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Paths to Spiritual Insight and
the Renewal of an Artistic Worldview
GA 161

5 February 1915, Dornach

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Fünfter Vortrag

Fünfter Vortrag

[ 1 ] Ich möchte jetzt, in der Zeit, in der uns der Tod so viel heimgesucht hat, einige geisteswissenschaftliche Fragen im Zusammenhang mit dem Problem des Todes berühren, und zwar in der Weise, daß ich heute eine Art Einführung in diese Probleme geben werde, morgen des Nähern über manches, was mit dem Thema zusammenhängt, sprechen werde, und am Sonntag dann den Übergang finden werde von diesem Probleme auch zu allgemeineren Fragen der künstlerischen Auffassung des Lebens, was uns dann wiederum zu einigen Betrachtungen über unseren Bau zurückführen wird.

[ 1 ] Ich möchte jetzt, in der Zeit, in der uns der Tod so viel heimgesucht hat, einige geisteswissenschaftliche Fragen im Zusammenhang mit dem Problem des Todes berühren, und zwar in der Weise, daß ich heute eine Art Einführung in diese Probleme geben werde, morgen des Nähern über manches, was mit dem Thema zusammenhängt, sprechen werde, und am Sonntag dann den Übergang finden werde von diesem Probleme auch zu allgemeineren Fragen der künstlerischen Auffassung des Lebens, was uns dann wiederum zu einigen Betrachtungen über unseren Bau zurückführen wird.

[ 2 ] Wir müssen, wenn wir jene Erlebnisse ins Auge fassen wollen, die mit dem Problem des Todes zusammenhängen, uns vor allen Dingen darüber klar sein, daß der Mensch über seine eigentliche Wesenheit, dasjenige, was in ihm waltet und webt, im Grunde genommen recht unwissend ist. Nicht nur unwissend in bezug auf die tiefere Seite des eigenen verborgenen Daseins, sondern auch in bezug auf vielerlei, was in die alltäglichen Erlebnisse eigentlich recht bedeutungsvoll hereinspielt. Wir müssen ja durchaus uns klar sein darüber, daß wir uns eigentlich sozusagen mit den allerwichtigsten Erkenntnisorganen, die wir für die physische Welt haben, mit den Sinnen, fast ausschließlich nur von außen anschauen, und daß bei diesem Anschauen von außen in der Tat dasjenige, was wir unsere Haut nennen können, uns abtrennt von der Anschauung unseres eigentlichen wahren menschlichen Wesens. Und sobald wir urteilen über unser wahres menschliches Wesen, sobald wir uns ein Bild machen wollen von diesem wahren menschlichen Wesen, müssen wir unseren Verstand, unser Vorstellungsvermögen anwenden. Dieser Verstand, dieses Vorstellungsvermögen aber ist im Laufe unserer Entwickelung, die wir vollbringen in dem physischen Leib, sehr stark beeinflußt, sowohl von ahrimanischer Seite her wie von luziferischer Seite her, und alle diese Einflüsse — die von ahrimanischer und von luziferischer Seite auf unseren Verstand, insofern er an das Gehirn gebunden ist, ausgeübt werden, die sind geeignet, im höchsten Maße das Urteil zu trüben, das wir uns über uns selber machen.

[ 2 ] Wir müssen, wenn wir jene Erlebnisse ins Auge fassen wollen, die mit dem Problem des Todes zusammenhängen, uns vor allen Dingen darüber klar sein, daß der Mensch über seine eigentliche Wesenheit, dasjenige, was in ihm waltet und webt, im Grunde genommen recht unwissend ist. Nicht nur unwissend in bezug auf die tiefere Seite des eigenen verborgenen Daseins, sondern auch in bezug auf vielerlei, was in die alltäglichen Erlebnisse eigentlich recht bedeutungsvoll hereinspielt. Wir müssen ja durchaus uns klar sein darüber, daß wir uns eigentlich sozusagen mit den allerwichtigsten Erkenntnisorganen, die wir für die physische Welt haben, mit den Sinnen, fast ausschließlich nur von außen anschauen, und daß bei diesem Anschauen von außen in der Tat dasjenige, was wir unsere Haut nennen können, uns abtrennt von der Anschauung unseres eigentlichen wahren menschlichen Wesens. Und sobald wir urteilen über unser wahres menschliches Wesen, sobald wir uns ein Bild machen wollen von diesem wahren menschlichen Wesen, müssen wir unseren Verstand, unser Vorstellungsvermögen anwenden. Dieser Verstand, dieses Vorstellungsvermögen aber ist im Laufe unserer Entwickelung, die wir vollbringen in dem physischen Leib, sehr stark beeinflußt, sowohl von ahrimanischer Seite her wie von luziferischer Seite her, und alle diese Einflüsse — die von ahrimanischer und von luziferischer Seite auf unseren Verstand, insofern er an das Gehirn gebunden ist, ausgeübt werden, die sind geeignet, im höchsten Maße das Urteil zu trüben, das wir uns über uns selber machen.

[ 3 ] Es ist ja wirklich heute mit aller menschlichen Selbsterkenntnis so, wie in dem äußersten Falle, den ich das vorige Mal während unserer Betrachtung angeführt habe, mit jenem Universitätsprofessor, der selber erzählt, wie er als junger Mann über die Straße ging und plötzlich an sich herankommen sah einen jungen Menschen mit einem ihm furchtbar unsympathischen Gesicht, und wie er erschrak, als er sah, daß er sich selbst gesehen hatte durch die Zusammenstellung zweier Spiegel, die ihm seine eigene Physiognomie entgegenkommend zeigten; so daß man sieht, daß er also keine Ahnung hatte, wie er seiner äußeren Physiognomie nach, die ihm außerordentlich unsympathisch war, ausschaute. Wie er einen zweiten ähnlichen Fall von sich erzählt, ich habe es angeführt. Es steht aber wirklich nicht anders mit dem, was wir unsere genauere Selbsterkenntnis nennen. Dasjenige, was mit uns den Weg der Weltenwanderung antritt, wenn wir durch die Pforte des Todes gegangen sind, unser Ich, unser Astralleib, das entzieht sich ja der Betrachtung während unseres physischen Lebens; denn wenn wir aufwachen, so zeigt sich uns ja nicht dieses Ich und dieser Astralleib. Sie zeigen sich uns nicht in ihrer wahren Gestalt, sondern sie zeigen sich uns so, wie sie gespiegelt werden durch die Bilder, die der Ätherleib und der physische Leib von dem Ich und Astralleib entwerfen. Wir würden zwar zwischen dem Einschlafen und Aufwachen unser astralisches Wesen und unser Ich in der wahren Gestalt sehen können, wenn wir dann nicht in bewußtlosem Schlafzustand wären. Auch die Träume, wie sie im gewöhnlichen Leben sich abspielen, sind nur im mangelhaften Sinne wirkliche Ausleger unseres Wesens, weil sie ja Spiegelungen sind desjenigen, was sich in unserem Astralleib vollzieht aus unserem Ätherleib heraus, und weil wir erst notwendig haben, die Sprache der Träume gewissermaßen zu verstehen, um die richtige Deutung zu vollziehen. Dann können wir ja allerdings, wenn wir die Sprache der Träume verstehen, aus den Traumvorgängen Erkenntnis gewinnen über unser wahres Wesen. Aber in unserem gewöhnlichen Leben sind wir gewöhnt, die Bilder des Traumes einfach hinzunehmen. Das aber ist nicht gescheiter, als wenn wir eine Schrift nicht wirklich lesen würden, sondern sie nach den Zeichen der Buchstaben nehmen, die Buchstaben beschreiben würden.

[ 3 ] Es ist ja wirklich heute mit aller menschlichen Selbsterkenntnis so, wie in dem äußersten Falle, den ich das vorige Mal während unserer Betrachtung angeführt habe, mit jenem Universitätsprofessor, der selber erzählt, wie er als junger Mann über die Straße ging und plötzlich an sich herankommen sah einen jungen Menschen mit einem ihm furchtbar unsympathischen Gesicht, und wie er erschrak, als er sah, daß er sich selbst gesehen hatte durch die Zusammenstellung zweier Spiegel, die ihm seine eigene Physiognomie entgegenkommend zeigten; so daß man sieht, daß er also keine Ahnung hatte, wie er seiner äußeren Physiognomie nach, die ihm außerordentlich unsympathisch war, ausschaute. Wie er einen zweiten ähnlichen Fall von sich erzählt, ich habe es angeführt. Es steht aber wirklich nicht anders mit dem, was wir unsere genauere Selbsterkenntnis nennen. Dasjenige, was mit uns den Weg der Weltenwanderung antritt, wenn wir durch die Pforte des Todes gegangen sind, unser Ich, unser Astralleib, das entzieht sich ja der Betrachtung während unseres physischen Lebens; denn wenn wir aufwachen, so zeigt sich uns ja nicht dieses Ich und dieser Astralleib. Sie zeigen sich uns nicht in ihrer wahren Gestalt, sondern sie zeigen sich uns so, wie sie gespiegelt werden durch die Bilder, die der Ätherleib und der physische Leib von dem Ich und Astralleib entwerfen. Wir würden zwar zwischen dem Einschlafen und Aufwachen unser astralisches Wesen und unser Ich in der wahren Gestalt sehen können, wenn wir dann nicht in bewußtlosem Schlafzustand wären. Auch die Träume, wie sie im gewöhnlichen Leben sich abspielen, sind nur im mangelhaften Sinne wirkliche Ausleger unseres Wesens, weil sie ja Spiegelungen sind desjenigen, was sich in unserem Astralleib vollzieht aus unserem Ätherleib heraus, und weil wir erst notwendig haben, die Sprache der Träume gewissermaßen zu verstehen, um die richtige Deutung zu vollziehen. Dann können wir ja allerdings, wenn wir die Sprache der Träume verstehen, aus den Traumvorgängen Erkenntnis gewinnen über unser wahres Wesen. Aber in unserem gewöhnlichen Leben sind wir gewöhnt, die Bilder des Traumes einfach hinzunehmen. Das aber ist nicht gescheiter, als wenn wir eine Schrift nicht wirklich lesen würden, sondern sie nach den Zeichen der Buchstaben nehmen, die Buchstaben beschreiben würden.

[ 4 ] Dasjenige, was unser wahres Wesen ist, entzieht sich uns während unseres Lebens zwischen der Geburt und dem Tode. Wir müssen uns dabei klar sein, daß in unserem Astralleib und in unserem Ich alle jene Gefühle und alle jene Willensemotionen liegen, die uns zu unseren Handlungen, zu unseren Taten, aber auch zu unseren Urteilen, zu unseren Auffassungen über die Welt verleiten. Da, in den Tiefen unseres Wesens, wo unser Astralleib und unser wahres Ich sitzen, da haben wir eine ganze Welt von Emotionen, eine ganze Welt von Gefühlen, von Willensimpulsen. Dasjenige aber, was wir uns als unsere eigene Ansicht über diese unsere Emotionen, Willensimpulse und Gefühle im Alltagsleben bilden, das steht zumeist, wirklich zumeist, mit dem, was wir in Wahrheit im innersten unseres Wesens sind, in einem recht entfernten Zusammenhang.

[ 4 ] Dasjenige, was unser wahres Wesen ist, entzieht sich uns während unseres Lebens zwischen der Geburt und dem Tode. Wir müssen uns dabei klar sein, daß in unserem Astralleib und in unserem Ich alle jene Gefühle und alle jene Willensemotionen liegen, die uns zu unseren Handlungen, zu unseren Taten, aber auch zu unseren Urteilen, zu unseren Auffassungen über die Welt verleiten. Da, in den Tiefen unseres Wesens, wo unser Astralleib und unser wahres Ich sitzen, da haben wir eine ganze Welt von Emotionen, eine ganze Welt von Gefühlen, von Willensimpulsen. Dasjenige aber, was wir uns als unsere eigene Ansicht über diese unsere Emotionen, Willensimpulse und Gefühle im Alltagsleben bilden, das steht zumeist, wirklich zumeist, mit dem, was wir in Wahrheit im innersten unseres Wesens sind, in einem recht entfernten Zusammenhang.

[ 5 ] Nehmen wir etwa das Folgende. Es kann im Leben durchaus vorkommen, daß zwei Menschen sich gegenüberstehen, zwei Menschen längere Zeit miteinander leben, und daß durch die eigentümlichen Kräfte, welche aus dem Unbekannten des Astralleibes und des Ich der einen Person in den Astralleib und das Ich der anderen Person hineinspielen — diese Kräfte bleiben ja im Verborgenen —, daß aus diesen Kräften heraus die eine Person gegenüber der anderen geradezu ein Quälgelüste hat, eine Art Grausamkeitsbedürfnis. Es kann nun sein, daß diejenige Persönlichkeit, die ein solches Quälgelüste, ein solches Grausamkeitsbedürfnis hat, gar nichts ahnt von diesen Emotionen im Astralleib und Ich, und daß sie über diese Dinge, die sie vornimmt aus dem Grausamkeitstriebe heraus, sich eine ganze Summe von Vorstellungen aufbaut, welche die Handlungen von ganz anderen Gründen aus erklären, als aus dem Grausamkeitstrieb heraus. Es kann eine solche Persönlichkeit einem erzählen, daß sie aus diesem oder jenem Grunde gegenüber der anderen Persönlichkeit dies oder jenes getan hat. Diese Gründe können sehr scharfsinnig sein, und dennoch sind sie nicht da, um die Wahrheit auszudrücken. Denn die Begriffe, die wir uns im gewöhnlichen Leben über die Motive unserer eigenen Handlungen, ja sogar unserer eigenen Gefühle machen, die stehen, wie gesagt, oft in sehr, sehr entferntem Zusammenhang mit dem, was wirklich in unserem Inneren lebt und webt. Ja, es kann sein, daß die luziferische Macht die betreffende Persönlichkeit geradezu verhindert, richtig verhindert, sich klarzuwerden über ihr Grausamkeitsbedürfnis, über ihr Bedürfnis, der anderen Persönlichkeit alles mögliche zuzufügen, und daß unter dem Einfluß dieser luziferischen Macht all dasjenige, was diese Persönlichkeit redet über die Gründe ihres Handelns, nur da ist, um eine Decke, eine Maske zu breiten über dasjenige, was in der Seele wirklich vorhanden ist.

[ 5 ] Nehmen wir etwa das Folgende. Es kann im Leben durchaus vorkommen, daß zwei Menschen sich gegenüberstehen, zwei Menschen längere Zeit miteinander leben, und daß durch die eigentümlichen Kräfte, welche aus dem Unbekannten des Astralleibes und des Ich der einen Person in den Astralleib und das Ich der anderen Person hineinspielen — diese Kräfte bleiben ja im Verborgenen —, daß aus diesen Kräften heraus die eine Person gegenüber der anderen geradezu ein Quälgelüste hat, eine Art Grausamkeitsbedürfnis. Es kann nun sein, daß diejenige Persönlichkeit, die ein solches Quälgelüste, ein solches Grausamkeitsbedürfnis hat, gar nichts ahnt von diesen Emotionen im Astralleib und Ich, und daß sie über diese Dinge, die sie vornimmt aus dem Grausamkeitstriebe heraus, sich eine ganze Summe von Vorstellungen aufbaut, welche die Handlungen von ganz anderen Gründen aus erklären, als aus dem Grausamkeitstrieb heraus. Es kann eine solche Persönlichkeit einem erzählen, daß sie aus diesem oder jenem Grunde gegenüber der anderen Persönlichkeit dies oder jenes getan hat. Diese Gründe können sehr scharfsinnig sein, und dennoch sind sie nicht da, um die Wahrheit auszudrücken. Denn die Begriffe, die wir uns im gewöhnlichen Leben über die Motive unserer eigenen Handlungen, ja sogar unserer eigenen Gefühle machen, die stehen, wie gesagt, oft in sehr, sehr entferntem Zusammenhang mit dem, was wirklich in unserem Inneren lebt und webt. Ja, es kann sein, daß die luziferische Macht die betreffende Persönlichkeit geradezu verhindert, richtig verhindert, sich klarzuwerden über ihr Grausamkeitsbedürfnis, über ihr Bedürfnis, der anderen Persönlichkeit alles mögliche zuzufügen, und daß unter dem Einfluß dieser luziferischen Macht all dasjenige, was diese Persönlichkeit redet über die Gründe ihres Handelns, nur da ist, um eine Decke, eine Maske zu breiten über dasjenige, was in der Seele wirklich vorhanden ist.

[ 6 ] Die Gründe, die wir angeben im Bewußtsein, können oftmals gerade dazu bestimmt sein, vor uns zu verdecken, vor uns zu vertuschen dasjenige, was wirklich in der Seele lebt und webt. Oftmals tragen diese Gründe auch den Charakter, daß wir uns gegenüber uns selbst verteidigen wollen, denn wir würden uns so unsympathisch vorkommen wie jenem Professor seine eigene Physiognomie. So würden wir uns in der Seele unsympathisch vorkommen, wenn wir uns gestehen müßten, welche Triebe, welche Emotionen eigentlich in der Seele walten. Und weil wir notwendig haben, uns zu schützen vor dem Anblick unserer eigenen seelischen Wesenheit, so erfinden wir mit Hilfe Luzifers allerlei, das uns wirklich Schutz gewährt, Schutz gewährt dadurch, daß es uns betäubt über dasjenige, was wirklich in unserer Seele waltet. So wahr es ist, daß dasjenige, was in der äußeren Welt uns erscheint, durch die Eigenart unseres Vorstellungsvermögens uns zur Maja wird, so wahr ist es auch, daß dasjenige, was wir uns über uns selbst erzählen, zum allergrößten Teil im gewöhnlichen Leben eine Maja ist.

[ 6 ] Die Gründe, die wir angeben im Bewußtsein, können oftmals gerade dazu bestimmt sein, vor uns zu verdecken, vor uns zu vertuschen dasjenige, was wirklich in der Seele lebt und webt. Oftmals tragen diese Gründe auch den Charakter, daß wir uns gegenüber uns selbst verteidigen wollen, denn wir würden uns so unsympathisch vorkommen wie jenem Professor seine eigene Physiognomie. So würden wir uns in der Seele unsympathisch vorkommen, wenn wir uns gestehen müßten, welche Triebe, welche Emotionen eigentlich in der Seele walten. Und weil wir notwendig haben, uns zu schützen vor dem Anblick unserer eigenen seelischen Wesenheit, so erfinden wir mit Hilfe Luzifers allerlei, das uns wirklich Schutz gewährt, Schutz gewährt dadurch, daß es uns betäubt über dasjenige, was wirklich in unserer Seele waltet. So wahr es ist, daß dasjenige, was in der äußeren Welt uns erscheint, durch die Eigenart unseres Vorstellungsvermögens uns zur Maja wird, so wahr ist es auch, daß dasjenige, was wir uns über uns selbst erzählen, zum allergrößten Teil im gewöhnlichen Leben eine Maja ist.

[ 7 ] Insbesondere verleiten uns gewisse innere Triebe und Bedürfnisse unserer inneren Wesenheit, uns immer wieder und wieder über diese Wesenheit zu täuschen. Nehmen wir einmal an, eine Persönlichkeit sei eitel, leide an einer gewissen eitlen Großmannssucht. Es soll ja solche Persönlichkeiten in gar nicht geringer Anzahl in der Welt geben. Man gibt das zu. Würde man aber nicht in der eben geschilderten Weise eine Maske legen über das, was man in seiner Seele eigentlich trägt, so würde man noch viel mehr zugeben, daß es eitle Großmannssucht in vielenSeelen gibt, in vielen Seelen, die nichts, aber auch gar nichts davon ahnen.

[ 7 ] Insbesondere verleiten uns gewisse innere Triebe und Bedürfnisse unserer inneren Wesenheit, uns immer wieder und wieder über diese Wesenheit zu täuschen. Nehmen wir einmal an, eine Persönlichkeit sei eitel, leide an einer gewissen eitlen Großmannssucht. Es soll ja solche Persönlichkeiten in gar nicht geringer Anzahl in der Welt geben. Man gibt das zu. Würde man aber nicht in der eben geschilderten Weise eine Maske legen über das, was man in seiner Seele eigentlich trägt, so würde man noch viel mehr zugeben, daß es eitle Großmannssucht in vielenSeelen gibt, in vielen Seelen, die nichts, aber auch gar nichts davon ahnen.

[ 8 ] Solche Großmannssucht wünscht vieles; aber wenn. ich sage «wünscht», so verstehen Sie mich wohl: dieser Wunsch kommt nicht zum Bewußtsein, dieser Wunsch bleibt ganz in den Untergründen. Solch eine Persönlichkeit kann wünschen, auf die eine oder auf die andere Persönlichkeit einen gewissen beherrschenden Einfluß zu haben, aber weil sie sich gestehen müßte, daß aus diesem Trieb nach beherrschendem Einfluß über die andere Persönlichkeit eitle Großmannssucht spricht, deshalb gesteht sich diese betreffende Persönlichkeit das nicht. Nun hat sie, natürlich unbewußt, zu appellieren an jene Verführungskräfte, die Luzifer unausgesetzt auf die menschliche Seele auszuüben vermag. Und unter dem unbewußten Einfluß Luzifers kommt dann eine solche Persönlichkeit niemals dazu, sich zu sagen: Das, was in mir ist, was den Wunsch nach Beherrschung anderer in mir erzeugt, das ist eitle Großmannssucht. Das sagt sie sich nicht; dagegen erfindet sie sich oftmals unter dem Einfluß Luzifers ein ganzes System für die Erklärung ihrer Gefühle, die sie dunkel empfindet, aber deren wahren Charakter sie sich nicht gestehen will. So empfindet dieser Mensch gewisse Gefühle für diese oder jene Persönlichkeit, aber er kann sich nicht eingestehen, daß er diese Persönlichkeit eigentlich beherrschen will und nicht kann, weil sich diese vielleicht nicht beherrschen läßt. Da erfindet die Seele unter dem Einflusse Luzifers ein System. Sie erfindet das System, daß die betreffende Persönlichkeit etwas Böses gegen sie im Schilde führt, und malt sich die betreffenden Dinge, welche sie im Schilde führen soll, in Einzelheiten aus; sie fühlt sich verfolgt von dieser oder jener Persönlichkeit. Aber dieses ganze System von Urteilen und Begriffen ist eine Maske, ist nur dazu da, um dasjenige, was nicht herauf soll aus dem inneren Seelenleben, zu verdecken, zu verhüllen in eine Hülle, eine wirkliche Maja.

[ 8 ] Solche Großmannssucht wünscht vieles; aber wenn. ich sage «wünscht», so verstehen Sie mich wohl: dieser Wunsch kommt nicht zum Bewußtsein, dieser Wunsch bleibt ganz in den Untergründen. Solch eine Persönlichkeit kann wünschen, auf die eine oder auf die andere Persönlichkeit einen gewissen beherrschenden Einfluß zu haben, aber weil sie sich gestehen müßte, daß aus diesem Trieb nach beherrschendem Einfluß über die andere Persönlichkeit eitle Großmannssucht spricht, deshalb gesteht sich diese betreffende Persönlichkeit das nicht. Nun hat sie, natürlich unbewußt, zu appellieren an jene Verführungskräfte, die Luzifer unausgesetzt auf die menschliche Seele auszuüben vermag. Und unter dem unbewußten Einfluß Luzifers kommt dann eine solche Persönlichkeit niemals dazu, sich zu sagen: Das, was in mir ist, was den Wunsch nach Beherrschung anderer in mir erzeugt, das ist eitle Großmannssucht. Das sagt sie sich nicht; dagegen erfindet sie sich oftmals unter dem Einfluß Luzifers ein ganzes System für die Erklärung ihrer Gefühle, die sie dunkel empfindet, aber deren wahren Charakter sie sich nicht gestehen will. So empfindet dieser Mensch gewisse Gefühle für diese oder jene Persönlichkeit, aber er kann sich nicht eingestehen, daß er diese Persönlichkeit eigentlich beherrschen will und nicht kann, weil sich diese vielleicht nicht beherrschen läßt. Da erfindet die Seele unter dem Einflusse Luzifers ein System. Sie erfindet das System, daß die betreffende Persönlichkeit etwas Böses gegen sie im Schilde führt, und malt sich die betreffenden Dinge, welche sie im Schilde führen soll, in Einzelheiten aus; sie fühlt sich verfolgt von dieser oder jener Persönlichkeit. Aber dieses ganze System von Urteilen und Begriffen ist eine Maske, ist nur dazu da, um dasjenige, was nicht herauf soll aus dem inneren Seelenleben, zu verdecken, zu verhüllen in eine Hülle, eine wirkliche Maja.

[ 9 ] Ein Mann sagte mir einmal über eine Reihe seiner Handlungen, daß er diese Handlungen alle vornehme aus dem eisernsten Pflichtgefühl heraus, aus einer unendlichen Hingabe an die Sache, die er zu vertreten habe. Ich hatte ihm zu erwidern: Dasjenige, was Sie als Meinung haben über die Motive Ihres Vorgehens, Ihres Handelns, das ist ganz und gar nicht maßgebend. Maßgebend für ein Urteil über das Verhalten eines Menschen ist allein die Wirklichkeit, nicht das, was er als Meinung über dieses sein Handeln hat. — Die Wirklichkeit aber zeigte in diesem Falle, : daß die Ursache auch zu diesem Handeln der Trieb, der Hang war, nach einer bestimmten Richtung hin einen bestimmenden Einfluß zu gewinnen. Ich sagte der betreffenden Persönlichkeit ganz offen: Während Sie glauben, unter dem eisernen Pflichtgefühl zu handeln, handeln Sie unter dem Triebe, unter dem egoistischen Drange, Einfluß zu gewinnen, und deuten diese Handlungsweise um in eine rein pflichtgemäße, in eine selbstlose. Sie tun das, was Sie tun, nicht aus dem Grunde, weil es so ist, sondern weil das Ihnen so gefällt, weil das Ihnen eine gewisse Wollust bereitet, also wiederum aus einem egoistischen Triebe heraus.

[ 9 ] Ein Mann sagte mir einmal über eine Reihe seiner Handlungen, daß er diese Handlungen alle vornehme aus dem eisernsten Pflichtgefühl heraus, aus einer unendlichen Hingabe an die Sache, die er zu vertreten habe. Ich hatte ihm zu erwidern: Dasjenige, was Sie als Meinung haben über die Motive Ihres Vorgehens, Ihres Handelns, das ist ganz und gar nicht maßgebend. Maßgebend für ein Urteil über das Verhalten eines Menschen ist allein die Wirklichkeit, nicht das, was er als Meinung über dieses sein Handeln hat. — Die Wirklichkeit aber zeigte in diesem Falle, : daß die Ursache auch zu diesem Handeln der Trieb, der Hang war, nach einer bestimmten Richtung hin einen bestimmenden Einfluß zu gewinnen. Ich sagte der betreffenden Persönlichkeit ganz offen: Während Sie glauben, unter dem eisernen Pflichtgefühl zu handeln, handeln Sie unter dem Triebe, unter dem egoistischen Drange, Einfluß zu gewinnen, und deuten diese Handlungsweise um in eine rein pflichtgemäße, in eine selbstlose. Sie tun das, was Sie tun, nicht aus dem Grunde, weil es so ist, sondern weil das Ihnen so gefällt, weil das Ihnen eine gewisse Wollust bereitet, also wiederum aus einem egoistischen Triebe heraus.

[ 10 ] So kann äußerst kompliziert sein das, was in unserer Seele waltet und webt, und was unserer Meinung, unserer Vorstellung über uns selber auch nicht im entferntesten ähnlich ist. Das kann sehr, sehr kompliziert sein. Daß man solches wissen muß, wenn es sich darum handelt, in einer Welt von Wahrheit zu leben, nicht in einer Welt der Maja, das werden Sie von vorneherein zugeben, und daß es auch nötig ist, bisweilen solches in radikaler Weise auszusprechen. Die Gründe, die uns als wirkliche, als wahrhaftige Gründe zu unserem Handeln treiben, die können uns erst allmählich und langsam klar werden, wenn wir wirklich die geheimen Zusammenhänge des Menschen mit der Welt durch die Geisteswissenschaft erkennen lernen.

[ 10 ] So kann äußerst kompliziert sein das, was in unserer Seele waltet und webt, und was unserer Meinung, unserer Vorstellung über uns selber auch nicht im entferntesten ähnlich ist. Das kann sehr, sehr kompliziert sein. Daß man solches wissen muß, wenn es sich darum handelt, in einer Welt von Wahrheit zu leben, nicht in einer Welt der Maja, das werden Sie von vorneherein zugeben, und daß es auch nötig ist, bisweilen solches in radikaler Weise auszusprechen. Die Gründe, die uns als wirkliche, als wahrhaftige Gründe zu unserem Handeln treiben, die können uns erst allmählich und langsam klar werden, wenn wir wirklich die geheimen Zusammenhänge des Menschen mit der Welt durch die Geisteswissenschaft erkennen lernen.

[ 11 ] Nehmen wir einen ganz bestimmten Fall. Sie werden alle gehört haben, daß es solche Menschen in der Welt gibt, die man Schwätzer nennt. Sie werden alle gehört haben, daß es irgendwo in der Welt Menschen gibt, die Schwätzer genannt werden können. Wenn man solche Schwätzer frägt, warum sie in ihrem Kaffeeklatsche oder sonstwo zusammenkommen und so unendlich viel reden — sie sollen sogar oftmals viel mehr reden, als sie verantworten können —, wenn man solche Menschen frägt, wird man viele Gründe hören, warum sie dies oder jenes besprechen müssen. Man kann Menschen kennenlernen, denen man auf der Straße begegnet, wie sie da- oder dorthin eilen, um schnell dort anzukommen; und wenn man erfährt, was sie vorhaben, so sieht man, daß es oft nur der Drang ist, das eitelste, unnützeste, dümmste Geschwätz dort auszuführen. Wenn man solche Persönlichkeiten nach den Gründen fragt, so werden diese Gründe oftmals außerordentlich schön, nett, herrlich klingen, mindestens werden sie aber sehr geeignet sein, den wahren Sachverhalt eigentlich zu verhüllen. Nun wollen wir einmal auf diesen wahren Sachverhalt hindeuten.

[ 11 ] Nehmen wir einen ganz bestimmten Fall. Sie werden alle gehört haben, daß es solche Menschen in der Welt gibt, die man Schwätzer nennt. Sie werden alle gehört haben, daß es irgendwo in der Welt Menschen gibt, die Schwätzer genannt werden können. Wenn man solche Schwätzer frägt, warum sie in ihrem Kaffeeklatsche oder sonstwo zusammenkommen und so unendlich viel reden — sie sollen sogar oftmals viel mehr reden, als sie verantworten können —, wenn man solche Menschen frägt, wird man viele Gründe hören, warum sie dies oder jenes besprechen müssen. Man kann Menschen kennenlernen, denen man auf der Straße begegnet, wie sie da- oder dorthin eilen, um schnell dort anzukommen; und wenn man erfährt, was sie vorhaben, so sieht man, daß es oft nur der Drang ist, das eitelste, unnützeste, dümmste Geschwätz dort auszuführen. Wenn man solche Persönlichkeiten nach den Gründen fragt, so werden diese Gründe oftmals außerordentlich schön, nett, herrlich klingen, mindestens werden sie aber sehr geeignet sein, den wahren Sachverhalt eigentlich zu verhüllen. Nun wollen wir einmal auf diesen wahren Sachverhalt hindeuten.

[ 12 ] Was geschieht denn, wenn wir schwätzen — wenn wir reden, geschieht selbstverständlich dasselbe —, was geschieht denn da? Nun, sehen Sie, da setzen wir durch unsere Atmungsorgane, durch unsere Sprachorgane, die Luft in eine den Formen der Worte entsprechende Bewegung. Wir erzeugen in uns jene physischen Wellen, und selbstverständlich auch die entsprechenden Ätherwellen, denn indem wir sprechen, geht ja immer in dem Ätherleib etwas sehr Bedeutsames vor. Wir erzeugen physische Wellen, die Luftwellen, und dann die Ätherwellen, die unseren Worten entsprechen, die unseren Worten Ausdruck verleihen. Stellen Sie sich das einmal ganz genau vor: Während Sie so sitzen — nein, Sie nicht, pardon! während ein Mensch so sitzt und das Kaffeetäßchen vor ihm auf dem Tische steht, da setzt er einen ganzen inneren Organimus in Bewegung, jenen inneren Organismus, der da entspricht der Ausdrucksform, der äußeren physischen und ätherischen Ausdrucksform seiner Worte. Er hat da in der Tat etwas, was wellt und webt, in sich; das erzeugt er in sich, aber das verspürt er auch, das empfindet er. Dieses Sich-Bewegen des physischen und Ätherleibes empfindet er, weil der Astralleib und das Ich fortwährend daran stoßen. Der Astralleib stößt fortwährend an die Ätherwelle und wird die Ätherwelle gewahr, und das Ich stößt sogar fortwährend an die physische Welle der Luft, so daß Astralleib und Ich fortwährend, während wir sprechen, etwas berühren, etwas angreifen.

[ 12 ] Was geschieht denn, wenn wir schwätzen — wenn wir reden, geschieht selbstverständlich dasselbe —, was geschieht denn da? Nun, sehen Sie, da setzen wir durch unsere Atmungsorgane, durch unsere Sprachorgane, die Luft in eine den Formen der Worte entsprechende Bewegung. Wir erzeugen in uns jene physischen Wellen, und selbstverständlich auch die entsprechenden Ätherwellen, denn indem wir sprechen, geht ja immer in dem Ätherleib etwas sehr Bedeutsames vor. Wir erzeugen physische Wellen, die Luftwellen, und dann die Ätherwellen, die unseren Worten entsprechen, die unseren Worten Ausdruck verleihen. Stellen Sie sich das einmal ganz genau vor: Während Sie so sitzen — nein, Sie nicht, pardon! während ein Mensch so sitzt und das Kaffeetäßchen vor ihm auf dem Tische steht, da setzt er einen ganzen inneren Organimus in Bewegung, jenen inneren Organismus, der da entspricht der Ausdrucksform, der äußeren physischen und ätherischen Ausdrucksform seiner Worte. Er hat da in der Tat etwas, was wellt und webt, in sich; das erzeugt er in sich, aber das verspürt er auch, das empfindet er. Dieses Sich-Bewegen des physischen und Ätherleibes empfindet er, weil der Astralleib und das Ich fortwährend daran stoßen. Der Astralleib stößt fortwährend an die Ätherwelle und wird die Ätherwelle gewahr, und das Ich stößt sogar fortwährend an die physische Welle der Luft, so daß Astralleib und Ich fortwährend, während wir sprechen, etwas berühren, etwas angreifen.

[ 13 ] In diesem Berühren, in diesem Angreifen werden wir unseres Ich und unseres Astralleibes gewahr, und das ist das höchste Wohlgefühl des Menschen: wenn er sich selbst genießen kann. In diesem Berühren des Astralleibes und des Ich mit dem Ätherleib und dem physischen Leib geht in der Tat etwas Ähnliches vor, wie im kleinen, wenn das Kind an dem Bonbon schleckt, denn das Erfreuliche, Sympathische des Bonbonschleckens besteht ja darin, daß der Astralleib sich berührt mit dem, was im physischen Leib vorgeht, und der Mensch so seiner selbst gewahr wird. Man wird ja seiner selbst gewahr in diesem Vorgang, man genießt sich selbst.

[ 13 ] In diesem Berühren, in diesem Angreifen werden wir unseres Ich und unseres Astralleibes gewahr, und das ist das höchste Wohlgefühl des Menschen: wenn er sich selbst genießen kann. In diesem Berühren des Astralleibes und des Ich mit dem Ätherleib und dem physischen Leib geht in der Tat etwas Ähnliches vor, wie im kleinen, wenn das Kind an dem Bonbon schleckt, denn das Erfreuliche, Sympathische des Bonbonschleckens besteht ja darin, daß der Astralleib sich berührt mit dem, was im physischen Leib vorgeht, und der Mensch so seiner selbst gewahr wird. Man wird ja seiner selbst gewahr in diesem Vorgang, man genießt sich selbst.

[ 14 ] Selbstgenuß ist es in Wahrheit, zu dem diejenigen hineilen, die sich vor das Kaffeetäßchen hinsetzen, um so recht einmal eine Stunde, zwei Stunden zu verschwätzen. Selbstgenuß ist es also, was der Mensch da sucht.

[ 14 ] Selbstgenuß ist es in Wahrheit, zu dem diejenigen hineilen, die sich vor das Kaffeetäßchen hinsetzen, um so recht einmal eine Stunde, zwei Stunden zu verschwätzen. Selbstgenuß ist es also, was der Mensch da sucht.

[ 15 ] Diese Dinge kann man nicht gewahr werden, wenn man nicht weiß, daß der Mensch eigentlich ein viergliedriges Wesen ist, und daß bei allen Betätigungen in der äußeren Welt alle vier Glieder mitbeschäftigt sind.

[ 15 ] Diese Dinge kann man nicht gewahr werden, wenn man nicht weiß, daß der Mensch eigentlich ein viergliedriges Wesen ist, und daß bei allen Betätigungen in der äußeren Welt alle vier Glieder mitbeschäftigt sind.

[ 16 ] Es kann noch etwas anderes vorliegen in verschiedener Weise. Wir haben aus dem eben angeführten Schwatzbeispiel gesehen, wie der Mensch den Trieb hat, sich selbst zu genießen durch das Anstoßen seines Astralleibes und seines Ich an den Ätherleib und den physischen Leib. Aber der Mensch hat auch oftmals das Bedürfnis, mit seinem Astralleib bloß anzustoßen an den Ätherleib. Da muß der Ätherleib in einer gewissen Weise Bewegung erzeugen, innere Tätigkeit erzeugen, damit der Astralleib daran stoßen kann. Solche Dinge vollziehen sich noch viel mehr im Unterbewußten als andere Dinge. Es liegt ein Trieb im Menschen, mit seinem Astralleib — dessen ist er sich ja nicht bewußt — an den Ätherleib anzustoßen. Bei den kuriosesten Sachen lebt sich dieser Trieb aus: Wir erleben es, daß der eine oder andere junge Mann — in der neueren Zeit soll es auch schon bei jungen Damen vorkommen —, daß der oder jener junge Mann nicht ruhen kann, bis er gedruckt ist. Das ist zuweilen ein ungeheuer wohliges Gefühl, sich gedruckt zu sehen, aber hauptsächlich ist es deshalb ein wohliges Gefühl, weil man bei diesem Sich-gedruckt-Sehen einer allerärgsten Illusion sich hingibt, nämlich der, daß man auch gelesen wird! Nun, das letztere ist ja nicht immer der Fall, daß man auch gelesen wird, wenn man gedruckt ist, aber man glaubt es zum mindesten, und das bereitet ein ungeheuer wohliges Gefühl. Und mancher junge Mann, und wie gesagt, auch manche junge Dame, sie können es nicht aushalten, sind immerfort beunruhigt, bis sie gedruckt sind. Was bedeutet das?

[ 16 ] Es kann noch etwas anderes vorliegen in verschiedener Weise. Wir haben aus dem eben angeführten Schwatzbeispiel gesehen, wie der Mensch den Trieb hat, sich selbst zu genießen durch das Anstoßen seines Astralleibes und seines Ich an den Ätherleib und den physischen Leib. Aber der Mensch hat auch oftmals das Bedürfnis, mit seinem Astralleib bloß anzustoßen an den Ätherleib. Da muß der Ätherleib in einer gewissen Weise Bewegung erzeugen, innere Tätigkeit erzeugen, damit der Astralleib daran stoßen kann. Solche Dinge vollziehen sich noch viel mehr im Unterbewußten als andere Dinge. Es liegt ein Trieb im Menschen, mit seinem Astralleib — dessen ist er sich ja nicht bewußt — an den Ätherleib anzustoßen. Bei den kuriosesten Sachen lebt sich dieser Trieb aus: Wir erleben es, daß der eine oder andere junge Mann — in der neueren Zeit soll es auch schon bei jungen Damen vorkommen —, daß der oder jener junge Mann nicht ruhen kann, bis er gedruckt ist. Das ist zuweilen ein ungeheuer wohliges Gefühl, sich gedruckt zu sehen, aber hauptsächlich ist es deshalb ein wohliges Gefühl, weil man bei diesem Sich-gedruckt-Sehen einer allerärgsten Illusion sich hingibt, nämlich der, daß man auch gelesen wird! Nun, das letztere ist ja nicht immer der Fall, daß man auch gelesen wird, wenn man gedruckt ist, aber man glaubt es zum mindesten, und das bereitet ein ungeheuer wohliges Gefühl. Und mancher junge Mann, und wie gesagt, auch manche junge Dame, sie können es nicht aushalten, sind immerfort beunruhigt, bis sie gedruckt sind. Was bedeutet das?

[ 17 ] Ja, sehen Sie, das bedeutet, daß, wenn wir gedruckt sind und wirklich gelesen werden — was ja bekanntlich heutzutage nur in den seltensten Fällen geschieht —, dann gehen unsere Gedanken in andere Menschen über, dann leben unsere Gedanken in anderen Menschenseelen weiter. Aber diese Gedanken leben in den Ätherleibern der anderen Menschen. Bei uns selbst aber setzt sich der Gedanke fest: Das, was du selber in deinem Ätherleib als Gedanke hattest, das lebt jetzt draußen in der Welt. Man hat das Gefühl, da draußen in der Welt, da leben unsere eigenen Gedanken. Wenn sie wirklich da draußen leben, wenn sie wirklich da draußen vorhanden sind, das heißt mit anderen Worten, wenn wirklich unser Gedrucktes auch gelesen wird, dann übt es einen Einfluß aus auf unseren eigenen Ätherleib, und dann stoßen wir an das, was da draußen in der Welt lebt. Indem es in unserem eigenen Ätherleib lebt, stoßen wir_ zusammen mit unserem eigenen Astralleib. Das ist ein ganz anderes Zusammenstoßen, als wenn wir nur mit unseren eigenen Gedanken zusammenstoßen; dazu hat ja der Mensch nicht immer die Kraft, weil diese Gedanken mit einer gewissen Energie geholt werden müssen aus der eigenen Wesenheit. Wenn aber die Gedanken draußen leben, wenn wir das Bewußtsein haben können: da draußen leben die Gedanken, die von dir stammen —, dann stößt unser Astralleib, wenigstens in unserem Glauben, zusammen mit dem, was von uns in der Außenwelt ist. Das ist aber ein eminenter Selbstgenuß. Dieser Selbstgenuß liegt aller Ruhmessucht, aller Sucht nach Bekanntwerden, aller Sucht nach Geltunghaben in der Welt zugrunde. Diesem Trieb nach Selbstgenuß liegt nichts anderes zugrunde als ein Bedürfnis, mit unserem Astralleib auf objektive Gedanken unseres Ätherleibes aufzustoßen und uns so selbst gewahr zu werden im Aufstoßen. Sie sehen, welch komplizierter Vorgang, ein Vorgang zwischen Astralleib und Ätherleib, zugrunde liegt bei dem, was eine gewisse Rolle spielt in der äußeren Welt.

[ 17 ] Ja, sehen Sie, das bedeutet, daß, wenn wir gedruckt sind und wirklich gelesen werden — was ja bekanntlich heutzutage nur in den seltensten Fällen geschieht —, dann gehen unsere Gedanken in andere Menschen über, dann leben unsere Gedanken in anderen Menschenseelen weiter. Aber diese Gedanken leben in den Ätherleibern der anderen Menschen. Bei uns selbst aber setzt sich der Gedanke fest: Das, was du selber in deinem Ätherleib als Gedanke hattest, das lebt jetzt draußen in der Welt. Man hat das Gefühl, da draußen in der Welt, da leben unsere eigenen Gedanken. Wenn sie wirklich da draußen leben, wenn sie wirklich da draußen vorhanden sind, das heißt mit anderen Worten, wenn wirklich unser Gedrucktes auch gelesen wird, dann übt es einen Einfluß aus auf unseren eigenen Ätherleib, und dann stoßen wir an das, was da draußen in der Welt lebt. Indem es in unserem eigenen Ätherleib lebt, stoßen wir_ zusammen mit unserem eigenen Astralleib. Das ist ein ganz anderes Zusammenstoßen, als wenn wir nur mit unseren eigenen Gedanken zusammenstoßen; dazu hat ja der Mensch nicht immer die Kraft, weil diese Gedanken mit einer gewissen Energie geholt werden müssen aus der eigenen Wesenheit. Wenn aber die Gedanken draußen leben, wenn wir das Bewußtsein haben können: da draußen leben die Gedanken, die von dir stammen —, dann stößt unser Astralleib, wenigstens in unserem Glauben, zusammen mit dem, was von uns in der Außenwelt ist. Das ist aber ein eminenter Selbstgenuß. Dieser Selbstgenuß liegt aller Ruhmessucht, aller Sucht nach Bekanntwerden, aller Sucht nach Geltunghaben in der Welt zugrunde. Diesem Trieb nach Selbstgenuß liegt nichts anderes zugrunde als ein Bedürfnis, mit unserem Astralleib auf objektive Gedanken unseres Ätherleibes aufzustoßen und uns so selbst gewahr zu werden im Aufstoßen. Sie sehen, welch komplizierter Vorgang, ein Vorgang zwischen Astralleib und Ätherleib, zugrunde liegt bei dem, was eine gewisse Rolle spielt in der äußeren Welt.

[ 18 ] Diese Dinge werden ja selbstverständlich nicht gesagt, um sie gleichsam als Vogelscheuche der moralischen Menschheitsbeurteilung vor Ihre Seele hinzustellen. Das sollen sie gewiß nicht sein, denn alles das, was jetzt angeführt worden ist, gehört zu den ganz normalen Eigentümlichkeiten des Lebens. Es ist einfach selbstverständlich, daß, indem wir reden, wir uns auch selbst genießen, auch wenn das Reden nicht in Schwatzen besteht. Es ist auch ganz selbstverständlich, daß, wenn wir nicht aus Ruhmessucht, sondern weil wir uns verpflichtet fühlen, der Welt etwas zu sagen, etwas drucken lassen, wir auch an die Gedanken unseres Ätherleibes stoßen; dann ist derselbe Vorgang vorhanden. Man darf also nicht etwa den Schluß ziehen, daß man diese Vorgänge immer fliehen solle, daß man diese Vorgänge absolut immer als etwas Unmoralisches anzusehen habe, denn ich meine all das nur symbolisch. Wenn der Mensch all dasjenige fliehen sollte, was von luziferischer und ahrimanischer Seite auf ihn eindringt, so müßte er — ich meine das symbolisch —, sobald er das gewahr wird, aus seiner Haut fahren. Es ist ganz selbstverständlich, daß Luzifer und Ahriman keine anderen Wirksamkeiten auf uns ausüben als die, die auch vollberechtigte normale Wirksamkeiten im Menschenleben sind, nur daß Luzifer und Ahriman sie verstellt ausführen, wie ich es ja in verschiedenen Vortragszyklen zum Ausdruck gebracht habe.

[ 18 ] Diese Dinge werden ja selbstverständlich nicht gesagt, um sie gleichsam als Vogelscheuche der moralischen Menschheitsbeurteilung vor Ihre Seele hinzustellen. Das sollen sie gewiß nicht sein, denn alles das, was jetzt angeführt worden ist, gehört zu den ganz normalen Eigentümlichkeiten des Lebens. Es ist einfach selbstverständlich, daß, indem wir reden, wir uns auch selbst genießen, auch wenn das Reden nicht in Schwatzen besteht. Es ist auch ganz selbstverständlich, daß, wenn wir nicht aus Ruhmessucht, sondern weil wir uns verpflichtet fühlen, der Welt etwas zu sagen, etwas drucken lassen, wir auch an die Gedanken unseres Ätherleibes stoßen; dann ist derselbe Vorgang vorhanden. Man darf also nicht etwa den Schluß ziehen, daß man diese Vorgänge immer fliehen solle, daß man diese Vorgänge absolut immer als etwas Unmoralisches anzusehen habe, denn ich meine all das nur symbolisch. Wenn der Mensch all dasjenige fliehen sollte, was von luziferischer und ahrimanischer Seite auf ihn eindringt, so müßte er — ich meine das symbolisch —, sobald er das gewahr wird, aus seiner Haut fahren. Es ist ganz selbstverständlich, daß Luzifer und Ahriman keine anderen Wirksamkeiten auf uns ausüben als die, die auch vollberechtigte normale Wirksamkeiten im Menschenleben sind, nur daß Luzifer und Ahriman sie verstellt ausführen, wie ich es ja in verschiedenen Vortragszyklen zum Ausdruck gebracht habe.

[ 19 ] Wenn Sie sich aber das alles vor die Seele führen, dann werden Sie sehen, wie unendlich mannigfaltig, wie unendlich kompliziert jene Fäden sind im Leben, welche von Menschenseele zu Menschenseele spielen, und welche von der Menschenseele hinaus wiederum in die Welt spielen, wie unendlich kompliziert das alles ist. Aber zugleich werden Sie sich sagen, wie wenig, wie gar wenig der Mensch mit dem, was er wahrnimmt und vorstellt, über dies sein Verhältnis zum Menschen und zur Welt wirklich weiß. Was wir uns vorstellen von uns, es ist wirklich ein ganz kleiner Ausschnitt von dem, was wir erleben. Und diese Vorstellung ist zumeist eine Maja. Nur indem wir uns die Geisteswissenschaft zu einem wirklichen Lebensgut, nicht zu einer Theorie machen, kommen wir eigentlich hinter die Maja, können wir uns einigermaßen aufklären über das, was im Grunde genommen fortwährend in uns spielt. Aber dadurch, daß wir nur einen kleinen, noch dazu meist unwahren Ausschnitt haben von dem Gewebe, in das wir eingesponnen sind in bezug auf die Welt, werden die Dinge ja nicht anders; die Dinge sind doch so, wie sie sind. Alle diese verborgenen Kräfte, dieses verborgene Gewebe von Menschenseele zu Menschenseele, von dem Menschen zu den verschiedenen Agenzien der Welt, all das ist da, all das spielt in jeder Minute des Schlafens und Wachens in die Menschenseele herein. Und wieviel zu tun ist, um zu einer wirklichen Erkenntnis der Menschenwesenheit zu kommen, das werden Sie daraus ermessen.

[ 19 ] Wenn Sie sich aber das alles vor die Seele führen, dann werden Sie sehen, wie unendlich mannigfaltig, wie unendlich kompliziert jene Fäden sind im Leben, welche von Menschenseele zu Menschenseele spielen, und welche von der Menschenseele hinaus wiederum in die Welt spielen, wie unendlich kompliziert das alles ist. Aber zugleich werden Sie sich sagen, wie wenig, wie gar wenig der Mensch mit dem, was er wahrnimmt und vorstellt, über dies sein Verhältnis zum Menschen und zur Welt wirklich weiß. Was wir uns vorstellen von uns, es ist wirklich ein ganz kleiner Ausschnitt von dem, was wir erleben. Und diese Vorstellung ist zumeist eine Maja. Nur indem wir uns die Geisteswissenschaft zu einem wirklichen Lebensgut, nicht zu einer Theorie machen, kommen wir eigentlich hinter die Maja, können wir uns einigermaßen aufklären über das, was im Grunde genommen fortwährend in uns spielt. Aber dadurch, daß wir nur einen kleinen, noch dazu meist unwahren Ausschnitt haben von dem Gewebe, in das wir eingesponnen sind in bezug auf die Welt, werden die Dinge ja nicht anders; die Dinge sind doch so, wie sie sind. Alle diese verborgenen Kräfte, dieses verborgene Gewebe von Menschenseele zu Menschenseele, von dem Menschen zu den verschiedenen Agenzien der Welt, all das ist da, all das spielt in jeder Minute des Schlafens und Wachens in die Menschenseele herein. Und wieviel zu tun ist, um zu einer wirklichen Erkenntnis der Menschenwesenheit zu kommen, das werden Sie daraus ermessen.

[ 20 ] Aber es gehört zu den Gefühlsnuancen, die wir brauchen, wenn wir richtig empfinden wollen über dasjenige, was nicht der irdischen Inkarnation, sondern der Ewigkeit angehört, daß wir solche Betrachtungen anstellen, wie wir sie eben angestellt haben. Denn dadurch, daß wir solche Empfindungsnuancen uns verschaffen, werden wir gewahr, worauf die Konflikte, die im Leben auftreten, eigentlich beruhen. Diese Konflikte, die das Leben hereinbringt und die mit Recht Inhalt der Dichtung und der übrigen Kunst werden, diese Konflikte beruhen eben darauf, daß eine unbekannte, verborgene Welle der Zusammengehörigkeit ausgedehnt ist, in der wir schwimmen im Leben, und daß nur ein kleiner Ausschnitt zu unserem Bewußtsein kommt, und dieser Ausschnitt zumeist noch schief ist.

[ 20 ] Aber es gehört zu den Gefühlsnuancen, die wir brauchen, wenn wir richtig empfinden wollen über dasjenige, was nicht der irdischen Inkarnation, sondern der Ewigkeit angehört, daß wir solche Betrachtungen anstellen, wie wir sie eben angestellt haben. Denn dadurch, daß wir solche Empfindungsnuancen uns verschaffen, werden wir gewahr, worauf die Konflikte, die im Leben auftreten, eigentlich beruhen. Diese Konflikte, die das Leben hereinbringt und die mit Recht Inhalt der Dichtung und der übrigen Kunst werden, diese Konflikte beruhen eben darauf, daß eine unbekannte, verborgene Welle der Zusammengehörigkeit ausgedehnt ist, in der wir schwimmen im Leben, und daß nur ein kleiner Ausschnitt zu unserem Bewußtsein kommt, und dieser Ausschnitt zumeist noch schief ist.

[ 21 ] Aber leben können wir nicht nach diesem kleinen Ausschnitt, leben müssen wir mit unserer ganzen Seele nach den großen, mannigfaltigen Verzweigungen, die im Leben sind. Und damit kommen die Konflikte. Wie soll der kleine Ausschnitt, der dann noch schief ist in vielen Fällen, wie soll der sich in ein richtiges Verhältnis stellen zum Menschenleben, wie soll der richtig verstehen, was eigentlich im Menschenleben vorliegt? Weil er es nicht kann, so kommt es vor, daß der Mensch mit dem Leben in Konflikt geraten muß. Aber da, wo die Wirklichkeit spielt, da spielt auch die Wahrheit. Die Wirklichkeit richtet sich nicht nach den Vorstellungen, die wir uns von dieser Wirklichkeit machen. Und in dem Augenblick, wo irgendwie Gelegenheit ist, daß die Wirklichkeit hereinspielt, da sehen wir auch in unzähligen Fällen, wie diese Wirklichkeit, ich möchte sagen, oftmals erbarmungslos unsere Vorstellungsmaja korrigiert. Und diese Art der Korrektur, welche die Wirklichkeit unserer Vorstellungsmaja angedeihen läßt, die bietet die bedeutendsten Vorwürfe für die Kunst, für die Dichtung.

[ 21 ] Aber leben können wir nicht nach diesem kleinen Ausschnitt, leben müssen wir mit unserer ganzen Seele nach den großen, mannigfaltigen Verzweigungen, die im Leben sind. Und damit kommen die Konflikte. Wie soll der kleine Ausschnitt, der dann noch schief ist in vielen Fällen, wie soll der sich in ein richtiges Verhältnis stellen zum Menschenleben, wie soll der richtig verstehen, was eigentlich im Menschenleben vorliegt? Weil er es nicht kann, so kommt es vor, daß der Mensch mit dem Leben in Konflikt geraten muß. Aber da, wo die Wirklichkeit spielt, da spielt auch die Wahrheit. Die Wirklichkeit richtet sich nicht nach den Vorstellungen, die wir uns von dieser Wirklichkeit machen. Und in dem Augenblick, wo irgendwie Gelegenheit ist, daß die Wirklichkeit hereinspielt, da sehen wir auch in unzähligen Fällen, wie diese Wirklichkeit, ich möchte sagen, oftmals erbarmungslos unsere Vorstellungsmaja korrigiert. Und diese Art der Korrektur, welche die Wirklichkeit unserer Vorstellungsmaja angedeihen läßt, die bietet die bedeutendsten Vorwürfe für die Kunst, für die Dichtung.

[ 22 ] Ich möchte, gemäß dem Gedankengang der heutigen Betrachtung, jetzt von etwas Künstlerischem ausgehen, zunächst von etwas Dichterischem, um dann einzumünden in dem morgigen Vortrag in eine Betrachtung über das Leben zwischen Tod und neuer Geburt und dann am Sonntag im weiteren Sinn zu dem Künstlerischen, das mit unserem Bau zusammenhängt, kommen.

[ 22 ] Ich möchte, gemäß dem Gedankengang der heutigen Betrachtung, jetzt von etwas Künstlerischem ausgehen, zunächst von etwas Dichterischem, um dann einzumünden in dem morgigen Vortrag in eine Betrachtung über das Leben zwischen Tod und neuer Geburt und dann am Sonntag im weiteren Sinn zu dem Künstlerischen, das mit unserem Bau zusammenhängt, kommen.

[ 23 ] Ich möchte nicht von etwas beliebig Künstlerischem ausgehen, sondern von etwas, das im eminentesten Sinne veranschaulicht dasjenige, was ich Ihnen als Erkenntnis der Wirklichkeit des geistigen Lebens darzustellen haben werde. Aber das Beispiel, das ich wähle, wähle ich aus dem Grunde, weil wirklich einmal in einem ausgezeichneten kleinen Kunstwerke die Wirklichkeit getroffen ist. Das kann nur der Okkultist beurteilen, ob das geschehen ist, weil wir an dem kleinen Kunstwerke sehen, wie da, wo der Mensch als Künstler in die tieferen Probleme des Lebens einzudringen versucht, er oftmals gar nicht anders kann als die okkulten Seiten des Lebens berühren, die in den Konflikten, von denen ich gesprochen habe, aus den Untergründen wellenartig heraufspielen in das Leben, das wir dann mit unserer Bewußtseinsmaja oftmals so wenig tief durchdringen.

[ 23 ] Ich möchte nicht von etwas beliebig Künstlerischem ausgehen, sondern von etwas, das im eminentesten Sinne veranschaulicht dasjenige, was ich Ihnen als Erkenntnis der Wirklichkeit des geistigen Lebens darzustellen haben werde. Aber das Beispiel, das ich wähle, wähle ich aus dem Grunde, weil wirklich einmal in einem ausgezeichneten kleinen Kunstwerke die Wirklichkeit getroffen ist. Das kann nur der Okkultist beurteilen, ob das geschehen ist, weil wir an dem kleinen Kunstwerke sehen, wie da, wo der Mensch als Künstler in die tieferen Probleme des Lebens einzudringen versucht, er oftmals gar nicht anders kann als die okkulten Seiten des Lebens berühren, die in den Konflikten, von denen ich gesprochen habe, aus den Untergründen wellenartig heraufspielen in das Leben, das wir dann mit unserer Bewußtseinsmaja oftmals so wenig tief durchdringen.

[ 24 ] Dasjenige, was künstlerisch-okkultistisch mir wichtig ist, das ist eigentlich erst am Schlusse einer Novelle enthalten, von der ich bloß wie von einem Beispiel sprechen will. Deshalb will ich den Anfang nur erzählend skizzieren und dann die Schlußworte vorlesen. Es handelt sich darum, nicht bloß von einer Dichtung zu sprechen, sondern von dieser Dichtung deshalb zu sprechen, weil hier ein Dichter einmal dasjenige, was sein könnte, nach wahrsten okkulten Gesetzen eben zur Darstellung gebracht hat.

[ 24 ] Dasjenige, was künstlerisch-okkultistisch mir wichtig ist, das ist eigentlich erst am Schlusse einer Novelle enthalten, von der ich bloß wie von einem Beispiel sprechen will. Deshalb will ich den Anfang nur erzählend skizzieren und dann die Schlußworte vorlesen. Es handelt sich darum, nicht bloß von einer Dichtung zu sprechen, sondern von dieser Dichtung deshalb zu sprechen, weil hier ein Dichter einmal dasjenige, was sein könnte, nach wahrsten okkulten Gesetzen eben zur Darstellung gebracht hat.

[ 25 ] Da die Novelle schon in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts geschrieben ist, so werden Sie aus. den Tatsachen, die ich anzuführen habe, entnehmen, wie im menschlichen Bewußtsein eigentlich immer in einer gewissen Weise sich gespiegelt hat, sich vorbereitet hat dasjenige, wovon wir als Geisteswissenschaft sprechen, was in unsere Kulturbewegung der Erde notwendigerweise kommen muß, und wie das, was durch die Geisteswissenschaft zum volleren Bewußtsein kommen soll, sich wenigstens unbewußt in mancher Seele gespiegelt hat. Vielleicht hat eine solche Seele auch schon etwas davon gewußt, aber weil die Zeit noch nicht reif war, sich nicht getraut, dieses Wissen in einer anderen Weise zum Ausdruck zu bringen als in der anspruchslosen Form der Dichtung. Verzeiht man doch in der Gegenwart viel eher, wenn jemand okkulte Tatsachen in Novellenform oder in Dichtungsform vorbringt. Das verzeiht man auch im materialistischen Zeitalter viel eher, als wenn jemand direkt mit der Wahrheit auftritt und sagt, daß diese Dinge Realitäten sind. Wenn sie sich sagen können: Na, das ist ja nur erdichtet —, dann nehmen die Leute noch manchmal die Dinge hin.

[ 25 ] Da die Novelle schon in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts geschrieben ist, so werden Sie aus. den Tatsachen, die ich anzuführen habe, entnehmen, wie im menschlichen Bewußtsein eigentlich immer in einer gewissen Weise sich gespiegelt hat, sich vorbereitet hat dasjenige, wovon wir als Geisteswissenschaft sprechen, was in unsere Kulturbewegung der Erde notwendigerweise kommen muß, und wie das, was durch die Geisteswissenschaft zum volleren Bewußtsein kommen soll, sich wenigstens unbewußt in mancher Seele gespiegelt hat. Vielleicht hat eine solche Seele auch schon etwas davon gewußt, aber weil die Zeit noch nicht reif war, sich nicht getraut, dieses Wissen in einer anderen Weise zum Ausdruck zu bringen als in der anspruchslosen Form der Dichtung. Verzeiht man doch in der Gegenwart viel eher, wenn jemand okkulte Tatsachen in Novellenform oder in Dichtungsform vorbringt. Das verzeiht man auch im materialistischen Zeitalter viel eher, als wenn jemand direkt mit der Wahrheit auftritt und sagt, daß diese Dinge Realitäten sind. Wenn sie sich sagen können: Na, das ist ja nur erdichtet —, dann nehmen die Leute noch manchmal die Dinge hin.

[ 26 ] Die Novelle enthält etwa das Folgende. Sie ist geschrieben, wie wenn eine der Personen, von denen die Novelle handelt, selber erzählen würde. Es ist eine sogenannte «Ich-Novelle». Der Betreffende erzählt, wie er befreundet ist mit Mademoiselle Manon de Gaussin — die Novelle spielt in Paris —, und wie er zu einer gewissen Zeit Tag für Tag verkehrt in dem Hause jener Mademoiselle de Gaussin, die eine gefeierte Sängerin ist. Er erzählt, wie er dort die verschiedensten Menschen, Bewunderer der betreffenden Herrin des Hauses kennenlernt, unter anderem auch einen Menschen, welcher im Grunde genommen immer da ist, wenn man in den Salon der Mademoiselle de Gaussin kommt. Aber derjenige, der das erzählt, was in der Novelle vorgeht, bemerkt, daß der Betreffende mehr als bloß freundschaftliche Gefühle zu der Dame hat, und er wird auch gewahr, daß diese Gefühle nicht von der Sängerin erwidert werden. Und das, was sich da abspielt, abspielt in der mannigfaltigsten Weise, das ist eigentlich ein Konflikt, der dadurch entsteht, daß ein die Sängerin glühend Liebender da ist, dessen Liebe nicht erwidert wird, der aber auch nicht einfach abgestoßen wird, der eigentlich im Grund genommen immer mehr und mehr herangezogen wird, der dadurch aber immer mehr und mehr in Unruhe, in Aufregung hineinkommt.

[ 26 ] Die Novelle enthält etwa das Folgende. Sie ist geschrieben, wie wenn eine der Personen, von denen die Novelle handelt, selber erzählen würde. Es ist eine sogenannte «Ich-Novelle». Der Betreffende erzählt, wie er befreundet ist mit Mademoiselle Manon de Gaussin — die Novelle spielt in Paris —, und wie er zu einer gewissen Zeit Tag für Tag verkehrt in dem Hause jener Mademoiselle de Gaussin, die eine gefeierte Sängerin ist. Er erzählt, wie er dort die verschiedensten Menschen, Bewunderer der betreffenden Herrin des Hauses kennenlernt, unter anderem auch einen Menschen, welcher im Grunde genommen immer da ist, wenn man in den Salon der Mademoiselle de Gaussin kommt. Aber derjenige, der das erzählt, was in der Novelle vorgeht, bemerkt, daß der Betreffende mehr als bloß freundschaftliche Gefühle zu der Dame hat, und er wird auch gewahr, daß diese Gefühle nicht von der Sängerin erwidert werden. Und das, was sich da abspielt, abspielt in der mannigfaltigsten Weise, das ist eigentlich ein Konflikt, der dadurch entsteht, daß ein die Sängerin glühend Liebender da ist, dessen Liebe nicht erwidert wird, der aber auch nicht einfach abgestoßen wird, der eigentlich im Grund genommen immer mehr und mehr herangezogen wird, der dadurch aber immer mehr und mehr in Unruhe, in Aufregung hineinkommt.

[ 27 ] Dies bemerkt derjenige, der da erzählt, was in der Novelle geschildert wird, der nicht der Autor der Novelle ist — es ist eine sogenannte «Ich-Novelle» —, und er meint es gut mit dem ‘anderen. Man muß noch erwähnen, daß das eigentliche Ich der Novelle verlobt ist und sich in den nächsten Wochen verheiraten will, so daß ausgeschlossen ist, selbstverständlich, daß eine Eifersucht vorliegen würde. Das Ich der Novelle meint es gut mit dem anderen und stellt ihm eines Tages vor, wie die Dinge liegen. Dadurch werden dem anderen gleichsam die Augen geöffnet, und er fühlt sich gedrängt, eine Aussprache mit der Sängerin herbeizuführen. Diese Aussprache hat zur Folge, daß er das Haus verläßt und sich zurückzieht in eine Gegend außerhalb der Stadt. Aber trotzdem er versprochen hat, nicht mehr an diese Dame zu denken, die Dame zu vergessen und sich mit allem möglichen anderen zu beschäftigen: er ist nicht mehr fähig dazu, ist nicht mehr fähig, aus dieser Unruhe herauszukommen. Die Gedanken spielen immer wieder und wieder, die während seiner Bekanntschaft mit der Dame gespielt haben. Er verläßt die Stadt und wohnt einige Zeit draußen. In dieser Zeit hat sich das Ich der Novelle vermählt, mußte dann eine Reise unternehmen. Auf dieser. Reise trifft er den anderen, trifft ihn in einem furchtbaren Zustand in einem Hotel. Der andere erzählt — das kommt heraus, während sie sprechen —, wie er sich eben zurückgezogen hat von Paris, wie er eine Weile versucht hat, allein zu leben, wie er dann einen Ausritt unternahm nach außerhalb seines Gutes, wie er unglücklicherweise gerade die Reisegesellschaft der Dame, die auch außerhalb von Paris war, getroffen hat, wie alle Gefühle wieder aufgelebt sind, und wie er jetzt eigentlich mit zwei Revolvern herumgeht, um seinem Leben bei der ersten Gelegenheit ein Ende zu machen.

[ 27 ] Dies bemerkt derjenige, der da erzählt, was in der Novelle geschildert wird, der nicht der Autor der Novelle ist — es ist eine sogenannte «Ich-Novelle» —, und er meint es gut mit dem ‘anderen. Man muß noch erwähnen, daß das eigentliche Ich der Novelle verlobt ist und sich in den nächsten Wochen verheiraten will, so daß ausgeschlossen ist, selbstverständlich, daß eine Eifersucht vorliegen würde. Das Ich der Novelle meint es gut mit dem anderen und stellt ihm eines Tages vor, wie die Dinge liegen. Dadurch werden dem anderen gleichsam die Augen geöffnet, und er fühlt sich gedrängt, eine Aussprache mit der Sängerin herbeizuführen. Diese Aussprache hat zur Folge, daß er das Haus verläßt und sich zurückzieht in eine Gegend außerhalb der Stadt. Aber trotzdem er versprochen hat, nicht mehr an diese Dame zu denken, die Dame zu vergessen und sich mit allem möglichen anderen zu beschäftigen: er ist nicht mehr fähig dazu, ist nicht mehr fähig, aus dieser Unruhe herauszukommen. Die Gedanken spielen immer wieder und wieder, die während seiner Bekanntschaft mit der Dame gespielt haben. Er verläßt die Stadt und wohnt einige Zeit draußen. In dieser Zeit hat sich das Ich der Novelle vermählt, mußte dann eine Reise unternehmen. Auf dieser. Reise trifft er den anderen, trifft ihn in einem furchtbaren Zustand in einem Hotel. Der andere erzählt — das kommt heraus, während sie sprechen —, wie er sich eben zurückgezogen hat von Paris, wie er eine Weile versucht hat, allein zu leben, wie er dann einen Ausritt unternahm nach außerhalb seines Gutes, wie er unglücklicherweise gerade die Reisegesellschaft der Dame, die auch außerhalb von Paris war, getroffen hat, wie alle Gefühle wieder aufgelebt sind, und wie er jetzt eigentlich mit zwei Revolvern herumgeht, um seinem Leben bei der ersten Gelegenheit ein Ende zu machen.

[ 28 ] Das Ich der Novelle meint es mit diesem anderen noch immer gut und lädt ihn zu sich, dahin wo er sich ein Heim gegründet hat: er hofft, ihn auf andere Gedanken bringen zu können. Der Betreffende folgt der Einladung, die geeignet wäre, ihm ein sympathisches Milieu in dem gastlichen Hause zu gewähren. Er kann aber nicht zu sich kommen, er kommt vielmehr immer weiter und weiter herunter und ist endlich soweit, daß er den Selbstmord beschlossen hat. Die beiden Freunde sprechen miteinander, und das Ich der Novelle bringt es dahin, daß der andere wenigstens einen kleinen Aufschub gewährt. Das Ich der Novelle sagt, er müsse verreisen, und weil er nicht sagen wollte: Warte solange, bis ich zurückkomme — das würde der andere vielleicht nicht getan haben, er würde sich inzwischen erschossen haben —, nimmt er ihm ein für den anderen bindendes Versprechen ab. Er sagt: Schütze meine Frau, bis ich zurückkommen werde.

[ 28 ] Das Ich der Novelle meint es mit diesem anderen noch immer gut und lädt ihn zu sich, dahin wo er sich ein Heim gegründet hat: er hofft, ihn auf andere Gedanken bringen zu können. Der Betreffende folgt der Einladung, die geeignet wäre, ihm ein sympathisches Milieu in dem gastlichen Hause zu gewähren. Er kann aber nicht zu sich kommen, er kommt vielmehr immer weiter und weiter herunter und ist endlich soweit, daß er den Selbstmord beschlossen hat. Die beiden Freunde sprechen miteinander, und das Ich der Novelle bringt es dahin, daß der andere wenigstens einen kleinen Aufschub gewährt. Das Ich der Novelle sagt, er müsse verreisen, und weil er nicht sagen wollte: Warte solange, bis ich zurückkomme — das würde der andere vielleicht nicht getan haben, er würde sich inzwischen erschossen haben —, nimmt er ihm ein für den anderen bindendes Versprechen ab. Er sagt: Schütze meine Frau, bis ich zurückkommen werde.

[ 29 ] Er reist, nachdem der andere das Versprechen gegeben hat, nunmehr nach Paris, mit dem Gedanken, die Sängerin zu veranlassen, auf das Land hinauszukommen, damit irgend etwas geschehen könne, was den Freund aus der elenden Situation herausbringe. Er fährt also in die Stadt und kommt mit der Sängerin zurück aufs Land hinaus. Sie fahren zu dem Zaune des Landhauses des Ich der Novelle. In dem Moment, wo der Zaun es gestattet, bemerkt das Ich der Novelle, wie ein Mensch, der an dem Tore gestanden hatte, nun zurückgelaufen ist. Sie fahren weiter auf das Haus zu, da fällt ein Schuß. Der andere hat sein Versprechen gehalten, die Frau getreulich bewacht. Er hat aber einen Wächter aufgestellt, der ihm sofort melden sollte, wenn der Reisende zurückkomme. Der sagt ihm: Jetzt kommt er zurück. — Da hat er sich erschossen.

[ 29 ] Er reist, nachdem der andere das Versprechen gegeben hat, nunmehr nach Paris, mit dem Gedanken, die Sängerin zu veranlassen, auf das Land hinauszukommen, damit irgend etwas geschehen könne, was den Freund aus der elenden Situation herausbringe. Er fährt also in die Stadt und kommt mit der Sängerin zurück aufs Land hinaus. Sie fahren zu dem Zaune des Landhauses des Ich der Novelle. In dem Moment, wo der Zaun es gestattet, bemerkt das Ich der Novelle, wie ein Mensch, der an dem Tore gestanden hatte, nun zurückgelaufen ist. Sie fahren weiter auf das Haus zu, da fällt ein Schuß. Der andere hat sein Versprechen gehalten, die Frau getreulich bewacht. Er hat aber einen Wächter aufgestellt, der ihm sofort melden sollte, wenn der Reisende zurückkomme. Der sagt ihm: Jetzt kommt er zurück. — Da hat er sich erschossen.

[ 30 ] So bringt das Ich der Novelle die Sängerin nun ins Haus, und von diesem Punkte an will ich Ihnen die Worte nun lesen.

[ 30 ] So bringt das Ich der Novelle die Sängerin nun ins Haus, und von diesem Punkte an will ich Ihnen die Worte nun lesen.

«... Am Abend erreichten wir das Schloß. Es fiel mir auf, daß, als ich in den Park einfuhr, ein Bauer, welcher uns erwartete, mit Blitzesschnelle auf das Schloß zulief und daß, als wir kaum die halbe Allee durchfahren, ein Schuß fiel. So sehr war ich indes von dem Gelingen meiner Unternehmung erfüllt, daß mir gar nicht in den Sinn kam, was er bedeute. Die Überraschung sollte mir nicht lange vorenthalten bleiben; wir fuhren vor, es kam niemand herbei; der Kutscher knallte, ich sprang heraus, die Gaussin mir nach; das erste, was wir hören, ist der Schrei der Kammerjungfer meiner Frau, welche totenbleich auf uns zukommt und mit dem Ausruf: «Er hat sich totgeschossen» vor uns niedersank. Wir eilten nach dem Zimmer des Marquis, die Stube war voll Menschen, ich wies sie alle hinaus, schloß die Tür und stand mit Manon allein neben der Leiche des jungen Mannes, die auf der Erde lag. Sie sah ihn einige Momente starr an, darauf stieß sie einenSchrei aus, sank in die Knie und neben ihm zu Boden. Ohnmächtig ward sie nicht. Sie ergriff seine Hände, legte die ihren auf seine Stirn — er hatte die Wunde mitten in der Brust —, sah zu mir auf, zu ihm nieder und fing plötzlich mit lauter Stimme zu singen an. Daserfülltemich mit Grausen; ich glaubte, sie wäre wahnsinnig geworden.

«... Am Abend erreichten wir das Schloß. Es fiel mir auf, daß, als ich in den Park einfuhr, ein Bauer, welcher uns erwartete, mit Blitzesschnelle auf das Schloß zulief und daß, als wir kaum die halbe Allee durchfahren, ein Schuß fiel. So sehr war ich indes von dem Gelingen meiner Unternehmung erfüllt, daß mir gar nicht in den Sinn kam, was er bedeute. Die Überraschung sollte mir nicht lange vorenthalten bleiben; wir fuhren vor, es kam niemand herbei; der Kutscher knallte, ich sprang heraus, die Gaussin mir nach; das erste, was wir hören, ist der Schrei der Kammerjungfer meiner Frau, welche totenbleich auf uns zukommt und mit dem Ausruf: «Er hat sich totgeschossen» vor uns niedersank. Wir eilten nach dem Zimmer des Marquis, die Stube war voll Menschen, ich wies sie alle hinaus, schloß die Tür und stand mit Manon allein neben der Leiche des jungen Mannes, die auf der Erde lag. Sie sah ihn einige Momente starr an, darauf stieß sie einenSchrei aus, sank in die Knie und neben ihm zu Boden. Ohnmächtig ward sie nicht. Sie ergriff seine Hände, legte die ihren auf seine Stirn — er hatte die Wunde mitten in der Brust —, sah zu mir auf, zu ihm nieder und fing plötzlich mit lauter Stimme zu singen an. Daserfülltemich mit Grausen; ich glaubte, sie wäre wahnsinnig geworden.

Unterdessen kam einer meiner Verwalter herbei, welcher etwas Arzneikunst verstand und gewöhnlich das Amt eines Doktors versah, wo nicht viel zu riskieren war. Nie werde ich den Todesschrecken vergessen, der sich auf seinem Gesichte malte, als er das Paar erblickte, den toten Marquis und die singende Gaussin daneben. Sie schwieg jetzt, stand auf, sah mich noch einmal lange an und verließ das Zimmer. Ich folgte ihr nach, um ihre Befehle entgegenzunehmen. Sie sagte: «Ich muß ein Zimmer für mich allein haben! Ich führte sie in das erste beste, ließ ihre Kammerjungfer holen und eilte zu meiner Frau. Ich hörte zu meinem Glück, daß sie auf einem Spaziergange begriffen sei, ging ihr entgegen und teilte ihr das Geschehene mit. Da wir beide oft über den Marquis gesprochen und unter allen Möglichkeiten auch ein solches Ende sattsam erwogen hatten, war sie weniger erschrocken als betrübt. Ich geleitete sie zum Schlosse und gab wegen des Marquis meine Befehle. Die Leiche hatte man aufs Bert gelegt, sein Bedienter saß daneben und weinte bitterlich, indem er sprach: «Mein Herr sagte mir, er dürfe sich nicht eher totschießen, als bis Sie wieder da wären. Das beruhigte mich. Da hat er heimlich mit dem Jean ausgemacht, dieser sollte aufpassen auf den Wagen. Das hat er nun getan, und kaum kommt er mit der Nachricht angerannt, der Wagen wäre in den Park eingefahren, so steht mein Herr auf, macht ein Zeichen in das Buch, in dem er las, greift in die Tasche, gibt ihm einen Louisdor, nimmt die Pistole vom Tisch und geht in die andere Stube; keinen Augenblick, daß er die Tür hinter sich zugedrückt, so war er tot.» Ich machte mir Vorwürfe. Vielleicht hätte ich ihn retten können, wenn ich energischer aufgetreten wäre. Wäre die Gaussin zur rechten Zeit angekommen, so hätten wir dies Unglück vielleicht nicht erlebt. Auch dachte ich: Vielleicht hat ihn die Vorsehung vor etwas bewahren wollen, das noch schrecklicher war; denn wenn sich auch die Sängerin entschloß, ihn zu heiraten, und das glaube ich ihr, obgleich sie es mir erst hinterher versicherte, die Verhängnisse, welche ein solcher Schritt mit sich führen mußte, wären nicht ausgeblieben und hätten ein Elend im Gefolge haben können, gegen das alles andere erwünscht schien.

Unterdessen kam einer meiner Verwalter herbei, welcher etwas Arzneikunst verstand und gewöhnlich das Amt eines Doktors versah, wo nicht viel zu riskieren war. Nie werde ich den Todesschrecken vergessen, der sich auf seinem Gesichte malte, als er das Paar erblickte, den toten Marquis und die singende Gaussin daneben. Sie schwieg jetzt, stand auf, sah mich noch einmal lange an und verließ das Zimmer. Ich folgte ihr nach, um ihre Befehle entgegenzunehmen. Sie sagte: «Ich muß ein Zimmer für mich allein haben! Ich führte sie in das erste beste, ließ ihre Kammerjungfer holen und eilte zu meiner Frau. Ich hörte zu meinem Glück, daß sie auf einem Spaziergange begriffen sei, ging ihr entgegen und teilte ihr das Geschehene mit. Da wir beide oft über den Marquis gesprochen und unter allen Möglichkeiten auch ein solches Ende sattsam erwogen hatten, war sie weniger erschrocken als betrübt. Ich geleitete sie zum Schlosse und gab wegen des Marquis meine Befehle. Die Leiche hatte man aufs Bert gelegt, sein Bedienter saß daneben und weinte bitterlich, indem er sprach: «Mein Herr sagte mir, er dürfe sich nicht eher totschießen, als bis Sie wieder da wären. Das beruhigte mich. Da hat er heimlich mit dem Jean ausgemacht, dieser sollte aufpassen auf den Wagen. Das hat er nun getan, und kaum kommt er mit der Nachricht angerannt, der Wagen wäre in den Park eingefahren, so steht mein Herr auf, macht ein Zeichen in das Buch, in dem er las, greift in die Tasche, gibt ihm einen Louisdor, nimmt die Pistole vom Tisch und geht in die andere Stube; keinen Augenblick, daß er die Tür hinter sich zugedrückt, so war er tot.» Ich machte mir Vorwürfe. Vielleicht hätte ich ihn retten können, wenn ich energischer aufgetreten wäre. Wäre die Gaussin zur rechten Zeit angekommen, so hätten wir dies Unglück vielleicht nicht erlebt. Auch dachte ich: Vielleicht hat ihn die Vorsehung vor etwas bewahren wollen, das noch schrecklicher war; denn wenn sich auch die Sängerin entschloß, ihn zu heiraten, und das glaube ich ihr, obgleich sie es mir erst hinterher versicherte, die Verhängnisse, welche ein solcher Schritt mit sich führen mußte, wären nicht ausgeblieben und hätten ein Elend im Gefolge haben können, gegen das alles andere erwünscht schien.

Ich ging zu ihr. Sie war gefaßt; man sah ihr, sozusagen, nicht viel an. Sie besprach mit mir die Seelenstimmung des Marquis und seine natürliche Anlage zu einem so traurigen Lebensende. Doch so gefaßt sie war, fühlte ich doch, daß die innerliche Erschütterung, die sie empfangen, sehr stark gewesen sei und fürchtete die Nachwirkung. Ich stellte sie meiner Frau vor, wir aßen zusammen und zogen uns zurück.

Ich ging zu ihr. Sie war gefaßt; man sah ihr, sozusagen, nicht viel an. Sie besprach mit mir die Seelenstimmung des Marquis und seine natürliche Anlage zu einem so traurigen Lebensende. Doch so gefaßt sie war, fühlte ich doch, daß die innerliche Erschütterung, die sie empfangen, sehr stark gewesen sei und fürchtete die Nachwirkung. Ich stellte sie meiner Frau vor, wir aßen zusammen und zogen uns zurück.

Am anderen Morgen ward mir die mit ihr vorgegangene Veränderung auffallend. Sie sagte, sie befände sich wohl, ihr Aussehen hatte aber etwas so Abgespanntes, ihr Wesen etwas so Zerstörtes, daß der Augenschein ihre Behauptung Lügen strafte. Sie sprach davon, bald aufzubrechen und bat, ihr für die nächste Nacht ein anderes Zimmer anzuweisen. Dies geschah; wir brachten den Tag still hin und sie ging nicht eher zur Ruhe, als bis alle Anordnungen zur Abreise gemacht waren.

Am anderen Morgen ward mir die mit ihr vorgegangene Veränderung auffallend. Sie sagte, sie befände sich wohl, ihr Aussehen hatte aber etwas so Abgespanntes, ihr Wesen etwas so Zerstörtes, daß der Augenschein ihre Behauptung Lügen strafte. Sie sprach davon, bald aufzubrechen und bat, ihr für die nächste Nacht ein anderes Zimmer anzuweisen. Dies geschah; wir brachten den Tag still hin und sie ging nicht eher zur Ruhe, als bis alle Anordnungen zur Abreise gemacht waren.

Am nächsten Tage kam sie nicht zum Frühstück. Die Kammerjungfer bat mich, zu ihrer Herrin ans Bett zu kommen. Sie empfing mich mit einem matten Lächeln und war so bleich und hohlblickend, daß ich meine Überraschung nicht zu verbergen vermochte.

Am nächsten Tage kam sie nicht zum Frühstück. Die Kammerjungfer bat mich, zu ihrer Herrin ans Bett zu kommen. Sie empfing mich mit einem matten Lächeln und war so bleich und hohlblickend, daß ich meine Überraschung nicht zu verbergen vermochte.

Lieber Freund, sagte sie, Sie finden mich übel aussehend und wollen es nicht Wort haben?

Lieber Freund, sagte sie, Sie finden mich übel aussehend und wollen es nicht Wort haben?

Finden Sie das nicht natürlich?

Finden Sie das nicht natürlich?

Ja, Sie sind immer der Gefühlvolle, Zurückhaltende. Aber es hilft hier kein Verstecken. Ich fühle den Tod in mir.

Ja, Sie sind immer der Gefühlvolle, Zurückhaltende. Aber es hilft hier kein Verstecken. Ich fühle den Tod in mir.

Beste Freundin! — rief ich entsetzt aus. Ich fühle ihn; denn ich habe seit zwei Nächten den Marquis gesehen. Wachend! Hier herantretend! — Er zieht mich nach sich!

Beste Freundin! — rief ich entsetzt aus. Ich fühle ihn; denn ich habe seit zwei Nächten den Marquis gesehen. Wachend! Hier herantretend! — Er zieht mich nach sich!

Ich betrachtete sie mit Aufmerksamkeit. Es lag nichts Überspanntes in ihren Augen, nichts Wahnsinniges in ihrer Stimme.

Ich betrachtete sie mit Aufmerksamkeit. Es lag nichts Überspanntes in ihren Augen, nichts Wahnsinniges in ihrer Stimme.

Als ich ihn in seinem Blute liegen sah, fuhr sie fort, ward das Gefühl, dies Unglück verschuldet zu haben, so mächtig in mir, daß ich aufschrie, weil ich es nicht länger ertragen konnte. Mir war, als riefe mir Etwas unglaublich dringend ins Ohr: Du trägst die Schuld! Du hast ihn gemordet! Deshalb, nur um diese Stimme nicht zu hören, fing ich an zu singen, immer lauter und lauter, doch ich übertäubte die Stimme nicht. Ich höre sie immer und immer. Nachts konnte ich nicht schlafen, ich lag und sah mir die Schatten an, welche die Möbel im Lichte der Nachtlampe warfen. Da springt die Tür auf, es entstand nur ein feiner dunkler Streifen. Durch diesen schob sich wie ein papierdünner Rauch der Marquis herein; er hatte die Augen geschlossen, er schwebte oder ging langsam auf mich zu, stand neben meinem Bette, leibhaftig wie Sie und mit geschlossenen Augen. Ich wollte ihn nicht ansehen, aber er zwang mich dazu, ich mußte die Augen auf ihn richten; da schlug er plötzlich die seinigen auf und sah mich an; das ertrug ich nicht, ich verlor die Besinnung. Vorige Nacht dasselbe Spiel. Ich ertrage es nicht lange mehr! Ich fühle, wie er mit seinen Augen das Leben aus mir saugt.

Als ich ihn in seinem Blute liegen sah, fuhr sie fort, ward das Gefühl, dies Unglück verschuldet zu haben, so mächtig in mir, daß ich aufschrie, weil ich es nicht länger ertragen konnte. Mir war, als riefe mir Etwas unglaublich dringend ins Ohr: Du trägst die Schuld! Du hast ihn gemordet! Deshalb, nur um diese Stimme nicht zu hören, fing ich an zu singen, immer lauter und lauter, doch ich übertäubte die Stimme nicht. Ich höre sie immer und immer. Nachts konnte ich nicht schlafen, ich lag und sah mir die Schatten an, welche die Möbel im Lichte der Nachtlampe warfen. Da springt die Tür auf, es entstand nur ein feiner dunkler Streifen. Durch diesen schob sich wie ein papierdünner Rauch der Marquis herein; er hatte die Augen geschlossen, er schwebte oder ging langsam auf mich zu, stand neben meinem Bette, leibhaftig wie Sie und mit geschlossenen Augen. Ich wollte ihn nicht ansehen, aber er zwang mich dazu, ich mußte die Augen auf ihn richten; da schlug er plötzlich die seinigen auf und sah mich an; das ertrug ich nicht, ich verlor die Besinnung. Vorige Nacht dasselbe Spiel. Ich ertrage es nicht lange mehr! Ich fühle, wie er mit seinen Augen das Leben aus mir saugt.

Ich suchte ihr die Erscheinung mit allen Gründen der Physik, Philosophie und Religion auszureden, sie blieb fest... Ich bin entschlossen abzureisen, sagte sie, vielleicht ist sein Schatten nur an dies Haus gebannt. Dagegen opponierte ich. Ich konnte sie nicht so allein reisen lassen und auch meine Frau nicht wieder verlassen, welche ihrer Niederkunft entgegensah. Ich machte ihr deshalb den Vorschlag, in das Haus meines Verwalters zu ziehen, und versprach, die nächste Nacht an ihrem Bette zu wachen. Dazu ließ sie sich endlich bereden, stand auf und wankte wie ein Schatten umher.

Ich suchte ihr die Erscheinung mit allen Gründen der Physik, Philosophie und Religion auszureden, sie blieb fest... Ich bin entschlossen abzureisen, sagte sie, vielleicht ist sein Schatten nur an dies Haus gebannt. Dagegen opponierte ich. Ich konnte sie nicht so allein reisen lassen und auch meine Frau nicht wieder verlassen, welche ihrer Niederkunft entgegensah. Ich machte ihr deshalb den Vorschlag, in das Haus meines Verwalters zu ziehen, und versprach, die nächste Nacht an ihrem Bette zu wachen. Dazu ließ sie sich endlich bereden, stand auf und wankte wie ein Schatten umher.

Am Abend, als sie sich niedergelegt hatte, rief mich die Kammerjungfer zu ihr. Ich ließ einen Tisch mit Lichtern nahe an ihr Bett setzen, eine spanische Wand darum stellen und begann, nachdem ich einige Zeit mit ihr gesprochen, in einem Buche zu lesen. Sie schien zu schlafen, die Lichter brannten dunkel; ich putzte sie, trank etwas Wein und Wasser und sah die Tür an. Plötzlich — sie war von altem Holze und nicht fest — sprang sie auf; die Klinke mochte nicht recht gefaßt haben. Ich wollte leise hingehen, um sie lautlos zuzudrücken, als ich, mich nach Mademoiselle de Gaussin umwendend, sie aufrecht mit starren Augen im Bette sitzen sah. Sie streckte die Arme nach mir aus, klammerte sich an die meinigen und wies mit dem Finger gerade aus:

Am Abend, als sie sich niedergelegt hatte, rief mich die Kammerjungfer zu ihr. Ich ließ einen Tisch mit Lichtern nahe an ihr Bett setzen, eine spanische Wand darum stellen und begann, nachdem ich einige Zeit mit ihr gesprochen, in einem Buche zu lesen. Sie schien zu schlafen, die Lichter brannten dunkel; ich putzte sie, trank etwas Wein und Wasser und sah die Tür an. Plötzlich — sie war von altem Holze und nicht fest — sprang sie auf; die Klinke mochte nicht recht gefaßt haben. Ich wollte leise hingehen, um sie lautlos zuzudrücken, als ich, mich nach Mademoiselle de Gaussin umwendend, sie aufrecht mit starren Augen im Bette sitzen sah. Sie streckte die Arme nach mir aus, klammerte sich an die meinigen und wies mit dem Finger gerade aus:

Da kommt er!

Da kommt er!

Es war durchaus nichts zu erblicken.

Es war durchaus nichts zu erblicken.

Wo? sagte ich.

Wo? sagte ich.

Dort!

Dort!

Ich machte mich von ihr los und trat an den Fleck.

Ich machte mich von ihr los und trat an den Fleck.

Hier?

Hier?

Kommen Sie, schrie sie auf, er steht vor Ihnen!

Kommen Sie, schrie sie auf, er steht vor Ihnen!

Ich war mit einem Sprunge neben ihr.

Ich war mit einem Sprunge neben ihr.

Halten Sie mir die Augen zu, ich kann es nicht ertragen! Da steht er! Er berührt Ihre Knie!

Halten Sie mir die Augen zu, ich kann es nicht ertragen! Da steht er! Er berührt Ihre Knie!

Ich drückte ihr beide Hände auf die Augen, sie atmete mit Anstrengung, aber zu sehen war nichts.

Ich drückte ihr beide Hände auf die Augen, sie atmete mit Anstrengung, aber zu sehen war nichts.

Nach einer Weile schob sie die Hände zurück. Ich muß sehen, ob er noch da ist, sagte sie leise.

Nach einer Weile schob sie die Hände zurück. Ich muß sehen, ob er noch da ist, sagte sie leise.

Es ist gar nichts hier, beste Freundin! antwortete ich und ließ sie los. Sie blickte umher.

Es ist gar nichts hier, beste Freundin! antwortete ich und ließ sie los. Sie blickte umher.

Er ist wieder fort! Oh, wenn er noch einige Male so kommt, kann er es bald bequemer haben. Wir werden dann Arm in Arm durch die Türen schleichen.

Er ist wieder fort! Oh, wenn er noch einige Male so kommt, kann er es bald bequemer haben. Wir werden dann Arm in Arm durch die Türen schleichen.

Diese Idee machte mich schaudern. Sie legte sich zurück und erklärte, daß sie am nächsten Tage sicher abreisen und in ein Kloster gehen würde. Ich suchte ihr das auszureden. Gehen Sie nach Paris, sagte ich, dort werden Sie vergessen ...

Diese Idee machte mich schaudern. Sie legte sich zurück und erklärte, daß sie am nächsten Tage sicher abreisen und in ein Kloster gehen würde. Ich suchte ihr das auszureden. Gehen Sie nach Paris, sagte ich, dort werden Sie vergessen ...

Ich habe es verdient! unterbrach sie mich; ich habe es auch verdient, daß Sie mir einen solchen Vorschlag machen. Das vergesse ich niemals! Ihn vielleicht, wenn er mich zu quälen aufhörte, aber meine Schuld — das bleibt festgeschmiedet!

Ich habe es verdient! unterbrach sie mich; ich habe es auch verdient, daß Sie mir einen solchen Vorschlag machen. Das vergesse ich niemals! Ihn vielleicht, wenn er mich zu quälen aufhörte, aber meine Schuld — das bleibt festgeschmiedet!

Ihre Schuld ist so gut wie keine, sagte ich. Daß er Sie liebte, war eine Fügung, daß Sie ihn nicht liebten, lag nicht in Ihrer Macht zu ändern; daß Sie ihn geheilt glaubten, war bei seiner Verstellung nur zu natürlich.

Ihre Schuld ist so gut wie keine, sagte ich. Daß er Sie liebte, war eine Fügung, daß Sie ihn nicht liebten, lag nicht in Ihrer Macht zu ändern; daß Sie ihn geheilt glaubten, war bei seiner Verstellung nur zu natürlich.

Oh, rief sie, kann eine Mutter sich jemals trösten, die ihr Kind ins Wasser fallen ließ? Meinen Sie, nur der böse Wille machte die Schuld aus? Könnte man da nicht alle Reue mit dem Gedanken an höhere Notwendigkeit fortspülen? Macht Gott uns schuldig, so will er auch, daß wir die Folgen tragen. Es ist gesagt, daß ich diese Ketten ewig werde rasseln hören.

Oh, rief sie, kann eine Mutter sich jemals trösten, die ihr Kind ins Wasser fallen ließ? Meinen Sie, nur der böse Wille machte die Schuld aus? Könnte man da nicht alle Reue mit dem Gedanken an höhere Notwendigkeit fortspülen? Macht Gott uns schuldig, so will er auch, daß wir die Folgen tragen. Es ist gesagt, daß ich diese Ketten ewig werde rasseln hören.

Ich hatte meine Gründe bald erschöpft. Sie verließ das Schloß, ich begleitete sie nicht. Die Geburt eines Sohnes riß mich aus allen trüben Gedanken. Ich gab diesem glücklichen Ereignisse zu Ehren Feste; die Taufe, die erste Erziehung, die Sorge um meine Frau nahmen mich so vollständig in Anspruch, daß jeder es begreiflich finden wird, wenn ich nach dem unglücklichen schönen Wesen, an das ich freilich zu Zeiten dachte, keine Nachforschungen anstellte. Eines Tages erhielt ich ein Paket von Paris, das bei meinem dortigen Geschäftsführer unter meiner Adresse abgegeben war. Es enthielt ein Etui und einen Brief, beides versiegelt. Ich erbrach den letztern zuerst; er enthielt nur wenige Zeilen.

Ich hatte meine Gründe bald erschöpft. Sie verließ das Schloß, ich begleitete sie nicht. Die Geburt eines Sohnes riß mich aus allen trüben Gedanken. Ich gab diesem glücklichen Ereignisse zu Ehren Feste; die Taufe, die erste Erziehung, die Sorge um meine Frau nahmen mich so vollständig in Anspruch, daß jeder es begreiflich finden wird, wenn ich nach dem unglücklichen schönen Wesen, an das ich freilich zu Zeiten dachte, keine Nachforschungen anstellte. Eines Tages erhielt ich ein Paket von Paris, das bei meinem dortigen Geschäftsführer unter meiner Adresse abgegeben war. Es enthielt ein Etui und einen Brief, beides versiegelt. Ich erbrach den letztern zuerst; er enthielt nur wenige Zeilen.

Liebster Freund!

Wenn Sie dies erhalten, bin ich nicht mehr. Ich wußte, daß mich der Marquis zu sich rufen würde. Kam er auch nicht mehr, meine Nächte zu stören, ich trug etwas in der Seele, das seine Stelle vertrat. Sagen Sie

_ Ihrer Gemahlin, ich hätte mich an nichts so gern erinnert, als an ihre Güte gegen mich. Bewahren Sie Ihren Sohn vor meinesgleichen. Gönnen Sie beiliegendem Bilde ein ruhiges Plätzchen. Sie brauchen das Siegel nicht zu erbrechen. Zerstören mochte ich es nicht; in falsche Hände kommen sollte es nicht. Sehen Sie es an, so denken Sie, ich hätte doch vielleicht ein Herz gehabt.

Manon de Gaussin.

Ich öffnete das Etui und das unglückliche, mir zugleich als kürzlich verstorben gemeldete Mädchen strahlte mir mit allem Zauber entgegen, welchen sie in ihren schönsten Tagen besaß. Die Tränen traten mir in die Augen und ich gedachte aller glücklichen Stunden, die ich in ihrem Hause verlebt hatte.»

Liebster Freund!

Wenn Sie dies erhalten, bin ich nicht mehr. Ich wußte, daß mich der Marquis zu sich rufen würde. Kam er auch nicht mehr, meine Nächte zu stören, ich trug etwas in der Seele, das seine Stelle vertrat. Sagen Sie

_ Ihrer Gemahlin, ich hätte mich an nichts so gern erinnert, als an ihre Güte gegen mich. Bewahren Sie Ihren Sohn vor meinesgleichen. Gönnen Sie beiliegendem Bilde ein ruhiges Plätzchen. Sie brauchen das Siegel nicht zu erbrechen. Zerstören mochte ich es nicht; in falsche Hände kommen sollte es nicht. Sehen Sie es an, so denken Sie, ich hätte doch vielleicht ein Herz gehabt.

Manon de Gaussin.

Ich öffnete das Etui und das unglückliche, mir zugleich als kürzlich verstorben gemeldete Mädchen strahlte mir mit allem Zauber entgegen, welchen sie in ihren schönsten Tagen besaß. Die Tränen traten mir in die Augen und ich gedachte aller glücklichen Stunden, die ich in ihrem Hause verlebt hatte.»

Nun, wir haben hier eine ganz sachgemäße Schilderung, wie der Ätherleib eines Verstorbenen einem anderen Menschen erscheint, eine ganz sachgemäße Schilderung. Unmittelbar nach dem Tode sah Manon de Gaussin den wandelnden Ätherleib des Verstorbenen. Von dieser Erscheinung — ich wollte Ihnen nur zeigen ihre Verarbeitung in einer Novelle schon aus den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts —, also von der Erscheinung des Ätherleibes eines Toten, und von dem, was wir von einer solchen Tatsache über die geheime, verborgene Beziehung, die zwischen Menschen walten kann, lernen können, wollen wir dann morgen zu weiteren Betrachtungen übergehen. Versuchen Sie zu fühlen, wie hinter dem, was in dem Maja-Ausschnitt in dem Bewußtsein der Manon de Gaussin zugegen war, ein weites Reich spielt, und wie aus diesem weiten Wellenreiche heraufkam in den Stunden, die sie unmittelbar nach dem Tode des Marquis durchmachte, dasjenige, was sich als Begegnung mit dem Ätherleib des Verstorbenen abspielte.

Nun, wir haben hier eine ganz sachgemäße Schilderung, wie der Ätherleib eines Verstorbenen einem anderen Menschen erscheint, eine ganz sachgemäße Schilderung. Unmittelbar nach dem Tode sah Manon de Gaussin den wandelnden Ätherleib des Verstorbenen. Von dieser Erscheinung — ich wollte Ihnen nur zeigen ihre Verarbeitung in einer Novelle schon aus den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts —, also von der Erscheinung des Ätherleibes eines Toten, und von dem, was wir von einer solchen Tatsache über die geheime, verborgene Beziehung, die zwischen Menschen walten kann, lernen können, wollen wir dann morgen zu weiteren Betrachtungen übergehen. Versuchen Sie zu fühlen, wie hinter dem, was in dem Maja-Ausschnitt in dem Bewußtsein der Manon de Gaussin zugegen war, ein weites Reich spielt, und wie aus diesem weiten Wellenreiche heraufkam in den Stunden, die sie unmittelbar nach dem Tode des Marquis durchmachte, dasjenige, was sich als Begegnung mit dem Ätherleib des Verstorbenen abspielte.

Ja, dieser Ätherleib des Menschen, er steht in innigerer Beziehung zu dem, was die mannigfachen Verhältnisse sind, in die wir einverwoben sind in dem Weltall, als das, was wir von ihm in unserer Selbsterkenntnis und unserem Bewußtsein tragen.

Ja, dieser Ätherleib des Menschen, er steht in innigerer Beziehung zu dem, was die mannigfachen Verhältnisse sind, in die wir einverwoben sind in dem Weltall, als das, was wir von ihm in unserer Selbsterkenntnis und unserem Bewußtsein tragen.