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Christ and the Human Soul
On the Meaning of Life
Theosophical Morality
Anthroposophy and Christianity
GA 155

12 July 1914, Norrköping

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Christus und die menschliche Seele I

Lecture One

[ 1 ] Die Freunde aus Norrköping haben gewünscht, daß ich bei dieser Anwesenheit, bei deren Beginn ich Sie, meine lieben Freunde, herzlichst begrüße, über ein Thema spreche, das in Beziehung steht zu jener Wesenheit, die uns ja auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft vor allen Dingen naheliegt und nahegeht: zur Wesenheit des Christus. Und ich habe versucht, diesem Wunsche dadurch nachzukommen, daß ich mir vorgenommen habe, zu sprechen über das Aufleben und die Bedeutung dieses Auflebens der Christus-Wesenheit in der menschlichen Seele. Wir werden gerade bei diesem Thema Gelegenheit haben, von dem geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkte aus gewissermaßen über die menschlichste, über die uns am meisten zu Herzen gehende Bedeutung des Christentums zu sprechen.

[ 1 ] Let me first extend to you my heartfelt greetings. Friends in Norrköping have expressed the wish that on this occasion I should take a theme concerning that Being who in the realm of spiritual science is above all else near to us—the Christ Being. I have tried to meet this wish by undertaking to speak about the coming to life of the Christ Being in the human soul and the significance of this. We shall thus have the opportunity to speak of the most human and intimate significance of Christianity from the standpoint of spiritual science.

[ 2 ] Diese menschliche Seele! Wir haben, insofern wir geisteswissenschaftlich sprechen, ein kurzes Wort, welches zwar nicht alles umfaßt, was menschliche Seele uns bedeutet, welches aber doch auf dasjenige hindeutet, was gewissermaßen für uns Erdenmenschen das Seelische in seinen weiten Grenzen ausfüllt und durchdringt — wir haben das kurze Wort Ich. Unsere Ich-Wesenheit geht so weit, insofern wir Erdenmenschen sind, als unser Seelisches. Indem wir nun den Namen der Ich-Wesenheit aussprechen, erinnern wir uns ja sogleich, daß wir mit dieser Ich-Wesenheit eines der vier uns zunächstliegenden Glieder der Menschenwesenheit bezeichnen. Wir sprechen von vier Gliedern der Menschenwesenheit zunächst: von dem physischen Leibe, dem Ätherleibe, dem Astralleibe und dem Ich. Und wir brauchen uns nur einiges ins Gedächtnis zu rufen, um Ausgangspunkte zu gewinnen für die Betrachtung, die wir in diesen Tagen anstellen wollen. Wir brauchen uns nur ins Gedächtnis zu rufen, daß wir des Menschen physischen Leib nicht so ansehen, als ob für uns seine Gesetze — das Wesenhafte, das er enthält — zu erkennen wären aus demjenigen, was unsere Erdenumgebung zunächst darbietet. Wir wissen, daß wir, wenn wir den physischen Menschenleib verstehen wollen, zurückgehen müssen zu drei vorhergehenden Verkörperungen unserer Erde, zur Saturn-, Sonnen- und Mondenverkörperung; wir wissen, daß in urferner Vergangenheit, während der Saturnverkörperung unserer Erde, der physische Leib bereits seine Veranlagung gewonnen hat; wir wissen dann, daß während der Sonnenverkörperung der Ätherleib seine Veranlagung erfahren hat, und während der Mondenverkörperung der Astralleib. Und was ist im Grunde genommen unsere Erdenentwickelung anderes, als in allen ihren Phasen, in allen ihren Epochen dasjenige, was dem Ich die Möglichkeit gibt, sich in allen seinen Weiten zu verwirklichen!

[ 2 ] Let us consider the human soul. In the sense of spiritual science we have a short word which, although it does not embrace all that the expression “human soul” signifies for us, points to something which for us men of Earth fills and permeates the soul element to its farthest limits—we have the short word “I”. In so far as we are men of Earth, our ego-being reaches as far as does our soul-nature. You know that by the name “I”, or ego, we denote one of the four most immediate principles of man. We speak, in the first instance, of four members or principles of the human being—the physical body, the etheric body, the astral body and the ego. And in order to have the starting-point for what we shall be considering in these lectures, we need recall only one thing: we do not regard the laws and the living essence of the physical body of man as explicable in terms of our present earthly environment. We know that if we want to understand the physical human body we must go back to the three preceding embodiments of our Earth—the Saturn, Sun and Moon periods. In a remote, primordial past, during the Saturn embodiment, the germ of the physical body was already laid down. During the Sun embodiment the foundation of the etheric body was laid down; and during the Moon embodiment that of the astral body. In reality our Earth-evolution, in all its phases and in all its epochs, is none other than that which enables the ego to fulfill its whole being.

[ 3 ] Wir können sagen: So wie der physische Leib auf einer gewissen, für ihn bedeutungsvollen Stufe seiner Entwickelung angelangt war am Ende der Saturnentwickelung, wie der Ätherleib ebenso auf einer für ihn bedeutungsvollen Stufe angelangt war am Ende der Sonnenentwickelung, und der Astralleib ebenso am Ende der Mondenentwickelung, so wird unser Ich am Ende der Erdenentwickelung an einem bedeutungsvollen Punkte seiner Entwickelung angelangt sein. Und wir sprechen davon, daß unser Ich sich hindurchentwickelt durch drei seelische Glieder: durch die Empfindungsseele, die Verstandes- oder Gemütsseele und die Bewußtseinsseele. Alle die Welten, die umschlossen sind von diesen drei Seelengliedern, haben auch mit unserem Ich etwas zu tun. Diese drei Seelenglieder sind es, welche im Verlauf unserer Erdenentwickelung sich zuerst die drei äußeren leiblichen Glieder, den physischen Leib, den Ätherleib und den Astralleib zubereitet haben, durch lange Erdenzeiten hindurch zubereitet haben, und die nun in aufeinanderfolgenden Kulturepochen der nachatlantischen Zeit in gewisser Weise sich weiterentwickeln, die in zukünftigen Erdenzeiten sich wieder anpassen werden an Astralleib, Ärherleib und physischen Leib, so daß die Erde sich bereiten kann, zur Jupiterentwickelung hinüberzugehen.

[ 3 ] We can say that just as the physical body had reached a significant stage of its evolution at the end of the Saturn period, the etheric body at the end of the Sun period, and the astral body at the end of the Moon period, so at the end of the Earth period our ego will have reached a significant point in its evolution. We know that our ego develops through three soul members or principles, through the sentient soul, the intellectual or mind-soul, and the spiritual or consciousness-soul. All the worlds that come within the compass of these three soul members are also concerned with our ego. In the course of our Earth-evolution these three soul members first prepared for themselves the three external bodily members—the physical body, the etheric body and the astral body—through long Earth periods. In successive post-Atlantean epochs of civilization the three soul principles developed further, and in future Earth periods they will again adapt themselves to the astral, etheric and physical bodies, so that the Earth can be prepared to pass over to the Jupiter evolution.

[ 4 ] Wir könnten geradezu auch, wenn wir den Ausdruck umfassend genug nehmen, die Erdenentwickelung des Menschen seine Seelenentwickelung nennen. Man könnte sagen: Als die Erde begonnen hat, da begann auch im Menschen das Seelische gesetzmäßig sich zu regen. Es arbeitete zunächst an den äußeren Hüllen, dann arbeitete es sich selbst heraus und bereitet sich nunmehr vor, wiederum an den äußeren Hüllen zu arbeiten, damit die Jupiterentwickelung vorbereitet werden könne. Nun müssen wir uns vor Augen halten, was der Mensch während der Erdenentwickelung in seiner Seele werden soll. Er soll werden dasjenige, was man bezeichnen könnte mit dem Ausdruck Persönlichkeit. Diese Persönlichkeit bedarf erstens dessen, was man nennen kann den freien Willen; aber sie bedarf auf der anderen Seite auch der Möglichkeit, in sich den Weg zu finden zu dem Göttlichen in der Welt. Freier Wille auf der einen Seite, die Möglichkeit zu wählen zwischen dem Guten und dem Bösen, zwischen dem Schönen und dem Häßlichen, dem Wahren und dem Falschen, dieser freie Wille auf der einen Seite, und die Erfassung des Göttlichen so, daß es in unsere Seele eindringt und wir uns innerlich erfüllt wissen, frei erfüllt wissen mit dem Göttlichen auf der andern Seite, das sind die zwei Zielpunkte der menschlichen Seelenentwickelung auf Erden.

[ 4 ] If we take the expression comprehensively enough, we might also speak of man's Earth-evolution as his soul evolution. One could say that when the Earth began, the soul element also began, in conformity with law, to bestir itself in man. At first it began to work on the external sheaths, then it developed its own being, and from then onward it begins again to work on the external sheaths in order that preparation may be made for the Jupiter evolution. We must keep before our mind's eye what man is meant to become in his soul during the Earth evolution. He is to become what may be designated by the word “personality”. This personality needs in the first place what may be called “free will”. But it needs also, on the other side, the possibility of finding within itself the way to the divine in the world. On the one side free will, the possibility of choosing between the beautiful and the ugly, the good and the evil, the true and the false; on the other side, the laying hold of the divine so that the divine penetrates into the soul and we know ourselves to be inwardly filled with it. Such are the two goals of man's evolution on the Earth.

[ 5 ] Diese menschliche Seelenentwickelung auf Erden hat nun, man möchte sagen, zu diesen zwei Zielpunkten zwei religiöse Gaben empfangen. Die eine religiöse Gabe ist dazu bestimmt, in die menschliche Seele hineinzuverlegen die Kräfte, die zur Freiheit, zur Unterscheidung von Wahr und Falsch, von Schön und Häßlich, von Gut und Böse führen. Und auf der anderen Seite hat eine andere religiöse Gabe dem Menschen werden müssen während seiner Erdenentwickelung, um in die Seele hineinzulegen jenen Keim, durch den die Seele das Göttliche in sich, mit sich vereinigt fühlen kann.

[ 5 ] And to aid him in reaching them he has received two religious gifts. One of these gifts is destined to lay down in the human soul those forces which lead to freedom, to the capacity for distinguishing between the true and the false, the beautiful and ugly, the good and bad. And another religious gift had to be given to man during his Earth evolution in order that there might be laid in his soul the seed through which the soul can feel united to the divine within itself.

[ 6 ] Die erste religiöse Gabe ist dasjenige, was uns im Beginn des alten Testamentes als das grandiose Bild von dem Sündenfall, von der Versuchung, entgegentritt. Die zweite religiöse Gabe ist das, was uns entgegentritt in alledem, was wir umschließen mit dem Wort Mysterium von Golgatha.

[ 6 ] The first religious gift comes to meet us at the beginning of the Old Testament as the great picture of the Temptation and the Fall. The second religious gift comes to us from all that the Mystery of Golgotha signifies.

[ 7 ] Ebenso wie Sündenfall und Versuchung es zu tun haben mit dem, was in den Menschen hineinpflanzte Freiheit, Unterscheidungsgabe zwischen Gut und Böse, Schön und Häßlich, Wahr und Falsch, so hat das Mysterium von Golgatha es damit zu tun, daß die Seele des Menschen den Weg wiederfinden könne zu dem Göttlichen, daß sie wissen könne: in ihr kann das Göttliche leuchten, es kann das Göttliche sie durchdringen. Gewissermaßen ist in diese zwei religiösen Gaben eingeschlossen alles Wichtigste der Erdenevolution, alles dasjenige aus der Erdenevolution heraus, was zu tun hat mit dem, was die Seele in ihren tiefsten Tiefen erleben kann, was zusammenhängt im tiefsten mit Wesen und Werden der Menschenseele.

[ 7 ] The Temptation and the Fall have to do with the implanting of freedom in man, the gift of being able to distinguish between good and bad, beautiful and ugly, true and false. The Mystery of Golgotha points to the possibility of man's soul finding again the path to the divine, of knowing that the divine can flash up within it and penetrate it. These religious gifts include everything that is most important in the Earth evolution—everything proceeding from the Earth evolution that the soul can experience in its uttermost depths, everything associated most profoundly with the being and becoming of the human soul.

[ 8 ] Inwiefern hängt dasjenige, was mit diesen beiden religiösen Gaben bezeichnet worden ist, und Wesen und Werden der Menschenseele, inneres Erleben der Menschenseele zusammen ?

[ 8 ] How far is there a connection between these two religious gifts and the being and becoming of the human soul—its inner experience?

[ 9 ] Nun, ich möchte nicht bloß abstrakt Ihnen schildern, was ich zu sagen habe, ich möchte ausgehen zunächst von einer ganz konkreten Betrachtung. Ausgehen möchte ich davon, wie uns eine gewisse Szene des Mysteriums von Golgatha in geschichtlicher Überlieferung vor Augen steht, so wie sie sich eingeprägt hat und noch viel mehr einprägen sollte in die Herzen und in die Seelen der Menschen. Setzen wir einen Augenblick voraus, daß wir vor uns haben in dem Christus Jesus diejenige Wesenheit, die wir öfter im Verlauf unserer geisteswissenschaftlichen Betrachtungen besprochen und charakterisiert haben; setzen wir voraus, daß wir in dem Christus Jesus dasjenige vor dem geistigen Auge haben, was uns Menschen im ganzen Weltenall als das Wichtigste erscheinen muß. Und dann stellen wir gegenüber dieser Empfindung, diesem Gefühl, das Schreien, das Wüten der aufgeregten Menge von Jerusalem vor der Kreuzigung, bei der Verurteilung. Stellen wir uns vor das geistige Auge die Tatsache, daß der Hohe Rat in Jerusalem vor allen Dingen es für sehr wichtig hält, an den Christus Jesus die Frage zu stellen nach dem, wie er es mit dem Göttlichen halte, ob er sich bekenne als den Sohn des Göttlichen. Und fassen wir ins geistige Auge, daß der Hohe Rat dieses für die größte Lästerung hält, die der Christus Jesus hat aussprechen können. Halten wir uns weiter vor Augen, daß eine Szene vor uns steht, geschichtlich, in der das Volk schreit und wütet nach dem Tode des Christus Jesus. Und versuchen wir nun einmal, uns zu vergegenwärtigen, was dieses Schreien und Wüten des Volkes historisch eigentlich bedeutet. Fragen wir uns einmal: Was hätte denn dieses Volk erkennen sollen in dem Christus Jesus ?

[ 9 ] I do not want to put these matters before you in an abstract way, so I will start from a certain scene in the Mystery of Golgotha as it stands before our eyes in historical tradition and has impressed itself—and should indeed have impressed itself even more—on the hearts and souls of mankind. Let us assume that we have in Christ Jesus that Being of whom we have often spoken in the course of our lectures. Let us assume that in Christ Jesus we have before our spiritual eyes that which must appear to humanity as the most important fact in the whole universe. And then let us set in contrast to this feeling the outcry, the fury, of the enraged multitudes in Jerusalem at the time of the condemnation before the crucifixion. Let us observe that the High Court of Jerusalem held it above all things necessary to question Christ Jesus as to His relationship with the divine, as to whether He claimed to be the Son of God. And let us bear in mind that the High Court held such a claim to be the greatest blasphemy that Christ Jesus could have uttered. An historical scene is there before us—a scene in which the people cry out and clamor for the death of Christ Jesus. And now let us try to picture to ourselves what this shouting and rage signified historically. Let us ask: What ought these people to have recognized in Christ Jesus?

[ 10 ] Erkennen hätte es sollen in dem Christus Jesus diejenige Wesenheit, die dem Erdenleben Sinn und Bedeutung gibt. Erkennen hätte es sollen in dem Christus Jesus diejenige Wesenheit, die zu vollbringen hat die Tat, ohne welche die Erdenmenschheit den Weg zum Göttlichen nicht wiederfinden kann. Erkennen hätte es sollen, daß der Sinn des Erdenmenschen nicht da ist ohne diese Wesenheit. Ausstreichen hätten die Menschen müssen von der Erdenentwickelung das Wort «Mensch», wenn sie hätten ausstreichen wollen das Christus-Ereignis.

[ 10 ] They ought to have recognized that Being who gives meaning and significance to Earth life. They ought to have recognized that Being who had to accomplish the deed without which Earth humanity cannot find the way back to the divine. They ought to have understood that humanity has no significance apart from this Being. Men would have to strike out from the evolution of the Earth the world “man” if they wished to strike out the Christ Event.

[ 11 ] Nun stellen wir uns vor, daß diese Menge diejenige Wesenheit verurteilt, über diejenige Wesenheit wütet, welche den Menschen auf Erden eigentlich zum Menschen macht, welche der Erde ihr Ziel und ihren Sinn geben soll. Was liegt darinnen? Liegt darinnen nicht, daß die Menschheit in ihrer Erdenentwickelung damals angekommen war an einem Punkt, gegenüber dem man sagen kann: In denjenigen, die dazumal in Jerusalem die Vertretung der menschlichen Erkenntnis über das wahre Wesen der Menschen hatten, war verdunkelt die Erkenntnis des Menschen, die wußten nicht, was der Mensch ist, was der Mensch soll auf der Erde. Nichts Geringeres ist uns gesagt, als daß die Menschheit an einem Punkt angekommen war, wo sie sich selbst verloren hatte, wo sie dasjenige verurteilte, was ihr Sinn und Bedeutung in der Erdenentwickelung gibt. Und aus dem Schreien der aufgeregten Menge könnte man heraushören das, was allerdings nicht aus Weisheit, sondern aus Torheit gesprochen ist: Wir wollen nicht mehr Mensch sein, wir wollen von uns stoßen, was uns weiter Sinn gibt als Menschen.

[ 11 ] Now let it come home to us that this multitude condemned and were enraged against the Being who actually makes man Man upon the Earth; who is destined to give to the Earth its goal and purpose. What does this mean? Surely it means that in those who in Jerusalem at that time ranked as the representatives of human knowledge concerning the true being of man, the knowledge of man was obscured. They had no knowledge of what man is, what his mission on the Earth is to be. We are told nothing less than that humanity had reached a point where it had lost itself, where it had condemned that which gives purpose and significance to the Earth-evolution. And out of the cries of the enraged multitude could be heard, not the words of wisdom, but of folly: “We do not wish to be Man; rather do we wish to cast away from us that which gives us any further meaning as Man.”

[ 12 ] Wenn man dies alles so bedenkt, dann steht uns doch in einer etwas anderen Weise als sonst vor dem geistigen Auge das, was man zum Beispiel im Sinne des paulinischen Christentums «das Verhältnis des Menschen zur Sünde und zur Schuld» nennt. Daß der Mensch im Verlauf seiner Entwickelung in Sünde und Schuld verfallen konnte, die er nicht selbst von sich wiederum wegwaschen konnte, das meint ja Paulus. Und daß es dem Menschen möglich werde, Sünde und Schuld und damit alles dasjenige, was für ihn mit Sünde und Schuld zusammenhängt, von sich abzuwaschen, dazu mußte der Christus auf die Erde kommen. Das ist des Paulus Meinung. Und man möchte sagen: Braucht diese Meinung irgendeinen wirklichen Beleg, so ist dieser Beleg gegeben in dem Wüten und Schreien derjenigen, die da rufen: «Kreuziget ihn!» Denn in diesem Rufe liegt, daß die Menschen nicht wußten, was sie selbst auf Erden zu bedeuten haben, daß ihre frühere Entwickelung dahin gezielt war, Finsternis zu verbreiten über ihr Wesen.

[ 12 ] When we reflect on all this, the relation of man to sin and guilt—in the sense of Pauline Christianity—assumes a different aspect. Man, in the course of his evolution could fall into sin which he was not himself able to wash away; that is what St. Paul means. And in order to make it possible for man to be cleansed of sin and debt, Christ had to come to the Earth. That is St. Paul's view. If this view requires any evidence, it is there in the fury and clamor of those who cried “Crucify Him!” For this implies that the people did not know what they themselves were to be on the Earth; they did not know that it was the aim of their earlier evolution to veil their being with darkness.

[ 13 ] Damit sind wir aber auch bei dem angekommen, was man nennen könnte «die vorbereitende Stimmung der Menschenseele zu der Christus-Wesenheit». Diese vorbereitende Stimmung der Menschenseele zu der Christus-Wesenheit, sie besteht darinnen, daß die Seele — wenn sie das auch nicht mit klaren Worten aussprechen kann — fühlt durch das, was sie in sich erleben kann: Ich habe mich so entwickelt seit Erdenanbeginn, daß ich durch das, was ich in mir selbst habe, mein Entwickelungsziel nicht erreichen kann. Wo ist etwas, woran ich mich klammern kann, was ich in mich hereinnehmen kann, damit ich mein Entwickelungsziel erreiche? Sich so fühlen, als ob das menschliche Wesen weit über das hinausginge, was die Seele durch ihre Kraft zunächst wegen ihrer bisherigen Erdenentwickelung erreichen kann, das ist die vorbereitende christliche Stimmung. Und wenn dann die Seele das findet, was sie mit ihrer Wesenheit notwendig verbunden wissen muß, wozu sie aber die Kraft nicht in sich selbst findet, wenn dann die Seele das findet, was ihr diese Kräfte gibt, dann ist dieses Gefundene der Christus. Dann entwickelt die Seele ihr Verhältnis zu dem Christus, dann steht die Seele auf der einen Seite so, daß sie sich sagt: Im Erdenanbeginn ist mir eine Wesenheit vorherbestimmt gewesen, die in mir verfinstert worden ist im Laufe der Erdenentwickelung, und blicke ich jetzt in diese verfinsterte Seele, so fehlen mir die Kräfte, diese Wesenheit zu verwirklichen. Aber ich wende den geistigen Blick hin zu dem Christus, der gibt mir diese Kräfte. — Da steht denn die menschliche Seele, indem sie einerseits in der geschilderten Art dasteht, und auf der anderen Seite den Christus an sich herankommen fühlt, wie in einem unmittelbaren persönlichen Verhältnis zu dem Christus. Da sucht sie den Christus und weiß, daß sie ihn nicht finden kann, wenn er sich nicht durch die menschliche Entwickelung der Menschheit selbst gibt, wenn er nicht von außen an sie herankommt.

[ 13 ] Here we come to what may be spoken of as the preparation of the human soul for the Christ Being. Through what it is able to experience within itself, the soul feels, even though it may not be able to express it in words: “Since the very beginning of the Earth I have developed in such a way that through what I possess in my own being I cannot fulfill the aim of my evolution. Where is there anything to which I can cling, which I can take into myself and with it reach my goal?” To feel as if the human being extends far beyond anything that the soul can achieve through its own strength by reason of its evolution on the Earth hitherto—such is the Christian attitude or mood of preparation. And when the soul finds that which it must recognize as essentially bound up with its being—but for the attainment of which it could not find the power within itself—when the soul finds that which bestows this power, it finds the Christ. The soul then develops its connection with the Christ, saying to itself: “At the very beginning of the Earth a certain nature was pre-ordained for me; in the course of Earth-evolution my true nature has been darkened, and when now I look into this darkness I feel that I lack the power to bring my true nature to fulfillment. But I turn my spiritual gaze upon the Christ, who gives me this power.” On the one hand the human soul feels this lack, and on the other hand it feels the approach of Christ and stands as if in a direct personal relationship to Him. The soul seeks Christ and knows that it cannot find Him if He does not give Himself to humanity through human evolution, if He does not approach from outside.

[ 14 ] Es gibt einen christlichen Kirchenvater, der ziemlich allgemein anerkannt ist, und der nicht davor zurückscheute, Heraklit, den griechischen Philosophen, Sokrates und Plato Christen zu nennen, Christen, die es waren, bevor das Christentum begründet worden ist. Warum tut das dieser Kirchenvater? Ja, dasjenige, was sich heute Konfession nennt, verdunkelt so manches auch von dem, was ursprünglich leuchtende christliche Lehren waren. Hat doch Augustinus selbst gesagt: «In allen Religionen war etwas Wahres, und dasjenige, was in allen Religionen wahr war, das war das Christliche in ihnen, bevor es ein Christentum dem Namen nach gab.» Augustinus durfte das noch sagen. Heute würde mancher verketzert, der innerhalb einer christlichen Konfession das gleiche sagen würde.

[ 14 ] There is a well-known Christian Church Father who was not afraid to speak of the Greek philosophers, Heracleitos, Socrates and Plato, as Christians who lived before the founding of Christianity. Why does he do this? As we know, the doctrines professed today obscure much of what was at first an illuminating Christian teaching. St. Augustine himself said: “All religions have contained something of the truth, and the element of truth in all religions is what is Christian in them, before there was a Christianity in name.” St. Augustine dared to say that. Nowadays many a man would be regarded as a heretic if he were to say something similar within certain Christian congregations.

[ 15 ] Wir kommen am schnellsten zum Verständnis dessen, was dieser Kirchenvater damit sagen wollte, daß er auch die alten griechischen Philosophen Christen nannte, wenn wir einmal versuchen uns hineinzuversetzen in das Gemüt derjenigen Seelen, die in den ersten Jahrhunderten verständnisvoll ihr persönliches Verhältnis zu dem Christus zu bestimmen suchten. Diese dachten den Christus nicht so, als ob er vor dem Mysterium von Golgatha ohne Verbindung mit der Erdenentwickelung gewesen wäre. Der Christus hatte immer mit der Erdenentwickelung etwas zu tun. Durch das Mysterium von Golgatha ist nur seine Aufgabe, seine Mission in bezug auf die Erdenentwickelung eine andere geworden, als sie früher war. Den Christus in der Erdenentwickelung zu suchen erst seit dem Mysterium von Golgatha, das ist nicht christlich! Wahre Christen wissen, daß der Christus immer mit der Erdenentwickelung zu tun hatte.

[ 15 ] We shall most readily understand what this Church Father wished to convey, when he called the old Greek philosophers Christians, by endeavoring to enter into the feeling of those souls who in the first Christian centuries tried to determine their personal relationship to the Christ. These souls did not think of Christ as having had no relation to the Earth evolution before the Mystery of Golgotha. The Christ has always been concerned with the evolution of the Earth. Through the Mystery of Golgotha, however, His task, His mission, in the Earth-evolution was changed. It is not Christian to seek Christ in the evolution of the Earth only since the Mystery of Golgotha. True Christians know that Christ has always been connected with the evolution of the Earth.

[ 16 ] Wenden wir zunächst den Blick zum jüdischen Volke. Kannte das jüdische Volk den Christus? Ich spreche jetzt nicht davon, ob das jüdische Volk den Christus-Namen kannte, nicht davon, ob das jüdische Volk ein Bewußtsein hatte von all dem, was ich Ihnen zu sagen habe, sondern davon spreche ich, ob ein wirklich das Christentum Verstehender sagen kann: Das Judentum hatte den Christus, das Judentum kannte den Christus. — Man kann ja auch irgendeinen Menschen in seiner Mitte haben, den man sozusagen seiner äußeren Gestalt nach sieht, aber dessen Wesenheit man nicht erkennt, den man nicht charakterisieren könnte, weil man nicht sich zu seiner Erkenntnis aufgeschwungen hat. Ich möchte sagen: Im richtig christlichen Sinne hatte das alte Judentum den Christus, nur erkannte es ihn nicht seiner Wesenheit nach. — Ist das, was ich eben sagte, christlich? Es ist christlich, so wahr als es paulinisch ist.

[ 16 ] Let us now turn to the Jewish people. Did the Jews know Christ? I am not asking whether the Jewish people knew the name of Christ or if they were conscious of all I have to say to you; I am asking whether those who really understand Christianity are justified in saying: “Judaism had Christ; Judaism knew Christ.” It is possible to have some person near one and to see his external form without being able to recognize or value truly his essential being, because one has not risen to real knowledge of him. In the true Christian sense, ancient Judaism had Christ, only it did not recognize Him in His true being. Is it Christian to speak in this way? It is indeed Christian, as truly as it is Pauline.

[ 17 ] Wo war für das alte Judentum der Christus? Es wird gesagt im Alten Testament, daß, als Moses die Juden aus Ägypten in die Wüste führte (2. Mose 14), bei Tag eine Wolkensäule, bei Nacht eine Feuersäule ihnen voranzog. Es wird gesagt, daß die Juden durch das Meer zogen und daß das Meer sich ihnen teilte, so daß sie es durchwaten konnten, während die Ägypter hinterher ertranken, da das Meer sich schloß. Es wird erzählt, daß die Juden murrten, weil sie kein Wasser hatten, daß aber auf die Aufforderung ihres Gottes Moses zu einem Fels gehen konnte, daß er aus dem Felsen Wasser herausschlagen konnte mit seinem Stabe und daß dieses Wasser die Juden labte.

[ 17 ] Where was Christ for ancient Judaism? It is said in the Old Testament that when Moses led the Jews out of Egypt into the wilderness, a pillar of cloud went before them by day and a pillar of fire by night. It is said that the Jews passed through the sea, that the sea parted in order that they might pass through, while behind them the Egyptians were drowned, for the sea closed in on them. It is also said that the Jews murmured because they had no water, but at the command of God Moses was able to strike a rock with his staff so that water poured forth for the Jews to drink.

[ 18 ] Wollten wir auf eine menschlich-verständliche Weise diese Führung der Juden durch Moses aussprechen, so würden wir sagen: Moses führte die Juden, indem er selbst geführt ward von seinem Gotte. Welches war dieser Gott?

[ 18 ] Moses led the Jews, he himself being led by God. Who was the God of Moses?

[ 19 ] Antworten wir zunächst nicht selbst. Lassen wir Paulus antworten, wer der Gott war, der die Juden durch die Wüste führte. Wir lesen im ersten Korintherbrief, Kapitel 10, Verse 1-4, als die Worte des Paulus:

[ 19 ] We will in the first instance allow Paul to answer. In the First Epistle to the Corinthians (X:1-4), we read:

[ 20 ] «Ich will euch aber, lieben Brüder, nicht verhalten, daß unsere Väter sind alle unter der Wolke gewesen» — er meint die Wolken- und Feuersäule — «und sind alle durchs Meer gegangen, und sind alle auf Mose getauft mit der Wolke und mit dem Meer, und haben alle einerlei geistige Speise gegessen, und haben alle einerlei geistigen Trank getrunken; sie tranken aber von dem geistigen Fels, der mitfolgte, welcher war Christus.»

[ 20 ] “Moreover, brethren, I would not that ye should be ignorant how that all our fathers were under the cloud” (he means the pillar of fire) “and all passed through the sea and all were baptized unto Moses in the cloud and in the sea ... and all drank of the spiritual Rock that followed them, and that Rock was Christ.”

[ 21 ] Wer also war bei Paulus derjenige, der die Juden geführt hat, der mit Moses gesprochen hat, der das Wasser aus dem Felsen laufen ließ, der das Meer ablenkte von den Pfaden der Juden? Nur derjenige, der behaupten wollte, Paulus sei kein Christ, der dürfte behaupten, daß es unchristlich sei, in dem führenden Gott des Alten Testaments, in dem Herrn des Moses den Christus zu sehen.

[ 21 ] Thus who was it, according to Paul, who led the Jews and who spoke with Moses? Who was it who caused water to flow out of the rock and who turned away the sea from the path of the Jews? Only those who wish to declare that Paul was no Christian would dare pronounce it unchristian to see Christ in the guiding God of the Old Testament, in the Lord of Moses.

[ 22 ] Eine Stelle muß, wie ich glaube, im Alten Testament wirklich für ein tieferes Nachdenken große Schwierigkeiten bereiten. Es ist eine Stelle, an die sich derjenige, der nicht gedankenlos das Alte Testament liest, sondern der es im Zusammenhang verstehen will, immer wieder und wieder wendet. Was mag diese Stelle bedeuten? sagt er sich. Es ist die folgende Stelle:

[ 22 ] In the Old Testament there is a passage which must, I think, present great difficulties for all who reflect more deeply. It is a passage to which anyone who does not read the Old Testament thoughtlessly, but who wants to understand its connections, will return again and again. “What may this passage mean?” he asks himself. The passage (Numbers XX:11-12) is as follows:

[ 23 ] «Und Moses hob seine Hand auf und schlug den Felsen mit dem Stabe zweimal. Da ging viel Wasser heraus, daß die Gemeinde trank und ihr Vieh. Der Herr aber sprach zu Moses und Aaron: Darum, daß ihr nicht an mich geglaubt habt, mich zu heiligen vor den Kindern Israels, sollt ihr diese Gemeinde nicht in das Land bringen, das ich ihnen geben werde.» (4. Mose 20, 11-12)

[ 23 ] “And Moses lifted up his hand, and with his rod he struck the rock twice; and the water came out abundantly, and the congregation drank, and their beasts also. And the Lord spake unto Moses and Aaron: ‘Because ye believed me not, to sanctify me in the eyes of the children of Israel, therefore ye shall not bring this congregation into the land which I have given them.’”

[ 24 ] Nehmen Sie diese Stelle im Zusammenhang im Alten Testament. Der Herr befiehlt Moses, als das Volk murrt, mit dem Stabe an den Fels zu schlagen. Moses schlägt mit seinem Stabe an den Fels, Wasser kommt heraus. Alles geschieht durch Moses und Aaron, was der Herr befohlen hat, und gleich darauf werden wir unterrichtet, daß der Herr dem Moses den Vorwurf macht — wenn es ein Vorwurf ist —, daß er nicht an ihn geglaubt habe. Was bedeutet das? Nehmen Sie alles durch, was an Kommentaren zu dieser Stelle geschrieben worden ist, und versuchen Sie mit diesen Kommentaren die Stelle zu verstehen. Man versteht sie eben so, wie man vieles in der Bibel versteht, nämlich eigentlich nicht, denn hinter dieser Stelle verbirgt sich ein gewaltiges Geheimnis. Dasjenige verbirgt sich an dieser Stelle, was uns da besagen will: Der, der den Moses führte, der dem Moses im brennenden Dornbusch erschien, der das Volk durch die Wüste führte, der Wasser aus dem Felsen herausfließen ließ, das war der Herr, Christus! Aber die Zeit war noch nicht gekommen, Moses erkannte ihn selbst nicht, Moses hielt ihn noch für einen anderen. Das bedeutet es: daß Moses nicht geglaubt habe an den, der ihm befohlen hat, mit dem Stabe an den Felsen zu schlagen.

[ 24 ] Take this passage in its context in the Old Testament. When the people murmured, the Lord commanded Moses to strike the rock with a staff: Moses struck with his staff on the rock, and water flowed out; everything that the Lord commanded took place through Moses and Aaron, and yet, directly after this, we are told the Lord reproved Moses—if it is a reproof—for not having believed in Him. What does it mean? Turn to all the commentaries on this passage and try to understand it with their aid. You will then understand it as one understands a great deal in the Bible—really not at all—for behind this passage a great mystery is hidden. It is this: He who led Moses, who appeared to Moses in the burning bush, He who led the people through the wilderness and caused water to flow out of the rock, He was the Lord, Christ! But the time was not yet come; Moses himself did not recognize Him; Moses thought He was another. This is what is meant by Moses not having believed in Him who had commanded him to strike the rock with his staff.

[ 25 ] Wie erschien der Herr — Christus — dem Judenvolk? Nun, wir hören es ja, «bei Tage in einer Wolkensäule, bei Nacht in einer Feuersäule», dadurch daß er zu ihrem Heile das Wasser trennte; und vieles tat er noch, wir brauchen es nur nachzulesen im Alten 'Testament. Wir möchten sagen: In Wolken- und Feuererscheinungen, in der Luft, in den elementaren Ereignissen der Natur, da war er wirksam, aber niemals war den alten Juden aufgegangen: Dasjenige, was in der Wolkensäule, in der Feuersäule erschien, was Wunder wirkte wie etwa durch die Teilung des Meeres, das erscheint in seiner ureigensten Form auch in der Menschenseele. Warum war das den alten Juden niemals aufgegangen? Weil die Menschenseele die Kraft verloren hatte, ihr tiefstes Wesen in sich zu erfühlen, ihre Kraft verloren hatte durch den Hergang, den die Entwickelung der Menschheit genommen hatte. So konnte die Judenseele in die Natur schauen, sie konnte die Herrlichkeit der Elementarereignisse auf sich wirken lassen. Da überall konnte sie ihren Gott und Herrn vermuten; in sich selbst, so wie sie war, unmittelbar, konnte sie ihn nicht finden.

[ 25 ] How did the Lord—Christ—appear to the Jewish people? We are told that by day it was in a pillar of cloud and by night in a pillar of fire—and by His dividing the waters for their safety ... and many other things we can read in the Old Testament. In phenomena of cloud and fire, in the air, in the elemental events of nature He was active, but never once did it occur to the ancient Jews to say to themselves: That which appears in the pillar of cloud and in the pillar of fire, that which worked wonders such as the parting of the waters, appears also in its purest original form in the human soul. Why did this never occur to the ancient Jews? Because, owing to the course taken by human evolution, the soul of man had lost the power to feel its deepest being within itself. Thus the Jewish soul could look into nature; it could allow the glory of the phenomena of the elements to work upon it; everywhere it could divine the existence of its God and Lord; but directly within itself, as the Jewish soul then was, it could not find Him.

[ 26 ] Da haben wir im Alten Testament den Christus, da wirkte er, aber die Menschen haben ihn nicht erkannt. Wie wirkte er, der Christus? Nun, sehen wir denn nicht, wenn wir das Alte Testament durchgehen, wie er wirkte? Das Bedeutsamste, was Moses durch Jahves Mund seinem Volke zu geben hatte, waren die Zehn Gebote. Er hatte sie erhalten aus der Kraft der Elemente heraus, aus der Jahve zu ihm sprach. Nicht stieg Moses in die Tiefen seiner eigenen Seele hinab, nicht fragte Moses etwa in einsamer Meditation: Wie spricht der Gott im eigenen Herzen? Hinauf ging er auf den Berg, durch die Kraft der Elemente enthüllte sich ihm der göttliche Wille. Wille, das ist der Grundcharakter des Alten Testaments. Man nennt diesen Grundcharakter auch oftmals den Gesetzes-Charakter. Wille wirkt durch die Menschheitsentwickelung, und er spricht sich aus in den Gesetzen, zum Beispiel im Dekalog, in den Zehn Geboten. Seinen Willen hat durch die Elemente der Gott den Menschen kundgegeben. Wille waltet in der Erdenevolution. Das ist gleichsam der Sinn des Alten Testamentes, und Unterwerfung unter diesen Willen fordert das Alte Testament seinem ganzen Sinne nach von den Menschen.

[ 26 ] There in the Old Testament we have the Christ. There He worked, but men did not recognize Him. How did the Christ work? Do we not see how He worked when we read through the Old Testament? The most significant thing Moses had to impart to his people through the mouth of Jahve was the Ten Commandments. He had received them out of the power of the elements from which Jahve spoke to him. Moses did not descend into the depths of his own soul; he did not ask in lonely meditation: “How does God speak in my own heart?” He went up the mountain and through the power of the elements the divine Will revealed itself to him. Will is the fundamental note of the Old Testament: this is often spoken of as the Law. Will works through the evolution of humanity and is expressed in the Decalogue, the Ten Commandments. The God proclaimed his Will to man through the elements. Will holds sway in the Earth evolution. That is really the purport of the Old Testament, and the Old Testament, accordingly, calls for man's submission to this Will.

[ 27 ] Stellen wir das vor unsere Seele, was wir eben betrachtet haben, dann können wir das Ergebnis, das Resultat von alledem zusammenfassen mit den Worten: Es ward gegeben den Menschen des Herrn Wille, aber die Menschen haben den Herrn, haben das Göttliche nicht erkannt; nicht so haben sie es erkannt, daß sie es mit der eigenen Menschenseele verbunden gehabt hätten.

[ 27 ] If we hold all this before our souls, we can sum it up by saying: The will of the Lord was given to men; but men did not know the Lord; they knew not the divine in such a way as to connect it with their own human souls.

[ 28 ] Und nun wenden wir den Blick von den Juden hinweg zu den Heiden. Haben die Heiden den Christus gehabt? Ist es christlich, davon zu sprechen, daß etwa auch die Heiden den Christus gehabt haben? Die Heiden hatten ihre Mysterien. Die in den Mysterien Eingeweihten wurden dahin gebracht, daß ihre Seele aus ihrem Leibe heraustrat, daß das Band, durch welches Leib und Seele verknüpft sind, gelöst wurde. Und wenn die Seele außerhalb des Leibes war, dann vernahm die Seele in der geistigen Welt die Geheimnisse des Daseins. Vieles war mit diesen Mysterien verbunden, mancherlei Kenntnisse stiegen den Einzuweihenden in den Mysterien auf. Wenn man aber prüft, was das Höchste war, das der Mysterienschüler in sich aufnehmen konnte, so war es das, daß er außerhalb seines Leibes hingestellt wurde vor den Christus. Wie Moses hingestellt worden ist vor den Christus, so wurde der Mysterienschüler in den Mysterien mit seiner Seele außerhalb des Leibes hingestellt vor den Christus. Der Christus war auch da für die Heiden, aber er war für sie nur da in den Mysterien; er enthüllte sich ihnen nur, wenn die Seele außerhalb des Leibes war. Und wenn auch die Heiden ebensowenig wie die Juden, bei denen auch der Christus war, die Wesenheit, von der jetzt eben gesprochen worden ist, die Wesenheit, vor welche die Mysterienschüler hingestellt worden sind, als den Christus erkannt haben, der Christus war für die Heiden da! Man könnte sagen: Für die Heiden waren Mysterien eingerichtet. In die Mysterien wurden diejenigen aufgenommen, die bereit und reif waren. Durch diese Mysterien wirkte der Christus auf die heidnische Welt. Warum wirkte er so? Er wirkte so, weil ja die Seele der Menschen in ihrer Entwickelung seit dem Erdenanbeginn in sich die eigene Kraft verloren hatte, durch sich ihre wahre Wesenheit zu finden. Es mußte diese wahre Wesenheit sich der Menschenseele enthüllen, wenn sie nicht in den Banden der Menschheit, das heißt, wenn sie nicht mit dem Leibe verbunden war. Da mußte der Christus die Menschen dadurch führen, daß der Mensch gleichsam seiner Menschlichkeit entkleidet wurde als Eingeweihter in den Mysterien. Der Christus war auch für die Heiden da. Er führte sie in den Einrichtungen der Mysterien. Aber niemals war es so, daß der Mensch hätte sagen können: Wenn ich meine eigenen Kräfte entfalte, dann finde ich der Erde Sinn. Dieser Sinn war verloren, war verfinstert. Die Kräfte der Menschenseele waren in zu tiefe Regionen hinuntergedrängt worden, als daß die Seele durch ihre eigenen Kräfte sich den Sinn der Erde hätte geben können.

[ 28 ] Now let us turn from the Jews to the heathen. Did the heathen have Christ? Is it Christian to say of the heathen that they also had Christ? The heathen had their Mysteries. Those initiated in the Mysteries were brought to the point where their souls passed out of their bodies; the tie connecting body and soul was loosened; and when the soul was outside the body, it perceived in the spiritual world the secrets of existence. Much was connected with these Mysteries; much varied knowledge came to the candidates for Initiation in the Mysteries. But when we investigate what was the highest that the disciple of the Mysteries could receive into himself, we find that it consisted in the fact that outside the body he was placed before the Christ. As Moses was placed before Christ, so in the Mysteries was the disciple placed with his soul, outside his body, before Christ. Christ was there for the heathen also, but for them he was there only in the Mysteries. He revealed Himself to them only when the soul was out of the body. Christ was there for the heathen, even if among them there was as little recognition of this Being as Christ as there was among the Jews of that Being of whom we have just spoken and before whom the disciples of the Mysteries were placed. The Mysteries were instituted for the heathen. Those who were fit and ready were admitted into the Mysteries. Through these Mysteries Christ worked upon the pagan world. Why did He work thus? Because the soul of man, in its development since the beginning of the Earth, had lost the inherent power to find its true essence through itself. This true being had to reveal itself to the soul of man when the soul was unhampered by the bonds of human nature; when, that is, it was not bound up with the body. Hence Christ had to lead men by means of the fact that as initiates of the Mysteries they were as though divested of their human nature. Christ was there for the heathen too! He was their leader in the Mysteries. For never could man have said: “When I develop my own powers, then I can find the meaning and purport of the Earth.” This meaning was lost, obscured in darkness. The forces of the human soul had been pressed down into regions too deep for the soul of itself, through its own powers, to be able to realize the meaning of the Earth.

[ 29 ] Wenn wir auf uns wirken lassen, was in den heidnischen Mysterien den Einzuweihenden, den Mysterienschülern gegeben wurde, dann ist es Weisheit. Den Juden wurde der Wille gegeben durch die Gesetze, den heidnischen Mysterienschülern wurde die Weisheit gegeben.

[ 29 ] When we allow what was given in the pagan Mysteries to the disciples and candidates for Initiation to work upon us, it proves to be Wisdom. To the Jews was given Will, through the Law; to the disciples of the pagan Mysteries was given Wisdom.

[ 30 ] Allein, blicken wir hin auf dasjenige, was diese heidnische Weisheit charakterisiert, können wir das nicht zusammenfassen in den Worten: durch Weisheit konnte der Erdenmensch als solcher — wenn er nicht aus seinem Leibe hinausging, indem er Mysterienschüler wurde — seinen Gott nicht als solchen erkennen? Durch Weisheit ebensowenig wie durch Wille konnte sich die Gottheit für den Menschen enthüllen. Ja, wir finden ein Wort, das ganz wunderbar hallt durch das griechische Altertum wie eine gewaltige Forderung an die Menschheit, aber dieses Wort stand am Eingang des Apollinischen Heiligtums, also einer Mysterienstätte, das Wort: «Erkenne dich selbst.» Was besagt uns die Tatsache, daß an dem Mysterien-Heiligtum dieses Wort «Erkenne dich selbst» wie eine Aufforderung an den Menschen stand? Das besagt es uns, daß man überall draußen, wo der Mensch als Mensch bleibt, was er seit Erdenanbeginn geworden ist, die Forderung «Erkenne dich selbst» nicht erfüllen könne, daß man etwas anderes werden müsse als Mensch, nämlich, daß man in den Mysterien die Bande lösen müsse, durch welche die Seele an den Leib gebunden ist, um sich selbst zu erkennen. So weist uns dieses Wort, das wie eine wunderbare Forderung am Apollinischen Heiligtum stand, ebenfalls darauf hin, daß Verfinsterung eingetreten war für die Menschheit, mit anderen Worten, daß der Gott nicht durch Weisheit zu erreichen war, ebensowenig wie er sich als Wille unmittelbar enthüllen konnte.

[ 30 ] But if we look at the characteristics of this pagan Wisdom, can we not express it by saying: If he did not leave his body when he was a pupil of the Mysteries, the Earth-man could not, through Wisdom alone, recognize his God as such. As little through Wisdom as through Will could the divinity reveal itself to men. Indeed, we find an injunction that resounds most wonderfully through Greek antiquity, like a powerful demand upon mankind. At the entrance to the shrine of the Mysteries of Apollo stood the words, “Man, know thyself!” What are we told by the fact that these words, “Man, know thyself!” stood at the entrance to the sanctuary, like a summons to mankind? We are told that nowhere outside the sanctuary, where man remains what he has become since the beginning of the Earth, can he fulfill the commandment “Know thyself!” He must become something more than man; he must loosen in the Mysteries the ties which bind the soul to the body, if he is to know himself. These words, standing like a powerful demand before the Apollonian sanctuary, point to the fact that darkness had fallen upon humanity—in other words, that God could be reached through Wisdom as little as he could directly reveal himself as Will.

[ 31 ] Wie die einzelne Menschenseele fühlen kann, daß sie in sich selbst nicht die Kräfte aufbringen kann, die ihr den Erdensinn geben, so sehen wir im historischen Verlauf die Menschenseele dastehen in den Juden so, daß selbst Moses, der Führer der Juden, den nicht erkannte, der ihn führte. Und wir sehen an den Heiden, daß die Forderung «Erkenne dich selbst» nur in den Mysterien erfüllt werden konnte, weil der Mensch, wie er geworden ist im Laufe der Erdenentwickelung mit seinem Zusammenhang von Leib und Seele, die Kraft nicht zu entfalten vermag, durch die er sich selbst erkennen kann. Es tönt herüber das Wort zu uns: «Nicht durch Wille und nicht durch Weisheit ist der Gott zu erkennen.» Durch was sollte der Gott erkannt werden ?

[ 31 ] Even as the individual human soul feels that it cannot bring forth within itself the forces which impart to it the purport of the Earth, so do we see the human soul at such a stage of development among the Jews that even Moses himself, their leader, did not recognize who was leading him. Among the heathen we see that the demand “Know thyself” could be fulfilled only in the Mysteries, because man, as he had developed in the course of the evolution of the Earth, was unable with his connection of body and soul to unfold the power whereby he could know himself. The words “Not through Will and not through Wisdom is God to be known” sound to us from those ages. Through what, then, was God to be known?

[ 32 ] Wir haben ja den Zeitpunkt in seiner Wesenheit öfter charakterisiert, in dem der Christus in die Entwickelung der Erdenmenschheit eintrat. Wir wollen uns jetzt einmal ganz genau den Sinn vor Augen führen, den es hat, wenn man davon spricht, daß eine gewisse Verfinsterung der Menschenseele eingetreten war, daß weder durch Wille noch durch Weisheit zu enthüllen war das eigentlich Göttliche. Welchen Sinn hat denn das eigentlich?

[ 32 ] We have often characterized the essential nature of the point of time when Christ entered into the evolution of Earth-humanity. Let us now consider exactly what it means when it is said that a certain darkening of the soul of man had set in, that the divine could be revealed neither through Will nor through Wisdom. What is the real meaning of this?

[ 33 ] Ja, man spricht von so mancherlei Beziehungen des Menschlichen zu dem Göttlichen. Man spricht, wenn man von den Beziehungen des Menschlichen zu dem Göttlichen spricht und von dem Sinn, den das Menschliche in dem Göttlichen hat, man spricht davon so, daß wirklich oftmals nicht zu unterscheiden ist, wie das Menschliche zu dem Göttlichen sich verhält, und wie irgendein anderes Irdisches zum Beispiel sich zu dem Göttlichen verhält. Heute finden wir ja noch immer, daß Philosophen sich durch reine Philosophie zu dem Göttlichen erheben wollen. Aber durch reine Philosophie kann man nicht zu dem Göttlichen kommen. Gewiß kommt man durch reine Philosophie dazu, zu wissen, daß ein Göttliches in der Welt waltet, und sich verbunden zu fühlen mit dem Weltenall; gewiß kommt man dazu, zu wissen, daß die menschliche Wesenheit mit dem Tode irgendwie mit dem Weltenall verbunden werden müsse, allein wie sie verbunden wird, dazu kann man durch reine Philosophie nicht kommen. Warum nicht? Ja, wenn Sie den ganzen Sinn desjenigen, was wir heute schon besprochen haben, nehmen, so werden Sie sich sagen können: Das, was sich zunächst dem Erdenmenschen in seiner Seele enthüllt zwischen Geburt und Tod, das ist eben in seinen Kräften zu schwach, um irgend etwas wahrzunehmen, das über das Irdische hinausgeht, das in das Göttlich-Geistige hineinführt. Wir wollen, um uns das ganz deutlich zu machen, einmal forschen nach dem Sinn der Unsterblichkeit.

[ 33 ] People speak of so many relationships between the human and the divine. They often speak of the relationship between the human and the divine, and of the meaning which the human has within the divine, in such a way that it is impossible to differentiate between the relation of the human to the divine, or of anything else earthly to the divine. Today we find again and again that philosophers want to rise to the divine through pure philosophy. But through pure philosophy one cannot rise to the divine. Certainly by means of it man does come to feel that he is bound up with the universe and to know that the human being must, in some way or other, be bound up with the universe at death; but how and in what manner he is thus connected with the universe he cannot know through pure philosophy. Why not? If you take the whole meaning of what we have considered today, you will be able to say to yourselves: What is at first revealed to the soul of earthly man between birth and death is too weak to perceive anything that transcends the earthly, that leads to the divine-spiritual. In order to make this quite clear to ourselves, let us investigate the meaning of immortality.

[ 34 ] Viele Menschen wissen heute schon gar nicht mehr, welches eigentlich der Sinn menschlicher Unsterblichkeit sein kann. Viele Menschen reden heute vor allen Dingen von Unsterblichkeit auch dann, wenn sie nur zugeben können, daß die Menschenseele mit ihrer Wesenheit durch die Pforte des Todes hindurchgeht und dann etwa irgend welchen Platz im All findet. Das aber tut jedes Wesen. Dasjenige, was mit dem Kristall vereinigt ist, wenn er sich auflöst, geht in das All über; die Pflanze, die hinwelkt, geht in das All über; das Tier, das abstirbt, geht in das All über. Für den Menschen verhält sich die Sache doch noch anders. Unsterblichkeit hat für den Menschen nur einen Sinn, wenn er durch die Pforte des Todes sein Bewußtsein tragen kann. Denken Sie sich eine unsterbliche Menschenseele, die etwa nach dem Tode unbewußt wäre. Solche Unsterblichkeit hätte keinen Sinn, hätte nicht den geringsten Sinn. Bewußtsein muß die Menschenseele durch den Tod tragen, wenn sie von ihrer Unsterblichkeit sprechen soll. So wie die Seele mit dem Leibe vereint ist, kann sie nichts in sich finden, von dem sie sagen könnte: Das ist so, daß ich es bewußt durch den Tod trage. Denn das Bewußtsein des Menschen ist eingeschlossen zwischen Geburt und Tod, es reicht ja nur bis zum Tode. So wie es die menschliche Seele zunächst hat, dieses Bewußtsein, so reicht es nur bis zum Tode. In dieses Bewußtsein leuchtet hinein der göttliche Wille, zum Beispiel in den Zehn Geboten. Lesen Sie im Buch Hiob, ob dieses Hineinleuchten den Menschen so weit hat bringen können, daß sein Bewußtsein etwa aufgerüttelt worden wäre und solche Kräfte aus sich herausgetrieben hätte, daß er sich hätte sagen können: Ich gehe mit Bewußtheit durch die Pforte des Todes. Oh, wie mutet uns an das Wort, das zu dem Hiob gesprochen worden ist: «Sage Gott ab und stirb!» (Hiob 2, 9) Wir wissen, der Mann ist unsicher, ob er mit Bewußtsein durch die Pforte des Todes geht. Und stellen wir dazu das griechische Wort, das uns des Griechen Furcht vor dem Tode vorstellt: Besser ein Bettler in der Oberwelt als ein König im Reiche der Schatten — dann haben wir auch aus dem Heidentum heraus den Beleg, wie unsicher man geworden war über menschliche Unsterblichkeit. Und wie unsicher sind selbst heute noch viele Menschen. Alle die Menschen, die da sprechen, daß der Mensch, indem er durch die Pforte des Todes geht, in dem All aufgehe, sich mit irgendeinem Allwesen verbinde, achten nicht darauf, was die Seele, wenn sie von ihrer Unsterblichkeit sprechen will, sich selbst zuschreiben muß.

[ 34 ] In our day many people no longer have any knowledge of the real meaning of human immortality. Many today speak of immortality when they can merely admit that the being of the human soul passes through the gate of death and then finds some place or other in the universal All. But every creature does that. That which is united with the crystal passes over into the universe when the crystal is dissolved; the plant that fades passes into the universe; the animal at death passes over into the universe. For man, it is different. Immortality has a meaning for man only if he can carry his consciousness through the gate of death. Think of an immortal human soul that was unconscious after death; such immortality would have absolutely no meaning. The human soul must carry its consciousness through the gate of death if it is to speak of its immortality. Because of the way in which the soul is united to the body, it cannot find anything in itself of which it can say, “I carry that consciously through death”, for human consciousness is enclosed between birth and death; it reaches only as far as death. The consciousness that belongs at first to the human soul extends only as far as death. Into this consciousness there shines the divine Will, for example in the Ten Commandments. Read in the Book of Job as to whether this illumination could stimulate man's consciousness to such a point that it might say to itself: “I pass as a conscious being through the gate of death.” What a challenge to us there is in the words spoken to Job: “Reject God and die!” We know that he was uncertain whether he would pass with consciousness through the gate of death. And let us set beside this the Greek saying which gives expression to the dread felt by the Greeks in the face of death: “Better a beggar in the upper world than a king in the realm of the shades.” Here we have from paganism, also, a testimony to the uncertainty felt by man concerning his immortality. And how uncertain many people are even today. All those people who say that man, when he goes through the gate of death, passes into the universal All and is united with some universal being or other, take no heed of what the soul must ascribe to itself if it is to speak of its immortality.

[ 35 ] Wir brauchen nur ein Wort auszusprechen, und wir werden erkennen, wie der Mensch zu seiner Unsterblichkeit stehen muß. Dieses Wort ist das Wort Liebe. Und all dasjenige, was wir über die Unsterblichkeit gesagt haben, können wir jetzt mit dem in Zusammenhang bringen, was das Wort Liebe bezeichnet. Liebe ist nichts, was wir uns aneignen durch den Willen. Liebe ist nichts, was wir uns aneignen durch Weisheit. Liebe sitzt in der Region der Gefühle. Aber wir wissen und müssen es uns gestehen, daß die menschliche Seele, wie sie sein sollte, nicht sein könnte, wenn diese menschliche Seele nicht erfüllt sein könnte von Liebe. Ja, man kommt darauf, wenn man in das Wesen der Seele eindringt, daß unsere Menschenseele nicht mehr Menschenseele sein würde, wenn sie nicht lieben könnte.

[ 35 ] We need only pronounce one word, and we shall recognize the attitude that man must take up with regard to his immortality. The word is Love. All that we have said concerning the word immortality we can now connect with what is denoted by Love. Love is not anything that we appropriate to ourselves through the Will; or anything that we appropriate to ourselves through Wisdom. Love dwells in the realm of the feelings. We must admit to ourselves that the human soul would fall short of its true nature if it were unable to be filled with love.

[ 36 ] Nun aber denken wir uns einmal, wir gingen durch die Pforte des Todes so, daß wir verlören unsere Menschenindividualität, daß wir uns vereinigen würden mit einer Allgöttlichkeit. Dann wären wir in dieser Göttlichkeit darinnen, wir gehörten dazu. Wir könnten den Gott nicht mehr lieben, wir wären in ihm selbst. Liebe hätte keinen Sinn, wenn wir in dem Gotte wären. Zugeben müssen wir, wenn wir unsere Individualität nicht durch den Tod tragen könnten, daß wir im Tode die Liebe verlieren müßten, daß die Liebe in dem Augenblick aufhören müßte, wo die Individualität aufhört. Lieben kann nur ein Wesen das andere, das von dem andern getrennt ist. Wollen wir unsere Gottesliebe durch den Tod tragen, dann müssen wir durch den Tod unsere Individualität tragen, dann müssen wir durch den Tod tragen dasjenige, was in uns die Liebe entzündet. Sollte dem Menschen der Sinn der Erde gebracht werden, dann mußte ihm Aufschluß gebracht werden über seine Unsterblichkeit so, daß sein Wesen als unzertrennlich mit der Liebe gedacht werde. Nicht Wille und nicht Weisheit können dem Menschen geben, was er braucht; geben kann dem Menschen das, was er braucht, allein die Liebe.

[ 36 ] Yes, when we penetrate into the nature of the soul, we realize that our human soul would no longer be a human soul if it could not love. But let us now suppose that on passing through the gate of death we lost our human individuality and were united with some universal divinity. We should then be within this divinity; we should belong to it. Love would have no meaning if we were within the Godhead. If we could not carry our individuality through death, we should in death have to lose love, for in the moment that individuality ceased, love would cease. One being can love another only if the other is separate from himself. If we are to carry our love of God through death, we must carry with us that which kindles love within us—our individuality. If the meaning of the Earth was to be brought to man, information concerning his immortality had to be given him in such a way that his nature would be thought of as inseparable from love. Neither Will nor Wisdom can give man what he needs; only Love can give it to him.

[ 37 ] Was war denn verdunkelt worden im Laufe des Entwickelungsganges des Menschen über die Erde? Nehmen wir den Juden oder nehmen wir den Heiden: verdunkelt war worden das Bewußtsein über den Tod hinaus. Bewußtsein zwischen Geburt und Tod; außerhalb von Geburt und Tod Dunkelheit, nichts verbleibt vom Bewußtsein innerhalb des Erdenleibes. «Erkenne dich selbst!» am Eingang des griechischen Heiligtumes: heiligste Forderung dieses griechischen Heiligtums an die Menschheit. Aber der Mensch konnte sich nur die Antwort geben: Ja, ich kann mich, wenn ich so verbunden bleibe in meinem Leibe mit meiner Seele, wie ich es als Erdenmensch bin, nicht in jener Individualität erkennen, die über den Tod hinaus lieben kann. Das kann ich nicht! Erkenntnis, daß man über den Tod hinaus als Individualität lieben kann, das war es, was den Menschen verloren gegangen war.

[ 37 ] What was it, then, that became darkened in the course of man's evolutionary path on Earth? Take the Jews or take the heathen: their consciousness of anything beyond death had been darkened. Between birth and death—consciousness; beyond death and beyond birth—darkness; of their bodily consciousness nothing more remained. “Know thyself!”—at the entrance of the Greek Mysteries, stood this most holy demand of the sanctuary upon mankind. Man could only answer: “If I remain bound to my body with my soul, as is the way with a man of Earth, I cannot recognize in myself an individuality which could love beyond death. I cannot do it.” The knowledge that man can love as an individuality beyond death—this is what had been lost for man.

[ 38 ] Tod ist nicht das Aufhören des physischen Leibes. Dieses kann nur der Materialist sagen. Man denke sich nur einmal, daß der Mensch sein Bewußtsein in jeder Stunde, in der er im Leibe lebt, so hätte, daß er so gewiß wissen würde, was über den Tod hinaus liegt, wie er heute weiß, daß morgen die Sonne aufgehen und über den Himmel gehen wird, dann hätte der Tod keinen Stachel für den Menschen, dann wäre der Tod nicht dasjenige, was wir den Tod nennen, dann wüßten die Menschen im Leibe, daß der Tod nur eine Erscheinung ist, die von einer Form zur anderen führt. Unter «Tod» verstand auch Paulus nicht das Aufhören des physischen Leibes, sondern unter «Tod» verstand er die Tatsache, daß das Bewußtsein nur bis zum Tode reicht, daß der Mensch, insofern er an den Leib gebunden war im damaligen Erdenleben, innerhalb seines Leibes sein Bewußtsein nur bis zu dem Tode hindehnen konnte. Wir können überall hinzusetzen, wo Paulus vom Tode spricht: Mangel eines Bewußtseins über den Tod hinaus.

[ 38 ] Death is not merely the cessation of the physical body. Only a materialist can say that. Suppose that throughout every hour of life in the body man's consciousness were such that he knew what lies beyond death as certainly as he knows today that the sun will rise on the morrow and take its journey across the heavens. Then death would have no sting for him; death would not be what we call death; he would know in the body that death is only a phenomenon leading from one form to another. Paul did not understand by “death” the cessation of the physical body; by “death” he understood the fact that consciousness extends only as far as death, and that man, in so far as he was united with the body in the existence of that period, could, within his body, extend his consciousness only as far as death. Whenever Paul speaks of death, we might add: “Lack of consciousness beyond death.”

[ 39 ] Was gab dem Menschen das Mysterium von Golgatha? Stand mit dem Mysterium von Golgatha eine Summe von Naturereignissen vor der Menschheit, eine Wolkensäule, eine Feuersäule? Nein, ein Mensch stand vor den Menschen, der Christus Jesus. Erfüllte sich etwa mit dem Mysterium von Golgatha aus der geheimnisvollen Natur heraus so etwas, daß ein Meer sich spaltete, damit das Volk Gottes durchziehen könne? Nein, ein Mensch stand da vor den Menschen und machte Lahme gehend und Blinde sehend. Von einem Menschen ging das aus.

[ 39 ] What did the Mystery of Golgotha give to man? Was it a series of natural phenomena, a pillar of cloud, a pillar of fire, that stood before humanity with the Mystery of Golgotha? No! A man, Christ Jesus, stood before men. With the Mystery of Golgotha did any event drawn from the mysterious realms of nature take place—did a sea divide so that the people of God could go through? No! A man stood before men; a man who made the lame to walk and the blind to see. By a man were these things done.

[ 40 ] Der Jude hatte in die Natur schauen müssen, wenn er denjenigen hat sehen wollen, den er seinen göttlichen Herrn nennt. Einen Menschen konnte man jetzt sehen, von einem Menschen konnte man so reden, daß der Gott in ihm lebe. Der Heide hatte eingeweiht werden müssen, er hatte die Seele aus dem Leibe herausziehen müssen, um der Wesenheit gegenüberzustehen, die der Christus ist. Er hat auf der Erde den Christus nicht vermuten können, er konnte nur wissen, daß der Christus außerhalb der Erde ist. Das aber, was außerhalb der Erde war, es ist auf die Erde gekommen, es hat einen Menschenleib angenommen.

[ 40 ] The Jew had to look into nature when he wanted to see him whom he called his divine Lord. Now it was a man who could be seen. Of a man it could be said that God dwelt in him. The pagan had to be initiated; his soul had to be withdrawn from his body in order that he might stand before the Being who is the Christ. On the Earth he had been unable to divine the Christ; he could know only that the Christ was outside the Earth. But He who had been outside the Earth came down to Earth, took on a human body.

[ 41 ] In dem Christus Jesus stand als Mensch vor den Menschen diejenige Wesenheit, die sonst vor der leibbefreiten Seele in den Mysterien gestanden hatte. Und was ist dadurch geschehen ? Der Anfang ist damit gemacht worden, daß die Kräfte, die der Mensch verloren hat in der Erdenentwickelung seit Erdenanbeginn, diese Kräfte, durch die ihm seine Unsterblichkeit verbürgt wird, durch das Mysterium von Golgatha wieder an ihn herankommen. In der Überwindung des Todes auf Golgatha haben die Kräfte den Ursprung genommen, die in der Menschenseele wieder anfachen können die verlorengegangenen Kräfte. Und des Menschen Weg durch die Erdenentwickelung wird weiter so sein, daß, indem der Mensch den Christus immer mehr und mehr aufnehmen wird, er in sich entdecken wird dasjenige, was in ihm über den Tod hinaus lieben kann, das heißt, daß er als unsterbliche Individualität seinem Gott gegenüberstehen kann. Darum ist erst seit dem Mysterium von Golgatha das Wort wahr geworden: «Liebe Gott über alles und deinen Nächsten als dich selbst.» (Lukas 10, 27)

[ 41 ] In Christ Jesus there stood as man before men that Being who had formerly stood in the Mysteries before the soul that was liberated from the body. And what came to pass through this? It was the beginning of the course of events whereby the powers that man had lost ever since the start of the Earth evolution—the powers which assured him of his immortality—were restored to him through the Mystery of Golgotha. The overcoming of death on Golgotha gave birth to the forces which could rekindle in the soul the powers it had lost. And the path of man through Earth evolution will henceforth be this: Inasmuch as he takes the Christ more and more into himself, he will discover within himself the power which can love beyond death, so that he will be able to stand before his God as an immortal individuality. Therefore, only since the Mystery of Golgotha has it become true to say: “Love God above all, and thy neighbor as thyself.”

[ 42 ] Wille wurde gegeben aus dem brennenden Dornbusch. Wille wurde gegeben durch die Gebote. Weisheit wurde gegeben durch die Mysterien. Die Liebe aber wurde gegeben, indem der Gott Mensch geworden ist in dem Christus Jesus. Und die Bürgschaft, daß wir über den Tod hinaus lieben können, daß eine Liebesgemeinschaft gestiftet werden kann durch die wiedergewonnenen Kräfte unserer Seele zwischen dem Menschen und Gott und allen Menschen untereinander, die Bürgschaft dafür geht von dem Mysterium von Golgatha aus. Die Menschenseele hat in dem Mysterium von Golgatha dasjenige gefunden, was sie seit Erdenurbeginn verloren hat, indem ihre Kräfte immer schwächer und schwächer geworden sind.

[ 42 ] Will was given from out of the burning thorn-bush; Will was given through the Ten Commandments. Wisdom was given through the Mysteries. But Love was given when God became man in Christ Jesus. And the assurance that we can love beyond death, that by means of the powers won back for our souls a community of Love can be founded between God and man and all men among one another—the guarantee for that proceeds from the Mystery of Golgotha. In the Mystery of Golgotha the human soul has found what it had lost from the primal beginning of the Earth, in that its forces had become ever weaker and weaker.

[ 43 ] Drei Kräfte in drei menschlichen Seelengliedern: Wille, Weisheit und Liebe! In dieser Liebe erlebt die Seele ihr Verhältnis zum Christus.

[ 43 ] Three forces in three members of the soul: Will, Wisdom, Love! In this Love the soul experiences its relation to Christ.

[ 44 ] Von einer gewissen Seite her wollte ich Ihnen das vor Augen führen. Was aphoristisch geklungen hat in der heutigen Auseinandersetzung, es wird seinen Zusammenhang in den Betrachtungen der folgenden Tage finden. Das aber, glaube ich, können wir tief in unsere Seele schreiben, daß ein Fortschritt in der Christus-Erkenntnis ein realer Erwerb für die Menschenseele ist, und daß auch dann, wenn wir die Beziehung der Menschenseele zu dem Christus betrachten, uns wiederum so recht klar wird, wie gleichsam eine Hülle war zwischen der Menschenseele und dem Christus vor dem Mysterium von Golgatha, wie diese Hülle durchbrochen worden ist durch das Mysterium von Golgatha, und wie wir mit Recht sagen können: Durch das Mysterium von Golgatha ist eingeflossen eine kosmische Wesenheit in das Erdenleben, eine überirdische Wesenheit verband sich mit der Erde.

[ 44 ] I wanted to bring these things before you from a certain aspect. Whatever may have seemed aphoristic in the explanations given today will find its context later on. But I believe we can inscribe deeply in our souls that progress in the knowledge of Christ is a real gain for the human soul, and that when we consider the relationship of the human soul to Christ, it again becomes clear to us how before the Mystery of Golgotha there was a veil, as it were, between the human soul and Christ; how this veil was broken by the Mystery of Golgotha, and how we can say with truth: “Through the Mystery of Golgotha a cosmic Being flowed into Earth-life, a super-earthly Being united Himself with the Earth.”

[ 45 ] Gestatten Sie, meine lieben Freunde, auch heute — vielleicht werden die nächsten Tage nochmals Gelegenheit dazu geben — eine Bemerkung, die ich aber auch unter Ihnen machen möchte:

[ 45 ] We shall speak in the following lectures of all that the human soul, with Christ, can experience within itself.

[ 46 ] Die Vorwürfe, die Gegnerschaften gegenüber unserer geisteswissenschaftlichen Lehre, sie werden immer stärker und stärker. Mit viel Wahrheit kämpfen allerdings diese Gegnerschaften nicht, aber diese Gegnerschaften sind immerhin da. Überlegen wir uns einmal ein Wort, das Sie in den letzten T’agen auch hier haben lesen können, das von anderer Seite gesprochen worden ist und das hier wiederholt worden ist, überlegen wir uns dieses Wort am Schlusse dieser Betrachtungen, die uns wiederum von einer anderen Seite her gezeigt haben, wie eine kosmische Wesenheit im Christus eine irdische Wesenheit wird — ich meine das Wort, das da gesprochen worden ist, als ob es irgend etwas Unchristliches hätte, von dem Christus als von einer kosmischen Wesenheit zu sprechen. Ja, sogar so ist das Wort gesprochen worden, daß gesagt worden sein soll: «Diese theosophische oder anthroposophische Lehre, die sieht gar nicht, wie es unchristlich ist, von einem kosmischen Prinzip, von einer kosmischen Wesenheit zu sprechen, während gerade dasjenige die Menschen gewonnen hat, was die Evangelien in ihren Einzelheiten über das Menschliche des Jesus erzählen.» Menschen, die so etwas sagen, sie dünken sich recht christlich. Aber viele, die sich christlich dünken, bemerken gar nicht, daß sie mit ihrer Christlichkeit alle Augenblicke der wahren Christlichkeit ins Gesicht schlagen. Unchristlich soll es sein, von Christus als einer Wesenheit zu sprechen, die eine kosmische Wesenheit ist, das heißt die nicht für die Erde bloß, sondern für den Kosmos Bedeutung hat! Das wurde gesagt von einer Seite, die das Christentum verteidigen will gegenüber der Geistesforschung. Gesagt wurde: «Der Christus, so wie er uns entgegentritt, ohne daß wir auf das Kosmische Rücksicht nehmen, der wird in Menschenseelen leben, solange die Erde steht.» Ich glaube nicht, daß viele Leute merken, wie sonderbar unevangelisch die Zunge redet gerade mit solch einem Wort. Man wird vielleicht zuweilen merken: Da spricht Gegnerschaft gegen die Geisteswissenschaft — nun ja, man kann das verstehen. Das ist eben so, daß da vom «christlichen Standpunkt» aus gesprochen wird. — Dieser christliche Standpunkt aber, ist er ein wirklich christlicher Standpunkt? Er verketzert uns — denn Verketzerung darf das schon genannt werden —, er nimmt das als sein Privilegium in Anspruch; er verketzert uns. Er findet unser Christentum oder, besser gesagt, unsere Anthroposophie als Christentum bedenklich. In ihm lebt nicht nur in seinem Begriff das wirkliche Christentum nicht mehr, sondern auch in seinen Seelenlebensgewohnheiten lebt nicht das richtige Christentum. Denn die Seele, die richtig christlich ist, sie wird niemals sagen: Solange die Erde steht, wird der Christus, der da gemeint ist, in den Herzen der Menschen leben. — Warum nicht? Weil ein Christ, der das sagt, einfach vergessen hat die Worte der Evangelien: «Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.» (Matthäus 24, 35) Damit aber ist auch der Christus als kosmische Wesenheit hingestellt. Und derjenige, der wahr macht ein Wort, wie «Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen», der spricht christlich. Derjenige aber, dem im Augenblick gleich die Zunge ausgleitet, wenn er sein Christentum gegen die Anthroposophie richten will, der sündigt gegen das Wort «Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen», indem er sagt: Wir wollen einen Christus, der da wirkt, solange die Erde steht; — der versteht nichts von dem wahren Christentum, das nicht bloß in den Büchern, sondern auch in den Sternen steht.

[ 46 ] Not translated

[ 47 ] Wir müssen uns schon zuweilen verständigen, wessen Geistes manche Angriffe sind, die heute von da oder dort gegen die Christlichkeit unserer Anthroposophie vorgebracht werden. Man merkt an dem Zungenausgleiten manchmal viel mehr, zu was das Christentum in solchen Seelen geworden ist, als durch das Lesen, wie es heute üblich ist.

[ 47 ] Not translated

[ 48 ] Was die Menschenseele erleben kann mit ihrem Christus in sich, wir wollen dann in den allernächsten Tagen davon sprechen.

[ 48 ] Not translated