world as they are, but that they seek, in relation to what appears to their senses and also to their clairvoyant perception, a knowledge of what lies deeper—of that which is initially hidden—so that they may stand in true harmony with the world. In this way, human beings show that they seek an explanation of the world at all, that this world presents them with riddles, that their relationship to the world is not concluded with the way they must initially face it. In ancient times, this was expressed by focusing on that feeling which human beings have precisely toward the most striking entities and facts of the world’s becoming. It was said that human beings initially have a sense of wonder toward things and entities, and that from this sense of wonder springs all philosophy, everything that human beings strive for as an explanation of the world. But now, based on experiences that anyone can have, we may say: The human soul, out of a sense of wonder, strives for something that dampens this wonder, that takes it away. — It cannot remain at the level of mere wonder, for otherwise the whole world would consist solely of wonders. The human soul cannot remain in a state of wonder before the wonders of the world; it must quell this wonder, must, so to speak, remove what appears as a wonder of the world from its path by finding within itself a kind of explanation, an answer to the mysterious and wondrous nature of worldly phenomena and beings.
[ 2 ] Wir haben gesehen, wie zum Beispiel die alte Griechenseele in der verschiedensten Art die Verwunderung weggeschafft hat, indem sie hindurchgeblickt hat auf das, was einem alten hellseherischen Bewußtsein zur Erklärung der Welt gegenwärtig war und was sie in ihren Göttergestalten ausgesprochen hat. Sobald der Grieche gewußt hat: in dieser oder jener Weltentatsache, in diesem oder jenem Weltendinge wirken Geistgestalten, welche durch die Formen und Wesenheiten der griechischen Mythologie repräsentiert werden, alsbald hat sich sein Gefühl der Verwunderung verwandelt in eine Art Harmonie zwischen der eigenen Seele und den Weltenwundern. In unserer heutigen, gegenüber der griechischen Welt materialistischen Welt denkt man anders. Unsere Zeit ist abgeneigt, da wo sie ein Dämpfen des Gefühls der Verwunderung für notwendig erachtet, durch bildhafte Gestaltungen sich Antwort zu geben auf Weltenrätsel. Unsere Zeit würde eine solche Antwort für etwas Phantastisches halten, wenn sie eine Erklärung abgeben sollte für die Dinge der Welt. Unsere Zeit strebt nach verstandesmäßiger Beantwortung der Weltenrätsel, nach einer Beantwortung der Weltenrätsel, die man als wissenschaftlich bezeichnen kann. Aus den verschiedensten Empfindungen aber, die hervorgerufen werden konnten im Verlaufe dieser und anderer Vorträge, können Sie entnehmen, daß die Art und Weise, welche heute üblich ist, die verstandesmäßige, trockene, nüchterne, wissenschaftliche Weise, nur eine Phase, eine Epoche ist in dem Bestreben, die Verwunderung über die Weltenwunder zu dämpfen. Denn wenn der heutige Mensch von seiner Art, die er wissenschaftlich nennt, auf die griechische Form der Weltenerklärung zurückblickt und diese kindlich nennt und so empfindet, wie wenn sie nur aus der Phantasie entsprungen wäre und nichts zu tun habe mit den Realitäten — wenn der Mensch glaubt, daß er heute das gefunden hat, was für alle Zeiten wissenschaftlich bleiben soll, dann muß ihm geantwortet werden, daß er sehr kurzsichtig ist. Denn gerade so, wie der Werdegang der Menschheit über die Form der griechischen Erklärung hinweggeschritten ist und in unserer Zeit zu einer entsprechenden nüchternen und intellektuellen Forderung vorgedrungen ist, ebenso wird über diese intellektualistische materialistische Gestaltung der Mensch hinausschreiten, und wenn man nicht bis dahin gescheiter sein wird, so wird man über das, was heute als echte Wissenschaft gilt, in der Zukunft ebenso denken, wie wir über das Griechentum denken. Die Keplerschen Gesetze, unsere biologischen Gesetze müßten unseren Nachkommen ebenso als Mythologie erscheinen wie uns die griechische Mythologie, wenn diese Nachkommen nicht durch einen erweiterten Weltenblick einsehen würden, daß eine jede Art der Erklärung gleichberechtigt nebeneinandersteht. Der unendliche Hochmut unserer Zeit, welcher sagt, daß die Mythologie eine Phantastik und unsere Wissenschaft endlich eine Erklärung sei, wird überwunden werden, und man wird einsehen, daß unsere Zeit ebenso nur eine Phase geben konnte, die überwunden werden muß, wie es in früheren Zeiten war. Gerade aber, wenn man ins Auge faßt unsere Art der nüchternen, verstandesmäßigen Erklärung der Welt, was man draußen die Wissenschaft nennt, dann muß man sagen: Unsere Erklärung der Welt mit ihren Verstandesformen und Verstandesideen ist es, die am wenigsten tief in die wirklichen Realitäten eingreifen kann.
[ 2 ] We have seen, for example, how the ancient Greek soul dispelled wonder in various ways by looking beyond to what was present to an ancient clairvoyant consciousness as an explanation of the world, and what it expressed through its divine figures. As soon as the Greek realized that in this or that fact of the world, in this or that thing in the world, spiritual beings were at work—beings represented by the forms and entities of Greek mythology—his sense of wonder was immediately transformed into a kind of harmony between his own soul and the wonders of the world. In our present-day world, which is materialistic compared to the Greek world, people think differently. Our time is averse to providing answers to the world’s mysteries through pictorial representations wherever it deems it necessary to dampen the sense of wonder. Our age would regard such an answer as something fantastical if it were to offer an explanation for the things of the world. Our age strives for a rational answer to the world’s mysteries, for an answer to the world’s mysteries that can be described as scientific. But from the wide variety of feelings that may have been aroused in the course of this and other lectures, you can gather that the approach that is common today—the rational, dry, sober, scientific approach—is merely a phase, an epoch, in the endeavor to dampen wonder at the wonders of the world. For when modern man looks back from his own approach—which he calls scientific—at the Greek form of explaining the world, and calls it childish and regards it as though it had sprung solely from the imagination and had nothing to do with reality—when man believes that he has now found what is to remain scientific for all time—then he must be told that he is very short-sighted. For just as the course of human development has moved beyond the Greek form of explanation and has advanced in our time to a corresponding sober and intellectual demand, so too will humanity move beyond this intellectualistic, materialistic conception, and if we are not wiser by then, we will think of what is considered genuine science today in the future just as we think of Greek culture. Kepler’s laws, our biological laws, would appear to our descendants as mythology just as Greek mythology appears to us, unless these descendants, through a broader worldview, were to realize that every form of explanation stands on equal footing. The infinite arrogance of our time, which claims that mythology is fantasy and our science is ultimately an explanation, will be overcome, and people will realize that our time, just like earlier eras, could only be a phase that must be overcome. But precisely when one considers our kind of sober, rational explanation of the world—what is called science—one must say: It is our explanation of the world, with its rational forms and rational ideas, that is least capable of penetrating deeply into true realities.
[ 3 ] Wir müssen uns einmal ernstlich die Frage beantworten: Woher kommt das? Wenn Sie den ganzen Geist der bisherigen Vorträge ins Auge fassen und manches andere, was im Laufe der Zeit zu Ihnen gesprochen worden ist, dann müssen Sie sich sagen, daß die Art und Weise, wie der Mensch die Welt anschaut, sich im Laufe der Zeiten mannigfaltig geändert hat. Der Mensch ist ein anderer geworden, und in den alten Zeiten des Hellsehertums sind viel stärkere, gewaltigere Kräfte aus der Gesamtheit der menschlichen Wesenheit in Anspruch genommen worden als heute. Mit der bloßen materialistischen Erklärung sondert gewissermaßen die Seele durch das Instrument des Gehirns die dünnsten, schattenhaftesten Gebilde als Verstandesideen von sich ab, um eine Welterklärung dadurch zu geben. Viel vollsaftiger, viel mehr von Realität erfüllt waren die alten Erklärungen der mehr oder weniger hellseherischen Zeiten. Wir haben ja gestern gesehen, wie unser Gehirn eine Art Apparat ist, der unseren Astralleib zum Stauen, zum Stehenbleiben bringt und die Gebilde dieses Astralleibes, weil sie von unserem Gehirn nicht durchgelassen werden, als unsere Weltgedanken zum Bewußtsein kommen läßt. In den Zeiten des alten hellseherischen Bewußtseins sind aber vom Menschen nicht nur diese Gebilde des Astralleibes aufgehalten worden, sondern auch noch die des Ätherleibes. Die Folge war, daß der Mensch viel mehr von seiner eigenen Wesenheit, von seinem eigenen Selbst, von seinem Seelenstoffe einfließen ließ in die Gebilde seiner Erkenntnis.
[ 3 ] We must seriously ask ourselves: Where does this come from? If you take into account the overall spirit of the lectures given so far, as well as many other things that have been spoken to you over time, then you must realize that the way in which human beings view the world has changed in many ways over the course of history. Humanity has changed, and in the ancient times of clairvoyance, much stronger, more powerful forces were drawn upon from the totality of the human being than is the case today. With a purely materialistic explanation, the soul, so to speak, uses the brain as an instrument to separate the thinnest, most shadowy formations as intellectual ideas in order to provide an explanation of the world. The old explanations of the more or less clairvoyant times were far richer, far more imbued with reality. We saw yesterday how our brain is a kind of apparatus that causes our astral body to stagnate, to come to a standstill, and allows the formations of this astral body—because they are not passed through by our brain—to come into consciousness as our world-thoughts. In the times of the ancient clairvoyant consciousness, however, it was not only these formations of the astral body that were held back by the human being, but also those of the etheric body. The result was that the human being allowed much more of his own being, of his own self, of his soul substance to flow into the formations of his cognition.
[ 4 ] Wir könnten etwa schematisch sagen: Das alte Hellsehen, auch noch das alte, viel mehr der Phantasie hingeneigte Schauen der Griechen war so, daß, wenn ein Gedanke an Zeus, an Dionysos, vor der Seele des alten Griechen stand, er vollsaftig dicht erfüllt von Realität war, die allerdings zunächst aus dem menschlichen Seelenstoffe selbst genommen war, aber weil dieser aus allen Tiefen der Welt herausgenommen war, so hatte eine solche Vorstellung der alten Griechen von ihren Göttern viel mehr Realität in sich als Gedankenbilder der neuen Zeit. Wenn ich den Gedanken des alten Griechen mit einem Kreise bezeichne, so müßte ich den Gedanken eines heutigen Menschen viel dünner mit Seelenstoff, mit Seelensubstanz erfüllt Ihnen hinzeichnen. (Es wurde die entsprechende Zeichnung entworfen.) Die menschliche Seele nimmt viel weniger und viel Dünneres als früher aus sich heraus, wenn sie die Gebilde der heutigen Ideen, Vorstellungen formt, so daß in dem Weltbilde, das sich die Seele mit dem heutigen Bewußtsein aneignen kann, viel weniger von Weltenrealität enthalten ist als in dem früheren Gebilde. So daß also die Wahrheit eine umgekehrte ist von der, die sich zumeist der heutige gelehrtenhafte philosophische Hochmut bildet, welcher meint, die Griechen hätten in ihren Göttern phantastische Gebilde gehabt, in denen keine Realität war, erst in den heutigen Naturgesetzen mit ihren Abstraktionen sei Realität. Nein, so ist es nicht. Viel dichter erfüllt von wirklicher Realität waren die Gebilde der griechischen Erkenntnis, und wie ausgepreßte Zitronen sind dafür diejenigen Erkenntnisse, die heute uns durch die Naturgesetze zukommen. Das ist etwas, was die Seele fühlen kann, wenn sie nicht voreingenommen ist durch den gelehrten und wissenschaftlichen Hochmut unserer Zeit, sondern wenn sie dürstet nach Erfüllung des Bewußtseins mit Realität. Wenn unsere Seele fühlt, daß sie nach Realität dürsten muß, dann hat sie gegenüber dem, was sich ihr insbesondere heute darbietet in dem, was man die strenge Wissenschaft nennt, das Gefühl, daß sie gerade da am meisten in die Illusion oder Maja verstrickt ist. Niemals gab es in der Welt solche Verstricktheit mit der Maja als in den Gebilden der heutigen Philosophie oder Wissenschaftlichkeit.
[ 4 ] We could put it schematically: The ancient form of clairvoyance—and indeed the ancient, far more imaginative vision of the Greeks—was such that when a thought of Zeus or Dionysus arose in the mind of an ancient Greek, it was richly and densely filled with reality—a reality that was, admittedly, initially drawn from the substance of the human soul itself, but because this substance was drawn from the very depths of the world, such a conception of the gods held by the ancient Greeks possessed far more reality than the mental images of the modern age. If I were to represent the thought of the ancient Greek with a circle, I would have to draw for you the thought of a modern person as much thinner, filled with far less soul-substance. (The corresponding drawing was sketched.) The human soul draws much less and much thinner material from within itself than before when it forms the structures of today’s ideas and concepts, so that the world picture the soul can appropriate with today’s consciousness contains much less of worldly reality than the earlier structure. Thus the truth is the opposite of what is usually formed by today’s scholarly philosophical arrogance, which believes that the Greeks had fantastical constructs in their gods in which there was no reality, and that reality exists only in today’s laws of nature with their abstractions. No, that is not the case. The constructs of Greek knowledge were far more densely imbued with true reality, and in comparison, the knowledge that comes to us today through the laws of nature is like squeezed lemons. This is something the soul can feel when it is not prejudiced by the scholarly and scientific arrogance of our time, but when it thirsts for the fulfillment of consciousness with reality. When our soul feels that it must thirst for reality, then, in the face of what is presented to it today in particular in what is called rigorous science, it has the feeling that it is most entangled in illusion or Maya precisely there. Never has there been such entanglement with Maya in the world as in the constructs of today’s philosophy or scientific thinking.
[ 5 ] Warum ist das so gekommen? Weil der Mensch im Laufe seines Erdenwerdens sein gegenwärtiges Ich-Bewußtsein entwickeln mußte! Dazu mußte er ganz allein selbständig mit sich, mit seinem Ich sein. Dazu mußte er abgezogen werden von jener Verbindung mit der Außenwelt. Jene starken substantiellen Inhalte, welche ihm die Möglichkeit gaben, viel Seelenstoff in seine Gestaltungen hineinzupressen wie bei den griechischen Göttergestalten, hätten dem Menschen unmöglich gemacht, weil er zu sehr ergossen gewesen wäre in die Welt, zu seinem Ich-Bewußtsein zu kommen. Damit der Mensch in bezug auf sein Ich-Bewußtsein stark werden konnte, mußte er losgerissen werden, isoliert werden von den Weltenrealitäten, so daß unsere Seele gegenüber den Weltenrealitäten schwach, unendlich schwach für objektive Welterkenntnis werden mußte. Als erkennende Seele, als bewußte Seele in bezug auf das Weltbewußtsein ist unsere Seele, die besonders dazu geeignet ist, das Ich-Bewußtsein auszubilden, am allerschwächsten gegenüber den Zuständen, die sie einst selbst durchgemacht hat. Wegen unserer Schwäche, zu der wir uns entwickeln mußten, müssen in unserem heutigen Bewußtsein jene dünneren, von geringer Realität erfüllten Ideen und solche verstandesmäßigen Naturgesetze auftreten.
[ 5 ] Why did this come to pass? Because, in the course of his earthly evolution, man had to develop his present sense of self! To do so, he had to be entirely alone and independent with himself, with his self. To do this, they had to be separated from that connection with the outside world. Those strong, substantial elements, which gave them the ability to infuse their creations with a wealth of spiritual substance—as in the case of the Greek gods—would have made it impossible for human beings to attain self-awareness, because they would have been too deeply immersed in the world. In order for human beings to become strong in terms of their sense of self, they had to be torn away, isolated from the realities of the world, so that our soul had to become weak, infinitely weak, in the face of those realities for objective knowledge of the world. As a knowing soul, as a conscious soul in relation to world consciousness, our soul—which is particularly suited to developing ego-consciousness—is at its weakest in the face of the states it once experienced itself. Because of our weakness, which we were compelled to develop, those thinner ideas, imbued with little reality, and such intellectual laws of nature must appear in our present consciousness.
[ 6 ] Derjenige, der nun heute aus der Gelehrsamkeit oder aus dem sonstigen Autoritätsglauben unserer Zeit heraus zu der rein in Abstraktionen hausenden Naturwissenschaftlichkeit erzogen wird, wird allerdings nicht vordringen zu dem Gefühle der unendlichen Verarmung gegenüber der wahrhaften Realität. Wer aber den Durst nach einem Verwachsen mit der Weltenrealität in sich fühlt, der weiß, wie ihn in einem gewissen Zeitpunkte seines Lebens das Gefühl überkommt: Oh, wie fühlt man sich in allen heutigen Vorstellungen entfernt von der wahren Realität, wie fühlt man sich in bloßen äußeren Schemen, in Schattenbildern! - Das könnte man auch in äußeren wissenschaftlichen Formen ausdrücken, und Sie finden es so ausgedrückt in meinem kleinen, vor vielen Jahren erschienenen Werke «Wahrheit und Wissenschaft». Da wird gezeigt, daß der Mensch dadurch, daß er zum gewöhnlichen Verstandeswissen kommt, nur zu einem Teile des Wissens, der Wahrheit, gelangt und vorwärtsdringt zu einer anderen Gestalt der Welt, als die ist, die sich ihm darbietet. Das ist der wissenschaftliche Weg, der ganz gut gangbar ist, wenn er auch für die Philosophie der heutigen Zeit unverständlich klingt. Aber auf der anderen Seite entsteht das Streben, durch die esoterischen Wege hineinzudringen in eine vollsaftigere Wirklichkeit, als die bloßen abstrakten Verstandesgesetze es geben können. Und dann, wenn die Seele so fühlt, daß sie mit dem heutigen normalen Bewußtsein nur Ideen hervorbringen kann, die Maja sind gegenüber der vollsaftigen Realität, wenn diese Seele nicht eine ausgepreßte Zitrone ist, die bloß die gegenwärtigen Wissenschaften anerkennt, dann fühlt sie sich wie leer gegenüber der Weltenrealität. Dann fühlt sie zwar, daß sie mit ihren Ideen bis an das Ende der Welt kommen kann, bis an die Weltenfernen, aber sie berücksichtigt nicht den Ausspruch vom zweiten Drama «Die Prüfung der Seele»: «Bei Weltenfernen ende nicht.» Denn wer im Ernste bei Weltenfernen enden wollte, den müßte ein Gefühl überkommen, wie wenn er sich ausbreitete mit den Ideen, die an sich schon schwach sind, über einen unendlich weiten Raum. Da werden sie noch mehr verdünnt, und je weiter wir in die Weltenfernen kommen, desto dünner werden sie, und wir stehen vor dem unendlich leeren Abgrund mit unseren Ideen. Das muß als Seelenprüfung auftreten. Der nach Realität Dürstende, der im Sinne der abstrakten Wissenschaftlichkeit sich über die Rätsel und Wunder der Welt aufklären muß, steht zuletzt mit den sich völlig in spirituellen Dunst auflösenden Ideen vor der Weltenleere. Dann muß die Seele unendliche Furcht vor der Leere empfinden. Wer diese Furcht vor der Leere nicht empfinden kann, der ist einfach noch nicht so weit, daß er die Wahrheit fühlt über das gegenwärtige Bewußtsein.
[ 6 ] Anyone who, today, is educated—whether through scholarship or the prevailing belief in authority—to embrace a scientific mindset that dwells purely in abstractions will certainly not come to feel that sense of infinite impoverishment in the face of true reality. But whoever feels within themselves a thirst to become one with the reality of the world knows how, at a certain point in their life, the feeling overtakes them: Oh, how distant one feels from true reality in all of today’s conceptions, how one feels trapped in mere external schemas, in shadows! - This could also be expressed in external scientific terms, and you will find it expressed in this way in my small work *Truth and Science*, published many years ago. There it is shown that, by arriving at ordinary intellectual knowledge, a person attains only a part of knowledge, of truth, and advances toward a different form of the world than the one that presents itself to them. This is the scientific path, which is quite viable, even if it sounds incomprehensible to the philosophy of our time. But on the other hand, there arises the striving to penetrate, through esoteric paths, into a more vibrant reality than mere abstract intellectual laws can provide. And then, when the soul feels that with today’s normal consciousness it can produce only ideas that are Maya in comparison to the full-bodied reality—if this soul is not a squeezed-out lemon that acknowledges only the present sciences—then it feels empty in the face of world reality. Then it does feel that with its ideas it can reach the ends of the world, the far reaches of the cosmos, but it does not heed the saying from the second drama, “The Trial of the Soul”: “Do not end at the far reaches of the cosmos.” For whoever seriously wished to end at the far reaches of the world would be overcome by a feeling as if they were spreading out with ideas that are already weak in themselves across an infinitely vast space. There they become even more diluted, and the farther we go into the far reaches of the world, the thinner they become, and we stand before the infinitely empty abyss with our ideas. This must occur as a trial of the soul. The one thirsting for reality, who, in the spirit of abstract scientific inquiry, must seek to understand the mysteries and wonders of the world, ultimately stands before the emptiness of the universe with ideas that dissolve completely into spiritual mist. Then the soul must feel infinite fear of the void. Whoever cannot feel this fear of the void is simply not yet ready to perceive the truth beyond present consciousness.
[ 7 ] So steht uns, wenn wir das gegenwärtige Bewußtsein in die Weltenfernen ausdehnen wollen, als ein furchtbares Schreckgebilde die Furcht vor der Weltenleere in Aussicht, die niemandem erspart werden kann, der ernst nimmt, was gegenwärtiges normales Bewußstsein ist. Solche Prüfung muß die Seele durchmachen, wenn sie den Sinn und Geist unserer Zeit durchmachen will. Sie muß einmal an dem Abgrunde, der sich nach allen Seiten auftut, wenn wir mit unseren Ideen die Raumesweiten durchdringen wollen, diese unendliche Furcht vor der Leere empfinden, vor dem Sichverlieren in dem Weltenraume, in den Weltenweiten. Und wenn uns aus der Goetheschen Weltanschauung geläufig ist jenes Wort: Einswerden mit dem Weltall, sein Selbst zu einer Welt erweitern ... , so müssen wir sagen: Wenn mit den Mitteln der heutigen Erkenntnis bis in die Weltenfernen gegangen wird und man versucht, mit heutigen philosophischen Prinzipien, die ja immer abstrakt sein müssen, weil sie aus dem gegenwärtigen Bewußtsein genommen sind, die Welt zu begreifen, dann muß eine gesunde Seele die Prüfung durchmachen des Stehens vor dem Leeren, vor dem Abgrunde nach allen Seiten, die Furcht, mit dem besten Teile seines Wesens, mit dem, was das Bewußtsein ausmacht, sich aufzuzehren im endlosen Nichts. — Dieses Gefühl ist das allgemeine Gefühl, und alle sonstigen Gefühle der Seelenprüfungen sind nur Spezialgefühle von dieser Furcht vor der Leere, diesem horror vacui. Und ungesund wäre es bei dem engbegrenzten Seelenleben, wenn man nicht empfinden könnte, wie das gegenwärtige Bewußtsein zersprüht und zersplittert gegenüber dem unendlichen Weltenall, sobald es sich zu diesem Weltenall erweitern will. Das ist das Schicksal der Seele, wenn sie mit ihrem heutigen Bewußtsein hinausdringen will in die Weltenfernen, in die Weltenweiten.
[ 7 ] Thus, if we wish to extend our present consciousness into the vastness of the cosmos, we are confronted with the terrifying specter of the fear of cosmic emptiness—a fear that cannot be spared anyone who takes present-day normal consciousness seriously. The soul must undergo such a trial if it wishes to experience the spirit and essence of our time. It must, at some point, stand before the abyss that opens up on all sides when we seek to penetrate the vastness of space with our ideas, and feel this infinite fear of the void, of losing oneself in the expanse of the universe, in the vastness of the cosmos. And if we are familiar with that phrase from Goethe’s worldview: “Becoming one with the universe, expanding one’s self into a world…,” then we must say: When, using the means of modern knowledge, one ventures into the far reaches of the universe and attempts to comprehend the world with today’s philosophical principles—which must always be abstract, since they are derived from present consciousness—then a healthy soul must undergo the trial of standing before the void, before the abyss on all sides, the fear of being consumed, with the best part of one’s being, with that which constitutes consciousness, in the endless nothingness. — This feeling is the universal feeling, and all other feelings of the soul’s trials are merely specific manifestations of this fear of the void, this horror vacui. And it would be unhealthy for a narrow-minded soul if one could not feel how present consciousness shatters and fragments in the face of the infinite universe as soon as it seeks to expand into that universe. This is the fate of the soul when it seeks to venture out with its present consciousness into the distant reaches of the universe, into the vastness of the cosmos.
[ 8 ] Es ist ein anderer Weg, den die Seele einschlagen kann. Das ist der, wenn sie in ihre eigenen Tiefen so hinuntersteigt, daß sie bei diesem Hinuntersteigen dasjenige erlebt, was ihre Organisation ist. Wie unsere Seele mit ihrem Bewußtsein im heutigen Leben ist, so erlebt sie ja nur wirklich das, was sie auf der Erde hinzugefügt hat zu ihrer Organisation. Was im alten Monde als Astralleib aufgenommen worden ist, das ist das Unterbewußtsein, welches im Ätherleib aufleuchtet, aber im normalen Bewußtsein nicht erlebt wird. Noch weniger erlebt der Mensch das, was während der Sonnenzeit erworben ist als Ätherleib, oder gar das, was im physischen Leibe durch die Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit hindurch und in unserer Erdenzeit erworben worden ist. Das sind verschlossene Gebiete. Aber an diesen verschlossenen Gebieten haben unzählige Göttergenerationen, geistige Hierarchien gearbeitet. Freilich, wenn wir da hinuntersteigen durch die hellseherische Erkenntnis, durch die esoterische Schulung und wir hinter unser Ich-Bewußtsein in die eigene Wesenheit hineindringen und antreffen, was als Astralleib, Äther- und physischer Leib in uns ist, dann kommen wir nicht in eine Leere, dann kommen wir in eine viel mehr verdichtete Weltensubstantialität. Alles das, was unzählige geistige Hierarchien durch Jahrmillionen und Jahrmillionen in uns Menschen hineingearbeitet haben, das treffen wir da unten an. Aber wenn sich der Mensch einleben will durch eine ernsthafte Selbsterkenntnis, wie sie esoterische Schulung gibt, wenn er hinuntertauchen lernt in die Leistungen von unzähligen Göttergenerationen durch Jahrmillionen, dann trifft er nicht in reiner Form das, was die Götter geleistet haben. Denn in all das hat der Mensch hinuntergedrängt, was er selber dargelebt hat an Trieben, Begierden, Leidenschaften, Affekten, Instinkten durch die Generationen hindurch. Und was er so ausgebildet hat, das hat sich verbunden im Lauf der Erdeninkarnationen mit dem, was da unten im Astralleib, Ätherleib und physischen Leib ist. Das bildet eine dichte Masse; in die treten wir zunächst ein. Was wir selber erst hineingetrieben haben in diese göttliche Wesenheit, das verschleiert uns unsere eigene göttliche Wesenheit, so daß, wenn wir in uns selber hinuntertauchen, wir das Gegenteil von dem finden, was wir finden, wenn wir in die Weltenweiten hinausdringen.
[ 8 ] There is another path the soul can take. This is the path where it descends so deeply into its own depths that, in doing so, it experiences what constitutes its very being. Just as our soul is with its consciousness in this present life, so it truly experiences only what it has added to its constitution on Earth. What was taken in as the astral body during the old Moon period is the subconscious, which shines forth in the etheric body but is not experienced in normal consciousness. Even less does the human being experience what was acquired during the Sun Age as the etheric body, or indeed what was acquired in the physical body throughout the Saturn, Sun, and Moon Ages and into our Earth Age. These are closed-off realms. But countless generations of gods and spiritual hierarchies have worked on these closed-off realms. Of course, when we descend there through clairvoyant insight, through esoteric training, and we penetrate beyond our ego-consciousness into our own being and encounter what is within us as the astral, etheric, and physical bodies, then we do not enter a void; rather, we enter a far more condensed world substance. Everything that countless spiritual hierarchies have worked into us humans over millions and millions of years—that is what we encounter down there. But when a person seeks to settle in through serious self-knowledge, as esoteric training provides, when they learn to dive down into the achievements of countless generations of gods over millions of years, they do not encounter in pure form what the gods have accomplished. For into all of this, the human being has pressed down what he himself has lived out in terms of drives, desires, passions, emotions, and instincts through the generations. And what he has thus formed has, in the course of earthly incarnations, become connected with what is down there in the astral body, etheric body, and physical body. This forms a dense mass; into this we first enter. What we ourselves have driven into this divine being veils our own divine being from us, so that when we dive down into ourselves, we find the opposite of what we find when we venture out into the vastness of the worlds.
[ 9 ] Wenn wir in die Weltenweiten hinausdringen, ist es die Gefahr, am Ende vor dem Nichts zu stehen. Wenn wir in uns selber eindringen, ist es die Gefahr, in immer dichtere und dichtere Regionen zu kommen, die wir durch unsere Triebe, Begierden und Leidenschaften verdichtet haben. So wie wir fühlen unseren Bewußtseinsstoff sich zersplittern und zerstören, wenn wir hinaus in die Weltenfernen gehen, so fühlen wir, wenn wir in die eigenen Seelentiefen tauchen, immer mehr und mehr, wie wir zurückgestoßen werden, gleich wie von einem Kautschukballe, der gedrückt wird, zurückgestoßen werden. Immer wieder werden wir von uns selber zurückgestoßen, wenn wir untertauchen wollen in unser eigenes Innere. Das können wir sehr wohl merken. Nicht nur, daß unsere Triebe, Begierden und Leidenschaften, die wir zuerst antreffen, wenn wir in uns selber hineingehen, uns grauenvoll erscheinen, wenn wir ihnen unmittelbar gegenüberstehen, sondern dazu kommt noch, daß sie uns so erscheinen, als ob sie uns mit jedem Augenblicke ergreifen wollten. Sie werden stark, werden mächtig, ihre Willensnatur kommt besonders heraus. Während wir, wenn wir im gewöhnlichen Bewußtseinsleben stehen, diesem oder jenem Triebe nicht folgen, entwickeln diese Triebe und Instinkte sogleich ihre ganze Gewalt, sobald wir ein wenig in uns untertauchen, und wir können nicht anders, als ihnen nachgeben. Fortwährend werden wir von einem in uns selbst entstehenden Willen niederer Natur erfaßt und als schlechter in uns selber zurückgeworfen, als wir vorher waren. Da stehen wir sozusagen vor der Dichtigkeit der Triebe und Instinkte, wenn wir in uns selber eintauchen. Das ist die andere Gefahr.
[ 9 ] When we venture out into the vastness of the world, we run the risk of ultimately finding ourselves facing nothingness. When we delve into our own selves, we run the risk of entering regions that grow ever denser—regions we have condensed through our instincts, desires, and passions. Just as we feel the substance of our consciousness shatter and disintegrate when we venture out into the far reaches of the universe, so too, when we dive into the depths of our own souls, do we feel more and more how we are pushed back, just as if by a rubber ball that is pressed and then springs back. Time and again we are pushed back by ourselves when we want to dive into our own inner being. We can certainly sense this. Not only do our instincts, desires, and passions—which we first encounter when we go within ourselves—appear horrific to us when we face them directly, but on top of that, they seem as though they want to seize us at every moment. They grow strong, they grow powerful; their volitional nature comes to the fore. Whereas, in our ordinary state of consciousness, we do not follow this or that impulse, these impulses and instincts immediately unleash their full force the moment we delve a little into ourselves, and we cannot help but yield to them. We are constantly seized by a will of a lower nature arising within us and cast back into ourselves as worse than we were before. There we stand, so to speak, before the density of the drives and instincts when we turn inward. That is the other danger.
[ 10 ] So stehen wir vor gewaltigen Gefahren: wenn wir in die Weltenweiten hinausdringen, uns ganz in nichts aufzulösen mit unserem Bewußtsein, und wenn wir in uns selber untertauchen, alles Bewußtsein den Trieben und Instinkten, die in unserer Wesenheit sind, unterzuordnen und dem größtmöglichen Egoismus zu verfallen. Das sind die beiden Pole, zwischen denen alle Seelenprüfungen liegen: die Furcht vor dem Nichts, das Verfallen gegenüber dem Egoismus. Und alle anderen Seelenprüfungen sind Spezialerscheinungen gegenüber dem, was wir nennen können auf der einen Seite den Pol der Auflösung in das Nichts, und den anderen Pol, den Verfall in den Egoismus, in die Egoität. In dieser Beziehung ist sogar die höhere Erkenntnis gefährlich. Denn was lernen wir durch diese höhere Erkenntnis? Wir lernen, wie sich unzählige geistige Hierarchien beschäftigt haben mit uns, wie unsere physische, ätherische und astralische Leiblichkeit in allen ihren Teilen von den Hierarchien zusammengesetzt ist, wie die Geister der Welt gearbeitet haben, damit der Mensch endlich hat zustande kommen können. Da überkommt es den Menschen, daß, wenn er esoterisch in sein eigenes Innere untertaucht, er sich sagt: Du bist ja eigentlich das Ziel und der Zweck der Götter gewesen, nach dir haben sie hingearbeitet. - Da ist die große Gefahr vorhanden, daß der Mensch in ungeheuren Hochmut verfällt.
[ 10 ] Thus we face tremendous dangers: when we venture out into the vastness of the universe, dissolving ourselves completely into nothingness with our consciousness, and when we sink into ourselves, subordinating all consciousness to the drives and instincts within our being, and succumbing to the greatest possible egoism. These are the two poles between which all trials of the soul lie: the fear of nothingness, and the descent into egoism. And all other trials of the soul are specific manifestations of what we might call, on the one hand, the pole of dissolution into nothingness, and on the other, the descent into egoism, into egotism. In this regard, even higher knowledge is dangerous. For what do we learn through this higher knowledge? We learn how countless spiritual hierarchies have been concerned with us, how our physical, etheric, and astral bodies are composed in all their parts by the hierarchies, how the spirits of the world have worked so that humanity could finally come into being. Then it dawns on the human being that, when he dives esoterically into his own inner self, he says to himself: You have actually been the goal and purpose of the gods; they have worked toward you. — Therein lies the great danger that the human being will fall into immense arrogance.
[ 11 ] Vor diesem Hochmut erschrickt Capesius, als er aus dem Munde des Felix Balde hört, wie die geistigen Hierarchien gearbeitet haben und das Ziel aller Götterleistung der Mensch ist. Dieser Sinn liegt in dem Erschrecken des Capesius vor. Und es gehört zu seiner Seelenprüfung, daß er es erfährt. Deshalb ist es so notwendig, daß der Mensch sich zu der Erkenntnis, daß er das Götterziel ist, durch Demut nähert und es in Demut durchschaut, sonst führt es zu Überhebung. Denn in der Welt ist, wenn wir den Menschen als Götterziel erkennen, alle Gelegenheit vorhanden, hochmütig, überhebend zu werden. In dem Makrokosmos ist alle Gelegenheit dazu, wenn wir fortwährend die Götter sich anstrengen sehen, um auszubilden, was menschliche Wesenheit ist. Gut ist es, wenn wir uns ein wenig konkretere Vorstellungen machen darüber, wie die Götter an der Formung und an der sonstigen Ausbildung des Menschen gearbeitet haben: die Throne durch die alte Saturnzeit mit den Geistern der Persönlichkeit zusammen; die Cherubim mit den Geistern der Weisheit, mit den Erzengeln während der alten Sonnenzeit zusammen, die Seraphim mit den Geistern der Bewegung, mit den Engeln zusammen während der alten Mondenzeit. Können wir denn jetzt auf der Erde noch etwas bemerken von diesem Arbeiten an der menschlichen Gestaltung von draußen herein? Da berühren wir wiederum eine eigentümliche Erscheinung unseres neuzeitlichen Geisteslebens, eine Erscheinung, die schon oft in diesen Vorträgen berührt werden mußte.
[ 11 ] Capesius is horrified by this arrogance when he hears from Felix Balde how the spiritual hierarchies have worked and that the goal of all divine activity is humanity. This meaning lies at the heart of Capesius’s horror. And it is part of his soul’s trial that he comes to know this. That is why it is so necessary for human beings to approach the realization that they are the goal of the gods through humility and to perceive it in humility; otherwise, it leads to arrogance. For in the world, when we recognize human beings as the goal of the gods, every opportunity exists to become arrogant and haughty. In the macrocosm, every opportunity for this exists when we continually see the gods striving to shape what human beinghood is. It is good if we form a little more concrete a picture of how the gods have worked on the shaping and other development of the human being: the Thrones, together with the spirits of personality, during the ancient Saturn era; the Cherubim together with the Spirits of Wisdom and the Archangels during the ancient Sun Age; the Seraphim together with the Spirits of Movement and the Angels during the ancient Moon Age. Can we still perceive anything on Earth today of this work on human formation coming in from the outside? Here we touch once again upon a peculiar phenomenon of our modern spiritual life, a phenomenon that has already had to be addressed many times in these lectures.
[ 12 ] Es gibt im Grunde genommen nichts, was so sehr Beweise exoterischer Art liefern könnte für alles das, was hier in der Geisteswissenschaft verkündet wird, als die Tatsachen der modernen Wissenschaft. Wie sich diese moderne Wissenschaft in den letzten Jahrzehnten in ihren Tatsachen entwickelt hat, das liefert überall einen Beweis für alles, was hier verkündigt wird. Nur werden diese Tatsachen oftmals von denjenigen am wenigsten verstanden, die diese Tatsachen entdecken. Und die Erklärung dieser Tatsachen durch die äußere Philosophie und Wissenschaft ist wiederum das größte Hindernis für das Verständnis der Geisteswissenschaft. Die Tatsachen sind überall ein Beweis, aber die gegenwärtigen Erklärungen der Tatsachen sind überall ein Hindernis: das ist die eigentümliiche Erscheinung. — Auf einzelne solcher Tatsachen habe ich schon an verschiedenen Orten hingewiesen. Aus dem Geiste meiner Vorträge können Sie entnehmen, daß das Gehirn sozusagen das Letzte war, was am Menschen ausgearbeitet worden ist. Die andere Organisation ist früher hineingearbeitet worden von den Geistern der verschiedenen Hierarchien. Aber noch heute arbeitet das halb Unterbewußte an der Organisation des Gehirns fort, so daß man es beobachten kann, nur wird es nicht in der richtigen Weise interpretiert, was hier als so schöne, so wunderbare Tatsachen die moderne Wissenschaft gibt. Betrachten wir ein Beispiel.
[ 12 ] There is, in fact, nothing that could provide more exoteric evidence for everything that is proclaimed here in spiritual science than the findings of modern science. The way in which modern science has developed its findings over the past few decades provides proof everywhere for everything that is proclaimed here. However, these facts are often least understood by those who discover them. And the explanation of these facts by external philosophy and science is, in turn, the greatest obstacle to understanding spiritual science. The facts are proof everywhere, but the current explanations of the facts are an obstacle everywhere: that is the peculiar phenomenon. — I have already pointed out individual such facts in various places. From the spirit of my lectures you can gather that the brain was, so to speak, the last thing to be developed in the human being. The other organization was worked into the human being earlier by the spirits of the various hierarchies. But even today, the semi-subconscious continues to work on the organization of the brain, so that one can observe it; only it is not interpreted correctly—what modern science presents here as such beautiful, such wonderful facts. Let us consider an example.
[ 13 ] Es hätte im April dieses Jahres das fünfzigjährige Jubiläum für eine höchst bedeutsame Entdeckung der modernen Wissenschaft gefeiert werden können, welche, wenn sie richtig verstanden wird, ein voller Beleg für die geisteswissenschaftliche Evolutionslehre ist, ein Zeugnis dafür. Gefunden werden können die geisteswissenschaftlichen Ergebnisse nur durch Hellsehen, bestätigt werden können sie durch die Tatsachen, welche die äußere Wissenschaft zutage fördert. Das fünfzigjährige Jubiläum jener bedeutungsvollen Rede hätte gefeiert werden können, die Broca, der große Arzt und Philosoph, in der Pariser anthropologischen Gesellschaft im April des Jahres 1861 gehalten hat über das Sprachzentrum. Denn was Broca geleistet hat, ist ein voller Beweis davon, daß in den inneren Gesetzen des physischen Gehirns die Anlagen liegen für jene Konfiguration, für jene Formung eines bestimmten Teils des Gehirns, die zu dem Bewußtsein der Sprachkunst und auch zum Verständnis der Sprachlaute führt. Als Broca im April 1861 gefunden hatte, daß das Werkzeug des Sprechens in der dritten Stirnwindung des Großhirns liegt und daß dieses Werkzeug in der Ordnung sein muß, wenn der Mensch die Sprachlaute verstehen will, und ebenso ein anderer Teil, wenn er sie aussprechen soll, war ein wichtiger Fortschritt getan, der geisteswissenschaftlich verwertet werden kann und ein Beleg für die geisteswissenschaftlichen Tatsachen ist. Warum? Weil sich gerade daran, wie dieses Sprachzentrum sich ausbildet, zeigt, daß die äußeren Bewegungen des Menschen, die Bewegungen seiner Hände, also das, was der Mensch halb unbewußt im Leben vollzieht, mitwirkt an der Konfiguration dieses Sprachzentrums. Warum ist dieses Sprachzentrum bei den Menschen auf der linken Seite besonders ausgebildet? Weil der Mensch nach den bisherigen Kulturbedingungen die rechte Hand besonders gebrauchte. So ist es der ätherische und astralische Leib, der aus dem Unterbewußtsein die Gesten der Hände ausführt, der hineinwirkt in das Gehirn und dieses formt. Anschaulich lehren heute die Anthropologen, daß von außen herein durch makrokosmische Welttätigkeit das Gehirn geformt wird. Wenn dieser Teil verletzt oder gelähmt wird, dann gibt es keine Sprachfähigkeit. Wenn darauf gesehen wird, daß, wenn die eine Seite des Gehirns, die gewöhnlich durch unsere Rechtshändigkeit stark ausgebildet ist, von der linken Seite aus entfesselt wird, was zum Beispiel in der Kindheit noch möglich ist und in der späteren Zeit nicht mehr, dann zeigt sich, daß wirklich von außen durch systematisierte Tätigkeit das Gehirn so geformt werden kann, daß es ein Sprachzentrum erhält in der dritten entsprechenden Hirnwindung dann auf der rechten Seite. Müssen wir da nicht sagen: Es ist das Irrtümlichste, was wir uns vorstellen können, wenn wir denken, daß die Sprachfähigkeit durch Gehirnanlage gebildet wird? — Nein, die Gehirnanlagen machen sie nicht, sondern der Mensch in seiner Tätigkeit, die er entwickelt. Aus dem Makrokosmos heraus bildet sich die Sprachfähigkeit im Gehirn. Das Sprachorgan kommt von der Sprache, nicht die Sprache von dem Sprachorgan. Das ist es, was durch diese bedeutsame physiologische Tatsache des Broca gefunden worden ist. Dadurch, daß die Götter oder Geister der Hierarchien den Menschen verholfen haben, solche Tätigkeiten auszuführen, welche ihm seine Sprachzentren schaffen, ist von außen das Sprachzentrum gebildet worden. Aus der Sprache entsteht das Sprachzentrum, nicht umgekehrt.
[ 13 ] This past April would have marked the fiftieth anniversary of a highly significant discovery in modern science which, if properly understood, serves as full proof of the spiritual-scientific theory of evolution, a testament to it. The results of spiritual science can be discovered only through clairvoyance; they can be confirmed by the facts brought to light by external science. The fiftieth anniversary of that significant lecture could have been celebrated—the one that Broca, the great physician and philosopher, delivered at the Paris Anthropological Society in April 1861 on the speech center. For what Broca accomplished is full proof that within the inner laws of the physical brain lie the predispositions for that configuration, for that formation of a specific part of the brain, which leads to the consciousness of the art of speech and also to the understanding of speech sounds. When Broca discovered in April 1861 that the organ of speech is located in the third frontal gyrus of the cerebrum and that this organ must be in order if a person is to understand speech sounds, and likewise another part if they are to pronounce them, a significant advance was made that can be utilized in the spiritual sciences and serves as evidence for spiritual scientific facts. Why? Because the very way this speech center develops shows that the human being’s external movements—the movements of the hands, that is, what the human being performs half-unconsciously in life—contribute to the configuration of this speech center. Why is this speech center particularly developed on the left side in humans? Because, under the cultural conditions that have prevailed until now, the human being has made special use of the right hand. Thus, it is the etheric and astral bodies, which execute the gestures of the hands from the subconscious, that influence the brain and shape it. Anthropologists today clearly demonstrate that the brain is shaped from the outside in by macrocosmic world activity. If this part is injured or paralyzed, then there is no ability to speak. If we consider that when one side of the brain—which is usually strongly developed due to our right-handedness—is unleashed from the left side, which is still possible in childhood but not later on, it becomes evident that the brain can indeed be shaped from the outside through systematic activity in such a way that it develops a speech center in the corresponding third cerebral convolution on the right side. Must we not say: Is it not the most erroneous thing we can imagine to think that the ability to speak is formed by brain structure? — No, brain structures do not create it, but rather the human being through the activity they develop. The ability to speak forms in the brain from the macrocosm. The speech organ comes from language, not language from the speech organ. This is what has been discovered through this significant physiological fact of Broca’s. Because the gods or spirits of the hierarchies have helped human beings to carry out such activities that create their speech centers, the speech center has been formed from the outside. The speech center arises from language, not the other way around.
[ 14 ] Richtig verstanden, sind alle solchen modernen Entdeckungen ein voller Beleg für die Geisteswissenschaft, und es ist schade, daß ich solche Sachen immer nur kurz andeuten kann. Würde man ausführlich sprechen können über charakteristische Dinge dieser Art, so würden Sie sehen, wie kurzsichtig die Menschen sind, die da sagen, die Geisteswissenschaft widerspreche der modernen Wissenschaft. Im Gegenteil! Sie widerspricht nur den Erklärungen, welche heute die moderne Gelehrsamkeit abgibt, widerspricht aber nicht dem, was die Wissenschaft als Tatsachen gibt. So, wie wir während unseres Erdendaseins aus unserer makrokosmischen Gestaltung als Menschen sind, ist es die Tätigkeit der Hierarchien, die von außen herein uns geformt hat. Wir sind wirklich ein Ergebnis des Makrokosmos. So sind wir heute ein Ergebnis unserer Bewegungen der Gliedmaßen, unserer Gesten, die eine stumme Sprache führen und die sich abdrücken im Gehirn, das vorher nicht die Anlage zum Sprechen hat. Der Urmensch hat durch sich selbst zu nichts die Anlage, sondern alles wurde ihm aus der makrokosmischen Tätigkeit der geistigen Hierarchien geformt, gebildet, gegeben.
[ 14 ] Properly understood, all such modern discoveries provide ample evidence for spiritual science, and it is a pity that I can only ever touch on such matters briefly. If one could speak at length about characteristic things of this kind, you would see how short-sighted are those who say that spiritual science contradicts modern science. On the contrary! It contradicts only the explanations offered today by modern scholarship, but it does not contradict what science presents as facts. Just as we are, during our earthly existence, shaped by our macrocosmic constitution as human beings, it is the activity of the hierarchies that has formed us from the outside. We are truly a product of the macrocosm. Thus, we are today a product of our limb movements, our gestures, which speak a silent language and are imprinted in the brain, which previously had no predisposition for speech. Primitive man had no predisposition for anything within himself; rather, everything was shaped, formed, and given to him through the macrocosmic activity of the spiritual hierarchies.
[ 15 ] Daraus ersehen wir, daß wir in der Tat mit unserem gegenwärtigen Bewußtsein schwache Menschen sind. Wollen wir hinaus in die Welt, so stehen wir vor der Leere, wollen wir in uns hinunter, da fangen wir uns in der Falle unserer Willensnatur. Und dadurch kommen die schweren Seelenprüfungen, die eintreten müssen, wenn der Mensch von dem gegenwärtigen Standpunkt seines Bewußtseins sich nach der einen oder anderen Richtung den Geheimnissen der Welt nähern will, über die er sich zunächst verwundern muß, weil sie ihm als Weltenwunder entgegentreten.
[ 15 ] From this we see that, with our present consciousness, we are indeed weak human beings. If we turn outward toward the world, we face a void; if we turn inward, we find ourselves trapped by our own volitional nature. And this is how the severe trials of the soul arise—trials that must occur when a person, from the present standpoint of their consciousness, seeks to approach the mysteries of the world in one direction or another, mysteries that must first astonish them because they confront them as wonders of the world.
[ 16 ] Woher kommt denn das, was jetzt eben gesagt worden ist? Nun, das kommt daher, weil, wenn wir hinausdringen in die Weltenweiten, wir in eine Region hineinkommen, die wir in den letzten zwei Vorträgen genau bezeichnet haben als die Region der oberen Götter oder Geister, die nur die Vorstellungen der realen Götter oder Geister sind. Wir geraten also in eine Welt hinein, die keine Selbständigkeit hat. Kein Wunder, daß das, was uns diese Welt geben kann, uns zuletzt ins Leere führt. Wie auch der Mensch zur Erkenntnis vorzudringen strebt, wenn er da hinaufdringt, wohin sein Denken, seine Vorstellungen zunächst dringen können, da gelangt er selber nur zu Vorstellungen, zu Vorstellungen der Götter, und kann nicht in eine wirkliche Realität hineinkommen. Dringt der Mensch aber in sich hinunter, in das, was durch Jahrmillionen und aber Jahrmillionen in ihm gebildet worden ist, dann gelangt er zu den Taten, den Ergebnissen der anderen göttlich-geistigen Welten, die wir im Verlaufe der letzten Vorträge die unterirdischen, die wahren Götter nannten. Aber um zu ihnen hindurchzudringen, müssen wir erst durch unsere eigenen Triebe, Begierden und Leidenschaften hindurch, durch alles das, was uns da fängt, uns aufnimmt und uns verändert, so daß wir ihm folgen müssen. Und das führt uns in die Egoität, in den Egoismus und schließt uns ab von diesen unteren Göttern. So haben wir den anderen Pol der Seelenprüfungen. Wollen wir uns den oberen Göttern nähern, dann gelangen wir ins Leere, in die bloße Vorstellungswelt. Wollen wir uns den unteren Göttern nähern, so verläßt uns alles Vorstellen, weil wir von den blindwütenden Trieben in unserem eigenen Innern erfaßt werden und uns in ihnen selber verbrennen. Deshalb sind die Seelenprüfungen so schwierig. Eines aber gibt es, das uns zunächst eine rein theoretische Aussicht eröffnet. Wir müssen uns doch sagen: Wie dünn auch die Ideen sind, wie dünn auch alles das ist, was uns die Egoität, der Egoismus geben kann, es ist eben doch aus dem Weltenganzen heraus. Und wenn wir nur in der richtigen Weise uns in dieses unser Bewußtsein hineinfinden können, daß wir es in seiner Selbständigkeit betrachten, so betrachten, wie es in sich selber ist, und wenn es dann immer stärker und stärker wird, dann vielleicht dringen wir auf dem einen oder anderen Weg vor, so daß die Seelenprüfung bestanden werden kann. Es soll nur hier gekennzeichnet werden, wie wir vordringen können in anderer Art als mit dem gewöhnlichen normalen Bewußtsein.
[ 16 ] Where does what has just been said come from? Well, it comes from the fact that when we venture out into the vastness of the universe, we enter a region that we have precisely described in the last two lectures as the region of the higher gods or spirits, who are merely the conceptualizations of the real gods or spirits. We thus find ourselves in a world that has no independence. No wonder that what this world can offer us ultimately leads us into emptiness. Just as the human being strives to advance toward knowledge when he ascends to where his thinking and his concepts can initially reach, there he himself arrives only at concepts—concepts of the gods—and cannot enter into true reality. But if a human being delves deep within themselves, into what has been formed within them over millions and millions of years, then they arrive at the deeds, the results of the other divine-spiritual worlds, which we have called the subterranean, the true gods, in the course of the last lectures. But to penetrate to them, we must first pass through our own drives, desires, and passions, through all that which captures us, absorbs us, and transforms us, so that we must follow it. And this leads us into egotism, into selfishness, and cuts us off from these lower gods. Thus we have the other pole of the soul’s trials. If we wish to approach the higher gods, we enter into emptiness, into the realm of mere imagination. If we wish to approach the lower gods, all imagination abandons us, because we are seized by the blind, frenzied drives within our own inner being and burn ourselves up in them. That is why the trials of the soul are so difficult. There is, however, one thing that initially opens up a purely theoretical prospect for us. We must tell ourselves: however thin the ideas may be, however thin everything that egoity and egoism can give us may be, it is still derived from the whole of the world. And if we can only find our way into this consciousness of ours in the right way—by viewing it in its independence, seeing it as it is in itself—and if it then grows stronger and stronger, then perhaps we will make progress in one way or another, so that the trial of the soul can be passed. It should only be noted here how we can advance in a different way than with ordinary, normal consciousness.
[ 17 ] Nehmen wir an, wir durchdringen uns mit dem, was wir jetzt schon in der verschiedensten Weise genannt haben den ChristusImpuls, wir lernen verstehen in seiner tiefsten Bedeutung das Paulinische Wort: Nicht ich, sondern der Christus in mir. - Dann stehen wir mit unserem normalen Bewußtsein zunächst da und sagen uns: Wir wollen dieses normale Bewußtsein nicht allein wirken lassen, wir wollen nicht allein in dieser unserer Persönlichkeit bleiben, sondern wir wollen uns mit der Substantialität durchdringen, die ja seit dem Mysterium von Golgatha in der Erdenatmosphäre enthalten ist, mit der Christus-Substanz. Wenn wir uns so mit ihr durchdringen, dann nehmen wir nicht bloß unsere dünnen Ideen hinaus in die Weltenweiten, sondern dann nehmen wir - und wenn wir noch so weit gehen in die Raumesweiten — die Substantialität des Christus mit. Alle unsere Ideen sind dann durchdrungen von der Substanz des Christus, und dabei stellt sich etwas höchst Merkwürdiges heraus, was ich Ihnen klarmachen möchte an der wissenschaftlichen Entwickelung der neueren Zeit.
[ 17 ] Let us assume that we imbue ourselves with what we have already referred to in various ways as the Christ impulse; we learn to understand, in its deepest meaning, the Pauline saying: “Not I, but Christ in me.” - Then, with our normal consciousness, we stand there at first and say to ourselves: We do not want to let this normal consciousness act alone; we do not want to remain solely within our own personality, but rather we want to imbue ourselves with the substance that has been present in the Earth’s atmosphere since the Mystery of Golgotha—the Christ-substance. When we permeate ourselves with it in this way, we do not merely carry our thin ideas out into the vastness of the world, but we take—even as we venture far into the expanses of space—the substance of Christ with us. All our ideas are then permeated by the substance of Christ, and in this process something most remarkable emerges, which I would like to clarify for you through the scientific developments of recent times.
[ 18 ] Da ist man zunächst ausgegangen von den äußeren Naturerscheinungen und hat diese auf allerlei Kräfte und dergleichen zurückgeführt. Dann kam man dazu, das, was sich in der Außenwelt abspielt, Licht und Töne und so weiter, auf Schwingungen bewegter Ätherteile oder bewegter, selbst wägbarer Stoffteile zurückzuführen, und war froh, daß man sich die ganze Welt auf eine Welt bewegter, schwingender Atome des Äthers und dergleichen zurückführen konnte. Jetzt ist diese Art und Weise, weil sie ja doch zu nichts führt, wie die Leute gesehen haben, doch schon zum großen Teil verlassen worden, aber rückständig ist in dieser Beziehung noch das allgemeine öffentliche Bewußtsein, das bleibt immer einige Schritte hinter dem wissenschaftlichen Fortschreiten zurück. Da ist noch vielfach die Sehnsucht vorhanden, die ganze Welt zu erklären durch die Abstraktion von schwingenden Atomen, als wenn der Raum ausgefüllt wäre von lauter Schwingungen, von lauter Oszillationen. Ja, sehen Sie, wenn man mit unseren Ideen und mit den empirischen Erfahrungen, die man über die Realitäten machen kann, zu solchen Ergebnissen kommt, dann fühlt man wirklich in dem Augenblick, wo man an die sogenannte atomistische Welt herankommt, sogleich diese Leere, denn jene Atome, die ausgedacht werden, gibt es nämlich gar nicht. Atome kann es geben, sofern sie empirische Realität haben, soweit das Mikroskop geht, soweit die Stofflichkeit geht, solange diese mit Licht und Wärme ausgestattet wird, aber um Licht und Wärme selber zu erklären, darf man keine Atome oder Schwingungen der Atome zu Hilfe nehmen, denn dann denkt man in der Welt ein Weltensystem aus, und ein ausgedachtes Weltensystem führt zu etwas, das gar keinen realen Inhalt mehr hat. Daher hat diese alte atomistische Theorie eben gar keinen Inhalt mehr. Man denkt sie aus, fühlt aber, daß sie nirgends eingreift in die Realität.
[ 18 ] At first, people started with external natural phenomena and attributed them to all sorts of forces and the like. Then people came to attribute what takes place in the external world—light, sounds, and so on—to vibrations of moving etheric particles or moving, weighable material particles, and were pleased that they could reduce the entire world to a world of moving, vibrating atoms of ether and the like. Now this approach, since it leads nowhere after all, as people have seen, has already been largely abandoned; yet the general public consciousness remains backward in this regard, always lagging a few steps behind scientific progress. There is still a widespread longing to explain the entire world through the abstraction of oscillating atoms, as if space were filled with nothing but vibrations, nothing but oscillations. Yes, you see, when one arrives at such conclusions using our ideas and the empirical experiences one can gain from reality, then one truly feels, the moment one approaches the so-called atomistic world, this emptiness immediately, for those atoms that are conceived do not actually exist. Atoms can exist insofar as they have empirical reality, as far as the microscope goes, as far as matter goes, as long as it is endowed with light and heat; but to explain light and heat themselves, one must not resort to atoms or atomic vibrations, for then one devises a world system within the world, and a devised world system leads to something that no longer has any real content at all. That is why this old atomistic theory has no content at all. One conceives it, but feels that it does not intervene in reality anywhere.
[ 19 ] Anders ist es, wenn wir unsere Ideen, wenn wir unsere abstrakten Gesetze überall mit dem durchdringen, was in Wahrheit der Christus-Impuls ist, von dem Sie ja alle wissen, daß nicht irgend etwas damit gemeint ist, was ein orthodoxes Bekenntnis im Auge hat, sondern der große makrokosmische Christus-Impuls. Mit dem müssen wir uns durchdringen im Paulinischen Sinn. Nicht unsere abstrakten Ideen und Begriffe, sondern das, was sie sind als unsere gegenwärtige Bewußtseinsform, durchdrungen von dem Christus-Impuls, das tragen wir hinaus in die Welt. Und hier liefert die Erfahrung etwas ganz Eigenartiges. Wie wir immer leerer und ärmer werden und unser Bewußtsein zuletzt zersprüht und zerstiebt in die Weltenleere, wenn wir mit dem Christus-losen Bewußtsein hinausdringen —- sobald wir den Christus-Impuls aufgenommen haben, je weiter wir auch kommen in die Weltenfernen, in die Raumesweiten, desto reicher, voller wird unser Bewußtsein. Und wenn wir bis zur Hellsichtigkeit vordringen, dann haben wir durch die Christus-erfüllte Seele reichlichen Seelenstoff, so daß mächtig und grandios die wirklichen Ursachen der Realität als übersinnliche Realitäten zuletzt vor uns stehen. Während unser Christus-loses Bewußtsein uns vor die Leere in den Weltenweiten bringt, bringt uns das Christus-erfüllte Bewußtsein vor die wahren Ursachen der Welterscheinungen und Weltenwunder. Daher durfte ich in dem kleinen Büchelchen «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit» sagen: So töricht das heute erscheint, es werden in der Zukunft Chemie und Physik und Physiologie und Biologie durchdrungen sein von dem Christus-Impuls, und wahre Wissenschaft wird in manchem, wovon man es sich heute nicht träumen läßt, von dem Christus-Impuls durchdrungen sein. Derjenige, der das nicht glauben will, soll nur einmal die Geschichte durchblättern und sich überzeugen, wie die Vernunft der kommenden Zeiten oftmals die Torheit der früheren Zeiten war. Möge er sich trösten darüber, wenn er uns etwa bedauern wollte, weil wir annehmen, daß das, was für Torheit in unserer Zeit gehalten wird, die Vernunft der kommenden Zeit ist! So töricht es der heutigen Menschheit erscheinen mag, an eine christliche Chemie zu denken, so vernünftig wird es der Nachwelt erscheinen. Wenn wir den Christus hinaustragen in unsere Weltanschauung, wird er uns Fülle geben statt der Leerheit.
[ 19 ] The situation is different when we permeate our ideas, when we permeate our abstract laws everywhere with what is in truth the Christ impulse—which, as you all know, does not refer to anything that an orthodox creed has in mind, but rather to the great macrocosmic Christ impulse. We must permeate ourselves with this in the Pauline sense. Not our abstract ideas and concepts, but what they are as our present form of consciousness, permeated by the Christ impulse—that is what we carry out into the world. And here experience reveals something quite peculiar. As we become ever emptier and poorer, and our consciousness ultimately shatters and scatters into the void of the world when we venture out with a Christ-less consciousness—as soon as we have taken in the Christ impulse, the farther we go into the distant realms of the world, into the vastness of space, the richer and fuller our consciousness becomes. And when we advance to clairvoyance, then through the Christ-filled soul we have abundant soul substance, so that the true causes of reality ultimately stand before us as supersensible realities, mighty and magnificent. While our Christ-less consciousness leads us into the void of the vastness of the universe, the Christ-filled consciousness leads us to the true causes of worldly phenomena and the wonders of the universe. That is why I was able to say in the little book *The Spiritual Guidance of Man and Humanity*: As foolish as it may seem today, in the future chemistry, physics, physiology, and biology will be permeated by the Christ impulse, and true science will be permeated by the Christ impulse in many ways that we cannot even dream of today. Anyone who refuses to believe this need only leaf through history to see how the reason of future times was often the folly of earlier times. May they take comfort in this, should they perhaps wish to pity us because we assume that what is considered folly in our time is the reason of the coming age! As foolish as it may seem to today’s humanity to think of a Christian chemistry, so reasonable will it appear to posterity. When we carry Christ out into our worldview, he will give us fullness instead of emptiness.
[ 20 ] Und wenn wir den anderen Weg gehen, wenn wir im Paulinischen Sinne nach dem Geiste dessen, was bisher hier gesagt werden durfte, unsere Seele erfüllen mit dem Christus-Impuls und dann in uns selber eintauchen, was geschieht dann? Der Christus-Impuls hat die Eigentümlichkeit, daß er auf unsere Egoität, auf unseren Egoismus wie auflösend, wie zerstörend wirkt. Merkwürdig: je weiter wir hinuntersteigen mit dem Christus-Impuls in uns selber, desto weniger kann uns der Egoismus anhaben. Wir dringen dann immer mehr und mehr in uns selber ein, und wir lernen, indem wir mit dem Christus-Impuls durch unsere egoistischen Triebe und Leidenschaften dringen, die Menschenwesenheit erkennen, lernen die ganzen Geheimnisse des Weltenwunders des Menschen kennen. Ja, dieser Christus-Impuls läßt uns noch viel weiter gehen. Während wir sonst wie ein Kautschukball zurückgeworfen werden und nicht in uns selber, in das Gebiet unserer eigenen Menschheitsorganisation hinunterkommen, dringen wir durch Christus immer tiefer und tiefer in uns, durchdringen uns selber, kommen sozusagen wieder heraus aus uns selber nach der anderen Seite. So daß, wenn wir nach der einen Seite hinausdringen in die Weltenweiten und überall in den Raumesfernen das Christus-Prinzip finden, wir auf der anderen Seite, wenn wir hinunterdringen, im Gebiete der unterirdischen Welten auch alles Unpersönliche, von uns Freie finden. Nach beiden Seiten finden wir das, was über uns hinausgeht. In den Weltenweiten zerstieben, zersprühen wir nicht, wir finden die Welt der oberen Götter; nach unten dringen wir in die Welt der wahren Götter ein.
[ 20 ] And if we take the other path—if, in the Pauline sense and in the spirit of what has been said here so far, we fill our souls with the Christ impulse and then turn inward—what happens then? The Christ impulse has the peculiarity that it acts upon our egoism, upon our selfishness, as if dissolving it, as if destroying it. It is remarkable: the further we descend within ourselves with the Christ impulse, the less our selfishness can affect us. We then penetrate ever deeper into ourselves, and as we pass through our egoistic drives and passions with the Christ impulse, we come to recognize the human being and come to know all the mysteries of the world-miracle that is the human being. Yes, this Christ impulse allows us to go much further still. Whereas otherwise we are thrown back like a rubber ball and do not descend into ourselves, into the realm of our own human organization, through Christ we penetrate ever deeper and deeper into ourselves, penetrate through ourselves, and emerge, so to speak, from ourselves onto the other side. So that when we penetrate out to one side into the vastness of the worlds and find the Christ principle everywhere in the distant reaches of space, on the other side, when we penetrate downward into the realm of the underworlds, we also find everything impersonal, everything free from us. On both sides we find that which transcends us. In the vastness of the worlds we do not scatter or dissipate; we find the world of the higher gods; downward we penetrate into the world of the true gods.
[ 21 ] Und dasjenige, was uns in uns selbst führt und uns in die Weltenweiten führt, wir könnten es zeichnen als einen Kreis und kämen selber zuletzt außerhalb von uns selbst zusammen. Das, was Willensnatur ist, in das wir sonst untertauchen wie in ein Gebiet, in dem wir verbrennen, und das, was Raumesweiten sind, darinnen wir zerstieben wie in ein Nichts: das kommt zusammen. — Und unsere Gedanken über die Welt vereinigen sich mit dem Willen, der uns aus der Welt entgegentritt, wenn wir hinuntersteigen. Willenserfüllte Gedanken, wollende Gedanken! Wir stehen durch einen solchen Prozeß nicht mehr vor abstrakten Gedanken, sondern vor den Weltengedanken, die in sich selber schaffend sind, die wollen können. Wollende Gedanken: das heißt aber Götterwesen, geistige Wesenheiten, denn willenserfüllte Gedanken sind geistige Wesenheiten. So schließt sich der Kreis. So dringen wir durch die Seelenprüfungen, die uns begegnen, während wir sonst ins Nichts durch die Schwäche der eigenen Seele gehen würden. So dringen wir, wenn wir in uns selber hinuntersteigen durch die übergroße Egoität — das heißt durch die in der Egoität, im Egoismus starke Seele nach beiden Seiten zu dem, was uns zu Seelenprüfungen zwar führen kann, was uns aber nimmermehr etwas über die Welt sagen kann.
[ 21 ] And that which guides us within ourselves and leads us into the vastness of the world—we could draw it as a circle and would ultimately come together outside of ourselves. That which is the nature of will, into which we otherwise plunge as into a realm where we burn, and that which is the vastness of space, within which we disintegrate as into nothingness: these come together. — And our thoughts about the world unite with the will that confronts us from the world when we descend into it. Thoughts filled with will, willing thoughts! Through such a process, we no longer stand before abstract thoughts, but before the world-thoughts that are creative in themselves, that are capable of willing. Willing thoughts: but that means divine beings, spiritual entities, for thoughts filled with will are spiritual entities. Thus the circle is closed. Thus we push through the trials of the soul that we encounter, whereas otherwise we would pass into nothingness through the weakness of our own soul. Thus, when we descend into ourselves, we pass through excessive egotism—that is, through the soul that is strong in egotism and selfishness—toward both sides, toward that which may indeed lead us to trials of the soul, but which can never tell us anything about the world.
[ 22 ] Wir müssen beide Wege wandeln, müssen beide Widerstände empfinden, sowohl die Furcht vor der Leere wie auch den Widerstand der eigenen Egoität. Und so durch uns hindurchdringend nach der anderen Seite der Willensnatur, der Welt uns nähernd, werden wir ergriffen, sobald wir auf diese Weise aus uns selber herauskommen, von dem unendlichen Mitfühlen, von dem unendlichen Mitleiden mit allen Wesenheiten. Und dieses Mitfühlen, dieses Mitleiden, das ist es, was sich verbindet, wenn der Kreislauf geschlossen ist, mit den Weltengedanken, die sich sonst verflüchtigen und nun substantiellen Gehalt empfangen. Der ChristusImpuls führt uns nach und nach zum Schließen des Kreises, führt uns dazu, zu erkennen, was in den Raumesweiten als willenserfüllte, das heißt wesenhafte Gedanken weset und lebt. Dann aber, wenn uns die Seelenprüfungen in dieser Art weitergeführt haben, sind wir geläutert in unserer Seele, durchgedrungen durch den Läuterungsprozeß, den wir durchmachen mußten. Indem wir nach unten durch alles dringen müssen, was uns der Hüter der Schwelle zeigt als die Veranlassung zum Egoismus, sind wir auch gefeit vor alledem, was uns Veranlassung gibt, zu zerstieben in den Raumesweiten und die Furcht vor der Leere zu empfinden.
[ 22 ] We must walk both paths, must experience both forms of resistance: both the fear of emptiness and the resistance of our own ego. And thus, penetrating through ourselves toward the other side of the nature of the will, approaching the world, we are seized—as soon as we emerge from ourselves in this way—by infinite compassion, by infinite sympathy with all beings. And this compassion, this sympathy—this is what connects, when the cycle is closed, with the world-thoughts that otherwise vanish and now receive substantial content. The Christ impulse gradually leads us to close the circle, leads us to recognize what dwells and lives in the vastness of space as will-filled, that is, essential thoughts. But then, when the trials of the soul have led us further in this way, we are purified in our soul, permeated by the process of purification we had to undergo. By having to penetrate downward through everything that the Guardian of the Threshold shows us as the cause of egoism, we are also immune to all that might cause us to scatter into the vastness of space and feel the fear of emptiness.
[ 23 ] Solch eine Weisheit, die uns im Grunde genommen auf das tiefste Mysterium der Seelenprüfungen führt, herrschte in den alten griechischen Mysterien. Deshalb wurden die griechischen Mysten, die Schüler dieser Mysterien, auf der einen Seite geführt zu der Furcht vor dem unendlichen Abgrund und zur Erkenntnis, auf der anderen Seite zu der Versuchung durch die Egoität und zur Überwindung der Egoität in dem unendlichen Mitleid und Mitgefühl mit allen Wesenheiten. Und in der Ehe, in der Vereinigung des Mitgefühls, des Mitleidens mit den Gedanken, erlebten sie die Läuterung von allen Seelenprüfungen. Ein schwaches, ein ganz schwaches Abbild hat die Urtragödie, das Urdrama in Griechenland geschaffen. Die ersten Dramen des Äschylos und auch noch - wenn auch ganz wenig nur - des Sophokles lassen uns erkennen, wozu sie da waren. Sie waren da, um in der Art und Weise, wie eine Handlung fortlaufend auf der Bühne dargestellt ist, Furcht und Mitleid zu erregen und zur Läuterung, zur Katharsis von Furcht und Mitleid zu führen. Aristoteles, der die Überlieferung davon gehabt hat, daß das griechische Drama im kleinen abgespiegelt hat die kolossale, grandiose Empfindung von Furcht und Egoität, von der Überwindung der Furcht durch Furchtlosigkeit, der Egoität im Mitleiden, im unendlichen Mitleiden - Aristoteles, der es wußte, daß das Drama das Erziehungsmittel war im kleinen, hat die Tragödie so definiert, daß sie sein sollte eine Darstellung zusammenhängender Ereignisse, welche geeignet sind, Furcht und Mitleid in der Menschenseele zu erregen und sie zu läutern in bezug auf diese Eigenschaften.
[ 23 ] Such wisdom, which essentially leads us to the deepest mystery of the trials of the soul, prevailed in the ancient Greek mysteries. That is why the Greek mystics, the disciples of these mysteries, were led, on the one hand, to a fear of the infinite abyss and to knowledge, and on the other hand, to the temptation of egoism and to the overcoming of egoism through infinite compassion and empathy with all beings. And in marriage, in the union of compassion, of sharing in the suffering of others through thought, they experienced the purification of all trials of the soul. A faint, a very faint reflection of this was created by the primal tragedy, the primal drama in Greece. The early dramas of Aeschylus and also—albeit only to a very small extent—those of Sophocles allow us to recognize their purpose. They were there to evoke fear and pity through the manner in which a plot is continuously presented on stage, and to lead to purification, to the catharsis of fear and pity. Aristotle, who inherited the tradition that Greek drama reflected on a small scale the colossal, grandiose sensation of fear and selfishness, of the overcoming of fear through fearlessness, of selfishness in compassion, in infinite compassion - Aristotle, who knew that drama was a means of education on a small scale, defined tragedy as a representation of connected events suitable for arousing fear and pity in the human soul and purifying it with regard to these qualities.
[ 24 ] Diese grandiosen Wahrheiten sind im Laufe der Zeit den menschlichen Seelen verlorengegangen, vergessen worden. Und als man angefangen hat, vom 18. ins 19. Jahrhundert herauf, den Aristoteles wieder zu studieren, hat man eine ganze Bibliothek angehäuft mit Erklärungen, was eigentlich Aristoteles damit gemeint hat. Was er gemeint hat, wird man erst begreifen, wenn man das Hervorgehen des Dramas aus den alten Mysterien wiederum begreifen wird. So kann Gelehrsamkeit an die alleräußerste Oberfläche tippen, denn aus der Erklärung des Begriffs Drama ist durch alle Arbeit in diesen Bibliotheken nicht viel gewonnen worden für die Aristotelische Definition von Furcht und Mitleid. So aber sehen wir, wie aus dem Welt- und Menschheitswerden entspringen müssen die Seelenprüfungen. Wir sehen aber auch, wie diese Seelenprüfungen dadurch entstehen, daß unsere Seele sich veranlaßt fühlt, zwei Wege zu gehen, den einen Weg in die Weltenfernen, den anderen in die eigenen Wesenstiefen; daß sie Prüfungen bestehen muß, weil sie nach beiden Seiten hin den Ausblick nicht haben kann, daß sie aber hoffen kann, den Kreis zu schließen, den Willen von der einen Seite, die Gedanken von der anderen Seite zu finden und dadurch die wahren Realitäten, das, wodurch sich die Welt offenbart als wollender Geist, als geistiges Wollen.
[ 24 ] These magnificent truths have been lost to the human soul over time, forgotten. And when people began to study Aristotle again, from the 18th into the 19th century, they amassed an entire library of explanations of what Aristotle actually meant by this. What he meant will only be understood when we once again grasp the emergence of drama from the ancient mysteries. Thus, scholarship can only scratch the very surface, for all the work in these libraries has yielded little in terms of the Aristotelian definition of fear and pity when it comes to explaining the concept of drama. Thus, however, we see how trials of the soul must arise from the becoming of the world and humanity. We also see, however, how these trials of the soul arise because our soul feels compelled to take two paths: one path into the distant realms of the world, the other into the depths of its own being; that it must pass trials because it cannot have a view in either direction, yet that it can hope to close the circle, to find the will on one side and the thoughts on the other, and thereby the true realities—that through which the world reveals itself as a willing spirit, as spiritual will.
[ 25 ] Wohin wir zuletzt gelangen, ist, daß sich uns die ganze Welt in Geist auflöst, daß wir überall Geist erblicken und daß wir alles, was Stofflich-Materielles ist, nur als die äußere Manifestation des Geistes zu erkennen haben, als das Trugbild des Geistes. Weil wir nicht im Geiste uns wissen, wohl aber im Geiste leben, müssen wir solche Prüfungen durchmachen. Denn wir leben zwar im Geiste, wissen es aber nicht. Wir sehen den Geist in einer trügerischen Form und müssen aus dem Truge, der wir selber sind, aus dem Traum, als welchen wir uns selber träumen, zur Realität vordringen, müssen abstreifen alles das, was noch an Materielles oder an Gesetze von Materiellem erinnert. Das ist ein Weg, dessen Ende wir ahnen können, aber aus solchen Ahnungen entsprießt uns die Stärke, die uns sagt: Wir werden endlich den Kreis schließen können und in der Geistesoffenbarung die Lösungen der Weltenwunder, die Befriedigungen für die Seelenprüfungen finden können.
[ 25 ] What we ultimately arrive at is that the entire world dissolves into Spirit for us, that we perceive Spirit everywhere, and that we must recognize everything that is physical and material merely as the outer manifestation of Spirit, as the illusion of Spirit. Because we do not know ourselves to be in the Spirit, though we do live in the Spirit, we must undergo such trials. For although we live in the Spirit, we do not know it. We see the Spirit in a deceptive form and must advance from the deception that we ourselves are, from the dream in which we dream ourselves, toward reality; we must cast off everything that still recalls the material or the laws of the material. This is a path whose end we can only sense, but from such intuitions springs the strength that tells us: We will finally be able to close the circle and, in the revelation of the Spirit, find the solutions to the wonders of the world and the fulfillment of the trials of the soul.
[ 26 ] So muß uns eine wirkliche Betrachtung der Geisteswissenschaft niemals mutlos machen. Und wenn uns auch gezeigt werden muß, wie schwer die Seelenprüfungen sind, wie sie immer wieder von neuem auftreten müssen, so müssen wir uns dennoch sagen: Kennenlernen müssen wir sie, ja, auch durchmachen müssen wir sie, denn daß wir sie abstrakt wissen, das hilft uns nichts. Aber wir müssen auch das Vertrauen haben, daß wir über die Seelenprüfungen zu den Geistesoffenbarungen vorschreiten werden. Derjenige freilich, der sich beruhigen würde dabei, daß die geistigen Offenbarungen doch einmal kommen müssen, daß man daher nicht die Seelenprüfungen aufsuchen soll, der wird erst recht in Seelenprüfungen verfallen. Wer zum Beispiel sagen würde: Da hast du uns das erste Rosenkreuzer-Drama vorgeführt, in welchem wir eine Entwickelung der Seele finden, die uns zu zeigen schien, daß der Johannes Thomasius schon eine bestimmte Höhe erreicht hat. Nun, wenn wir uns darauf verlassen, dann können wir Abstand von dem zweiten Rosenkreuzer-Drama, «Die Prüfung der Seele», nehmen, können einfach hoffen, daß schon einmal die Geistesoffenbarung folgen werde. Wozu brauchen wir uns auf die Seelenprüfungen einzulassen? - Wer so denken würde, würde sich gerade hineinwerfen in die schlimmsten Seelenprüfungen, denn wir können nicht durch unser normales Bewußtsein, durch unsere Intellektualität dem entkommen, was als Seelenprüfung auf uns abgelagert werden muß. Daher ist es besser, wenn wir uns alles vor die Seele führen, was diese Seele an Prüfungen erleben kann, wenn wir alle Prüfungen der Menschenseelen kennenlernen und nicht erlahmen, um zu begreifen, daß auch ein Mensch wie Johannes Thomasius in Irrtum und Wahn verfallen kann und weiterkommen muß auf ganz anderen Wegen, als man sich zunächst vorstellt. Niemals aber dürfen wir das Vertrauen verlieren, daß die Menschenseele dazu bestimmt ist, ihr göttliches Selbst zu den Geistesoffenbarungen emporzutragen. Daher ist der Gang der Menschenseele der, daß sie der Welt gegenübersteht, diese Welt als Maja oder große Illusion sieht, fühlt, daß innerhalb dieser Maja oder großen Illusion die Weltenwunder verborgen sind, daß die Verwunderung als die erste Seelenprüfung eintritt, daß dann die Prüfungen immer schwerer und schwerer werden, aber daß die Seele ihre Stärke behalten kann, so daß sie zum Schließen des Kreises kommt und endlich in der Geistesoffenbarung die Auflösung der Weltenwunder, die Läuterung der Seelenprüfungen findet. Das ist der Gang, den die Menschenseele macht — und nicht allein die Menschenseele -, den alle göttlichen Hierarchien anstreben und in der Menschenseele machen.
[ 26 ] Thus, a genuine consideration of spiritual science must never discourage us. And even if we must be shown how difficult the trials of the soul are, how they must arise again and again, we must nevertheless tell ourselves: We must come to know them, yes, we must even go through them, for merely knowing them in the abstract does us no good. But we must also have the confidence that we will progress through the trials of the soul to spiritual revelations. Of course, anyone who would take comfort in the fact that spiritual revelations must come eventually, and that one should therefore not seek out the trials of the soul, will fall into trials of the soul all the more. For example, someone who might say: There you have presented us with the first Rosicrucian drama, in which we find a development of the soul that seemed to show us that Johannes Thomasius had already reached a certain height. Well, if we rely on that, then we can distance ourselves from the second Rosicrucian drama, “The Trial of the Soul,” and simply hope that the spiritual revelation will follow at some point. Why do we need to engage with the trials of the soul? — Anyone who thinks this way would be throwing themselves right into the worst trials of the soul, for we cannot escape through our normal consciousness, through our intellectuality, what must be laid upon us as a trial of the soul. Therefore, it is better if we bring before our soul everything that this soul can experience in terms of trials, if we become acquainted with all the trials of human souls and do not lose heart in realizing that even a person like Johannes Thomasius can fall into error and delusion and must find his way forward along paths quite different from what one might initially imagine. But we must never lose confidence that the human soul is destined to raise its divine self up to the revelations of the Spirit. Therefore, the path of the human soul is such that it faces the world, sees this world as Maya or the great illusion, feels that within this Maya or great illusion the wonders of the world are hidden, that wonderment arises as the first trial of the soul, that the trials then become ever heavier and heavier, but that the soul can retain its strength, so that it comes to close the circle and finally finds, in the spiritual revelation, the resolution of the wonders of the world and the purification of the trials of the soul. This is the path that the human soul takes—and not only the human soul—which all divine hierarchies strive for and carry out within the human soul.
[ 27 ] Damit haben wir skizziert, was wir uns als Aufgabe für den diesjährigen Zyklus im wesentlichen gesetzt haben: eine Vorstellung hervorzurufen von dem Zusammenhang zwischen Weltenwunder, Seelenprüfungen und Geistesoffenbarungen.
[ 27 ] We have thus outlined what we have essentially set as our task for this year’s cycle: to evoke an understanding of the connection between wonders of the world, trials of the soul, and spiritual revelations.
