Wege der geistigen Erkenntnis und
der Erneuerung künstlerischer Weltanschauung
GA 161
7 Februar 1915, Dornach
Siebenter Vortrag
[ 1 ] Wir haben Betrachtungen angestellt über dasjenige, was man nennen kann das Problem des Todes, und wir haben angeknüpft an mancherlei ja auch in Schmerz getauchte Erlebnisse der letzten Zeit.
[ 2 ] Zunächst möchte ich heute auf einiges Allgemeinere aufmerksam machen, was mit diesem Problem des Todes zusammenhängt und was erforscht werden kann durch die Mittel, die uns die Initiationserkenntnis eben an die Hand gibt. Man muß sich durchaus vorstellen, daß der Mensch, wenn er die Pforte des Todes durchschreitet, allerdings in eine für ihn ganz andere Welt kommt, als dies oftmals gedacht wird. Es ist ja ein begreiflicher Hang der menschlichen Natur, daß man sich das Reich jenseits des Todes, überhaupt das geistige Reich, in das wir eintreten durch die Pforte des Todes, ähnlich vorstellt wie das Reich der Sinne und des Verstandes, in dem wir sind zwischen der Geburt und dem Tode. Ich sage, es ist ein begreiflicher Hang, sich dieses Reich jenseits des Todes gewissermaßen wie eine Art von Fortsetzung des hiesigen Reiches vorzustellen; allein man irrt damit. Denn schwierig ist es schon, aus dem Schatz unserer Sprache heraus Worte zu finden, die es möglich machen, die Erlebnisse zwischen dem Tode und einer neuen Geburt auch nur einigermaßen hinlänglich zu charakterisieren. Ich habe ja öfter erwähnt, daß unsere Sprache für die physische Welt bereitet ist, und daß wir gewissermaßen unser Verhältnis zu den Worten verinnerlichen müssen, wenn wir die Worte fähig machen wollen, dasjenige auszudrücken, was jenseits des Todes ist.
[ 3 ] Es ist ja auch die Art, wie diese Worte aus der Seele herauskommen, wenn die Seele charakterisieren soll irgend etwas, was jenseits des Todes liegt, eine ganz andere, als die Art ist, wie die Worte in der sinnlichen Welt und in der Verstandeswelt aus uns herauskommen. Es ist vielmehr diese Art, sich über die geistige Welt, ihre Wesenheiten und ihre Erscheinungen auszusprechen, ein Sich-Hingeben an diese geistige Welt und ein Sich-erteilen-Lassen der Worte.
[ 4 ] Solche Worte, wie ich sie Ihnen gestern mitgeteilt habe mit Bezug auf unsere liebe Frau Grosheintz, werden nicht so gebildet, wie man Worte bildet, wenn man irgend etwas in der äußeren physischen Welt zum Ausdruck bringen will, sondern sie werden so gebildet, daß sie gleichsam in die eigene Seele hineingegossen werden von dem Wesen, um das es sich handelt, so daß? das Wesen, um das es sich handelt, sie gibt, sie eingießt, daß wir nicht das Gefühl dann haben, wir drücken durch diese Worte irgend etwas aus, das wir anschauen; sondern wir haben durchaus das Gefühl: durch uns drückt sich etwas aus, etwas das uns gewissermaßen nur als sein Organ benützt, um sich auszudrücken, um sich im spirituellen Sprachausdruck zu objektivieren. Es ist also ein ganz anderer Vorgang, es ist ein Sich-Überlassen mit seiner Seele dem Wesen, mit dem man es zu tun hat, und ein solches Sich-Überlassen, daß dieses Wesen die Möglichkeit findet, mit unseren Werkzeugen seine eigene innere Art und seine eigenen innerlichen Erlebnisse auszusprechen. Es ist, wenn man das Wort prägt, nicht wie ein Anbequemen an etwas Äußeres, sondern wie eine Hingabe an das Wesen, um das es sich handelt, wie ein ZurVerfügungstellen des Wortes an dieses Wesen, so daß dieses Wesen sich dann selber unseres Wortes bedienen kann.
[ 5 ] Also es ist eine ganz andere Art, zur Objektivität sich zu stellen, als die Art hier ist, in der sinnlichen und Verstandeswelt. Daher gehört ja zu den allerersten Bedingungen, um ein richtiges Verhältnis zur geistigen Welt zu gewinnen, eine gewisse Beweglichkeit des Inneren, ein gewisses Anpassungsvermögen an die verschiedensten Individualitäten, eine fortwährende Möglichkeit, aus sich herauszugehen und in andere Individualitäten sich hineinzubegeben. Man muß, wenn man wirklich mit einer gewissen Treffsicherheit — wenn ich mich des Wortes bedienen darf zum Ausdruck bringen will, was in der übersinnlichen Welt ist und was in derselben lebt, wie es bei demjenigen ist, der durch die Pforte des Todes gegangen ist, man muß vor allen Dingen gründlich geheilt sein von dem, was man den irdischen Ich-Wahn nennen kann; man muß dazu durchgedrungen sein, möglichst wenig an sich zu denken, möglichst wenig sich in den Mittelpunkt der Weltbetrachtung zu stellen. Wenn man einen starken Hang dazu hat, viel von sich zu sprechen, viel über sich nachzudenken, dann muß man diesen Hang überwinden, denn dieses Viel-über-sich-Sprechen, dieses Viel-über-sich-Nachdenken ist wirklich der schlechteste Weg zur Selbsterkenntnis. Wenn man den Hang hat, viel über sich zu sprechen, alle Dinge so zu beurteilen, daß man vor allen Dingen darauf bedacht ist, wie man sich selber hineinstellt in die Welt, was man der Welt bedeutet: wenn man diesen Hang hat, so ist man schlecht geeignet, sich in der geistigen Welt zurechtzufinden oder irgend etwas von der geistigen Welt zum Ausdruck zu bringen.
[ 6 ] In spirituellem Sinne beschäftigt man sich am allermeisten mit sich, wenn man im irdischen Sinne am wenigsten sich mit sich selbst beschäftigt, im irdischen Sinne am wenigsten an sich denkt; denn das, was uns im irdischen Sinne am interessantesten ist — der Zusammenhang der Welt mit unserer eigenen Person —, das ist für die geistige Welt das Allerbedeutungsloseste, das Allerunbedeutendste.
[ 7 ] Daher werden wir immer finden können, daß uns der Weg in die wahre geistige Wirklichkeit hinein sehr schwer wird, wenn wir bei jeder Gelegenheit Veranlassung finden müssen, nach unserer inneren Veranlagung, von uns zu sprechen, von dem, was durch uns selber geschehen soll, von dem, was wir eventuell der Welt wert sein könnten und dergleichen mehr.
[ 8 ] Wenn wir diese Methode auf das alltägliche Leben anwenden, dann kommen wir selbst im alltäglichen Leben, das ja auch im Inneren beherrscht ist von geistigen Kräften und Impulsen, nicht zurecht. Da kann man die merkwürdigsten Zusammenhänge finden. Ich habe Menschen kennengelernt, die viel klagen darüber, daß sie es am Morgen außerordentlich schwierig finden, aufzustehen, daß ihnen der Entschluß schwer wird, sich zu erheben. Ich habe sogar Menschen kennengelernt, die ruhig es gestanden haben: wenn nicht eine äußere Zwangslage vorhanden wäre, die sie dazu brächte aufzustehen, so würden sie überhaupt nicht aufstehen wollen.
[ 9 ] Man kann immer einen inneren Zusammenhang finden zwischen dem ganzen Wesen des Menschen und einem solchen Hang. Es werden in der Regel Menschen sein, die einem viel von sich erzählen, die viel davon erzählen, was ihnen sympathisch und antipathisch ist, die einem viel davon erzählen, was ihnen da oder dort begegnet ist zu ihrem Heile oder Unheile und dergleichen. Auf solche Zusammenhänge muß derjenige achten, der sich für ein wirklich objektives Erfassen der geistigen Welt vorbereiten will; denn wir müssen das Leben betrachten, wenn wir in die Wirklichkeit hineinkommen wollen. Und dessen können Sie versichert sein: wir sind als Menschen durch unsere natürlichen Anlagen in der Regel gegen nichts so feindlich gestimmt als gegen die Forderung, das Leben objektiv zu nehmen; wir sind zu nichts so sehr geneigt, als uns selbst mit zu großem Ernst und das äußere Leben mit zu geringem Ernst zu betrachten. Man ringt sich nur ganz allmählich durch zu Worten, die dann wirklich echte, gute Leitmotive des Lebens sein können, und gerade an großen Genies kann man oftmals sehen, wie sie viel durchmachen, um dann ihre ganze Lebensweisheit in ein einziges Wort zu prägen. Das bedeutet dann ganz etwas anderes, als wenn es im gewöhnlichen Tageslaufe von irgend jemandem ausgesprochen wird.
[ 10 ] Ich habe einmal darauf aufmerksam gemacht — es war im Zusammenhange mit den Vorträgen, die ich in Norrköping gehalten habe —, wie man leicht sagen kann das große eindringliche Wort des alten Johannes: «Kinder, liebet einander.» Aber es bedeutet etwas ganz anderes, wenn es ein Narr, irgendein Geck in die Welt hinein sagt, als wenn es der Johannes gesagt hat am Ende eines reichen Lebens, in dem viel, viel durchgemacht worden ist hier auf der Erde.
[ 11 ] Es kommt bei dem Worte nicht allein auf die Richtigkeit an, sondern auch darauf, aus welchen Untergründen der Seele heraus es gesagt wird, aus welchen Untergründen es entspringt. So hat sich auch Goethe durch ein reiches Leben zu einem schönen Worte durchgerungen, dessen tiefen Sinn man ergründen sollte; aber nicht so, daß man glaubt — indem man hindeutet auf dieses Wort —, in jeder Lebenslage könne man es verstehen. Um es so zu verstehen, ist es — ich möchte das paradoxe Wort prägen viel zu einfach. Denn es so zu verstehen, ist jedem Kinde möglich. Aber wie es verstanden werden muß, wenn man es wie Goethe auf Grundlage einer reichen, einer überreichen Lebenserfahrung verstanden hat, ist es nicht jedem Kinde zu verstehen möglich. Ich meine das Wort: «Erkenne dich, leb’ mit der Welt in Frieden!» Die Zusammengehörigkeit dieser beiden Sätze — und darauf kommt es an — zeigt uns: Es gibt keine Selbsterkenntnis, die nicht zu einem Leben mit der Welt in Frieden wirklich führte.
[ 12 ] Alle diese Dinge, ich möchte sie wirklich so ausführlich wie nur irgend möglich besprechen, weil sie viel wichtiger sind, als Sie zunächst glauben. Aber ich kann nur darauf hindeuten und vieles, gerade in bezug auf solche Sachen, Ihrer eigenen Meditation überlassen. Ich möchte immerhin darauf hinweisen, da nach den Aussagen vieler es an Meditationsstoff fehle! Es fehlt wirklich nicht daran, wenn man nur den guten Willen hat, diejenigen Meditationsstoffe, die sich im Leben darbieten, sich von dem Leben als solche bieten zu lassen. |
[ 13 ] Nun wird derjenige, der durch die Pforte des Todes schreitet, unmittelbar durch diese Tatsache abgebracht von all den Majaverhältnissen, in denen er lebt, in die er verstrickt ist hier, solange er in dem physischen Leibe weilt; er wird davon abgebracht, denn sie werden ihm ja durch sein Verkörpertsein im physischen Leibe aufgedrängt. Er wird vor allen Dingen abgebracht von sehr vielen Verrichtungen, die ihm sympathisch geworden sind im Leben zwischen der Geburt und dem Tode und die er selbstverständlich, da ihm der physische Leib fehlt, nach dem Tode nicht mehr ausführen kann. Die ganze Art des Lebens wird anders, das Verhältnis zur Welt wird ein völlig anderes, und Sie bekommen, wenn Sie durch meditieren den Wiener Zyklus «Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt» eine Vorstellung über die ganz andere Art, wie man sich zu der Welt zu stellen hat, wenn man sich richtige Begriffe und Ideen bilden will über dieses Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Man muß nur die Worte, die da versucht worden sind stammelnd zu prägen, ganz ausleben, sie recht innerlich zu durchleben suchen. Das ist bei solchen Dingen dringend nötig.
[ 14 ] Ich habe bereits in diesen Tagen darauf aufmerksam gemacht, daß der Moment des Todes sich im Grunde nur äußerlich vergleichen läßt mit dem Momente der Geburt für das physische Menschenleben. Denn im alltäglichen Verlaufe des Lebens, wenn nicht eine hellsichtige Erkenntnis den Menschen unterstützt, erinnert sich der Mensch ja nicht zurück bis zu seiner Geburt im physischen Leibe. Durch die Fähigkeiten, die uns die Erde gibt, erinnern wir uns.nicht daran zurück, wie, nicht einmal daran, daß wir geboren worden sind. Wenn es heute Menschen gibt, die da glauben, daß sie alles durch den Sinnenschein wissen, so denken sie eben nicht nach darüber, daß sie sogar das Anfangsereignis ihres Erdenlebens nicht durch den Sinnenschein erfahren können, sondern nur dadurch, daß man ihnen berichtet, daß sie geboren worden sind, und außerdem auf Grundlage einer oftmals nicht bewußten, aber doch unbewußt vorgenommenen Schlußfolgerung. Es gibt — wenn man nicht die hellseherischen Kräfte zu Hilfe nehmen will — nur diese beiden Methoden, sich davon zu überzeugen, daß man selber geboren worden ist: sich es erzählen zu lassen oder einen Schluß zu vollziehen, den Schluß: Andere Menschen werden geboren; ich bin den anderen Menschen ähnlich; also werde ich auch einmal geboren worden sein. Eine richtige Schlußfolgerung. Und irgend etwas anderes, um zur Tatsache der eigenen Geburt mit irdischen Kräften vorzurücken, als sich davon erzählen zu lassen oder diesen Analogieschluß zu machen, eine andere Methode als diese zwei gibt es nicht für die Erdenfähigkeiten. So beginnt bereits mit der Bemühung, sich Aufklärung über die eigene Geburt zu verschaffen, die Aufklärung darüber, daß es nicht möglich ist, eine Grundlage für die Wahrheit im bloßen Sinnenschein zu finden.
[ 15 ] Der Moment des Todes ist durchaus unähnlich dem Momente der Geburt, insofern als man in der geistigen Welt immer hinschauen kann auf den Moment des Todes, während man ja auf den Moment der Geburt mit den gewöhnlichen Fähigkeiten im physischen Leibe nicht hinschauen kann. Man kann immer in der geistigen Welt in der Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt auf den Moment des Todes hinschauen, von dem Augenblick an, wo man ihn sich zum ersten Mal zum Bewußtsein gebracht hat. Da steht er da, allerdings nicht etwa so, wie wir ihn sehen mit seinen Schrecken von dieser Seite des Lebens aus, sondern er steht da als ein wunderbar herrliches Ereignis des Lebens, als ein Hervorgehen der geistig-seelischen Wesenheit des Menschen aus der physisch-sinnlichen Umhüllung, er steht da als die Befreiung der Willens- und Gefühlsimpulse aus dem flutenden, aus dem objektiv-flutenden Gedankenwesen.
[ 16 ] Daß der Mensch nicht unmittelbar nach dem Tode imstande ist, diesen Moment des Todes gleich zu erschauen, das hängt damit zusammen, daß wir nun nicht zuwenig Bewußtsein haben, wenn der Tod eingetreten ist, sondern im Gegenteil, daß wir zuviel Bewußtsein haben. Erinnern Sie sich nur an dasjenige, was in den Wiener Vorträgen steht: daß wir uns hineinleben nicht in zuwenig Weisheit, sondern in zuviel Weisheit, in eine uns wie überflutende, unendliche, von überall an uns herandringende Weisheit. Unweise zu sein ist uns unmöglich nach dem Tode. Diese Weisheit kommt über uns wie ein uns allseitig überflutendes Licht, und wir müssen im Gegenteil erst dahin gelangen, uns zu beschränken, uns in dem, worinnen wir anfangs nicht orientiert sind, zu orientieren. Also durch dieses Herabstimmen des ganz hochgestimmten Bewußtseins bis zu dem Grade von Bewußtheit, den wir ertragen können nach unserer irdischen Vorbereitung bis zum Tode, durch dieses Herabstimmen kommen wir zu dem, was wir das Erwachen nennen können nach dem Tode. |
[ 17 ] Wir erwachen nach dem Tode, unmittelbar nach dem Tode, zu stark, und wir müssen erst dieses zu starke Erwachen herabmindern, herabdämpfen bis zu dem Grade, der den Fähigkeiten entspricht, die wir uns zubereitet haben durch die Erfahrungen, die wir in den verschiedenen Erdeninkarnationen durchgemacht haben. So ist es ein Ringen, uns selbst zu behaupten in dem von allen Seiten über uns hereinbrechenden Bewußtsein.
[ 18 ] Und nun kommt etwas, worinnen wir uns alle, nach dem Tode sowohl wie auch, wenn wir richtig in die Initiation eintreten wollen, gewissermaßen erst von den Gewohnheiten des physisch-sinnlichen Lebens erholen müssen. Ich möchte, um ganz verständlich zu sein, da an etwas anknüpfen. Als wir begonnen haben in Berlin, in einem recht kleinen Kreise, unsere geisteswissenschaftlich gehaltene Bewegung zu betreiben, haben sich uns zunächst die verschiedensten Menschen angeschlossen. Wir waren damals ein sehr kleiner Kreis. Eine Persönlichkeit aus diesem Kreise kam eines Tages, nicht lange nachdem wir angefangen hatten zu arbeiten, und erklärte, sie müsse wieder austreten, und zwar aus dem Grunde, weil sie eingesehen habe, daß wir nicht auf dem richtigen Wege seien: denn es käme nicht darauf an, daß man alle die Dinge suche, die wir suchten, sondern es käme darauf an, daß man die Einheit suche. Es war das etwas wie eine Idee fixe bei der entsprechenden Persönlichkeit. In einem längeren Gespräche entwickelte sie diese Idee fixe der Einheit, und dann ging sie fort von uns, um die Einheit zu suchen. Es glaubte diese Persönlichkeit durch dieses Suchen nach der Einheit, mit dieser Idee fixe der Einheit, gerade in das Übersinnliche hineinzukommen. Aber diese Idee der Einheit, die ist diejenige, die sich nur ergibt aus der letzten Abstraktion des äußeren physischen Lebens. Dieses Streben nach der Einheit ist nämlich das Allersinnlichste, wonach der Mensch streben kann. Man muß geheilt werden gerade von diesem Einheitsstreben, wenn man richtig stehen will in der geistigen Welt. Hier in der Sinneswelt liegt es uns ja so nahe, zu sagen: Wir müssen die Einheit überall suchen, wir müssen aus der Vielheit, aus der Mannigfaltigkeit heraus die Einheit suchen. — Aber das ist etwas, was nur für die sinnlich-physische Welt hier Bedeutung hat. Denn treten wir durch die Pforte des Todes, dann haben wir nicht die Mannigfaltigkeit, sondern das, was als ein überflutendes Bewußtsein vor unsere Seele tritt: wir haben, wenn wir durch die Pforte des Todes getreten sind, nichts als Einheit um uns, immer wieder Einheit. Da kommt es dann darauf an, die Vielheit, die Mannigfaltigkeit richtig zu finden. Da müssen wir nichts anderes erstreben, als aus der Einheit heraus- und in die Vielheit hineinzukommen.
[ 19 ] Nun möchte ich Ihnen eine richtig treffende Vorstellung davon geben, wie man in die Vielheit hineinkommt aus der Einheit. Nehmen Sie einmal an, man tritt durch die Pforte des Todes, tritt ein in diese Welt flutenden geistigen Weisheitslebens. In diese Welt tritt man ja zunächst ein, die uns anfangs betäubt, wenn wir in ihr aufgewacht sind. Wir wollen sie so charakterisieren, diese Welt, daß wir da das um uns flutende Licht als eine die Welt erfüllende Einheit haben; so erscheint sie uns. Nicht einmal uns selber unterscheiden wir darinnen. So sehr ist das eine Einheit, daß wir nicht einmal uns selber darinnen unterscheiden, daß wir selbst diese Unterscheidung nicht haben zwischen uns und der Welt; sondern wir gehören voll dazu zu der Welt. Alles ist eine Einheit.
[ 20 ] Aber jetzt beantworten wir uns einmal eine Frage — und ich bitte Sie, über diese Antwort, die ich geben werde, nicht nur ein wenig, sondern recht viel nachzudenken —, jetzt beantworten wir uns eine Frage, die Frage: Was ist sie eigentlich, die Einheit, in die wir da aufgenommen werden? Denken Sie sich alle die Wesenheiten der höheren Hierarchien, von denen Ihnen ja neun, respektive zehn, wenn wir den Menschen dazu nehmen, bekannt sind. In jeder Hierarchie ist eine große Anzahl von Wesen. Die denken alle, es denkt ja nicht bloß der Mensch, es denken die Wesen aller dieser höheren Hierarchien. Also denken Sie sich diese ganze Summe von Wesenheiten, in die wir aufgenommen werden, wenn wir durch die Pforte des Todes geschritten sind. Die sind um uns herum. Durch die Todespforte schreitend, werden wir in die ganze Fülle der geistigen Wesenheiten aufgenommen. Wir nehmen sie zunächst nicht wahr, sind aber darinnen: Das, was uns zuerst umflutet, ist eben diese Einheit. Und was ist diese Einheit? Das sind die ineinander verschwimmenden Gedanken aller Hierarchien. Was alle Hierarchien zusammen denken, diese Gedankenwelt der Hierarchien, ununterschieden, was der eine Hierarch denkt, was der andere Hierarch denkt: das alles verschwimmt in eine Einheit. In diese Gedanken der Hierarchien wachsen wir hinein. Das ist das uns umflutende Gedankenlichtwesen. Das ist diese Einheit. Also wir leben in den zu einer Einheit zusammenfließenden Gedanken der Hierarchien. Da leben wir darinnen.
[ 21 ] Und um was handelt es sich nun weiter in unserem Leben nach dem Tode? Darum handelt es sich, daß wir ein Verhältnis gewinnen zu den einzelnen Wesenheiten, die wir aus dem Gedankenmeere, in dem die Gedanken aller Hierarchien zusammenfließen, herausheben, und ein Verhältnis gewinnen zu den einzelnen Wesen, zu der Vielheit. Wir müssen nach dem Tode nicht nur zu der Einheit der flutenden Gedankenwesen der Hierarchien ein Verhältnis gewinnen, denn das ist uns gegeben; sondern wir müssen uns hindurcharbeiten so, daß wir ein Verhältnis bekommen zu den einzelnen Wesenheiten der Hierarchien. Wie bekommen wir das?
[ 22 ] Zunächst überflutet uns dieses zusammenschwimmende, zusammenfließende Meer der Gedanken der Hierarchien. Durch dasjenige, was wir uns nun im physischen Leibe erworben haben, bleibt bestehen an der Todespforte, auf die wir hinblicken, unser eigenes inneres Wesen, heraus sich erhebend aus der sinnlichen Umhüllung. Das gibt uns Willensstärke, gefühlsartige Willensimpulse, willensartige Gefühlsimpulse. Die werden wir innerlich gewahr im Anschauen des Wesens, das aus dem Körper entsteigt, das wir nach dem Tode sind. Dadurch sind wir imstande, gleichsam unsere Willensstrahlen herauszuziehen. Und wenn wir nun einen solchen Willensstrahl, den wir aus der Kraft des Todes schöpfen, der mit dem Tode geboren wird, hineinstrahlen in die Umwelt, dann löschen wir an einer bestimmten Stelle etwas in der Gedankenwelt aus. Und wenn wir ihn anderswo hinrichten, löschen wir an einer anderen Stelle etwas aus; so löschen wir an einer dritten, an einer vierten Stelle etwas aus, kurz, wir löschen an den verschiedensten Stellen durch unsere WillensImpulskräfte die uns umflutende Gedankenwelt aus. Und indem wir sie auslöschen, tritt in den Hohlräumen des flutenden Gedankenmeeres der Hierarchien, uns — wenn ich so sagen darf — der Gedankenhierarch entgegen, das Wesen, das dadrinnen lebt, in der geistigen Welt.
[ 23 ] Während wir uns bemühen, hier in der physischen Welt, zu dem Dinge, das wir sehen, einen Gedanken hinzuzufinden, müssen wir in der geistigen Welt, weil uns der Gedanke in Hülle und Fülle zur Verfügung steht, den Gedanken auslöschen, wegschaffen; dann treten uns die Wesen entgegen. Wir müssen Herr werden über den Gedanken, dann treten uns die Wesen entgegen. Und diese Kraft, Herr zu werden über den Gedanken, den Gedanken gewissermaßen aus unserem Gesichtsfelde herauszuwerfen, damit das Wesen uns entgegentritt im Meere der flutenden Gedankenwelt, diese Kraft erhalten wir dadurch, daß uns, als herrlicher Ausgangspunkt unseres geistigen Lebens nach dem Tode, der Anblick des Sterbens, des Todes selbst entgegentritt, der unser Lehrer wird im Auslöschen. Denn der Tod wird für uns nach dem Tode der Lehrer des Auslöschens, der Anreger jener Willenskräfte, durch die wir im flutenden Lichtmeere die Gedanken auslöschen müssen.
[ 24 ] Damit ist hingewiesen auf die ganz andere Art, wie der Mensch steht zu seiner Umgebung nach und vor dem Tode. Wie er gewissermaßen da, wo er in der Sinneswelt darinnensteht, so verfahren muß, daß er sich hineinstellt, den Luftkreis um sich hat und dann warten muß, bis in den Luftkreis etwas hineinkommt. Dagegen muß er nach dem Tode so verfahren, daß er den Gedankenlichtkreis um sich hat und darinnen selber auslöschen muß dasjenige, was er in Gedanken im Gesichtsfelde hat, weil ihm erst dann die betreffenden Wesenheiten erscheinen. Denn mit Wesenheiten hat man es hier zu tun, wie ich es in der Schrift «Die Schwelle der geistigen Welt» angedeutet habe. So kommt man aus der Einheit in die Vielheit, in die Mannigfaltigkeit.
[ 25 ] Der Monismus in dem Sinne, wie ihn viele meinen, ist nur eine irdische Weltanschauung, und er ist nur eine Fessel, wenn man durch die Pforte des Todes geschritten ist; denn da tritt im eminentesten Sinne sofort die Notwendigkeit des Monadismus ein, die Notwendigkeit, die Vielheit aufzusuchen. Die Einheit aufzusuchen ist eine letzte Fessel des sinnlichen, verstandlichen Lebens.
[ 26 ] Was ist denn nun eigentlich dasjenige, was wir da vollziehen? Es ist eine Tätigkeit, durch die wir uns Platz schaffen, daß die Hierarchien an uns herantreten können. Wir schaffen uns Platz. Unser Wesen ist dann ja über die ganze Welt ausgebreitet — auf diese Dinge haben wir schon wiederholt hingedeutet. — Wir schaffen uns Platz, indem wir diese Hohlstellen schaffen, so daß das, was objektiv ist, uns post mortem, also nach dem Tode, erscheinen kann. Niemals kann uns etwas objektiv in der geistigen Welt erscheinen, wenn wir unser eigenes Wesen in die geistige Welt hineintragen. Nur dann können wir das andere erkennen in der geistigen Welt, wenn wir für die Stelle, wo das andere erscheinen will, unser eigenes Wesen, unsere eigene Wesenheit auslöschen, und das geschieht auf diese Weise.
[ 27 ] Das ist, innerlich charakterisiert, der Prozeß, der nun auch nötig ist, wenn man herangelangen will an den Toten in der Weise, wie ich Ihnen das gestern am Schlusse des Vortrages dargestellt habe, wo das Bedürfnis vorhanden war, die Möglichkeit zu gewinnen, den Toten selber sprechen zu lassen, den Toten selber sich aussprechen zu lassen. Dann muß man versuchen, da wo der Tote ist, sich selber wegzuschaffen, sein eigenes Denken und sein Fühlen wegzuschaffen, und wo man das weggeschafft hat, da treten aus den Tiefen des Seins heraus die Impulse, die uns ohne unseren Willen die Worte in den Mund legen, die dann kommen müssen, wenn wir das objektive Wesen eines nicht im physischen Leibe verkörperten Menschen ausdrücken wollen.
[ 28 ] Sie sehen, daß dasjenige, was hier in der physischen Welt gewissermaßen am schwächsten ist im Menschen, der Wille und die Gefühlsimpulse — sie sind ja der schwächste Teil der menschlichen Seele in der physischen Welt und der unklarste —, daß dasjenige, über das wir am wenigsten Herr sind, eine besondere Bedeutung gewinnt, um wahrzunehmen in der geistigen Welt. Dagegen ist das, was hier in der physischen Welt am allerstärksten ist, das Vorstellen — wir leben ja sogar am liebsten in unseren Illusionen und Vorstellungen, weil wir da am allermeisten Herr sein können —, es ist am schwächsten in der geistigen Welt.
[ 29 ] Mit Illusionen kann man in der geistigen Welt nicht viel anfangen, die verdecken einem noch die flutende Gedankenwesen-Einheit. Worauf es ankommt, ist nicht eine Ausbildung unseres Vorstellungslebens, sondern eine Ausbildung unseres Willens- und Gefühlslebens; und das ist ja das Wesentliche der Meditation. Bei der Meditation kommt es nicht darauf an, was wir vorstellen, sondern darauf — ich habe das immer wieder und wieder betont —, daß man vorstellt mit innerer Kraft. Auf die innere Energie, auf die Kraft, auf den Willen kommt es an, und auf das Fühlen und Empfinden während wir meditieren, also auf ein Willenselement, das wir im Meditieren entwickeln, und das wir stärker entwickeln, wenn wir uns so anstrengen müssen, wie wir uns bei einer Meditation anstrengen sollen, aber geistig anstrengen sollen.
[ 30 ] Am meisten feindlich entgegen steht dem wirklichen Fortschritt hinein in die geistige Welt die Sucht zu träumen, sich über die äußere Wirklichkeit Illusionen zu bilden, aus dem Grunde, weil wir dadurch unseren Willen immer schwächer und schwächer machen. Man macht den Willen am schwächsten, wenn man geradezu die Parasiten des Vorstellungslebens kultiviert, wenn man sich über alle möglichen äußeren Dinge Illusionen macht, wie überhaupt der Weg in die geistige Welt nicht dadurch beschritten wird, daß man sich vom Leben entfernt, sondern dadurch, daß man sich klar wird über die Dinge des Lebens. Nicht eine Verarmung des äußeren Lebens, sondern eine Bereicherung des Lebens muß uns in die geistige Welt hineinführen. Die Menschen möchten so gerne nicht durch Stärke, sondern durch Schwäche in die geistige Welt hineinwachsen. Schwäche ist es, wenn einen die äußere Welt, die Welt des äußeren Lebens nicht interessiert, wenn man die Goethesche Maxime nicht erfüllen kann: «Erkenne dich, leb’ mit der Welt in Frieden.»
[ 31 ] Ich möchte darauf aufmerksam machen, bevor ich weiterschreite in diesen Betrachtungen über den Tod, daß in der Tat allen künstlerischen Betätigungen des Menschen zugrunde liegen muß ein Hineinspielen derjenigen Betätigungen der Seele, die notwendig sind für die Seele nach dem Tode. Es muß behufs künstlerischer Betätigung gerade das Willenselement durchdrungen werden von der spirituellen Welt und weniger das Anschauungselement. In unserer Zeit des Niederganges der Kunst, namentlich des künstlerischen Arbeitens, findet ja das Entgegengesetzte statt. In unserer Zeit des Niederganges auch der Weltauffassung wird gerade herausgearbeitet jenes Moment, das das Vorstellungsleben raffinierter macht. Daher werden in unserer Zeit die Künstler immer mehr abhängig von Modellen, von Vorbildern. Sie können unendlich wenig machen, wenn sie nicht Modelle, nicht Vorbilder haben. Daher wird in unserer Zeit es immer mehr und mehr stattfinden, daß sich die Künstler in der Kunst isolieren. Es kann aber niemals zu einer wirklichen Kunst kommen, wenn man sich in der Kunst isoliert; es ist das Gegenteil von dem, was werden soll.
[ 32 ] Was geschieht denn, wenn zum Beispiel jemand einen Menschen künstlerisch gestaltet, malerisch oder plastisch, und er beschäftigt sich nicht mit den inneren Kräften, die diesen Menschen aufbauen, nicht mit dem Dynamischen, wenn er bloß herangeht und sich ein Modell nimmt und das Modell so behandelt, wie man im Anschauen die Dinge behandelt? Dann entfernt er sich von dem eigentlichen Prinzip des künstlerischen Schaffens. Der Anfang des Schaffens ist, daß man sich ein inneres, voluntaristisches Anschauen verschafft, daß man nicht von außen anschaut, sondern innerlich hineindringt und empfindet, wie da die Stirn sich wölbt, die Nase herauskommt und so weiter. Das ist es, um was es sich handelt.
[ 33 ] Und so ist es auch insbesondere bei der Natur. Bei ihr handelt es sich um ein wirkliches Darinnenleben in den Betätigungen der Natur. Und da will ich Sie auf etwas aufmerksam machen, was der Mensch allerdings gleich erfährt, wenn er durch die Todespforte geschritten ist, was ihm aber hier in der physischen Welt ziemlich unbekannt bleibt.
[ 34 ] Wenn wir malen, so malen wir vorzugsweise dasjenige, was sich, ich möchte sagen, über die Oberfläche der Dinge hinzieht. Wir malen Licht und Schatten, wir malen die Farben. Nun ist die äußere Natur mit Licht und Farben ausgestattet aus dem Grunde, weil sie Licht und Farbe nicht aufnimmt, sondern zurückwirft. Dort ist der Gegenstand, und der wirft uns Licht und Farbe zurück. Mineralien sind zum Beispiel dadurch Mineralien, daß sie Licht und Farbe in ihrem Inneren nicht aufnehmen, weil sie sie äußerlich abstoßen. Der Mensch mit seiner Seele lebt aber gerade in den Farben. Nach dem Tode zieht er darin sogleich ein, da weiß er sich sogleich in Licht und Farbe; aber hier weiß er sich nicht darinnen. Wenn der Landschaftsmaler vor die Natur tritt, so muß er etwas haben von dem, was zwischen ihm und der Landschaft ist; er muß darinnen aufgehen können, er muß gewissermaßen etwas hineinbringen in die physische Welt, was sich real erst verwirklicht, wenn der Mensch durch die Todespforte gegangen ist. Dieses gibt die Ähnlichkeit des künstlerischen Schaffens mit dem Darinnenstehen in der geistigen Welt, wenn auch das Durchpulst- und Durchsetztsein von der geistigen Welt für den Künstler zumeist unbewußt bleibt, und auch unbewußt bleibt die Notwendigkeit, daß etwas erweckt werde von diesem Durchpulstwerden von der geistigen Welt. Deshalb ist die Anlage unseres Baues gerade so gemacht, wie sie gemacht worden ist, weil man da, wie ich öfter auseinandergesetzt habe, gerade das, was nicht da ist, wird berücksichtigen müssen, nicht dasjenige, was da ist. Ich möchte sagen, gerade die Hohlformen, die ausgespart sind, wird man berücksichtigen müssen, nicht dasjenige, was da ist. Insofern ist auch durch diese ins Praktische gehende Ausgestaltung unserer geisteswissenschaftlichen Strömung ein Anfang gemacht, der gemacht werden muß in unserer jetzigen Kulturströmung.
[ 35 ] Sehen Sie, solche Hineinragungen der geistigen Welt in das menschliche Leben, ich will sagen, durch das Todesspektrum, wie ich sie in den künstlerischen Produktionen von gestern und vorgestern vorgeführt habe, waren in gar nicht lange hinter uns liegender Zeit etwas Gewöhnliches. Heute ist es etwas Ungewöhnliches, und als Naturgabe wird das immer ungewöhnlicher werden. Es wird immer weniger als Naturgabe da sein. Aber je weniger der Mensch hier in dieser physischen Welt Beziehungen gestalten kann zu der geistigen Mannigfaltigkeit, desto gebundener wird er sein, wenn er durch die Pforte des Todes geschritten ist. Die Möglichkeit, jene Hohlformen zu schaffen, würde untergehen, wenn die Menschen ganz herauskommen würden aus den Beziehungen zu der geistigen Welt, wie es notwendig durch den äußeren Fortgang der Welterscheinungen geschehen müßte. Das alte Hellsehen muß ja nach und nach ganz verlorengehen. Könnten wir nicht durch die geisteswissenschaftliche Entwickelung jenes Verhältnis zur geistigen Welt wieder herstellen, so verlöre der Mensch die Fähigkeit, nach dem Tode in der geistigen Welt zu leben, ein wirklich wesendes Wesen zu sein. Er würde durch dasjenige, was ihm immer bleibt, den Zurückblick auf das Leben, bei dem eben das Hinschauen auf den Tod etwas ganz Wesentliches ist, er würde durch dieses wie festgebannt, wie in ein Gefängnis eingesperrt werden.
[ 36 ] Daher zeigt sich bei denen, die, wenn ich so sagen darf, geisteswissenschaftlich gestärkt durch die Pforte des Todes gehen, daß sie nach dem Tode verhältnismäßig rasch die Freiheit gewinnen, die freie Betätigung in der geistigen Welt. Denken Sie nur einmal, wie das ungeheure Verknüpftsein mit dem, was die geisteswissenschaftlichen Impulse geben können, notwendig ist, um sogleich mit seinem Wesen so zu leben nach dem Tode, wie sich das zeigt in dem Falle, der beobachtet worden ist, wie es in den Worten liegt, die aus Frau Grosheintz’ Seele gesprochen worden sind. Also es handelt sich darum, daß der Mensch durch die geisteswissenschaftliche Stärkung das ersetzt bekommt, was ihm früher die natürlichen Anlagen gegeben haben: zu dem Übersinnlichen, den spirituellen Erscheinungen ein Verhältnis zu gewinnen.
[ 37 ] Wenn man rein aus natürlichen Anlagen heraus so etwas sehen kann, wie ein Todesspektrum — und die Leute in früheren Zeiten haben solche Todesspektren immer gesehen, man weiß das heute nur nicht mehr, denn das ist eine Fähigkeit, die verlorengegangen ist —, da sieht man dieses Todesspektrum durch das Abgetrenntsein seines Leibes; das befähigt einen dazu, die einzelnen, individuellen Erscheinungsformen zu sehen. Da schneidet man aus der Einheit diese einzelnen Erscheinungsformen heraus. Und darauf kommt es da an: auf dieses Herausschneiden aus der Einheit, daß man lernt dieses Herausschneiden. Aber die Möglichkeit, das Herausschneiden zu erlernen, geht mit dem atavistischen natürlichen Hellsehen ganz verloren, und es muß ersetzt werden durch ein Hineinwachsen in die Geisteswissenschaft. Diese geisteswissenschaftliche Stärkung wird es aber auch sein, durch welche die nötige Befähigung zum künstlerischen Schaffen auf jedem Gebiete in der Zukunft hervorgerufen wird. Der Plastiker, der Musiker, der Maler, der Dichter, sie werden nicht schaffen können, wenn sie sich nicht durchdringen mit dem, was die geisteswissenschaftliche Stärkung ihnen geben kann. Heute fürchtet man sich noch davor. Dieses Fürchten, das kommt dann zum Ausdruck, wenn ein Plastiker, ein Musiker, ein Maler, ein Dichter kommt und sagt: Ach, Geisteswissenschaft, das ist so etwas, da muß ich alles mögliche treiben und anstreben, das ertötet in mir die ursprüngliche künstlerische Schaffenskraft. — Das kann man überall hören; aber das ist nur eine Furcht vor der Kraft, die notwendig ist, wenn das Künstlertum den Menschen wirklich bleiben soll für die Zukunft. Die Menschen fürchten sich heute noch vor diesem, was in ihrem Inneren gerade als die stärkste Kraft auftreten muß. Zeiten werden kommen in der Entwickelung der Menschheit, wo heranreifen müssen die künstlerischen Fähigkeiten durch die geisteswissenschaftliche Stärkung.
[ 38 ] Allerdings, jener Unfug wird dann nicht mehr so Platz greifen können wie heute, daß die Menschen aus dem Nichts heraus sich in einem möglichst frühen Jugendalter selber zu Künstlern ernennen und es dann nach ihrer eigenen Meinung auch sind. Sie glauben dann, es liege nur daran, daß die Welt sie nicht anerkennt, wenn dieses Künstlertum nicht zur Entfaltung kommt. Dieser Unfug wird nach und nach aufhören. Die Kunst der Zukunft wird eine Kunst der Reife sein, und man wird in einem verhältnismäßig späten Lebensalter erst die innere Reife fühlen, die zur künstlerischen Betätigung führt. Man wird nicht glauben, daß man im späteren Lebensalter nicht mehr die Kräfte haben kann, die Jugendkräfte, wie man ja oftmals sagt, die nötig sind, um künstlerisch zu schaffen; sondern man wird gerade finden, daß man durch Vertiefung und geisteswissenschaftliche Stärkung erst loslöst aus dem inneren Wesen die Kräfte, die zum künstlerischen Schaffen in Zukunft führen werden. Aber vor diesen Kräften fürchtet man sich heute noch, wie man sich vielfach fürchtet vor dem, was erst errungen werden muß. Daher haben viele Künstler oftmals eine heillose Angst vor diesem Herausholen ihres tieferen inneren Wesens, und wenn sie hören, daß es nicht der äußere irdische Mensch ist, sondern der höhere Mensch in ihnen, der künstlerisch schaffen soll, dann geraten sie in eine heillose Verwirrung. Man kann sich kaum eine heillosere Verwirrung denken als die, in welche ein Künstler der neueren Zeit gekommen ist, als er gewahr wurde, wie es der Genius im Inneren des Menschen ist, das, was der geistigen Welt angehört, was da eigentlich schafft im Künstler. Ein Künstler der neueren Zeit sprach die heillose Angst, die er vor dieser geistigen Welt hatte, ungefähr in folgenden Worte aus:
«Die Genaalität ist eine fürchterliche Krankheit. Jeder Schriftsteller trägt in seinem Herzen ein Ungeheuer, welches alle seine Gefühle, gleich nachdem sie geboren werden, frißt. Wer wird den Sieg davontragen — die Krankheit über den Menschen oder der Mensch über die Krankheit? Man muß ein wahrhaft großer Mensch sein, um seinen Charakter und sein Genie im Gleichgewicht zu halten. Ist der Dichter kein Gigant, hat er nicht die Kräfte eines Herkules, so muß er entweder sein Herz oder seine Begabung einbüßen.»
[ 39 ] Man möchte eine Gänsehaut bekommen, aber eine seelische Gänsehaut, wenn solche Dinge ausgesprochen werden. Denn es ist nichts weiter als die heillose Angst vor dem im Menschen, was mit der geistigen Welt in Beziehung steht, die uns da entgegentritt. Und es ist ein sehr konsequenter Satz, trotzdem sich der Autor gar nicht bewußt ist, wie groß die Konsequenz war; denn daß er von Giganten und Herkules spricht, ist ungeheuer charakteristisch. Es ist bezeichnend, daß ihm gerade diese Worte in den Mund kommen oder in die Feder, könnte man sagen.
[ 40 ] Also selbst die Ansicht konnte auftreten, daß der Mensch den Sieg davontragen muß durch dasjenige, was er im irdischen Leben ist — denn das liegt in diesen Worten —, während das wahrhafte Erkennen dahin gehen wird, daß der Genius im Menschen, der gesunde Genius, den Menschen durchdringen und ergreifen wird, ihn zu seinem Instrumente machen wird.
[ 41 ] Ein anderer Künstler der neueren Zeit knüpft eigentümliche Worte an diese Sätze, die ich eben vorgelesen habe, höchst eigentümliche Worte. Er sagt:
«Vergegenwärtigen wir uns doch den in der Aeneis beschriebenen tragischen Untergang Laokoons. Die Bürger Trojas sehen natürlich mit Grauen und Widerwillen, wie die riesengroßen Schlangen Laokoon und dessen Söhne erwürgen. Die Zuschauer empfinden Angst, Mitleid, und haben wohl auch den Wunsch, die Unglücklichen zu retten; wie sehr verschieden ihre seelischen Zustände auch sein mögen, so spielt doch der Willensmoment bei allen eine höchst wichtige Rolle ... Man denke sich aber mitten in dieser erregten und erschütterten Menge einen Bildhauer, der die schreckliche Katastrophe, die sich vor seinen Augen abspielt, als Thema zu einem künftigen Kunstwerk betrachtet. Bei der allgemeinen Erregung unter den schreienden. rasenden, betenden Menschen bleibt er der ruhige Beobachter. Alle moralischen Instinkte werden in ihm in diesem Augenblick von der ästhetischen Wißbegier unterdrückt.»
[ 42 ] Das soll notwendig sein, um ein künstlerisches Werk zu schaffen! Da sollen Menschen stehen, in tiefstem Mitleid, die keine Künstler sind, und nicht helfen können, und da soll der Tropf stehen, der Stumpfling, der keine Ahnung hat von dem Schmerz, den das alles erzeugt. Und dieser Stumpfling, der soll der richtige Künstler sein, der das darstellen kann, der so dasteht in seinem Stumpfsinn, nur um die Sache zu betrachten! So weit haben wir es gebracht in der Gegenwart, daß man sich getraut zu fordern: Ein Stumpfling den Erscheinungen des Lebens gegenüber solle der Künstler sein, damit er «objektiv» sein kann. Mitleid und Mitgefühl soll er aus dem Herzen reißen, ein stumpfsinniger Tropf werden, und dann erst kann er, nach diesen Worten, etwas so schildern, daß es die anderen Menschen mit Interesse erfüllt.
[ 43 ] Man kann nicht schlimmer von den allerabscheulichsten ahrimanischen Kräften erfaßt werden, als wenn man eine solche Anschauung über das Künstlertum zu entwickeln in der Lage ist. Das ist die Dekadenz unserer Zeit, erzeugt von der Furcht und Angst vor der geistigen Wirklichkeit: nicht zu wissen, daß, wenn man Künstler sein will, man mitfühlen muß die Ereignisse mit noch tieferem Mitleid, daß man noch tieferes Mitempfinden haben muß, und nur die Fähigkeit haben muß, in einem späteren Augenblicke aus diesem tiefen Miterleben dieselben Ereignisse objektiviert wieder anzuschauen, so daß wir sie lieben können, wie wir ein fremdes Wesen lieben können, und daß wir aus diesem noch tieferen Miterleben zu einem künstlerischen Schaffen kommen. So weit ist unsere Zeit gekommen in ihrer Perversität der Weltanschauung, daß das Gegenteil der Wahrheit als Summe von Weisheit in die Welt hinausposaunt wird. Und ich bin überzeugt davon, daß es unendlich viele Menschen gibt, die diesen Stumpfsinn sogar für geistreich halten, und die dieses Lob auf den künstlerischen Stumpfsinn für die endliche Entdeckung halten dessen, was Künstlertum eigentlich ist. So stehen wir darinnen in der Gegenwart und müssen suchen jenen Stützpunkt der geisteswissenschaftlichen Stärkung, der uns die Befähigung gibt, uns darinnen zu wissen in der Welt, in die der Mensch auch eintritt im natürlichen Gange der Ereignisse, wenn er durch die Pforte des Todes geht.
[ 44 ] So kann uns die Kunst dem Tode verwandt erscheinen, das heißt, dem höheren Leben verwandt. Dem Tode verwandt sein, heißt: dem höheren Leben verwandt sein.
[ 45 ] In vieler Beziehung müssen wir uns, um in die geistige Welt einzutreten, die Fähigkeit aneignen, zu anderen Vorstellungen und anderen Ideen zu kommen als diejenigen sind, die uns erfüllen müssen, um die Welt zu verstehen, die wir erleben zwischen der Geburt und dem Tode. Viel mehr müssen wir uns aufschwingen dazu, die Maja nicht nur so zu durchbrechen, daß wir gleichsam diese Maja überall sich gleich finden und glauben, wenn wir irgendwo durchkommen, dann sind wir schon in der geistigen Welt darinnen. An verschiedenen Stellen des Lebens ist die Maja verschieden dicht. Wenn wir verschiedenen Gebieten des Lebens gegenübertreten, so finden wir, daß die Maja verschieden dicht ist; sie ist aus verschiedenen Stoffen gewoben. Trotzdem sie Maja ist, ist sie an den verschiedenen Stellen des Lebens aus verschiedenen Stoffen gewoben.
[ 46 ] Wir treten einem Kinde entgegen, wir lernen es in diesem physischen Dasein kennen, wir machen uns zunächst Vorstellungen über das Wesen des Kindes, die zusammengesetzt sind aus den Erfahrungen, die wir uns gebildet haben, je nachdem wie uns das Kind mit seiner Wesenheit im physischen Leibe entgegentritt. Wir könnten keinen größeren Fehler machen, als wenn wir ohne weiteres eine solche Vorstellung hineintragen würden in die geistige Welt, um real zu erkennen das betreffende Wesen, wenn es durch die Todespforte geschritten ist.
[ 47 ] Wir haben ja selbst in letzter Zeit ein ganz ungeheuer ergreifendes karmisches Ereignis durchgemacht: in Theo Faiss. Wir stellen ihn uns falsch vor, wenn wir etwa einfach verlängern würden die Vorstellungen, die wir uns gemacht haben von dem Kinde nach dem, wie es uns in der physischen Welt entgegengetreten ist, und wenn wir diese Vorstellungen nur hinaus in die geistige Welt projizieren würden. Gerade in einem solchen Wesen können wir manchmal bald nach dem Tode die allergrößte Reife finden. Wir können verwoben finden die Kräfte, die das Kind hereingebracht hat in die physische Welt durch die Geburt, und die sich nicht ausgelebt haben in der physischen Welt, da das Karma es nicht zugelassen hat, wir können sie verwoben finden in die kosmischen Kräfte hinein, und wir können allmählich wahrnehmen, wie eine reife Seele, die sich durch den Tod hindurchgerungen hat zum kosmischen Dasein, nach und nach zum Sphärendasein heranwächst. Und wenn eine solche Seele ein Kind war in der letzten Inkarnation, so können wir wahrnehmen, wie sie verhältnismäßig rasch heranwächst, um zu dirigieren dasjenige, was dem Kosmos sich an Kräften einfügt. Dann lernen wir den Menschen nach dem Tode kennen, wie wenn er mit seiner eigenen Wesenheit dirigiert die Kräfte, die in seinem Todesspektrum sind, und die sich hineinverweben in den Kosmos. So wächst der Mensch hinein in jenes Schaffen, das man das Himmelsschaffen nennen kann. Dann verwächst sein willensartiges Gefühl, sein gefühlsmäßiges Willensimpuls-Element mit der Welt draußen. Wie wenn wir uns im physischen Leibe als Kind allmählich anpassen mit unseren Sinnesorganen an die äußere Welt, wie wir da ins Schauen hineinwachsen, so wachsen wir nach dem Tode ins Wesen hinein, ins Wesentliche; in die Willensentfaltung wachsen wir hinein.
[ 48 ] Und wenn wir solche Erscheinungen auf uns wirken lassen in echt geisteswissenschaftlichem Sinne, dann werden wir nach und nach merken, wie die Maja des äußeren Lebens an den verschiedenen Stellen verschieden stark gewoben ist. Sie ist schwer zu durchdringen an solchen Stellen wie beim Tode eines ganz jungen Kindes, weil das meiste, was da äußere Erscheinung war, dasjenige stört, was an die Stelle treten muß, damit wir uns eine richtige Vorstellung machen von dem, was der Mensch nach dem Tode ist.
[ 49 ] Es gibt dann aber auch Menschen, bei denen verhältnismäßig leicht zu durchdringen ist das Gewebe der Maja, weil die Wahrheit ihres Wesens sich tief hat einfügen können auch dem, was als Maja hier in der physischen Welt zwischen der Geburt und dem Tode bei ihnen lebt. Solche Menschen gibt es,auch, Menschen, welche schöne Schätze geistigen inneren Reichtums bei ihrer Geburt hinuntertragen in die physische Welt, und die in der Lage sind, einzuverweben in die Art wie sie sind, das, was sie aus der geistigen Welt hinuntergetragen haben. Es sind diejenigen Menschenwesen, die wir um dessentwillen, was gleichsam die Schöpfer in ihrer Liebe aus ihnen gemacht haben, unendlich lieben müssen, bei denen wir oftmals nicht fragen, warum wir sie lieben, sondern bei denen uns die Liebe zu ihnen als eine Selbstverständlichkeit vorkommt. Solche Wesen sind gleichsam lebendige Zeugen der geistigen Welt, weil sie außerordentlich stark ähnlich sehen ihrem geistigen Wesen hier in der physischen Welt schon, und weil das Gewebe der Maja, allerdings durch die Liebe nur, aber durch diese recht bald, auseinandergelegt werden kann, so daß man in die Tiefe der Seele dann hineinzuschauen vermag.
[ 50 ] Es gehört solchen Menschen gegenüber eine gewisse Zartheit, eine intime Zartheit dazu, sich zu ihnen zu stellen, weil sie viel, viel heruntertragen von der geistigen Welt in das physische Dasein, und weil sie dann nach dem Tode gleichsam so dastehen, wie wenn sie lebendige Zeugen wären für die doch unendlich tief bedeutsame Tatsache, daß in allen Offenbarungen hier in dieser Welt auch die Impulse der geistigen Welt weiterleben. Erblicken wir solche Menschen nach dem Tode, so stellen sie sich uns so dar, wie wenn sie uns sagen wollten: So waren wir vorher, und daß wir so in tiefster, tiefster innerlicher Wahrheit waren, das bewahrheitet sich jetzt, da wir durch die Pforte des Todes geschritten sind. — So stehen sie da wie Glaubensapostel auch nach dem Tode, wie Apostel für den Glauben, der uns an das Leben, das wir hier in der physischen Welt verbringen, glauben läßt.
[ 51 ] So steht auch da unsere hingestorbene Freundin Sibyl Colazza, steht da wie ein Apostel für den Glauben, daß die Welt, in der wir leben, durchdrungen ist von Geistigkeit. Und da haben wir zu erklären, warum gerade bei ihr das Eigentümliche eingetreten ist, daß im Anblick ihres geistigen Wesens bewahrheitet werden mußte dasjenige, was sie durch “die Hülle des äußeren Lebens hindurch auch schon in der physischen Welt für jeden, der sie kennen und lieben lernte, darlebte. Daher der andere Ton in den Worten, die aus ihrer Seele heraus gesprochen werden mußten, weil das Individuelle gerade in dem lag, wovon ich jetzt gesprochen habe:
Und es durchseelte dieses Wesen
Deine Stimme, die beredt
Durch des Wortes Art mehrAls in dem Worte selbst
Offenbarte, was verborgen
In Deiner schönen Seele weset;
[ 52 ] Merken Sie, daß die Darstellung der Vergangenheit, des Imperfektums übergeht in die Gegenwart, das Präsens, weil zusammenfloß der Anblick des Lebens im Leibe mit dem Anblick des Lebens nach dem Tode. Das drückt sich selbst im Worte aus. So notwendig fließt das Wort, das aus der geistigen Welt heraus geprägt werden muß. So daß gesagt werden muß: es durchseelte dieses Wesen deine Stimme, die beredt durch des Wortes Art mehr als in dem Worte selbst offenbarte, was verborgen in deiner Seele «weset», also nicht «wesete», sondern «weset», fortwirkt, da ist.
Doch das hingebender Liebe
Teilnahmsvoller Menschen
Sich wortlos voll enthüllte:
[ 53 ] — man kann auch sagen «enthüllt» —
Dies Wesen, das von edler, stiller Schönheit
Der Welten-Seelen-Schöpfung
Empfänglichem Empfinden kündete.
[ 54 ] — man kann auch sagen «verkündet» —. Es fließen da die beiden Zeiten Zusammen.
[ 55 ] Nun nehmen wir eine Seele, wie die unseres zu unserem Leide so jung verstorbenen Freundes Fritz Mitscher, eine Seele, welche dem, der sie kennenlernte, sich darlebte so, daß man ihr Wesen im schönsten Sinne des Wortes ausdrücken kann, wenn man ein Wort prägt, das abstrakt und trocken klingen kann, das aber wirklich dieses Wesen zum Ausdruck bringen kann, das Wort: ein objektiver Mensch. Fritz Mitscher war ein ganz objektiver Mensch. Die Momente, wo ein Fritz Mitscher von sich erzählt hätte, die hat es kaum gegeben. Wenn er von sich auch erzählt hat, so war das Von-sich-Erzählen im Grunde genommen nur scheinbar. Es war nur so, daß er seine Beziehungen zu dem oder zu jenem in der Außenwelt charakterisierte. Sein Ich stand fast gar nirgends, ich kann nicht sagen, im Mittelpunkte der Betrachtung, es stand nicht einmal am Horizonte der Betrachtung. Und es war charakteristisch bei ihm, daß er — wie es natürlich ist, wenn ein älterer Mann mit einem jüngeren Mann sich unterhält über allerlei Lebensratschläge, daß man das Gespräch auf ihn selbst bringt —, daß er dann, wenn er von sich reden sollte, in gewisser Weise einem sogar entschlüpfte und ablenkte von sich das Gespräch auf dasjenige, was er zu erleben hatte um sich herum, um es zu charakterisieren mit der Kunst, mit der er schon charakterisieren konnte, die er aus der Geisteswissenschaft gewonnen hatte, Er war also ein objektiver Mensch, ein Mensch der Objektivität. Er dachte nicht daran, was er der Welt bedeutete, er dachte nicht daran, wie sein Ich sich in die Welt hineinstellte. Er hatte im eminentesten Sinne überall nur sachliche Interessen, jene sachlichen Interessen, die sich so charakteristisch ausdrücken, wenn man so gar nicht bedacht ist auf die Art, wie sich solche sachlichen Interessen in die Welt hineinstellen.
[ 56 ] Fritz Mitscher gehörte zu denjenigen Menschen, die von früh auf einen gleichen Eifer angewendet haben, irgend jemandem im vorübergehenden Gespräche mit der äußersten Objektivität die ihm tiefsten Wahrheiten zu entwickeln; er gehörte zu denjenigen Menschen, die immer denselben Eifer da anwenden, weil sie sich für die Sache und nicht für die Person und das Hereinstellen der eigenen Persönlichkeit in die Welt interessieren. Und wenn er vor einem Auditorium gesprochen hat, so war es das reinste, keuscheste Aufgehen in die Sache, niemals das SichVerlieren in die seelische Unkeuschheit des Über—sich—Sprechens. Das war so charakteristisch für ihn. Und das befähigte ihn ja auch in so eminentem Grade dazu, die Welt wirklich so aufzufassen, daß man durch das Medium der Idee, des Gedankens, der Vorstellung in die Welt hineinkommt, nicht aus ihr herauskommt, sondern in sie hineinkommt. Immer tiefer lebte er sich daher durch den Gedanken, durch die Idee, durch die Vorstellung in die Weltenzusammenhänge hinein: so lebte er mit der Welt zusammen, lebte mit seinem Ich — weil er so wenig davon sprach — eben so drinnen in den Dingen und nicht nur in seiner Haut darinnen.
[ 57 ] Solche Menschen sind es im Grunde genommen, die allein wirklich dasjenige verstehen, was Ideale in der Welt sind, was das Leben in Ideen und Idealen ist. Leben in den Ideen und Idealen ist ja nicht bloß: Ideen und Ideale haben — die kann man ja haben, sie sind im Leben so leicht zu pflücken wie Brombeeren —, aber darum handelt es sich nicht bloß, daß man Ideen und Ideale hat, sondern darum handelt es sich, daß man Ideen und Ideale in ihrer gedanklichen Reinheit hat, und das fliehen so unendlich viele Menschen. Vor dem Denken fliehen ja die Menschen in ganzen Scharen. Oh, meine lieben Freunde, man braucht nichts anderes zu tun, als die Imagination vor seine Seele zu rufen, die reale Imagination vor seine Seele zu rufen des wirklich reinen Denkens, des Lebens im reinen Gedanken, in sinnlichkeitsfreien Gedanken und Ideen, diesen keuschen Quell des Seelendaseins hinzustellen, und dann einmal zu probieren, die Spektren der Menschen darum herum zu stellen, und man wird finden: in ganzen Scharen fliehen die Menschen vor diesem keuschen Quell der sinnlichkeitsfreien Gedankenwelt. Oh, das ist etwas Nüchternes, Trockenes, das ist etwas, was einem die Liebe aus dem Herzen reißt, es ist etwas Kaltes, Eisiges —, sagen sie, und sie fliehen, fliehen in ganzen Scharen, und nur wenige, wenige bleiben stehen, in seelischer Keuschheit. Das sind die wirklichen Philosophenseelen, das sind die für die Philosophie wirklich veranlagten Menschen. Zu ihnen gehören solche Naturen, wie Fritz Mitscher war.
[ 58 ] Daher bildet sich bei solchen Naturen verhältnismäßig wie eine Selbstverständlichkeit heraus, daß sie in Zusammenhänge hineinwachsen, auf die natürlichste Weise hineinwachsen, ich muß sogar besser sagen, daß sie sich durch ihr Karma in die Zusammenhänge hineintragen lassen. Gerade das war bei Fritz Mitscher im allerhöchsten Maße der Fall. Nirgends konnte man bemerken bei ihm, daß er sich an einen Platz hinstellen wollte aus einer Absicht heraus, aus einer im physischen Leibe gefaßten Absicht heraus. Überall war es so, daß er sich von dem Strome des Karma hinführen ließ zu den Aufgaben. Das ist wiederum die richtige Philosophennatur, die man eher etwas hinführen muß zu den Aufgaben, als daß sie aus einem egoistischen Willen heraus sich zu dieser oder jener Aufgabe drängen würde. Denn solche echten Philosophennaturen, die wissen in ihrem tiefen inneren Fühlen nur allzustark — und in ihren Impulsen —, daß man ja im Grunde wirklich reif zu einer Aufgabe niemals ist, und daß man eigentlich nur glauben kann, man wäre reif für eine Aufgabe, wenn man maßlos eitel ist, daß man eigentlich immer etwas vorausnimmt von dem, was man später erst leisten kann. Denn bloß, wenn man diese Gesinnung hat, dann verspürt man in seinem Leben etwas von dem, was die innere Berufung ist. Und es wird dann das Leben in gewisser Weise durchdrungen von dem: Erkenne dich! — Man lernt ja sich am besten erkennen, wenn man wenig von seinem Ich spricht und denkt. Dann wird das, was man wirkt und arbeitet für das Leben, durchdrungen von dem: Erkenne dich, leb’ mit der Welt in Frieden!
[ 59 ] Es war dies die Devise des Fritz Mitscher. Solch ein Leben setzt sich dann in die geistige Welt hinein fort und bleibt dasjenige, was es war, nur daß aus dem Keim die Frucht in der geistigen Welt wird. Wir müssen dann absehen von jener Betrachtung, die ja unreal wäre, daß wir uns fragten: Was wäre aus solch einer Wesenheit geworden, wenn sie länger hätte bleiben können in der physischen Welt? Das ist eine unreale Betrachtung. Die reale Betrachtung führt uns gerade zu dem Großen, Wunderbaren, daß aufgenommen wird eine solche Seele in die geistigen Welten, und daß dasjenige, was sie nun in den geistigen Welten zu leisten berufen ist, sich zu dem, was sie hier durchlebt hat zwischen Geburt und Tod, verhält wie die Frucht der Pflanze zu dem Samen, so daß das hiesige Leben wirklich ein Samenleben für das geistige Leben nach dem Tode ist.
[ 60 ] So müssen sich einem gerade bei einer Natur, welche in der Objektivität lebt, wenn man sie nach dem Tode betrachtet, die Worte in die Seele hereinsenken, die diese Objektivität der Lebensauffassung charakterisieren, aber auch das Verhältnis zur umliegenden Welt: in der Welt drinnenstehen und mit der Wesenheit in der Welt drinnenstehen. So war es denn notwendig über Fritz Mitscher zu sprechen, wobei eben gerade dieser Unterschied zwischen dem Samen hier und der Pflanze, die sich weiter entwickelt dort, sich als das Charakteristische vor die Seele hinstellt. So erkläre ich mir, warum die Worte gerade so wurden, wie sie waren:
Ein Verlust, der tief uns schmerzt,
So entschwindest Du dem Feld,
Wo des Geistes Erdenkeime
In dem Schoß des Seelenseins
Deinem Sphärensinne reiften...Eine Hoffnung, uns beglückend:
So betratest Du das Feld,
Wo der Erde Geistesblüten
Durch die Kraft des Seelenseins
Sich dem Forschen zeigen möchten.Lautrer Wahrheitliebe Wesen
War Dein Sehnen urverwandt;
Aus dem Geisteslicht zu schaffen
War das ernste Lebensziel,
Dem Du rastlos nachgestrebt....Eine Hoffnung, uns beglückend
So betratest Du das Feld,
Wo der Erde Geistesblüten
Durch die Kraft des Seelenseins
Sich dem Forschen zeigen möchten.Höre unsrer Seelen Bitte,
Im Vertrau’n Dir nachgesandt:
Wir bedürfen hier zum Erdenwerk
Starker Kraft aus Geistes-Landen,
Die wir toten Freunden danken.Eine Hoffnung, uns beglückend
Ein Verlust, der tief uns schmerzt:
Laß uns hoffen, daß Du ferne-nah,
Unverloren unsrem Leben leuchtest,
Als ein Seelen-Stern im Geistbereich.
[ 61 ] So konnte denn Fritz Mitscher geradezu die Individualität sein, bei der ausgesprochen wurde dasjenige, was aber real und wirklich war bei vielen unserer toten Freunde bei ihrem Eintritt in die geistige Welt: Sie werden auf dem Felde des geistigen Lebens, das wir zu pflegen haben, unsere wirksamsten Mitarbeiter, sie werden diejenigen, zu denen wir mit besonderem Danke aufschauen, wenn wir an die Aufgaben der gegenwärtigen und zukünftigen geistigen Entwickelung denken müssen, Aufgaben, die sich nur schwierig und langsam werden realisieren lassen innerhalb unseres Erdenseins mit den Kräften bloß, die in physischen Leibern inkarniert sind. So erscheint es mir bei unseren durch die Pforte des Todes gehenden Freunden, wie wenn es überall am Platze gewesen wäre, ihnen, wie auch unserem Freunde Christian Morgenstern, mitzugeben die Bitte, so bei uns zu bleiben, daß durch ihre Kräfte vieles getan werden kann in unserer geistigen Bewegung, was mit bloß irdischen Kräften eben nicht getan werden kann.
[ 62 ] Gerade dieses mußte man als letzten Erdengruß an solche Individualitäten richten, und deutlich ausgesprochen werden muß es ganz besonders bei unserem lieben Freunde Fritz Mitscher, der auch mit seiner Jugendkraft in der in diesen Tagen charakterisierten Weise unser starker Helfer sein wird, der wahrhafter Trost sein wird, Trost da, wo Trost nötig ist. Er ist oftmals nötig.
[ 63 ] Es ist so mancherlei, was insbesondere in der letzten Zeit unseres Wirkens und Schaffens und unseres Strebens uns so recht vor Augen führt, wie groß die Hemmnisse, die wirklich nicht eingebildeten Hemmnisse des physischen Planes sind, wie schwer sich die Vorurteile der Menschen entgegenstellen demjenigen, was bei uns geleistet werden muß, und in welch widerspruchsvoller Weise sie sich oftmals entgegenstellen.
[ 64 ] Man braucht etwa nur ein solches Beispiel zu nehmen: Die Menschen draußen, außerhalb unserer geisteswissenschaftlichen Strömung, schreiben Broschüren — dasjenige, was ich jetzt sage, ist wirklich nicht aus einem persönlichen Grunde gesagt, weil ich mich dabei nur als schwaches Instrument fühle der geistigen Bewegung, die uns zu tragen hat —, also die Menschen draußen schreiben Broschüren über Broschüren darüber, wie von unseren Anhängern alles, ohne geprüft zu werden, auf Treu und Glauben und auf Vertrauen hingenommen wird, wie gewissermaßen in unserem Kreise nichts vorhanden wäre, als der blinde Glaube. So charakterisiert man draußen unsere Bewegung: als wären alle bloß blindgläubige Tröpfe, die nur auf das Vertrauen hin, das sie haben, nachlaufen. Das draußen!
[ 65 ] Innerhalb der Mauern sieht es manchmal mit diesem Vertrauen wenn man auf dasjenige Vertrauen etwas gibt, das in den tieferen Seelengründen vorhanden ist und nicht bloß in den Worten, an der Oberfläche liegt — gar nicht so glänzend aus. So daß ein großer Widerspruch vorhanden ist zwischen dem, wessen uns die Leute in ihren Broschüren anklagen, und dem, was in so reicher Überfülle innerhalb der Mauern unserer Gesellschaft vorhanden sein sollte. Es ist ein klaffender Widerspruch. Denn wenn es wirklich hat vorkommen können ohne Kritik und vor allen Dingen ohne Bitterkeit sage ich das, was ich zu sagen habe, und ohne im allergeringsten eine Persönlichkeit treffen zu wollen —, wenn es hat vorkommen können, daß mit Rücksicht auf mancherlei, was ich im Herbste hier an dieser Stelle gesagt habe, hat geschrieben werden können: der Doktor Steiner vertrödelt seine okkulten Forschungen mit solchen Angelegenheiten — und unter Angelegenheiten ist hier dasjenige gemeint, was ich dazumal zur Sprache gebracht habe —, er vertrödelt also seine okkulten Kräfte für solche Dinge, die dazumal ausgesprochen worden sind —, wenn das hat geschrieben werden können, dann ist das doch ein klarer Beweis dafür, daß jenes Vertrauen, dessen wir draußen in der Welt, als einzig bei uns herrschend angeklagt werden, wenn es auch vielfach in den oberen Bewufßtseinsschichten als Maja vorhanden ist, doch in den tiefern Seelenkräften gar nicht so außerordentlich fest sitzt.
[ 66 ] Schließlich wird dasjenige, was als Lehre hier vorgebracht wird, auf keine Autorität gegründet und niemals als Dogma zu glauben gefordert. Das ist gerade gesagt mit der Tendenz, daß es in allen Einzelheiten geprüft werde. Aber etwas wie sich zum Richter aufwerfen darüber, worauf ich selbst zu erstrecken habe meine okkulten Forschungen und worauf nicht, das ist eine Geistestyrannis, die im eminentesten Sinne nicht aus dem entspringt, was natürlich bis zu einem gewissen Grade vorhanden sein muß, nicht, um Geisteswissenschaft aufzunehmen, was aber vorhanden sein muß, ich möchte sagen, um der Gesellschaft willen. Es ist eine Geistestyrannis, die aus unterbewußtem Mangel an Vertrauen entspringt. Um Lehren entgegenzunehmen, braucht man kein Vertrauen; aber um dem Geistesforscher nicht vorzuschreiben, was er aus der geistigen Welt aufzunehmen hat, sondern vorauszusetzen, daß der Vertreter der Geisteswissenschaft selbst weiß, was er zu tun hat und selber über dasjenige, was in das Gebiet seiner Forschungen fällt, entscheiden muß, dazu gehört ein Vertrauen, das ja auch der Bewegung niemals irgendwie unförderlich sein kann, weil es über den Kreis des Persönlichen nicht hinausgeht, weil es die Lehre nicht berührt. Aber es bezeichnet eine solche Tatsache — wie viele ähnliche Tatsachen es bezeigen —, daß schon große Hemmnisse und Schwierigkeiten vorhanden sind, und daß es schon notwendig ist, daß wir immer weiter und weiter, fern von alle dem, was einem Wunsche des Wirkens ähnlich sieht, innerhalb unserer geistigen Bewegung das, was aus der Einsicht in die innere Notwendigkeit hervorgeht, als Pflicht tun. Diese Pflicht wird immer getan werden, wenn sie auch noch so sauer gemacht werden sollte, nach den gewöhnlichen Auffassungen des Lebens das Wort «sauer» genommen.
[ 67 ] Aber gerade dann, wenn wir sehen, daß wir solchen teuren Toten geben dürfen etwas wie eine Art persönlichen Auftrag, mit uns zu sein durch ihre Kräfte, mit unseren Kräften zusammen zu wirken, dann entspringt für unsere Bewegung ein Gefühl von Sicherheit, das die physische Welt niemals geben könnte.
[ 68 ] Und so fließt ein in unsere Bewegung, in dem Angedenken an unsere teuren Toten, in die Impulse selber etwas, was übersinnlich ist, was nicht bloß aus demjenigen entspringt, was wir hier manchmal gar nicht zur Beflügelung unseres Wirkens in der physischen Welt erleben können. Es entspringt sozusagen die Möglichkeit daraus, daß einfließt in die Maja unseres Gesellschaftswirkens Übersinnliches an Impulsen, daß wir uns sicher wissen, weil bei dem, was wir tun, nicht bloß das ist, was sich äußerlich auf dem physischen Plan vollzieht, sondern in diesem konkreten Sinn dabei ist auch dasjenige, was übersinnlich ist, da mit uns geblieben sind, wenn auch nicht im physischen Sein, unsere teueren Toten, so daß wir uns sicher wissen im Wirken, welches sich im Strome des geistigen Werdens drinnen empfindet.
Höre unsrer Seelen Bitte,
Im Vertrau’n Dir nachgesandt:
Wir bedürfen hier zum Erdenwerk
Starker Kraft aus Geistes-Landen,
Die wir toten Freunden danken.
[ 69 ] So sprechen wir real von unseren teuren Toten als von unseren Genossen, unseren Kameraden, unseren Mitarbeitern, als von denjenigen, deren Wesen unsichtbar unter uns waltet. So ergreifen wir in dieser Weise konkret das unsichtbare Wesen, geben in der sichtbaren Welt ein letztes Mal physisch dem Freunde die Hand und empfangen dann geistig, nach dem Tode, diese Hand aus der übersinnlichen Welt. Und in diesem Wechseln des Händedrucks sehen wir das Symbol für das Wirken innerhalb einer Gesellschaft, die nicht nur für die physische Welt sprechen soll, die hereinrufen soll zu ihrer Wirksamkeit auch die übersinnlichen Welten. Solchem Wirken, solchem Arbeiten wollen wir eine Stätte bauen hier auf diesem Hügel. Möge für solches Wirken hier eine Stätte sein!
