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The Rudolf Steiner Archive

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Paths to Spiritual Insight and
the Renewal of an Artistic Worldview
GA 161

6 February 1915, Dornach

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Sechster Vortrag

Sixth Lecture

[ 1 ] Ich habe gestern die Erzählung von der Manon de Gaussin angeführt aus dem Grunde, weil in ihr wirklich enthalten ist eine sachgemäße Schilderung des Nachwirkens der Ätherorganisation, des Ätherleibes nach dem Tode. Selbstverständlich kann man nicht jede novellistisch-künstlerische Darstellung in einem solchen Zusammenhange anführen, weil natürlich der Darsteller sich die unsachlichsten Vorstellungen machen könnte, und man dann Unrichtiges anführen würde. Aber ich habe eben ein Beispiel gewählt, wo in einer wirklich sachgemäßen, also in einer dem objektiven Tatbestande entsprechenden Weise das Nachwirken eines solchen Ätherleibes geschildert wird.

[ 1 ] Yesterday I cited the story of Manon de Gaussin because it truly contains an accurate description of the aftereffects of the etheric organization, the etheric body, after death. Of course, one cannot cite every fictional or artistic depiction in such a context, because the author might naturally have the most unscientific mental images, and one would then be citing something incorrect. But I have chosen an example where the aftereffects of such an etheric body are described in a truly accurate manner, that is, in a way that corresponds to the objective facts.

[ 2 ] Das ist auch gewissermaßen das erste, was der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis entgegentritt, daß, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, der Zusammenhang von Ätherleib, Astralleib und Ich sich herauslöst aus dem physischen Leibe, und daß dann gewissermaßen ein Zwischenzustand eintritt, in dem auf der einen Seite der physische Leib da ist, und auf der anderen Seite noch zusammenhängend da sind: der Ätherleib, der Astralleib und das Ich.

[ 2 ] This is also, in a sense, the first thing that Spiritual Science encounters: that when a person passes through the gate of death, the connection between the etheric body, astral body, and the I detaches itself from the physical body, and that an intermediate state then sets in, so to speak, in which on the one hand the physical body remains, and on the other hand the etheric body, the astral body, and the I are still present in a connected state.

[ 3 ] Wir wissen ja, daß dann nach verhältnismäßig ganz kurzer Zeit der Ätherleib sich loslöst und das Ich mit dem Astralleibe die weitere Weltenwanderung in der Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, als zusammenhängend mit der menschlichen Individualität, durchzumachen hat.

[ 3 ] We know, of course, that after a relatively short time the etheric body detaches itself, and the I, together with the astral body, must undergo the further journey through the worlds in the time between death and a new birth, as an entity connected to human individuality.

[ 4 ] Nun müssen wir uns klar sein darüber — ich habe das auch in der letzten Zeit öfter betont —, daß die Ätherorganisation, der Ätherleib etwas ist, was vorbestimmt ist, gewissermaßen das ganze maximale Lebensalter hindurch das menschliche Erdenleben zu versorgen. Ein Mensch, der ein hohes Alter erreicht, hat selbstverständlich noch ganz denselben Ätherleib, den er als Kind gehabt hat. Wenn nun der Mensch in einer Inkarnation frühzeitig den physischen Plan zu verlassen hat, so wie als Beispiel — das muß uns ja naheliegen — unser lieber Theo Faiss, und sich dann der Ätherleib abgetrennt hat von dem Astralleib und dem Ich, dann ist dieser Ätherleib in einem anderen Falle als bei einem Menschen, der ein gewisses Maximalalter erreicht hat, der die Kräfte dieses Ätherleibes durch Jahrzehnte seines irdischen Lebens hat verwenden können. Die Kräfte, die im Ätherleibe noch sind, wenn der Mensch frühzeitig stirbt, würden, wenn nach seinem Karma der Mensch auf der Erde hätte bleiben können, ihre Verwendung gefunden haben im weiteren Leben. Diese Verwendung besteht ja in einem fortwährenden Verbrauch des Ätherleibes. Der Ätherleib, der sich also bei einem in frühem Alter Gestorbenen abtrennt, hat viel unverbrauchte Kräfte; die sind enthalten im Ätherleib. Es sind dies gewissermaßen Kräfte, die übergegangen sind in die geistige Welt, die aber noch lange hätten versorgen können ein physisches Leben.

[ 4 ] Now we must be clear about this—I have emphasized it frequently in recent times—that the etheric organization, the etheric body, is something that is predestined, so to speak, to sustain human life on Earth throughout the entire span of one’s life. A person who reaches a ripe old age naturally still has exactly the same etheric body that they had as a child. If, however, a person has to leave the physical plane prematurely during an incarnation—as in the case, for example, of our dear Theo Faiss, and the etheric body has then separated from the astral body and the I, then this etheric body is in a different situation than that of a person who has reached a certain maximum age and who has been able to utilize the forces of this etheric body throughout decades of their earthly life. The forces that remain in the etheric body when a person dies prematurely would, had the person been able to remain on Earth according to their karma, have found their use in the course of their further life. This use consists, after all, in the continuous consumption of the etheric body. The etheric body that thus separates from a person who has died at an early age possesses many unused forces; these are contained within the etheric body. These are, so to speak, forces that have passed into the spiritual world, but which could have sustained a physical life for a long time to come.

[ 5 ] Diese Kräfte sind selbstverständlich nicht vernichtet, wenn ein Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist. Denn nichts — und viel weniger etwas in der geistigen Welt als in der physischen Welt — wird vernichtet. Alles, was an Kräften entsteht, verwandelt sich in andere Formen. Wir wissen ja, daß dieses Gesetz von der Erhaltung der Kraft in der physischen Wissenschaft seit dem Jahre 1842, wo es von Julius Robert Mayer zuerst aufgestellt worden ist, eine große Rolle spielt. Es ist überall wirksam, auch bei der einfachsten Erscheinung. Wenn man zum Beispiel mit der Hand über eine Fläche streicht, wendet man eine Kraft an. Diese Kraft geht nicht verloren; die Stelle wird warm. Es verwandelt sich die Kraft des Druckes, des Drückens und Streichens in Wärme, Keine Kraft geht verloren, die Kräfte verwandeln sich.

[ 5 ] These forces are, of course, not destroyed when a person has passed through the gate of death. For nothing—and far less so in the spiritual world than in the physical world—is destroyed. All forces that arise are transformed into other forms. We know, of course, that this law of conservation of energy has played a major role in physical science since 1842, when it was first formulated by Julius Robert Mayer. It is effective everywhere, even in the simplest phenomena. For example, when one strokes a surface with one’s hand, one applies a force. This force is not lost; the spot becomes warm. The force of pressure, of pressing and stroking, is transformed into heat. No force is lost; the forces are transformed.

[ 6 ] Ebensowenig geht eine Kraft in der geistigen Welt verloren. So daß wir sagen können: In die geistige Welt gehen über solche Kräfte des Ätherleibes, die von Frühverstorbenen herrühren und die nun gewissermaßen, da sie nicht weiter verwendet werden zu einem irdischen Leben, verwendet werden zu alle dem, was in Betracht kommt für die menschliche Individualität, die ja mit dem Ich und dem Astralleibe weiterlebt. Diese Kräfte, die sonst verbraucht werden würden für die irdische Individualität, finden ihre Verwendung im Geistigen, und zwar verbleiben sie in der elementaren Welt, wie ja der Ätherleib überhaupt sich auflöst in der sogenannten Elementarwelt. Sie bilden in der elementaren Welt ein wirkliches Kraftreservoir, eine wirkliche Kraftquelle. Das ist schon eine sehr bedeutsame Erscheinung, denn sie beleuchtet uns den Zusammenhang zwischen der physischen Welt und der geistigen in einer konkreten Weise.

[ 6 ] Nor is any force lost in the spiritual world. So that we can say: Those forces of the etheric body that originate from those who have died prematurely pass into the spiritual world, and since they are no longer used for an earthly life, they are now, so to speak, used for everything that pertains to the human individuality, which, after all, lives on with the I and the astral body. These forces, which would otherwise be consumed by the earthly individuality, find their use in the spiritual realm; specifically, they remain in the elemental world, just as the etheric body itself dissolves into the so-called elemental world. In the elemental world, they form a genuine reservoir of power, a true source of strength. This is indeed a very significant phenomenon, for it illuminates the connection between the physical world and the spiritual world in a concrete way.

[ 7 ] Es genügt nicht für eine wirkliche Erkenntnis, nur im Abstrakten sich vorzustellen, daß die physische Welt mit der geistigen zusammenhängt, und daß die geistige Welt hinter der physischen Welt ist. Das Geistige, das hinter der physischen Welt ist, ist gewissermaßen verschiedener Provenienz. Da ist verschiedenes in unserer geistigen Welt, die uns unmittelbar umgibt, was von solchen unverbrauchten Ätherleibern herrührt. Solchen unverbrauchten Ätherleibern dankt insbesondere die für die physische menschliche Erdenentwickelung bedeutsame hellseherische Kunst sehr vieles. Dasjenige, was solche Ätherleiber darstellen in der elementaren Welt, die unmittelbar hinter unserer physischen Welt liegt, das sind insbesondere für die hellseherischen und für die von der Geisteswissenschaft inspirierten Erkenntnisse bedeutsame Anregungen.

[ 7 ] For true understanding, it is not enough to have a mental image of the physical world being connected to the spiritual world and the spiritual world lying behind the physical world. The spiritual realm that lies behind the physical world is, in a sense, of a different origin. There are various things in our spiritual world, which surrounds us directly, that originate from such unspent etheric bodies. The art of clairvoyance, which is of great significance for the physical human development on Earth, owes a great deal to such unspent etheric bodies. What such etheric bodies represent in the elemental world, which lies immediately behind our physical world, constitutes significant inspiration, particularly for clairvoyant insights and for those inspired by Spiritual Science.

[ 8 ] Fassen Sie das wohl auf. Gewissermaßen haben wir solchen Frühverstorbenen, wie unser Theo Faiss es ist, das zu danken, daß sie ihre Ätherleiber unserer elementarischen Welt gegeben haben und daß viele, viele spirituelle Einflüsse gerade von solchen Ätherleibern ausgehen können.

[ 8 ] Think about that. In a sense, we have people who died young, such as our Theo Faiss, to thank for having given their etheric bodies to our elemental world, and for the fact that many, many spiritual influences can emanate precisely from such etheric bodies.

[ 9 ] Ich glaube, ich brauche kaum zu bemerken, daß solche Einflüsse nur ausgehen können von solchen Seelen, die im Verlaufe eines wirklich naturgemäßen Karmas ihr Ende gefunden haben, niemals von irgend jemandem, der aus menschlichem Willen heraus, etwa durch Selbstmord, zu seinem Tode etwas beigetragen hat. Da verhält sich die Sache ganz anders, denn man vernichtet fruchtbare Kräfte des Ätherleibes durch die Entschlüsse, die aus jener Bewußtseinsmaja heraus, von der ich gestern gesprochen habe, kommen; und aus dieser kommen alle Entschlüsse heraus, welche in bezug auf den Tod noch im Erdenleben gefaßt werden können. Das ist, wie gesagt, nur eine Zwischenbemerkung.

[ 9 ] I hardly need to point out that such influences can only emanate from souls who have met their end through a truly natural course of karma, never from anyone who, through human will—such as by committing suicide—has contributed to their own death. The situation is quite different there, for one destroys the fruitful forces of the etheric body through the decisions that arise from that “maya of consciousness” of which I spoke yesterday; and from this arise all the decisions regarding death that can still be made during earthly life. As I said, this is merely a digression.

[ 10 ] Es ist zu sagen, daß solche Ätherleiber, wie sie eben jetzt gemeint worden sind, ganz besonders mit zugrunde liegen den spirituellen Anregungen, die wir haben können. So wird die spirituelle Bewegung, der wir dienen — wie wir das erkennen können —, in einer ganz hervorragenden Weise zu danken haben für das, was ihr also gegeben werden kann von dieser Seite her. Ich brauche vielleicht auch darauf nicht hinzudeuten, wie bedeutsam unsere Erkenntnis bereichert werden kann in bezug auf die Liebe und Verehrung, die wir unseren Toten entgegenbringen, dadurch daß wir solches wissen, daß wir unterscheiden lernen, wie wir jugendlichen Personen zu danken haben, und wie wir im reifen Alter Hingestorbenen zu danken haben, die aufgenommen haben in ihre Individualität dasjenige, was sonst unverbrauchte Kräfte des Ätherleibes sind.

[ 10 ] It must be said that such etheric bodies, as just described, underlie in a very special way the spiritual inspirations we may receive. Thus, the spiritual movement we serve—as we can recognize—owes a great deal to what can be given to it from this perspective. Perhaps I need not point out how significantly our understanding can be enriched with regard to the love and reverence we show toward our dead, by knowing this, by learning to distinguish how we should honor those who have passed away in their youth, and how we should honor those who have passed away in their mature years, who have absorbed into their individuality what are otherwise the unspent forces of the etheric body.

[ 11 ] Wenn jemand in einem höheren Alter stirbt — wir haben auch diesen Fall in den letzten Wochen durchmachen müssen —, so hat er in seinen Astralleib hineingenommen dasjenige, was sonst noch im Ätherleibe ist. Er hat gewissermaßen menschlich gemacht, was sonst kosmisch ist. Dadurch geht dann von ihm selbst, von seiner Individualität, die bedeutsame Anregung aus, von der ich gesprochen habe. Und er ist dadurch in der Weise ganz besonders wirksam, daß diese Anregung dann in die speziellen Menschenherzen auch derer aufgenommen wird, die dazu nicht von der Geisteswissenschaft oder vom Hellsehertum ausgehen, sondern die sich in ihrem Leben den gewöhnlichen Impulsen überlassen, daß auch diese Menschen in ihre Seelen aufgenommen erhalten dasjenige, was so — weniger kosmisch und dafür mehr menschlich — hereinfließt in die spirituelle Welt, in die wir mit unserer Seele immer eingebettet sind.

[ 11 ] When someone dies at an advanced age—we have also had to experience this in recent weeks—they have incorporated into their astral body that which is otherwise still in the etheric body. They have, so to speak, made human what is otherwise cosmic. Through this, the significant inspiration I have spoken of then emanates from them themselves, from their individuality. And they are thereby particularly effective in that this inspiration is then taken up into the hearts of specific people, even those who do not approach it from Spiritual Science or clairvoyance, but who in their lives surrender to ordinary impulses, so that these people, too, receive into their souls that which — less cosmic and more human — flows into the spiritual world in which we are always embedded with our souls.

[ 12 ] Damit haben wir aber schon eines bezeichnet, was wir zu suchen haben in dem, was ich nennen möchte das Todesspektrum, diese ätherische Organisation, welche zurückbleibt dann, wenn das Ich und der Astralleib sich lösen. Ich möchte sie das Todesspektrum nennen. In dem sind also solche Kräfte enthalten, wie ich sie eben charakterisiert habe, aber es ist in ihm auch noch manches andere enthalten. Um gewissermaßen zu studieren, was darinnen noch enthalten ist, müssen wir an solches anknüpfen, wie ich es gestern vor Ihre Seelen hinzustellen versuchte mit der Novelle. |

[ 12 ] But with this we have already identified something we must seek within what I would like to call the “spectrum of death”—that ethereal organization which remains when the ego and the astral body separate. I would like to call it the death spectrum. It thus contains forces such as those I have just described, but it also contains many other things. In order, so to speak, to study what else is contained within it, we must build upon what I attempted to present to your souls yesterday with the novella. |

[ 13 ] Bedenken Sie, daß — wie ich Ihnen erzählt habe, und was nach dem ganzen Verlaufe der Handlung in der Novelle Ihnen ja ersichtlich sein wird — zwischen Manon de Gaussin und dem Manne, der sich dann erschossen hat, ein karmischer Zusammenhang besteht, der selbstverständlich das Ergebnis von früher miteinander verbrachten Erdenleben ist. Solch ein karmischer Zusammenhang besteht in allen dichterischen Kunstwerken. Sie beruhen eben darauf — und gerade die wirksamsten beruhen darauf —, daß solche karmischen Zusammenhänge, die sich aus früheren Erdenleben ergeben, nicht ganz ausgelebt werden. Die Manon de Gaussin steht gegenüber dem Manne, der sie liebt. Sie versteht seine Liebe nicht, sie sträubt sich aus ihrer Bewußtseinsmaja heraus gegen das volle Ausleben des Karma. Daraus entstehen jene Konflikte, die ganz besonders gut künstlerisch zu verwerten sind, weil sich aus der Bewußtseinsmaja heraus die Menschen auflehnen gegen das, was karmisch vorherbestimmt ist.

[ 13 ] Bear in mind that—as I have told you, and as will become clear to you from the entire course of the plot in the novella—there is a karmic connection between Manon de Gaussin and the man who later shot himself, which is, of course, the result of past lives they spent together on Earth. Such a karmic connection exists in all works of poetry. They are based precisely on the fact—and the most effective ones in particular are based on this—that such karmic connections, arising from previous earthly lives, are not fully lived out. Manon de Gaussin stands opposite the man who loves her. She does not understand his love; out of her consciousness-maya, she resists the full outworking of karma. This gives rise to those conflicts that lend themselves particularly well to artistic expression, because out of consciousness-maya, human beings rebel against what is karmically predestined.

[ 14 ] Selbstverständlich können sie es ja nicht wegschaffen! Ich will nicht damit sagen, daß man das Karma wegschaffen könne: es muß ja in einer nächsten Inkarnation ausgelebt werden. Dem Karma kann der Mensch selbstverständlich nicht entweichen, wenigstens in den allerseltensten Fällen, und in diesen muß das Karma transformiert werden. Aber es kann in einer Inkarnation sich die Seele gegen das volle Ausleben des Karma sträuben. Dann entstehen solche Dinge wie die, welche die Handlung dieser Novelle bilden. Dann geht der eine Mensch von dem physischen Plane weg, und das Karma hat sich nicht so gestaltet, wie es sich hätte gestalten sollen. Aber dieses «sollen» des Karma ist eingeschrieben in die Menschennatur. Es hätte sich eben sollen das Karma in einer gewissen Weise vollziehen. Wir können gewissermaßen dadurch, daß wir unser Karma in einer bestimmten Inkarnation nicht erkennen, dadurch, daß wir uns dagegen sträuben, dieses Karma verschieben auf eine spätere Inkarnation. Aber in uns war es doch, es war darinnen in uns. Aus dem einen Leben wischen wir dann gleichsam das Karma weg, weg aus den Geschehnissen des Lebens, die sich zwischen Geburt und Tod abspielen.

[ 14 ] Of course they can’t get rid of it! I’m not saying that karma can be eliminated: it must, after all, be lived out in a future incarnation. A person cannot, of course, escape karma—at least not in the rarest of cases—and in those cases, the karma must be transformed. But in a given incarnation, the soul may resist the full working out of karma. Then things like those that form the plot of this novella arise. Then one person departs from the physical plane, and karma has not unfolded as it should have. But this “should” of karma is inscribed in human nature. The karma simply should have been fulfilled in a certain way. In a sense, by failing to recognize our karma in a particular incarnation, by resisting it, we postpone this karma to a later incarnation. But it was still within us; it was there inside us. We then, as it were, wipe the karma away from that one life, away from the events of life that unfold between birth and death.

[ 15 ] Und so ist aus dem Leben der Manon de Gaussin und desjenigen, der sie geliebt hat, dasjenige hinweggewischt, was sie erlebt hätten, wenn sie ihr Karma voll ausgelebt hätten. Das ist weggewischt aus den physischen Ereignissen des Lebens. Aber woraus es nicht weggewischt werden kann, woraus es nicht getilgt werden kann, das ist das Todesspektrum. Da bleibt es darinnen als Wille, als Wollung, möchte ich sagen, und dann kommt das zustande, daß nach dem Tode eines solchen Menschen dieses Todesspektrum dem Willen des unausgelebten Karma folgt. Wenn also die Manon de Gaussin Ruhe sucht und dies im entsprechenden Augenblicke ist, dann kommt zu ihr das Todesspektrum, aus dem Grunde, weil in diesem Todesspektrum noch der Wille lebt, der die Verbindung der beiden hätte hervorrufen sollen. Das was hätte geschehen sollen, aber nicht ausgeführt worden ist, das führt — so weit das ein solches Spektrum ausführen kann — das Todesspektrum aus.

[ 15 ] And so, from the lives of Manon de Gaussin and the man who loved her, that which they would have experienced had they fully lived out their karma has been erased. It has been wiped away from the physical events of their lives. But what it cannot be erased from, what it cannot be wiped out of, is the death spectrum. There it remains within as will, as volition, I would say, and then it comes to pass that after the death of such a person, this death spectrum follows the will of the unlived karma. So when Manon de Gaussin seeks peace, and this is the appropriate moment, then the death spectrum comes to her, for the reason that within this death spectrum the will still lives that should have brought about the union of the two. That which should have happened but was not carried out—that is what the death spectrum carries out, to the extent that such a spectrum is capable of doing so.

[ 16 ] Es ist also auch in dieser Beziehung der in dieser Novelle geschilderte Zusammenhang sachgemäß geschildert. So daß wir sagen können: außer dem, was wir schon angeführt haben, ist in diesem Todesspektrum noch enthalten das unausgelebte Karma; und es geschieht nach dem Tode von Menschen in der elementarischen Welt etwas, was wie ein bildlicher Ablauf des unausgelebten Karma ist. Dadurch haben wir es — fassen Sie das wohl — mit zweierlei zu tun. Wenn ein Mensch mit unausgelebtem Karma stirbt, so bleibt selbstverständlich für ihn die Notwendigkeit, in einer folgenden Inkarnation dieses unausgelebte Karma auszuleben. Das geschieht einmal in der Zukunft. Aber mit dem Todesspektrum geschieht etwas, was wie ein prophetisches Bild ist dessen, was sich einmal abspielen muß, was sich hätte abspielen sollen, aber sich noch nicht abgespielt hat. Man erlebt also unausgelebtes Schicksal, Karma, wenn man hellsehend das Todesspektrum betrachtet.

[ 16 ] In this respect, too, the connection described in this novella is accurately portrayed. So we can say: in addition to what we have already mentioned, this spectrum of death also includes unlived karma; and after a person’s death, something occurs in the elemental world that is like a pictorial unfolding of this unlived karma. Consequently—and please take this to heart—we are dealing with two distinct aspects. When a person dies with unlived karma, it naturally remains necessary for them to live out this unlived karma in a subsequent incarnation. This will happen at some point in the future. But with the death spectrum, something occurs that is like a prophetic image of what must one day take place—what should have taken place but has not yet done so. Thus, one experiences unlived destiny, karma, when one observes the death spectrum clairvoyantly.

[ 17 ] Man kann sagen, daß mit dem Ätherspektrum des Menschen nach dem Tode etwas vorgeht, was im Leben hätte vorgehen können, aber nicht vorgegangen ist. Also ein Bild von Vorgängen, die hätten Lebensvorgänge werden können, kann in diesem Todesspektrum erlebt werden. Das ist ein sehr bedeutsamer esoterischer Zusammenhang. Dasjenige, was menschliche Individualität ist, geht ja fast unmittelbar nach dem Tode zu einer Art von kosmischem Dasein über, das Ich und der Astralleib, und hängt zusammen, eben noch durch Tage hindurch, mit dem Todesspektrum, dem Ätherleibe, so daß der unausgelebte Karmawille der menschlichen Individualität tätig ist aus dem Kosmos herein in das Todesspektrum. Dann löst sich nach Tagen dasjenige, was den Sphären des Kosmos angehört, von dem, was seine eigentümliche, eigenartige Wesenheit durch den Zusammenhang mit dem physischen Menschen gehabt hat und was nur dadurch die Gestalt des physischen Menschen angenommen hat, daß es eben im physischen Menschenleibe eingeschlossen war. Das Ich und der Astralleib haben nicht diese physische Menschengestalt; aber das Todesspektrum, der Ätherleib hat in gewisser Weise auch des Menschen physische Gestalt. Und es verliert dieses Todesspektrum erst im Verlaufe von Tagen diese menschliche Gestalt, denn wenn die Seele sich losgelöst hat von dem physischen Leibe, verliert 'sie diese menschliche Gestalt. Der physische Leib hat dieses Todesspektrum durch seine Kraft in seiner Gestalt erhalten; da es nun aber außerhalb desselben ist, nimmt es andere Gestalten an, die durch die äußeren Kräfte des Kosmos bedingt werden.

[ 17 ] One could say that something happens to the human etheric spectrum after death that could have happened during life but did not. Thus, a picture of processes that could have become life processes can be experienced in this spectrum of death. This is a very significant esoteric connection. That which constitutes human individuality—the I and the astral body—transitions almost immediately after death into a kind of cosmic existence and remains connected, even for days afterward, with the death spectrum, the etheric body, so that the unlived karmic will of the human individuality acts from the cosmos into the death spectrum. Then, after a few days, that which belongs to the spheres of the cosmos detaches itself from that which had its peculiar, unique nature through its connection with the physical human being and which had assumed the form of the physical human being only because it was enclosed within the physical human body. The ego and the astral body do not have this physical human form; but the death spectrum, the etheric body, also has, in a certain sense, the human physical form. And this death spectrum only loses this human form in the course of days, for when the soul has detached itself from the physical body, it loses this human form. The physical body has maintained this death spectre in its form through its own power; but since it is now outside of it, it assumes other forms, which are determined by the external forces of the cosmos.

[ 18 ] Es ist also gewissermaßen dadurch begreiflich, daß eine sachgemäße Schilderung das Herausgehen der menschlichen Individualität aus dem physischen Leibe, das mit dem Ätherleibe zusammen erfolgt, so darstellen muß, als ob das Todesspektrum sich heraushebe.gewissermaßen in der Form, die der physische Leib gehabt hat. Wenn also jemand den Moment des Sterbens sachgemäß schildern will, so wird er schildern, wie sich dieser Ätherleib heraushebt, gleichsam wolkenhaft heraushebt und im Herausheben noch die Gestalt des physischen Leibes zeigt mit seinen Armen und den anderen Gliedern, und wie dieses sich allmählich auflöst in die aus dem Kosmos hereinwirkenden, mehr spirituellen Kräfte. Das ist eine Transformation, eine Metamorphose, ein Übergang.

[ 18 ] It is therefore understandable, in a sense, that an accurate description of the human individuality’s departure from the physical body—which occurs simultaneously with the departure of the etheric body—must depict this process as if the specter of death were emerging, in a sense, in the form that the physical body had. If, therefore, one wishes to describe the moment of death accurately, one will describe how this etheric body emerges, as it were, cloud-like, and in emerging still retains the form of the physical body with its arms and other limbs, and how it gradually dissolves into the more spiritual forces working in from the cosmos. This is a transformation, a metamorphosis, a transition.

[ 19 ] Die hellseherische Vorstellung wird uns aus dem Grunde schwierig, weil im physischen Leben der Mensch gebunden ist an Zeit und Raum, und zwar an diejenigen Formen von Zeit und Raum, die wir gerade im physischen Leibe zur Verfügung haben, nämlich den gewöhnlichen dreidimensionalen Raum und die eigentlich eindimensionale Zeit mit ihrer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Und so haben viele die Neigung, auch für die rein spirituellen Wahrnehmungen beizubehalten, was der dreidimensionale Raum und was die eindimensionale Zeit mit ihrer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist. Wir können schon von Zeit und Raum auch in bezug auf die spirituelle Welt sprechen, aber sie sind da wirklich anders. Das ist ja das Schwierige, daß man die Worte, die für die physische Welt gemacht sind, wirklich nur mangelhaft verwenden kann für die Darstellung der spirituellen Welt.

[ 19 ] The clairvoyant mental image is fundamentally difficult for us because, in physical life, human beings are bound to time and space—specifically, to those forms of time and space that are available to us in our physical bodies: namely, ordinary three-dimensional space and what is essentially one-dimensional time, with its past, present, and future. And so many people tend to apply the concepts of three-dimensional space and one-dimensional time—with its past, present, and future—even to purely spiritual perceptions. We can certainly speak of time and space in relation to the spiritual world as well, but they are truly different there. That is indeed the difficulty: that the words created for the physical world can really only be used inadequately to describe the spiritual world.

[ 20 ] Wenn man von Zeitvorstellungen spricht in der physischen Welt, so ist das Vergangene eben vergangen. Das Vergangene liegt hinter uns, und wir können es nur in der Erinnerung festhalten; in der unmittelbaren Anschauung können wir nur das Gegenwärtige vor uns haben. So ist es in der spirituellen Welt nicht, Schon in der elementaren Welt ist es nicht so, sondern das Vergangene kann da auch so vor uns stehen, wie in der physischen Welt ein Gegenwärtiges vor uns steht.

[ 20 ] When we speak of concepts of time in the physical world, the past is simply past. The past lies behind us, and we can only hold onto it in memory; in our immediate perception, we can only have the present before us. This is not the case in the spiritual world. Even in the elemental world, it is not so; rather, the past can stand before us there just as the present stands before us in the physical world.

[ 21 ] Also auf das, was vergangen ist, was sich zugetragen hat, was für den Verstand, für die physische Intellektualität nur in der Erinnerung festgehalten werden kann, worauf man nicht mehr hinschauen kann im äußeren Leben, auf das kann man hinschauen; wenn man die Pforte des Todes überschritten hat, kann man hinschauen von einem späteren Zeitpunkte auf einen früheren Zeitpunkt. Es ist dann gerade so, als ob man von einem späteren Zeitraume auf das, was physisch vergangen ist, wie auf ein Gegenwärtiges hinschaute, so wie man von diesem Punkt, wo ich stehe, physisch in die Ecke dort hinschauen kann. Das Vergangene ist wirklich da, steht tatsächlich lebendig vor uns, es umgibt uns.

[ 21 ] So, one can look back upon what has passed, what has taken place, what can be retained for the mind, for physical intellectuality, only in memory—things one can no longer observe in external life; once one has crossed the threshold of death, one can look back from a later point in time to an earlier one. It is then just as if one were looking from a later time at what has physically passed, as if it were present, just as one can physically look from this spot where I stand to the corner over there. The past is truly there, stands alive before us, it surrounds us.

[ 22 ] Solch eine Anschauung wird insbesondere lebendig, wenn dasjenige geschieht, was vor ganz kurzer Zeit uns geschehen ist, wo wir eine liebe Freundin zur Bestattung zu geleiten hatten, und wo ihr erstes Ordnen der Bewußtseinsverhältnisse geschah unmittelbar in dem Momente, wo den physischen Leib die Verbrennung ergriff. In diesem Momente fing das Bewußtsein an, tätig zu sein. Wir hatten aber vorher, bevor der physische Leib der Verbrennung übergeben worden ist, die Totenfeier, und nun konnte beobachtet werden, wie die Tote lebendig vor sich hatte, so wie man im Raume etwas lebendig vor sich hat, diese Totenfeier.

[ 22 ] Such a view becomes particularly vivid when something like what happened to us very recently occurs—when we had to accompany a dear friend to her funeral, and her first reorganization of her state of consciousness took place immediately at the moment when the physical body was consumed by the flames. At that moment, consciousness began to be active. But we had held the funeral service beforehand, before the physical body was consigned to the flames, and now it could be observed how the deceased had this funeral service vividly before her, just as one has something vividly before one in a room.

[ 23 ] Solche Dinge gehören allerdings zu demjenigen, was wir das Esoterischste unserer Esoterik nennen können. Aber wir haben ja im Laufe vieler Jahre gestrebt danach, gewissermaßen die Möglichkeit uns zu erringen, so wie man von den gewöhnlichen Ereignissen des Tages spricht, unter uns auch sprechen zu können über solche geheimnisvollen Vorgänge. Und was wir sagen können, ist dieses: Es wird jedenfalls, wenn die jetzigen schweren Kriegszeiten vorüber sein werden, unser esoterisches Leben einen viel, viel energischeren und intimeren Charakter anzunehmen haben, als es jemals vorher gehabt hat. Es wird dann manches möglich sein, geradezu herausgefordert sein durch das Leid, durch das die Menschheit durchgegangen ist — ich meine nicht das einzelne Leid, das immer dem Egoismus entspringt, sondern das allgemeine Leid, durch das die Allgemeinheit durchgegangen ist —, durch dieses allgemeine Leid wird es möglich sein, vieles auch nach anderen Richtungen hin zu vertiefen, nach Richtungen hin, über die jetzt gerade geschwiegen werden muß, weil wir in einer allgemeinen Übergangszeit der Menschheit leben.

[ 23 ] Such things, however, belong to what we might call the most esoteric aspect of our esotericism. But over the course of many years, we have strived to gain, so to speak, the ability to speak among ourselves about such mysterious processes, just as one speaks of the ordinary events of the day. And what we can say is this: In any case, once the current difficult times of war are over, our esoteric life will have to take on a much, much more energetic and intimate character than it has ever had before. Much will then be possible, indeed demanded by the suffering through which humanity has passed—I do not mean the individual suffering that always springs from egoism, but the general suffering through which the community has passed—through this general suffering it will be possible to deepen many things in other directions as well, in directions about which we must remain silent for the time being, because we are living in a general transitional period for humanity.

[ 24 ] Fassen wir noch einmal gewissermaßen intimer ins Auge dieses Heraustreten der menschlichen Individualität, also des Ich und des astralischen Leibes mit dem ätherischen Leibe, als ein Hervorgehen des dreigliedrigen Menschen aus dem physischen Leibe. Das ist ja ein Vorgang, der tagelang andauert, der seinen Anfang aber nimmt, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht. Dieser Vorgang zeigt also ganz besonders lebendig, wie in dem ätherischen Leibe des Menschen kosmische Kräfte sein können, zeigt aber auch, wie wir jetzt gesehen haben, gewissermaßen das unausgelebte Karma. Das ist ein Vorgang, der wirklich individuell verschieden ist für die verschiedenen Menschen, ein Vorgang, der nicht bei zwei Menschen der gleiche ist. Daher ist es auch so schwierig, diese Dinge zu schildern, weil sie wirklich nicht in zwei Fällen gleich sind, sondern überall verschieden sind.

[ 24 ] Let us once again take a closer look, so to speak, at this emergence of human individuality—that is, of the “I” and the astral body together with the etheric body—as the emergence of the threefold human being from the physical body. This is, after all, a process that lasts for days, but which begins when the human being passes through the gate of death. This process thus demonstrates in a particularly vivid way how cosmic forces can be present in the human etheric body, but it also reveals, as we have now seen, what might be called unlived karma. This is a process that is truly different for each individual; a process that is never the same for two people. That is why it is so difficult to describe these things, because they are truly never the same in two cases, but are different in every instance.

[ 25 ] Wenn wir diesen Vorgang ins Auge fassen, so ist es selbstverständlich, daß noch Verschiedenes andere — ich kann aber nicht alles auf einmal schildern — in diesem Todesspektrum enthalten ist. Aber wenn wir einmal zwei Eigenschaften haben, die in diesem Todesspektrum enthalten sind, so haben wir schon eine intimere Vorstellung, als wenn wir nur ein Wort, das Wort «Ätherleib», mit diesem Todesspektrum verbinden können. Unausgelebtes Karma ist in diesem Todesspektrum darinnen, und dadurch entsteht die Möglichkeit, gerade künstlerische Konflikte daraus zu gewinnen, dieses unausgelebte Karma in Zusammenhang zu bringen mit solchen Vorgängen nach dem Tode.

[ 25 ] When we consider this process, it goes without saying that there are various other elements—though I cannot describe them all at once—contained within this spectrum of death. But if we have just two characteristics that are contained within this spectrum of death, we already have a more intimate mental image than if we could only associate a single word—the word “etheric body”—with this spectrum of death. Unlived karma is contained within this spectrum of death, and this creates the possibility of deriving artistic conflicts from it—of connecting this unlived karma with such processes after death.

[ 26 ] Ein rein exoterischer Künstler wird sich begnügen müssen, den Lebenskonflikt einfach hinzustellen und dann seine Menschen sterben zu lassen. Aber wenn, wie zum Beispiel bei Shakespeareschen Dichtungen, mit esoterischen Lebenszusammenhängen gerechnet wird — wie ich bei verschiedenen Gelegenheiten gesagt habe, indem ich auf dasjenige hingewiesen habe, was hinter Shakespeare stand —, wenn gezeigt wird, wie die Dinge Zusammenhang haben mit tieferen Lebensgesetzen, wenn geschildert wird mit Berücksichtigung dessen, was hinter dem äußeren Vorgange steht, dann kommt das zustande, was wir zum Beispiel in dem Hamlet haben. Wir haben wahrhaftig recht viel unausgelebtes, sich verwandelndes Karma sich abspielen sehen in dem, was ausgeht von dem Geiste von Hamlets Vater. Da beginnt gewissermaßen schon der dramatische Konflikt auch für die Hauptperson des Dramas, für Hamlet, durch das Eingreifen des unausgelebten Karma des Vaters.

[ 26 ] A purely exoteric artist will have to content himself with simply presenting the conflict of life and then letting his characters die. But when, as in Shakespeare’s plays for example, esoteric connections of life are taken into account—as I have said on various occasions, pointing to what lay behind Shakespeare— if it is shown how things are connected to deeper laws of life, if the narrative takes into account what lies behind the outward events, then what we see in Hamlet, for example, comes into being. We have indeed seen a great deal of unlived, transforming karma playing out in what emanates from the spirit of Hamlet’s father. In a sense, the dramatic conflict begins there even for the drama’s main character, for Hamlet, through the intervention of his father’s unlived karma.

[ 27 ] Ein Künstler also, der den Zusammenhang der physischen Welt mit der geistigen Welt festzuhalten in der Lage ist, wird sich oftmals gedrängt fühlen, die Menschen nicht einfach so — wie der Monist es sich vorstellt und der Materialist — mit dem Tode hinfallen zu lassen, sondern anzudeuten, daß dieses Durchgehen durch den Tod ein Anfang zu neuen Ereignissen ist, zu Vorgängen, die noch konkreter sind als die konkreten Lebensvorgänge, die sich zwischen Geburt und Tod abspielen.

[ 27 ] An artist, then, who is capable of capturing the connection between the physical world and the spiritual world, will often feel compelled not simply to — as the monist and the materialist have in their mental images — but to suggest that this passing through death is a beginning of new events, of processes that are even more concrete than the concrete life processes that unfold between birth and death.

[ 28 ] Um zu zeigen, wie die Kunst darnach streben kann, bereichert zu werden dadurch, daß sie das irdische Leben zum Ausgangspunkt verwendet für die Fortsetzung, die sich dann im geistigen Leben daran anschließt, habe ich zu Ihnen gesprochen von der Novelle, von der ich gestern auch ein Stück vorgelesen habe. Aber es ist überhaupt interessant zu beobachten, wie der Mensch darauf kommen kann, unausgelebtes Karma zu empfinden, wie der Mensch etwas schildern kann, was im eminentesten Sinne sich erfühlen läßt wie unausgelebtes Karma. Und hat er dann unausgelebtes Karma geschildert, da kann er sich natürlich gedrängt fühlen, am Ende seiner künstlerischen Schilderung bewußt darauf hinzuweisen, daß das unausgelebtes Karma ist. Und dann kann er sich gedrängt fühlen, gerade das darzustellen, wodurch dieses unausgelebte Karma gleichsam elementarisch, in einer elementarisch realen Imagination sich auslebt, wenn wir das Leben in seiner Ganzheit und nicht bloß in seinem physischen Aspekte nehmen.

[ 28 ] To show how art can strive to be enriched by using earthly life as a starting point for the continuation that then follows in spiritual life, I spoke to you about the novella from which I also read a passage yesterday. But it is interesting in general to observe how a person can come to perceive unlived karma, how a person can depict something that, in the most profound sense, can be felt as unlived karma. And once they have depicted unlived karma, they may naturally feel compelled, at the end of their artistic depiction, to consciously point out that this is unlived karma. And then they may feel compelled to depict precisely that through which this unlived karma, as it were, plays itself out elementally, in an elementally real imagination, if we consider life in its entirety and not merely in its physical aspects.

[ 29 ] In dieser Beziehung möchte ich noch von einem anderen Kunstwerke sprechen, dessen Inhalt ich nur ganz kurz andeuten kann, noch viel kürzer, als das gestern der Fall war, weil es sich hier um einen zweibändigen Roman handelt. Sie werden sehen, daß auch in diesen Schilderungen etwas von unausgelebtem Karma vorkommt. Ich werde so schnell wie möglich andeuten, inwiefern in diesem Kunstwerke unausgelebtes Karma zum Ausdrucke kommt.

[ 29 ] In this regard, I would like to mention another work of art, the content of which I can only touch upon very briefly—even more briefly than I did yesterday—because it is a two-volume novel. You will see that these descriptions also contain elements of unlived karma. I will explain as quickly as possible to what extent unlived karma finds expression in this work of art.

[ 30 ] Eine Mutter kommt mit ihrer Tochter aus Amerika nach Europa. Der Vater ist in Amerika vor längerer Zeit gestorben. Auf der Reise in Europa treffen sie einen Nachkömmling eines alten, in den formellen Traditionen festgewurzelten Adelsgeschlechtes. Die mannigfaltigsten Vorgänge spielen sich nun ab, wobei für den, der die Dinge in ihrem geistigen Zusammenhange beobachtet, sogleich klar wird, daß zwischen dem Manne, der in dem Kunstwerke Arthur genannt wird, und den beiden Damen, die der Mann einfach sieht auf der Straße, während sie ins Theater fahren, karmische Zusammenhänge walten. Diese karmischen Zusammenhänge führen dann auch zu den komplizierten Lebensverhältnissen, die sich da abspielen. Sie spielen sich so ab, daß wirklich in einem großen Kulturtableau der ganze Gegensatz der altgewordenen europäischen Kultur und der noch jungen amerikanischen Kultur geschildert wird. Mit einer eindringlichen Anschaulichkeit und hingebenden Liebe wird der ganze Gegensatz der beiden Kulturen geschildert; deren Repräsentanten sind Emmy — so heißt die Tochter — und Arthur, der ihr entgegenläuft und sie furchtbar zu lieben anfängt. Es wird also der ganze Gegensatz in diesen beiden Seelen gespiegelt, und vieles spielt sich ab, was dem, der die geisteswissenschaftlichen Zusammenhänge im Auge hat, sogleich erscheint als Folge des Karma, das zwischen den beiden spielt.

[ 30 ] A mother travels from America to Europe with her daughter. The father died in America some time ago. During their journey through Europe, they meet a descendant of an old noble family deeply rooted in formal traditions. A wide variety of events now unfold, and to anyone observing them in their spiritual context, it immediately becomes clear that karmic connections exist between the man—referred to as Arthur in the work of art—and the two women whom the man simply sees on the street as they are driving to the theater. These karmic connections then also lead to the complicated life circumstances that unfold there. They unfold in such a way that the entire contrast between the aged European culture and the still-young American culture is depicted in a grand cultural tableau. With vivid clarity and devoted love, the entire contrast between the two cultures is portrayed; whose representatives are Emmy—that is the daughter’s name—and Arthur, who runs to meet her and begins to love her deeply. Thus the entire contrast is reflected in these two souls, and much takes place that immediately appears to the reader who keeps the connections of Spiritual Science in mind as a consequence of the karma at work between the two.

[ 31 ] Gewissermaßen ist das äußere Milieu, mit dem man es in dem Zusammenwirken amerikanischer und europäischer Lebensauffassung zu tun hat, etwas, was zusammenhängt mit der frischen, von historischen Traditionen unberührten Kultur Amerikas, und auf der anderen Seite mit der eingesulzten, ganz. von Traditionen lebenden europäischen Kultur. In diesem ganzen Milieu lebt etwas, was sich spiegelt in den Seelen, und was Lebenskonflikte über Lebenskonflikte herbeiführt. Das führt dann auch zu dem letzten großen Lebenskonflikt, der darin besteht, daß Arthurs Vater, der gestorben ist, dem ein Gut gehörte, und der mit seinen ganzen Anschauungen in den alten Adelstraditionen noch darinnen stand, nun gewissermaßen mit seinem Gelde, oder vielmehr mit dem Schwinden seines Geldes herausgewachsen ist aus den alten Adelstraditionen — wie das heute in Europa so vielfach geschieht — und das Gut hat fallen lassen. Das Gut ist also verkauft worden, so daß Arthur um die Erbschaft dieses Gutes gekommen ist.

[ 31 ] In a sense, the external environment one encounters in the interplay between American and European worldviews is something connected, on the one hand, to America’s fresh culture, untouched by historical traditions, and, on the other hand, to the entrenched European culture that is entirely shaped by traditions. Within this entire milieu there is something alive that is reflected in people’s souls and that brings about one life conflict after another. This then leads to the final great life conflict, which consists in the fact that Arthur’s father, who has died, owned an estate and, with all his views rooted in the old aristocratic traditions, has now, so to speak, outgrown the old aristocratic traditions with his money—or rather, with the dwindling of his money—as so often happens in Europe today—and has let the estate fall into disrepair. The estate has thus been sold, so that Arthur has been deprived of his inheritance of this estate.

[ 32 ] Nun spielt da in der edelsten Weise hinein, was nicht immer in dieser Weise der Fall ist, daß durch die Art, wie sich die amerikanischen Verhältnisse zu den europäischen stellen, eine kleine Aufbesserung geschieht. Mit ihrem Geld kann Emmy aushelfen, das heißt die Mutter, kann für Arthur das Gut zurückkaufen. Das geschieht auch, soll wenigstens geschehen. Da ist aber noch so ein unklarer Sprößling, welcher dort geblieben ist; er weiß nicht recht, woher er gekommen ist, aber er treibt sich wie ein Vagabund so auf dem Gute herum. Es gehört ihm selbstverständlich nicht, aber in seinen, man möchte sagen, Wahnsinnsvorstellungen hat er den Gedanken, daß er da der Herr sei, und nun steigt ihm in den Kopf die Idee, daß das Gut ihm gehören sollte. Er findet von seinem Standpunkte aus, daß, indem dieses Gut wieder angekauft worden ist, ein Eingriff in seine Rechte geschehen sei; seine Rechte bestehen aber nur in einer Art dekadenten Wahnsinnsidee: er betrachtet sich als Herrn des längst einem reichen Bankier verpfändet gewesenen Gutes. Er treibt sich herum, wie man so geistig gestörte Menschen sich herumtreiben läßt, die nicht gerade gefährlich sind. Es spielt sich nun da ein Konflikt ab, der sich dadurch äußert, daß dieser Mensch wütend wird über den Ankauf des Gutes und daß er, da sich ihm die Gelegenheit dazu bietet, den Arthur wirklich auf dem Gute erschießt.

[ 32 ] Now, in the most noble way—which is not always the case—the relationship between American and European circumstances brings about a slight improvement. With her money, Emmy—that is, the mother—can help out and buy back the estate for Arthur. This does happen, or at least is supposed to happen. But there is also this obscure scion who has remained there; he doesn’t quite know where he came from, but he wanders about the estate like a vagabond. It does not, of course, belong to him, but in his—one might say—delusions, he harbors the notion that he is the master there, and now the idea takes root in his mind that the estate should belong to him. From his point of view, he believes that the repurchase of this estate constitutes an infringement of his rights; yet his rights consist solely of a sort of decadent delusion: he regards himself as the master of an estate long since pledged to a wealthy banker. He wanders about as one allows such mentally disturbed people—who are not exactly dangerous—to wander about. A conflict now unfolds, manifesting itself in this man’s rage over the purchase of the estate and in the fact that, when the opportunity presents itself, he actually shoots Arthur on the estate.

[ 33 ] Nun hat schon früher Emmy furchtbare Erlebnisse durchgemacht; sie muß auch noch das durchmachen, und infolgedessen entwickelt sich eine in ihrer Anlage vorhandene Krankheit — sie geht erst in die Zwanzigerjahre — weiter. Sie wird krank nach Montreux gebracht von ihrer Mutter und wird da, in Montreux, von einem außerordentlich sympathisch geschilderten Amerikaner gepflegt, einem Mr. Wilson und einigen anderen, die noch da sind. Es ist das gerade ein wunderbares Moment, ein ganz hervorragender Zug dieses Kunstwerkes, wie dieser Mr. Wilson geschildert wird. — Es lebt gleichsam ganz Nordamerika in ihm. Es ist dies in ganz wunderbarer Weise lebendig gemacht. Aber Emmy kann, trotzdem sie so gepflegt wird, auch von dem Arzte, der ihr noch in den Lebensweg tritt, der so gewissermaßen ein Nebenbuhler des Arthur ist, aber ein alter Freund von ihm, nicht geheilt werden. Sie stirbt in Montreux, und nun wird ihr Tod geschildert.

[ 33 ] Emmy had already gone through terrible experiences in the past; now she has to go through this as well, and as a result, an illness that had been latent in her—she is only in her early twenties—begins to develop further. Her mother takes her to Montreux when she falls ill, and there, in Montreux, she is cared for by an American who is portrayed in an exceptionally sympathetic light, a Mr. Wilson, and a few others who are still there. The way Mr. Wilson is portrayed is a truly wonderful moment, a truly outstanding feature of this work of art. — All of North America, as it were, lives within him. This is brought to life in a truly wonderful way. But Emmy, despite being cared for in this way—even by the doctor who enters her life, who is, so to speak, a rival to Arthur but also an old friend of his—cannot be cured. She dies in Montreux, and now her death is described.

[ 34 ] Beachten wir also aus dem geisteswissenschaftlichen Zusammenhange heraus, daß wir es hier im eigensten Sinne mit unausgelebtem Karma zu tun haben, mit einem überall in seinen Fäden abgerissenen Karma, das überall in Konflikte gekommen ist, in Konflikte, die hauptsächlich spielen zwischen Amerika und Europa, einem Karma, das dann einfach durch einen Flintenschuß zum Abschluß gekommen ist. Derjenige, der das empfindet, muß das Bedürfnis haben, wenn er nicht ein materialistisch gesinnter Mensch ist, sich zu fragen: Wo ist die Realität, wo kommt nun unmittelbar nach dem Tode dieses unausgelebte Karma hin, wo wird das weiterleben? Ich möchte sagen, von dieser Art und Weise des Weiterlebens von unausgelebtem Karma hat ein Mensch, der nicht Materialist ist, eine Empfindung: er muß also, wenn er Künstler ist, das Bedürfnis fühlen, eine Hindeutung darauf zu geben, und eine solche Hindeutung finden wir wirklich am Schlusse des Werkes.

[ 34 ] Let us therefore note, from the perspective of Spiritual Science, that we are dealing here, in the truest sense, with unlived karma—with karma whose threads have been severed everywhere, which has led to conflicts everywhere, conflicts that play out mainly between America and Europe, a karma that was then simply brought to a close by a single gunshot. Anyone who senses this must feel the need—unless they are a materialistically minded person—to ask themselves: Where is reality? Where does this unlived karma go immediately after death? Where will it continue to live on? I would say that a person who is not a materialist has a sense of this way in which unlived karma continues to exist: if he is an artist, he must therefore feel the need to allude to it, and we do indeed find such an allusion at the end of the work.

[ 35 ] Nur ein paar Zeilen brauche ich vorzulesen. Arthur ist also tot, erschossen. Mutter und Tochter reisen nach Montreux; Emmy ist längere Zeit krank, und in ihrem letzten Traum erscheint ihr Arthur. Aber sogleich wird einem klar, daß es sich hier nicht um ein bloßes Traumbild handelt, um einen Reminiszenztraum, sondern um ein wirkliches Hereingreifen des realen Arthur in die physische Welt. Und nun wird der Moment des Todes so geschildert:

[ 35 ] I only need to read a few lines. So Arthur is dead, shot. Mother and daughter travel to Montreux; Emmy is ill for a long time, and Arthur appears to her in her final dream. But it immediately becomes clear that this is not merely a dream image, a dream of reminiscence, but a genuine intervention by the real Arthur into the physical world. And now the moment of death is described as follows:

[ 36 ] «Zwischen Mitternacht und Morgen glaubte sie zu erwachen.

[ 36 ] “Between midnight and dawn, she thought she was waking up.

[ 37 ] Ihr erster Blick auf das Fenster, durch das matte Helligkeit ein- strömte, war frei und klar, und sie wußte, wo sie war. Auch ihre Mutter, die neben ihr schlief, hörte sie atmen. Noch einen Moment weiter aber, und mit einem Druck, den sie nie zuvor empfunden, befiel sie überwältigende Angst. Es waren nicht mehr jene einzelnen Gedanken, die sie in den letzten Tagen quälten, sondern als hielte eine Riesenhand alle Gebirge der Erde an einem dünnen Faden über ihr und jeden Moment könnten sich die Finger öffnen, die ihn hielten und die Masse herabstürzen, um ewige Zeiten auf ihr liegen zu bleiben. Sie irrte mit den Blicken umher in sich und außer sich, nach einem Schimmer von Licht suchend, nichts aber bot sich dar, der Schein des Fensters erloschen, der Atem ihrer Mutter nicht mehr hörbar, und erstickende Einsamkeit sie umgebend, als würde sie niemals wieder Lebendiges erreichen. Sie wollte rufen, aber sie konnte nicht, sie wollte sich rühren, aber kein Glied mehr gehorchte ihr. Ganz still war es, ganz finster, keine Gedanken selbst mehr möglich zu fassen in dieser furchtbar eintönigen Angst: die Erinnerung sogar ihr fortgenommen — da ein Gedanke endlich zurückkehrend: Arthur!

[ 37 ] Her first glance at the window, through which a dim light streamed in, was clear and unobstructed, and she knew where she was. She could also hear her mother, who was sleeping beside her, breathing. But a moment later, however, and with a pressure she had never felt before, an overwhelming fear seized her. It was no longer those individual thoughts that had tormented her in recent days, but rather as if a giant hand were holding all the mountains of the earth above her by a thin thread, and at any moment the fingers holding it might open and the mass might crash down to lie upon her for all eternity. Her gaze wandered aimlessly within and without, searching for a glimmer of light, but nothing presented itself; the glow from the window had gone out, her mother’s breathing was no longer audible, and suffocating loneliness surrounded her, as if she would never again reach anything living. She wanted to call out, but she could not; she wanted to move, but no limb obeyed her. It was completely silent, completely dark; she could no longer even form thoughts in this terribly monotonous fear: even her memory had been taken from her—when at last a thought returned: Arthur!

[ 38 ] Und wunderbar jetzt: es war, als hätte sich dieser eine Gedanke in einen Lichtpunkt verwandelt, der den Augen sichtbar wurde. Und in dem Maße, wie der Gedanke anwuchs zu grenzenloser Sehnsucht, wuchs dieses Licht, kam und dehnte sich aus, und plötzlich als spränge es auseinander und entfaltete sich und nähme Gestalt an Arthur stand vor ihr! Sie sah ihn, sie erkannte ihn endlich. Er war es sicherlich selbst. Er lächelte und war dicht neben ihr. Sie sah nicht, ob er nackt sei, nicht ob er bekleidet sei: er aber war es, sie kannte ihn zu wohl, er selbst, kein Phantom nur, das seine Gestalt angenommen.

[ 38 ] And now, wonderfully: it was as if that single thought had transformed into a point of light that became visible to the eyes. And as the thought grew into boundless longing, this light grew, came and expanded, and suddenly, as if bursting apart, it unfolded and took shape—Arthur stood before her! She saw him; she finally recognized him. It was certainly him. He smiled and stood right beside her. She could not tell whether he was naked or clothed: but it was him, she knew him too well, he himself, not merely a phantom that had taken his form.

[ 39 ] Er streckte ihr die Hand entgegen und sagte: «(Komm .»

[ 39 ] He held out his hand to her and said, “Come.”

[ 40 ] Niemals hatte seine Sprache so süß und lockend geklungen wie heute.

[ 40 ] Never had his voice sounded as sweet and alluring as it did today.

[ 41 ] Mit aller Kraft, deren sie fähig war, suchte sie ihre Arme zu erheben ihm entgegen; aber sie vermochte es nicht.

[ 41 ] With all the strength she could muster, she tried to raise her arms toward him; but she could not.

[ 42 ] Er kam noch näher und streckte die Hand näher auf sie zu: «Komm» sagte er noch einmal.

[ 42 ] He moved even closer and reached out his hand toward her: “Come,” he said again.

[ 43 ] Emmy war, als müsse die Gewalt, mit der sie ein Wort wenigstens über die Lippen zu bringen versuchte, Berge zu verrücken imstande sein, nicht aber dies eine Wort zu sagen vermochte sie.

[ 43 ] Emmy felt as if the force with which she was trying to utter even a single word should be enough to move mountains, yet she was unable to say that one word.

[ 44 ] Arthur sah sie an und sie ihn. Nur die Möglichkeit jetzt, einen Finger zu bewegen, und sie hätte ihn berührt. Und nun das Furchtbarste: er schien zurückzuweichen wieder! «Komm» sagte er zum dritten Male. Und sie im Gefühle, daß er zum letzten Male gesprochen, daß die furchtbare Finsternis wieder hereinbrechen werde auf seinen himmlischen Anblick, von einer Angst jetzt erfüllt, die sie zerriß, wie der Frost Bäume spaltet, machte den letzten Versuch, die Arme zu ihm zu erheben. Unmöglich aber die Schwere und Kälte zu überwinden, die sie gefesselt hielten — da aber, wie eine Knospe platzt, aus der eine Blüte wächst vor unseren Augen, herauswachsend aus ihren Armen leuchtend andere Arme, glänzende andere Schultern aus ihren Schultern, und diese Arme sich hebend Arthurs Armen entgegen, und er mit seinen Händen ihre Hände fassend, und langsam zurückschwebend sie nach sich ziehend, und die ganze herrliche Gestalt mit ihnen, die sich erhob aus der Emmys.»

[ 44 ] Arthur looked at her, and she at him. If she could have moved a single finger, she would have touched him. And now the most terrible thing: he seemed to be receding again! “Come,” he said for the third time. And she, feeling that he had spoken for the last time, that the terrible darkness would once more descend upon his heavenly sight, now filled with a fear that tore her apart as frost splits trees, made one last attempt to raise her arms toward him. But it was impossible to overcome the heaviness and cold that held her captive—yet then, like a bud bursting open to reveal a flower before our eyes, other arms grew luminously from her arms, other gleaming shoulders from her shoulders, and these arms rising to meet Arthur’s, and he, taking her hands in his, slowly floating back, drawing her toward him, and the whole magnificent form with her, rising from Emmy’s.”

[ 45 ] In wunderbarer Weise ist da geschildert der Moment des Sterbens, dieses Hervorgehen des Ätherleibes, der Übergang des Todesspektrums in das Kosmische. In diesem Todesspektrum, das geistig anschaulich geschildert ist in dem Herausgehen aus dem Leibe, ist wirklich enthalten der sich formende Lebenswille; im Ausdruck dieses Todesspektrums ist das unausgelebte Karma, das zwischen Arthur und Emmy unausgelebt blieb, enthalten.

[ 45 ] The moment of death is described there in a wonderful way—this emergence of the etheric body, the transition from the spectrum of death into the cosmic realm. This death spectrum, which is vividly described in spiritual terms as the departure from the body, truly contains the will to live that is taking shape; the expression of this death spectrum contains the unlived karma that remained unlived between Arthur and Emmy.

[ 46 ] Ich führe dieses Beispiel noch an, weil Sie bei der Novelle, die ich gestern erwähnte, haben sehen können, wie einseitig an die andere noch lebende Person das Todesspektrum heran kommt und Beziehungen entwickelt zu der noch lebenden Persönlichkeit. Hier haben wir es aber mit zwei rein spirituellen Entitäten zu tun, mit dem Ätherleib, der vorhanden ist von Arthur, der schon mannigfaltige Verwandlungen in der geistigen Welt durchgemacht hat, und dem sich heraushebenden Todesspektrum der Emmy. Also eine alte unausgelebte Beziehung, unausgelebtes Karma, zwischen dem Ätherleib des Arthur und dem Todesspektrum der Emmy, die eben erst in die geistige Welt übergeht, spielt sich da ab. Da spielt sich also in der geistigen Welt etwas ab, was sich im Leben nicht hat abspielen können, was unausgelebtes Karma ist.

[ 46 ] I am citing this example because, in the novella I mentioned yesterday, you could see how the death spectre approaches the other person who is still alive in a one-sided manner and develops a relationship with that living personality. Here, however, we are dealing with two purely spiritual entities: Arthur’s etheric body, which has already undergone manifold transformations in the spiritual world, and Emmy’s emerging death spectrum. So what is unfolding here is an old, unlived-out relationship—unlived-out karma—between Arthur’s etheric body and Emmy’s death spectrum, which is only just passing into the spiritual world. Thus, something is taking place in the spiritual world that could not take place in life—unlived-out karma.

[ 47 ] Wir müssen gleichsam zu fassen versuchen, richtig zu fassen versuchen dasjenige, was als die ersten Momente da ist, nachdem die menschliche Individualität durch die Pforte des Todes gegangen ist. Denn gewissermaßen löst sich ja das, was da auch als unausgelebtes Karma vorhanden ist, von der Individualität los. Die Individualität kann dieses unausgelebte Karma erst in späteren Inkarnationen ausleben. Das löst sich also los und wird auch kosmisch draußen; daraus werden kosmische Ereignisse. Und in manchem, was in den Wolken, auf den Bergen, mit den Quellen vor sich geht, was aber namentlich vor sich geht in unterbewußten seelischen Vorgängen der Menschen, die hier leben, da lebt sich dasjenige aus, was an unausgelebtem Karma herübergenommen ist in die geistige Welt, was wie ein Grundquell in diesem Todesspektrum ist. Denn diese kosmischen Ereignisse spielen in das Menschenleben fortwährend herein, wir sind ganz von ihnen durchdrungen und durchwoben.

[ 47 ] We must, as it were, try to grasp—truly grasp—that which is present in the very first moments after the human individuality has passed through the gate of death. For, in a sense, that which exists there as unlived karma detaches itself from the individuality. The individuality can only work through this unlived karma in later incarnations. So it detaches itself and becomes part of the cosmos; from this arise cosmic events. And in much of what takes place in the clouds, on the mountains, and with the springs—but especially in the subconscious psychological processes of the people living here—what is carried over into the spiritual world as unlived karma plays itself out; it is like a fundamental source within this spectrum of death. For these cosmic events continually play a role in human life; we are completely permeated and interwoven with them.

[ 48 ] So müssen wir unterscheiden zwischen dem, was gewissermaßen, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, kosmisch wird, und dem, was individuell bleibt. Im eminentesten Sinne kosmisch wird das, was vom physischen Leibe zurückbleibt. Das geht entweder langsam, bei der Erdenbestattung, oder schneller, bei der Feuerbestattung, über in die elementarische, mehr physisch-elementarische Erdenwelt; und es ist eine grobe materialistische Vorstellung, wenn man glaubt, daß das einfach darin verschwindet oder die Rolle spielt, wie sie die chemischen Elemente spielen. Das ist Unsinn, und wir werden morgen sehen, wie das in dem Planeten weiterlebt, wie das für den Planeten seine große Bedeutung hat. Das lebt im planetarischen Leben weiter.

[ 48 ] Thus, we must distinguish between what, so to speak, becomes cosmic when a person passes through the gate of death, and what remains individual. In the most eminent sense, what remains of the physical body becomes cosmic. This passes either slowly, in the case of burial, or more quickly, in the case of cremation, into the elemental, more physically-elemental world of the earth; and it is a crude materialistic mental image to believe that it simply disappears into it or plays the role that the chemical elements play. That is nonsense, and tomorrow we will see how this lives on in the planet, how it has great significance for the planet. It lives on in planetary life.

[ 49 ] Was der Chemiker weiß von dem, was aus dem physischen Leibe wird, das ist eben gar nichts. Denn die Erde hat ihren wichtigsten Bestand dadurch, daß Menschen auf ihr gelebt haben und gestorben sind, und das sind die wichtigsten Kräfte, die bleiben. Die Erde besteht auch von dem Physischen der verstorbenen Menschen. Da wird also etwas Kosmisches aus dem physischen Leibe heraus. Das andere wird kosmisch aus dem Ätherleibe heraus. Und ich versuchte heute anzudeuten, was aus der Ätheraura kosmisch wird. Das andere, was da bleibt von dem Ätherleib, das lebt als Individualität in der höheren spirituellen Welt weiter. Sie finden das in meiner «Theosophie» oder auch in der «Geheimwissenschaft im Umriß» näher ausgeführt. Das lebt nun als Individualität weiter, und darüber werde ich morgen noch etwas zu sagen haben. Klar müssen wir aber sein, daß das, was individuell weiterlebt, in neuen Verhältnissen zu leben beginnt, die sich wesentlich unterscheiden von den gewöhnlichen irdischen Verhältnissen.

[ 49 ] What the chemist knows about what becomes of the physical body is, in fact, nothing at all. For the Earth derives its most essential substance from the fact that human beings have lived and died upon it, and these are the most important forces that remain. The Earth also consists of the physical remains of deceased human beings. So something cosmic emerges from the physical body. The other part becomes cosmic from the etheric body. And today I tried to hint at what becomes cosmic from the etheric aura. The other part that remains of the etheric body lives on as an individuality in the higher spiritual world. You will find this explained in more detail in my Theosophy or in An Outline of Esoteric Science. This now lives on as an individuality, and I will have more to say about that tomorrow. But we must be clear that what lives on individually begins to live in new conditions that differ significantly from ordinary earthly conditions.

[ 50 ] Wenn Sie den Wiener Zyklus von dem Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt durchstudieren, werden Sie wenigstens einiges — man kann immer nur einiges schildern — davon verstehen können. Vor allen Dingen kann man diese Verhältnisse zwischen Tod und neuer Geburt nicht gut beurteilen, wenn man sich nicht daran gewöhnt hat, die Vorstellung in sich zu beleben, daß die Zeit, so wie sie für unsere physische Anschauung als Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vorhanden ist, daß diese geradlinig fortlaufende Zeit wirklich eine physische Maja ist, daß wir tatsächlich eindringen mit dem Tode in eine andere Welt, wo das Vergangene nicht bloß für die Erinnerung vorhanden ist, sondern ein wirklich Gegenwärtiges ist, in der Umgebung da ist, wo der Mensch lebt unter Verhältnissen, die gewissermaßen sein Inneres nun als sein Äußeres zeigen, wo der Mensch so lebt, daß er in der Offenbarung, in der Anschauung sich unmittelbar darbietet mit seiner inneren, seelischen Wesenheit, mit jener Wesenheit, die sich gewissermaßen den Leib sowohl wie das physische Dasein hier in der physischen Inkarnation gestaltet hat zwischen Geburt und Tod.

[ 50 ] If you study the Viennese cycle of life between death and a new birth, you will be able to understand at least some of it—one can always describe only a part of it. Above all, one cannot properly assess these relationships between death and rebirth unless one has become accustomed to bringing to life within oneself the mental image that time, as it exists for our physical perception as past, past, present, and future, that this linearly flowing time is truly a physical maya, that with death we actually enter another world where the past is not merely present for remembrance but is truly present, existing in the environment where the human being lives under conditions which, in a sense, now reveal his inner self as his outer self, where the human being lives in such a way that he presents himself directly in revelation, in perception, with his inner, spiritual essence, with that essence which, in a sense, has shaped both the body and physical existence here in the physical incarnation between birth and death.

[ 51 ] Die Art, wie man sich erkennend zu verhalten hat zu dem, der durch die Pforte des Todes geschritten ist, ist nicht ein äußeres Anschauen, sondern ein inneres Miterleben seiner Erlebnisse. Diese Individualität ist auch schon voll da, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geschritten ist, obwohl der Mensch erst — wie ich es schon angedeutet habe und wie ich morgen weiter ausführen werde — gewissermaßen sich in der Überfülle seines Bewußtseins orientieren muß. Aber das, was er ist, das, was sein Wesentliches ist, das ist da, wenn es auch noch nicht immer schon mit seinem Bewußtsein verknüpft ist. Es ist da, und so kann es angeschaut werden. Es kann gewissermaßen miterlebt werden, was der Mensch seiner Wesenheit nach ist.

[ 51 ] The way one should relate to those who have passed through the gate of death is not through external observation, but through an inner sharing in their experiences. This individuality is already fully present once a person has passed through the gate of death, even though the person must first—as I have already indicated and as I will elaborate further tomorrow—orient themselves, so to speak, within the abundance of their consciousness. But what they are, what constitutes their essence, is already present, even if it is not yet always linked to their consciousness. It is there, and thus it can be perceived. One can, in a sense, experience what a human being is in terms of their essence.

[ 52 ] Sehen Sie, ich habe mich bemüht, bei den irdisch traurigen Gelegenheiten, die wir in der letzten Zeit durchzumachen hatten durch den Verlust lieber Freunde, ich habe mich bemüht, da wo ich zu sprechen hatte, aus den Seelen heraus zu sprechen, aus der Wesenheit der Betreffenden. Ich will zunächst — morgen will ich über etwas anderes noch sprechen — von den drei zuletzt verstorbenen Freunden ein paar Andeutungen machen, soweit ich sie hier machen darf. Ich habe mich einzig und allein darum bemüht, aus diesen Seelen heraus zu sprechen, gewissermaßen mit diesen Seelen zu sprechen. Und wenn ich jetzt darauf wiederum zurückblicke, so muß ich finden, daß gute Gründe vorhanden waren, ganz besonders gute Gründe, in den drei Fällen ganz individuell verschieden zu sprechen — weil eben die Menschen individuell verschieden sind —, und zwar in einer ganz eminenten Weise verschieden zu sprechen. Dies war, das gestehe ich ganz offen, nicht da in meinem Bewußtsein, als die Worte geprägt wurden. Es hat sich ganz aus der entsprechenden Situation heraus entwickelt, und am wahrsten entwikkeln sich ja die Worte, die für die Geisteswissenschaft geprägt werden sollen und auch für das, in dem wir darinnenstehen im Leben durch die Geisteswissenschaft, am besten und wahrsten entwickeln und prägen sich diese Worte, wenn sie, auch nicht im entferntesten, von irgendeinem Lebenswunsche mitgeprägt werden. Man muß sich ja, damit man überhaupt richtig und wahr schildern kann auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft, von jedem Wunsche, dies oder jenes so oder so zu prägen, ganz fernhalten. Man muß jeden Wunsch, daß dies oder jenes so oder so sein möchte, ganz fernhalten.

[ 52 ] You see, during the sorrowful earthly events we have had to endure recently due to the loss of dear friends, I have tried—whenever I had to speak—to speak from the depths of their souls, from the very essence of those concerned. I would like to begin—tomorrow I will speak about something else—by offering a few remarks about the three friends who have recently passed away, insofar as I am permitted to do so here. My sole aim has been to speak from within these souls, to speak, so to speak, with these souls. And when I look back on it now, I must admit that there were good reasons—very good reasons, in fact—to speak in a completely different way in each of the three cases—precisely because people are individually different—and to speak in a truly remarkable way. I confess quite openly that this was not in my consciousness when the words were formulated. It developed entirely out of the situation at hand, and indeed the words intended for Spiritual Science—and also for what we experience in life through Spiritual Science—develop and take shape most truly and best when they are not in the least influenced by any personal desire. In order to be able to describe anything correctly and truthfully in the field of Spiritual Science, one must keep completely clear of any desire to shape this or that in a particular way. One must keep completely clear of any desire that this or that should be this way or that way.

[ 53 ] Wenn man in die Notwendigkeit versetzt ist, bei der Bestattung eines lieben Freundes zu sprechen, dann ist ja — wie es begreiflich erscheinen wird — ganz gewiß kein Lebenswunsch vorhanden, diese Worte zu sagen, die da gesagt werden. Sie werden ganz gewiß nicht aus irgendeinem Wunsche heraus gesagt, sondern aus der Notwendigkeit heraus. Denn es ist begreiflich, daß man einzig und allein wünschen möchte in jedem einzelnen Falle, daß man in der betreffenden Zeit diese Worte nicht zu sprechen hätte. Das ist etwas, was, ich möchte sagen, die Prägung der Worte noch ganz besonders fördert. Daher war es mir wirklich bedeutsam — ich möchte das ganz anspruchslos sagen —, daß in dem ersten Falle, bei unserer lieben Frau Grosheintz, ich zu sprechen hatte eigentlich nur wie das Ausdrucksorgan für diese Seele selber.

[ 53 ] When one is compelled to speak at the funeral of a dear friend, then—as will be understandable—there is certainly no desire in one’s heart to utter the words that are spoken there. They are certainly not spoken out of any desire, but out of necessity. For it is understandable that, in every single case, one would wish for nothing more than not to have to speak these words at that particular time. This is something that, I would say, makes the impact of the words all the more profound. That is why it was truly significant to me—I would like to say this quite modestly—that in the first instance, with our dear Mrs. Grosheintz, I actually had to speak only as the organ of expression for this soul itself.

[ 54 ] Eine Seele, die durch ein langes Erdenleben gegangen war, die in den letzten Jahren ihres Erdenlebens in so energischer, so bedeutungsvoll energischer Weise alle Kräfte der Seele vereinigt hatte mit dem, was die Impulse der Geisteswissenschaft sind, sie vielleicht so vereinigt hatte, wie nur wenige unter uns in selbstloser Weise die Geisteswissenschaft vereinigen mit den eigenen Lebensimpulsen, eine solche Seele geht durch die Todespforte so hindurch, daß das, was sich ihr nicht als theoretische, sondern als unmittelbar praktische, in der Seele lebende Impulse durch die Geisteswissenschaft ergibt, da ist. Sie lebt das unmittelbar dar. Es ist da, selbst wenn die Seele noch nicht bis zu dem Grade erwacht ist, daß sie es schon wahrnimmt. Es ist da, es ist das Charakteristische in dem, was sich da loslöst. Und so werden Sie zugeben, daß in den Worten, die ich da zu sprechen hatte, wirklich das liegt, was ich nennen konnte: verwandelte Geisteswissenschaft, zum Willen, zum Gefühl gewordene Geisteswissenschaft, die so herauskommen mußte, weil eine solche Seele durch ein langes Erdenleben gegangen ist, und mit reifen Ätherkräften durch die Pforte des Todes gegangen ist. Es ist so, daß man gezwungen war, ganz aus dieser Seele heraus zu sprechen. Daher konnte nicht anders gesprochen werden in den Hauptworten, denn als ob die Seele selbst spräche, und so ist das geworden:

[ 54 ] A soul that has passed through a long earthly life, one that in the final years of its earthly existence had united all the powers of the soul in such an energetic, such a profoundly energetic way with the impulses of Spiritual Science, perhaps uniting them in a way that few among us do—selflessly uniting Spiritual Science with our own life impulses—such a soul passes through the gate of death in such a way that what arises for it through Spiritual Science is not theoretical but immediately practical, living impulses within the soul. It lives this out immediately. It is there, even if the soul has not yet awakened to the degree that it already perceives it. It is there; it is the characteristic feature of what is being released there. And so you will admit that in the words I had to speak there truly lies what I might call: Spiritual Science transformed, Spiritual Science that has become will and feeling, which had to emerge in this way because such a soul has gone through a long earthly life and has passed through the gate of death with mature etheric forces. It is the case that one was compelled to speak entirely from this soul. Therefore, the main words could not have been spoken any other way than as if the soul itself were speaking, and so it has become:

In Weltenweiten will ich tragen
Mein fühlend Herz, daß warm es werde
Im Feuer heil’gen Kräftewirkens;

In Weltgedanken will ich weben
Das eigne Denken, daß klar es werde
Im Licht des ew’gen Werde-Lebens;

In Seelengründe will ich tauchen
Ergeb’nes Sinnen, daß stark es werde
Für Menschenwirkens wahre Ziele;

In Gottes Ruhe streb? ich so
Mit Lebenskämpfen und mit Sorgen,
Mein Selbst zum höhern Selbst bereitend;

Nach arbeitfreud’gem Frieden trachtend,
Erahnend Welten-Sein im Eigensein,
Möcht’ ich die Menschenpflicht erfüllen;

Erwartend leben darf ich dann
Entgegen meinem Schicksalsterne,
Der mir im Geistgebiet den Ort erteilt.

Across the vastness of the world I will carry
My feeling heart, that it may grow warm
In the fire of the sacred working of power;

In the thoughts of the world I will weave
My own thoughts, that they may grow clear
In the light of eternal becoming-life;

Into the depths of the soul I will dive
With surrendered thought, that it may grow strong
For the true goals of human endeavor;

In God’s peace I thus strive
Through life’s struggles and with worries,
Preparing my self for the higher Self;

Seeking peace that comes from joyful work,
Perceiving the world’s being within my own being,
I wish to fulfill my duty to humanity;

Then may I live in expectation
Toward my star of destiny,
Which grants me my place in the realm of the spirit.

[ 55 ] Das innerlich Bewegliche, Lebendige der Seele zeigt sich dadurch, daß das erste Mal, am Anfang der Feier, gesagt werden mußte: «Entgegen meinem Seelensterne», und am Schlusse der Feier: «Entgegen meinem Schicksalsterne.»

[ 55 ] The inner dynamism and vitality of the soul are revealed by the fact that, at the beginning of the ceremony, it was necessary to say, “Toward the stars of my soul,” and at the end of the ceremony, “Toward the stars of my destiny.”

[ 56 ] Es ist die Nähe, in der man sein muß demjenigen, der also durch die Todespforte gegangen ist, welche bewirkt, daß in dieser Art, charakteristisch für die besondere Weise des Seins der betreffenden Individualität nach dem Tode, solche Worte herauskommen müssen.

[ 56 ] It is the closeness one must maintain to the one who has thus passed through the gates of death that causes such words to emerge in this manner, which is characteristic of the particular mode of existence of the individual in question after death.

[ 57 ] Ich möchte dasjenige, was ich über die beiden anderen Fälle noch zu sagen habe, im Zusammenhange mit dem, was ich sonst noch mitzuteilen habe, morgen sagen.

[ 57 ] I would like to say what I have left to say about the other two cases tomorrow, in conjunction with the rest of what I have to report.