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Occult Reading and Occult Hearing
GA 156

7 October 1914, Dornach

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Okkultes Lesen und okkultes Hören
  1. Occult Reading and Occult Hearing, tr. SOL

Zeiten der Erwartung

Zeiten der Erwartung

[ 1 ] Meine lieben Freunde! Wir werden den heutigen Abend mit der Vorlesung einiger nachgelassener, also noch nicht gedruckter Gedichte unseres lieben Freundes Christian Morgenstern beginnen, und daran sollen sich noch einige Gedichte aus dem zuletzt erschienenen Bande anschließen. Dann wird eine musikalische Darbietung folgen, und danach werden wir vor unseren Augen Bilder unseres Baues vorüberrollen lassen; darauf folgt wiederum eine musikalische Nummer. Und für diejenigen Freunde, die dann noch dableiben wollen, werde ich zum Schlusse einige Betrachtungen anstellen, in die ich einen kurzen Hinweis auf das Wesen unserer Eurythmie einfügen werde, aus dem Grunde, weil einige Freunde, insbesondere aus der Schweiz, den Wunsch ausgesprochen haben, etwas über das Wesen der Eurythmie zu hören.

[ 1 ] Meine lieben Freunde! Wir werden den heutigen Abend mit der Vorlesung einiger nachgelassener, also noch nicht gedruckter Gedichte unseres lieben Freundes Christian Morgenstern beginnen, und daran sollen sich noch einige Gedichte aus dem zuletzt erschienenen Bande anschließen. Dann wird eine musikalische Darbietung folgen, und danach werden wir vor unseren Augen Bilder unseres Baues vorüberrollen lassen; darauf folgt wiederum eine musikalische Nummer. Und für diejenigen Freunde, die dann noch dableiben wollen, werde ich zum Schlusse einige Betrachtungen anstellen, in die ich einen kurzen Hinweis auf das Wesen unserer Eurythmie einfügen werde, aus dem Grunde, weil einige Freunde, insbesondere aus der Schweiz, den Wunsch ausgesprochen haben, etwas über das Wesen der Eurythmie zu hören.

[ 2 ] Meine lieben Freunde! Immer wieder und wiederum die Gelegenheit zu ergreifen, Christian Morgensterns Dichtungen — insbesondere diejenigen, die ihm selber so am Herzen lagen in der letzten Zeit seines physischen Lebens, in der er so innig mit uns verbunden war vor unsere Seelen zu führen, erscheint uns einerseits als heilige Pflicht, andererseits zugleich als etwas, was wirklich innig verbunden ist mit dem ganzen Wesen und der ganzen Art unserer geisteswissenschaftlichen Strömung in der Gegenwart. Darf man doch ohne weiteres sagen, daß Christian Morgensterns Art und Weise, sich einzuleben in das, was Geisteswissenschaft der Welt verkünden will, wirklich auch in spirituellem Sinne segensreich geworden ist für unsere Bewegung, die ja doch erst am Anfange ihres Werdens steht.

[ 2 ] Meine lieben Freunde! Immer wieder und wiederum die Gelegenheit zu ergreifen, Christian Morgensterns Dichtungen — insbesondere diejenigen, die ihm selber so am Herzen lagen in der letzten Zeit seines physischen Lebens, in der er so innig mit uns verbunden war vor unsere Seelen zu führen, erscheint uns einerseits als heilige Pflicht, andererseits zugleich als etwas, was wirklich innig verbunden ist mit dem ganzen Wesen und der ganzen Art unserer geisteswissenschaftlichen Strömung in der Gegenwart. Darf man doch ohne weiteres sagen, daß Christian Morgensterns Art und Weise, sich einzuleben in das, was Geisteswissenschaft der Welt verkünden will, wirklich auch in spirituellem Sinne segensreich geworden ist für unsere Bewegung, die ja doch erst am Anfange ihres Werdens steht.

[ 3 ] Die meisten der hier versammelten Freunde wissen ja aus verschiedenen Zyklen und einzelnen Vorträgen, die in den allerletzten Monaten da und dort von mir gehalten worden sind, daß zu meinen bedeutsamsten okkulten Erlebnissen der letzten Zeit das Zusammensein mit Christian Morgenstern nach seinem Tode gehört. Und ich habe ja nicht zurückgehalten gerade mit demjenigen Erlebnis, welches in Zusammenhang mit Christian Morgenstern so bedeutungsvoll ist für den Segen, der unserer Bewegung aus den geistigen Welten erfließt: daß sich zu unserer Bewegung ein Dichter finden konnte, der mit dieser Bewegung seine Seele so innig verband, daß gewissermaßen zu den Elementen seines jetzigen Wesens in den geistigen Welten jenes kosmische Tableau gehört, welches — mit den Mitteln der geistigen Welt eben, und zugleich wie einen Bestandteil Christian Morgensterns — offenbart die Wahrheit desjenigen, was wir zu erkennen und zu lehren haben. Ja, meine lieben Freunde, das ist etwas außerordentlich Bedeutsames, das ist etwas, was in ungeheurer Weise Vertrauen einflößen kann zu der inneren Wahrheit, aber auch zu der inneren Triebkraft unserer Bewegung. Wir wissen, daß mit Christian Morgensterns eigener Wesenheit jetzt verbunden ist etwas wie das Zusammenströmen des spirituellen kosmischen Alls. So wie man in einem großen Tableau eines Malers, eines wirklichen Malers auf dem physischen Plane, vieles von den Geheimnissen der physischen Welt zusammengeströmt erschaut, so ist in der geistigen Welt weil da der Mensch nicht nur seine Fähigkeiten hinzugeben hat an das, was sie darbietet, sondern sein ganzes Wesen —, so ist das ganze Wesen Christian Morgenstern verbunden mit diesem, ich möchte sagen, kosmischen Gemälde, in dem er jetzt lebt. Und es gehört zu den erschütterndsten Erlebnissen, die man haben kann, wenn man sieht, daß er in der geistigen Welt jetzt erst mit seinem echten wahren Wesen lebt. Es gehört zu den erschütterndsten Erlebnissen, wenn man sieht, wie diese Menschenwesenheit in der physischen Welt hier in die mannigfaltigsten Hemmnisse eingeschlossen lebte, und wie sie nun — erahnbar, erlebbar für die, die diesen Menschen lieben — sich frei entfalten kann in der geistigen Welt. Es ist erschütternd, wie wir eine solche Wesenheit erst dann voll kennen lernen können, wenn wir sie erfassen in ihrer Bedeutung nach dem Tode.

[ 3 ] Die meisten der hier versammelten Freunde wissen ja aus verschiedenen Zyklen und einzelnen Vorträgen, die in den allerletzten Monaten da und dort von mir gehalten worden sind, daß zu meinen bedeutsamsten okkulten Erlebnissen der letzten Zeit das Zusammensein mit Christian Morgenstern nach seinem Tode gehört. Und ich habe ja nicht zurückgehalten gerade mit demjenigen Erlebnis, welches in Zusammenhang mit Christian Morgenstern so bedeutungsvoll ist für den Segen, der unserer Bewegung aus den geistigen Welten erfließt: daß sich zu unserer Bewegung ein Dichter finden konnte, der mit dieser Bewegung seine Seele so innig verband, daß gewissermaßen zu den Elementen seines jetzigen Wesens in den geistigen Welten jenes kosmische Tableau gehört, welches — mit den Mitteln der geistigen Welt eben, und zugleich wie einen Bestandteil Christian Morgensterns — offenbart die Wahrheit desjenigen, was wir zu erkennen und zu lehren haben. Ja, meine lieben Freunde, das ist etwas außerordentlich Bedeutsames, das ist etwas, was in ungeheurer Weise Vertrauen einflößen kann zu der inneren Wahrheit, aber auch zu der inneren Triebkraft unserer Bewegung. Wir wissen, daß mit Christian Morgensterns eigener Wesenheit jetzt verbunden ist etwas wie das Zusammenströmen des spirituellen kosmischen Alls. So wie man in einem großen Tableau eines Malers, eines wirklichen Malers auf dem physischen Plane, vieles von den Geheimnissen der physischen Welt zusammengeströmt erschaut, so ist in der geistigen Welt weil da der Mensch nicht nur seine Fähigkeiten hinzugeben hat an das, was sie darbietet, sondern sein ganzes Wesen —, so ist das ganze Wesen Christian Morgenstern verbunden mit diesem, ich möchte sagen, kosmischen Gemälde, in dem er jetzt lebt. Und es gehört zu den erschütterndsten Erlebnissen, die man haben kann, wenn man sieht, daß er in der geistigen Welt jetzt erst mit seinem echten wahren Wesen lebt. Es gehört zu den erschütterndsten Erlebnissen, wenn man sieht, wie diese Menschenwesenheit in der physischen Welt hier in die mannigfaltigsten Hemmnisse eingeschlossen lebte, und wie sie nun — erahnbar, erlebbar für die, die diesen Menschen lieben — sich frei entfalten kann in der geistigen Welt. Es ist erschütternd, wie wir eine solche Wesenheit erst dann voll kennen lernen können, wenn wir sie erfassen in ihrer Bedeutung nach dem Tode.

[ 4 ] So erscheint mir heute nach seinem Tode Christian Morgenstern als geistiger Führer von vielen Menschen, die in kurz verflossenen Zeiten der geistigen Entwickelung der Menschheit hinaufgegangen sind in die geistigen Welten, die dadurch eine ungeheure Förderung erfahren, daß sie in der physischen Welt in gewissem Sinne ausgestattet waren mit inneren Sehnsuchten nach den geistigen Welten und sie doch nicht finden konnten. Sie brachten diese Sehnsucht hinauf. Wir haben ja von diesen Sehnsuchten gesprochen am Tage der Grundsteinlegung in Anlehnung an eine bestimmte Persönlichkeit: an Herman Grimm. Ich habe gezeigt, wie nahe er der Erfassung der geistigen Welt gewesen war, und diese doch nicht hatte finden können. Für ihn und manche andere bedeutet es eine ungeheure Förderung, daß — in Menschenworten ausgedrückt — sie jetzt überzeugt sein können von dem, was sie suchten und nicht finden konnten: dadurch überzeugt sein können, daß sie es vor sich haben in der Seele Christian Morgensterns. Nicht als ob sie es sonst nicht finden könnten in der geistigen Welt; aber es ist etwas anderes, es so vor sich zu haben. Das ist der ungeheuere Segen davon, daß Christian Morgenstern sich mit dem Geist unserer Bewegung verbunden hat und so die Möglichkeit hatte, ihn hinaufzutragen, so daß diejenigen Wesenheiten Anthroposophie in der geistigen Welt sehen können, die Sehnsucht hatten, so etwas kennenzulernen.

[ 4 ] So erscheint mir heute nach seinem Tode Christian Morgenstern als geistiger Führer von vielen Menschen, die in kurz verflossenen Zeiten der geistigen Entwickelung der Menschheit hinaufgegangen sind in die geistigen Welten, die dadurch eine ungeheure Förderung erfahren, daß sie in der physischen Welt in gewissem Sinne ausgestattet waren mit inneren Sehnsuchten nach den geistigen Welten und sie doch nicht finden konnten. Sie brachten diese Sehnsucht hinauf. Wir haben ja von diesen Sehnsuchten gesprochen am Tage der Grundsteinlegung in Anlehnung an eine bestimmte Persönlichkeit: an Herman Grimm. Ich habe gezeigt, wie nahe er der Erfassung der geistigen Welt gewesen war, und diese doch nicht hatte finden können. Für ihn und manche andere bedeutet es eine ungeheure Förderung, daß — in Menschenworten ausgedrückt — sie jetzt überzeugt sein können von dem, was sie suchten und nicht finden konnten: dadurch überzeugt sein können, daß sie es vor sich haben in der Seele Christian Morgensterns. Nicht als ob sie es sonst nicht finden könnten in der geistigen Welt; aber es ist etwas anderes, es so vor sich zu haben. Das ist der ungeheuere Segen davon, daß Christian Morgenstern sich mit dem Geist unserer Bewegung verbunden hat und so die Möglichkeit hatte, ihn hinaufzutragen, so daß diejenigen Wesenheiten Anthroposophie in der geistigen Welt sehen können, die Sehnsucht hatten, so etwas kennenzulernen.

[ 5 ] Ich mußte gerade im Verkehr mit Christian Morgenstern nach seinem Tode oft zweier Tatsachen gedenken. Die eine schließt sich an an einen der größten Repräsentanten des modernen Geisteslebens, an Goethe. Nun, wir kennen ja alle Goethe als den Dichter des «Faust», als einen der wahrsten Dichter aller Zeiten, weil er das, was er im «Faust» dargestellt hat, in der eigenen Seele durchkämpft und durchlitten hat. Sie wissen ja alle, daß der zweite Teil des «Faust» schließt mit dem Hinaufgehen des Faust in die geistigen Welten. Das hatte Goethe darzustellen, aber zu Goethes Zeiten war nicht die Möglichkeit vorhanden, die Bilder zu finden, die der Wahrheit, wie sie heute gesehen werden muß, entsprechen. Und es macht in gewisser Beziehung einen tragischen Eindruck, wenn wir ein Gespräch Goethes mit Eckermann lesen, in dem er von den Schwierigkeiten spricht, die er hatte, als er daran ging, den zweiten Teil des «Faust» zu vollenden, und dieses Hinaufgehen des Faust in die höheren Welten anschaulich zu machen. Da sagt er:

[ 5 ] Ich mußte gerade im Verkehr mit Christian Morgenstern nach seinem Tode oft zweier Tatsachen gedenken. Die eine schließt sich an an einen der größten Repräsentanten des modernen Geisteslebens, an Goethe. Nun, wir kennen ja alle Goethe als den Dichter des «Faust», als einen der wahrsten Dichter aller Zeiten, weil er das, was er im «Faust» dargestellt hat, in der eigenen Seele durchkämpft und durchlitten hat. Sie wissen ja alle, daß der zweite Teil des «Faust» schließt mit dem Hinaufgehen des Faust in die geistigen Welten. Das hatte Goethe darzustellen, aber zu Goethes Zeiten war nicht die Möglichkeit vorhanden, die Bilder zu finden, die der Wahrheit, wie sie heute gesehen werden muß, entsprechen. Und es macht in gewisser Beziehung einen tragischen Eindruck, wenn wir ein Gespräch Goethes mit Eckermann lesen, in dem er von den Schwierigkeiten spricht, die er hatte, als er daran ging, den zweiten Teil des «Faust» zu vollenden, und dieses Hinaufgehen des Faust in die höheren Welten anschaulich zu machen. Da sagt er:

[ 6 ] «Übrigens werden Sie zugeben, daß der Schluß, wo es mit der geretteten Seele nach oben geht, sehr schwer zu machen war, und daß ich bei so übersinnlichen, kaum zu ahnenden Dingen, mich sehr leicht im Vagen hätte verlieren können, wenn ich nicht meinen poetischen Intentionen durch die scharf umrissenen christlich-kirchlichen Figuren und Vorstellungen eine wohltätig beschränkende Form und Festigkeit gegeben hätte.»

[ 6 ] «Übrigens werden Sie zugeben, daß der Schluß, wo es mit der geretteten Seele nach oben geht, sehr schwer zu machen war, und daß ich bei so übersinnlichen, kaum zu ahnenden Dingen, mich sehr leicht im Vagen hätte verlieren können, wenn ich nicht meinen poetischen Intentionen durch die scharf umrissenen christlich-kirchlichen Figuren und Vorstellungen eine wohltätig beschränkende Form und Festigkeit gegeben hätte.»

[ 7 ] Wir wissen, daß Goethe zu diesen überkommenen. christlich-kirchlichen Formen greifen mußte, daß er den Übergang der Seele in die übersinnliche Welt in diese Formen einkleiden mußte. Wir wissen aber auch, daß in ihm die Sehnsucht lebte nach dem, was wir heute versuchen in neuen Formen zu bringen, in Formen, die unserer Zeit angemessen sind.

[ 7 ] Wir wissen, daß Goethe zu diesen überkommenen. christlich-kirchlichen Formen greifen mußte, daß er den Übergang der Seele in die übersinnliche Welt in diese Formen einkleiden mußte. Wir wissen aber auch, daß in ihm die Sehnsucht lebte nach dem, was wir heute versuchen in neuen Formen zu bringen, in Formen, die unserer Zeit angemessen sind.

[ 8 ] Da ist es von unendlicher Bedeutung, daß unsere Bewegung gleich am Anfange einen Dichter gefunden hat wie Christian Morgenstern, der in der Lage war, alles, was diese Bewegung ihm geben konnte, unmittelbar zu übertragen in persönliche Empfindungen, die uns insbesondere so warm, so herrlich liebevoll entgegentönen aus seinen nachgelassenen Dichtungen. Daß es ihm möglich war, gleich am Anfange unserer Bewegung das, was sie geben konnte, in das Persönliche so unmittelbar, so elementar aufzunehmen, das ist von ungeheurer Bedeutung, weil Christian Morgenstern alles Persönliche in eine überpersönliche Sphäre hinaufgehoben hat, die mit den Ausgangspunkten unserer Bewegung zusammenhängt. Daß so etwas möglich ist, das hängt wahrhaftig zusammen mit dem Vertrauen, das man in unsere Bewegung haben kann.

[ 8 ] Da ist es von unendlicher Bedeutung, daß unsere Bewegung gleich am Anfange einen Dichter gefunden hat wie Christian Morgenstern, der in der Lage war, alles, was diese Bewegung ihm geben konnte, unmittelbar zu übertragen in persönliche Empfindungen, die uns insbesondere so warm, so herrlich liebevoll entgegentönen aus seinen nachgelassenen Dichtungen. Daß es ihm möglich war, gleich am Anfange unserer Bewegung das, was sie geben konnte, in das Persönliche so unmittelbar, so elementar aufzunehmen, das ist von ungeheurer Bedeutung, weil Christian Morgenstern alles Persönliche in eine überpersönliche Sphäre hinaufgehoben hat, die mit den Ausgangspunkten unserer Bewegung zusammenhängt. Daß so etwas möglich ist, das hängt wahrhaftig zusammen mit dem Vertrauen, das man in unsere Bewegung haben kann.

[ 9 ] Die andere Tatsache, deren ich immer gedenken muß in diesen Tagen, ist die folgende: Ich habe einmal in einem Berliner Vortrag darauf aufmerksam gemacht, daß ich ein Gespräch hatte mit Herman Grimm, der so nahe war all den Sehnsuchten, die zu einem Verständnis der übersinnlichen Welten nach unserer Art führen. In dem Gespräch versuchte ich diese Dinge zu berühren. Er hatte dafür nur eine abwehrende Bewegung; er wollte das nicht an sich herankommen lassen. Es hatte etwas tief Erschütterndes, dieses eigentümliche Verhalten gerade Herman Grimms zu der für unsere Zeit ureigenen Form des Geisteslebens zu sehen, Herman Grimms, den ich nennen möchte: den akkreditierten Statthalter Goethes für die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Alle Bestrebungen unserer Bewegung gehen dahin, gerade solche Geister, die jetzt in der geistigen Welt sind, hinzuweisen auf das, was Christian Morgenstern ihnen sagen kann.

[ 9 ] Die andere Tatsache, deren ich immer gedenken muß in diesen Tagen, ist die folgende: Ich habe einmal in einem Berliner Vortrag darauf aufmerksam gemacht, daß ich ein Gespräch hatte mit Herman Grimm, der so nahe war all den Sehnsuchten, die zu einem Verständnis der übersinnlichen Welten nach unserer Art führen. In dem Gespräch versuchte ich diese Dinge zu berühren. Er hatte dafür nur eine abwehrende Bewegung; er wollte das nicht an sich herankommen lassen. Es hatte etwas tief Erschütterndes, dieses eigentümliche Verhalten gerade Herman Grimms zu der für unsere Zeit ureigenen Form des Geisteslebens zu sehen, Herman Grimms, den ich nennen möchte: den akkreditierten Statthalter Goethes für die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Alle Bestrebungen unserer Bewegung gehen dahin, gerade solche Geister, die jetzt in der geistigen Welt sind, hinzuweisen auf das, was Christian Morgenstern ihnen sagen kann.

[ 10 ] Sie sehen also, wie wir das, was wir als unsere Verbindung, als unser Verhältnis, unsere Liebe zu Christian Morgenstern empfinden, in überpersönliche Sphären zu heben suchen. Ich habe versucht, Ihnen das in einigen Worten anzudeuten.

[ 10 ] Sie sehen also, wie wir das, was wir als unsere Verbindung, als unser Verhältnis, unsere Liebe zu Christian Morgenstern empfinden, in überpersönliche Sphären zu heben suchen. Ich habe versucht, Ihnen das in einigen Worten anzudeuten.

[ 11 ] Wenn Sie mit Ihrem Gefühl verfolgen, was Ihnen jetzt vorgetragen werden soll, so werden Sie durch die Worte Christian Morgensterns auf eine andere Art noch empfinden, was er unserer ganzen Bewegung ist und noch werden wird. An einer Stelle besonders wird man sich mit Rücksicht auf die Ereignisse dieser Tage tief im Herzen berührt fühlen. Wenn auch Christian Morgenstern selbstverständlich, als er das Gedichtchen schrieb, einen ganz anderen Krieg meinte, als derjenige ist, den wir heute erleben müssen, so geht es doch angesichts der Ereignisse der heutigen Tage tief zu Herzen, was gerade dies eine kleine Gedichtchen enthält.

[ 11 ] Wenn Sie mit Ihrem Gefühl verfolgen, was Ihnen jetzt vorgetragen werden soll, so werden Sie durch die Worte Christian Morgensterns auf eine andere Art noch empfinden, was er unserer ganzen Bewegung ist und noch werden wird. An einer Stelle besonders wird man sich mit Rücksicht auf die Ereignisse dieser Tage tief im Herzen berührt fühlen. Wenn auch Christian Morgenstern selbstverständlich, als er das Gedichtchen schrieb, einen ganz anderen Krieg meinte, als derjenige ist, den wir heute erleben müssen, so geht es doch angesichts der Ereignisse der heutigen Tage tief zu Herzen, was gerade dies eine kleine Gedichtchen enthält.

[ 12 ] So werden wir jetzt zunächst daran gehen, bevor ich diese Betrachtungen fortsetze, etwas aus den nachgelassenen Gedichten unseres lieben Freundes Christian Morgenstern zu hören.

[ 12 ] So werden wir jetzt zunächst daran gehen, bevor ich diese Betrachtungen fortsetze, etwas aus den nachgelassenen Gedichten unseres lieben Freundes Christian Morgenstern zu hören.

[ 13 ] Rezitation durch Marie Steiner-von Sivers «Aus den nachgelassenen Gedichten von Christian Morgenstern». Es ist nicht festgehalten, welche Gedichte vorgetragen wurden, aber sicherlich waren darunter die beiden folgenden:

[ 13 ] Rezitation durch Marie Steiner-von Sivers «Aus den nachgelassenen Gedichten von Christian Morgenstern». Es ist nicht festgehalten, welche Gedichte vorgetragen wurden, aber sicherlich waren darunter die beiden folgenden:

Anthroposophie

Oh Welt, — du armer Mensch,
der du nicht weißt,
was hier inmitten deiner
sich begibt.

Die wahre Größe dieser wirren Zeit
wird hier lebendig menschhaft dargelebt,
ein Stück erhabenster Geschichte rollt
hier vor uns ab — und wir sind mit in ihm!

O große Welt, du armer Muttermensch
die (wieder einmal — o du Träumerin!)
nicht weiß, nicht ahnt,
was sich in ihr gebiert.

(1911)

ICH

Ich schaue zu, wie sich die alte Welt
in mir erhebt und immer wieder streitet,
und wie die neue sanft darübergleitet,
so wechselweis verdüstert und erhellt.

Ich schaue zu. Wie endigt wohl der Krieg?
Wird sich der trübe Rauch zu Boden schlagen
und morgendliche Klarheit drüber tagen?
ICH schaut mir zu. Vielleicht ruft dies dem Sieg.

(1909)

Anthroposophie

Oh Welt, — du armer Mensch,
der du nicht weißt,
was hier inmitten deiner
sich begibt.

Die wahre Größe dieser wirren Zeit
wird hier lebendig menschhaft dargelebt,
ein Stück erhabenster Geschichte rollt
hier vor uns ab — und wir sind mit in ihm!

O große Welt, du armer Muttermensch
die (wieder einmal — o du Träumerin!)
nicht weiß, nicht ahnt,
was sich in ihr gebiert.

(1911)

ICH

Ich schaue zu, wie sich die alte Welt
in mir erhebt und immer wieder streitet,
und wie die neue sanft darübergleitet,
so wechselweis verdüstert und erhellt.

Ich schaue zu. Wie endigt wohl der Krieg?
Wird sich der trübe Rauch zu Boden schlagen
und morgendliche Klarheit drüber tagen?
ICH schaut mir zu. Vielleicht ruft dies dem Sieg.

(1909)

[ 14 ] Musik. Vorführung von Bildern des Goetheanum-Baues. Musik

[ 14 ] Musik. Vorführung von Bildern des Goetheanum-Baues. Musik

[ 15 ] Meine lieben Freunde! Vielleicht haben Sie schon aus mancherlei, das hier und auch an anderen Orten auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft gesprochen worden ist — auch aus den einleitenden Worten über unseren lieben Freund Christian Morgenstern —, entnommen, daß mir etwas darauf ankommt, alle unsere Bestrebungen, also auch das, was an unsere Bestrebungen sich angliedert, als ein Ganzes, als etwas Einheitliches zu nehmen, und daß es mir namentlich darauf ankommt, daß dieses ganze, das der Menschheitsevolution wie ein Impuls zu einer neuen Geisteskultur einverleibt werden soll, sich wirklich anschließt an die Sehnsuchten, an die Hoffnungen, an die Erwartungen der Geisteskultur der unmittelbar verflossenen Zeit. Ich habe das ja insbesondere hier bei der Feier zum Gedenken der Grundsteinlegung unseres Baues zu betonen versucht. Man sollte also unsere Geisteswissenschaft und ihre Bestrebungen, neben anderem auch das, was als Bilder unseres Baues eben vor Ihren Augen abgerollt ist, und endlich das, was als Eurythmie sich einleben soll in unseren Kulturzusammenhang, betrachten als ein einheitliches Ganzes, aber auch als etwas, was nicht nur für sich ein Ganzes ist, sondern sich anschließt an etwas, das man erwartet hat. Und wenn ich vorhin versuchte, mit ein paar Worten eine Linie zu ziehen von Goethe bis zu Christian Morgenstern über Herman Grimm, so sollte dies nur ein zweifaches Beispiel dafür sein, wie auf der einen Seite in der Menschheitsentwickelung wirklich Veranlassung dazu gegeben ist, daß man in einem tieferen Optimismus an einen Fortgang der Menschheitsentwickelung glauben darf, auf der anderen Seite aber auch dafür, daß geistige Faktoren, geistige Impulse fortwährend in die Menschheitsentwickelung eingreifen. Ich habe versucht, vor ihre Seelen zu führen, wie Goethe am Schlusse seines «Faust» den Aufstieg Fausts in die geistigen Welten darstellen mußte mit alten christlich-katholischen Formen, und ich habe darauf aufmerksam gemacht, wie in dem Dichter Christian Morgenstern jemand zu uns gefunden hat, der den Anfang damit gemacht hat, das geistige Leben, die übersinnlichen Welten, in neue Formen zu prägen, wie es für den Menschen der Gegenwart notwendig ist. Aus manchem der nachgelassenen Gedichte, aus manchen dieser Worte werden Sie wiederum vernommen haben, wie Dichtung sich vereinigen kann, innigst sich vereinigen kann mit dem, was das von uns gemeinte geistige Leben will: daß ein neues Verhältnis gefunden werde zwischen dem Leben des Menschen auf dem physischen Plane und seinem Angeknüpftsein an die geistigen Welten, und wie geistige Faktoren in die Fortentwickelung der Menschheit eingreifen. Ich versuchte es klar zu machen, indem ich auszusprechen wagte, was unter wahren Anthroposophen ausgesprochen werden darf: daß Herman Grimm, der genannt werden darf der akkreditierte Statthalter Goethes in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, gewissermaßen das, was er auf Erden im physischen Leibe nicht finden konnte, nun finden darf im Anblick dessen, was Christian Morgenstern schon jetzt in die geistigen Welten hinaufzutragen in der Lage war. Da sehen wir das Zusammenwirken des Geistigen mit dem physischen Menschheitsfortgang.

[ 15 ] Meine lieben Freunde! Vielleicht haben Sie schon aus mancherlei, das hier und auch an anderen Orten auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft gesprochen worden ist — auch aus den einleitenden Worten über unseren lieben Freund Christian Morgenstern —, entnommen, daß mir etwas darauf ankommt, alle unsere Bestrebungen, also auch das, was an unsere Bestrebungen sich angliedert, als ein Ganzes, als etwas Einheitliches zu nehmen, und daß es mir namentlich darauf ankommt, daß dieses ganze, das der Menschheitsevolution wie ein Impuls zu einer neuen Geisteskultur einverleibt werden soll, sich wirklich anschließt an die Sehnsuchten, an die Hoffnungen, an die Erwartungen der Geisteskultur der unmittelbar verflossenen Zeit. Ich habe das ja insbesondere hier bei der Feier zum Gedenken der Grundsteinlegung unseres Baues zu betonen versucht. Man sollte also unsere Geisteswissenschaft und ihre Bestrebungen, neben anderem auch das, was als Bilder unseres Baues eben vor Ihren Augen abgerollt ist, und endlich das, was als Eurythmie sich einleben soll in unseren Kulturzusammenhang, betrachten als ein einheitliches Ganzes, aber auch als etwas, was nicht nur für sich ein Ganzes ist, sondern sich anschließt an etwas, das man erwartet hat. Und wenn ich vorhin versuchte, mit ein paar Worten eine Linie zu ziehen von Goethe bis zu Christian Morgenstern über Herman Grimm, so sollte dies nur ein zweifaches Beispiel dafür sein, wie auf der einen Seite in der Menschheitsentwickelung wirklich Veranlassung dazu gegeben ist, daß man in einem tieferen Optimismus an einen Fortgang der Menschheitsentwickelung glauben darf, auf der anderen Seite aber auch dafür, daß geistige Faktoren, geistige Impulse fortwährend in die Menschheitsentwickelung eingreifen. Ich habe versucht, vor ihre Seelen zu führen, wie Goethe am Schlusse seines «Faust» den Aufstieg Fausts in die geistigen Welten darstellen mußte mit alten christlich-katholischen Formen, und ich habe darauf aufmerksam gemacht, wie in dem Dichter Christian Morgenstern jemand zu uns gefunden hat, der den Anfang damit gemacht hat, das geistige Leben, die übersinnlichen Welten, in neue Formen zu prägen, wie es für den Menschen der Gegenwart notwendig ist. Aus manchem der nachgelassenen Gedichte, aus manchen dieser Worte werden Sie wiederum vernommen haben, wie Dichtung sich vereinigen kann, innigst sich vereinigen kann mit dem, was das von uns gemeinte geistige Leben will: daß ein neues Verhältnis gefunden werde zwischen dem Leben des Menschen auf dem physischen Plane und seinem Angeknüpftsein an die geistigen Welten, und wie geistige Faktoren in die Fortentwickelung der Menschheit eingreifen. Ich versuchte es klar zu machen, indem ich auszusprechen wagte, was unter wahren Anthroposophen ausgesprochen werden darf: daß Herman Grimm, der genannt werden darf der akkreditierte Statthalter Goethes in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, gewissermaßen das, was er auf Erden im physischen Leibe nicht finden konnte, nun finden darf im Anblick dessen, was Christian Morgenstern schon jetzt in die geistigen Welten hinaufzutragen in der Lage war. Da sehen wir das Zusammenwirken des Geistigen mit dem physischen Menschheitsfortgang.

[ 16 ] Und suchen wir denn nicht, meine lieben Freunde, mit alle dem, was in unserem Bau sich ausspricht, nach einer neuen Form der alten Schönheit? Denn Schönheit bedeutet noch viel mehr, als was man gewöhnlich mit dieser Idee, mit diesem Begriff verbindet. Man muß nur sich klarmachen, wie mannigfaltig geartet der Menschheitsfortschritt ist, wenn man gewahr werden will, was es zu bedeuten hat, daß in irgendeinem Zeitalter, wie das unsrige eines ist, neue Formen. der Schönheit, neue Formen der ganzen menschlichen Seelenstimmung hervortreten sollen. Es muß dazu kommen, daß aus den Impulsen der Geisteswissenschaft, wie wir sie meinen, etwas sich heraus entwickelt, was einen Fortschritt gegenüber dem Früheren bedeutet, was noch hinausgeht über das, was selbst Goethe im «Faust» wollen konnte. Wir müssen so etwas erhoffen. Konnte doch Goethe, als er die Sehnsucht empfand, sich in Schönheit zu vertiefen, nichts anderes machen, als nach Rom zu gehen, um die griechische Schönheit in der Seele nachzuerleben. Konnte doch im Grunde genommen das ganze 19. Jahrhundert nichts anderes tun, als nach Rom zu gehen, um die griechische Schönheit nachzuerleben. Aber das Zeitalter ist gekommen, wo man nicht bloß nach Rom gehen, nicht bloß in klassische griechische Schönheitsformen sich vertiefen, sondern wo man in geistige Welten hineingehen muß, um aus den geistigen Welten heraus neue Schönheitsformen zu finden. Und Wert muß darauf gelegt werden, daß das verflossene Zeitalter gewissermaßen dürstete nach solchem Herannahen einer Epoche geistigen Erlebens. Mehr als die Gegenwart es ahnt, drückt sich das gerade in einem solchen Geiste aus, wie es Herman Grimm war, dieser Statthalter des Goetheanismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Nicht um über Herman Grimm etwas zu sagen, sondern um an seinem Beispiel zu zeigen, was von dem Geistesleben unserer Gegenwart erwartet wird, möchte ich dieses Glied, Herman Grimm, einfügen in die Entwickelung der Menschheit, wie sie sich vollzogen hat von Goethe bis zu uns herüber, die wir uns betrachten dürfen als wirklich in dem drinnen lebend und strebend, was im Grunde genommen auch Goethe im Innersten seines Herzens, im Innersten seiner Seele wollte. Mannigfaltig und nur tieferer Betrachtung zugänglich ist die Art, wie das Geistesleben in der Evolution der Menschheit fortschreitet.

[ 16 ] Und suchen wir denn nicht, meine lieben Freunde, mit alle dem, was in unserem Bau sich ausspricht, nach einer neuen Form der alten Schönheit? Denn Schönheit bedeutet noch viel mehr, als was man gewöhnlich mit dieser Idee, mit diesem Begriff verbindet. Man muß nur sich klarmachen, wie mannigfaltig geartet der Menschheitsfortschritt ist, wenn man gewahr werden will, was es zu bedeuten hat, daß in irgendeinem Zeitalter, wie das unsrige eines ist, neue Formen. der Schönheit, neue Formen der ganzen menschlichen Seelenstimmung hervortreten sollen. Es muß dazu kommen, daß aus den Impulsen der Geisteswissenschaft, wie wir sie meinen, etwas sich heraus entwickelt, was einen Fortschritt gegenüber dem Früheren bedeutet, was noch hinausgeht über das, was selbst Goethe im «Faust» wollen konnte. Wir müssen so etwas erhoffen. Konnte doch Goethe, als er die Sehnsucht empfand, sich in Schönheit zu vertiefen, nichts anderes machen, als nach Rom zu gehen, um die griechische Schönheit in der Seele nachzuerleben. Konnte doch im Grunde genommen das ganze 19. Jahrhundert nichts anderes tun, als nach Rom zu gehen, um die griechische Schönheit nachzuerleben. Aber das Zeitalter ist gekommen, wo man nicht bloß nach Rom gehen, nicht bloß in klassische griechische Schönheitsformen sich vertiefen, sondern wo man in geistige Welten hineingehen muß, um aus den geistigen Welten heraus neue Schönheitsformen zu finden. Und Wert muß darauf gelegt werden, daß das verflossene Zeitalter gewissermaßen dürstete nach solchem Herannahen einer Epoche geistigen Erlebens. Mehr als die Gegenwart es ahnt, drückt sich das gerade in einem solchen Geiste aus, wie es Herman Grimm war, dieser Statthalter des Goetheanismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Nicht um über Herman Grimm etwas zu sagen, sondern um an seinem Beispiel zu zeigen, was von dem Geistesleben unserer Gegenwart erwartet wird, möchte ich dieses Glied, Herman Grimm, einfügen in die Entwickelung der Menschheit, wie sie sich vollzogen hat von Goethe bis zu uns herüber, die wir uns betrachten dürfen als wirklich in dem drinnen lebend und strebend, was im Grunde genommen auch Goethe im Innersten seines Herzens, im Innersten seiner Seele wollte. Mannigfaltig und nur tieferer Betrachtung zugänglich ist die Art, wie das Geistesleben in der Evolution der Menschheit fortschreitet.

[ 17 ] Sie wissen, ich erwähne Persönliches nur, wenn eine sachliche Veranlassung dazu da ist. Ich muß jetzt manchesmal, wenn ich die Gedanken auf die Evolution der Menschheit lenke, eines schwachen Versuches gedenken, den ich als ganz junger Mensch machte. Es war diese Schrift das zweite, was von mir überhaupt gedruckt worden ist. Ich versuchte dazumal — kindlich selbstverständlich, denn ich war ja erst 23 oder 24 Jahre alt — jenen Fortschritt mir klarzumachen von dem, was Shakespearesche Gestalten sind, zu dem, was der Goethesche Faust ist. Durch Shakespeare ist etwas geschaffen worden, was gerade in seinem Zeitalter geschaffen werden mußte, in dem Menschen nur dargestellt werden konnten als Menschentypen, in einer solchen Art und Weise, daß die Art, wie sie dargestellt sind, unmittelbar eine Entfaltung ihrer inneren Seelenkräfte zeigt. Der Fortschritt im Goetheschen «Faust» liegt darin, daß Goethe nicht die einzelnen Gestalten als einzelne Typen hingestellt hat — wie Hamlet, Lear, Macbeth und so weiter bei Shakespeare —, sondern den Faust als den Menschen unseres Zeitalters. Faust kann man nur einmal in eine Dichtung hineinstellen; das, was Shakespeare zu geben hatte, konnte in vielen Menschentypen vor die Menschen hingestellt werden. Man muß so die Vielfältigkeit des menschlichen Geisteslebens in der Evolution ins Auge fassen, daß in jedem Zeitalter gerade das geschehen muß, was als das Charakteristische dieses Zeitalters sich ausspricht.

[ 17 ] Sie wissen, ich erwähne Persönliches nur, wenn eine sachliche Veranlassung dazu da ist. Ich muß jetzt manchesmal, wenn ich die Gedanken auf die Evolution der Menschheit lenke, eines schwachen Versuches gedenken, den ich als ganz junger Mensch machte. Es war diese Schrift das zweite, was von mir überhaupt gedruckt worden ist. Ich versuchte dazumal — kindlich selbstverständlich, denn ich war ja erst 23 oder 24 Jahre alt — jenen Fortschritt mir klarzumachen von dem, was Shakespearesche Gestalten sind, zu dem, was der Goethesche Faust ist. Durch Shakespeare ist etwas geschaffen worden, was gerade in seinem Zeitalter geschaffen werden mußte, in dem Menschen nur dargestellt werden konnten als Menschentypen, in einer solchen Art und Weise, daß die Art, wie sie dargestellt sind, unmittelbar eine Entfaltung ihrer inneren Seelenkräfte zeigt. Der Fortschritt im Goetheschen «Faust» liegt darin, daß Goethe nicht die einzelnen Gestalten als einzelne Typen hingestellt hat — wie Hamlet, Lear, Macbeth und so weiter bei Shakespeare —, sondern den Faust als den Menschen unseres Zeitalters. Faust kann man nur einmal in eine Dichtung hineinstellen; das, was Shakespeare zu geben hatte, konnte in vielen Menschentypen vor die Menschen hingestellt werden. Man muß so die Vielfältigkeit des menschlichen Geisteslebens in der Evolution ins Auge fassen, daß in jedem Zeitalter gerade das geschehen muß, was als das Charakteristische dieses Zeitalters sich ausspricht.

[ 18 ] Und wenn wir heute suchen, so recht eine Seelenstimmung, so recht ein tiefes Gefühl zu finden vom Angegliedertsein der Menschenseele an die höheren Hierarchien, so ist das wirklich — so wie es uns in der Geisteswissenschaft entgegentritt — in einem gewissen Sinne die Erfüllung von Erwartungen, von Erwartungen, die so da waren in der Menschheitsentwickelung, daß man sagen kann: Gerade solche repräsentative Geister wie Herman Grimm drückten in ihrer Art tiefste Sehnsucht aus nach etwas, worauf sie warteten, und was so gegeben werden muß, wie wir heute schildern die höheren Hierarchien und ihr Verhältnis zum Menschen. Sehen Sie, am tiefsten, so recht am seelenhaftesten, man möchte sagen am seelenkernkräftigsten konnte das ein Geist wie Herman Grimm ausdrücken. Und gerade an ihm zeigt sich immer wiederum, wo wir seine Bücher auch aufschlagen, wie mit seiner Persönlichkeit die Erwartung der Geisteswissenschaft verbunden ist, die von ihm aber, als sie ihm flüchtig entgegentrat, nicht verstanden werden konnte. Es mußte eben erst so etwas eintreten, wie es nach Christian Morgensterns Tod da war.

[ 18 ] Und wenn wir heute suchen, so recht eine Seelenstimmung, so recht ein tiefes Gefühl zu finden vom Angegliedertsein der Menschenseele an die höheren Hierarchien, so ist das wirklich — so wie es uns in der Geisteswissenschaft entgegentritt — in einem gewissen Sinne die Erfüllung von Erwartungen, von Erwartungen, die so da waren in der Menschheitsentwickelung, daß man sagen kann: Gerade solche repräsentative Geister wie Herman Grimm drückten in ihrer Art tiefste Sehnsucht aus nach etwas, worauf sie warteten, und was so gegeben werden muß, wie wir heute schildern die höheren Hierarchien und ihr Verhältnis zum Menschen. Sehen Sie, am tiefsten, so recht am seelenhaftesten, man möchte sagen am seelenkernkräftigsten konnte das ein Geist wie Herman Grimm ausdrücken. Und gerade an ihm zeigt sich immer wiederum, wo wir seine Bücher auch aufschlagen, wie mit seiner Persönlichkeit die Erwartung der Geisteswissenschaft verbunden ist, die von ihm aber, als sie ihm flüchtig entgegentrat, nicht verstanden werden konnte. Es mußte eben erst so etwas eintreten, wie es nach Christian Morgensterns Tod da war.

[ 19 ] Ich traf einmal mit Herman Grimm anläßlich seines Besuches im Goethe-Schiller-Archiv in Weimar zusammen. Da sprach er davon, wie er sich die Evolution der Menschheit vorstellte, daß ihm Geschichte nicht eine Aufzählung dessen sei, was gewöhnlich als Geschichte aufgezeichnet ist; ihm sei Geschichte eine Evolution geistiger Kräfte. Aber er konnte sich nur dazu erheben, sie eine Geschichte der Phantasiearbeit der Menschen zu nennen. Daß es Imaginationen in der Menschheitsentwickelung gibt, die unbewußt in die Menschheit einfließen und sich umsetzen in menschliche Tätigkeit, daß es Inspirationen und Intuitionen in der Geschichte gibt, das konnte ihm nicht aufgehen. «Phantasiearbeit der Völker» war ihm das. Er konnte nicht dazu kommen, das rein Äußerliche, Tatsächliche der Maja, das er «Phantasiearbeit der Völker» nannte, abzulösen durch dasjenige, was sich im menschlichen Geiste darbieten muß, wenn er den Aufstieg aus der physischen Welt in die geistige finden will. Man wird wirklich erst später verstehen, was es für das 19. Jahrhundert bedeutete, wenn Herman Grimm sagte: Was kann uns das, wie die Geschichte Julius Cäsar wiedergegeben hat, besonders interessieren? Julius Cäsar — meint Herman Grimm — interessiert mich viel mehr, wie er von Shakespeare dargestellt ist. Das ist wahrer, historischer als alles, was in der Geschichtsschreibung dargestellt ist. — Immer wieder verwies er darauf, wie gern er Tacitus liest, aus dem Grunde, weil dieser ein Mensch war, der aus der Seele heraus lebendig zu machen und ins Geistige zu verwandeln wußte, was er zu schildern hatte. Aus solchen Vorstellungen heraus entstand dann ein so wunderbarer Gedanke wie der, den Herman Grimm in den neunziger Jahren niedergeschrieben hat, und der in seinem Homer-Buche steht, ein Gedanke, der wirklich so recht wie eine Erwartung dessen dasteht, was als Kunde von den Hierarchien kommen soll: «Die Menschen als Totalität anerkennen sich als einem wie in den Wolken thronenden unsichtbaren Gerichtshofe unterworfen, vor dem nicht bestehen zu dürfen, sie als ein Unglück erachten, und dessen gerichtlichem Verfahren sie ihre inneren Zwistigkeiten anzupassen suchen.»

[ 19 ] Ich traf einmal mit Herman Grimm anläßlich seines Besuches im Goethe-Schiller-Archiv in Weimar zusammen. Da sprach er davon, wie er sich die Evolution der Menschheit vorstellte, daß ihm Geschichte nicht eine Aufzählung dessen sei, was gewöhnlich als Geschichte aufgezeichnet ist; ihm sei Geschichte eine Evolution geistiger Kräfte. Aber er konnte sich nur dazu erheben, sie eine Geschichte der Phantasiearbeit der Menschen zu nennen. Daß es Imaginationen in der Menschheitsentwickelung gibt, die unbewußt in die Menschheit einfließen und sich umsetzen in menschliche Tätigkeit, daß es Inspirationen und Intuitionen in der Geschichte gibt, das konnte ihm nicht aufgehen. «Phantasiearbeit der Völker» war ihm das. Er konnte nicht dazu kommen, das rein Äußerliche, Tatsächliche der Maja, das er «Phantasiearbeit der Völker» nannte, abzulösen durch dasjenige, was sich im menschlichen Geiste darbieten muß, wenn er den Aufstieg aus der physischen Welt in die geistige finden will. Man wird wirklich erst später verstehen, was es für das 19. Jahrhundert bedeutete, wenn Herman Grimm sagte: Was kann uns das, wie die Geschichte Julius Cäsar wiedergegeben hat, besonders interessieren? Julius Cäsar — meint Herman Grimm — interessiert mich viel mehr, wie er von Shakespeare dargestellt ist. Das ist wahrer, historischer als alles, was in der Geschichtsschreibung dargestellt ist. — Immer wieder verwies er darauf, wie gern er Tacitus liest, aus dem Grunde, weil dieser ein Mensch war, der aus der Seele heraus lebendig zu machen und ins Geistige zu verwandeln wußte, was er zu schildern hatte. Aus solchen Vorstellungen heraus entstand dann ein so wunderbarer Gedanke wie der, den Herman Grimm in den neunziger Jahren niedergeschrieben hat, und der in seinem Homer-Buche steht, ein Gedanke, der wirklich so recht wie eine Erwartung dessen dasteht, was als Kunde von den Hierarchien kommen soll: «Die Menschen als Totalität anerkennen sich als einem wie in den Wolken thronenden unsichtbaren Gerichtshofe unterworfen, vor dem nicht bestehen zu dürfen, sie als ein Unglück erachten, und dessen gerichtlichem Verfahren sie ihre inneren Zwistigkeiten anzupassen suchen.»

[ 20 ] Ein wunderbares Bild von dem in den Wolken thronenden Gerichtshofe, unter dem sich die Völker wissen! Lebt darin nicht alle Sehnsucht nach den Hierarchien, nach Erkenntnis dessen, was die Hierarchien für die Menschheit sind?

[ 20 ] Ein wunderbares Bild von dem in den Wolken thronenden Gerichtshofe, unter dem sich die Völker wissen! Lebt darin nicht alle Sehnsucht nach den Hierarchien, nach Erkenntnis dessen, was die Hierarchien für die Menschheit sind?

[ 21 ] So waren in der neueren Geistesentwickelung Geister heraufgekommen, welche in ihrer geschichtlichen Auffassung so etwas hatten wie eine Art Verwandlungsfähigkeit, so daß auch hier solche Geister wie vor der Pforte desjenigen stehen, was Geisteswissenschaft will. Eine richtige Vorstellung davon, daß wirklich etwas zur Weltentwickelung hinzugekommen ist dadurch, daß Herman Grimm, so wie er es tat, gesprochen hat über Michelangelo, über Raffael, über Tacitus, Shakespeare, Voltaire und über Homer, wird die Menschheit erst durch die Geisteswissenschaft lernen, und diesen Gedanken an die wesenhafte Entwickelung in der Welt auch im Herzen empfinden. Und wenn Sie sich erinnern, was Herman Grimm über den Christus gesagt hat, so haben Sie da wieder etwas wie eine Erwartung dessen, was Geisteswissenschaft über den Christus sagt. So haben Sie wieder eine Probe davon, worauf es mir wirklich sehr ankommt, wenn wir das Hereintreten der Geisteswissenschaft ins heutige Leben ins Auge fassen: darzustellen, wie Geisteswissenschaft kommt als Erfüllung von vielem, was erwartet worden ist. 1895 erschien das Buch, worin von dem «in den Wolken thronenden Gerichtshofe» gesprochen wird. Da fühlt man sich wirklich in innigem Anschluß an das, was da war, wenn man dann von einer Stufenfolge der Hierarchien sprechen darf; da ist das Bild ins Geistige übersetzt, das die innere Wahrheit der Sache wiedergibt.

[ 21 ] So waren in der neueren Geistesentwickelung Geister heraufgekommen, welche in ihrer geschichtlichen Auffassung so etwas hatten wie eine Art Verwandlungsfähigkeit, so daß auch hier solche Geister wie vor der Pforte desjenigen stehen, was Geisteswissenschaft will. Eine richtige Vorstellung davon, daß wirklich etwas zur Weltentwickelung hinzugekommen ist dadurch, daß Herman Grimm, so wie er es tat, gesprochen hat über Michelangelo, über Raffael, über Tacitus, Shakespeare, Voltaire und über Homer, wird die Menschheit erst durch die Geisteswissenschaft lernen, und diesen Gedanken an die wesenhafte Entwickelung in der Welt auch im Herzen empfinden. Und wenn Sie sich erinnern, was Herman Grimm über den Christus gesagt hat, so haben Sie da wieder etwas wie eine Erwartung dessen, was Geisteswissenschaft über den Christus sagt. So haben Sie wieder eine Probe davon, worauf es mir wirklich sehr ankommt, wenn wir das Hereintreten der Geisteswissenschaft ins heutige Leben ins Auge fassen: darzustellen, wie Geisteswissenschaft kommt als Erfüllung von vielem, was erwartet worden ist. 1895 erschien das Buch, worin von dem «in den Wolken thronenden Gerichtshofe» gesprochen wird. Da fühlt man sich wirklich in innigem Anschluß an das, was da war, wenn man dann von einer Stufenfolge der Hierarchien sprechen darf; da ist das Bild ins Geistige übersetzt, das die innere Wahrheit der Sache wiedergibt.

[ 22 ] Und selbst von dieser inneren Verwandlungsfähigkeit zeigten sich schon die Ansätze. Denn so wie Herman Grimm zum Beispiel gesprochen hat über Michelangelo, Raffael, über Homer, Tacitus, Shakespeare, über Voltaire gerade in der Zeit des deutsch-französisischen Krieges im Jahre 1870, die Art und Weise, wie er in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts lebendig zu machen gewußt hat die Schriften Emersons, zeigt uns etwas von der Verwandlungsfähigkeit, zu der der ernste Teil der Menschheit hinstrebt, und die nun ihre Erfüllung in der Geisteswissenschaft finden kann. Und Geisteswissenschaft muß eben gerade das geben, was für jeden Menschen das Allerpersönlichste werden kann, so daß das menschliche Fühlen das weiteste wird, das allerweiteste, aber dafür auch das allerintensivste.

[ 22 ] Und selbst von dieser inneren Verwandlungsfähigkeit zeigten sich schon die Ansätze. Denn so wie Herman Grimm zum Beispiel gesprochen hat über Michelangelo, Raffael, über Homer, Tacitus, Shakespeare, über Voltaire gerade in der Zeit des deutsch-französisischen Krieges im Jahre 1870, die Art und Weise, wie er in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts lebendig zu machen gewußt hat die Schriften Emersons, zeigt uns etwas von der Verwandlungsfähigkeit, zu der der ernste Teil der Menschheit hinstrebt, und die nun ihre Erfüllung in der Geisteswissenschaft finden kann. Und Geisteswissenschaft muß eben gerade das geben, was für jeden Menschen das Allerpersönlichste werden kann, so daß das menschliche Fühlen das weiteste wird, das allerweiteste, aber dafür auch das allerintensivste.

[ 23 ] Man möchte wirklich sagen: Gerade an einem solchen repräsentativen Geiste wie Herman Grimm — mit dem ich immer mehr und mehr unseres Freundes Christian Morgensterns Wirken für die geistige Welt in Zusammenhang bringen zu können glaube — zeigt sich das Hinstreben nach dem Spirituellen, und es ist wichtig, an diesen Tatsachen nicht vorüberzugehen. Ein vierjähriges Kind war Herman Grimm, als Goethe starb, dreiundsiebzigjährig ist er am 16. Juni 1901 in Berlin gestorben. Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hat er so mitgelebt, daß er gleichsam in seiner Persönlichkeit vereint sich zeigen mußte mit alle dem, was an Impulsen der Schönheit von Goethe in die Menschheit ausgeflossen ist.

[ 23 ] Man möchte wirklich sagen: Gerade an einem solchen repräsentativen Geiste wie Herman Grimm — mit dem ich immer mehr und mehr unseres Freundes Christian Morgensterns Wirken für die geistige Welt in Zusammenhang bringen zu können glaube — zeigt sich das Hinstreben nach dem Spirituellen, und es ist wichtig, an diesen Tatsachen nicht vorüberzugehen. Ein vierjähriges Kind war Herman Grimm, als Goethe starb, dreiundsiebzigjährig ist er am 16. Juni 1901 in Berlin gestorben. Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hat er so mitgelebt, daß er gleichsam in seiner Persönlichkeit vereint sich zeigen mußte mit alle dem, was an Impulsen der Schönheit von Goethe in die Menschheit ausgeflossen ist.

[ 24 ] In wunderbarer Weise sieht man gerade in Herman Grimm diese Tendenz der Menschheit nach dem Geistigen hin, dieses Herausbilden eines Organs für das Verständnis des Geistigen. Und ich muß immer wieder und wiederum, gerade wenn ich den Kulturwert unserer Eurythmie bedenke — ja, vielleicht darf ich so sagen —, an den äußeren Gestus im Leben Herman Grimms denken. Ich muß immer wieder schauen, wie bei Herman Grimm im äußeren Gestus alles eins war, und nicht jene Disharmonie vorhanden war, die ja insbesondere innerhalb des materialistischen Lebens auftritt, wo man so gar nicht sieht, wo das Geistige in das Körperliche übergeht. Es ist um aus der Haut zu fahren, wenn man all die modernen Sportgeschichten wie zum Beispiel Fußball und so weiter sieht, wie sie den Menschen mechanisieren und ihm nichts von dem einfügen, was in ihm geistig ist, so sehr man sich das auch einbildet. Alles, was man da anstrebt, ist ja ein Hohn auf das Geistige, so gut es auch gemeint ist. Demgegenüber erscheint eine Gestalt wie Herman Grimm, bei dem alles Äußere im Einklang ist mit dem Seelischen, als etwas Einheitliches: die Art, wie er gegangen ist, selbst, daß er immer einen Zylinder trug, gehört zum Ganzen seiner Persönlichkeit, die Art, wie er die Hände bewegt hat, die Art, wie er gesprochen hat, die Art, wie er sich in Bozen aufgehalten hat, wenn er an seinem HomerBuche schrieb, wie er an dem Homer-Buche nur schreiben konnte, wenn er in Bozen den Frühling erwartete. Es stimmt alles so schön zusammen; wie er am Homer-Buche schreibt, wie er bei abnehmendem Tage hinausgeht und in Bozen in den Anlagen die wunderbare Statue Walthers von der Vogelweide anschaut, wie er sie bis in den Gestus hinein zu schildern weiß, wie er zu schildern weiß den wunderbaren Marmor, der aus den Steinbrüchen in der Nähe von Bozen kommt, und wie er anzugliedern weiß alles, was er schafft, alles, was er tut, an das Geistesleben, in dem er drinnensteht.

[ 24 ] In wunderbarer Weise sieht man gerade in Herman Grimm diese Tendenz der Menschheit nach dem Geistigen hin, dieses Herausbilden eines Organs für das Verständnis des Geistigen. Und ich muß immer wieder und wiederum, gerade wenn ich den Kulturwert unserer Eurythmie bedenke — ja, vielleicht darf ich so sagen —, an den äußeren Gestus im Leben Herman Grimms denken. Ich muß immer wieder schauen, wie bei Herman Grimm im äußeren Gestus alles eins war, und nicht jene Disharmonie vorhanden war, die ja insbesondere innerhalb des materialistischen Lebens auftritt, wo man so gar nicht sieht, wo das Geistige in das Körperliche übergeht. Es ist um aus der Haut zu fahren, wenn man all die modernen Sportgeschichten wie zum Beispiel Fußball und so weiter sieht, wie sie den Menschen mechanisieren und ihm nichts von dem einfügen, was in ihm geistig ist, so sehr man sich das auch einbildet. Alles, was man da anstrebt, ist ja ein Hohn auf das Geistige, so gut es auch gemeint ist. Demgegenüber erscheint eine Gestalt wie Herman Grimm, bei dem alles Äußere im Einklang ist mit dem Seelischen, als etwas Einheitliches: die Art, wie er gegangen ist, selbst, daß er immer einen Zylinder trug, gehört zum Ganzen seiner Persönlichkeit, die Art, wie er die Hände bewegt hat, die Art, wie er gesprochen hat, die Art, wie er sich in Bozen aufgehalten hat, wenn er an seinem HomerBuche schrieb, wie er an dem Homer-Buche nur schreiben konnte, wenn er in Bozen den Frühling erwartete. Es stimmt alles so schön zusammen; wie er am Homer-Buche schreibt, wie er bei abnehmendem Tage hinausgeht und in Bozen in den Anlagen die wunderbare Statue Walthers von der Vogelweide anschaut, wie er sie bis in den Gestus hinein zu schildern weiß, wie er zu schildern weiß den wunderbaren Marmor, der aus den Steinbrüchen in der Nähe von Bozen kommt, und wie er anzugliedern weiß alles, was er schafft, alles, was er tut, an das Geistesleben, in dem er drinnensteht.

[ 25 ] Manches getraue ich mich selbst zu beurteilen, da ich selbst eine Zeitlang nahe war einer Arbeitsstätte deutschen Geisteslebens. Ich war von 1889 bis 1897 in Weimar an der Goetheschen Arbeitsstätte, mit der auch Herman Grimm verbunden war. Gerade da konnte man empfinden, wie Goethe der König des Geisteslebens war und Herman Grimm sein von den geistigen Mächten akkreditierter Statthalter. Man konnte empfinden bei Herman Grimm, wie er alles, was da anknüpfte an Goethe, in eine geistige Harmonie von Gesten einzufassen versuchte. Es war sein Bestreben, Goethe geistig zu nehmen. Es war gewissermaßen sein Bestreben, den verstorbenen, aber in seinen Impulsen fortlebenden Goethe anzuerkennen als webend und lebend in dem Geistesleben, in dem man sich selber drinnen fühlte. Es war der Anfang dessen, wie wir heute fühlen, daß die Verstorbenen mit uns innig verbunden sind, und daß sie gleichsam nur in anderer Form mit uns leben, als bevor sie durch die Pforte des Todes geschritten sind. Es bestand das Bestreben, alle einzelnen Phasen, alle einzelnen Momente des Lebens zu einem Gestus zusammenzufassen, mit einem geistigen Gestus.

[ 25 ] Manches getraue ich mich selbst zu beurteilen, da ich selbst eine Zeitlang nahe war einer Arbeitsstätte deutschen Geisteslebens. Ich war von 1889 bis 1897 in Weimar an der Goetheschen Arbeitsstätte, mit der auch Herman Grimm verbunden war. Gerade da konnte man empfinden, wie Goethe der König des Geisteslebens war und Herman Grimm sein von den geistigen Mächten akkreditierter Statthalter. Man konnte empfinden bei Herman Grimm, wie er alles, was da anknüpfte an Goethe, in eine geistige Harmonie von Gesten einzufassen versuchte. Es war sein Bestreben, Goethe geistig zu nehmen. Es war gewissermaßen sein Bestreben, den verstorbenen, aber in seinen Impulsen fortlebenden Goethe anzuerkennen als webend und lebend in dem Geistesleben, in dem man sich selber drinnen fühlte. Es war der Anfang dessen, wie wir heute fühlen, daß die Verstorbenen mit uns innig verbunden sind, und daß sie gleichsam nur in anderer Form mit uns leben, als bevor sie durch die Pforte des Todes geschritten sind. Es bestand das Bestreben, alle einzelnen Phasen, alle einzelnen Momente des Lebens zu einem Gestus zusammenzufassen, mit einem geistigen Gestus.

[ 26 ] Ich glaube ganz sicher, meine lieben Freunde, daß vielleicht manches mich schon damals geführt hätte auf dasjenige, was in der Geisteswissenschaft zu leisten ist, aber nicht auf das, was unsere Eurythmie darbietet, wenn ich nicht damals gerade diesem Geistesleben so nahegestanden hätte, wenn ich nicht mit angesehen hätte, daß — in der Art, wie es damals sein konnte — das Bestreben bestand, etwas herbeizurufen, was geistig ist und sich in der Außenwelt zugleich wirklich auslebt, in der Außenwelt wirklich da ist. Natürlich ist alles das ein großer karmischer Zusammenhang, kein Zufall. Es ist etwas wie eine innere Eurythmie in der Art, wie Herman Grimm das Leben hat nehmen wollen: so wie er die wunderbare Verwandlungsfähigkeit hatte, um als ganz junger Mensch Emerson so in die deutsche Kultur hereinzunehmen, wie er in kein anderes Land hereingenommen worden ist, wie er darauf aufmerksam machte, daß Emerson mehr gelesen werden sollte, weil er die beste Seite des Amerikanismus darstellte, wie er Voltaire, wie er Michelangelo, wie er Raffael auferstehen ließ, und auch Goethe, über den er seine wunderbaren Vorlesungen hielt im Beginne der siebziger Jahre an der Berliner Universität. Den Gelehrten war manches nicht recht an diesen Vorlesungen. Aber in jedem Gedanken, in jedem Wort, in jedem Satz dieser Vorlesungen lebt Goethe; da ist er wieder darinnen, ist mit seinem eigenen Geiste darinnen. Und dem Leben rings umher wollte wirklich Herman Grimm mit seinem Buche «Goethe» etwas geben. Es war ein einzigartiges Ereignis, daß Goethe, der physisch seit 1832 tot war, der fast vergessen war, gerade durch Herman Grimm in den siebziger Jahren wieder auflebte.

[ 26 ] Ich glaube ganz sicher, meine lieben Freunde, daß vielleicht manches mich schon damals geführt hätte auf dasjenige, was in der Geisteswissenschaft zu leisten ist, aber nicht auf das, was unsere Eurythmie darbietet, wenn ich nicht damals gerade diesem Geistesleben so nahegestanden hätte, wenn ich nicht mit angesehen hätte, daß — in der Art, wie es damals sein konnte — das Bestreben bestand, etwas herbeizurufen, was geistig ist und sich in der Außenwelt zugleich wirklich auslebt, in der Außenwelt wirklich da ist. Natürlich ist alles das ein großer karmischer Zusammenhang, kein Zufall. Es ist etwas wie eine innere Eurythmie in der Art, wie Herman Grimm das Leben hat nehmen wollen: so wie er die wunderbare Verwandlungsfähigkeit hatte, um als ganz junger Mensch Emerson so in die deutsche Kultur hereinzunehmen, wie er in kein anderes Land hereingenommen worden ist, wie er darauf aufmerksam machte, daß Emerson mehr gelesen werden sollte, weil er die beste Seite des Amerikanismus darstellte, wie er Voltaire, wie er Michelangelo, wie er Raffael auferstehen ließ, und auch Goethe, über den er seine wunderbaren Vorlesungen hielt im Beginne der siebziger Jahre an der Berliner Universität. Den Gelehrten war manches nicht recht an diesen Vorlesungen. Aber in jedem Gedanken, in jedem Wort, in jedem Satz dieser Vorlesungen lebt Goethe; da ist er wieder darinnen, ist mit seinem eigenen Geiste darinnen. Und dem Leben rings umher wollte wirklich Herman Grimm mit seinem Buche «Goethe» etwas geben. Es war ein einzigartiges Ereignis, daß Goethe, der physisch seit 1832 tot war, der fast vergessen war, gerade durch Herman Grimm in den siebziger Jahren wieder auflebte.

[ 27 ] Aber nun, weil ich von dem einheitlichen Gestus sprach, möchte ich doch darauf hinweisen, wie Herman Grimm immer bestrebt war, alle Dinge in einem großen Zusammenhang zu sehen, wie er in dieser Beziehung wirklich einmal Lehrmeister zu werden vermag für alle diejenigen, die den Übergang suchen vom Geistesleben des 19. Jahrhunderts zum Geistesleben der Anthroposophie. Goethe ist etwas für die Menschheit Universelles; Herman Grimm macht aufmerksam in den «Beiträgen zur Culturgeschichte», wie Goethe gleich irdisch universell wurde, nachdem er durch die Pforte des Todes in die geistige Welt eingetreten war. Eine schöne Stelle aus einer Vorlesung Carlyles aus dem Jahre 1838 zitiert Herman Grimm: «Wenn ein Mann wie Goethe in einer Epoche auftritt, welche Epoche es auch sei: seine Erscheinung ist das Größte, was in ihrem Verlauf sich ereignen kann. Er ist die Mitte. Von ihm geht aller geistige Einfluß aus. Bei ihm muß es heißen wie bei Shakespeare: Keiner war da wie er, bevor er kam. Er war nicht wie Shakespeare, aber dieselbe Klarheit, derselbe Geist der Duldung, dieselbe Tiefe menschlichen Wesens walteten in Beiden.»

[ 27 ] Aber nun, weil ich von dem einheitlichen Gestus sprach, möchte ich doch darauf hinweisen, wie Herman Grimm immer bestrebt war, alle Dinge in einem großen Zusammenhang zu sehen, wie er in dieser Beziehung wirklich einmal Lehrmeister zu werden vermag für alle diejenigen, die den Übergang suchen vom Geistesleben des 19. Jahrhunderts zum Geistesleben der Anthroposophie. Goethe ist etwas für die Menschheit Universelles; Herman Grimm macht aufmerksam in den «Beiträgen zur Culturgeschichte», wie Goethe gleich irdisch universell wurde, nachdem er durch die Pforte des Todes in die geistige Welt eingetreten war. Eine schöne Stelle aus einer Vorlesung Carlyles aus dem Jahre 1838 zitiert Herman Grimm: «Wenn ein Mann wie Goethe in einer Epoche auftritt, welche Epoche es auch sei: seine Erscheinung ist das Größte, was in ihrem Verlauf sich ereignen kann. Er ist die Mitte. Von ihm geht aller geistige Einfluß aus. Bei ihm muß es heißen wie bei Shakespeare: Keiner war da wie er, bevor er kam. Er war nicht wie Shakespeare, aber dieselbe Klarheit, derselbe Geist der Duldung, dieselbe Tiefe menschlichen Wesens walteten in Beiden.»

[ 28 ] Es wird mit einem solchen Wort zugleich auf das Universelle hingewiesen, auf das, was einschneidet in alle menschlichen Verhältnisse, was uns den Dichter, was uns den Geisteshelden nicht so erscheinen läßt, daß er nur in den Wolken thront, sondern so, daß er wirklich eingreift in die geistigen Verhältnisse. So war im ganzen Bewußtsein Herman Grimms über Goethe etwas gegeben, was wirklich geeignet war, Goethes Geist so universell zu nehmen, daß Goethe ihm erscheinen konnte wie der geistige Kaiser, der Kaiser des Geisteslebens. Und in anderer Weise, meine lieben Freunde, als man das sonst in der Welt gewohnt ist, spricht sich aus bei so jemandem wie Herman Grimm die freie Persönlichkeit, das ganze freie Walten der Persönlichkeit, die Selbstsicherheit. Man darf wirklich sagen: In Herman Grimm lebt etwas, was ihn die äußeren Verhältnisse nehmen ließ, wie sie zu nehmen sind, auf der anderen Seite ihn aber immer fußen ließ auf dem, was er als sein Geistesleben in sich hatte; und alle weltlichen Verhältnisse beurteilte er nach der Sicherheit dieses Geisteslebens.

[ 28 ] Es wird mit einem solchen Wort zugleich auf das Universelle hingewiesen, auf das, was einschneidet in alle menschlichen Verhältnisse, was uns den Dichter, was uns den Geisteshelden nicht so erscheinen läßt, daß er nur in den Wolken thront, sondern so, daß er wirklich eingreift in die geistigen Verhältnisse. So war im ganzen Bewußtsein Herman Grimms über Goethe etwas gegeben, was wirklich geeignet war, Goethes Geist so universell zu nehmen, daß Goethe ihm erscheinen konnte wie der geistige Kaiser, der Kaiser des Geisteslebens. Und in anderer Weise, meine lieben Freunde, als man das sonst in der Welt gewohnt ist, spricht sich aus bei so jemandem wie Herman Grimm die freie Persönlichkeit, das ganze freie Walten der Persönlichkeit, die Selbstsicherheit. Man darf wirklich sagen: In Herman Grimm lebt etwas, was ihn die äußeren Verhältnisse nehmen ließ, wie sie zu nehmen sind, auf der anderen Seite ihn aber immer fußen ließ auf dem, was er als sein Geistesleben in sich hatte; und alle weltlichen Verhältnisse beurteilte er nach der Sicherheit dieses Geisteslebens.

[ 29 ] So tritt der Moment auf, wo, man möchte sagen, in seiner vornehm stillen Art Herman Grimm dazu kommen konnte, einen höchsten Moment darin zu erblicken, wenn ein Monarch der äußeren Welt huldigt dem geistigen Kaiser. Das ist auch ein Gestus dieser Welt, von unsagbarer Bedeutung. Ich weiß, daß viele sich daran gestoßen haben, aber man muß die Dinge in ihrem tieferen Zusammenhang nehmen. Viele haben sich daran gestoßen, daß Herman Grimm ein Faktum erwähnt, das ihm passiert ist am Christabend 1876. Aber dieses Faktum ist deshalb bezeichnend, weil es an einen Punkt führt, wo in der neueren Zeit ein Mensch dasteht, der es als natürlich empfindet, wenn ein Monarch der äußeren Welt huldigt dem geistigen Kaiser. So erscheint es mir als ungeheuer charakteristisch für das neuere Geistesleben, wenn Herman Grimm in seinen «Beiträgen zur Deutschen Culturgeschichte» erzählt, wie am Christabend 1876 bei ihm folgender Brief des deutschen Kaisers Wilhelm 1. abgegeben wurde:

[ 29 ] So tritt der Moment auf, wo, man möchte sagen, in seiner vornehm stillen Art Herman Grimm dazu kommen konnte, einen höchsten Moment darin zu erblicken, wenn ein Monarch der äußeren Welt huldigt dem geistigen Kaiser. Das ist auch ein Gestus dieser Welt, von unsagbarer Bedeutung. Ich weiß, daß viele sich daran gestoßen haben, aber man muß die Dinge in ihrem tieferen Zusammenhang nehmen. Viele haben sich daran gestoßen, daß Herman Grimm ein Faktum erwähnt, das ihm passiert ist am Christabend 1876. Aber dieses Faktum ist deshalb bezeichnend, weil es an einen Punkt führt, wo in der neueren Zeit ein Mensch dasteht, der es als natürlich empfindet, wenn ein Monarch der äußeren Welt huldigt dem geistigen Kaiser. So erscheint es mir als ungeheuer charakteristisch für das neuere Geistesleben, wenn Herman Grimm in seinen «Beiträgen zur Deutschen Culturgeschichte» erzählt, wie am Christabend 1876 bei ihm folgender Brief des deutschen Kaisers Wilhelm 1. abgegeben wurde:

«Die Durchsicht Ihres Buches «Goethe», von welchem Sie Mir unter dem 20. vorigen Monats ein Exemplar vorgelegt haben, hat Mir sehr angenehme Eindrücke gewährt. Es ist Ihnen gelungen, dem lichtvollen Bilde des großen Dichters noch manchen lebenswarmen Zug feinfühlig einzufügen und für das Verständnis der Beziehungen zwischen den äußeren Vorgängen seines Lebens und seinen Werken neue Gesichtspunkte zu gewinnen. Indem Ich Mich überzeugt halte, daß die unmittelbar vor dem Weihnachtsfeste den Verehrern des Dichters gespendete sinnige Gabe als eine wertvolle Bereicherung der Goethe-Literatur anerkannt werden wird, danke Ich Ihnen freundlichst für den Genuß, welchen Ich persönlich aus dem Buche geschöpft habe.

Berlin, den 24. Dezember 1876.
Wilhelm.»

«Die Durchsicht Ihres Buches «Goethe», von welchem Sie Mir unter dem 20. vorigen Monats ein Exemplar vorgelegt haben, hat Mir sehr angenehme Eindrücke gewährt. Es ist Ihnen gelungen, dem lichtvollen Bilde des großen Dichters noch manchen lebenswarmen Zug feinfühlig einzufügen und für das Verständnis der Beziehungen zwischen den äußeren Vorgängen seines Lebens und seinen Werken neue Gesichtspunkte zu gewinnen. Indem Ich Mich überzeugt halte, daß die unmittelbar vor dem Weihnachtsfeste den Verehrern des Dichters gespendete sinnige Gabe als eine wertvolle Bereicherung der Goethe-Literatur anerkannt werden wird, danke Ich Ihnen freundlichst für den Genuß, welchen Ich persönlich aus dem Buche geschöpft habe.

Berlin, den 24. Dezember 1876.
Wilhelm.»

[ 30 ] Schöne Worte sagt Herman Grimm im Anschluß an den Empfang dieses Briefes; denn es freute sich ein Geist wie Herman Grimm über die Beziehung zwischen dem geistigen und dem weltlichen Leben. Und in diesem Lichte sah er auch Goethe und seine Zeit, suchte er sich hinaufzuranken zu dem, was vielen Menschen entgeht. Und so konnte es denn kommen, daß Herman Grimm, anschließend an diesen Brief, eine schöne, eine merkwürdige Schilderung gab des Zusammenfließens des geistigen Lebens mit dem Leben der äußeren Welt des 19. Jahrhunderts. Er sagt: «Von Weimar aus» — denn Weimar war für Herman Grimm die erste Hauptstadt des deutschen Geisteslebens; ich weiß es und freute mich oft darüber — «Von Weimar aus waren die Grundlinien der geistigen Fortentwickelung Deutschlands so fest gezogen worden, daß Goethes Anschauungen der natürliche Maßstab blieben. Und als im Drange der nationalen politischen Bedürfnisse Shakespeare neben ihm neu emporstieg, war dieser wie eine nur angehängte Provinz des Goetheschen Reiches. Denn Schlegel hatte Shakespeare in Goethes Deutsch in Goethes Auftrage gleichsam übertragen, und Goethe und Shakespeare vereinigten sich wie zu einer gemeinsam wirkenden Macht» etc. etc.

[ 30 ] Schöne Worte sagt Herman Grimm im Anschluß an den Empfang dieses Briefes; denn es freute sich ein Geist wie Herman Grimm über die Beziehung zwischen dem geistigen und dem weltlichen Leben. Und in diesem Lichte sah er auch Goethe und seine Zeit, suchte er sich hinaufzuranken zu dem, was vielen Menschen entgeht. Und so konnte es denn kommen, daß Herman Grimm, anschließend an diesen Brief, eine schöne, eine merkwürdige Schilderung gab des Zusammenfließens des geistigen Lebens mit dem Leben der äußeren Welt des 19. Jahrhunderts. Er sagt: «Von Weimar aus» — denn Weimar war für Herman Grimm die erste Hauptstadt des deutschen Geisteslebens; ich weiß es und freute mich oft darüber — «Von Weimar aus waren die Grundlinien der geistigen Fortentwickelung Deutschlands so fest gezogen worden, daß Goethes Anschauungen der natürliche Maßstab blieben. Und als im Drange der nationalen politischen Bedürfnisse Shakespeare neben ihm neu emporstieg, war dieser wie eine nur angehängte Provinz des Goetheschen Reiches. Denn Schlegel hatte Shakespeare in Goethes Deutsch in Goethes Auftrage gleichsam übertragen, und Goethe und Shakespeare vereinigten sich wie zu einer gemeinsam wirkenden Macht» etc. etc.

[ 31 ] Und nun folgen die schönen Worte: «Und so faßte der Kaiser Goethe auf. Goethe war seiner Epoche nicht nur der große Dichter, der große Denker, sondern es verband sich der Glanz historischer fürstlicher Höhe mit seiner Person. Ich erinnere an den Schluß des obigen Schreibens, wo der Kaiser des persönlichen Genusses gedenkt, den er aus dem Buche gezogen. Worin bestand dieser? Kaum in etwas, das dessen literarischem Werte zugute käme. Ich wüßte nicht, daß der Kaiser im Gespräche Goethe jemals erwähnt hätte, er hatte sich aber, wie mir erzählt wurde, aus dem Buche vorlesen lassen. Ich erblicke darin die Betätigung eines Gefühles bei ihm, das nicht bloß mit Interesse an Goethe bezeichnet werden dürfte. Goethe war eine hingegangene Macht, die Anspruch auf die Teilnahme des deutschen Kaisers besaß. So etwas wie die Inhaber des höchsten italienischen Ordens «Cousins du Roi» sind.»

[ 31 ] Und nun folgen die schönen Worte: «Und so faßte der Kaiser Goethe auf. Goethe war seiner Epoche nicht nur der große Dichter, der große Denker, sondern es verband sich der Glanz historischer fürstlicher Höhe mit seiner Person. Ich erinnere an den Schluß des obigen Schreibens, wo der Kaiser des persönlichen Genusses gedenkt, den er aus dem Buche gezogen. Worin bestand dieser? Kaum in etwas, das dessen literarischem Werte zugute käme. Ich wüßte nicht, daß der Kaiser im Gespräche Goethe jemals erwähnt hätte, er hatte sich aber, wie mir erzählt wurde, aus dem Buche vorlesen lassen. Ich erblicke darin die Betätigung eines Gefühles bei ihm, das nicht bloß mit Interesse an Goethe bezeichnet werden dürfte. Goethe war eine hingegangene Macht, die Anspruch auf die Teilnahme des deutschen Kaisers besaß. So etwas wie die Inhaber des höchsten italienischen Ordens «Cousins du Roi» sind.»

[ 32 ] Wie versteht Herman Grimm zu zeigen, wie das geistige Leben alles ergreift, und er selber ist ein solcher repräsentativer Geist. Er sagt weiter: «Nicht seiner Siege, seiner politischen Erfolge erinnerte man sich zuerst, sondern dessen, was Friedliches im Kaiser lag. Seiner Milde. Seiner gleichabwägenden Gerechtigkeit. Es ist wunderbar, wie im Urteil der Völker selbst bei kriegerischen Fürsten und Gewalthabern zuletzt das immer das meiste Licht empfängt, was sie für die friedliche Entwickelung taten. Wie bei Friedrich dem Großen und Napoleon die bewundernde Betrachtung ihrer organisatorischen Tätigkeit die ihrer kriegerischen Taten bereits überwiegt.»

[ 32 ] Wie versteht Herman Grimm zu zeigen, wie das geistige Leben alles ergreift, und er selber ist ein solcher repräsentativer Geist. Er sagt weiter: «Nicht seiner Siege, seiner politischen Erfolge erinnerte man sich zuerst, sondern dessen, was Friedliches im Kaiser lag. Seiner Milde. Seiner gleichabwägenden Gerechtigkeit. Es ist wunderbar, wie im Urteil der Völker selbst bei kriegerischen Fürsten und Gewalthabern zuletzt das immer das meiste Licht empfängt, was sie für die friedliche Entwickelung taten. Wie bei Friedrich dem Großen und Napoleon die bewundernde Betrachtung ihrer organisatorischen Tätigkeit die ihrer kriegerischen Taten bereits überwiegt.»

[ 33 ] So sehen wir das Geistesleben der neueren Zeit sich in einen einheitlichen Gestus stellen mit demjenigen, was das andere, das äußere Leben ist. Herman Grimm wußte, daß er in Zeiten der Erwartung lebte. Schön spricht er das in den folgenden Worten aus:

[ 33 ] So sehen wir das Geistesleben der neueren Zeit sich in einen einheitlichen Gestus stellen mit demjenigen, was das andere, das äußere Leben ist. Herman Grimm wußte, daß er in Zeiten der Erwartung lebte. Schön spricht er das in den folgenden Worten aus:

[ 34 ] «Goethes Zeitalter ist mit dem Jahrhundert, dem es den Namen gibt, im Untergehen begriffen. Wir begeistern uns für das Vergangene nicht mehr bloß, weil es vergangen ist. Mag heute mit noch so viel Mitteln gegraben und gesucht werden, mögen die Fundberichte der Altertumsforscher noch so emphatisch von der Wichtigkeit neuester Entdeckungen reden: der Goethesche Blick ruht nicht mehr darauf, unter dem der ausgewühlte Marmor früher in Geist verwandelt wurde. Und auch das Publikum fehlt, das früher an den geheimnisvollen Wert der in diesen Fundstücken schlummernden Gedanken glaubte.» — «Das Goethesche Zeitalter ist vorüber! Goethe selbst aber? Hat das nach ihm genannte Jahrhundert alle Goetheschen Gedanken gekannt? Hier stehen wir einer neuen historischen Erfahrung gegenüber.» — «Die Strahlen des noch im Leben stehenden Goethe hatten das deutsche Land erleuchtet, als der Krieg gegen Napoleon I. vollbracht war und das befreite Volk sich im eigenen Hause einzurichten begann, im guten Glauben, als müsse der sieghafte Geist auch dafür ausreichen. Solange die lebten, welche damals noch mitgetan hatten, regierte ein unantastbares Vertrauen auf die Kraft höherer geistiger Arbeit. Die Jahre der Erniedrigung, welche den Befreiungskriegen folgten, konnten es nicht erschüttern. Noch war dieser Geist in den maßgebenden Kreisen lebendig, als ich vor zwanzig Jahren meine Vorlesungen über Goethe hielt. Schon aber bildeten doch die die Übermacht damals, die von der Wissenschaft im hergebrachten Sinne nicht Förderndes mehr erwarteten. Wissenschaft, wie wir Alten den Begriff fassen, beruhte auf unbegrenzter Anerkennung des in griechischer und lateinischer Sprache Überlieferten.» Und so weiter.

[ 34 ] «Goethes Zeitalter ist mit dem Jahrhundert, dem es den Namen gibt, im Untergehen begriffen. Wir begeistern uns für das Vergangene nicht mehr bloß, weil es vergangen ist. Mag heute mit noch so viel Mitteln gegraben und gesucht werden, mögen die Fundberichte der Altertumsforscher noch so emphatisch von der Wichtigkeit neuester Entdeckungen reden: der Goethesche Blick ruht nicht mehr darauf, unter dem der ausgewühlte Marmor früher in Geist verwandelt wurde. Und auch das Publikum fehlt, das früher an den geheimnisvollen Wert der in diesen Fundstücken schlummernden Gedanken glaubte.» — «Das Goethesche Zeitalter ist vorüber! Goethe selbst aber? Hat das nach ihm genannte Jahrhundert alle Goetheschen Gedanken gekannt? Hier stehen wir einer neuen historischen Erfahrung gegenüber.» — «Die Strahlen des noch im Leben stehenden Goethe hatten das deutsche Land erleuchtet, als der Krieg gegen Napoleon I. vollbracht war und das befreite Volk sich im eigenen Hause einzurichten begann, im guten Glauben, als müsse der sieghafte Geist auch dafür ausreichen. Solange die lebten, welche damals noch mitgetan hatten, regierte ein unantastbares Vertrauen auf die Kraft höherer geistiger Arbeit. Die Jahre der Erniedrigung, welche den Befreiungskriegen folgten, konnten es nicht erschüttern. Noch war dieser Geist in den maßgebenden Kreisen lebendig, als ich vor zwanzig Jahren meine Vorlesungen über Goethe hielt. Schon aber bildeten doch die die Übermacht damals, die von der Wissenschaft im hergebrachten Sinne nicht Förderndes mehr erwarteten. Wissenschaft, wie wir Alten den Begriff fassen, beruhte auf unbegrenzter Anerkennung des in griechischer und lateinischer Sprache Überlieferten.» Und so weiter.

[ 35 ] Jetzt geht es dazu über, daß man immer mehr und mehr sieht, wie herankommt das Zeitalter der Erwartung, das in Herman Grimm einen letzten repräsentativen Geist findet.

[ 35 ] Jetzt geht es dazu über, daß man immer mehr und mehr sieht, wie herankommt das Zeitalter der Erwartung, das in Herman Grimm einen letzten repräsentativen Geist findet.

[ 36 ] «Das zwanzigste Jahrhundert wird vielleicht die Entdeckung machen, daß von Goethe das voraus gewußt worden sei, was es einst für sich erreicht haben wird, und sogar das, was es noch erstrebt. Man wird die Stellen seiner Werke bezeichnen, wo das ausgesprochen sei. Immer breiter werden die Zeiträume sich ausdehnen, welche die einander folgenden Generationen von Goethe trennen. Was aber tut ein Jahrhundert mehr oder weniger für das Verhältnis der sich weiter entwickelnden Menschheit zu Homer oder Shakespeare? Ihre Kraft, in die Seelen einzudringen, nimmt immer mehr zu. Mit ihnen wird Goethe einmal als Gestirn für sich die Menschheit begleiten.»

[ 36 ] «Das zwanzigste Jahrhundert wird vielleicht die Entdeckung machen, daß von Goethe das voraus gewußt worden sei, was es einst für sich erreicht haben wird, und sogar das, was es noch erstrebt. Man wird die Stellen seiner Werke bezeichnen, wo das ausgesprochen sei. Immer breiter werden die Zeiträume sich ausdehnen, welche die einander folgenden Generationen von Goethe trennen. Was aber tut ein Jahrhundert mehr oder weniger für das Verhältnis der sich weiter entwickelnden Menschheit zu Homer oder Shakespeare? Ihre Kraft, in die Seelen einzudringen, nimmt immer mehr zu. Mit ihnen wird Goethe einmal als Gestirn für sich die Menschheit begleiten.»

[ 37 ] Man möchte sagen, nach Geist, nach Vergeistigung strebt alles in diesem Manne. So hat er die Erwartung, und so bringt er uns das Vertrauen bei, das echte Vertrauen, das wahre Vertrauen, daß wir nicht etwas geben, was aus äußerer Willkür entsprungen ist, sondern das, was die Menschheit braucht, was sie erwartet hat. Das ist etwas ungeheuer Wichtiges. Und auch das Universelle der Geisteswissenschaft ist es, was schon in dieser Erwartung lebt. Deshalb darf ich noch einmal auf das hinweisen, was Herman Grimm in seinem Homer-Buche sagt:

[ 37 ] Man möchte sagen, nach Geist, nach Vergeistigung strebt alles in diesem Manne. So hat er die Erwartung, und so bringt er uns das Vertrauen bei, das echte Vertrauen, das wahre Vertrauen, daß wir nicht etwas geben, was aus äußerer Willkür entsprungen ist, sondern das, was die Menschheit braucht, was sie erwartet hat. Das ist etwas ungeheuer Wichtiges. Und auch das Universelle der Geisteswissenschaft ist es, was schon in dieser Erwartung lebt. Deshalb darf ich noch einmal auf das hinweisen, was Herman Grimm in seinem Homer-Buche sagt:

[ 38 ] «Die Menschen als Totalität anerkennen sich als einem wie in den Wolken thronenden unsichtbaren Gerichtshofe unterworfen, vor dem nicht bestehen zu dürfen, sie als ein Unglück erachten, und dessen gerichtlichem Verfahren sie ihre Zwistigkeiten anzupassen suchen. Mit ängstlichem Bestreben suchen sie hier ihr Recht. Wie sind die heutigen Franzosen bemüht, den Krieg gegen Deutschland, den sie vorhaben, als eine sittliche Forderung hinzustellen, deren Anerkennung sie von den anderen Völkern, ja von den Deutschen selber fordern. Ich habe das Gefühl, als sei Homers Ziel gewesen, den Kampf der Völker vor Troja so zu fassen, als habe diese in äußerster Vergangenheit liegende Bewegung einst eine Fülle von Nationen umgriffen, deren sittliches Bewußtsein ein gemeinsames war und innerhalb deren um die führende Stellung gekämpft ward. Sie gleichen unserer Epoche darin. Nicht äußere zufällige Gewalt oder zufällige Protektion göttlicher Mächte, sondern die Berechtigung, die der Charakter gewährt, geben in der Ilias die Entscheidung.»

[ 38 ] «Die Menschen als Totalität anerkennen sich als einem wie in den Wolken thronenden unsichtbaren Gerichtshofe unterworfen, vor dem nicht bestehen zu dürfen, sie als ein Unglück erachten, und dessen gerichtlichem Verfahren sie ihre Zwistigkeiten anzupassen suchen. Mit ängstlichem Bestreben suchen sie hier ihr Recht. Wie sind die heutigen Franzosen bemüht, den Krieg gegen Deutschland, den sie vorhaben, als eine sittliche Forderung hinzustellen, deren Anerkennung sie von den anderen Völkern, ja von den Deutschen selber fordern. Ich habe das Gefühl, als sei Homers Ziel gewesen, den Kampf der Völker vor Troja so zu fassen, als habe diese in äußerster Vergangenheit liegende Bewegung einst eine Fülle von Nationen umgriffen, deren sittliches Bewußtsein ein gemeinsames war und innerhalb deren um die führende Stellung gekämpft ward. Sie gleichen unserer Epoche darin. Nicht äußere zufällige Gewalt oder zufällige Protektion göttlicher Mächte, sondern die Berechtigung, die der Charakter gewährt, geben in der Ilias die Entscheidung.»

[ 39 ] — Eine schöne Stelle, eine wunderschöne Stelle!

[ 39 ] — Eine schöne Stelle, eine wunderschöne Stelle!

[ 40 ] «Die Solidarität der sittlichen Überzeugungen aller Menschen ist heute die uns alle verbindende Kirche. Wir suchen leidenschaftlicher als jemals nach einem sichtbaren Ausdrucke dieser Gemeinschaft.

[ 40 ] «Die Solidarität der sittlichen Überzeugungen aller Menschen ist heute die uns alle verbindende Kirche. Wir suchen leidenschaftlicher als jemals nach einem sichtbaren Ausdrucke dieser Gemeinschaft.

[ 41 ] Alle wirklich ernsten Bestrebungen der Massen kennen nur dies eine Ziel. Die Trennung der Nationen existiert hier bereits nicht mehr. Wir fühlen, daß der ethischen Weltanschauung gegenüber kein nationaler Unterschied walte. Wir alle würden für unser Vaterland uns opfern; den Augenblick aber herbeizusehnen oder herbeizuführen, wo dies durch Krieg geschehen könne, sind wir weit entfernt. Die Versicherung, daß Friede zu halten unser aller heiligster Wunsch sei, ist keine Lüge. «Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen» durchdringt uns.» So sagt Herman Grimm in Europas Mitte im Jahre 1895.

[ 41 ] Alle wirklich ernsten Bestrebungen der Massen kennen nur dies eine Ziel. Die Trennung der Nationen existiert hier bereits nicht mehr. Wir fühlen, daß der ethischen Weltanschauung gegenüber kein nationaler Unterschied walte. Wir alle würden für unser Vaterland uns opfern; den Augenblick aber herbeizusehnen oder herbeizuführen, wo dies durch Krieg geschehen könne, sind wir weit entfernt. Die Versicherung, daß Friede zu halten unser aller heiligster Wunsch sei, ist keine Lüge. «Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen» durchdringt uns.» So sagt Herman Grimm in Europas Mitte im Jahre 1895.

[ 42 ] Meine lieben Freunde! Es strebte schon die Menschheit danach, das Leben in Einklang zu bringen mit den geistigen Welten, sie strebte danach, eine Gemeinschaft wie die unsrige zu finden. Und es gab Bestrebungen, welche sich in der richtigen Weise zu stellen verstanden zu allen Völkern der Erde und zum Frieden der Menschheit, welche Ausdruck zu geben verstanden der Gesinnung, der auch Ausdruck geben wollte Homer nach Herman Grimms Ansicht für die griechischen Völker: daß ihnen Frieden lieber ist als Krieg. Und so sollte die Menschheit einmal kennenlernen, bei wie vielen als innig mit der Seele verbundene Gesinnung lebte, was ich bei Herman Grimm geschildert habe, wie es das Bestreben gab, aus einem Gusse das Leben zu erhalten, und wie überraschend daher das Hereinbrechen dieses Krieges, der von solcher Gesinnung wirklich nicht gewollt war, gekommen ist.

[ 42 ] Meine lieben Freunde! Es strebte schon die Menschheit danach, das Leben in Einklang zu bringen mit den geistigen Welten, sie strebte danach, eine Gemeinschaft wie die unsrige zu finden. Und es gab Bestrebungen, welche sich in der richtigen Weise zu stellen verstanden zu allen Völkern der Erde und zum Frieden der Menschheit, welche Ausdruck zu geben verstanden der Gesinnung, der auch Ausdruck geben wollte Homer nach Herman Grimms Ansicht für die griechischen Völker: daß ihnen Frieden lieber ist als Krieg. Und so sollte die Menschheit einmal kennenlernen, bei wie vielen als innig mit der Seele verbundene Gesinnung lebte, was ich bei Herman Grimm geschildert habe, wie es das Bestreben gab, aus einem Gusse das Leben zu erhalten, und wie überraschend daher das Hereinbrechen dieses Krieges, der von solcher Gesinnung wirklich nicht gewollt war, gekommen ist.

[ 43 ] Und eine Erfüllung der Erwartung soll es auch sein, wenn die ich möchte sagen — Ausläufer unserer geistigen Bewegung eben durchaus aus dem Ganzen unseres Geisteslebens herausgeschöpft sein sollen. So ist es mit unserer Eurythmie, die nicht verwechselt werden darf mit irgendeiner der aus dem materialistischen Zeitalter hervorgegangenen körperlichen, sportlichen, turnerischen oder tänzerischen Bestrebungen, sondern die vielmehr herausgegriffen ist aus unseren geistigen Bestrebungen, damit die Menschen gerade auch in dieser Sphäre erfahren können im unmittelbarsten, innigsten Erleben, wie der Geist wirkt. Ich habe schon von verschiedenen Seiten her gezeigt, wie man zu dieser Eurythmie gekommen ist. Das Bestreben bestand, der Menschheit etwas zu geben, was, ich möchte sagen, auch schon in einem äußerlichen Sinn den Geist der Evolution zeigt. Das konnte man nur, wenn man sich klar war darüber, daß wir im unmittelbaren Leben auch in einer Welt der Formen leben, und daß das Vorwärtsschreiten ein Hineindringen in die Welt der Bewegung ist. Die Welt der Formen beherrscht unseren physischen Leib, die Welt der Bewegung beherrscht unseren Ätherleib. Es müssen nun gefunden werden die Bewegungen, die dem Ätherleib eingeboren sind. Es muß der Mensch angeleitet werden, dasjenige in Gesten, in Bewegungen des physischen Leibes zum Ausdruck zu bringen, was dem Ätherleib natürlich ist.

[ 43 ] Und eine Erfüllung der Erwartung soll es auch sein, wenn die ich möchte sagen — Ausläufer unserer geistigen Bewegung eben durchaus aus dem Ganzen unseres Geisteslebens herausgeschöpft sein sollen. So ist es mit unserer Eurythmie, die nicht verwechselt werden darf mit irgendeiner der aus dem materialistischen Zeitalter hervorgegangenen körperlichen, sportlichen, turnerischen oder tänzerischen Bestrebungen, sondern die vielmehr herausgegriffen ist aus unseren geistigen Bestrebungen, damit die Menschen gerade auch in dieser Sphäre erfahren können im unmittelbarsten, innigsten Erleben, wie der Geist wirkt. Ich habe schon von verschiedenen Seiten her gezeigt, wie man zu dieser Eurythmie gekommen ist. Das Bestreben bestand, der Menschheit etwas zu geben, was, ich möchte sagen, auch schon in einem äußerlichen Sinn den Geist der Evolution zeigt. Das konnte man nur, wenn man sich klar war darüber, daß wir im unmittelbaren Leben auch in einer Welt der Formen leben, und daß das Vorwärtsschreiten ein Hineindringen in die Welt der Bewegung ist. Die Welt der Formen beherrscht unseren physischen Leib, die Welt der Bewegung beherrscht unseren Ätherleib. Es müssen nun gefunden werden die Bewegungen, die dem Ätherleib eingeboren sind. Es muß der Mensch angeleitet werden, dasjenige in Gesten, in Bewegungen des physischen Leibes zum Ausdruck zu bringen, was dem Ätherleib natürlich ist.

[ 44 ] Sie werden in den letzten Vorträgen über «Okkultes Lesen und okkultes Hören» gesehen haben, daß im Weltenall, im kosmischen Werden, etwas liegt von regelmäßiger Bewegung. Das überträgt sich auf den menschlichen Ätherleib. Unsere materialistische Kultur der Gegenwart, aus der sich Geister wie Herman Grimm heraussehnten, hat dazu geführt, daß man gar kein Verständnis dafür hat, daß der Mensch sich nur dann richtig in äußeren Formen bewegen kann, wenn er nicht so «dalkerte» — verzeihen Sie den trivialen Ausdruck Bewegungen dabei hat wie beim Sport, beim modernen Turnen oder beim Fußballspielen, sondern wenn er in sich verfolgt die Bewegungen, die in naturgemäßer Weise seinem Ätherleibe eingeboren sind, wenn man anfängt, die Bewegungen des Ätherleibes in die Bewegungen des physischen Leibes hineinzutragen, wenn der Ätherleib fortlebt in den Bewegungen des physischen Leibes. Das wird versucht in der Eurythmie. Es wird sich herausstellen, daß der Mensch in seinen Bewegungen wirklich ein Zwischenglied ist zwischen den kosmischen Buchstaben, den kosmischen Lauten und dem, was wir selbst gebrauchen in den menschlichen Lauten und Buchstaben in unseren Dichtungen.

[ 44 ] Sie werden in den letzten Vorträgen über «Okkultes Lesen und okkultes Hören» gesehen haben, daß im Weltenall, im kosmischen Werden, etwas liegt von regelmäßiger Bewegung. Das überträgt sich auf den menschlichen Ätherleib. Unsere materialistische Kultur der Gegenwart, aus der sich Geister wie Herman Grimm heraussehnten, hat dazu geführt, daß man gar kein Verständnis dafür hat, daß der Mensch sich nur dann richtig in äußeren Formen bewegen kann, wenn er nicht so «dalkerte» — verzeihen Sie den trivialen Ausdruck Bewegungen dabei hat wie beim Sport, beim modernen Turnen oder beim Fußballspielen, sondern wenn er in sich verfolgt die Bewegungen, die in naturgemäßer Weise seinem Ätherleibe eingeboren sind, wenn man anfängt, die Bewegungen des Ätherleibes in die Bewegungen des physischen Leibes hineinzutragen, wenn der Ätherleib fortlebt in den Bewegungen des physischen Leibes. Das wird versucht in der Eurythmie. Es wird sich herausstellen, daß der Mensch in seinen Bewegungen wirklich ein Zwischenglied ist zwischen den kosmischen Buchstaben, den kosmischen Lauten und dem, was wir selbst gebrauchen in den menschlichen Lauten und Buchstaben in unseren Dichtungen.

[ 45 ] Ganz sicherlich wird in dieser Eurythmie eine neue Kunst entstehen. Diese Kunst ist für jeden Menschen. Und man möchte, daß die Menschheit ergriffen würde von Verständnis für diese Kunst, so daß sie wirklich schon betrieben würde bei den Kindern, angefangen von den kleinsten, wo sich ja schon jene innigste Freude daran herausgestellt hat, bis zu den größten Kindern, auch bis zu solchen von siebzig, achtzig und neunzig Jahren. Immer ist es gut, wenn der Mensch verstehen lernt, in physische Bewegungen das umzusetzen, was dem Ätherleib natürlich und eingeboren ist. Es ist wie selbstverständlich im geistigen Leben, daß das, was man dichterisch sagen kann, seine Interpretation finden kann in jenen Bewegungen, die unsere Eurythmie bringt.

[ 45 ] Ganz sicherlich wird in dieser Eurythmie eine neue Kunst entstehen. Diese Kunst ist für jeden Menschen. Und man möchte, daß die Menschheit ergriffen würde von Verständnis für diese Kunst, so daß sie wirklich schon betrieben würde bei den Kindern, angefangen von den kleinsten, wo sich ja schon jene innigste Freude daran herausgestellt hat, bis zu den größten Kindern, auch bis zu solchen von siebzig, achtzig und neunzig Jahren. Immer ist es gut, wenn der Mensch verstehen lernt, in physische Bewegungen das umzusetzen, was dem Ätherleib natürlich und eingeboren ist. Es ist wie selbstverständlich im geistigen Leben, daß das, was man dichterisch sagen kann, seine Interpretation finden kann in jenen Bewegungen, die unsere Eurythmie bringt.

[ 46 ] Ein pädagogisches, ein künstlerisches und ein hygienisches Prinzip drückt sich in der Eurythmie zugleich aus. Ein pädagogisches Prinzip insofern, als der Mensch ja, wenn er heranwächst mit Eurythmie, wenn er von den ersten Kindheitsjahren an Bewegungen im Sinne der Eurythmie gemacht hat, dann mit seinem Leibe Bewegungen ausgeführt hat, welche so wirken, daß, ich möchte sagen, die Götter sich so recht verbunden fühlen mit der Erde. Daher ist sie so recht ein Mittel, die Verbindung herzustellen zwischen den göttlich-geistigen Hierarchien und dem heranwachsenden Kinde.

[ 46 ] Ein pädagogisches, ein künstlerisches und ein hygienisches Prinzip drückt sich in der Eurythmie zugleich aus. Ein pädagogisches Prinzip insofern, als der Mensch ja, wenn er heranwächst mit Eurythmie, wenn er von den ersten Kindheitsjahren an Bewegungen im Sinne der Eurythmie gemacht hat, dann mit seinem Leibe Bewegungen ausgeführt hat, welche so wirken, daß, ich möchte sagen, die Götter sich so recht verbunden fühlen mit der Erde. Daher ist sie so recht ein Mittel, die Verbindung herzustellen zwischen den göttlich-geistigen Hierarchien und dem heranwachsenden Kinde.

[ 47 ] Für den Okkultisten ist es unmittelbar klar, daß eine materialistische Kultur eine furchtbare Diskrepanz auslöst zwischen dem, was dem Menschen eingeboren ist, und dem, was der Kopf und das Herz oft lernen muß. Ich will damit keine Kritik üben, sondern nur auf eine Tatsache hinweisen. Es gibt eigentlich bisher in der Welt nichts Unnatürlicheres, als daß die Kinder, die heranwachsen, heute ungefähr vom sechsten, siebten Jahre an dasjenige lernen müssen, was sie eben lernen müssen. Ich sage nicht, daß sie es nicht lernen sollen, denn selbstverständlich müssen sie lernen, das bringt die äußere soziale Notwendigkeit mit sich. Aber für die Seelen ist es vielfach so, als wenn man eine naturgemäße Entwickelung des menschlichen Leibes dadurch herbeiführen wollte, daß man den Kindern im sechsten, siebten Jahre die Hände und Beine bricht. So ungefähr macht man es, wenn man die Kinder zwingt, Buchstaben zu lernen, denn für den Menschen sind Lesen- und Schreibenlernen die unnatürlichsten Beschäftigungen, die es gibt. Man muß sie dazu zwingen, obwohl die größte Disharmonie besteht zwischen der Kunst des Lesens und Schreibens und dem, wohin die Seele will. Es ist jammervoll anzuschauen, aber es ist eine Notwendigkeit; es nützt nichts, daß man sich davor verschließt. Aber es wäre so ziemlich alles andere gescheiter in diesem Alter, als die Kinder schreiben und lesen zu lehren. Selbst wenn sie angewiesen würden, aus einfachem Straßendreck Figuren zu machen, so wäre das viel gescheiter. Wir können nur eines tun: Wir können versuchen, den verkümmerten Ätherleib — denn er verkümmert unter den heutigen Notwendigkeiten — sich bewegen zu lassen in den eurythmischen Bewegungen des physischen Leibes, die die Götter wollen. Das soll Eurythmie bieten in pädagogischer Beziehung.

[ 47 ] Für den Okkultisten ist es unmittelbar klar, daß eine materialistische Kultur eine furchtbare Diskrepanz auslöst zwischen dem, was dem Menschen eingeboren ist, und dem, was der Kopf und das Herz oft lernen muß. Ich will damit keine Kritik üben, sondern nur auf eine Tatsache hinweisen. Es gibt eigentlich bisher in der Welt nichts Unnatürlicheres, als daß die Kinder, die heranwachsen, heute ungefähr vom sechsten, siebten Jahre an dasjenige lernen müssen, was sie eben lernen müssen. Ich sage nicht, daß sie es nicht lernen sollen, denn selbstverständlich müssen sie lernen, das bringt die äußere soziale Notwendigkeit mit sich. Aber für die Seelen ist es vielfach so, als wenn man eine naturgemäße Entwickelung des menschlichen Leibes dadurch herbeiführen wollte, daß man den Kindern im sechsten, siebten Jahre die Hände und Beine bricht. So ungefähr macht man es, wenn man die Kinder zwingt, Buchstaben zu lernen, denn für den Menschen sind Lesen- und Schreibenlernen die unnatürlichsten Beschäftigungen, die es gibt. Man muß sie dazu zwingen, obwohl die größte Disharmonie besteht zwischen der Kunst des Lesens und Schreibens und dem, wohin die Seele will. Es ist jammervoll anzuschauen, aber es ist eine Notwendigkeit; es nützt nichts, daß man sich davor verschließt. Aber es wäre so ziemlich alles andere gescheiter in diesem Alter, als die Kinder schreiben und lesen zu lehren. Selbst wenn sie angewiesen würden, aus einfachem Straßendreck Figuren zu machen, so wäre das viel gescheiter. Wir können nur eines tun: Wir können versuchen, den verkümmerten Ätherleib — denn er verkümmert unter den heutigen Notwendigkeiten — sich bewegen zu lassen in den eurythmischen Bewegungen des physischen Leibes, die die Götter wollen. Das soll Eurythmie bieten in pädagogischer Beziehung.

[ 48 ] Wenn viele Menschen heute klagen, daß ihnen dies oder jenes weh tue, ohne daß ihnen so recht etwas fehlt, so ist das gar nicht zu verwundern; denn der Mensch versucht heute nicht mehr, wie es die Griechen taten, einen Einklang herzustellen zwischen den äußeren Bewegungen des physischen Leibes und denen des Ätherleibes. Und wenn er es doch tut, so macht er etwas sehr Komisches. Wenn er sich sagt: Es war von den Griechen sehr gescheit, was sie in den Olympischen Spielen gemacht haben, also machen wir das auch, dann ist das wirklich sehr komisch; denn es bedeutet nichts anderes, als wenn zum Beispiel einem Menschen von fünfundzwanzig Jahren es nicht gefallen würde, an einer Universität zu studieren, und er lieber das tun würde, was ein fünf- oder zehnjähriger Knabe macht. Einfach das Griechische in unsere Zeit herüberzunehmen, ist das Lächerlichste, was man tun kann; es ist eine Versündigung am Vertrauen in die Menschheitsentwickelung. Wenn das heute gesucht werden soll, was die Griechen auf ihre Art in den Olympischen Spielen suchten, dann muß Eurythmie sich einleben in die Menschheit, dann müssen die Menschen versuchen, die Gesundheit ihres Leibes von der Seele aus dadurch zu bewirken, daß sie den Ätherleib nicht verkümmern lassen, sondern den physischen Leib die vom Ätherleib geforderten Bewegungen machen lassen. Das ist die hygienische Seite der Eurythmie.

[ 48 ] Wenn viele Menschen heute klagen, daß ihnen dies oder jenes weh tue, ohne daß ihnen so recht etwas fehlt, so ist das gar nicht zu verwundern; denn der Mensch versucht heute nicht mehr, wie es die Griechen taten, einen Einklang herzustellen zwischen den äußeren Bewegungen des physischen Leibes und denen des Ätherleibes. Und wenn er es doch tut, so macht er etwas sehr Komisches. Wenn er sich sagt: Es war von den Griechen sehr gescheit, was sie in den Olympischen Spielen gemacht haben, also machen wir das auch, dann ist das wirklich sehr komisch; denn es bedeutet nichts anderes, als wenn zum Beispiel einem Menschen von fünfundzwanzig Jahren es nicht gefallen würde, an einer Universität zu studieren, und er lieber das tun würde, was ein fünf- oder zehnjähriger Knabe macht. Einfach das Griechische in unsere Zeit herüberzunehmen, ist das Lächerlichste, was man tun kann; es ist eine Versündigung am Vertrauen in die Menschheitsentwickelung. Wenn das heute gesucht werden soll, was die Griechen auf ihre Art in den Olympischen Spielen suchten, dann muß Eurythmie sich einleben in die Menschheit, dann müssen die Menschen versuchen, die Gesundheit ihres Leibes von der Seele aus dadurch zu bewirken, daß sie den Ätherleib nicht verkümmern lassen, sondern den physischen Leib die vom Ätherleib geforderten Bewegungen machen lassen. Das ist die hygienische Seite der Eurythmie.

[ 49 ] Die künstlerische Bedeutung der Eurythmie wird schon einmal den Menschen aufgehen, wenn man erkennt, wie der Mensch mit seinem ganzen Wesen in das Künstlerische eintauchen muß, wie der Mensch nicht nur der Schöpfer ist von diesem und jenem, sondern wie der Mensch selbst Kunstmittel werden muß; das wird er dadurch, daß er das Künstlerische mit seinem eigenen Leibe ausübt. Und das tut er durch Eurythmie.

[ 49 ] Die künstlerische Bedeutung der Eurythmie wird schon einmal den Menschen aufgehen, wenn man erkennt, wie der Mensch mit seinem ganzen Wesen in das Künstlerische eintauchen muß, wie der Mensch nicht nur der Schöpfer ist von diesem und jenem, sondern wie der Mensch selbst Kunstmittel werden muß; das wird er dadurch, daß er das Künstlerische mit seinem eigenen Leibe ausübt. Und das tut er durch Eurythmie.

[ 50 ] Eurythmie ist nichts Willkürliches, das etwa aus der gleichen Gesinnung heraus entsprungen wäre wie andere Bestrebungen der Gegenwart. Sie fragt: Welche Bewegungen sind für den Menschen der Gegenwart in bezug auf den Ätherleib die besten in pädagogischer und in hygienischer Beziehung, welche Bewegungen führen am besten zum Verständnis des wahren Künstlerischen und stellen den Menschen am besten hinein in das volle, wahre Leben? Daher glaube ich, daß diese Eurythmie schon populär werden wird in unseren Kreisen, daß sie hingenommen werden wird als dasjenige, was viel, viel helfen kann. Sie können Ihre Kinder gewiß nicht unmittelbar Anthroposophie lehren, aber Eurythmie können sie treiben, und sie werden in ganz anderer Weise dem Leben, dem sie entgegengehen, gewachsen sein, als wenn sie nicht Eurythmie treiben.

[ 50 ] Eurythmie ist nichts Willkürliches, das etwa aus der gleichen Gesinnung heraus entsprungen wäre wie andere Bestrebungen der Gegenwart. Sie fragt: Welche Bewegungen sind für den Menschen der Gegenwart in bezug auf den Ätherleib die besten in pädagogischer und in hygienischer Beziehung, welche Bewegungen führen am besten zum Verständnis des wahren Künstlerischen und stellen den Menschen am besten hinein in das volle, wahre Leben? Daher glaube ich, daß diese Eurythmie schon populär werden wird in unseren Kreisen, daß sie hingenommen werden wird als dasjenige, was viel, viel helfen kann. Sie können Ihre Kinder gewiß nicht unmittelbar Anthroposophie lehren, aber Eurythmie können sie treiben, und sie werden in ganz anderer Weise dem Leben, dem sie entgegengehen, gewachsen sein, als wenn sie nicht Eurythmie treiben.

[ 51 ] Meine lieben Freunde! Ich habe in vieler Beziehung schon gesprochen von dem Verhältnis des großen Rundbaues draußen zu dem kleinen, vom Verhältnis dessen, was im großen Raum des Baues ist, zu dem, was im kleinen Raum drinnen ist. Nun könnte jemand fragen: Wie gehen die Formen des kleinen Raumes aus denen des großen Raumes hervor? Die Antwort ist: Es versuche jemand, nach eurythmischen Gesetzen die Formen des großen Raumes des Baues tanzen zu lassen, dann werden die Formen des kleinen Raumes des Baues daraus. Man versuche sich vorzustellen, es vereinige ein Mensch alles das in seinen eurythmischen Bewegungen, was im großen Rundbau zum Ausdruck kommt und tanze das hinein in den kleinen Raum und strahlte aus von da, was er tanzt, dann würde die Zwölfheit der Säulen und die Kuppel des kleinen Raumes von selber daraus.

[ 51 ] Meine lieben Freunde! Ich habe in vieler Beziehung schon gesprochen von dem Verhältnis des großen Rundbaues draußen zu dem kleinen, vom Verhältnis dessen, was im großen Raum des Baues ist, zu dem, was im kleinen Raum drinnen ist. Nun könnte jemand fragen: Wie gehen die Formen des kleinen Raumes aus denen des großen Raumes hervor? Die Antwort ist: Es versuche jemand, nach eurythmischen Gesetzen die Formen des großen Raumes des Baues tanzen zu lassen, dann werden die Formen des kleinen Raumes des Baues daraus. Man versuche sich vorzustellen, es vereinige ein Mensch alles das in seinen eurythmischen Bewegungen, was im großen Rundbau zum Ausdruck kommt und tanze das hinein in den kleinen Raum und strahlte aus von da, was er tanzt, dann würde die Zwölfheit der Säulen und die Kuppel des kleinen Raumes von selber daraus.

[ 52 ] Und dann hoffe ich, daß noch etwas eurythmisch tanzen wird im Bau: das Wort! Das wird eine gute Akustik haben. Kurz, man kann Eurythmie definieren als Erfüllung desjenigen, was nach seinen natürlichen Gesetzen der menschliche Ätherleib verlangt vom Menschen. Daher ist wirklich in dieser Eurythmie etwas gegeben, was zu unserem geistigen Leben dazu gehört, und was aus seiner Ganzheit heraus gedacht ist.

[ 52 ] Und dann hoffe ich, daß noch etwas eurythmisch tanzen wird im Bau: das Wort! Das wird eine gute Akustik haben. Kurz, man kann Eurythmie definieren als Erfüllung desjenigen, was nach seinen natürlichen Gesetzen der menschliche Ätherleib verlangt vom Menschen. Daher ist wirklich in dieser Eurythmie etwas gegeben, was zu unserem geistigen Leben dazu gehört, und was aus seiner Ganzheit heraus gedacht ist.

[ 53 ] Vielleicht nehmen Sie das, was ich damit habe sagen wollen, hin und betrachten es als eine Antwort auf eine Frage, die gerade von vielen schweizerischen Freunden an uns gestellt worden ist. Dasjenige, was ich so definiert habe, können Sie ja in Wirklichkeit dann kennenlernen durch die gewünschten Kurse. Wie bekommt man das Sein in die Ideenwelt hinein?

[ 53 ] Vielleicht nehmen Sie das, was ich damit habe sagen wollen, hin und betrachten es als eine Antwort auf eine Frage, die gerade von vielen schweizerischen Freunden an uns gestellt worden ist. Dasjenige, was ich so definiert habe, können Sie ja in Wirklichkeit dann kennenlernen durch die gewünschten Kurse. Wie bekommt man das Sein in die Ideenwelt hinein?