Paths to Spiritual Insight and
the Renewal of an Artistic Worldview
GA 161
7 February 1915, Dornach
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Paths to Spiritual Insight and the Renewal of an Artistic Worldview, tr. SOL
Siebenter Vortrag
Seventh Lecture
[ 1 ] Wir haben Betrachtungen angestellt über dasjenige, was man nennen kann das Problem des Todes, und wir haben angeknüpft an mancherlei ja auch in Schmerz getauchte Erlebnisse der letzten Zeit.
[ 1 ] We have reflected on what might be called the problem of death, drawing on various recent experiences, some of which have indeed been tinged with sorrow.
[ 2 ] Zunächst möchte ich heute auf einiges Allgemeinere aufmerksam machen, was mit diesem Problem des Todes zusammenhängt und was erforscht werden kann durch die Mittel, die uns die Initiationserkenntnis eben an die Hand gibt. Man muß sich durchaus vorstellen, daß der Mensch, wenn er die Pforte des Todes durchschreitet, allerdings in eine für ihn ganz andere Welt kommt, als dies oftmals gedacht wird. Es ist ja ein begreiflicher Hang der menschlichen Natur, daß man sich das Reich jenseits des Todes, überhaupt das geistige Reich, in das wir eintreten durch die Pforte des Todes, ähnlich vorstellt wie das Reich der Sinne und des Verstandes, in dem wir sind zwischen der Geburt und dem Tode. Ich sage, es ist ein begreiflicher Hang, sich dieses Reich jenseits des Todes gewissermaßen wie eine Art von Fortsetzung des hiesigen Reiches vorzustellen; allein man irrt damit. Denn schwierig ist es schon, aus dem Schatz unserer Sprache heraus Worte zu finden, die es möglich machen, die Erlebnisse zwischen dem Tode und einer neuen Geburt auch nur einigermaßen hinlänglich zu charakterisieren. Ich habe ja öfter erwähnt, daß unsere Sprache für die physische Welt bereitet ist, und daß wir gewissermaßen unser Verhältnis zu den Worten verinnerlichen müssen, wenn wir die Worte fähig machen wollen, dasjenige auszudrücken, was jenseits des Todes ist.
[ 2 ] First of all, I would like to draw attention today to some more general points related to this problem of death, which can be explored using the tools provided by initiatory knowledge. One must certainly have a mental image of what it is like for a person to pass through the gate of death, as this is often not what is thought. It is, after all, an understandable tendency of human nature to create a mental image of the realm beyond death—indeed, the spiritual realm into which we enter through the gate of death—as similar to the realm of the senses and the intellect in which we live between birth and death. I say it is an understandable tendency to create a mental image of this realm beyond death, so to speak, as a kind of continuation of the realm here; but this is a mistake. For it is already difficult to find words from the treasure of our language that make it possible to characterize the experiences between death and a new birth even to a reasonable degree. I have often mentioned that our language is designed for the physical world, and that we must, so to speak, internalize our relationship to words if we want to enable them to express what lies beyond death.
[ 3 ] Es ist ja auch die Art, wie diese Worte aus der Seele herauskommen, wenn die Seele charakterisieren soll irgend etwas, was jenseits des Todes liegt, eine ganz andere, als die Art ist, wie die Worte in der sinnlichen Welt und in der Verstandeswelt aus uns herauskommen. Es ist vielmehr diese Art, sich über die geistige Welt, ihre Wesenheiten und ihre Erscheinungen auszusprechen, ein Sich-Hingeben an diese geistige Welt und ein Sich-erteilen-Lassen der Worte.
[ 3 ] After all, the way these words flow from the soul—when the soul is called upon to describe something that lies beyond death—is entirely different from the way words flow from us in the sensory world and in the world of the intellect. Rather, it is this way of speaking about the spiritual world, its beings, and its manifestations—a surrendering to this spiritual world and a allowing the words to flow through oneself.
[ 4 ] Solche Worte, wie ich sie Ihnen gestern mitgeteilt habe mit Bezug auf unsere liebe Frau Grosheintz, werden nicht so gebildet, wie man Worte bildet, wenn man irgend etwas in der äußeren physischen Welt zum Ausdruck bringen will, sondern sie werden so gebildet, daß sie gleichsam in die eigene Seele hineingegossen werden von dem Wesen, um das es sich handelt, so daß? das Wesen, um das es sich handelt, sie gibt, sie eingießt, daß wir nicht das Gefühl dann haben, wir drücken durch diese Worte irgend etwas aus, das wir anschauen; sondern wir haben durchaus das Gefühl: durch uns drückt sich etwas aus, etwas das uns gewissermaßen nur als sein Organ benützt, um sich auszudrücken, um sich im spirituellen Sprachausdruck zu objektivieren. Es ist also ein ganz anderer Vorgang, es ist ein Sich-Überlassen mit seiner Seele dem Wesen, mit dem man es zu tun hat, und ein solches Sich-Überlassen, daß dieses Wesen die Möglichkeit findet, mit unseren Werkzeugen seine eigene innere Art und seine eigenen innerlichen Erlebnisse auszusprechen. Es ist, wenn man das Wort prägt, nicht wie ein Anbequemen an etwas Äußeres, sondern wie eine Hingabe an das Wesen, um das es sich handelt, wie ein ZurVerfügungstellen des Wortes an dieses Wesen, so daß dieses Wesen sich dann selber unseres Wortes bedienen kann.
[ 4 ] Words such as those I shared with you yesterday in reference to our dear Mrs. Grosheintz are not formed in the same way that words are formed when one wishes to express something in the external physical world; rather, they are formed in such a way that they are, as it were, poured into one’s own soul by the being in question, so that? the being in question gives them, pours them in, so that we do not then have the feeling that we are expressing through these words something we are looking at; but rather we have the distinct feeling: something is expressing itself through us, something that, so to speak, uses us merely as its organ to express itself, to objectify itself in spiritual speech. It is therefore a completely different process; it is a surrendering of one’s soul to the being one is dealing with, and such a surrendering that this being finds the means to express its own inner nature and its own inner experiences through our instruments. It is, to coin the term, not like an adaptation to something external, but like a surrender to the being in question, like a placing of the word at the disposal of this being, so that this being can then make use of our word itself.
[ 5 ] Also es ist eine ganz andere Art, zur Objektivität sich zu stellen, als die Art hier ist, in der sinnlichen und Verstandeswelt. Daher gehört ja zu den allerersten Bedingungen, um ein richtiges Verhältnis zur geistigen Welt zu gewinnen, eine gewisse Beweglichkeit des Inneren, ein gewisses Anpassungsvermögen an die verschiedensten Individualitäten, eine fortwährende Möglichkeit, aus sich herauszugehen und in andere Individualitäten sich hineinzubegeben. Man muß, wenn man wirklich mit einer gewissen Treffsicherheit — wenn ich mich des Wortes bedienen darf zum Ausdruck bringen will, was in der übersinnlichen Welt ist und was in derselben lebt, wie es bei demjenigen ist, der durch die Pforte des Todes gegangen ist, man muß vor allen Dingen gründlich geheilt sein von dem, was man den irdischen Ich-Wahn nennen kann; man muß dazu durchgedrungen sein, möglichst wenig an sich zu denken, möglichst wenig sich in den Mittelpunkt der Weltbetrachtung zu stellen. Wenn man einen starken Hang dazu hat, viel von sich zu sprechen, viel über sich nachzudenken, dann muß man diesen Hang überwinden, denn dieses Viel-über-sich-Sprechen, dieses Viel-über-sich-Nachdenken ist wirklich der schlechteste Weg zur Selbsterkenntnis. Wenn man den Hang hat, viel über sich zu sprechen, alle Dinge so zu beurteilen, daß man vor allen Dingen darauf bedacht ist, wie man sich selber hineinstellt in die Welt, was man der Welt bedeutet: wenn man diesen Hang hat, so ist man schlecht geeignet, sich in der geistigen Welt zurechtzufinden oder irgend etwas von der geistigen Welt zum Ausdruck zu bringen.
[ 5 ] So it is a completely different way of approaching objectivity than the way it is here, in the world of the senses and the intellect. That is why one of the very first conditions for gaining a proper relationship to the spiritual world is a certain inner flexibility, a certain ability to adapt to the most diverse individualities, a constant capacity to step outside oneself and enter into other individualities. If one truly wishes to express with a certain accuracy—if I may use the word—what exists in the supersensible world and what lives within it, as is the case with one who has passed through the gate of death, one must above all be thoroughly healed of what might be called the earthly delusion of the ego; one must have come to the realization of thinking as little as possible about oneself, of placing oneself as little as possible at the center of one’s view of the world. If one has a strong tendency to speak much about oneself, to think much about oneself, then one must overcome this tendency, for this speaking much about oneself, this thinking much about oneself, is truly the worst path to self-knowledge. If one has a tendency to talk a lot about oneself, to judge all things in such a way that one is concerned above all with how one positions oneself in the world, what one means to the world: if one has this tendency, then one is ill-suited to find one’s way in the spiritual world or to express anything of the spiritual world.
[ 6 ] In spirituellem Sinne beschäftigt man sich am allermeisten mit sich, wenn man im irdischen Sinne am wenigsten sich mit sich selbst beschäftigt, im irdischen Sinne am wenigsten an sich denkt; denn das, was uns im irdischen Sinne am interessantesten ist — der Zusammenhang der Welt mit unserer eigenen Person —, das ist für die geistige Welt das Allerbedeutungsloseste, das Allerunbedeutendste.
[ 6 ] In a spiritual sense, one is most concerned with oneself when, in an earthly sense, one is least concerned with oneself, when, in an earthly sense, one thinks least of oneself; for what is most interesting to us in an earthly sense—the connection between the world and our own person—is, for the spiritual world, the most meaningless, the most insignificant thing of all.
[ 7 ] Daher werden wir immer finden können, daß uns der Weg in die wahre geistige Wirklichkeit hinein sehr schwer wird, wenn wir bei jeder Gelegenheit Veranlassung finden müssen, nach unserer inneren Veranlagung, von uns zu sprechen, von dem, was durch uns selber geschehen soll, von dem, was wir eventuell der Welt wert sein könnten und dergleichen mehr.
[ 7 ] Therefore, we will always find that the path into true spiritual reality becomes very difficult for us if, at every opportunity, we feel compelled—driven by our inner disposition—to speak of ourselves, of what is to be accomplished through us, of what we might possibly be worth to the world, and so on.
[ 8 ] Wenn wir diese Methode auf das alltägliche Leben anwenden, dann kommen wir selbst im alltäglichen Leben, das ja auch im Inneren beherrscht ist von geistigen Kräften und Impulsen, nicht zurecht. Da kann man die merkwürdigsten Zusammenhänge finden. Ich habe Menschen kennengelernt, die viel klagen darüber, daß sie es am Morgen außerordentlich schwierig finden, aufzustehen, daß ihnen der Entschluß schwer wird, sich zu erheben. Ich habe sogar Menschen kennengelernt, die ruhig es gestanden haben: wenn nicht eine äußere Zwangslage vorhanden wäre, die sie dazu brächte aufzustehen, so würden sie überhaupt nicht aufstehen wollen.
[ 8 ] If we apply this method to everyday life, we find that we cannot cope even in our daily lives, which are, after all, also governed internally by spiritual forces and impulses. There, one can find the strangest of connections. I have met people who complain a great deal that they find it extremely difficult to get up in the morning, that they struggle to make the decision to rise. I have even met people who calmly admitted: if there were not an external necessity compelling them to get up, they would not want to get up at all.
[ 9 ] Man kann immer einen inneren Zusammenhang finden zwischen dem ganzen Wesen des Menschen und einem solchen Hang. Es werden in der Regel Menschen sein, die einem viel von sich erzählen, die viel davon erzählen, was ihnen sympathisch und antipathisch ist, die einem viel davon erzählen, was ihnen da oder dort begegnet ist zu ihrem Heile oder Unheile und dergleichen. Auf solche Zusammenhänge muß derjenige achten, der sich für ein wirklich objektives Erfassen der geistigen Welt vorbereiten will; denn wir müssen das Leben betrachten, wenn wir in die Wirklichkeit hineinkommen wollen. Und dessen können Sie versichert sein: wir sind als Menschen durch unsere natürlichen Anlagen in der Regel gegen nichts so feindlich gestimmt als gegen die Forderung, das Leben objektiv zu nehmen; wir sind zu nichts so sehr geneigt, als uns selbst mit zu großem Ernst und das äußere Leben mit zu geringem Ernst zu betrachten. Man ringt sich nur ganz allmählich durch zu Worten, die dann wirklich echte, gute Leitmotive des Lebens sein können, und gerade an großen Genies kann man oftmals sehen, wie sie viel durchmachen, um dann ihre ganze Lebensweisheit in ein einziges Wort zu prägen. Das bedeutet dann ganz etwas anderes, als wenn es im gewöhnlichen Tageslaufe von irgend jemandem ausgesprochen wird.
[ 9 ] One can always find an inner connection between the whole nature of a person and such a tendency. These will generally be people who tell you a great deal about themselves, who talk at length about what they like and dislike, who tell you a great deal about what they have encountered here and there—whether to their benefit or detriment—and so on. Anyone who wishes to prepare themselves for a truly objective understanding of the spiritual world must pay attention to such connections; for we must observe life if we wish to enter into reality. And you can be assured of this: as human beings, we are, by our natural disposition, generally most hostile to nothing more than the demand to take life objectively; we are inclined toward nothing more than to regard ourselves with too much seriousness and external life with too little. One only gradually forces oneself to find words that can then truly become genuine, good guiding principles of life, and it is precisely in great geniuses that one can often see how they go through much to then distill all their wisdom of life into a single word. This then means something quite different than when it is uttered by just anyone in the ordinary course of daily life.
[ 10 ] Ich habe einmal darauf aufmerksam gemacht — es war im Zusammenhange mit den Vorträgen, die ich in Norrköping gehalten habe —, wie man leicht sagen kann das große eindringliche Wort des alten Johannes: «Kinder, liebet einander.» Aber es bedeutet etwas ganz anderes, wenn es ein Narr, irgendein Geck in die Welt hinein sagt, als wenn es der Johannes gesagt hat am Ende eines reichen Lebens, in dem viel, viel durchgemacht worden ist hier auf der Erde.
[ 10 ] I once pointed out—it was in connection with the lectures I gave in Norrköping—how easy it is to utter the powerful words of old John: “Children, love one another.” But it means something entirely different when a fool, some dandy, utters it into the world, than when John said it at the end of a rich life in which much, much had been endured here on earth.
[ 11 ] Es kommt bei dem Worte nicht allein auf die Richtigkeit an, sondern auch darauf, aus welchen Untergründen der Seele heraus es gesagt wird, aus welchen Untergründen es entspringt. So hat sich auch Goethe durch ein reiches Leben zu einem schönen Worte durchgerungen, dessen tiefen Sinn man ergründen sollte; aber nicht so, daß man glaubt — indem man hindeutet auf dieses Wort —, in jeder Lebenslage könne man es verstehen. Um es so zu verstehen, ist es — ich möchte das paradoxe Wort prägen viel zu einfach. Denn es so zu verstehen, ist jedem Kinde möglich. Aber wie es verstanden werden muß, wenn man es wie Goethe auf Grundlage einer reichen, einer überreichen Lebenserfahrung verstanden hat, ist es nicht jedem Kinde zu verstehen möglich. Ich meine das Wort: «Erkenne dich, leb’ mit der Welt in Frieden!» Die Zusammengehörigkeit dieser beiden Sätze — und darauf kommt es an — zeigt uns: Es gibt keine Selbsterkenntnis, die nicht zu einem Leben mit der Welt in Frieden wirklich führte.
[ 11 ] What matters in a word is not merely its accuracy, but also the depths of the soul from which it is spoken, the depths from which it springs. Thus Goethe, too, through a rich life, arrived at a beautiful word whose deep meaning one should strive to fathom; but not in such a way that one believes—by pointing to this word—that it can be understood in every situation. To understand it in that way is—I would like to coin the paradoxical phrase—far too simple. For any child can understand it that way. But how it must be understood, when one has grasped it like Goethe on the basis of a rich, indeed an exceedingly rich, life experience, is not something every child can comprehend. I mean the words: “Know thyself, live in peace with the world!” The connection between these two sentences—and this is what matters—shows us: There is no self-knowledge that does not truly lead to a life in peace with the world.
[ 12 ] Alle diese Dinge, ich möchte sie wirklich so ausführlich wie nur irgend möglich besprechen, weil sie viel wichtiger sind, als Sie zunächst glauben. Aber ich kann nur darauf hindeuten und vieles, gerade in bezug auf solche Sachen, Ihrer eigenen Meditation überlassen. Ich möchte immerhin darauf hinweisen, da nach den Aussagen vieler es an Meditationsstoff fehle! Es fehlt wirklich nicht daran, wenn man nur den guten Willen hat, diejenigen Meditationsstoffe, die sich im Leben darbieten, sich von dem Leben als solche bieten zu lassen. |
[ 12 ] I would really like to discuss all these things in as much detail as possible, because they are much more important than you might initially think. But I can only touch on them briefly and leave much of it—especially when it comes to such matters—to your own meditation. I would like to point out, however, that according to many, there is a lack of material for meditation! There is truly no lack of it, if one only has the good will to allow the material for meditation that presents itself in life to be offered by life as such. |
[ 13 ] Nun wird derjenige, der durch die Pforte des Todes schreitet, unmittelbar durch diese Tatsache abgebracht von all den Majaverhältnissen, in denen er lebt, in die er verstrickt ist hier, solange er in dem physischen Leibe weilt; er wird davon abgebracht, denn sie werden ihm ja durch sein Verkörpertsein im physischen Leibe aufgedrängt. Er wird vor allen Dingen abgebracht von sehr vielen Verrichtungen, die ihm sympathisch geworden sind im Leben zwischen der Geburt und dem Tode und die er selbstverständlich, da ihm der physische Leib fehlt, nach dem Tode nicht mehr ausführen kann. Die ganze Art des Lebens wird anders, das Verhältnis zur Welt wird ein völlig anderes, und Sie bekommen, wenn Sie durch meditieren den Wiener Zyklus «Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt» eine Vorstellung über die ganz andere Art, wie man sich zu der Welt zu stellen hat, wenn man sich richtige Begriffe und Ideen bilden will über dieses Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Man muß nur die Worte, die da versucht worden sind stammelnd zu prägen, ganz ausleben, sie recht innerlich zu durchleben suchen. Das ist bei solchen Dingen dringend nötig.
[ 13 ] Now, the one who passes through the gate of death is immediately, by that very fact, separated from all the material circumstances in which he lives and in which he is entangled here, as long as he remains in the physical body; he is turned away from them, for they are, after all, imposed upon him by his embodiment in the physical body. Above all, he is turned away from the many activities that have become dear to him in the life between birth and death and which, naturally, since he lacks a physical body, he can no longer perform after death. The whole way of life changes; the relationship to the world becomes completely different, and if, through meditation, you engage with the Vienna Cycle “The Inner Being of Man and Life Between Death and New Birth,” you will gain a mental image of the entirely different way one must relate to the world if one wishes to form correct concepts and ideas about this life between death and a new birth. One must simply live out fully the words that have been tentatively coined there, and strive to experience them deeply within oneself. This is urgently necessary in such matters.
[ 14 ] Ich habe bereits in diesen Tagen darauf aufmerksam gemacht, daß der Moment des Todes sich im Grunde nur äußerlich vergleichen läßt mit dem Momente der Geburt für das physische Menschenleben. Denn im alltäglichen Verlaufe des Lebens, wenn nicht eine hellsichtige Erkenntnis den Menschen unterstützt, erinnert sich der Mensch ja nicht zurück bis zu seiner Geburt im physischen Leibe. Durch die Fähigkeiten, die uns die Erde gibt, erinnern wir uns.nicht daran zurück, wie, nicht einmal daran, daß wir geboren worden sind. Wenn es heute Menschen gibt, die da glauben, daß sie alles durch den Sinnenschein wissen, so denken sie eben nicht nach darüber, daß sie sogar das Anfangsereignis ihres Erdenlebens nicht durch den Sinnenschein erfahren können, sondern nur dadurch, daß man ihnen berichtet, daß sie geboren worden sind, und außerdem auf Grundlage einer oftmals nicht bewußten, aber doch unbewußt vorgenommenen Schlußfolgerung. Es gibt — wenn man nicht die hellseherischen Kräfte zu Hilfe nehmen will — nur diese beiden Methoden, sich davon zu überzeugen, daß man selber geboren worden ist: sich es erzählen zu lassen oder einen Schluß zu vollziehen, den Schluß: Andere Menschen werden geboren; ich bin den anderen Menschen ähnlich; also werde ich auch einmal geboren worden sein. Eine richtige Schlußfolgerung. Und irgend etwas anderes, um zur Tatsache der eigenen Geburt mit irdischen Kräften vorzurücken, als sich davon erzählen zu lassen oder diesen Analogieschluß zu machen, eine andere Methode als diese zwei gibt es nicht für die Erdenfähigkeiten. So beginnt bereits mit der Bemühung, sich Aufklärung über die eigene Geburt zu verschaffen, die Aufklärung darüber, daß es nicht möglich ist, eine Grundlage für die Wahrheit im bloßen Sinnenschein zu finden.
[ 14 ] I have already pointed out in recent days that the moment of death can, in essence, only be compared externally to the moment of birth in the context of physical human life. For in the ordinary course of life, unless a clairvoyant insight supports a person, human beings do not recall events prior to their birth into the physical body. Through the faculties the Earth gives us, we do not remember how, nor even that we were born. If there are people today who believe that they know everything through sensory perception, they simply do not reflect on the fact that they cannot even experience the initial event of their earthly life through sensory perception, but only through being told that they were born, and furthermore on the basis of a conclusion that is often not conscious but nevertheless drawn unconsciously. There are—unless one wishes to resort to clairvoyant powers—only these two methods of convincing oneself that one has been born: having it told to oneself, or drawing a conclusion, the conclusion: Other people are born; I am similar to other people; therefore, I too must have been born at some point. A correct conclusion. And there is nothing else, in terms of earthly powers, to advance toward the fact of one’s own birth other than having it told to oneself or drawing this analogical conclusion; there is no method other than these two for earthly faculties. Thus, the effort to gain insight into one’s own birth already marks the beginning of the realization that it is not possible to find a foundation for truth in mere sensory appearances.
[ 15 ] Der Moment des Todes ist durchaus unähnlich dem Momente der Geburt, insofern als man in der geistigen Welt immer hinschauen kann auf den Moment des Todes, während man ja auf den Moment der Geburt mit den gewöhnlichen Fähigkeiten im physischen Leibe nicht hinschauen kann. Man kann immer in der geistigen Welt in der Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt auf den Moment des Todes hinschauen, von dem Augenblick an, wo man ihn sich zum ersten Mal zum Bewußtsein gebracht hat. Da steht er da, allerdings nicht etwa so, wie wir ihn sehen mit seinen Schrecken von dieser Seite des Lebens aus, sondern er steht da als ein wunderbar herrliches Ereignis des Lebens, als ein Hervorgehen der geistig-seelischen Wesenheit des Menschen aus der physisch-sinnlichen Umhüllung, er steht da als die Befreiung der Willens- und Gefühlsimpulse aus dem flutenden, aus dem objektiv-flutenden Gedankenwesen.
[ 15 ] The moment of death is quite unlike the moment of birth, in that one can always look back on the moment of death in the spiritual world, whereas one cannot look back on the moment of birth with the ordinary faculties of the physical body. In the spiritual world, one can always look back at the moment of death during the time between death and a new birth, from the moment one first brings it to consciousness. There it stands, though not as we see it with all its horrors from this side of life, but it stands there as a wonderfully glorious event of life, as an emergence of the human spiritual-soul being from the physical-sensory envelope, it stands there as the liberation of the impulses of will and feeling from the surging, from the objectively surging thought-being.
[ 16 ] Daß der Mensch nicht unmittelbar nach dem Tode imstande ist, diesen Moment des Todes gleich zu erschauen, das hängt damit zusammen, daß wir nun nicht zuwenig Bewußtsein haben, wenn der Tod eingetreten ist, sondern im Gegenteil, daß wir zuviel Bewußtsein haben. Erinnern Sie sich nur an dasjenige, was in den Wiener Vorträgen steht: daß wir uns hineinleben nicht in zuwenig Weisheit, sondern in zuviel Weisheit, in eine uns wie überflutende, unendliche, von überall an uns herandringende Weisheit. Unweise zu sein ist uns unmöglich nach dem Tode. Diese Weisheit kommt über uns wie ein uns allseitig überflutendes Licht, und wir müssen im Gegenteil erst dahin gelangen, uns zu beschränken, uns in dem, worinnen wir anfangs nicht orientiert sind, zu orientieren. Also durch dieses Herabstimmen des ganz hochgestimmten Bewußtseins bis zu dem Grade von Bewußtheit, den wir ertragen können nach unserer irdischen Vorbereitung bis zum Tode, durch dieses Herabstimmen kommen wir zu dem, was wir das Erwachen nennen können nach dem Tode. |
[ 16 ] The fact that a person is not able to immediately perceive the moment of death upon dying is not because we lack consciousness when death occurs, but rather because, on the contrary, we have too much consciousness. Just recall what is written in the Vienna Lectures: that we do not enter into a state of too little wisdom, but rather into too much wisdom—a wisdom that seems to flood us, infinite, approaching us from all sides. It is impossible for us to be unwise after death. This wisdom comes over us like a light flooding us from all sides, and we must, on the contrary, first learn to limit ourselves, to orient ourselves within that in which we are initially disoriented. Thus, through this attuning down of the highly attuned consciousness to the degree of awareness that we can bear according to our earthly preparation up to death, through this attuning down we arrive at what we might call the awakening after death. |
[ 17 ] Wir erwachen nach dem Tode, unmittelbar nach dem Tode, zu stark, und wir müssen erst dieses zu starke Erwachen herabmindern, herabdämpfen bis zu dem Grade, der den Fähigkeiten entspricht, die wir uns zubereitet haben durch die Erfahrungen, die wir in den verschiedenen Erdeninkarnationen durchgemacht haben. So ist es ein Ringen, uns selbst zu behaupten in dem von allen Seiten über uns hereinbrechenden Bewußtsein.
[ 17 ] After death, immediately after death, we awaken with too much intensity, and we must first temper this intense awakening, dampen it down to a degree that corresponds to the abilities we have developed through the experiences we have undergone in our various earthly incarnations. Thus, it is a struggle to assert ourselves amidst the consciousness that is overwhelming us from all sides.
[ 18 ] Und nun kommt etwas, worinnen wir uns alle, nach dem Tode sowohl wie auch, wenn wir richtig in die Initiation eintreten wollen, gewissermaßen erst von den Gewohnheiten des physisch-sinnlichen Lebens erholen müssen. Ich möchte, um ganz verständlich zu sein, da an etwas anknüpfen. Als wir begonnen haben in Berlin, in einem recht kleinen Kreise, unsere geisteswissenschaftlich gehaltene Bewegung zu betreiben, haben sich uns zunächst die verschiedensten Menschen angeschlossen. Wir waren damals ein sehr kleiner Kreis. Eine Persönlichkeit aus diesem Kreise kam eines Tages, nicht lange nachdem wir angefangen hatten zu arbeiten, und erklärte, sie müsse wieder austreten, und zwar aus dem Grunde, weil sie eingesehen habe, daß wir nicht auf dem richtigen Wege seien: denn es käme nicht darauf an, daß man alle die Dinge suche, die wir suchten, sondern es käme darauf an, daß man die Einheit suche. Es war das etwas wie eine Idee fixe bei der entsprechenden Persönlichkeit. In einem längeren Gespräche entwickelte sie diese Idee fixe der Einheit, und dann ging sie fort von uns, um die Einheit zu suchen. Es glaubte diese Persönlichkeit durch dieses Suchen nach der Einheit, mit dieser Idee fixe der Einheit, gerade in das Übersinnliche hineinzukommen. Aber diese Idee der Einheit, die ist diejenige, die sich nur ergibt aus der letzten Abstraktion des äußeren physischen Lebens. Dieses Streben nach der Einheit ist nämlich das Allersinnlichste, wonach der Mensch streben kann. Man muß geheilt werden gerade von diesem Einheitsstreben, wenn man richtig stehen will in der geistigen Welt. Hier in der Sinneswelt liegt es uns ja so nahe, zu sagen: Wir müssen die Einheit überall suchen, wir müssen aus der Vielheit, aus der Mannigfaltigkeit heraus die Einheit suchen. — Aber das ist etwas, was nur für die sinnlich-physische Welt hier Bedeutung hat. Denn treten wir durch die Pforte des Todes, dann haben wir nicht die Mannigfaltigkeit, sondern das, was als ein überflutendes Bewußtsein vor unsere Seele tritt: wir haben, wenn wir durch die Pforte des Todes getreten sind, nichts als Einheit um uns, immer wieder Einheit. Da kommt es dann darauf an, die Vielheit, die Mannigfaltigkeit richtig zu finden. Da müssen wir nichts anderes erstreben, als aus der Einheit heraus- und in die Vielheit hineinzukommen.
[ 18 ] And now comes something in which we all—both after death and if we wish to properly enter into initiation—must, in a sense, first recover from the habits of physical-sensory life. To make myself perfectly clear, I would like to pick up on something here. When we began our Spiritual Science movement in Berlin, in a rather small circle, a wide variety of people initially joined us. We were a very small circle at that time. One person from this circle came one day, not long after we had begun our work, and declared that she had to leave, on the grounds that she had realized we were not on the right path: for what mattered was not seeking all the things we were seeking, but rather seeking unity. It was something like an idée fixe for this person. In a lengthy conversation, they elaborated on this idée fixe of unity, and then they left us to seek unity. Through this search for unity, with this idée fixe of unity, this person believed they were entering the supersensible realm. But this idea of unity is precisely the one that arises only from the ultimate abstraction of external physical life. For this striving for unity is, in fact, the most sensory thing a human being can strive for. One must be healed of this very striving for unity if one wishes to stand correctly in the spiritual world. Here in the sensory world, it is so natural for us to say: We must seek unity everywhere; we must seek unity out of multiplicity, out of diversity. — But this is something that has meaning only for the sensory-physical world here. For when we pass through the gate of death, we no longer have diversity, but rather that which appears before our soul as an overwhelming consciousness: once we have passed through the gate of death, we have nothing but unity around us, unity again and again. There, then, it becomes a matter of finding the multiplicity, the diversity, correctly. There we must strive for nothing other than to emerge from unity and enter into multiplicity.
[ 19 ] Nun möchte ich Ihnen eine richtig treffende Vorstellung davon geben, wie man in die Vielheit hineinkommt aus der Einheit. Nehmen Sie einmal an, man tritt durch die Pforte des Todes, tritt ein in diese Welt flutenden geistigen Weisheitslebens. In diese Welt tritt man ja zunächst ein, die uns anfangs betäubt, wenn wir in ihr aufgewacht sind. Wir wollen sie so charakterisieren, diese Welt, daß wir da das um uns flutende Licht als eine die Welt erfüllende Einheit haben; so erscheint sie uns. Nicht einmal uns selber unterscheiden wir darinnen. So sehr ist das eine Einheit, daß wir nicht einmal uns selber darinnen unterscheiden, daß wir selbst diese Unterscheidung nicht haben zwischen uns und der Welt; sondern wir gehören voll dazu zu der Welt. Alles ist eine Einheit.
[ 19 ] Now I would like to give you a truly apt mental image of how one enters into multiplicity from unity. Suppose you pass through the gate of death and enter this world of spiritual wisdom that floods our being. We first enter this world, which initially stuns us when we awaken within it. Let us characterize this world in such a way that we perceive the light flooding around us as a unity filling the world; this is how it appears to us. We do not even distinguish ourselves within it. So great is this unity that we do not even distinguish ourselves within it, that we ourselves do not have this distinction between ourselves and the world; rather, we belong fully to the world. Everything is one.
[ 20 ] Aber jetzt beantworten wir uns einmal eine Frage — und ich bitte Sie, über diese Antwort, die ich geben werde, nicht nur ein wenig, sondern recht viel nachzudenken —, jetzt beantworten wir uns eine Frage, die Frage: Was ist sie eigentlich, die Einheit, in die wir da aufgenommen werden? Denken Sie sich alle die Wesenheiten der höheren Hierarchien, von denen Ihnen ja neun, respektive zehn, wenn wir den Menschen dazu nehmen, bekannt sind. In jeder Hierarchie ist eine große Anzahl von Wesen. Die denken alle, es denkt ja nicht bloß der Mensch, es denken die Wesen aller dieser höheren Hierarchien. Also denken Sie sich diese ganze Summe von Wesenheiten, in die wir aufgenommen werden, wenn wir durch die Pforte des Todes geschritten sind. Die sind um uns herum. Durch die Todespforte schreitend, werden wir in die ganze Fülle der geistigen Wesenheiten aufgenommen. Wir nehmen sie zunächst nicht wahr, sind aber darinnen: Das, was uns zuerst umflutet, ist eben diese Einheit. Und was ist diese Einheit? Das sind die ineinander verschwimmenden Gedanken aller Hierarchien. Was alle Hierarchien zusammen denken, diese Gedankenwelt der Hierarchien, ununterschieden, was der eine Hierarch denkt, was der andere Hierarch denkt: das alles verschwimmt in eine Einheit. In diese Gedanken der Hierarchien wachsen wir hinein. Das ist das uns umflutende Gedankenlichtwesen. Das ist diese Einheit. Also wir leben in den zu einer Einheit zusammenfließenden Gedanken der Hierarchien. Da leben wir darinnen.
[ 20 ] But now let us answer a question—and I ask you to reflect not just a little, but quite deeply on the answer I am about to give—let us answer the question: What, exactly, is this unity into which we are being received? Imagine all the beings of the higher hierarchies, of which you are familiar with nine, or ten if we include human beings. In every hierarchy there is a great number of beings. They all think; it is not only human beings who think, but the beings of all these higher hierarchies. So imagine this entire multitude of beings into which we are received once we have passed through the gate of death. They are all around us. As we pass through the gate of death, we are received into the full abundance of spiritual beings. At first we do not perceive them, yet we are within them: what first engulfs us is precisely this unity. And what is this unity? It is the thoughts of all the hierarchies, merging into one another. What all the hierarchies think together—this world of thought of the hierarchies, undifferentiated, what one hierarch thinks, what another hierarch thinks—all of this merges into a unity. We grow into these thoughts of the hierarchies. This is the being of thought-light that engulfs us. This is that unity. So we live within the thoughts of the hierarchies flowing together into a unity. There we live within it.
[ 21 ] Und um was handelt es sich nun weiter in unserem Leben nach dem Tode? Darum handelt es sich, daß wir ein Verhältnis gewinnen zu den einzelnen Wesenheiten, die wir aus dem Gedankenmeere, in dem die Gedanken aller Hierarchien zusammenfließen, herausheben, und ein Verhältnis gewinnen zu den einzelnen Wesen, zu der Vielheit. Wir müssen nach dem Tode nicht nur zu der Einheit der flutenden Gedankenwesen der Hierarchien ein Verhältnis gewinnen, denn das ist uns gegeben; sondern wir müssen uns hindurcharbeiten so, daß wir ein Verhältnis bekommen zu den einzelnen Wesenheiten der Hierarchien. Wie bekommen wir das?
[ 21 ] And what else is at stake in our life after death? What is at stake is that we establish a relationship with the individual beings we draw out of the sea of thought—where the thoughts of all hierarchies converge—and establish a relationship with the individual beings, with the multitude. After death, we must not only establish a relationship with the unity of the surging thought-beings of the hierarchies—for that is given to us—but we must work our way through so that we establish a relationship with the individual entities of the hierarchies. How do we achieve this?
[ 22 ] Zunächst überflutet uns dieses zusammenschwimmende, zusammenfließende Meer der Gedanken der Hierarchien. Durch dasjenige, was wir uns nun im physischen Leibe erworben haben, bleibt bestehen an der Todespforte, auf die wir hinblicken, unser eigenes inneres Wesen, heraus sich erhebend aus der sinnlichen Umhüllung. Das gibt uns Willensstärke, gefühlsartige Willensimpulse, willensartige Gefühlsimpulse. Die werden wir innerlich gewahr im Anschauen des Wesens, das aus dem Körper entsteigt, das wir nach dem Tode sind. Dadurch sind wir imstande, gleichsam unsere Willensstrahlen herauszuziehen. Und wenn wir nun einen solchen Willensstrahl, den wir aus der Kraft des Todes schöpfen, der mit dem Tode geboren wird, hineinstrahlen in die Umwelt, dann löschen wir an einer bestimmten Stelle etwas in der Gedankenwelt aus. Und wenn wir ihn anderswo hinrichten, löschen wir an einer anderen Stelle etwas aus; so löschen wir an einer dritten, an einer vierten Stelle etwas aus, kurz, wir löschen an den verschiedensten Stellen durch unsere WillensImpulskräfte die uns umflutende Gedankenwelt aus. Und indem wir sie auslöschen, tritt in den Hohlräumen des flutenden Gedankenmeeres der Hierarchien, uns — wenn ich so sagen darf — der Gedankenhierarch entgegen, das Wesen, das dadrinnen lebt, in der geistigen Welt.
[ 22 ] At first, we are overwhelmed by this surging, converging sea of thoughts from the hierarchies. Through what we have now acquired in the physical body, our own inner being remains at the threshold of death, which we are gazing upon, rising up out of the sensory envelope. This gives us strength of will, emotional impulses of will, and volitional impulses of emotion. We become inwardly aware of these as we contemplate the being that emerges from the body—the being we are after death. Through this, we are able, as it were, to draw out our rays of will. And when we now direct such a ray of will—which we draw from the power of death, which is born with death—into the environment, then we erase something in the world of thought at a specific point. And when we direct it elsewhere, we erase something at another point; thus we erase something at a third, at a fourth point—in short, we erase the world of thought surrounding us in the most diverse places through the forces of our will-impulses. And as we erase it, in the hollows of the surging sea of thought of the hierarchies, the Thought Hierarchy—if I may put it that way—the being that lives within it, in the spiritual world, comes to meet us.
[ 23 ] Während wir uns bemühen, hier in der physischen Welt, zu dem Dinge, das wir sehen, einen Gedanken hinzuzufinden, müssen wir in der geistigen Welt, weil uns der Gedanke in Hülle und Fülle zur Verfügung steht, den Gedanken auslöschen, wegschaffen; dann treten uns die Wesen entgegen. Wir müssen Herr werden über den Gedanken, dann treten uns die Wesen entgegen. Und diese Kraft, Herr zu werden über den Gedanken, den Gedanken gewissermaßen aus unserem Gesichtsfelde herauszuwerfen, damit das Wesen uns entgegentritt im Meere der flutenden Gedankenwelt, diese Kraft erhalten wir dadurch, daß uns, als herrlicher Ausgangspunkt unseres geistigen Lebens nach dem Tode, der Anblick des Sterbens, des Todes selbst entgegentritt, der unser Lehrer wird im Auslöschen. Denn der Tod wird für uns nach dem Tode der Lehrer des Auslöschens, der Anreger jener Willenskräfte, durch die wir im flutenden Lichtmeere die Gedanken auslöschen müssen.
[ 23 ] While here in the physical world we strive to form a thought about the things we see, in the spiritual world—because thought is available to us in abundance—we must erase that thought, do away with it; then the beings come to meet us. We must master our thoughts; then the beings come to meet us. And this power to master thought—to cast thought, so to speak, out of our field of vision so that the being may meet us in the sea of the surging world of thought—we obtain this power through the fact that, as the glorious starting point of our spiritual life after death, the sight of dying, of death itself, meets us and becomes our teacher in the act of erasure. For after death, death becomes for us the teacher of extinction, the inspirer of those powers of will through which we must extinguish our thoughts in the surging sea of light.
[ 24 ] Damit ist hingewiesen auf die ganz andere Art, wie der Mensch steht zu seiner Umgebung nach und vor dem Tode. Wie er gewissermaßen da, wo er in der Sinneswelt darinnensteht, so verfahren muß, daß er sich hineinstellt, den Luftkreis um sich hat und dann warten muß, bis in den Luftkreis etwas hineinkommt. Dagegen muß er nach dem Tode so verfahren, daß er den Gedankenlichtkreis um sich hat und darinnen selber auslöschen muß dasjenige, was er in Gedanken im Gesichtsfelde hat, weil ihm erst dann die betreffenden Wesenheiten erscheinen. Denn mit Wesenheiten hat man es hier zu tun, wie ich es in der Schrift «Die Schwelle der geistigen Welt» angedeutet habe. So kommt man aus der Einheit in die Vielheit, in die Mannigfaltigkeit.
[ 24 ] This points to the entirely different way in which a human being relates to his surroundings before and after death. Just as he must, so to speak, proceed in the sensory world—by placing himself within it, surrounding himself with the air circle, and then waiting until something enters that air circle— In contrast, after death they must proceed in such a way that they have the circle of thought-light around them and must themselves extinguish within it that which they have in their field of vision in thought, because only then do the relevant beings appear to them. For here one is dealing with beings, as I have indicated in the book The Threshold of the Spiritual World. Thus one passes from unity into multiplicity, into diversity.
[ 25 ] Der Monismus in dem Sinne, wie ihn viele meinen, ist nur eine irdische Weltanschauung, und er ist nur eine Fessel, wenn man durch die Pforte des Todes geschritten ist; denn da tritt im eminentesten Sinne sofort die Notwendigkeit des Monadismus ein, die Notwendigkeit, die Vielheit aufzusuchen. Die Einheit aufzusuchen ist eine letzte Fessel des sinnlichen, verstandlichen Lebens.
[ 25 ] Monism, in the sense in which many understand it, is merely an earthly worldview, and it is nothing but a shackle once one has passed through the gate of death; for there, in the most eminent sense, the necessity of monadism immediately arises—the necessity to seek out multiplicity. The search for unity is the final shackle of sensory, intellectual life.
[ 26 ] Was ist denn nun eigentlich dasjenige, was wir da vollziehen? Es ist eine Tätigkeit, durch die wir uns Platz schaffen, daß die Hierarchien an uns herantreten können. Wir schaffen uns Platz. Unser Wesen ist dann ja über die ganze Welt ausgebreitet — auf diese Dinge haben wir schon wiederholt hingedeutet. — Wir schaffen uns Platz, indem wir diese Hohlstellen schaffen, so daß das, was objektiv ist, uns post mortem, also nach dem Tode, erscheinen kann. Niemals kann uns etwas objektiv in der geistigen Welt erscheinen, wenn wir unser eigenes Wesen in die geistige Welt hineintragen. Nur dann können wir das andere erkennen in der geistigen Welt, wenn wir für die Stelle, wo das andere erscheinen will, unser eigenes Wesen, unsere eigene Wesenheit auslöschen, und das geschieht auf diese Weise.
[ 26 ] What, then, is it exactly that we are accomplishing here? It is an activity through which we create space for ourselves so that the hierarchies can approach us. We create space for ourselves. Our being is then spread out over the whole world—we have already pointed to these things repeatedly. —We create space for ourselves by creating these hollows, so that what is objective can appear to us post mortem, that is, after death. Nothing can ever appear to us objectively in the spiritual world if we carry our own being into the spiritual world. We can only perceive the other in the spiritual world if we erase our own being, our own essence, from the place where the other wishes to appear, and this is how it happens.
[ 27 ] Das ist, innerlich charakterisiert, der Prozeß, der nun auch nötig ist, wenn man herangelangen will an den Toten in der Weise, wie ich Ihnen das gestern am Schlusse des Vortrages dargestellt habe, wo das Bedürfnis vorhanden war, die Möglichkeit zu gewinnen, den Toten selber sprechen zu lassen, den Toten selber sich aussprechen zu lassen. Dann muß man versuchen, da wo der Tote ist, sich selber wegzuschaffen, sein eigenes Denken und sein Fühlen wegzuschaffen, und wo man das weggeschafft hat, da treten aus den Tiefen des Seins heraus die Impulse, die uns ohne unseren Willen die Worte in den Mund legen, die dann kommen müssen, wenn wir das objektive Wesen eines nicht im physischen Leibe verkörperten Menschen ausdrücken wollen.
[ 27 ] In essence, this is the process that is now also necessary if one wishes to approach the dead in the manner I described to you yesterday at the end of the lecture, where there was a need to gain the ability to let the dead speak for themselves, to let the dead express themselves. Then one must try, where the dead person is, to remove oneself, to remove one’s own thinking and feeling, and where one has removed these, impulses emerge from the depths of being that, without our will, place the words in our mouths—words that must then come forth if we wish to express the objective essence of a human being not embodied in a physical body.
[ 28 ] Sie sehen, daß dasjenige, was hier in der physischen Welt gewissermaßen am schwächsten ist im Menschen, der Wille und die Gefühlsimpulse — sie sind ja der schwächste Teil der menschlichen Seele in der physischen Welt und der unklarste —, daß dasjenige, über das wir am wenigsten Herr sind, eine besondere Bedeutung gewinnt, um wahrzunehmen in der geistigen Welt. Dagegen ist das, was hier in der physischen Welt am allerstärksten ist, das Vorstellen — wir leben ja sogar am liebsten in unseren Illusionen und Vorstellungen, weil wir da am allermeisten Herr sein können —, es ist am schwächsten in der geistigen Welt.
[ 28 ] You see that what is, so to speak, the weakest aspect of the human being here in the physical world—the will and the emotional impulses—since they are indeed the weakest and most obscure part of the human soul in the physical world—that what we have the least control over takes on special significance for perception in the spiritual world. In contrast, what is strongest here in the physical world—mental images—is actually the weakest in the spiritual world; after all, we even prefer to live in our illusions and mental images because that is where we have the most control.
[ 29 ] Mit Illusionen kann man in der geistigen Welt nicht viel anfangen, die verdecken einem noch die flutende Gedankenwesen-Einheit. Worauf es ankommt, ist nicht eine Ausbildung unseres Vorstellungslebens, sondern eine Ausbildung unseres Willens- und Gefühlslebens; und das ist ja das Wesentliche der Meditation. Bei der Meditation kommt es nicht darauf an, was wir vorstellen, sondern darauf — ich habe das immer wieder und wieder betont —, daß man vorstellt mit innerer Kraft. Auf die innere Energie, auf die Kraft, auf den Willen kommt es an, und auf das Fühlen und Empfinden während wir meditieren, also auf ein Willenselement, das wir im Meditieren entwickeln, und das wir stärker entwickeln, wenn wir uns so anstrengen müssen, wie wir uns bei einer Meditation anstrengen sollen, aber geistig anstrengen sollen.
[ 29 ] Illusions are of little use in the spiritual world; they only obscure the surging unity of the beings of thought. What matters is not the development of our imagination, but the development of our will and emotional life; and that is, after all, the essence of meditation. In meditation, what matters is not the mental image we create, but—as I have emphasized time and again—that we create the mental image with inner strength. What matters is the inner energy, the strength, the will, and the feeling and sensation we experience while meditating—that is, an element of will that we develop through meditation, and which we develop more strongly when we exert ourselves as we should during meditation, but in a spiritual sense.
[ 30 ] Am meisten feindlich entgegen steht dem wirklichen Fortschritt hinein in die geistige Welt die Sucht zu träumen, sich über die äußere Wirklichkeit Illusionen zu bilden, aus dem Grunde, weil wir dadurch unseren Willen immer schwächer und schwächer machen. Man macht den Willen am schwächsten, wenn man geradezu die Parasiten des Vorstellungslebens kultiviert, wenn man sich über alle möglichen äußeren Dinge Illusionen macht, wie überhaupt der Weg in die geistige Welt nicht dadurch beschritten wird, daß man sich vom Leben entfernt, sondern dadurch, daß man sich klar wird über die Dinge des Lebens. Nicht eine Verarmung des äußeren Lebens, sondern eine Bereicherung des Lebens muß uns in die geistige Welt hineinführen. Die Menschen möchten so gerne nicht durch Stärke, sondern durch Schwäche in die geistige Welt hineinwachsen. Schwäche ist es, wenn einen die äußere Welt, die Welt des äußeren Lebens nicht interessiert, wenn man die Goethesche Maxime nicht erfüllen kann: «Erkenne dich, leb’ mit der Welt in Frieden.»
[ 30 ] The greatest obstacle to genuine progress into the spiritual world is the habit of daydreaming and forming illusions about external reality, because this causes our will to grow weaker and weaker. One weakens the will most of all when one cultivates the very parasites of the imagination, when one forms illusions about all manner of external things; for the path into the spiritual world is not entered by distancing oneself from life, but by gaining clarity about the things of life. It is not an impoverishment of external life, but an enrichment of life that must lead us into the spiritual world. People would so much like to grow into the spiritual world not through strength, but through weakness. Weakness is when one is not interested in the external world, the world of external life, when one cannot fulfill Goethe’s maxim: “Know thyself, live in peace with the world.”
[ 31 ] Ich möchte darauf aufmerksam machen, bevor ich weiterschreite in diesen Betrachtungen über den Tod, daß in der Tat allen künstlerischen Betätigungen des Menschen zugrunde liegen muß ein Hineinspielen derjenigen Betätigungen der Seele, die notwendig sind für die Seele nach dem Tode. Es muß behufs künstlerischer Betätigung gerade das Willenselement durchdrungen werden von der spirituellen Welt und weniger das Anschauungselement. In unserer Zeit des Niederganges der Kunst, namentlich des künstlerischen Arbeitens, findet ja das Entgegengesetzte statt. In unserer Zeit des Niederganges auch der Weltauffassung wird gerade herausgearbeitet jenes Moment, das das Vorstellungsleben raffinierter macht. Daher werden in unserer Zeit die Künstler immer mehr abhängig von Modellen, von Vorbildern. Sie können unendlich wenig machen, wenn sie nicht Modelle, nicht Vorbilder haben. Daher wird in unserer Zeit es immer mehr und mehr stattfinden, daß sich die Künstler in der Kunst isolieren. Es kann aber niemals zu einer wirklichen Kunst kommen, wenn man sich in der Kunst isoliert; es ist das Gegenteil von dem, was werden soll.
[ 31 ] Before I proceed with these reflections on death, I would like to point out that all human artistic activities must, in fact, be grounded in an interplay with those activities of the soul that are necessary for the soul after death. For artistic activity, it is precisely the element of the will that must be permeated by the spiritual world, rather than the element of perception. In our time of artistic decline, particularly in artistic work, the opposite is occurring. In our time of decline in worldview as well, it is precisely that aspect which refines the life of the imagination that is being emphasized. Consequently, in our time, artists are becoming increasingly dependent on models and examples. They can accomplish very little without them. Therefore, in our time, artists will increasingly isolate themselves within the realm of art. Yet true art can never emerge from such isolation; it is the very opposite of what ought to be.
[ 32 ] Was geschieht denn, wenn zum Beispiel jemand einen Menschen künstlerisch gestaltet, malerisch oder plastisch, und er beschäftigt sich nicht mit den inneren Kräften, die diesen Menschen aufbauen, nicht mit dem Dynamischen, wenn er bloß herangeht und sich ein Modell nimmt und das Modell so behandelt, wie man im Anschauen die Dinge behandelt? Dann entfernt er sich von dem eigentlichen Prinzip des künstlerischen Schaffens. Der Anfang des Schaffens ist, daß man sich ein inneres, voluntaristisches Anschauen verschafft, daß man nicht von außen anschaut, sondern innerlich hineindringt und empfindet, wie da die Stirn sich wölbt, die Nase herauskommt und so weiter. Das ist es, um was es sich handelt.
[ 32 ] What happens, for example, when someone creates an artistic representation of a human being—whether in painting or sculpture—and does not concern themselves with the inner forces that constitute that person, nor with the dynamic aspect, but simply approaches the subject, takes a model, and treats that model in the same way one treats things when merely looking at them? Then they stray from the very principle of artistic creation. The beginning of creation is to cultivate an inner, volitional perception—not to look from the outside, but to penetrate inwardly and sense how the forehead curves, the nose protrudes, and so on. That is what it is all about.
[ 33 ] Und so ist es auch insbesondere bei der Natur. Bei ihr handelt es sich um ein wirkliches Darinnenleben in den Betätigungen der Natur. Und da will ich Sie auf etwas aufmerksam machen, was der Mensch allerdings gleich erfährt, wenn er durch die Todespforte geschritten ist, was ihm aber hier in der physischen Welt ziemlich unbekannt bleibt.
[ 33 ] And this is especially true of nature. In nature, there is a genuine inner life at work within its activities. And here I would like to draw your attention to something that a person experiences immediately upon passing through the gate of death, but which remains largely unknown to them here in the physical world.
[ 34 ] Wenn wir malen, so malen wir vorzugsweise dasjenige, was sich, ich möchte sagen, über die Oberfläche der Dinge hinzieht. Wir malen Licht und Schatten, wir malen die Farben. Nun ist die äußere Natur mit Licht und Farben ausgestattet aus dem Grunde, weil sie Licht und Farbe nicht aufnimmt, sondern zurückwirft. Dort ist der Gegenstand, und der wirft uns Licht und Farbe zurück. Mineralien sind zum Beispiel dadurch Mineralien, daß sie Licht und Farbe in ihrem Inneren nicht aufnehmen, weil sie sie äußerlich abstoßen. Der Mensch mit seiner Seele lebt aber gerade in den Farben. Nach dem Tode zieht er darin sogleich ein, da weiß er sich sogleich in Licht und Farbe; aber hier weiß er sich nicht darinnen. Wenn der Landschaftsmaler vor die Natur tritt, so muß er etwas haben von dem, was zwischen ihm und der Landschaft ist; er muß darinnen aufgehen können, er muß gewissermaßen etwas hineinbringen in die physische Welt, was sich real erst verwirklicht, wenn der Mensch durch die Todespforte gegangen ist. Dieses gibt die Ähnlichkeit des künstlerischen Schaffens mit dem Darinnenstehen in der geistigen Welt, wenn auch das Durchpulst- und Durchsetztsein von der geistigen Welt für den Künstler zumeist unbewußt bleibt, und auch unbewußt bleibt die Notwendigkeit, daß etwas erweckt werde von diesem Durchpulstwerden von der geistigen Welt. Deshalb ist die Anlage unseres Baues gerade so gemacht, wie sie gemacht worden ist, weil man da, wie ich öfter auseinandergesetzt habe, gerade das, was nicht da ist, wird berücksichtigen müssen, nicht dasjenige, was da ist. Ich möchte sagen, gerade die Hohlformen, die ausgespart sind, wird man berücksichtigen müssen, nicht dasjenige, was da ist. Insofern ist auch durch diese ins Praktische gehende Ausgestaltung unserer geisteswissenschaftlichen Strömung ein Anfang gemacht, der gemacht werden muß in unserer jetzigen Kulturströmung.
[ 34 ] When we paint, we prefer to paint what, I might say, extends across the surface of things. We paint light and shadow; we paint colors. Now, the external world is endowed with light and color for the very reason that it does not absorb light and color, but rather reflects them. There is the object, and it reflects light and color back to us. Minerals, for example, are minerals precisely because they do not absorb light and color within themselves, but repel them outwardly. Human beings, however, with their souls, live precisely within the colors. After death, they immediately enter into them; there they immediately find themselves in light and color; but here they do not find themselves within them. When the landscape painter stands before nature, he must have something of what lies between him and the landscape; he must be able to merge into it; he must, so to speak, bring something into the physical world that only truly comes to fruition once the human being has passed through the gate of death. This is what gives artistic creation its resemblance to standing within the spiritual world, even though the artist usually remains unaware of being permeated and interwoven by the spiritual world, and also remains unaware of the necessity that something be awakened by this permeation by the spiritual world. That is why the layout of our building is designed exactly as it is, because, as I have often explained, one must take into account precisely what is not there, not what is there. I would like to say that it is precisely the hollow forms, the recesses, that must be taken into account, not what is there. In this respect, the practical implementation of our Spiritual Science movement also marks a beginning that must be made within our current cultural movement.
[ 35 ] Sehen Sie, solche Hineinragungen der geistigen Welt in das menschliche Leben, ich will sagen, durch das Todesspektrum, wie ich sie in den künstlerischen Produktionen von gestern und vorgestern vorgeführt habe, waren in gar nicht lange hinter uns liegender Zeit etwas Gewöhnliches. Heute ist es etwas Ungewöhnliches, und als Naturgabe wird das immer ungewöhnlicher werden. Es wird immer weniger als Naturgabe da sein. Aber je weniger der Mensch hier in dieser physischen Welt Beziehungen gestalten kann zu der geistigen Mannigfaltigkeit, desto gebundener wird er sein, wenn er durch die Pforte des Todes geschritten ist. Die Möglichkeit, jene Hohlformen zu schaffen, würde untergehen, wenn die Menschen ganz herauskommen würden aus den Beziehungen zu der geistigen Welt, wie es notwendig durch den äußeren Fortgang der Welterscheinungen geschehen müßte. Das alte Hellsehen muß ja nach und nach ganz verlorengehen. Könnten wir nicht durch die geisteswissenschaftliche Entwickelung jenes Verhältnis zur geistigen Welt wieder herstellen, so verlöre der Mensch die Fähigkeit, nach dem Tode in der geistigen Welt zu leben, ein wirklich wesendes Wesen zu sein. Er würde durch dasjenige, was ihm immer bleibt, den Zurückblick auf das Leben, bei dem eben das Hinschauen auf den Tod etwas ganz Wesentliches ist, er würde durch dieses wie festgebannt, wie in ein Gefängnis eingesperrt werden.
[ 35 ] You see, such intrusions of the spiritual world into human life—that is to say, through the spectrum of death, as I have illustrated in the artistic works of yesterday and the day before—were quite common in a time not so long ago. Today it is something unusual, and as a gift of nature it will become increasingly so. It will be present as a gift of nature less and less. But the less a person here in this physical world is able to form relationships with the spiritual diversity, the more bound they will be once they have passed through the gate of death. The ability to create those hollow forms would be lost if human beings were to withdraw entirely from their connections to the spiritual world, as would necessarily happen due to the outward progression of worldly phenomena. The old clairvoyance must, after all, gradually be lost entirely. If we were unable to restore that relationship to the spiritual world through the development of Spiritual Science, humanity would lose the ability to live in the spiritual world after death, to be a truly living being. Through that which always remains with them—the looking back on life, in which the very act of looking toward death is something quite essential—they would be, as it were, spellbound by it, as if imprisoned within it.
[ 36 ] Daher zeigt sich bei denen, die, wenn ich so sagen darf, geisteswissenschaftlich gestärkt durch die Pforte des Todes gehen, daß sie nach dem Tode verhältnismäßig rasch die Freiheit gewinnen, die freie Betätigung in der geistigen Welt. Denken Sie nur einmal, wie das ungeheure Verknüpftsein mit dem, was die geisteswissenschaftlichen Impulse geben können, notwendig ist, um sogleich mit seinem Wesen so zu leben nach dem Tode, wie sich das zeigt in dem Falle, der beobachtet worden ist, wie es in den Worten liegt, die aus Frau Grosheintz’ Seele gesprochen worden sind. Also es handelt sich darum, daß der Mensch durch die geisteswissenschaftliche Stärkung das ersetzt bekommt, was ihm früher die natürlichen Anlagen gegeben haben: zu dem Übersinnlichen, den spirituellen Erscheinungen ein Verhältnis zu gewinnen.
[ 36 ] Therefore, it is evident that those who, if I may put it this way, pass through the gate of death strengthened by Spiritual Science, gain freedom—the freedom to act in the spiritual world—relatively quickly after death. Just consider how essential it is to be deeply connected to what Spiritual Science impulses can provide in order to live immediately after death in a way that is in harmony with one’s true nature—as is evident in the case that has been observed, and as expressed in the words spoken from Mrs. Grosheintz’s soul. So the point is that, through Spiritual Science strengthening, the human being receives a replacement for what their natural endowments once provided: the ability to develop a relationship with the supersensible and with spiritual phenomena.
[ 37 ] Wenn man rein aus natürlichen Anlagen heraus so etwas sehen kann, wie ein Todesspektrum — und die Leute in früheren Zeiten haben solche Todesspektren immer gesehen, man weiß das heute nur nicht mehr, denn das ist eine Fähigkeit, die verlorengegangen ist —, da sieht man dieses Todesspektrum durch das Abgetrenntsein seines Leibes; das befähigt einen dazu, die einzelnen, individuellen Erscheinungsformen zu sehen. Da schneidet man aus der Einheit diese einzelnen Erscheinungsformen heraus. Und darauf kommt es da an: auf dieses Herausschneiden aus der Einheit, daß man lernt dieses Herausschneiden. Aber die Möglichkeit, das Herausschneiden zu erlernen, geht mit dem atavistischen natürlichen Hellsehen ganz verloren, und es muß ersetzt werden durch ein Hineinwachsen in die Geisteswissenschaft. Diese geisteswissenschaftliche Stärkung wird es aber auch sein, durch welche die nötige Befähigung zum künstlerischen Schaffen auf jedem Gebiete in der Zukunft hervorgerufen wird. Der Plastiker, der Musiker, der Maler, der Dichter, sie werden nicht schaffen können, wenn sie sich nicht durchdringen mit dem, was die geisteswissenschaftliche Stärkung ihnen geben kann. Heute fürchtet man sich noch davor. Dieses Fürchten, das kommt dann zum Ausdruck, wenn ein Plastiker, ein Musiker, ein Maler, ein Dichter kommt und sagt: Ach, Geisteswissenschaft, das ist so etwas, da muß ich alles mögliche treiben und anstreben, das ertötet in mir die ursprüngliche künstlerische Schaffenskraft. — Das kann man überall hören; aber das ist nur eine Furcht vor der Kraft, die notwendig ist, wenn das Künstlertum den Menschen wirklich bleiben soll für die Zukunft. Die Menschen fürchten sich heute noch vor diesem, was in ihrem Inneren gerade als die stärkste Kraft auftreten muß. Zeiten werden kommen in der Entwickelung der Menschheit, wo heranreifen müssen die künstlerischen Fähigkeiten durch die geisteswissenschaftliche Stärkung.
[ 37 ] If one is able, purely through natural endowments, to perceive something like a death spectrum—and people in earlier times always saw such death spectra; we simply no longer know this today, for it is an ability that has been lost—then one sees this death spectrum through the separation of one’s body; this enables one to see the individual, distinct manifestations. One then cuts these individual manifestations out of the unity. And that is what matters: this cutting out of the unity, that one learns to perform this cutting out. But the possibility of learning to cut out is completely lost with atavistic natural clairvoyance, and it must be replaced by growing into Spiritual Science. It will be this strengthening through Spiritual Science, however, that will bring about the necessary ability for artistic creation in every field in the future. The sculptor, the musician, the painter, the poet—they will not be able to create unless they imbue themselves with what Spiritual Science can offer them. Today people still fear this. This fear comes to the surface when a sculptor, a musician, a painter, or a poet comes along and says: “Oh, Spiritual Science—that’s the kind of thing where I have to do all sorts of things and strive for all sorts of things; that kills the original artistic creative power within me.” — You hear this everywhere; but it is merely a fear of the strength that is necessary if artistry is to truly remain with humanity in the future. People today still fear precisely what must emerge within them as the strongest force. Times will come in the development of humanity when artistic abilities must mature through strengthening with Spiritual Science.
[ 38 ] Allerdings, jener Unfug wird dann nicht mehr so Platz greifen können wie heute, daß die Menschen aus dem Nichts heraus sich in einem möglichst frühen Jugendalter selber zu Künstlern ernennen und es dann nach ihrer eigenen Meinung auch sind. Sie glauben dann, es liege nur daran, daß die Welt sie nicht anerkennt, wenn dieses Künstlertum nicht zur Entfaltung kommt. Dieser Unfug wird nach und nach aufhören. Die Kunst der Zukunft wird eine Kunst der Reife sein, und man wird in einem verhältnismäßig späten Lebensalter erst die innere Reife fühlen, die zur künstlerischen Betätigung führt. Man wird nicht glauben, daß man im späteren Lebensalter nicht mehr die Kräfte haben kann, die Jugendkräfte, wie man ja oftmals sagt, die nötig sind, um künstlerisch zu schaffen; sondern man wird gerade finden, daß man durch Vertiefung und geisteswissenschaftliche Stärkung erst loslöst aus dem inneren Wesen die Kräfte, die zum künstlerischen Schaffen in Zukunft führen werden. Aber vor diesen Kräften fürchtet man sich heute noch, wie man sich vielfach fürchtet vor dem, was erst errungen werden muß. Daher haben viele Künstler oftmals eine heillose Angst vor diesem Herausholen ihres tieferen inneren Wesens, und wenn sie hören, daß es nicht der äußere irdische Mensch ist, sondern der höhere Mensch in ihnen, der künstlerisch schaffen soll, dann geraten sie in eine heillose Verwirrung. Man kann sich kaum eine heillosere Verwirrung denken als die, in welche ein Künstler der neueren Zeit gekommen ist, als er gewahr wurde, wie es der Genius im Inneren des Menschen ist, das, was der geistigen Welt angehört, was da eigentlich schafft im Künstler. Ein Künstler der neueren Zeit sprach die heillose Angst, die er vor dieser geistigen Welt hatte, ungefähr in folgenden Worte aus:
[ 38 ] However, that nonsense will no longer be able to take hold as it does today, where people, out of nowhere, proclaim themselves artists at the earliest possible age and then, in their own opinion, actually are artists. They will then believe that it is only because the world does not recognize them that this artistic talent fails to flourish. This nonsense will gradually come to an end. The art of the future will be an art of maturity, and it is only at a relatively late age that one will feel the inner maturity that leads to artistic activity. People will no longer believe that in later life one can no longer possess the forces—the “youthful forces,” as is often said—necessary for artistic creation; rather, they will find that it is precisely through deepening and strengthening with Spiritual Science that one first draws forth from one’s inner being the forces that will lead to artistic creation in the future. But people still fear these powers today, just as they often fear what must first be attained. That is why many artists often have a hopeless fear of bringing forth their deeper inner being, and when they hear that it is not the outer, earthly human being but the higher human being within them who is to create artistically, they fall into hopeless confusion. One can scarcely imagine a more utter confusion than that into which a modern artist has fallen upon realizing what the genius within the human being is—that which belongs to the spiritual world, that which actually creates within the artist. A modern artist expressed the utter fear he felt toward this spiritual world in roughly the following words:
«Die Genaalität ist eine fürchterliche Krankheit. Jeder Schriftsteller trägt in seinem Herzen ein Ungeheuer, welches alle seine Gefühle, gleich nachdem sie geboren werden, frißt. Wer wird den Sieg davontragen — die Krankheit über den Menschen oder der Mensch über die Krankheit? Man muß ein wahrhaft großer Mensch sein, um seinen Charakter und sein Genie im Gleichgewicht zu halten. Ist der Dichter kein Gigant, hat er nicht die Kräfte eines Herkules, so muß er entweder sein Herz oder seine Begabung einbüßen.»
“Genius is a terrible disease. Every writer carries a monster in his heart that devours all his feelings the moment they are born. Who will emerge victorious—the disease over man, or man over the disease? One must be a truly great person to keep one’s character and genius in balance. If the poet is not a giant, if he does not possess the strength of Hercules, he must forfeit either his heart or his talent.”
[ 39 ] Man möchte eine Gänsehaut bekommen, aber eine seelische Gänsehaut, wenn solche Dinge ausgesprochen werden. Denn es ist nichts weiter als die heillose Angst vor dem im Menschen, was mit der geistigen Welt in Beziehung steht, die uns da entgegentritt. Und es ist ein sehr konsequenter Satz, trotzdem sich der Autor gar nicht bewußt ist, wie groß die Konsequenz war; denn daß er von Giganten und Herkules spricht, ist ungeheuer charakteristisch. Es ist bezeichnend, daß ihm gerade diese Worte in den Mund kommen oder in die Feder, könnte man sagen.
[ 39 ] One feels a shiver run down one’s spine—but a spiritual shiver—when such things are spoken. For what confronts us here is nothing other than a hopeless fear of that aspect of the human being which is connected to the spiritual world. And it is a very consistent statement, even though the author is not at all aware of how great the consequence was; for the fact that he speaks of giants and Hercules is tremendously characteristic. It is telling that precisely these words come to his lips—or to his pen, one might say.
[ 40 ] Also selbst die Ansicht konnte auftreten, daß der Mensch den Sieg davontragen muß durch dasjenige, was er im irdischen Leben ist — denn das liegt in diesen Worten —, während das wahrhafte Erkennen dahin gehen wird, daß der Genius im Menschen, der gesunde Genius, den Menschen durchdringen und ergreifen wird, ihn zu seinem Instrumente machen wird.
[ 40 ] Thus, the view could even arise that human beings must achieve victory through what they are in earthly life—for that is implied in these words—while true knowledge will lead to the point where the genius within the human being, the healthy genius, will permeate and take hold of the human being, making him its instrument.
[ 41 ] Ein anderer Künstler der neueren Zeit knüpft eigentümliche Worte an diese Sätze, die ich eben vorgelesen habe, höchst eigentümliche Worte. Er sagt:
[ 41 ] Another modern artist adds some peculiar words to the sentences I just read aloud—highly peculiar words. He says:
«Vergegenwärtigen wir uns doch den in der Aeneis beschriebenen tragischen Untergang Laokoons. Die Bürger Trojas sehen natürlich mit Grauen und Widerwillen, wie die riesengroßen Schlangen Laokoon und dessen Söhne erwürgen. Die Zuschauer empfinden Angst, Mitleid, und haben wohl auch den Wunsch, die Unglücklichen zu retten; wie sehr verschieden ihre seelischen Zustände auch sein mögen, so spielt doch der Willensmoment bei allen eine höchst wichtige Rolle ... Man denke sich aber mitten in dieser erregten und erschütterten Menge einen Bildhauer, der die schreckliche Katastrophe, die sich vor seinen Augen abspielt, als Thema zu einem künftigen Kunstwerk betrachtet. Bei der allgemeinen Erregung unter den schreienden. rasenden, betenden Menschen bleibt er der ruhige Beobachter. Alle moralischen Instinkte werden in ihm in diesem Augenblick von der ästhetischen Wißbegier unterdrückt.»
“Let us recall the tragic demise of Laocoon as described in the Aeneid. The citizens of Troy naturally watch with horror and revulsion as the gigantic serpents strangle Laocoon and his sons. The spectators feel fear, pity, and likely also the desire to save the unfortunate victims; however different their emotional states may be, the act of will plays a highly important role for all of them... But imagine, amidst this agitated and shaken crowd, a sculptor who regards the terrible catastrophe unfolding before his eyes as the subject for a future work of art. Amid the general agitation among the screaming, raving, and praying people, he remains the calm observer. At this moment, all his moral instincts are suppressed by his aesthetic curiosity.”
[ 42 ] Das soll notwendig sein, um ein künstlerisches Werk zu schaffen! Da sollen Menschen stehen, in tiefstem Mitleid, die keine Künstler sind, und nicht helfen können, und da soll der Tropf stehen, der Stumpfling, der keine Ahnung hat von dem Schmerz, den das alles erzeugt. Und dieser Stumpfling, der soll der richtige Künstler sein, der das darstellen kann, der so dasteht in seinem Stumpfsinn, nur um die Sache zu betrachten! So weit haben wir es gebracht in der Gegenwart, daß man sich getraut zu fordern: Ein Stumpfling den Erscheinungen des Lebens gegenüber solle der Künstler sein, damit er «objektiv» sein kann. Mitleid und Mitgefühl soll er aus dem Herzen reißen, ein stumpfsinniger Tropf werden, und dann erst kann er, nach diesen Worten, etwas so schildern, daß es die anderen Menschen mit Interesse erfüllt.
[ 42 ] That’s supposed to be necessary to create a work of art! There are supposed to be people standing there, filled with the deepest compassion, who aren’t artists and can’t help, and there’s supposed to be that idiot, that dimwit, who has no idea of the pain all this causes. And this blockhead—he is supposed to be the true artist, the one who can depict this, who stands there in his dullness, merely observing the matter! We have come so far in the present day that people dare to demand: The artist should be a blockhead in the face of life’s phenomena, so that he can be “objective.” He is to tear pity and compassion from his heart, become a dull-witted fool, and only then, according to these words, can he depict something in such a way that it fills other people with interest.
[ 43 ] Man kann nicht schlimmer von den allerabscheulichsten ahrimanischen Kräften erfaßt werden, als wenn man eine solche Anschauung über das Künstlertum zu entwickeln in der Lage ist. Das ist die Dekadenz unserer Zeit, erzeugt von der Furcht und Angst vor der geistigen Wirklichkeit: nicht zu wissen, daß, wenn man Künstler sein will, man mitfühlen muß die Ereignisse mit noch tieferem Mitleid, daß man noch tieferes Mitempfinden haben muß, und nur die Fähigkeit haben muß, in einem späteren Augenblicke aus diesem tiefen Miterleben dieselben Ereignisse objektiviert wieder anzuschauen, so daß wir sie lieben können, wie wir ein fremdes Wesen lieben können, und daß wir aus diesem noch tieferen Miterleben zu einem künstlerischen Schaffen kommen. So weit ist unsere Zeit gekommen in ihrer Perversität der Weltanschauung, daß das Gegenteil der Wahrheit als Summe von Weisheit in die Welt hinausposaunt wird. Und ich bin überzeugt davon, daß es unendlich viele Menschen gibt, die diesen Stumpfsinn sogar für geistreich halten, und die dieses Lob auf den künstlerischen Stumpfsinn für die endliche Entdeckung halten dessen, was Künstlertum eigentlich ist. So stehen wir darinnen in der Gegenwart und müssen suchen jenen Stützpunkt der geisteswissenschaftlichen Stärkung, der uns die Befähigung gibt, uns darinnen zu wissen in der Welt, in die der Mensch auch eintritt im natürlichen Gange der Ereignisse, wenn er durch die Pforte des Todes geht.
[ 43 ] One cannot be more thoroughly gripped by the most abominable Ahrimanic forces than when one is capable of developing such a view of artistry. This is the decadence of our time, born of fear and dread of spiritual reality: not knowing that, if one wishes to be an artist, one must empathize with events with even deeper compassion, that one must have even deeper empathy, and must only have the ability, at a later moment, to look back at those same events objectively from this deep shared experience, so that we can love them as we might love a foreign being, and that from this even deeper shared experience we arrive at artistic creation. Our age has reached such a point in the perversity of its worldview that the opposite of truth is trumpeted to the world as the sum of wisdom. And I am convinced that there are an infinite number of people who even consider this dullness to be witty, and who regard this praise of artistic dullness as the ultimate discovery of what artistry actually is. Thus we stand within it in the present and must seek that foundation of strength from Spiritual Science which gives us the ability to know ourselves within it—in the world into which the human being also enters in the natural course of events when he passes through the gate of death.
[ 44 ] So kann uns die Kunst dem Tode verwandt erscheinen, das heißt, dem höheren Leben verwandt. Dem Tode verwandt sein, heißt: dem höheren Leben verwandt sein.
[ 44 ] Thus, art can seem to us to be akin to death—that is, akin to a higher life. To be akin to death means to be akin to a higher life.
[ 45 ] In vieler Beziehung müssen wir uns, um in die geistige Welt einzutreten, die Fähigkeit aneignen, zu anderen Vorstellungen und anderen Ideen zu kommen als diejenigen sind, die uns erfüllen müssen, um die Welt zu verstehen, die wir erleben zwischen der Geburt und dem Tode. Viel mehr müssen wir uns aufschwingen dazu, die Maja nicht nur so zu durchbrechen, daß wir gleichsam diese Maja überall sich gleich finden und glauben, wenn wir irgendwo durchkommen, dann sind wir schon in der geistigen Welt darinnen. An verschiedenen Stellen des Lebens ist die Maja verschieden dicht. Wenn wir verschiedenen Gebieten des Lebens gegenübertreten, so finden wir, daß die Maja verschieden dicht ist; sie ist aus verschiedenen Stoffen gewoben. Trotzdem sie Maja ist, ist sie an den verschiedenen Stellen des Lebens aus verschiedenen Stoffen gewoben.
[ 45 ] In many respects, in order to enter the spiritual world, we must acquire the ability to arrive at different mental images and ideas than those that must fill us in order to understand the world we experience between birth and death. Rather, we must rise to the task of breaking through maya not merely in such a way that we find this maya to be the same everywhere and believe that if we get through somewhere, we are already inside the spiritual world. At different points in life, maya is of varying density. When we encounter different areas of life, we find that maya is of varying density; it is woven from different materials. Although it is maya, it is woven from different materials at different points in life.
[ 46 ] Wir treten einem Kinde entgegen, wir lernen es in diesem physischen Dasein kennen, wir machen uns zunächst Vorstellungen über das Wesen des Kindes, die zusammengesetzt sind aus den Erfahrungen, die wir uns gebildet haben, je nachdem wie uns das Kind mit seiner Wesenheit im physischen Leibe entgegentritt. Wir könnten keinen größeren Fehler machen, als wenn wir ohne weiteres eine solche Vorstellung hineintragen würden in die geistige Welt, um real zu erkennen das betreffende Wesen, wenn es durch die Todespforte geschritten ist.
[ 46 ] We encounter a child; we get to know it in this physical existence; we initially form mental images of the child’s nature based on the experiences we have gained, depending on how the child presents itself to us with its being within the physical body. We could make no greater mistake than to carry such a mental image uncritically into the spiritual world in order to truly recognize the being in question once it has passed through the gate of death.
[ 47 ] Wir haben ja selbst in letzter Zeit ein ganz ungeheuer ergreifendes karmisches Ereignis durchgemacht: in Theo Faiss. Wir stellen ihn uns falsch vor, wenn wir etwa einfach verlängern würden die Vorstellungen, die wir uns gemacht haben von dem Kinde nach dem, wie es uns in der physischen Welt entgegengetreten ist, und wenn wir diese Vorstellungen nur hinaus in die geistige Welt projizieren würden. Gerade in einem solchen Wesen können wir manchmal bald nach dem Tode die allergrößte Reife finden. Wir können verwoben finden die Kräfte, die das Kind hereingebracht hat in die physische Welt durch die Geburt, und die sich nicht ausgelebt haben in der physischen Welt, da das Karma es nicht zugelassen hat, wir können sie verwoben finden in die kosmischen Kräfte hinein, und wir können allmählich wahrnehmen, wie eine reife Seele, die sich durch den Tod hindurchgerungen hat zum kosmischen Dasein, nach und nach zum Sphärendasein heranwächst. Und wenn eine solche Seele ein Kind war in der letzten Inkarnation, so können wir wahrnehmen, wie sie verhältnismäßig rasch heranwächst, um zu dirigieren dasjenige, was dem Kosmos sich an Kräften einfügt. Dann lernen wir den Menschen nach dem Tode kennen, wie wenn er mit seiner eigenen Wesenheit dirigiert die Kräfte, die in seinem Todesspektrum sind, und die sich hineinverweben in den Kosmos. So wächst der Mensch hinein in jenes Schaffen, das man das Himmelsschaffen nennen kann. Dann verwächst sein willensartiges Gefühl, sein gefühlsmäßiges Willensimpuls-Element mit der Welt draußen. Wie wenn wir uns im physischen Leibe als Kind allmählich anpassen mit unseren Sinnesorganen an die äußere Welt, wie wir da ins Schauen hineinwachsen, so wachsen wir nach dem Tode ins Wesen hinein, ins Wesentliche; in die Willensentfaltung wachsen wir hinein.
[ 47 ] We ourselves have recently gone through a truly profoundly moving karmic event: that of Theo Faiss. We would be misrepresenting him if we were simply to extend the mental images we formed of the child based on how he appeared to us in the physical world, and if we were to project these mental images out into the spiritual world. It is precisely in such a being that we can sometimes find the greatest maturity soon after death. We may find interwoven the forces that the child brought into the physical world through birth, and which were not fully lived out in the physical world because karma did not permit it; we can find them interwoven into the cosmic forces, and we can gradually perceive how a mature soul, having struggled through death to cosmic existence, gradually grows into a life in the spheres. And if such a soul was a child in its last incarnation, we can perceive how it matures relatively quickly to direct the forces that merge into the cosmos. Then we come to know the human being after death, as if he were directing with his own being the forces that are in his death spectrum and that weave themselves into the cosmos. Thus the human being grows into that creative work that can be called the work of the heavens. Then his volitional feeling, his emotional element of volitional impulse, merges with the world outside. Just as we gradually adapt in the physical body as children, using our sense organs to adjust to the outer world, just as we grow into seeing there, so do we grow into the essence after death, into the essential; we grow into the unfolding of the will.
[ 48 ] Und wenn wir solche Erscheinungen auf uns wirken lassen in echt geisteswissenschaftlichem Sinne, dann werden wir nach und nach merken, wie die Maja des äußeren Lebens an den verschiedenen Stellen verschieden stark gewoben ist. Sie ist schwer zu durchdringen an solchen Stellen wie beim Tode eines ganz jungen Kindes, weil das meiste, was da äußere Erscheinung war, dasjenige stört, was an die Stelle treten muß, damit wir uns eine richtige Vorstellung machen von dem, was der Mensch nach dem Tode ist.
[ 48 ] And if we allow such phenomena to affect us in a truly spiritual-scientific sense, we will gradually come to realize how the maya of external life is woven with varying degrees of intensity in different places. It is difficult to penetrate in situations such as the death of a very young child, because most of what was an external appearance interferes with what must take its place so that we can form a correct mental image of what a human being is after death.
[ 49 ] Es gibt dann aber auch Menschen, bei denen verhältnismäßig leicht zu durchdringen ist das Gewebe der Maja, weil die Wahrheit ihres Wesens sich tief hat einfügen können auch dem, was als Maja hier in der physischen Welt zwischen der Geburt und dem Tode bei ihnen lebt. Solche Menschen gibt es,auch, Menschen, welche schöne Schätze geistigen inneren Reichtums bei ihrer Geburt hinuntertragen in die physische Welt, und die in der Lage sind, einzuverweben in die Art wie sie sind, das, was sie aus der geistigen Welt hinuntergetragen haben. Es sind diejenigen Menschenwesen, die wir um dessentwillen, was gleichsam die Schöpfer in ihrer Liebe aus ihnen gemacht haben, unendlich lieben müssen, bei denen wir oftmals nicht fragen, warum wir sie lieben, sondern bei denen uns die Liebe zu ihnen als eine Selbstverständlichkeit vorkommt. Solche Wesen sind gleichsam lebendige Zeugen der geistigen Welt, weil sie außerordentlich stark ähnlich sehen ihrem geistigen Wesen hier in der physischen Welt schon, und weil das Gewebe der Maja, allerdings durch die Liebe nur, aber durch diese recht bald, auseinandergelegt werden kann, so daß man in die Tiefe der Seele dann hineinzuschauen vermag.
[ 49 ] There are, however, also people for whom the fabric of maya is relatively easy to penetrate, because the truth of their being has been able to deeply integrate itself into what lives within them as maya here in the physical world between birth and death. Such people exist—people who bring beautiful treasures of spiritual inner wealth down into the physical world at their birth, and who are able to weave into the very essence of who they are that which they have brought down from the spiritual world. These are the human beings whom we must love infinitely for the sake of what the creators, so to speak, have made of them in their love; with them, we often do not ask why we love them, but rather our love for them seems to us a matter of course. Such beings are, as it were, living witnesses to the spiritual world, because they already bear an extraordinarily strong resemblance to their spiritual being here in the physical world, and because the fabric of maya can be unraveled—albeit only through love, but quite quickly through it—so that one is then able to look into the depths of the soul.
[ 50 ] Es gehört solchen Menschen gegenüber eine gewisse Zartheit, eine intime Zartheit dazu, sich zu ihnen zu stellen, weil sie viel, viel heruntertragen von der geistigen Welt in das physische Dasein, und weil sie dann nach dem Tode gleichsam so dastehen, wie wenn sie lebendige Zeugen wären für die doch unendlich tief bedeutsame Tatsache, daß in allen Offenbarungen hier in dieser Welt auch die Impulse der geistigen Welt weiterleben. Erblicken wir solche Menschen nach dem Tode, so stellen sie sich uns so dar, wie wenn sie uns sagen wollten: So waren wir vorher, und daß wir so in tiefster, tiefster innerlicher Wahrheit waren, das bewahrheitet sich jetzt, da wir durch die Pforte des Todes geschritten sind. — So stehen sie da wie Glaubensapostel auch nach dem Tode, wie Apostel für den Glauben, der uns an das Leben, das wir hier in der physischen Welt verbringen, glauben läßt.
[ 50 ] When dealing with such people, a certain tenderness—an intimate tenderness—is required, because they carry down so much from the spiritual world into physical existence, and because after death they stand, as it were, as if they were living witnesses to the infinitely profound fact that in all revelations here in this world, the impulses of the spiritual world also live on. When we behold such people after death, they appear to us as if they wanted to say to us: This is how we were before, and that we were so in the deepest, deepest inner truth is now confirmed, now that we have passed through the gate of death. — Thus they stand there as apostles of faith even after death, as apostles for the faith that enables us to believe in the life we spend here in the physical world.
[ 51 ] So steht auch da unsere hingestorbene Freundin Sibyl Colazza, steht da wie ein Apostel für den Glauben, daß die Welt, in der wir leben, durchdrungen ist von Geistigkeit. Und da haben wir zu erklären, warum gerade bei ihr das Eigentümliche eingetreten ist, daß im Anblick ihres geistigen Wesens bewahrheitet werden mußte dasjenige, was sie durch “die Hülle des äußeren Lebens hindurch auch schon in der physischen Welt für jeden, der sie kennen und lieben lernte, darlebte. Daher der andere Ton in den Worten, die aus ihrer Seele heraus gesprochen werden mußten, weil das Individuelle gerade in dem lag, wovon ich jetzt gesprochen habe:
[ 51 ] There, too, stands our departed friend Sibyl Colazza, standing there like an apostle for the belief that the world in which we live is permeated by spirituality. And here we must explain why it was precisely in her case that the peculiar phenomenon occurred whereby, in the light of her spiritual being, that which she had already lived out in the physical world—through the “veil of outer life”—for everyone who came to know and love her had to be confirmed. Hence the different tone in the words that had to be spoken from her soul, because the individual lay precisely in what I have just spoken of:
Und es durchseelte dieses Wesen
Deine Stimme, die beredt
Durch des Wortes Art mehrAls in dem Worte selbst
Offenbarte, was verborgen
In Deiner schönen Seele weset;
And it filled this being
Your voice, which eloquently
Through the very nature of the wordMore than in the word itself
Revealed what lay hidden
In your beautiful soul;
[ 52 ] Merken Sie, daß die Darstellung der Vergangenheit, des Imperfektums übergeht in die Gegenwart, das Präsens, weil zusammenfloß der Anblick des Lebens im Leibe mit dem Anblick des Lebens nach dem Tode. Das drückt sich selbst im Worte aus. So notwendig fließt das Wort, das aus der geistigen Welt heraus geprägt werden muß. So daß gesagt werden muß: es durchseelte dieses Wesen deine Stimme, die beredt durch des Wortes Art mehr als in dem Worte selbst offenbarte, was verborgen in deiner Seele «weset», also nicht «wesete», sondern «weset», fortwirkt, da ist.
[ 52 ] Notice that the depiction of the past, the imperfect tense, merges into the present tense because the vision of life in the body merged with the vision of life after death. This is expressed even in the words themselves. So necessarily does the word flow, which must be shaped from the spiritual world. So that it must be said: your voice animated this being, which, through the nature of the word, revealed more eloquently than the word itself what is hidden in your soul—“is,” not “was,” but “is”—continues to work, is there.
Doch das hingebender Liebe
Teilnahmsvoller Menschen
Sich wortlos voll enthüllte:
But the devoted love
Of compassionate people
Revealed itself fully, without a word:
[ 53 ] — man kann auch sagen «enthüllt» —
[ 53 ] — one could also say “revealed” —
Dies Wesen, das von edler, stiller Schönheit
Der Welten-Seelen-Schöpfung
Empfänglichem Empfinden kündete.
This being, of noble, quiet beauty
Of the creation of the world’s soul
Proclaimed to a receptive sensibility.
[ 54 ] — man kann auch sagen «verkündet» —. Es fließen da die beiden Zeiten Zusammen.
[ 54 ] — one could also say “proclaimed” —. The two tenses converge here.
[ 55 ] Nun nehmen wir eine Seele, wie die unseres zu unserem Leide so jung verstorbenen Freundes Fritz Mitscher, eine Seele, welche dem, der sie kennenlernte, sich darlebte so, daß man ihr Wesen im schönsten Sinne des Wortes ausdrücken kann, wenn man ein Wort prägt, das abstrakt und trocken klingen kann, das aber wirklich dieses Wesen zum Ausdruck bringen kann, das Wort: ein objektiver Mensch. Fritz Mitscher war ein ganz objektiver Mensch. Die Momente, wo ein Fritz Mitscher von sich erzählt hätte, die hat es kaum gegeben. Wenn er von sich auch erzählt hat, so war das Von-sich-Erzählen im Grunde genommen nur scheinbar. Es war nur so, daß er seine Beziehungen zu dem oder zu jenem in der Außenwelt charakterisierte. Sein Ich stand fast gar nirgends, ich kann nicht sagen, im Mittelpunkte der Betrachtung, es stand nicht einmal am Horizonte der Betrachtung. Und es war charakteristisch bei ihm, daß er — wie es natürlich ist, wenn ein älterer Mann mit einem jüngeren Mann sich unterhält über allerlei Lebensratschläge, daß man das Gespräch auf ihn selbst bringt —, daß er dann, wenn er von sich reden sollte, in gewisser Weise einem sogar entschlüpfte und ablenkte von sich das Gespräch auf dasjenige, was er zu erleben hatte um sich herum, um es zu charakterisieren mit der Kunst, mit der er schon charakterisieren konnte, die er aus der Geisteswissenschaft gewonnen hatte, Er war also ein objektiver Mensch, ein Mensch der Objektivität. Er dachte nicht daran, was er der Welt bedeutete, er dachte nicht daran, wie sein Ich sich in die Welt hineinstellte. Er hatte im eminentesten Sinne überall nur sachliche Interessen, jene sachlichen Interessen, die sich so charakteristisch ausdrücken, wenn man so gar nicht bedacht ist auf die Art, wie sich solche sachlichen Interessen in die Welt hineinstellen.
[ 55 ] Now let us consider a soul like that of our friend Fritz Mitscher, who, to our great sorrow, died so young—a soul that revealed itself to those who came to know him in such a way that one can describe his nature in the most beautiful sense of the word by coining a term that may sound abstract and dry, but which truly captures this essence: an objective person. Fritz Mitscher was a thoroughly objective person. There were hardly any moments when Fritz Mitscher would have spoken of himself. Even when he did speak of himself, this “speaking of oneself” was, in essence, only apparent. It was merely that he characterized his relationships to this or that person in the external world. His self was almost nowhere—I cannot say at the center of his attention; it was not even on the horizon of his attention. And it was characteristic of him that—as is natural when an older man converses with a younger man about all sorts of life advice, so that the conversation turns to himself —that when he was supposed to speak of himself, he would in a certain way even slip away from the subject and divert the conversation from himself to what he was experiencing around him, characterizing it with the art with which he was already able to characterize, which he had gained from Spiritual Science. He was thus an objective person, a person of objectivity. He did not think about what he meant to the world; he did not think about how his ego positioned itself in the world. In the most eminent sense, he had only factual interests everywhere—those factual interests that are so characteristically expressed when one is not at all concerned with the way such factual interests position themselves in the world.
[ 56 ] Fritz Mitscher gehörte zu denjenigen Menschen, die von früh auf einen gleichen Eifer angewendet haben, irgend jemandem im vorübergehenden Gespräche mit der äußersten Objektivität die ihm tiefsten Wahrheiten zu entwickeln; er gehörte zu denjenigen Menschen, die immer denselben Eifer da anwenden, weil sie sich für die Sache und nicht für die Person und das Hereinstellen der eigenen Persönlichkeit in die Welt interessieren. Und wenn er vor einem Auditorium gesprochen hat, so war es das reinste, keuscheste Aufgehen in die Sache, niemals das SichVerlieren in die seelische Unkeuschheit des Über—sich—Sprechens. Das war so charakteristisch für ihn. Und das befähigte ihn ja auch in so eminentem Grade dazu, die Welt wirklich so aufzufassen, daß man durch das Medium der Idee, des Gedankens, der Vorstellung in die Welt hineinkommt, nicht aus ihr herauskommt, sondern in sie hineinkommt. Immer tiefer lebte er sich daher durch den Gedanken, durch die Idee, durch die Vorstellung in die Weltenzusammenhänge hinein: so lebte er mit der Welt zusammen, lebte mit seinem Ich — weil er so wenig davon sprach — eben so drinnen in den Dingen und nicht nur in seiner Haut darinnen.
[ 56 ] Fritz Mitscher was one of those people who, from an early age, applied the same zeal to revealing his deepest truths to anyone in a casual conversation with the utmost objectivity; he was one of those people who always apply the same zeal there, because they are interested in the cause and not in the person or in projecting their own personality onto the world. And when he spoke before an audience, it was the purest, most chaste immersion in the subject matter, never a loss of self in the spiritual impurity of speaking about oneself. That was so characteristic of him. And that also enabled him to such an eminent degree to truly perceive the world in such a way that, through the medium of the idea, of thought, of the mental image, one enters into the world—not emerging from it, but entering into it. Thus, through thought, through the idea, through the mental image, he immersed himself ever more deeply into the interconnections of the world: in this way he lived together with the world, lived with his ego—because he spoke so little of it—precisely within the things themselves and not merely within his own skin.
[ 57 ] Solche Menschen sind es im Grunde genommen, die allein wirklich dasjenige verstehen, was Ideale in der Welt sind, was das Leben in Ideen und Idealen ist. Leben in den Ideen und Idealen ist ja nicht bloß: Ideen und Ideale haben — die kann man ja haben, sie sind im Leben so leicht zu pflücken wie Brombeeren —, aber darum handelt es sich nicht bloß, daß man Ideen und Ideale hat, sondern darum handelt es sich, daß man Ideen und Ideale in ihrer gedanklichen Reinheit hat, und das fliehen so unendlich viele Menschen. Vor dem Denken fliehen ja die Menschen in ganzen Scharen. Oh, meine lieben Freunde, man braucht nichts anderes zu tun, als die Imagination vor seine Seele zu rufen, die reale Imagination vor seine Seele zu rufen des wirklich reinen Denkens, des Lebens im reinen Gedanken, in sinnlichkeitsfreien Gedanken und Ideen, diesen keuschen Quell des Seelendaseins hinzustellen, und dann einmal zu probieren, die Spektren der Menschen darum herum zu stellen, und man wird finden: in ganzen Scharen fliehen die Menschen vor diesem keuschen Quell der sinnlichkeitsfreien Gedankenwelt. Oh, das ist etwas Nüchternes, Trockenes, das ist etwas, was einem die Liebe aus dem Herzen reißt, es ist etwas Kaltes, Eisiges —, sagen sie, und sie fliehen, fliehen in ganzen Scharen, und nur wenige, wenige bleiben stehen, in seelischer Keuschheit. Das sind die wirklichen Philosophenseelen, das sind die für die Philosophie wirklich veranlagten Menschen. Zu ihnen gehören solche Naturen, wie Fritz Mitscher war.
[ 57 ] It is, in essence, such people who alone truly understand what ideals are in the world, what it means to live in ideas and ideals. Living in ideas and ideals is not merely: having ideas and ideals—one can certainly have those; they are as easy to pluck in life as blackberries—but it is not merely a matter of having ideas and ideals; rather, it is a matter of having ideas and ideals in their intellectual purity, and this is what so many people flee from. People flee from thinking in droves. Oh, my dear friends, one need do nothing more than summon imagination before one’s soul, summon real imagination before one’s soul—the imagination of truly pure thought, of life in pure thought, in thoughts and ideas free from sensuality—to set forth this chaste source of the soul’s existence, and then try, just once, to place the spectres of humanity around it, and one will find: in droves people flee from this chaste source of the senseless world of thought. Oh, that is something sober, dry, that is something that tears love from one’s heart, it is something cold, icy—they say, and they flee, flee in droves, and only a few, a few remain standing, in spiritual chastity. These are the true philosophical souls; these are the people truly predisposed to philosophy. Among them are such natures as Fritz Mitscher was.
[ 58 ] Daher bildet sich bei solchen Naturen verhältnismäßig wie eine Selbstverständlichkeit heraus, daß sie in Zusammenhänge hineinwachsen, auf die natürlichste Weise hineinwachsen, ich muß sogar besser sagen, daß sie sich durch ihr Karma in die Zusammenhänge hineintragen lassen. Gerade das war bei Fritz Mitscher im allerhöchsten Maße der Fall. Nirgends konnte man bemerken bei ihm, daß er sich an einen Platz hinstellen wollte aus einer Absicht heraus, aus einer im physischen Leibe gefaßten Absicht heraus. Überall war es so, daß er sich von dem Strome des Karma hinführen ließ zu den Aufgaben. Das ist wiederum die richtige Philosophennatur, die man eher etwas hinführen muß zu den Aufgaben, als daß sie aus einem egoistischen Willen heraus sich zu dieser oder jener Aufgabe drängen würde. Denn solche echten Philosophennaturen, die wissen in ihrem tiefen inneren Fühlen nur allzustark — und in ihren Impulsen —, daß man ja im Grunde wirklich reif zu einer Aufgabe niemals ist, und daß man eigentlich nur glauben kann, man wäre reif für eine Aufgabe, wenn man maßlos eitel ist, daß man eigentlich immer etwas vorausnimmt von dem, was man später erst leisten kann. Denn bloß, wenn man diese Gesinnung hat, dann verspürt man in seinem Leben etwas von dem, was die innere Berufung ist. Und es wird dann das Leben in gewisser Weise durchdrungen von dem: Erkenne dich! — Man lernt ja sich am besten erkennen, wenn man wenig von seinem Ich spricht und denkt. Dann wird das, was man wirkt und arbeitet für das Leben, durchdrungen von dem: Erkenne dich, leb’ mit der Welt in Frieden!
[ 58 ] Therefore, for such individuals, it develops almost as a matter of course that they grow into these contexts—in the most natural way possible; indeed, I should say that they allow themselves to be carried into these contexts by their karma. This was precisely the case with Fritz Mitscher to the very highest degree. Nowhere could one perceive in him that he wanted to take a position out of some intention, out of an intention conceived in the physical body. Everywhere it was the case that he allowed himself to be led by the current of karma to the tasks. This, in turn, is the true nature of a philosopher, who must rather be led to the tasks than push himself toward this or that task out of an egoistic will. For such genuine philosophical natures know all too well in their deep inner feeling—and in their impulses—that one is, in fact, never truly ready for a task, and that one can really only believe one is ready for a task if one is excessively vain, that one is actually always anticipating something of what one will only be able to accomplish later. For only when one has this attitude does one sense in one’s life something of what inner calling is. And life then becomes, in a certain way, permeated by this: Know thyself! — For one learns to know oneself best when one speaks and thinks little of one’s ego. Then what one does and works for in life is permeated by this: Know thyself, live in peace with the world!
[ 59 ] Es war dies die Devise des Fritz Mitscher. Solch ein Leben setzt sich dann in die geistige Welt hinein fort und bleibt dasjenige, was es war, nur daß aus dem Keim die Frucht in der geistigen Welt wird. Wir müssen dann absehen von jener Betrachtung, die ja unreal wäre, daß wir uns fragten: Was wäre aus solch einer Wesenheit geworden, wenn sie länger hätte bleiben können in der physischen Welt? Das ist eine unreale Betrachtung. Die reale Betrachtung führt uns gerade zu dem Großen, Wunderbaren, daß aufgenommen wird eine solche Seele in die geistigen Welten, und daß dasjenige, was sie nun in den geistigen Welten zu leisten berufen ist, sich zu dem, was sie hier durchlebt hat zwischen Geburt und Tod, verhält wie die Frucht der Pflanze zu dem Samen, so daß das hiesige Leben wirklich ein Samenleben für das geistige Leben nach dem Tode ist.
[ 59 ] This was Fritz Mitscher’s motto. Such a life then continues into the spiritual world and remains what it was, except that in the spiritual world the seed becomes the fruit. We must then refrain from the line of thought—which would indeed be unrealistic—of asking ourselves: What would have become of such a being if it had been able to remain longer in the physical world? That is an unrealistic line of thought. The realistic perspective leads us precisely to the great and wondrous fact that such a soul is received into the spiritual worlds, and that what it is now called upon to accomplish in the spiritual worlds relates to what it experienced here between birth and death just as the fruit of a plant relates to the seed, so that life here is truly a seed-life for the spiritual life after death.
[ 60 ] So müssen sich einem gerade bei einer Natur, welche in der Objektivität lebt, wenn man sie nach dem Tode betrachtet, die Worte in die Seele hereinsenken, die diese Objektivität der Lebensauffassung charakterisieren, aber auch das Verhältnis zur umliegenden Welt: in der Welt drinnenstehen und mit der Wesenheit in der Welt drinnenstehen. So war es denn notwendig über Fritz Mitscher zu sprechen, wobei eben gerade dieser Unterschied zwischen dem Samen hier und der Pflanze, die sich weiter entwickelt dort, sich als das Charakteristische vor die Seele hinstellt. So erkläre ich mir, warum die Worte gerade so wurden, wie sie waren:
[ 60 ] Thus, especially in the case of a nature that lives in objectivity, when one considers it after death, the words that characterize this objectivity of the view of life must sink into the soul, but also the relationship to the surrounding world: to be within the world and to be within the world with one’s being. Thus it was necessary to speak of Fritz Mitscher, whereby precisely this difference between the seed here and the plant that continues to develop there stands out before the soul as the defining characteristic. This is how I explain to myself why the words turned out exactly as they did:
Ein Verlust, der tief uns schmerzt,
So entschwindest Du dem Feld,
Wo des Geistes Erdenkeime
In dem Schoß des Seelenseins
Deinem Sphärensinne reiften...Eine Hoffnung, uns beglückend:
So betratest Du das Feld,
Wo der Erde Geistesblüten
Durch die Kraft des Seelenseins
Sich dem Forschen zeigen möchten.Lautrer Wahrheitliebe Wesen
War Dein Sehnen urverwandt;
Aus dem Geisteslicht zu schaffen
War das ernste Lebensziel,
Dem Du rastlos nachgestrebt....Eine Hoffnung, uns beglückend
So betratest Du das Feld,
Wo der Erde Geistesblüten
Durch die Kraft des Seelenseins
Sich dem Forschen zeigen möchten.Höre unsrer Seelen Bitte,
Im Vertrau’n Dir nachgesandt:
Wir bedürfen hier zum Erdenwerk
Starker Kraft aus Geistes-Landen,
Die wir toten Freunden danken.Eine Hoffnung, uns beglückend
Ein Verlust, der tief uns schmerzt:
Laß uns hoffen, daß Du ferne-nah,
Unverloren unsrem Leben leuchtest,
Als ein Seelen-Stern im Geistbereich.
A loss that pains us deeply,
Thus you vanish from the field,
Where the spirit’s earthly seeds
In the bosom of the soul’s being
Matured for your celestial senses...A hope that brings us joy:
Thus you entered the field,
Where the spirit’s blossoms of the earth
Through the power of soul-being
Wish to reveal themselves to inquiry.To beings of pure love of truth
Your longing was intimately connected;
To create from the light of the spirit
Was the earnest goal of life,
Which you pursued tirelessly....A hope that brings us joy
Thus you entered the field,
Where the spirit blossoms of the earth
Through the power of soul-being
Wish to reveal themselves to the seeker.Hear our souls’ plea,
Sent to you in trust:
Here, for our earthly work,
We need strong power from the realms of the spirit,
For which we thank our departed friends.A hope that brings us joy
A loss that pains us deeply:
Let us hope that you, far yet near,
Shine upon our lives, never lost,
As a soul-star in the realm of the spirit.
[ 61 ] So konnte denn Fritz Mitscher geradezu die Individualität sein, bei der ausgesprochen wurde dasjenige, was aber real und wirklich war bei vielen unserer toten Freunde bei ihrem Eintritt in die geistige Welt: Sie werden auf dem Felde des geistigen Lebens, das wir zu pflegen haben, unsere wirksamsten Mitarbeiter, sie werden diejenigen, zu denen wir mit besonderem Danke aufschauen, wenn wir an die Aufgaben der gegenwärtigen und zukünftigen geistigen Entwickelung denken müssen, Aufgaben, die sich nur schwierig und langsam werden realisieren lassen innerhalb unseres Erdenseins mit den Kräften bloß, die in physischen Leibern inkarniert sind. So erscheint es mir bei unseren durch die Pforte des Todes gehenden Freunden, wie wenn es überall am Platze gewesen wäre, ihnen, wie auch unserem Freunde Christian Morgenstern, mitzugeben die Bitte, so bei uns zu bleiben, daß durch ihre Kräfte vieles getan werden kann in unserer geistigen Bewegung, was mit bloß irdischen Kräften eben nicht getan werden kann.
[ 61 ] Thus Fritz Mitscher could truly be the embodiment of that which was expressed—yet which was, in reality, a reality shared by many of our departed friends upon their entry into the spiritual world: They will become our most effective collaborators in the realm of spiritual life that we are called to cultivate; they will be those to whom we look up with special gratitude when we must consider the tasks of present and future spiritual development—tasks that can only be realized with difficulty and slowly within our earthly existence, using solely the forces incarnated in physical bodies. Thus, it seems to me, regarding our friends who have passed through the gate of death, as if it were entirely appropriate to entrust them—as well as our friend Christian Morgenstern—with the request to remain with us, so that through their powers much may be accomplished in our spiritual movement that simply cannot be achieved with merely earthly powers.
[ 62 ] Gerade dieses mußte man als letzten Erdengruß an solche Individualitäten richten, und deutlich ausgesprochen werden muß es ganz besonders bei unserem lieben Freunde Fritz Mitscher, der auch mit seiner Jugendkraft in der in diesen Tagen charakterisierten Weise unser starker Helfer sein wird, der wahrhafter Trost sein wird, Trost da, wo Trost nötig ist. Er ist oftmals nötig.
[ 62 ] This, above all, is what we must offer as a final farewell to such individuals, and it must be stated clearly, especially in the case of our dear friend Fritz Mitscher, who, with the vigor of his youth and in the manner we have described these past few days, will be our strong supporter and a true source of comfort—comfort where comfort is needed. It is often needed.
[ 63 ] Es ist so mancherlei, was insbesondere in der letzten Zeit unseres Wirkens und Schaffens und unseres Strebens uns so recht vor Augen führt, wie groß die Hemmnisse, die wirklich nicht eingebildeten Hemmnisse des physischen Planes sind, wie schwer sich die Vorurteile der Menschen entgegenstellen demjenigen, was bei uns geleistet werden muß, und in welch widerspruchsvoller Weise sie sich oftmals entgegenstellen.
[ 63 ] There are many things, especially in the recent period of our work, our creative endeavors, and our striving, that truly bring home to us just how great the obstacles—the very real, not imagined obstacles—of the physical plane are; how strongly human prejudices oppose what must be accomplished by us; and in what contradictory ways they often stand in our way.
[ 64 ] Man braucht etwa nur ein solches Beispiel zu nehmen: Die Menschen draußen, außerhalb unserer geisteswissenschaftlichen Strömung, schreiben Broschüren — dasjenige, was ich jetzt sage, ist wirklich nicht aus einem persönlichen Grunde gesagt, weil ich mich dabei nur als schwaches Instrument fühle der geistigen Bewegung, die uns zu tragen hat —, also die Menschen draußen schreiben Broschüren über Broschüren darüber, wie von unseren Anhängern alles, ohne geprüft zu werden, auf Treu und Glauben und auf Vertrauen hingenommen wird, wie gewissermaßen in unserem Kreise nichts vorhanden wäre, als der blinde Glaube. So charakterisiert man draußen unsere Bewegung: als wären alle bloß blindgläubige Tröpfe, die nur auf das Vertrauen hin, das sie haben, nachlaufen. Das draußen!
[ 64 ] One need only take an example like this: People out there, outside our Spiritual Science movement, write pamphlets—what I am saying now is truly not said for any personal reason, because I feel myself to be merely a weak instrument of the spiritual movement that is meant to carry us— so the people out there write pamphlet after pamphlet about how our followers accept everything without scrutiny, on good faith and trust, as if there were nothing in our circle but blind faith. That is how our movement is characterized out there: as if we were all just blindly faithful fools who follow only on the basis of the trust they have. That is how it is out there!
[ 65 ] Innerhalb der Mauern sieht es manchmal mit diesem Vertrauen wenn man auf dasjenige Vertrauen etwas gibt, das in den tieferen Seelengründen vorhanden ist und nicht bloß in den Worten, an der Oberfläche liegt — gar nicht so glänzend aus. So daß ein großer Widerspruch vorhanden ist zwischen dem, wessen uns die Leute in ihren Broschüren anklagen, und dem, was in so reicher Überfülle innerhalb der Mauern unserer Gesellschaft vorhanden sein sollte. Es ist ein klaffender Widerspruch. Denn wenn es wirklich hat vorkommen können ohne Kritik und vor allen Dingen ohne Bitterkeit sage ich das, was ich zu sagen habe, und ohne im allergeringsten eine Persönlichkeit treffen zu wollen —, wenn es hat vorkommen können, daß mit Rücksicht auf mancherlei, was ich im Herbste hier an dieser Stelle gesagt habe, hat geschrieben werden können: der Doktor Steiner vertrödelt seine okkulten Forschungen mit solchen Angelegenheiten — und unter Angelegenheiten ist hier dasjenige gemeint, was ich dazumal zur Sprache gebracht habe —, er vertrödelt also seine okkulten Kräfte für solche Dinge, die dazumal ausgesprochen worden sind —, wenn das hat geschrieben werden können, dann ist das doch ein klarer Beweis dafür, daß jenes Vertrauen, dessen wir draußen in der Welt, als einzig bei uns herrschend angeklagt werden, wenn es auch vielfach in den oberen Bewufßtseinsschichten als Maja vorhanden ist, doch in den tiefern Seelenkräften gar nicht so außerordentlich fest sitzt.
[ 65 ] Within these walls, things sometimes don’t look so rosy when it comes to this trust—if one places value on the kind of trust that lies deep within the soul and not merely in words on the surface. So there is a great contradiction between what people accuse us of in their pamphlets and what should be present in such abundant abundance within the walls of our society. It is a glaring contradiction. For if it could really have happened—and I say this without criticism and, above all, without bitterness, and without wishing to offend anyone in the slightest—if it could have happened that, in light of various things I said here in the fall, it could have been written: Dr. Steiner is squandering his occult research on such matters—and by “matters” here I mean what I brought up at the time— he is thus squandering his occult powers on such things as were spoken of back then—if that could have been written, then it is clear proof that that trust, of which we are accused out in the world as being unique to us, even though it is often present in the higher strata of consciousness as maya, is not, after all, so extraordinarily firmly rooted in the deeper powers of the soul.
[ 66 ] Schließlich wird dasjenige, was als Lehre hier vorgebracht wird, auf keine Autorität gegründet und niemals als Dogma zu glauben gefordert. Das ist gerade gesagt mit der Tendenz, daß es in allen Einzelheiten geprüft werde. Aber etwas wie sich zum Richter aufwerfen darüber, worauf ich selbst zu erstrecken habe meine okkulten Forschungen und worauf nicht, das ist eine Geistestyrannis, die im eminentesten Sinne nicht aus dem entspringt, was natürlich bis zu einem gewissen Grade vorhanden sein muß, nicht, um Geisteswissenschaft aufzunehmen, was aber vorhanden sein muß, ich möchte sagen, um der Gesellschaft willen. Es ist eine Geistestyrannis, die aus unterbewußtem Mangel an Vertrauen entspringt. Um Lehren entgegenzunehmen, braucht man kein Vertrauen; aber um dem Geistesforscher nicht vorzuschreiben, was er aus der geistigen Welt aufzunehmen hat, sondern vorauszusetzen, daß der Vertreter der Geisteswissenschaft selbst weiß, was er zu tun hat und selber über dasjenige, was in das Gebiet seiner Forschungen fällt, entscheiden muß, dazu gehört ein Vertrauen, das ja auch der Bewegung niemals irgendwie unförderlich sein kann, weil es über den Kreis des Persönlichen nicht hinausgeht, weil es die Lehre nicht berührt. Aber es bezeichnet eine solche Tatsache — wie viele ähnliche Tatsachen es bezeigen —, daß schon große Hemmnisse und Schwierigkeiten vorhanden sind, und daß es schon notwendig ist, daß wir immer weiter und weiter, fern von alle dem, was einem Wunsche des Wirkens ähnlich sieht, innerhalb unserer geistigen Bewegung das, was aus der Einsicht in die innere Notwendigkeit hervorgeht, als Pflicht tun. Diese Pflicht wird immer getan werden, wenn sie auch noch so sauer gemacht werden sollte, nach den gewöhnlichen Auffassungen des Lebens das Wort «sauer» genommen.
[ 66 ] After all, what is presented here as a teaching is not based on any authority and is never demanded to be believed as dogma. This is stated precisely with the intention that it be examined in every detail. But to set oneself up as a judge over what I myself should extend my occult research to and what not—that is a tyranny of the mind which, in the most eminent sense, does not spring from what must naturally be present to a certain degree—not in order to receive Spiritual Science, but which must be present, I would say, for the sake of society. It is a tyranny of the mind that arises from a subconscious lack of trust. One does not need trust to receive teachings; but in order not to dictate to the spiritual researcher what he is to receive from the spiritual world, but rather to assume that the representative of Spiritual Science himself knows what he has to do and must decide for himself regarding that which falls within the scope of his research, this requires a trust that can never in any way be detrimental to the movement, because it does not go beyond the personal sphere, because it does not touch upon the teaching. But it points to a fact—as many similar facts demonstrate—that great obstacles and difficulties already exist, and that it is already necessary for us, ever further and further away from everything that resembles a desire to act, to do within our spiritual movement, as a duty, that which arises from an insight into inner necessity. This duty will always be fulfilled, even if it is made as “bitter” as possible, taking the word “bitter” in the ordinary sense of life.
[ 67 ] Aber gerade dann, wenn wir sehen, daß wir solchen teuren Toten geben dürfen etwas wie eine Art persönlichen Auftrag, mit uns zu sein durch ihre Kräfte, mit unseren Kräften zusammen zu wirken, dann entspringt für unsere Bewegung ein Gefühl von Sicherheit, das die physische Welt niemals geben könnte.
[ 67 ] But precisely when we realize that we can entrust these beloved departed with a kind of personal mission—to be with us through their powers and to work together with our own—a sense of security arises within our movement that the physical world could never provide.
[ 68 ] Und so fließt ein in unsere Bewegung, in dem Angedenken an unsere teuren Toten, in die Impulse selber etwas, was übersinnlich ist, was nicht bloß aus demjenigen entspringt, was wir hier manchmal gar nicht zur Beflügelung unseres Wirkens in der physischen Welt erleben können. Es entspringt sozusagen die Möglichkeit daraus, daß einfließt in die Maja unseres Gesellschaftswirkens Übersinnliches an Impulsen, daß wir uns sicher wissen, weil bei dem, was wir tun, nicht bloß das ist, was sich äußerlich auf dem physischen Plan vollzieht, sondern in diesem konkreten Sinn dabei ist auch dasjenige, was übersinnlich ist, da mit uns geblieben sind, wenn auch nicht im physischen Sein, unsere teueren Toten, so daß wir uns sicher wissen im Wirken, welches sich im Strome des geistigen Werdens drinnen empfindet.
[ 68 ] And so something supernatural flows into our movement, into the remembrance of our dear departed, and into the impulses themselves—something that does not arise merely from what we sometimes cannot even experience here to inspire our work in the physical world. It arises, so to speak, from the possibility that supersensible impulses flow into the maya of our society’s work, that we know ourselves to be secure, because what we do is not merely what takes place outwardly on the physical plane, but in this concrete sense there is also present that which is supersensible, since our dear departed have remained with us, even if not in physical being, our dear departed, so that we know ourselves to be secure in the work that is felt within the stream of spiritual becoming.
Höre unsrer Seelen Bitte,
Im Vertrau’n Dir nachgesandt:
Wir bedürfen hier zum Erdenwerk
Starker Kraft aus Geistes-Landen,
Die wir toten Freunden danken.
Hear the plea of our souls,
Sent to you in trust:
For our earthly work here,
We need the strong power from the realms of the spirit,
For which we thank our departed friends.
[ 69 ] So sprechen wir real von unseren teuren Toten als von unseren Genossen, unseren Kameraden, unseren Mitarbeitern, als von denjenigen, deren Wesen unsichtbar unter uns waltet. So ergreifen wir in dieser Weise konkret das unsichtbare Wesen, geben in der sichtbaren Welt ein letztes Mal physisch dem Freunde die Hand und empfangen dann geistig, nach dem Tode, diese Hand aus der übersinnlichen Welt. Und in diesem Wechseln des Händedrucks sehen wir das Symbol für das Wirken innerhalb einer Gesellschaft, die nicht nur für die physische Welt sprechen soll, die hereinrufen soll zu ihrer Wirksamkeit auch die übersinnlichen Welten. Solchem Wirken, solchem Arbeiten wollen wir eine Stätte bauen hier auf diesem Hügel. Möge für solches Wirken hier eine Stätte sein!
[ 69 ] Thus we truly speak of our dear departed as our comrades, our colleagues, our fellow workers—as those whose presence reigns invisibly among us. In this way, we concretely grasp the invisible being, physically shake our friend’s hand one last time in the visible world, and then, after death, receive this hand spiritually from the supersensible world. And in this exchange of handshakes, we see the symbol of the work within a society that is not meant to speak only for the physical world, but to call upon the supersensible worlds to participate in its activity as well. For such work, for such labor, we wish to build a place here on this hill. May there be a place here for such work!
