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The Mysteries of the Orient and Christianity
GA 144

3 February 1913, Berlin

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Erster Vortrag

First Lecture

[ 1 ] In diesen Vorträgen möchte ich Ihnen ein Bild geben des Mysterienwesens und seines Zusammenhanges mit dem Geistesleben der Menschheit. Daher ist es notwendig, daß wir uns heute gleich als Einleitung verständigen über mancherlei Erlebnisse auf dem Wege in die höheren Welten. Dinge werden zwar vorgebracht werden müssen in dieser Einleitung, die in gewisser Beziehung schon innerhalb unsereranthroposophischen Arbeit berührt worden sind ; aber wir werden zu unseren Betrachtungen in den nächsten Tagen gerade gewisse Gesichtspunkte nötig haben, welche vielleicht bisher doch weniger, wenigstens nicht in dem notwendigen Zusammenhange, betrachtet worden sind.

[ 1 ] In these lectures, I would like to give you a picture of the nature of the Mysteries and their connection to the spiritual life of humanity. Therefore, as an introduction, it is necessary that we first come to an understanding regarding various experiences encountered on the path to the higher worlds. Although this introduction will have to address matters that have already been touched upon in our anthroposophical work in a certain respect, we will need certain perspectives for our reflections in the coming days that have perhaps been considered less so far, or at least not in the necessary context.

[ 2 ] Alles was man unter dem Begriffe des Mysterienwesens zusammenfaßt, ist ja zuletzt begründet auf den Erlebnissen der Eingeweihten in den höheren Welten. Aus den höheren Welten muß heruntergeholt werden das Wissen, müssen auch heruntergeholt werden die Impulse des praktischen Handelns, insofern dieses Wissen und die Impulse des praktischen Handelns im Mysterienwesen in Betracht kommen. Nun ist oftmals betont worden: So wie die menschliche Entwickelung auf den verschiedensten Gebieten in den aufeinanderfolgenden Perioden des menschlichen Lebens verschiedene Gestalten annimmt, so ist dies auch der Fall in bezug auf alles das, was wir Mysterienwesen nennen. Wir gehen ja nicht umsonst mit unserer Seele durch aufeinanderfolgende Menschenleben. Wir gehen deshalb durch aufeinanderfolgende Menschenleben, weil wir in jeder Inkarnation Neues erleben und zu dem hinzufügen können, was wir in den vorhergehenden Inkarnationen mit unserer Seele verbunden haben. Das Bild der äußeren Welt hat sich in den meisten Fällen vollständig geändert, wenn wir nach dem Durchgang durch die geistige Welt zwischen dem Tode und der neuen Geburt wieder durch die Geburt das physische Dasein des Menschen betreten. Daher muß auch aus leicht erkennbaren Gründen in den aufeinanderfolgenden Zeitepochen der Menschheit das Mysterienwesen, das Prinzip der Einweihung, sich ändern.

[ 2 ] Everything that is encompassed by the concept of the mystery tradition is ultimately grounded in the experiences of the initiates in the higher worlds. Knowledge must be brought down from the higher worlds, and the impulses for practical action must also be brought down, insofar as this knowledge and these impulses for practical action are relevant to the mystery tradition. Now it has often been emphasized: Just as human development takes on various forms in the most diverse fields during the successive periods of human life, so too is this the case with regard to everything we call the mystery traditions. After all, we do not pass through successive human lives with our soul for no reason. We pass through successive human lives because in each incarnation we can experience something new and add it to what we have connected with our soul in previous incarnations. In most cases, the image of the outer world has completely changed by the time we re-enter human physical existence through birth, after passing through the spiritual world between death and the new birth. Therefore, for easily recognizable reasons, the mystery being—the principle of initiation—must also change in the successive epochs of human history.

[ 3 ] In unserer Zeit hat ja das Prinzip der Einweihung schon insofern eine gewaltige Änderung erfahren, als bis zu einem gewissen Grade, bis zu einer gewissen Stufe hin die Einweihung gleichsam ganz ohne irgendwelche persönliche Anleitung erlangt werden kann dadurch, daß man in der Gegenwart in der Lage ist, die Prinzipien der Einweihung vor der Öffentlichkeit soweit klarzulegen, als dies zum Beispiel in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten ?» geschehen ist. Wer ganz ernsthaft die Erlebnisse durchzumachen versucht, welche in diesem Buche geschildert sind, der kann sehr weit kommen in bezug auf das Prinzip der Einweihung. Er kann durch die Anwendung des dort Dargestellten auf seine Seele so weit kommen, daß ihm das Dasein der spirituellen Welten eine Erkenntnis wird, die geradeso Erkenntnis ist, wie die Erkenntnis der äußeren physischen Welt, — aus dem Grunde, weil er durch sukzessive, langsame und allmähliche Anwendung des Geschilderten auf die eigene Seele dahin gelangen kann, den Sprung in das Begreifen der geistigen Welten hinein zu machen. Es ist nun möglich geworden, gerade den Gang der Initiation zu schildern, der durchgemacht werden kann, ohne daß sozusagen besondere Ereignisse im Seelenleben eintreten, die dieses Seelenleben in besondere Katastrophen und besondere Revolutionen führen.

[ 3 ] In our time, the principle of initiation has indeed undergone a tremendous change in that, to a certain degree, up to a certain level, initiation can be attained, as it were, entirely without any personal guidance, simply because we are now able to explain the principles of initiation to the public as clearly as has been done, for example, in my book “How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?” has been done. Anyone who earnestly attempts to undergo the experiences described in this book can make great progress with regard to the principle of initiation. By applying what is presented there to his soul, he can progress to the point where the existence of the spiritual worlds becomes a realization for him that is just as much a realization as the realization of the outer physical world—for the reason that, through the successive, slow, and gradual application of what is described to his own soul, he can reach the point of making the leap into an understanding of the spiritual worlds. It has now become possible to describe precisely the course of initiation that can be undergone without, so to speak, special events occurring in the life of the soul that lead this life of the soul into particular catastrophes and particular revolutions.

[ 4 ] Soweit also ist es heute möglich, in der Öffentlichkeit den Gang in die höheren Welten zu erörtern. Allerdings muß aber gesagt werden, daß auch heute, wenn der Mensch wesentlich weiter kommen soll, der Gang in die höheren Welten verknüpft ist mit dem Ertragen gewisser Leiden, Schmerzen, gewisser ganz besonderer Erlebnisse, die allerdings bestürzend und revolutionierend in das Leben des Menschen eingreifen können, und zu denen man erst besonders reif gemacht werden muß. Also das eine sei noch einmal besonders betont: Was veröffentlicht ist, kann jeder ungefährdet durchmachen und kann dadurch sehr weit kommen. Aber selbstverständlich ist der Weg in die höheren Welten nirgends abgeschlossen, und wenn man über eine gewisse Grenze hinauskommt und den Weg weiter gehen will, dann gehört eine besondere Reife dazu, wenn es ohne besondere Erschütterungen des Seelenlebens — nicht krankhafte, sondern durchaus innere Erschütterungen des Seelenlebens — abgehen soll. Auch diese Erschütterungen gehen natürlich an der Seele vorüber, wenn der ganze Gang der Einweihung in der richtigen Weise sich vollzieht. Aber das ist eben notwendig, daß er sich in der richtigen Weise vollzieht.

[ 4 ] To this extent, it is possible today to discuss the journey into the higher worlds in public. However, it must be said that even today, if a person is to make significant progress, the journey into the higher worlds is linked to enduring certain sufferings, pains, and very special experiences—which can, however, intervene in a person’s life in a disconcerting and revolutionary way—and for which one must first be made particularly ready. So let one thing be emphasized once again: What has been published, anyone can go through without danger and can thereby come very far. But of course the path to the higher worlds is never complete, and if one goes beyond a certain limit and wishes to continue on the path, then a special maturity is required if it is to proceed without particular upheavals of the soul life—not pathological, but thoroughly inner upheavals of the soul life. Of course, these upheavals also pass by the soul if the entire process of initiation takes place in the right way. But it is precisely necessary that it take place in the right way.

[ 5 ] Nun muß man sich darüber klar sein, daß für denjenigen, der gewissermaßen den Sprung ins Mysterium hinein machen will, alles im Seelenleben nach und nach anders werden muß. So ziemlich alles im Seelenleben muß anders werden. Wenn man eine vorläufige Charakteristik dieses Anderswerdens geben will, könnte man etwa mit wenigen Worten eine solche Charakteristik so geben, daß man sagt: Was für das gewöhnliche Seelenleben Ziel, Zweck, ja Selbstzweck scheint, das muß bei dem, der in das Mysterium eindringen will, alles ein Mittel werden zu höheren Zwecken, zu höheren Zielen. Im gewöhnlichen Leben nimmt der Mensch durch seine Sinne die Außenwelt wahr. Er nimmt die Außenwelt in Farben, in Formen, in Tönen und in den anderen Sinneseindrücken wahr. Der Mensch lebt gewissermaßen im gewöhnlichen Leben innerhalb der Welt dieser Sinneseindrücke. In dem Augenblicke, wo die Einweihung auf einer gewissen Stufe eintreten soll, darf der Mensch nicht für sein ganzes Leben bloß der Außenwelt gegenüber sich so stellen, daß er blau oder rot oder andere Farben erlebt; sondern er muß in die Lage kommen, das Erleben der Farben, ohne es zu verlieren, zum bloßen Mittel höherer Zwecke, höherer Ziele zu machen.

[ 5 ] Now one must be clear about the fact that, for those who wish, as it were, to take the leap into the mystery, everything in the life of the soul must gradually change. Virtually everything in the life of the soul must change. If one wishes to give a preliminary description of this transformation, one could do so in a few words by saying: What appears to be the goal, the purpose, indeed the end in itself of ordinary spiritual life must, for those who wish to penetrate the mystery, become a means to higher purposes, to higher goals. In ordinary life, a person perceives the external world through their senses. They perceive the external world in colors, in forms, in sounds, and in other sensory impressions. In ordinary life, a person lives, so to speak, within the world of these sensory impressions. At the moment when initiation is to take place at a certain level, a person must not, for the rest of their life, merely relate to the external world in such a way that they experience blue or red or other colors; rather, they must be able to make the experience of colors—without losing it—a mere means to higher purposes, to higher goals.

[ 6 ] Im gewöhnlichen Leben sieht zum Beispiel der Mensch an einem heiteren Tage hinaus in den Weltenraum und sieht das Himmelsblau. Er lebt im Anblicke des Himmelsblaues. Will er Eingeweihter auf einer bestimmten Stufe werden, so muß er in die Lage kommen, das Himmelsblau anschauen zu können, aber es muß für ihn vollständig durchsichtig werden. Während es sonst «Grenze» ist, muß es durchsichtig werden können, und der Mensch muß das, was er eigentlich sehen will, durch das Himmelsblau hindurch sehen. Es darf für ihn nun keine Grenze mehr sein. Oder nehmen wir die Rose: Für den äußeren Anblick ist die Rose in ihren Flächen begrenzt von der roten Farbe. In dem Augenblicke der Initiation hört die rote Farbe auf, Grenze zu sein. Sie wird durchsichtig, und hinter ihr zeigt sich dasjenige, was eigentlich gesucht wird. Die Farbe hört nicht auf, durch ihre Natur zu wirken, aber anderes sieht der Eingeweihte, wenn er durch das Himmelsblau sieht, anderes, wenn er durch das Rot der Rose sieht, anderes, wenn er durch die Morgenröte sieht und so weiter. Also in ganz bestimmter Weise wird schon die Farbe erlebt. Aber sie wird im unmittelbaren Anblick durchsichtig, wird weggeschafft von der Kraft der Seele, welche durch jene Trainierung erlangt worden ist, die zur Durchsichtigkeit führt. So ist es mit allen Sinneseindrücken. Während sie vorher das sind, in dem man lebt, bis zu dem man sozusagen kommt mit seinem Erleben, werden sie nach der Initiation ein bloßes Mittel, um das, was hinter ihnen ist, zu erleben.

[ 6 ] In everyday life, for example, on a clear day a person looks out into space and sees the blue of the sky. He lives in the sight of the blue sky. If they wish to become an initiate at a certain level, they must reach a state where they can gaze upon the blue of the sky, but it must become completely transparent to them. Whereas it is otherwise a “boundary,” it must be able to become transparent, and the person must see what they actually wish to see through the blue of the sky. It must no longer be a boundary for him. Or take the rose: to the outer eye, the rose is bounded in its surfaces by the red color. At the moment of initiation, the red color ceases to be a boundary. It becomes transparent, and behind it appears that which is actually sought. The color does not cease to act through its nature, but the initiate sees something different when he looks through the sky-blue, something different when he looks through the red of the rose, something different when he looks through the dawn, and so on. Thus, color is already experienced in a very specific way. But in the immediate vision it becomes transparent, is removed by the power of the soul, which has been attained through that training that leads to transparency. So it is with all sensory impressions. Whereas before they are what one lives in, up to which one arrives, so to speak, with one’s experience, after initiation they become a mere means of experiencing what lies behind them.

[ 7 ] Ebenso ist es zum Beispiel mit der ganzen Gedankenwelt. In dem gewöhnlichen Leben denkt der Mensch. Ich bitte das jetzt nicht irgendwie mißzuverstehen. Sie werden, wenn Sie es im richtigen Sinne mit anderen Ausführungen vergleichen, schon die Übereinstimmung sehen; aber geltend ist doch, sagen kann man doch: Von einer bestimmten Stufe der Initiation an hört das Denken in der gewöhnlichen Bedeutung des Wortes für den Menschen auf. Nicht als ob der Mensch jemals dahin kommen könnte — als Initiierter dahin kommen könnte —, das Denken für bedeutungslos zu halten, sondern es muß aus etwas, was vorher Zweck und Ziel des Seelenlebens war, ein bloßes Mittel werden. Das heißt, der Initiierte erlebt eine neue Welt. Damit er sie erleben kann, hat er außer anderen Dingen, von denen wir noch sprechen werden, auch nötig, über den Standpunkt des gewöhnlichen Denkens des physischen Planes hinauszukommen. Wenn der Mensch auf dem physischen Plan lebt, urteilt er über die Dinge, verschafft sich Ansichten, Meinungen über die Dinge. Von einer gewissen Stufe der Initiation ab haben die Meinungen, die Urteile über die Dinge gar keine Bedeutung, gar keinen Wert mehr.

[ 7 ] The same applies, for example, to the entire realm of thought. In ordinary life, people think. Please do not misunderstand me here. If you compare this with other explanations in the proper sense, you will see the consistency; but it is nevertheless true, one can say: From a certain stage of initiation onward, thinking in the ordinary sense of the word ceases for the human being. Not that the human being—or the initiate—could ever come to regard thinking as meaningless, but rather, what was previously the purpose and goal of the soul’s life must become a mere means. This means that the initiate experiences a new world. In order to experience it, he needs, among other things we will discuss later, to rise above the level of ordinary thinking on the physical plane. When a person lives on the physical plane, he judges things, forms views and opinions about them. From a certain stage of initiation onward, opinions and judgments about things have no meaning, no value whatsoever.

[ 8 ] Ich muß hier eine Bemerkung machen, weil wir über Regionen des Seelenlebens sprechen, welche so sehr abweichen von dem, was man gewohnt ist, daß sehr leicht Mißverständnisse entstehen können. Wenn diese Stufe der Initiation, die ich zu den folgenden Betrachtungen charakterisieren muß, erreicht ist, dann muß auch in der Regel die Möglichkeit für den Menschen gewonnen werden, eine Art Doppelleben zu führen. Denn im gewöhnlichen Leben des Alltages ist es gar nicht anders möglich, als daß man über die Dinge urteilt und denkt. Auf dem physischen Plan sind wir eben genötigt, über die Dinge zu urteilen und zu denken; denn das Allernächstliegendste, wo Sie angreifen wollen, wird Sie zu der Überzeugung bringen, daß man auf dem physischen Plan denken muß. Nehmen Sie an, Sie sitzen in einem Eisenbahnzuge, und Sie würden nicht denken; dann würden Sie bei der Station, wo Sie aussteigen müßten, sitzen bleiben. Es könnte, wenn man nicht denkt, sogar dazu führen, daß man als Anthroposoph, der seine Mitgliedskarte sorgfältig aufbewahren sollte, diese im gewöhnlichen Leben an seinem Platze liegen läßt, was doch gegen die Grundsätze der Aufbewahrung der Mitgliedskarten sein würde. Die Welt ist eben so eingerichtet, daß man urteilen und denken muß. Aber mit diesem Standpunkte des Urteilens und Denkens kommt man nicht in die höheren Welten hinein. Es könnte nun sozusagen eine Vermischung des einen und des anderen Standpunktes vorkommen: Man kann so stark beschäftigt sein mit dem Drang, in die höheren Welten hineinzukommen, daß einem ein solches Vergessen passiert. Aber im ganzen muß es doch durchaus möglich sein, diese beiden Dinge voneinander zu trennen: Urteilsfähigkeit, absolute, gesunde und die Pflichten des Lebens ins Auge fassende Urteilsfähigkeit für den physischen Plan; dann aber sich klar sein, daß gerade das, was man so energisch zur Ausbildung bringt für den physischen Plan, für die höheren Welten bloß ein Mittel sein darf.

[ 8 ] I must make a remark here, because we are speaking of realms of the soul’s life that differ so greatly from what people are accustomed to that misunderstandings can very easily arise. Once this stage of initiation—which I must characterize for the following considerations—has been reached, then, as a rule, the human being must also gain the ability to lead a kind of double life. For in ordinary daily life, it is simply impossible to do anything other than judge and think about things. On the physical plane, we are simply compelled to judge and think about things; for the most obvious example, where you might wish to begin, will lead you to the conviction that one must think on the physical plane. Suppose you are sitting on a train and you were not thinking; then you would remain seated at the station where you were supposed to get off. If one does not think, it could even lead to a situation where, as an anthroposophist who should carefully keep their membership card, one leaves it in its place in everyday life, which would be contrary to the principles of keeping membership cards. The world is simply arranged in such a way that one must judge and think. But one does not enter the higher worlds from this standpoint of judgment and thinking. There could, so to speak, be a mixing of the two standpoints: one can be so strongly preoccupied with the urge to enter the higher worlds that such a lapse occurs. But on the whole, it must surely be possible to separate these two things from one another: the ability to judge—an absolute, sound ability to judge that takes life’s duties into account—for the physical plane; but then to be clear that precisely what one so energetically cultivates for the physical plane may be merely a means for the higher worlds.

[ 9 ] Gedanken, Ideen, Urteile, alles das zusammen muß für den, der ein Initiierter werden will, dasselbe sein, was zum Beispiel die Farben für den Maler sind. Sie sind für ihn nicht Selbstzweck, sondern sie sind dazu da, um das auszudrücken, was er auf dem Bilde ausdrücken will. Im gewöhnlichen Leben auf dem physischen Plan sind die Gedanken und Ideen Selbstzweck; für den Initiierten werden sie die Mittel, um das auszudrücken, was er in den höheren Welten erlebt. Dazu kann es nur kommen, wenn eine gewisse Seelenstimmung entwickelt worden ist gegenüber den Meinungen, Ansichten und so weiter. Wer noch irgendeine Vorliebe hat für die eine oder die andere Anschauung, wem noch lieber ist, daß das eine wahr ist oder das andere wahr ist, der kann die hier gemeinte Stufe der Initiation nicht betreten, sondern erst derjenige, der auf seine eigenen Meinungen ebensowenig gibt wie auf irgendwelche Meinungen von anderen, der ganz bereit ist, seine eigenen Meinungen überall auszuschalten und rein anzuschauen, was da ist.

[ 9 ] Thoughts, ideas, judgments—all of these together must be, for the one who wishes to become an Initiate, what colors are, for example, to the painter. For him, they are not an end in themselves, but rather a means of expressing what he wishes to convey in the painting. In ordinary life on the physical plane, thoughts and ideas are an end in themselves; for the initiate, they become the means to express what he experiences in the higher worlds. This can only come about if a certain attitude of mind has been developed toward opinions, views, and so on. Anyone who still has any preference for one view or another, who still prefers that one thing be true rather than another, cannot enter the stage of initiation referred to here; rather, only the one who cares as little for his own opinions as for the opinions of others, who is fully prepared to set aside his own opinions everywhere and to look purely at what is there.

[ 10 ] Im allgemeinen gehört es zu den allerschwierigsten Dingen des inneren Erlebens, über den Standpunkt des «Meinens», über den Standpunkt der «Standpunkte», des Urteilens hinauszukommen.

[ 10 ] In general, one of the most difficult aspects of inner experience is to move beyond the standpoint of “opinion,” beyond the standpoint of “standpoints,” and beyond judgment.

[ 11 ] Da wird sogar etwas berührt, wo gewisse Schwierigkeiten im Zusammenleben desjenigen, der den Weg in die höheren Welten hinauf sucht, mit anderen Menschen auftreten können. Wer den Weg in die höheren Welten hinauf sucht oder bis zu einer gewissen Stufe auf diesem Wege schon gekommen ist, der wird zu sehr, sehr vielen Dingen im Leben sich anders verhalten durch seine Seelenstimmung, die er erreicht hat, als man sich sonst im Leben verhält. Er wird vor allen Dingen die Eigentümlichkeit zeigen, rasch, sagen wir, zu wissen, wie man sich in dieser oder jener Lage des Lebens benehmen soll, wie man sich verhalten soll. Dann wird er vielleicht von seiner Umgebung gefragt: Warum sollen wir denn das tun? Gewiß wird er, wenn er sich auf den Standpunkt der anderen Menschen stellen kann, immer dieses «Warum» angeben können. Aber erst muß er wirklich von der Stufe, auf der er zunächst steht, wo sich ihm gleichsam wie im Sprunge darstellt, was zu geschehen hat, zu dem anderen übertreten, wo er sich zwingt, die Gedankengänge des gewöhnlichen Lebens durchzumachen, um zu zeigen, wie sich beweist, was er mit einem Sprunge durchschaut. Dieses rasche Durchschauen von weit auseinanderliegenden, mit vielen Zwischengliedern behafteten Lebenszusammenhängen ist das, was als eine Begleiterscheinung auftritt zu dem Hinauskommen über das Urteilen, Meinen, über das Haben von diesem oder jenem Standpunkt.

[ 11 ] This even touches upon certain difficulties that can arise in the coexistence of those who seek the path upward to the higher worlds with other people. Those who seek the path upward into the higher worlds, or who have already reached a certain stage on this path, will, due to the spiritual state they have attained, behave differently toward very, very many things in life than is otherwise customary. Above all, they will display the characteristic of, let us say, quickly knowing how to behave in this or that situation in life, how one ought to conduct oneself. Then they may be asked by those around them: Why should we do that? Certainly, if they can put themselves in the other people’s shoes, they will always be able to provide this “why.” But first he must truly move from the level where he initially stands—where what is to happen presents itself to him, as it were, in a single leap—to the other level, where he forces himself to go through the thought processes of ordinary life in order to demonstrate how what he perceives in a single leap is substantiated. This rapid insight into widely divergent contexts of life, fraught with many intermediate links, is what appears as a concomitant to the transcendence of judging, of opinion, of holding this or that standpoint.

[ 12 ] Ferner ist das, was man sich erringen muß, auch noch zusammenhängend mit mancherlei anderen, innerlich moralischen Eigenschaften. Wir werden von solchen Eigenschaften im Verlaufe der Abende noch sprechen. Jetzt soll nur auf eine Eigenschaft hingewiesen werden, auf die öfter schon hingewiesen worden ist. Es ist die Furchtlosigkeit. Denn das muß durchaus vor Augen gehalten werden, daß die Erlebnisse, in die man eintritt, wenn das ganze Leben der Seele, wie es bisher war, vom «Zweck» zum «Mittel» sozusagen degradiert wird, daß diese Erlebnisse ganz anders werden, als sie vorher gewesen sind. Man erlebt zunächst auf vollständig neue Art. Man betritt wirklich ein Unbekanntes, und das Betreten dieses Unbekannten ist zunächst immer mit Furchtzuständen verknüpft. Und weil das ganze Erleben intim im Innern der Seele verfließt, so können die Furchtzustände auch zu allen möglichen inneren Erlebnissen der Seele werden. Daher gehört zu den Vorbereitungen für den Weg hinauf in die höheren Welten die Aneignung einer gewissen Furchtlosigkeit.

[ 12 ] Furthermore, what one must strive to attain is also connected to various other inner moral qualities. We will speak of such qualities in the course of these evenings. For now, we shall point out only one quality that has already been mentioned frequently. It is fearlessness. For it must be kept firmly in mind that the experiences one enters into—when the entire life of the soul, as it has been until now, is, so to speak, demoted from “end” to “means”—become quite different from what they were before. One begins to experience things in a completely new way. One truly enters the unknown, and entering this unknown is initially always associated with states of fear. And because the entire experience flows intimately within the soul, these states of fear can also become all manner of inner experiences of the soul. Therefore, part of the preparation for the path upward into the higher worlds is the cultivation of a certain fearlessness.

[ 13 ] Gerade diese Furchtlosigkeit muß man sich erringen, sagen wit, durch ganz bestimmte Meditationen. Man kann das. Nur hat man gewöhnlich nicht Ausdauer genug zu denjenigen Meditationen, die gerade dazu gehören. Eine gute Meditation ist zum Beispiel die, sich immer wieder und wieder dem Gedanken hinzugeben, daß dadurch, daß man von einer Sache weiß, diese Sache ja nicht anders wird, als sie ist. Wenn jemand zum Beispiel in diesem Augenblicke wissen würde, daß unbedingt in einer Stunde etwas Schlimmes geschehen muß, und er nicht in der Lage wäre, das Ereignis zu verhindern, so würde er vielleicht in Angst und Schrecken versetzt werden. Aber sein Wissen ändert ja nichts an der Sache! Daher ist Angst und Schrecken ein vollständiges Unding, wenn man von der Sache weiß. Es ist ein Unsinn, in den alle Seelen durch die naturgemäße Anlage selbstverständlich verfallen, ein Unsinn, der unbedingt für den Menschen eintreten würde auf einer bestimmten Stufe der Initiation, wenn nicht die Initiation immer wieder und wieder zur Furchtlosigkeit vorbereiten würde: Ja, ist denn dadurch irgend etwas an einer Sache geändert, daß man von ihr weiß?

[ 13 ] It is precisely this fearlessness that one must cultivate, we say, through very specific meditations. It is possible. However, people usually lack the perseverance required for the meditations that are specifically designed for this purpose. A good meditation, for example, is to repeatedly turn one’s thoughts to the idea that simply knowing about something does not change that thing from what it is. If, for instance, someone were to know at this very moment that something terrible is bound to happen in an hour, and they were unable to prevent it, they might be filled with fear and dread. But their knowledge does not change the situation! Therefore, fear and terror are completely absurd if one is aware of the situation. It is a fallacy into which all souls naturally fall due to their inherent disposition, a fallacy that would inevitably befall a person at a certain stage of initiation if initiation did not repeatedly prepare them for fearlessness: Indeed, does knowing about something actually change anything about it?

[ 14 ] Der Meditant, der sich hinaufarbeitet zu gewissen Stufen der Initiation, kommt auf einer bestimmten Stufe zu einer sehr merkwürdigen Erkenntnis, zu der Erkenntnis, daß es in gewisser Beziehung recht schlimm steht um das eigene menschliche Innere, um die eigene menschliche Seele. Da ist unter der Schwelle des Bewußtseins etwas, was man wirklich anders haben möchte, wenn man die Urteile des gewöhnlichen Lebens ansieht. In gewisser Beziehung ist etwas Schreckliches, etwas ganz Furchtbares da unter der Schwelle des Bewußtseins. Und das Naturgemäße wäre, wenn ein Mensch unvorbereitet hingeführt würde vor seine eigenen Seelenuntergründe, daß er davor unglaublich erschrecken würde. Nun muß man sich vorbereiten durch ein immer wiederholtes Meditieren des Gedankens, daß die Dinge doch nicht dadurch anders werden, daß man sie erkennt. Wahrhaftig, nicht dadurch erst wird das Schreckliche in den Untergründen der Seele hervorgerufen, daß man davor hintritt und es anschaut. Es ist immer da, ist auch da, wenn es der Mensch nicht erkennt. Aber gerade durch das immer wiederkehrende Meditieren des Gedankens, daß die Dinge durch das Erkennen nicht anders werden, vertreibt man einen großen Teil der Furchtsamkeit, die vertrieben werden muß.

[ 14 ] The meditator who works his way up to certain stages of initiation comes, at a certain stage, to a very strange realization: the realization that, in a certain sense, things are quite dire within his own human inner being, within his own human soul. There is something beneath the threshold of consciousness that one would truly wish to be different, when one considers the judgments of ordinary life. In a certain sense, there is something terrible, something truly dreadful, lying beneath the threshold of consciousness. And it would be only natural, if a person were led unprepared before the depths of their own soul, that they would be utterly horrified by it. Now one must prepare oneself through the repeated meditation on the thought that things do not change simply by recognizing them. Truly, it is not by stepping before it and looking at it that the terrible thing in the depths of the soul is brought forth. It is always there, even when a person does not recognize it. But it is precisely through the repeated meditation on the thought that things do not change simply by being recognized that one dispels a large part of the fear that must be dispelled.

[ 15 ] So sehen Sie schon aus den paar Dingen, die angeführt wurden, daß in dem Augenblick, wo man sich anschickt, in die höheren Welten hinaufzukommen, ineinanderlaufen intellektuelle und moralische Eigenschaften der Seele. Zu den gewöhnlichen äußeren Wissenschaften der heutigen Zeit braucht man eigentlich nur intellektuelle Eigenschaften zu haben. Mut, Furchtlosigkeit nenne ich in diesem Zusammenhange moralische Eigenschaften. Ohne sie kann man bestimmte Stufen der Initiation nicht erlangen.

[ 15 ] As you can see from the few points mentioned above, the moment one sets out to ascend into the higher worlds, the intellectual and moral qualities of the soul converge. For the ordinary external sciences of today, one really needs only intellectual qualities. In this context, I refer to courage and fearlessness as moral qualities. Without them, one cannot attain certain stages of initiation.

[ 16 ] Ob wir nun sprechen von morgenländischen Mysterien, ob wir sprechen von abendländischen Mysterien, gewisse Stufen haben alle gemeinsam. Daher haben auch für alle Mysterien gewisse Ausdrücke einen guten Sinn, Ausdrücke, die etwa so gefaßt werden können, daß man sagt: Zunächst muß jede Seele, die eine gewisse Stufe der Initiation, eine gewisse Stufe des Mysterienwesens erreichen will, das erfahren, was man nennen kann «in Berührung kommen mit dem Erlebnis des Todes». Das zweite, wovon jede Seele etwas erfahren muß, ist der «Durchgang durch die elementarische Welt». Das dritte ist das, was man in den ägyptischen oder sonstigen Mysterien genannt hat das «Schauen der Sonne utn Mitternacht», und ein weiteres ist das, was man die «Begegnung mit den oberen und unteren Göttern» nennt. Diese Erlebnisse muß sozusagen jeder durchmachen, der bis zu einer bestimmten Stufe der Initiation kommt. Er muß in die Lage kommen, aus innerer Erfahrung zu wissen, was mit diesen Dingen gemeint ist, und muß fähig sein, sozusagen in zwei Welten zu leben: in der einen Welt, in welcher der Mensch eben heute lebt, in der Welt des physischen Planes, und in der anderen Welt, in der man nur leben kann, wenn man weiß, was es heißt: man ist «mit dem Tode in Berührung gekommen»; man ist «durch die elementarische Welt gegangen»; man hat «die Sonne um Mitternacht gesehen»; man hat die «Begegnung mit den oberen und unteren Göttern» gehabt.

[ 16 ] Whether we are speaking of Eastern mysteries or Western mysteries, they all share certain stages. Therefore, certain expressions are meaningful for all mysteries—expressions that can be summarized as follows: First, every soul that wishes to reach a certain stage of initiation, a certain stage of the mystery process, must experience what might be called “coming into contact with the experience of death.” The second thing every soul must experience is the “passage through the elemental world.” The third is what was called in the Egyptian or other mysteries the “beholding of the sun at midnight,” and another is what is called the “encounter with the upper and lower gods.” Everyone who reaches a certain stage of initiation must, so to speak, go through these experiences. One must be able to know from inner experience what is meant by these things, and must be capable of living, so to speak, in two worlds: in the one world in which humanity lives today, the world of the physical plane, and in the other world, in which one can only live if one knows what it means to have “come into contact with death”; one has “passed through the elemental world”; one has “seen the sun at midnight”; one has had an “encounter with the higher and lower gods.”

[ 17 ] In die Nähe des Todes kommen! Da handelt es sich darum, daß ja der Mensch in seinem Wachzustande zwischen der Geburt und dem Tode wirklich fortwährend, insofern er bewußt lebt, in alledem lebt, wovon ich Ihnen doch gerade gesagt habe, es muß überwunden werden, es muß zum bloßen Mittel werden für den Initiierten. Versuchen Sie es sich einmal klarzumachen, worinnen der Mensch auf dem physischen Plane lebt: In seinen Sinneseindrücken und in seinen gewöhnlichen Seelenerlebnissen, das ist das, worinnen er lebt. Das alles muß zum bloßen Mittel werden, sobald der Mensch in das Mysterienwesen eintritt. Was bleibt dann übrig von dem, als was sich der Mensch im gewöhnlichen Leben fühlt? Nichts bleibt übrig. Alles sinkt hinunter zu einer Wesenhaftigkeit zweiten Ranges. Alles das also, was der Mensch innerlich und dann natürlich auch äußerlich erlebt im gewöhnlichen Leben, muß er abstreifen.

[ 17 ] Coming close to death! The point here is that, in his waking state between birth and death, a human being—insofar as he lives consciously—truly lives continuously in all that which I have just told you must be overcome; it must become a mere means for the initiate. Try to make it clear to yourself what it is that a human being lives in on the physical plane: in their sensory impressions and in their ordinary soul experiences—that is what they live in. All of this must become a mere means as soon as a human being enters into the realm of the mysteries. What then remains of what a human being feels themselves to be in ordinary life? Nothing remains. Everything sinks down to a second-order reality. Thus, everything that a person experiences inwardly—and consequently also outwardly—in ordinary life, they must cast off.

[ 18 ] Also denken Sie sich: Das blaue Himmelsgewölbe wird durchsichtig, hört auf, ist nicht mehr da, alle Grenzen, welche die Farben an der Oberfläche der Dinge bilden, hören auf, sind nicht mehr da, die Töne der physischen Welt hören auf, sind nicht mehr da, was der Tastsinn erlebt, hört auf, ist nicht mehr da. Aber ich bitte zu berücksichtigen, daß dies Erlebnis wird! Also zum Beispiel das Gefühl, mit seinen Füßen auf einem festen Boden zu stehen, was ja nichts anderes ist als ein Ausdruck des Tastsinnes, hört auf, und der Mensch fühlt so ähnlich, als wenn der Boden unter ihm fortgezogen würde, und er auf nichts stünde. Aber er kann auch nicht hinab, und er kann auch nicht hinauf zunächst. Und so ist es mit allen Eindrücken. Kurz, alles, was uns der physische Leib vermittelt — und alles, was der Mensch im normalen Leben durchmacht zwischen dem Aufwachen und Einschlafen, wird durch den physischen Leib vermittelt —, alles das hört auf. Es tritt eben durchaus jener Zustand ein, vor dem der Mensch im gewöhnlichen Leben bewahrt ist, jener Zustand, der eintreten würde, wenn plötzlich einmal jemand, während er schläft, ohne daß er wieder in den physischen Leib hinein aufwacht, bewußt würde. Sie können nicht sagen, daß im Traume der Mensch im gewöhnlichen physischen Dasein einen ähnlichen Zustand schon erreicht hat. Nein, der Traum ist zwar in einer gewissen Weise ein außerphysisches Erlebnis, das zugleich die Intensität des Erlebens so herabstimmt, daß sich der Mensch nicht bewußt wird, daß er außerhalb alles physischen Erlebens steht.

[ 18 ] So imagine this: the blue vault of the sky becomes transparent, ceases to exist, is no longer there; all the boundaries formed by colors on the surface of things cease to exist, are no longer there; the sounds of the physical world cease to exist, are no longer there; what the sense of touch experiences ceases to exist, is no longer there. But please bear in mind that this becomes an experience! For example, the sensation of standing with one’s feet on solid ground—which is nothing other than an expression of the sense of touch—ceases, and the person feels as if the ground were being pulled out from under them, and they were standing on nothing. But they cannot go down, nor can they go up at first. And so it is with all impressions. In short, everything that the physical body conveys to us—and everything a person experiences in normal life between waking and falling asleep is conveyed through the physical body—all of that ceases. Precisely that state sets in from which a person is spared in ordinary life—the state that would occur if, while sleeping, someone were to suddenly become conscious without waking back into the physical body. You cannot say that in a dream a person has already attained a similar state in ordinary physical existence. No, the dream is, in a certain sense, an extra-physical experience that simultaneously dampens the intensity of the experience to such an extent that the person does not become aware that they are outside of all physical experience.

[ 19 ] Diese Intensität im Bewußtsein — «Du stehst außerhalb alles physischen Erlebens» — wird in der Tat erst in der Initiation erzeugt. Das heißt, es kommt eben beim Hinaufstieg in die höheren Welten der Moment, wo man gegenübersteht seinem physischen Leib, dessen Hände man im wachen Leben bewegen kann, mit dessen Füßen man schreiten kann, dessen Knie man beugen kann, dessen Augenlider man auf- und abwärts bewegen kann und so weiter, während man jetzt den ganzen physischen Leib so empfindet, wie wenn er erstarrt wäre, wie wenn es unmöglich wäre, die Augenlider zu bewegen, die Hände zu gebrauchen, die Beine zu bewegen und so weiter. Es tritt weiter der Moment ein, wo man weiß: Augen sind in diesem physischen Leibe, aber jetzt dienen sie nicht, um irgend etwas zu sehen. Auf der einen Seite werden alle Dinge durchsichtig, und auf der anderen Seite hört vollständig die Möglichkeit auf, überhaupt mit den gewöhnlichen Mitteln, die man bisher hatte, an diese Dinge heranzukommen.

[ 19 ] This intensity of consciousness — “You stand outside all physical experience” — is in fact only brought about through initiation. That is to say, during the ascent into the higher worlds, there comes a moment when one stands face to face with one’s physical body—the hands of which one can move in waking life, the feet of which one can walk with, the knees of which one can bend, the eyelids of which one can move up and down, and so on— while one now perceives the entire physical body as if it were frozen, as if it were impossible to move the eyelids, use the hands, move the legs, and so on. Furthermore, the moment arrives when one knows: eyes are present in this physical body, but now they do not serve to see anything. On the one hand, all things become transparent, and on the other hand, the possibility of approaching these things at all by the ordinary means one had until now ceases completely.

[ 20 ] Versuchen Sie das im gewöhnlichen Sinne des Wortes Widerspruchsvolle zu erfassen. Wenn man sich vorbereitet, bis zu diesem Punkt zu kommen, dann gelangt man dazu, daß alle Dinge sozusagen durchsichtig werden, daß man hinter alle Dinge sieht. Aber in dem Augenblick, wo es eben anfängt, zum Beispiel daß das blaue Himmelsgewölbe durchsichtig wird, hört das Auge überhaupt auf, die Möglichkeit zu haben, das blaue Himmelsgewölbe zu sehen. Das heißt, der erste Moment im Mysterienwesen besteht darin, daß man bis zu dem Punkt kommt, wo man die Sinnesanschauung und auch das Denken überwindet; aber was man dadurch erreichen soll, das wird einem in diesem Momente zugleich genommen. Man hat sich also durchgearbeitet bis zu dem Moment, wo einem etwas ganz Neues gegeben wird, man erlangt gerade den Moment, in welchem einem dieses Neue entgegentreten soll, — aber in diesem Augenblick wird es einem auch genommen! Man weiß jetzt nichts anderes als: Du hast dich durchgearbeitet, so daß du den höheren Welten gegenüberstehst, und jetzt ist auch der Augenblick da, wo sie dir genommen werden.

[ 20 ] Try to grasp what is contradictory in the ordinary sense of the word. When one prepares oneself to reach this point, one arrives at a state where all things become, so to speak, transparent, where one sees behind all things. But the moment it begins—for example, when the blue vault of the sky becomes transparent—the eye ceases entirely to have the ability to see the blue vault of the sky. That is to say, the first moment in the mystery experience consists in reaching the point where one overcomes sensory perception and also thinking; but what one is meant to achieve through this is simultaneously taken away from one at that very moment. One has thus worked one’s way through to the moment when something entirely new is given to one; one reaches precisely the moment in which this new thing is to meet one—but at that very moment it is also taken away! One now knows nothing other than: You have worked your way through so that you stand before the higher worlds, and now the moment has also come when they are taken from you.

[ 21 ] Malen Sie sich dieses Erlebnis aus, dann haben Sie den Moment, der im Mysterienwesen aller Zeiten bezeichnet wird als «Heranschreiten bis an die Pforte des Todes». Denn man weiß nunmehr, was es heißt: die Welt wird einem genommen, das heißt, die Welt aller Eindrücke. Und man weiß, daß man ja nichts ist in diesem Moment als diese Eindrücke, denn im Grunde genommen gibt es nichts anderes als diese Erlebnisse, als innere Eindrücke. In dem Augenblick, da der Mensch einschläft — wo ihm alle Eindrücke genommen werden —, kommt er im normalen Leben auch in die Bewußtlosigkeit, das heißt, er lebt in seinen Eindrücken. Nun überwindet er diese Eindrücke des gewöhnlichen Lebens, er weiß, er ist so weit gekommen, daß er durch alle Dinge durchsehen kann; aber eine neue Welt wird ihm in diesem Moment genommen. Wir werden über diesen Punkt noch genauer zu sprechen haben, wir wollen nur zunächst noch deutlicher machen, was mit den angedeuteten Ausdrücken gemeint ist.

[ 21 ] Imagine this experience, and you will have the moment that is described in the mystery traditions of all ages as “approaching the gates of death.” For one now knows what it means: the world is taken from one—that is, the world of all impressions. And one knows that in this moment one is nothing but these impressions, for fundamentally there is nothing else but these experiences, these inner impressions. At the moment when a person falls asleep—when all impressions are taken from them—they also enter a state of unconsciousness in ordinary life; that is to say, they live within their impressions. Now he overcomes these impressions of ordinary life; he knows he has come so far that he can see through all things; but a new world is taken from him at that moment. We will have to speak more precisely about this point; for now, we only wish to make it even clearer what is meant by the terms indicated.

[ 22 ] Es gibt nun keine andere Rettung gegenüber dem notwendigen Stehenbleiben, gegen das notwendige Nichtweiterkommen, als die Ausbildung seines Inneren — bevor man zu diesem Augenblicke kommt — so weit zu bringen, daß man das Einzige nun mitnehmen kann, was überhaupt durchbringbar ist durch jenen Punkt, bis zu dem man gekommen ist. Man muß bis zu dem Punkt kommen, wo einem eigentlich die Außenwelt alle Macht versagt, und muß es in seinem Innern so weit gebracht haben, daß man in diesem Momente durch Trainierung seines Selbstvertrauens, durch Trainierung seiner Selbstsicherheit und seiner Geistesgegenwart und anderer innerlicher Tugenden — «Tugenden» jetzt als Tüchtigkeit gemeint — innere Kraft, innere Energie hat, so daß man in dem Augenblick, wo einem die Welt genommen wird, einen Überschuß von innerer Energie zur Verfügung hat. Das aber bedingt in diesem Augenblick ein sehr bedeutsames Erlebnis, ein außerordentlich bedeutsames Erlebnis.

[ 22 ] There is no other way to escape the inevitable standstill, the inevitable inability to move forward, than to develop one’s inner self—before reaching that moment—to the point where one can take with oneself the only thing that can possibly be carried through that point to which one has arrived. One must reach the point where the external world effectively denies one all power, and must have developed oneself internally to such an extent that, at that moment, through training one’s self-confidence, through training one’s self-assurance and presence of mind and other inner virtues— “virtues” here meaning competence—one possesses inner strength, inner energy, so that at the moment when the world is taken from you, you have a surplus of inner energy at your disposal. But this necessitates, at that very moment, a very significant experience, an extraordinarily significant experience.

[ 23 ] Denken Sie, man kommt bis zu der Grenze, bis zu der man sich durchgearbeitet hat, wo die Welt durchsichtig wird. Dann wird sie einem genommen. Jetzt hat man nichts gerettet, man kann nichts anderes gerettet haben als eine gewisse innere Stärke dadurch, daß man trainiert hat Selbstvertrauen, Geistesgegenwart, Furchtlosigkeit und ähnliche innere Eigenschaften. Dadurch kommt man zu dem bedeutsamen Erlebnis — es ist eben ein unmittelbar sich aufdrängendes Erlebnis: Du bist ja allein in der Welt! Du bist ja ganz allein da in der Welt! — Und dieses Erlebnis, das ich eben nicht anders als mit den Worten bezeichnen kann: Du bist ja allein die ganze Welt! das wird nun immer größer und größer. Das wird immer stärker und stärker, immer umfassender und umfassender. Und das ist das Eigentümliche, daß von diesem einen Erlebnis aus in der Seele eine ganz neue Welt erstehen kann und wirklich auch bei dem Initüerten erstehen muß. Man fühlt: Bis zu einer Grenze ist man gekommen, wo man gegenüber dem Nichts gestanden hat, aber sich selbst hat man eine gewisse Kraft mitgebracht. Die ist vielleicht anfangs recht klein, aber sie wird immer größer und größer, breitet sich nach allen Seiten aus. Man fängt an, in die ganze Welt hineinzukommen, sich mit der ganzen Welt zu durchdringen, und je weiter man die Welt durchdringt mit der eigenen Wesenheit, desto mehr erscheint sie einem als eine immer andere. Man streckt die Kraft, die man mitgebracht hat, nach der einen oder anderen Seite aus: Je nachdem man sie ausstreckt, wird man immer etwas anderes erleben. Aber zunächst wird das, was da erlebt wird, deshalb von dem Menschen als grauenvoll empfunden, weil zweierlei in dem Erleben, das man jetzt haben kann, ganz fehlt, zweierlei, dessen Fehlen auf einer bestimmten Stufe des Erkennens wohl deshalb nicht grauenvoll gefühlt wird, bevor man es bewußt erlebt, weil es im gewöhnlichen Erleben des physischen Planes immer da ist, und weil man eigentlich erst eine Vorstellung davon bekommt, wenn es nicht mehr da ist.

[ 23 ] Do you think that one reaches a limit—the point one has worked one’s way toward—where the world becomes transparent? Then it is taken away from you. Now you have saved nothing; you can have saved nothing other than a certain inner strength by having trained self-confidence, presence of mind, fearlessness, and similar inner qualities. Through this, you arrive at the significant experience—it is simply an experience that imposes itself immediately: You are alone in the world! You are, after all, quite alone in the world! — And this experience, which I can describe only with the words: You are, after all, the whole world! — this now grows ever larger and larger. It becomes ever stronger and stronger, ever more comprehensive and comprehensive. And this is the peculiar thing: that from this one experience a whole new world can arise in the soul, and indeed must arise in the initiate. One feels: One has reached a limit where one stood facing nothingness, but one has brought a certain strength with oneself. It may be quite small at first, but it grows ever larger and larger, spreading out in all directions. One begins to enter into the whole world, to permeate the whole world, and the further one penetrates the world with one’s own being, the more it appears to one as something ever-changing. One extends the strength one has brought with oneself in one direction or another: depending on which way one extends it, one will always experience something different. But at first, what is experienced there therefore perceived by the human being as horrific, because two things are entirely missing from the experience one can now have—two things whose absence, at a certain stage of cognition, is probably not felt as horrific before one consciously experiences it, because they are always present in the ordinary experience of the physical plane, and because one actually only gets a mental image of them when they are no longer there.

[ 24 ] Das eine, was aufhört, ist ein jegliches Gefühl für Materialität, für physische Materialität. Alles Materie-Sein ist wie ins unbestimmte Nichts verschwunden, ist nicht da. Das Gefühl, man stoße auf etwas Hartes, oder auch auf so etwas Weiches wie Wasser oder wie es die Luft ist, kurz, das Gefühl, von Materie umgeben zu sein, hört auf, ist nicht da. Man hat es nur zu tun mit Eigenschaften der Dinge, aber nicht mit Dingen. Von den schweren, physischen, dichten Körpern bleibt nur die Dichte zurück, aber nicht die Substantialität; von den flüssigen Körpern bleibt nur «das Flüssig-Sein», aber nicht die Substantialität, das Wasser oder das Flüssige; von der Luft bleibt nur das Sichausdehnenwollen nach allen Seiten, aber nicht die Substantialität. Man wächst in die Eigenschaften der Gegenstände hinein, aber man hat das Gefühl, daß man nur in die Eigenschaften hineinwächst, daß einem die Gegenstände entschwinden, daß alle Materialität aufhört. Das ist das eine, was aufhört.

[ 24 ] The one thing that ceases is any sense of materiality, of physical materiality. All material existence has vanished into an indeterminate nothingness; it is not there. The sensation of encountering something hard, or even something as soft as water or as air is—in short, the sensation of being surrounded by matter—ceases; it is not there. One is concerned only with the properties of things, but not with things themselves. Of the heavy, physical, dense bodies, only the density remains, but not the substantiality; of the liquid bodies, only “being liquid” remains, but not the substantiality—the water or the liquid; of the air, only the tendency to expand in all directions remains, but not the substantiality. One grows into the properties of objects, but one has the feeling that one is growing only into the properties, that the objects are slipping away, that all materiality ceases. That is the one thing that ceases.

[ 25 ] Das andere, was aufhört auf der Stufe des Erlebens, von der jetzt gesprochen wird, ist alles Zusammenhängen mit dem, was man im gewöhnlichen physischen Leben Sinneswahrnehmung nennt. Das geht schon aus der bisherigen Darstellung hervor. Nichts macht einen Eindruck auf einen, sondern man ist alles selber. Der Eindruck, den es noch gibt, ist höchstens derjenige der «Zeit»: Jetzt bist du etwas «noch nicht», und «nach einiger Zeit» bist du es. — Aber daß man Gegenstände außer sich hat, die da sind an einem anderen Orte und einen Eindruck auf einen machen, das gibt es nicht. Man ist entweder etwas selber, oder es ist überhaupt nichts da. Alles, was einem entgegentritt, wird man selber; man geht unter darin, wird eins damit und man wird zum Schlusse so groß wie die einem zur Verfügung stehende Welt, wird eins damit.

[ 25 ] The other thing that ceases at the level of experience now being discussed is everything connected with what is called sensory perception in ordinary physical life. This is already evident from the discussion so far. Nothing makes an impression on one; rather, one is everything oneself. The only impression that still exists is, at most, that of “time”: Now you are “not yet” something, and “after some time” you are. — But the idea that there are objects outside of oneself, located elsewhere and making an impression on one, does not exist. One is either something oneself, or there is nothing at all. Everything that comes one’s way, one becomes oneself; one is absorbed in it, becomes one with it, and in the end becomes as vast as the world available to one, becomes one with it.

[ 26 ] Ich schildere, was Erlebnis ist. Es ist das, was gewöhnlich in den Mysterienstätten genannt worden ist das «Erleben der elementarischen Welt». Man ist dann zwar hinausgekommen über die bloße «Berührung mit dem Tode», aber man ist sozusagen eine unterschiedslose Einheit mit der ganzen Welt, die einem zur Verfügung steht.

[ 26 ] I am describing what an experience is. It is what has usually been called, in the places of the Mysteries, the “experience of the elemental world.” One has then indeed gone beyond mere “contact with death,” but one is, so to speak, in undifferentiated unity with the whole world that stands at one’s disposal.

[ 27 ] Nun ist zweierlei möglich. Entweder die Vorbereitung ist gut gewesen, oder sie ist nicht gut gewesen. Wenn sie gut gewesen ist, muß nun der zu Initiierende, wenn er bis zu einem bestimmten Grade sich ausgegossen hat über die Welt, dahin kommen, noch Kraft übrig zu haben. Wenn dies der Fall ist — Sie sehen, ich schildere heute von einem etwas anderen Gesichtspunkte aus die Dinge, die öfter beschrieben worden sind, aber wir brauchen jetzt gerade diesen anderen Gesichtspunkt —, daß gewisse Energien, die er vorher stark genug entwickelt hat, noch da sind, so hat er jetzt das folgende Erlebnis.

[ 27 ] Now, two things are possible. Either the preparation has been good, or it has not been good. If it has been good, then the initiate, having poured himself out over the world to a certain degree, must still have strength left. If this is the case—you see, today I am describing things that have often been described from a somewhat different perspective, but we need precisely this other perspective right now—that certain energies, which he has previously developed strongly enough, are still there, then he now has the following experience.

[ 28 ] Während der Mensch sonst in der gewöhnlichen Welt einen Gegenstand hat und ihm gegenübersteht, ihn anschaut, und der Gegenstand einen Eindruck auf seine Augen macht, so daß er dann etwas von dem Gegenstande weiß, so kommt so etwas von dem Punkte der Initiation an, der eben besprochen worden ist, nicht mehr vor. Denn man hat es nicht etwa zu tun mit einer Wiederholung der gewöhnlichen Welt — daß einem die Dinge entgegentreten wie die Dinge der physischen Welt, die man früher nur nicht gesehen hat —, sondern man muß jetzt von einem bestimmten Punkte an noch Kräfte zur Verfügung haben, die man noch überdies aus sich herausgießen kann. Nachdem man also genug Kräfte darauf verwendet hat, um mit der Welt eins zu werden, muß man jetzt noch Kräfte übrig haben, um Kräfte aus sich herauszuspinnen, wie die Spinne ihr Netz aus sich herausspinnt. Sie sehen, daß die ganzen Vorgänge des Mysterienwesens zeigen, wieviel darauf ankommt, starke innere Energien des seelischen Lebens zu entwickeln; denn man muß viel Vorrat haben, damit das alles geschehen kann.

[ 28 ] Whereas in the ordinary world a person has an object before them, looks at it, and the object makes an impression on their eyes, so that they then know something about the object, this no longer occurs from the point of initiation that has just been discussed. For one is not dealing with a repetition of the ordinary world—where things confront one as they do in the physical world, which one simply did not see before—but rather, from a certain point onward, one must still have forces at one’s disposal that one can, moreover, pour out from within oneself. So, after one has expended enough forces to become one with the world, one must now still have forces left over to spin forces out of oneself, just as the spider spins its web out of itself. You see that the entire process of the mystery tradition shows how much depends on developing strong inner energies of the soul life; for one must have a great store of reserves so that all this can take place.

[ 29 ] Dann kann folgendes eintreten: Man hat natürlich keine physischen Augen, denn diese gehören dem physischen Leib an, über den man längst hinausgekommen ist. Aber dadurch, daß man etwas aus sich ausgegossen hat und noch ausgießen kann, wie die Spinne ihr Netz aus sich herausspinnt, bilden sich etwas wie Organe heraus, und man kann beobachten: Mit dem, was man jetzt aus sich herausspinnt, tritt etwas ganz Neues auf. Da stellen sich Dinge vor einen selber hin in einer Art, die sich etwa damit vergleichen läßt, als wenn ich nicht die Uhr hier hätte und die Augen dort, sondern als wenn das Auge aus sich heraus einen Strahl senden würde, der sich selber zur Uhr formen könnte, so daß die Uhr durch die Tätigkeit des Auges dasteht. Es handelt sich dabei nicht um ein Konstruieren oder Schaffen einer subjektiven Welt, sondern darum, daß wir gleichsam Seelensubstanz aus uns herausspinnen. Und die höheren Welten, in die wir uns hineinleben, müssen diesen Umweg wählen, damit wir ihnen gegenübertreten und sie erkennen können. Sie müssen erst durch unsere eigene Seelensubstanz, die wir ihnen zur Verfügung gestellt haben, durchkriechen. In der physischen Welt stellen sich die Dinge vor uns hin ohne unser Zutun. Nichts stellt sich in den höheren Welten vor uns hin, wenn wir ihm nicht erst die eigene Seelensubstanz zur Verfügung stellen. Deshalb ist es so schwierig, Subjektives und Objektives auf diesem Punkte zu unterscheiden. Denn ganz subjektiv muß sein, was wir aus unserer Seelensubstanz herausspinnen; aber ganz objektiv muß dasjenige sein, was nur das Herausgesponnene benutzt, um zur Wahrnehmung zu kommen.

[ 29 ] Then the following can occur: Of course, one does not have physical eyes, for these belong to the physical body, which one has long since transcended. But because one has poured something out of oneself and can still pour it out—just as the spider spins its web from within itself—something like organs takes shape, and one can observe: With what one now spins out of oneself, something entirely new emerges. Things then present themselves before one in a manner that can be compared, for example, not to having the clock here and the eyes there, but rather as if the eye were sending forth a ray from itself that could form itself into a clock, so that the clock stands there through the activity of the eye. This is not a matter of constructing or creating a subjective world, but rather of spinning, as it were, soul substance out of ourselves. And the higher worlds into which we live must take this detour so that we can face them and recognize them. They must first make their way through our own soul substance, which we have made available to them. In the physical world, things present themselves to us without our intervention. Nothing presents itself to us in the higher worlds unless we first make our own soul substance available to it. That is why it is so difficult to distinguish between the subjective and the objective in this regard. For what we spin out of our soul substance must be entirely subjective; but what merely uses what has been spun out to come into perception must be entirely objective.

[ 30 ] Ich habe alle diese Dinge angeführt, weil Sie dadurch ein bestimmtes Gefühl erhalten können, das Gefühl, daß alle Trainierung in den Mysterien vorzugsweise in einer Erhöhung der Energien der Seele bestanden hat. Das war es, worauf es ankam: stark, kräftig, energisch die Seele zu machen. Darauf mußte der zu Initiierende von vornherein verzichten, daß man ihm etwa die Gegenstände und Wesenheiten der höheren Welten wie auf einem Präsentierteller gereicht hätte. Er mußte sich zu jedem Stück der höheren Welten erst hinentwickeln. Nichts ohne Anstrengung, gar nichts ohne Anstrengung! So ist es mit Bezug auf das, was individuell in den höheren Welten erreicht werden soll, so ist es mit dem, was in der Stufenfolge der Menschheitsentwickelung in bezug auf die höheren Welten erreicht werden soll.

[ 30 ] I have mentioned all these things because they can give you a certain sense—the sense that all training in the Mysteries consisted primarily in an elevation of the soul’s energies. That was what mattered: making the soul strong, vigorous, and energetic. From the very beginning, the initiate had to do without the expectation that the objects and beings of the higher worlds would be handed to him on a silver platter. He first had to develop himself to reach every aspect of the higher worlds. Nothing without effort, absolutely nothing without effort! This is true with regard to what is to be achieved individually in the higher worlds, and it is true with regard to what is to be achieved in the sequence of human development in relation to the higher worlds.

[ 31 ] Nehmen wir an, irgendeine Wesenheit, die durch ihre spirituelle Macht in der Menschheitsentwickelung wirken soll, zum Beispiel die Individualität des Moses, soll dem Gange der Menschheitsentwickelung einverleibt werden. Es wäre kindisch, sich etwa vorzustellen, daß nun nichts zu geschehen brauchte, als daß die Menschheitsentwickelung fortgehe, und der Himmel schicke an irgendeiner Stelle dieser Menschheitsentwickelung jetzt den Moses: Nun ist Moses da, die Menschen wissen, daß es Moses ist, und brauchen nur auszuführen, was man ausführte, als Moses gekommen ist. Wenn auf diese Weise Moses irgendwohin geschickt worden wäre, so hätte es keine andere Folge gehabt, als daß die, welche um Moses herum waren, eben nichts davon gewußt hätten, daß es «Moses» war. Es kam nicht darauf an, daß diese oder jene äußere Persönlichkeit dastand, sondern daß eine Anzahl von Menschen beurteilen konnte, welche Spiritualität in dem betreffenden Menschen lebte. Und man hätte diesen Menschen gar nicht zu sagen brauchen, dies ist Moses oder der oder der, sondern man hätte nur nötig gehabt, ihre Seelen in der entsprechenden Weise vorzubereiten: dann hätten die Seelen, ohne daß man ihnen gesagt hätte, der oder der ist Moses, gewußt: das ist die betreffende spirituelle Wesenheit, die so und so anzusehen ist!

[ 31 ] Let us suppose that some being, who is to work in the course of human development through his spiritual power—for example, the individuality of Moses—is to be incorporated into the course of human development. It would be childish to have a mental image of all that needed to happen being that human development would continue, and that Heaven would send Moses at some point in this development: Now Moses is here, people know that it is Moses, and need only carry out what was carried out when Moses came. If Moses had been sent somewhere in this way, it would have had no other consequence than that those around Moses would simply not have known that it was “Moses.” It did not matter that this or that external personality stood there, but that a number of people could judge what spirituality lived in the person in question. And there would have been no need to tell these people, “This is Moses, or so-and-so,” but it would have been necessary only to prepare their souls in the appropriate way: then the souls, without being told that so-and-so is Moses, would have known: “This is the spiritual being in question, who is to be regarded in such and such a way!”

[ 32 ] Also das ist es, was wir voraussetzen: daß der Gang in die höheren Welten verbunden ist mit einer Energisierung, mit einem Stärkerwerden der inneren Seelenkräfte, und daß nichts sozusagen nur von außen gegeben werden kann, sondern daß alles nur erreicht werden kann durch Erhöhung des Innenlebens des Menschen; denn nur dadurch kann die Schwelle überschritten werden in jene Welten, die auch der Mensch durchläuft zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. — Das ist es, was ich als Einleitung heute zunächst vorbringen wollte. Morgen wollen wir damit fortfahren, daß wir zunächst beschreiben, wie die Welten sind zwischen dem Tode und der neuen Geburt, und inwiefern es durch das Mysterienwesen notwendig und wichtig geworden ist, dem Menschen schon während der Zeit seines physischen Lebens etwas von dem zu überliefern, was das Wissen dieser höheren Welten ist.

[ 32 ] So this is what we assume: that the journey into the higher worlds is connected with an energization, with a strengthening of the inner soul forces, and that nothing, so to speak, can be given from the outside alone, but that everything can only be attained through the elevation of the human inner life; for only in this way can the threshold be crossed into those worlds that the human being also passes through between death and a new birth. — That is what I wanted to present first today as an introduction. Tomorrow we will continue by first describing what the worlds are like between death and a new birth, and to what extent it has become necessary and important through the nature of the mysteries to impart to the human being, already during the time of his physical life, something of the knowledge of these higher worlds.