Die Mysterien des Morgenlandes und des Christentums
GA 144
4 Februar 1913, Berlin
Zweiter Vortrag
[ 1 ] Das, was gestern hier ausgeführt worden ist, konnte wohl anschaulich machen, wie der Aufstieg in die höheren, in die spirituellen Welten davon abhängig ist, daß der Mensch die inneren Kräfte des Seelenlebens verstärkt, so daß er durch seine Übungen, die er vornimmt zum Zwecke des Hinaufdringens in höhere Welten, Kräfte in der Seele entwickelt, die eben weit über dasjenige hinausgehen, was der Mensch im gewöhnlichen Leben an solchen Seelenkräften braucht. Daß der Mensch eine gewisse Verstärkung seiner Seelenkräfte erlangen muß, um innerlich zu erleben, innerliche Regsamkeit zu entwickeln, das mag schon daraus hervorgehen, daß des Menschen Seele, wenn er im gewöhnlichen Leben unabhängig wird von seinem physischen Leibe, im Schlafe also, sogleich in die Bewußtlosigkeit verfällt. Das heißt, er hat nicht genug Kräfte im normalen Leben, um dann, wenn ihm der physische Leib und der Ätherleib nicht helfen, Bewußtsein, innere Regsamkeit wirklich zu entfalten, wenn er, wie im Schlafe, unabhängig von seinem physischen und Ätherleibe leben soll. In dasjenige, was im gewöhnlichen Schlafe unabhängig wird von physischem Leib und Ätherleib, müssen die Übungen der Meditation, Konzentration, Kontemplation diejenigen Kräfte hineinarbeiten, die zu einer Durchleuchtung mit Bewußtsein für das Ich und den astralischen Leib führen, so daß diese unabhängig vom physischen Leib und Ätherleib zum Erleben, zum Erfahren kommen können. Was da der Mensch an Kräften seiner Seele entwickelt, die stärker sind als die des gewöhnlichen Lebens, ist das, was ihn dazu befähigt, das zu erreichen, was gestern im Verlaufe des Vortrages ausgeführt worden ist: nachdem er sozusagen gegenüber dem Nichts gestanden hat, in eine neue Welt einzutreten, die er dadurch erleben kann, daß er — wie die Spinne ihr Netz aus sich herausspinnt — den geistig substantiellen Gehalt seiner Seele ausgießt in die Weiten und in das, was er da ausgießt, die geistigen Welten aufnimmt, die sich dann vor ihn hinstellen.
[ 2 ] So ist nun der Mensch, nachdem er die gewöhnliche physische sinnliche Welt auf diese Art verlassen hat, durchgegangen durch ein Stehen über einem Abgrund — denn so ist es, wenn man dem Nichts gegenüber sich fühlt — im Gebiete einer neuen Welt. Und er erlebt nun in dieser neuen Welt nicht nur anderes, sondern er erlebt in ganz anderer Weise, in anderer Art, als er in der physisch-sinnlichen Welt erlebt hat. Da können wir ausgehen von einem sehr gewöhnlichen Erlebnis des physischen Planes. Auf dem physischen Plane erscheinen dem Menschen in der Tat wie zwei ganz voneinander getrennte Gebiete des Geschehens die Tatsachen, die den Naturgesetzen unterliegen, und alles, was den Moralgesetzen unterliegt.
[ 3 ] Wenn wir im gewöhnlichen physischen Leben unsere Blicke hinausrichten in das Naturgeschehen, selbst wenn wir hinaufgehen bis ins Tierreich, sind wir uns immer bewußt, daß wir dabei nach Naturgesetzen, nach bloßen Naturgesetzen für das Geschehen fragen, daß wir aber eigentlich keine moralischen Maßstäbe anlegen können. Wir fragen zum Beispiel nicht, warum ein Bergkristall gerade in einer solchen Weise vor uns hintritt, daß wir eine sechsseitige Säule haben, durch zwei sechsseitige Pyramiden abgeschlossen, wir fragen nicht, warum sich diese mineralische Substanz so zusammenfügt, daß diese Kristallgestalt herauskommt. Anders fragen wir nicht, als daß wir ein Naturgesetz zur Antwort haben wollen. Wir fragen nicht: Was hat der Bergkristall Gutes getan, daß er gerade ein Bergkristall geworden ist? Wir fragen nicht: Wie ist der Bergkristall gesinnt? Wir wenden die moralische Gesetzmäßigkeit nicht auf die mineralische Welt an, wir wenden sie auch nicht auf die Pflanzenwelt an, und höchstens in einer etwas übertragenen Weise — und man möchte sagen, nach den Sympathien moderner, darwinistisch gesinnter Leute wenden wir die Moralbegriffe auch auf das Tierreich an. Aber was uns auch beim Tierreich zuerst interessiert, ist die Naturgesetzlichkeit.
[ 4 ] Wenn wir ins Menschenreich hinauf kommen, fühlen wir uns veranlaßt, den Menschen zu beurteilen nach dem Maßstabe des Wohlwollens, der Liebe und dergleichen mehr. Getrennt, wie gesagt, betrachten wir, insofern wir in der physischen Welt stehen, die Tatsachen als eingefangen in das Netz des Naturgeschehens und die menschlichen Handlungen und Seelenverfassungen, denen wir als einen Maßstab auferlegen die Beurteilung nach Moralgesetzen, und wir tun wahrhaftig nicht gut für die Beurteilung des physischen Planes, wenn wir diese beiden Tatsachenreihen durcheinandermischen. Der Mensch gewöhnt sich dann an, indem er auf dem physischen Plane lebt, in dieser zwiefachen Weise die Welt zu beurteilen. Daher ist es nicht ganz leicht, nachdem man sozusagen über den Abgrund des Nichts gesprungen ist, in die spirituelle Welt überzugehen, wo eine ganz andere Beurteilung notwendig ist: wo in der Tat nicht getrennt ist etwas, was man als Naturgesetze ansprechen könnte, ähnlicher Art wie das Naturgeschehen auf dem physischen Plan, von einem bloß moralischen Geschehen, wie es ebenfalls nur auf dem physischen Plane vorhanden ist. Deshalb muß man sich gewöhnen, wenn der Punkt erreicht ist, von dem gestern gesprochen worden ist, das, was geschieht, ähnlich zu beurteilen, wie wir Naturtatsachen beurteilen, aber auch wie wir moralische Tatsachen in der physischen Welt beurteilen. Die moralische Welt und die physische Gesetzmäßigkeit — es sind aber damit jetzt nicht «Gesetzmäßigkeiten» gemeint nach dem Muster der in der physischen Welt vorhandenen Naturgesetzlichkeit —, also die Welt der Naturgesetze und die Welt der moralischen Gesetzmäßigkeit, gehen ineinander, wenn man in diese spirituelle Welt eintritt.
[ 5 ] Das zeigt sich zum Beispiel gleich, wenn man vor sich bekommt das Reich, das der Mensch durchlebt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Der Seher kann dort begegnen — und er wird begegnen, wenn er im Ernste so weit gekommen ist, wie es gestern angedeutet worden ist — denjenigen Seelen, die, nachdem sie durch die Pforte des Todes durchgegangen sind, ihre Entwickelung zwischen dem Tode und einer neuen Geburt durchmachen. Wir lernen dann die Art des Erlebens dieser Scelen kennen, und man muß ganz andere Denkgewohnheiten annehmen, wenn man beurteilen will, was diese Seelen erleben. An einigen Beispielen sei das erläutert.
[ 6 ] Da finden wir Seelen, welche in einer gewissen Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt recht schwere Lebensverhältnisse durchzumachen haben. Zunächst hat man als Seher den Eindruck, daß diese Seelen — eine gewisse Kategorie von Seelen — in der geistigen Welt Diener geworden seien von recht furchtbaren geistigen Wesenheiten, und daß sie sich selber durch ihr Leben vor dem Tode zu dieser Arbeit verurteilt haben, in der sie Diener sind von recht furchtbaren Geistern. Man arbeitet sich als Seher allmählich hinein, das schwere Schicksal dieser Seelen zu verstehen, und zwar auf folgende Weise arbeitet man sich da hinein. Man bildet in sich heran intimer den Gedanken, wie der Mensch in seinem physischen Leben von der Geburt bis zum Tode lebt, wie — das ist oftmals im Verlaufe unserer geisteswissenschaftlichen Vorträge dargestellt worden — durch eine innere Gesetzmäßigkeit des Erlebens der sogenannte naturgemäße oder natürliche Tod herbeigeführt wird, wenn der Mensch sozusagen im Alter seine Lebenskräfte erschöpft hat. Von diesem Tode wollen wir jetzt nicht sprechen. Aber es gibt andere Tode. Es gibt diejenigen Tode, durch die der Mensch in der Blüte seines Lebens durch äußere Unglücksfälle oder durch Krankheiten hingerafft werden kann. Wir sterben nicht alle, nachdem das Maß unseres Lebens erfüllt ist. Die Menschen sterben in jedem Lebensalter, und fragen müssen wir uns: Woher kommen denn die Kräfte, welche diesen Toden in den verschiedenen Lebensaltern zugrunde liegen? Das verstehen wir, daß der Mensch, wenn seines Lebens Maß erfüllt ist, einmal sterben muß. Wie das aus den geistigen Welten heraus sich motiviert, haben wir oft gesehen. Aber alles, was in der physischen Welt geschieht, geschieht durch Einflüsse aus der geistigen Welt. Auch die Tode, die gewissermaßen zur Unzeit eintreten, geschehen durch Einflüsse aus der geistigen Welt; das heißt, sie werden veranstaltet durch Kräfte und Wesenheiten der geistigen Welt.
[ 7 ] Auch noch etwas anderes bemerken wir in der physischen Welt, auf das wir den Blick richten müssen, wenn wir die Zeit zwischen dem Tode und der neuen Geburt verstehen wollen. Da sehen wir die physische Welt durchzogen von Krankheiten, Seuchen, sehen diese physische Welt durchzogen in früheren Zeiten von jenen Seuchen, die ja hinlänglich bekannt sind. Man braucht nur die verheerenden Züge unter der älteren europäischen Bevölkerung durchzugehen, wo die Pest, Cholera und dergleichen hinzog über die Lande. In dieser gegenwärtigen Zeit sind wir in bezug auf solche Dinge — man kann das Wort dafür gebrauchen — noch verhältnismäßig glücklich daran. Allein schon bereiten sich gewisse Epidemien vor, auf die bereits in unseren Vorträgen aufmerksam gemacht worden ist. So sehen wir also den gleichsam zur Unzeit eintretenden Tod über die Erde hinziehen, und so auch sehen wir Krankheiten und Seuchen über die Erde hinziehen. Und der Seher sieht Seelen, die da leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, jenen Geistern helfen, die aus den übersinnlichen Welten in die Sinneswelt die Kräfte tragen, welche Seuchen, Krankheiten bringen, welche sozusagen unzeitige Tode bringen. Es gehört zu den furchtbaren Eindrücken, Menschenseelen in gewissen Zeiten ihres Lebens zwischen dem Tode und einer neuen Geburt wahrzunehmen, die Diener geworden sind der schlimmen Geister von Krankheit und Tod, und die sich selber dazu verurteilt haben, solche Diener der schlimmen Geister von Krankheit und Tod zu werden.
[ 8 ] Versucht man nun das Leben solcher Menschen zurückzugehen bis vor die Zeit, da sie die Pforte des Todes durchschritten haben, dann findet man immer bei denjenigen Menschen, die sich das eben erwähnte Schicksal bereitet haben, daß sie in ihrem Leben auf dem physischen Plan Mangel an Gewissenhaftigkeit, Mangel an Verantwottlichkeitsgefühl gehabt haben. Das ist ein ständiges Gesetz, welches sich dem Seher zeigt, daß Seelen, die durch die Pforte des Todes schreiten, und die vorher gewissenlose Seelenanlagen gehabt haben oder in Gewissenlosigkeit gelebt haben, sich zu einer bestimmten Zeit zwischen dem Tode und der neuen Geburt zu den Dienern machen derer, die mitarbeiten müssen an dem Hereintragen von Seuchen, Krankheiten und unzeitigen Toden in die physisch-sinnliche Welt. Da sehen wir naturgemäßes Geschehen, dem diese Seelen unterliegen, und von dem wir nicht sagen können, es sei, wie eine Kristallisation oder wie der Stoß zweier elastischer Kugeln oder dergleichen, unabhängig von irgendwelchen moralischen Fehlern; sondern an dem, was da geschieht, was diese Seelen uns zeigen, sehen wir, wie sich in den höheren Welten durcheinandermischt dasjenige, was als Naturgesetzmäßigkeit in den höheren Welten wirkt, mit der moralischen Weltordnung. Wie die Dinge in den höheren Welten geschehen, das hängt ab von Wesenheiten, an denen das eine oder das andere geschieht, jenachdem diese sich moralisch in die Welt hineingestellt haben.
[ 9 ] Oder, um ein anderes Beispiel anzuführen, man kann hinschauen auf das, was der Seher lernt, indem er auf eine sehr weit verbreitete Eigenschaft unter den Menschen den Blick richtet: Es ist das, was man bezeichnen kann als Bequemlichkeit, als Behaglichkeitssucht. Bequemlichkeit, Behaglichkeitssucht ist wahrhaftig eine weiter verbreitete Eigenschaft, als man gewöhnlich glaubt. Viel mehr, als man denkt, machen die Menschen aus Bequemlichkeit. Bequem sind die Menschen in ihrem Denken, bequem sind die Menschen in ihrem äußeren Handeln und Gebaren. Und namentlich bequem erscheinen sie, wenn sie irgend etwas ändern sollen in ihrem Denken oder in ihrem Handeln und Gebaren. Wären die Menschen im Innersten ihrer Seele nicht so bequem, so würde es nicht so oft geschehen sein, daß, wenn an sie die Forderung herantrat, in dieser oder jener Sache umzulernen, sie sich dagegen gesträubt haben. Gesträubt haben sie sich, weil es unbequem ist, in bezug auf irgendeine Sache umzulernen. Es war ja unbequem, nachdem man solange gedacht hatte, daß die Erde stille steht und die Sonne und der Sternenhimmel sich um sie herumbewegen, nun plötzlich von der Bewegung der Erde durch Kopernikus zu hören, und umzulernen! Eine unbequeme Sache war das, daß einem so der Boden unter den Füßen — wenigstens theoretisch — wie weggezogen wurde. Und alles, was sich damals gegen diesen neuen Gedanken aufgelehnt hat, war entsprossen aus der Denkbequemlichkeit, aus der Behaglichkeitssucht, weil alles Umlernen unbehaglich ist. Aber man braucht nur das alleralltäglichste Leben zu betrachten, und man wird die «Tugend» — die eigentlich natürlich eine Untugend ist — der Bequemlichkeit weit verbreitet finden. Man hat in der neueren Zeit doch schon ein wenig eine Ahnung bekommen von der ganz ungeheuren Verbreitung der Bequemlichkeit unter der Menschheit. Das mag aus folgendem ersichtlich sein.
[ 10 ] Es gibt viele nationalökonomische Theorien. Ich will über dieselben jetzt nicht sprechen. Aber da gibt es zum Beispiel jene nationalökonomische Theorie, die heute schon vielfach verlassen ist, aber die einmal eine große Rolle gespielt hat, die darauf gebaut ist, daß alle Menschen doch im Grunde genommen frei zu konkurrieren suchen im Austausch der Güter und dergleichen und daß die beste Art, sozial zusammenzuleben, eben die wäre, wenn eine vollständig freie Konkurrenz stattfände. Andere, mehr sozialistische Theorien haben dann Platz gegriffen. In der letzten Zeit haben aber einige Nationalökonomen darauf aufmerksam gemacht, daß man eigentlich mit all diesen Theorien doch nur höchst einseitig vorgehe. Denn was in der Welt im Austausch der Güter, im sozialen Zusammenleben geschieht, das unterliege viel mehr als dem Konkurrenzgesetz oder dem Gesetz, fortschreiten zu wollen, ja, mehr sogar als den Gesetzen des bewußten Egoismus, dem Gesetze der Bequemlichkeit! Also sogar in die Nationalökonomie hält die Erkenntnis von dem Gesetz der Bequemlichkeit den Einzug. Das ist ganz anzuerkennen, daß man sogar auch auf einem solchen Gebiete einmal recht vernünftig wird und auf etwas aufmerksam macht, was da ist, und was man nur übersehen kann, wenn man dem Leben gegenüber eine Vogel-Strauß-Politik spielt.
[ 11 ] Die Bequemlichkeit ist eine allgemeine, weit verbreitete Eigenschaft der Menschen. Und verfolgt man die Seelen, die damit verbunden waren, nach dem Tode, so sieht man, wie sich diese Sucht nach Bequemlichkeit fortsetzt nach dem Tode, und wie der Mensch dann gleichsam eine Provinz durchleben muß, in welcher er sogar eine gewisse Zeit zwischen dem Tode und der neuen Geburt damit zubringen muß, daß er wegen der Bequemlichkeit, als Wirkung dieser Bequemlichkeit, zu einem Diener wird — als Seele — des Gottes oder der Götter der Widerstände, jener Götter, die alle die entsprechenden Widerstände der Entwickelung entgegensetzen. Und das sind wieder die Geister, die unter der Oberherrschaft des Ahriman stehen. Ahriman hat verschiedene Dinge zu tun, unter anderem auch das, daß er aus der spirituellen Welt die Kräfte in die physische Welt hereinleitet, welche im physischen Leben die Widerstände hervorrufen. So sind die Menschen auf der einen Seite bequem, aber auf der anderen Seite stellt sich das Leben der bequemen Menschen auch so heraus, daß man, wenn man so etwas tun will, wieder an ein allgemeines Weltengesetz stößt. Die Widerstände sind überall da, wenn sie auch nicht in der grotesken Form da sind, in der sie einmal ein deutscher Dichter und Ästhetiker geschildert hat. Sie sind aber da in der allertragischsten Form. Ein deutscher Dichter hat sie geschildert als die sogenannte «Tücke des Objekts». Diese «Tücke des Objekts» tritt zum Beispiel besonders hervor, wenn ein Prediger auf der Kanzel steht und eine ungeheuer lange Tirade zu sprechen hat; da setzt sich ihm eine Fliege auf die Nase — und er muß furchtbar niesen. Das ist die «Tücke des Objekts». Aber eigentlich tritt sie erst recht dann hervor, wenn Menschen, die in dieser Beziehung Unglücksmenschen sind, auf Schritt und Tritt dieser «Tücke des Objekts» ausgesetzt sind. Friedrich Theodor Vischer hat ja einmal einen Roman geschrieben, wo jemand fortwährend dieser «Tücke des Objekts» ausgesetzt ist.
[ 12 ] Diese Dinge gehen aber in Wirklichkeit von der grotesken Form bis zu dem Tragischen hinauf. Alle Widerstände aber werden dirigiert aus der geistigen Welt, und der Herr der Widerstände ist eben Ahriman. Und dadurch, daß die Seelen Bequemlinge sind, machen sie . sich für eine gewisse Zeit zwischen dem Tode und der neuen Geburt zu Dienern des Ahriman. Es ist im ganzen nicht so furchtbar, die Strafen des bequemen Lebens anzusehen, als wenn die Seelen leben müssen in dem Gedrücktsein unter die Geister von Krankheit und Tod. Aber es gibt immerhin einen Begriff, wie Moral und Naturgesetzmäßigkeit sich untereinander vermischen, sobald wir in die höheren Welten hinaufkommen.
[ 13 ] Das sind solche Erlebnisse, die man durchmacht, wenn man an den Punkt gekommen ist, der gestern geschildert worden ist. Und man muß diese Erlebnisse durchmachen, damit man andere, notwendige Verhältnisse auch erleben kann — wir werden schon sehen, warum notwendig —, damit man eben weiterkommt in bezug auf das höhere Erleben. Die Sache des Hinaufsteigens in die höheren Welten ist ja nicht so, daß man sagt: Du beginnst heute deinen Aufstieg in die höheren Welten, und dann geht es stufenweise hinauf -, sondern das geht für den, der ein Eingeweihter werden will, sozusagen unvermerkt für das äußere Geschehen zwischen den Handlungen und Tatsachen des äußeren Lebens vor sich. Man kommt also zwar stückweise hinauf in die höheren Welten, aber es ist so, daß man aus diesem Drinnenstehen in den höheren Welten wieder heraustritt und in der gewöhnlichen Welt lebt. Aber man trägt aus dem Erleben in den geistigen Welten dann etwas mit hinein in die physische Welt. Man sieht sich, wenn man ein Eingeweihter geworden ist, dann, trotzdem man ein Eingeweihter geworden ist, in der physischen Welt herumgehen, mit anderen Gefühlen und Empfindungen behaftet, als man behaftet ist, wenn man kein Seher ist.
[ 14 ] Es muß nur durch die Trainierung dafür gesorgt werden — und es wird auch bei einer richtigen Schulung dafür gesorgt —, daß man nicht für das gewöhnliche Leben beirrt wird durch die Änderung der Empfindungen und Gefühle. Das muß ja erreicht werden, daß man, wenn man ein Seher ist, eben nur für die höheren Welten ein Seher ist, und daß man das, was man als Charakter, als Seelenstimmung haben muß für die höheren Welten, ja nicht in die gewöhnliche physische Welt hineinträgt. In keiner Weise sollte man das. Man sollte Seher werden können, und in der gewöhnlichen physischen Welt ein ganz vernünftiger Mensch sein, wie ein anderer auch. Daher taugen für die Ausbildung des Seherwesens am wenigsten solche Leute, die von vornherein zur Schwärmerei veranlagt sind. Schwärmer, abstrakte Idealisten, die sozusagen in der physischen Welt schon dasjenige erleben, was ja in der geistigen Welt seine gute Berechtigung hat, also Leute, die schon in der physischen Welt «das Gras wachsen hören», die überall sozusagen schon wahrnehmen, was eben nur der Schwärmer wahrnimmt, was nicht die nüchterne, auf das Reale hingeneigte Natur wahrnimmt, Menschen, die sich leicht etwas vormachen — es gibt viel mehr Menschen von dieser Sorte, als man gewöhnlich meint —, taugen nicht für die Ausbildung des Sehergeistes. Menschen, die mit beiden Füßen in der Wirklichkeit stehen, die von der Wirklichkeit auch etwas verstehen und die Dinge so beurteilen, wie sie sind, die taugen am besten auch für die Ausbildung des Sehergeistes. Damit ist schon angedeutet, wie man seine Gefühle und Empfindungen, die schon einmal für die physische Welt notwendig sind, nicht beirren lassen darf durch das, was man sich aneignet für den Aufstieg in die höheren Welten.
[ 15 ] Also ganz bestimmte Gefühle und Empfindungen bleiben einem schon, die man, wenn man ein Seher geworden ist, sich gegenüber hat. Man ist gewissermaßen auch für die physische Welt ein anderer . Mensch geworden. Aber man muß, damit einen das nicht schädigt, gewissermaßen diese neuen Gefühle und Empfindungen auch auf Dinge anwenden in der äußeren physischen Welt, die man früher gar nicht berücksichtigt hat, auf die man früher gar nicht aufmerksam gewesen ist. Dann wird man, wenn man Seher geworden ist und gewisse Gefühle und Empfindungen in sich herangezüchtet hat, seine Verhältnisse zur Natur nach und nach — nicht im schlimmen, sondern gerade im guten Sinne — etwas verändert finden. Man wird sich in anderer Weise zum Beispiel der Pflanzenwelt, dem sich ausbreitenden Pflanzenteppich der Erde gegenüber fühlen, als man sich früher ihm gegenüber gefühlt hat. Man hat früher die Pflanzen angeschaut, war entzückt über ihr Grünen, war entzückt über die Blütenfülle und Blütenfärbung, über alles, was einem die Pflanzenwelt eben darbot, insofern sie aus der Erde herauswächst und das Auge und vielleicht auch andere Sinne entzückt. Denken wir nicht an irgendeinen Nüchterling in dieser Beziehung, sondern an einen Menschen, der wirklich genießen kann in vollen Zügen, was die Schönheit der Pflanzendecke der Erde in der Seele bewirken kann; und denken wir nicht daran, daß irgend jemand, der Seher geworden ist, auch nur im geringsten Maße etwas einbüßen müßte von den Gefühlen, die er vorher der Pflanzendecke der Erde gegenüber gehabt hat. Aber etwas anderes entsteht in ihm. Es entsteht das Gefühl, wenn er sich nun der Pflanzenwelt gegenüber sieht, einer gewissen innigen Verwandtschaft der Pflanzenwelt mit dem, was außerhalb der Pflanzenwelt in der Natur ist: mit der Sonne, auch mit dem Mond und mit der anderen Sternenwelt. Es wächst ihm gewissermaßen für sein Empfinden, für sein Anschauen zusammen, was da als grüner Pflanzenteppich sich ausbreitet, mit dem, was im Weltall ist.
[ 16 ] Abstrakt machen sich ja die Menschen heute genügende Vorstellungen von dem, was hier gemeint ist. Jeder Mensch weiß heute, wenn er nur ein bißchen gelernt hat, wie die Pflanzendecke zusammenhängt mit dem Wirken des Lichtes, welches die Sonne herabsendet, wie die Pflanzen nicht wachsen können ohne die bestimmten Wirkungen der Sonnenstrahlen. Und etwas ahnen können ja die Menschen, daß nicht nur auf die Pflanzenwelt dasjenige einen Einfluß hat, was auf der Sonne vorgeht, sondern daß auch die Sternenwelt einen Einfluß hat. Da wird es ja allerdings so, daß da schon die Menschen ins Ungläubige hineinfallen. Aber es gab noch einen großen, bedeutenden Geist in einer Zeit, die noch gar nicht so weit hinter uns liegt, der sich ganz naturwissenschaftlich zum Beispiel beschäftigte mit dem Einfluß des Mondes auf die Witterung und damit auch auf die Vegetation der Erde. Ich meine Gustav Theodor Fechner. Er hat nicht vom Standpunkte irgendeines Aberglaubens, sondern vom Standpunkte ganz empirischer Beobachtungen festzustellen versucht, wie anders der Neumond, wie anders der Vollmond zum Beispiel auf die Regenverhältnisse der Erde wirkt und so weiter. Es hat viele Leute gegeben, die gerade dadurch ihre naturwissenschaftliche Gesinnung dokumentieren wollten, daß sie Gustav Theodor Fechner mit seinen Monduntersuchungen auslachten. Einer, der besonders stark lachte, war der berühmte Botaniker Schleiden, der der Meinung war, daß es gewiß nicht vom Vollmond und vom Neumond abhänge, ob einmal durch vierzehn Tage hindurch mehr oder weniger Regenmenge sei. Da sagte Gustav 'Theodor Fechner — es war das in einer Zeit, da noch gegenüber den heutigen etwas patriarchalische Verhältnisse waren —: Wir wollen einmal die Sache auf dem Umwege durch die Frauen entscheiden; die gelehrten Männer kommen sehr leicht in Streit. Da eben damals noch etwas patriarchalische Verhältnisse waren, so hatten die beiden Frauen, die Frau Professor Schleiden und die Frau Professor Fechner, in ihrem Hofe in Leipzig immer die Gefäße aufgestellt, um das Regenwasser für die Wäsche aufzufangen, und Gustav Theodor Fechner machte nun den Vorschlag, daß einmal die Frauen über die Frage nach der größeren Regenwassermenge entscheiden sollten, indem die Frau Professor Schleiden immer zur Neumondzeit, seine Frau dagegen immer zur Vollmondzeit ihre Geschirre auf den Hof herausstellen sollte. Es würde sich dann schon zeigen, in welchem Zeitraum die größere Regenmenge fiele. Und siehe da, die Frau Professor Schleiden war gar nicht mit ihrem Gemahl einverstanden, denn sie bekam die geringere Regenwassermenge!
[ 17 ] So war, ich möchte sagen, in ironischer Weise eine Entscheidung geschehen, auf die wir aber jetzt keinen Wert legen wollen. Aber später wird sich ergeben, daß auf die Pflanzenwelt alles, Sonnenlicht und Sonnenwärme und auch die anderen Sterneneinflüsse, sich geltend machen. Das ist jedoch zunächst theoretisches Wissen. Für den Scher aber stellt sich heraus, daß er eine unmittelbare Empfindung hat, wie ihm zusammenwächst, was an Einflüssen von der Erde kommt, und was vom Sternenraume kommt. Er betrachtet es zuletzt als eins, und er fühlt lebendig im Geschehen das Ergießen des Sonnenlichtes über die Vegetation der Erde und wieder das Zurückgehen des Sonnenlichtes. Er fühlt mit, wenn den Pflanzen das Sonnenlicht entzogen wird. Wie man bei einem Kinde, das sehr an der Mutter hängt, mitfühlt, wenn dem Kinde für eine Zeit der Anblick der Mutter entzogen wird, so fühlt der Seher mit, wenn den Pflanzen das Sonnenlicht entzogen wird. Dieses Mitfühlen mit der Pflanzenwelt der Erde ist etwas, was sich für den Seher einstellt, so daß also der Seher, der den Punkt erreicht hat, von dem gestern gesprochen worden ist, sich solche Empfindungen aneignet, wodurch er gleichsam zum «Mitfühler» wird des Verhältnisses zwischen Erdenwachstum, Pflanzenwachstum — und Sonne und Sternen.
[ 18 ] Dadurch, daß man dies zu fühlen beginnt, ist man auch geeignet, etwas anderes zu fühlen. Dieses andere kann man fühlen, wenn man von der spirituellen Welt wieder zurückkehrt in die physische Welt, und man zum Beispiel einem schlafenden Menschen oder einem wachenden Menschen gegenübersteht. Auch wenn man sozusagen die Schergabe ausgeschaltet hat und nur die physische Welt sieht mit dem schlafenden Menschen, auch dann kommt das Gefühl, daß dieser Mensch, der da schlafend ist, von etwas verlassen ist. Sehr ähnlich ist dieses Gefühl dem, das man bekommt, wenn zum Beispiel im Herbst die Sonnenstrahlen sich so verändern gegenüber der Vegetation, wie dies eben der Fall ist. Ganz ähnlich stellen sich die Gefühle gegenüber der sonnen- und sternenverlassenen Natur, wie die Gefühle zu dem von seinem Ich und astralischen Leib verlassenen Menschenleib. Und nun erlebt man das Eigentümliche, daß der Mensch in dieser Beziehung unabhängig ist von seinen physischen Himmelsverhältnissen, während das Pflanzenwachstum abhängig ist von den physischen Himmelsverhältnissen.
[ 19 ] Von der Pflanze wissen wir, daß sie nicht in beliebiger Weise, durch ihre eigenen Innenverhältnisse etwa, einschlafen kann: sie muß warten, bis die Sonne am Abend hinuntersinkt, oder sie muß warten, bis der Herbst kommt. Vom Menschen wissen wir, daß er in unserer Zeit, und besonders in unseren Kulturverhältnissen, sich gar nicht mehr nach der Sonne richtet. Wir könnten zum Beispiel gar nicht hier zusammen sein, wenn wir uns ebenso wie die Pflanze nach dem Sonnenstande richten müßten. Beim Menschen ist derselbe Übergang, der bei der Pflanze noch streng geregelt ist durch den Sonnen- und Sternengang, emanzipiert von Sonnen- und Sternengang. Zwar wenn wir hinauskommen in ländliche, ursprüngliche Verhältnisse und gewahr werden, wie nicht nur die Hühner, sondern auch die Menschen auf dem Dorfe zur bestimmten Zeit schlafen gehen und zur bestimmten Zeit aufwachen, so fühlen wir da noch etwas, man möchte sagen, wie pflanzenhaftes Zusammenhängen der Menschen mit dem Gange der Sonne und der Sterne. Aber wir können es nicht anders beurteilen, als daß im Laufe der Menschheitsentwickelung der Mensch sich emanzipiert von dem kosmischen Gang der Ereignisse, daß er mit seinem physischen Leib und Ätherleib in jenen Zustand, in den die Pflanze nur durch den Sonnen- und Sternenstand kommt, aus inneren Verhältnissen heraus kommen kann, ich will nicht sagen aus der inneren Willkür heraus. Der Mensch kann seinen «Nachmittagsschlaf» machen aus seinen eigenen inneren Verhältnissen heraus, das heißt, er kann aus seinem physischen Leib und Ätherleib herauskommen. Die Pflanze kann nicht in einer beliebigen Weise einen Nachmittagsschlaf machen, sie muß sich ganz nach dem Gang der Sterne richten. Der Mensch aber, was ist er denn, wenn er im Bette liegt als physischer Leib und Ätherleib, und heraußen sind sein Ich und sein astralischer Leib? Physischer Leib und Ätherleib haben dann den Wert der Pflanze. Die Pflanze hat physischen Leib und Ätherleib. Wenn wir nun alles, was jetzt gesagt ist, zusammenhalten, so werden Sie sagen: Habe ich eine Pflanze vor mir, dann wächst allmählich die Pflanze zusammen mit Sonnen- und Sternenwelt, wird eins damit. Man muß also die Empfindung hinlenken von der Pflanze zu den Sternenwelten, zur Sonne. Dieselbe Empfindungsrichtung muß man entwickeln von dem schlafenden Menschen, der auch physischer Leib und Ätherleib ist, also vom Werte einer Pflanze ist, zu seinem Ich und astralischen Leib hin, die ganz unabhängig zunächst vom Sonnenstande außer dem physischen Leib und Ätherleib sind, wenn der Mensch schläft, genau wie die physische Sonne außerhalb des physischen Leibes und des Ätherleibes der Pflanze ist.
[ 20 ] Was ich Ihnen jetzt auseinandergesetzt habe, erlebt man als Seher. Wenn man nun, ausgehend von solchen Empfindungen, willkürlich herbeiführt die Selbständigkeit des Ich und astralischen Leibes von physischem Leib und Ätherleib, wenn man es dahin gebracht hat, physischen Leib und Ätherleib willkürlich zu einer Art von Pflanze zu machen dadurch, daß man aus ihnen heraus ist, dann weiß man jetzt etwas ganz Sonderbares. Man weiß etwas, was sich nicht anders aussprechen läßt, als wie etwa die Sonne sprechen würde, wenn sie hinuntersehen würde auf die Pflanzen und sich denselben gegenüber sehen würde. Da könnte sie sagen: Ja, dieser physische Leib und Ätherleib der Pflanzen gehört zu mir; er gehört zu mir, weil erbraucht, was ich ihm zusenden kann! Genau wie die Sonne zur Pflanze, die unten wächst, sprechen würde, so kann das Ich des Menschen zu seinern physischen und Ätherleib sagen: Das gehört zu mir wie die Pflanze zur Sonne; ich bin wie eine Sonne für den physischen Leib und Ätherleib. Sonne für den physischen Leib und Ätherleib, — so lernt der Mensch mit Notwendigkeit sprechen von seinem Ich! Und ebenso wie er sprechen lernt von seinem Ich mit Bezug auf physischen Leib und Ätherleib, wie die Sonne zur Pflanze sprechen würde, so lernt er von seinem astralischen Leib so sprechen, wie der Mond und auch die Planeten zur Pflanze sprechen müßten. Das ist ein ganz besonderes Mysterienerlebnis, ein wichtiges Mysterienerlebnis.
[ 21 ] In der Weise, wie ich es jetzt auseinandergelegt habe, ist dieses Mysterienerlebnis als unmittelbare Erfahrung — als wirkliches Erlebnis — zuerst gepflegt worden in den Mysterien des Zarathustra, und dann über die ganze Weltentwickelung hin bis wieder in die Mysterien des Heiligen Gral. Genannt wurde es immer, dieses Erlebnis, weil es der Mensch, namentlich während der ägyptischen Mysterienzeit, am deutlichsten hatte, wenn er schlafend um die Mitternacht geistig die Sonne schaute und sich mit den Kräften der Sonne so vereint fühlte, wie es jetzt charakterisiert worden ist, genannt wurde es «die Sonne um Mitternacht sehen»: Erleben des Sonnenhaften im eigenen Ich als eine Sonnenkraft, die auf physischen Leib und Ätherleib scheint.
[ 22 ] Da haben wir jetzt ein Drittes, das allen den verschiedenen Mysterien der Welt gemeinsam war. Gemeinsam war und ist ihnen das «Herandringen bis an die Grenze des Todes», das «Erleben der elementaren Welt» und jetzt das «Schauen der Sonne um Mitternacht». Das ist ein technischer Ausdruck; das entsprechende Erlebnis setzt sich aus dem zusammen, was eben jetzt charakterisiert worden ist. Man muß sich nur klar darüber sein, daß in dem Augenblick, wo man sich also abgesondert fühlt und wie sternenhaft oder sonnenhaft dem eigenen Ätherleib und physischen Leib gegenüber fühlt, man nicht mehr die Sonne und die Sterne nur in ihren physischen Substantialitäten fühlt, sondern daß man die zu ihnen gehörigen geistigen Wesenheiten und Welten kennenlernt. Daß das Erleben des Kosmos ein Erleben in den geistigen Welten ist, darüber muß man sich klar sein.
[ 23 ] Nun ist es wichtig und notwendig, um in regelrechter Weise in die höheren Welten hinaufzuwachsen, um wirklich die Erlebnisse zu haben, welche den spirituellen Realitäten entsprechen, daß man zuerst dasjenige durchmacht, was einen bekannt macht mit dem ganz Andersartigen der spirituellen Welt, als die physische Welt ist. Das lernt man zur Genüge kennen, wenn man die Folgen der Bequemlichkeit, die Folgen der Gewissenlosigkeit für das Erleben der Seele in der Zeit zwischen dem Tode und der neuen Geburt als Scher prüfen und beobachten kann, und noch manches andere. Durch diese Dinge muß der Seher sozusagen seine eigene Seele aufschließen für wesentlich andere Verhältnisse, als es die des physischen Planes sind. Dann erst wird er reif dazu, sich hineinzuleben in den geistigen Kosmos, zu erkennen den inneren Zusammenhang von Ich und astralischem Leib mit dem Kosmos. Alles frühere Theoretisieren ist eigentlich dann ein Spiel mit Worten, wenn der Moment eingetreten ist, der jetzt eben geschildert worden ist, wo man erlebt hat, daß der Mensch in bezug auf die höchsten Glieder seiner Wesenheit nicht nur zur Erde gehört, sondern heimisch ist im ganzen Kosmos. Man weiß dann auch, daß abends beim Einschlafen jeder Mensch, wenn er herausgetreten ist aus physischem Leib und Ätherleib, zusammenwächst mit Kräften, die kosmische Kräfte sind, sich Stärkung sucht aus der ganzen Welt und die Kräfte, die er vom Einschlafen bis zum Aufwachen gesammelt hat, hereinträgt beim Aufwachen in die physische Welt, um sie dort zu verwenden. Den Zusammenhang mit dem Kosmos erlebt man auf einer bestimmten Stufe des Mysterienwesens. Von dieser Stufe wollen wir morgen ausgehen.
