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Occult Studies on Life Between Death and Rebirth
GA 140

10 October 1913, Bergen

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19. Die lebendige Wechselwirkung zwischen Lebenden und Toten I

I. Links Between the Living and the Dead

[ 1 ] In der herzlichsten Weise erwidre ich den lieben Gruß, der soeben von Ihrem Vertreter ausgesprochen worden ist. Und überzeugt bin ich, daß diejenigen Freunde, die mit mir hier in diese Stadt heraufgekommen sind, um mit unseren Bergener Freunden anthroposophisches Leben zu pflegen, herzlich einstimmen in diese Begrüßung. Es ist ja zweifellos schön gewesen bei der Herfahrt über die uns so freundlich und so großartig anmutenden Berge, und ich glaube, daß unsere Freunde sich in der alten hanseatischen Stadt wohl fühlen werden in den Tagen, in denen sie hier sein können. Nicht nur hat uns das Menschenwunderwerk der Bahn, mit welcher wir gefahren sind, in intimer Weise gerade in dieser Gegend den Eindruck nahebringen können, den man in anderen Gegenden Europas wenig hat, daß, unmittelbar zusammengedrängt, uns entgegentrat menschliche energische Schaffenskraft in der ursprünglichen Natur: wenn man sieht, wie Steine, die notwendig gebrochen werden mußten, um so etwas zustande zu bringen, wie es der menschliche Geist heute zustande bringt, unmittelbar neben den anderen liegen, die die Natur aufgetürmt hat, dann kommen Eindrücke, die wahrhaftig den Besuch eines solchen Landes zu dem Herrlichsten machen können, das man heute unternehmen kann. In dieser alten Stadt werden die Freunde die Tage, an denen wir hier sein dürfen, schön durchleben und sie besonders in Erinnerung bewahren durch diesen erhabenen Hintergrund des Aufenthaltes. Es werden Tage des Andenkens sein. Insbesondere aber werden sie das sein aus dem Grunde, weil wir uns durch den äußeren, physischen Augenschein überzeugen durften, daß wir auch hier in dieser Gegend anthroposophische Herzen finden können, die mit uns zusammenschlagen in dem Erstreben der geistigen Schätze der Menschheit. Gewiß werden sich die Besucher dieser Stadt noch enger, noch lieber, noch teurer verbunden glauben mit denen, die uns hier so lieb aufgenommen haben.

[ 1 ] With all my heart I reciprocate the greeting of your Chairman, and I am sure that those who have come here with me to be together with friends in Bergen will cordially join me in this. It has been a beautiful journey through mountains that were so welcoming and so majestic, and I believe that everyone will be happy during their stay in this old Hanseatic city. A marvellous handiwork of man—the railway by which we traveled—has given us an impression seldom occurring in other regions of Europe, an impression of human creative power applied to Nature in her pure, original state. When one sees rocks that had to be shattered to pieces in order to produce a work like this, and sees them lying side by side with others piled up by Nature herself, impressions pour in which make a journey to a country such as this one of the grandest that can be undertaken nowadays. In this old city, friends will spend happy days and keep them in special remembrance because of their majestic background. These days will be enshrined in the memory especially because outer, physical evidence itself shows that, in this land too, anthroposophical hearts are beating in unison with our own pursuit of the spiritual treasures of humanity. It is quite certain that the visitors to this city will feel an even closer link of affection with those who have given us such a kindly reception.

[ 2 ] Dasjenige, was ich, da wir ja gewissermaßen zum ersten Male hier zusammen sind, besprechen möchte, wird eine Art aphoristischen Charakter tragen. Ich möchte aus dem Gebiete der geistigen Welt einiges von dem besprechen, was leichter und besser mündlich gesagt werden kann, als es in unserer Schrift aufgezeichnet werden kann. Leichter mündlich gesagt werden kann es nicht nur aus dem Grunde, weil es heute gegenüber den Vorurteilen der Welt nicht bloß in vieler Beziehung noch schwierig ist, alles sozusagen der Schrift anzuvertrauen, was man gerne anthroposophischen hingebungsvollen Herzen anvertraut, sondern auch schwierig aus dem Grunde, weil wirklich sich die geistigen Wahrheiten besser mündlich sagen lassen, als daß sie der Schrift und dem Druck anvertraut werden. Insbesondere muß das gelten von den intimeren geistigen Wahrheiten. Man hat immer ein etwas bitteres Gefühl, trotzdem in unserer Zeit es ja sein muß, daß diese Dinge auch aufgeschrieben und gedruckt werden; es ist immer mißlich, die intimeren geistigen Wahrheiten, die sich auf die höheren geistigen Welten selber beziehen, aufzuschreiben und sie drucken zu lassen. Schon aus dem Grunde ist das mißlich, weil ja die Schrift und der Druck zu den Dingen gehören, welche die Wesen, von denen man da spricht, die geistigen Wesen, nicht lesen können. Bücher können in der geistigen Welt nicht gelesen werden. Bücher können zwar von uns eine kurze Zeit nach unserem Tode aus der Erinnerung heraus noch gelesen werden, aber die Wesen der höheren Hierarchien können unsere Bücher nicht lesen. Und wenn Sie fragen, ob sie sich denn diese Kunst des Lesens nicht aneignen wollen, so muß ich nach meiner Erfahrung gestehen, daß sie vorläufig keine Lust dazu zeigen, weil sie das Lesen desjenigen, was auf der Erde hervorgebracht wird, für sich selber nicht nötig und nicht nützlich finden. Das Lesen der geistigen Wesenheiten beginnt erst dann, wenn Menschen auf der Erde in den Büchern lesen, das heißt: wenn das, was in den Büchern steht, lebendiger Gedanke der Menschen wird, dann lesen die Geister in den Gedanken der Menschen. Aber dasjenige, was geschrieben oder gedruckt ist, das ist wie die Finsternis für die Wesen der geistigen Welt; so daß man gegenüber diesen geistigen Wesenheiten selber das Gefühl hat, daß wenn man der Schrift oder dem Druck etwas anvertraut, man Mitteilungen macht hinter dem Rücken der geistigen Wesenheiten. Das ist ein reales Gefühl, das ein Kulturbürger der Gegenwart vielleicht nicht ganz teilen wird; aber jeder wahre Okkultist wird dieses Gefühl des Widerstrebens gegen Schrift und Druck haben.

[ 2 ] As we are together here for the first time, I want to speak in an aphoristic way of matters pertaining to the spiritual world. Such matters are better and more easily expressed by word of mouth than in writing. This is not only because the prejudices existing in the world make it difficult in many respects to commit to writing everything that one so gladly conveys to hearts devoted to Anthroposophy, but it is also difficult because spiritual truths lend themselves better to the spoken word than to writing or to print. This applies very specially to spiritual truths of a more intimate kind. For these things to be written down and printed always goes rather against the grain, although in our day it has to be done. It is always difficult to allow the more intimate truths relating to the higher worlds themselves to be written down and printed, precisely because writing and printing cannot be read by the spiritual Beings of whom one is speaking. Books cannot be read in the spiritual world. True, for a short period after death books can still be read through remembrance, but the Beings of the higher Hierarchies cannot read our books. And if you ask: Do these Beings then not want to learn how to read?—I must tell you that according to my experience they show no desire at present to do so because they find that the reading of what is produced on the earth is neither necessary nor useful to them. The spiritual Beings begin to read only when human beings on the earth read books—that is to say, when what is contained in the books comes to life in the thoughts of men. Then the spiritual Beings read in these thoughts; but what is written or printed is like darkness for the Beings of the spiritual worlds. And so when something is committed to writing or to print, one has the feeling that communications are being made behind the back of the spiritual Beings. This is a feeling which a man of modern culture may not wholly share, but every true occultist will experience this feeling of distaste for writing and print.

[ 3 ] Wenn wir mit dem hellsichtigen Blick in die geistigen Welten eindringen, dann erscheint es uns besonders in der Gegenwart von ganz besonderer Wichtigkeit, daß immer mehr und mehr, von der Gegenwart angefangen, in die nächste Zukunft hinein das Wissen von der geistigen Welt Verbreitung und immer mehr und mehr Verbreitung gewinnt, weil von dieser Verbreitung der Geisteswissenschaft vieles abhängen wird in bezug auf eine immer notwendiger und notwendiger werdende Änderung des menschlichen Seelenlebens. Sehen Sie, wenn wir in alte Zeiten zurückgehen mit unserem geistigen Blick, wenn wir nur um Jahrhunderte zurückgehen, so finden wir mit dem geistigen Blick etwas, was für den Nichtkenner recht überraschend sein kann. Man findet nämlich, daß der Verkehr zwischen Lebenden und Toten immer schwieriger und schwieriger wird, daß noch vor einer verhältnismäßig kurzen Zeit die lebendige Wechselwirkung der Lebenden und der Toten eine viel regsamere war. Wenn der Christ des Mittelalters oder auch der Christ noch gar nicht lang verflossener Jahrhunderte mit seinem Gebet das Gedenken an die ihm verwandten oder bekannten Verstorbenen gerichtet hat, so waren in diesen verflossenen Jahrhunderten die Gefühle, die Empfindungen eines solchen Betenden viel kraftvoller, als sie heute sind, um zu den verstorbenen Seelen hinaufzudringen. Viel leichter fühlte sich die verstorbene Seele in der Vergangenheit durchdrungen von dem warmen Hauch der Liebe derjenigen, die im Gebet zu ihr hinaufschauten oder hinaufdachten, als das heute der Fall sein kann, wenn wir uns nur der äußeren Zeitbildung hingeben. Und wiederum sind heute die Toten viel abgeschnittener von den Lebenden, als es noch vor einer verhältnismäßig kurzen Zeit der Fall war. Die Toten haben es heute gewissermaßen viel schwieriger, dasjenige zu erblicken, was in den Seelen der Zurückgebliebenen lebendig vorgeht. Dieses liegt in der Evolution der Menschheit. Aber in der Evolution der Menschheit muß es auch liegen, diesen Zusammenhang, diesen lebendigen Verkehr zwischen den Lebenden und den Toten wiederum zu finden. Es war in früheren Zeiten der Menschenseele ein lebendiger Zusammenhang mit den Toten noch auf natürliche Weise eigen, wenn auch nicht mehr mit vollem Bewußtsein, weil ja schon seit einer längeren Vergangenheit die Menschen nicht mehr hellsichtig sind. In noch früherer Zeit konnten die Lebenden auch noch hellsichtig aufblicken zu den Toten, das Leben der Toten verfolgen. Wie früher es der Seele natürlich war, eine lebendige Wechselwirkung zu haben mit den Toten, so kann heute die Seele dadurch, daß sie sich aneignet Gedanken und Ideen über die höheren, geistigen Welten, wieder die Kraft finden, den Verkehr mit den Toten, die lebendige Wechselwirkung herzustellen. Und unter den praktischen Aufgaben des anthroposophischen Lebens wird auch diese sein, daß wiederum die Brücke immer mehr und mehr gebaut werde durch die Geisteswissenschaft zwischen den Lebenden und den Toten.

[ 3 ] When we penetrate into the spiritual worlds with clairvoyant vision, we see it to be of particular importance that knowledge of the spiritual world shall spread more and more widely during the immediate future, because upon this spread of Spiritual Science will depend a great deal in respect of a change that is becoming increasingly necessary in man's life of soul. If with the eyes of spirit we look back over a period measured by centuries only, we find something that may greatly astonish those who have no knowledge of these things. It is that intercourse between the living and the dead has become more and more difficult, that even a comparatively short time ago this intercourse was far more active and alive. When a Christian of the Middle Ages, or even a Christian of more recent centuries, turned his thoughts in prayer to the dead who had been related or known to him, his prayers and feelings bore him upward to the souls of the dead with much greater power than is the case today. For the souls of the dead to feel warmed by the breath of the love streaming from those who looked upwards or sent their thoughts upward to them in prayer, was far easier in the past than it is today—that is, if we allow external culture to be our only guide. Again, the dead are cut off from the living more drastically in the present age than they were a comparatively short time ago, and this makes it more difficult for them to perceive what is astir in the souls of those left behind, This belongs to the evolution of humanity, but evolution must also lead to a rediscovery of this connection, this real intercourse between the living and the dead. In earlier times the human soul was still able to maintain a real connection with the dead, even if it was no longer a fully conscious one, because for long now men have ceased to be clairvoyant. In even more ancient times the living were able to look upwards with clairvoyant vision to the dead and to follow the happenings of their life. Just as it was once natural for the soul to be in living relationship with the dead, so it is possible today for the soul to re-establish this intercourse and relationship by acquiring thoughts and ideas about the spiritual worlds. And it will be one of the practical tasks of anthroposophical life to ensure that the bridge is built between the living and the dead.

[ 4 ] Damit wir uns recht verstehen, möchte ich zuerst auf einiges in der Wechselwirkung zwischen Lebenden und Toten aufmerksam machen. Ich möchte von einer ganz einfachen Erscheinung ausgehen und möchte geistesforscherisch an diese Erscheinung anknüpfen. Seelen, welche manchmal ein wenig mit sich zu Rate gehen, werden folgendes bei sich beobachten können — ich glaube, daß es viele Seelen gibt, die das bei sich beobachtet haben: Nehmen wir einmal an, irgend jemand habe im Leben eine andere Person gehaßt oder vielleicht nur sich sagen müssen, daß ihr diese andere Person antipathisch war oder ist. Wenn diese Person, die gehaßt wurde oder der gegenüber jemand Antipathie empfunden hat, dann stirbt — ich glaube, daß viele Seelen das von sich aus wissen —, dann fühlt derjenige, der gehaßt hat oder der Antipathie empfunden hat im Leben, wenn er von dem Tode erfährt, daß er nicht mehr in derselben Weise diese Persönlichkeit hassen kann oder nicht mehr die Antipathie aufrechterhalten kann. Und wenn der Haß fortdauert über das Grab hinaus, dann fühlen zartere Seelen Schamgefühl über einen solchen Haß, über eine solche Antipathie, die über das Grab hinaus dauert. Diese Empfindung, die sich bei vielen Seelen findet, kann nun hellsichtig verfolgt werden. Man kann während der Forschung sich die Frage stellen: Warum tritt denn dieses Schamgefühl der Seele ein gegenüber einem Haß oder einer Antipathie, warum tritt es ein, wenn man auch gar nicht einmal im Leben irgendeiner zweiten Person angedeutet hat, daß man diesen Haß hat?

[ 4 ] In order that we may really understand one another, I want to speak first of certain aspects of the mutual relationship between the living and the dead, starting with a quite simple phenomenon which will be explained in accordance with the findings of spiritual investigations. Souls who sometimes practise a little self-contemplation will be able to observe the following (and I believe that many have done so). Let us suppose that someone has hated another person in life, or perhaps it was, or is, merely a question of antipathy or dislike. When the person towards whom hatred or antipathy was directed dies, and the other hears of his death, he will feel that the same hatred or antipathy cannot be maintained. If the hatred persists beyond the grave, sensitive souls will feel a kind of shame that it should be so. This feeling—and it is present in many souls—can be observed by clairvoyance. During self-examination the question may well be asked: Why is it that this feeling of shame at some hatred or antipathy arises in the soul, for the existence of such hatred was never at any time admitted to a second person?

[ 5 ] Wenn der Hellseher den Menschen, der durch die Pforte des Todes gegangen ist, in die geistigen Welten hinauf verfolgt und da einen Blick tut auf die Seele, die hier auf Erden zurückgeblieben ist, so stellt sich heraus, daß im allgemeinen die verstorbene Seele eine sehr deutliche Wahrnehmung, eine sehr deutliche Empfindung von dem Haß in der lebenden Seele hat; gleichsam, wenn ich mich eines Bildes bedienen darf: der Tote sieht den Haß. Das kann der Hellseher ganz genau konstatieren, daß der Tote einen solchen Haß sieht. Aber wir können auch verfolgen, was ein solcher Haß für den Toten bedeutet. Ein solcher Haß bedeutet nämlich für den Toten ein Hindernis für die guten Absichten in seiner geistigen Entwickelung, ein Hindernis, das etwa verglichen werden kann mit Hindernissen, die wir für die Erreichung eines äußeren Zieles auf Erden haben finden können. Dies ist der Tatbestand in der geistigen Welt, daß der Tote den Haß als Hindernis seiner guten und besten Absichten vorfindet. Und jetzt begreifen wir, warum in der Seele, die ein wenig mit sich selbst zu Rate geht, sogar der im Leben berechtigte Haß erstirbt: weil sie Scham empfindet, wenn der gehaßte Mensch gestorben ist. Wenn der Mensch kein Hellseher ist, so weiß er zwar nicht, was da vorliegt, aber das ist wie durch ein natürliches Gefühl in die Seele gepflanzt, daß er sich beobachtet fühlt; er fühlt: der Tote schaut meinen Haß, ja, dieser Haß ist für ihn sogar ein Hindernis in seinen guten Absichten. — Viele tiefe Gefühle sind in der Menschenseele, die sich erklären, wenn man in die Geisteswelten hinaufsteigt und die geistigen Tatsachen ins Auge faßt, welche diesen Gefühlen zugrunde liegen. Wie man für manche Dinge auf der Erde äußerlich physisch nicht beobachtet sein will, beziehungsweise wie man diese Dinge nicht tut, wenn man sich beobachtet weiß, so haßt man nicht über den Tod hinaus, wenn man die Empfindung hat: man wird von dem Toten beobachtet. Die Liebe aber oder auch nur die Sympathie, die wir dem Toten entgegenbringen, die ist dem Toten tatsächlich eine Erleichterung auf seinem Wege, die schafft ihm Hindernisse hinweg. Das was ich jetzt sage, daß Haß Hindernisse schafft im Jenseits und Liebe sie beseitigt, das ist nicht eine Durchbrechung des Karma, wie ja auch hier auf der Erde viele Dinge geschehen, die wir nicht unmittelbar einzurechnen haben in das Karma. Wenn wir unseren Fuß an einen Stein stoßen, so müssen wir das nicht immer in das Karma einrechnen, wenigstens nicht in das moralische Karma. Ebenso widerspricht es nicht dem Karma, wenn der Tote sich erleichtert fühlt durch die Liebe, die ihm zuströmt von der Erde, und wenn er Hindernisse findet für seine guten Absichten.

[ 5 ] When the clairvoyant investigator follows in the spiritual worlds the one who has passed through the gate of death and then looks back upon the soul who has remained on the earth, he finds that, generally speaking, the soul of the dead has a very clear perception, a very definite feeling, of the hatred in the soul of the living man. The dead sees the hatred—if I may speak figuratively. The clairvoyant investigator is able to confirm with all certainty that this is so. But he can also perceive what such hatred signifies for the dead. It signifies an obstacle to the good endeavours of the dead in his spiritual development, an obstacle comparable with hindrances standing in the way of some external goal on earth. In the spiritual world the dead finds that the hatred is an obstacle to his good endeavours. And now we understand why hatred—even if there was justification for it in life—dies in the soul of one who practises a little self-contemplation: the hatred dies because a feeling of shame arises in the soul when the one who was hated has died. True, if the man is not clairvoyant he does not know the reason for this, but implanted in the very soul there is a feeling of being observed; the man feels: the dead sees my hatred and it is an actual hindrance to his good endeavours. Many feelings rooted deeply in the human soul are explained when we rise into the worlds of spirit and recognize the spiritual facts underlying these feelings. Just as when doing certain things on earth we prefer not to be physically observed and would refrain from doing them if we knew this was happening, so hatred does not persist after a person's death when we have the feeling that we ourselves are being observed by him. But the love or even the sympathy we extend to the dead eases his path, removes hindrances from him. What I am now saying—that hatred creates hindrances in the spiritual world and love removes them—does not cut across karma. After all, many things happen here on earth which we shall not attribute directly to karma. If we knock our foot against a stone, this must not always be attributed to karma—not, at any rate, to moral karma. In the same way it is not a violation of karma when the dead feels eased through the love streaming to him from the earth, or when he encounters hindrances to his good endeavours.

[ 6 ] Etwas anderes, was, man möchte sagen, schon energischer zu den Seelen sprechen wird in bezug auf den Verkehr zwischen Toten und Lebenden, das ist, daß die toten Seelen auch in einer gewissen Weise Nahrung brauchen, allerdings nicht Nahrung, wie sie die Menschen brauchen auf der Erde, sondern geistig-seelische Nahrung. Wie es einer Tatsache entspricht, daß wir Menschen auf der Erde — ich darf diesen Vergleich gebrauchen — unsere Saatfelder haben müssen, auf denen die Früchte gedeihen, von denen wir auf Erden physisch leben, so müssen die Seelen der Toten Saatfelder haben, auf denen sie gewisse Früchte ernten können, die sie brauchen in der Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Wenn der hellsichtige Blick die toten Seelen verfolgt, so sieht er, wie die schlafenden Menschenseelen das Saatfeld sind für die Toten, für die Dahingegangenen. Es ist gewiß nicht nur überraschend, sondern für den, der das zum ersten Male sieht in der geistigen Welt, sogar im höchsten Grade erschütternd, zu sehen, wie die Menschenseelen, die zwischen dem Tode und einer neuen Geburt leben, gleichsam hineilen zu den schlafenden Menschenseelen und nach den Gedanken und Ideen suchen, welche in den schlafenden Menschenseelen sind: denn von diesen nähren sie sich, und sie brauchen diese Nahrung. Wenn wir nämlich des Abends einschlafen, können wir schon sagen: da beginnen die Ideen, die Gedanken, die während unseres Wachzustandes durch unser Bewußtsein gegangen sind, zu leben, werden gleichsam lebendige Wesen. Und die toten Seelen kommen herbei und nehmen Anteil an diesen Ideen. In dem Anblick dieser Ideen fühlen sie sich genährt. Oh, es hat etwas Erschütterndes, wenn man den hellsichtigen Blick richtet auf hingestorbene Menschen, die allnächtlich zu den schlafenden Zurückgebliebenen kommen — wir müssen da sowohl die Freunde als auch besonders die Blutsverwandten in Betracht ziehen — und wollen sich gleichsam laben, nähren an den Gedanken und Ideen, die diese mit in den Schlaf genommen haben — und finden nichts, was für sie nahrhaft ist. Denn es ist ein großer Unterschied zwischen Ideen und Ideen in bezug auf unsern Schlafzustand. Wenn wir den ganzen Tag über uns nur beschäftigen mit den materiellen Ideen des Lebens, wenn wir die Blicke nur richten auf dasjenige, was in der physischen Welt vor sich geht und dort verrichtet werden kann, und wenn wir nicht einmal vor dem Einschlafen einen Gedanken haben an die geistigen Welten, sondern im Gegenteil in vieler Beziehung anders als durch Gedanken uns in die geistigen Welten hinüberbringen, so bieten wir keine Nahrung für die Toten. — Ich kenne Gegenden in Europa, wo die jungen Leute an den Hochschulen so erzogen werden, daß sie sich in Schlaf bringen, indem sie sich die sogenannte Bettschwere mit dem nötigen Quantum Bier antrinken. Das ist ein Hinüberbringen von Ideen, die nicht leben können drüben. Und wenn dann die toten Seelen herankommen, dann finden sie ein leeres Feld, dann geht es diesen toten Seelen so, wie es uns geht für unsern physischen Leib, wenn durch Unfruchtbarkeit auf unsern Feldern Hungersnot ausbricht. Namentlich in unserer Zeit kann viel Seelenhungersnot beobachtet werden in den geistigen Welten, denn das materialistische Fühlen und Empfinden hat viel Verbreitung schon gefunden. Und es gibt ja heute schon zahlreiche Menschen, die es als kindisch empfinden, sich mit Gedanken an die geistige Welt zu befassen. Sie entziehen dadurch Menschen, die von ihnen Nahrung bekommen sollen nach dem Tode, diese Nahrung, diese Seelennahrung.

[ 6 ] Something else that will make an even stronger appeal in connection with intercourse between the dead and the living is the fact that in a certain sense the souls of the dead too need nourishment; not, of course, the kind of nourishment required by human beings on the earth, but of the nature of spirit-and-soul. By way of comparison, just as we on the earth must have cornfields where the grain for our physical sustenance ripens, so must the souls of the dead have cornfields from which they can gather certain sustenance which they need during the time between death and a new birth. As the eye of clairvoyance follows the souls of the dead, the souls of sleeping human beings are seen to be cornfields for the dead. For one who has this experience in the spiritual world for the first time, it is not only surprising but deeply shattering to see how the souls living between death and a new birth hasten as it were to the souls of sleeping human beings, seeking for the thoughts and ideas which are in those souls; for these thoughts are food for the souls of the dead and they need this nourishment. When we go to sleep at night, the ideas and thoughts which have passed through our consciousness in our waking hours begin to live, to be living beings. Then the souls of the dead draw near and share in these ideas, feeling nourished as they perceive them. When clairvoyant vision is directed to the dead who night after night make their way to the sleeping human beings left behind on earth—especially blood-relations but friends as well—seeking refreshment and nourishment from the thoughts and ideas that have been carried into sleep, it is a shattering experience to see that they often find nothing. For as regards the state of sleep there is a great difference between one kind of thought and another. If throughout the day we are engrossed in thoughts connected with material life, if our mind is directed only to what is going on in the physical world and can be achieved there, if we have given no single thought to the spiritual worlds before passing into sleep but often bring ourselves into those worlds by means quite different from thoughts, then we have no nourishment to offer to the dead. I know towns in Europe where students induce sleepiness by drinking a lot of beer! The result is that they carry over thoughts which cannot live in the spiritual world. And then when the souls of the dead approach, they find barren fields; they fare as our physical body fares when famine prevails because our fields yield no crops. Especially at the present time much famine among souls can be observed in the spiritual worlds, for materialism is already very widespread. Many people regard it as childish to occupy themselves with thoughts about the spiritual world but thereby they deprive souls after death of needed nourishment.

[ 7 ] Damit man dieses Faktum richtig versteht, muß erwähnt werden, daß man sich nach dem Tode nähren kann von den Ideen und Gedanken nur derjenigen Seelen, mit denen man irgendwie im Leben im Zusammenhang war. Von denjenigen, mit denen man gar keinen Zusammenhang hatte, kann man sich nach dem Tode nicht nähren. Wenn wir in unserer heutigen Zeit, um wiederum spirituell Lebendiges in den Seelen zu haben, von dem sich die Toten nähren können, Geisteswissenschaft verbreiten, dann arbeiten wir wirklich nicht bloß für die Lebenden, nicht bloß darum, daß die Lebenden eine theoretische Befriedigung haben, sondern wir versuchen unsere Herzen und Seelen anzufüllen mit Gedanken der geistigen Welt, weil wir wissen, daß die Toten, die mit uns auf der Erde verbunden waren, nach dem Tode von diesen Ideen und diesen Empfindungen für das spirituelle Leben sich nähren müssen. Wir fühlen uns heute nicht nur als Arbeiter für die sogenannten lebenden Menschen, sondern zugleich auch als Arbeiter so, daß die geisteswissenschaftliche Arbeit, die Verbreitung des anthroposophischen Lebens auch den geistigen Welten dient. Wir schaffen, indem wir zu den Lebenden sprechen für deren Tagesleben, durch die spirituelle Seelenbefriedigung für das Nachtleben solche Ideen, die fruchtbare Nahrung für die Seelen sind, die früher hinzusterben als wir das Karma haben. Und deshalb ist der Drang vorhanden, nicht nur auf dem gewöhnlichen Wege äußerer Mitteilung die Geisteswissenschaft oder Anthroposophie zu verbreiten, sondern das liegt, man möchte sagen, insgeheim auf dem Grunde unserer Sehnsucht, diese Geisteswissenschaft oder Anthroposophie in Gesellschaften, in Zweigen zu verbreiten, weil es einen Wert hat, daß persönlich physisch in Gemeinsamkeit, in Gesellschaft diejenigen Menschen zusammen sind, die Geisteswissenschaft treiben. Denn ich habe ja gesagt, daß man als Toter nur Nahrung schöpfen kann von den Seelen, mit denen man zusammen war im Leben. Wir suchen die Seelen zusammenzubringen, um das Saatfeld für die Toten immer größer und größer zu machen. Gar mancher Mensch, der heute, wenn er dahingestorben ist, kein Saatfeld findet, weil seine Familie nur aus Materialisten besteht, findet es bei jenen Seelen der Anthroposophen, weil er mit Geisteswissenschaft zusammengebracht worden ist. Das ist der tiefere Grund, warum wir gesellschaftsmäßig arbeiten, warum wir eine gewisse Sorge haben, daß derjenige, der dahinstirbt, bevor er hinstirbt, kennenlernen kann Menschen, die sich noch auf Erden mit spirituellen Dingen beschäftigen; denn daraus kann er Nahrung schöpfen, wenn diese Menschen im schlafenden Zustand sind.

[ 7 ] In order that this may be rightly understood, it must be stated that nourishment after death can be drawn only from the ideas and thoughts of those with whom there was some connection during life; nourishment cannot be drawn from those with whom there was no connection at all. When we cultivate Anthroposophy today in order that there may again be in souls a spirituality which can be nourishment for the dead, we are not working only for the living, or merely in order to provide them with some kind of theoretical satisfaction, but we try to fill our hearts and souls with thoughts of the spiritual world because we know that the dead who were connected with us on earth must draw their nourishment from these thoughts. We feel ourselves to be workers not only for living human beings, but workers too in the sense that anthroposophical activity, the spread of anthroposophical life, is also of service to the spiritual worlds. In speaking to the living for their life by day, we promote ideas which, bringing satisfaction as they do in the life by night, are fruitful nourishment for the souls whose karma it was to die before us. And so we feel the urge not only to spread Anthroposophy by the ordinary means of communication, but deep down within us there is the longing to cultivate Anthroposophy in communities, in groups, because this is of real value. As I have said, the dead can draw nourishment only from souls with whom they were associated in life. We therefore try to bring souls together in order that the harvest-fields for the dead may become more and more extensive. Many a human being who after death finds no harvest-field because all his family are materialists, finds it among the souls of anthroposophists with whom he had had some connection. That is the deeper reason for working together in community, and why we are anxious that the dead should have been able before death to know anthroposophists who are still occupied on the earth with spiritual things; for when these people are asleep the dead can draw nourishment from them.

[ 8 ] In alten Zeiten der Menschheitsentwickelung, wo noch ein gewisses religiöses, spirituelles Leben die Seelen durchzog, waren es die religiösen Gemeinschaften und besonders die Blutsverwandten, bei denen die Zuflucht nach dem Tode gesucht worden ist. Aber die Kraft der Blutsverwandtschaft hat abgenommen, und ersetzt werden muß diese immer mehr und mehr durch die Pflege des spirituellen Lebens, wie wir es versuchen. So sehen wir, daß uns die Anthroposophie versprechen kann, daß ein neues Band, eine neue Brücke geschaffen werde zwischen den Lebenden und den Toten, daß wir gewissermaßen für die Toten durch die Anthroposophie etwas sein können. Und wenn wir heute schon mit dem hellsichtigen Blick zuweilen Menschen finden in dem Leben zwischen Tod und einer neuen Geburt, die das Unglück erleben, daß diejenigen, die sie gekannt haben, auch die Nächststehenden, nur materialistische Gedanken haben, dann erkennen wir die Notwendigkeit des Durchsetzens der Erdenkultur mit geistigen, spirituellen Gedanken. Wenn man so kennenlernt zum Beispiel einen Menschen, der vor einiger Zeit gestorben ist, wenn man ihn findet in der geistigen Welt, und man hat ihn gekannt, als er hier auf Erden lebte, und er hat gewisse Glieder seiner Familie zurückgelassen, die man auch kannte, seine Frau, Kinder — im äußern Sinne gute Menschen, die einander wirklich liebten —, und dann findet man jetzt mit dem hellsichtigen Blick den Vater, der dahingestorben ist, dem die Gattin vielleicht wie eine Art Lebenssonne war, wenn er im Leben nach Hause kam von der schweren Arbeit, dann findet man, daß er, weil diese Gattin keine spirituellen Gedanken im Kopf und im Herzen haben kann, nicht in die Seele dieser Gattin hineinschauen kann, und daß er frägt, wenn er dazu in der Lage ist: Ja, wo ist denn meine Gattin? — Er sieht nur zurück in die Zeit, in der er auf Erden mit ihr vereint war. Da wo er sie aber am meisten sucht, weiß er sie nicht zu finden. Das kann auch passieren. Es gibt ja heute schon viele Menschen, welche gewissermaßen glauben, daß der Tote eben in eine Art von Nichts eingegangen sei, die nur mit ganz materialistischem Denken, nicht mit einem fruchtbaren Gedanken an den Toten denken können. Bei diesem Hinschauen auf die Gebiete des Lebens zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, auf jemanden, von dem man weiß: er ist noch unten auf der Erde, er hat einen lieb gehabt, aber er verbindet damit nicht den Glauben an die Fortdauer der Seele nach dem Tode, da kann allerdings, gerade in dem Augenblicke nach dem Tode, wo man die meiste Aufmerksamkeit darauf richtet — durch dieses Hinschauen-Wollen auf den Lebenden, den man geliebt hat —, aller Blick ersterben. Und man kann nicht finden den noch Lebenden, kann mit ihm in keinen Zusammenhang kommen, von dem man aber weiß, daß er dasein könnte, wenn in der Seele des Lebenden da unten spirituelle Gedanken wären. Das ist ein häufiges, schmerzliches Erlebnis für die Toten. Und so kann es vorkommen — von dem hellsichtigen Blick kann das beobachtet werden, wie mancher dahinstirbt und Hindernisse findet in den besten Absichten durch die Haßgedanken, die ihn verfolgen, und keinen Trost findet in den Liebegedanken derjenigen, die ihn auf Erden geliebt haben, da er sie nicht wahrnehmen kann wegen ihres Materialismus.

[ 8 ] In ancient times, when a certain spirituality pervaded the souls of men, it was among religious communities and blood-relatives that help was sought after death. But the power of blood-relationship has diminished and must be replaced by cultivation of the spiritual life, as is our endeavour. Anthroposophy can therefore promise that a new bridge will be built between the living and the dead and that through it we can mean something real to the dead. And when with clairvoyant vision today we sometimes find human beings in the life between death and a new birth suffering because they have known, including their nearest and dearest, [those who] harbour only materialistic thoughts, we recognize how necessary it is for cultural life on earth to be permeated with spiritual thoughts. Suppose, for example, we find in the spiritual world a man who died fairly recently, whom we knew during his life on earth and who left behind certain members of his family also known to us. The wife and children were all of them good people in the ordinary sense, with a genuine love for one another. But clairvoyant vision now reveals that the father, whose wife was the very sun of his existence when he came home after heavy and arduous work, cannot see into her soul because she has not spiritual thoughts either in her head or in her heart. And so he asks: Where is my wife? What has become of her? He can look back only to the time when he was united with her on earth, but now, when he is seeking her most urgently of all, he cannot find her. This may well happen. There are many people today who believe that as far as consciousness is concerned the dead have passed into a kind of void, who can think of the dead only with materialistic thoughts, not with any fruitful thoughts. In the life between death and rebirth a soul may be looking towards someone still on earth. someone who had loved him, but the love is not combined with belief in the soul's continued existence after death. In such a case, at the very moment after death when this desire arises to see one who was loved on earth, all vision may be extinguished. The living human being cannot be found, nor can any link be established with him, although it is known that he could indeed be contacted if spiritual thoughts were harboured in his soul. This is a frequent and sorrowful experience for the dead. And so it may happen—this can be seen by clairvoyant vision—that many a human being after death encounters obstacles in the way of his highest aims on account of the thoughts of antipathy by which he is followed, and he finds no consolation in the living thoughts of those to whom he was dear on earth because owing to their materialism they are hidden from his sight.

[ 9 ] Diese Gesetze der geistigen Welt, die man auf diese Weise mit dem hellsichtigen Blick beobachtet, sind tatsächlich unbedingt gültig. Sie sind so unbedingt gültig, wie ein Fall lehrt, der öfters zu beobachten gelungen ist. Es war lehrreich, zu beobachten, wie Haßgedanken oder wenigstens Antipathiegedanken wirken, selbst da, wo sie nicht mit vollem Bewußtsein gehegt werden! Schullehrer kann man beobachten, die gewöhnlich streng genannt werden, die sich nicht die Liebe ihrer noch jungen Schüler zuziehen konnten — da sind es gleichsam unschuldige Antipathie- und Haßgedanken. Wenn ein solcher Lehrer stirbt, so sieht man, wie er auch in diesen Gedanken, die ja bleiben, Hindernisse hat für seine guten Absichten in der geistigen Welt. Das Kind, der junge Mensch, gibt sich oftmals nicht die Rechenschaft, wenn der Lehrer gestorben ist, daß er nicht mehr hassen soll, sondern er behält das auf naturgemäße Weise bei in dem bleibenden Gefühl, wie der Lehrer ihn gequält hat. Durch solche Einblicke erfährt man viel über die Wechselbeziehung zwischen Lebenden und Toten.

[ 9 ] The laws of the spiritual world, perceived in this way by clairvoyant vision, hold good unconditionally. That this is so is shown by an example which it has often been possible to observe. It is instructive to see how thoughts of hatred, or at least antipathy, take effect even if they are not conceived in full consciousness. There are school-teachers of the type usually known as ‘strict’, who are unable to gain the affection of their pupils; in such cases of course, the thoughts of antipathy and hatred are formed half innocently. But when such a teacher dies it can be seen how these thoughts too—for they persist—are obstacles in the way of his good endeavours in the spiritual world. After the teacher's death it is not often that a child or young person realizes that his hatred ought to cease, but he nevertheless preserves the feeling of how the teacher tormented him. From such insights a great deal can be learnt about the mutual relationships between the living and the dead.

[ 10 ] Und nichts anderes versuchte ich eigentlich auseinanderzusetzen, um etwas erwähnen zu dürfen vor Ihnen, was wirklich wie ein gutes Ergebnis geisteswissenschaftlichen Strebens sich entwickeln kann. Ich meine das sogenannte Vorlesen den Toten. Man kann nämlich in der Tat, wie es sich gezeigt hat gerade innerhalb unserer anthroposophischen Bewegung, außerordentliche Dienste leisten den vor uns hingestorbenen Menschenseelen, wenn wir ihnen von spirituellen Dingen vorlesen. Das kann so gemacht werden, daß man die Gedanken an den Verstorbenen richtet und, um eine Erleichterung zu haben, versucht, ihn zu denken, wie man sich seiner erinnert: vor einem stehend oder sitzend. Man kann das mit mehreren zugleich machen. Man liest dann nicht laut vor, sondern verfolgt mit Aufmerksamkeit die Gedanken, immer mit dem Gedanken an den Toten: der Tote steht vor mir. Das ist Vorlesen den Toten. Man braucht kein Buch zu haben, aber man darf nicht in abstrakter Weise denken, sondern muß tatsächlich jeden Gedanken durchdenken: so liest man vor den Toten. Man kann es sogar so weit bringen, obzwar das schwieriger ist, daß, wenn man innerhalb einer gemeinsamen Weltanschauung, oder über irgendein Gebiet des Lebens überhaupt, einen gemeinsamen Gedanken mit dem Toten gehabt hat und eine persönliche Beziehung zu ihm hatte, man auch einem Fernerstehenden vorlesen kann. Das geschieht so, daß er durch den warmen Gedanken, den man an ihn richtet, nach und nach auf einen aufmerksam wird. So kann es sogar nützlich werden, wenn man Fernerstehenden nach ihrem Tode vorliest. Dieses Vorlesen kann zu jeder Zeit geschehen. Ich bin schon gefragt worden, zu welcher Stunde man das am besten tut. Das ist ganz unabhängig von der Stunde. Man muß nur die Gedanken wirklich durchdenken. Oberfläche genügt nicht. Wort für Wort muß man die Sachen durchgehen, wie wenn man es innerlich aufsagen würde. Dann lesen die Toten mit. Und es ist auch nicht richtig, wenn man glaubt, daß solches Vorlesen nur denjenigen nützlich sein kann, welche der Geisteswissenschaft im Leben nahegetreten sind. Das braucht durchaus nicht der Fall zu sein.

[ 10 ] I have been trying to lead up to something that can become a fundamentally good result of anthroposophical endeavour—namely, reading to the dead. It has been proved in our own Movement that very great service can be rendered to the souls of those who have died before us by reading to them about spiritual things. This can be done by directing your thoughts to the dead and, in order to make this easier, you can picture him as you knew him in life, standing or sitting before you. In this way you can read to more than one soul at a time. You do not read aloud, but you follow the ideas with alert attention, always keeping in mind the thought: The dead are standing before me. That is what is meant by reading to the dead. It is not always essential to have a book, but you must not think abstractly and you must think each thought to the end. In this way you are able to read to the dead. Although it is more difficult, this can be carried so far that if in the realm of some particular world-conception—or indeed in any domain of life—thoughts have been held in common with the soul of the dead and there has been some degree of personal relationship, one can even read to a soul with whom the connection has been no closer than this. Through the warmth of the thoughts directed to him, he gradually becomes attentive. Thus it may be of real use to read to distant associates after their death. The reading can take place at any time. I have been asked what is the best hour of the day for such reading, but it is quite independent of time. All that matters is to think the thoughts through to the end; to skim through them is not enough. The subject-matter must be worked through word by word, as if one were reciting inwardly. Then the dead read with us. Nor is it correct to think that such reading can be useful only to those who have come into contact with Anthroposophy during their lifetime. This is by no means necessarily so.

[ 11 ] Einer unserer Freunde wurde vor einiger Zeit, vielleicht nicht einmal vor einem Jahre, zugleich mit seiner Frau, jede Nacht beunruhigt. Sie fühlten eine Beunruhigung. Und da vor kurzer Zeit der Vater des Betreffenden gestorben war, so hatte unser Freund sogleich die Meinung, daß der Vater etwas wolle, sich als Seele bei ihm melde. Und als unser Freund mit mir zu Rate gegangen war, da stellte es sich heraus, daß der Vater, der im Leben von Geisteswissenschaft nichts wissen wollte, nach dem Tode das lebendigste Bedürfnis hatte, von Geisteswissenschaft etwas zu erfahren. Und als dann der Sohn mit seiner Frau zusammen den Zyklus über das Johannes-Evangelium, den ich einmal in Kassel gehalten habe, dem Vater vorlas, war diese Seele in hohem Grade befriedigt, fühlte sich über manche Disharmonien, die sie vorher kurz nach dem Tode empfunden hatte, herausgehoben. Das ist in diesem Falle deshalb bemerkenswert, weil die betreffende Seele diejenige eines Predigers war, der seinen religiösen Standpunkt immer und immer vor den Menschen vertreten hat, nach dem Tode aber nur befriedigt sein konnte durch das Mitlesenkönnen einer geisteswissenschaftlichen Auseinandersetzung über das Johannes-Evangelium. So sehen wir, daß durchaus nicht notwendigerweise derjenige, dem wir helfen wollen, dem wir dienen wollen nach dem Tode, im Leben Anthroposoph gewesen zu sein braucht, obwohl wir natürlich diesem ganz besonders dienen werden, wenn wir ihm vorlesen.

[ 11 ] Quite recently, perhaps not even a year ago, one of our friends, and his wife too, felt a kind of uneasiness every night. As the friend's father had died a short time previously, it struck him at once that his father was wanting something and was turning to him. And when this friend came to me for advice, it was found that the father, who during his lifetime would not listen to a word about Anthroposophy, was feeling an urgent need after his death to know something of it. Then, when the son and his wife read to the father the lecture-course on the Gospel of St. John which I once gave in Cassel, this soul felt deeply satisfied, as though lifted above many disharmonies that had been experienced shortly after death. This case is noteworthy because the soul concerned was that of a preacher who had regularly presented the views of his religion to other men, but after death could only find satisfaction by being able to share in the reading of an anthroposophical elucidation of the Gospel of St. John. It is not essential that the one whom we wish to help after death should have been an anthroposophist in his lifetime, although in the nature of things very special service will be rendered to an anthroposophist by reading to him.

[ 12 ] Aber wir lernen auch, wenn wir eine solche Tatsache betrachten, über die Seele des Menschen überhaupt etwas anders denken, als man das gewöhnlich tut. Die Menschenseelen sind nämlich viel komplizierter, als man gewöhnlich denkt. Was sich bewußt abspielt, das ist wirklich eigentlich nur ein kleiner Teil des menschlichen Seelenlebens. Vieles spielt sich ab in den unterbewußten Tiefen der Seele, von dem der Mensch höchstens etwas ahnt, aber in dem hellen Tagesbewußtsein kaum etwas weiß. Und das Entgegengesetzte kann sich oftmals abspielen im unterbewußten Leben, das Entgegengesetzte von dem, was der Mensch glaubt oder denkt im Oberbewußtsein. Ein sehr häufiger Fall ist der, daß ein Mitglied einer Familie zur Geisteswissenschaft herankommt. Ein Bruder oder ein Mann oder eine Frau, mit dem die Betreffenden verbunden sind, die werden immer antipathischer und antipathischer gesinnt gegen die Geisteswissenschaft, oftmals zornig und immer zorniger, wütig und immer wütiger, weil der Gatte oder der Bruder oder die Gattin zur Geisteswissenschaft gekommen sind. Es entwickelt sich dann oft viel Antipathie gegen die Geisteswissenschaft in einer solchen Familie, so daß es manche Menschen aus diesem Grunde schwierig haben, weil gute Freunde oder Verwandte oftmals sehr zornig und wütig werden. Wenn man solche Seelen untersucht, so hat man oftmals die Erkenntnis, daß in den unterbewußten Tiefen einer solchen Seele die tiefste Sehnsucht nach der Geisteswissenschaft sich entwickelt. Manchmal ist solch eine Seele sehnsüchtiger nach der Geisteswissenschaft als derjenige, der mit seinem Oberbewußtsein ein eifriger Besucher der geisteswissenschaftlichen Versammlungen ist. Aber der Tod hebt ja die Decke von dem Unterbewußtsein weg, der Tod gleicht solche Dinge in merkwürdiger Weise aus. Im Leben kommt es häufig vor, daß sich jemand betäubt gegen dasjenige, was im Unterbewußtsein ist, und die Menschen sind wirklich da, die eigentlich Sehnsucht, tiefste Sehnsucht hätten nach der Geisteswissenschaft, aber sie betäuben sich. Indem sie gegen die Geisteswissenschaft toben, betäuben sie ihre Sehnsucht und täuschen sich über sie hinweg. Da tritt aber nach dem Tode die Sehnsucht um so gewaltiger hervor. Und gerade oftmals bei solchen, die im Leben gegen die Geisteswissenschaft gewütet haben, stellt sich nach dem Tode die heftigste Sehnsucht nach ihr ein. Daher versäumen Sie es nicht, gerade gegenüber solchen Toten, die im Leben die Geisteswissenschaft bekämpft haben, das Vorlesen vorzunehmen! Sie werden ihnen damit vielleicht dann oftmals gerade den allergrößten Dienst tun.

[ 12 ] A fact such as this gives us a view of the human soul quite different from the one usually held. There are factors in the souls of men of far greater complexity than is generally believed. What takes its course consciously is actually only a small part of man's life of soul. In the unconscious depths of his soul there is a great deal going on of which he has at most a dim inkling; it hardly enters at all into his clear waking consciousness. Moreover, the very opposite of what a man believes or thinks in his upper consciousness may often be astir in his subconscious life. A very frequent case is that one member of a family comes to Anthroposophy and the brother or the husband or the wife become more and more hostile to it, often scornful and rabidly opposed. Great antipathy to Anthroposophy then develops in such a family and life becomes very difficult for many people because of the scorn and even anger of friends or relatives. Investigation of these latter souls often reveals that in their subconscious depths an intense longing for Anthroposophy is developing. Such a soul may be longing for Anthroposophy even more intensely than someone who in his upper consciousness is an avid attender of anthroposophical meetings. But death lifts away the veils from the subconscious and balances out such things in a remarkable way. It often happens in life that a man deadens himself to what lies in the subconscious; there are people who may have an intense longing for Anthroposophy—but they deaden it. By raging against Anthroposophy they deaden this longing and delude themselves by repudiating it. But after death the longing asserts itself all the more forcibly. The most ardent longing for Anthroposophy often shows itself after death in the very people who have raged against it in life. Do not, therefore, refrain from reading to those who were hostile to Anthroposophy while they were alive, for by this reading you may often be rendering them the greatest service imaginable.

[ 13 ] Eine Frage, die im Zusammenhang mit alledem sehr häufig sich ergibt, ist diese: Ja, wie kann man wissen, ob der Tote wirklich zuhören kann? Nun, ohne den hellsichtigen Blick ist es schwierig, das zu wissen, obwohl man sich allmählich, wenn man sich mit dem Andenken an die Toten beschäftigt, von einem Gefühl wird überrascht finden: der Tote hört zu. Man wird dieses Gefühl nur dann nicht haben, wenn man unaufmerksam ist und auf jene eigentümliche Wärme nicht achtet, die sich oft beim Vorlesen verbreitet. Man kann sich wirklich ein solches Gefühl aneignen. Kann man das aber nicht tun, meine lieben Freunde, so muß gesagt werden, daß in dem Verhalten zur geistigen Welt ja auch in diesem Falle eine Regel zur Anwendung kommen muß, die oftmals berücksichtigt werden muß. Das ist die Regel: Ja, wenn wir vorlesen dem Toten, so nützen wir ihm unter allen Umständen, wenn er uns hört! Hört er uns nicht, so erfüllen wir erstens unsere Pflicht, bringen es vielleicht dazu, daß er uns doch hört, sonst aber gewinnen wir wenigstens etwas, erfüllen uns mit Gedanken und Ideen, die ja ganz gewiß Nahrung sein werden für die Toten in der zuerst angedeuteten Weise. Also verloren ist unter allen Umständen nichts. Aber die Praxis hat gezeigt, daß tatsächlich dieses Vernehmen dessen, was vorgelesen wird, von seiten der Toten etwas außerordentlich Verbreitetes ist, daß ein ungeheurer Dienst geleistet werden kann denjenigen, denen wir in dieser Weise das, was heute an geistiger Weisheit herangezogen werden kann, vorlesen.

[ 13 ] A question often raised in connection with this is: ‘How can one be sure that the soul of the dead person is able to listen?’ Admittedly, without clairvoyance it is difficult to be sure of this, although one who steeps himself in thoughts of the dead will in time be surprised by a feeling that the dead person is actually listening. This feeling will be absent only if he is inattentive and fails to notice the peculiar warmth that often arises during the reading. Such a feeling can indeed be acquired, but even if this proves not to be possible it must nevertheless be said that in our attitude to the spiritual world a certain principle always applies. The principle is that when we read to one who has died, we help him under all circumstances, if he hears us. Even if he does not hear us, we are fulfilling our duty and may eventually succeed in enabling him to hear. In any case we gain something by absorbing thoughts and ideas which will quite certainly be nourishment for the dead in the way indicated. Therefore under no circumstances is anything lost. Actual experience has shown that in fact this awareness of what is being read is extra-ordinarily widespread among the dead, and that tremendous service can be rendered to those to whom we read the spiritual wisdom that can be imparted to us today.

[ 14 ] So dürfen wir hoffen, daß die Scheidewand zwischen Lebenden und Toten immer geringer und geringer wird, indem sich die Geisteswissenschaft über die Welt hin verbreitet. Und wahrhaftig, es wird ein schöner, ein herrlicher Erfolg der Geisteswissenschaft sein, so paradox das klingen mag, wenn in der Zukunft die Menschen wissen werden — aber praktisch wissen werden, nicht nur theoretisch: es ist eigentlich nur eine Verwandlung des Erlebens, wenn man durch den sogenannten Tod gegangen ist, und man ist beisammen auch mit den Toten; man kann sie sogar teilnehmen lassen an demjenigen, woran man selber teilnimmt im physischen Leben. Man macht sich eine falsche Vorstellung von dem Leben zwischen Tod und einer neuen Geburt, wenn man etwa die Frage stellen würde: Ja, wozu braucht man den Toten vorzulesen? Wissen sie das denn nicht aus eigener Anschauung, was der Mensch hier auf der Erde vorlesen kann, wissen sie das nicht viel besser? Dieses frägt allerdings nur derjenige, der da nicht in der Lage ist zu beurteilen, was man eben in der geistigen Welt erfahren kann. Sehen Sie, man kann ja auch in der physischen Welt sein, ohne das Wissen der physischen Welt zu erfahren. Wenn man nicht in der Lage ist, dies oder jenes zu beurteilen, so erfährt man eben das Wissen von der physischen Welt nicht. Die Tiere leben ja mit uns auch zusammen in der physischen Welt und wissen doch nicht das von ihr, was wir Menschen wissen. Daß ein Toter in der geistigen Welt lebt, das macht noch nicht, daß er auch von dieser geistigen Welt etwas weiß, obzwar er sie anschauen kann. Dasjenige, was in der Geisteswissenschaft erworben wird, das wird nur auf der Erde als Wissen erworben, es kann nur auf der Erde erworben werden, es kann nicht in der geistigen Welt erworben werden. Es muß daher, wenn es eben von Wesen in der geistigen Welt gewußt werden soll, durch diejenigen Wesen erfahren werden, die es selbst auf der Erde erfahren. Das ist ein bedeutsames Geheimnis der geistigen Welten, daß man in diesen sein kann, sie anschauen kann, daß aber dasjenige, was als Wissen über die geistigen Welten notwendig ist, auf der Erde erworben werden muß.

[ 14 ] Thus we may hope that the wall dividing the living from the dead will become thinner and thinner as Anthroposophy spreads through the world. And it will be a beautiful and splendid result of Anthroposophy if in a future time men come to know—but as actual fact, not in theory only—that in reality it is only a matter of a transformation of experience when we ourselves have passed through so-called death and are together with the dead. We can actually enable them to share in what we ourselves experienced during physical life. A false idea of the life between death and rebirth would be indicated if the question were asked: ‘Why is it necessary to read to the dead? Do they not know through their own vision what those on earth can read to them, do they themselves not know it far better?’ This question will of course be asked only by one who is not in a position to know what can be experienced in the spiritual world. After all, we can live in the physical world without acquiring knowledge of it. If we are not in a position to form judgments about certain things, we have no real knowledge of the physical world. The animals live together with us in the physical world, but do not know it as we ourselves know it. The fact that a soul after death is living in the spiritual world does not mean that this soul has knowledge of that world, although he is able to behold it. The knowledge acquired through Anthroposophy can be acquired only on the earth; it cannot be acquired in the spiritual world. If, therefore, beings in the spiritual world are to possess knowledge, it must be learnt through those who themselves acquire it on earth. It is an important secret of the spiritual worlds that the soul can be in them and behold them, but that knowledge of them must be acquired on the earth.

[ 15 ] Ja, meine lieben Freunde, etwas muß ich Ihnen da sagen in bezug auf die geistigen Welten, was in mancher Beziehung weiterklingen wird und ausgeführt werden wird in unserer morgigen Betrachtung, von dem man sich gewöhnlich nicht eine rechte Vorstellung macht. Wenn der Mensch in der Zeit zwischen Tod und einer neuen Geburt in der geistigen Welt lebt, so richtet er auf unsere physische Welt sein Sehnen ungefähr so hin, wie hier in einer gewissen Weise der physische Mensch sein Sehnen richtet nach der geistigen Welt. Und was der Mensch zwischen Tod und einer neuen Geburt von den Menschen auf der Erde erwarten muß, das ist, daß diese Menschen ihm von der Erde aus zeigen und auferglänzen lassen dasjenige, was nur auf der Erde erworben werden kann. Die Erde ist wahrhaftig im spirituellen Weltendasein nicht umsonst gegründet worden. Sie ist in das Leben gerufen worden, damit dasjenige entstehen kann, was nur auf der Erde möglich ist. Wissen von der geistigen Welt, das über das Anschauen, das Anstarren der geistigen Welten hinausgeht, ist nur auf der Erde möglich. Und wenn ich früher gesagt habe, daß die geistigen Wesenheiten der geistigen Welten unsere Bücher nicht lesen können, so muß ich jetzt sagen: Dasjenige, was in uns als Geisterkenntnis lebt, das ist für die geistigen Wesenheiten und auch für unsere eigenen Seelen nach dem Tode, was für den physischen Menschen die Bücher hier auf unserer Erde sind, was für den physischen Menschen dasjenige ist, wodurch er etwas über die Welt erfährt. Nur sind diese Bücher, die wir selber sind für die Toten, eben lebendig. Fühlen Sie dieses gewichtige Wort, daß wir den Toten gewissermaßen die Lektüre geben müssen! Unsere Bücher sind ja in einer Beziehung geduldiger, unsere Bücher bringen es nicht zustande, daß sie zum Beispiel ihre Buchstaben verschlucken in das Papier hinein, während wir sie lesen. Wir Menschen entziehen den Toten dadurch oftmals die Lektüre, daß wir uns nur mit dem, was wirklich unsichtbar ist in den geistigen Welten, daß wir uns nur mit materiellen Gedanken anfüllen. Das muß ich sagen, weil die Frage oftmals auftaucht, ob denn die Toten nicht selber wissen könnten, was wir ihnen geben können. Das können sie nicht, weil Geisteswissenschaft nur auf der Erde gegründet werden kann und von dort aus hinaufgetragen werden muß in die geistigen Welten.

[ 15 ] At this point I must mention a common misconception about the spiritual worlds. When a human being is living in the spiritual world between death and a new birth, he directs his longing to our physical world somewhat as a physical human being directs his longing to the spiritual world. A man between death and a new birth expects from men on the earth that they will show and radiate up to him knowledge that can be acquired only on the earth. The earth has not been established without purpose in spiritual world-existence; the earth has been summoned to life in order that there may come into being that which is possible nowhere else. Knowledge of the spiritual worlds—which means more than vision, more than a mere onlooking—can arise only on the earth. I said before that the beings of the spiritual worlds cannot read our books, and I must now add that what lives in us as Anthroposophy is for the spiritual beings, and also for our own souls after death, what books here on earth are for physical man—something through which he acquires knowledge of the world. But these books which we ourselves are for the dead, are living books. Try to feel the importance of these words: we must provide reading for the dead! In a certain sense our books are more long-suffering, for they do not allow their letters to vanish away into the paper while we are reading them, whereas by filling our minds with material thoughts which are invisible in the spiritual worlds, we men often deprive the dead of the opportunity of reading. I am obliged to say this because the question is often raised as to whether the dead themselves are not capable of knowing what we are able to give them. They cannot be, because Anthroposophy can be grounded only on the earth and must be carried up from there into the spiritual worlds.

[ 16 ] Und wenn wir nun die geistigen Welten selber betreten und ein wenig dieses Leben in den geistigen Welten erfahren, dann treten uns da ganz andere Verhältnisse entgegen als hier im physischen Leben der Erde. Deshalb ist es auch so außerordentlich schwierig, in Menschenworten und Menschengedanken hereinzuholen diese Verhältnisse der geistigen Welten. Und es klingt manchmal so paradox, wenn man versucht, sich konkret auszusprechen über die Verhältnisse in den geistigen Welten. Sehen Sie, da wüßte ich Ihnen von einem Wesen zu erzählen, um nur eines herauszugreifen, von einer gestorbenen Menschenseele, mit der zusammen es mir gelungen ist, einiges zu erforschen in der geistigen Welt, weil sie besondere Kunde von ihm hatte, über den Maler Lionardo da Vinci, namentlich über dasjenige, wie das berühmte Bild in Mailand ausgesehen hat. Wenn man mit einer solchen Seele gemeinschaftlich eine geistige Tatsache durchsucht, da kann einen eine solche Seele auf manches hinweisen, was man sonst vielleicht durch den bloßen hellsichtigen Blick nicht finden würde in der Akasha-Chronik. Die Menschenseele aber, die in der geistigen Welt ist, kann darauf hinweisen. Sie wird einen aber nur dann hinweisen können, wenn man Verständnis hat für dasjenige, worauf sie einen hinweisen will. Da stellt sich etwas Eigentümliches heraus. Nehmen wir an, man erforscht mit einer solchen Seele die Art, wie geschaffen hat Lionardo da Vinci sein berühmtes Abendmahl in Mailand. Von dem, was heute dieses Bild ist, bekommt man kaum viel mehr zu sehen als einige Farbenflecken. Aber man kann den malenden Lionardo in der Akasha-Chronik beobachten, kann beobachten, wie dieses Bild war, obwohl das nicht leicht ist. Wenn man es so macht, daß man mit einer Seele, die nicht verkörpert ist, aber einen Zusammenhang hat mit Lionardo da Vinci und seiner Malerei, forscht, so sieht man, daß diese Seele einem dies oder jenes zeigt. Sie konnte zum Beispiel verständlich machen, wie eigentlich das Christusgesicht und das Judasgesicht waren auf diesem Bilde. Aber man merkt, die Seele könnte einem das nicht zeigen, wenn nicht in dem Augenblicke, wo sie es zeigt, Verständnis einziehen würde in die Seele des lebenden Forschers. Dieses Verständnis braucht die Seele. Und die tote Seele lernt selber erst verstehen, was sie sonst nur anschaut, in dem Augenblick, wo die lebende Menschenseele sich belehren läßt. Daher sagt einem, der Ausdruck ist ja symbolisch, eine solche Seele, nachdem man etwas mit ihr zusammen erfahren hat, was man nur so erfahren kann: Du hast mich hierher gebracht zu dem Bilde — das sagt die Seele zum Lebenden dadurch, daß der Lebende das Bedürfnis hatte, das Bild zu erforschen — und nun fühle ich den Drang, mit dir zusammen das Bild zu erschauen. — So sagt die tote Seele, und dann wird mancherlei durchgemacht. Aber es kommt ein Moment, wo die tote Seele entweder plötzlich nicht mehr da ist oder sagt, jetzt müsse sie fort. In diesem Falle, den ich eben erzähle, sagte die tote Seele zum Beispiel: Während Lionardo da Vincis Seele bis jetzt wohlgefällig hierher gesehen hat, will sie jetzt nicht mehr, daß weitergeforscht werde.

[ 16 ] When we ourselves penetrate into the spiritual worlds and come to know something about the life there, we encounter conditions altogether different from those prevailing in physical life on earth. That is why it is so very difficult to describe these conditions in terms of human words and human thoughts. Any attempt to speak concretely about them often seems paradoxical. To take one example only, I am able to tell you of a human soul after death together with whom it was possible—because of his special knowledge—to make certain discoveries in the spiritual world about the great painter Leonardo da Vinci, particularly about his famous picture of the Last Supper, in Milan. When one investigates a spiritual fact in association with such a soul, this soul is able to indicate many things which ordinary clairvoyance might not otherwise have found in the Akasha Chronicle. The soul in the spiritual world is able to point them out, but can do so only if there is some understanding of what this soul is trying to convey. Something very noteworthy then comes to light. Suppose that in company with such a soul one is investigating how Leonardo da Vinci created his famous picture. Today the picture is hardly more than a few patches of colour. But in the Akasha Chronicle one can watch Leonardo as he painted, one can see what the picture was once like—although this is not an easy thing to do. When the investigation is carried on in company with a soul who is not incarnate but has some connection with Leonardo da Vinci and his painting, one perceives that this soul is showing one certain things—for example, the faces of Christ and of Judas as they actually were in the picture. But one perceives, too, that the soul could not reveal this unless at the moment when it is being revealed there is understanding in the soul of the living investigator. This is a sine qua non. And only at the moment when the soul of the living investigator is receptive to what is being disclosed does the discarnate soul itself learn to understand what is otherwise merely vision. To speak figuratively.—After something has been experienced together with such a soul—something that can be experienced only in the way described—this soul says to one: You have brought me to the picture and I feel the urge to look at it with you. (The soul of the dead says this to the living investigator because of the latter's desire to investigate the picture.) Numerous experiences then arise. But a moment comes when the discarnate soul is either suddenly absent or says that it must depart. In the case of which I have just told you, the discarnate soul said: Up to now the soul of Leonardo da Vinci regarded with approval what was being done, but does not now desire the investigation to continue.

[ 17 ] Ich will damit etwas sehr Wichtiges aus dem geistigen Leben schildern. Wie man nämlich im physischen Leben immer weiß, was man ansieht, wie man immer weiß: man sieht das oder jenes, man sieht die Rose, man sieht den Tisch — so weiß man im geistigen Leben immer: dies oder jenes Wesen sieht einen an. Man geht durch die geistigen Welten und hat immer das Gefühl: jetzt schauen dich diese Wesen an. Während man in der physischen Welt das Bewußtsein hat, man geht durch die Welt wahrnehmend, hat man in der geistigen Welt das Erlebnis: du wirst jetzt von diesem, dann von jenem gesehen. Man fühlt sich fortwährend Blicken ausgesetzt, die einen zugleich aber zum Entschluß bringen, irgend etwas zu tun. Indem man weiß: man wird jetzt wohlgefällig angesehen oder nicht, damit man etwas tun solle oder nicht, so tut man es oder tut es nicht. Wie man nach einer Blume greift, die einem gefällt, weil man sie gesehen hat, so tut man in der geistigen Welt etwas, weil es irgendein Wesen gerne sieht, wohlgefällig sieht, oder man unterläßt es, weil man nicht aushalten kann den Blick, der hingewendet wird auf diese Tat. Das ist etwas, was man sich durchaus aneignen muß. Man hat dort das Gefühl, daß man selber gesehen wird, wie man hier das Gefühl hat, daß man sieht. Es ist in einer gewissen Weise dort passiv, was hier aktiv ist, wie dort wiederum aktiv ist, was hier passiv ist. — Daraus sehen Sie, daß man sich gewissermaßen ganz andere Begriffe aneignen muß, wenn man in der richtigen Weise Schilderungen aus der geistigen Welt auffassen will. Und Sie werden daher begreifen, wie schwierig es ist, in gewöhnliche Menschenworte zu prägen dasjenige, was man so gerne als Schilderungen der geistigen Welten geben möchte. So werden Sie begreifen, wie notwendig es ist, daß für viele Dinge erst das nötige vorbereitende Verständnis geschaffen werde.

[ 17 ] My object in telling you this is to describe an important feature of the spiritual life. Just as in physical life we know that we are looking at this or that object—we see a rose, or whatever it may be—so in the spiritual life we know: this or that being is seeing us, watching us. In the spiritual worlds we have the constant feeling that beings are looking at us. Whereas in the physical world we are conscious that we are observing the world, in the spiritual world the experience is that we ourselves are being observed, now from this side, now from that. We feel that eyes are upon us all the time, but eyes that also impel us to take decisions. With the knowledge that we are or are not being watched by eyes in favour of what we ought or ought not to do, we either do it or refrain. Just as we reach out to pick a flower that delights us because we have seen it, in the spiritual world we do something because a being there views it favourably, or we refrain from the action because we cannot endure the look that is directed at it. This experience must become ingrained in us. In the spiritual world we feel that we ourselves are being seen, just as here in the physical world we feel that we ourselves are seeing. In a certain sense, what is active here is passive in that other world, and what is active there is passive here. From this it is obvious that quite different concepts must be acquired in order to understand correctly descriptions of conditions in the spiritual world. You will therefore realize how difficult it is to coin in words of ordinary human language descriptions of the spiritual world that one would so gladly give. And you will realize too how essential it is that for many things the necessary preparatory understanding shall first have been created.

[ 18 ] Ich möchte nur noch auf eines aufmerksam machen. Es könnte die Frage entstehen: Ja, warum schildert die geisteswissenschaftliche Literatur so im allgemeinen das, was so unmittelbar nach dem Tode in der geistigen Welt geschieht, was im Kamaloka, was im Geisterlande geschieht, und warum wird so wenig von einzelnen hellsichtigen Einblicken geschildert? Denn es könnte ja jemand leicht glauben, daß man einen einzelnen, bestimmten Toten nach dem Tode leichter beobachten könnte als dasjenige, was im allgemeinen geschildert wird. So ist es nicht. Und um anzudeuten, wie es ist, möchte ich einen Vergleich gebrauchen. Es ist dem richtig entwickelten Hellsehen leichter, die großen Verhältnisse zu überschauen — wie den Durchgang der Menschenseele durch den Tod, wie sie durch Kamaloka in das Devachan hinaufkommt -—, als irgendein einzelnes Erlebnis einer einzelnen Seele zu überschauen. Geradeso, wie es leichter ist, in der physischen Welt dasjenige zu erkennen, was etwa sozusagen unter dem Einflusse der großen Himmelsbewegungen steht, und schwieriger dasjenige, was in einer gewissen Weise unregelmäßig zu den großen Himmelsbewegungen steht. Nun wird jeder von Ihnen für den morgigen Tag leicht voraussagen können, daß die Sonne morgens aufgehen wird und abends wieder untergehen wird. Das wird jeder ungefähr wissen. Was morgen aber für Wetter sein wird, das wird schon weniger genau gewußt werden. So ist es mit dem Hellsehen auch. Die Verhältnisse, die wir gewöhnlich in den Schilderungen über die geistigen Welten geben, sind zu vergleichen mit dem Wissen über den allgemeinen Gang der Himmelskörper; die weiß man zuerst im hellseherischen Bewußtsein. Und man kann immer rechnen darauf, daß die Ereignisse sich im allgemeinen so vollziehen. Die einzelnen Ereignisse aber in dem Leben zwischen Tod und einer neuen Geburt sind wie die Wetterverhältnisse hier auf der Erde, die selbstverständlich auch gesetzmäßig sind, aber eben schwieriger zu erkennen auch auf der Erde selber; denn man kann ja nicht von jedem Orte wissen, was für ein Wetter an einem anderen Orte ist. So ist es eben nun einmal. Es ist schwierig, hier zu wissen, wie das Wetter in Berlin ist, nicht aber, wie dort die Sonne oder der Mond stehen. Es gehört eine besondere Ausbildung der hellsichtigen Gabe dazu, da es schwieriger ist, das einzelne Leben nach dem Tode zu verfolgen als den allgemeinen Gang der Menschenseele. Und auf dem richtigen Wege erwirbt man sich das Wissen von den allgemeinen Verhältnissen zuerst, und zuallerletzt erwirbt man sich, wenn es durch Schulung errungen wird, dasjenige, was ja am leichtesten scheint. Man kann lange schon sehr richtig sehen in bezug auf Kamaloka und Devachan und es doch außerordentlich schwierig haben, zu sehen, wieviel es auf der eigenen Uhr ist, die man in der Tasche hat. Die Dinge in der physischen Welt sind für die hellseherische Schulung die allerschwierigsten. Gerade das Umgekehrte ist im Erkennenlernen der höheren Welten der Fall. Irrtümern gibt man sich auf diesem Gebiete aus dem Grunde hin, weil ja auch noch ein natürliches Hellsehen vorhanden ist, und dieses zwar unsicher ist, mannigfachen Irrtümern unterworfen ist, aber es kann lange vorhanden sein, ohne daß man den hellsichtigen Blick für die allgemeinen Verhältnisse hat, die in der Geisteswissenschaft geschildert werden, die dem geschulten Hellseher leichter sind.

[ 18 ] There is only one other matter to which I want to call attention. The question may arise: Why does anthroposophical literature describe in such a general sense what happens directly after death, in Kamaloca and in the realm of spirits (Devachan) and why is so little said about individual examples of clairvoyant vision? For it may well be believed that to observe a particular soul after death would be easier than to describe general conditions. But it is not so. I will use a comparison to explain this. It is easier for rightly developed clairvoyance to survey the broad, general conditions—such as the passage of the human soul through death, through Kamaloca and upwards into Devachan than to perceive some particular experience of an individual soul. In the physical world it is easier to have knowledge of phenomena that are subject to the influences of the great movements of the celestial bodies and more difficult in the case of irregular phenomena caused by those movements. Every one of you will be able to predict that the sun will rise tomorrow morning and set in the evening; but it is not so easy to know exactly what the weather will be. The same holds good for clairvoyance. The knowledge of conditions usually portrayed in the descriptions of the spiritual worlds—conditions which are first perceived in clairvoyant consciousness—is to be compared with the knowledge of the general course taken by the heavenly bodies. And one can always count upon the fact that the data of such knowledge will generally prove correct. Particular happenings in the life between death and rebirth are like the weather conditions here on the earth—which are, of course, also subject to law, but difficult to know with certainty. At one place one cannot be sure what kind of weather there is at another. Here in Bergen it is difficult to know what the weather is in Berlin, but not the positions of the sun or the moon. A special development of the faculty of clairvoyance is required to follow the course of an individual life after death, for to do this is more difficult than to follow the general course taken by the human soul. On the right path, knowledge of the general conditions is acquired first, and only at the very end—if the necessary development has been achieved through training—knowledge of what would seem to be the easier. A man may have been able for some time to see conditions in Kamaloca or Devachan quite correctly and yet find it extremely difficult to see what time it is on the watch on his pocket. Things in the physical world present the greatest difficulty of all to clairvoyance. In acquiring knowledge of the higher worlds it is exactly the opposite. Errors occur here because a certain natural clairvoyance still exists; this clairvoyance is unreliable and prone to all kinds of aberrations, but it may long have been present without its possessor having clairvoyant sight of the general conditions described in Anthroposophy, which are easier for the trained clairvoyant.

[ 19 ] Das sind die Dinge, die ich Ihnen heute in bezug auf die geistigen Welten schildern wollte. Morgen wollen wir diese Betrachtungen fortsetzen und etwas vertiefen.

[ 19 ] This is what I wanted to say to you today about the spiritual worlds. In the lecture tomorrow we will continue and to some extent deepen these studies.