The Mysteries of the Orient and Christianity
GA 144
7 February 1913, Berlin
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The Mysteries of the Orient and Christianity, tr. SOL
Vierter Vortrag
Fourth Lecture
[ 1 ] Wir haben vorgestern von den Erlebnissen der menschlichen Seele gegenüber den Mysterienprinzipien des Altertums gesprochen, den morgenländischen, ägyptischen Mysterienprinzipien. Damit sind wir gewissermaßen zum letzten Teile der Einweihungsschritte gekommen. Denn wir haben als charakteristisch für alles Mysterienwesen die vier Schritte angeführt: Herankommen bis an die Grenze des Todes, Bekanntschaft machen mit dem Leben in der elementarischen Welt, Schauen der Sonne um Mitternacht, und Stehen vor den oberen und unteren Göttern. Es ist ein Stehen vor unteren Göttern, wenn man, auf der einen Seite, diejenigen Kräfte wahrzunehmen hat, welche alles regieren, was sich auf die menschliche Leiblichkeit bezieht, die im Schlafe zurückbleibt als physischer Leib und Ätherleib. Da hat man es zu tun mit den unteren Göttern im weitesten Sinne des Wortes. Auf der anderen Seite hat man von den oberen Göttern bei all den Kräften zu sprechen, die zu tun haben mit der innersten Wesenheit des Menschen, mit dem also, was durch die verschiedenen Inkarnationen durchgeht: Ich und astralischer Leib. Schildern konnte ich vorgestern, wie die Erlebnisse eines heutigen Menschen sind, der mit dem Mysterienwesen bekannt wird, wenn er in der Akasha-Chronik zurückschaut in die Erlebnisse, welche Menschenseelen innerhalb der Mysterien in den alten Zeiten durchmachten. Und auf den tragischen Eindruck mußten wir hinweisen, welchen die ägyptischen einzuweihenden Seelen empfingen gegenüber den Veränderungen, die mit jener Weltenmacht vorgegangen waren, die innerhalb der ägyptischen Mysterien als die «Isis» bezeichnet worden ist. Genommen wurde der Isis — das ist ja bekannt aus der Osiris-Sage — der Gemahl, überwunden, von dem Feinde hinweggeführt, so daß wir der Isis dasjenige entrissen sehen, was wir als Osiris bezeichnet haben. Aber auch für das Leben in den höheren Welten haben wir kennengelernt die Folge dieser veränderten Lage im Leben der Isis. Die Seele, welche sich in den späteren ägyptischen Zeiten hinauferhoben hatte in die spirituellen Welten, sie wurde zur Teilnehmerin an dem allmählich für die höheren Welten sterbenden Gotte, der hinunterstieg in die irdische Region: an dem Schicksal des Osiris. Denn so wurde die Sache empfunden.
[ 1 ] The day before yesterday we spoke about the experiences of the human soul in relation to the mystery principles of antiquity, the Eastern and Egyptian mystery principles. With this, we have, so to speak, reached the final stage of the initiation process. For we have cited the four steps as characteristic of all mystery work: approaching the threshold of death, becoming acquainted with life in the elemental world, beholding the sun at midnight, and standing before the higher and lower gods. Standing before the lower gods means, on the one hand, perceiving those forces that govern everything related to human physicality—that which remains behind in sleep as the physical body and the etheric body. Here one is dealing with the lower gods in the broadest sense of the word. On the other hand, one speaks of the higher gods in connection with all the forces that have to do with the innermost being of the human being, that is, with what passes through the various incarnations: the I and the astral body. The day before yesterday I was able to describe what the experiences of a modern human being are like when they become acquainted with the mystery being, as they look back in the Akashic Records at the experiences that human souls underwent within the mysteries in ancient times. And we had to point out the tragic impression that the Egyptian souls to be initiated received in the face of the changes that had befallen that world power which, within the Egyptian mysteries, was designated as “Isis.” Isis—as is well known from the Osiris legend—had her husband taken from her, overcome and carried away by enemies, so that we see Isis deprived of that which we have called Osiris. But we have also come to know the consequences of this changed situation in Isis’s life for existence in the higher worlds. The soul that had ascended into the spiritual worlds in later Egyptian times became a participant in the fate of the god who was gradually dying for the higher worlds and descending into the earthly realm: in the fate of Osiris. For this is how the matter was perceived.
[ 2 ] Es ist nun außerordentlich schwierig, in Ideen und Begriffen von der weiteren Fortentwickelung dieses gewissermaßen «Götterschicksales» zu sprechen. Aber da wir uns in bezug auf die intimsten Dinge der höheren Welten daran gewöhnt haben, auch wohl da, wo unsere schon so profan gewordene Sprache mit Begriffen und Ideen in Worten nicht ausreicht, Bilder hinzuzunehmen, so sei das, was etwas wie ein Leitmotiv der heutigen Auseinandersetzungen bilden soll, in einem Bilde ausgedrückt, das Sie wohl verstehen werden.
[ 2 ] It is now extremely difficult to speak in terms of ideas and concepts about the further development of this “divine destiny,” so to speak. But since we have become accustomed, when it comes to the most intimate matters of the higher worlds, to supplementing our language—which has already become so profane that its concepts and ideas are insufficient in words—with images, let what is to serve as a kind of leitmotif for today’s discussions be expressed in an image that you will surely understand.
[ 3 ] Wir versetzen uns in die tragische Stimmung des zu Initiierenden der ägyptischen Zeit, versetzen uns hinein, wie diese Stimmung dadurch entstanden ist, daß er sich sagen mußte, was seine Erlebnisse ausdrückte: Ehedem fand ich, wenn ich hinaufkam in die spirituellen Welten, den Osiris, durchdringend die Weiten mit dem schöpferischen Wort und seinem Sinn, das darstellt die Grundkräfte alles Seins und Werdens. Stumm und schweigsam ist es geworden. Der Gott, der als Osiris bezeichnet worden ist, hat diese Region verlassen. Er hat sich angeschickt, in andere Regionen zu dringen. Er ist hinuntergestiegen in die irdische Region, um in die Seelen der Menschen einzuziehen. Erst damals wurde er, der den Menschenseelen früher geistig kund war, auch im physischen Leben offenbar, als Moses die Stimme vernahm in der Welt, die eigentlich früher nur in den spirituellen Welten hat gehört werden können: «Ejeh asher ejeh!» Ich bin der Ich-bin, der da war, der da ist, der da sein wird! Und dann ging das Einleben dieser Wesenheit, die allmählich als das schöpferische Wort sich in den spirituellen Welten für das Erlebnis des Einzuweihenden verloren hatte, über in die Erdenregion, damit es allmählich aufleben konnte in den Seelen der Erdenmenschen, und in diesem Aufleben zu immer höherer und höherer Glorie die weitere Entwickelung der Erde befeuern konnte — bis zum Ende der Erdenentwickelung.
[ 3 ] Let us immerse ourselves in the tragic mood of the initiate in ancient Egypt, and consider how this mood arose from the fact that he had to articulate what his experiences expressed: Once, when I ascended into the spiritual worlds, I found Osiris, permeating the vastness with the creative Word and its meaning, which represents the fundamental forces of all being and becoming. It has become silent and still. The god who was called Osiris has left this region. He has set out to penetrate other regions. He has descended into the earthly region to enter the souls of human beings. Only then did he, who had previously been spiritually known to human souls, also become manifest in physical life, when Moses heard the voice in the world that had previously only been audible in the spiritual worlds: “Ejeh asher ejeh!” I am the I Am who was, who is, who will be! And then the settling-in of this being, which had gradually been lost in the spiritual worlds as the creative Word for the experience of the initiate, passed into the earthly region so that it might gradually come to life in the souls of earthly human beings, and through this revival, in ever higher and higher glory, could fuel the further development of the Earth—until the end of Earth’s evolution.
[ 4 ] Versuchen wir uns einmal so recht lebhaft in die Stimmung eines solchen zu Initiierenden zu versetzen, wie er in den spirituellen Regionen, die er zunächst erreichen kann, das schöpferische Wort hinschwinden fühlte, wie es untertaucht in die irdische Region, dem spirituellen Blick zunächst verschwindet. Verfolgen wir die Erdenentwickelung, wie nun dieses schöpferische Wort für den spirituellen Blick so fortschreitet, wie etwa ein Fluß, der an der Oberfläche gewesen ist und dann unter der Erdoberfläche für eine gewisse Zeit verschwindet, um später an anderer Stelle wieder hervorzutreten. Und es trat wieder hervor, was die in tragischer Stimmung sich befindenden, in den späteren ägyptischen Mysterien zu initiierenden Seelen hinabsinken gesehen haben. Es trat hervor, und schauen konnten es in den späteren Zeiten diejenigen, dieam Mysterienwesen teilnehmen durften. Und ins Bild mußten sie bringen, was sie schauen konnten, was da wieder heraufstieg, aber jetzt so heraufstieg, daß es nunmehr zur Erdenentwickelung gehöftte.
[ 4 ] Let us try to vividly imagine ourselves in the mindset of such a person about to be initiated, as he felt the creative Word fade away in the spiritual regions he could initially reach, just as it submerges into the earthly realm and initially vanishes from spiritual sight. Let us follow the development of the Earth as this creative Word progresses before the spiritual gaze, much like a river that has been on the surface and then disappears beneath the Earth’s surface for a certain time, only to emerge again later in another place. And it emerged again, which the souls—who were in a tragic mood and were to be initiated into the later Egyptian mysteries—saw sinking down. It emerged, and in later times those who were permitted to participate in the mystery rites could behold it. And they had to translate into images what they could see, what was rising up again, but now rising up in such a way that it was now contributing to the development of the Earth.
[ 5 ] Wie stieg herauf, was im alten Ägypten untergetaucht war? — So stieg es herauf, daß es sichtbar wurde in jener heiligen Schale, die da bezeichnet wird als der «Heilige Gral», die da gehütet wird von den Rittern des Heiligen Gral. Und im Aufstieg des Heiligen Gral kann empfunden werden, was im alten Ägypten hinuntergetaucht ist. In diesem Aufsteigen des Heiligen Gral steht vor uns alles das, was nachchristliches Wiedererneuern des alten Mysterienwesens ist. Im Grunde genommen schließt das Wort «Heiliger Gral» und alles, was mit ihm zusammenhängt, das Wiederauftauchen des morgenländischen Mysterienwesens in sich ein.
[ 5 ] How did that which had been submerged in ancient Egypt rise up? — It rose up in such a way that it became visible in that sacred vessel known as the “Holy Grail,” which is guarded by the Knights of the Holy Grail. And in the ascent of the Holy Grail, one can sense what had sunk into the depths in ancient Egypt. In this ascent of the Holy Grail, we see before us everything that constitutes the post-Christian renewal of the ancient mystery tradition. Fundamentally, the term “Holy Grail” and everything associated with it encompasses the reemergence of the Eastern mystery tradition.
[ 6 ] Alles, was zu einer bestimmten Zeit in der Menschheitsentwickelung auftritt, um diese Menschheitsentwickelung fortzuführen, das muß in einer gewissen Beziehung in sich enthalten eine Art Wiederholung des Früheren. In einer jeden späteren Epoche müssen in anderer Form die früheren Erlebnisse der Menschheit wieder hervortreten. Wir wissen, daß an der dritten nachatlantischen Kulturepoche der menschlichen Entwickelung insbesondere die Empfindungsseele des Menschen teilgenommen hat, daß an der vierten nachatlantischen Kulturepoche, an der griechisch-lateinischen Epoche, vorzugsweise die Verstandes- oder Gemütsseele des Menschen teilgenommen hat, und daß in derjenigen Epoche, die auf die vierte folgte, in der wir selbst noch leben, die Bewußtseinsseele besonders zur Entwickelung kommen soll. Diese Dinge sind alle auch für den zu Initiierenden wichtig; denn auch für diesen müssen die gewichtigsten Kräfte der Initiation in einer gewissen Epoche ausgehen von demjenigen Seelengliede, das für diese Epoche ganz besonders wichtig ist.
[ 6 ] Everything that occurs at a particular time in human development in order to further that development must, in a certain sense, contain within itself a kind of repetition of what has gone before. In every subsequent epoch, humanity’s earlier experiences must reemerge in a different form. We know that the third post-Atlantean cultural epoch of human development was characterized in particular by the human sentient soul, that the fourth post-Atlantean cultural epoch, the Greco-Roman epoch, was characterized primarily by the human intellectual or emotional soul, and that in the epoch that followed the fourth, in which we ourselves still live, the conscious soul is to develop in a special way. These things are all important for the initiate as well; for even for the initiate, the most significant forces of initiation must, in a certain epoch, emanate from that aspect of the soul that is particularly important for that epoch.
[ 7 ] So hing die ägyptische Einweihung zusammen mit der Empfindungsseele, die griechisch-lateinische Einweihung hing zusammen mit der Verstandes- oder Gemütsseele, und so muß die Initiation der fünften nachatlantischen Kulturepoche mit der Bewußtseinsseele des Menschen zusammenhängen. Aber wiederholt muß werden, was einstmals der Initiierte durchgemacht hatte aus den Kräften der Empfindungsseele heraus, auch in dieser fünften Epoche, da sie in ihrer Morgenröte aufgeht, und ebenfalls muß wiederholt werden, was in der vierten nachatlantischen Kulturperiode durchgemacht worden ist. Dann kommt als neues hinzu, was eben aus der Bewußtseinsseele heraus an unterstützenden Kräften auch für den Initiierenden da sein muß. Gleichsam Wiederholungen desjenigen, um was es sich in den zwei früheren Epochen handelte, müssen auftreten, und das Neue, das für die Bewußtseinsseele besonders wichtig ist, muß hinzukommen. Daher muß der fünfte nachatlantische Kulturzeitraum da, wo er insbesondere zeigt das Heraufkommen der neuen Initiation, Institutionen zeigen, welche dem Menschen, der Menschenseele, wiederholen können die Geheimnisse, die sich über die menschliche Entwickelung ergossen haben durch die ägyptisch-chaldäische Seele, und wiederholen können die Geheimnisse, die sich in derjenigen Zeit ergossen hatten, die wir die vierte nachatlantische Kulturperiode, die griechischlateinische Zeit nennen, in der auch das Mysterium von Golgatha stattgefunden hat. Und dazukommen muß ein Neues.
[ 7 ] Thus, Egyptian initiation was connected with the sensory soul, Greek-Latin initiation was connected with the intellectual or emotional soul, and so the initiation of the fifth post-Atlantean cultural epoch must be connected with the human consciousness soul. But what the initiate once underwent through the powers of the feeling soul must be repeated, even in this fifth epoch as it dawns, and likewise, what was undergone in the fourth post-Atlantean cultural period must be repeated. Then there is something new to be added: the supporting forces that must also be present for the initiator, arising from the consciousness soul. As it were, repetitions of what was at stake in the two earlier epochs must occur, and the new element, which is particularly important for the conscious soul, must be added. Therefore, the fifth post-Atlantean cultural epoch, where it particularly reveals the emergence of the new initiation, institutions that can repeat to the human being, to the human soul, the mysteries that poured forth through human development via the Egyptian-Chaldean soul, and can repeat the mysteries that poured forth in the period we call the fourth post-Atlantean cultural epoch, the Greco-Latin era, in which the Mystery of Golgotha also took place. And something new must be added.
[ 8 ] So wie für ältere Zeiten, so drückt sich auch für diese neueren Zeiten das, was in den Tiefen des Mysterienwesens sich abgespielt hat, in der äußeren Darstellung in den mannigfaltigsten Legenden aus, die mehr oder weniger Geheimnisse ausdrücken, an denen die Menschenseele teilzunehmen hat. Da war es notwendig, daß die Geheimnisse der ägyptisch-chaldäischen Zeit in einer Art Wiederholung vor die Seelen des fünften Zeitraumes traten. Es waren die Geheimnisse, die sich bezogen auf den Kosmos, auf das Hereinströmen der Kräfte des Tierkreises, der Planeten, namentlich aber die Geheimnisse, die sich bezogen auf das Zusammenwirken von Sonne und Mond und auf das Wandern der Wirkungen von Sonne und Mond — ich rede von den scheinbaren Bewegungen, weil die uns die Vorgänge ganz genügend charakterisieren — durch die Zeichen des Tierkreises.
[ 8 ] Just as in earlier times, so too in these more recent times, what has taken place in the depths of the mystery tradition finds expression in the outer world through a manifold variety of legends, which more or less express the mysteries in which the human soul is to share. It was therefore necessary for the mysteries of the Egyptian-Chaldean era to appear before the souls of the fifth epoch in a kind of repetition. These were the mysteries relating to the cosmos, to the inflow of the forces of the zodiac and the planets, but especially the mysteries relating to the interaction of the sun and moon and to the wandering of the effects of the sun and moon—I speak of the apparent movements, because they characterize the processes quite sufficiently—through the signs of the zodiac.
[ 9 ] Aber ein Unterschied mußte bestehen zwischen dem, wie diese Geheimnisse für die fünfte Kulturperiode auftraten, und der Art, wie sie in der dritten Kulturperiode auftraten. Es sollte ja alles in die Bewußtseinsseele hereinwirken, in das, was des Menschen Persönlichkeit ausmacht, was des Menschen Persönlichkeit konstituiert. Das geschah in einer ganz besonderen Weise dadurch, daß jene inspirierenden Kräfte, die, wenn sich die Seelen in die geistige Region des Kosmos versetzten, in der dritten nachatlantischen Kulturepoche geschaut wurden und gleichsam hereinströmten aus dem Weltenraume in die Erde, während des fünften Kulturzeitraumes gewisse Menschen inspirierten. So daß es Menschen gab in der Morgenröte der fünften Kulturepoche, die nicht gerade durch ihre Schulung, aber durch gewisse geheimnisvolle Wirkungen, die zunächst einmal geschahen, die Werkzeuge, die Träger wurden von kosmischen Wirkungen, wie sie von Sonne und Mond ausgingen bei deren Durchgang durch die Zeichen des Tierkreises. Und was dann für die Menschenseele errungen werden konnte an Geheimnissen durch diese Menschen, das war die Wiederholung dessen, was einst durch die Empfindungsseele erlebt worden war. Und die Menschen, welche den Wandel von kosmischen Kräften durch die Tierkreiszeichen ausdrückten, das waren die, welche man nannte die «Ritter von König Artus’ Tafelrunde».
[ 9 ] But there had to be a difference between how these mysteries appeared during the fifth cultural epoch and the way they appeared during the third cultural epoch. After all, everything was meant to work its way into the conscious soul—into that which constitutes the human personality, that which forms the essence of the human personality. This occurred in a very special way through the fact that those inspiring forces which, when souls transported themselves into the spiritual region of the cosmos, were beheld in the third post-Atlantean cultural epoch and, as it were, streamed in from outer space onto the Earth, inspired certain people during the fifth cultural epoch. So that there were people in the dawn of the fifth cultural epoch who, not so much through their training, but through certain mysterious influences that initially took place, became the instruments, the bearers of cosmic influences, such as those emanating from the Sun and Moon as they passed through the signs of the zodiac. And what could then be attained for the human soul in terms of mysteries through these people was a repetition of what had once been experienced by the feeling soul. And the people who expressed the transformation of cosmic forces through the signs of the zodiac were those whom one called the “Knights of King Arthur’s Round Table.”
[ 10 ] Zwölf waren es, die umgeben waren von einer Schar anderer Menschen, sie waren aber die Hauptritter. Die anderen Menschen stellten gleichsam das Sternenheer dar, in sie flossen die Inspirationen ein, die mehr zerstreut im Weltenraume waren; in die zwölf Ritter aber die Inspirationen, die von den zwölf Richtungen des Tierkreises herkamen. Und die Inspirationen, welche von den spirituellen Kräften von Sonne und Mond herkamen, waren dargestellt durch König Artus und seine Gemahlin Ginevra. So hatte man den vermenschlichten Kosmos in «König Artus’ Tafelrunde». Das, was man nennen kann die hohe pädagogische Schule für die Empfindungsseele des Westens, das ging aus von König Artus’ Tafelrunde. Daher wird uns erzählt — und die Legende berichtet hier in Bildern äußerer Tatsachen von inneren Geheimnissen, die in der Morgenröte jenes Zeitraumes mit der Menschenseele geschahen —, wie die Ritter von König Artus’ Tafelrunde die Erde durchwanderten und Ungeheuer und Riesen töteten. Was hier in äußeren Bildern dargestellt wird, deutet hin auf jene Bemühungen, die mit den Menschenseelen gemacht worden sind, welche vorwärtskommen sollten in bezug auf die Läuterung und Reinigung derjenigen Kräfte des astralischen Leibes, die sich eben in jenen Bildern für den Seher ausdrückten, in den Bildern von Ungeheuern und Riesen und dergleichen. Alles, was also die Empfindungsseele durchleben sollte durch das neuere Mysterienwesen, das ist gebunden an die Vorstellungen von König Artus’ Tafelrunde.
[ 10 ] There were twelve of them, surrounded by a crowd of other people, but they were the principal knights. The other people represented, as it were, the host of stars; into them flowed the inspirations that were more scattered throughout the cosmos; but into the twelve knights flowed the inspirations that came from the twelve directions of the zodiac. And the inspirations that came from the spiritual forces of the sun and moon were represented by King Arthur and his wife Guinevere. Thus, the humanized cosmos was embodied in “King Arthur’s Round Table.” What might be called the high pedagogical school for the feeling soul of the West originated from King Arthur’s Round Table. Hence we are told—and the legend here recounts, through images of external events, the inner mysteries that took place within the human soul at the dawn of that era—how the knights of King Arthur’s Round Table roamed the earth and slew monsters and giants. What is depicted here in external images points to those efforts made with the human souls that were to progress in regard to the purification and cleansing of those forces of the astral body which were expressed for the seer precisely in those images—in the images of monsters and giants and the like. Everything that the feeling soul was to experience through the newer mystery being is thus linked to the mental images of King Arthur’s Round Table.
[ 11 ] Was die Verstandesseele oder Gemütsseele in dieser neueren Zeit für den Westen durchleben sollte, das hat wiederum legendarische Darstellung gefunden, und es ist ausgedrückt in der Sage von dem Heiligen Gral selber. Dasjenige also, was von der Zeitepoche her wiederholt werden mußte, in der das Mysterium von Golgatha stattgefunden hat, das konzentrierte sich in alledem, was ausströmte von den Geheimnissen des Heiligen Gral. Und von da gingen aus auf diejenigen, welche das Verständnis gewannen vom Heiligen Gral, jene Wirkungen, die sich abspielen konnten in der Verstandes- oder Gemütsseele, wenn man nun verstehen wollte seine Zeit. Und auch noch in der Gegenwart müssen diese Wirkungen auf die Menschenseele ausgeübt werden, wenn diese Menschenseele initiiert werden soll, Verständnis haben soll für das, was eigentlich das spirituelle Wesen unserer Zeit ist. Von vielen, vielen Geheimnissen ist dieser Heilige Gral umgeben. Selbstverständlich können heute nur ganz skizzenhafte Andeutungen gemacht werden von diesen Geheimnissen; allein, es kann das den Ausgangspunkt bilden zu späteren genaueren Betrachtungen, die vielleicht einmal über diese Geheimnisse des Heiligen Gral angestellt werden können. In dem Heiligen Gral war nämlich alles enthalten, wenn man ihn in seiner Wesenheit verstand, was die Geheimnisse der Menschenseele in der neueren Zeit charakterisierte.
[ 11 ] What the intellectual soul or emotional soul was to experience in the West during this more recent era has, in turn, found expression in legend, and is embodied in the legend of the Holy Grail itself. That which had to be repeated from the epoch in which the Mystery of Golgotha took place was concentrated in all that emanated from the mysteries of the Holy Grail. And from there, those effects that could take place in the intellectual or emotional soul—if one wished to understand one’s time—radiated out to those who gained an understanding of the Holy Grail. And even in the present day, these effects must be exerted upon the human soul if that human soul is to be initiated, if it is to have an understanding of what the spiritual essence of our time actually is. The Holy Grail is surrounded by many, many mysteries. Of course, only very sketchy hints can be given today regarding these mysteries; yet this can serve as the starting point for later, more detailed considerations that may one day be undertaken regarding these mysteries of the Holy Grail. For the Holy Grail contained everything—when understood in its essence—that characterized the mysteries of the human soul in modern times.
[ 12 ] Nehmen wir einen neueren Initiierten, wenn er, nachdem er mit seinem Ich und astralischen Leib sich frei gemacht hatte von dem physischen Leib und Ätherleib, herausgekommen war aus physischem Leib und Ätherleib und hinschaute von außen auf diesen physischen Leib und Ätherleib, nehmen wir einen solchen neueren Initiierten und vergegenwärtigen wir uns, was er an diesem physischen Leib und Ätherleib sah. Er sah etwas, was in einer gewissen Beziehung, wenn man es nicht gründlich verstehen lernt, recht sehr zur Beunruhigung Veranlassung geben könnte. Und er sieht es noch heute. In den physischen Leib und Ätherleib ist etwas eingegliedert, was diese nach verschiedenen Richtungen wie Strömungen durchzieht, auch wie Stränge durchzieht. So wie die Nervenstränge den physischen Leib durchziehen, nur feiner als die Nerven, so ist etwas in den physischen Leib eingegliedert, wovon der okkulte Blick ergibt: Das ist ja tot, — so tot, daß es der Mensch eigentlich wie einen toten Substanzteil in seinem eigenen Leibe hat. Das ist dasselbe, was jetzt tot ist, was zum Tode verurteilt ist schon während des ganzen Lebens zwischen Geburt und Tod, und was noch lebendig war während der morgenländischen Entwickelungszeit der Menschheit. Ja, diese Erfahrung macht man, daß heute in den Menschenleibern etwas tot ist, was einst lebendig war. Und nun forscht man danach, was denn das eigentlich ist, was da wie ein Einschluß im Menschenleibe tot ist, und was einst lebendig war. «Tot» ist relativ zu verstehen; es wird zwar belebt von der Umgebung, aber es sind solche Richtungen und Strömungen im Menschenleibe, die gegenüber dem Lebendigen immer die Anlage zum Toten haben. Man forscht, woher das kommt, und man findet dann, daß es von folgendem kommt.
[ 12 ] Let us take a recent initiate who, having freed himself from the physical and etheric bodies with his ego and astral body, has emerged from the physical and etheric bodies and is looking at them from the outside. Let us take such a recent initiate and consider what he saw in this physical and etheric body. He saw something that, in a certain sense, if one does not learn to understand it thoroughly, could give quite a lot of cause for concern. And he still sees it today. Something is incorporated into the physical and etheric bodies that runs through them in various directions like currents, and also like strands. Just as nerve strands run through the physical body, only finer than the nerves, so is something incorporated into the physical body of which the occult gaze reveals: This is indeed dead—so dead that the human being actually has it in his own body like a dead part of substance. This is the very same thing that is now dead, that is condemned to death already throughout the entire life between birth and death, and that was still alive during the Eastern phase of human development. Indeed, one experiences that something in human bodies today is dead that was once alive. And now one investigates what this actually is—what lies dead within the human body like an inclusion, and what was once alive. “Dead” is to be understood relatively; although it is enlivened by the environment, there are certain tendencies and currents within the human body that, in contrast to the living, always have the potential for death. One investigates where this comes from, and one then finds that it comes from the following:
[ 13 ] Einstmals in alten Zeiten hatten die Menschenseelen ein gewisses Hellsehen gehabt, und noch in den letzten Zeiten der ägyptisch-chaldäischen Kultur war dieses Hellsehen so vorhanden, daß der Mensch, wenn er zum Sternenhimmel hinaufsah, nicht bloß die physischen Sterne sah, sondern da sah er noch die geistigen Wesenheiten, die mit diesen Sternen vereinigt sind. Das gab einen anderen Eindruck auf die Menschenseele, wenn sie in den Zwischenzuständen zwischen Wachen und Schlafen ins Universum hinaussah und Spitituelles sah, als die Eindrücke, die es heute für die Menschenseele gibt, wenn man im heutigen Sinne die Wissenschaft lernt, oder wenn man überhaupt mit dem gewöhnlichen heutigen Bewußtsein lebt. Aber alle die Seelen, die heute leben, die heute verkörpert sind, waren ja in der ägyptisch-chaldäischen Zeit auch verkörpert. Alle die Seelen, die heute hier sitzen, haben einst aus ihren Leibern herausgeschaut in den Sternenraum, haben teilgenommen an dem spirituellen Leben im Universum und die Eindrücke davon empfangen. Das hat sich auf die Seelen abgelagert, das ist ein Bestandteil der Seelen geworden. Alle die heutigen Seelen haben einstmals hinausgeschaut in das Universum und die spirituellen Eindrücke ebenso empfangen, wie sie heute die Eindrücke der Farben und Töne empfangen. Im Grunde der Seelen ist es, und die Seelen bauten sich ihre Leiber danach auf. Aber die Seelen haben es vergessen! Für das heutige Bewußtsein ist es nicht mehr in den Seelen. Und was an aufbauenden Kräften in den Seelen entspricht dem Alten, was damals die Seelen aufgenommen haben, das kann jetzt nicht am Leibe bauen, das läßt den entsprechenden Teil des physischen Leibes und Ätherleibes tot. Und wenn nichts anderes einträte, wenn die Menschen nur fortleben würden mit jenen Wissenschaften, die sich auf das äußere Physische beziehen, so müßten die Menschen immer mehr und mehr verfallen, weil die Seelen das — von den einstigen Eindrücken der spirituellen Welt —, was zum Beleben und zum Aufbau des physischen Leibes und Ätherleibes gehört, vergessen haben.
[ 13 ] In ancient times, human souls possessed a certain clairvoyance, and even in the final days of the Egyptian-Chaldean culture, this clairvoyance was still present to such an extent that when a person looked up at the starry sky, they saw not only the physical stars, but also the spiritual beings united with those stars. This made a different impression on the human soul when, in the intermediate states between waking and sleeping, it looked out into the universe and saw spiritual things, than the impressions that exist for the human soul today when one studies science in the modern sense, or when one lives at all with the ordinary consciousness of today. But all the souls living today, who are incarnated today, were also incarnated in the Egyptian-Chaldean era. All the souls sitting here today once looked out from their bodies into the starry space, participated in the spiritual life of the universe, and received impressions of it. This has settled within the souls; it has become a part of them. All the souls of today once looked out into the universe and received spiritual impressions just as they receive the impressions of colors and sounds today. It is at the core of the souls, and the souls built their bodies accordingly. But the souls have forgotten it! For today’s consciousness, it is no longer in the souls. And whatever constructive forces in the souls correspond to the ancient impressions the souls absorbed back then cannot now build the body; they leave the corresponding part of the physical body and etheric body dead. And if nothing else were to intervene, if people were to continue living solely with those sciences that relate to the outer physical world, then humanity would have to decline more and more, because the souls have forgotten—from the former impressions of the spiritual world—that which belongs to the enlivening and building up of the physical body and the etheric body.
[ 14 ] Das schaut der heute zu Initiierende, und er kann sich sagen: Da lechzen die Seelen danach, in dem physischen Leibe und Ätherleibe etwas zu beleben, was sie tot lassen müssen, weil das, was sie einst aufgenommen haben, ins heutige Bewußtsein nicht hinaufdringt. Das ist der beunruhigende Eindruck, den der heute zu Initiierende hat.
[ 14 ] This is what the person to be initiated today sees, and he may say to himself: The souls are yearning to enliven something in the physical and etheric bodies that they must leave dead, because what they once took in does not rise up into today’s consciousness. That is the unsettling impression the initiate of today has.
[ 15 ] Es ist also etwas im Menschen, was der Herrschaft der Seele entzogen ist. Ich bitte Sie, gerade dieses Wort recht ernst zu nehmen, denn dadurch charakterisiert sich das Wesen des modernen Menschen, daß etwas in diesem Wesen des modernen Menschen ist, was der Herrschaft der Seele entzogen ist, was wie Totes gegenüber der umliegenden lebendigen Umgebung des menschlichen Organismus ist. Und indem sie wirken auf dieses Tote, haben auf den Menschen die luziferischen und ahrimanischen Kräfte Einfluß in einem ganz besonderen Maße, in einer ganz besonderen Art. Während der Mensch auf der einen Seite ja immer freier und freier werden kann, schleichen sich in das, was der Herrschaft der Seele entzogen ist, gerade die ahrimanischen und luziferischen Kräfte ein. Das ist der Grund, warum sich so viele Naturen in der modernen Zeit finden, die — mit Recht — sagen, daß sie fühlen, wie wenn zwei Seelen in ihrer Brust wohnten, wie wenn sich wirklich die eine von der anderen trennen wollte. Vieles von den Rätseln des modernen Menschen, von den inneren Erlebnissen des modernen Menschen ruht in dem, was eben gesagt worden ist. Und der sogenannte Heilige Gral war nichts anderes und ist nichts anderes als das, was pflegen kann den lebendigen Teil der Seele so, daß er Herr werden kann des Totgewordenen. Und Montsalvatsch, die Pflegestätte des Heiligen Gral, ist die Schule, in der man zu lernen hat für den lebendigen Teil der Menschenseele das, was man natürlich in den morgenländischen und in ägyptischen Mysterien nicht zu lernen brauchte: wo man zu lernen hat, was man hineingießen muß in den lebendig gebliebenen Teil der Seele, damit man Herr werden kann des Totgewordenen des physischen Leibes und des Unbewußtgewordenen der Seele. Daher sah die mittelalterliche Anschauung in diesen Gralsgeheimnissen das, was sich bezog auf die Wiederholung der griechisch-lateinischen Zeit, auf die Wiederholung der Erlebnisse in der Verstandes- oder Gemütsseele; denn in ihr wurzelt eigentlich am meisten das, was vergessen und tot geworden ist. Daher bezogen sich die Gralsgeheimnisse auf die Durchdringung dieser Verstandes- oder Gemütsseele mit neuer Weisheit.
[ 15 ] There is, therefore, something within the human being that is beyond the soul’s control. I ask you to take this very word quite seriously, for the essence of modern humanity is characterized by the fact that there is something within this essence of modern humanity that is beyond the soul’s control, something that stands as a dead element in contrast to the living environment surrounding the human organism. And by acting upon this dead element, the Luciferic and Ahrimanic forces exert an influence on human beings to a very special degree, in a very special way. While human beings can, on the one hand, become ever freer and freer, it is precisely the Ahrimanic and Luciferic forces that creep into that which is beyond the soul’s control. This is the reason why so many people in modern times find themselves saying—and rightly so—that they feel as if two souls dwelled within their breast, as if one truly wanted to separate from the other. Much of the mystery of modern humanity, of the inner experiences of modern humanity, lies in what has just been said. And the so-called Holy Grail was nothing other than—and is nothing other than—that which can nurture the living part of the soul so that it may become master of what has become dead. And Montsalvatsch, the sanctuary of the Holy Grail, is the school where one must learn for the living part of the human soul what, of course, one did not need to learn in the Eastern and Egyptian mysteries: where one must learn what one must pour into the part of the soul that has remained alive, so that one may become master of what has become dead in the physical body and of what has become unconscious in the soul. Hence the medieval view saw in these Grail mysteries that which related to the repetition of the Greco-Latin era, to the repetition of the experiences in the intellectual or emotional soul; for it is in this soul that what has been forgotten and has died is actually most deeply rooted. Hence, the Grail mysteries referred to the permeation of this intellectual or emotional soul with new wisdom.
[ 16 ] Wenn der mittelalterliche Initiierte im Bilde darstellen wollte, was er zu lernen hatte, um so seinen lebendig gebliebenen Seelenteil zu durchdringen mit der neuen Weisheit, so wies er hin auf die Burg des Heiligen Gral und auf das, was als neue Weisheit — das ist ja der «Gral» — von dieser Burg ausgeht. Und wenn er hinweisen wollte auf das, was dieser neuen Weisheit feindlich ist, so wies er hin auf ein anderes Gebiet, auf jenes Gebiet, worinnen alle die Wesenheiten und Kräfte hausten, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, an den tot gewordenen Teil des menschlichen Leibes und den unbewußt gewordenen Teil der menschlichen Seele heranzukommen. Dieses Gebiet, in das mit Recht — im okkulten Sinne gesprochen mit Recht versetzt wurden alle die Nachkömmlinge der schlimmen geistigen Wesenheiten älterer Zeiten, die sich herüberbewahrt hatten die schlimmsten Kräfte orientalischer Zauberei — nicht die besten Kräfte, die auch geblieben waren —, das Gebiet, das in dieser angedeuteten Beziehung am bösartigsten war, das da dem Gral am feindlichsten gegenübersteht, war «Chastelmarveille», der Sammelort von alledem, was an den Menschen herankommt, an dieses Gebiet des Leibes und der Seele des Menschen, das eben ein solches karmisches Schicksal erfahren hat, wie eben angedeutet worden ist. Was heute schon mehr vergeistigt ist, was übergegangen ist in eine Weisheit, die überall hingebracht werden kann — weil wir jetzt schon am Übergange zur sechsten Kulturepoche stehen, wo diese Dinge nicht mehr an Orte gebunden sind —, das war in jener mittelalterlichen Zeit, wie ich es auch angedeutet habe in dem Buche «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit», noch an gewisse Örtlichkeiten gebunden. Während es also für die alten Zeiten in der Tat nicht im uneigentlichen Sinne gesprochen ist, wenn man auf Ötrtlichkeiten hinweist, so daß man hinzureisen hatte an eine gewisse Örtlichkeit, wenn man die betreffenden Lehren haben wollte, muß man heute so sprechen, daß die Weisheiten einen weniger lokalen Charakter haben; denn wir leben in der Zeit des Überganges von dem Leben in Raum und Zeit in mehr geistige Formen der Zeit.
[ 16 ] When the medieval initiate wished to illustrate what he had to learn in order to imbue the part of his soul that remained alive with the new wisdom, he pointed to the castle of the Holy Grail and to that which emanates from this castle as new wisdom—for that is, after all, the “Grail.” And when he wished to point to that which is hostile to this new wisdom, he pointed to another realm—the realm in which all those beings and forces dwelled that had made it their task to gain access to the part of the human body that had become dead and the part of the human soul that had become unconscious. This realm, into which—in the occult sense—all the descendants of the evil spiritual beings of earlier times had rightly been banished, those who had preserved the worst forces of Oriental sorcery—not the best forces, which had also remained— the realm that was the most malevolent in this indicated respect, the one most hostile to the Grail, was “Chastelmarveille,” the gathering place of all that approaches human beings, that part of the human body and soul which has undergone precisely such a karmic fate as has just been indicated. What is already more spiritualized today, what has passed into a wisdom that can be brought everywhere—because we are now already at the transition to the sixth cultural epoch, where these things are no longer bound to places—was, in that medieval time, as I have also indicated in the book *The Spiritual Guidance of the Individual and of Humanity*, still bound to certain localities. While it is indeed not inaccurate to speak of specific locations in reference to ancient times—so that one had to travel to a certain place if one wished to receive the relevant teachings—today we must speak in such a way that these teachings have a less local character; for we are living in the time of transition from life in space and time to more spiritual forms of existence.
[ 17 ] Während man nun an den Westen von Europa die Burg des Gral verweist, ist die Burg der Gegnerschaft des Gral lokal zu verweisen an einen anderen Ort, wo der Mensch, wenn er hinkommt, durch gewisse spirituelle Kräfte, die dort sind, sowohl einen großen, gewaltigen guten Eindruck haben kann, wie auf der anderen Seite auch den gegenteiligen durch andere Kräfte, die bis in die heutigen Zeiten dort geblieben sind, wie eine Akasha-Nachwirkung von jenen Gralsgegnern, von denen hier gesprochen wurde. Denn an jenem Orte kann man von den schlimmsten Kräften sprechen, die noch in ihren Nachwirkungen bemerkbar sind. Einst haben sich an diesem Orte abgespielt, man möchte sagen, ganz im physischen Leben vor sich gehende böse Künste, von denen ausgestrahlt haben die Angriffe auf den unbewußt gewordenen Teil der Menschenseele und den tot gewordenen Teil der menschlichen Organisation. Und das alles gliedert sich um eine Gestalt herum, die sagenhaft aus dem Mittelalter herüberschimmert, die aber der mit dem Mysterienwesen Bekannte ganz gut kennt, um eine Persönlichkeit, die eine reale war um die Mitte des Mittelalters, um Klinschor, den Herzog von Terra de labür, eine Gegend, die wir zu suchen haben örtlich in dem heutigen südlichen Kalabrien. Von dort aus erstreckten sich die Streifzüge des Feindes des Gral besonders hinüber nach Sizilien. Ebenso wie wir, wenn wir heute den Boden Siziliens betreten und den okkulten Blick haben, auf uns einwirken sehen — was schon öfter erwähnt worden ist — die Akasha-Nachwirkungen des großen Empedokles, wie diese in der Atmosphäre Siziliens vorhanden sind, so sind auch in ihr heute noch wahrzunehmen die bösen Nachwirkungen Klinschors, der einstmals sich verbunden hat von seinem Herzogtum Terra de labür aus über die Meerenge hinüber mit jenen Feinden des Gral, die dort seßhaft waren in jener Feste, die man im Okkultismus und in der Legende nennt Kalot bobot.
[ 17 ] While the Castle of the Grail is now associated with Western Europe, the castle of the Grail’s adversaries must be located elsewhere, where a person, upon arriving there, may experience both a profound, powerful positive impression due to certain spiritual forces present there, and conversely, the opposite effect from other forces that have remained there to this day—like an Akashic aftereffect of those Grail adversaries mentioned here. For at that place one can speak of the worst forces, the aftereffects of which are still perceptible. Once, evil arts—one might say, taking place entirely within physical life—unfolded at this place, from which radiated the attacks upon the part of the human soul that had become unconscious and the part of the human organism that had become dead. And all of this revolves around a figure who shimmers legendarily from the Middle Ages, but whom those familiar with the world of the Mysteries know quite well—a personality who was a real figure around the middle of the Middle Ages, Klinschor, the Duke of Terra de labür, a region we must locate geographically in present-day southern Calabria. From there, the enemy of the Grail’s forays extended particularly across to Sicily. Just as we, when we set foot on Sicilian soil today and possess the occult gaze, see the Akashic aftereffects of the great Empedocles—as has often been mentioned—affecting us, as these are present in the atmosphere of Sicily, so too can the evil aftereffects of Klinschor still be perceived there today, who once allied himself from his duchy of Terra de labür across the strait with those enemies of the Grail who were settled there in that fortress which is called Kalot bobot in occultism and legend.
[ 18 ] Kalot bobot auf Sizilien war in der Mitte des Mittelalters der Sitz jener Göttin, die man nennt Iblis, die Tochter des Eblis. Und unter allen schlimmen Verbindungen, die innerhalb der Erdentwickelungen sich zwischen Wesenheiten, in deren Seelen okkulte Kräfte waren, zugetragen haben, ist den Okkultisten als die schlimmste dieser Verbindungen diejenige des Klinschor mit der Iblis, der Tochter des Eblis, bekannt. «Iblis» ist schon dem Namen nach charakterisiert als verwandt mit «Eblis»: so heißt in der mohammedanischen Tradition die Gestalt, die wir mit «Luzifer» bezeichnen. Eine Art weiblicher Aspekt von «Eblis», dem mohammedanischen Luzifer, ist «Iblis», mit der sich zu seinen bösen Künsten, durch die er im Mittelalter gegen den Gral wirkte, derjenige verband, den man den bösen Zauberer Klinschor nennt.
[ 18 ] In the Middle Ages, Kalot Bobot in Sicily was the seat of the goddess known as Iblis, the daughter of Eblis. And among all the evil connections that have occurred within the course of Earth’s evolution between beings whose souls contained occult powers, occultists recognize the connection between Klinschor and Iblis, the daughter of Eblis, as the worst of these. “Iblis” is, by its very name, characterized as related to “Eblis”: this is the name in the Muslim tradition for the figure we call “Lucifer.” “Iblis” is a sort of feminine aspect of “Eblis,” the Muslim Lucifer, with whom the one known as the evil sorcerer Klinschor allied himself in his wicked arts, through which he worked against the Grail in the Middle Ages.
[ 19 ] Diese Dinge müssen in Bildern, die aber den Realitäten entsprechen, zum Ausdruck kommen, sie können nicht in abstrakten Ideen ausgesprochen werden. Und die ganze Feindschaft zum Gral spielte sich ab auf jener Feste der Iblis «Kalot bobot», auf die sich auch jene merkwürdige Königin Sybille mit ihrem Sohne Wilhelm 1194 unter der Herrschaft Heinrichs VI. geflüchtet hat. Alles, was man unternommen hat als eine feindliche Herrschaft gegen den Gral, und wodurch auch verwundet worden ist Amfortas, das ist zuletzt zurückzuführen auf den Bund, den Klinschor geschlossen hat auf der Festung der Iblis, Kalot bobot. Und alles, was hereinleuchtet an Elend und Not in das Gralstum durch Amfortas, drückt sich aus in diesem Bund. Das macht es, daß die Seele auch heute noch stark gewappnet sein muß, wenn sie in die Nähe jener Gegenden kommt, von denen alle feindlichen Einflüsse ausgehen können, die sich für die Geheimnisse des Gral auf die fortschreitende Menschheitsentwickelung beziehen.
[ 19 ] These things must be expressed through images that correspond to reality; they cannot be conveyed through abstract ideas. And the entire enmity toward the Grail took place at that fortress of Iblis, “Kalot bobot,” to which that strange Queen Sybille also fled with her son William in 1194 during the reign of Henry VI. Everything that has been undertaken as a hostile rule against the Grail, and through which Amfortas was also wounded, can ultimately be traced back to the pact that Klinschor concluded at the fortress of Iblis, Kalot bobot. And all the misery and hardship that shines into the Grail realm through Amfortas is expressed in this pact. This is why the soul must still be strongly armed today when it comes near those regions from which all hostile influences may emanate—influences that, in relation to the mysteries of the Grail, affect the ongoing development of humanity.
[ 20 ] Wenn wir die Sache so ansehen, haben wir auf der einen Seite das Reich des Gral, auf der anderen Seite das böse Reich Chastelmarveille, in das hereinspielt, was der Bund von Klinschor mit Iblis gestiftet hat. Und wir haben da in einer wunderbaren Weise dramatisch ausgedrückt ein Zusammenspielen desjenigen, was das selbständigste, das innerste der Seelenglieder — die Verstandes- oder Gemütsseele — auszuhalten hat gegenüber den Angriffen von außen. Die Verstandesoder Gemütsseele war im vierten nachatlantischen Kulturzeitraum noch nicht so innerlich, wie sie werden mußte im fünften. Sie zog sich von jenem Leben mehr mit der Außenwelt, wie es im Griechen- und Römertum vorhanden war, zurück in das Innere des Menschen, wurde selbständiger, auch freier. Dafür aber war sie von all den Mächten, aus den Gründen, die angeführt worden sind, viel angreifbarer als in der griechisch-lateinischen Zeit. Die ganze Veränderung, die mit der Verstandes- oder Gemütsseele vorgegangen war, drückt sich aus in dem, was stammelnd, sagenhaft und doch so dramatisch vor uns steht in dem Gegensatz von «Montsalvatsch» und «Chastelmarveille». Alle Leiden und alle Überwindungen der Verstandesoder Gemütsseele fühlen wir nachklingen in den Erzählungen, die mit dem Heiligen Gral zusammenhängen. Alles, was anders werden mußte mit der Menschenseele in der neueren Zeit, zeigt sich dem, der mit dem Mysterienwesen bekannt wurde. Da brauchen wir nur auf einen konkreten Fall hinzuweisen.
[ 20 ] If we look at it this way, we have, on the one hand, the realm of the Grail, and on the other, the evil realm of Chastelmarveille, into which the pact between Klinschor and Iblis has brought its influence. And here we have, expressed in a wonderfully dramatic way, an interplay of what the most independent, the innermost of the soul’s members—the intellectual or emotional soul—must endure in the face of attacks from without. In the fourth post-Atlantean cultural epoch, the intellectual or emotional soul was not yet as inward-looking as it had to become in the fifth. It withdrew from that life, which was more oriented toward the external world as it existed in Greek and Roman times, into the inner being of the human being, becoming more independent and also freer. But for this reason, it was, for the reasons cited, much more vulnerable to all those forces than in the Greco-Roman era. The entire transformation that had taken place with the intellectual or emotional soul is expressed in what stands before us, stammering, legendary, and yet so dramatic, in the contrast between “Montsalvatsch” and “Chastelmarveille.” We feel all the sufferings and all the triumphs of the intellectual or emotional soul resonating in the tales connected with the Holy Grail. Everything that had to change in the human soul in modern times reveals itself to those who have become acquainted with the nature of the mysteries. We need only point to a specific case.
[ 21 ] Gar oft wird von Menschen, die sich noch nicht genügend Begriffe in dieser Sache angeeignet haben, etwa auf folgendes hingewiesen: Wie kann zum Beispiel ein Mensch wie Goethe auf der einen Seite in seiner Seele gewisse Geheimnisse dieser Menschenseele tragen, und auf der anderen Seite oftmals so von Leidenschaft durchwühlt sein, wie es die Menschen nun eben finden, die in einer etwas äußerlichen Weise die Goethe-Biographie verfolgen. Und in der Tat: Wir haben ja in Goethe, wenn wir ihn so zunächst betrachten, etwas vor uns, was im krassen Sinne eine «Doppelnatur» ist. Für einen oberflächlichen Blick lassen sich auch kaum die beiden Seiten bei ihm in Einklang bringen: Auf der einen Seite steht die hochsinnige große Seele, welche gewisse Partien des zweiten Teiles des «Faust» aushauchen durfte, die manche tiefe Geheimnisse des Menschenwesens zum Ausdruck gebracht hat in dem «Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie», und man möchte alles vergessen, was man vielleicht aus der Biographie Goethes weiß, und sich ganz nur hingeben der Seele, die so etwas vermochte, wenn man eingeht auf eben diese Seele. Und dann wiederum tritt auf bei Goethe, ihn selbst quälend, ihn in vieler Beziehung mit Gewissensbissen durchdringend, die andere Natur, «menschlich allzu menschlich» in vieler Beziehung.
[ 21 ] People who have not yet fully grasped this subject often point out the following: How, for example, can a person like Goethe, on the one hand, carry within his soul certain mysteries of the human soul, and on the other hand, be so often torn by passion, as is evident to those who follow Goethe’s biography in a somewhat superficial manner? And indeed: When we first look at Goethe, we see before us something that, in the strictest sense, is a “dual nature.” At a superficial glance, the two sides of him can hardly be reconciled: on the one hand stands the highly spiritual, great soul that was able to breathe life into certain passages of the second part of *Faust*, that expressed many deep mysteries of the human being in the “Tale of the Green Snake and the Beautiful Lily,” and one would like to forget everything one might know from Goethe’s biography and devote oneself entirely to the soul capable of such things, if one were to engage with that very soul. And then, in turn, there emerges in Goethe—tormenting him, piercing him in many respects with pangs of conscience—the other nature, “all too human” in many respects.
[ 22 ] So auseinandergefaltet sind die beiden Naturen des Menschen in den alten Zeiten nicht gewesen; sie konnten nicht so auseinanderfallen. Es konnte nicht ein Mensch, dessen Biographie in einer solchen Weise darzustellen ist wie die Goethes, zu solchen Höhen hinaufkommen, wie sie sich ausleben in gewissen Partien des zweiten Teiles des «Faust» oder in dem «Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie», und in seiner Seele so auseinanderfallen. Das war in älteren Zeiten unmöglich. Erst in den neueren Zeiten ist es möglich geworden, weil in der menschlichen Natur sich der angedeutete unbewußt gewordene Teil der Seele und der tote Teil des Organismus findet. Was lebendig geblieben ist, kann sich so weit hinaufläutern und reinigen, daß in ihm Platz haben kann, was zum «Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie» führt, und das andere kann den Attacken der äußeren Welt eben ausgesetzt sein. Und weil sich da die charakterisierten Kräfte einnisten können, deshalb kann unter Umständen eine recht geringe Übereinstimmung mit dem höheren Ich des Menschen vorhanden sein. Man muß nur verstehen, wie die Seele, die in Goethe lebte, einst auch zu den ägyptischen Initiierten gehörte, dann in Griechenland lebte, dort Bildhauer war und zu gleicher Zeit ein Philosophenschüler. Dann kommt eine Inkarnation — wahrscheinlich nur eine — zwischen dieser griechischen Inkarnation und der als Goethe, die ich noch nicht finden konnte. Wenn wir uns dies vor die Seele halten, dann können wir sehen, wie eine solche Seele, die in den alten Inkarnationen den ganzen Menschen beherrschen konnte, hinuntergeführt wird, dann aber von der gesamten Menschennatur zunächst etwas übrig lassen muß, worauf die schlimmen Kräfte Einfluß haben können.
[ 22 ] The two aspects of human nature were not so distinctly separated in ancient times; they could not have been so divided. A person whose life story could be portrayed in the manner of Goethe’s could not have risen to such heights as those expressed in certain passages of the second part of *Faust* or in the “Tale of the Green Snake and the Beautiful Lily,” nor could their soul have fragmented in such a way. That was impossible in earlier times. It has only become possible in more recent times, because within human nature lies the part of the soul that has become unconscious and the dead part of the organism. What has remained alive can purify and refine itself to such an extent that there is room within it for what leads to the “Tale of the Green Snake and the Beautiful Lily,” while the other part may be exposed to the assaults of the external world. And because the forces described above can take root there, there may, under certain circumstances, be very little harmony with the higher self of the human being. One need only understand how the soul that lived in Goethe once also belonged to the Egyptian initiates, then lived in Greece, where it was a sculptor and at the same time a student of philosophy. Then there is an incarnation—probably only one—between this Greek incarnation and the one as Goethe, which I have not yet been able to find. If we hold this before our soul, we can see how such a soul, which in its former incarnations was able to master the whole human being, is led downward, but must then initially leave behind a part of the entire human nature upon which the evil forces can exert their influence.
[ 23 ] Das ist das Geheimnisvolle und so schwierig zu Verstehende in Naturen wie Goethe. Das ist es aber auch, was soviele Geheimnisse in der Menschenseele der modernen Zeit zum Ausdruck bringt. Alles, was sich da an Zweiheiten der Menschennatur abspielt, greift zunächst an die Verstandes- oder Gemütsseele, und diese spaltet sich eigentlich in jene «zwei Seelen», wovon die eine ziemlich stark untertauchen kann in die Materie, die andere hinaufgehen kann in das Spirituelle.
[ 23 ] This is what is so mysterious and difficult to understand in personalities like Goethe. But it is also what gives expression to so many mysteries in the human soul of modern times. Everything that takes place there in terms of the dualities of human nature first affects the intellectual or emotional soul, and this actually splits into those “two souls,” one of which can sink quite deeply into the material, while the other can ascend into the spiritual.
[ 24 ] So ist uns dargestellt in den «Rittern von König Artus’ Tafelrunde» die Wiederholung alles dessen, was der neu Einzuweihende in gewissem Sinne zu erleben hat in der Empfindungsseele. In dem, was sich um den Heiligen Gral herumgruppiert, ist dargestellt, was in der neueren Zeit die Verstandes- oder Gemütsseele erleben kann. Alles, was nun der Mensch durchzumachen hat, damit er den einen Teil seiner Doppelnatur stark genug macht, um in die Geheimnisse der spirituellen Welten in der neueren Zeit eindringen zu können, das muß sich in der Bewußtseinsseele abspielen. Das ist das Neue, was hinzukommen muß. Und was sich in der Bewußtseinsseele abspielen muß, das ist ausgedrückt in alle dem, was sich um die Gestalt des Parzival herumkristallisiert. Alle Legenden, die an König Artus’ Tafelrunde anknüpfen, stellen dar die Wiederholungen der Erlebnisse der früheren Zeiten in der Empfindungsseele; alle die Legenden und Erzählungen, die unmittelbar zusammenhängen mit demHeiligenGral, abgesehen von Parzival, stellen dar, was die Verstandes- oder Gemütsseele durchleben muß; und alles, was in der Gestalt des Parzival zum Ausdruck kommt, dieses Ideales der neueren Initiation, insofern diese neuere Initiation abhängt von der Bewußtseinsseele, das stellt dar die Kräfte, die vorzugsweise eben durch das in uns angeeignet werden müssen, was wir die Bewußtseinsseele nennen.
[ 24 ] Thus, the “Knights of King Arthur’s Round Table” depict the repetition of everything that the initiate-to-be must, in a certain sense, experience in the feeling soul. What is depicted in the events surrounding the Holy Grail is what the intellectual or emotional soul can experience in modern times. Everything that a person must now go through in order to strengthen that part of their dual nature sufficiently to penetrate the mysteries of the spiritual worlds in modern times must take place in the conscious soul. This is the new element that must be added. And what must take place in the consciousness soul is expressed in all that crystallizes around the figure of Parzival. All the legends connected to King Arthur’s Round Table represent the repetitions of the experiences of earlier times in the feeling soul; all the legends and tales directly connected to the Holy Grail, apart from Parzival, represent what the intellectual or emotional soul must go through; and everything that finds expression in the figure of Parzival—this ideal of the newer initiation, insofar as this newer initiation depends on the conscious soul—represents the forces that must be acquired primarily through what we call the conscious soul.
[ 25 ] So stellt sich im Grunde genommen die Zusammenwirkung der drei Seelenglieder des Menschen der neueren Zeit in der dreifach legendarischen Gestalt dar. Und wie man durch ältere Legenden durchfühlen kann tiefe Geheimnisse der Menschenseele, so kann man auch durch diese Legenden die tiefen Mysteriengeheimnisse der neueren Zeit nun durchfühlen. Es ist eben durchaus etwas Unwahrhaftiges darin, wenn man die Vorstellung erwecken will, als ob das Initiationswesen sich seit den älteren Zeiten nicht geändert hat, und als ob ein heutiger Mensch des Westens dieselben Stufen durchmachen müßte, wie sie ein Mensch des alten oder auch des neueren Morgenlandes durchgemacht hat. Die Dinge vollziehen sich wohl so, daß das, was in einem früheren Zeitpunkte charakteristisch war, sich für gewisse Völkerschaften noch in einen späteren Zeitpunkt hineinzieht. Wahr ist es vielmehr, daß das ganze Initiationswesen der neueren Zeit einen viel innerlicheren Charakter hat, viel stärkere Anforderungen zwar stellt an das Innerste der Menschenseele, aber in einer gewissen Weise nicht unmittelbar herankann an das Äußere der Menschennatur, so daß viel mehr als in der alten Initiation das Äußere dadurch geläutert und gereinigt werden muß, daß das Innere stark wird und Herr wird über das Äußere. Äußere Askese, äußere Trainierung gehört viel mehr zu dem Wesen der alten Initiation; unmittelbare Evolution der Seele selber, so daß diese Seele gerade in ihrem Innern starke Kräfte entwickelt, gehört viel mehr zu dem Wesen der neueren Initiation. Und weil die äußeren Verhältnisse eben so sind, daß erst im Laufe der Zeit die toten Einschlüsse der Menschennatur überwunden werden, die den Initiierten heute so beunruhigen können, deshalb muß man sagen: Es wird in unserer Zeit und in die weitere Zukunft hinein durchaus noch viele ähnliche Naturen geben, wie Goethe eine war, die mit dem einen Teil ihres Wesens hoch hinaufsteigen, mit dem anderen Teile dagegen mit dem «Menschlichen, Allzumenschlichen» zusammenhängen. Naturen, die in den früheren Inkarnationen durchaus nicht diese Eigentümlichkeiten zeigten, die im Gegenteil damals eine gewisse Harmonie des Äußeren und des Inneren zeigten, sie können hineingeworfen werden in neuere Inkarnationen, in denen sich eine tiefe Disharmonie zwischen der äußeren und der inneren Organisation zeigen kann. Und die, welche die Geheimnisse der menschlichen Inkarnationen kennen, werden sich nicht beirrt fühlen, wenn eine solche Disharmonie da sein kann; denn es wächst ja in demselben Maße, als diese Dinge zunehmen, auch die Urteilsfähigkeit der Menschen, und damit hört das alte Autoritätsprinzip auf. Daher muß immer mehr und mehr appelliert werden an die Prüfung dessen, was aus den Mysterien kommt. Es wäre bequemer, nur auf die Außenseiten derer, die zu lehren haben, zu achten, weil man sich da nicht darauf einzulassen hat, ob die Tatsachen, was sie zu lehren und zu sagen und geistig zu tun haben, mit dem Menschenverstande und mit der vorurteilsfreien Logik zusammenhängen. Obzwar nicht im allermindesten die Zweiheit der Menschennatur in Schutz genommen werden sollte, sondern im strengsten Sinne die Herrschaft der Seele über das Äußere gefordert werden muß, so muß doch gesagt werden, daß die angedeuteten Tatsachen für die neuere Entwickelung durchaus stimmen.
[ 25 ] This is essentially how the interplay of the three soul elements of modern humanity is represented in the threefold legendary figure. And just as one can sense the deep mysteries of the human soul through older legends, so too can one now sense the profound mysteries of modern times through these legends. There is indeed something untrue in the attempt to create a mental image of the nature of initiation that has not changed since ancient times, and that a modern Westerner must pass through the same stages as a person from the ancient or even the modern East. Things do indeed unfold in such a way that what was characteristic at an earlier point in time continues into a later period for certain peoples. It is rather true that the entire nature of modern initiation has a much more inner character; it places much greater demands on the innermost core of the human soul, yet in a certain sense cannot directly address the outer aspects of human nature, so that, far more than in ancient initiation, the outer must be purified and cleansed by the inner becoming strong and taking dominion over the outer. External asceticism and external training belong much more to the nature of ancient initiation; the direct evolution of the soul itself, so that this soul develops strong powers precisely within itself, belongs much more to the nature of modern initiation. And because external conditions are such that only over time will the dead elements of human nature—which can be so troubling to the initiate today—be overcome, we must say: There will certainly still be many natures in our time and into the future similar to that of Goethe, who, with one part of their being, rise high, while with the other part, on the contrary, are connected to the “human, all-too-human.” Natures that in earlier incarnations did not at all exhibit these peculiarities—that, on the contrary, showed a certain harmony between the outer and the inner at that time—may be cast into more recent incarnations in which a deep disharmony between the outer and inner organization may become apparent. And those who know the mysteries of human incarnations will not feel misled if such a disharmony exists; for as these things increase, so too does the power of human judgment, and with that the old principle of authority comes to an end. Therefore, there must be an ever-increasing appeal to the examination of what comes from the mysteries. It would be more convenient to pay attention only to the outward appearances of those who have to teach, because then one need not concern oneself with whether the facts—what they have to teach, say, and do spiritually—are consistent with human reason and unbiased logic. Although the duality of human nature should not be defended in the slightest, but rather the soul’s dominion over the external must be demanded in the strictest sense, it must nevertheless be said that the facts indicated are entirely consistent with recent developments.
[ 26 ] Denn im Grunde genommen sind sie noch immer vorhanden, wenn auch in anderer Gestalt, die Nachwirkungen Klinschors und der Iblis. Insbesondere stehen wir gegenwärtig vor einer Zeitepoche, in der diese Wirkungen, diese Attacken, die von Klinschor und der Iblis ausgehen und die Menschen nach und nach ergreifen, sich auch hineinschleichen in das intellektuelle Leben, in dasjenige intellektuelle Leben, das zusammenhängt mit der modernen Bildung, mit der Popularisierung der modernen Wissenschaft. Was schon seit langem der Mensch lernt, was man betrachtet als das, was richtig ist, dem Kinde beizubringen und es im Kinde heranzuzüchten, und das, was zum Bodensatze der neueren Bildung genommen wird, das ist ja nicht bloß danach zu beurteilen, ob jemand, der glaubt, ganz gescheit zu sein, sagt, er sehe die Dinge ein, und sie seien absolut wahr, sondern alles ist danach zu beurteilen, wie es auf die Seelen wirkt, wie es die Seelen befruchtet, was es für Eindrücke auf die Seelen macht. Und wenn man in dem Sinne eben gescheiter und gescheiter wird, wie es heute Mode ist, den Menschen «gescheit» zu nennen, so entwickelt man in seiner Seele solche Kräfte, die in dieser Inkarnation vielleicht sich sehr fähig erweisen, das große Wort zu führen da, wo man materialistisch oder monistisch leben will; aber dann veröden gewisse lebendige Kräfte, die im Organismus des Menschen sein sollen. Und wenn eine solche Seele, die nur diesen eigentümlichen Bodensatz moderner Bildung in sich aufgenommen hat, dann in die nächste Inkarnation hineinkommt, so fehlen ihr die Kräfte, um den Organismus ordentlich aufzubauen. Je verstandesmäßiger, «gescheiter» man in einer früheren Inkarnation ist in bezug auf die Zeit, der wir entgegengehen, desto «blödsinniger» ist man in einer späteren Inkarnation. Denn jene Kategorien und Begriffe, die sich nur auf das äußere sinnliche Dasein und auf solche Ideen beziehen, die das äußere sinnliche Dasein zusammenhalten, stellen eine solche Konfiguration in der Seele her, die noch so fein sein mag in intellektueller Beziehung, die aber die intensive Kraft verliert, um auf das Gehirn zu wirken und sich des Gehirns zu bedienen. Und sich des Gehirns nicht bedienen können im physischen Leben, heißt eben blöde sein.
[ 26 ] For, in essence, the aftereffects of Klinschor and the Iblis are still present, albeit in a different form. In particular, we are currently facing an era in which these effects, these attacks emanating from Klinschor and the Iblis and gradually taking hold of people, are also creeping into intellectual life—into that intellectual life connected with modern education and the popularization of modern science. What people have long been taught, what is regarded as the right thing to teach a child and to cultivate in the child, and what is taken as the foundation of modern education—this is not to be judged merely by whether someone who believes himself to be quite clever says he understands things and that they are absolutely true, but everything must be judged by how it affects the souls, how it enriches the souls, what impressions it makes on the souls. And if one becomes smarter and smarter in this sense, as it is fashionable today to call people “smart,” then one develops in one’s soul certain powers that in this incarnation may prove very capable of holding sway where one wishes to live materialistically or monistically; but then certain living forces that ought to be present in the human organism wither away. And when such a soul, having absorbed only this peculiar dreg of modern education, then enters the next incarnation, it lacks the forces to properly build up the organism. The more intellectual, the “smarter” one is in an earlier incarnation with regard to the time we are heading toward, the more “foolish” one is in a later incarnation. For those categories and concepts that relate only to external sensory existence and to the ideas that hold external sensory existence together create a configuration in the soul—however refined it may be intellectually—that loses the intense power to act upon the brain and make use of it. And not being able to make use of the brain in physical life means, quite simply, being stupid.
[ 27 ] Wenn das, was die Materialisten behaupten, Wahrheit wäre: daß das Gehirn es ist, welches denkt, so könnte man ihnen ja allerdings einigen Trost geben. Aber diese Behauptung ist eben nicht wahr, ebenso wie die andere Behauptung nicht wahr ist, daß das «Sprachzentrum» sich selbst gebildet hätte. Es hat sich dadurch gebildet, daß die Menschen sprechen lernten, und daher ist das Sprachzentrum ein Ergebnis der Sprache. Und so ist alle Gehirntätigkeit ein Ergebnis des Denkens, nicht umgekehrt, auch in der Geschichte. Das Gehirn ist plastisch ausgestaltet durch das Denken. Wenn nur solche Gedanken ausgebildet werden, wie sie heute gang und gäbe sind, wenn die Gedanken nicht durchdrungen werden von der Weisheit des Spirituellen, dann können sich die Seelen, die sich heute nur in dem Materiellen denkend beschäftigen, in den späteren Inkarnationen ihres Gehirns nicht mehr ordentlich bedienen, weil die Kräfte das Gehirn nicht mehr angreifen können, weil sie zu schwach werden. Das ist so, daß eine Seele, die heute bloß, sagen wir, Soll und Haben zusammenaddiert oder sich mit den Usancen des kommerziellen oder industriellen Lebens beschäftigt oder nur materialistische Wissenschaftsbegriffe aufnimmt, sich anfüllt mit Denkgebilden, die nach und nach in späteren Inkarnationen das Bewußtsein verdunkeln, weil das Gehirn wie eine unplastische Masse — gerade wie heute bei der Gehirnerweichung — nicht mehr von den Denkkräften angegriffen werden könnte. Daher muß für den, der in diese tieferen Kräfte der menschheitlichen Entwickelung hineinschaut, alles, was in der Seele leben kann, durchsetzt werden von der spirituellen Erfassung der Welt.
[ 27 ] If what the materialists claim were true—that it is the brain that thinks—then one could indeed offer them some consolation. But this claim is simply not true, just as the other claim is not true—that the “language center” formed itself. It formed because humans learned to speak, and therefore the language center is a result of language. And so all brain activity is a result of thinking, not the other way around, even in history. The brain is shaped by thinking. If only such thoughts are formed as are common today, if thoughts are not permeated by spiritual wisdom, then the souls who today engage only in material thinking will no longer be able to make proper use of their brains in later incarnations, because the forces can no longer influence the brain, as they become too weak. It is the case that a soul who today merely, let us say, adds up debits and credits, or concerns itself with the customs of commercial or industrial life, or merely absorbs materialistic scientific concepts, fills itself with thought-forms that gradually obscure consciousness in later incarnations, because the brain, like an unplastic mass—just as with cerebral softening today—can no longer be penetrated by the forces of thought. Therefore, for those who look into these deeper forces of human development, everything that can live in the soul must be permeated by a spiritual understanding of the world.
[ 28 ] So mag denn die Menschennatur in der neueren Zeit noch eine Doppelnatur sein. In die Kräfte, die vorzugsweise der Bewußtseinsseele angehören, muß der Mensch Wissen aufnehmen, innerliches spirituelles Wissen, spirituelle Erkenntnis. Überwinden muß der Mensch die zwei Gebiete, die Parzival durchmacht: überwinden muß er die «Dumpfheit» und den «Zweifel» in seiner Seele. Denn wenn er mitnehmen würde Dumpfheit und Zweifel in die spätere Inkarnation, so würde er mit ihnen nicht zurecht kommen. Wissend muß der Mensch werden in bezug auf die spirituellen Welten. Nur dadurch, daß sich in der Menschenseele das Leben ausbreitet, das Wolfram von Eschenbach Saelde nennt und das kein anderes Leben ist als das, welches spirituelles Wissen über die Bewußtseinsseele ergießt, nur dadurch kann die menschliche Seelenentwickelung von dem fünften Zeitraum an in den sechsten wirklich fruchtbar hinüberschreiten.
[ 28 ] Thus, human nature in modern times may still be a dual nature. Into the powers that belong primarily to the conscious soul, human beings must take in knowledge—inner spiritual knowledge, spiritual insight. Human beings must overcome the two states that Parzival experiences: they must overcome the “dullness” and the “doubt” in their souls. For if they were to carry dullness and doubt into their next incarnation, they would not be able to cope with them. Human beings must become knowledgeable regarding the spiritual worlds. Only through the unfolding in the human soul of the life that Wolfram von Eschenbach calls “Saelde”—a life that is none other than that which pours spiritual knowledge over the conscious soul—only through this can the development of the human soul truly pass fruitfully from the fifth period into the sixth.
[ 29 ] Das gehört zu den Ergebnissen der neueren Mysterien; das sind die gewichtigen, bedeutsamen Ergebnisse, die aufgenommen werden müssen aus den heutigen Mysterien, die eine Nachwirkung des Gralmysteriums sind. Das ist aber auch so, daß es — ungleich allem älteren Mysterienwissen — wirklich auch allgemein verstanden werden kann. Denn nach und nach müssen eben überwunden werden die unbewußten und toten Kräfte der Seele und des Organismus durch eine starke Durchdringung der Bewußtseinsseele mit spirituellem Wissen, das heißt mit verstandenem, begriffenem spirituellen Wissen, nicht mit einem auf Autorität gebauten Wissen.
[ 29 ] This is one of the outcomes of the modern mysteries; these are the weighty, significant outcomes that must be taken from today’s mysteries, which are an aftereffect of the Grail Mystery. But it is also true that—unlike all older mystery knowledge—it can truly be understood by everyone. For little by little, the unconscious and dead forces of the soul and the organism must be overcome through a powerful permeation of the conscious soul with spiritual knowledge, that is, with spiritual knowledge that is understood and grasped, not with knowledge based on authority.
[ 30 ] Selbst solche Dinge, wie sie heute gesagt worden sind, können, wenn man alles in Erwägung zieht, was die heutige Bildung, das heutige Wissen den Menschen geben kann, wenn sie gehört worden sind — gefunden werden können sie ja nur von dem, der die heutigen Mysterien schauend kennenlernt —, durch und durch begriffen werden, richtig durch und durch begriffen werden. Und sie sollen durch und durch begriffen werden! So mag denn vielleicht bei manchem modernen Menschen, der da hinaufstrebt in die höheren Welten, an seiner äußeren Gestalt noch etwas sichtbar sein von dem «Menschlich-Allzumenschlichen» oder von demjenigen, wodurch er sich heraushebt aus dem Menschlichen, Allzumenschlichen. Ja, es mögen die «Narrenkleider» durch die Rüstung des Spirituellen hindurch noch sichtbar sein wie bei Parzival. Aber darauf kommt es nicht an. Sondern darauf kommt es an, daß in der Seele vorhanden ist der Drang nach spirituellem Wissen, nach spirituellem Verständnis — jener Drang, der unauslöschlich in Parzival ist und der ihn endlich doch hinbringt zur Burg des Heiligen Gral. Man kann in dem, was über Parzival dargestellt ist, wenn man es richtig versteht, alle die verschiedenen Trainierungen der Bewußtseinsseele finden, die notwendig sind, damit von der Bewußtseinsseele in der richtigen Weise gewirkt wird, so daß der Mensch Besitz ergreifen kann von den Kräften, die durcheinanderwirbeln und miteinander kämpfen in der Verstandes- oder Gemütsseele. Je mehr der heutige Mensch in sich selber eingeht und Selbsterkenntnis üben will, ehrlich Selbsterkenntnis üben will, desto mehr wird er finden, wie in seiner Seele wühlt der Kampf, der ein Kampf innerhalb der Verstandes- oder Gemütsseele ist. Denn «Selbsterkenntnis» ist in dieser Beziehung heute etwas Schwierigeres, als viele Menschen glauben, und wird im Grunde genommen noch immer schwieriger und schwieriger werden. Da versucht der eine zur Selbsterkenntnis zu kommen, und wenn er auch imstande ist, äußerlich sich in vieler Beziehung Zügel anzulegen und ein Charakter zu sein, so merkt er gar häufig, wenn der Zeitpunkt herankommt, wie in seinem tiefsten Innern die verborgensten Leidenschaften und die verborgensten Kräfte wühlen, wie sie zerreißen gerade das, was die Region der Verstandes- oder Gemütsseele ist.
[ 30 ] Even such things as have been spoken of today can, when one takes into account everything that modern education and modern knowledge can offer people—and once they have been heard (for they can only be found by those who come to know the modern mysteries through direct perception)—be understood thoroughly, truly understood through and through. And they must be understood through and through! So perhaps in some modern person who is striving upward into the higher worlds, something of the “human, all-too-human” or of that which sets them apart from the human, all-too-human, may still be visible in their outward form. Yes, the “fool’s garments” may still be visible through the armor of the spiritual, as with Parzival. But that is not what matters. What matters is that the soul possesses the urge for spiritual knowledge, for spiritual understanding—that urge which is indelible in Parzival and which ultimately leads him to the castle of the Holy Grail. In what is depicted about Parzival, if one understands it correctly, one can find all the various exercises of the conscious soul that are necessary for the conscious soul to act in the right way, so that the human being can take possession of the forces that swirl about and struggle with one another in the intellectual or emotional soul. The more the modern human being turns inward and seeks self-knowledge—honest self-knowledge—the more they will discover how the struggle rages within their soul, a struggle that is a battle within the intellectual or emotional soul. For “self-knowledge” is, in this regard, something more difficult today than many people believe, and will, in fact, become increasingly difficult. One person tries to attain self-knowledge, and even if he is able to restrain himself outwardly in many respects and maintain a certain character, he often notices, when the moment comes, how the most hidden passions and the most hidden forces are stirring in his innermost being, how they are tearing apart precisely that which constitutes the region of the intellectual or emotional soul.
[ 31 ] Und wie steht in unserer Gegenwart zuweilen der Mensch sonst da, der es mit Erkenntnis und Wissen ernst nimmt! Denjenigen Menschen mag vielleicht die Schwierigkeit dieses inneren Lebens niemals aufgehen, die in einem äußeren wissenschaftlichen Betriebe oder in dem Nachsprechen desjenigen, was den äußeren wissenschaftlichen Betrieb bildet, wirkliches echtes Wissen und wirkliche echte Erkenntnis sehen. Aber eine Seele, die es ernst und würdig mit dem Erkenntnisdrang nimmt, ist anders daran, wenn sie wahrhaftig in ihr Inneres schaut. Die geht hin, sucht vielleicht in dieser oder jener Wissenschaft, sucht und sucht, sucht auch im Leben zurechtzukommen mit dem, was sich im Menschenleben darstellt. Wenn sie eine Weile gesucht hat, glaubt sie dies oder jenes zu wissen. Aber dann sucht sie weiter. Und je mehr sie sucht mit den Mitteln der Zeit, desto mehr fühlt sie sich oftmals zerrissen, desto mehr fühlt sie sich hineingezogen in den Zweifel. Und die Seele, die, nachdem sie die Zeitbildung aufgenommen hat, sich erst mit dieser Zeitbildung gesteht, daß sie nichts wissen kann, diese Seele ist oftmals diejenige, welche am ernstesten und würdigsten Selbsterkenntnis übt.
[ 31 ] And how, in our time, does the person who takes knowledge and understanding seriously often appear? The difficulty of this inner life may never dawn on those who see real, genuine knowledge and real, genuine understanding in external scientific activity or in the mere repetition of what constitutes that external scientific activity. But a soul that takes the urge for insight seriously and with dignity is different when it truly looks within itself. It goes forth, perhaps seeking in this or that science, seeking and seeking, seeking also to come to terms in life with what presents itself in human existence. After seeking for a while, it believes it knows this or that. But then it seeks on. And the more it seeks with the means of the age, the more it often feels torn, the more it feels drawn into doubt. And the soul that, having taken in the culture of the age, first admits to itself through this culture that it can know nothing—this soul is often the one that practices self-knowledge most seriously and with the greatest dignity.
[ 32 ] Eigentlich kann es eine tiefere moderne Seele gar nicht geben, die nicht durch den nagenden Zweifel durchgeht. Kennengelernt sollte die moderne Seele diesen nagenden Zweifel haben! Dann wird sie erst mit starken Kräften einmünden in jenes spirituelle Wissen, das für die Bewußtseinsseele das eigentlich ist, und das sich erst aus der Bewußtseinsseele ergießen muß in die Verstandes- oder Gemütsseele, um dort Herr zu werden. Daher müssen wir in vernünftiger Weise zu durchdringen suchen, was unserer Bewußtseinsscele dargereicht wird aus dem okkulten Wissen. Dadurch werden wir in unserem Innern ein solches Selbst heranziehen, das innerhalb des Innern ein wirklicher Herr und Herrscher ist. Dann stehen wir, wenn wir das moderne Mysterienwesen kennenlernen, uns selbst gegenüber.
[ 32 ] In truth, there can be no truly deep modern soul that has not been tested by gnawing doubt. The modern soul must come to know this gnawing doubt! Only then will it flow with powerful forces into that spiritual knowledge which is the very essence of the conscious soul, and which must first pour forth from the conscious soul into the intellectual or emotional soul in order to take hold there. Therefore, we must seek to penetrate in a rational manner what is presented to our conscious soul from occult knowledge. Through this, we will cultivate within ourselves a self that is a true lord and ruler within our inner being. Then, when we come to know the modern mystery, we will stand face to face with ourselves.
[ 33 ] So muß sich eigentlich der an das Mysterienwesen Herantretende fühlen, so sich gegenüberstehen, daß er sich bestrebt, einer zu werden, der nachstrebt den Tugenden Parzivals, und der doch weiß, daß er noch ein anderer ist: daß er — durch alle die geschilderten Verhältnisse der neueren Zeit, weil er ein Mensch der neueren Zeit ist — der verwundete Amfortas ist. Der Mensch der neueren Zeit trägt diese Doppelnatur in sich: strebender Parzival — und verwundeter Amfortas. So muß er sich selbst fühlen in seiner Selbsterkenntnis. Daraus quellen dann die Kräfte, die eben aus dieser Zweiheit heraus zur Einheit werden müssen und den Menschen wieder ein Stück weiterbringen sollen in der Weltentwickelung. In unserer Verstandes- oder Gemütsseele, in den Tiefen unseres Innern müssen sich treffen der an Leib und Seele in einer gewissen Beziehung verwundete moderne Mensch, der Amfortas, und Parzival, der Pfleger der Bewußtseinsseele. Und es ist nicht uneigentlich gesprochen, sondern ganz eigentlich gesprochen, daß der Mensch, um die Freiheit sich zu erringen, durch die «Verwundung» des Amfortas gehen muß, den Amfortas in sich kennenlernen muß, damit er auch den Parzival kennenlernen kann. Wie es angemessen war in der ägyptischen Zeit, hinaufzusteigen in die spirituellen Welten, um die Isis kennenzulernen, so ist es in der heutigen Zeit angemessen, auszugehen von der Spiritualität dieser Welt, und durch die spirituelle Art dieser Welt hinaufzukommen in die höheren spirituellen Welten. Das ist nicht eine wirkliche Charakteristik unserer Zeit, wenn man die Amfortas-Natur hinwegleugnen will. Weil sich der moderne Mensch so gern mit der Maja umgibt, geschieht es, daß er den Amfortas hinwegleugnen will. Denn wie schön klingt es, wenn gesagt wird: Die Menschheit schreitet immer vorwärts! Ja, aber dieses Vorwärtsschreiten macht eben verschlungene Wege durch! Und um in der Menschennatur die Parzival-Kräfte auszubilden, muß die Amfortas-Natur im Menschen selber erkannt werden.
[ 33 ] This is how one who approaches the mystery must actually feel, standing before it in such a way that he strives to become one who seeks the virtues of Parzival, yet knows that he is still another: that he—through all the circumstances of modern times described, because he is a person of modern times—is the wounded Amfortas. The modern human being carries this dual nature within: the striving Parzival—and the wounded Amfortas. This is how he must perceive himself in his self-knowledge. From this spring the forces that must emerge from this duality to become unity and are meant to advance humanity a step further in the evolution of the world. In our intellectual or emotional soul, in the depths of our inner being, the modern human being—who is, in a certain sense, wounded in body and soul—Amfortas, must meet Parzival, the guardian of the conscious soul. And it is not spoken figuratively, but quite literally, that in order to attain freedom, the human being must pass through the “wounding” of Amfortas, must come to know the Amfortas within, so that he may also come to know the Parzival. Just as it was appropriate in Egyptian times to ascend into the spiritual worlds to come to know Isis, so it is appropriate in our time to start from the spirituality of this world and, through the spiritual nature of this world, to ascend into the higher spiritual worlds. This is not a true characteristic of our time if one wishes to deny the Amfortas nature. Because modern man so readily surrounds himself with maya, it happens that he wishes to deny Amfortas. For how beautiful it sounds when it is said: Humanity is always moving forward! Yes, but this forward progress takes winding paths! And in order to develop the Parzival forces within human nature, the Amfortas nature must be recognized within the human being himself.
[ 34 ] So habe ich mich für diesen Zyklus zunächst bemüht, in Anlehnung an Legenden, aus denen ich die Bilder für tiefe Seelenvorgänge zu holen versuchte, wenigstens etwas von Ihrem tieferen Ahnen hinzuführen zu dem modernen Mysterienwesen. Vielleicht wird es uns auch einmal gelingen, in noch deutlicheren Worten, wenn es sein kann, von dem zu sprechen, was das moderne Mysterienwesen über die Wesenheit des modernen Menschen enthüllt, über die zweifache Natur, die der Mensch in sich trägt: über Amfortas und Parzival.
[ 34 ] Thus, for this cycle, I initially endeavored—drawing on legends from which I sought to draw images of profound psychological processes—to convey at least something of their deeper origins to the modern mystery-seeker. Perhaps we will one day succeed in speaking, in even clearer terms if possible, of what the modern mystery tradition reveals about the nature of modern humanity, about the dual nature that human beings carry within themselves: about Amfortas and Parzival.
