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The Occult Significance of the Bhagavad Gita
GA 146

4 June 1913, Helsinki

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Achter Vortrag

Achter Vortrag

[ 1 ] Wenn es sich darum handelt, volles Verständnis einer solchen Schöpfung entgegenzubringen, wie es die Bhagavad Gita ist, das erhabene Lied, dann ist es notwendig, seine Seele in einer gewissen Beziehung erst geeignet zu machen, erst sie hinzuführen zu jener Art des Empfindens und Fühlens, die da eigentlich zugrunde liegt. Doch gilt dasjenige, was ich eben jetzt ausgesprochen habe, im Grunde nur für die Lage, in der Menschen sind, die mit ihrem eigenen Fühlen und Empfinden zunächst so weit entfernt sein müssen von der Bhagavad Gita wie die westländische Bevölkerung. Es ist selbstverständlich, daß wir eine zeitgenössische, geistige Leistung unmittelbar aufnehmen können. Es ist auch natürlich, daß ein Volk oder die Zugehörigen eines Volkes eine geistige Leistung, die unmittelbar aus der Volkssubstanz entspringt, wenn sie auch älteren Zeiten angehört, immer unmittelbar empfindet. Allein der Bhagavad Gita stehen die westländischen Bevölkerungen, nicht die südasiatischen Bevölkerungen, ganz fern in Fühlen und Empfinden. Will man ohne seelische Vorarbeit sich dieser Dichtung nähern, so muß man sich auf diese ganz andere Geistes- und Seelenstimmung präparieren, wenn man die Bhagavad Gita verstehen will. Deshalb muß so unendlich viel Mißverständnis entspringen. Eine geistige Leistung, die herüberragt aus ganz fremdem Volksstamme, aus dem 9., 10. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, vor der Begründung des Christentums, kann von der westländischen Bevölkerung nicht so unmittelbar verstanden werden wie, sagen wir, von dem finnischen Volke Kalevala oder von den Griechen die homerischen Dichtungen, oder vielmehr von der ganzen westländischen Bevölkerung diese homerischen Dichtungen. Wir müssen, wenn wir auf diesen Punkt uns weiter einlassen wollen, schon einiges wiederum zusammentragen, was uns den Weg zur Bhagavad Gita weisen könnte.

[ 1 ] Wenn es sich darum handelt, volles Verständnis einer solchen Schöpfung entgegenzubringen, wie es die Bhagavad Gita ist, das erhabene Lied, dann ist es notwendig, seine Seele in einer gewissen Beziehung erst geeignet zu machen, erst sie hinzuführen zu jener Art des Empfindens und Fühlens, die da eigentlich zugrunde liegt. Doch gilt dasjenige, was ich eben jetzt ausgesprochen habe, im Grunde nur für die Lage, in der Menschen sind, die mit ihrem eigenen Fühlen und Empfinden zunächst so weit entfernt sein müssen von der Bhagavad Gita wie die westländische Bevölkerung. Es ist selbstverständlich, daß wir eine zeitgenössische, geistige Leistung unmittelbar aufnehmen können. Es ist auch natürlich, daß ein Volk oder die Zugehörigen eines Volkes eine geistige Leistung, die unmittelbar aus der Volkssubstanz entspringt, wenn sie auch älteren Zeiten angehört, immer unmittelbar empfindet. Allein der Bhagavad Gita stehen die westländischen Bevölkerungen, nicht die südasiatischen Bevölkerungen, ganz fern in Fühlen und Empfinden. Will man ohne seelische Vorarbeit sich dieser Dichtung nähern, so muß man sich auf diese ganz andere Geistes- und Seelenstimmung präparieren, wenn man die Bhagavad Gita verstehen will. Deshalb muß so unendlich viel Mißverständnis entspringen. Eine geistige Leistung, die herüberragt aus ganz fremdem Volksstamme, aus dem 9., 10. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, vor der Begründung des Christentums, kann von der westländischen Bevölkerung nicht so unmittelbar verstanden werden wie, sagen wir, von dem finnischen Volke Kalevala oder von den Griechen die homerischen Dichtungen, oder vielmehr von der ganzen westländischen Bevölkerung diese homerischen Dichtungen. Wir müssen, wenn wir auf diesen Punkt uns weiter einlassen wollen, schon einiges wiederum zusammentragen, was uns den Weg zur Bhagavad Gita weisen könnte.

[ 2 ] Da möchte ich vor allen Dingen auf eines aufmerksam machen. Die Gipfelpunkte des geistigen Lebens sind eigentlich zu allen Zeiten für die weiteren Horizonte des menschlichen Verständnisses Geheimnisse gewesen. Und so ist es auch bis in unser Zeitalter herein in gewissem Sinne geblieben. Zu den besonderen Eigentümlichkeiten unseres Zeitalters, das wir ja, insofern wir in der Morgenröte dieses Zeitalters stehen, mit einigem charakterisiert haben, wird es allerdings gehören, daß gewisse Dinge, die im weiteren Umkreise Geheimnisse geblieben sind, die nur bei einigen ganz wenigen bekannt waren, wirklich bekannt waren, daß diese populär werden, mehr heraus sich verbreiten in die weiteren Schichten unserer Menschheit. Und weil das so ist, sitzen Sie ja hier. Mit unserer Bewegung soll ja der Anfang gemacht werden dieses Heraustragens solcher Dinge, die eigentlich immer bisher Geheimnisse geblieben sind für den weiteren Umkreis der Menschheit. Und manche vielleicht unbewußten Gründe, die Sie zur anthroposophischen Weltanschauung, zur anthroposophischen Geistesströmung drängten, kamen eben von diesem unbewußten Verständnis, daß sich heute gewisse Geheimnisse in alle Seelen, in alle Herzen hineinergießen müssen.

[ 2 ] Da möchte ich vor allen Dingen auf eines aufmerksam machen. Die Gipfelpunkte des geistigen Lebens sind eigentlich zu allen Zeiten für die weiteren Horizonte des menschlichen Verständnisses Geheimnisse gewesen. Und so ist es auch bis in unser Zeitalter herein in gewissem Sinne geblieben. Zu den besonderen Eigentümlichkeiten unseres Zeitalters, das wir ja, insofern wir in der Morgenröte dieses Zeitalters stehen, mit einigem charakterisiert haben, wird es allerdings gehören, daß gewisse Dinge, die im weiteren Umkreise Geheimnisse geblieben sind, die nur bei einigen ganz wenigen bekannt waren, wirklich bekannt waren, daß diese populär werden, mehr heraus sich verbreiten in die weiteren Schichten unserer Menschheit. Und weil das so ist, sitzen Sie ja hier. Mit unserer Bewegung soll ja der Anfang gemacht werden dieses Heraustragens solcher Dinge, die eigentlich immer bisher Geheimnisse geblieben sind für den weiteren Umkreis der Menschheit. Und manche vielleicht unbewußten Gründe, die Sie zur anthroposophischen Weltanschauung, zur anthroposophischen Geistesströmung drängten, kamen eben von diesem unbewußten Verständnis, daß sich heute gewisse Geheimnisse in alle Seelen, in alle Herzen hineinergießen müssen.

[ 3 ] Aber bis in unsere Zeit war es von anderen Gesichtspunkten aus doch so, daß gewisse Dinge Geheimnisse geblieben sind, nicht weil man sie geheim gehalten hat, sondern weil es in der natürlichen Entwickelung der Menschheit liegt, daß sie Geheimnisse bleiben mußten. Man spricht davon, daß durch ganz bestimmte, strenge Regeln die Geheimnisse der alten Mysterien geschützt waren vor der äußeren Menschheit. Aber noch mehr als durch die Regeln waren diese Geheimnisse eigentlich geschützt durch gewisse Grundeigenschaften der allgemeinen Menschheit der alten Zeiten, indem ja die allgemeine Menschheit sie nicht hätte verstehen können. Dadurch blieben diese Mysterien geschützt, und das war ein viel stärkerer Schutz, dieser Unverstand, als irgendwelche äußere Regel. Im Grunde ist, gerade durch gewisse Eigentümlichkeiten der materialistischen Zeit, dies für gewisse Dinge in einem erhöhten Maße der Fall, daß sie eigentlich Geheimnis bleiben. Man spricht damit etwas sehr Ketzerisches aus gegenüber unserem Zeitalter. Es gibt zum Beispiel nichts Geschützteres in mittleren Gegenden Europas als die Fichtesche Philosophie. Nicht daß sie durch strenge Regeln geschützt wird, nicht daß sie Geheimnis geblieben ist, denn die Fichteschen Lehren sind gedruckt, werden auch gelesen; aber verstanden werden sie nicht, sie sind Geheimnisse. Und so ist vieles, was sich der allgemeinen Entwickelung einfügen muß, Geheimwissen, so gibt es vieles, das Geheimnis bleibt, obwohl es öffentlich an den Tag tritt.

[ 3 ] Aber bis in unsere Zeit war es von anderen Gesichtspunkten aus doch so, daß gewisse Dinge Geheimnisse geblieben sind, nicht weil man sie geheim gehalten hat, sondern weil es in der natürlichen Entwickelung der Menschheit liegt, daß sie Geheimnisse bleiben mußten. Man spricht davon, daß durch ganz bestimmte, strenge Regeln die Geheimnisse der alten Mysterien geschützt waren vor der äußeren Menschheit. Aber noch mehr als durch die Regeln waren diese Geheimnisse eigentlich geschützt durch gewisse Grundeigenschaften der allgemeinen Menschheit der alten Zeiten, indem ja die allgemeine Menschheit sie nicht hätte verstehen können. Dadurch blieben diese Mysterien geschützt, und das war ein viel stärkerer Schutz, dieser Unverstand, als irgendwelche äußere Regel. Im Grunde ist, gerade durch gewisse Eigentümlichkeiten der materialistischen Zeit, dies für gewisse Dinge in einem erhöhten Maße der Fall, daß sie eigentlich Geheimnis bleiben. Man spricht damit etwas sehr Ketzerisches aus gegenüber unserem Zeitalter. Es gibt zum Beispiel nichts Geschützteres in mittleren Gegenden Europas als die Fichtesche Philosophie. Nicht daß sie durch strenge Regeln geschützt wird, nicht daß sie Geheimnis geblieben ist, denn die Fichteschen Lehren sind gedruckt, werden auch gelesen; aber verstanden werden sie nicht, sie sind Geheimnisse. Und so ist vieles, was sich der allgemeinen Entwickelung einfügen muß, Geheimwissen, so gibt es vieles, das Geheimnis bleibt, obwohl es öffentlich an den Tag tritt.

[ 4 ] Nun gibt es aber nicht nur in dieser Beziehung eine Eigentümlichkeit in der Menschheitsevolution, sondern auch in einer ganz anderen Beziehung — und dies ist für diejenigen Gesichtspunkte wichtig, mit denen wir uns der Bhagavad Gita zu nähern haben —: Alles, was man nennen kann die Gefühls-, Gemüts-, Empfindungsstimmung des alten Indien, aus der erwachsen ist die Bhagavad Gita, war im Grunde in seiner völligen Geistigkeit auch nur dem Verständnis von wenigen zugänglich. Nun bleibt — und da ist wiederum eine Eigentümlichkeit der menschlichen Entwickelung, die ganz weisheitsvoll ist, wenn man sie zunächst auch paradox findet —, nun bleibt dasjenige, was ein Zeitalter durch wenige Menschen hervorgebracht hat, auch dann, wenn es mehr übergeht in die allgemeine Bevölkerung, seiner eigentlichen Tiefe nach ein Geheimnis. Auch für die Zeitgenossen, für die Anhänger, ja für das ganze Volk, welches zugehörig diesem Geistesgipfel ist, blieb die Lehre und namentlich gerade die, welche durch die Bhagavad Gita enthüllt wird, ein Geheimnis, und auch der Nachwelt blieb die eigentliche Tiefe dieser Geistesströmung unbekannt. Man entwickelte zwar in der Folgezeit einen gewissen Glauben daran, vielleicht auch eine große Begeisterung, aber man entwickelte nicht ein wirklich tiefer eingehendes Verständnis. Weder die Zeitgenossen noch die Nachwelt entwickelten ein eigentliches Verständnis. Wiederum hatten nur einige wenige in den Zwischenzeiten ein wirkliches Verständnis. Das bewirkt aber, daß in dem Urteil der Nachwelt sich in einem ungeheuren Maße fälscht dasjenige, was einmal als eine solche besondere Geistesströmung da war.

[ 4 ] Nun gibt es aber nicht nur in dieser Beziehung eine Eigentümlichkeit in der Menschheitsevolution, sondern auch in einer ganz anderen Beziehung — und dies ist für diejenigen Gesichtspunkte wichtig, mit denen wir uns der Bhagavad Gita zu nähern haben —: Alles, was man nennen kann die Gefühls-, Gemüts-, Empfindungsstimmung des alten Indien, aus der erwachsen ist die Bhagavad Gita, war im Grunde in seiner völligen Geistigkeit auch nur dem Verständnis von wenigen zugänglich. Nun bleibt — und da ist wiederum eine Eigentümlichkeit der menschlichen Entwickelung, die ganz weisheitsvoll ist, wenn man sie zunächst auch paradox findet —, nun bleibt dasjenige, was ein Zeitalter durch wenige Menschen hervorgebracht hat, auch dann, wenn es mehr übergeht in die allgemeine Bevölkerung, seiner eigentlichen Tiefe nach ein Geheimnis. Auch für die Zeitgenossen, für die Anhänger, ja für das ganze Volk, welches zugehörig diesem Geistesgipfel ist, blieb die Lehre und namentlich gerade die, welche durch die Bhagavad Gita enthüllt wird, ein Geheimnis, und auch der Nachwelt blieb die eigentliche Tiefe dieser Geistesströmung unbekannt. Man entwickelte zwar in der Folgezeit einen gewissen Glauben daran, vielleicht auch eine große Begeisterung, aber man entwickelte nicht ein wirklich tiefer eingehendes Verständnis. Weder die Zeitgenossen noch die Nachwelt entwickelten ein eigentliches Verständnis. Wiederum hatten nur einige wenige in den Zwischenzeiten ein wirkliches Verständnis. Das bewirkt aber, daß in dem Urteil der Nachwelt sich in einem ungeheuren Maße fälscht dasjenige, was einmal als eine solche besondere Geistesströmung da war.

[ 5 ] Man kann in der Regel bei den Nachkommen eines Volkes nicht suchen den Zugang zum Verständnis dessen, um was es sich handelt. Man kann zum Beispiel heute in den Grundempfindungen und Gefühlen der Inder nicht das wirkliche Verständnis suchen für die geistige Strömung, welche die Bhagavad Gita im tiefsten Sinne durchdringt. Begeisterung, einen mit Gemüt und Empfindung durchdrungenen Glauben dafür, wird man im reichsten Maße finden, aber das tiefe Verständnis nicht. Das gilt aber nicht nur für diese alten Zeiten, sondern besonders auch für das eben abgelaufene Zeitalter vom 14., 15. Jahrhundert an bis ins 19. Jahrhundert. Da gilt es in besonderem Maße sogar gerade für die Bekenner, für die Anhänger. Es ist ja eine Anekdote, die aber eine tiefe Wahrheit enthält — wie es oft bei Anekdoten ist —, daß ein großer Denker Europas gesagt haben soll bei seinem Tode: Nur einer hat mich verstanden, und der hat mich mißverstanden. — Eine Anekdote, aber eine tiefe Wahrheit! So kann man sagen: Es gibt auch für dieses abgelaufene Zeitalter etwas an geistiger Substanz, das eine Höhe darstellt, das aber im weitesten Umkreise seiner eigentlichen Natur nach unbekannt geblieben ist schon bei den Zeitgenossen. Das hängt zusammen mit etwas, worauf ich gerne aufmerksam machen möchte.

[ 5 ] Man kann in der Regel bei den Nachkommen eines Volkes nicht suchen den Zugang zum Verständnis dessen, um was es sich handelt. Man kann zum Beispiel heute in den Grundempfindungen und Gefühlen der Inder nicht das wirkliche Verständnis suchen für die geistige Strömung, welche die Bhagavad Gita im tiefsten Sinne durchdringt. Begeisterung, einen mit Gemüt und Empfindung durchdrungenen Glauben dafür, wird man im reichsten Maße finden, aber das tiefe Verständnis nicht. Das gilt aber nicht nur für diese alten Zeiten, sondern besonders auch für das eben abgelaufene Zeitalter vom 14., 15. Jahrhundert an bis ins 19. Jahrhundert. Da gilt es in besonderem Maße sogar gerade für die Bekenner, für die Anhänger. Es ist ja eine Anekdote, die aber eine tiefe Wahrheit enthält — wie es oft bei Anekdoten ist —, daß ein großer Denker Europas gesagt haben soll bei seinem Tode: Nur einer hat mich verstanden, und der hat mich mißverstanden. — Eine Anekdote, aber eine tiefe Wahrheit! So kann man sagen: Es gibt auch für dieses abgelaufene Zeitalter etwas an geistiger Substanz, das eine Höhe darstellt, das aber im weitesten Umkreise seiner eigentlichen Natur nach unbekannt geblieben ist schon bei den Zeitgenossen. Das hängt zusammen mit etwas, worauf ich gerne aufmerksam machen möchte.

[ 6 ] Es wird ganz gewiß heute im Umkreise der morgenländischen, indischen Bevölkerung mancher sehr gescheite Kopf zu finden sein, ganz außerordentlich gescheite Köpfe, aber die ganze Konfiguration ihres Fühlens und Empfindens hat sie schon entfernt von dem Verständnis derjenigen Gefühle, die von der Bhagavad Gita ausgeströmt sind. Das sind die einen. Auf der anderen Seite kommt zu diesen Menschen von der westländischen Kultur nur dasjenige, was nicht die Tiefen enthält, was nur ein oberflächlich gewordenes Verständnis darbietet. Dadurch kommt zweierlei zustande. Das eine, was kommen kann, ist, daß bei der morgenländischen Bevölkerung, und namentlich bei den Nachkommen der Bhagavad Gita-Menschen, sich entwickeln kann etwas, das ihnen ganz gut das Gefühl geben kann, wenn sie ansehen, was aus der veroberflächlichten westländischen Kultur kommt: Diese Kultur steht weit hinter dem zurück, was in der Bhagavad Gita schon gegeben ist. Denn für die Bhagavad Gita haben sie doch noch mehr Zugänge als für dasjenige, was tiefer in dem abendländischen Geistesleben liegt. Deswegen müssen wir begreifen das Urteil vieler Inder, für die dasjenige, was wir an Geisteskultur haben, etwas ungeheuer Überraschendes ist. Es gibt aber auch noch andere Inder, welche gerade die Tiefen der westländischen Geisteskultur aufnehmen möchten. Es gibt ganz gewiß indische Köpfe, welche gerne bereit wären, aufzunehmen solche Geistessubstanz, wie sie uns entgegentreten kann, wenn wir zusammenfassen — wir könnten viele Denker oder sonstige geistige Menschen nennen —, wenn wir zusammenfassen Solovieff, Hegel und Fichte. Viele indische Denker gibt es, die diese Geistessubstanz aufnehmen möchten. An einem besonderen Punkte konnte ich selbst eine gewisse Erfahrung machen. Ganz im Anfange der Zeit, als wir unsere deutsche Sektion gegründet hatten, schickte mir, und auch vielen anderen Europäern, ein indischer Denker eine Abhandlung. In dieser Abhandlung suchte er sozusagen dasjenige, was indische Philosophie darbietet, in einer gewissen Weise zu verbinden mit gewichtigen europäischen Vorstellungen, wie man sie gewinnen könnte in ihrer Wahrheit, wenn man tiefer eingehen würde auf Fichte und Hegel. Aber mit der ganzen Abhandlung war nichts anzufangen, denn trotz alles ehrlichen Strebens dieser Persönlichkeit — es soll gar nichts gegen dieses Streben gesagt werden, nein, es soll gelobt werden, aber die Tatsachen sind einmal so —, trotz alles ehrlichen Strebens stellte sich für denjenigen, der den Zugang hat zu den wirklichen Fichteschen und Hegelschen Vorstellungen, das, was der indische Denker da hervorbrachte, wie ein rechter Dilettantismus heraus. Es war nichts anzufangen mit der Abhandlung, und das ist eine ganz natürliche Erscheinung.

[ 6 ] Es wird ganz gewiß heute im Umkreise der morgenländischen, indischen Bevölkerung mancher sehr gescheite Kopf zu finden sein, ganz außerordentlich gescheite Köpfe, aber die ganze Konfiguration ihres Fühlens und Empfindens hat sie schon entfernt von dem Verständnis derjenigen Gefühle, die von der Bhagavad Gita ausgeströmt sind. Das sind die einen. Auf der anderen Seite kommt zu diesen Menschen von der westländischen Kultur nur dasjenige, was nicht die Tiefen enthält, was nur ein oberflächlich gewordenes Verständnis darbietet. Dadurch kommt zweierlei zustande. Das eine, was kommen kann, ist, daß bei der morgenländischen Bevölkerung, und namentlich bei den Nachkommen der Bhagavad Gita-Menschen, sich entwickeln kann etwas, das ihnen ganz gut das Gefühl geben kann, wenn sie ansehen, was aus der veroberflächlichten westländischen Kultur kommt: Diese Kultur steht weit hinter dem zurück, was in der Bhagavad Gita schon gegeben ist. Denn für die Bhagavad Gita haben sie doch noch mehr Zugänge als für dasjenige, was tiefer in dem abendländischen Geistesleben liegt. Deswegen müssen wir begreifen das Urteil vieler Inder, für die dasjenige, was wir an Geisteskultur haben, etwas ungeheuer Überraschendes ist. Es gibt aber auch noch andere Inder, welche gerade die Tiefen der westländischen Geisteskultur aufnehmen möchten. Es gibt ganz gewiß indische Köpfe, welche gerne bereit wären, aufzunehmen solche Geistessubstanz, wie sie uns entgegentreten kann, wenn wir zusammenfassen — wir könnten viele Denker oder sonstige geistige Menschen nennen —, wenn wir zusammenfassen Solovieff, Hegel und Fichte. Viele indische Denker gibt es, die diese Geistessubstanz aufnehmen möchten. An einem besonderen Punkte konnte ich selbst eine gewisse Erfahrung machen. Ganz im Anfange der Zeit, als wir unsere deutsche Sektion gegründet hatten, schickte mir, und auch vielen anderen Europäern, ein indischer Denker eine Abhandlung. In dieser Abhandlung suchte er sozusagen dasjenige, was indische Philosophie darbietet, in einer gewissen Weise zu verbinden mit gewichtigen europäischen Vorstellungen, wie man sie gewinnen könnte in ihrer Wahrheit, wenn man tiefer eingehen würde auf Fichte und Hegel. Aber mit der ganzen Abhandlung war nichts anzufangen, denn trotz alles ehrlichen Strebens dieser Persönlichkeit — es soll gar nichts gegen dieses Streben gesagt werden, nein, es soll gelobt werden, aber die Tatsachen sind einmal so —, trotz alles ehrlichen Strebens stellte sich für denjenigen, der den Zugang hat zu den wirklichen Fichteschen und Hegelschen Vorstellungen, das, was der indische Denker da hervorbrachte, wie ein rechter Dilettantismus heraus. Es war nichts anzufangen mit der Abhandlung, und das ist eine ganz natürliche Erscheinung.

[ 7 ] Wir können sagen: Da haben wir eine Persönlichkeit vor uns, die sich ehrlich bemüht, einzudringen in eine ganz andere, für sie spätere Geistesrichtung, aber sie kann nicht durch die Hindernisse hindurch, welche die zeitliche Entwickelung geschaffen hat. Wenn sie aber ein Eindringen doch versucht, so kommt unwahres und unmögliches Zeug zustande. Ich habe später von einer anderen Persönlichkeit, die unbekannt ist mit demjenigen, was eigentlich europäische Geistesentwickelung in ihren Tiefen ist, einen Vortrag gehört, der in Anlehnung an diesen indischen Denker gehalten war. Es war dies eine europäische Persönlichkeit, die, ganz unbekannt mit den Tiefen europäischer Entwickelung, gelernt hatte dasjenige, was von diesem indischen Denker vorgebracht worden war, und als besondere Weisheit dieses unter ihren Anhängern vorbrachte. Die Anhänger haben natürlich auch nicht gewußt, daß man es zu tun hatte mit etwas, was auf ganz verkehrter verstandesmäßiger Grundlage beruhte. Für denjenigen, der aber eindringen konnte, für den war, was da mitgeteilt wurde von einer europäischen Persönlichkeit, die gelernt hatte von dem Inder, zum An-die-Wände-Heraufkriechen — verzeihen Sie den Ausdruck —, es war einfach schrecklich! Es war ein Mißverständnis, aufgepfropft auf einem anderen Mißverständnis. So schwierig ist es, ein Verständnis zu gewinnen für alles, was die Menschenseele hervorbringen kann. Unser Ideal muß es sein, alle geistigen Gipfelpunkte wirklich zu verstehen. Wenn man dies ins Auge faßt und es durchempfindet, dann wird man auf der einen Seite einen gewissen Lichtstrahl empfangen, wie schwer die Zugänge zur Bhagavad Gita eigentlich sind; auf der anderen Seite aber gibt es Mißverständnisse über Mißverständnisse, die nicht weniger verhängnisvoll sind. Wir begreifen es vollständig im Abendlande, wenn man im Morgenlande aufsieht zu all den alten schöpferischen Geistern der früheren Zeiten, deren Tätigkeit durch die Vedantaphilosophie, durch den Tiefsinn der Sankhyaphilosophie strömt; wir begreifen, wenn der morgenländische Geist mit Inbrunst hinaufsieht zu dem, was sieben, acht Jahrhunderte nach Begründung des Christentums wie in einem Gipfelpunkt in Shankaracharya erscheint; wir begreifen das alles, aber wir müssen es anders begreifen, wenn wir wirklich zu einem tiefen Verständnis kommen wollen. Wir haben es nötig, noch mehr zu begreifen — und das müssen wir jetzt wie eine Art Hypothese aufstellen, denn verwirklicht hat es sich noch nicht —, in der menschlichen Evolution. Nehmen wir einmal an, diejenigen, die da Schöpfer gewesen sind jener großen hohen Geistigkeit, welche die Veden durchströmt, den Vedanta und die Philosophie des Shankaracharya, nehmen wir an, diese Geister würden in unserer Zeit wieder erscheinen mit derselben Geistesbegabung, mit demselben Scharfsinn, mit dem sie dazumal in der Welt gestanden haben, und sie würden erlebt haben geistige Schöpfungen wie die des Solovieff, Hegel und Fichte. Was würden sie gesagt haben? Wir setzen uns also in den Fall, daß es uns nicht darauf ankommt, was die Bekenner der Vedantaphilosophie, des Shankaracharya sagen, sondern was diese Geister selber gesagt haben würden. Ich bin mir vollkommen bewußt, daß ich etwas sehr Paradoxes jetzt ausspreche, aber wenn man das tut, muß man an das denken, was einmal Schopenhauer geäußert hat: Es ist einmal das Schicksal der armen Wahrheit, daß sie immer paradox werden muß in der Welt, denn sie kann sich nun einmal nicht auf den Thron des Irrtums setzen. Da setzt sie sich denn auf den Thron der Zeit, da wendet sie sich an den Schutzengel der Zeit. Der hat so große, lange Flügelschläge, daß das Individuum darüber hinwegstirbt. — Daher darf man nicht zurückschrecken davor, daß die Wahrheit paradox klingen muß. Das ist paradox, aber eben wahr.

[ 7 ] Wir können sagen: Da haben wir eine Persönlichkeit vor uns, die sich ehrlich bemüht, einzudringen in eine ganz andere, für sie spätere Geistesrichtung, aber sie kann nicht durch die Hindernisse hindurch, welche die zeitliche Entwickelung geschaffen hat. Wenn sie aber ein Eindringen doch versucht, so kommt unwahres und unmögliches Zeug zustande. Ich habe später von einer anderen Persönlichkeit, die unbekannt ist mit demjenigen, was eigentlich europäische Geistesentwickelung in ihren Tiefen ist, einen Vortrag gehört, der in Anlehnung an diesen indischen Denker gehalten war. Es war dies eine europäische Persönlichkeit, die, ganz unbekannt mit den Tiefen europäischer Entwickelung, gelernt hatte dasjenige, was von diesem indischen Denker vorgebracht worden war, und als besondere Weisheit dieses unter ihren Anhängern vorbrachte. Die Anhänger haben natürlich auch nicht gewußt, daß man es zu tun hatte mit etwas, was auf ganz verkehrter verstandesmäßiger Grundlage beruhte. Für denjenigen, der aber eindringen konnte, für den war, was da mitgeteilt wurde von einer europäischen Persönlichkeit, die gelernt hatte von dem Inder, zum An-die-Wände-Heraufkriechen — verzeihen Sie den Ausdruck —, es war einfach schrecklich! Es war ein Mißverständnis, aufgepfropft auf einem anderen Mißverständnis. So schwierig ist es, ein Verständnis zu gewinnen für alles, was die Menschenseele hervorbringen kann. Unser Ideal muß es sein, alle geistigen Gipfelpunkte wirklich zu verstehen. Wenn man dies ins Auge faßt und es durchempfindet, dann wird man auf der einen Seite einen gewissen Lichtstrahl empfangen, wie schwer die Zugänge zur Bhagavad Gita eigentlich sind; auf der anderen Seite aber gibt es Mißverständnisse über Mißverständnisse, die nicht weniger verhängnisvoll sind. Wir begreifen es vollständig im Abendlande, wenn man im Morgenlande aufsieht zu all den alten schöpferischen Geistern der früheren Zeiten, deren Tätigkeit durch die Vedantaphilosophie, durch den Tiefsinn der Sankhyaphilosophie strömt; wir begreifen, wenn der morgenländische Geist mit Inbrunst hinaufsieht zu dem, was sieben, acht Jahrhunderte nach Begründung des Christentums wie in einem Gipfelpunkt in Shankaracharya erscheint; wir begreifen das alles, aber wir müssen es anders begreifen, wenn wir wirklich zu einem tiefen Verständnis kommen wollen. Wir haben es nötig, noch mehr zu begreifen — und das müssen wir jetzt wie eine Art Hypothese aufstellen, denn verwirklicht hat es sich noch nicht —, in der menschlichen Evolution. Nehmen wir einmal an, diejenigen, die da Schöpfer gewesen sind jener großen hohen Geistigkeit, welche die Veden durchströmt, den Vedanta und die Philosophie des Shankaracharya, nehmen wir an, diese Geister würden in unserer Zeit wieder erscheinen mit derselben Geistesbegabung, mit demselben Scharfsinn, mit dem sie dazumal in der Welt gestanden haben, und sie würden erlebt haben geistige Schöpfungen wie die des Solovieff, Hegel und Fichte. Was würden sie gesagt haben? Wir setzen uns also in den Fall, daß es uns nicht darauf ankommt, was die Bekenner der Vedantaphilosophie, des Shankaracharya sagen, sondern was diese Geister selber gesagt haben würden. Ich bin mir vollkommen bewußt, daß ich etwas sehr Paradoxes jetzt ausspreche, aber wenn man das tut, muß man an das denken, was einmal Schopenhauer geäußert hat: Es ist einmal das Schicksal der armen Wahrheit, daß sie immer paradox werden muß in der Welt, denn sie kann sich nun einmal nicht auf den Thron des Irrtums setzen. Da setzt sie sich denn auf den Thron der Zeit, da wendet sie sich an den Schutzengel der Zeit. Der hat so große, lange Flügelschläge, daß das Individuum darüber hinwegstirbt. — Daher darf man nicht zurückschrecken davor, daß die Wahrheit paradox klingen muß. Das ist paradox, aber eben wahr.

[ 8 ] Wenn aufstehen würden die Vedendichter, die Begründer der Sankhyaphilosophie, ja, ich möchte sagen, wenn Shankaracharya selber erlebt hätte im 19. Jahrhundert die Schöpfungen Solovieffs, Hegels, Fichtes, dann würden alle diese Geister gesagt haben: Was wir damals angestrebt haben, wovon wir hofften, daß es uns in unserer hellsichtigen Begabung erscheint, das haben im 19. Jahrhundert Solovieff, Hegel und Fichte geleistet durch die Art selbst ihres Geistes. Wir glaubten, wir müßten hinaufsteigen in hellseherische Höhen. Da hatten wir damals erscheinend, was wie selbstverständlich durch die Seele Hegels, Fichtes, Solovieffs gedrungen ist. — Paradox, aber wahr! Das klingt paradox für die westländischen Menschen, die in einer naiven Unbewußtheit nach den Morgenländern schauen und sich neben sie stellen und dadurch mißverstehen, was im Abendlande ist. Dadurch entsteht folgendes sonderbare, groteske Bild. Wir denken uns die Vedendichter, wir denken uns die Begründer der Sankhyaphilosophie, ja wir denken uns Shankaracharya selber, in Begeisterung hinaufschauend zu Fichte und anderen Geistern, und daneben denken wir uns eine Anzahl von Leuten heute, welche nicht achten die Geistessubstanz Europas und im Staube liegen vor Shankaracharya und seinen Vorgängern, sich aber nicht kümmern um das, was Hegel, Fichte, Solovieff und andere geleistet haben! Das ist ein groteskes Bild, aber ein Bild, das in vollem Ernst der Wahrheit entspricht. Warum ist das so? Wenn wir alles, was die historischen Tatsachen uns darbieten, betrachten, so können wir diese Tatsachen nicht anders verstehen als durch eine solche Hypothese. Warum ist das so?

[ 8 ] Wenn aufstehen würden die Vedendichter, die Begründer der Sankhyaphilosophie, ja, ich möchte sagen, wenn Shankaracharya selber erlebt hätte im 19. Jahrhundert die Schöpfungen Solovieffs, Hegels, Fichtes, dann würden alle diese Geister gesagt haben: Was wir damals angestrebt haben, wovon wir hofften, daß es uns in unserer hellsichtigen Begabung erscheint, das haben im 19. Jahrhundert Solovieff, Hegel und Fichte geleistet durch die Art selbst ihres Geistes. Wir glaubten, wir müßten hinaufsteigen in hellseherische Höhen. Da hatten wir damals erscheinend, was wie selbstverständlich durch die Seele Hegels, Fichtes, Solovieffs gedrungen ist. — Paradox, aber wahr! Das klingt paradox für die westländischen Menschen, die in einer naiven Unbewußtheit nach den Morgenländern schauen und sich neben sie stellen und dadurch mißverstehen, was im Abendlande ist. Dadurch entsteht folgendes sonderbare, groteske Bild. Wir denken uns die Vedendichter, wir denken uns die Begründer der Sankhyaphilosophie, ja wir denken uns Shankaracharya selber, in Begeisterung hinaufschauend zu Fichte und anderen Geistern, und daneben denken wir uns eine Anzahl von Leuten heute, welche nicht achten die Geistessubstanz Europas und im Staube liegen vor Shankaracharya und seinen Vorgängern, sich aber nicht kümmern um das, was Hegel, Fichte, Solovieff und andere geleistet haben! Das ist ein groteskes Bild, aber ein Bild, das in vollem Ernst der Wahrheit entspricht. Warum ist das so? Wenn wir alles, was die historischen Tatsachen uns darbieten, betrachten, so können wir diese Tatsachen nicht anders verstehen als durch eine solche Hypothese. Warum ist das so?

[ 9 ] Es wird uns erklärlich, wenn wir den Gang der Menschheitsentwickelung betrachten, hinaufschauen zu jenen Zeiten, aus deren Geistessubstanz die Bhagavad Gita strömte. Wie müssen wir uns da den Menschen eigentlich vorstellen? Etwa so können wir seine Seelenverfassung darstellen: Dasjenige, was der Mensch heute in mannigfacher Beziehung vor sich hat im Traumbewußtsein, dieses Vorstellen, dieser Inhalt der Seele, dieses Vorstellen in Bildern, war dazumal das gewöhnliche Vorstellen, das Natürliche, Alltägliche. Wir können also dieses gewöhnliche Bewußtsein der damaligen Zeit Traumbewußtsein nennen, oder besser eigentlich traumhaftes Bewußtsein, traumhaftes Bilderbewußtsein; durchaus nicht so wie auf dem alten Monde, sondern entwickelt. Das war sozusagen die Seelenverfassung, aus der die Seelen hergekommen waren, in der absteigenden Entwickelungslinie. Vorher lag das, was für uns heute schon ganz verdeckt ist als allgemeines Bewußtsein: das Schlafbewußtsein, aus dem aber in alten Zeiten die wie traumhafte Inspiration kam, jenes Bewußtsein, das für die Sphäre unseres Bewußtseins während des Schlafes zugedeckt ist. Es war dieses Bewußtsein etwas, was in das gewöhnliche Bilderbewußtsein dieser alten Menschen sich etwa so hineinstellte, und zwar etwas seltener, wie für uns das Traumbewußtsein. Aber es war noch in einer anderen Weise verschieden in jenen alten Zeiten. Unser Traumbewußtsein heute gibt ja im allgemeinen Reminiszenzen an das gewöhnliche Leben. In jenen alten Zeiten aber, als dieses Bewußtsein noch hineinragte in die oberen Welten, da bot es auch Reminiszenzen der oberen, höheren geistigen Welten. Dann kam dieses immer mehr herunter.

[ 9 ] Es wird uns erklärlich, wenn wir den Gang der Menschheitsentwickelung betrachten, hinaufschauen zu jenen Zeiten, aus deren Geistessubstanz die Bhagavad Gita strömte. Wie müssen wir uns da den Menschen eigentlich vorstellen? Etwa so können wir seine Seelenverfassung darstellen: Dasjenige, was der Mensch heute in mannigfacher Beziehung vor sich hat im Traumbewußtsein, dieses Vorstellen, dieser Inhalt der Seele, dieses Vorstellen in Bildern, war dazumal das gewöhnliche Vorstellen, das Natürliche, Alltägliche. Wir können also dieses gewöhnliche Bewußtsein der damaligen Zeit Traumbewußtsein nennen, oder besser eigentlich traumhaftes Bewußtsein, traumhaftes Bilderbewußtsein; durchaus nicht so wie auf dem alten Monde, sondern entwickelt. Das war sozusagen die Seelenverfassung, aus der die Seelen hergekommen waren, in der absteigenden Entwickelungslinie. Vorher lag das, was für uns heute schon ganz verdeckt ist als allgemeines Bewußtsein: das Schlafbewußtsein, aus dem aber in alten Zeiten die wie traumhafte Inspiration kam, jenes Bewußtsein, das für die Sphäre unseres Bewußtseins während des Schlafes zugedeckt ist. Es war dieses Bewußtsein etwas, was in das gewöhnliche Bilderbewußtsein dieser alten Menschen sich etwa so hineinstellte, und zwar etwas seltener, wie für uns das Traumbewußtsein. Aber es war noch in einer anderen Weise verschieden in jenen alten Zeiten. Unser Traumbewußtsein heute gibt ja im allgemeinen Reminiszenzen an das gewöhnliche Leben. In jenen alten Zeiten aber, als dieses Bewußtsein noch hineinragte in die oberen Welten, da bot es auch Reminiszenzen der oberen, höheren geistigen Welten. Dann kam dieses immer mehr herunter.

[ 10 ] Wer damals strebte in dem Sinne, wie wir es heute durch unsere okkulte Entwickelung tun, der strebte nach etwas ganz anderem. Wenn wir heute unsere okkulte Entwickelung durchmachen, dann sind wir uns bewußt, daß wir einen Weg nach abwärts gemacht haben zum alltäglichen Bewußtsein, und streben nun nach aufwärts. Diese alten Strebenden strebten auch nach aufwärts. Das Traumbewußstsein stellte für sie den Alltag vor, von da aus strebten sie herauf. Was erreichten sie denn da? Mit aller Anstrengung erreichten sie damals etwas ganz anderes, als wir erreichen wollen. Wenn man dazumal diesen Menschen dargeboten hätte das Buch, das ich in unserer Zeit zu schreiben versuchte: «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», dann hätten diese Menschen mit diesem Buche nicht das geringste anzufangen gewußt. Das wäre in der damaligen Zeit eine Torheit gewesen, das hat nur einen Sinn für den heutigen Menschen. Dazumal bezweckte alles, was diese Leute mit ihrem Yoga, mit ihrem Sankhya taten, zu einer Höhe zu gelangen, die wir heute haben in den tiefsten Leistungen der heutigen Zeit, die wir heute haben eben bei Solovieff, Hegel und Fichte. Alles strebte herauf zum ideenhaften Erfassen der Welt. Das macht es, daß derjenige, der die Sache eigentlich durchschaut, keinen rechten Unterschied findet, wenn man absieht von Empfindungen, Einkleidungen und Gemütsstimmung und vom Zeitkolorit, zwischen Solovieff, Hegel, Fichte und der Vedantaphilosophie. Nur war die Vedantaphilosophie damals dasjenige, zu dem man heraufstrebte, heute hat sich das heruntergesenkt für das alltägliche Bewußtsein.

[ 10 ] Wer damals strebte in dem Sinne, wie wir es heute durch unsere okkulte Entwickelung tun, der strebte nach etwas ganz anderem. Wenn wir heute unsere okkulte Entwickelung durchmachen, dann sind wir uns bewußt, daß wir einen Weg nach abwärts gemacht haben zum alltäglichen Bewußtsein, und streben nun nach aufwärts. Diese alten Strebenden strebten auch nach aufwärts. Das Traumbewußstsein stellte für sie den Alltag vor, von da aus strebten sie herauf. Was erreichten sie denn da? Mit aller Anstrengung erreichten sie damals etwas ganz anderes, als wir erreichen wollen. Wenn man dazumal diesen Menschen dargeboten hätte das Buch, das ich in unserer Zeit zu schreiben versuchte: «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», dann hätten diese Menschen mit diesem Buche nicht das geringste anzufangen gewußt. Das wäre in der damaligen Zeit eine Torheit gewesen, das hat nur einen Sinn für den heutigen Menschen. Dazumal bezweckte alles, was diese Leute mit ihrem Yoga, mit ihrem Sankhya taten, zu einer Höhe zu gelangen, die wir heute haben in den tiefsten Leistungen der heutigen Zeit, die wir heute haben eben bei Solovieff, Hegel und Fichte. Alles strebte herauf zum ideenhaften Erfassen der Welt. Das macht es, daß derjenige, der die Sache eigentlich durchschaut, keinen rechten Unterschied findet, wenn man absieht von Empfindungen, Einkleidungen und Gemütsstimmung und vom Zeitkolorit, zwischen Solovieff, Hegel, Fichte und der Vedantaphilosophie. Nur war die Vedantaphilosophie damals dasjenige, zu dem man heraufstrebte, heute hat sich das heruntergesenkt für das alltägliche Bewußtsein.

[ 11 ] Wenn wir eine Schilderung dieser unserer Seelenverhältnisse geben wollen, dann können wir es in folgender Weise tun. Zunächst haben wir dasjenige, was für den Inder noch hellseherisch durchleuchtet war, für uns aber zugedeckt ist: das Schlafbewußtsein. Dasjenige, was wir anstreben, lag in der Zukunftsdunkelheit für jene alten Zeiten. Das ist die in unserem Sinne zu charakterisierende imaginative Erkenntnis, das vollbewußte, Ich-durchdrungene Bilderbewußtsein, die vollbewußte Imagination, wie ich sie gemeint habe in meinem Buche: «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Das ist zunächst das Abstrakte, was hier hineingefügt werden sollte. Aber es liegt etwas viel Wichtigeres in all dem Abstrakten, es liegt das darinnen, daß sozusagen für den Menschen, wenn er heute nur wirklich energisch sich der in seiner Seele vorhandenen Kräfte bedient, dasjenige, was mit allen Kräften die Menschen der Bhagavad Gita-Zeit anstrebten, auf der Straße zu finden ist. Das ist wirklich auf der Straße zu finden, allerdings nur für einen Solovieff, Fichte, Hegel. Das liegt darinnen; aber es liegt noch etwas anderes darinnen. Das, was heute auf der Straße gefunden wird, wurde damals mit aller Anwendung des Sankhyascharfsinnes und der Yogavertiefung erreicht. Dazu gelangte man mit aller Anstrengung der Seele, mit aller Erhebung des Gemüts.

[ 11 ] Wenn wir eine Schilderung dieser unserer Seelenverhältnisse geben wollen, dann können wir es in folgender Weise tun. Zunächst haben wir dasjenige, was für den Inder noch hellseherisch durchleuchtet war, für uns aber zugedeckt ist: das Schlafbewußtsein. Dasjenige, was wir anstreben, lag in der Zukunftsdunkelheit für jene alten Zeiten. Das ist die in unserem Sinne zu charakterisierende imaginative Erkenntnis, das vollbewußte, Ich-durchdrungene Bilderbewußtsein, die vollbewußte Imagination, wie ich sie gemeint habe in meinem Buche: «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Das ist zunächst das Abstrakte, was hier hineingefügt werden sollte. Aber es liegt etwas viel Wichtigeres in all dem Abstrakten, es liegt das darinnen, daß sozusagen für den Menschen, wenn er heute nur wirklich energisch sich der in seiner Seele vorhandenen Kräfte bedient, dasjenige, was mit allen Kräften die Menschen der Bhagavad Gita-Zeit anstrebten, auf der Straße zu finden ist. Das ist wirklich auf der Straße zu finden, allerdings nur für einen Solovieff, Fichte, Hegel. Das liegt darinnen; aber es liegt noch etwas anderes darinnen. Das, was heute auf der Straße gefunden wird, wurde damals mit aller Anwendung des Sankhyascharfsinnes und der Yogavertiefung erreicht. Dazu gelangte man mit aller Anstrengung der Seele, mit aller Erhebung des Gemüts.

[ 12 ] Und jetzt stellen Sie sich vor, wie eine Sache anders wird für einen Menschen, welcher zum Beispiel auf dem Gipfel eines Berges, auf dem ein Haus ist, lebt und einen herrlichen Ausblick immerfort genießt, und wie ganz anders dieser Ausblick wird für einen Menschen, der ihn noch nie gesehen hat, der ihn vom Tale aus erst mit aller Anstrengung erreichen muß. Wenn man jeden Tag den Ausblick hat, so gewöhnt man sich daran. Nicht im Begriffsinhalt liegt der Unterschied zwischen dem, was Shankaracharya, die Vedendichter und ihre Nachfolger geleistet haben, und dem, was Hegel und Fichte geleistet haben, nicht bei dem Inhalt, sondern darinnen, daß Shankaracharyas Vorgänger vom Tale nach dem Gipfel strebten, und daß ihr Scharfsinn, ihr Sankhyascharfsinn, ihre Yogavertiefung sie dahin führten. In dieser Arbeit, in dieser Überwindung der Seele, liegt das Erlebnis, und dieses Erlebnis machte die Sache, nicht der Inhalt. Das ist das ungeheuer Bedeutsame, das ist dasjenige, was einem in einer gewissen Beziehung zum Troste gereichen kann. Denn das, was der Europäer auf der Straße finden kann, das achtet er nicht. Die Europäer nehmen das lieber in der Form, wie es in der Vedantaoder Sankhyaphilosophie ihnen entgegentritt, weil sie dann unbewußt doch schätzen die Anstrengungen, die dazu führen. Das ist das Persönliche an der Sache.

[ 12 ] Und jetzt stellen Sie sich vor, wie eine Sache anders wird für einen Menschen, welcher zum Beispiel auf dem Gipfel eines Berges, auf dem ein Haus ist, lebt und einen herrlichen Ausblick immerfort genießt, und wie ganz anders dieser Ausblick wird für einen Menschen, der ihn noch nie gesehen hat, der ihn vom Tale aus erst mit aller Anstrengung erreichen muß. Wenn man jeden Tag den Ausblick hat, so gewöhnt man sich daran. Nicht im Begriffsinhalt liegt der Unterschied zwischen dem, was Shankaracharya, die Vedendichter und ihre Nachfolger geleistet haben, und dem, was Hegel und Fichte geleistet haben, nicht bei dem Inhalt, sondern darinnen, daß Shankaracharyas Vorgänger vom Tale nach dem Gipfel strebten, und daß ihr Scharfsinn, ihr Sankhyascharfsinn, ihre Yogavertiefung sie dahin führten. In dieser Arbeit, in dieser Überwindung der Seele, liegt das Erlebnis, und dieses Erlebnis machte die Sache, nicht der Inhalt. Das ist das ungeheuer Bedeutsame, das ist dasjenige, was einem in einer gewissen Beziehung zum Troste gereichen kann. Denn das, was der Europäer auf der Straße finden kann, das achtet er nicht. Die Europäer nehmen das lieber in der Form, wie es in der Vedantaoder Sankhyaphilosophie ihnen entgegentritt, weil sie dann unbewußt doch schätzen die Anstrengungen, die dazu führen. Das ist das Persönliche an der Sache.

[ 13 ] Es ist ein Unterschied, ob man zu einem Inhalte kommt an dem oder jenem Orte, oder ob man aus dem angestrengten Bemühen der Seele dahin kommt. Es ist etwas ganz anderes, ob man zu einem Inhalte auf diese oder jene Weise gelangt, denn die Arbeit der Seele ist es, was der Sache das Leben gibt. Das müssen wir bedenken. Heute ist auf der Straße zu finden, allerdings nur von Menschen wie die genannten Geister, was dazumal durch Shankaracharya und durch Yogavertiefung allein erlangt wurde. Da brauchen wir keine abstrakten Kommentare, da brauchen wir nur die Möglichkeit, uns umzustellen, erst hinein uns zu versetzen in das lebendige Empfinden von dazumal. Dann aber beginnen wir auch zu verstehen, daß die äußeren Ausdrücke selbst, das Äußere der Ideen ganz anders noch erlebt wurde von den Menschen jener Zeit, als es noch von uns durchlebt werden kann. Nicht um abstrakte Kommentare zu geben, die pedantisch und schulmesisterlich sind, sondern um zu zeigen, wie die ganze Konfiguration des Fühlens und Empfindens anders war in der Bhagavad Gita als jetzt, muß, jedoch nicht äußerlich philologisch, studiert werden, wie das eigentlich sich ausnimmt, was dem Empfinden, dem Fühlen, der Gemütsstimmung einer Seele angehört aus der Zeit, in die wir die Bhagavad Gita zu versetzen haben, einer Seele, die sich dazumal in die Bhagavad Gita hineinlebte. Trotzdem das ideenhafte Erklären der Welt, graphisch gesprochen, heute unten liegt — das, was damals oben gelegen hat —, trotzdem beides dasselbe ist: die Ausdrucksform ist eine andere, der Gedankeninhalt ist derselbe. Wer bei dem abstrakten Gedankeninhalte stehenbleiben mag, der wird finden, daß das Verständnis ganz leicht ist. Wer aber das Erleben nacharbeiten will, der wird das nicht finden, der wird sich bemühen müssen, den Weg mitzumachen, mitzufühlen. Auf diesem alten Wege erst entstanden solche Begriffe, deren Verständnis wir uns heute nur zu leicht machen: das sind die drei Begriffe — und ich lege gar keinen Wert darauf, wie sie als Begriffsideal enthalten sind in der Bhagavad Gita —, das sind die drei Begriffe, die in die Worte eingeflossen sind: Sattva, Rajas, Tamas.

[ 13 ] Es ist ein Unterschied, ob man zu einem Inhalte kommt an dem oder jenem Orte, oder ob man aus dem angestrengten Bemühen der Seele dahin kommt. Es ist etwas ganz anderes, ob man zu einem Inhalte auf diese oder jene Weise gelangt, denn die Arbeit der Seele ist es, was der Sache das Leben gibt. Das müssen wir bedenken. Heute ist auf der Straße zu finden, allerdings nur von Menschen wie die genannten Geister, was dazumal durch Shankaracharya und durch Yogavertiefung allein erlangt wurde. Da brauchen wir keine abstrakten Kommentare, da brauchen wir nur die Möglichkeit, uns umzustellen, erst hinein uns zu versetzen in das lebendige Empfinden von dazumal. Dann aber beginnen wir auch zu verstehen, daß die äußeren Ausdrücke selbst, das Äußere der Ideen ganz anders noch erlebt wurde von den Menschen jener Zeit, als es noch von uns durchlebt werden kann. Nicht um abstrakte Kommentare zu geben, die pedantisch und schulmesisterlich sind, sondern um zu zeigen, wie die ganze Konfiguration des Fühlens und Empfindens anders war in der Bhagavad Gita als jetzt, muß, jedoch nicht äußerlich philologisch, studiert werden, wie das eigentlich sich ausnimmt, was dem Empfinden, dem Fühlen, der Gemütsstimmung einer Seele angehört aus der Zeit, in die wir die Bhagavad Gita zu versetzen haben, einer Seele, die sich dazumal in die Bhagavad Gita hineinlebte. Trotzdem das ideenhafte Erklären der Welt, graphisch gesprochen, heute unten liegt — das, was damals oben gelegen hat —, trotzdem beides dasselbe ist: die Ausdrucksform ist eine andere, der Gedankeninhalt ist derselbe. Wer bei dem abstrakten Gedankeninhalte stehenbleiben mag, der wird finden, daß das Verständnis ganz leicht ist. Wer aber das Erleben nacharbeiten will, der wird das nicht finden, der wird sich bemühen müssen, den Weg mitzumachen, mitzufühlen. Auf diesem alten Wege erst entstanden solche Begriffe, deren Verständnis wir uns heute nur zu leicht machen: das sind die drei Begriffe — und ich lege gar keinen Wert darauf, wie sie als Begriffsideal enthalten sind in der Bhagavad Gita —, das sind die drei Begriffe, die in die Worte eingeflossen sind: Sattva, Rajas, Tamas.

[ 14 ] Was liegt eigentlich in diesen Worten? Ohne daß man lebendig mitfühlt mit dem, was in diesen Worten empfunden wurde, kann man keiner Zeile der Bhagavad Gita, namentlich der späteren Partien, mit dem richtigen Gefühlston folgen. Es ist auf einer höheren Stufe das Nicht-sich-hinein-fühlen-Können in diese Begriffe ungefähr so, wie wenn man ein Buch in einer Sprache lesen wollte, die man gar nicht versteht. Da handelt es sich nicht darum, durch einen Kommentar einen Begriff aufzusuchen, sondern daß man die Sprache lernt. So handelt es sich hier nicht darum, auf kommentarhafte, schulmeisterliche Art zu interpretieren die Worte Sattva, Rajas und Tamas. In diesen Worten liegt das Empfinden der Bhagavad GitaZeit, etwas ungeheuer Bedeutsames, gleichsam ein Weg, der zum Verständnis der Welt und ihrer Erscheinungen führte. Wenn man diesen Weg charakterisieren will, muß man sich von vielem frei machen, was nicht bei den genannten Geistern zu finden ist, bei Solovieff, Hegel und Fichte, aber was in dem verknöcherten sonstigen abstrakten abendländischen Denken liegt. Mit Sattva, Rajas, Tamas ist gemeint eine Art, wie man sich hineinleben kann in die verschiedenen Zustände des Weltendaseins, wie man auf den verschiedensten Gebieten dieses Weltendaseins sich hineinleben kann. Es würde falsch, abstrakt sein, wenn man ganz auf der Basis des alten indischen Empfindens diese Worte interpretieren wollte. Es macht sich leichter, wenn man sie im wahren Sinne des damaligen Lebens nimmt, aber möglichst aus Erfahrungen unseres eigenen Lebens. Es ist besser, das äußere Kolorit dieser Begriffe in freier Weise aus unserem eigenen Erleben zu nehmen.

[ 14 ] Was liegt eigentlich in diesen Worten? Ohne daß man lebendig mitfühlt mit dem, was in diesen Worten empfunden wurde, kann man keiner Zeile der Bhagavad Gita, namentlich der späteren Partien, mit dem richtigen Gefühlston folgen. Es ist auf einer höheren Stufe das Nicht-sich-hinein-fühlen-Können in diese Begriffe ungefähr so, wie wenn man ein Buch in einer Sprache lesen wollte, die man gar nicht versteht. Da handelt es sich nicht darum, durch einen Kommentar einen Begriff aufzusuchen, sondern daß man die Sprache lernt. So handelt es sich hier nicht darum, auf kommentarhafte, schulmeisterliche Art zu interpretieren die Worte Sattva, Rajas und Tamas. In diesen Worten liegt das Empfinden der Bhagavad GitaZeit, etwas ungeheuer Bedeutsames, gleichsam ein Weg, der zum Verständnis der Welt und ihrer Erscheinungen führte. Wenn man diesen Weg charakterisieren will, muß man sich von vielem frei machen, was nicht bei den genannten Geistern zu finden ist, bei Solovieff, Hegel und Fichte, aber was in dem verknöcherten sonstigen abstrakten abendländischen Denken liegt. Mit Sattva, Rajas, Tamas ist gemeint eine Art, wie man sich hineinleben kann in die verschiedenen Zustände des Weltendaseins, wie man auf den verschiedensten Gebieten dieses Weltendaseins sich hineinleben kann. Es würde falsch, abstrakt sein, wenn man ganz auf der Basis des alten indischen Empfindens diese Worte interpretieren wollte. Es macht sich leichter, wenn man sie im wahren Sinne des damaligen Lebens nimmt, aber möglichst aus Erfahrungen unseres eigenen Lebens. Es ist besser, das äußere Kolorit dieser Begriffe in freier Weise aus unserem eigenen Erleben zu nehmen.

[ 15 ] Sehen wir einmal auf die Art des Hineinlebens, die der Mensch vollzieht, wenn er verständnisvoll eingehen will auf die drei Naturreiche um ihn herum. Das ganze erkennende Verhalten zu den drei Naturreichen ist ja bei jedem einzelnen Naturreich verschieden. Ich will kein erschöpfendes Begreifen dieser Worte, ich will ein Sich-Nähern zu diesen Begriffen hervorrufen. Wenn der Mensch dem Mineralreich heute gegenübersteht, so bekommt er ein Gefühl, daß er durch sein Denken dieses Mineralreich mit seinen Gesetzen durchdringt, er lebt mit ihm gewissermaßen zusammen. Dieses Verständnis würde man in den alten Zeiten der Bhagavad Gita ein Sattvaverständnis des Mineralreiches nennen. Verständnis des Mineralreiches würde also ein Sattvaverständnis sein. — Heute ist es bei dem Pflanzenreich schon anders; da wird uns immer der Widerstand geleistet, daß wir mit unserem heutigen Verständnis nicht in das Leben dringen können. Die Naturreiche physisch und chemisch zu untersuchen und zu analysieren, das zu begreifen bedeutet heute ein Ideal. Einige Phantasten glauben allerdings heute, indem sie beliebig viel nach der äußeren Form hervorbringen, so daß das ähnlich ausschaut dem Generationsprozeß, daß sie der Idee des Lebens nähergekommen seien. Das ist aber eine Phantasterei. Nicht bis zum Leben heran dringt der Mensch erkennend ein in das Pflanzenreich; er dringt also nicht so absolut ein in das Pflanzenreich wie in das Mineralreich. Das Leben im Pflanzenreich kann man heute nur anschauen. Was man aber nur anschauen kann, worauf man mit seinem Verständnis nicht eingehen kann, das ist Rajasverständnis. — Wenn wir zu den Tieren kommen, ist die Sache wieder anders. Jene Form des Bewußtseins, die im Tier ist, entzieht sich uns weit mehr noch für das gewöhnliche Verständnis als das Leben der Pflanze. Was das Tier eigentlich lebt, wird nicht mit dem Erkennen erreicht. Das Verständnis, das der Mensch heute mit seiner Wissenschaft der Tierheit entgegenbringt, ist ein Tamasverständnis.

[ 15 ] Sehen wir einmal auf die Art des Hineinlebens, die der Mensch vollzieht, wenn er verständnisvoll eingehen will auf die drei Naturreiche um ihn herum. Das ganze erkennende Verhalten zu den drei Naturreichen ist ja bei jedem einzelnen Naturreich verschieden. Ich will kein erschöpfendes Begreifen dieser Worte, ich will ein Sich-Nähern zu diesen Begriffen hervorrufen. Wenn der Mensch dem Mineralreich heute gegenübersteht, so bekommt er ein Gefühl, daß er durch sein Denken dieses Mineralreich mit seinen Gesetzen durchdringt, er lebt mit ihm gewissermaßen zusammen. Dieses Verständnis würde man in den alten Zeiten der Bhagavad Gita ein Sattvaverständnis des Mineralreiches nennen. Verständnis des Mineralreiches würde also ein Sattvaverständnis sein. — Heute ist es bei dem Pflanzenreich schon anders; da wird uns immer der Widerstand geleistet, daß wir mit unserem heutigen Verständnis nicht in das Leben dringen können. Die Naturreiche physisch und chemisch zu untersuchen und zu analysieren, das zu begreifen bedeutet heute ein Ideal. Einige Phantasten glauben allerdings heute, indem sie beliebig viel nach der äußeren Form hervorbringen, so daß das ähnlich ausschaut dem Generationsprozeß, daß sie der Idee des Lebens nähergekommen seien. Das ist aber eine Phantasterei. Nicht bis zum Leben heran dringt der Mensch erkennend ein in das Pflanzenreich; er dringt also nicht so absolut ein in das Pflanzenreich wie in das Mineralreich. Das Leben im Pflanzenreich kann man heute nur anschauen. Was man aber nur anschauen kann, worauf man mit seinem Verständnis nicht eingehen kann, das ist Rajasverständnis. — Wenn wir zu den Tieren kommen, ist die Sache wieder anders. Jene Form des Bewußtseins, die im Tier ist, entzieht sich uns weit mehr noch für das gewöhnliche Verständnis als das Leben der Pflanze. Was das Tier eigentlich lebt, wird nicht mit dem Erkennen erreicht. Das Verständnis, das der Mensch heute mit seiner Wissenschaft der Tierheit entgegenbringt, ist ein Tamasverständnis.

[ 16 ] Es sei in bezug auf das Verständnis des Menschen, wie er sich zu verhalten hat zu den Worten Sattva, Rajas und Tamas, noch ein Charakteristisches angeführt. Es gibt noch eine andere Seite des Verständnisses für den heutigen Menschen. Allerdings muß da ein Verständnis eintreten, das nicht nur nach Begriffen charakterisiert. Wenn man die wissenschaftlichen Vorstellungen von den Tätigkeitsformen der lebenden Wesen herannimmt, kommt man niemals zu einem Verständnis. Schlaf zum Beispiel ist nicht dasselbe beim Menschen und im Tierreich. Wenn man den Schlaf definiert, hat man nicht viel mehr getan, als wenn man ein Messer, das zum Rasieren oder Bleistiftspitzen gebraucht wird, für dasselbe hält wie ein Messer, das man zum Fleischschneiden braucht. Wenn wir uns aber ein Verständnis offenhalten und uns noch von anderer Seite her den Begriffen Tamas, Rajas und Sattva nähern, so können wir aus unserem heutigen Leben noch etwas anderes anführen. Die Menschen nähren sich von verschiedenen Dingen, von Tieren, Pflanzen und Mineralien. Diese verschiedenen Nahrungsmittel wirken natürlich auch verschieden auf die Konstitution des Menschen. Wir nähern uns wirklich dem Verständnis von Tamas, Rajas und Sattva, wenn wir bedenken, daß der Mensch sich mit Sattvazuständen durchdringt, wenn er Pflanzen ißt. Wenn er sie aber begreifen will, sind sie für ihn ein Rajaszustand. Für die Ernährung ist also das Aufnehmen des Pflanzlichen der Sattvazustand; das Aufnehmen des Mineralischen, der Salze und so weiter ist der Rajaszustand; der Zustand, der durch das Fleischessen bewirkt wird, ist der Tamaszustand. Wir können also die Reihenfolge nicht beibehalten, wenn wir ausgehen von einer abstrakten Definition. Wir müssen uns unsere Begriffe beweglich erhalten. Das ist nicht gesprochen, um bei denen einen Horror zu bewirken, die gezwungen sind, Fleisch zu essen. Ich werde Ihnen auch gleich ein anderes Gebiet nennen, wo das wieder anders ist.

[ 16 ] Es sei in bezug auf das Verständnis des Menschen, wie er sich zu verhalten hat zu den Worten Sattva, Rajas und Tamas, noch ein Charakteristisches angeführt. Es gibt noch eine andere Seite des Verständnisses für den heutigen Menschen. Allerdings muß da ein Verständnis eintreten, das nicht nur nach Begriffen charakterisiert. Wenn man die wissenschaftlichen Vorstellungen von den Tätigkeitsformen der lebenden Wesen herannimmt, kommt man niemals zu einem Verständnis. Schlaf zum Beispiel ist nicht dasselbe beim Menschen und im Tierreich. Wenn man den Schlaf definiert, hat man nicht viel mehr getan, als wenn man ein Messer, das zum Rasieren oder Bleistiftspitzen gebraucht wird, für dasselbe hält wie ein Messer, das man zum Fleischschneiden braucht. Wenn wir uns aber ein Verständnis offenhalten und uns noch von anderer Seite her den Begriffen Tamas, Rajas und Sattva nähern, so können wir aus unserem heutigen Leben noch etwas anderes anführen. Die Menschen nähren sich von verschiedenen Dingen, von Tieren, Pflanzen und Mineralien. Diese verschiedenen Nahrungsmittel wirken natürlich auch verschieden auf die Konstitution des Menschen. Wir nähern uns wirklich dem Verständnis von Tamas, Rajas und Sattva, wenn wir bedenken, daß der Mensch sich mit Sattvazuständen durchdringt, wenn er Pflanzen ißt. Wenn er sie aber begreifen will, sind sie für ihn ein Rajaszustand. Für die Ernährung ist also das Aufnehmen des Pflanzlichen der Sattvazustand; das Aufnehmen des Mineralischen, der Salze und so weiter ist der Rajaszustand; der Zustand, der durch das Fleischessen bewirkt wird, ist der Tamaszustand. Wir können also die Reihenfolge nicht beibehalten, wenn wir ausgehen von einer abstrakten Definition. Wir müssen uns unsere Begriffe beweglich erhalten. Das ist nicht gesprochen, um bei denen einen Horror zu bewirken, die gezwungen sind, Fleisch zu essen. Ich werde Ihnen auch gleich ein anderes Gebiet nennen, wo das wieder anders ist.

[ 17 ] Nehmen wir an, jemand will aufnehmen die Außenwelt nicht durch gewöhnliche Wissenschaft, sondern durch das für unsere Zeit richtige Hellsehen, und nehmen wir an, ein solcher Mensch sei im Zustande des Hellsehens, und bringe dann die Erscheinungen und Tatsachen der Umwelt in sein hellsichtiges Bewußtsein hinein. Da müssen diese Erscheinungen und Tatsachen einen Zustand hervorrufen wie die Erscheinung des gewöhnlichen Verständnisses für die drei Naturreiche: also Sattva-, Rajas- und Tamaszustände. So rufen die Erlebnisse, die in das hellsichtige Erkennen kommen, Zustände in der Menschenseele hervor. Und zwar dasjenige, was in das reinste hellsichtige Erkennen kommen kann, was schon dem geläuterten Hellsehen entspricht, das ruft den Tamaszustand hervor. Tamaszustand wird hervorgerufen durch das geläuterte — nicht im moralischen Sinne geläuterte — Hellsehen. Und ein Mensch, der wirklich rein äußerlich schauen will die geistigen Dinge, mit dem von uns heute zu erlangenden Hellsehen, der muß sich durch die hellsichtige Tätigkeit den Tamaszustand herstellen. Und dann fühlt er, wenn er mit der Erkenntnis wieder zurückkommt in die gewöhnliche Welt, in der er jetzt augenblicklich auch seine hellseherische Erkenntnis vergißt, und dann in einen neuen Zustand der Erkenntnis kommt, daß er in diesem Zustande in dem Sattvazustande ist. Sattvazustand ist also das alltägliche Erkennen in unserer heutigen Zeit. Und in dem Zwischenzustande des Glaubens, des Bauens auf Autorität, ist man im Rajaszustand. Wissen in hohen Welten bewirkt in den Menschenseelen den Tamaszustand; Wissen in der gewöhnlichen Umwelt den Sattvazustand, Glaube, Bauen auf Autorität, Bekenntnis bewirkt Rajaszustand. Wir sehen: Wer durch seine Organisation gezwungen ist, Fleisch zu essen, braucht sich wirklich nicht davor zu entsetzen, daß das Fleisch ihn in einen Tamaszustand versetzt, denn das wird man auch durch das geläuterte Hellsehen.

[ 17 ] Nehmen wir an, jemand will aufnehmen die Außenwelt nicht durch gewöhnliche Wissenschaft, sondern durch das für unsere Zeit richtige Hellsehen, und nehmen wir an, ein solcher Mensch sei im Zustande des Hellsehens, und bringe dann die Erscheinungen und Tatsachen der Umwelt in sein hellsichtiges Bewußtsein hinein. Da müssen diese Erscheinungen und Tatsachen einen Zustand hervorrufen wie die Erscheinung des gewöhnlichen Verständnisses für die drei Naturreiche: also Sattva-, Rajas- und Tamaszustände. So rufen die Erlebnisse, die in das hellsichtige Erkennen kommen, Zustände in der Menschenseele hervor. Und zwar dasjenige, was in das reinste hellsichtige Erkennen kommen kann, was schon dem geläuterten Hellsehen entspricht, das ruft den Tamaszustand hervor. Tamaszustand wird hervorgerufen durch das geläuterte — nicht im moralischen Sinne geläuterte — Hellsehen. Und ein Mensch, der wirklich rein äußerlich schauen will die geistigen Dinge, mit dem von uns heute zu erlangenden Hellsehen, der muß sich durch die hellsichtige Tätigkeit den Tamaszustand herstellen. Und dann fühlt er, wenn er mit der Erkenntnis wieder zurückkommt in die gewöhnliche Welt, in der er jetzt augenblicklich auch seine hellseherische Erkenntnis vergißt, und dann in einen neuen Zustand der Erkenntnis kommt, daß er in diesem Zustande in dem Sattvazustande ist. Sattvazustand ist also das alltägliche Erkennen in unserer heutigen Zeit. Und in dem Zwischenzustande des Glaubens, des Bauens auf Autorität, ist man im Rajaszustand. Wissen in hohen Welten bewirkt in den Menschenseelen den Tamaszustand; Wissen in der gewöhnlichen Umwelt den Sattvazustand, Glaube, Bauen auf Autorität, Bekenntnis bewirkt Rajaszustand. Wir sehen: Wer durch seine Organisation gezwungen ist, Fleisch zu essen, braucht sich wirklich nicht davor zu entsetzen, daß das Fleisch ihn in einen Tamaszustand versetzt, denn das wird man auch durch das geläuterte Hellsehen.

[ 18 ] Was ist der Tamaszustand für ein Zustand? Der Tamaszustand ist derjenige Zustand, in dem durch naturgemäße Vorgänge irgendein Äußeres am meisten von dem Geiste befreit ist. Wenn wir den Geist als Licht bezeichnen, so ist der Tamaszustand der lichtlose Zustand, der finstere Zustand. So lange unser Organismus nun auf naturgemäße Weise von Geist erfüllt ist, sind wir im Sattvazustand, dem Zustand, in dem auch unsere Erkenntnis der äußeren Welt ist. Wenn wir schlafen, sind wir im Tamaszustand, aber wir müssen diesen Zustand im Schlaf herbeiführen, damit eben unser Geist von unserem Leibe sich entfernen kann, damit er in die höhere Geistigkeit um uns eindringen kann. Will man zu den höheren Welten kommen — das sagt schon der Evangelist —, was die Finsternis des Menschen ist, so muß die Natur des Menschen im Tamaszustande sein. Weil die Menschen aber im Sattvazustand sind, nicht im Tamas-, im finsteren Zustand, sind die Worte des Evangelisten: «Das Licht scheinet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht begriffen», etwa zu übersetzen: Und das höhere Licht drang heran an den Menschen. Der war aber von einem naturgemäßen Sattva erfüllt und ließ es nicht heraus, deshalb konnte das höhere Licht nicht hinein, denn das höhere Licht kann nur in die Finsternis scheinen. — Weil das so ist, daß sich sozusagen die Begriffe fortwährend umdrehen, wenn wir bei so lebendigen Begriffen wie Sattva, Rajas und Tamas nach Erkenntnis suchen, deshalb müssen wir uns daran gewöhnen, diese Zustände nicht absolut zu nehmen. Es gibt kein absolutes Tiefer oder Höher bei der richtigen Auffassung der Welt, sondern nur im relativen Sinne.

[ 18 ] Was ist der Tamaszustand für ein Zustand? Der Tamaszustand ist derjenige Zustand, in dem durch naturgemäße Vorgänge irgendein Äußeres am meisten von dem Geiste befreit ist. Wenn wir den Geist als Licht bezeichnen, so ist der Tamaszustand der lichtlose Zustand, der finstere Zustand. So lange unser Organismus nun auf naturgemäße Weise von Geist erfüllt ist, sind wir im Sattvazustand, dem Zustand, in dem auch unsere Erkenntnis der äußeren Welt ist. Wenn wir schlafen, sind wir im Tamaszustand, aber wir müssen diesen Zustand im Schlaf herbeiführen, damit eben unser Geist von unserem Leibe sich entfernen kann, damit er in die höhere Geistigkeit um uns eindringen kann. Will man zu den höheren Welten kommen — das sagt schon der Evangelist —, was die Finsternis des Menschen ist, so muß die Natur des Menschen im Tamaszustande sein. Weil die Menschen aber im Sattvazustand sind, nicht im Tamas-, im finsteren Zustand, sind die Worte des Evangelisten: «Das Licht scheinet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht begriffen», etwa zu übersetzen: Und das höhere Licht drang heran an den Menschen. Der war aber von einem naturgemäßen Sattva erfüllt und ließ es nicht heraus, deshalb konnte das höhere Licht nicht hinein, denn das höhere Licht kann nur in die Finsternis scheinen. — Weil das so ist, daß sich sozusagen die Begriffe fortwährend umdrehen, wenn wir bei so lebendigen Begriffen wie Sattva, Rajas und Tamas nach Erkenntnis suchen, deshalb müssen wir uns daran gewöhnen, diese Zustände nicht absolut zu nehmen. Es gibt kein absolutes Tiefer oder Höher bei der richtigen Auffassung der Welt, sondern nur im relativen Sinne.

[ 19 ] Ein europäischer Gelehrter hat Anstoß daran genommen. Es war ein Gelehrter, der selbst Tamas mit «Finsternis» übersetzte, er hat Anstoß daran genommen, daß ein anderer Sattva mit «Licht» übersetzte. Er übersetzt Sattva mit «Güte». In solchen Dingen drücken sich alle Quellen der Mißverständnisse richtig aus, denn wenn der Mensch im Tamaszustand, gleichgültig ob er schläft oder im hellsichtigen Erkennen ist — wir wollen nur diese zwei Fälle nehmen, wo der Mensch im Tamaszustande ist —, dann ist er in der Tat in bezug auf das Äußere in der Finsternis. Daher hatte das alte Indertum recht. Es konnte aber nicht ein Wort nehmen wie «Licht» statt des Wortes «Sattva». Man darf immer Tamas mit «Finsternis» übersetzen, doch ist in bezug auf die äußere Welt der Sattvazustand kein solcher, der immer einfach mit «Licht» interpretiert werden könnte. Wenn wir davon sprechen, daß wir das Licht charakterisieren wollen, so ist es ganz richtig, daß man die hellen Farben im Sinne der Sankhyaphilosophie — Rot, Orange, Gelb — die Sattvafarben nennt. Man muß aber in diesem Sinne die Farbe Grün eine Rajasfarbe und die Farben Blau, Indigo, Violett Tamasfarben nennen. Das ist absolut richtig. Man kann sagen: Lichtwirkungen, Helligkeitserscheinungen gehören im allgemeinen unter den Begriff der Sattvawirkung, aber unter den Begriff der Sattvaerscheinungen gehört zum Beispiel auch Güte des Menschen, liebevolles Verhalten des Menschen. Licht gehört zwar unter den Sattvabegriff, dieser Begriff ist aber weiter, Licht ist nicht eigentlich mit ihm identisch. Daher ist es falsch, Sattva mit «Licht» zu übersetzen, aber durchaus möglich ist es, Tamas mit «Finsternis» zu übersetzen. Es ist auch nicht richtig zu sagen, daß «Licht» den Sattvabegriff nicht trifft. Aber der Tadel, den der andere Gelehrte angedeihen läßt einem Menschen, der vielleicht ganz gut sich dessen bewußt ist, ist auch wieder nicht berechtigt, aus dem einfachen Grunde, weil schließlich, wenn jemand sagt: Hier ist ein Löwe —, niemand ihn in der Weise belehren würde, daß er ihm auseinandersetzt: Nein, hier ist ein Raubtier. — Beides ist richtig. Das trifft den Nagel auf den Kopf. Es ist durchaus wahr, wenn einer sagt: Hier steht ein Löwe —, daß er auch ein Raubtier vor sich sieht. Ebenso ist es richtig, wenn jemand in bezug auf die äußere Erscheinung Sattva zu dem Lichtvollen zählt, aber falsch ist es, nur zu dem Lichte «Sattva» zu sagen. Sattva ist ein übergeordneter Begriff zu Licht, wie Raubtier ein übergeordneter Begriff zu Löwe ist. Von der Finsternis gilt ein Ähnliches nur aus dem Grunde nicht, weil in dem Zustande des Tamas das, was sonst in den anderen Zuständen, in dem Rajas- und Sattvazustand sich spezifiziert, sich zu etwas mehr Allgemeinem ausgleicht. Schließlich sind ein Lamm und ein Löwe zwei sehr verschiedene Wesen, und will ich sie charakterisieren in bezug auf ihre Sattvaeigenschaften, wie das naturgemäß kraftvolle Geistige lebendig im Lamm und Löwen besteht, so muß ich diese beiden Tiere sehr verschieden charakterisieren. Will ich aber den Tamaszustand charakterisieren, so kommt das Verschiedene nicht in Betracht, denn der Tamaszustand ist eben einfach da, wenn das Schaf oder der Löwe faul daliegt. Im Sattvazustande sind Lamm und Löwe recht verschieden, aber für das Weltverstehen ist Löwenfaulheit und Lammfaulheit schließlich doch dasselbe. Die Möglichkeit, auf die Begriffe wirklich zu sehen, wird ganz anders werden müssen. Es gehören in der Tat diese drei Begriffe mit den Gefühlstönen, die darinnen sind, zu dem Allerlichtvollsten des Sankhya. Und in allem, was Krishna dem Arjuna vorbringt, so daß er sich darstellt als der Begründer des selbstbewußten Zeitalters, in alldem muß er sprechen in Worten, die ganz durchdrungen sind von den Gefühlstönen, die hergenommen werden von den Begriffen Sattva, Rajas, Tamas. Von diesen drei Begriffen und von demjenigen, was dann zu einem Gipfel führt in der Bhagavad Gita, sei dann noch im letzten Vortrage dieses Zyklus genauer gesprochen.

[ 19 ] Ein europäischer Gelehrter hat Anstoß daran genommen. Es war ein Gelehrter, der selbst Tamas mit «Finsternis» übersetzte, er hat Anstoß daran genommen, daß ein anderer Sattva mit «Licht» übersetzte. Er übersetzt Sattva mit «Güte». In solchen Dingen drücken sich alle Quellen der Mißverständnisse richtig aus, denn wenn der Mensch im Tamaszustand, gleichgültig ob er schläft oder im hellsichtigen Erkennen ist — wir wollen nur diese zwei Fälle nehmen, wo der Mensch im Tamaszustande ist —, dann ist er in der Tat in bezug auf das Äußere in der Finsternis. Daher hatte das alte Indertum recht. Es konnte aber nicht ein Wort nehmen wie «Licht» statt des Wortes «Sattva». Man darf immer Tamas mit «Finsternis» übersetzen, doch ist in bezug auf die äußere Welt der Sattvazustand kein solcher, der immer einfach mit «Licht» interpretiert werden könnte. Wenn wir davon sprechen, daß wir das Licht charakterisieren wollen, so ist es ganz richtig, daß man die hellen Farben im Sinne der Sankhyaphilosophie — Rot, Orange, Gelb — die Sattvafarben nennt. Man muß aber in diesem Sinne die Farbe Grün eine Rajasfarbe und die Farben Blau, Indigo, Violett Tamasfarben nennen. Das ist absolut richtig. Man kann sagen: Lichtwirkungen, Helligkeitserscheinungen gehören im allgemeinen unter den Begriff der Sattvawirkung, aber unter den Begriff der Sattvaerscheinungen gehört zum Beispiel auch Güte des Menschen, liebevolles Verhalten des Menschen. Licht gehört zwar unter den Sattvabegriff, dieser Begriff ist aber weiter, Licht ist nicht eigentlich mit ihm identisch. Daher ist es falsch, Sattva mit «Licht» zu übersetzen, aber durchaus möglich ist es, Tamas mit «Finsternis» zu übersetzen. Es ist auch nicht richtig zu sagen, daß «Licht» den Sattvabegriff nicht trifft. Aber der Tadel, den der andere Gelehrte angedeihen läßt einem Menschen, der vielleicht ganz gut sich dessen bewußt ist, ist auch wieder nicht berechtigt, aus dem einfachen Grunde, weil schließlich, wenn jemand sagt: Hier ist ein Löwe —, niemand ihn in der Weise belehren würde, daß er ihm auseinandersetzt: Nein, hier ist ein Raubtier. — Beides ist richtig. Das trifft den Nagel auf den Kopf. Es ist durchaus wahr, wenn einer sagt: Hier steht ein Löwe —, daß er auch ein Raubtier vor sich sieht. Ebenso ist es richtig, wenn jemand in bezug auf die äußere Erscheinung Sattva zu dem Lichtvollen zählt, aber falsch ist es, nur zu dem Lichte «Sattva» zu sagen. Sattva ist ein übergeordneter Begriff zu Licht, wie Raubtier ein übergeordneter Begriff zu Löwe ist. Von der Finsternis gilt ein Ähnliches nur aus dem Grunde nicht, weil in dem Zustande des Tamas das, was sonst in den anderen Zuständen, in dem Rajas- und Sattvazustand sich spezifiziert, sich zu etwas mehr Allgemeinem ausgleicht. Schließlich sind ein Lamm und ein Löwe zwei sehr verschiedene Wesen, und will ich sie charakterisieren in bezug auf ihre Sattvaeigenschaften, wie das naturgemäß kraftvolle Geistige lebendig im Lamm und Löwen besteht, so muß ich diese beiden Tiere sehr verschieden charakterisieren. Will ich aber den Tamaszustand charakterisieren, so kommt das Verschiedene nicht in Betracht, denn der Tamaszustand ist eben einfach da, wenn das Schaf oder der Löwe faul daliegt. Im Sattvazustande sind Lamm und Löwe recht verschieden, aber für das Weltverstehen ist Löwenfaulheit und Lammfaulheit schließlich doch dasselbe. Die Möglichkeit, auf die Begriffe wirklich zu sehen, wird ganz anders werden müssen. Es gehören in der Tat diese drei Begriffe mit den Gefühlstönen, die darinnen sind, zu dem Allerlichtvollsten des Sankhya. Und in allem, was Krishna dem Arjuna vorbringt, so daß er sich darstellt als der Begründer des selbstbewußten Zeitalters, in alldem muß er sprechen in Worten, die ganz durchdrungen sind von den Gefühlstönen, die hergenommen werden von den Begriffen Sattva, Rajas, Tamas. Von diesen drei Begriffen und von demjenigen, was dann zu einem Gipfel führt in der Bhagavad Gita, sei dann noch im letzten Vortrage dieses Zyklus genauer gesprochen.