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Paths to Spiritual Insight and
the Renewal of an Artistic Worldview
GA 161

2 April 1915, Dornach

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Zehnter Vortrag

Zehnter Vortrag

[ 1 ] Die Kirchen rufen ihre Gläubigen das Jahr hindurch zusammen durch Glockenklang. Der Glockenklang bezeichnet die Zeiten, wichtige Zeitangaben, und er bezeichnet auch diejenigen Zeiten, in denen die Gläubigen zur Kirche gerufen werden. Dieser bedeutungsvolle Glockenklang, dieser Glockenzeitenklang hört auf in gewissen Kirchengemeinschaften in diesen Tagen, die da beginnen mit der Feier der Grablegung, des Opfertodes Christi, und er beginnt erst wiederum mit dem Feste der Auferstehung derjenigen Macht, von der wir als Macht, welche der Erde Sinn verleiht, innerhalb unserer geisteswissenschaftlichen Betrachtungen oft gesprochen haben. Die Zwischenzeit wird in ihrer Bedeutung gefeiert dadurch, daß gewissermaßen die Mißtöne der hölzernen Instrumente, welche in diesen Tagen gebraucht werden statt der Glocken, diesen bedeutungsvollen Glockenzeitenklang ersetzen sollen in der Zeit, in der die Seelen sich erinnern sollen, daß die Macht, welche der Erdenentwikkelung Sinn verleiht, durch ihren Opfertod sich vereint hat mit den Tiefen des Daseins. Das Neuerklingen der Glocken am Feste der Auferstehung soll andeuten, wie die Glockenmusik geweiht und bedeutungsvoll gemacht werden soll durch diesen Sinn der Erde, und wie sie dann von diesem Sinn der Erde das ganze übrige, für das gläubige Bewußtsein durchchristete Jahr hindurch ertönen sollen, die Glocken mit ihrem bedeutungsvollen Zeitenklang.

[ 1 ] Die Kirchen rufen ihre Gläubigen das Jahr hindurch zusammen durch Glockenklang. Der Glockenklang bezeichnet die Zeiten, wichtige Zeitangaben, und er bezeichnet auch diejenigen Zeiten, in denen die Gläubigen zur Kirche gerufen werden. Dieser bedeutungsvolle Glockenklang, dieser Glockenzeitenklang hört auf in gewissen Kirchengemeinschaften in diesen Tagen, die da beginnen mit der Feier der Grablegung, des Opfertodes Christi, und er beginnt erst wiederum mit dem Feste der Auferstehung derjenigen Macht, von der wir als Macht, welche der Erde Sinn verleiht, innerhalb unserer geisteswissenschaftlichen Betrachtungen oft gesprochen haben. Die Zwischenzeit wird in ihrer Bedeutung gefeiert dadurch, daß gewissermaßen die Mißtöne der hölzernen Instrumente, welche in diesen Tagen gebraucht werden statt der Glocken, diesen bedeutungsvollen Glockenzeitenklang ersetzen sollen in der Zeit, in der die Seelen sich erinnern sollen, daß die Macht, welche der Erdenentwikkelung Sinn verleiht, durch ihren Opfertod sich vereint hat mit den Tiefen des Daseins. Das Neuerklingen der Glocken am Feste der Auferstehung soll andeuten, wie die Glockenmusik geweiht und bedeutungsvoll gemacht werden soll durch diesen Sinn der Erde, und wie sie dann von diesem Sinn der Erde das ganze übrige, für das gläubige Bewußtsein durchchristete Jahr hindurch ertönen sollen, die Glocken mit ihrem bedeutungsvollen Zeitenklang.

[ 2 ] Wir haben von den verschiedensten Seiten her uns zu nähern versucht dem Sinn und dem Wesen derjenigen Macht, die eingeflossen ist durch das Mysterium von Golgatha in die Impulse der Erdenentwickelung. Allein, Sie werden gesehen haben aus den verschiedenen Betrachtungen, daß jeder Weg der Seele zu dieser Macht hin doch eben nur einer der Wege sein kann, die immer einseitig gewissermaßen die Empfindungen, die Gefühle der Seele wachrufen, damit sie in würdiger Weise verständnisvoll empfangen können dasjenige, was sich offenbaren soll, wenn man den Christus-Namen ausspricht, dasjenige, was sich offenbaren soll, wenn man von dem Mysterium von Golgatha spricht. Wir werden heute versuchen, wiederum einen solchen Weg zu wählen. Es wird wiederum nur einer der Wege sein, denn nur durch die Zusammennahme vieler Wege, die zu dem Mysterium von Golgatha führen, kann man zu einem Verständnis desselben kommen, zu einem einigermaßen für die entsprechende Zeit, in der man inkarniert ist, gehörigen Verständnis kommen. Da sei heute der Weg gewählt, der uns vor die Seele führen soll, wie gewissermaßen Völker, die noch nichts wußten von. dem Mysterium von Golgatha, wie die Völker Europas dieses Mysterium von Golgatha empfangen mußten nach dem, was sie in ihrem Herzen, in ihrer Seele gleichsam wie eine Vorbereitung auf das Mysterium von Golgatha hin durchgemacht hatten.

[ 2 ] Wir haben von den verschiedensten Seiten her uns zu nähern versucht dem Sinn und dem Wesen derjenigen Macht, die eingeflossen ist durch das Mysterium von Golgatha in die Impulse der Erdenentwickelung. Allein, Sie werden gesehen haben aus den verschiedenen Betrachtungen, daß jeder Weg der Seele zu dieser Macht hin doch eben nur einer der Wege sein kann, die immer einseitig gewissermaßen die Empfindungen, die Gefühle der Seele wachrufen, damit sie in würdiger Weise verständnisvoll empfangen können dasjenige, was sich offenbaren soll, wenn man den Christus-Namen ausspricht, dasjenige, was sich offenbaren soll, wenn man von dem Mysterium von Golgatha spricht. Wir werden heute versuchen, wiederum einen solchen Weg zu wählen. Es wird wiederum nur einer der Wege sein, denn nur durch die Zusammennahme vieler Wege, die zu dem Mysterium von Golgatha führen, kann man zu einem Verständnis desselben kommen, zu einem einigermaßen für die entsprechende Zeit, in der man inkarniert ist, gehörigen Verständnis kommen. Da sei heute der Weg gewählt, der uns vor die Seele führen soll, wie gewissermaßen Völker, die noch nichts wußten von. dem Mysterium von Golgatha, wie die Völker Europas dieses Mysterium von Golgatha empfangen mußten nach dem, was sie in ihrem Herzen, in ihrer Seele gleichsam wie eine Vorbereitung auf das Mysterium von Golgatha hin durchgemacht hatten.

[ 3 ] Ich habe es schon angedeutet in einigen der vorigen Vorträge, wie verknüpft war mit der europäischen Entwickelung in einer bestimmten Zeit, ich möchte sagen, ein tragisches Naturgefühl, das radikal verschieden ist von demjenigen Naturgefühl, das in den ersten christlichen Zeiten sich über die südlichen Länder Europas gerade aus dem Christentum heraus ausbreitete. Dieses letztere Naturgefühl war in gewisser Weise verbunden mit einer Art von Fliehen der Natur, mit einer Art Hinweggehen von der Natur. In diesen südlichen Ländern, in denen sich in griechische, in römische Kultur hinein das Christentum ausgebreitet hat, wurde der Begriff der Sünde, der Begriff.der Schuld innig und intim verknüpft mit demjenigen, was man fühlt als einfließend in den Menschen, in die Menschenseele von der Natur. Hinweg von der Natur in die Gefilde des geistigen Lebens, in die Gefilde, aus denen heruntergestiegen ist der Christus, um der Menschheit die Erlösung, um der Erdenentwickelung Sinn zu bringen; sich freimachen von dem, was im Menschen nur natürlich ist, und sich hinwenden zu dem, was im Menschen heiligend, das heißt, von der Sünde der Natur heilend sein kann — das sind Worte, die etwa einigermaßen dieses erste christliche Naturgefühl ausdrücken können.

[ 3 ] Ich habe es schon angedeutet in einigen der vorigen Vorträge, wie verknüpft war mit der europäischen Entwickelung in einer bestimmten Zeit, ich möchte sagen, ein tragisches Naturgefühl, das radikal verschieden ist von demjenigen Naturgefühl, das in den ersten christlichen Zeiten sich über die südlichen Länder Europas gerade aus dem Christentum heraus ausbreitete. Dieses letztere Naturgefühl war in gewisser Weise verbunden mit einer Art von Fliehen der Natur, mit einer Art Hinweggehen von der Natur. In diesen südlichen Ländern, in denen sich in griechische, in römische Kultur hinein das Christentum ausgebreitet hat, wurde der Begriff der Sünde, der Begriff.der Schuld innig und intim verknüpft mit demjenigen, was man fühlt als einfließend in den Menschen, in die Menschenseele von der Natur. Hinweg von der Natur in die Gefilde des geistigen Lebens, in die Gefilde, aus denen heruntergestiegen ist der Christus, um der Menschheit die Erlösung, um der Erdenentwickelung Sinn zu bringen; sich freimachen von dem, was im Menschen nur natürlich ist, und sich hinwenden zu dem, was im Menschen heiligend, das heißt, von der Sünde der Natur heilend sein kann — das sind Worte, die etwa einigermaßen dieses erste christliche Naturgefühl ausdrücken können.

[ 4 ] Von einem ganz anderen Naturgefühl war die keltisch-germanische Volkheit Europas innerlich beseligt, als sie das Christentum empfing. Ihr war es unmöglich, die Natur bloß zu fliehen, die Natur bloß zu verbinden mit dem Sünde- und Schuldbegriff. Ihnen, den europäischen Völkern, war die Natur durch lange, lange Jahrhunderte viel, viel zu bedeutungsvoll geworden, als daß sie sie bloß hätten fliehen können. Sie war ihnen etwas geworden, mit dem sie so zusammengewachsen waren, daß sie sich allerdings, als sie das Christentum empfingen, zu einer anderen Welt wenden konnten, als die Welt der Natur ist, aber sie konnten nicht so ohne weiteres nur sagen: Hinweg von der Natur! — Dieses «Hinweg von der Natur», dieses Hinschauen und Hinstreben in die Gefilde des Geistes verursachte ihnen Klagen und Schmerzen der Seele, verursachte ihnen Trübnis, indem immer im Hintergrund der Herrlichkeiten des Himmelreiches die Trauer war über dasjenige, was innerhalb der Naturgefilde verloren werden mußte. Und wenn man nach dem Grunde fragt, warum ein solches Gefühl auf dem Grunde der Seele war, dann findet man, daß die Art und Weise, wie diese Seelen mit der Natur verbunden waren in verhältnismäßig noch nicht weit hinter ihnen liegender Vergangenheit — einer Vergangenheit, die weit kürzere Zeit hinter ihnen lag, als das bei den orientalischen oder südlichen Völkern der Fall war —, noch in einem Nachklang vorhanden war. Es war, wie wenn in den Herzen, in den Seelen noch gelebt hätte etwas von all dem heiligen Wohlgefühl des Zusammenseins mit der Natur, des Zusammenseins auch mit dem Göttlichen in der Natur. Und die Trauer, der Schmerz, die Klage, sie kamen davon, daß man fühlte: durch eine Notwendigkeit, durch eine eherne Weltennotwendigkeit war einem abhanden gekommen, was einen einstmals mit dem Heiligen, mit dem Göttlichen der Natur verbunden hatte. Es war nicht bloß ein Gefühl, daß die Natur mit Sünde und Schuld behaftet sei, es war vielmehr das Gefühl, daß man mit der Natur etwas einst unendlich Wertvolles verloren habe. Es war nicht das Gefühl, daß man sich wegwenden solle von der Natur, sondern es war vielmehr das trauernde Gefühl, daß sich etwas, was in der Natur heilig ist, selbst von dem Menschenherzen, der Menschenseele weggewendet habe, und daß man nun das, was man früher mit der Natur im Zusammenhang verehrte, auf andere Art durch Erhebung zum Mysterium von Golgatha erleben mußte.

[ 4 ] Von einem ganz anderen Naturgefühl war die keltisch-germanische Volkheit Europas innerlich beseligt, als sie das Christentum empfing. Ihr war es unmöglich, die Natur bloß zu fliehen, die Natur bloß zu verbinden mit dem Sünde- und Schuldbegriff. Ihnen, den europäischen Völkern, war die Natur durch lange, lange Jahrhunderte viel, viel zu bedeutungsvoll geworden, als daß sie sie bloß hätten fliehen können. Sie war ihnen etwas geworden, mit dem sie so zusammengewachsen waren, daß sie sich allerdings, als sie das Christentum empfingen, zu einer anderen Welt wenden konnten, als die Welt der Natur ist, aber sie konnten nicht so ohne weiteres nur sagen: Hinweg von der Natur! — Dieses «Hinweg von der Natur», dieses Hinschauen und Hinstreben in die Gefilde des Geistes verursachte ihnen Klagen und Schmerzen der Seele, verursachte ihnen Trübnis, indem immer im Hintergrund der Herrlichkeiten des Himmelreiches die Trauer war über dasjenige, was innerhalb der Naturgefilde verloren werden mußte. Und wenn man nach dem Grunde fragt, warum ein solches Gefühl auf dem Grunde der Seele war, dann findet man, daß die Art und Weise, wie diese Seelen mit der Natur verbunden waren in verhältnismäßig noch nicht weit hinter ihnen liegender Vergangenheit — einer Vergangenheit, die weit kürzere Zeit hinter ihnen lag, als das bei den orientalischen oder südlichen Völkern der Fall war —, noch in einem Nachklang vorhanden war. Es war, wie wenn in den Herzen, in den Seelen noch gelebt hätte etwas von all dem heiligen Wohlgefühl des Zusammenseins mit der Natur, des Zusammenseins auch mit dem Göttlichen in der Natur. Und die Trauer, der Schmerz, die Klage, sie kamen davon, daß man fühlte: durch eine Notwendigkeit, durch eine eherne Weltennotwendigkeit war einem abhanden gekommen, was einen einstmals mit dem Heiligen, mit dem Göttlichen der Natur verbunden hatte. Es war nicht bloß ein Gefühl, daß die Natur mit Sünde und Schuld behaftet sei, es war vielmehr das Gefühl, daß man mit der Natur etwas einst unendlich Wertvolles verloren habe. Es war nicht das Gefühl, daß man sich wegwenden solle von der Natur, sondern es war vielmehr das trauernde Gefühl, daß sich etwas, was in der Natur heilig ist, selbst von dem Menschenherzen, der Menschenseele weggewendet habe, und daß man nun das, was man früher mit der Natur im Zusammenhang verehrte, auf andere Art durch Erhebung zum Mysterium von Golgatha erleben mußte.

[ 5 ] Es war ein unendlich viel realeres, zugleich ein unendlich viel tragischeres Gefühl, welches das Christentum in diesen Gegenden empfing, als das in den Gegenden südwärts der Alpen und im Oriente der Fall sein konnte. Man macht sich durch nichts besser klar, welches der Sinn dieser alten Naturempfindungen war, als wenn man einen Blick wirft auf das, was ja gelten kann wie eine Art Vorempfindung des göttlichen Opfertodes Christi innerhalb der europäischen Völker, wenn man einen Blick wirft auf das, was der Tod Baldurs und Baldurs Versetzung in die Unterwelt, in die Welt der Hel, nach Niflheim bedeutet.

[ 5 ] Es war ein unendlich viel realeres, zugleich ein unendlich viel tragischeres Gefühl, welches das Christentum in diesen Gegenden empfing, als das in den Gegenden südwärts der Alpen und im Oriente der Fall sein konnte. Man macht sich durch nichts besser klar, welches der Sinn dieser alten Naturempfindungen war, als wenn man einen Blick wirft auf das, was ja gelten kann wie eine Art Vorempfindung des göttlichen Opfertodes Christi innerhalb der europäischen Völker, wenn man einen Blick wirft auf das, was der Tod Baldurs und Baldurs Versetzung in die Unterwelt, in die Welt der Hel, nach Niflheim bedeutet.

[ 6 ] Ich habe es öfter angedeutet, daß es heute schwierig ist, wiederum wachzurufen in den Seelen all dasjenige, was zusammenhing mit dem Baldur-Mythos, mit dem Mythos dieser eigenartigen alten Sonnengottheit, die von Nordeuropas Volkheit verehrt und angebetet wurde. Und es ist ja schwierig, in einer Zeit dieses klarzumachen, wo man glaubt, daß die menschliche Seele in der Zeit, in der es überhaupt eine Menschheitsentwickelung gibt, immer geradeso ausgesehen habe, immer genau solches erlebt habe, wie sie heute aussieht und wie sie heute erlebt. Man muß sich schon aufschwingen zu dem Gedanken, daß in alten Zeiten der Seele noch weit, weit andere Erlebnisse möglich waren als diejenigen, die dann in späterer Zeit dieser Seele möglich waren, und daß dies zusammenhängt mit einem Gesamterleben des natürlichen Daseins. Stellen Sie sich einmal wirklich vor, die Seele des Menschen hätte durch das alte Auge des Menschen anders hinausgesehen in die Natur, als sie heute sieht, wenn sie durch das heutige Auge in die Natur sieht, und hätte durch das alte Ohr anderes in der Natur gehört als sie heute hört, wenn sie in die Natur hinaushört. Und machen Sie sich den Übergang so klar, indem Sie ein Gleichnis wählen, ein Gleichnis, das, wenn es auch etwas radikal gewählt ist, uns dennoch den Unterschied klarmachen kann. Sie sehen heute hinaus in die Natur durch Ihre Augen, sehen das Grün der Pflanzen, das Grün-Blau der Wälder, das Blau des Himmels, die bunte Mannigfaltigkeit der Blumendecke. Denken Sie sich, es träte eine Revolution im menschlichen Erdendasein durch eine eherne Notwendigkeit so ein, daß aufhören würde für die Menschen die Möglichkeit, Farben zu sehen, und daß die ganze Natur nur erscheinen würde grau in grau, daß Sie hinaufblicken würden zum Himmel und eine etwas andere Schattierung von Grau erblicken würden, als wenn Sie auf graue Wiesen sähen, daß Sie nur verschiedene Nuancen von Grau, Schwarz und Weiß sehen würden, wenn Sie auf die farbige Blumendecke blicken. Denken Sie, eine solche Revolution würde eintreten im Naturschauen der Menschen und Sie haben einen Vergleich mit dem gegeben, was in der Tat eintrat in der Zeit, als hinunterschwand die Möglichkeit für die Menschen: zu schauen auf der ausgebreiteten Wiese all die mannigfaltigen elementarischen Wesenheiten, die mit dem Wachsen und Weben und Wesen der Blumen und Blüten verbunden sind. Aufgehört hatte in der damaligen Zeit durch eine gewaltige Revolution im Naturschauen die Möglichkeit, hinaufzuschauen zu den Sternen und in den Sternen zu sehen die geistiglebendigen Planetengeister, im Äther umwebend die Sterne.

[ 6 ] Ich habe es öfter angedeutet, daß es heute schwierig ist, wiederum wachzurufen in den Seelen all dasjenige, was zusammenhing mit dem Baldur-Mythos, mit dem Mythos dieser eigenartigen alten Sonnengottheit, die von Nordeuropas Volkheit verehrt und angebetet wurde. Und es ist ja schwierig, in einer Zeit dieses klarzumachen, wo man glaubt, daß die menschliche Seele in der Zeit, in der es überhaupt eine Menschheitsentwickelung gibt, immer geradeso ausgesehen habe, immer genau solches erlebt habe, wie sie heute aussieht und wie sie heute erlebt. Man muß sich schon aufschwingen zu dem Gedanken, daß in alten Zeiten der Seele noch weit, weit andere Erlebnisse möglich waren als diejenigen, die dann in späterer Zeit dieser Seele möglich waren, und daß dies zusammenhängt mit einem Gesamterleben des natürlichen Daseins. Stellen Sie sich einmal wirklich vor, die Seele des Menschen hätte durch das alte Auge des Menschen anders hinausgesehen in die Natur, als sie heute sieht, wenn sie durch das heutige Auge in die Natur sieht, und hätte durch das alte Ohr anderes in der Natur gehört als sie heute hört, wenn sie in die Natur hinaushört. Und machen Sie sich den Übergang so klar, indem Sie ein Gleichnis wählen, ein Gleichnis, das, wenn es auch etwas radikal gewählt ist, uns dennoch den Unterschied klarmachen kann. Sie sehen heute hinaus in die Natur durch Ihre Augen, sehen das Grün der Pflanzen, das Grün-Blau der Wälder, das Blau des Himmels, die bunte Mannigfaltigkeit der Blumendecke. Denken Sie sich, es träte eine Revolution im menschlichen Erdendasein durch eine eherne Notwendigkeit so ein, daß aufhören würde für die Menschen die Möglichkeit, Farben zu sehen, und daß die ganze Natur nur erscheinen würde grau in grau, daß Sie hinaufblicken würden zum Himmel und eine etwas andere Schattierung von Grau erblicken würden, als wenn Sie auf graue Wiesen sähen, daß Sie nur verschiedene Nuancen von Grau, Schwarz und Weiß sehen würden, wenn Sie auf die farbige Blumendecke blicken. Denken Sie, eine solche Revolution würde eintreten im Naturschauen der Menschen und Sie haben einen Vergleich mit dem gegeben, was in der Tat eintrat in der Zeit, als hinunterschwand die Möglichkeit für die Menschen: zu schauen auf der ausgebreiteten Wiese all die mannigfaltigen elementarischen Wesenheiten, die mit dem Wachsen und Weben und Wesen der Blumen und Blüten verbunden sind. Aufgehört hatte in der damaligen Zeit durch eine gewaltige Revolution im Naturschauen die Möglichkeit, hinaufzuschauen zu den Sternen und in den Sternen zu sehen die geistiglebendigen Planetengeister, im Äther umwebend die Sterne.

[ 7 ] Ich habe es oftmals betont: Zu den unwahrsten Aussprüchen gehört der, wenn man sagt, die Natur mache keine Sprünge. — Unwahr ist dieser Ausspruch, denn so wie ein Sprung ist vom grünen Blatt der Pflanze zum Blütenblatt, so war es ein gewaltiger Sprung in der Menschheitsentwickelung, als von dem alten Hellsehen, wo man die Elementargeister weben und leben sah dort, wo man heute nur die bunte Blütendecke der Pflanzen ausgebreitet sieht, die Menschen eben übergingen zu dem späteren Anschauen. Ein gewaltiger Sprung war das! Und diejenigen Menschen, die Europas Volkheit ausmachten, die hatten in den Zeiten, die durchaus zusammenfallen mit der Zeit, in welcher sich im Orient schon abspielte das Mysterium von Golgatha, noch eine lebendige Empfindung, daß eine solche alte Schau einmal da war, daß die Vorfahren gelebt haben unter der Bedingung, daß sie sehen konnten die webenden Wesen auf Wiesen und in Wäldern und im unendlich ausgespannten Sternenhimmel, und daß das alles verschwunden, verwest und verglommen sei. Ein Gefühl hatten sie, daß, wenn früher die Menschen das Auge hinaufrichteten zum nächtlichen Monde, dieser Mond nicht bloß in Form der hellen Sichel erschien, daß diese helle Sichel umgeben war von planetarischer lebendiger Geistigkeit, die der Menschenseele vieles sagte, und daß das hingeschwunden ist in den Zeiten, in denen man jetzt leben mußte.

[ 7 ] Ich habe es oftmals betont: Zu den unwahrsten Aussprüchen gehört der, wenn man sagt, die Natur mache keine Sprünge. — Unwahr ist dieser Ausspruch, denn so wie ein Sprung ist vom grünen Blatt der Pflanze zum Blütenblatt, so war es ein gewaltiger Sprung in der Menschheitsentwickelung, als von dem alten Hellsehen, wo man die Elementargeister weben und leben sah dort, wo man heute nur die bunte Blütendecke der Pflanzen ausgebreitet sieht, die Menschen eben übergingen zu dem späteren Anschauen. Ein gewaltiger Sprung war das! Und diejenigen Menschen, die Europas Volkheit ausmachten, die hatten in den Zeiten, die durchaus zusammenfallen mit der Zeit, in welcher sich im Orient schon abspielte das Mysterium von Golgatha, noch eine lebendige Empfindung, daß eine solche alte Schau einmal da war, daß die Vorfahren gelebt haben unter der Bedingung, daß sie sehen konnten die webenden Wesen auf Wiesen und in Wäldern und im unendlich ausgespannten Sternenhimmel, und daß das alles verschwunden, verwest und verglommen sei. Ein Gefühl hatten sie, daß, wenn früher die Menschen das Auge hinaufrichteten zum nächtlichen Monde, dieser Mond nicht bloß in Form der hellen Sichel erschien, daß diese helle Sichel umgeben war von planetarischer lebendiger Geistigkeit, die der Menschenseele vieles sagte, und daß das hingeschwunden ist in den Zeiten, in denen man jetzt leben mußte.

[ 8 ] Wenn sich die Menschenseele fragte, was denn geschehen sei, daß die Natur also entgöttlicht ist, daß Finsternis sich ausbreitet da, wo früher geistiges Licht war, dann sagte derjenige, der das Volk leitete als Lenker: Es hat einmal in der Götterwelt gegeben einen Baldur, der in sich vereinigte die Kraft des Sonnenlichtes. Aber Baldur hat wegen des Hasses der finsteren Elemente seinen Schauplatz, den er ausgebreitet hatte auf dem Menschen-Erdenhorizont, verlegen müssen zur Hel in die Unterwelt. Verschwunden ist die Schauekraft der alten Zeiten. Versunken ist der helle Sonnenschein, versunken ist der helle Schein der alten Götter, und der tote Schein des Sonnenlichtes glänzt nur zurück durch das Licht der Mondsichel. — Materiell ist die Welt geworden. Wie die trauernde Hinterlassene, die einmal mit dem Göttlichen vereint war und des Göttlichen Widerstrahl in alle Seelen hineinschickte, so erscheint die Natur, über die man klagt, über die man trauert, die man belegen wollte mit den Begriffen bloß von Sünde und Schuld. — Und so wurde die Empfindung erregt, die man haben konnte gegenüber dem Todesgang des alten Sonnengottes Baldur. Er ist nicht mehr da draußen um unsere Schauekräfte herum, der Gott Baldur, er ist in die Unterwelt gezogen, er hat uns die trauernde Natur zurückgelassen. Aber wohin ist er gezogen? Wo ist denn eigentlich in realer Wirklichkeit das Reich der Hel, jenes Reich der Finsternis, in das Baldur eingezogen ist? Wo ist es denn? Auch zu solchen Empfindungen wird sich, ich möchte sagen, unsere materialistische Zeit erst dadurch vorbereiten können, daß sie sich die entsprechenden Begriffe aneignet.

[ 8 ] Wenn sich die Menschenseele fragte, was denn geschehen sei, daß die Natur also entgöttlicht ist, daß Finsternis sich ausbreitet da, wo früher geistiges Licht war, dann sagte derjenige, der das Volk leitete als Lenker: Es hat einmal in der Götterwelt gegeben einen Baldur, der in sich vereinigte die Kraft des Sonnenlichtes. Aber Baldur hat wegen des Hasses der finsteren Elemente seinen Schauplatz, den er ausgebreitet hatte auf dem Menschen-Erdenhorizont, verlegen müssen zur Hel in die Unterwelt. Verschwunden ist die Schauekraft der alten Zeiten. Versunken ist der helle Sonnenschein, versunken ist der helle Schein der alten Götter, und der tote Schein des Sonnenlichtes glänzt nur zurück durch das Licht der Mondsichel. — Materiell ist die Welt geworden. Wie die trauernde Hinterlassene, die einmal mit dem Göttlichen vereint war und des Göttlichen Widerstrahl in alle Seelen hineinschickte, so erscheint die Natur, über die man klagt, über die man trauert, die man belegen wollte mit den Begriffen bloß von Sünde und Schuld. — Und so wurde die Empfindung erregt, die man haben konnte gegenüber dem Todesgang des alten Sonnengottes Baldur. Er ist nicht mehr da draußen um unsere Schauekräfte herum, der Gott Baldur, er ist in die Unterwelt gezogen, er hat uns die trauernde Natur zurückgelassen. Aber wohin ist er gezogen? Wo ist denn eigentlich in realer Wirklichkeit das Reich der Hel, jenes Reich der Finsternis, in das Baldur eingezogen ist? Wo ist es denn? Auch zu solchen Empfindungen wird sich, ich möchte sagen, unsere materialistische Zeit erst dadurch vorbereiten können, daß sie sich die entsprechenden Begriffe aneignet.

[ 9 ] Fragen wir uns einmal, was bedeutete es denn in uralten Zeiten, wenn man sagen konnte, sich hinauswendend gegen die Natur: Baldur ist da. Was bedeutete denn das? Das bedeutete etwas wahrhaftig Reales, etwas, was diejenigen aber nicht verstehen werden, die da glauben, daß die Menschenbildung eben zu allen Zeiten gewesen ist wie heute. Wenn der Mensch in uralten Zeiten hinausging und auf der Wiese wahrnahm — er konnte es nicht immer, er konnte es nur zu gewissen Zeiten, aber da er es konnte zu gewissen Zeiten, da wußte er, daß sich ihm da jene belebenden Elementargeister zeigten, von denen ich gesprochen habe — wie war es denn, wenn der Mensch in gewissen Zeiten diese Elementargeister schauen konnte? Das war kein bloßes Hinschauen, das war nicht ein totes Empfangen eines Gesichtes, sondern das war verbunden mit einem lebendigen Gefühl, mit einer lebendigen Empfindung. Man ging durch die Wälder, man schaute die Geister, die Elementarwesen. Aber man schaute sie nicht bloß, ich möchte sagen, man trank ihr Wesen mit der Seele in sich, man fühlte ihren Hauch als einen geistig-seelischen Erfrischungstrank, man fühlte in sich durch den Ätherleib hineinziehen den Atem, der ausging von den elementarischen Geistern, die man schaute im Wald und auf der Wiese. Sie machen einen jung — so konnte man empfinden, wenn man des Morgens hinausging und noch das Rückbleibende der Morgendämmerung sie sichtbar machte, die Elementargeister des Waldes und der Wiese —, sie machen einen jung, sie verleihen einem Kraft! Und diese Kraft lebt dann in einem fort. Man war dabei, wenn man verjüngt in der elementarischen Natur war. Man war dabei. Was aber war mit all diesen verjüngenden Kräften geschehen? Aus der äußeren Welt waren sie verschwunden, man konnte nur mehr einen traurigen, halbbewußten Zusammenhang mit ihnen haben. Wo waren sie hingekommen? Sie wirkten weiter, aber sie wirkten weiter gewissermaßen im Unsichtbaren, im Unhörbaren; sie wirkten, aber sie wirkten auf die menschliche Natur so, daß der Mensch mit seinem Bewußtsein nicht mehr dabei war.

[ 9 ] Fragen wir uns einmal, was bedeutete es denn in uralten Zeiten, wenn man sagen konnte, sich hinauswendend gegen die Natur: Baldur ist da. Was bedeutete denn das? Das bedeutete etwas wahrhaftig Reales, etwas, was diejenigen aber nicht verstehen werden, die da glauben, daß die Menschenbildung eben zu allen Zeiten gewesen ist wie heute. Wenn der Mensch in uralten Zeiten hinausging und auf der Wiese wahrnahm — er konnte es nicht immer, er konnte es nur zu gewissen Zeiten, aber da er es konnte zu gewissen Zeiten, da wußte er, daß sich ihm da jene belebenden Elementargeister zeigten, von denen ich gesprochen habe — wie war es denn, wenn der Mensch in gewissen Zeiten diese Elementargeister schauen konnte? Das war kein bloßes Hinschauen, das war nicht ein totes Empfangen eines Gesichtes, sondern das war verbunden mit einem lebendigen Gefühl, mit einer lebendigen Empfindung. Man ging durch die Wälder, man schaute die Geister, die Elementarwesen. Aber man schaute sie nicht bloß, ich möchte sagen, man trank ihr Wesen mit der Seele in sich, man fühlte ihren Hauch als einen geistig-seelischen Erfrischungstrank, man fühlte in sich durch den Ätherleib hineinziehen den Atem, der ausging von den elementarischen Geistern, die man schaute im Wald und auf der Wiese. Sie machen einen jung — so konnte man empfinden, wenn man des Morgens hinausging und noch das Rückbleibende der Morgendämmerung sie sichtbar machte, die Elementargeister des Waldes und der Wiese —, sie machen einen jung, sie verleihen einem Kraft! Und diese Kraft lebt dann in einem fort. Man war dabei, wenn man verjüngt in der elementarischen Natur war. Man war dabei. Was aber war mit all diesen verjüngenden Kräften geschehen? Aus der äußeren Welt waren sie verschwunden, man konnte nur mehr einen traurigen, halbbewußten Zusammenhang mit ihnen haben. Wo waren sie hingekommen? Sie wirkten weiter, aber sie wirkten weiter gewissermaßen im Unsichtbaren, im Unhörbaren; sie wirkten, aber sie wirkten auf die menschliche Natur so, daß der Mensch mit seinem Bewußtsein nicht mehr dabei war.

[ 10 ] Und die Zeit kam, wo der Mensch, wenn er wissend wurde, sich sagen mußte: Da in meiner Natur, da wirken diese Kräfte, von denen ich früher nicht nur wissen konnte, daß sie im Dunkeln auf mich wirken, gegenüber denen ich vielmehr eine Schauekraft hatte, deren Einfließen aus der Außenwelt ich bemerken, ich wahrnehmen konnte. — In das Reich der Hel, in des Menschen eigene Finsternis, in des Menschen seelische Untergründe war der Gott Baldur eingezogen. Wo ist Baldur? Der Priester, der zu erklären hatte den Menschen das Geheimnis, wenn der Mensch frug: Wo ist Baldur? — er hatte zu sagen: Baldur ist nicht im Sichtbaren. Weil du als Mensch brauchtest jene Bildekräfte, jene verjüngenden Bildekräfte, die du früher halbwissend aufnehmen durftest, wirken sie jetzt ohne dein Wissen in deinem Inneren, damit du ihnen nichts nimmst durch dein Wissen. Weil du diese Kräfte in deinem Unsichtbaren brauchtest, ist Baldur aus dem Bereich des Sichtbaren verschwunden, hat sich zurückgezogen dahin, wo die Welt deines eigenen unterbewußten Inneren ist.

[ 10 ] Und die Zeit kam, wo der Mensch, wenn er wissend wurde, sich sagen mußte: Da in meiner Natur, da wirken diese Kräfte, von denen ich früher nicht nur wissen konnte, daß sie im Dunkeln auf mich wirken, gegenüber denen ich vielmehr eine Schauekraft hatte, deren Einfließen aus der Außenwelt ich bemerken, ich wahrnehmen konnte. — In das Reich der Hel, in des Menschen eigene Finsternis, in des Menschen seelische Untergründe war der Gott Baldur eingezogen. Wo ist Baldur? Der Priester, der zu erklären hatte den Menschen das Geheimnis, wenn der Mensch frug: Wo ist Baldur? — er hatte zu sagen: Baldur ist nicht im Sichtbaren. Weil du als Mensch brauchtest jene Bildekräfte, jene verjüngenden Bildekräfte, die du früher halbwissend aufnehmen durftest, wirken sie jetzt ohne dein Wissen in deinem Inneren, damit du ihnen nichts nimmst durch dein Wissen. Weil du diese Kräfte in deinem Unsichtbaren brauchtest, ist Baldur aus dem Bereich des Sichtbaren verschwunden, hat sich zurückgezogen dahin, wo die Welt deines eigenen unterbewußten Inneren ist.

[ 11 ] Dann kam über den Menschen die Stimmung, die man bezeichnen könnte mit den folgenden Worten: So also steh ich als Mensch im Reich der Hel mit einem Teil meines Wesens. Nicht sehen kann ich, wie die Bildekräfte meines Lebens aus dem Reich der Hel eingreifen in mein Seelisch-Leibliches; der Gott Baldur ist in der Unterwelt, er ist bei der Hel, er wirkt im Unsichtbaren auf mich. Versunken und verflossen ist Baldurs Sonnenseherreich. — Das ist die Stimmung der Klage, der Trauer, die Schmerzen der Seele hervorrufen darf, denn das ist keine hinfällige egoistische Menschenklage, das ist Klage, die der Mensch im Zusammenhang mit dem Kosmos empfindet. Das ist kosmische Klage, das ist kosmische Trauer, das ist kosmischer Schmerz.

[ 11 ] Dann kam über den Menschen die Stimmung, die man bezeichnen könnte mit den folgenden Worten: So also steh ich als Mensch im Reich der Hel mit einem Teil meines Wesens. Nicht sehen kann ich, wie die Bildekräfte meines Lebens aus dem Reich der Hel eingreifen in mein Seelisch-Leibliches; der Gott Baldur ist in der Unterwelt, er ist bei der Hel, er wirkt im Unsichtbaren auf mich. Versunken und verflossen ist Baldurs Sonnenseherreich. — Das ist die Stimmung der Klage, der Trauer, die Schmerzen der Seele hervorrufen darf, denn das ist keine hinfällige egoistische Menschenklage, das ist Klage, die der Mensch im Zusammenhang mit dem Kosmos empfindet. Das ist kosmische Klage, das ist kosmische Trauer, das ist kosmischer Schmerz.

[ 12 ] Und nun kam die Kunde, daß dasjenige, was sich also zurückgezogen hat in das Reich der Hel, neubelebt ist durch eine andere Macht, durch die Macht, die man wiederfinden kann, wenn man tiefe Einblicke tut in das eigene Innere, wo hinein die alte Baldur-Macht ja verschwunden ist. Baldur ist im Reich der Hel, aber der Christus ist hinuntergestiegen in das Reich der Hel, in das Reich der eigenen unterbewußten Menschenwesenheit; da belebt er den Baldur. Und wenn der Mensch sich genügend vertieft in das, was er im Laufe der Erdenentwickelung geworden ist, da findet er wiederum die verjüngende Bildekraft. Was du verloren hast, du findest es wieder, denn hinuntergestiegen in dein eigenes Reich der Finsternis ist der alte Baldur. Gefunden hat ihn da der Christus, wiederbelebt hat er dasjenige, was dir durch Baldur und seine Macht einmal. geworden ist. — So konnte der Priester dem verkünden, der die tiefen Geheimnisse der Botschaft vom Mysterium von Golgatha in diesen Volksgebieten empfand.

[ 12 ] Und nun kam die Kunde, daß dasjenige, was sich also zurückgezogen hat in das Reich der Hel, neubelebt ist durch eine andere Macht, durch die Macht, die man wiederfinden kann, wenn man tiefe Einblicke tut in das eigene Innere, wo hinein die alte Baldur-Macht ja verschwunden ist. Baldur ist im Reich der Hel, aber der Christus ist hinuntergestiegen in das Reich der Hel, in das Reich der eigenen unterbewußten Menschenwesenheit; da belebt er den Baldur. Und wenn der Mensch sich genügend vertieft in das, was er im Laufe der Erdenentwickelung geworden ist, da findet er wiederum die verjüngende Bildekraft. Was du verloren hast, du findest es wieder, denn hinuntergestiegen in dein eigenes Reich der Finsternis ist der alte Baldur. Gefunden hat ihn da der Christus, wiederbelebt hat er dasjenige, was dir durch Baldur und seine Macht einmal. geworden ist. — So konnte der Priester dem verkünden, der die tiefen Geheimnisse der Botschaft vom Mysterium von Golgatha in diesen Volksgebieten empfand.

[ 13 ] Wie eine heilige Erinnerung an uralt heilige Zeiten erschien die Osterbotschaft, aber doch eine Erinnerung, die zugleich neues Leben gibt. Mußte man sich doch sagen: Jene Macht des alten Baldur war zu gering, um auszureichen für eine ganze menschliche Entwickelung. Eine höhere Macht mußte eintreten, um dasjenige den Menschen wieder zu geben, was sie verlieren mußten, was nur Baldur hatte. — So klang herein die Kunde von dem Christus in die Erinnerung von dem alten Baldur und seinem Tode, so klang herein die Auferstehung alter Herrlichkeit in der Menschenseele, in die sie durch Baldurs Tod hinuntergegangen ist, die Macht, die jetzt neu auferweckt worden ist.

[ 13 ] Wie eine heilige Erinnerung an uralt heilige Zeiten erschien die Osterbotschaft, aber doch eine Erinnerung, die zugleich neues Leben gibt. Mußte man sich doch sagen: Jene Macht des alten Baldur war zu gering, um auszureichen für eine ganze menschliche Entwickelung. Eine höhere Macht mußte eintreten, um dasjenige den Menschen wieder zu geben, was sie verlieren mußten, was nur Baldur hatte. — So klang herein die Kunde von dem Christus in die Erinnerung von dem alten Baldur und seinem Tode, so klang herein die Auferstehung alter Herrlichkeit in der Menschenseele, in die sie durch Baldurs Tod hinuntergegangen ist, die Macht, die jetzt neu auferweckt worden ist.

[ 14 ] Man muß schon sich nähern demjenigen, was als Sinn der Erdenentwickelung das Mysterium von Golgatha ist, dadurch, daß man sich fragt: Mit welchen Empfindungen, mit welchen Gefühlen kam die historische Menschheit dem historischen Christus entgegen? — Denn nicht darauf kommt es an, daß man einen abstrakten Begriff von dem Wesen des Christus oder des Mysteriums von Golgatha sich erwirbt, sondern darauf kommt es an, daß man für sich selbst die Frage zu beantworten vermag: Was alles kann jener Impuls beleben in den tiefsten Tiefen der menschlichen Seele, jener Impuls, der durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist?

[ 14 ] Man muß schon sich nähern demjenigen, was als Sinn der Erdenentwickelung das Mysterium von Golgatha ist, dadurch, daß man sich fragt: Mit welchen Empfindungen, mit welchen Gefühlen kam die historische Menschheit dem historischen Christus entgegen? — Denn nicht darauf kommt es an, daß man einen abstrakten Begriff von dem Wesen des Christus oder des Mysteriums von Golgatha sich erwirbt, sondern darauf kommt es an, daß man für sich selbst die Frage zu beantworten vermag: Was alles kann jener Impuls beleben in den tiefsten Tiefen der menschlichen Seele, jener Impuls, der durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist?

[ 15 ] Schauen wir es an, dieses Mysterium von Golgatha, wie es noch gefeiert wird von den einzelnen Religionsbekenntnissen der alten Welt. Am Karfreitag wird die Grablegung Christi gefeiert. Die Glocken verstummen, Stummheit breitet sich über die Erde aus. Derjenige, der in den Jahrhunderten gelebt hat, von denen ich spreche, der sagte sich: Stumm, klanglos ist die Welt geworden. Hinuntergestiegen ist der Christus in diejenigen Teile menschlichen Seelendaseins und kosmischen Daseins, in die Baldur hat hinuntersteigen müssen, weil seine Macht nicht ausgereicht hat zur vollständigen Erhebung der menschlichen Seele. Da ist er unten, unten in den geheimnisvollen Tiefen, in denen ich selbst stehe, wenn ich auf die unterbewußten Bildekräfte in meinem Inneren sehe. — Geheimnisvoll kann es das menschliche Herz durchschauern, wenn dieses menschliche Herz bedenkt: Hinweg aus dieser stummen Welt ist der Impuls von Golgatha gegangen. Unten ruht er, wo du auch bist. Warte, warte, und vereinigen wird er sich, dieser Impuls von Golgatha, in den geistigen Welten, denen deine Seele angehören darf, wenn sie den Weg in ihre eigenen Untergründe nur gehen will, mit Baldur. Baldur wird er beleben in diesen Tagen. Und in deinem Inneren, o Mensch, wirst du wiederfinden, was mit Baldurs Hinschwinden aus der Umwelt in deine eigenen Tiefen hinuntergeschwunden und verdämmert ist. Nehme auf, o Mensch, den lebenden Begriff des Christus, der durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, der nicht äußerlich deinem Auge, wohl aber deiner Seele wird wiedererstehen können, wenn sie sich ihres Inneren recht bewußt wird, vom Monde herab, aus der Sonne heraus — als jene elementare Kraft, jene die Seele belebende Bildekraft. Warte, warte, bis er aufersteht, der Wiedererwecker Baldurs. Eine Welt hast du einstmals gehabt; in dieser Welt brauchtest du nur deine Sinne hinauszurichten auf die umgebende Natur, und es floß dir ohne dein Zutun die belebende, beseelende Kraft aus dem Elementarischen dieser äußeren Natur entgegen. Ein Reich des Geistes durchwob alles natürliche Dasein, und du selbst lebtest, wenn du nur die richtigen Augenblicke dazu abwartetest, nicht nur in der geistlosen Natur; du lebtest in dem, was hinter der Natur ist, wovon sie nur der Ausdruck ist, du lebtest in dem Naturdasein. Jetzt findest du nicht mehr das Geistige in der Natur, du mußt es suchen durch vertiefende Belebung deines eigenen Inneren mit der Kraft, die durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist. Natur, du warst einmal ausdrucksvoll, oh, so ausdrucksvoll, daß durch deine Formen erschien des Menschen wahre, wahrhaftige Heimat. Sie hat Baldur mit sich genommen, sie ist nicht mehr da, ist in Regionen, die dein äußeres Schauen nicht überblickt. Aber es gibt dieses alte Reich, dessen Formenausdruck einmal die umgebende Natur war, es gibt dieses Reich noch. Du findest es nur nicht, wenn du den Weg der Natur allein gehst; du findest es, wenn du dich verbindest mit dem Impuls, der durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist. Nicht bloß sündhaft-schuldig ist die Natur, verlassen ist sie, verlassen ist sie von der Heimat, die man suchen muß, suchen muß, innerlich durchdrungen mit der Kraft des Christus.

[ 15 ] Schauen wir es an, dieses Mysterium von Golgatha, wie es noch gefeiert wird von den einzelnen Religionsbekenntnissen der alten Welt. Am Karfreitag wird die Grablegung Christi gefeiert. Die Glocken verstummen, Stummheit breitet sich über die Erde aus. Derjenige, der in den Jahrhunderten gelebt hat, von denen ich spreche, der sagte sich: Stumm, klanglos ist die Welt geworden. Hinuntergestiegen ist der Christus in diejenigen Teile menschlichen Seelendaseins und kosmischen Daseins, in die Baldur hat hinuntersteigen müssen, weil seine Macht nicht ausgereicht hat zur vollständigen Erhebung der menschlichen Seele. Da ist er unten, unten in den geheimnisvollen Tiefen, in denen ich selbst stehe, wenn ich auf die unterbewußten Bildekräfte in meinem Inneren sehe. — Geheimnisvoll kann es das menschliche Herz durchschauern, wenn dieses menschliche Herz bedenkt: Hinweg aus dieser stummen Welt ist der Impuls von Golgatha gegangen. Unten ruht er, wo du auch bist. Warte, warte, und vereinigen wird er sich, dieser Impuls von Golgatha, in den geistigen Welten, denen deine Seele angehören darf, wenn sie den Weg in ihre eigenen Untergründe nur gehen will, mit Baldur. Baldur wird er beleben in diesen Tagen. Und in deinem Inneren, o Mensch, wirst du wiederfinden, was mit Baldurs Hinschwinden aus der Umwelt in deine eigenen Tiefen hinuntergeschwunden und verdämmert ist. Nehme auf, o Mensch, den lebenden Begriff des Christus, der durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, der nicht äußerlich deinem Auge, wohl aber deiner Seele wird wiedererstehen können, wenn sie sich ihres Inneren recht bewußt wird, vom Monde herab, aus der Sonne heraus — als jene elementare Kraft, jene die Seele belebende Bildekraft. Warte, warte, bis er aufersteht, der Wiedererwecker Baldurs. Eine Welt hast du einstmals gehabt; in dieser Welt brauchtest du nur deine Sinne hinauszurichten auf die umgebende Natur, und es floß dir ohne dein Zutun die belebende, beseelende Kraft aus dem Elementarischen dieser äußeren Natur entgegen. Ein Reich des Geistes durchwob alles natürliche Dasein, und du selbst lebtest, wenn du nur die richtigen Augenblicke dazu abwartetest, nicht nur in der geistlosen Natur; du lebtest in dem, was hinter der Natur ist, wovon sie nur der Ausdruck ist, du lebtest in dem Naturdasein. Jetzt findest du nicht mehr das Geistige in der Natur, du mußt es suchen durch vertiefende Belebung deines eigenen Inneren mit der Kraft, die durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist. Natur, du warst einmal ausdrucksvoll, oh, so ausdrucksvoll, daß durch deine Formen erschien des Menschen wahre, wahrhaftige Heimat. Sie hat Baldur mit sich genommen, sie ist nicht mehr da, ist in Regionen, die dein äußeres Schauen nicht überblickt. Aber es gibt dieses alte Reich, dessen Formenausdruck einmal die umgebende Natur war, es gibt dieses Reich noch. Du findest es nur nicht, wenn du den Weg der Natur allein gehst; du findest es, wenn du dich verbindest mit dem Impuls, der durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist. Nicht bloß sündhaft-schuldig ist die Natur, verlassen ist sie, verlassen ist sie von der Heimat, die man suchen muß, suchen muß, innerlich durchdrungen mit der Kraft des Christus.

[ 16 ] Man könnte meinen, daß man noch etwas durchhörte in den christlichen Zeiten von dem, was die Menschen also aufgenommen haben von dem alten Baldur-Tod in ihre Erinnerung, um es zu verbinden mit der Kunde von dem Mysterium von Golgatha. Es kommt einem vor, wie wenn erst nach und nach versunken und verklungen wäre der Ton der Klage, der Ton der Trauer gegenüber der Natur, wie er eben charakterisiert worden ist. Gewiß, es dringt ein in die christliche Auffassung auch jene Stimmung, welche einzig und allein hinblickt zu dem sich opfernden Christus, einzig und allein aufblickt zu der himmlischen Heimat. Und es wird auch in dieser Volkheit Europas nach und nach die Stimmung vernehmlich, welche die Natur gleichsam wie das mindere Kind, nicht wie das verlassene Kind, anschaut. Aber wenn man hinhorcht nicht bloß auf den Sinn der Worte, sondern auf die Art, wie die Worte geprägt werden da, als schon im 8. Jahrhundert, im 9. Jahrhundert sich ausgebreitet hat über gewisse Gegenden Europas die Kunde von dem Mysterium von Golgatha, wenn man hinhorcht auf die Art, wie gesprochen wird davon, daß man in der irdischen Welt nicht die wahre Heimat der Menschenseele finden kann, dann kann man noch etwas von der alten tragischen Stimmung gegenüber der baldurlosen Natur empfinden. Wie gesagt, man muß nur hinhören nicht bloß auf die Worte und auf den abstrakten Sinn der Worte, sondern auf die Art, wie durch die Worte durchklingt das, was über die Natur empfunden wird, und was empfunden wird über eine andere Heimat der menschlichen Seele, als die Natur jetzt sein kann.

[ 16 ] Man könnte meinen, daß man noch etwas durchhörte in den christlichen Zeiten von dem, was die Menschen also aufgenommen haben von dem alten Baldur-Tod in ihre Erinnerung, um es zu verbinden mit der Kunde von dem Mysterium von Golgatha. Es kommt einem vor, wie wenn erst nach und nach versunken und verklungen wäre der Ton der Klage, der Ton der Trauer gegenüber der Natur, wie er eben charakterisiert worden ist. Gewiß, es dringt ein in die christliche Auffassung auch jene Stimmung, welche einzig und allein hinblickt zu dem sich opfernden Christus, einzig und allein aufblickt zu der himmlischen Heimat. Und es wird auch in dieser Volkheit Europas nach und nach die Stimmung vernehmlich, welche die Natur gleichsam wie das mindere Kind, nicht wie das verlassene Kind, anschaut. Aber wenn man hinhorcht nicht bloß auf den Sinn der Worte, sondern auf die Art, wie die Worte geprägt werden da, als schon im 8. Jahrhundert, im 9. Jahrhundert sich ausgebreitet hat über gewisse Gegenden Europas die Kunde von dem Mysterium von Golgatha, wenn man hinhorcht auf die Art, wie gesprochen wird davon, daß man in der irdischen Welt nicht die wahre Heimat der Menschenseele finden kann, dann kann man noch etwas von der alten tragischen Stimmung gegenüber der baldurlosen Natur empfinden. Wie gesagt, man muß nur hinhören nicht bloß auf die Worte und auf den abstrakten Sinn der Worte, sondern auf die Art, wie durch die Worte durchklingt das, was über die Natur empfunden wird, und was empfunden wird über eine andere Heimat der menschlichen Seele, als die Natur jetzt sein kann.

[ 17 ] Daß so etwas erklang auch noch, nachdem das Christentum sich ausgebreitet hat, nachdem die Menschen da waren, die das Christentum auszubreiten suchten in der Form, in der man es eben empfangen hatte aus dem Orient, das kann man wie gesagt aus den verschiedensten Kundgebungen des 8., des 9. Jahrhunderts ersehen, wenn man nur durch sie, durch diese Kundgebungen, hindurchhört, was empfunden wurde. Wir haben aus diesen Zeiten gewissermaßen europäisch gemachte Evangelien, und eines dieser europäisch gemachten Evangelien ist die sogenannte «Evangelienharmonie» des Otfried, eines Mönches, der im Elsaß gelebt hat, der noch durch Hrabanus Maurus die Geheimnisse des Christentums gelernt hat, der dann versucht hat, in die Sprache seiner Heimat hineinzutragen dasjenige, was ihm das Evangelium, was ihm die Botschaft von dem Tode und der Auferstehung des Christus geworden war. Geboren ist Otfried in Weißenburg im Elsaß. In eine Sprache, die dazumal im Elsaß gesprochen worden ist, hat er übersetzt das, was ihm geworden war, in seine Empfindungen hinein, von dem Evangelium. Hören wir nur ein paar Proben desjenigen, was uns gerade in unserem heutigen Zusammenhang interessieren kann aus dieses elsässischen Mönches Christus-Botschaft aus dem 9. Jahrhundert, und versuchen wir, nicht den abstrakten Sinn der Worte nur zu hören, sondern versuchen wir durchzuhören durch die Worte dasjenige, was gerade als Trauer gegenüber der verlassenen Naturheimat des Menschen empfunden werden könnte. Deshalb will ich das in der damaligen Sprache zuerst mitteilen, und es dann, so gut es geht, in die neuere Sprache bringen.

[ 17 ] Daß so etwas erklang auch noch, nachdem das Christentum sich ausgebreitet hat, nachdem die Menschen da waren, die das Christentum auszubreiten suchten in der Form, in der man es eben empfangen hatte aus dem Orient, das kann man wie gesagt aus den verschiedensten Kundgebungen des 8., des 9. Jahrhunderts ersehen, wenn man nur durch sie, durch diese Kundgebungen, hindurchhört, was empfunden wurde. Wir haben aus diesen Zeiten gewissermaßen europäisch gemachte Evangelien, und eines dieser europäisch gemachten Evangelien ist die sogenannte «Evangelienharmonie» des Otfried, eines Mönches, der im Elsaß gelebt hat, der noch durch Hrabanus Maurus die Geheimnisse des Christentums gelernt hat, der dann versucht hat, in die Sprache seiner Heimat hineinzutragen dasjenige, was ihm das Evangelium, was ihm die Botschaft von dem Tode und der Auferstehung des Christus geworden war. Geboren ist Otfried in Weißenburg im Elsaß. In eine Sprache, die dazumal im Elsaß gesprochen worden ist, hat er übersetzt das, was ihm geworden war, in seine Empfindungen hinein, von dem Evangelium. Hören wir nur ein paar Proben desjenigen, was uns gerade in unserem heutigen Zusammenhang interessieren kann aus dieses elsässischen Mönches Christus-Botschaft aus dem 9. Jahrhundert, und versuchen wir, nicht den abstrakten Sinn der Worte nur zu hören, sondern versuchen wir durchzuhören durch die Worte dasjenige, was gerade als Trauer gegenüber der verlassenen Naturheimat des Menschen empfunden werden könnte. Deshalb will ich das in der damaligen Sprache zuerst mitteilen, und es dann, so gut es geht, in die neuere Sprache bringen.

Otfried 111,19-30:

Tharben wir nu lewes, liebes filu manages
joh thulten hiar nu noti bittero ziti.
Nu birun wir mornente mit seru hiar in lante
in managfalten wunton bi unseren sunton;
Arabeiti manego sint uns hiar jo garawo,
ni wollen heim wison wir wenegon weison.
Wolaga elilenti, harto bistu herti,
thu bist harto filu swar, thaz sagen ih thir in alawar.
Mit arabeitin werbent, thie heiminges tharbent;
Ih haben iz funtan in mir, ni fand ih liebes wiht in thir.
Ni fand in thir ih ander guat suntar rozagaz muat,
seragaz herza joh managfalta smerza.

Otfried 111,19-30:

Tharben wir nu lewes, liebes filu manages
joh thulten hiar nu noti bittero ziti.
Nu birun wir mornente mit seru hiar in lante
in managfalten wunton bi unseren sunton;
Arabeiti manego sint uns hiar jo garawo,
ni wollen heim wison wir wenegon weison.
Wolaga elilenti, harto bistu herti,
thu bist harto filu swar, thaz sagen ih thir in alawar.
Mit arabeitin werbent, thie heiminges tharbent;
Ih haben iz funtan in mir, ni fand ih liebes wiht in thir.
Ni fand in thir ih ander guat suntar rozagaz muat,
seragaz herza joh managfalta smerza.

[ 18 ] Versuchen wir, so annähernd das wiederzugeben in der neueren Sprache:

[ 18 ] Versuchen wir, so annähernd das wiederzugeben in der neueren Sprache:

Leiden und darben wir an sehr Vielem, das uns lieb war,
Und dulden hier nun bittere Zeiten,
Nun sind wir trauernd mit unserem Schmerz hier im Land
— er meint im Erdenland
In mannigfaltigem Bund durch unsere Sünden.
Arbeit — Arbeit heißt in früherer Sprache mehr «Sorge, Mühe» —, der
Besorgungen viele sind uns jetzt bereitet,
Nichts können wir von der Heimat wissen, wir, die für Klagen werbend, verlassene Waisen.
Wehe, du fremdes Land — so spricht er die Erde an! — O, wie bist du hart!
Du bist wahrlich recht schwer, das sage ich dir allerwärts.
Mit Besorgnissen werbend — also wandelnd — sind die, die der Heimat nun entbehren.
Ich habe es empfunden an mir, nie fand ich Liebes etwas in dir,
Nie fand in dir ich andres Gut, als zum Klagen reifen Sinn,
Sorgenvolles Herz und mannigfaltig und viel Schmerz.

Leiden und darben wir an sehr Vielem, das uns lieb war,
Und dulden hier nun bittere Zeiten,
Nun sind wir trauernd mit unserem Schmerz hier im Land
— er meint im Erdenland
In mannigfaltigem Bund durch unsere Sünden.
Arbeit — Arbeit heißt in früherer Sprache mehr «Sorge, Mühe» —, der
Besorgungen viele sind uns jetzt bereitet,
Nichts können wir von der Heimat wissen, wir, die für Klagen werbend, verlassene Waisen.
Wehe, du fremdes Land — so spricht er die Erde an! — O, wie bist du hart!
Du bist wahrlich recht schwer, das sage ich dir allerwärts.
Mit Besorgnissen werbend — also wandelnd — sind die, die der Heimat nun entbehren.
Ich habe es empfunden an mir, nie fand ich Liebes etwas in dir,
Nie fand in dir ich andres Gut, als zum Klagen reifen Sinn,
Sorgenvolles Herz und mannigfaltig und viel Schmerz.

[ 19 ] So klingt aus dieses Mönches Seele dasjenige, was empfunden wurde jetzt gegenüber der Natur. Und so empfand man gegenüber der Macht, die durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist.

[ 19 ] So klingt aus dieses Mönches Seele dasjenige, was empfunden wurde jetzt gegenüber der Natur. Und so empfand man gegenüber der Macht, die durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist.

[ 20 ] Es ist heute selbst das schon schwierig, recht schwierig, das wieder auferstehen zu lassen, wie die großen Festeszeiten herausgehoben waren aus dem ganzen Horizont des Alltagslebens in den Zeiten, in denen man noch lebendiger empfunden hat, an was man sich zu erinnern habe als an Baldurs Tod, und was man, nachdem man durch die traurige Zeit der Verlassenschaft hindurchgegangen war, nunmehr empfangen hatte durch den, der durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist. Man hatte gewissermaßen die ganze Bitternis des Todes erst erkannt, als aus der Erde Gefilden nicht mehr sprießten für das menschliche Anschauen die alten elementarischen Lebekräfte, als die Erde in ihren Formen selbst erschien wie formend nur den Tod, den Tod, mit dem Baldur sich vereint hatte. Und jetzt empfand man, indem man hinstellte Karfreitag, Karsamstag bis zum Auferstehungs-Ostersonntag, indem man hinstellte diesen Tod, den man erst in seiner Bitternis zu empfinden gelernt hatte, jetzt empfand man, daß er birgt die siegende Kraft des Lebens, die durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, und die immer wieder und wieder gehen soll durch des Menschen an diesen Tagen trauerfestlich gestimmte Seele, in der nach des Angelus Silesius Ausspruch selbst gefeiert werden soll der Todesgang des Christus und die Auferstehung dieses Christus.

[ 20 ] Es ist heute selbst das schon schwierig, recht schwierig, das wieder auferstehen zu lassen, wie die großen Festeszeiten herausgehoben waren aus dem ganzen Horizont des Alltagslebens in den Zeiten, in denen man noch lebendiger empfunden hat, an was man sich zu erinnern habe als an Baldurs Tod, und was man, nachdem man durch die traurige Zeit der Verlassenschaft hindurchgegangen war, nunmehr empfangen hatte durch den, der durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist. Man hatte gewissermaßen die ganze Bitternis des Todes erst erkannt, als aus der Erde Gefilden nicht mehr sprießten für das menschliche Anschauen die alten elementarischen Lebekräfte, als die Erde in ihren Formen selbst erschien wie formend nur den Tod, den Tod, mit dem Baldur sich vereint hatte. Und jetzt empfand man, indem man hinstellte Karfreitag, Karsamstag bis zum Auferstehungs-Ostersonntag, indem man hinstellte diesen Tod, den man erst in seiner Bitternis zu empfinden gelernt hatte, jetzt empfand man, daß er birgt die siegende Kraft des Lebens, die durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, und die immer wieder und wieder gehen soll durch des Menschen an diesen Tagen trauerfestlich gestimmte Seele, in der nach des Angelus Silesius Ausspruch selbst gefeiert werden soll der Todesgang des Christus und die Auferstehung dieses Christus.

[ 21 ] Unendlich lebendiger war des Christus Todeskraft und Todesopfer in den Zeiten, in denen dieses Todesopfer, diese Todeskraft noch in Verbindung gebracht war mit dem hingestorbenen Baldur. In der Asen Reich, hinunterschauend auf die Erde von Breidablick — so hieß die Burg des Baldur —, hinunterschauend auf die Erde wie das silberne SonnenMondenlicht; so war er einst, Baldur, in seiner Kraft der Erde elementare Wesenschaft belebend. In finstere Tiefen war er gegangen, Karfreitag, Karsamstag, Karsamstagnacht. Hin richtete sich der Blick zu Baldurs neuem Todesreich, aber wissend: da unten im Todesreich, da ruht der Keim, der sich verbindet mit der Erde Entwickelungsimpulsen, und der ein neues Leben bringen wird, wenn er aufersteht. Das ist der Tod, der empfunden wird in der Pflanzenkeimeskraft, vermodert in den Tiefen der Erde, der die neue Pflanze wieder hervorbringt.

[ 21 ] Unendlich lebendiger war des Christus Todeskraft und Todesopfer in den Zeiten, in denen dieses Todesopfer, diese Todeskraft noch in Verbindung gebracht war mit dem hingestorbenen Baldur. In der Asen Reich, hinunterschauend auf die Erde von Breidablick — so hieß die Burg des Baldur —, hinunterschauend auf die Erde wie das silberne SonnenMondenlicht; so war er einst, Baldur, in seiner Kraft der Erde elementare Wesenschaft belebend. In finstere Tiefen war er gegangen, Karfreitag, Karsamstag, Karsamstagnacht. Hin richtete sich der Blick zu Baldurs neuem Todesreich, aber wissend: da unten im Todesreich, da ruht der Keim, der sich verbindet mit der Erde Entwickelungsimpulsen, und der ein neues Leben bringen wird, wenn er aufersteht. Das ist der Tod, der empfunden wird in der Pflanzenkeimeskraft, vermodert in den Tiefen der Erde, der die neue Pflanze wieder hervorbringt.

[ 22 ] Wie mächtige Gottesworte war die Kunde gekommen zu Menschen, die den Tod hatten begreifen gelernt an dem Schicksal ihres Baldur. Drei Tage lang konnten sie empfinden, wie zur Wirkung gekommen ist dasjenige, was Baldur getötet hat, was Baldur selbst nicht besiegen kann. Deshalb muß einzigartig die Empfindung sein, die unsere Seele belebt in der Weltenstummheit der drei Tage, von der wir umgeben sind. Einzigartig muß diese Empfindung sein, so etwa muß sie sich ausdrücken, daß um der Menschen Weiterentwickelung willen der Tod immer intensiver und intensiver auch in die Erdenentwickelung eingreifen mußte, daß finster und todesstumm um den Menschen herum werden mußte die einstmals paradieseshelle Natur, daß aber reift im Todesacker des Seins die ewig siegende Lebenskraft. So schauen wir sie an — diese drei Tage: Da ruht er unten, der Christus, im todesdurchtränkten Abgrundreiche des Seins. Da hinein verfolgen wir ihn, weil wir wissen, daß wir mit einem Teil unseres eigenen Wesens hineinreichen in diesen Abgrund des Weltendaseins, und weil wir wissen: hinauftragen werden wir den Teil von uns, der da hinunterreicht in den Abgrund des Todesweltenseins, nur, wenn wir uns verbinden mit dem, was sonst in uns allein der Tod sein würde, durch die Kraft, die durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist.

[ 22 ] Wie mächtige Gottesworte war die Kunde gekommen zu Menschen, die den Tod hatten begreifen gelernt an dem Schicksal ihres Baldur. Drei Tage lang konnten sie empfinden, wie zur Wirkung gekommen ist dasjenige, was Baldur getötet hat, was Baldur selbst nicht besiegen kann. Deshalb muß einzigartig die Empfindung sein, die unsere Seele belebt in der Weltenstummheit der drei Tage, von der wir umgeben sind. Einzigartig muß diese Empfindung sein, so etwa muß sie sich ausdrücken, daß um der Menschen Weiterentwickelung willen der Tod immer intensiver und intensiver auch in die Erdenentwickelung eingreifen mußte, daß finster und todesstumm um den Menschen herum werden mußte die einstmals paradieseshelle Natur, daß aber reift im Todesacker des Seins die ewig siegende Lebenskraft. So schauen wir sie an — diese drei Tage: Da ruht er unten, der Christus, im todesdurchtränkten Abgrundreiche des Seins. Da hinein verfolgen wir ihn, weil wir wissen, daß wir mit einem Teil unseres eigenen Wesens hineinreichen in diesen Abgrund des Weltendaseins, und weil wir wissen: hinauftragen werden wir den Teil von uns, der da hinunterreicht in den Abgrund des Todesweltenseins, nur, wenn wir uns verbinden mit dem, was sonst in uns allein der Tod sein würde, durch die Kraft, die durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist.

[ 23 ] So steigen wir hinunter in die Tiefen und wissen, daß wir differenzieren müssen die Empfindungen, daß wir nicht gut tun, wenn wir uns. nicht unsere differenzierten Empfindungen für gewisse Tage bewußt machen. Wir sollen vielmehr wissen lernen: Jetzt sind die Tage, wo sich die Seele verbinden muß mit dem, was sie lernen kann über den Tod, über den Tod, der es notwendig machte, der es in eherner Norwendigkeit mit sich brachte, daß der Christus zu ihm hinunterstieg. Wir werden morgen hinwenden den Blick zu dem Mysterium von Golgatha von einer anderen Seite. Aber, wie gesagt, viele Wege führen hinauf auf den Gipfel, wo uns allmählich verständlich und immer verständlicher wird der tiefe Sinn des Mysteriums von Golgatha. Er kann uns nur verständlich werden, wenn wir nicht bloß vor uns hinstellen den siegenden Christus, den einseitig siegenden Christus, sondern wenn wir auch hinstellen vor unsere Seele den sich mit dem Tod verbindenden Christus. Und was der Tod bedeutet für das ganze Menschenleben, es könnte uns vielleicht um ein Stückchen klarer werden, wenn wir uns vertieften in die Empfindungen, die man haben kann an dem Baldur-Mythos, an dem, was Baldur, was die durch die elementare Welt wirkende belebende Sonnenkraft ist, nachdem sie durch den Tod hindurchgegangen ist. Wenn man diese Empfindung in der Seele noch belebt, diese Empfindung von dem Untergang Baldurs, dadurch, daß man sich sagt: Wie müßten wir empfinden in einer zukünftigen Welt, in der wir uns erinnern: Götter waren da, sie haben einmal uns sehen lassen die umliegende Welt im farbigen Sinnenschein; grau in grau ist jetzt alles! Daß das nicht so sein wird — und es würde so, wenn der Christus nicht in die Welt gekommen wäre —, das wird die siegende Kraft des Christus bewirken. Was heute die Menschen noch nicht glauben, sie werden es einmal glauben: daß dasjenige, was heute nur wirken kann als ChristusKraft in den menschlichen Herzen selbst, wirksam empfunden werden wird den ganzen Kosmos durchdringend, namentlich den irdischen Teil des Kosmos durchdringend, so weit dieser Kosmos den Menschen verjüngende, belebende Kraft gibt.

[ 23 ] So steigen wir hinunter in die Tiefen und wissen, daß wir differenzieren müssen die Empfindungen, daß wir nicht gut tun, wenn wir uns. nicht unsere differenzierten Empfindungen für gewisse Tage bewußt machen. Wir sollen vielmehr wissen lernen: Jetzt sind die Tage, wo sich die Seele verbinden muß mit dem, was sie lernen kann über den Tod, über den Tod, der es notwendig machte, der es in eherner Norwendigkeit mit sich brachte, daß der Christus zu ihm hinunterstieg. Wir werden morgen hinwenden den Blick zu dem Mysterium von Golgatha von einer anderen Seite. Aber, wie gesagt, viele Wege führen hinauf auf den Gipfel, wo uns allmählich verständlich und immer verständlicher wird der tiefe Sinn des Mysteriums von Golgatha. Er kann uns nur verständlich werden, wenn wir nicht bloß vor uns hinstellen den siegenden Christus, den einseitig siegenden Christus, sondern wenn wir auch hinstellen vor unsere Seele den sich mit dem Tod verbindenden Christus. Und was der Tod bedeutet für das ganze Menschenleben, es könnte uns vielleicht um ein Stückchen klarer werden, wenn wir uns vertieften in die Empfindungen, die man haben kann an dem Baldur-Mythos, an dem, was Baldur, was die durch die elementare Welt wirkende belebende Sonnenkraft ist, nachdem sie durch den Tod hindurchgegangen ist. Wenn man diese Empfindung in der Seele noch belebt, diese Empfindung von dem Untergang Baldurs, dadurch, daß man sich sagt: Wie müßten wir empfinden in einer zukünftigen Welt, in der wir uns erinnern: Götter waren da, sie haben einmal uns sehen lassen die umliegende Welt im farbigen Sinnenschein; grau in grau ist jetzt alles! Daß das nicht so sein wird — und es würde so, wenn der Christus nicht in die Welt gekommen wäre —, das wird die siegende Kraft des Christus bewirken. Was heute die Menschen noch nicht glauben, sie werden es einmal glauben: daß dasjenige, was heute nur wirken kann als ChristusKraft in den menschlichen Herzen selbst, wirksam empfunden werden wird den ganzen Kosmos durchdringend, namentlich den irdischen Teil des Kosmos durchdringend, so weit dieser Kosmos den Menschen verjüngende, belebende Kraft gibt.

[ 24 ] Heute wollen wir noch vor unsere Seelen rufen, wie berechtigt es ist gegenüber einer solchen Empfindung, die das menschliche Seelengefühl in Zusammenhang bringt mit dem kosmischen Christus, zu erwägen dasjenige, was das Evangelium verkündet auch von der kosmischen Macht des Christus, wenn es anschaulich machen will, wie der Christus eine universelle, kosmische Macht ist, wie er Wind und Wogen geboten hat. Gerade in diesem Anschauen des durch Wind und Wogen hindurch wirkenden Christus haben noch die Völker des 8. und 9. Jahrhunderts vieles empfunden. Sie sagten: Baldur war es ja, der machte, daß wir einstmals die wunderbar wirkende, wesende elementarische Welt sahen um uns herum. Baldur ist tot. Der Christus aber hat die Macht, durch unsere Seelenkraft wieder zu erwecken — indem wir ihn aufnehmen in unsere Seelenkraft —, der Christus hat die Macht, wiederum aufzuwekken das, was durch Baldurs Tod verloren ist. Wie Baldur erschien durch Wind und Wogen, so erscheint auch der Christus in Wind und Wogen. Es ist keine abstrakte Seelenkraft, es ist eine durch Wind und Wogen wirkende Kraft.

[ 24 ] Heute wollen wir noch vor unsere Seelen rufen, wie berechtigt es ist gegenüber einer solchen Empfindung, die das menschliche Seelengefühl in Zusammenhang bringt mit dem kosmischen Christus, zu erwägen dasjenige, was das Evangelium verkündet auch von der kosmischen Macht des Christus, wenn es anschaulich machen will, wie der Christus eine universelle, kosmische Macht ist, wie er Wind und Wogen geboten hat. Gerade in diesem Anschauen des durch Wind und Wogen hindurch wirkenden Christus haben noch die Völker des 8. und 9. Jahrhunderts vieles empfunden. Sie sagten: Baldur war es ja, der machte, daß wir einstmals die wunderbar wirkende, wesende elementarische Welt sahen um uns herum. Baldur ist tot. Der Christus aber hat die Macht, durch unsere Seelenkraft wieder zu erwecken — indem wir ihn aufnehmen in unsere Seelenkraft —, der Christus hat die Macht, wiederum aufzuwekken das, was durch Baldurs Tod verloren ist. Wie Baldur erschien durch Wind und Wogen, so erscheint auch der Christus in Wind und Wogen. Es ist keine abstrakte Seelenkraft, es ist eine durch Wind und Wogen wirkende Kraft.

[ 25 ] Und so möchte man auch noch etwas durchhören, wenn man genau hinhorcht auf den Evangelientext des «Heliand», einer zweiten Evangeliendichtung neben der des Otfried aus dem 9. Jahrhundert, wie da besonders empfunden, wenn auch nicht ausgesprochen wurde: Ja, da draußen in der Natur lebte Baldur. — Gewiß, der Dichter des «Heliand» hat ihn längst abgetan, diesen Baldur. Er hatte auch nicht das Interesse, mit dem abstrakten Verstand diese Idee wieder unter sein Volk zu bringen. Sie sollte ja gerade ausgerottet werden. Aber in der Art, wie er prägt die Worte, wie er gerade herzlich wird da, wo er anschaulich machen kann, wie durch die Natur, durch Wind und Wogen hindurchwirkt des Christus Kraft, da ist es einem, wie wenn man — wenn er selbst es auch nicht in sein Bewußtsein brachte — es in sein Bewußtsein bringen müsse: Ja, durch Wind und Wogen hat gewirkt die Kraft, die größer ist als Baldurs Kraft, die Kraft, die durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist. — Und so etwas empfindet man bei den Worten, mit denen er verkündet die Szene, wo der Christus die Winde und die Wogen des Meeres, nach dem Evangelium, stillet. Das macht auf ihn einen besonderen Eindruck. Da wählt er, besonders als er die Seele in seiner mystischen Art hinwenden will auf das, was sie da empfinden kann gewissermaßen in der Naturtätigkeit, in der Durchgöttlichung der Natur durch Christus, da wählt er besondere Worte, wo des Christus Größe sich besonders in die Seele prägen kann, Worte, durch die des Christus ganz besondere Weltenmacht zur Seele sprechen kann.

[ 25 ] Und so möchte man auch noch etwas durchhören, wenn man genau hinhorcht auf den Evangelientext des «Heliand», einer zweiten Evangeliendichtung neben der des Otfried aus dem 9. Jahrhundert, wie da besonders empfunden, wenn auch nicht ausgesprochen wurde: Ja, da draußen in der Natur lebte Baldur. — Gewiß, der Dichter des «Heliand» hat ihn längst abgetan, diesen Baldur. Er hatte auch nicht das Interesse, mit dem abstrakten Verstand diese Idee wieder unter sein Volk zu bringen. Sie sollte ja gerade ausgerottet werden. Aber in der Art, wie er prägt die Worte, wie er gerade herzlich wird da, wo er anschaulich machen kann, wie durch die Natur, durch Wind und Wogen hindurchwirkt des Christus Kraft, da ist es einem, wie wenn man — wenn er selbst es auch nicht in sein Bewußtsein brachte — es in sein Bewußtsein bringen müsse: Ja, durch Wind und Wogen hat gewirkt die Kraft, die größer ist als Baldurs Kraft, die Kraft, die durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist. — Und so etwas empfindet man bei den Worten, mit denen er verkündet die Szene, wo der Christus die Winde und die Wogen des Meeres, nach dem Evangelium, stillet. Das macht auf ihn einen besonderen Eindruck. Da wählt er, besonders als er die Seele in seiner mystischen Art hinwenden will auf das, was sie da empfinden kann gewissermaßen in der Naturtätigkeit, in der Durchgöttlichung der Natur durch Christus, da wählt er besondere Worte, wo des Christus Größe sich besonders in die Seele prägen kann, Worte, durch die des Christus ganz besondere Weltenmacht zur Seele sprechen kann.

[ 26 ] «Da das Volk gesehen hat, wie der Christus den Winden geboten hat, den Meereswogen geboten hat... .» — hier drückt der «Heliand» besonders herzlich aus, was das Volk empfand gegenüber dieser ChristusKraft, dieser Christus-Wesenheit, dieser Christus-Persönlichkeit, die durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist — «.... da begann das Volk unter sich, die Menge begann sich zu wundern, und es sprachen einige mit ihren Worten: Was das für ein mächtiger Mann wäre, daß ihm so der Wind wie die Wogen auf seine Worte gehorchen. Beide hören auf seine Botschaft. Da hatte sie des Gottes Kind — nämlich da hatte die Menschen —, des Gottes Kind behütet, herausbehütet aus der Not. Das Schiffchen weiter schwamm, das hornerne Schiff; die Jünger kamen, die Leute kamen zu Lande, sagten: Gott sei gelobt! und verkündeten seine — nämlich Gottes — Überkraft.»

[ 26 ] «Da das Volk gesehen hat, wie der Christus den Winden geboten hat, den Meereswogen geboten hat... .» — hier drückt der «Heliand» besonders herzlich aus, was das Volk empfand gegenüber dieser ChristusKraft, dieser Christus-Wesenheit, dieser Christus-Persönlichkeit, die durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist — «.... da begann das Volk unter sich, die Menge begann sich zu wundern, und es sprachen einige mit ihren Worten: Was das für ein mächtiger Mann wäre, daß ihm so der Wind wie die Wogen auf seine Worte gehorchen. Beide hören auf seine Botschaft. Da hatte sie des Gottes Kind — nämlich da hatte die Menschen —, des Gottes Kind behütet, herausbehütet aus der Not. Das Schiffchen weiter schwamm, das hornerne Schiff; die Jünger kamen, die Leute kamen zu Lande, sagten: Gott sei gelobt! und verkündeten seine — nämlich Gottes — Überkraft.»

[ 27 ] So sagt dieser Dichter des «Heliand» in einer der ersten Verkündigungen, die von der Größe des Christus sprach, der heute in den Tiefen des Todesdaseins symbolisch liegt. Und damals klang das so:

[ 27 ] So sagt dieser Dichter des «Heliand» in einer der ersten Verkündigungen, die von der Größe des Christus sprach, der heute in den Tiefen des Todesdaseins symbolisch liegt. Und damals klang das so:

Aus 8, 30-38 des «Heliand»:

Thuo began that folc undar im,
werod, wundraian, endi suma mid iro wordun sprakun,
huilic that so mahtigro manno wari,
that im so thie wind endi thie wag wordu hordin,
bethiu is gibodskepies. Thuo habda sia that barn godes
ginerid fan theru nodi: Thie naco furthor scred,
hoh hurnidscip; helithos quamun,
thia ludi, te lande, sagdun lof gode — sie sprachen: Gott sei das Lob!
maridun — das heißt: «märchenartig» sein, man könnte heute sagen:
verkündeten — maridun is megincraft — verkündeten seine Über kraft.

Aus 8, 30-38 des «Heliand»:

Thuo began that folc undar im,
werod, wundraian, endi suma mid iro wordun sprakun,
huilic that so mahtigro manno wari,
that im so thie wind endi thie wag wordu hordin,
bethiu is gibodskepies. Thuo habda sia that barn godes
ginerid fan theru nodi: Thie naco furthor scred,
hoh hurnidscip; helithos quamun,
thia ludi, te lande, sagdun lof gode — sie sprachen: Gott sei das Lob!
maridun — das heißt: «märchenartig» sein, man könnte heute sagen:
verkündeten — maridun is megincraft — verkündeten seine Über kraft.

[ 28 ] Also: die Leute, die da kamen zu Lande, verkündeten seine Überkraft!

[ 28 ] Also: die Leute, die da kamen zu Lande, verkündeten seine Überkraft!

Thia ludi, te lande, sagdun lof gode, maridun is megincraft!

Thia ludi, te lande, sagdun lof gode, maridun is megincraft!