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The Mysteries of the Orient and Christianity
GA 144

4 February 1913, Berlin

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Zweiter Vortrag

Second Lecture

[ 1 ] Das, was gestern hier ausgeführt worden ist, konnte wohl anschaulich machen, wie der Aufstieg in die höheren, in die spirituellen Welten davon abhängig ist, daß der Mensch die inneren Kräfte des Seelenlebens verstärkt, so daß er durch seine Übungen, die er vornimmt zum Zwecke des Hinaufdringens in höhere Welten, Kräfte in der Seele entwickelt, die eben weit über dasjenige hinausgehen, was der Mensch im gewöhnlichen Leben an solchen Seelenkräften braucht. Daß der Mensch eine gewisse Verstärkung seiner Seelenkräfte erlangen muß, um innerlich zu erleben, innerliche Regsamkeit zu entwickeln, das mag schon daraus hervorgehen, daß des Menschen Seele, wenn er im gewöhnlichen Leben unabhängig wird von seinem physischen Leibe, im Schlafe also, sogleich in die Bewußtlosigkeit verfällt. Das heißt, er hat nicht genug Kräfte im normalen Leben, um dann, wenn ihm der physische Leib und der Ätherleib nicht helfen, Bewußtsein, innere Regsamkeit wirklich zu entfalten, wenn er, wie im Schlafe, unabhängig von seinem physischen und Ätherleibe leben soll. In dasjenige, was im gewöhnlichen Schlafe unabhängig wird von physischem Leib und Ätherleib, müssen die Übungen der Meditation, Konzentration, Kontemplation diejenigen Kräfte hineinarbeiten, die zu einer Durchleuchtung mit Bewußtsein für das Ich und den astralischen Leib führen, so daß diese unabhängig vom physischen Leib und Ätherleib zum Erleben, zum Erfahren kommen können. Was da der Mensch an Kräften seiner Seele entwickelt, die stärker sind als die des gewöhnlichen Lebens, ist das, was ihn dazu befähigt, das zu erreichen, was gestern im Verlaufe des Vortrages ausgeführt worden ist: nachdem er sozusagen gegenüber dem Nichts gestanden hat, in eine neue Welt einzutreten, die er dadurch erleben kann, daß er — wie die Spinne ihr Netz aus sich herausspinnt — den geistig substantiellen Gehalt seiner Seele ausgießt in die Weiten und in das, was er da ausgießt, die geistigen Welten aufnimmt, die sich dann vor ihn hinstellen.

[ 1 ] What was explained here yesterday may well have illustrated how the ascent into the higher, spiritual worlds depends on a person strengthening the inner powers of the soul life, so that through the exercises they undertake for the purpose of penetrating into higher worlds, develops powers in the soul that go far beyond what a person needs in ordinary life. That a person must attain a certain strengthening of their soul forces in order to experience inner life and develop inner activity may already be evident from the fact that when the human soul becomes independent of the physical body in ordinary life—that is, during sleep—it immediately falls into unconsciousness. This means that in normal life, the human being does not possess sufficient powers to truly unfold consciousness and inner activity when the physical body and the etheric body are not there to assist them—that is, when they are to live, as in sleep, independently of their physical and etheric bodies. Into that which, in ordinary sleep, becomes independent of the physical and etheric bodies, the exercises of meditation, concentration, and contemplation must work in those forces that lead to a penetration with consciousness of the I and the astral body, so that these may come to experience and perceive independently of the physical and etheric bodies. The powers of the soul that the human being develops there, which are stronger than those of ordinary life, are what enable him to achieve what was explained yesterday in the course of the lecture: after having stood, so to speak, before nothingness, to enter a new world which he can experience by pouring out—just as the spider spins its web from within itself—the spiritually substantial content of his soul into the vastness, and in what he pours out, to receive the spiritual worlds that then stand before him.

[ 2 ] So ist nun der Mensch, nachdem er die gewöhnliche physische sinnliche Welt auf diese Art verlassen hat, durchgegangen durch ein Stehen über einem Abgrund — denn so ist es, wenn man dem Nichts gegenüber sich fühlt — im Gebiete einer neuen Welt. Und er erlebt nun in dieser neuen Welt nicht nur anderes, sondern er erlebt in ganz anderer Weise, in anderer Art, als er in der physisch-sinnlichen Welt erlebt hat. Da können wir ausgehen von einem sehr gewöhnlichen Erlebnis des physischen Planes. Auf dem physischen Plane erscheinen dem Menschen in der Tat wie zwei ganz voneinander getrennte Gebiete des Geschehens die Tatsachen, die den Naturgesetzen unterliegen, und alles, was den Moralgesetzen unterliegt.

[ 2 ] Thus, having left the ordinary physical, sensory world in this way, the human being has passed through a state of standing over an abyss—for that is what it feels like to face nothingness—into the realm of a new world. And in this new world, they now experience not only different things, but they experience them in a completely different way, in a different manner, than they did in the physical-sensory world. Here we can start from a very ordinary experience of the physical plane. On the physical plane, the facts subject to the laws of nature and everything subject to the moral laws indeed appear to human beings as two entirely separate realms of existence.

[ 3 ] Wenn wir im gewöhnlichen physischen Leben unsere Blicke hinausrichten in das Naturgeschehen, selbst wenn wir hinaufgehen bis ins Tierreich, sind wir uns immer bewußt, daß wir dabei nach Naturgesetzen, nach bloßen Naturgesetzen für das Geschehen fragen, daß wir aber eigentlich keine moralischen Maßstäbe anlegen können. Wir fragen zum Beispiel nicht, warum ein Bergkristall gerade in einer solchen Weise vor uns hintritt, daß wir eine sechsseitige Säule haben, durch zwei sechsseitige Pyramiden abgeschlossen, wir fragen nicht, warum sich diese mineralische Substanz so zusammenfügt, daß diese Kristallgestalt herauskommt. Anders fragen wir nicht, als daß wir ein Naturgesetz zur Antwort haben wollen. Wir fragen nicht: Was hat der Bergkristall Gutes getan, daß er gerade ein Bergkristall geworden ist? Wir fragen nicht: Wie ist der Bergkristall gesinnt? Wir wenden die moralische Gesetzmäßigkeit nicht auf die mineralische Welt an, wir wenden sie auch nicht auf die Pflanzenwelt an, und höchstens in einer etwas übertragenen Weise — und man möchte sagen, nach den Sympathien moderner, darwinistisch gesinnter Leute wenden wir die Moralbegriffe auch auf das Tierreich an. Aber was uns auch beim Tierreich zuerst interessiert, ist die Naturgesetzlichkeit.

[ 3 ] In our ordinary physical lives, when we turn our gaze to the phenomena of nature—even when we look as far as the animal kingdom—we are always aware that we are inquiring into these phenomena according to natural laws, mere natural laws, and that we cannot actually apply moral standards. For example, we do not ask why a rock crystal appears before us in such a way that we have a six-sided column, capped by two six-sided pyramids; we do not ask why this mineral substance combines in such a way that this crystal form emerges. We ask nothing other than to have a natural law as our answer. We do not ask: What good has the rock crystal done to have become a rock crystal? We do not ask: What is the rock crystal’s disposition? We do not apply moral laws to the mineral world, nor do we apply them to the plant world, and at most in a somewhat figurative way—and one might say, in accordance with the sympathies of modern, Darwinian-minded people, we also apply moral concepts to the animal kingdom. But what interests us first and foremost in the animal kingdom is the laws of nature.

[ 4 ] Wenn wir ins Menschenreich hinauf kommen, fühlen wir uns veranlaßt, den Menschen zu beurteilen nach dem Maßstabe des Wohlwollens, der Liebe und dergleichen mehr. Getrennt, wie gesagt, betrachten wir, insofern wir in der physischen Welt stehen, die Tatsachen als eingefangen in das Netz des Naturgeschehens und die menschlichen Handlungen und Seelenverfassungen, denen wir als einen Maßstab auferlegen die Beurteilung nach Moralgesetzen, und wir tun wahrhaftig nicht gut für die Beurteilung des physischen Planes, wenn wir diese beiden Tatsachenreihen durcheinandermischen. Der Mensch gewöhnt sich dann an, indem er auf dem physischen Plane lebt, in dieser zwiefachen Weise die Welt zu beurteilen. Daher ist es nicht ganz leicht, nachdem man sozusagen über den Abgrund des Nichts gesprungen ist, in die spirituelle Welt überzugehen, wo eine ganz andere Beurteilung notwendig ist: wo in der Tat nicht getrennt ist etwas, was man als Naturgesetze ansprechen könnte, ähnlicher Art wie das Naturgeschehen auf dem physischen Plan, von einem bloß moralischen Geschehen, wie es ebenfalls nur auf dem physischen Plane vorhanden ist. Deshalb muß man sich gewöhnen, wenn der Punkt erreicht ist, von dem gestern gesprochen worden ist, das, was geschieht, ähnlich zu beurteilen, wie wir Naturtatsachen beurteilen, aber auch wie wir moralische Tatsachen in der physischen Welt beurteilen. Die moralische Welt und die physische Gesetzmäßigkeit — es sind aber damit jetzt nicht «Gesetzmäßigkeiten» gemeint nach dem Muster der in der physischen Welt vorhandenen Naturgesetzlichkeit —, also die Welt der Naturgesetze und die Welt der moralischen Gesetzmäßigkeit, gehen ineinander, wenn man in diese spirituelle Welt eintritt.

[ 4 ] When we ascend to the human realm, we feel compelled to judge people by the standards of benevolence, love, and the like. Separately, as mentioned, insofar as we stand in the physical world, we regard the facts as caught in the web of natural events and human actions and states of mind, to which we impose as a standard the judgment according to moral laws, and we truly do not serve the judgment of the physical plane well if we mix these two sets of facts together. Living on the physical plane, people then become accustomed to judging the world in this twofold manner. Therefore, it is not entirely easy, after having, so to speak, leaped across the abyss of nothingness, to pass into the spiritual world, where a completely different kind of judgment is necessary: where, in fact, there is no separation between what might be called natural laws—similar in nature to natural phenomena on the physical plane—and purely moral events, which likewise exist only on the physical plane. Therefore, once the point reached yesterday has been attained, one must accustom oneself to judging what occurs in a manner similar to how we judge natural facts, but also to how we judge moral facts in the physical world. The moral world and physical lawfulness—though this does not mean “laws” in the sense of the natural laws existing in the physical world—that is, the world of natural laws and the world of moral lawfulness, merge into one another when one enters this spiritual world.

[ 5 ] Das zeigt sich zum Beispiel gleich, wenn man vor sich bekommt das Reich, das der Mensch durchlebt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Der Seher kann dort begegnen — und er wird begegnen, wenn er im Ernste so weit gekommen ist, wie es gestern angedeutet worden ist — denjenigen Seelen, die, nachdem sie durch die Pforte des Todes durchgegangen sind, ihre Entwickelung zwischen dem Tode und einer neuen Geburt durchmachen. Wir lernen dann die Art des Erlebens dieser Scelen kennen, und man muß ganz andere Denkgewohnheiten annehmen, wenn man beurteilen will, was diese Seelen erleben. An einigen Beispielen sei das erläutert.

[ 5 ] This becomes immediately apparent, for example, when one is presented with the realm that a human being experiences between death and a new birth. There the seer can encounter—and will encounter, if he has seriously progressed as far as was indicated yesterday—those souls who, having passed through the gate of death, are undergoing their development between death and a new birth. We then come to know the nature of these souls’ experiences, and one must adopt entirely different ways of thinking if one wishes to assess what these souls are experiencing. Let this be explained with a few examples.

[ 6 ] Da finden wir Seelen, welche in einer gewissen Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt recht schwere Lebensverhältnisse durchzumachen haben. Zunächst hat man als Seher den Eindruck, daß diese Seelen — eine gewisse Kategorie von Seelen — in der geistigen Welt Diener geworden seien von recht furchtbaren geistigen Wesenheiten, und daß sie sich selber durch ihr Leben vor dem Tode zu dieser Arbeit verurteilt haben, in der sie Diener sind von recht furchtbaren Geistern. Man arbeitet sich als Seher allmählich hinein, das schwere Schicksal dieser Seelen zu verstehen, und zwar auf folgende Weise arbeitet man sich da hinein. Man bildet in sich heran intimer den Gedanken, wie der Mensch in seinem physischen Leben von der Geburt bis zum Tode lebt, wie — das ist oftmals im Verlaufe unserer geisteswissenschaftlichen Vorträge dargestellt worden — durch eine innere Gesetzmäßigkeit des Erlebens der sogenannte naturgemäße oder natürliche Tod herbeigeführt wird, wenn der Mensch sozusagen im Alter seine Lebenskräfte erschöpft hat. Von diesem Tode wollen wir jetzt nicht sprechen. Aber es gibt andere Tode. Es gibt diejenigen Tode, durch die der Mensch in der Blüte seines Lebens durch äußere Unglücksfälle oder durch Krankheiten hingerafft werden kann. Wir sterben nicht alle, nachdem das Maß unseres Lebens erfüllt ist. Die Menschen sterben in jedem Lebensalter, und fragen müssen wir uns: Woher kommen denn die Kräfte, welche diesen Toden in den verschiedenen Lebensaltern zugrunde liegen? Das verstehen wir, daß der Mensch, wenn seines Lebens Maß erfüllt ist, einmal sterben muß. Wie das aus den geistigen Welten heraus sich motiviert, haben wir oft gesehen. Aber alles, was in der physischen Welt geschieht, geschieht durch Einflüsse aus der geistigen Welt. Auch die Tode, die gewissermaßen zur Unzeit eintreten, geschehen durch Einflüsse aus der geistigen Welt; das heißt, sie werden veranstaltet durch Kräfte und Wesenheiten der geistigen Welt.

[ 6 ] There we find souls who, during a certain period between death and a new birth, have to endure quite difficult living conditions. At first, as a seer, one has the impression that these souls—a certain category of souls—have become servants in the spiritual world to quite terrible spiritual beings, and that they have condemned themselves through their lives before death to this work, in which they are servants to quite terrible spirits. As a seer, one gradually works one’s way into understanding the difficult fate of these souls, and one does so in the following manner. One cultivates within oneself a deeper understanding of how a human being lives in their physical life from birth to death, and how—as has often been described in the course of our lectures on Spiritual Science—so-called natural death is brought about by an inner law of experience when, so to speak, a person has exhausted their life forces in old age. We will not speak of this kind of death now. But there are other kinds of death. There are those deaths through which a person can be cut down in the prime of life by external misfortunes or by illness. We do not all die after the measure of our life has been fulfilled. People die at every age, and we must ask ourselves: Where do the forces come from that underlie these deaths at the various stages of life? We understand that when a person’s measure of life is fulfilled, they must die at some point. We have often seen how this is motivated from the spiritual worlds. But everything that happens in the physical world occurs through influences from the spiritual world. Even deaths that occur, so to speak, at an untimely hour, happen through influences from the spiritual world; that is to say, they are brought about by forces and beings of the spiritual world.

[ 7 ] Auch noch etwas anderes bemerken wir in der physischen Welt, auf das wir den Blick richten müssen, wenn wir die Zeit zwischen dem Tode und der neuen Geburt verstehen wollen. Da sehen wir die physische Welt durchzogen von Krankheiten, Seuchen, sehen diese physische Welt durchzogen in früheren Zeiten von jenen Seuchen, die ja hinlänglich bekannt sind. Man braucht nur die verheerenden Züge unter der älteren europäischen Bevölkerung durchzugehen, wo die Pest, Cholera und dergleichen hinzog über die Lande. In dieser gegenwärtigen Zeit sind wir in bezug auf solche Dinge — man kann das Wort dafür gebrauchen — noch verhältnismäßig glücklich daran. Allein schon bereiten sich gewisse Epidemien vor, auf die bereits in unseren Vorträgen aufmerksam gemacht worden ist. So sehen wir also den gleichsam zur Unzeit eintretenden Tod über die Erde hinziehen, und so auch sehen wir Krankheiten und Seuchen über die Erde hinziehen. Und der Seher sieht Seelen, die da leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, jenen Geistern helfen, die aus den übersinnlichen Welten in die Sinneswelt die Kräfte tragen, welche Seuchen, Krankheiten bringen, welche sozusagen unzeitige Tode bringen. Es gehört zu den furchtbaren Eindrücken, Menschenseelen in gewissen Zeiten ihres Lebens zwischen dem Tode und einer neuen Geburt wahrzunehmen, die Diener geworden sind der schlimmen Geister von Krankheit und Tod, und die sich selber dazu verurteilt haben, solche Diener der schlimmen Geister von Krankheit und Tod zu werden.

[ 7 ] We also observe something else in the physical world that we must take into account if we are to understand the period between death and rebirth. We see the physical world plagued by diseases and epidemics; in earlier times, we see this physical world ravaged by those epidemics that are, of course, well known. One need only look at the devastating waves that swept through the older European population, where the plague, cholera, and the like ravaged the lands. In the present time, we are—to use the word—still relatively fortunate in regard to such things. Yet certain epidemics are already brewing, as has already been pointed out in our lectures. Thus we see death, so to speak, sweeping across the earth at an untimely hour, and so too we see diseases and epidemics sweeping across the earth. And the seer sees souls living there between death and a new birth, aiding those spirits who carry from the supersensible worlds into the sensory world the forces that bring epidemics, diseases, and, so to speak, untimely deaths. It is one of the most terrible impressions to perceive human souls at certain times in their lives, between death and a new birth, who have become servants of the evil spirits of disease and death, and who have condemned themselves to becoming such servants of the evil spirits of disease and death.

[ 8 ] Versucht man nun das Leben solcher Menschen zurückzugehen bis vor die Zeit, da sie die Pforte des Todes durchschritten haben, dann findet man immer bei denjenigen Menschen, die sich das eben erwähnte Schicksal bereitet haben, daß sie in ihrem Leben auf dem physischen Plan Mangel an Gewissenhaftigkeit, Mangel an Verantwottlichkeitsgefühl gehabt haben. Das ist ein ständiges Gesetz, welches sich dem Seher zeigt, daß Seelen, die durch die Pforte des Todes schreiten, und die vorher gewissenlose Seelenanlagen gehabt haben oder in Gewissenlosigkeit gelebt haben, sich zu einer bestimmten Zeit zwischen dem Tode und der neuen Geburt zu den Dienern machen derer, die mitarbeiten müssen an dem Hereintragen von Seuchen, Krankheiten und unzeitigen Toden in die physisch-sinnliche Welt. Da sehen wir naturgemäßes Geschehen, dem diese Seelen unterliegen, und von dem wir nicht sagen können, es sei, wie eine Kristallisation oder wie der Stoß zweier elastischer Kugeln oder dergleichen, unabhängig von irgendwelchen moralischen Fehlern; sondern an dem, was da geschieht, was diese Seelen uns zeigen, sehen wir, wie sich in den höheren Welten durcheinandermischt dasjenige, was als Naturgesetzmäßigkeit in den höheren Welten wirkt, mit der moralischen Weltordnung. Wie die Dinge in den höheren Welten geschehen, das hängt ab von Wesenheiten, an denen das eine oder das andere geschieht, jenachdem diese sich moralisch in die Welt hineingestellt haben.

[ 8 ] If one attempts to trace the lives of such people back to the time before they passed through the gate of death, one will always find that those who have brought about the fate just mentioned lacked conscientiousness and a sense of responsibility during their lives on the physical plane. It is a constant law revealed to the seer that souls who pass through the gate of death, and who previously possessed unscrupulous dispositions or lived in unscrupulousness, become, at a certain time between death and the new birth, the servants of those who must cooperate in bringing epidemics, diseases, and untimely deaths into the physical-sensory world. Here we see natural processes to which these souls are subject, and of which we cannot say that they are, like a crystallization or the collision of two elastic spheres or the like, independent of any moral failings; but in what is happening there, in what these souls show us, we see how, in the higher worlds, that which acts as a natural law in the higher worlds intermingles with the moral world order. How things happen in the higher worlds depends on the beings to whom one thing or another happens, depending on how they have positioned themselves morally within the world.

[ 9 ] Oder, um ein anderes Beispiel anzuführen, man kann hinschauen auf das, was der Seher lernt, indem er auf eine sehr weit verbreitete Eigenschaft unter den Menschen den Blick richtet: Es ist das, was man bezeichnen kann als Bequemlichkeit, als Behaglichkeitssucht. Bequemlichkeit, Behaglichkeitssucht ist wahrhaftig eine weiter verbreitete Eigenschaft, als man gewöhnlich glaubt. Viel mehr, als man denkt, machen die Menschen aus Bequemlichkeit. Bequem sind die Menschen in ihrem Denken, bequem sind die Menschen in ihrem äußeren Handeln und Gebaren. Und namentlich bequem erscheinen sie, wenn sie irgend etwas ändern sollen in ihrem Denken oder in ihrem Handeln und Gebaren. Wären die Menschen im Innersten ihrer Seele nicht so bequem, so würde es nicht so oft geschehen sein, daß, wenn an sie die Forderung herantrat, in dieser oder jener Sache umzulernen, sie sich dagegen gesträubt haben. Gesträubt haben sie sich, weil es unbequem ist, in bezug auf irgendeine Sache umzulernen. Es war ja unbequem, nachdem man solange gedacht hatte, daß die Erde stille steht und die Sonne und der Sternenhimmel sich um sie herumbewegen, nun plötzlich von der Bewegung der Erde durch Kopernikus zu hören, und umzulernen! Eine unbequeme Sache war das, daß einem so der Boden unter den Füßen — wenigstens theoretisch — wie weggezogen wurde. Und alles, was sich damals gegen diesen neuen Gedanken aufgelehnt hat, war entsprossen aus der Denkbequemlichkeit, aus der Behaglichkeitssucht, weil alles Umlernen unbehaglich ist. Aber man braucht nur das alleralltäglichste Leben zu betrachten, und man wird die «Tugend» — die eigentlich natürlich eine Untugend ist — der Bequemlichkeit weit verbreitet finden. Man hat in der neueren Zeit doch schon ein wenig eine Ahnung bekommen von der ganz ungeheuren Verbreitung der Bequemlichkeit unter der Menschheit. Das mag aus folgendem ersichtlich sein.

[ 9 ] Or, to give another example, one can look at what the seer learns by focusing on a trait that is very widespread among people: it is what can be described as laziness, or a craving for comfort. Comfort, the craving for comfort, is truly a more widespread trait than is commonly believed. People do far more out of comfort than one might think. People are comfortable in their thinking; they are comfortable in their outward actions and behavior. And they appear particularly comfortable when they are asked to change anything in their thinking or in their actions and behavior. If people were not so comfortable in the depths of their souls, it would not have happened so often that, when faced with the demand to relearn something in this or that matter, they resisted it. They resisted because it is uncomfortable to relearn anything. It was indeed uncomfortable, after having thought for so long that the Earth stands still and the Sun and the starry sky move around it, to suddenly hear from Copernicus about the Earth’s motion and to have to change one’s thinking! It was an uncomfortable thing, having the ground pulled out from under one’s feet—at least theoretically—in this way. And everything that rebelled against this new idea at the time sprang from intellectual laziness, from a craving for comfort, because rethinking everything is uncomfortable. But one need only observe the most ordinary of daily life to find the “virtue”—which is actually, of course, a vice—of comfort widespread. In recent times, we have already gained some inkling of the truly immense prevalence of comfort among humanity. This may be evident from the following:

[ 10 ] Es gibt viele nationalökonomische Theorien. Ich will über dieselben jetzt nicht sprechen. Aber da gibt es zum Beispiel jene nationalökonomische Theorie, die heute schon vielfach verlassen ist, aber die einmal eine große Rolle gespielt hat, die darauf gebaut ist, daß alle Menschen doch im Grunde genommen frei zu konkurrieren suchen im Austausch der Güter und dergleichen und daß die beste Art, sozial zusammenzuleben, eben die wäre, wenn eine vollständig freie Konkurrenz stattfände. Andere, mehr sozialistische Theorien haben dann Platz gegriffen. In der letzten Zeit haben aber einige Nationalökonomen darauf aufmerksam gemacht, daß man eigentlich mit all diesen Theorien doch nur höchst einseitig vorgehe. Denn was in der Welt im Austausch der Güter, im sozialen Zusammenleben geschieht, das unterliege viel mehr als dem Konkurrenzgesetz oder dem Gesetz, fortschreiten zu wollen, ja, mehr sogar als den Gesetzen des bewußten Egoismus, dem Gesetze der Bequemlichkeit! Also sogar in die Nationalökonomie hält die Erkenntnis von dem Gesetz der Bequemlichkeit den Einzug. Das ist ganz anzuerkennen, daß man sogar auch auf einem solchen Gebiete einmal recht vernünftig wird und auf etwas aufmerksam macht, was da ist, und was man nur übersehen kann, wenn man dem Leben gegenüber eine Vogel-Strauß-Politik spielt.

[ 10 ] There are many economic theories. I do not wish to discuss them now. But there is, for example, that economic theory—which has already been largely abandoned today but once played a major role—based on the idea that all people, at heart, seek to compete freely in the exchange of goods and the like, and that the best way to live together in society would be precisely when completely free competition takes place. Other, more socialist theories have since taken hold. Recently, however, some economists have pointed out that all these theories actually take a highly one-sided approach. For what happens in the world in the exchange of goods and in social coexistence is subject far more to the law of convenience than to the law of competition or the law of the desire for progress—indeed, even more than to the laws of conscious egoism! Thus, even in economics, the recognition of the law of convenience is making its way in. It is entirely to be acknowledged that even in such a field, one eventually becomes quite reasonable and draws attention to something that is there—and which one can only overlook if one adopts an ostrich-like attitude toward life.

[ 11 ] Die Bequemlichkeit ist eine allgemeine, weit verbreitete Eigenschaft der Menschen. Und verfolgt man die Seelen, die damit verbunden waren, nach dem Tode, so sieht man, wie sich diese Sucht nach Bequemlichkeit fortsetzt nach dem Tode, und wie der Mensch dann gleichsam eine Provinz durchleben muß, in welcher er sogar eine gewisse Zeit zwischen dem Tode und der neuen Geburt damit zubringen muß, daß er wegen der Bequemlichkeit, als Wirkung dieser Bequemlichkeit, zu einem Diener wird — als Seele — des Gottes oder der Götter der Widerstände, jener Götter, die alle die entsprechenden Widerstände der Entwickelung entgegensetzen. Und das sind wieder die Geister, die unter der Oberherrschaft des Ahriman stehen. Ahriman hat verschiedene Dinge zu tun, unter anderem auch das, daß er aus der spirituellen Welt die Kräfte in die physische Welt hereinleitet, welche im physischen Leben die Widerstände hervorrufen. So sind die Menschen auf der einen Seite bequem, aber auf der anderen Seite stellt sich das Leben der bequemen Menschen auch so heraus, daß man, wenn man so etwas tun will, wieder an ein allgemeines Weltengesetz stößt. Die Widerstände sind überall da, wenn sie auch nicht in der grotesken Form da sind, in der sie einmal ein deutscher Dichter und Ästhetiker geschildert hat. Sie sind aber da in der allertragischsten Form. Ein deutscher Dichter hat sie geschildert als die sogenannte «Tücke des Objekts». Diese «Tücke des Objekts» tritt zum Beispiel besonders hervor, wenn ein Prediger auf der Kanzel steht und eine ungeheuer lange Tirade zu sprechen hat; da setzt sich ihm eine Fliege auf die Nase — und er muß furchtbar niesen. Das ist die «Tücke des Objekts». Aber eigentlich tritt sie erst recht dann hervor, wenn Menschen, die in dieser Beziehung Unglücksmenschen sind, auf Schritt und Tritt dieser «Tücke des Objekts» ausgesetzt sind. Friedrich Theodor Vischer hat ja einmal einen Roman geschrieben, wo jemand fortwährend dieser «Tücke des Objekts» ausgesetzt ist.

[ 11 ] Comfort is a common, widespread human trait. And if one follows the souls that were attached to it after death, one sees how this addiction to comfort continues after death, and how the human being must then, as it were, pass through a province in which he must even spend a certain time between death and rebirth, becoming—as a soul—a servant of the god or gods of resistance, those gods who oppose all the corresponding obstacles to development, as a result of this love of comfort. And these are again the spirits who stand under the dominion of Ahriman. Ahriman has various tasks to perform, including the one of directing forces from the spiritual world into the physical world, which give rise to the resistances in physical life. Thus, on the one hand, people are comfortable, but on the other hand, the lives of these comfortable people also turn out in such a way that, if one wishes to do something, one once again encounters a universal law of the world. The resistances are everywhere, even if they do not appear in the grotesque form in which a German poet and aesthetician once described them. But they are present in the most tragic form. A German poet described them as the so-called “treachery of the object.” This “treachery of the object” is particularly evident, for example, when a preacher stands in the pulpit and has to deliver an incredibly long tirade; then a fly lands on his nose—and he has to sneeze terribly. That is the “treachery of the object.” But in fact, it stands out all the more when people who are unlucky in this regard are exposed to this “treachery of the object” at every turn. Friedrich Theodor Vischer once wrote a novel in which someone is constantly exposed to this “treachery of the object.”

[ 12 ] Diese Dinge gehen aber in Wirklichkeit von der grotesken Form bis zu dem Tragischen hinauf. Alle Widerstände aber werden dirigiert aus der geistigen Welt, und der Herr der Widerstände ist eben Ahriman. Und dadurch, daß die Seelen Bequemlinge sind, machen sie . sich für eine gewisse Zeit zwischen dem Tode und der neuen Geburt zu Dienern des Ahriman. Es ist im ganzen nicht so furchtbar, die Strafen des bequemen Lebens anzusehen, als wenn die Seelen leben müssen in dem Gedrücktsein unter die Geister von Krankheit und Tod. Aber es gibt immerhin einen Begriff, wie Moral und Naturgesetzmäßigkeit sich untereinander vermischen, sobald wir in die höheren Welten hinaufkommen.

[ 12 ] In reality, however, these things range from the grotesque to the tragic. All opposition, however, is directed from the spiritual world, and the lord of this opposition is none other than Ahriman. And because souls are complacent, they make themselves servants of Ahriman for a certain time between death and the new birth. All in all, it is not so terrible to contemplate the punishments of a life of ease as it is for souls to have to live under the oppression of the spirits of illness and death. But there is at least a concept of how morality and the laws of nature intermingle as soon as we ascend into the higher worlds.

[ 13 ] Das sind solche Erlebnisse, die man durchmacht, wenn man an den Punkt gekommen ist, der gestern geschildert worden ist. Und man muß diese Erlebnisse durchmachen, damit man andere, notwendige Verhältnisse auch erleben kann — wir werden schon sehen, warum notwendig —, damit man eben weiterkommt in bezug auf das höhere Erleben. Die Sache des Hinaufsteigens in die höheren Welten ist ja nicht so, daß man sagt: Du beginnst heute deinen Aufstieg in die höheren Welten, und dann geht es stufenweise hinauf -, sondern das geht für den, der ein Eingeweihter werden will, sozusagen unvermerkt für das äußere Geschehen zwischen den Handlungen und Tatsachen des äußeren Lebens vor sich. Man kommt also zwar stückweise hinauf in die höheren Welten, aber es ist so, daß man aus diesem Drinnenstehen in den höheren Welten wieder heraustritt und in der gewöhnlichen Welt lebt. Aber man trägt aus dem Erleben in den geistigen Welten dann etwas mit hinein in die physische Welt. Man sieht sich, wenn man ein Eingeweihter geworden ist, dann, trotzdem man ein Eingeweihter geworden ist, in der physischen Welt herumgehen, mit anderen Gefühlen und Empfindungen behaftet, als man behaftet ist, wenn man kein Seher ist.

[ 13 ] These are the kinds of experiences one goes through when one has reached the point described yesterday. And one must go through these experiences in order to be able to experience other, necessary conditions as well—we will see why they are necessary—so that one can make progress in terms of higher experience. The matter of ascending into the higher worlds is not such that one says: “Today you begin your ascent into the higher worlds, and then you proceed step by step upward”—rather, for the one who wishes to become an initiate, this takes place, so to speak, unnoticed by external events, between the actions and facts of external life. So one does indeed ascend step by step into the higher worlds, but the fact is that one steps out again from this standing within the higher worlds and lives in the ordinary world. But one then carries something from the experience in the spiritual worlds back into the physical world. Once one has become an initiate, one finds oneself walking about in the physical world—despite having become an initiate—endowed with feelings and sensations different from those one possesses when one is not a seer.

[ 14 ] Es muß nur durch die Trainierung dafür gesorgt werden — und es wird auch bei einer richtigen Schulung dafür gesorgt —, daß man nicht für das gewöhnliche Leben beirrt wird durch die Änderung der Empfindungen und Gefühle. Das muß ja erreicht werden, daß man, wenn man ein Seher ist, eben nur für die höheren Welten ein Seher ist, und daß man das, was man als Charakter, als Seelenstimmung haben muß für die höheren Welten, ja nicht in die gewöhnliche physische Welt hineinträgt. In keiner Weise sollte man das. Man sollte Seher werden können, und in der gewöhnlichen physischen Welt ein ganz vernünftiger Mensch sein, wie ein anderer auch. Daher taugen für die Ausbildung des Seherwesens am wenigsten solche Leute, die von vornherein zur Schwärmerei veranlagt sind. Schwärmer, abstrakte Idealisten, die sozusagen in der physischen Welt schon dasjenige erleben, was ja in der geistigen Welt seine gute Berechtigung hat, also Leute, die schon in der physischen Welt «das Gras wachsen hören», die überall sozusagen schon wahrnehmen, was eben nur der Schwärmer wahrnimmt, was nicht die nüchterne, auf das Reale hingeneigte Natur wahrnimmt, Menschen, die sich leicht etwas vormachen — es gibt viel mehr Menschen von dieser Sorte, als man gewöhnlich meint —, taugen nicht für die Ausbildung des Sehergeistes. Menschen, die mit beiden Füßen in der Wirklichkeit stehen, die von der Wirklichkeit auch etwas verstehen und die Dinge so beurteilen, wie sie sind, die taugen am besten auch für die Ausbildung des Sehergeistes. Damit ist schon angedeutet, wie man seine Gefühle und Empfindungen, die schon einmal für die physische Welt notwendig sind, nicht beirren lassen darf durch das, was man sich aneignet für den Aufstieg in die höheren Welten.

[ 14 ] Through training, one must ensure—and proper training does ensure this—that one is not led astray in ordinary life by changes in sensations and feelings. The goal must be achieved that, if one is a seer, one is a seer only for the higher worlds, and that one does not carry into the ordinary physical world the character and soul disposition that one must possess for the higher worlds. One should not do that in any way. One should be able to become a seer and yet be a perfectly sensible person in the ordinary physical world, just like anyone else. Therefore, those least suited for training as seers are people who are predisposed to enthusiasm from the outset. Enthusiasts, abstract idealists who, so to speak, already experience in the physical world what is indeed fully justified in the spiritual world— —that is, people who already “hear the grass grow” in the physical world, who, so to speak, already perceive everywhere what only the dreamer perceives, what the sober, reality-oriented nature does not perceive—people who easily delude themselves—there are far more people of this sort than one usually thinks—are not suited for the training of the clairvoyant spirit. People who stand with both feet firmly in reality, who also understand something of reality and judge things as they are, are best suited for the training of the clairvoyant spirit. This already indicates how one must not allow one’s feelings and sensations—which are necessary for the physical world—to be misled by what one acquires for the ascent into the higher worlds.

[ 15 ] Also ganz bestimmte Gefühle und Empfindungen bleiben einem schon, die man, wenn man ein Seher geworden ist, sich gegenüber hat. Man ist gewissermaßen auch für die physische Welt ein anderer . Mensch geworden. Aber man muß, damit einen das nicht schädigt, gewissermaßen diese neuen Gefühle und Empfindungen auch auf Dinge anwenden in der äußeren physischen Welt, die man früher gar nicht berücksichtigt hat, auf die man früher gar nicht aufmerksam gewesen ist. Dann wird man, wenn man Seher geworden ist und gewisse Gefühle und Empfindungen in sich herangezüchtet hat, seine Verhältnisse zur Natur nach und nach — nicht im schlimmen, sondern gerade im guten Sinne — etwas verändert finden. Man wird sich in anderer Weise zum Beispiel der Pflanzenwelt, dem sich ausbreitenden Pflanzenteppich der Erde gegenüber fühlen, als man sich früher ihm gegenüber gefühlt hat. Man hat früher die Pflanzen angeschaut, war entzückt über ihr Grünen, war entzückt über die Blütenfülle und Blütenfärbung, über alles, was einem die Pflanzenwelt eben darbot, insofern sie aus der Erde herauswächst und das Auge und vielleicht auch andere Sinne entzückt. Denken wir nicht an irgendeinen Nüchterling in dieser Beziehung, sondern an einen Menschen, der wirklich genießen kann in vollen Zügen, was die Schönheit der Pflanzendecke der Erde in der Seele bewirken kann; und denken wir nicht daran, daß irgend jemand, der Seher geworden ist, auch nur im geringsten Maße etwas einbüßen müßte von den Gefühlen, die er vorher der Pflanzendecke der Erde gegenüber gehabt hat. Aber etwas anderes entsteht in ihm. Es entsteht das Gefühl, wenn er sich nun der Pflanzenwelt gegenüber sieht, einer gewissen innigen Verwandtschaft der Pflanzenwelt mit dem, was außerhalb der Pflanzenwelt in der Natur ist: mit der Sonne, auch mit dem Mond und mit der anderen Sternenwelt. Es wächst ihm gewissermaßen für sein Empfinden, für sein Anschauen zusammen, was da als grüner Pflanzenteppich sich ausbreitet, mit dem, was im Weltall ist.

[ 15 ] So certain specific feelings and sensations do remain with you, which you experience within yourself once you have become a seer. In a sense, one has also become a different kind of human being in relation to the physical world. But in order for this not to be harmful, one must, so to speak, apply these new feelings and sensations to things in the outer physical world that one previously did not take into account at all, to which one was previously not at all attentive. Then, once one has become a seer and has cultivated certain feelings and sensations within oneself, one will find that one’s relationship to nature has gradually changed—not in a bad way, but precisely in a good way. One will feel differently, for example, toward the plant world, toward the spreading carpet of plants on the earth, than one did before. One used to look at the plants, was enchanted by their greenness, was enchanted by the abundance and colors of the flowers, by everything the plant world offered, insofar as it grows out of the earth and delights the eye and perhaps other senses as well. Let us not think of some ascetic in this regard, but of a person who can truly enjoy to the fullest what the beauty of the Earth’s plant cover can evoke in the soul; and let us not think that anyone who has become a seer would have to lose even the slightest bit of the feelings they previously had toward the Earth’s plant cover. But something else arises within them. When he now looks upon the plant world, a feeling arises within him of a certain intimate kinship between the plant world and what lies outside the plant world in nature: with the sun, also with the moon, and with the rest of the starry world. In a sense, what spreads out there as a green carpet of plants merges in his perception, in his gaze, with what is in the universe.

[ 16 ] Abstrakt machen sich ja die Menschen heute genügende Vorstellungen von dem, was hier gemeint ist. Jeder Mensch weiß heute, wenn er nur ein bißchen gelernt hat, wie die Pflanzendecke zusammenhängt mit dem Wirken des Lichtes, welches die Sonne herabsendet, wie die Pflanzen nicht wachsen können ohne die bestimmten Wirkungen der Sonnenstrahlen. Und etwas ahnen können ja die Menschen, daß nicht nur auf die Pflanzenwelt dasjenige einen Einfluß hat, was auf der Sonne vorgeht, sondern daß auch die Sternenwelt einen Einfluß hat. Da wird es ja allerdings so, daß da schon die Menschen ins Ungläubige hineinfallen. Aber es gab noch einen großen, bedeutenden Geist in einer Zeit, die noch gar nicht so weit hinter uns liegt, der sich ganz naturwissenschaftlich zum Beispiel beschäftigte mit dem Einfluß des Mondes auf die Witterung und damit auch auf die Vegetation der Erde. Ich meine Gustav Theodor Fechner. Er hat nicht vom Standpunkte irgendeines Aberglaubens, sondern vom Standpunkte ganz empirischer Beobachtungen festzustellen versucht, wie anders der Neumond, wie anders der Vollmond zum Beispiel auf die Regenverhältnisse der Erde wirkt und so weiter. Es hat viele Leute gegeben, die gerade dadurch ihre naturwissenschaftliche Gesinnung dokumentieren wollten, daß sie Gustav Theodor Fechner mit seinen Monduntersuchungen auslachten. Einer, der besonders stark lachte, war der berühmte Botaniker Schleiden, der der Meinung war, daß es gewiß nicht vom Vollmond und vom Neumond abhänge, ob einmal durch vierzehn Tage hindurch mehr oder weniger Regenmenge sei. Da sagte Gustav 'Theodor Fechner — es war das in einer Zeit, da noch gegenüber den heutigen etwas patriarchalische Verhältnisse waren —: Wir wollen einmal die Sache auf dem Umwege durch die Frauen entscheiden; die gelehrten Männer kommen sehr leicht in Streit. Da eben damals noch etwas patriarchalische Verhältnisse waren, so hatten die beiden Frauen, die Frau Professor Schleiden und die Frau Professor Fechner, in ihrem Hofe in Leipzig immer die Gefäße aufgestellt, um das Regenwasser für die Wäsche aufzufangen, und Gustav Theodor Fechner machte nun den Vorschlag, daß einmal die Frauen über die Frage nach der größeren Regenwassermenge entscheiden sollten, indem die Frau Professor Schleiden immer zur Neumondzeit, seine Frau dagegen immer zur Vollmondzeit ihre Geschirre auf den Hof herausstellen sollte. Es würde sich dann schon zeigen, in welchem Zeitraum die größere Regenmenge fiele. Und siehe da, die Frau Professor Schleiden war gar nicht mit ihrem Gemahl einverstanden, denn sie bekam die geringere Regenwassermenge!

[ 16 ] In abstract terms, people today have a sufficient mental image of what is meant here. Everyone today, provided they have studied the subject even a little, knows how the plant world is connected to the effects of the light the sun sends down, and how plants cannot grow without the specific effects of the sun’s rays. And people can indeed sense that it is not only the plant world that is influenced by what happens on the sun, but that the world of the stars also has an influence. That is indeed where people tend to fall into unbelief. But there was another great, significant mind in a time not so long past who, from a purely scientific standpoint, studied, for example, the influence of the moon on the weather and thus also on the vegetation of the Earth. I am referring to Gustav Theodor Fechner. He did not attempt to determine, from the standpoint of any superstition, but rather from the standpoint of entirely empirical observations, how differently the new moon, how differently the full moon, for example, affects the Earth’s rainfall patterns and so on. There were many people who sought to demonstrate their scientific mindset precisely by mocking Gustav Theodor Fechner and his lunar studies. One who laughed particularly hard was the famous botanist Schleiden, who was of the opinion that it certainly did not depend on the full moon or the new moon whether there was more or less rainfall over a period of fourteen days. Then Gustav Theodor Fechner said—this was at a time when conditions were still somewhat patriarchal compared to today—: Let’s settle the matter indirectly through the women; learned men are all too prone to quarrel. Since conditions were still somewhat patriarchal back then, the two women—Professor Schleiden’s wife and Professor Fechner’s wife—had always set up containers in their courtyard in Leipzig to collect rainwater for laundry, and Gustav Theodor Fechner then suggested that the women should decide the question of which area received the greater amount of rainwater, with Professor Schleiden’s wife always placing her containers in the courtyard during the new moon, while his wife should do so during the full moon. It would then become clear during which period the greater amount of rain fell. And lo and behold, Professor Schleiden’s wife did not agree with her husband at all, for she received the smaller amount of rainwater!

[ 17 ] So war, ich möchte sagen, in ironischer Weise eine Entscheidung geschehen, auf die wir aber jetzt keinen Wert legen wollen. Aber später wird sich ergeben, daß auf die Pflanzenwelt alles, Sonnenlicht und Sonnenwärme und auch die anderen Sterneneinflüsse, sich geltend machen. Das ist jedoch zunächst theoretisches Wissen. Für den Scher aber stellt sich heraus, daß er eine unmittelbare Empfindung hat, wie ihm zusammenwächst, was an Einflüssen von der Erde kommt, und was vom Sternenraume kommt. Er betrachtet es zuletzt als eins, und er fühlt lebendig im Geschehen das Ergießen des Sonnenlichtes über die Vegetation der Erde und wieder das Zurückgehen des Sonnenlichtes. Er fühlt mit, wenn den Pflanzen das Sonnenlicht entzogen wird. Wie man bei einem Kinde, das sehr an der Mutter hängt, mitfühlt, wenn dem Kinde für eine Zeit der Anblick der Mutter entzogen wird, so fühlt der Seher mit, wenn den Pflanzen das Sonnenlicht entzogen wird. Dieses Mitfühlen mit der Pflanzenwelt der Erde ist etwas, was sich für den Seher einstellt, so daß also der Seher, der den Punkt erreicht hat, von dem gestern gesprochen worden ist, sich solche Empfindungen aneignet, wodurch er gleichsam zum «Mitfühler» wird des Verhältnisses zwischen Erdenwachstum, Pflanzenwachstum — und Sonne und Sternen.

[ 17 ] Thus, I might say, a decision had been made in an ironic way, but we do not wish to attach any importance to it now. Later, however, it will become clear that everything—sunlight, solar heat, and the other stellar influences—exerts an effect on the plant world. For now, however, this is merely theoretical knowledge. For the seer, however, it turns out that he has a direct perception of how the influences coming from the Earth and those coming from the starry space merge within him. He ultimately regards them as one, and he feels vividly in the unfolding of events the pouring of sunlight over the Earth’s vegetation and again the receding of the sunlight. He feels it deeply when the plants are deprived of sunlight. Just as one feels sympathy for a child who is very attached to its mother when the child is deprived of the sight of its mother for a time, so the seer feels sympathy when the plants are deprived of sunlight. This empathy with the plant world of the Earth is something that arises for the seer, so that the seer who has reached the point spoken of yesterday acquires such sensations, through which he becomes, as it were, a “sympathizer” with the relationship between Earth growth, plant growth—and the sun and stars.

[ 18 ] Dadurch, daß man dies zu fühlen beginnt, ist man auch geeignet, etwas anderes zu fühlen. Dieses andere kann man fühlen, wenn man von der spirituellen Welt wieder zurückkehrt in die physische Welt, und man zum Beispiel einem schlafenden Menschen oder einem wachenden Menschen gegenübersteht. Auch wenn man sozusagen die Schergabe ausgeschaltet hat und nur die physische Welt sieht mit dem schlafenden Menschen, auch dann kommt das Gefühl, daß dieser Mensch, der da schlafend ist, von etwas verlassen ist. Sehr ähnlich ist dieses Gefühl dem, das man bekommt, wenn zum Beispiel im Herbst die Sonnenstrahlen sich so verändern gegenüber der Vegetation, wie dies eben der Fall ist. Ganz ähnlich stellen sich die Gefühle gegenüber der sonnen- und sternenverlassenen Natur, wie die Gefühle zu dem von seinem Ich und astralischen Leib verlassenen Menschenleib. Und nun erlebt man das Eigentümliche, daß der Mensch in dieser Beziehung unabhängig ist von seinen physischen Himmelsverhältnissen, während das Pflanzenwachstum abhängig ist von den physischen Himmelsverhältnissen.

[ 18 ] The fact that one begins to feel this makes one capable of feeling something else as well. One can feel this other thing when one returns from the spiritual world to the physical world and, for example, finds oneself facing a sleeping person or a person who is awake. Even if one has, so to speak, switched off one’s sense of perception and sees only the physical world with the sleeping person, even then the feeling arises that this person, who is lying there asleep, has been abandoned by something. This feeling is very similar to the one one gets, for example, in the fall when the sun’s rays change in relation to the vegetation, just as is the case here. The feelings toward nature, abandoned by the sun and stars, are quite similar to the feelings toward the human body, abandoned by its ego and astral body. And now one experiences the peculiar fact that, in this respect, the human being is independent of physical celestial conditions, whereas plant growth is dependent on physical celestial conditions.

[ 19 ] Von der Pflanze wissen wir, daß sie nicht in beliebiger Weise, durch ihre eigenen Innenverhältnisse etwa, einschlafen kann: sie muß warten, bis die Sonne am Abend hinuntersinkt, oder sie muß warten, bis der Herbst kommt. Vom Menschen wissen wir, daß er in unserer Zeit, und besonders in unseren Kulturverhältnissen, sich gar nicht mehr nach der Sonne richtet. Wir könnten zum Beispiel gar nicht hier zusammen sein, wenn wir uns ebenso wie die Pflanze nach dem Sonnenstande richten müßten. Beim Menschen ist derselbe Übergang, der bei der Pflanze noch streng geregelt ist durch den Sonnen- und Sternengang, emanzipiert von Sonnen- und Sternengang. Zwar wenn wir hinauskommen in ländliche, ursprüngliche Verhältnisse und gewahr werden, wie nicht nur die Hühner, sondern auch die Menschen auf dem Dorfe zur bestimmten Zeit schlafen gehen und zur bestimmten Zeit aufwachen, so fühlen wir da noch etwas, man möchte sagen, wie pflanzenhaftes Zusammenhängen der Menschen mit dem Gange der Sonne und der Sterne. Aber wir können es nicht anders beurteilen, als daß im Laufe der Menschheitsentwickelung der Mensch sich emanzipiert von dem kosmischen Gang der Ereignisse, daß er mit seinem physischen Leib und Ätherleib in jenen Zustand, in den die Pflanze nur durch den Sonnen- und Sternenstand kommt, aus inneren Verhältnissen heraus kommen kann, ich will nicht sagen aus der inneren Willkür heraus. Der Mensch kann seinen «Nachmittagsschlaf» machen aus seinen eigenen inneren Verhältnissen heraus, das heißt, er kann aus seinem physischen Leib und Ätherleib herauskommen. Die Pflanze kann nicht in einer beliebigen Weise einen Nachmittagsschlaf machen, sie muß sich ganz nach dem Gang der Sterne richten. Der Mensch aber, was ist er denn, wenn er im Bette liegt als physischer Leib und Ätherleib, und heraußen sind sein Ich und sein astralischer Leib? Physischer Leib und Ätherleib haben dann den Wert der Pflanze. Die Pflanze hat physischen Leib und Ätherleib. Wenn wir nun alles, was jetzt gesagt ist, zusammenhalten, so werden Sie sagen: Habe ich eine Pflanze vor mir, dann wächst allmählich die Pflanze zusammen mit Sonnen- und Sternenwelt, wird eins damit. Man muß also die Empfindung hinlenken von der Pflanze zu den Sternenwelten, zur Sonne. Dieselbe Empfindungsrichtung muß man entwickeln von dem schlafenden Menschen, der auch physischer Leib und Ätherleib ist, also vom Werte einer Pflanze ist, zu seinem Ich und astralischen Leib hin, die ganz unabhängig zunächst vom Sonnenstande außer dem physischen Leib und Ätherleib sind, wenn der Mensch schläft, genau wie die physische Sonne außerhalb des physischen Leibes und des Ätherleibes der Pflanze ist.

[ 19 ] We know that a plant cannot fall asleep at will, say, based on its own internal conditions: it must wait until the sun sets in the evening, or it must wait until autumn arrives. We know that humans, in our time and especially in our cultural context, no longer orient themselves by the sun at all. For example, we could not be here together at all if we had to orient ourselves by the position of the sun, just as the plant does. In humans, the same transition—which in plants is still strictly regulated by the movement of the sun and stars—has been emancipated from the movement of the sun and stars. True, when we go out into rural, unspoiled surroundings and notice how not only the chickens but also the people in the village go to sleep at a certain time and wake up at a certain time, we still sense something there—one might say—of a plant-like connection between humans and the course of the sun and the stars. But we cannot judge it otherwise than that, in the course of human development, human beings have emancipated themselves from the cosmic course of events, so that they can enter, with their physical and etheric bodies, into that state into which the plant enters only through the position of the sun and stars—out of inner conditions, I do not wish to say out of inner arbitrariness. Human beings can take their “afternoon nap” out of their own inner circumstances, that is, they can step out of their physical and etheric bodies. The plant cannot take an afternoon nap at will; it must align itself entirely with the course of the stars. But what is a human being when he lies in bed as physical body and etheric body, and outside are his I and his astral body? The physical body and etheric body then have the value of a plant. The plant has a physical body and an etheric body. If we now hold together everything that has been said, you will say: If I have a plant before me, then the plant gradually grows together with the world of the sun and the stars, becoming one with it. One must therefore direct one’s perception from the plant toward the starry worlds, toward the sun. One must develop the same direction of feeling from the sleeping human being—who is also a physical body and an etheric body, and thus has the value of a plant—toward his I and astral body, which, when the human being sleeps, are initially quite independent of the position of the sun and exist outside the physical body and etheric body, just as the physical sun exists outside the physical body and etheric body of the plant.

[ 20 ] Was ich Ihnen jetzt auseinandergesetzt habe, erlebt man als Seher. Wenn man nun, ausgehend von solchen Empfindungen, willkürlich herbeiführt die Selbständigkeit des Ich und astralischen Leibes von physischem Leib und Ätherleib, wenn man es dahin gebracht hat, physischen Leib und Ätherleib willkürlich zu einer Art von Pflanze zu machen dadurch, daß man aus ihnen heraus ist, dann weiß man jetzt etwas ganz Sonderbares. Man weiß etwas, was sich nicht anders aussprechen läßt, als wie etwa die Sonne sprechen würde, wenn sie hinuntersehen würde auf die Pflanzen und sich denselben gegenüber sehen würde. Da könnte sie sagen: Ja, dieser physische Leib und Ätherleib der Pflanzen gehört zu mir; er gehört zu mir, weil erbraucht, was ich ihm zusenden kann! Genau wie die Sonne zur Pflanze, die unten wächst, sprechen würde, so kann das Ich des Menschen zu seinern physischen und Ätherleib sagen: Das gehört zu mir wie die Pflanze zur Sonne; ich bin wie eine Sonne für den physischen Leib und Ätherleib. Sonne für den physischen Leib und Ätherleib, — so lernt der Mensch mit Notwendigkeit sprechen von seinem Ich! Und ebenso wie er sprechen lernt von seinem Ich mit Bezug auf physischen Leib und Ätherleib, wie die Sonne zur Pflanze sprechen würde, so lernt er von seinem astralischen Leib so sprechen, wie der Mond und auch die Planeten zur Pflanze sprechen müßten. Das ist ein ganz besonderes Mysterienerlebnis, ein wichtiges Mysterienerlebnis.

[ 20 ] What I have just explained to you is what a seer experiences. If, starting from such sensations, one arbitrarily brings about the independence of the ego and the astral body from the physical body and the etheric body—if one has managed to turn the physical body and the etheric body into a kind of plant by stepping outside of them—then one now knows something quite extraordinary. One knows something that cannot be expressed any other way than as the sun might speak if it were to look down upon the plants and see them before itself. There it might say: Yes, this physical and etheric body of the plants belongs to me; it belongs to me because it needs what I can send to it! Just as the sun would speak to the plant growing below, so the human ego can say to its physical and etheric bodies: This belongs to me as the plant belongs to the sun; I am like a sun for the physical and etheric bodies. A sun for the physical and etheric bodies—this is how the human being necessarily learns to speak of its ego! And just as he learns to speak of his I in relation to the physical and etheric bodies, as the sun would speak to the plant, so he learns to speak of his astral body in the same way that the moon and also the planets would have to speak to the plant. This is a very special mystery experience, an important mystery experience.

[ 21 ] In der Weise, wie ich es jetzt auseinandergelegt habe, ist dieses Mysterienerlebnis als unmittelbare Erfahrung — als wirkliches Erlebnis — zuerst gepflegt worden in den Mysterien des Zarathustra, und dann über die ganze Weltentwickelung hin bis wieder in die Mysterien des Heiligen Gral. Genannt wurde es immer, dieses Erlebnis, weil es der Mensch, namentlich während der ägyptischen Mysterienzeit, am deutlichsten hatte, wenn er schlafend um die Mitternacht geistig die Sonne schaute und sich mit den Kräften der Sonne so vereint fühlte, wie es jetzt charakterisiert worden ist, genannt wurde es «die Sonne um Mitternacht sehen»: Erleben des Sonnenhaften im eigenen Ich als eine Sonnenkraft, die auf physischen Leib und Ätherleib scheint.

[ 21 ] As I have now explained, this mystical experience—as a direct experience, a genuine experience—was first cultivated in the mysteries of Zarathustra, and then carried through the entire course of world history back to the mysteries of the Holy Grail. This experience was always called “seeing the sun at midnight” because, especially during the time of the Egyptian mysteries, people had it most clearly when, while asleep around midnight, they spiritually beheld the sun and felt united with the forces of the sun in the way that has just been described: Experiencing the solar aspect within one’s own self as a solar force shining upon the physical body and the etheric body.

[ 22 ] Da haben wir jetzt ein Drittes, das allen den verschiedenen Mysterien der Welt gemeinsam war. Gemeinsam war und ist ihnen das «Herandringen bis an die Grenze des Todes», das «Erleben der elementaren Welt» und jetzt das «Schauen der Sonne um Mitternacht». Das ist ein technischer Ausdruck; das entsprechende Erlebnis setzt sich aus dem zusammen, was eben jetzt charakterisiert worden ist. Man muß sich nur klar darüber sein, daß in dem Augenblick, wo man sich also abgesondert fühlt und wie sternenhaft oder sonnenhaft dem eigenen Ätherleib und physischen Leib gegenüber fühlt, man nicht mehr die Sonne und die Sterne nur in ihren physischen Substantialitäten fühlt, sondern daß man die zu ihnen gehörigen geistigen Wesenheiten und Welten kennenlernt. Daß das Erleben des Kosmos ein Erleben in den geistigen Welten ist, darüber muß man sich klar sein.

[ 22 ] Here we have a third element that was common to all the various mysteries of the world. What they had and still have in common is the “pushing to the very limits of death,” the “experiencing of the elemental world,” and now the “beholding of the sun at midnight.” This is a technical term; the corresponding experience consists of what has just been described. One must simply be clear that at the moment when one feels separated and perceives one’s own etheric and physical bodies as if they were stars or the sun, one no longer perceives the sun and the stars merely in their physical substance, but rather comes to know the spiritual beings and worlds associated with them. One must be clear that the experience of the cosmos is an experience in the spiritual worlds.

[ 23 ] Nun ist es wichtig und notwendig, um in regelrechter Weise in die höheren Welten hinaufzuwachsen, um wirklich die Erlebnisse zu haben, welche den spirituellen Realitäten entsprechen, daß man zuerst dasjenige durchmacht, was einen bekannt macht mit dem ganz Andersartigen der spirituellen Welt, als die physische Welt ist. Das lernt man zur Genüge kennen, wenn man die Folgen der Bequemlichkeit, die Folgen der Gewissenlosigkeit für das Erleben der Seele in der Zeit zwischen dem Tode und der neuen Geburt als Scher prüfen und beobachten kann, und noch manches andere. Durch diese Dinge muß der Seher sozusagen seine eigene Seele aufschließen für wesentlich andere Verhältnisse, als es die des physischen Planes sind. Dann erst wird er reif dazu, sich hineinzuleben in den geistigen Kosmos, zu erkennen den inneren Zusammenhang von Ich und astralischem Leib mit dem Kosmos. Alles frühere Theoretisieren ist eigentlich dann ein Spiel mit Worten, wenn der Moment eingetreten ist, der jetzt eben geschildert worden ist, wo man erlebt hat, daß der Mensch in bezug auf die höchsten Glieder seiner Wesenheit nicht nur zur Erde gehört, sondern heimisch ist im ganzen Kosmos. Man weiß dann auch, daß abends beim Einschlafen jeder Mensch, wenn er herausgetreten ist aus physischem Leib und Ätherleib, zusammenwächst mit Kräften, die kosmische Kräfte sind, sich Stärkung sucht aus der ganzen Welt und die Kräfte, die er vom Einschlafen bis zum Aufwachen gesammelt hat, hereinträgt beim Aufwachen in die physische Welt, um sie dort zu verwenden. Den Zusammenhang mit dem Kosmos erlebt man auf einer bestimmten Stufe des Mysterienwesens. Von dieser Stufe wollen wir morgen ausgehen.

[ 23 ] Now, in order to grow upward into the higher worlds in a proper manner—to truly have experiences that correspond to spiritual realities—it is important and necessary to first go through what familiarizes one with the spiritual world, which is entirely different from the physical world. One comes to know this all too well when one can examine and observe the consequences of complacency and the consequences of a lack of conscience for the soul’s experience in the time between death and the new birth as a test, and many other things besides. Through these things, the seer must, so to speak, open up his own soul to conditions that are fundamentally different from those of the physical plane. Only then does he become ready to immerse himself in the spiritual cosmos, to recognize the inner connection of the I and the astral body with the cosmos. All previous theorizing is actually just a play on words once the moment described above has arrived, when one has experienced that, in regard to the highest aspects of his being, the human being not only belongs to the Earth but is at home in the entire cosmos. One then also knows that in the evening, upon falling asleep, every human being, having stepped out of the physical and etheric bodies, merges with forces that are cosmic forces, seeks strength from the entire world, and carries the forces gathered from the moment of falling asleep until waking into the physical world upon awakening, to use them there. One experiences this connection with the cosmos at a certain stage of the mystery path. We shall begin from this stage tomorrow.