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The Mystery of Death
The Nature and Significance of Central Europe
and the European National Spirits
GA 159

18 May 1915, Linz

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11. Christus im Verhältnis zu Luzifer und Ahriman die dreifache Wesensgestaltung

11. Christ in Relation to Lucifer and Ahriman: The Threefold Constitution of Being

[ 1 ] Wenn einmal unser der Geisteswissenschaft gewidmeter Bau in Dornach fertiggestellt sein wird, so wird er an bedeutungsvoller Stelle eine plastische Gruppe enthalten, die drei Figuren hauptsächlich darbieten wird. In der Mitte dieser Gruppe wird eine Gestalt stehen, wie, ich möchte sagen, der Repräsentant des höchsten Menschlichen, das auf der Erde sich entfalten konnte. Daher wird man auch diese Gestalt des höchsten Menschlichen in der Erdenentwickelung empfinden können als den Christus, der in dem Leibe des Jesus von Nazareth drei Jahre innerhalb der Erdenentwickelung gelebt hat. Es wird die besondere Aufgabe sein, diese Christus-Gestalt so auszugestalten, daß man auf der einen Seite wird sehen können, wie das Wesen, um das es sich handelt, in einem menschlichen Erdenleibe wohnt, wie aber doch dieser Erdenleib in jeder Miene, in allem, was an ihm ist, durchgeistigt ist von dem, was aus kosmischen, aus geistigen Höhen im dreißigsten Jahre des Lebens in diesen Erdenleib als der Christus eingezogen ist. Dann finden sich da zwei andere Figuren, die eine zur linken, die andere zur rechten Seite der Christus-Gestalt, wenn ich diese Gestalt, die ich eben mit ein paar Worten angedeutet habe, die Christus-Gestalt nennen kann. Diese Christus-Gestalt steht wie vor einem Felsen, der insbesondere da, wo die linke Seite des Christus ist, sich auftürmt, so daß sein Gipfel über dem Haupt der ChristusGestalt liegt. Da oben auf dem Felsen ist eine andere Gestalt, eine geflügelte Gestalt; aber die Flügel sind zerbrochen, und diese Gestalt fällt, weil sie die Flügel zerbrochen hat, in den Abgrund. Was künstlerisch besonders scharf wird herausgearbeitet werden müssen, das wird die Art sein, wie diese Christus-Gestalt den linken Arm erhebt. Denn durch diese Erhebung des linken Armes der Christus-Gestalt geschieht es, daß diese herabstürzende Wesenheit die Flügel zerbricht. Aber es darf das nicht so aussehen, als wenn etwa der Christus dieser Wesenheit die Flügel zerbräche, sondern das Ganze muß künstlerisch so gestaltet sein, daß, indem der Christus den Arm hinaufhebt, schon in der ganzen Handbewegung liegt, daß er eigentlich auch mit dieser Wesenheit nur unendliches Mitleid hat. Diese Wesenheit erträgt aber nicht das, was durch den Arm und die Hand hinaufströmt und was noch sichtbar sein wird, indem selbst im Felsen wie Einhöhlungen von den Fingern der hinaufgestreckten Hand sein werden. Was diese Wesenheit in sich selbst empfindet, da sie in die Nähe der Wesenheit kommt, die als die Christus-Wesenheit dasteht, das ist so, daß man es in die Worte kleiden möchte: Ich kann nicht ertragen, daß so Reines auf mich heraufstrahlt.

[ 1 ] Once our building in Dornach, dedicated to Spiritual Science, is completed, it will feature, in a prominent location, a sculptural group consisting primarily of three figures. At the center of this group will stand a figure who, I might say, represents the highest humanity that has been able to unfold on Earth. Therefore, one will also be able to perceive this figure of the highest humanity in Earth’s evolution as the Christ who lived for three years within Earth’s evolution in the body of Jesus of Nazareth. The special task will be to shape this Christ figure in such a way that, on the one hand, one will be able to see how the being in question dwells in a human earthly body, yet how this earthly body is imbued in every expression, in everything about it, by that which entered this earthly body from cosmic, spiritual heights in the thirtieth year of life as the Christ. Then there are two other figures, one to the left, the other to the right of the Christ figure, if I may call this figure—which I have just sketched in a few words—the Christ figure. This Christ figure stands as if before a rock that rises up, particularly where the left side of the Christ is, so that its summit lies above the head of the Christ figure. Up there on the rock is another figure, a winged figure; but the wings are broken, and this figure is falling into the abyss because its wings are broken. What will need to be rendered with particular artistic precision is the manner in which this Christ-figure raises its left arm. For it is through this raising of the Christ-figure’s left arm that the wings of this falling being are broken. But it must not appear as though Christ were breaking this being’s wings; rather, the whole must be artistically rendered in such a way that, as Christ raises his arm, the entire movement of the hand already conveys that he actually feels only infinite compassion for this being. But this being cannot bear what flows upward through the arm and hand and what will still be visible, as there will be hollows in the rock itself, as if made by the fingers of the outstretched hand. What this being feels within itself as it comes into the presence of the being who stands there as the Christ-being is such that one would like to put it into words: I cannot bear that something so pure should shine down upon me.

[ 2 ] Das ist es, was in dieser Wesenheit lebt und was so wesentlich in dieser Wesenheit lebt, daß ihre Flügel zerbrochen werden und sie infolgedessen in den Abgrund stürzt. Es wird dieses eine besonders bedeutsame künstlerische Aufgabe sein. Und Sie merken, was da verfehlt werden könnte, wenn der Christus plastisch so dastehen würde und einfach durch Erheben der Hand eine solche Kraft ausgestrahlt würde, daß er dieser Wesenheit die Flügel zerbricht, wodurch sie in den Abgrund stürzt. Dann würde es der Christus sein, der wie mit Haß diese Wesenheit bestrahlen und sie zum Stürzen bringen würde. So darf das aber nicht dargestellt werden, sondern die Wesenheit selbst soll sich zum Stürzen bringen. Denn diese Wesenheit, die herabstürzend mit zerbrochenen Flügeln dargestellt wird, das ist Luzifer.

[ 2 ] This is what lives within this being, and what lives so profoundly within it that its wings are broken and it consequently plunges into the abyss. This will be a particularly significant artistic task. And you realize what could go wrong if Christ were to stand there in a sculptural pose and, simply by raising his hand, radiate such a force that he breaks this being’s wings, causing it to plunge into the abyss. Then it would be Christ who, as if with hatred, would radiate upon this being and cause it to fall. But this must not be depicted in that way; rather, the being itself must bring about its own downfall. For this being, depicted as falling with broken wings, is Lucifer.

[ 3 ] Und auf der andern Seite, gegen rechts von der Christus-Gestalt aus gelegen, wo der Felsen einen Vorsprung haben wird, da wird der Felsen ausgehöhlt sein. In dieser Aushöhlung ist auch eine Gestalt, die Flügel hat. Und diese Gestalt, die da Flügel hat, wendet sich mit den armähnlichen Organen nach der Felsenhöhlung oben. Sie müssen sich also vorstellen: rechts die Felsenhöhlung und in der Höhlung diese geflügelte Gestalt, die aber ganz anders geartete Flügel hat als die Gestalt oben am Felsen. Die Gestalt oben am Felsen hat mehr adlerartige Flügel, die Gestalt in der Felsenhöhlung aber fledermausartige Flügel. Die Gestalt in der Höhle klammert sich förmlich ein in die Höhle, man sieht sie in Fesseln, man sieht sie da unten arbeiten, das Erdreich auszuhöhlen.

[ 3 ] And on the other side, to the right of the figure of Christ, where the rock juts out, the rock will be hollowed out. In this hollow there is also a figure that has wings. And this figure, which has wings, turns its arm-like limbs toward the rock hollow above. So you must create a mental image: on the right, the rock hollow, and in the hollow, this winged figure, which, however, has wings of a completely different kind than the figure atop the rock. The figure at the top of the rock has more eagle-like wings, while the figure in the rock cavity has bat-like wings. The figure in the cave is literally clinging to the cave; you can see it in chains, you can see it working down there, hollowing out the earth.

[ 4 ] Die Gestalt, die in der Mitte steht, die Christus-Gestalt, hat die rechte Hand heruntergerichtet. Während sie also die linke Hand nach oben richtet, ist die rechte Hand nach unten gerichtet. Wiederum wird es eine bedeutsame künstlerische Aufgabe sein, dies nicht so darzustellen, wie wenn der Christus diese Gestalt, die Ahriman ist, in Fesseln schlagen wollte, sondern der Christus hat selbst unendliches Mitleid für Ahriman. Ahriman aber kann das nicht ertragen, er windet sich in Schmerzen durch das, was durch die Hand des Christus ausstrahlt. Und was da ausstrahlt, das bewirkt, daß die Goldadern, die unten in der Felsenhöhlung sind, sich wie Schnüre um den Ahrimanleib winden und ihn fesseln. Ebenso wie das, was bei Luzifer geschieht, durch ihn selbst geschieht, so auch bei Ahriman. Wir werden dann versuchen, daß diese Auffassung, die durch ein bildhauerisches Kunstwerk an einer bedeutungsvollen Stelle im Bau stehen wird, darüber dasselbe Motiv in malerischer Auffassung haben wird, was dann ganz anders sein muß. So daß also unten diese Gruppe von drei Gestalten: Christus, Luzifer, Ahriman als plastische Gruppe dastehen wird und darüber dasselbe Motiv gemalt.

[ 4 ] The figure standing in the center, the figure of Christ, has his right hand pointing downward. So while his left hand is raised upward, his right hand is pointing downward. Again, it will be a significant artistic task not to depict this as if Christ were trying to bind this figure, who is Ahriman, but rather to show that Christ himself has infinite compassion for Ahriman. But Ahriman cannot bear this; he writhes in pain from what radiates through the hand of Christ. And what radiates there causes the golden veins, which are down in the rock cavity, to wind around Ahriman’s body like cords and bind him. Just as what happens to Lucifer is caused by himself, so too with Ahriman. We will then attempt to ensure that this concept, which will be represented by a sculptural work of art at a significant location in the building, has the same motif above it in a painterly interpretation, which must then be quite different. So that below, this group of three figures—Christ, Lucifer, and Ahriman—will stand as a sculptural group, and above it, the same motif will be painted.

[ 5 ] Wir stellen in unseren Dornacher Bau dieses Verhältnis zwischen Christus, Luzifer und Ahriman hinein, weil uns die Geisteswissenschaft in einer gewissen Weise wirklich zeigt, daß die nächste Aufgabe in bezug auf das Verständnis des Christus-Impulses darin besteht, daß der Mensch endlich wissen lernt, welches Verhältnis in der Welt zwischen diesen drei Mächten Christus, Luzifer und Ahriman besteht. Denn bis jetzt redet man zwar vielfach von Christentum und dem Christus-Impuls, aber was durch den Christus-Impuls eigentlich infolge des Mysteriums von Golgatha in die Welt gekommen ist, das ist den Menschen noch nicht zur völligen Klarheit gekommen. Man spricht ja wohl davon, daß es Luzifer gibt, daß es Ahriman gibt, aber indem man von Luzifer und Ahriman spricht, spricht man sehr häufig so, als wenn man sie fliehen müßte, als wenn man geradezu immer sagen müßte: Ich will nichts, gar nichts wissen von Luzifer und Ahriman!— Wenn die göttlich-geistigen Mächte, die auf die Weise, wie ich es gestern im öffentlichen Vortrag beschrieben habe, gefunden werden, auch nichts wissen wollten von Luzifer und Ahriman, so würde eben die Welt nicht bestehen können. Nicht dadurch, daß man sagt: Luzifer! ich fliehe ihn, Ahriman! ich fliehe ihn —, stellt man sich zu ihnen in das richtige Verhältnis, sondern dadurch, daß man das, was der Mensch infolge des Christus-Impulses anzustreben hat, betrachtet wie die Gleichgewichtslage eines Pendels. Der Pendel ist in der Mitte im Gleichgewicht, er muß aber nach der einen und der andern Seite ausschlagen. So ist es auch in der Erdenentwickelung des Menschen. Der Mensch muß auf der einen Seite ausschlagen nach dem luziferischen Prinzip, auf der andern Seite nach dem ahrimanischen Prinzip, aber er muß feststehen durch die Ausbildung desjenigen, was Paulus genannt hat: «Nicht ich, sondern der Christus in mir».

[ 5 ] We incorporate this relationship between Christ, Lucifer, and Ahriman into our Dornach building because Spiritual Science truly shows us, in a certain way, that the next task in understanding the Christ impulse consists in humanity finally learning to know what relationship exists in the world between these three powers: Christ, Lucifer, and Ahriman. For although people often speak of Christianity and the Christ impulse, what actually came into the world through the Christ impulse as a result of the Mystery of Golgotha has not yet become entirely clear to people. People do speak of the existence of Lucifer and Ahriman, but when they speak of Lucifer and Ahriman, they very often do so as if they had to flee from them, as if they were compelled to say: I want nothing, absolutely nothing, to do with Lucifer and Ahriman! — If the divine-spiritual powers, which are found in the way I described yesterday in the public lecture, also wanted to know nothing of Lucifer and Ahriman, then the world simply could not exist. It is not by saying, “Lucifer! I flee from him; Ahriman! I flee from him,” that one establishes the right relationship to them, but by regarding what humanity must strive for as a result of the Christ impulse as the equilibrium position of a pendulum. The pendulum is in equilibrium in the middle, but it must swing to one side and then the other. So it is also in the earthly development of the human being. The human being must swing to one side toward the Luciferic principle, and to the other side toward the Ahrimanic principle, but must remain steadfast through the development of what Paul called: “Not I, but Christ in me.”

[ 6 ] Den Christus in seiner Wirksamkeit müssen wir nämlich durchaus als eine Realität auffassen, als eine Wirklichkeit. Das heißt, wir müssen uns klar sein, daß das wirklich da war, was durch das Mysterium von Golgatha in unsere Erdenentwickelung hineingeflossen ist. Wie gut oder wie schlecht die Menschen das bis jetzt verstanden haben, darauf kommt es nicht an, sondern darauf, daß es da war, daß es gewirkt hat in der menschlichen Erdenentwickelung. Gar vieles könnte man sagen, was die Menschen bisher von dem Christus-Impuls nicht verstanden haben. Und ein Stückchen wird die Geisteswissenschaft hinzuzutragen haben zu der Erfassung desjenigen, was aus geistigen Höhen durch das Mysterium von Golgatha als der Christus-Impuls eingeflossen ist in die Erdenentwickelung. Um uns das zu vergegenwärtigen, wie der Christus gewirkt hat, wollen wir, wie das auch schon an andern Orten geschehen ist, zwei Momente der Erdenentwickelung der Menschheit uns einmal vor Augen führen, zwei Momente, die wichtig geworden sind in der ganzen abendländischen Entwickelung.

[ 6 ] For we must indeed regard the Christ in his activity as a reality, as something truly real. This means we must be clear that what flowed into our earthly evolution through the Mystery of Golgotha was truly there. How well or how poorly people have understood this up to now is not the point; what matters is that it was there, that it had an effect on human development on Earth. There is much that could be said about what people have not yet understood regarding the Christ impulse. And Spiritual Science will have to contribute its share to the understanding of what flowed into Earth’s development from spiritual heights through the Mystery of Golgotha as the Christ impulse. To bring to mind how Christ worked, let us, as has already been done in other places, consider two moments in the earthly development of humanity—two moments that have become significant in the entire development of the West.

[ 7 ] Sie werden aus der Geschichte wissen, welch wichtiger Moment es war, als Konstantin, der Sohn des Constantius Chlorus, den Maxentius besiegt hat und durch Konstantin äußerlich das Christentum in die abendländische Weiterentwickelung eingeführt worden ist. Daß das geschehen konnte, dazu mußte Konstantin jene wichtige Schlacht schlagen gegen Maxentius, durch welche Konstantin dann das Christentum in seinem abendländischen Reiche zur Staatsreligion gemacht hat. Die ganze Landkarte Europas wäre eine andere geworden, wenn dazumal diese Schlacht des Konstantin gegen Maxentius nicht stattgefunden hätte. Aber Feldherrenkunst, dasjenige, was die Menschen dazumal mit dem Verstand vermocht haben, das hat diese Schlacht wirklich nicht zur Entscheidung gebracht, sondern etwas ganz anderes. Maxentius hat nachschlagen lassen in den sogenannten Sibyllinischen Büchern, den prophetischen Büchern Roms, und da wurde er so geführt, daß er sein Heer, das gut bewahrt gewesen wäre in den Mauern Roms, hinausführte aus den Mauern Roms und es im freien Feld gestellt hat dem Heere des Konstantin. Konstantin aber hatte vor der Schlacht einen Traum, in dem ihm bedeutet wurde: Wenn du im Zeichen des Mysteriums von Golgatha dem Maxentius entgegenziehst, so wirst du ein großes Ziel erreichen. — Und vorantragend das Zeichen des Mysteriums von Golgatha, das Kreuz, ging Konstantin in die Schlacht mit einem um drei Viertel kleineren Heere, als es Maxentius hatte. Und begeistert von der Gewalt, die aus dem Mysterium von Golgatha kam, gewann Konstantin jene bedeutungsvolle Schlacht, durch die das Christentum äußerlich eingeführt worden ist in Europa. Wenn wir uns erinnern, was dazumal die Menschen mit dem Verstande von dem Christus-Impuls begriffen haben, finden wir ein endloses theologisches Gezänke. Die Menschen haben gestritten darüber, ob der Christus gleich ist von Ewigkeit her mit dem Vater und dergleichen mehr. Man muß sagen: Nicht darauf kommt es an, was die Menschen gewußt haben dazumal von dem Christus-Impuls, sondern darauf, daß er da war, der Christus-Impuls, daß er da war, daß er geleitet hat durch den Konstantin, durch einen Traum des Konstantin das, was geschehen sollte. Auf die Wirklichkeit des Christus, auf die reale, die wirkliche Gewalt des Christus kommt es an. Verstehen, was der Christus-Impuls ist, damit fangen wir erst in der Geisteswissenschaft an.

[ 7 ] You will know from history what a pivotal moment it was when Constantine, the son of Constantius Chlorus, defeated Maxentius, and through Constantine, Christianity was formally introduced into the further development of the Western world. For that to happen, Constantine had to win that crucial battle against Maxentius, through which Constantine then made Christianity the state religion in his Western empire. The entire map of Europe would have been different had that battle between Constantine and Maxentius not taken place back then. But military strategy—that which people were capable of achieving with their intellect at the time—did not actually decide the outcome of that battle; rather, it was something entirely different. Maxentius had the so-called Sibylline Books, the prophetic books of Rome, consulted, and he was led by them to lead his army—which would have been well protected within the walls of Rome—out of the walls of Rome and into the open field to face Constantine’s army. But before the battle, Constantine had a dream in which it was signified to him: If you march against Maxentius under the sign of the Mystery of Golgotha, you will achieve a great goal. — And bearing forth the sign of the Mystery of Golgotha, the cross, Constantine went into battle with an army three-quarters smaller than Maxentius’s. And inspired by the power that came from the Mystery of Golgotha, Constantine won that momentous battle, through which Christianity was outwardly established in Europe. If we recall what people at that time understood intellectually about the Christ impulse, we find endless theological squabbling. People argued about whether Christ has been one with the Father from eternity and the like. It must be said: What matters is not what people knew back then about the Christ impulse, but that it was there—the Christ impulse—that it was there, that it guided, through Constantine, through a dream of Constantine, what was to happen. What matters is the reality of Christ, the real, actual power of Christ. Understanding what the Christ impulse is—that is where we begin in Spiritual Science.

[ 8 ] Ein anderer Moment war derjenige, als in dem Kampfe zwischen Frankreich und England Europa wiederum eine Gestaltung bekommen hat, vor der man sagen kann: Wäre dazumal Frankreich nicht sieghaft gewesen gegen England, so würden alle Verhältnisse anders geworden sein. Aber wie war das geschehen? — Der Christus-Impuls hat bis in unsere Zeit, wo er immer bewußter und bewußter werden muß, eben in das Unterbewußte der Seele hineingewirkt. Und da sehen wir denn in der abendländischen Geistesentwickelung, wie sich der Christus-Impuls in den Seelen der Menschen diejenigen Zustände aufsucht, durch die er bei einzelnen Menschen wirksam werden kann. Legenden haben uns aufbewahrt die Art, wie der Christus-Impuls in der abendländischen Geistesentwickelung sich geltend machen kann. Diese Legenden weisen zurück zum Teil in alte heidnische Zeiten, überall aber in solche Zeiten, in denen sich gerade im Heidentum Verständnis für das Christentum vorbereitete.

[ 8 ] Another pivotal moment was when, in the conflict between France and England, Europe took on a form about which one can say: Had France not been victorious over England at that time, all circumstances would have been different. But how did this come about? — The Christ impulse has been working its way into the subconscious of the soul right up to our own time, when it must become ever more conscious. And so we see in the spiritual development of the West how the Christ impulse seeks out in human souls those states through which it can become effective in individual people. Legends have preserved for us the manner in which the Christ impulse can assert itself in Western spiritual development. These legends point back in part to ancient pagan times, but everywhere to such periods in which an understanding of Christianity was being prepared precisely within paganism.

[ 9 ] Wenn die Seele nicht in bewußter Art die Initiation anstrebt auf dem Wege, der vorgezeichnet ist in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», sondern gleichsam auf natürliche Weise, wie durch eine Naturinitiation vom Christus-Impuls durchdrungen wurde, so ist die günstigste Zeit, in welcher dieser Christus-Impuls in die Seele hineininspirieren kann, die Zeit vom Weihnachtsabend bis zum Dreikönigstag, die Zeit vom 25. Dezember bis zum 6. Januar. Verstehen können wir das dadurch, daß wir uns klarmachen: für die okkultistische Erkenntnis wird es ganz eindeutig ersichtlich, daß unsere Erde nicht das allein ist, wovon die Geologen sprechen. Das, wovon die Geologen sprechen, das ist von der Erde soviel wie das Knochengerüst vom Menschen. Aber unsere Erde hat auch das Geistige, das dazugehört. Und eben in die Erdenaura ist der Christus hineingezogen. Und diese Erde schläft und wacht, wie wir in vierundzwanzig Stunden schlafen und wachen. Wir müssen uns damit bekanntmachen, daß der Schlafzustand der Erde während der Sommerzeit, der Wachzustand während der Winterzeit eintritt. Und am wachsten ist der Geist der Erde in diesen zwölf oder dreizehn Nächten von Weihnachten bis Dreikönigstag. In den alten Zeiten, in denen, wie Sie ja aus den mannigfaltigen Darstellungen in meinen Vortragszyklen wissen, die Menschen mehr in einer Art traumhaften Hellsehens sich zum geistigen Prinzip der Welt erhoben haben, war die günstigste Zeit die Sommerzeit. Ganz naturgemäß ist es, daß, wer in einem mehr traumhaften Hellsehen zum Geistigen sich erheben will, es leichter hat während der schlafenden Erdenzeit, zur Sommerzeit. Daher war es das Johannifest, das in den alten Zeiten am günstigsten war, um die Kraft der Seele hinaufzuheben zum Geistigen. An die Stelle der alten Art, wie das Geistige in die Erde hineinwirkt, ist die neue, mehr bewußte Art getreten; da ist nun die beste Zeit die Zeit, wenn die Erde wacht.

[ 9 ] If the soul does not consciously seek initiation along the path outlined in *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds*, but rather, as it were, in a natural way, as if through a natural initiation permeated by the Christ impulse, then the most favorable time during which this Christ impulse can inspire the soul is the period from Christmas Eve to Epiphany, the time from December 25 to January 6. We can understand this by realizing that, for occult knowledge, it becomes quite clear that our Earth is not merely what geologists speak of. What geologists speak of is to the Earth what the skeletal framework is to the human being. But our Earth also possesses the spiritual aspect that belongs to it. And it is precisely into the Earth’s aura that Christ has drawn in. And this Earth sleeps and wakes, just as we sleep and wake over the course of twenty-four hours. We must familiarize ourselves with the fact that the Earth’s state of sleep occurs during the summer, and its state of wakefulness during the winter. And the spirit of the Earth is most awake during these twelve or thirteen nights from Christmas to Epiphany. In ancient times, when—as you know from the various descriptions in my lecture cycles—people rose to the spiritual principle of the world more through a kind of dreamlike clairvoyance, the most favorable time was the summer season. It is entirely natural that those who wish to rise to the spiritual through a more dreamlike clairvoyance find it easier during the Earth’s sleeping season, the summer season. That is why the Feast of St. John was the most favorable in ancient times for lifting the soul’s power up to the spiritual. The old way in which the spiritual works into the earth has been replaced by the new, more conscious way; now the best time is the time when the earth is awake.

[ 10 ] Daher sagen uns die Legenden, daß besonders begnadete Menschen, Menschen die durch ihr Karma besonders geeignet sind, um die Weihnachtszeit in einen besonderen Bewußtseinszustand kommen, der nur äußerlich ähnlich ist dem Schlaf, der aber innerlich so ist, daß inspirierend in ihn das hineinwirken kann, wodurch die Menschen erhoben wurden zu der Welt, die wir bezeichnen als das Geisterland. Da gibt es eine sehr schöne Legende, eine norwegische Legende von Olaf Åsteson, von dem uns erzählt wird, wie er am Weihnachtsabend zur Kirche geht, in schlafähnlichen Zustand fällt und wie er dann aufwacht am 6. Januar und erzählen kann, was er erlebt hat in diesem schlafähnlichen Zustand. Und wirklich erzählt uns diese norwegische Legende, wie Olaf Åsteson etwas durchlebt hat, was man zunächst wie die Seelenwelt empfindet, dann etwas, was man wie das Geisterland empfindet, nur eben alles in Bildern, in Imaginationen.

[ 10 ] That is why legends tell us that particularly gifted people—those who, through their karma, are especially suited to enter a special state of consciousness during the Christmas season—experience a state that is only outwardly similar to sleep, but inwardly such that inspiration can work upon them, thereby elevating them to the world we call the spirit realm. There is a very beautiful legend, a Norwegian legend about Olaf Åsteson, in which we are told how he goes to church on Christmas Eve, falls into a sleep-like state, and then wakes up on January 6 and is able to recount what he experienced in that sleep-like state. And indeed, this Norwegian legend tells us how Olaf Åsteson experienced something that one initially perceives as the world of souls, then as something one perceives as the spirit realm—only all of it in images, in imaginings.

[ 11 ] Diese Zeit ist die günstigste gewesen in denjenigen Epochen, in denen die Menschen noch nicht so vorgeschritten waren wie in unserer Zeit. Heute sind die Zeiten vorbei, in denen in dieser Weise wie durch eine Naturinitiation der Christus-Impuls in die Seelen hineinströmen kann. Heute müssen die Menschen ebenso bewußt, wie es vorgeschrieben ist in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», sich hinaufranken zur Initiation. Wir leben in einer Zeit, in der Naturinitiationen immer seltener werden und endlich ganz verschwinden werden, so daß wir nicht mehr darauf zu rechnen haben. Aber eine — im wesentlichen — Naturinitiation zu nennende Initiation war noch die, durch welche der Christus-Impuls hineinwirkte in das Gemüt des einfachen Landmädchens, in die Jungfrau von Orleans durch die verursacht worden ist der Sieg der Franzosen über die Engländer, der die europäische Landkarte in so großartiger Weise umgestaltet hat. Wiederum nicht dasjenige, was der menschliche Verstand leisten konnte, war es, sondern das, was dazumal über alle Kunst der Heerführer hinausgehend die Jungfrau von Orleans leitete, und wodurch Europa eine neue Gestalt bekam — der Christus-Impuls, der in das Unbewußte einer einzelnen Persönlichkeit hineinarbeitete, aber so hineinarbeitete, daß dann von dieser Persönlichkeit ausstrahlte, was wirksam ist in der ganzen Geschichte.

[ 11 ] This period was the most favorable among those eras when people were not yet as advanced as they are today. Today, the times are past when the Christ impulse could flow into souls in this way, as through a natural initiation. Today, people must consciously strive toward initiation, just as prescribed in *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds*. We live in a time when natural initiations are becoming increasingly rare and will eventually disappear entirely, so that we can no longer count on them. But one initiation that could essentially be called a natural initiation was that through which the Christ impulse worked into the mind of the simple country girl, the Maid of Orleans, and which brought about the French victory over the English, an event that reshaped the European map in such a magnificent way. Again, it was not what the human intellect could achieve, but rather what, at that time, guided the Maid of Orleans beyond all the art of military commanders, and through which Europe took on a new form—the Christ impulse that worked its way into the unconscious of a single personality, but worked in such a way that what radiated from this personality became effective throughout history.

[ 12 ] Nun müßten wir daraufachten, ob etwas Ähnliches vorgegangen sein könnte als Naturinitiation bei der Jungfrau von Orleans, ob die Seele der Jungfrau von Orleans in den Nächten vom 25. Dezember bis zum 6. Januar inspiriert worden wäre. Im Lebensgange scheint so etwas nicht nachzuweisen zu sein, daß die Jungfrau von Orleans auch einmal in den zwölf oder dreizehn Tagen vom 25. Dezember bis 6. Januar in einem schlafähnlichen Zustande war, in welchem besonders der Christus-Impuls hätte in sie hineinwirken können, so daß sie dann als Mensch wie die Hülle nur des Christus-Impulses gewirkt hätte auf Frankreichs Schlachtfeldern. Und doch war es so. Es gibt nämlich eine Zeit, die, wenn das Karma der betreffenden Individualität das besonders möglich macht beim Menschen, wirklich von einem solchen schlafähnlichen Zustand ausgefüllt werden kann. Das ist die Zeit der letzten Tage, in denen der Mensch noch, bevor er das physische Erdenlicht schaut, im Leib der Mutter lebt. Da lebt der Mensch in einem traumhaften, schlafähnlichen Zustand. Er hat ja noch nicht durch die Sinne etwas gesehen, was äußerlich in der Welt sich zuträgt. Wäre ein Mensch durch sein Karma besonders geeignet, in diesen letzten Tagen, in welchen er im Leib der Mutter wohnt, aufzunehmen den ChristusImpuls, so würden diese Tage auch Tage der Naturinitiation sein. Dann würde ein solcher Mensch schon gekräftigt und gestärkt mit dem in ihm liegenden Christus-Impuls zum erstenmal das Auge aufschlagen nach der Initiation, das heißt in diesem Falle, nach der Geburt. Und ein solcher Mensch müßte am 6. Januar geboren sein. Die Jungfrau von Orleans ist am 6. Januar geboren. Das ist das Geheimnis der Jungfrau von Orleans, daß sie am 6. Januar geboren ist, daß sie die Zeit von Weihnachten bis zum Dreikönigstag in jenem eigentümlichen, schlafähnlichen Zustand im Leib der Mutter zugebracht und da ihre Naturinitiation aufgenommen hat. Nun bedenken Sie die tiefen Zusammenhänge, die hinter der äußeren Entwickelung stehen, die man gewöhnlich die Geschichte nennt. Was äußerlich in der Geschichte aus Dokumenten dargestellt wird, das ist in der Regel sogar das Unwichtigste. Das einfache Datum, das in unserem Kalender verzeichnet ist, daß die Jungfrau von Orleans am 6. Januar in die Welt hineingeschickt worden ist, das ist von maßgebender historischer Bedeutung. So wirken die Kräfte aus dem Übersinnlichen in das Sinnliche herein. Und wir müssen diese okkulte Schrift lesen, durch die sich für uns die Hineinwirkung des Übersinnlichen in das Sinnliche darstellt. Also das Hineinströmen des Christus-Impulses wie durch eine Naturinitiation, schon vor der physischen Geburt, war bei der Jungfrau von Orleans vorhanden.

[ 12 ] Now we must consider whether something similar might have occurred as a natural initiation in the case of the Virgin of Orleans, whether the soul of the Virgin of Orleans might have been inspired during the nights from December 25 to January 6. In the course of her life, there seems to be no evidence that the Maid of Orleans was ever, during the twelve or thirteen days from December 25 to January 6, in a sleep-like state in which the Christ impulse in particular could have worked into her, so that she would then have acted on the battlefields of France as a human being merely as the vessel of the Christ impulse. And yet it was so. For there is a time which, if the karma of the individual in question makes this particularly possible for a human being, can truly be filled with such a sleep-like state. This is the time of the final days, when the human being still lives in the mother’s womb before seeing the physical light of the world. There the human being lives in a dreamlike, sleep-like state. After all, he has not yet seen through the senses anything that is happening externally in the world. If a human being were, through his karma, particularly suited to receiving the Christ impulse during these last days in which he dwells in his mother’s womb, then these days would also be days of natural initiation. Then such a person, already strengthened and fortified by the Christ impulse within them, would open their eyes for the first time after the initiation—that is, in this case, after birth. And such a person would have to be born on January 6. The Virgin of Orleans was born on January 6. That is the secret of the Virgin of Orleans: that she was born on January 6, that she spent the time from Christmas to Epiphany in that peculiar, sleep-like state within her mother’s womb, and that she received her natural initiation there. Now consider the deep connections that lie behind the external development we usually call history. What is presented externally in history through documents is, as a rule, actually the least important. The simple date recorded in our calendar—that the Virgin of Orleans was sent into the world on January 6—is of decisive historical significance. Thus do the forces from the supersensible world work into the sensible world. And we must read this occult script through which the working of the supersensible into the sensible is revealed to us. Thus the inflow of the Christ impulse, as through a natural initiation, even before physical birth, was present in the Maid of Orleans.

[ 13 ] Ich will diese Dinge auseinandersetzen, um in Ihren Seelen ein Gefühl davon hervorzurufen, wie hinter dem, was man gewöhnlich Geschichte nennt, für das äußere Anschauen unbekannte Mächte und Zusammenhänge wirksam sind. So leitet aber seit dem Mysterium von Golgatha der Christus-Impuls die Geschichte namentlich der europäischen Menschheit. Und im Orient, in Asien ist eine Weltauffassung zurückgeblieben, von der man sagen kann: Sie ist in ihren Empfindungen noch nicht bis zu dem Christus-Impuls herangekommen. Gewiß, der Europäer hat sich verführen lassen, das, was man als Indertum empfindet, ganz besonders tief zu nennen. Aber das ist das Charakteristische dieses Indertums — überhaupt der ganzen asiatischen Religionsempfindung —, daß es mit all seinem Fühlen vor dem Christus-Impuls steht, aber den Zustand bewahrt hat, der im religiösen Empfinden der Erdenmenschheit da war vor dem Christus-Impuls. Zurückbleiben in der Entwickelung bedeutet immer, etwas Luziferisches in sich aufnehmen. Daher trägt die asiatische Religionsentwickelung in sich ein luziferisches Element. Und blicken wir hinüber zur asiatischen Religionsentwickelung, so müssen wir gewahr werden: Gewiß, wir können in ihr vieles sehen, was die Menschheit einmal schon hatte, wovon sie aber abkommen mußte. Aber das alles müssen wir in der abendländischen Kultur zum Teil reinigen von dem luziferischen Element, zum Teil hinaufheben so, daß das ChristusPrinzip einfließen kann.

[ 13 ] I wish to explore these matters in order to awaken in your souls a sense of how, behind what is commonly called history, forces and connections unknown to the outer eye are at work. Since the Mystery of Golgotha, however, the Christ impulse has been guiding the history of European humanity in particular. And in the East, in Asia, a worldview has remained that one might say has not yet reached the Christ impulse in its sensibilities. Certainly, Europeans have been led to regard what is perceived as “Indianness” as particularly profound. But this is the characteristic of this Indian spirit—and indeed of the entire Asian religious sensibility—that, with all its feeling, it stands before the Christ impulse, yet has preserved the state that existed in the religious sensibility of humanity on Earth before the Christ impulse. Lagging behind in development always means taking in something Luciferic. Therefore, Asian religious development carries within it a Luciferic element. And when we look over at Asian religious development, we must realize: Certainly, we can see in it much that humanity once possessed, but from which it had to depart. But in Western culture, we must partly purify all of this of the Luciferic element and partly elevate it so that the Christ principle can flow in.

[ 14 ] Wenn wir von Asien nach Europa hinübergehen, so finden wir im Osten von Europa, in der russischen Kultur, ausgebreitet das orthodoxe Christentum, das stehengeblieben ist auf einer früheren Stufe der christlichen Entwickelung, das nicht mitgehen wollte, das noch etwas Luziferisches behalten wollte. Kurz, blicken wir nach Osten hinüber, so haben wir das, was, ich möchte sagen, die weise Weltenlenkung in der ganzen Entwickelung der Menschheit als das luziferische Element zurückließ.

[ 14 ] When we move from Asia to Europe, we find, in Eastern Europe and within Russian culture, Orthodox Christianity widespread—a form of Christianity that has remained at an earlier stage of Christian development, that refused to move forward, that wished to retain something of the Luciferic element. In short, when we look toward the East, we see what I would call the element that the wise guidance of the world has left behind as the Luciferic element throughout the entire development of humanity.

[ 15 ] Blicken wir nach Westen hinüber, besonders nach der amerikanischen Kultur, dann haben wir eine andere Eigentümlichkeit. Das Charakteristische dieser amerikanischen Kultur ist, daß alles im Äußerlichen gesucht wird. Dadurch wird gewiß Großes, Bedeutsames hervorgebracht; aber alles wird im Äußeren gesucht. Nehmen Sie ein Beispiel. Wenn wir in Europa, namentlich in Mitteleuropa, sehen, daß ein Mensch, der in seinem Leben zunächst nicht Gelegenheit hatte, auf den Christus und die geistigen Weltenmächte sein Gemüt hinzurichten, durch irgend etwas plötzlich gleichsam Umkehr gehalten hat in seinem Leben, dann interessiert uns, was in dieser Seele vorgegangen ist. Nicht daß er einen Sprung erlebte in seiner Entwickelung, ist es, was uns interessiert, das finden wir ja überall. Denn am unrichtigsten ist der Ausspruch, den die äußere Wissenschaft geprägt hat: Natur macht keine Sprünge. — Vom grünen Pflanzenblatt zum roten Blumenblatt ist ein mächtiger Sprung, vom Blumenblatt zum Kelche ist wiederum ein mächtiger Sprung. Es ist ein durchaus unrichtiger Ausspruch, und die Wahrheit der Entwickelung beruht gerade darauf, daß überall Sprünge gemacht werden. Daß also auch ein Mensch, wenn er eine Zeitlang so äußerlich hingelebt hat, durch irgend etwas wie plötzlich zum Geistigen sich hinneigen kann, das ist nicht das Besondere, was uns interessiert. Aber die innere Macht und Gewalt, die so etwas bewirkt, was man eine Bekehrung zum Geistigen nennen könnte, das wird uns interessieren. Wir werden in das Gemüt eines solchen Menschen hineinschauen wollen, wir werden wissen wollen, was ihn zu einer solchen Umkehr gebracht hat. Es wird uns das innere Seelische interessieren. Wie macht es nun der Amerikaner? — Er macht etwas sehr Eigentümliches. In Amerika konnte man ja vielfach beobachten, daß solche Bekehrungen stattgefunden haben. Nun, der Amerikaner läßt Briefe schreiben von solchen, die eine Bekehrung durchgemacht haben. Dann legt er alle diese Briefe zusammen auf ein Häufchen und sagt: Ich habe die Briefe nun erhalten von einer Anzahl Menschen; es waren etwa gegen zweihundert, die Briefe geschrieben haben, Vierzehn Prozent von all diesen Seelen, die eine solche Bekehrung erlebten, haben sie aus Furcht geschrieben, die plötzlich über sie kam vor dem Tode oder der Hölle; aus altruistischen Motiven fünf Prozent; aus Streben nach sittlichen Idealen siebzehn Prozent; aus Gewissensbissen fünfzehn Prozent; aus Befolgung von Lehren, die ihnen gegeben worden sind, zehn Prozent; dadurch, daß sie gesehen haben, daß andere bekehrt wurden — also aus Nachahmung —, dreizehn Prozent; dadurch, daß man sie genötigt hat, indem man sie im entsprechenden Alter durchprügelte, neunzehn Prozent und so weiter. So nimmt man die extremsten Seelen heraus, sortiert sie und erhält ein Resultat, das auf «sichere Daten» aufgebaut ist. Das wird dann verzeichnet in den Büchern, die man als «Seelenkunde» unter die Leute schickt. Alle andern Unterlagen sind diesen Leuten unsicher, seien nur auf Subjektivem aufgebaut, so sagen sie. Da haben Sie ein Beispiel von Veräußerlichung des Allerinnerlichsten selbst. So ist es in vieler, vieler Beziehung in Amerika. In der Zeit, die eine besondere spirituelle Vertiefung fordert, grassiert der äußerlichste Spiritismus in Amerika! Man will dort alles handgreiflich haben.

[ 15 ] If we look westward, particularly at American culture, we find a different characteristic. What is characteristic of this American culture is that everything is sought in the external. This certainly brings forth great and significant things; but everything is sought in the external. Take an example. When we see in Europe, particularly in Central Europe, that a person who initially had no opportunity in life to turn their mind toward Christ and the spiritual powers of the world has, through some event, suddenly undergone a sort of conversion in their life, then we are interested in what has taken place within that soul. It is not that he experienced a leap in his development that interests us; we find that everywhere. For the most incorrect statement is the one coined by external science: “Nature does not make leaps.” — From the green leaf of a plant to the red petal of a flower is a mighty leap; from the petal to the calyx is another mighty leap. It is a thoroughly incorrect statement, and the truth of development rests precisely on the fact that leaps are made everywhere. So the fact that a human being, having lived outwardly in a certain way for a time, can suddenly be drawn toward the spiritual by something—that is not the particular thing that interests us. But the inner power and force that brings about something like this—what one might call a conversion to the spiritual—that is what interests us. We will want to look into the mind of such a person; we will want to know what led him to such a change of heart. We will be interested in the inner soul. How does the American go about this? — He does something very peculiar. In America, one could observe in many cases that such conversions have taken place. Well, the American has letters written by those who have undergone a conversion. Then he gathers all these letters into a pile and says: I have now received letters from a number of people; there were about two hundred who wrote letters. Fourteen percent of all these souls who experienced such a conversion wrote out of fear that suddenly came over them of death or hell; five percent out of altruistic motives; out of a pursuit of moral ideals, seventeen percent; out of remorse, fifteen percent; out of obedience to teachings that were given to them, ten percent; because they saw that others were converted—that is, out of imitation—thirteen percent; because they were coerced by being beaten at the appropriate age, nineteen percent, and so on. Thus, one takes the most extreme souls, sorts them, and obtains a result based on “reliable data.” This is then recorded in the books that are distributed to the public under the heading of “psychology.” All other sources are unreliable to these people; they say they are based solely on subjectivity. There you have an example of the externalization of the innermost self. This is the case in many, many respects in America. At a time that calls for a special spiritual deepening, the most superficial spiritualism is rampant in America! People there want everything to be tangible.

[ 16 ] Das ist eine materialistische Erfassung des geistigen Lebens. Wir könnten noch viele solche Dinge anführen, an denen Sie sehen würden, daß die Kultur im Westen gepackt wird von dem Ahrimanischen. Das ist das andere Ausschlagen des Pendels. Blicken wir nach Osten, so haben wir das luziferische Element, blicken wir nach Westen, so haben wir das ahrimanische Element. Und die so unendlich bedeutungsvolle Aufgabe, die wir zwischen West und Ost in Mitteleuropa haben, das ist die, das Gleichgewicht zu finden. Daher möchten wir in unserem Dornacher Bau hinstellen als plastische Gruppe das Größte der spirituellen Anforderungen unserer Zeit: das Gleichgewicht zu finden zwischen dem Verhältnis zu Luzifer und dem Verhältnis zu Ahriman. Dann wird man erst erkennen, was der Christus-Impuls von der Erdenentwickelung wollte, wenn man den Christus nicht so einfach herausstellen wird, sondern wenn man in der richtigen Weise wissen wird, wie der Christus diejenige Macht ist, die für uns vorbildlich im Verhältnis zu Luzifer und Ahriman dasteht.

[ 16 ] This is a materialistic view of spiritual life. We could cite many more such examples that would show you how Western culture is gripped by the Ahrimanic. This is the pendulum swinging the other way. When we look to the East, we see the Luciferic element; when we look to the West, we see the Ahrimanic element. And the infinitely significant task we have in Central Europe, between West and East, is to find this balance. That is why we wish to place in our Dornach building, as a sculptural group, the greatest of the spiritual demands of our time: to find the balance between the relationship to Lucifer and the relationship to Ahriman. Only then will we recognize what the Christ impulse intended for the development of the Earth—not by simply setting Christ apart, but by truly understanding how Christ is the power that stands before us as a model in our relationship to Lucifer and Ahriman.

[ 17 ] Daß in bezug auf das Verhältnis des Menschen und des Christus zu Luzifer und Ahriman noch keine Klarheit herrscht, das mag Ihnen durch folgendes anschaulich werden. Auch das Größte, das, was nach der einen Richtung das Größte enthält, ist nicht immer frei von dem, was noch als Einseitigkeit in der Zeit herrschen muß. Man kann gewiß nicht hoch genug stellen jenes Bild, das Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle in Rom hingestellt hat, «Das jüngste Gericht», dieses wunderbare Bild. Der Christus triumphierend, die Guten nach der einen Seite lenkend, die Bösen nach der andern. Schauen wir uns diesen Christus an. Die Züge hat er nicht, die wir gerne erreichen möchten bei dem Christus, der in unserem Dornacher Bau stehen soll. Das muß ersichtlich werden, daß der Christus die Hand erhebt in Mitleid, trotzdem da oben Luzifer ist. Luzifer soll nicht gestürzt werden durch die Macht des Christus, sondern er stürzt sich selbst herab, weil er nicht ertragen kann, was von dem Christus ausstrahlt in seiner Nähe. Und der Christus erhebt sein Auge und faltet die Stirn, indem er die gefaltete Stirn zu Luzifer erhebt. Und Ahriman wird nicht durch den Haß des Christus überwunden, sondern er fühlt, daß er nicht ertragen kann, was von dem Christus ausströmt. Der Christus aber steht inmitten als derjenige, der das Parzival-Element in die neuere Zeit heraufbringt, der nicht durch seine Kraft, sondern durch sein Dasein zur Sich-Überwindung die andern bringen muß, so daß die andern sich selbst überwinden und nicht er sie überwindet. Bei Michelangelo sehen wir noch, wie der Christus durch seine Gewalt die einen zum Himmel, die andern zur Hölle schickt. Das wird in der Zukunft nicht der richtige Christus sein, sondern das wird ein Christus sein, der noch sehr luziferisch ist. Damit ist natürlich dieses Bild nicht verkleinert. Die ganze Größe dieses Bildes wird anerkannt, aber man muß gestehen, daß Michelangelo noch nicht den Christus malen konnte, weil die Weltentwickelung noch nicht so weit war. Es muß durchauseingesehen werden, daß man nicht nur den Sinn zu dem Christus hinlenken soll, sondern daß man den Sinn hinlenken soll zu der dreifachen Wesensgestaltung: Christus, Luzifer, Ahriman. Ich kann das nur andeuten. Geisteswissenschaft wird das alles erst herausbringen, was in diesem Geheimnis liegt: Christus im Verhältnis zu Luzifer und Ahriman.

[ 17 ] The fact that there is still no clarity regarding the relationship of humanity and Christ to Lucifer and Ahriman may become clear to you through the following. Even the greatest thing—that which, in one sense, contains the greatest—is not always free from what must still prevail as one-sidedness in time. One certainly cannot praise highly enough the painting that Michelangelo created in the Sistine Chapel in Rome, “The Last Judgment,” this marvelous painting. Christ triumphant, guiding the good to one side, the wicked to the other. Let us look at this Christ. He does not have the features we would like to achieve in the Christ who is to stand in our Dornach building. It must become evident that Christ raises his hand in compassion, even though Lucifer is up there. Lucifer is not to be overthrown by the power of Christ, but he casts himself down because he cannot bear what radiates from Christ in his presence. And Christ raises his eyes and furrows his brow, lifting his furrowed brow toward Lucifer. And Ahriman is not overcome by Christ’s hatred, but he feels that he cannot bear what radiates from Christ. Christ, however, stands in the midst as the one who brings the Parzival element into the modern age, who must lead the others to self-overcoming not through his power but through his very existence, so that the others overcome themselves and he does not overcome them. In Michelangelo we still see how Christ, through his power, sends some to heaven and others to hell. That will not be the true Christ in the future, but rather a Christ who is still very Luciferic. This does not, of course, diminish the image. The full greatness of this image is acknowledged, but one must admit that Michelangelo was not yet able to paint the Christ, because world development had not yet reached that stage. It must be clearly understood that one should not only direct one’s attention toward Christ, but that one should direct one’s attention toward the threefold configuration of beings: Christ, Lucifer, Ahriman. I can only hint at this. Spiritual Science will be the first to bring to light all that lies within this mystery: Christ in relation to Lucifer and Ahriman.

[ 18 ] Aber nun bedenken Sie das Folgende: Wenn wir nach Osten sehen, so sehen wir selbst im nächsten Osten luziferische Mächte. Und im Westen sehen wir ahrimanische Mächte. Wirklich, es muß schon einmal unsere Art sein, in der geisteswissenschaftlichen Betrachtung die Dinge nicht mit Sympathie und Antipathie und auch die Völker und Volksseelen nicht mit Sympathie und Antipathie zu betrachten, sondern so, wie sie in ihrer Eigenart sind. Was man die nationale Eigentümlichkeit eines Menschen nennt, der in seinem Volkstum darinsteht, das hängt vor allen Dingen von dem ab, was im physischen und im ätherischen Leib wirksam ist. Wenn wir vom Einschlafen bis zum Aufwachen mit unserem Seelisch-Geistigen als astralischer Leib und Ich leben, dann leben wir außerhalb des gewöhnlichen Nationalen. Nur vom Aufwachen bis zum Einschlafen, wenn wir in den Leib untertauchen, leben wir im Nationalen. Daher ist das Nationale auch etwas, was der Mensch während seines Aufenthaltes im Kamaloka nach und nach überwindet. Zum allgemein Menschlichen strebt der Mensch hin, indem er im Kamaloka das Nationale überwindet, um dann die größte Zeit zwischen Tod und neuer Geburt im allgemein Menschlichen zu leben. Es gehört zu den Eigenschaften, die im Kamaloka abgelegt werden, auch dasjenige, was uns spezialisiert zum nationalen Menschen.

[ 18 ] But now consider the following: When we look to the East, we see Luciferic forces even in the Near East. And in the West, we see Ahrimanic forces. Truly, it must be our way, in Spiritual Science observation, not to view things with sympathy and antipathy, nor to view peoples and folk-souls with sympathy and antipathy, but rather as they are in their own distinct nature. What is called the national character of a human being, which is rooted in their national identity, depends above all on what is active in the physical and etheric bodies. When we live with our soul-spiritual being as the astral body and the I from falling asleep until waking up, we live outside the ordinary national sphere. Only from waking until falling asleep, when we sink into the physical body, do we live within the national. Therefore, the national is also something that the human being gradually overcomes during their stay in the Kamaloka. The human being strives toward the universal human by overcoming the national in the Kamaloka, in order to then live the greatest part of the time between death and new birth within the universal human. Among the qualities that are shed in the Kamaloka is also that which makes us specifically national human beings.

[ 19 ] In dieser Beziehung sind nun die einzelnen Nationalitäten sehr voneinander verschieden. Vergleichen wir einmal einen französischen Menschen und einen russischen Menschen. Der französische Mensch hat die Eigentümlichkeit, daß er das, was die Volksseele hineinträgt in seinen physischen Leib und Ätherleib während seines Lebens zwischen Geburt und Tod, ganz besonders festhält, daß er ganz besonders darin lebt. Das drückt sich darin aus, daß der Franzose — nicht als einzelner Mensch, sondern als Franzose — eine Vorstellung hat von dem, was ein Franzose ist; daß er vor allen Dingen das voranstellt, was denn eigentlich ein Franzose ist. Aber diese Gedanken, die sich der Franzose von seiner Nationalität macht, die sich überhaupt der Romane von seiner Nationalität macht, bewirken, daß im Ätherleib scharf eingedrückt ist die Vorstellung, die der Franzose von Nationalität hat. Geht er durch die Pforte des Todes, dann trennt er schon nach Tagen den Ätherleib ab; dieser Ätherleib ist dann eine festgeschlossene Gestalt, die lange in der ätherischen Welt vorhanden bleibt. Der Ätherleib kann sich lange nicht auflösen, weil ihm fest eingeprägt sind die Vorstellungen seiner Nationalität; diese Vorstellungen halten den Ätherleib zusammen. Wenn wir nach Westen hinübersehen, so sehen wir daher das Feld des Todes. angefüllt mit festgeprägten Ätherleibern.

[ 19 ] In this respect, the various nationalities differ greatly from one another. Let us compare a French person and a Russian person. The French person has the peculiarity of holding on very firmly to what the Folk-soul instills into his physical and etheric bodies during his life between birth and death; he lives very much within this. This is expressed in the fact that the French person—not as an individual, but as a French person—has a mental image of what a French person is; that he places foremost what it actually means to be a French person. But these thoughts that the Frenchman has about his nationality—and that the Romans in general have about their nationality—cause the Frenchman’s mental image of nationality to be sharply imprinted in his etheric body. When he passes through the gate of death, he sheds his etheric body within days; this etheric body is then a firmly consolidated form that remains in the etheric world for a long time. The etheric body cannot dissolve for a long time because the mental images of his nationality are firmly imprinted upon it; these mental images hold the etheric body together. When we look toward the West, we therefore see the field of death filled with firmly imprinted etheric bodies.

[ 20 ] Schauen wir nun näher nach dem Osten, nach dem russischen Menschen, dann ist das Eigentümliche dieser russischen Menschen, daß sie, wenn die Seelen durch die Pforte des Todes gehen, einen solchen Ätherleib in sich tragen, daß er sich verhältnismäßig sehr rasch auflöst. Das ist der Unterschied zwischen dem Westen und dem Osten. Die Ätherleiber, die ausgeschieden werden nach dem Tode beim westeuropäischen Menschen, die haben die Eigentümlichkeit, daß sie sich starr halten wollen. Das, was der Franzose «Gloire» nennt, das prägt sich seinem Ätherleib fest ein als nationale Gloire, so daß er verurteilt ist, lange, lange nach seinem Tode den geistigen Blick hinzulenken nach diesem Ätherleib, sich selbst anzuschauen nach dem Tode. Der russische Mensch dagegen schaut sich wenig an nach dem Tode. Durch das alles ist der westeuropäische Mensch dem ahrimanischen Einfluß ausgesetzt; dieses Vermaterialisieren des Ätherleibes ist wiederum ausgesetzt dem ahrimanischen Prinzip. Das Zerfließen des Ätherleibes, das baldige Aufgehen des Ätherleibes ist begleitet von einem Wollustgefühl, und das ist gerade das Eigentümliche, ein instinktives Wollustgefühl im Nationalen. Wie ist dieses ausgedrückt im Osten? — Mitteleuropa versteht das nicht, wie es sich auch da nicht hineinfühlt. Wenn man Dostojewskij und selbst Tolstoi verfolgt oder andere, die tonangebend waren, die immer reden vom «russischen Menschen», so ist dies ein Wollustgefühl im Nationalen, das sich selbst nicht definieren kann. Selbst bei Solowjow finden wir noch, wie in seiner Philosophie etwas Schwüles lebt, das der mitteleuropäische Mensch mit der Klarheit und Reinheit, die er sucht, nicht vereinigen kann. Was in Europa als geistige Macht wirksam ist, das hängt mit alledem zusammen. In Mitteleuropa ist ein anderer, ein Mittelzustand vorhanden, nämlich etwas, was man noch weiter ausführen könnte, als es im gestrigen öffentlichen Vortrag möglich war. Ich sagte: Etwas ist vorhanden in Mitteleuropa, was innerliche Strebensnatur ist. Goethe würde in den vierziger Jahren genau ebenso seinen «Faust» geschrieben haben: Immer streben, immer streben! — Aber dieses Streben ist innerlichste Natur. In Mitteleuropa war es, wo die Mystiker aufgetreten sind, die das Göttlich-Geistige nicht bloß erkennen wollten, sondern es mit der eigenen Seele durchleben wollten. Innerlich erleben wollten die Mystiker das Christus-Ereignis. Nimmt man nun Solowjow, so findet man, daß er vor allen Dingen davon ausgeht: Der Christus ist einmal historisch für die Menschheit gestorben. Das ist ganz richtig, aber es handelt sich bei Solowjow um eine Seele, die wie eine Wolke das geistige Leben außer sich sieht, eine Seele, die sieht, daß gleichsam schon alles geschehen ist, während der mitteleuropäische Mensch fordert, daß jeder wieder aufs neue das Christus-Erlebnis in sich erlebe. Selbst einem Solowjow würde Meister Eckart etwa folgendes erwidert haben. Wenn Solowjow immer wieder betont, der Christus müsse durch den Tod gehen, damit der Mensch Mensch sein kann, so würde Meister Eckart sagen: Ihr schaut den Christus an, wie man irgend etwas Äußerliches anschaut. Darauf kommt es nicht an, daß wir immer hinblicken nur auf die historischen Ereignisse, sondern wir müssen im Inneren den Christus selbst erleben, wir müssen etwas entdecken im Inneren, was solche Zustände durchmacht wie der Christus, wenigstens geistig, so daß geistig spirituell das Christus-Erlebnis wieder durchlebt wird.

[ 20 ] If we now look more closely at the East, at the Russian people, we see that what is characteristic of them is that when their souls pass through the gate of death, they carry within them an etheric body that dissolves relatively quickly. That is the difference between the West and the East. The etheric bodies that are shed after death by Western Europeans have the peculiarity of wanting to remain rigid. What the Frenchman calls “Gloire” is firmly imprinted on his etheric body as national glory, so that he is condemned, long, long after his death, to direct his spiritual gaze toward this etheric body, to look upon himself after death. The Russian, on the other hand, looks upon himself little after death. Through all this, the Western European is exposed to the Ahrimanic influence; this materialization of the etheric body is in turn exposed to the Ahrimanic principle. The dissolving of the etheric body, the rapid dissolution of the etheric body, is accompanied by a sensation of sensual pleasure, and that is precisely the peculiarity: an instinctive sensation of sensual pleasure within the national. How is this expressed in the East? — Central Europe does not understand this, just as it cannot empathize with it. If one follows Dostoevsky and even Tolstoy, or others who were influential, who always speak of the “Russian man,” this is a sense of sensual pleasure in the national, which cannot define itself. Even in Solovyov we still find, as in his philosophy, something sultry that the Central European cannot reconcile with the clarity and purity he seeks. What is effective in Europe as a spiritual force is connected to all of this. In Central Europe, a different, intermediate state exists—namely, something that could be elaborated upon even further than was possible in yesterday’s public lecture. I said: There is something in Central Europe that is of an inner, striving nature. Goethe would have written his *Faust* in the 1840s in exactly the same way: Always striving, always striving! — But this striving is of the innermost nature. It was in Central Europe that the mystics appeared, who did not merely want to recognize the divine-spiritual, but wanted to live it through with their own souls. The mystics wanted to experience the Christ event inwardly. If we now take Soloviev, we find that he proceeds above all from this: Christ once died historically for humanity. That is quite correct, but in Soloviev’s case we are dealing with a soul that, like a cloud, views spiritual life from outside itself—a soul that sees that, as it were, everything has already happened—while the Central European demands that each person experience the Christ event anew within themselves. Even to Soloviev, Meister Eckhart would have replied something like this. If Soloviev repeatedly emphasizes that Christ must pass through death so that man may be human, Meister Eckhart would say: You look at Christ as one looks at something external. What matters is not that we always look only to historical events, but that we must experience Christ himself within; we must discover something within that undergoes the same states as Christ, at least spiritually, so that the experience of Christ is relived spiritually.

[ 21 ] Nun erscheint es gewiß vertrackt und phantastisch, wenn der heutigen Menschheit gesagt wird: Die ganze Entwickelung, selbst der sprachliche Volksgeist hat in Mitteleuropa so gewirkt, daß hereingeprägt wurde in seine Sprache dieser Zusammenhang des Ich mit dem Christus-Prinzip: I-CH = Jesus Christus. I-CH, das sich zusammenfügt so, daß es «Ich» wurde. Und indem man in Mitteleuropa Ich ausspricht, spricht man den Namen des Christus aus. So nahe will man das Ich mit dem Christus fühlen, so innig damit verbunden sein. Dieses intime Zusammenleben mit der geistigen Welt, wie es in Mitteleuropa auf allen geistigen Gebieten angestrebt werden muß, kennt man weder im Westen noch im Osten. Daher muß im 20. Jahrhundert etwas geschehen, damit sich allmählich über den ganzen europäischen Kontinent in entsprechender Weise ausbreiten kann das Christus-Prinzip. Ich habe es öfter in verschiedenen Vortragszyklen betont, daß im November 1879 diejenige geistige Wesenheit, die wir als den Erzengel Michael bezeichnen, eine besondere Entwickelungsstufe erreicht hat. Michael wurde sozusagen der führende Geist. Dieser führende Geist bereitet nun das Ereignis vor, das im ersten meiner Mysteriendramen als Erscheinung des ätherischen Christus über die Erde hin angedeutet ist, das Ereignis, welches im 20. Jahrhundert eintreten muß. Dann wird eintreten, daß erst einzelne Seelen, dann mehr und immer mehr Seelen wissen werden: Der Christus ist wirklich da, der Christus wandelt wiederum auf der Erde, aber in ätherischer Gestalt, nicht in physischer Gestalt. — Das muß vorbereitet werden. Wenn im Laufe dieses 20. Jahrhunderts gewissen Seelen die geistigen Augen hellsichtig geöffnet würden — und das wird geschehen — für das, was in der ätherischen Welt lebt, würden sie gestört werden durch jene Ätherleiber, die von Westeuropa her sich ausbreiten. Auf die würde der geistige Blick zuerst fallen, und man würde in unrichtiger Weise die Gestalt des Christus sehen. Daher muß Michael einen Kampf kämpfen in Europa. Er muß etwas beitragen, daß diese westeuropäischen starren Ätherleiber aufgelöst werden in der ätherischen Welt. Dazu muß er diejenigen Ätherleiber nehmen, die sich gerne auflösen, die Ätherleiber im Osten, und muß mit ihnen kämpfen gegen Westen. Das bewirkt, daß sich seit 1879 ein mächtiger Kampf in der astralen Welt vorbereitet hat zwischen russischen und westeuropäischen Ätherleibern, und dieser Kampf durchtobt die ganze astralische Welt. Es ist wirklich ein heftiger Kampf vorhanden in der Astralwelt, geführt von Michael, zwischen Rußland und Frankreich. Das ist das, was in der Astralwelt zugrunde liegt dem Kampfe, der da tobt in Europa. Und wie wir oftmals so erschütternd davon ergriffen werden, daß etwas, was hier in der physischen Welt sich vollzieht, in der geistigen Welt entgegengesetzt ist, so ist es auch hier der Fall. Jenes durch Verführung von Ahriman zusammengekommene französisch-russische Bündnis, das vorzugsweise auf dem ahrimanischen Element, nämlich auf zwanzig Milliarden beruht, die von Frankreich an Rußland gegeben worden sind, ist der physische Ausdruck für einen Kampf, der tobt zwischen französischen und russischen Seelen, für einen Kampf, in den Mitteleuropa mit seinem Streben im innersten Seelenelement nach dem Begegnen mit dem Christus hineingestellt ist. Und Europa ist dem Karma verfallen, daß gerade in Mitteleuropa in tragischer Weise erlebt werden muß, was der Osten mit dem Westen und der Westen mit dem Osten auszumachen hat. Die Dinge, die äußerlich das deutsche Element mit dem französischen Element auszumachen hat, sind nur so aufzufassen, daß das Deutsche eben mitten zwischen dem Osten und dem Westen ist und nach beiden Seiten als Amboß wirkt. Denn das, was von beiden Seiten in Deutschland zusammengestoßen wird, das wird in Wahrheit von diesen beiden Seiten verhandelt. Das ist die geistige Wahrheit, die ganz anders ist als das, was sich äußerlich in der physischen Welt abspielt. Denken Sie, wie verschieden die geistige Wahrheit von dem ist, was sich äußerlich in der physischen Welt abspielt! Alles das klingt gewiß den heutigen Menschen grotesk, aber die Wahrheit ist es. Erschütternd muß diese Wahrheit auf uns wirken.

[ 21 ] It certainly seems convoluted and fantastical when we tell people today: The entire course of development, even the linguistic spirit of the people in Central Europe, has worked in such a way that this connection between the “I” and the Christ principle has been imprinted on its language: I-CH = Jesus Christ. I-CH, which fuses together to become “I.” And when one says “I” in Central Europe, one is pronouncing the name of Christ. That is how closely one wishes to feel the “I” connected to Christ, how intimately bound to it. This intimate coexistence with the spiritual world, as it must be strived for in all spiritual realms in Central Europe, is known neither in the West nor in the East. Therefore, something must happen in the 20th century so that the Christ principle can gradually spread across the entire European continent in an appropriate manner. I have often emphasized in various lecture cycles that in November 1879, the spiritual being we call the Archangel Michael reached a special stage of development. Michael became, so to speak, the leading spirit. This leading spirit is now preparing the event that is hinted at in the first of my Mystery Dramas as the appearance of the etheric Christ over the earth, the event that must occur in the 20th century. Then it will come to pass that first individual souls, then more and more souls, will know: Christ is truly here, Christ is walking upon the earth once more, but in ethereal form, not in physical form. — This must be prepared. If, in the course of this 20th century, the spiritual eyes of certain souls were to be opened clairvoyantly—and this will happen—to what lives in the etheric world, they would be disturbed by those etheric bodies spreading out from Western Europe. The spiritual gaze would first fall upon them, and one would see the form of the Christ in an incorrect way. Therefore, Michael must wage a battle in Europe. He must contribute to the dissolution of these rigid Western European etheric bodies in the etheric world. To do this, he must take those etheric bodies that are willing to dissolve—the etheric bodies in the East—and must fight with them against the West. This has meant that since 1879 a mighty battle has been brewing in the astral world between Russian and Western European etheric bodies, and this battle is raging throughout the entire astral world. There is truly a fierce battle taking place in the astral world, led by Michael, between Russia and France. This is what underlies the battle raging in Europe in the astral world. And just as we are often so deeply shaken by the fact that something taking place here in the physical world is the opposite in the spiritual world, so it is the case here as well. That Franco-Russian alliance, brought about by Ahriman’s seduction and based primarily on the Ahrimanic element—namely, the twenty billion given by France to Russia—is the physical expression of a battle raging between French and Russian souls, a struggle in which Central Europe, with its innermost soul-element striving for an encounter with the Christ, is placed. And Europe has fallen under the karma that it is precisely in Central Europe that what the East has to contend with the West and the West with the East must be experienced in a tragic way. The things that the German element must contend with externally in relation to the French element are to be understood only in this way: that the German element is situated precisely between the East and the West and acts as an anvil for both sides. For what is brought into conflict by both sides in Germany is, in truth, being negotiated by these two sides. This is the spiritual truth, which is entirely different from what takes place outwardly in the physical world. Consider how different the spiritual truth is from what takes place outwardly in the physical world! All of this certainly sounds grotesque to people today, but it is the truth. This truth must have a profound effect on us.

[ 22 ] Aber noch eine andere Sache ist außerordentlich bedeutsam. Es widerspricht gewiß alledem, was uns die Geschichte zeigen kann, daß England, nachdem es immer mit der Türkei gegen Rußland vereint war, nun plötzlich mit Rußland gegen die Türkei kämpfen muß. Verstehen kann man diesen Widerspruch erst, wenn man folgende okkulte Beobachtung macht. Während hier unten auf dem physischen Plan England mit Rußland vereint das türkische Element bekämpft, stellt sich folgendes für die okkulte Beobachtung dar. Wenn man in bezug auf diesen Kampf okkult beobachtet und gleichsam von unten herauf auf den physischen Plan schaut und dann auf den Astralplan, so stellt sich heraus: Für den Norden erscheint einem Rußland mit England verbündet, und für den Südosten erscheint einem die Türkei mit England verbündet. Das rührt davon her, daß das Bündnis zwischen England und Rußland nur eine Bedeutung hat auf dem physischen Plan, aber keine Abspiegelung hat in der geistigen Welt, da es ganz auf materiellen Interessen beruht. Von unten sieht man nur auf dem physischen Plan England und Rußland verbunden im Norden. Im Südosten sieht man durch den physischen Plan hindurch auf dem Astralplan die Engländer mit den Türken seelenhaft vereint gegen Rußland kämpfend. So kämpft England auf dem physischen Plan auf der einen Seite zusammen mit Rußland, und auf der andern Seite wird Rußland von England bekämpft. So müssen wir die Dinge betrachten, die sich äußerlich wirklich abspielen, insofern sie sich als äußere Geschichte offenbaren. Denn das, was dahintersteckt, ist eben etwas ganz anderes.

[ 22 ] But there is another matter of extraordinary significance. It certainly contradicts everything that history can show us that England, having always been allied with Turkey against Russia, must now suddenly fight alongside Russia against Turkey. This contradiction can only be understood by making the following occult observation. While down here on the physical plane England, united with Russia, is fighting the Turkish element, the following picture emerges for the occult observer. If one observes this struggle occultly and looks, as it were, from below up onto the physical plane and then onto the astral plane, it becomes clear: To the north, Russia appears allied with England, and to the southeast, Turkey appears allied with England. This stems from the fact that the alliance between England and Russia has significance only on the physical plane but has no reflection in the spiritual world, since it is based entirely on material interests. From below, one sees only England and Russia united in the north on the physical plane. In the southeast, looking through the physical plane onto the astral plane, one sees the English and the Turks united in spirit, fighting against Russia. Thus, on the physical plane, England fights alongside Russia on one side, while on the other side, Russia is fought against by England. This is how we must view the events that are actually unfolding outwardly, insofar as they manifest as external history. For what lies behind them is something entirely different.

[ 23 ] Es wird eine Zeit kommen, in der die Menschen über die jetzigen Ereignisse ganz anders reden werden, als es gegenwärtig geschieht. Man muß sagen, die ganze Kriegsliteratur hat etwas recht Unerfreuliches. Manches Schöne wird ja auch gesagt, aber doch auch sehr viel Unerfreuliches. Und vor allen Dingen unerfreulich ist eines. Es wird immer gesagt: Heute kann man noch nicht darüber sprechen, wer den Krieg verschuldet hat und so weiter. — Man tröstet sich hinweg über die Dinge. Man sagt: In Zukunft wird man aus den Dokumenten der Archive schon herausbringen, wer den Krieg verschuldet hat! — In bezug auf die äußeren Ereignisse ist die Sache aber gar nicht so schwer zu finden, wenn man ohne Leidenschaft urteilt. Und Chamzberlain hat in seinen «Kriegsaufsätzen», wenn er auch in den Einzelheiten irrt, schon recht, wenn er sagt, daß man gerade über diesen Krieg das Allergewisseste wissen kann. Das ist richtig, daß darüber kein Zweifel ist, nur muß man die richtige Frage stellen. Es wird zum Beispiel erne Frage, wenn sie richtig gestellt ist, nur eindeutig beantwortet werden können. Es ist die Frage: Wer hätte diesen Krieg verhindern können? — Die immer wiederkehrende Frage: Wer hat die Schuld an diesem Kriege? und noch viele andere Fragen, sind eben nicht richtig. Wer hätte den Krieg verhindern können? — Darauf wird die Antwort keine andere sein können als die: Die russische Regierung hätte den Krieg verhindern können! — Und nur so wird man die richtige Definition finden können für die Antriebe, die im einzelnen wirken. Selbstverständlich hätte wiederum der seit Jahrzehnten von dem Osten gewollte Krieg heute nicht kommen können, wenn nicht ein gewisses Verhältnis zwischen England, Rußland und Frankreich bestanden hätte, so daß man auch, wenn man will, England die größere Schuld zuschreiben kann. Aber alle diese Dinge berücksichtigen nicht das, was hinter alledem doch an Ursachen steht, die den ganzen Weltkrieg als Notwendigkeit darstellen. Es ist naiv zu glauben, daß der Krieg hätte ausbleiben können. Die Menschen reden jetzt, als ob dieser Krieg nicht hätte zu kommen brauchen. Er liegt natürlich im europäischen Karma.

[ 23 ] A time will come when people will talk about current events in a very different way than they do now. It must be said that all war literature has something rather unpleasant about it. Some beautiful things are said, of course, but also a great deal that is unpleasant. And one thing in particular is unpleasant. It is always said: Today we cannot yet speak about who was to blame for the war and so on. — People console themselves about these things. They say: In the future, the documents in the archives will reveal who was to blame for the war! — But with regard to external events, the matter is not at all so difficult to determine if one judges without passion. And Chamberlain, in his “War Essays,” even if he is mistaken in the details, is right when he says that it is precisely about this war that one can know with the utmost certainty. It is true that there is no doubt about this, but one must ask the right question. For example, there is a question which, if posed correctly, can only be answered unequivocally. It is the question: Who could have prevented this war? — The ever-recurring question: Who is to blame for this war? and many other questions are simply not the right ones. Who could have prevented the war? — The answer to that can be none other than: The Russian government could have prevented the war! — And only in this way will one be able to find the correct definition for the driving forces at work in each case. Of course, the war that the East had wanted for decades could not have come about today if a certain relationship had not existed between England, Russia, and France, so that, if one wishes, one can also attribute the greater blame to England. But all these considerations fail to take into account the underlying causes that make the entire world war a necessity. It is naive to believe that the war could have been avoided. People now speak as if this war need not have come to pass. It is, of course, part of Europe’s karma.

[ 24 ] Etwas wollte ich andeuten durch die geistigen Gegensätze zwischen Osten und Westen. Es kommt nicht darauf an, daß wir sozusagen in besonderer Weise nach den äußeren Ursachen fragen, denn diese sind ja nicht wichtig. Wir müssen nur wissen, daß dieser Krieg eine historische Notwendigkeit ist. Da sind die einzelnen Ursachen nicht wichtig.

[ 24 ] I wanted to hint at something through the intellectual contrasts between East and West. It does not matter that we, so to speak, inquire in a special way into the external causes, for these are, after all, unimportant. We need only know that this war is a historical necessity. The individual causes are irrelevant.

[ 25 ] Aber wichtig sind schon alle die verschiedenartigen Wirkungen, zu denen wir uns in der richtigen Weise werden stellen müssen. Und da kann uns eine Wirkung als ganz besonders bedeutungsvoll vor die Seele treten. Es ist eine großartige, charakteristische Erscheinung, daß durch einen solchen Krieg viele unverbrauchte Ätherleiber erzeugt werden. Und da dies der größte Krieg ist, den die Menschheit geführt hat seit der bewußten Geschichtsentwickelung, so ist auch diese Eigentümlichkeit in einem höchsten Maße vorhanden. Unverbrauchte Ätherleiber werden erzeugt. Und sehen Sie, der Ätherleib, den der Mensch in sich trägt, kann ihn lange versorgen, bis der Mensch siebzig, achtzig, neunzig Jahre alt ist. Im Kriege aber werden Menschen in der Blüte ihrer Jahre hingeopfert. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht, so wird der Ätherleib, wie Sie wissen, nach kurzer Zeit ausgestoßen; aber bei den im Kriege Gefallenen wird der Ätherleib so ausgestoßen, daß er noch lange, jahrzehntelang hindurch im physischen Leibe diese Menschenleben hätte versorgen können. In der Physik erkennt man an, daß keine Kraft verlorengeht. Im Geistigen ist es aber ebenso. Diese Ätherleiber, die frühzeitig in die äthetische Welt hineingehen, bleiben mit ihren Kräften vorhanden. Bedenken Sie nun, wie unzählige unverbrauchte Ätherleiber von denen da sind, die als junge Menschen durch die Pforte des "Todes gehen. Mit diesen Ätherleibern ist es doch etwas Besonderes. Das möchte ich an einem Beispiel, das unserer Bewegung naheliegt, erläutern, um dann überzugehen auf die Ätherleiber, die von den durch den Tod gegangenen Kriegern in der ätherischen Welt in der nächsten Zukunft enthalten sein werden.

[ 25 ] But what is important are all the various effects that we must face in the right way. And one effect in particular may appear to us as especially significant. It is a remarkable and characteristic phenomenon that such a war gives rise to many fresh etheric bodies. And since this is the greatest war humanity has waged since the dawn of recorded history, this peculiarity is also present to the highest degree. Unused etheric bodies are created. And you see, the etheric body that a person carries within them can sustain them for a long time, until the person is seventy, eighty, or ninety years old. In war, however, people are sacrificed in the prime of their lives. When a person passes through the gate of death, the etheric body, as you know, is expelled after a short time; but in the case of those who have fallen in war, the etheric body is expelled in such a way that it could have sustained these human lives in the physical body for a long time, for decades on. In physics, it is recognized that no force is lost. In the spiritual realm, however, it is the same. These etheric bodies, which enter the etheric world prematurely, remain present with their forces. Now consider how countless unused etheric bodies there are from those who pass through the gate of “death” as young people. There is something special about these etheric bodies. I would like to illustrate this with an example close to our movement, and then move on to the etheric bodies that will be present in the etheric world in the near future, belonging to the warriors who have passed through death.

[ 26 ] Wir haben in diesem Herbst in Dornach den Tod des kleinen Sohnes einer dort jetzt in der Umgebung des Baues beschäftigten Familie aus der Anthroposophischen Gesellschaft erlebt, den Tod des kleinen, siebenjährigen Theodor Faiß. Der Vater hat früher in Stuttgart gelebt, dann kam er als Gärtner nach Dornach in die Umgebung des Baues und lebte dort mit seiner Familie. Er selbst war bald nach Kriegsausbruch eingezogen worden und war zu der Zeit des Ereignisses, das ich anführen will, im Lazarett. Der kleine, siebenjährige Theodor war ein wirkliches Sonnenkind, ein wunderbarer, lieber Knabe. Nun geschah eines Tages das Folgende. Wir hatten gerade einen Vortrag, wie ich sie in Dornach halte im Anschluß an das, was im Bau geschieht. Nach dem Vortrag kam eine Persönlichkeit und sagte, daß der kleine Theodor Faiß seit dem Spätnachmittag nicht zu seiner Mutter zurückgekommen sei. Es war zehn Uhr abends, und man konnte nichts anderes denken, als daß ein großes Unglück geschehen sei. Es war nämlich an diesem Nachmittag ein Möbelwagen angekommen und war in der Nähe der sogenannten Kantine einen Weg gefahren, auf dem er hatte umbiegen müssen. An eine Stelle war dazumal dieser Wagen gelangt, an der, man kann wirklich ruhig sagen, viele Jahrzehnte vorher kein so großer Wagen, überhaupt vielleicht noch kein Möbelwagen gefahren ist und ebensowenig nachher. Nun war der kleine Theodor, bevor dieser Wagen umgebogen hatte, in der Kantine gewesen. Er war dort etwas aufgehalten worden, sonst wäre er früher mit dem, was er an Eßwaren in der Kantine für das Abendessen geholt hatte, nach Hause gegangen. Er ist nun den Weg nach Hause — es ist nur eine ganz kurze Strecke — gerade so zurückgegangen, daß er sich gerade an jener Stelle befand, wo der Wagen umfiel und auf ihn, den kleinen Theodor, fiel. Niemand hatte es bemerkt, selbst der Kutscher nicht. Der hatte nur seine Pferde in Sicherheit gebracht, als der Wagen umfiel, und wußte nicht, daß das Kind darunter war. Als uns das Fehlen des Kindes gemeldet wurde, mußten wir den Wagen zu heben versuchen. Die Freunde holten Werkzeuge, und die mobilisierten schweizerischen Soldaten halfen uns dabei. Natürlich war das Kind seit etwa einhalb sechs Uhr nachmittags schon tot. Der Möbelwagen hatte es sogleich erdrückt, es war am Erstikkungstod gestorben.

[ 26 ] This fall in Dornach, we mourned the death of the young son of a family from the Anthroposophical Society who are now working in the vicinity of the building—the death of little seven-year-old Theodor Faiß. The father had previously lived in Stuttgart; he then came to Dornach as a gardener to work near the building site and lived there with his family. He himself had been drafted shortly after the outbreak of war and was in a military hospital at the time of the event I am about to describe. Little seven-year-old Theodor was a true child of the sun, a wonderful, dear boy. Now, one day the following happened. We had just had a lecture, the kind I give in Dornach following what takes place at the Bauhaus. After the lecture, a person came up and said that little Theodor Faiß had not returned to his mother since late afternoon. It was ten o’clock in the evening, and one could think of nothing else but that a great misfortune had occurred. You see, a moving truck had arrived that afternoon and had driven down a path near the so-called canteen where it had had to make a turn. At one point, this truck had reached a spot where—one can safely say—no vehicle of that size, and perhaps no moving truck at all, had driven many decades before, nor has one since. Now, little Theodor had been in the canteen before the truck had turned. He had been held up there for a while; otherwise, he would have gone home earlier with the food he had picked up in the canteen for dinner. He had just walked back home—it is only a very short distance—in such a way that he happened to be right at the spot where the carriage overturned and fell on him, little Theodor. No one had noticed, not even the coachman. He had only brought his horses to safety when the carriage overturned and did not know that the child was underneath it. When we were notified that the child was missing, we had to try to lift the wagon. Friends fetched tools, and the mobilized Swiss soldiers helped us with this. Of course, the child had already been dead since about half past five in the afternoon. The moving wagon had crushed him immediately; he had died of suffocation.

[ 27 ] Da haben wir solch einen Fall, auf den anzuwenden ist, was ich schon oftmals durch einen Vergleich klarzumachen versuchte, daß man verwechselt Ursache und Wirkung. Ich habe schon oft den folgenden Vergleich gebraucht: Nehmen wir an, wir sehen am Rande eines Flusses einen Menschen gehen. Der Mensch fällt in den Fluß hinein. Man läuft hin und findet an der Stelle, wo der Mensch in den Fluß gefallen ist, einen Stein und denkt nun, der Mensch sei gestolpert, dann in den Fluß gefallen und dadurch gestorben. Man sagt also, der Mensch ist gestorben, weil er in den Fluß fiel. Aber wenn man ihn nun seziert, so findet man vielleicht, daß er vom Herzschlag getroffen wurde und infolgedessen tot in das Wasser gefallen ist. Er ist also nicht gestorben, weil er ins Wasser gefallen ist, sondern ins Wasser gefallen, weil er gestorben ist. Solche Verwechslungen von Ursache und Wirkung finden Sie in der Beurteilung des Lebens ganz häufig und in der gewöhnlichen Wissenschaft noch mehr.

[ 27 ] Here we have a case to which applies what I have often tried to illustrate through an analogy: that people confuse cause and effect. I have often used the following analogy: Suppose we see a person walking along the bank of a river. The person falls into the river. We run over and find a rock at the spot where the person fell into the river, and we now think that the person stumbled, then fell into the river, and died as a result. So we say that the person died because he fell into the river. But if you were to perform an autopsy, you might find that he suffered a heart attack and consequently fell into the water dead. He did not, therefore, die because he fell into the water, but fell into the water because he had died. Such confusions of cause and effect are very common in the assessment of life, and even more so in conventional science.

[ 28 ] Bei dem kleinen Theodor war es so, daß das Karina abgelaufen war, so daß man wirklich sagen kann: Er hat den Wagen selbst hinbestellt. Ich erwähne den ganzen Fall, der äußerlich außerordentlich tragisch ist, aus dem Grunde, weil wir es da zu tun haben mit dem Ätherleib eines Kindes, der noch Jahrzehnte hindurch das Leben dieses Kindes hätte versorgen können. Dieser Ätherleib ist mit all den unverbrauchten Kräften in die geistige Welt, die ätherische Welt übergegangen. Wo ist er? Was macht er? — Derjenige, der genötigt ist, am Dornacher Bau seither mit künstlerischen Intentionen zu arbeiten, überhaupt Gedanken zu hegen in der Umfriedung des Baues, der weiß, wenn er zu gleicher Zeit okkulte Anschauung hat: Dieser ganze Ätherleib ist mit seinen Kräften vergrößert in der Aura des Dornacher Baues. Wir müssen unterscheiden: die Individualität ist woanders, die geht ihren eigenen Weg, aber der Ätherleib ist ja nach einigen Tagen ausgestoßen, der ist nun im Bau vorhanden. Und niemals werde ich anstehen zu sagen, daß unter den Kräften, die man zur Intuition braucht, die Kräfte dieses Ätherleibes sind, der hingeopfert ist für den Bau. Hinter dem Leben sind die Zusammenhänge oftmals noch ganz anders, als man nur ahnt. Zu schützenden Mächten des Baues ist dieser Ätherleib geworden. Etwas großartig Gewaltiges liegt in einem solchen Zusammenhang.

[ 28 ] In little Theodor’s case, the battery had died, so one can truly say: He summoned the car himself. I mention this entire case, which is outwardly extremely tragic, for the reason that we are dealing here with the etheric body of a child that could have sustained this child’s life for decades to come. This etheric body, with all its unspent energies, has passed into the spiritual world, the etheric world. Where is it? What is it doing? — Anyone who has since been compelled to work on the Dornach building with artistic intentions, or even to entertain thoughts within the building’s enclosure, knows—if they also possess occult insight—that this entire etheric body, with its powers magnified, is present in the aura of the Dornach building. We must distinguish: the individuality is elsewhere, it goes its own way, but the etheric body, after a few days, has been cast out; it is now present in the building. And I will never hesitate to say that among the forces needed for intuition are the forces of this etheric body, which has been sacrificed for the building. Behind life, the connections are often quite different from what one might suspect. This etheric body has become a protective power of the building. Something magnificent and mighty lies in such a connection.

[ 29 ] Und nun bedenken wir, welch große Summe von Kraft in den unverbrauchten Ätherleibern derjenigen in die geistige Welt hinaufgeht, die jetzt durch die Pforte des Todes infolge der kriegerischen Ereignisse gehen.

[ 29 ] And now let us consider the vast amount of energy that ascends into the spiritual world from the unspent etheric bodies of those who are now passing through the gate of death as a result of the war.

[ 30 ] Die Dinge hängen eben doch anders zusammen, als die Menschen es sich vorstellen können; das Karma in der Welt vollzieht sich anders. Und Geisteswissenschaft muß gerade dazu da sein, an die Stelle phantastischer Vorstellungen geistig wahre Vorstellungen zu setzen. Wir können uns ja kaum — um nur ein Beispiel zu nennen — etwas vom spirituellen Standpunkt aus Phantastischeres und Unwahreres denken, als etwas, was sich vollzogen hat in den letzten Dezennien. Was hat sich denn vollzogen dadurch, daß man eine besondere «Friedensgesellschaft» gegründet hat, um an Stelle des Krieges das Recht zu setzen, wie man sagte, «das internationale Recht»! — In keiner Zeit der Menschheit sind so furchtbare Kriege geführt worden als seit der Zeit, da die «Friedensgesellschaft» besteht. Und in den letzten Jahrzehnten hat ja diese Friedensbewegung unter ihren besonderen Beschützern den Monarchen gehabt, der die blutigsten und grausamsten Kriege geführt hat, die jemals in der Weltgeschichte geführt worden sind. So daß die Einleitung der Friedensbewegung von seiten des Zaren wirklich als die größte Komödie erscheinen muß, die in der Weltgeschichte jemals gespielt worden ist, die allergrößte Komödie und zu gleicher Zeit die allerabscheulichste Komödie! Das ist dasjenige, was da drüben die luziferische Verführung genannt werden muß. Das kann in Einzelheiten gut verfolgt werden. Man kann sagen, es übt auf die Seele einen erschütternden Eindruck aus, wenn man sieht — mag man sonst die Dinge ansehen wie man will, — wie im Beginne, als diese Kriegsimpulse in Europa eingezogen sind, in Mitteleuropa, selbst da, wo man sich versammelt hatte wie im Berliner deutschen Reichstag, die Leute alle fast nichts gesprochen haben. Wenig ist gesprochen worden, aber die Dinge haben gesprochen. Unendlich viel ist im Westen wie im Osten gesprochen worden. Aber den erschütterndsten Eindruck in einer gewissen Weise hat man von dem, was in der Petersburger Duma von den verschiedenen Parteien gesprochen worden ist. Auf die verschiedenste Weise haben die Vertreter der Duma wirklich nichts anderes als die strohetnsten Phrasen mit dem größten Feuer der Begeisterung vorgebracht. Es war erschütternd. Das ist luziferische Verführung. Das alles aber weist uns darauf hin, daß das Feuer, das in diesem Kriege brennt, ein Warnungs- und Mahnfeuer ist, und daß die Menschen wohl aufpassen müssen.

[ 30 ] Things are connected in ways that people cannot even imagine; karma in the world unfolds differently. And Spiritual Science must serve precisely to replace fanciful mental images with spiritually true ones. We can hardly imagine—to give just one example—anything more fantastical and untrue from a spiritual standpoint than what has taken place in recent decades. What has actually come to pass as a result of founding a special “peace society” to replace war with the rule of law—or, as they said, “international law”? — At no time in human history have such terrible wars been waged as since the “Peace Society” came into existence. And in recent decades, this peace movement has indeed had among its special patrons the monarch who waged the bloodiest and most cruel wars ever waged in world history. So that the initiation of the peace movement on the part of the Tsar must truly appear as the greatest comedy ever played out in world history, the very greatest comedy and at the same time the most abominable comedy! That is what must be called the Luciferic seduction over there. This can be traced in detail. One might say it makes a shattering impression on the soul when one sees—however one might otherwise view things—how, at the beginning, when these war impulses swept into Europe, into Central Europe, even where people had gathered, such as in the German Reichstag in Berlin, the people said almost nothing. Little was spoken, but the events spoke for themselves. An infinite amount has been spoken in both the West and the East. But the most shattering impression, in a certain sense, comes from what was spoken in the St. Petersburg Duma by the various parties. In the most diverse ways, the representatives of the Duma really offered nothing but the most hollow phrases with the greatest fervor of enthusiasm. It was shocking. This is Luciferic seduction. But all of this points to the fact that the fire burning in this war is a warning and a signal fire, and that people must be on their guard.

[ 31 ] Alles, was jetzt überhaupt geschieht, weist darauf hin, daß wenigstens einige Seelen sich sagen müssen: Es kann so nicht fortgehen, wie es in der Welt gegangen ist, es muß Spirituelles in die Menschenentwickelung einfließen! Der Materialismus hat sein Karma in diesem furchtbarsten der Kriege gefunden. In gewisser Beziehung ist dieser Krieg das Karma des Materialismus. Je mehr die Menschenseelen dieses einsehen werden, desto mehr werden sie über das Diskutieren hinauskommen, ob dieser, ob jener den Krieg verschuldet hat, und werden sich sagen: Dieser Krieg ist uns in die Weltgeschichte hineingeschickt worden, daß er ein Mahner sei, daß wir uns zuwenden sollen einem spirituellen Auffassen des ganzen Menschenlebens.

[ 31 ] Everything that is happening now points to the fact that at least some souls must be saying to themselves: Things cannot go on as they have been in the world; the spiritual must be incorporated into human development! Materialism has met its karma in this most terrible of wars. In a certain sense, this war is the karma of materialism. The more human souls come to realize this, the more they will move beyond debating whether this or that party is to blame for the war, and will say to themselves: This war has been sent into world history to serve as a warning that we must turn toward a spiritual understanding of the whole of human life.

[ 32 ] Der Materialismus macht ja nicht nur die Seelen der Menschen materialistisch gesinnt, er verdirbt auch die Logik und macht das Empfinden stumpf. Innerhalb Mitteleuropas wird man noch manches einsehen müssen, was zusammenhängt mit dem, was ich gesagt habe: daß man sich gerade in Mitteleuropa am intimsten befassen muß mit der Fortentwickelung des Christus-Impulses. Aber dazu wird gehören, daß man wird anfangen müssen, die Geister, welche schon die Keime dazu gelegt haben, zu verstehen. Nur ein Beispiel: Goethe hat eine Farbenlehre geschrieben. Die Physiker sehen sie an als etwas, nun, über das sie mitleidig lächelnd sagen: Was hat der Dichter von den Farben verstanden? Er war eben ein Dilettant! — Seit den achtziger Jahren bemühe ich mich, die Goethesche Farbenlehre gegen die moderne Physik zum Durchbruch zu bringen. Das kann nicht verstanden werden. Warum kann es nicht verstanden werden? Weil das materialistische Prinzip, welches von der britischen Volksseele ausgeht, in Mitteleuropa seinen Einzug gefunden hat. Newton, den Goethe bekämpfen mußte, hat den Sieg davongetragen über das, was bei Goethe aus dem Geist entsprungen ist. Goethe hat auch eine Entwicklungslehre begründet, in welcher gezeigt wird, wie durch das Erfassen von geistigen Gesetzen die Wesen von dem Unvollkommensten zum Vollkommensten fortschreiten. Das ist den Menschen zu schwer gewesen, zu verstehen. Als Darwin auf leichtere Weise seine Entwicklungslehre brachte, haben die Menschen diese angenommen. Darwin hat gesiegt über Goethe. Der materialistische Denker, der durch die britische Volksseele inspiriert ist, hat gesiegt über Goethe, der alles aus dem intimsten Zwiegespräch mit der deutschen Volksseele gezogen hat.

[ 32 ] Materialism not only makes people’s souls materialistic in their outlook; it also corrupts logic and dulls the senses. Within Central Europe, there is still much to be realized regarding what I have said: that it is precisely in Central Europe that one must engage most intimately with the further development of the Christ impulse. But this will require that we begin to understand the spirits who have already sown the seeds for this. Just one example: Goethe wrote a theory of colors. Physicists regard it as something about which they say with a pitying smile: What did the poet understand of colors? He was just a dilettante! — Since the 1980s, I have been striving to bring Goethe’s theory of colors to the fore against modern physics. This cannot be understood. Why can it not be understood? Because the materialistic principle, which emanates from the British folk-soul, has found its way into Central Europe. Newton, whom Goethe had to combat, emerged victorious over what sprang from Goethe’s spirit. Goethe also founded a theory of evolution, which demonstrates how, through the grasping of spiritual laws, beings progress from the most imperfect to the most perfect. This was too difficult for people to understand. When Darwin presented his theory of evolution in a simpler way, people accepted it. Darwin triumphed over Goethe. The materialist thinker, inspired by the British folk-soul, triumphed over Goethe, who drew everything from the most intimate dialogue with the German folk-soul.

[ 33 ] Ernst Haeckel hat Tragisches erlebt. Sein ganzes Leben hindurch hat er sich geistig genährt mit dem, was Huxley und Darwin ihm gegeben haben. Der Materialismus Ernst Haeckels ist im Grunde genommen rein englisches Produkt. Nun, als der Krieg ausbrach, war Haeckel entrüstet über das, was von den britischen Inseln aus geschah. Er war einer der ersten, welcher die englischen Orden, Diplome und Auszeichnungen zurückschickte. Was zurückgeschickt werden muß, sind aber nicht die Diplome, Orden und Auszeichnungen, sondern das sind der englisch gefärbte Darwinismus und die englisch gefärbte Physik. Zu dieser Besinnung muß man kommen, damit eingesehen wird, was in dem mitteleuropäischen Gebiet als intimes Zusammensein mit den Gesetzen der Welt erstrebt werden kann.

[ 33 ] Ernst Haeckel experienced tragedy. Throughout his entire life, he drew intellectual sustenance from what Huxley and Darwin had given him. Ernst Haeckel’s materialism is, in essence, a purely English product. Now, when the war broke out, Haeckel was outraged by what was happening from the British Isles. He was one of the first to return his English orders, diplomas, and awards. What must be returned, however, are not the diplomas, orders, and awards, but rather the English-tinged Darwinism and the English-tinged physics. One must come to this realization in order to understand what can be strived for in the Central European region as an intimate communion with the laws of the world.

[ 34 ] Am meisten kann man verderben, wenn man schon in das kindliche Gemüt das ergießt, was sich dann in nur materialistischer Färbung weiter entwickelt. Darauf haben die Jahrhunderte hingearbeitet. Ahriman hat bei den Briten drüben einen sogar ganz großen Schriftsteller so inspiriert, daß dieser Schriftsteller ein Werk geschrieben hat, das ganz darauf berechnet war, die Seele von dem kindlichen Alter an materialistisch so zu beeinflussen, daß man es nicht merkt, weil man das alles nicht als materialistisch präparierend ansieht. Das ist der «Robinson Crusoe.» Die ganze Art, wie der Robinson beschrieben ist, ist so raffiniert, daß diese Vorstellungen der Robinsonade, wenn sie aufgenommen werden, den Geist so präparieren, daß er später nur materialistisch denken kann. Die Menschheit ist von den Robinsonadenerfindern noch nicht geheilt, es hat solche immer gegeben und gibt sie heute noch. Und so könnte vieles angeführt werden. Nicht um etwas Ablehnendes gegenüber den Völkern des Westens zu sagen, die so sein müssen, wie sie sind, sondern um darauf hinzuweisen, wie in Mitteleuropa die Menschen den Zusammenhang finden müssen mit den großen, nur erst keimhaften Werten für die Entwikkelung gegen die Zukunft hin, werden diese Dinge ausgesprochen. Wie bedeutsam steht da im Grunde genommen ganz besonders auch Österreich da. In den letzten Jahrzehnten konnte man sehen, wie ein Höchstes erstrebt worden ist durch Geister wie Hamerling auf dichterischem Gebiet, wie Carneri, der den Darwinismus vertiefen wollte nach der moralischen Seite hin, und von Künstlern wie Bruckner und andern auf allen möglichen Gebieten. Selbstbesinnung der Volkheit auf diese Dinge, das ist es, worauf es ankommen wird.

[ 34 ] The greatest harm is done when one pours into a child’s mind ideas that then develop into a purely materialistic worldview. Centuries have worked toward this end. Ahriman even inspired a very great writer among the British to such an extent that this writer composed a work designed entirely to influence the soul in a materialistic way from childhood onward, in a manner so subtle that one does not notice it, because one does not perceive all of this as materialistic conditioning. This is *Robinson Crusoe*. The entire way Robinson is described is so subtle that these mental images of the Robinsonade, when absorbed, condition the mind in such a way that it can later think only materialistically. Humanity has not yet been healed of the inventors of the Robinsonade; such people have always existed and still exist today. And many other examples could be cited. These things are stated not to say anything negative about the peoples of the West, who must be as they are, but to point out how, in Central Europe, people must find the connection with the great, as yet only nascent values for development toward the future. How significant, in fact, is Austria’s position in this regard. In recent decades, one has seen how the highest ideals have been pursued by minds such as Hamerling in the realm of poetry, by Carneri, who sought to deepen Darwinism from a moral perspective, and by artists such as Bruckner and others in all manner of fields. The people’s self-reflection on these matters—that is what will ultimately matter.

[ 35 ] Und nun bedenken wir die unverbrauchten Ätherleiber, die da vorhanden sind. Diese Ätherleiber wurden von Menschen abgelegt, die in einem großen Ereignis lernten, sich für etwas zu opfern, was es für sie, jedenfalls sinnenfällig, nicht mehr gibt: für die Volkheit. Wenn man heute als Geisteswissenschafter davon spricht, daß es eine Volksseele gibt als Erzengel und so weiter, dann wird man ausgelacht. Was man im Materialismus Volksseele nennt, ist nur der abstrakte Zusammenhang der Eigenschaften, die die Menschen eines Volkes haben. Was der Materialist Volk nennt, ist bloß die Summe von Menschen, die einander gleichsehend auf einem Raume zusammenleben. Wir sprechen von Volkheit so, daß wir wissen: Der Volksgeist ist als eine reale Wesenheit im Erzengelrang wirklich vorhanden. Wenn auch derjenige, der sich opfert, der durch den Tod geht für sein Volk, kein vollständiges Bewußtsein hat auf dem Feld der Ereignisse von einem realen Volksgeist, so bekräftigt er doch durch die Art, wie er durch den 'Tod geht, daß er an eine Fortwirksamkeit nach diesem Tode glaubt, daß er glaubt, daß es mehr gibt als das, was die Augen sehen in der Volkheit: ihren Zusammenhang und ihr Zusammenstehen mit dem Übersinnlichen. Alle diejenigen, die also durch den Tod gehen, ob sie es nun mehr oder weniger wissen, gehen durch diesen Tod, bekräftigend, daß es eine übersinnliche Welt gibt; das wird ihren Ätherleibern eingeprägt. So daß in der Zukunft außer denjenigen, die im physischen Erdenrund leben werden, wenn wieder Frieden eingetreten sein wird, die unverbrauchten Ätherleiber leben werden, immerdar in die Sphärenmusik die Töne hineinsendend: Es gibt mehr in der Welt als das, was bloß mit physischen Augen gesehen werden kann! Spirituelle Wahrheit wird hineintönen in die Sphärenmusik durch das, was die Toten zurücklassen in ihrem Ätherleib, ganz abgesehen von dem, was sie mitnehmen mit ihrer Individualität, die sie durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt tragen. Aber gehört werden wird müssen dasjenige, was leben wird, was herabtönen wird aus diesen Ätherleibern, weil diese Ätherleiber abgelegt worden sind von Menschen, die, besiegelnd die Wahrheit der spirituellen Welt, durch den Tod gegangen sind. Die größte Sünde der Menschheit wird sein, wenn sie nicht hinhören wird darauf, was die gestorbenen Menschen ihr durch ihre mahnenden Ätherleiber zurufen werden. Und wie unendlich wird belebt dasjenige, was man so im Hinblick auf die geistige Welt schauen will, wenn man sich zu denken hat, daß die Väter und Mütter, die Schwestern und Brüder, Söhne und Töchter, die teure Tote verlieren, sich sagen müssen: Was da hingeopfert worden ist, lebt für die ganze Menschheit, mahnend an das, was da kommen muß!

[ 35 ] And now let us consider the unspent etheric bodies that are present there. These etheric bodies were shed by people who, in the course of a great event, learned to sacrifice themselves for something that, at least in a tangible sense, no longer exists for them: for the nation. If, as a Spiritual Scientist, one speaks today of a folk-soul as an archangel and so on, one is laughed at. What materialism calls a folk-soul is merely the abstract connection of the characteristics possessed by the people of a nation. What the materialist calls a nation is merely the sum of people who live together in a given space, viewing one another as equals. We speak of the national spirit in such a way that we know: the national spirit truly exists as a real entity in the rank of an archangel. Even if the one who sacrifices himself, who goes through death for his people, has no full consciousness in the realm of events of a real national spirit, he nevertheless affirms, through the way he passes through death, that he believes in a continuing effect after this death, that he believes there is more than what the eyes see in the national spirit: its connection and its standing together with the supersensible. All those who thus pass through death, whether they are more or less aware of it, pass through this death affirming that there is a supersensible world; this is imprinted upon their etheric bodies. So that in the future, apart from those who will live in the physical world, when peace has returned, the unspent etheric bodies will live on, forever sending the tones into the music of the spheres: There is more in the world than what can be seen merely with physical eyes! Spiritual truth will resound in the music of the spheres through what the dead leave behind in their etheric bodies, quite apart from what they take with them in their individuality, which they carry through the life between death and new birth. But what will have to be heard is that which will live, that which will resound down from these etheric bodies, because these etheric bodies have been shed by people who, sealing the truth of the spiritual world, have passed through death. Humanity’s greatest sin will be if it does not listen to what the departed will call out to it through their admonishing etheric bodies. And how infinitely enlivened is that which one seeks to perceive in relation to the spiritual world, when one considers that the fathers and mothers, the sisters and brothers, the sons and daughters who lose their dear departed must say to themselves: What has been sacrificed there lives on for all humanity, warning of what must come!

[ 36 ] Wenn man bloß auf das bauen wollte, was hier in der physischen Welt sich abspielt, könnte man nicht viel Hoffnung haben für den gedeihlichen Fortgang der spirituellen Bewegung, die in unserer geisteswissenschaftlichen Weltanschauung gepflegt werden soll. Als uns neulich ein guter, treuer Mitarbeiter starb, ungefähr im dreißigsten Jahr seines Lebens, da war in meinen Worten, die ich richtete an diese durch die Pforte des Todes gegangene Seele, die Bitte, daß sie ebenso treu und tapfer mitarbeiten möchte auf unserem geisteswissenschaftlichen Felde, wie sie hier treu und hingebungsvoll mitgearbeitet hat, verwertend alles, was sie wußte. Fleißig hat er mitgearbeitet hier auf dem physischen Plan, dieser Mitarbeiter. Das gab ich ihm mit als eine Botschaft in sein Leben zwischen Tod und neuer Geburt, daß er mitarbeiten möge nach dem Tode, wie er es getan hat vor dem Tode, denn wir rechnen auf diese Toten, die sogenannten Toten, wie auf die Lebendigen. So lebendig muß uns die geisteswissenschaftliche Weltanschauung sein, daß die Kluft überwunden wird zwischen den sogenannten Toten und den Lebenden, daß wir die Toten unter uns fühlen wie Lebende. Nicht bloß Theorie, Leben wollen wir. So wollen wir auch darauf hinweisen, daß ein lebendiges Band besteht zwischen denen, die leben auf der Erde, wenn wieder Friede sein wird, und denen, die durch die Pforte des Todes gegangen sind. Die Menschen werden von den Toten lernen können, werden lernen müssen, wie diese Toten in der angegebenen Weise mitwirken an dem großen spirituellen Fortschritt, der die Erde ergreifen muß.

[ 36 ] If one were to rely solely on what takes place here in the physical world, one could not have much hope for the flourishing progress of the spiritual movement that is to be fostered within our Spiritual Science worldview. When a good, faithful co-worker of ours recently passed away, at about the age of thirty, my words to this soul that had passed through the gate of death included a request that it might work just as faithfully and courageously in our field of Spiritual Science as it had worked here faithfully and devotedly, making use of all it knew. This colleague worked diligently here on the physical plane. I gave him this as a message to carry into his life between death and new birth: that he might work after death as he did before death, for we count on these dead—the so-called dead—just as we do on the living. Our Spiritual Science worldview must be so alive that the gulf between the so-called dead and the living is bridged, that we feel the dead among us as living beings. We want not merely theory, but life. Thus we also wish to point out that a living bond exists between those who live on Earth, when peace returns, and those who have passed through the gate of death. People will be able to learn from the dead, will have to learn, how these dead contribute in the manner described to the great spiritual progress that must take hold of the Earth.

[ 37 ] Es geht im Leben manchmal so, daß man sieht, wie die menschliche Logik nicht ausreicht. Ein Beispiel möchte ich Ihnen anführen, nicht aus persönlichen Gründen, sondern um zu charakterisieren die Art und Weise, wie sich die Menschen zu unserer Bewegung stellen. Vor einigen Jahren konnte man in einer süddeutschen sehr ernsten Zeitschrift einen Aufsatz lesen, den ein berühmter Philosoph der Gegenwart geschrieben hat über unsere Geisteswissenschaft. Die Geisteswissenschaft wurde da so behandelt, daß es einen gewissen Eindruck machen konnte auf die Leute, weil der Aufsatz von einem großen Philosophen geschrieben war. Der Herausgeber der Zeitschrift tat sich etwas Besonderes darauf zugute, daß er einen Artikel über die Geisteswissenschaft von einem so berühmten Manne bringen konnte. Natürlich war alles schlecht und schief dargestellt; ein ganz schiefes Bild wurde von der Geisteswissenschaft gegeben. Was brauchte aber der Herausgeber, um einzusehen, was er eigentlich da als Urteil hatte abgeben lassen in seiner Monatsschrift über unsere Bewegung? — Es kam der Krieg. Jener Mann, der den Artikel geschrieben hatte, schrieb an den Herausgeber einige Briefe. Diese Briefe enthalten ziemlich das Abstoßendste, was man überhaupt über die mitteleuropäische Kultur sagen kann. Schrecklich geschimpft und gehöhnt wurde da über diese mitteleuropäische Kultur. Der Herausgeber hat diese Briefe jetzt abgedruckt als ein Beispiel dafür, wie töricht man denken kann über diese Kultur. Und er sagt jetzt: So, wie dieser Mensch schreibt, kann doch nur ein Mensch schreiben, der ins Irrenhaus gehört. — Es liegt also das Faktum vor, daß für einen guten Herausgeber so etwas notwendig war, um einzusehen, daß der Mann, der vor einigen Jahren über die Geisteswissenschaft diesen Artikel, der nach außen auch viel Schaden angerichtet hat, schrieb, ins Irrenhaus gehört. Wenn der Mann aber jetzt ins Irrenhaus gehört, so gehörte er damals doch auch schon hinein. Aber damals schrieb er einen Artikel über Geisteswissenschaft!

[ 37 ] Sometimes in life, one sees that human logic is insufficient. I would like to give you an example, not for personal reasons, but to illustrate the way people view our movement. A few years ago, a very serious journal in southern Germany published an essay written by a famous contemporary philosopher about Spiritual Science. Spiritual Science was treated in such a way that it could make a certain impression on people, because the essay was written by a great philosopher. The editor of the journal took particular pride in the fact that he was able to publish an article on Spiritual Science by such a famous man. Of course, everything was presented in a negative and distorted light; a completely distorted picture of Spiritual Science was given. But what did the editor need to realize what kind of judgment he had actually allowed to be published in his monthly journal regarding our movement? — Then the war came. The man who had written the article wrote several letters to the editor. These letters contain some of the most repulsive things one can possibly say about Central European culture. There was terrible railing and mockery directed at this Central European culture. The editor has now published these letters as an example of just how foolish one can be in one’s thinking about this culture. And he now says: Only a person who belongs in a madhouse could write the way this man does. — So the fact is that it took something like this for a good editor to realize that the man who, a few years ago, wrote that article about Spiritual Science—which also caused a great deal of harm to the outside world—belongs in a madhouse. But if the man belongs in a madhouse now, then he certainly belonged there back then as well. Yet back then, he wrote an article about Spiritual Science!

[ 38 ] So geht es in der Welt zu! Es müssen schon andere Hilfen kommen als die, die der Mensch heute hat, um ein Urteil zu bekommen. Der Geisteswissenschafter steht allerdings fest auf dem Boden, der da klar zeigt, daß die Wahrheit ihren Weg findet. Aber die Geisteswissenschaft muß wirken in der Entwickelung der Menschheit, damit das Notwendige geschieht. Und so, wie in jener Zeit, da der Kaiser Konstantin seine Aufgabe zu vollenden hatte, der Christus-Impuls aus der geistigen Welt in das Unterbewußte hineinwirken mußte, so, wie bei der Jungfrau von Orleans der Christus-Impuls wirken mußte, damit das geschah, was geschehen mußte, so muß der Christus-Impuls weiterwirken, nur jetzt mehr in Bewußtheit. Es muß Seelen geben in der Zukunft, die wissen werden: Da oben in der geistigen Welt rufen diejenigen, die mit ihrer Individualität sich opferten, uns auf, ihnen nachzufolgen in dem von ihnen im Tode erlangten Glauben an die Wirksamkeit des Geistigen. Aber auch die Kräfte aus den unverbrauchten Ätherleibern rufen in die Zukunft hinein, was man nur zu verstehen braucht, um es in die eigene Seele aufzunehmen. Unten aber müssen Seelen sein, die das vernehmen. Seelen müssen da sein, die sich dazu vorbereiten durch das richtige, durch das ‚lebendige Verständnis unserer Geisteswissenschaft. Unsere Geisteswissenschaft muß hier unten Seelen schaffen, die zu ahnen vermögen, was da oben die Ätherleiber der Toten in der Zukunft sprechen werden. Seelen, die wissen: Dort oben sind die Kräfte, die den Menschen, der auf Erden sich selbst überlassen sein mußte, ermahnen können. Und wenn hier unten geistbewußte Seelen nach den verborgenen Tönen der geistigen Welt ihren Sinn richten werden, dann werden aus alledem, was an Blut geflossen ist, was an Opfern geleistet wurde, was an Leid ertragen werden mußte und noch ertragen werden muß, die rechten Früchte entstehen. Hinblickend auf die Hoffnung, die ausgesprochen werden darf, daß sich recht, recht viele Seelen finden mögen durch die Geisteswissenschaft, welche hören können diese Stimmen, die insbesondere durch diesen Krieg aus der geistigen Welt ertönen werden, möchte ich, zusammenfassend die Schlußworte der heutigen Betrachtung, Worte sprechen, die nur empfindungsgemäß das ausdrücken sollen, was ich in ihren Seelen anregen möchte:

[ 38 ] That is how things are in the world! We need help of a different kind than what people have today in order to form a judgment. The spiritual scientist, however, stands firmly on the ground, clearly demonstrating that truth finds its way. But Spiritual Science must play a role in the development of humanity so that what is necessary may come to pass. And just as in that time when Emperor Constantine had to fulfill his task, the Christ impulse had to work from the spiritual world into the subconscious; just as the Christ impulse had to work in the case of the Maid of Orleans so that what had to happen could happen—so the Christ impulse must continue to work, only now more in consciousness. There must be souls in the future who will know: Up there in the spiritual world, those who sacrificed themselves with their individuality are calling upon us to follow them in the faith in the efficacy of the spiritual that they attained in death. But the forces from the unconsumed etheric bodies, too, call out into the future—one need only understand this to take it into one’s own soul. But down here there must be souls who can hear this. There must be souls who prepare themselves for it through the right, through the ‘living understanding’ of our Spiritual Science. Our Spiritual Science must create souls down here who are able to sense what the etheric bodies of the dead will speak up there in the future. Souls who know: Up there are the forces that can admonish the human being who had to be left to his own devices on earth. And when, down here, spiritually conscious souls direct their attention to the hidden sounds of the spiritual world, then from all the blood that has been shed, all the sacrifices that have been made, all the suffering that had to be endured and still must be endured, the right fruits will arise. Looking toward the hope that may be expressed—that very, very many souls may be found through Spiritual Science who can hear these voices that will resound from the spiritual world, especially through this war—I would like, in summary of today’s reflection, to speak words that are meant only to express intuitively what I wish to stir within their souls:

Aus dem Mut der Kämpfer,
Aus dem Blut der Schlachten,
Aus dem Leid Verlassener,
Aus des Volkes Opfertaten
Wird erwachsen Geistesfrucht
Denken Seelen geistbewußt
Ihren Sinn ins Geisterreich.

From the courage of the fighters,
From the blood of the battles,
From the suffering of the forsaken,
From the sacrifices of the people
The fruit of the spirit grows
Souls think with spiritual awareness
And direct their purpose toward the spiritual realm.

[ 39 ] Mit solchen Gefühlen im Herzen wollen wir immerdar uns durchdringen mit dem Sinn des Rosenkreuzes, damit dieses Rosenkreuz in der rechten Weise von uns als die Devise angesehen wird unseres Wirkens und Webens und Empfindens. Nicht das schwarze Kreuz allein. Wer die Rosen vom schwarzen Kreuz reißen würde, wer nur das schwarze Kreuz hätte, würde dem Ahriman verfallen. Das schwarze Kreuz ist das nach der bloßen Materie hinstrebende Lebendige. Auch nicht, wer das Kreuz von den Rosen reißt und die Rosen allein halten möchte, wird das Richtige finden. Denn die Rosen, vom Kreuze getrennt, wollen uns zwar erheben zum Leben, aber dieses Leben würde egoistisch bloß nach dem Geistigen hinaufstreben wollen und nicht den Geist offenbaren in dem Materiellen. Nicht das Kreuz allein, nicht die Rosen allein, sondern die Rosen am Kreuz, das Kreuz tragend die Rosen, beides in harmonischer Wechselwirkung: das ist das, was unser richtiges Symbolum ist.

[ 39 ] With such feelings in our hearts, let us constantly imbue ourselves with the meaning of the Rose Cross, so that we may rightly regard this Rose Cross as the motto of our actions, our work, and our feelings. Not the black cross alone. Whoever were to tear the roses from the black cross, whoever were to have only the black cross, would fall prey to Ahriman. The black cross is the living force striving toward mere matter. Nor will those who tear the cross from the roses and wish to hold only the roses find the right path. For the roses, separated from the cross, would indeed seek to lift us up to life, but this life would merely strive selfishly toward the spiritual and would not reveal the Spirit in the material. Not the cross alone, not the roses alone, but the roses on the cross, the cross bearing the roses, both in harmonious interaction: that is what our true symbol is.