The Mysteries of the Orient and Christianity
GA 144
5 February 1913, Berlin
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The Mysteries of the Orient and Christianity, tr. SOL
Dritter Vortrag
Third Lecture
[ 1 ] Wenn der gegenwärtige Mensch, der Mensch unserer Zeit, eine solche okkulte Schulung durchmacht, die ihn zu Erlebnissen führt, wie sie in den beiden ersten Vorträgen angedeutet sind, so kommt er dadurch in die geistigen Welten hinauf. Er erlebt dann tatsächlich in den geistigen Welten gewisse Tatsachen und begegnet gewissen Wesenheiten. Der Ausdruck, der gestern gebraucht worden ist, «Schauen der Sonne um Mitternacht», ist im Grunde genommen auch nur der Ausdruck für spirituelle Tatsachen und die Begegnung mit spirituellen Wesenheiten, die mit dem Sonnensein im Zusammenhange stehen. Nun macht aber dieser Mensch unseres Zeitenzyklus, wenn er so in die höheren Welten hinaufkommt, gewisse Erlebnisse durch, die man nicht anders bezeichnen kann als dadurch, daß man sagt: Es erlebt der Mensch Vieles, Bedeutsames innerhalb der geistigen Welten durch einen solchen Aufstieg; aber er erlebt auch etwas, das man so bezeichnen muß, daß man sagt: er fühlt sich wie verlassen, verlassen und einsam. Er fühlt sich so, daß er sein Erleben etwa in die Worte fassen kann: Vieles, vieles schaust du hier; aber gerade dasjenige, wonach du dich jetzt, nachdem du alle diese Dinge durchgemacht hast, am allermeisten sehnen mußt, das kannst du nicht erleben. — Und alle die Wesenheiten, denen man nach einem solchen Aufstieg begegnet, die möchte man dann fragen nach gewissen Geheimnissen, nach denen man sich sehnen muß. Dies Gefühl hat man. Aber alle diese Wesenheiten, die einem vieles enthüllen, das groß und gewaltig ist, bleiben stumm und schweigsam gerade dann, wenn man sich bei ihnen erkundigen will nach eben denjenigen Geheimnissen, die man nach allem nunmehr als wichtigste empfinden muß. Daher muß man sagen: Der Mensch der Gegenwart fühlt Schmerzlichstes, wenn er so hinaufgestiegen ist in die höheren Welten, fühlt trotz allen Glanzes, trotz aller Begegnung mit den hehren Wesenheiten eine ungeheure Leerheit in seinem Innern. Und wenn nichts anderes eintreten würde, so müßte eigentlich bei einem längeren Erleben dieser Leerheit, dieser Einsamkeit, dieser Verlassenheit in den höheren Welten endlich doch eine Art von Verzweiflung über die Seele kommen.
[ 1 ] When the modern human being, the human being of our time, undergoes such occult training that leads him to experiences such as those hinted at in the first two lectures, he thereby ascends into the spiritual worlds. He then actually experiences certain realities in the spiritual worlds and encounters certain beings. The expression used yesterday, “beholding the sun at midnight,” is essentially just an expression for spiritual realities and the encounter with spiritual beings connected to the nature of the sun. Now, however, this human being of our present age, when he ascends in this way into the higher worlds, undergoes certain experiences that can be described only by saying: Through such an ascent, the human being experiences many significant things within the spiritual worlds; but he also experiences something that must be described by saying: he feels as if he were forsaken, abandoned, and lonely. They feel in such a way that they can express their experience in words like this: You see many, many things here; but precisely that which you must now, after having gone through all these things, long for most of all, that you cannot experience. — And all the beings one encounters after such an ascent—one would then like to ask them about certain mysteries for which one must yearn. One has this feeling. But all these beings, who reveal to one much that is great and mighty, remain silent and reticent precisely when one wishes to inquire of them about those very mysteries that, after all, one must now regard as the most important. Therefore, one must say: The human being of the present feels the most painful sorrow when he has ascended in this way into the higher worlds; despite all the splendor, despite all encounters with the noble beings, he feels an immense emptiness within himself. And if nothing else were to happen, a prolonged experience of this emptiness, this loneliness, this desolation in the higher worlds would ultimately lead to a kind of despair settling upon the soul.
[ 2 ] Da kann nun etwas eintreten — und wird in der Regel eintreten, wenn nach den echten Regeln der Initiation der Aufstieg unternommen worden ist —, was vor dieser Verzweiflung zunächst schützen kann, wenn auch nicht dauernd schützen kann. Was da eintreten kann, ist so etwas wie eine Erinnerung, die in die Seele hereinkommt, oder man könnte auch sagen ein Zurückschauen in ferne Zeiten der Vergangenheit, eine Art von Lesen in der Akasha-Chronik von solchen Dingen, die längst vergangen sind. Und was man da erlebt man kann ja diese Dinge nicht anders charakterisieren, als daß man die Erlebnisse in Worte zu kleiden sucht, welche sich annähernd mit diesen Erlebnissen decken —, möchte man in folgende Worte kleiden: Wenn du jetzt als gegenwärtiger Mensch aufsteigst in diese höheren Welten, so trifft dich Verzweiflung, Verlassenheit. Aber da zeigen dir Bilder gewisse Vorgänge, die längst vergangen sind, Vorgänge, die darin bestehen, daß in vergangenen Zeiten andere Menschen aufgestiegen sind in die Welten, in welche du jetzt aufsteigen willst. Ja, du kannst wohl auch aus dem, was du jetzt da wie erinnernd schaust, erkennen, daß deine eigene Seele einmal beteiligt war in früheren Inkarnationen an dem, was diese Menschen, die damals in die höheren Welten aufgestiegen sind, erlebt haben. Es könnte sich ja herausstellen, daß die Seele eines Menschen der Gegenwart das, was sie da schaut in längst vergangenen Zeiten, als eigene Erlebnisse schaut, die einmal in längst vergangenen Zeiten durchgemacht worden sind. Dann wäre eine solche Seele in längst vergangener Zeit eben ein Eingeweihter gewesen. Wenn dies nicht der Fall ist, so wird sie nur wissen, daß sie in Verbindung gestanden ist mit solchen, die als Initiierte in längst vergangenen Zeiten in die höheren Welten aufgestiegen sind, daß sie sich aber jetzt einsam und verlassen fühlt, während jene einstmals initiierten Seelen sich in denselben Welten nicht einsam und nicht verlassen fühlten, sondern Seligkeit, innerste Seligkeit in diesen Welten empfanden. Das kam davon her — so erkennt man weiter —, daß in jenen alten Zeiten die Seelen eben anders geartet waren, und daß sie wegen der anders gearteten Anlagen das, was da geschaut wird in den höheren Welten, anders erlebten. Was wird da eigentlich erlebt ?
[ 2 ] Something may now occur—and will generally occur if the ascent has been undertaken according to the true rules of initiation—that can initially protect one from this despair, even if it cannot provide lasting protection. What can occur is something like a memory entering the soul, or one might also say a looking back into distant times of the past, a kind of reading in the Akashic Records of such things that are long past. And what one experiences there—one cannot characterize these things any other way than by attempting to clothe the experiences in words that approximate them—one might express as follows: When you, as a present-day human being, ascend into these higher worlds, you are met with despair and abandonment. But there images show you certain events that are long past, events consisting of the fact that in times past other human beings ascended into the worlds into which you now wish to ascend. Indeed, you can probably also recognize from what you now behold as if in memory that your own soul was once involved, in earlier incarnations, in what these people—who ascended into the higher worlds back then—experienced. It might well turn out that the soul of a person of the present perceives what it sees there—from times long past—as its own experiences, which were once lived through in times long past. Then such a soul would have been an initiate in times long past. If this is not the case, then it will only know that it was connected to those who, as initiates in times long past, ascended into the higher worlds, but that it now feels lonely and forsaken, whereas those once-initiated souls did not feel lonely or forsaken in those same worlds, but rather experienced bliss, the innermost bliss in those worlds. This was due—as one further recognizes—to the fact that in those ancient times the souls were of a different nature, and that because of their different dispositions, they experienced what is beheld in the higher worlds differently. What is actually experienced there?
[ 3 ] Was da erlebt wird, bringt einem allerdings Wesenheiten der höheren Welten vor die Seele, die aus der übersinnlichen Welt heraus an der Sinneswelt wirken. Wesenheiten, die hinter unserer Sinneswelt stehen, man schaut sie; Verhältnisse, wie sie gestern geschildert worden sind, man schaut sie allerdings. Aber wenn man alles dies zusammmenzufassen versucht, was man schaut, so kann man das etwa in folgender Art charakterisieren: Man fühlt sich da in den höheren Welten und schaut gewissermaßen hinunter in die Sinneswelt. Man fühlt sich etwa vereinigt mit Geistern, die dutch die Pforte des Todes gegangen sind, und schaut auch mit ihnen hinunter, wie sie dann wieder die Kräfte gebrauchen werden, um zu einem physischen Dasein zu kommen. Man blickt hinunter und sieht, wie aus den übersinnlichen Welten die Kräfte heruntergeschickt werden, um in den verschiedenen Reichen der Natur in der Sinneswelt die Vorgänge zu bewirken. Den ganzen Strom der Tatsachen, die zubereitet werden aus den höheren Welten heraus in die Sinneswelt hinein, schaut man. Man schaut, da man bei einem solchen Verweilen in den höheren Welten außerhalb des physischen Leibes und des Ätherleibes ist, hinunter auf seinen physischen Leib und Ätherleib, und man schaut dann auch diejenigen Kräfte im Kosmos, im ganzen geistigen Universum, welche da arbeiten am physischen Leib und Ätherleib des Menschen. Und durch das, was die Wesen tun, in deren Gemeinschaft man gekommen ist, lernt man verstehen, wie innerhalb der physischen Welt physische und ätherische Leiber zustande kommen. Recht genau lernt man das erkennen. Man lernt erkennen, wie gewisse Wesenheiten, die zum Beispiel mit der Sonne verknüpft sind, hinunterwirken in die Erdenwelt und an dem Zustandebringen des physischen und des Ätherleibes des Menschen arbeiten. Man lernt auch gewisse Wesenheiten kennen, die mit dem Mondendasein verknüpft sind, und die aus dem Kosmos herunterwirken, um ebenso an dem Zustandekommen der physischen und Ätherleiber der Menschen mitzuwirken.
[ 3 ] What is experienced there, however, brings before one’s soul beings from the higher worlds who act upon the sensory world from the supersensible realm. Beings that stand behind our sensory world—one sees them; conditions such as those described yesterday—one certainly sees them. But if one tries to summarize all that one sees, one can characterize it roughly as follows: One feels oneself to be in the higher worlds and, as it were, looks down into the sensory world. One feels, as it were, united with spirits who have passed through the gate of death, and looks down with them to see how they will then use their powers again to come into a physical existence. One looks down and sees how forces are sent down from the supersensible worlds to bring about the processes in the various realms of nature within the sensory world. One beholds the entire stream of events that are prepared from the higher worlds and directed into the sensory world. Since, during such a sojourn in the higher worlds, one is outside the physical body and the etheric body, one looks down upon one’s physical body and etheric body, and one then also observes those forces in the cosmos, in the entire spiritual universe, that are at work upon the human physical body and etheric body. And through what the beings do, in whose company one has come, one learns to understand how physical and etheric bodies come into being within the physical world. One learns to recognize this quite precisely. One learns to recognize how certain beings, who are connected, for example, with the Sun, work down into the earthly world and are active in the formation of the human physical and etheric bodies. One also comes to know certain beings associated with the lunar realm who work down from the cosmos to contribute in the same way to the formation of the physical and etheric bodies of human beings.
[ 4 ] Dann aber kommt die große Sehnsucht, eine Sehnsucht, die ungeheuer wird für den gegenwärtigen Menschen. Das ist die Sehnsucht, etwas darüber zu erfahren, wie der astralische Leib und das Ich selber aus dem Kosmos herausgeboren sind, wie diese zustande kommen. Während man genau schauen kann, wie physischer Leib und Ätherleib aus den Kräften des Kosmos heraus zustande kommen, bleibt einem alles verschlossen, was sich darauf beziehen könnte, wie astralischer Leib und Ich des Menschen zustande kommen. In tiefstes Dunkel und Geheimnis verhüllt sich alles, was sich auf astralischen Leib und Ich des Menschen bezieht. So erhält man das Gefühl: Was du in deinem innersten Wesen bist, was du eigentlich selber bist, das verhüllt sich jetzt vor deinem geistigen Schauen, und das, in was du dich einhüllst, wenn du in der physischen Welt lebst, das enthüllt sich dir ganz genau!
[ 4 ] But then comes the great longing, a longing that becomes immense for modern humanity. This is the longing to learn how the astral body and the “I” itself are born out of the cosmos, how they come into being. While one can see clearly how the physical body and the etheric body come into being from the forces of the cosmos, everything that might relate to how the astral body and the human ego come into being remains hidden from us. Everything relating to the human astral body and ego is shrouded in the deepest darkness and mystery. Thus one gets the feeling: What you are in your innermost being, what you actually are yourself, is now veiled from your spiritual vision, whereas that which you clothe yourself in when you live in the physical world is revealed to you quite clearly!
[ 5 ] Was eben erwähnt worden ist, erlebt der Mensch der Gegenwart, wenn er in der geschilderten Weise hinaufsteigt in die höheren Welten. Das erfuhren auch diejenigen Seelen, die ihren Aufstieg in Urzeiten, auf die hingedeutet ist, unternahmen. Nur daß der Mensch der Gegenwart jene große Sehnsucht fühlt, von der jetzt gesprochen worden ist, und daß die Seelen der vergangenen Zeiten diese Sehnsucht nicht fühlten, weil sie noch kein Bedürfnis hatten, ihre innerste Wesenheit zu schauen, weil sie so veranlagt waren, innigste Befriedigung zu empfinden, wenn sie wahrnahmen, wie die Wesenheiten, bis zu denen sie gekommen waren, gerade an dem Aufbau des physischen Leibes und des Ätherleibes arbeiteten. Wie von der Sonne herunterwirkte wesenhaftes Geistiges, um physischen Leib und Ätherleib aufzubauen, daran hatten die Seelen in vergangenen Zeiten, wenn sie initiiert wurden, ihre höchste Befriedigung.
[ 5 ] What has just been mentioned is what people today experience when they ascend into the higher worlds in the manner described. This was also the experience of those souls who undertook their ascent in primeval times, to which reference has been made. The difference is that people today feel that great longing just described, and that the souls of past times did not feel this longing, because they had no need yet to behold their innermost being, since they were so disposed as to feel the deepest satisfaction when they perceived how the beings they had reached were working precisely on the building up of the physical body and the etheric body. Just as essential spiritual forces worked down from the sun to build up the physical and etheric bodies, so did the souls of past times, when they were initiated, find their highest satisfaction in this.
[ 6 ] Dazu kommt noch folgendes. In jenen alten Zeiten stellte sich dieses Arbeiten jener Wesenheiten noch anders dar; daher die Befriedigung. Jetzt in unserer Zeit stellt sich dieses Arbeiten so dar, daß man sich sagt: Wozu ist denn das ganze Herrichten des physischen Leibes und des Ätherleibes, wenn man nicht verstehen kann, was diese Hüllen in sich bergen? — So ist der Unterschied eines heutigen Menschen und eines Menschen der Vergangenheit. Und die Zeit, auf die besonders mit diesen Erlebnissen hingewiesen ist als auf eine vergangene, das ist die Zeit, in welcher Zarathustra seine Schüler initiiert hat, hinaufgeführt hat in die höheren Welten. Würden Schüler heute in derselben Weise hinaufgeführt werden in die höheren Welten, wie Zarathustra sie hinaufgeführt hat, so würden sie die Leerheit und die Verlassenheit fühlen, wie sie eben angedeutet ist. Damals, zur Zeit des Zarathustra, empfanden die zu Initiierenden das Arbeiten von Ahura Mazdao am physischen Leib und Ätherleib, und in dem Enthüllen dieser wunderbaren Geheimnisse fühlten sie Seligkeit und Befriedigung, weil sie so veranlagt waren, daß sie sich innerlich durchregt fühlten, wenn sie sahen: So entsteht das, was der Mensch haben muß als seine Hüllen, wenn er seine Erdenmission vollbringen will. In dem waren sie befriedigt.
[ 6 ] There is also the following to consider. In those ancient times, the work of these beings took a different form; hence the satisfaction. Now, in our time, this work presents itself in such a way that one asks: What is the point of all this preparation of the physical body and the etheric body if one cannot understand what these sheaths contain? — Such is the difference between a person of today and a person of the past. And the time to which these experiences particularly refer as a past era is the time in which Zarathustra initiated his disciples, leading them up into the higher worlds. If disciples were to be led up into the higher worlds today in the same way that Zarathustra led them, they would feel the emptiness and desolation just described. Back then, in the time of Zarathustra, those to be initiated perceived the working of Ahura Mazda upon the physical and etheric bodies, and in the unveiling of these wondrous mysteries they felt bliss and satisfaction, because they were so disposed that they felt inwardly stirred when they saw: Thus arises that which man must have as his sheaths if he is to fulfill his earthly mission. In this they were satisfied.
[ 7 ] So war die Zarathustra-Einweihung. Denn in dieser ZarathustraEinweihung konnte man «die Sonne um Mitternacht sehen». Das heißt, wenn man nicht auf die physische Gestalt der Sonne schaute, sondern auf die geistigen Wesenheiten, die mit dem Sonnendasein verknüpft sind, so schaute man ausgehend von der Sonne die Kräfte, die in den physischen Leib hineinspielen, man schaute, wie die Kräfte, die von der Sonne kommen, am menschlichen Haupt bilden und die verschiedenen Glieder des menschlichen Gehirns gestalten. Denn Unsinn ist es, wenn jemand glauben würde, daß ein Wunderbau, wie es das menschliche Gehirn ist, nur aus den terrestrischen Kräften heraus entstehen könnte. Da müssen die Sonnenkräfte hineinwirken. Die setzen in der verschiedensten Weise zusammen den verschiedenen Lappenbau des Gehirns über dem menschlichen Gesicht. Und nicht nur eine, sondern eine ganze Reihe von Wesenheiten wirken an diesem Aufbau des menschlichen Gehirns. «Amschaspands» nannte sie Zarathustra für seine Schüler. Sie sind die Erreger der Kräfte des Kosmos, damit der Bau des menschlichen Gehirns entstehen konnte und auch die obersten Nerven des Rückenmarkes, mit Ausnahme der unteren achtundzwanzig Nervenpaare. Dann wies auch Zarathustra darauf hin, wie andere Strömungen ausgehen von Wesenheiten, die mit dem Mondendasein verknüpft sind, und zeigte, wie tatsächlich wunderbar der Weltenbau sich fügt, wie von achtundzwanzig Wesenarten, «Izeds», Strömungen ausgehen, die da erbauen das Rückenmark mit den achtundzwanzig unteren Nervensträngen. So sind physischer Leib und Ätherleib herausgebaut aus Strömungen, die da ausgehen von Weltenwesenheiten.
[ 7 ] Such was the Zarathustra Initiation. For in this Zarathustra Initiation, one could “see the sun at midnight.” That is to say, if one did not look at the physical form of the sun, but rather at the spiritual beings connected to the sun’s existence, then, starting from the sun, one saw the forces that work into the physical body; one saw how the forces coming from the sun shape the human head and form the various parts of the human brain. For it is nonsense to believe that a marvel of construction such as the human brain could arise solely from terrestrial forces. The solar forces must be at work here. They assemble, in the most varied ways, the complex lobular structure of the brain above the human face. And not just one, but a whole series of beings are at work in this construction of the human brain. Zarathustra called them “Amschaspands” for his disciples. They are the agents of the cosmic forces that enabled the structure of the human brain to come into being, as well as the uppermost nerves of the spinal cord, with the exception of the lower twenty-eight pairs of nerves. Then Zarathustra also pointed out how other currents emanate from beings connected to the lunar realm, and showed how wonderfully the structure of the world fits together, how currents emanate from twenty-eight kinds of beings, “Izeds,” which build the spinal cord with its twenty-eight lower nerve strands. Thus, the physical body and the etheric body are built up from currents emanating from world beings.
[ 8 ] Das waren gewaltige Eindrücke, welche die Initiierten des Zarathustra auf diese Weise empfingen. Und indem sie diese Eindrücke empfingen als den Ausdruck der Arbeit des Ahura Mazdao, empfanden sie innere Beseligung über das, was in der Welt geschieht. Der heutige Mensch, der sich in derselben Weise in die höheren Welten hinaufleben würde, er würde selbstverständlich auch bewundern können, würde auch anfangen können, die Beseligung zu empfinden. Aber er würde nach und nach übergehen zu der Empfindung, die man nicht anders als in die Worte kleiden kann: Wozu das alles? nichts weiß ich ja über diejenige Wesenheit, die von Inkarnation zu Inkarnation geht! Einzig und allein weiß ich nur von denjenigen Wesenheiten, die in jeder neuen Inkarnation aufbauen die Hüllen aus dem Kosmos herein, aber eben doch nur als «Hüllen» aufbauen. — Das war eben gerade das Wesen der Zarathustra-Einweihung, daß namentlich der Zusammenhang des Menschlich-Irdischen mit dem Sonnendasein den Initiierten „enthüllt wurde. Und die Epoche des Zarathustra ist dadurch charakterisiert, daß die Menschen in ihr okkultes Wissen die eben charakterisierten Geheimnisse aufnehmen konnten.
[ 8 ] These were powerful impressions that the initiates of Zarathustra received in this way. And by receiving these impressions as the expression of Ahura Mazdao’s work, they felt a sense of inner bliss regarding what is happening in the world. Modern man, who were to live his way up into the higher worlds in the same manner, would of course also be able to admire them and would also be able to begin to feel this bliss. But he would gradually come to a feeling that can only be expressed in these words: What is the point of all this? I know nothing at all about that being who goes from incarnation to incarnation! All I know is of those beings who, in every new incarnation, build the sheaths from the cosmos, but build them only as ‘sheaths.’ — That was precisely the essence of the Zarathustra initiation: that the connection between the human-earthly and the solar existence was “revealed” to the initiates. And the Zarathustra epoch is characterized by the fact that people were able to take in the secrets just described into their occult knowledge.
[ 9 ] Wiederum anders lebten sich in die höheren Welten die Seelen hinein, welche im alten Ägypten eingeweiht worden sind, welche zum Beispiel die Hermes-Einweihung durchgemacht haben. Wir haben über alle diese Dinge schon gesprochen. Hier in diesen Vorträgen sollen sie noch etwas ausführlicher dargestellt werden, als es schon hat geschehen können. Wenn sich die Seelen in der altägyptischen Zeit durch die Hermes-Einweihung hinauferhoben in die höheren Welten, dann trat natürlich auch dasjenige ein, was bei der Initiation immer eintreten muß: daß diese Seelen sich außerhalb ihres physischen und Ätherleibes fühlten, daß sie wußten, sie befinden sich jetzt innerhalb einer Welt von geistigen Tatsachen und geistigen Wesenheiten. Weit herum wurden diese Seelen dann geleitet, das heißt, ihr Schauen wurde geleitet. Es wurden ihnen die einzelnen Wesenheiten, die einzelnen Tatsachen gezeigt, wie das auch bei einer heutigen Seele der Fall sein könnte. Aber man muß sich das nicht so vorstellen, als wenn man mit physischen Füßen herumgeht, sondern das Schauen wird herumgeführt, wie wenn man mit seinem Schauen ringsum in einem weltallweiten Gebiete herumgeführt würde. So geschah es in dieser Initiation,
[ 9 ] The souls who were initiated in ancient Egypt—those who, for example, underwent the Hermes initiation—immersed themselves in the higher worlds in yet another way. We have already spoken about all these things. Here, in these lectures, they will be presented in somewhat greater detail than has been possible so far. When, in ancient Egyptian times, souls ascended into the higher worlds through the Hermes initiation, then naturally what must always occur during initiation also took place: that these souls felt themselves outside their physical and etheric bodies, that they knew they were now within a world of spiritual realities and spiritual beings. These souls were then guided far and wide; that is to say, their vision was guided. The individual beings and the individual realities were shown to them, just as might be the case with a soul today. But one must not form a mental image of this as if one were walking around with physical feet; rather, the vision is guided around, as if one were being guided with one’s vision throughout a universe-wide realm. This is what happened in this initiation,
[ 10 ] Dann kam ein Zeitpunkt des Erlebens, wo man sich wie am Ende fühlte, gleichsam wie wenn man herumgegangen wäre in einem Lande, das ringsherum von Meer begrenzt ist, und man dann an das «Ufer» gekommen wäre. Man weiß, man ist an den äußersten Punkt gekommen, wohin man hat kommen können. Und dann erlebte man eben in der ägyptischen Initiation das, was man nicht anders als in die Worte kleiden kann: Während du mit deinem Schauen herumgeführt worden bist in den Weltenweiten, im weltallweiten Gebiete, hast du kennengelernt die Wesenheiten und Kräfte, von denen du dir sagen kannst, sie arbeiten an deinem physischen Leib und Ätherleib. Jetzt aber betrittst du die heiligste Stätte. Jetzt betrittst du ein Gebiet, wo du dich eigentlich vereinigt fühlst mit dem Wesenhaften, das mitarbeitet an dem in dir, was von einer Inkarnation zur anderen geht, was mitarbeitet an deinem astralischen Leib. Es ist ein bedeutsames Erleben ar diesem Punkte, denn es werden gewissermaßen alle Dinge anders, wenn dieses Erleben eingetreten ist an diesem Punkt.
[ 10 ] Then came a moment in the experience when one felt as if one had reached the end, as if one had been wandering through a land surrounded on all sides by the sea and had finally reached the “shore.” One knows that one has reached the furthest point one could possibly go. And then, in the Egyptian initiation, one experienced precisely what can only be expressed in words: While you were led with your gaze through the vastness of the worlds, through the universe, you came to know the beings and forces of which you can say that they work upon your physical body and etheric body. But now you are entering the holiest place. Now you are entering a realm where you actually feel united with the essential being that works upon that within you which passes from one incarnation to the next, which works upon your astral body. It is a significant experience at this point, for in a sense all things become different once this experience has taken place at this point.
[ 11 ] Es hört zum Beispiel für die allernächste Zeit bei dem Initiierten eine Möglichkeit auf: Vollständig hört die Möglichkeit auf in der Welt, in die man jetzt eingetreten ist an den Ufern des weltallweiten Daseins, auf diese Welten anwendbar zu machen seine Urteilskraft, dasjenige, was man früher hat denken können, was man früher hat ersinnen können. Kann man sich nicht all dieser physischen, irdischen Urteilskraft entäußern, kann man nicht außer acht lassen, was einen bis dahin geleitet hat, dann kann man nicht dieses Erleben haben an den Ufern des Daseins, kann sich nicht vereinigt fühlen eben mit jener Wesenheit, die da arbeitet, wenn der geistig-seelische Mensch sich der Geburt in einer neuen Inkarnation naht, sich Familie, Nation und Elternpaar aufsucht, um als geistig-seelischer Mensch sich mit einer neuen Hülle zu umkleiden. Alle die Wesenheiten, die man vorher auch kennengelernt hat und die einem erklärlich machen, wie die physischen und ätherischen Hüllen entstehen und herausgebildet werden aus dem Kosmos, alle diese Wesenheiten sind außerstande, einem zu erklären, was da für Kräfte wirken in jenem Wesenhaften, mit dem man sich jetzt verbunden fühlt, und das bauend und webend ist an der innersten astralischen Wesenheit des Menschen selber. Es wird einem ganz anschaulich — und es wurde der ägyptischen Seele, die durch die Hermes-Initiation ging, ganz anschaulich —, daß jetzt, nachdem sie aus ihren Hüllen heraus ist und durchgegangen ist durch das vorhin «weltallweite Dasein» Genannte, sie sich verbunden fühlte mit einer Wesenheit. Und die Seele kann fühlen die Eigenschaften dieser Wesenheit, nur daß sie sich selber wie darinnen fühlt in diesen Eigenschaften, nicht außerhalb dieser Wesenheit, und sie kann wissen: Diese Wesenheit ist da, ist real da; aber man ist zugleich innerhalb dieser Wesenheit. Und der erste Eindruck, den man von dieser Wesenheit bekommt, ist der, daß man sich sagt: In dieser Wesenheit ruhen ja die Kräfte, die die Seele durchtragen von einer Inkarnation zur anderen, ruhen auch die Kräfte, welche die Seele erleuchten zwischen dem Tode und der neuen Geburt. Das alles ist da drinnen. Aber wenn dir wie geistige Weltenwärme eine Kraft entgegenweht, die eben die Seele von dem Tode zu der neuen Geburt hinüberträgt, wenn dir wie geistiges Licht entgegendtingt, was die Seelen erleuchtet zwischen dem Tode und der neuen Geburt, und wenn du fühlst, wie diese Wärme und dieses Licht ausströmen von der Wesenheit, mit.der du da vereinigt bist, so bist du doch jetzt in einer ganz besonderen Lage. Du hast gleichsam trinken müssen den Lethetrank, hast vergessen müssen deine Kunst des Verstehens, die dich früher durch die physisch-sinnliche Welt durchgeführt hat, hast ablegen müssen deine frühere Urteilskraft, deine Intellektualität, denn die könnten dich hier nur beirren, und Neues hast du noch nicht erworben. Du stehst, indem du die Weltenwärme fühlst, die die Seele zu der neuen Geburt trägt, in dem Kräftemeer darinnen, das die Seele erleuchtet von dem Tode bis zur neuen Geburt. Du fühlst also die Kraft und das Licht, die von der Wesenheit ausgehen. Du siehst diese Wesenheit so an, als ob du gar nicht anders könntest, als sie fragen: Wer bist du? — denn nur du allein kannst mir sagen, wer du bist, und nur dann allein kann ich wissen, was mich als menschliches Innenwesen hinüberträgt von dem 'Tode zu der neuen Geburt. Nur dann also, wenn du es mir sagst, kann ich wissen, was meines Menschen innerstes Wesen ist! — Und stumm, schweigsam bleibt die Wesenheit, mit der man sich so verbunden weiß. Man fühlt, in ihr liegt das Tiefste, was mit einem selbst als Tiefstes verbunden ist. Der Drang entsteht nach Selbsterkenntnis, nach Wissen, was man ist — und stumm und schweigsam bleibt die Wesenheit.
[ 11 ] For example, in the very near future, the initiate will no longer have the possibility: In the world one has now entered upon the shores of universal existence, the possibility ceases entirely to apply one’s power of judgment—that which one was once able to think, that which one was once able to conceive—to these worlds. If one cannot divest oneself of all this physical, earthly power of judgment, if one cannot set aside what has guided one up to that point, then one cannot have this experience on the shores of existence, cannot feel united with precisely that being who is at work when the spiritual-soul human approaches birth in a new incarnation, seeking out family, nation, and parents in order to clothe oneself as a spiritual-soul being in a new form. All the beings one has previously come to know, who explain how the physical and etheric bodies arise and are formed from the cosmos—all these beings are unable to explain what forces are at work in that essential being with which one now feels connected, and which is building and weaving at the innermost astral being of the human being itself. It becomes quite vivid to one—and it became quite vivid to the Egyptian soul that underwent the Hermes Initiation—that now, having emerged from its sheaths and passed through what was previously called “universal existence,” it felt connected to a being. And the soul can feel the qualities of this being, only that it feels itself as if within these qualities, not outside this being, and it can know: This being is there, is really there; but at the same time one is within this being. And the first impression one gets of this being is that one says to oneself: In this being rest the forces that carry the soul from one incarnation to another, and also rest the forces that enlighten the soul between death and the new birth. All of that is in there. But when a force blows toward you like spiritual warmth, a force that carries the soul from death to the new birth; when something shines toward you like spiritual light, which illuminates the souls between death and the new birth; and when you feel how this warmth and this light stream forth from the being with you are united with, then you are now in a very special situation. You have, as it were, had to drink the water of Lethe, have had to forget your art of understanding, which previously guided you through the physical-sensory world, have had to lay aside your former power of judgment, your intellectuality, for these could only mislead you here, and you have not yet acquired anything new. As you feel the warmth of the world that carries the soul toward its new birth, you stand within the sea of power that illuminates the soul from death to the new birth. You thus feel the power and the light emanating from the being. You look upon this being as if you could do nothing else but ask it: Who are you? — for only you alone can tell me who you are, and only then can I know what carries me, as a human inner being, from death to the new birth. Only then, therefore, when you tell me, can I know what my human innermost being is! — And silent, speechless remains the being with whom one feels so connected. One senses that within it lies the deepest part of oneself. The urge arises for self-knowledge, for knowing what one is—and silent and speechless remains the being.
[ 12 ] Man muß dieser stummen, schweigsamen Wesenheit erst eine Weile gegenübergestanden haben, und man muß tief empfunden haben die Sehnsucht, jetzt auf eine neue Art das Weltenrätsel gelöst zu bekommen, man muß die Sehnsucht lange genug empfunden haben, das Weltenrätsel auf eine Weise gelöst zu bekommen, wie es niemals auf der physischen Erde gelöst werden kann, man muß hereingebracht haben in diese Welt zu dieser Wesenheit die tiefe Sehnsucht als eigene Kraft, das Weltenrätsel in dieser dem physischen Dasein fremden Art gelöst zu erhalten, und ganz muß die Seele leben in der Sehnsucht, in dieser Art das Weltenrätsel gelöst zu bekommen: Dann, wenn man sich vereinigt gefühlt hat mit der stummen, schweigsamen geistigen Wesenheit, mit der man vereinigt ist, und in ihr gelebt hat mit der eben geschilderten Sehnsucht nach Welträtsellösung, dann fühlt man, daß ausströmt in die geistige Wesenheit, mit der man vereinigt ist, die Kraft der eigenen Sehnsucht. Und weil diese Kraft der eigenen Rätsellöse-Sehnsucht ausströmt in die Wesenheit dieser geistigen Gestalt, gebiert nach einiger Zeit diese Wesenheit etwas, was als eine andere Wesenheit aus ihr hervorgeht. Aber es ist nicht so wie eine irdische Geburt, was da geboren wird. Man weiß auch gleich durch sein Schauen, daß es nicht wie eine irdische Geburt ist. Nein, eine irdische Geburt entsteht in der Zeit, sie tritt auf in der Zeit. Was man aber jetzt schaut, was die eben geschilderte Wesenheit gebiert, von dem weiß man: Das wird aus ihr geboren, das wurde aus ihr geboren seit ururalten Zeiten — immer, und diese Geburt dauert aus ururalten Zeiten bis in die Gegenwart herein fort. Man hat dieses Geborenwerden einer Wesenheit aus der anderen nur eben bisher nicht gesehen, es hat sich den Blicken bisher entzogen. Darin besteht dieses Geborenwerden, daß es eigentlich immer da ist, aber daß dadurch, daß man sich durch seine Rätsellöse-Sehnsucht dazu bereitgemacht hat, man es jetzt schaut, daß es jetzt Wahrnehmung ist in der geistigen Welt. Das weiß man. Man sagt sich also nicht: Da wird jetzt eine Wesenheit geboren —, sondern man sagt sich: Aus der Wesenheit, mit der du dich vereinigt hast, wurde seit ururalten Zeiten immer eine Wesenheit geboren; jetzt aber wird dieses Geborenwerden der Wesenheit und die geborene Wesenheit selber für dich wahrnehmbar.
[ 12 ] One must first have stood before this silent, taciturn being for a while, and one must have deeply felt the longing to have the mystery of the world solved in a new way; one must have felt this longing long enough to have the mystery of the world solved in a way that can never be achieved on the physical earth, one must have brought into this world, to this being, the deep longing as one’s own power to have the riddle of the universe solved in this manner foreign to physical existence, and the soul must live entirely in the longing to have the riddle of the universe solved in this way: Then, when one has felt united with the silent, taciturn spiritual being with whom one is united, and has lived within it with the longing for the solution to the riddle of the world just described, then one feels that the power of one’s own longing flows out into the spiritual being with whom one is united. And because this power of one’s own longing to solve the mystery flows out into the being of this spiritual form, after some time this being gives birth to something that emerges from it as another being. But what is born there is not like an earthly birth. One also knows immediately through one’s observation that it is not like an earthly birth. No, an earthly birth takes place in time; it occurs in time. But what one now observes—what the entity just described gives birth to—one knows this about it: That which is born from it has been born from it since time immemorial—always, and this birth continues from time immemorial right into the present. One has simply not seen this birth of one being from another until now; it has eluded one’s gaze until now. This birth consists in the fact that it is actually always there, but that because one has prepared oneself for it through one’s longing to solve the riddle, one now sees it, that it is now a perception in the spiritual world. One knows this. So one does not say to oneself: “A being is now being born”—but rather one says: “From the being with whom you have united, a being has always been born since time immemorial; but now this birth of the being and the being itself become perceptible to you.”
[ 13 ] Was ich Ihnen jetzt geschildert habe, so gut es mit den Worten unserer Sprache geht, das ist das, wozu der Hermes-Initiator seine Schüler geführt hat. Und die Empfindungen, die ich Ihnen eben charakterisierte — ich möchte sagen wie mit stammelnden Worten, denn die Dinge enthalten so viel, daß die Worte unserer Sprache die Dinge nur stammelnd zum Ausdruck bringen können —, diese Empfindungen waren die Erlebnisse der sogenannten ägyptischen IsisEinweihung. Wer die Isis-Einweihung durchmachte, sagte sich eben, wenn er an die Ufer des weltallweiten Daseins gekommen war und die Wesenheiten geschaut hatte, die zum Beispiel physischen Leib und Ätherleib konstituieren, wenn er gegenüber der schweigsamen Göttin gestanden hatte, von welcher Wärme und Licht für das Dasein des Innersten der Menschenseele ausgehen: Das ist die Isis! Das ist die stumme, die schweigsame Göttin, deren Antlitz keinem enthüllt werden kann, der nur mit sterblichen Augen schaut, deren Antlitz nur denen enthüllt werden kann, die sich durchgearbeitet haben bis zu den Ufern, die geschildert worden sind, damit sie schauen können mit jenen Augen, die von Inkarnation zu Inkarnation gehen, und die nicht mehr sterblich sind. Denn sterblichen Augen hüllt ein undurchdringlicher Schleier diese Gestalt der Isis zu!
[ 13 ] What I have just described to you, as best as our language allows, is what the Hermes Initiator led his disciples toward. And the sensations I have just described to you—I would say as if with stammering words, for these things contain so much that the words of our language can only express them in a stammering way—these sensations were the experiences of the so-called Egyptian Isis Initiation. Whoever underwent the Isis Initiation said to himself, when he had reached the shores of universal existence and had beheld the beings that constitute, for example, the physical body and the etheric body, when he had stood before the silent Goddess from whom warmth and light emanate for the innermost being of the human soul: This is Isis! That is the silent, the speechless Goddess, whose face cannot be revealed to anyone who looks only with mortal eyes, whose face can be revealed only to those who have worked their way through to the shores that have been described, so that they may see with those eyes that pass from incarnation to incarnation and are no longer mortal. For mortal eyes, an impenetrable veil shrouds this form of Isis!
[ 14 ] Wenn so der zu Initiierende die Isis geschaut hatte und gelebt hatte mit der geschilderten Empfindung in der Seele, dann vernahm er das, was geschildert worden ist als Geburt. Was war diese «Geburt»? Diese Geburt vernahm er als das, was man bezeichnen kann als «in alle Räume Hinaustönen dessen, was Sphärenmusik ist», und als das Zusammengehen der Sphärenmusiktöne mit dem, was man das Weltenwort, das schöpferische Weltenwort nennt, das die Räume durchdringt und in die Wesenheiten hineingießt alles, was so in die Wesenheiten hineingegossen werden muß, wie dann hineingegossen werden muß in den physischen Leib und Ätherleib die Seele, wenn sie durchgegangen ist durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt. Alles, was so in die äußere physische Welt von der geistigen Welt aus hineingegossen werden muß, damit das Hineingegossene dann innerlich, seelenhaft ist, alles das wird hineingegossen von der die Räume durchtönenden Sphärenharmonie, die allmählich sich so gestaltet, daß sie vernommen werden kann — bedeutsam, innerliche Bedeutsamkeit ausdrückend — als das Weltenwort, das die Wesenheiten beseelt, die durch die Kräfte von Wärme und Licht durchlebt werden und die sich hineinergießen in diejenigen Körper, in diejenigen Leiber, die aus den göttlichen Kräften und Wesenheiten entspringen, welche man schon mit dem vorhergehenden Schauen erblicken kann.
[ 14 ] When the initiate had thus beheld Isis and lived with the described sensation in his soul, he perceived what has been described as a birth. What was this “birth”? He perceived this birth as what might be described as “the resounding out into all spaces of what is the music of the spheres,” and as the merging of the tones of the music of the spheres with what is called the World Word, the creative World Word, which permeates the realms and pours into the beings everything that must be poured into them, just as the soul must then be poured into the physical body and etheric body after it has passed through the life between death and new birth. Everything that must thus be poured into the outer physical world from the spiritual world, so that what is poured in may then be inner and soul-like, all of this is poured in by the harmony of the spheres resounding through space, which gradually takes shape in such a way that it can be heard—significant, expressing inner significance — as the World Word that animates the beings who are lived through by the forces of warmth and light and who pour themselves into those bodies, into those physical forms, that spring from the divine forces and beings which can already be beheld in the preceding vision.
[ 15 ] So schaute man hinein in die Welt der Sphärenharmonie, in die Welt des Weltenwortes, so schaute man hinein in die Welt, welche die eigentliche Heimat der Menschenseele ist in der Zeit, wenn diese Menschenseele lebt zwischen dem Tode und der neuen Geburt. Was sich tief verhüllt im physischen irdischen Dasein des Menschen, was aber dann zwischen dem Tode und der neuen Geburt im Abglanze lebt des Lichtes und der Wärme, was sich aber tief verhüllt in der physischen Welt als die Welt der Sphärentöne und des Weltenwortes, das erlebte man durch die Hermes-Einweihung als geborenwerdend aus der Isis. Die Isis ist damit dann vor einem stehend, so daß sie auf der einen Seite selber dasteht, auf der anderen Seite einem geboren hat die andere Wesenheit, die man anzusprechen hat als die Weltentöne und das Weltenwort. Jetzt fühlt man sich in der Genossenschaft der Isis und des von ihr geborenen Weltenwortes. Und dieses «Weltenwort» ist zunächst die Erscheinung des Osiris. «Isis in der Gemeinschaft mit Osiris», so treten sie auf vor der unmittelbaren Anschauung; denn so waren sie in der urältesten ägyptischen Einweihung verbreitet, daß Osiris zugleich Sohn und Gemahl war der Isis. Das empfand man, daß er Sohn und Gemahl war der Isis. Und das machte in der älteren ägyptischen Einweihung das Wesentliche aus, daß der zu Initiierende durch diese Einweihung die Geheimnisse des seelenhaften Daseins erfuhr, das mit dem Menschen verbunden bleibt, auch wenn er die Zeit durchmacht, die zwischen dem Tode und der neuen Geburt liegt. Durch die Verbindung mit dem Osiris war es möglich, sich in seiner tieferen Bedeutung als Mensch zu erkennen.
[ 15 ] Thus one looked into the world of spherical harmony, into the world of the Word of the Worlds; thus one looked into the world that is the true home of the human soul during the time when that human soul lives between death and new birth. That which lies deeply veiled in the physical earthly existence of the human being, yet lives between death and new birth in the reflection of light and warmth, and which lies deeply veiled in the physical world as the world of the tones of the spheres and the Word of the World—this was experienced through the Hermetic initiation as being born from Isis. Isis thus stands before one, so that on the one hand she stands there herself, and on the other hand the other being—which one must address as the world tones and the world word—has been born of her. Now one feels oneself in the fellowship of Isis and the world word born of her. And this “world word” is, first of all, the manifestation of Osiris. “Isis in communion with Osiris”—thus do they appear before one’s immediate vision; for such was the tradition in the most ancient Egyptian initiation, that Osiris was both son and husband of Isis. This was felt: that he was son and husband of Isis. And this constituted the essence of the ancient Egyptian initiation: that through this initiation, the initiate came to know the mysteries of the soul-life that remains connected to the human being even as he passes through the time lying between death and the new birth. Through the connection with Osiris, it was possible to recognize oneself in one’s deeper meaning as a human being.
[ 16 ] Was dargestellt worden ist, begründete also, daß der ägyptische Eingeweihte Weltenwort und Weltentöne als die Erklärer seiner eigenen Wesenheit in der spirituellen Welt traf. Das war aber in der alten ägyptischen Zeit nur bis zu einem gewissen Zeitpunkte der Fall. Von diesem gewissen Zeitpunkte ab hörte es auf. Und es ist ein großer Unterschied — das zeigen auch die Schauungen der Akasha-Chronik, wenn der Mensch heute in die alten Zeiten zurückblickt — zwischen dem, was der ägyptische Eingeweihte in den altägyptischen Tempeln erlebte, und dem, was er in späteren Zeiten erlebte.
[ 16 ] What has been described thus explains why the Egyptian initiate encountered the Word of the World and the Sounds of the World as the interpreters of his own being in the spiritual world. However, in ancient Egyptian times, this was only the case up to a certain point. From that certain point on, it ceased. And there is a great difference—as the visions of the Akashic Records also show when people today look back on ancient times—between what the Egyptian initiate experienced in the ancient Egyptian temples and what he experienced in later times.
[ 17 ] Wollen wir uns auch einmal vor die Seele schreiben, was der Eingeweihte in den späteren Zeiten erlebte. Da konnte er auch durch die weltallweiten Gefilde geführt werden bis zu den Ufern des Daseins, da konnte er erfahren alle die Wesenheiten, die den physischen Leib und Ätherleib des Menschen aufbauen, da konnte er hintreten an die Ufer des Daseins und konnte ansichtig werden der schweigsamen, stummen Isis und wahrnehmen an ihr das Wärmedasein, das für den Menschen die Kräfte enthält, die vom Tode zu einer neuen Geburt hinüberführen. Da konnte er auch das Licht erkennen, das die Seele zwischen dem Tode und der neuen Geburt erleuchtet, die Sehnsucht entstand auch, zu hören das Weltenwort und die Weltenharmonie. Sehnsucht lebte in der Seele, wenn sich die Seele vereinigte mit der schweigsamen, stummen Göttin Isis. Aber — die Göttin blieb stumm und schweigsam! Kein Osiris konnte in der späteren Zeit geboren werden, keine Weltenharmonie ertönte, kein Weltenwort erklärte dasjenige, was sich bange jetzt zeigte als Weltenwärme und Weltenlicht. Und es war dann der Seele des zu Initiierenden so, daß sie ihre Erlebnisse nicht anders hat aussprechen können, als indem sie etwa sagte: So schaue ich trauernd hinauf, gequält von Wissensdurst und Wissenssehnsucht, zu dir, o Göttin! Und du bleibst der gequälten, der leidvollen menschlichen Seele, die, weil sie sich selber nicht verstehen kann, sich wie ausgelöscht vorkommt, wie wenn sie ihr Dasein verlieren müßte —, du bleibst dieser Menschenseele schweigsam und stumm! — Und trauernd machte die Göttin ihre Gebärde, ausdrückend, daß sie ohnmächtig geworden war zum Gebären des Weltenwortes und der Weltentöne. Das erkannte man an ihr, daß man ihr entrissen hat die Kraftzum Gebären und zum An-der-Seite-Haben des Osiris, des Sohnes und des Gemahls. Entrissen fühlte man den Osiris der Isis.
[ 17 ] Let us also write down for our souls what the initiate experienced in later times. There he could be guided through the realms of the universe to the shores of existence; there he could experience all the beings that constitute the physical and etheric bodies of the human being, there he could step to the shores of existence and behold the silent, speechless Isis, and perceive in her the warm presence that holds for humanity the forces leading from death to a new birth. There he could also perceive the light that illuminates the soul between death and new birth; a longing also arose to hear the world-word and the world-harmony. Longing lived in the soul when the soul united with the silent, speechless goddess Isis. But—the goddess remained silent and speechless! No Osiris could be born in later times, no cosmic harmony resounded, no cosmic word explained that which now revealed itself anxiously as cosmic warmth and cosmic light. And it was then the case for the soul of the one to be initiated that it could not express its experiences in any other way than by saying, for example: Thus I look up to you in sorrow, tormented by a thirst for knowledge and a longing for understanding, O Goddess! And you remain silent and speechless to the tormented, suffering human soul, which, because it cannot understand itself, feels as if it were extinguished, as if it were to lose its very existence—you remain silent and speechless to this human soul! — And mourning, the goddess made her gesture, expressing that she had become powerless to give birth to the Word of the World and the Sounds of the World. One could tell from her that the power to give birth and to have Osiris, the son and the husband, by her side had been snatched from her. One felt that Osiris had been snatched from Isis.
[ 18 ] Diejenigen, die diese Einweihung durchmachten und wieder zurückkamen in die physische Welt, hatten eine ernste, aber resignierende Weltanschauung. Sie kannten sie, die heilige Isis, aber sie fühlten sich als die «Söhne der Witwe». Ernst und resignierend war die Weltanschauung der «Söhne der Witwe». Und der Zeitpunkt zwischen der alten Einweihung, wo man die Geburt des Osiris in den alten ägyptischen Mysterien mitmachen konnte, und der, wo man nur die stumme, die schweigsame, die trauernde Isis traf und ein Sohn der Witwe in den ägyptischen Mysterien werden konnte, der Zeitpunkt, der die beiden Abschnitte der ägyptischen Einweihung trennt, welcher ist es? Es ist der Zeitpunkt, in dem Moses gelebt hat. Denn so erfüllte sich das Karma Ägyptens, daß Moses nicht nur eingeweiht worden ist in die Mysteriengeheimnisse Ägyptens, sondern daß er sie zugleich mitgenommen hat. Indem er sein Volk aus Ägypten herausführte, nahm er den Teil der ägyptischen Einweihung mit, der zu der trauernden Isis, die sie später war, hinzugefügt hat die Osiris-Initiation. So war der Übergang von der ägyptischen Kultur zu der Kultur des Alten Testamentes. Ja, Moses hatte hinweggetragen das Geheimnis des Osiris, das Geheimnis von dem Weltenwort! Und hätte er nicht zurückgelassen die ohnmächtige Isis, dann hätte ihm nicht ertönen können, was ihm ertönen mußte in der Art, wie er es für sein Volk verstehen mußte, das große, bedeutsame Wort «Ich bin der Ich-bin, ejeh asher ejeh». So übertrug sich ägyptisches Geheimnis auf althebräisches Geheimnis.
[ 18 ] Those who underwent this initiation and returned to the physical world held a serious yet resigned worldview. They knew her, the sacred Isis, but they saw themselves as the “Sons of the Widow.” The worldview of the “Sons of the Widow” was serious and resigned. And the time between the ancient initiation, when one could participate in the birth of Osiris in the ancient Egyptian mysteries, and the time when one encountered only the silent, the taciturn, the mourning Isis and could become a son of the widow in the Egyptian mysteries—the time that separates these two phases of the Egyptian initiation—which is it? It is the time in which Moses lived. For thus was the karma of Egypt fulfilled, that Moses was not only initiated into the mysteries of Egypt, but that he also took them with him. By leading his people out of Egypt, he took with him that part of the Egyptian initiation which added the Osiris initiation to the mourning Isis that she later became. Such was the transition from Egyptian culture to the culture of the Old Testament. Yes, Moses had carried away the mystery of Osiris, the mystery of the World Word! And had he not left behind the powerless Isis, then what had to resound to him—in the way he had to understand it for his people—the great, significant word “I am who I am, ejeh asher ejeh,” could not have resounded to him. Thus the Egyptian mystery was transferred to the ancient Hebrew mystery.
[ 19 ] Damit wurde versucht, in Worten, mit denen eben solche Dinge dargestellt werden können, zu zeigen, wie die Erlebnisse waren in den Zarathustra-Mysterien und in den ägyptischen Mysterien. Die Dinge lassen sich nicht mit abstrakten Worten darstellen. Denn worauf es ankommt, ist doch, daß die Seele gerade die entsprechenden Erlebnisse durchmacht, die ich zu charakterisieren versuchte. Und wichtig ist es nun, nachzufühlen, was in der Seele des später zu initiierenden Ägypters vorging, nachzufühlen, wie sich seine Seele hinauflebte in die höheren Welten, wie er Isis mit dem Trauerblicke traf, Isis mit dem Schmerzensantlitz, — die Trauerblick und Schmerzensantlitz hatte, weil sie die Menschenseele schauen mußte, die Sehnsucht und Wissensdurst nach den geistigen Welten haben konnte, die aber nicht befriedigt werden konnte.
[ 19 ] This was an attempt to describe, in words capable of conveying such things, what the experiences were like in the Zarathustra Mysteries and in the Egyptian Mysteries. These things cannot be described with abstract words. For what matters is that the soul actually undergoes the very experiences I have tried to characterize. And it is now important to sense what was going on in the soul of the Egyptian who was later to be initiated, to sense how his soul soared up into the higher worlds, how he encountered Isis with her sorrowful gaze, Isis with the face of sorrow—who had that sorrowful gaze and face of sorrow because she had to behold the human soul, which could have a longing and thirst for knowledge of the spiritual worlds, but which could not be satisfied.
[ 20 ] So auch empfanden noch gewisse griechische Eingeweihte dasselbe Wesen, das die Ägypter als die spätere Isis ansprachen. Daher das Ernste der griechischen Initiation da, wo sie in ihrem Ernste auftritt. Denn, was war empfunden worden von dem zu Initiierenden? — Was früher in den übersinnlichen Welten erlebt worden war, was diese übersinnlichen Welten sinnvoll gemacht hat, indem sie durchklungen waren von Weltenwort und Weltenton, das war jetzt nicht mehr da. Wie verödet und verlassen vom Weltenwort, so waren die übersinnlichen Welten, in die der Mensch durch die frühere Initiation hat hineinkommen können. Der Zarathustra-Eingeweihte konnte sich noch befriedigt fühlen, wenn ihm in diesen Welten die Wesen entgegentraten, von denen gesprochen worden ist, denn er fühlte sich noch befriedigt von dem Weltenlicht, das er als Ahura Mazdao empfand. Er empfand es männlich, sonnenhaft; der Ägypter empfand es weiblich, mondenhaft. Und der höher zu Initiierende empfand dann auch in der Zarathustra-Initiation das Weltenwort. Er empfand es nicht so konkret, geboren werdend aus einer solchen Wesenheit, wie es die Isis ist; aber er erfuhr es, und er kannte Sphärenharmonie und Weltenwortt.
[ 20 ] Certain Greek initiates, too, perceived the same being whom the Egyptians later referred to as Isis. Hence the solemnity of Greek initiation where it appears in all its solemnity. For what had been perceived by the initiate? — What had formerly been experienced in the supersensible worlds, what had given meaning to these supersensible worlds by being permeated with the Word and Tone of the World, was now no longer there. The supersensible worlds into which human beings had been able to enter through earlier initiation were now desolate and forsaken by the Word of the World. The Zarathustra initiate could still feel satisfied when the beings spoken of met him in these worlds, for he still felt satisfied by the world-light he perceived as Ahura Mazdao. He perceived it as masculine, sun-like; the Egyptian perceived it as feminine, moon-like. And the one to be initiated to a higher degree then also perceived the World Word in the Zarathustra Initiation. He did not perceive it as concretely, born of a being such as Isis; but he experienced it, and he knew of the harmony of the spheres and the World Word.
[ 21 ] Jetzt fühlte man in der späteren ägyptischen Zeit — aber auch in den übrigen Ländern während dieser späteren ägyptischen Zeit —, wenn man sich als Mensch in die höheren Welten hinauflebte, ganz ähnlich wie auch der heutige Mensch noch fühlt, wie es im Anfange des heutigen Vortrages gesagt worden ist. Man steigt hinauf in die höheren Welten, man wird bekannt mit all den Wesenheiten, die an dem Zustandekommen des physischen Leibes und des Ätherleibes mitzuarbeiten haben, und man fühlt sich verlassen, fühlt sich einsam, wenn nichts anderes eintritt als das Gesagte, weil man etwas in sich hat, was begehrt nach Weltenwort und Weltenharmonie, und weil einem Weltenwort und Weltenharmonie nicht ertönen können. Heute fühlt man sich verlassen und einsam. In der späteren ägyptischen Zeit fühlte man sich nicht nur verlassen und einsam, sondern man fühlte sich — wenn man das war, was genannt wurde «ein echter Sohn der Witwe» und man heraus war aus physischem Leib und Ätherleib und man in den geistigen Welten war — als Menschenseele so, daß man sein Fühlen nur in die Worte kleiden konnte: Der Gott schickt sich an, wegzugehen aus den Welten, die du immer betreten hast, wenn du das Weltenwort gefühlt hast, der Gott ist da unwirksam geworden! Und immer mehr und mehr verdichtete sich dieses Gefühl zu dem, was man nennen kann das übersinnliche Äquivalent dessen, was einem in der Sinneswelt als das Sterben des Menschen entgegentritt: wenn man hier einen Menschen sterben sieht, wenn man weiß, er verläßt die physische Welt. Und wenn man nun als Eingeweihter der späteren ägyptischen Zeit in die geistigen Welten hinaufstieg, so war man der Teilnehmer des langsamen Absterbens des Gottes. Wie man bei einem Menschen fühlt, wenn er in die geistige Welt hineingeht, so fühlte man als Eingeweihter der späteren ägyptischen Zeit, wie der Gott Abschied nimmt von der spirituellen Welt, um in eine andere Welt überzugehen. Das war das Bedeutsame und das Merkwürdige der späteren ägyptischen Initiation, daß man sich eigentlich hinauflebte in die geistigen Welten, nicht zur Wonne und Seligkeit, sondern um teilzunehmen an dem allmählichen Hinsterben eines Gottes, der als Weltenwort und Weltenton in diesen höheren Welten vorhanden war.
[ 21 ] In later Egyptian times—but also in other countries during this later Egyptian period—when a person ascended into the higher worlds, they felt much the same way as people still feel today, as was mentioned at the beginning of this lecture. One ascends into the higher worlds, one becomes acquainted with all the beings involved in the formation of the physical body and the etheric body, and one feels abandoned, feels lonely, when nothing else occurs besides what has been said, because one has something within oneself that yearns for the word of the world and the harmony of the world, and because the word of the world and the harmony of the world cannot resound. Today one feels forsaken and lonely. In the later Egyptian period, one felt not only forsaken and lonely, but—if one was what was called “a true son of the widow” and had emerged from the physical body and the etheric body and was in the spiritual worlds—as a human soul in such a way that one could only clothe one’s feeling in the words: God is preparing to depart from the worlds you have always entered when you felt the world-word; God has become ineffective there! And more and more this feeling condensed into what one might call the supersensory equivalent of what one encounters in the sensory world as the death of a human being: when one sees a person die here, when one knows they are leaving the physical world. And when one now, as an initiate of the later Egyptian period, ascended into the spiritual worlds, one was a participant in the slow dying of the god. Just as one feels when a human being enters the spiritual world, so did one feel, as an initiate of the later Egyptian period, how the god takes leave of the spiritual world in order to pass into another world. That was the significance and the peculiarity of later Egyptian initiation: that one actually lived one’s way up into the spiritual worlds, not for joy and bliss, but to participate in the gradual passing away of a god who was present in these higher worlds as the Word and Tone of the World.
[ 22 ] Aus dieser Stimmung heraus hat sich allmählich der Mythos von dem Osiris verdichtet, der der Isis entrissen wird, der nach Asien hinübergeführt wird und um den die Isis trauert.
[ 22 ] Out of this atmosphere, the myth of Osiris—who is snatched from Isis, carried off to Asia, and mourned by Isis—gradually took shape.
[ 23 ] Wir haben uns mit diesem Vortrage an das eine Ufer gestellt, an das eine Ufer jenes Stromes, welcher die Menschheitsentwickelung in zwei Teile teilt. Wir sind hergekommen von der Richtung dieser Menschheitsentwickelung bis an das Ufer, stehen an dem Ufer und haben uns dieses Stehen vergegenwärtigt durch die Stimmung des späteren ägyptischen Eingeweihten, des «Sohnes der Witwe», der eingeweiht wird, um Trauer und Resignation zu erleben. Es steht uns nun bevor, mit dem Kahn der Geisteswissenschaft den Fluß zu durchfahren, der die beiden Ufer der menschlichen Entwickelung trennt. Wir wollen im letzten Vortrage sehen, was an dem anderen Ufer ist, wenn wir unseren Kahn von der Stätte abstoßen, an der wir erfahren haben die Trauer um den in den Himmeln sterbenden Gott, wenn wir die Stätte verlassen, um einen Strom zu durchschwimmen, und ankommen am anderen Ufer. Wir wollen sehen, wenn wir an dem anderen Ufer ankommen mit der Erinnerung, daß wir vorher erlebt haben das Hinsterben eines Gottes in den Himmeln, was sich uns dann auf der anderen Seite dieses Stromes darbietet, wenn uns der Kahn der Geisteswissenschaft dahin trägt.
[ 23 ] With this lecture, we have taken our stand on one bank, on one bank of that river which divides human development into two parts. We have come here from the direction of this human development to the bank, we stand on the bank, and we have visualized this standing through the mood of the later Egyptian initiate, the “son of the widow,” who is initiated to experience grief and resignation. We now face the task of crossing the river that separates the two banks of human development in the boat of Spiritual Science. In the final lecture, let us see what lies on the other bank when we push our boat away from the place where we have experienced the mourning for the God dying in the heavens, when we leave that place to swim across a river, and arrive at the other bank. Let us see, when we arrive on the other bank with the memory that we have previously experienced the passing of a God in the heavens, what then presents itself to us on the other side of this stream, when the boat of Spiritual Science carries us there.
