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Occult Reading and Occult Hearing
GA 156

20 December 1914, Dornach

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Occult Reading and Occult Hearing, tr. SOL
  1. Okkultes Lesen und okkultes Hören

Wie bekommt man das Sein in die Ideenwelt hinein? IV

How does one bring Being into the World of Ideas? IV

[ 1 ] Mit den verschiedenen Betrachtungen der letzten Zeit, die hier angestellt worden sind, versuchte ich weniger, einzelne Begriffe und Vorstellungen Ihnen zu übermitteln, als vielmehr eine bestimmte Art, sich zur Welt zu stellen, zu charakterisieren. Denn das muß immer wieder und wieder ins Auge gefaßt werden, daß das Allerwichtigste in bezug auf die Errungenschaft, die durch die Geisteswissenschaft kommen soll, nicht das Begriffliche, das Vorstellungsmäßige ist, sondern die ganze Seelenverfassung, die ganze Seelenstimmung, die sich der Mensch der Zukunft unserer Erdenentwickelung durch die Geisteswissenschaft wird aneignen können.

[ 1 ] With the various reflections I have offered here recently, I have sought not so much to convey individual concepts and mental images to you as to characterize a particular way of relating to the world. For it must be kept in mind again and again that the most important thing regarding the achievement to be brought about by Spiritual Science is not the conceptual or the imaginative, but rather the entire state of mind, the entire mood of the soul, which the human being of the future of our Earth’s development will be able to acquire through Spiritual Science.

[ 2 ] Heute haftet fast allen, die sich in die Geisteswissenschaft hineinstellen, noch etwas an von Überbleibseln alter Gesinnungen, alter Seelenstimmungen. Und dies ist insbesondere dadurch noch in verstärktem Maße der Fall, als ja eine gewisse Seelenstimmung in der modernen Seele erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit, seit drei, vier bis fünf Jahrhunderten etwa hervorgerufen worden ist im Suchen nach der Enträtselung von Naturerscheinungen, diese Seelenstimmung, die ich bezeichnen möchte als ausgehend von der sogenannten wissenschaftlichen Weltbetrachtung, die man in weitesten Kreisen ja heute als die einzig gültige ansieht. Wissen wir doch, daß das Durchdrungensein von wissenschaftlichen Begriffen und Vorstellungen als Grundlage einer Weltanschauung ja nur bei einem kleinen Teile der Erdenmenschheit heute erst Platz gegriffen hat; denn im Grunde genommen sorgt die moderne Schulerziehung dafür, daß viel weniger die Wissenschaft als diese wissenschaftliche Gesinnung sich rasend ausbreitet. Und da diese wissenschaftliche Art der Seelenstimmung erst kurze Zeit Platz gegriffen hat, so ist es natürlich auch der geisteswissenschaftlichen Weltanschauungsstimmung schwierig, sich hineinzustellen in das, was erst seit so kurzer Zeit Platz gegriffen hat, und was bei der Mehrzahl der Menschen sich erst als ein Übergangsstadium in der Evolution ausbilden muß. Diese wissenschaftliche Weltanschauungsstimmung führt ganz notwendigerweise allmählich zu einer Art Materialismus, denn sie kann gar nicht anders sein als einseitig. Sie ist ja in einseitiger Weise erworben durch das, was man nennen kann die Kopferlebnisse des Menschen, und sie strebt ja auch dahin, möglichst alles aus den erwähnten Weltanschauungsvorstellungen auszuscheiden, was nicht dieser Kopfstimmung des Menschen entspricht, was nicht erdacht, nicht ersonnen, nicht durch Experiment oder durch die Beobachtung mit Hilfe des Ersinnens und Erdenkens gewonnen ist. Diese Weltanschauungsstimmung hat auch, könnte man sagen, in bezug auf die Anschauung vom Menschen ihre Einseitigkeit wirklich bewahrt, und in Anbetracht des vielen, was da an Impulsen in die menschliche Seele eingezogen ist, können wir fühlen, wie schwierig es sein wird, die umfassendere, von dem ganzen Menschen wieder ausgehende Seelenstimmung der Welt gegenüber, durch die Geisteswissenschaft zu entfalten.

[ 2 ] Today, almost everyone who engages with Spiritual Science still carries with them remnants of old ways of thinking and old states of mind. And this is particularly true because a certain state of mind has only emerged in the modern soul relatively recently—over the past three four to five centuries or so, in the quest to unravel natural phenomena—this state of mind, which I would like to describe as stemming from the so-called scientific worldview, which is today regarded in the widest circles as the only valid one. For we know that the permeation by scientific concepts and mental images as the foundation of a worldview has only recently taken hold among a small portion of humanity today; for, fundamentally speaking, modern school education ensures that it is not so much science as this scientific mindset that is spreading rapidly. And since this scientific mindset has only recently taken hold, it is naturally also difficult for the worldview of Spiritual Science to align itself with what has only recently taken hold and what, for the majority of people, must first develop as a transitional stage in evolution. This scientific worldview inevitably leads gradually to a kind of materialism, for it cannot be anything other than one-sided. It is, after all, acquired in a one-sided manner through what might be called the intellectual experiences of human beings, and it also strives to eliminate from the aforementioned worldview concepts as much as possible whatever does not correspond to this intellectual mood of human beings—whatever is not conceived, not devised, not gained through experiment or through observation aided by imagination and thought. This worldview has also, one might say, truly retained its one-sidedness with regard to the conception of the human being, and in view of the many impulses that have entered the human soul, we can sense how difficult it will be to unfold, through Spiritual Science, the more comprehensive soul attitude toward the world that emanates from the whole human being.

[ 3 ] Wenn heute jemand, der so recht darinnensteht in der wissenschaftlichen Weltanschauung, ein Buch in die Hand bekommt wie zum Beispiel «Die Geheimwissenschaft im Umriß», da sieht er selbstverständlich den Inhalt dieses Buches wie eine Art hirnverbrannten Unsinns an, weil er diesem Buch durch seine einseitige Gehirn- und Kopfstimmung natürlich keine besonderen Töne abgewinnen kann. Nun zeigt sich gerade an einer Erscheinung - natürlich an vielen Erscheinungen, aber an einer Erscheinung ganz eklatant — etwas von einem radikalen Gegensatz der geisteswissenschaftlichen Weltanschauungsstimmung gegenüber der naturwissenschaftlichen Weltanschauungsstimmung. Diesen einen Punkt möchte ich zunächst hervorheben.

[ 3 ] If today someone who is deeply immersed in the scientific worldview comes across a book such as *Outlines of Esoteric Science*, they naturally regard the book’s content as a kind of harebrained nonsense, because their one-sided mental and intellectual disposition naturally prevents them from deriving any particular insight from it. Now, one particular phenomenon—though there are, of course, many such phenomena, this one being especially striking—reveals something of the radical contrast between the worldview of Spiritual Science and the natural-scientific worldview. I would like to highlight this one point first.

[ 4 ] Wenn wir geisteswissenschaftlich den Menschen studieren, so zeigt sich uns bei dem weiteren Zurückgehen in urferne, vergangene Zeiten — wie wir sagen, in die Mondenentwickelung unseres planetarischen Daseins —, daß, wenn wir so den Menschen zurückverfolgen, gerade dasjenige, was für des Menschen Erdenentwickelung dem heutigen Menschen so bedeutungsvoll erscheint, eigentlich in der alten Mondenentwickelung noch nicht vorhanden war. In dieser alten Mondenentwickelung war von dem heutigen Menschen im wesentlichen — ich sage im wesentlichen — dasjenige vorhanden, was mehr oder weniger zusammenhängt gerade mit der heutigen Gehirnentwickelung des Menschen. Und das, was der Mensch außer seinem Haupte hat, außer dem, was hauptsächlich zum Schädel, zum Kopfe gehört, seine übrige Leiblichkeit, das ist im wesentlichen Erdenprodukt, Produkt der Erdenorganisation.

[ 4 ] When we study human beings from a perspective of Spiritual Science, as we go further back into the distant, past ages—as we say, into the lunar phase of our planetary existence—it becomes clear that, as we trace human development back in this way, precisely what appears so significant to modern humans in terms of human development on Earth was not actually present in the ancient lunar phase. In this ancient lunar evolution, what was essentially present in today’s human being—I say essentially—was that which is more or less connected precisely with the current development of the human brain. And what the human being has outside of their head, apart from what primarily belongs to the skull and the head—their remaining physicality—is essentially a product of the Earth, a product of the Earth’s organization.

[ 5 ] Im wesentlichen, sage ich wieder. Man könnte nämlich auch so sagen: Wenn man zurückverfolgt den Menschen bis zur alten Mondenentwickelung, dann sieht man allmählich, je weiter man zurückgeht, seine äußeren Gliedmaßen, durch die er heute ein Erdenmensch ist, einschrumpfen, und das, was dann bleibt, ist sein Haupt, das umgestaltet worden ist selbstverständlich durch die Erdenentwickelung, das aber im wesentlichen bleibt, wenn man zurückgeht zur Mondenentwickelung. Das andere hat sich anorganisiert, angegliedert. Ich habe das einmal genauer ausgeführt in den Vorträgen über «Okkulte Physiologie», von denen ich hoffe, daß sie bald einmal erscheinen werden, in dem Prager Zyklus, den ich im Jahre 1911 gehalten habe. Also, im wesentlichen kommen wir darauf, daß der Mensch ausgegangen ist von dem, was heute zusammengedrängt, konzentriert in seiner Schädelorganisation vorhanden ist; das andere hat sich angegliedert. Wir müssen also sagen, schematisch gezeichnet würden wir den Menschen in seiner Mondenentwickelung so haben, und in seiner Erdenentwickelung würden wir ihn so haben, daß sich die übrige Organisation daran angliedert.

[ 5 ] Essentially, I say again. One could also put it this way: If one traces human beings back to the ancient lunar evolution, then one gradually sees, the further back one goes, their outer limbs—through which they are today an earthly human being—shrinking, and what then remains is their head, which has of course been transformed by earthly evolution, but which essentially remains the same when one goes back to the lunar evolution. The rest has organized itself, become attached. I once elaborated on this in more detail in the lectures on “Occult Physiology”—which I hope will be published soon—in the Prague cycle I gave in 1911. So, essentially, we arrive at the conclusion that the human being originated from what is today compressed and concentrated within the organization of the skull; the rest has become attached. We must therefore say that, if drawn schematically, we would have the human being in his lunar evolution like this, and in his earthly evolution we would have him such that the rest of the organism is attached to it.

[ 6 ] Nehmen Sie dieses, was ich eben gesagt habe, und vergleichen Sie damit das, wozu es die einseitige naturwissenschaftliche Weltanschauung bis heute gebracht hat. In einseitiger Weise — selbstverständlich liegt all diesen Dingen etwas Berechtigtes zugrunde — geht sie davon aus, zu sagen, der Mensch habe sich aus den niederen Tierstufen allmählich zu seiner heutigen Vollkommenheit heraufentwikkelt. Was sehen wir denn bei den niederen Tierstufen? Wir sehen bei ihnen gerade dasjenige ausgebildet, was für den Menschen erst bei der Erdenentwickelung zu der Gehirn- und Kopfentwickelung hinzugekommen ist; und gerade das sehen wir bei den Tieren verkümmert, was des Menschen Haupt enthält. Wir sehen bei den Tieren gerade die Gliedmaßen, das, was als Anhängsel bei dem Menschen hinzugekommen ist, besonders ausgebildet, und das, was als Haupt beim Menschen sich schon bei der alten Mondenentwickelung besonders herausgebildet hatte, was sich dann konzentriert hat, das sehen wir bei den Tieren noch zusammengeschrumpft, verkümmert. Aber nur das gerade sieht die naturwissenschaftliche Weltanschauung. Wir können sagen, die naturwissenschaftliche Weltanschauung zäumt eigentlich das Pferd beim Schwanze auf, denn sie macht das, was sich bei dem Menschen erst angegliedert hat, zum Ausgangspunkt, und das, was beim Menschen vorhanden war, bevor er überhaupt solche Organe besaß, wie sie die jetzigen Tiere haben, zu etwas, was sich aus diesen Formen selber entwickelt haben soll.

[ 6 ] Take what I have just said and compare it with what the one-sided scientific worldview has led to today. In a one-sided way—though, of course, there is some validity underlying all these things—it assumes that human beings have gradually evolved from the lower animal stages to their present perfection. What do we see in the lower animal stages? We see in them precisely what has only been added to human beings during the Earth’s evolution in the form of brain and head development; and we see precisely what constitutes the human head atrophied in animals. In animals, we see the limbs—that which has been added as an appendage in humans—particularly well-developed, and that which had already developed distinctly as the head in humans during the ancient lunar evolution, and which then became concentrated, we see in animals as still shrunken and atrophied. But the scientific worldview sees only this. We can say that the scientific worldview actually puts the cart before the horse, for it makes what was only later added to the human being the starting point, and what was present in the human being before he even possessed organs such as those found in present-day animals into something that is supposed to have developed from these forms themselves.

[ 7 ] Logisch angesehen, heißt das nichts Geringeres, als so zu schließen: Man betrachtet erst ein Kind und dann den Vater und findet, daß der Vater größer ist als das Kind. Da man nun infolge eines logischen Schlusses annimmt, daß das Größere, sich entwickelnd, nur aus dem Kleinen hat entstehen können, so müßte sich der Vater aus dem Kinde entwickelt haben, und nicht umgekehrt. — So schließt man tatsächlich. So grotesk wird sich einstmals die Einseitigkeit der modernen naturwissenschaftlichen Denkweise vor einem neueren Bewußtsein der Menschheit ausnehmen. Man wird wissen, daß die einseitig aufgefaßte Darwinsche Theorie logisch nichts anderes ist als die Behauptung, daß das Kind seinen Vater geboren habe.

[ 7 ] Logically speaking, this amounts to nothing less than the following conclusion: One first considers a child and then the father, and finds that the father is larger than the child. Since, as a result of a logical conclusion, one assumes that the larger entity, in its development, could only have arisen from the smaller one, the father must have developed from the child, and not the other way around. — This is indeed the conclusion one draws. The one-sidedness of modern scientific thinking will one day appear just as grotesque to a new consciousness of humanity. It will be understood that Darwin’s theory, when taken at face value, is logically nothing other than the assertion that the child gave birth to its father.

[ 8 ] Nun können Sie sich denken, welche Anstrengungen noch notwendig sein werden, bis die Menschheit umlernt in bezug auf solche Sachen, wie sie jetzt angedeutet worden sind, und was alles dazugehört, um wirklich umzulernen. Man hat es glücklich dahin gebracht, eine Weltanschauung zu begründen, die die Welt auf den Kopf stellt, und nunmehr wird die Notwendigkeit an die Menschheit heranrükken, die Welt wieder auf die Beine zu stellen. Aber man hat sich seit kaum drei bis vier Jahrhunderten — recht daran gewöhnt, die «Kopfstellung» als die richtige anzusehen.

[ 8 ] Now you can imagine what efforts will still be necessary before humanity can re-learn things like those that have just been mentioned, and everything that is involved in truly re-learning them. We have successfully managed to establish a worldview that turns the world upside down, and now humanity will face the necessity of setting the world back on its feet. But for barely three or four centuries now, we have become quite accustomed to viewing the “upside-down” position as the correct one.

[ 9 ] Es gehört wirklich zu unseren Aufgaben, nicht bloß theoretische Vorstellungen uns anzueignen über dieses oder jenes in der Welt, sondern Gefühle und Empfindungen uns anzueignen für die Aufgaben, die uns innerhalb der geisteswissenschaftlichen Bewegung obliegen. Wir müssen uns klar sein, wie sehr dasjenige, was für uns folgen muß aus der geisteswissenschaftlichen Auffassung der Welt, sich wirklich unterscheiden muß von dem, was uns draußen heute überall umgibt. Sonst werden wir immer wieder und wieder in den Fehler verfallen, die radikalen Unterschiede nicht zu bemerken und leichtfertig Kompromisse schließen zu wollen, während wir uns doch bewußt sein müssen, daß wir nicht anders können, als nicht auf frühere Weltanschauungen etwas darauf zu pfropfen, sondern aus einer neuen Urzelle des Weltanschauungslebens dasjenige zu entwickeln, was uns als das Richtige aus der Geisteswissenschaft heraus immer mehr und mehr vorschweben kann. Nur aus diesem Bewußtsein heraus wird es uns gelingen, unsere Seele in unsere Aufgabe hineinzustellen, und wir müssen uns daran gewöhnen, daß viele Fragen, die draußen, außerhalb des Kreises geisteswissenschaftlicher Anschauung auftauchen, erst angefaßft werden können, wie ich das mit Bezug auf eine Frage gestern gezeigt habe, wenn wir uns auf das einlassen, was die Geisteswissenschaft in unserer Seele auslösen kann.

[ 9 ] It is truly part of our task not merely to acquire theoretical mental images about this or that in the world, but to cultivate feelings and sensibilities for the tasks that fall to us within the Spiritual Science movement. We must be clear about how much what must follow for us from the view of Spiritual Science of the world must truly differ from what surrounds us everywhere outside today. Otherwise, we will fall into the error again and again of failing to notice the radical differences and of wanting to make reckless compromises, whereas we must be aware that we have no choice but to refrain from grafting anything onto earlier worldviews, but rather to develop, from a new primal cell of worldview life, that which can increasingly emerge before us as the right path from Spiritual Science. Only from this awareness will we succeed in placing our soul into our task, and we must accustom ourselves to the fact that many questions that arise outside the circle of spiritual scientific outlook can only be addressed—as I demonstrated yesterday with regard to one such question—if we open ourselves to what Spiritual Science can awaken in our soul.

[ 10 ] Lassen Sie uns noch etwas anderes betrachten, das uns naheliegen kann gegenüber dem Orte, wo wir gerade jetzt stehen, dem Orte, wo wir unseren Bau aufgeführt haben. Ich habe es früher öfter betont, wie Kunst, Wissenschaft und Religion drei Zweige des menschlichen Geisteslebens sind, die aus einer Wurzel entsprangen. Wenn wir zurückgehen — so sagte ich oftmals — in die Zeit der Urmysterien, da finden wir die Verrichtungen der Urmysterien nicht so, daß wir sagen könnten, sie wären Kunst oder Religion oder Wissenschaft, sondern sie sind das alles zusammen. Eine Einheit, organisch miteinander verbunden, sind Wissenschaft, Religion und Kunst in den Urmysterien.

[ 10 ] Let us consider something else that may be close to us in relation to the place where we are standing right now, the place where we have built our structure. I have often emphasized in the past how art, science, and religion are three branches of human spiritual life that sprang from a single root. If we go back—as I have often said—to the time of the ancient mysteries, we find that the rituals of the ancient mysteries cannot be categorized as art, religion, or science; rather, they are all of these things together. Science, religion, and art form a unity, organically interconnected, within the ancient mysteries.

[ 11 ] Was die Menschen heute mit den ohnmächtigen Begriffen und Vorstellungen, von denen ich gestern gesprochen habe, sich zu vergegenwärtigen versuchen, das erblickte der Mensch in lebendiger Darstellung, in lebendiger Anschauung in den Urmysterien. Er nahm das wahr, was er heute nur denken kann. So wie wir heute ein Kunstwerk anschauen, werden wir künftig nicht an das Kunstwerk herangehen. Wir werden künftig nicht an das Kunstwerk so herangehen, daß wir es anschauen und dann glauben, daß wir es erst mit den Gedanken verstehen, sondern wir werden es in unmittelbarem Anschauen in der Seele erlebend verstehen. So verstand — erlebend in dem, was er anschaute — der Mensch, der in die Mysterien eingeweiht wurde, dasjenige, was er wissentlich begreifen sollte. Was er so wissentlich begreifen sollte, was er anschauend verstehen, verstehend anschauen sollte, das war zugleich ein Schönes als in äußeren Formen und Farben auftretend, in Tönen und Worten redend: es war zugleich Kunst. Sie waren eins, Wissenschaft und Kunst.

[ 11 ] What people today try to visualize using the abstract concepts and mental images I spoke of yesterday, humanity once perceived in vivid depictions, in living visions, within the ancient mysteries. They perceived what we can only think of today. Just as we view a work of art today, we will not approach the work of art in the future. In the future, we will not approach a work of art by looking at it and then believing that we understand it only through thought, but rather we will understand it through direct perception, experiencing it in the soul. Thus, the person initiated into the mysteries understood—by experiencing what they beheld—that which they were meant to grasp through knowledge. What he was to grasp in this way through knowledge, what he was to understand by beholding and to behold by understanding, was at the same time something beautiful appearing in external forms and colors, speaking in tones and words: it was at the same time art. They were one, science and art.

[ 12 ] Heute gibt uns nur noch die Kunst, die sich abgetrennt hat von dem, was uns Wissenschaft geben soll, eine Vorstellung von dem, wie man im unmittelbaren äußeren Vereintsein zugleich innerlich vereint ist mit dem Objekte; und nur diejenigen, welche die Barbarei des Symbolismus, des Symbolisierens in die Kunst hineintragen wollen, versündigen sich gegen dieses unmittelbare erlebende Verstehen des Kunstwerkes. Denn in dem Augenblicke, wo man anfängt, ein Kunstwerk zu deuten, verläßt man dasjenige, was man das erlebende Verstehen des Kunstwerkes nennen kann. Es ist im Grunde genommen eine wirkliche Barbarei, sagen wir, dem «Hamlet» gegenüber so zu verfahren, daß die einzelnen Personen als die Prinzipien der theosophischen Anschauung gedeutet werden oder dergleichen. Möchte ich es doch nicht erleben, daß man die einzelnen Formen unseres Baues in dieser Weise symbolisch deutet, denn das unmittelbare verstehende Erleben ist es, um was es sich dabei handelt!

[ 12 ] Today, only art—which has separated itself from what science is supposed to give us—gives us a mental image of how one can be united with the object both externally and internally at the same time; and only those who wish to introduce the barbarism of symbolism, of symbolization, into art, sin against this immediate, experiential understanding of the work of art. For the moment one begins to interpret a work of art, one departs from what might be called the experiential understanding of the work of art. It is, in essence, a true barbarism, let us say, to approach “Hamlet” in such a way that the individual characters are interpreted as the principles of theosophical doctrine or the like. I would not wish to see the individual forms of our architecture interpreted symbolically in this manner, for it is the immediate, understanding experience that is at stake here!

[ 13 ] So war in den Urmysterien wissenschaftliches Erleben der Welt zugleich künstlerisches Erleben der Welt, und zugleich war dieses wissenschaftliche und künstlerische Erleben der Welt religiöses Erfühlen der Welt. Denn was so erlebt wurde im unmittelbaren lebendigen Anschauen, im erlebenden Verstehen und verstehenden Erleben, das war zugleich dasjenige, was man verehren konnte, zu dem man mit religiöser Inbrunst seine ganze Seele erheben konnte. Religion, Kunst und Wissenschaft, sie waren eins; und es mußte — ich möchte das religiöse Wort gebrauchen — um der menschlichen erbsündlichen Schwachheit willen die Trennung eintreten in Wissenschaft, Kunst und Religion. Was ursprünglich eins war, mußte sich spalten, so daß eine religiöse Strömung, eine künstlerische Strömung und eine wissenschaftliche Strömung entstand. Was ursprünglich die ganze Menschenseele erfaßt hat als Organismus, gewoben von wissenschaftlichem, religiösem und künstlerischem Inhalt, das mußte verteilt werden auf die einzelnen Seelenkräfte. Für den Verstand, für das Denken, wurde dem Menschen die Wissenschaft gereicht, damit, wenn er in der Wissenschaft denkend die Welt erlebt, sein Wollen und Fühlen schlafen, sich ausruhen können.

[ 13 ] Thus, in the primordial mysteries, the scientific experience of the world was at the same time an artistic experience of the world, and at the same time, this scientific and artistic experience of the world was a religious perception of the world. For what was experienced in this way—in immediate, living perception, in experiential understanding and understanding experience—was at the same time that which one could revere, to which one could lift one’s whole soul with religious fervor. Religion, art, and science were one; and—I would like to use the religious term—because of human original sin and weakness, a separation had to occur between science, art, and religion. What was originally one had to split, so that a religious current, an artistic current, and a scientific current arose. What originally encompassed the entire human soul as an organism, woven from scientific, religious, and artistic content, had to be distributed among the individual powers of the soul. For the intellect, for thinking, science was given to humanity so that, when experiencing the world through scientific thought, their will and feeling might sleep, might rest.

[ 14 ] Der Mensch wurde schwach. Einseitig, im Denken, suchte er wissenschaftlich die Welt zu erleben, und wieder einseitig suchte er sie künstlerisch zu erleben, damit die andern Kräfte schlafen können, und wieder einseitig religiös suchte er die Welt zu erleben aus demselben Grunde. Der Mensch würde nicht dasjenige, was er gedanklich erarbeiten kann, in solcher Vollkommenheit herausgestalten können, wie es heute geschieht, wenn sich nicht eine einseitig wissenschaftliche Strömung herausgebildet hätte; er würde nicht das, was künstlerisch erreicht worden ist, haben erlangen können, wenn sich nicht die Kunst abgesondert hätte; und die religiöse Inbrunst würde nicht jene Höhe erreicht haben, die sie erreichen mußte, wenn sie sich nicht abgesondert hätte von den andern Seelenkräften, die der Wissenschaft und der Kunst gewidmet sind.

[ 14 ] Humanity has grown weak. In a one-sided way, through thought, it sought to experience the world scientifically; and again, in a one-sided way, it sought to experience it artistically, so that the other forces might lie dormant; and again, in a one-sided way, it sought to experience the world religiously for the same reason. Humanity would not be able to shape what it can develop intellectually with such perfection as is the case today if a one-sided scientific current had not emerged; he would not have been able to attain what has been achieved artistically had art not separated itself; and religious fervor would not have reached the heights it had to reach had it not separated itself from the other spiritual forces devoted to science and art.

[ 15 ] Aber in bezug auf diese Absonderung sind wir tatsächlich bei einer Krisis angelangt, und diese Krisis spricht sich deutlich aus; sehr, sehr deutlich spricht sie sich aus. Worin? Ich möchte sagen, gerade in den letzten Jahrhunderten hat die Menschheit es immer mehr erfahren müssen, wie diese Krisis sich ausspricht. Es haben sich so weit getrennt Wissenschaft, Kunst und Religion, daß sie sich gegenseitig nicht mehr verstehen, daß sie gegenseitig keine Beziehungen mehr zueinander haben können. Langsam sehen wir, wie die «diplomatischen Beziehungen» abgebrochen werden zwischen Religion, Wissenschaft und Kunst. Wir sehen, wie noch solche Beziehungen vorhanden waren, sagen wir, in der Hoch-Zeit der italienischen Renaissance, wo noch ein inniges Band gewoben ist zwischen Religion und Kunst in den Schöpfungen Raffaels, Michelangelos und Leonardo da Vincis. Aber je mehr wir hineingehen in die neuere Zeit, desto mehr finden wir, wie sich allmählich ein gegenseitiges Nichtverstehen herausbildet zwischen Wissenschaft, Kunst und Religion. Wir sehen da — und müssen es leider bekennen —, wie vielfach in den letzten Jahrhunderten die Religion sogar kunstfeindlich geworden ist; wir sehen, wie sie die Kunst herausgeworfen hat, wie es religiöse Strömungen gibt, welche die Höhe des religiösen Fühlens dadurch zu erreichen suchen, daß sie die Bildwerke herauswarfen und die Kirchen möglichst nüchtern und kunstleer machten. Wir sehen ferner, wie eine andere religiöse Strömung dahin gekommen ist, Bildwerke zwar noch zu haben, aber meistenteils solche, die keine Kunstwerke mehr sind, denn das, was wir vielfach an Bildwerken aus den letzten Jahrhunderten in den Kirchen noch finden, ist jedenfalls nicht dazu berufen, den Kunstsinn, den ästhetischen Sinn zu wecken, sondern ihn gründlich auszurotten. Und wir sehen auf der andern Seite, wie die Kunst sich immer mehr und mehr entschlagen hat ihres Zusammenhanges mit der Auffassung des göttlich-geistigen Seins, wie alles in Naturalismus übergegangen ist, wie man immer mehr und mehr nur dasjenige darstellen will, was ein Vorbild hat in der äußeren Natur.

[ 15 ] But with regard to this separation, we have indeed reached a crisis, and this crisis is making itself felt very clearly; it is making itself felt very, very clearly. In what way? I would say that, especially in recent centuries, humanity has had to experience more and more how this crisis manifests itself. Science, art, and religion have become so estranged that they no longer understand one another, that they can no longer have any relationship with one another. We are slowly seeing how “diplomatic relations” are being severed between religion, science, and art. We see how such relationships still existed, let us say, during the heyday of the Italian Renaissance, where a deep bond was still woven between religion and art in the works of Raphael, Michelangelo, and Leonardo da Vinci. But the further we move into modern times, the more we find that a mutual lack of understanding is gradually taking shape between science, art, and religion. We see there—and must unfortunately admit—how often in recent centuries religion has even become hostile to art; we see how it has cast art aside, how there are religious movements that seek to attain the heights of religious feeling by casting out works of art and making churches as austere and devoid of art as possible. We also see how another religious movement has come to retain visual works, but mostly ones that are no longer works of art, for what we often still find in churches from the past centuries is certainly not intended to awaken the artistic sense or the aesthetic sense, but rather to thoroughly eradicate it. And on the other hand, we see how art has increasingly renounced its connection to the conception of divine-spiritual being, how everything has shifted toward naturalism, and how there is an ever-growing tendency to depict only that which has a model in external nature.

[ 16 ] Selbstverständlich muß dann die Kunst ihre, wenn ich so sagen darf, «diplomatischen Beziehungen» zur Religion abbrechen, wenn sie nur naturalistische Kunst sein will, denn dasjenige, was die Religion verehren muß, kann kein Vorbild in der äußeren Natur haben. Das ist ja ganz selbstverständlich. Und wie wenig die Wissenschaft ihre Beziehungen aufrechterhalten hat, sehen wir an dem langsamen Heranrücken dieses Abbrechens der Beziehungen. Ja, man sieht das langsam heranrücken.

[ 16 ] Of course, art must then sever its—if I may put it that way—“diplomatic relations” with religion if it wishes to be purely naturalistic art, for that which religion must revere cannot have a model in external nature. That goes without saying. And we can see just how little science has maintained its relations by the slow approach of this severing of relations. Yes, one can see it slowly approaching.

[ 17 ] Wir haben einen ausgezeichneten Künstler im 16. Jahrhundert, der zugleich als Anatom und Techniker auf den verschiedensten Gebieten tätig gewesen ist: Leonardo da Vinci. Wer seine wissenschaftlichen Werke durchnimmt, fühlt noch überall, wie diese wissenschaftlichen Werke durchdrungen sind von künstlerischem Sinn. Man sieht aber, wie mehr und mehr verdunstet dieser Sinn in der neueren Zeit, wie unkünstlerisch er geworden ist, und wie man heute zu glauben scheint, daß gerade die Größe der Wissenschaft darin bestehe, unkünstlerisch zu sein. Es ist geradezu für eine gewisse Richtung der neueren Zeit zum Dogma geworden, daß Goethe deshalb ein so schauervoller Physiker sei, weil der künstlerische Sinn ihn nicht einen ordentlichen Physiker habe werden lassen.

[ 17 ] We have an outstanding artist from the 16th century who was also active as an anatomist and technician in a wide variety of fields: Leonardo da Vinci. Anyone who examines his scientific works can still sense everywhere how deeply these works are imbued with artistic sensibility. But one sees how this sensibility has increasingly evaporated in more recent times, how unartistic it has become, and how people today seem to believe that the very greatness of science lies in being unartistic. It has virtually become a dogma for a certain school of thought in modern times that Goethe was such a dreadful physicist precisely because his artistic sensibility prevented him from becoming a proper physicist.

[ 18 ] Kurz, es ist zum Nichtverstehen gekommen zwischen den drei Strömungen. Das aber bezeichnet die Krisis. Denn wenn sich dasjenige, was aus einer Wurzel stammt, in seinen gegenseitigen Beziehungen so voneinander sondert, daß die Lebenssäfte nicht mehr aus der gemeinsamen Wurzel kommen, so muß die Krisis eintreten, so muß die einseitige Entwickelung diese Strömungen zum Verdorren führen. In bezug auf das Nichtverstehen dessen, was gemeinsamer Organismus, zusammenhängender Organismus in der Menschennatur ist und in der äußeren Entwickelung sich trennt, haben wir es in neuerer Zeit überhaupt zum Krisenhaften gebracht. Wir stecken darin in den Krisen. Solche Krisen können so bezeichnet werden, daß wir sagen, die menschliche Natur fordert organische Vereinheitlichung dessen, was eine Zeitlang getrennte Wege in der äußeren Welt gehen mußte. Auf vielen Gebieten des Lebens kann der Mensch, der nicht stumpf durch die Weltenentwickelung geht, solches Krisenhafte wahrnehmen, und ein solcher Mensch wird vieles von dem, was nicht so bleiben kann, wie es in der heutigen Entwikkelung ist, in seinen Ursachen in diesen Krisen beobachten, und er wird Aufschluß über das gewinnen, was zu geschehen hat, um die Krisen zu überwinden.

[ 18 ] In short, a breakdown in understanding has occurred between the three currents. But that is what defines a crisis. For when that which stems from a single root becomes so separated in its mutual relationships that the life-sustaining forces no longer flow from the common root, then a crisis must occur; then the one-sided development of these currents must lead to their withering away. With regard to the lack of understanding of what constitutes a common organism, a coherent organism in human nature, and which separates in external development, we have in recent times brought about a crisis situation. We are caught up in these crises. Such crises can be described by saying that human nature demands the organic unification of what, for a time, had to follow separate paths in the external world. In many areas of life, a person who does not go through world development in a dull-witted manner can perceive such crisis-like conditions, and such a person will observe in these crises the causes of much of what cannot remain as it is in today’s development, and will gain insight into what must happen to overcome the crises.

[ 19 ] Eine Krisis haben wir angedeutet in dem Sich-gegenseitig-nicht-mehr-Verstehen von Wissenschaft, Kunst und Religion. Eine andere Krisis geht durch die Welt, die nur von wenigen bemerkt wird, die aber furchtbar ist in ihrer Wirkung, eine Krisis, die herrührt von dem Nichtverstehen zweier Strömungen. Die eine Strömung ist die, welche einstmals durch die Welt gehaucht wurde in den so unendlich tiefen, in das Menschenherz eingegrabenen Aussprüchen: «Mein Reich ist nicht von dieser Welt» und «Ihr seid von unten her, ich aber bin von oben her». Des Menschen Wurzel ist in der geistigen Welt.

[ 19 ] We have hinted at a crisis in the mutual incomprehension between science, art, and religion. Another crisis is sweeping through the world, one that is noticed by only a few but is terrible in its effects—a crisis that stems from a failure to understand two currents. One of these currents is the one that once breathed through the world in the infinitely profound sayings engraved in the human heart: “My kingdom is not of this world” and “You are from below, but I am from above.” Humanity’s roots lie in the spiritual world.

[ 20 ] Die zweite Strömung, die sich immer mehr und mehr entwickeln muß zu einem krisenhaften Gegenüberstehen dem, was zum Ausdruck kommt in den Worten: «Mein Reich ist nicht von dieser Welt» und «Ich bin von oben her, Ihr aber seid von unten her», das ist das Wort: «L'état c'est moi! Der Staat bin ich!», mein Reich, das Reich meines Ichs ist ganz an diese Welt gebunden. Das Richtige liegt in der Synthesis der beiden Sätze. Es liegt in dem universell aufgefaßten Christentum, ausgesprochen in den Worten «Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist». Im richtig verstandenen Christentum liegt kein falsches Abkehren von der Welt. Es liegt darin aber auch nicht jene Einseitigkeit, die bloß in dem Sich-Anhängen an die materiellen Einrichtungen des Weltendaseins sich ausleben kann.

[ 20 ] The second current, which must increasingly develop into a crisis-ridden opposition to what is expressed in the words: “My kingdom is not of this world” and “I am from above, but you are from below,” is the statement: “L'état c'est moi! The state is me!“, my kingdom, the kingdom of my ego, is entirely bound to this world. The truth lies in the synthesis of the two statements. It lies in Christianity understood in its universal sense, expressed in the words ”Render unto Caesar the things that are Caesar’s, and unto God the things that are God’s." In correctly understood Christianity, there is no false turning away from the world. Nor, however, does it contain that one-sidedness which can only find expression in clinging to the material institutions of worldly existence.

[ 21 ] Wir berühren, indem wir solches aussprechen, wahrhaft die tiefsten Aufgaben der Anthroposophie, die allertiefsten Aufgaben. Denn die Anthroposophie, im wahren Sinnes des Wortes, muß nicht einseitig einer Kopfstimmung entsprungen sein, sondern der ganzen Seele des Menschen. Und dann erst wird diese Seele den Übergang finden in das anthroposophische Leben, wenn sie ganz, nicht bloß in ihrem Vorstellungsleben, ergriffen wird von dem, was die Geisteswissenschaft gegeben hat, wenn sie ganz, ganz davon ergriffen wird.

[ 21 ] In speaking of such things, we are truly touching upon the deepest tasks of anthroposophy, the very deepest tasks. For anthroposophy, in the true sense of the word, must not arise one-sidedly from an intellectual mood, but from the whole soul of the human being. And only then will this soul find the transition into the anthroposophical life, when it is wholly, not merely in its imaginative life, seized by what Spiritual Science has given, when it is wholly, wholly seized by it.

[ 22 ] Es ist eine Tatsache, daß das, was des Menschen Haupt geworden ist im Mondendasein, während des Erdendaseins auf dem Weg ist, der ganze Mensch zu werden. Während der alten Mondenentwickelung war ein Wesen da, der Vorfahr des gegenwärtigen Menschen. Was dazumal ein äußerer Organismus war, ist heute zum Haupte geworden. Die Glieder haben sich angesetzt. Wenn die kommende Jupiterentwickelung da sein wird, wird dieser ganze Organismus des heutigen Menschen Haupt geworden sein. Was Sie heute als ganzer Mensch sind, wird Gehirn, Haupt des Jupitermenschen sein, so wie der ganze Mondmensch zum Haupt des Erdenmenschen geworden ist.

[ 22 ] It is a fact that what became the head of the human being during the Lunar phase is, during the Earth phase, on the path to becoming the whole human being. During the ancient Lunar evolution, there was a being—the ancestor of modern humans. What was then an external organism has now become the head. The limbs have developed. When the coming Jupiter evolution takes place, this entire organism of today’s human being will have become the head. What you are today as a whole human being will be the brain, the head of the Jupiter human, just as the entire Lunar human became the head of the Earth human.

[ 23 ] Darin besteht die Aufgabe wahrer geistiger Entwickelung, daß die Zukunft wirklich vorausgenommen wird. Deshalb müssen wir uns bewußt werden, daß um uns herum eine Kopfkultur ist, und daß es uns obliegt, eine Menschheitskultur zu schaffen. Unser Kopf könnte nicht denken, könnte keine Vorstellungen, keine Begriffe spiegeln, wenn er sich so verhielte, wie unser ganzer übriger Organismus; niemals könnte er dann wirklich seine Aufgabe erfüllen. Unser Kopf spiegelt die Welt, die ja unsere Wahrnehmungswelt wird, nur deshalb, weil er sich in seinem Wahrnehmen vergessen kann, richtig vergessen kann. In seinem Fühlen ist der Mensch — Gott sei Dank ja immer kopflos. Wenn Sie versuchen, sich durchzuspüren, durchzufühlen und sich zu fragen: Was fühle ich am wenigsten in meinem Organismus? — so ist es wirklich der Kopf, der sich im normalen Leben am meisten vergißt. Und wenn er sich wirklich einmal nicht vergißt, dann tut er weh, und dann ist es ihm auch am liebsten, wenn er gar nichts wahrnehmen muß, sondern hübsch in Frieden gelassen und ohne Wahrnehmung gehalten wird. Da macht er seinen Egoismus geltend. Sonst aber löscht er sich aus, und weil er sich auslöscht, können wir die ganze umliegende Welt wahrnehmen. Er ist organisiert dazu, sich auszulöschen.

[ 23 ] The task of true spiritual development lies in truly anticipating the future. That is why we must realize that the culture around us is a culture of the mind, and that it is up to us to create a culture of humanity. Our head could not think, could not reflect any mental images or concepts, if it behaved like the rest of our organism; it could never truly fulfill its task. Our head reflects the world—which becomes our world of perception—only because it can forget itself in its perception, truly forget itself. In their feeling, human beings are—thank God—always headless. If you try to feel your way through yourself and ask: What do I feel least in my organism? — it is truly the head that forgets itself most in normal life. And when it does not forget itself, it hurts, and then it prefers not to perceive anything at all, but to be left in peace and kept free of perception. That is when it asserts its egoism. Otherwise, however, it erases itself, and because it erases itself, we can perceive the entire surrounding world. It is organized to erase itself.

[ 24 ] Würden Sie nur ein klein wenig die äußere Peripherie des Kopfes nicht vergessen, sondern ins Auge fassen, dann könnten Sie schon nicht mehr die äußere Umgebung wahrnehmen. Denken Sie sich, daß Sie, anstatt die äußere Welt wahrzunehmen, Ihr Auge sehen würden; wenn Sie zum Beispiel einen Schritt nur zurücktreten würden mit Ihrer Wahrnehmung, dann würden Sie die Schädelhöhle sehen, aber mit Wahrnehmung der Außenwelt wäre es nichts. In demselben Maße und in dem Augenblicke, in dem es dem Menschen gelingt, seinen Organismus ganz auszuschalten — was man bekanntlich durch Meditation und in der Initiation erreicht —, in demselben Maße und Augenblicke wird dieser Organismus ein wirklicher Spiegel der Welt, nur, daß wir dann nicht den Organismus sehen, sondern den Kosmos. So wie der Kopf auch nicht sich selber sieht, sondern dasjenige, was um ihn herum ist, so sieht der ganze Mensch, wenn er Wahrnehmungsorgan wird, den Kosmos. Das ist das Ideal, das uns vorschweben muß: Vergessen des Organismus, so wie er uns auf dem physischen Plane erscheint, und dafür ihn benützen können als Spiegelungsapparat für die Geheimnisse des Kosmos.

[ 24 ] If you were to focus just a little bit on the outer periphery of your head rather than ignoring it, you would no longer be able to perceive your external surroundings. Imagine that, instead of perceiving the external world, you would see your own eye; if, for example, you were to take just one step back with your perception, you would see the cranial cavity, but you would no longer perceive the external world. To the same extent and at the very moment that a person succeeds in completely shutting down their organism—which, as is well known, is achieved through meditation and initiation—to that same extent and at that very moment, this organism becomes a true mirror of the world, except that we then do not see the organism, but the cosmos. Just as the head does not see itself but rather what is around it, so the whole human being, when it becomes an organ of perception, sees the cosmos. This is the ideal we must hold before us: to forget the organism as it appears to us on the physical plane, and instead to be able to use it as a mirror for the mysteries of the cosmos.

[ 25 ] So erweitern wir allmählich unsere Kopfauffassung zu einer Ganz-Mensch-Auffassung der Welt, und wir müssen lernen, etwas davon zu verspüren, zu empfinden, zu fühlen, wie wirklich Anthroposophie den ganzen Menschen ergreifen muß, überwindend diese Kopfstimmung — so darf ich sie nennen im Gegensatz zur anthroposophischen Stimmung —, die einseitige Kopfstimmung, die von der modernen Wissenschaft ausgeht und so ganz nur den Kopf erfaßt.

[ 25 ] In this way, we gradually expand our intellectual conception of the world into a whole-human conception, and we must learn to sense, perceive, and feel something of how anthroposophy must truly engage the whole human being, overcoming this intellectual mood—as I may call it in contrast to the anthroposophical mood —the one-sided intellectual mood that emanates from modern science and thus engages only the head.

[ 26 ] Wenn Sie etwas von dem real nehmen, was ich gestern gesagt habe, als ich schilderte, wie sich der Mensch bewußt werden kann, daß er ein Leuchter ist für die Cherubim, ein Wärmeapparat für die Seraphim, wie er sich im Denken und Wollen hineinstellt in die Welt der Cherubim und Seraphim, wie er etwas bedeutet für diese Welt, wie sein Selbst nicht nur für sich da ist, sondern in einem lebendigen Verhältnis zu dem Weben und Leben der geistigen Hierarchien steht — wenn Sie das zu einer Gesinnung machen, dann werden Sie etwas verspüren davon, wie der ganze Mensch richtig Gehirn werden kann, wie er als ganzer Mensch so in Kommunikation kommen kann mit seiner Umgebung, wie sonst nur das Haupt. Dann werden Sie fühlen, was eigentlich gemeint ist mit diesem: als ganzer Mensch auffassen die Welt.

[ 26 ] If you take to heart what I said yesterday when I described how a human being can become aware that they are a lamp for the cherubim, a source of warmth for the seraphim, how through their thinking and willing they place themselves within the world of the cherubim and seraphim, how they mean something to this world, how their self is not merely there for themselves but stands in a living relationship to the weaving and life of the spiritual hierarchies—if you make this your attitude, then you will sense something of how the whole human being can truly become a brain, how they, as a whole human being, can thus enter into communication with their surroundings in a way that otherwise only the head can. Then you will feel what is actually meant by this: to perceive the world as a whole human being.

[ 27 ] Wenn man aber wieder als ganzer Mensch auffaßt die Welt, dann kann man nicht einseitig denken, fühlen und wollen, sondern man lebt sich ein in das ganze Erdensein. In das ganze Erleben der Welt lebt man sich ein, und es entsteht von selbst, ich möchte sagen, das innere Angewiesensein darauf, die Dinge nicht nur in Gedanken zu haben, sondern auch in Formen, nicht nur in den formlosen Gedanken, sondern in den schönen, ausdruckvollen Formen. Es entsteht der Trieb, das Bedürfnis, in künstlerischen Formen die Dinge auszudrücken, die man verstandesmäßig har.

[ 27 ] But when one perceives the world once again as a whole human being, then one cannot think, feel, and will in a one-sided way; rather, one immerses oneself in the entirety of earthly existence. One immerses oneself in the entire experience of the world, and it arises of its own accord—I would say—an inner dependence on not merely having things in thought, but also in form; not merely in formless thought, but in beautiful, expressive forms. There arises the impulse, the need, to express in artistic forms the things one grasps intellectually.

[ 28 ] Und wiederum: wenn der Mensch eintaucht in das ganze geistige Weltenleben, so wird sein Leben im Grunde genommen Gebet, und er hat dann nicht mehr so unbedingt nötig, sich hübsch Minütchen auszusondern, in denen er betet. Sondern er weiß: Wenn ich denke, bin ich Leuchter der Cherubim, wenn ich handle, wenn ich wollend handle, bin ich Wärmeapparat für die Seraphim. Der Mensch weiß, er lebt darinnen in dem ganzen geistigen Weltgefüge. Denken wird ihm selbst zur religiösen Gesinnung, Handeln wird ihm zum moralischen Gebet.

[ 28 ] And again: when a person immerses themselves in the entire spiritual life of the world, their life essentially becomes prayer, and they no longer feel such a pressing need to set aside little moments specifically for prayer. Instead, they know: When I think, I am a candlestick for the cherubim; when I act, when I act with intention, I am a source of warmth for the seraphim. The human being knows that they live within the entire spiritual fabric of the world. Thinking itself becomes a religious disposition for them; acting becomes a moral prayer.

[ 29 ] Wir sehen, wie diese drei Gebiete, Kunst, Religion und Wissenschaft, die eine Weile getrennt gehen mußten in der Welt, sich wiederum suchen aus dem ganzen Menschen heraus. Der Mensch hat sich im Beginne der Erdenentwickelung so viel mitgebracht aus der außerirdischen Entwickelung, daß er noch das lebendige, einheitliche Gefühl, das einheitliche Streben hatte, wie es sich in der alten Zeit in der Vereinigung von Kunst, Religion und Wissenschaft ausdrückte. Man könnte sagen, im Menschen strebte damals noch sein Engel, sein Angelos. Aber der Mensch wäre niemals frei geworden, wenn es so fortgegangen wäre. Der Mensch mußte emanzipiert werden von diesem alten Erbgut. Aber er muß in der aufsteigenden Entwickelung wiederfinden, was er in der absteigenden Entwickelung verloren hat.

[ 29 ] We see how these three realms—art, religion, and science—which for a time had to go their separate ways in the world, are once again seeking one another from within the whole human being. At the beginning of Earth’s development, humanity brought so much with it from extraterrestrial evolution that it still possessed the living, unified feeling, the unified striving, as expressed in ancient times through the union of art, religion, and science. One might say that at that time, humanity’s angel, its Angelos, was still striving within it. But humanity would never have become free if things had continued that way. Humanity had to be emancipated from this ancient heritage. Yet in the ascending phase of development, it must rediscover what it lost in the descending phase.

[ 30 ] Es ist öfter über ein schönes Wort Goethes gesprochen worden von der Baukunst. Er hat die Baukunst eine gefrorene Musik genannt. Bleiben wir bei diesem Ausspruch stehen. Man kann wirklich die Baukunst in ihrer bisherigen Entwickelung eine Art gefrorene Musik nennen. Die Formen der Baukunst sind wie erstarrte Melodien, wie festgewordene Harmonien und Rhythmen. Aber wir haben die Aufgabe, da wir unmittelbar darinnenstehen in der angedeuteten Krisis, das Erstarrte wieder in Bewegung, in Lebendigkeit zu bringen, gewissermaßen die erstarrten Formen wiederum musikalisch lebendig zu machen. Wenn Sie unseren Bau sehen, werden Sie ihm das Bestreben ansehen, die alten erstarrten Bauformen in Bewegung zu bringen, in Leben umzuformen, sie wieder musikalisch zu machen. Das liegt zugrunde, warum wir keinen Rundbau haben, sondern eine einzige Symmetrieachse, längs welcher sich die Motive fortbewegen.

[ 30 ] Much has been said about a beautiful remark Goethe made regarding architecture. He called architecture “frozen music.” Let us pause to consider this statement. One can truly describe architecture, in its development to date, as a kind of frozen music. The forms of architecture are like frozen melodies, like harmonies and rhythms that have solidified. But since we are directly in the midst of the crisis I have described, our task is to set what has frozen back in motion, to bring it back to life—in a sense, to make the frozen forms musically alive again. When you see our building, you will see in it the endeavor to set the old, frozen architectural forms in motion, to transform them into life, to make them musical again. This is the underlying reason why we do not have a circular building, but a single axis of symmetry along which the motifs move.

[ 31 ] So sehen wir, wie das, was geisteswissenschaftliche Weltanschauung auch als Kunst will, in innigem Zusammenhang steht mit allen Aufgaben, mit allen notwendigen Impulsen unserer Zeit, die wir in den Krisen unserer Zeit erkennen. Dieses zu verstehen, zu durchschauen, ist unsere Aufgabe, ist ungeheuer notwendig zu unserer Aufgabe. Alle Einzelheiten unserer Aufgabe müssen wir von diesem Gesichtspunkte aus allmählich zusammenschauen.

[ 31 ] Thus we see how what the spiritual-science worldview also seeks to achieve through art is intimately connected with all the tasks and all the necessary impulses of our time, which we recognize in the crises of our age. To understand this, to see through it, is our task; it is of immense necessity to our task. We must gradually bring all the details of our task into focus from this perspective.

[ 32 ] Der Mensch verlernt heute früh, seinen ganzen Organismus wie eine Art Gehirn zu gebrauchen. Die Anlage hat er schon, aber kaum hat er sich vom kriechenden Kinde zum aufrechtgehenden Menschen entwickelt in den ersten Lebensjahren, so verlernt er, eine Beziehung zu seinem ganzen Organismus zu haben, so wie er sie dann sein ganzes Leben hindurch zu seinem Gehirn hat; denn dieses SichAufrichten, dieses Sich-in-die-Vertikale-Bringen ist in der Tat ein Arbeiten des Geistes an dem ganzen Menschen. Das ist der letzte Rest dessen, was wir aus dem geistigen, vorgeburtlichen Leben mitbringen, denn im Erdenleben verlernen wir es rasch. Und dann schleppen wir den ganzen Organismus, der ißt und trinkt und verdaut, wie eine Last durch das Leben; wir schleppen ihn durchs Leben und bringen ihn nicht mehr in eine respektable Beziehung zur geistigen Welt, sondern weitab von der geistigen Welt.

[ 32 ] Today, people quickly lose the ability to use their entire body as a kind of brain. They already possess the capacity, but as soon as they have developed from a crawling infant into an upright human being in the first years of life, they lose the ability to maintain a relationship with their entire organism, just as they do with their brain throughout their entire life; for this standing upright, this bringing oneself into the vertical position, is in fact a work of the spirit on the whole human being. This is the last remnant of what we bring with us from spiritual, prenatal life, for in earthly life we quickly forget it. And then we drag the entire organism—which eats and drinks and digests—through life like a burden; we drag it through life and no longer bring it into a meaningful relationship with the spiritual world, but far away from the spiritual world.

[ 33 ] Das Kind hat noch die große Weisheit, sich danach zu richten, daß des Menschen Aufgabe in weltenfernen Höhen liegt und hat in seinem Organismus die Richtung nach weltenfernen Höhen. Wenn das vorüber ist, wird — ich will nicht gleich so unhöflich sein wie die mittelalterlichen Mystiker, die da sagten, es werde der Organismus zum eklen Madensack, sondern ich will sagen — der Organismus wird zum Verdauungs- und Magensack und wird abgesondert von der Beziehung zur Außenwelt.

[ 33 ] The child still possesses the great wisdom to recognize that humanity’s purpose lies in realms far removed from this world, and within its organism lies the orientation toward those distant realms. When that is over, the body—I do not wish to be as crude as the medieval mystics who said it becomes a repulsive sack of maggots, but rather I will say—the body becomes a digestive and gastric sack and is separated from its relationship to the outside world.

[ 34 ] Nicht einmal jene Beziehung zur Außenwelt wird noch aufrechterhalten, von der ich gestern gesprochen habe. Wenn wir zum Beispiel das Haupt in die Hand stützen, um dadurch etwas Gewichtiges in dem äußeren Organismus zum Ausdruck zu bringen, wir beachten es kaum. Und wenn jemand in seinem Unbewußten sich noch ein wenig die Gewohnheit bewahrt hat, den ganzen Organismus mitzubenutzen und nicht nur mit dem Gehirn zu denken, sondern auch die Hand oder den Zeigefinger an die Stirn oder die Nase zu legen, damit andeutend, daß er jetzt wirklich unterscheidet und urteilt — wir beachten nicht, daß das ein instinktives Bestreben ist, den ganzen Organismus wie ein Gehirn zu gebrauchen. Es braucht ja nicht in dieser äußeren Weise zu geschehen. Selbstverständlich denkt die Geisteswissenschaft nicht daran, den Menschen zu einem Zappelfritzen zu machen, der mit dem ganzen Leibe denkt. Aber geistig muß selbstverständlich das Bewußtsein sich dazu erweitern, mit dem ganzen Menschen darinnenzustehen im Kosmos, zu wissen, daß sich der Kosmos durch den ganzen Körper spiegeln kann, wie sich jetzt der Kosmos nur durch das Gehirn spiegelt.

[ 34 ] Not even that connection to the outside world that I spoke of yesterday is maintained any longer. For example, when we rest our head in our hand to express something significant in the external organism, we hardly notice it. And if someone has retained, even in their unconscious, a little of the habit of using the whole organism—not just thinking with the brain, but also placing a hand or index finger on the forehead or nose to indicate that they are now truly distinguishing and judging — we do not notice that this is an instinctive striving to use the whole organism as a brain. It need not, of course, happen in this outward way. Of course, Spiritual Science does not intend to turn people into fidgeters who think with their whole bodies. But spiritually, consciousness must naturally expand to the point of standing within the cosmos with the whole human being, knowing that the cosmos can be reflected through the whole body, just as the cosmos is now reflected only through the brain.

[ 35 ] Wenn so das Bewußtsein erweitert wird, wenn wirklich der Mensch darüber hinauskommt, sozusagen seinen Organismus nur mitzuschleppen durch das Leben, wenn er ihn gebrauchen, handhaben lernt, dann wird dasjenige vorbereitet, was in unserer Zeit vorbereitet werden muß: Eine menschliche, eine totalmenschliche Weltanschauung, gegenüber der bloßen Gehirnanschauung, muß dasjenige werden, was die Anthroposophie anzustreben hat.

[ 35 ] When consciousness is expanded in this way, when human beings truly transcend the state of merely dragging their physical bodies through life, so to speak, and learn to use and master them, then the groundwork is laid for what must be prepared in our time: A human, a wholly human worldview—as opposed to a mere intellectual perspective—must become the very thing that anthroposophy must strive for.

[ 36 ] Versuchen wir das, und versuchen wir so zur Gesinnung zu erheben, was sonst doch nur Vorstellung bleibt, dann werden wir erreichen, was intendiert wird mit dieser unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung. Denn wir werden allmählich als Menschen finden, hinaufsteigend in der Entwickelung, die wirkliche Christus-Gestalt, wenn wir uns immer mehr und mehr eingelebt haben in die ganzmenschliche Auffassung der Welt. Daß diese Christus-Gestalt nicht gefunden werden kann, daran ist nur die Gehirnanschauung schuld. In dem Augenblicke, wo sie überwunden sein wird, wo die Geisteswissenschaft so stark geworden sein wird, daß sie den Menschen in der charakterisierten Weise umorganisiert in bezug auf sein Bewußtsein, wird das, was schon öfter gesagt worden ist von der ChristusAnschauung, wirklich eintreten. Dann aber wird unsere Menschenwelt dasjenige erreichen können, was sie doch nur von innen heraus erreichen kann und was sie über manches hinwegführen wird, das jetzt nicht nur innerlich, in bezug auf die Weltanschauungen, sondern auch äußerlich in bezug auf die Menschen und Nationen geradezu zu einer Krisis unter der gebildeten Erdenmenschheit geführt hat.

[ 36 ] If we try this, and strive to elevate to a state of consciousness what would otherwise remain merely a mental image, then we will achieve what is intended by our Spiritual Science movement. For as human beings, as we ascend in our development, we will gradually find the true Christ-figure once we have become more and more attuned to the fully human conception of the world. The fact that this Christ-figure cannot be found is solely due to the intellectual perspective. The moment this is overcome, the moment Spiritual Science has become so strong that it reorganizes human consciousness in the manner described, what has often been said about the Christ-view will truly come to pass. Then, however, our human world will be able to attain that which it can only attain from within, and which will lead it beyond many things that have now led not only internally, in terms of worldviews, but also externally, in terms of people and nations, to a veritable crisis among the educated humanity of the Earth.

[ 37 ] Man möchte, daß die Menschen allmählich einsehen, wenigstens ein kleiner Teil der Menschen einsähe, daß wirklich Hilfe nötig ist. Dann wird man auch einsehen, daß die Hilfe, welche die Menschheit braucht, nur geleistet werden kann von den Seelen aus, nur von innen heraus, und daß alles andere nicht einmal Surrogate sein können, weil gegenüber den großen Krisen unserer Zeit Surrogate nicht mehr helfen können, sondern nur das Echte und Wahre. Und das Echte und Wahre muß im Geiste von der Menschheit erobert werden.

[ 37 ] We would like people to gradually realize—or at least for a small portion of them to realize—that help is truly needed. Then people will also realize that the help humanity needs can only come from the soul, only from within, and that nothing else can even serve as a substitute, because in the face of the great crises of our time, substitutes can no longer help—only what is genuine and true. And what is genuine and true must be attained by humanity in spirit. Christmas Celebration