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Paths to Spiritual Insight and
the Renewal of an Artistic Worldview
GA 161

27 March 1915, Dornach

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Achter Vortrag

Eighth Lecture

[ 1 ] Nachdem wir das letzte Mal, als wir uns hier versammeln konnten, Betrachtungen angestellt haben, die mehr an speziellere Erlebnisse anknüpften, wollen wir heute wiederum mehr ins Allgemeine der Geisteswissenschaft einen Ausblick tun. Es wird ja gelegentlich dieser Osterbetrachtungen möglich sein, Mannigfaltiges, auch Spezielleres wiederum zu besprechen, da wir die Betrachtungen von heute in der nächsten Woche fortsetzen werden.

[ 1 ] Since the last time we were able to gather here, we reflected on topics more closely tied to specific experiences; today, we would like to take a broader look at Spiritual Science in general. During these Easter reflections, we will have the opportunity to discuss a variety of topics, including more specific ones, as we will continue today’s reflections next week.

[ 2 ] Ausgehen möchte ich heute davon — was Sie alle im Grunde genommen längst wissen —, daß alle geisteswissenschaftliche Betrachtung gewonnen wird dadurch, daß die Erkenntnisse erworben werden nicht mit der Hilfe der Werkzeuge des physischen Leibes, sondern dadurch, daß das Seelisch-Geistige freigemacht wird von dem physischen Werkzeuge und dadurch als Seelisch-Geistiges in unmittelbare Verbindung kommt mit den geistigen Welten. Diese unmittelbare Verbindung mit den geistigen Welten ist im gewöhnlichen Leben und im gewöhnlichen Erkennen dadurch unterbrochen, daß wir uns im wachenden Zustande immer der Werkzeuge unseres physischen Leibes bedienen müssen, wenn wir in ein Verhältnis zur Welt kommen wollen. Und im schlafenden Zustande konzentriert sich all unser Wille auf unseren Zusammenhang mit dem Leibe, so daß das Begehren nach dem Leibe wie ein Nebel sich ausbreitet in unserem Seelisch-Geistigen während des Schlafes und uns hindert, während des Schlafzustandes im gewöhnlichen Leben irgend etwas in den geistigen Welten, in denen wir ja darinnen sind, zu erleben.

[ 2 ] Today I would like to start from the premise—which, deep down, you all have long known—that all insights in Spiritual Science are gained not by acquiring knowledge with the aid of the physical body’s instruments, but by freeing the soul-spiritual from the physical instrument, thereby allowing the soul-spiritual to enter into direct connection with the spiritual worlds. This direct connection with the spiritual worlds is interrupted in ordinary life and ordinary cognition by the fact that, in the waking state, we must always make use of the instruments of our physical body if we wish to enter into a relationship with the world. And in the sleeping state, all our will is concentrated on our connection with the body, so that the longing for the body spreads like a mist throughout our soul-spiritual being during sleep and prevents us, while in the sleeping state of ordinary life, from experiencing anything in the spiritual worlds in which we are, after all, present.

[ 3 ] Nun handelt es sich darum, daß der sich mit Geisteswissenschaft Beschäftigende wirklich genau einsieht den Wert der geisteswissenschaftlichen Beschäftigung als solcher und das Verhältnis dieser geisteswissenschaftlichen Beschäftigung zu dem persönlichen Streben, welches durch Meditation und Konzentration der Gedanken, Empfindungen und Willensimpulse oder sonst irgendwie, den Menschen hineinbringt in die geistige Welt. Denn darüber müssen wir uns vor allen Dingen klar sein, und das ist eine tiefe, bedeutungsvolle Wahrheit, daß jene Einheitlichkeit, die uns gewissermaßen umringt in der gewöhnlichen Welt, nicht in derselben Art in der geistigen Welt vorhanden ist. Ich habe schon hingewiesen darauf, daß diese Einheitlichkeit in dem ganzen Gefüge des geistig-seelischen Menschen begründet ist. Wie streben doch die meisten Menschen danach, immer wieder und wieder zu fragen: Was ist die Einheit der Welt? — Wie finden sie sich erst befriedigt, wenn sie alles auf ein Prinzip zurückführen können!

[ 3 ] The point is that those engaged in Spiritual Science must truly and clearly understand the value of Spiritual Science work as such, and the relationship between this work and the personal striving that, through meditation and the concentration of thoughts, feelings, and impulses of will—or by any other means—brings a person into the spiritual world. For we must be clear about this above all else, and it is a profound, significant truth that the unity which, so to speak, surrounds us in the ordinary world does not exist in the same way in the spiritual world. I have already pointed out that this unity is rooted in the entire structure of the spiritual-soul human being. How most people strive, time and again, to ask: What is the unity of the world? — How they are only satisfied when they can reduce everything to a single principle!

[ 4 ] In der Tat tritt uns die äußere physische Welt im eminenten Sinne als ein Ganzes, als ein einheitlich Gestaltetes entgegen, und diejenigen Menschen, welche gewissermaßen von dem Einheitsteufel ganz beherrscht sind, kommen zu allen möglichen Gedankenabstraktionen, indem sie suchen das einheitliche Prinzip der Welt.

[ 4 ] In fact, the external physical world presents itself to us, in the highest sense, as a whole, as a unified entity, and those people who are, so to speak, completely dominated by the “devil of unity” arrive at all manner of intellectual abstractions as they seek the unifying principle of the world.

[ 5 ] Charakteristisch sind solche Persönlichkeiten, wie ein alter Herr, der mir einmal an einem Abend, als ich ihn wiedersah, entgegengetreten ist und mir mit der intensivsten Entdeckerfreude mitteilte: Jetzt habe er endlich ein einheitliches Prinzip gefunden, nach dem er alle Erscheinungen der Welt erklären könne. Dieses einheitliche Prinzip, so meinte er in seiner Entdeckerfreude, ließe sich mit zehn bis zwölf Worten sagen. Und er war so froh über diese Sache, daß er sagte: Den ganzen Kosmos kann ich jetzt erklären. — Hölle, Erde und Himmel wollte er erklären aus diesem Einheitsprinzip heraus.

[ 5 ] Typical examples include personalities such as an elderly gentleman who once approached me one evening when I saw him again and told me, with the most intense sense of discovery, that he had finally found a unified principle by which he could explain all phenomena in the world. This unified principle, he said in his joy of discovery, could be expressed in ten to twelve words. And he was so happy about this that he said: “I can now explain the entire cosmos.”—He wanted to explain hell, earth, and heaven based on this unified principle.

[ 6 ] Ich mußte vor kurzem an diese, vor vielen Jahren sich abspielende Episode wieder denken, als mir jemand schrieb, daß er dringend eine Unterredung mit mir haben müsse, weil er einen Menschen kennengelernt habe, der in der Lage sei, eine die Seele vollständig befriedigende Weltanschauung einem anderen in fünf Minuten beizubringen. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, daß für solche Unterredungen innerhalb einer ernst gemeinten geistigen Strömung keine Zeit vorhanden sein kann. Aber diejenigen Menschen, die also von dem Einheitsteufel, der zu gleicher Zeit immer eine Art Bequemlichkeitsteufel ist, besessen sind, die sind gerade in unserer Zeit besonders zahlreich.

[ 6 ] I was recently reminded of this episode, which took place many years ago, when someone wrote to me saying that he urgently needed to speak with me because he had met a person who was able to impart a worldview that completely satisfies the soul to another person in five minutes. I hardly need to mention that there can be no time for such conversations within a serious spiritual movement. But those people who are thus possessed by the devil of uniformity—who is always, at the same time, a kind of devil of convenience—are particularly numerous in our time.

[ 7 ] Vor allen Dingen müssen wir demgegenüber im tiefsten Sinne das nehmen, was in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» ausgedrückt ist, daß, sobald wir die Schwelle der geistigen Welt überschreiten, wir wirklich in ein dreifaches Erleben hineingeführt werden. Das habe ich in diesem Buche ganz besonders betont, daß die Seele wie dreigespalten wird; und indem die Seele die Schwelle der geistigen Welt überschreitet, ist nichts mehr eigentlich vorhanden, was es einem möglich macht, an den Einheitsteufel, an diesen bequemen Einheitsteufel zu glauben.

[ 7 ] Above all, we must take to heart what is expressed in How to Attain Knowledge of the Higher Worlds: that as soon as we cross the threshold of the spiritual world, we are truly led into a threefold experience. I have emphasized this particularly in this book: that the soul is, as it were, divided into three; and as the soul crosses the threshold of the spiritual world, there is actually nothing left that makes it possible to believe in the “devil of unity,” in this convenient “devil of unity.”

[ 8 ] Ja, wir fühlen selbst, daß wir, sobald wir die Schwelle der geistigen Welt überschreiten, mit unserem ganzen Wesen eigentlich in drei Welten eintreten, wirklich in drei Welten eintreten. Und wir müssen dies eigentlich nicht aus dem Auge verlieren, daß man nach dem Überschreiten der Schwelle der geistigen Welt das Erlebnis der drei Welten deutlich hat. Schon mit der ganzen Bildung unseres physischen Leibes gehören wir eigentlich drei Welten an. Ich möchte sagen: Zu diesem wunderbaren Gebilde «Mensch», das uns da entgegentritt in der physischen Welt, ist wirklich das Zusammenwirken von drei Welten, die eine verhältnismäßig starke Unabhängigkeit voneinander haben, notwendig. Und wenn wir die Bildung unseres Hauptes betrachten, die Bildung all dessen betrachten, was zum Haupte gehört, dann müssen wir, selbst wenn wir nur vom physischen Haupte sprechen, uns klar sein darüber, daß die Bildekraft unseres Hauptes und auch die Wesenheiten, die in diesen Bildekräften wirkend und schaffend sind, einer ganz anderen Welt angehören als zum Beispiel die Bildekraft unserer Brust, die Bildekraft alles dessen, was zu unserem Herzen gehört, einschließlich der Arme und Hände. Es ist gewissermaßen, wie wenn die Bildekraft zu diesen materiellen Teilen des Menschen einer ganz anderen Welt angehören würde als die Bildekräfte unseres Hauptes. Und wiederum gehören die Unterleibsorgane und die Beine einer ganz anderen Welt an als die beiden anderen Glieder, die genannt worden sind.

[ 8 ] Yes, we ourselves feel that as soon as we cross the threshold into the spiritual world, we actually enter three worlds with our entire being—truly enter three worlds. And we must not lose sight of the fact that, once we have crossed the threshold into the spiritual world, we clearly experience these three worlds. Even with the entire formation of our physical body, we actually belong to three worlds. I would like to say: For this marvelous structure called “human being,” which confronts us in the physical world, the interaction of three worlds—which have a relatively strong independence from one another—is truly necessary. And when we consider the formation of our head, the formation of everything that belongs to the head, then we must, even if we speak only of the physical head, be clear that the formative power of our head—and also the beings who act and create within these formative powers—belong to a completely different world than, for example, the formative power of our chest, the formative power of everything that belongs to our heart, including the arms and hands. It is, as it were, as if the formative power of these material parts of the human being belonged to a completely different world than the formative powers of our head. And again, the abdominal organs and the legs belong to a completely different world than the other two limbs that have been mentioned.

[ 9 ] Nun können Sie fragen: Was hat denn das alles für eine Bedeutung? Es hat eine große Bedeutung, weil im Grunde genommen der gegenwärtige Menschheitszyklus so ist, daß man reine, echte, wirklich wahre Ergebnisse der Geisteswissenschaft nur dadurch bekommt, daß unser GeistigSeelisches herausgehoben wird aus dem Haupte. So daß gewissermaßen dies der hellseherische Aspekt eines Menschen ist, welcher geisteswissenschaftliche Beobachtungen hervorzubringen hat, die heute der Menschheit in richtigem Sinne dienen können (siehe Zeichnung). Dieser hellsichtige Aspekt ist so zu betrachten, daß das Geistig-Seelische hier vorzugsweise herausgehoben wird, und daß dieses Geistig-Seelische gleichsam angeschlossen wird, wie durch einen spirituell elektrischen Anschluß, an die Kräfte des Kosmos. Also es muß alles, das Ich und der astralische Leib bis zum Ätherleibe, herausgezogen werden. Dieses Herausziehen ist dann selbstverständlich verknüpft mit der Entwickelung der sogenannten Lotusblumen. Aber die Kräfte, welche die Lotusblumen in Bewegung setzen, liegen in diesem herausgehobenen oder herauszuhebenden Teile des Geistig-Seelischen des Menschen.

[ 9 ] Now you may ask: What is the significance of all this? It is of great significance because, fundamentally, the current human cycle is such that pure, genuine, truly authentic results of Spiritual Science can only be obtained by lifting our spiritual-soul aspect out of the head. So that, in a sense, this is the clairvoyant aspect of a human being who is to produce observations from Spiritual Science that can truly serve humanity today (see drawing). This clairvoyant aspect is to be understood in such a way that the spiritual-soul aspect is here brought to the fore, and that this spiritual-soul aspect is, as it were, connected—as through a spiritual-electrical connection—to the forces of the cosmos. Thus, everything—from the ego and the astral body up to the etheric body—must be drawn out. This drawing out is then, of course, linked to the development of the so-called lotus flowers. But the forces that set the lotus flowers in motion lie in this emphasized or to-be-emphasized part of the human spiritual-soul aspect.

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[ 10 ] Dies, was so erlangt wird, daß das Hellsehen gewissermaßen ein Kopfhellsehen ist, das kann geisteswissenschaftliches Resultat in unserer Zeit sein; denn das dient der Menschheit, dieses kopfhellseherische Ergebnis. Von ganz anderer Art ist das hellseherische Ergebnis, das dadurch bewirkt wird, daß mehr das Geistig-Seelische der Organe des Herzens, der Arme und der Hände herausgehoben wird. Dieses Herausheben unterscheidet sich auch innerlich bedeutend von dem, was zustande kommt durch das, was ich nennen möchte das Kopfhellsehen. Das Herausheben aus dem materiellen Herzorgan wird mehr bewirkt durch die Meditation, die sich auf das Willensleben bezieht; es wird bewirkt durch die demütige Hingabe an den Weltenprozeß, während das Kopfhellsehen mehr durch die Gedanken, vorstellungsmäßig, aber auch durch empfindungsmäßige Vorstellungen bewirkt wird.

[ 10 ] What is attained in this way—where clairvoyance is, so to speak, a form of mental clairvoyance—can be a result of Spiritual Science in our time; for this mental-clairvoyant result serves humanity. The clairvoyant result brought about by emphasizing the spiritual-soul aspect of the organs of the heart, arms, and hands is of a completely different nature. This emphasis also differs significantly in its inner nature from what comes about through what I would like to call head clairvoyance. The emphasis on the physical heart organ is brought about more through meditation that relates to the life of the will; it is brought about through humble surrender to the world process, whereas mental clairvoyance is brought about more through mental images, in the realm of imagination, but also through sensory perceptions.

[ 11 ] Es ist im allgemeinen mit Bezug auf diese beiden Arten des Hellsehens so, daß im Grunde das Herzhellsehen oder das Brusthellsehen, in dem Grade, wie es sich entwickeln soll, mit dem Kopfhellsehen sich schon entwickelt. Es führt das Brusthellsehen mehr zur Willensentwickelung, zum Zusammenhang mit den Aktionen der geistigen Wesenheiten niederer Hierarchien, wie derjenigen, die in den verschiedenen Reichen der Erde verkörpert sind, während das Kopfhellsehen mehr zu dem Anschauen, dem Erkennen, dem Wahrnehmen in den wirklich dem Menschen zunächst wichtigeren höheren Welten führt; wichtigeren, höheren Welten in dem Sinne, daß das Wissen von diesen höheren Mächten zur Befriedigung gewisser Erkenntnisbedürfnisse notwendig ist, die immer mehr und mehr auftreten müssen in der gegenwärtigen Menschheit. Je mehr wir der Zukunft unserer Entwickelung auf der Erde entgegenrücken, desto weniger werden die Menschen, ohne daß ihr Seelenleben ausgedörrt wird, leben können, wenn sie nicht in ihre Erkenntnis aufnehmen können die Ergebnisse dieses Hellsehens.

[ 11 ] In general, with regard to these two types of clairvoyance, it is the case that, as heart clairvoyance—or chest clairvoyance—develops to the extent that it is meant to, head clairvoyance develops alongside it. Chest clairvoyance leads more to the development of the will, to a connection with the actions of spiritual beings of lower hierarchies, such as those incarnated in the various kingdoms of the Earth, while head clairvoyance leads more to the beholding, the recognition, and the perception of the higher worlds that are truly more important to human beings at first; worlds that are more important and higher in the sense that knowledge of these higher powers is necessary to satisfy certain needs for insight that must arise more and more in present-day humanity. The more we move toward the future of our development on Earth, the less people will be able to live—without their soul life becoming parched—if they cannot incorporate the results of this clairvoyance into their understanding.

[ 12 ] Und wieder eine dritte Art von Hellsehen ist diejenige, die dadurch entsteht, daß aus dem übrigen Menschen gelockert wird, also herausgehoben wird dasjenige, was man das Geistig-Seelische nennen kann. Da müßte ich (auf der Zeichnung $. 158) da unten, gegen das Ende zu, das Herausrücken andeuten.

[ 12 ] And yet another type of clairvoyance is that which arises when the spiritual-soul aspect—what might be called the spiritual-soul aspect—is separated from the rest of the human being. I would have to indicate this separation down there, toward the end, in the drawing ($. 158).

[ 13 ] Wenn auch der Ausdruck nicht besonders ästhetisch ist, so darf ich aber doch vielleicht diese Art des Hellsehens das Bauchhellsehen nennen. So daß man wirklich unterscheiden kann: das Kopfhellsehen, das Brusthellsehen und das Bauchhellsehen.

[ 13 ] Although the term isn't particularly elegant, I might perhaps call this type of clairvoyance “abdominal clairvoyance.” This way, one can truly distinguish between head clairvoyance, chest clairvoyance, and abdominal clairvoyance.

[ 14 ] Während das Kopfhellsehen für unseren Menschheitszyklus im eminentesten Sinne dahin führt, von dem Menschen unabhängige Ergebnisse zu gewinnen, führt das Bauchhellsehen dazu, vorzugsweise Ergebnisse zu gewinnen, welche zusammenhängen mit dem, was im Menschen selber vorgeht. Dasjenige, was im Menschen selber vorgeht, muß selbstverständlich auch Gegenstand des Forschens sein, gibt es doch auch auf dem Gebiete des physischen Forschens die Anatomie und die Physiologie, die sich mit alledem zu befassen haben. Es darf nicht die Meinung auftauchen, daß dieses Bauchhellsehen nicht einen gewissen Wert, im höchsten Sinne des Wortes, haben könnte. Selbstverständlich hat es seinen Wert. Aber klar muß man sich darüber sein, daß dieses Bauchhellsehen nur wenig den Menschen unterrichten kann über dasjenige, was unpersönlich in den kosmischen Vorgängen sich abspielt, daß es im wesentlichen den Menschen unterrichtet über das, was in dem Menschen, ich möchte sagen, innerhalb der Haut des Menschen vor sich geht.

[ 14 ] While head clairvoyance leads, in the truest sense, to the attainment of results independent of the human being, abdominal clairvoyance leads primarily to the attainment of results related to what is taking place within the human being. What is going on within the human being must, of course, also be the subject of research, since even in the field of physical research there are anatomy and physiology, which deal with all of this. One must not get the impression that this abdominal clairvoyance could not have a certain value, in the highest sense of the word. Of course it has its value. But one must be clear that this abdominal clairvoyance can teach the human being very little about what takes place impersonally in cosmic processes; that it essentially teaches the human being about what is going on within the human being—I would say, within the human being’s skin.

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[ 15 ] Über andere Gegensätze zwischen Kopfhellsehen und Bauchhellsehen werde ich noch sprechen, aber in bezug auf das Moralisch-Ethische sind diese beiden Arten im Grunde genommen auch innerlich recht gut zu unterscheiden. Das Brusthellsehen steht dazwischen, zwischen Kopfhellsehen und Bauchhellsehen. In bezug auf das Ethische ist verhältnismäßig am wichtigsten das Kopfhellsehen. Menschen, welche danach streben, in unpersönlicher Weise, in dem Sinne wie es angedeutet ist in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», zu einer Anschauung der höheren Welten zu kommen, Menschen, welche es sich nicht verdrießen lassen, diesen unbequemen, aber sicheren Weg zu gehen, die werden in bezug auf ihre Hellsichtigkeit auch etwas Unpersönliches in sich entwickeln, vor allen Dingen ein höheres Interesse für die objektive Welterkenntnis, für dasjenige, was in der Welt des kosmischen und in der Welt des geschichtlichen Werdens vor sich geht.

[ 15 ] I will discuss other differences between head clairvoyance and gut clairvoyance later, but in terms of morality and ethics, these two types can essentially be quite clearly distinguished internally as well. Chest clairvoyance lies in between, between head clairvoyance and gut clairvoyance. In terms of ethics, head clairvoyance is relatively the most important. People who strive, in an impersonal way—in the sense indicated in “How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?”— to attain a vision of the higher worlds—people who do not allow themselves to be deterred from walking this uncomfortable but sure path—will, with regard to their clairvoyance, also develop something impersonal within themselves, above all a higher interest in objective knowledge of the world, in what is taking place in the world of cosmic and historical becoming.

[ 16 ] Von dem Menschen selber wird dieses Kopfhellsehen vorzugsweise in dem Sinne sprechen, daß es aufmerksam macht, wie der Mensch sich hineinstellt in den kosmischen, in den geschichtlichen Werdegang des Lebens, aufmerksam macht darauf, was der Mensch im Ganzen des Weltenprozesses ist, und es wird immer dasjenige, was herauskommt bei diesem Kopfhellsehen, einen unpersönlichen, ich möchte sagen, einen allgemein-wissenschaftlichen Charakter haben; es wird Mitteilungen enthalten, die Wichtigkeit haben — ich bitte das Wort wohl zu beachten für alle Menschen, nicht nur für den einen oder den anderen.

[ 16 ] This clairvoyance of the head will speak primarily of the human being in the sense that it draws attention to how the human being places themselves within the cosmic and historical course of life, draws attention to what the human being is within the totality of the world process, and whatever emerges from this clairvoyance of the head will always have an impersonal, I would say, a general-scientific character; it will contain messages of importance—I ask that everyone pay close attention to this word, not just one person or another.

[ 17 ] Dasjenige, was Bauchhellsehen ist, das wird vorzugsweise durchdrungen sein von allen möglichen menschlichen Egoismen, wird überhaupt sehr leicht dazu verführen, daß sich der betreffende Hellseher viel mit sich, mit den okkulten Unterlagen seines eigenen Geschickes befaßt, mit den okkulten Unterlagen seines persönlichen Wertes und Charakters. Das ergibt sich wie eine selbstverständliche Neigung aus dem, was man das Bauchhellsehen nennt.

[ 17 ] What is known as “intuitive insight” is likely to be permeated by all manner of human self-interest; indeed, it is very easy for the clairvoyant in question to become preoccupied with himself, with the occult underpinnings of his own destiny, and with the occult underpinnings of his personal worth and character. This arises as a natural inclination from what is called clairvoyance.

[ 18 ] Nun tritt in bezug auf die anschauliche Natur zwischen den beiden Arten des Hellsehens ein starker Unterschied auf. Derjenige, der danach strebt, zunächst in dem Sinne, wie es gegeben ist in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», mit seinem Seelisch-Geistigen frei zu werden von dem Wahrnehmungsapparat des Kopfes, der also gewissermaßen den geistig-seelischen Teil des Kopfes herauslockert aus dem physischen Werkzeuge und mit diesem geistig-seelischen Kopfteile sich hineinzuversetzen vermag in die geistige Welt, der wird es außerordentlich schwer haben, aus bloß schattenhaft-hellseherischen Erlebnissen herauszukommen. Dieses Heraustreten aus dem Kopfe ist verbunden zunächst mit Erlebnissen, die wirklich nicht einmal die Farbe, die Gesättigtheit von lebhaften Erinnerungen haben, die also gewissermaßen innerlich sehr farblos auftreten, und erst wenn man in den Anstrengungen, die auf diesem Wege liegen, immer weiter und weiter dringt, stellt es sich heraus, daß der schattenhafte Charakter dieser Erlebnisse sich verliert, und daß gewissermaßen mit Farbigem und Tönendem die farblosen und schattenhaften Erlebnisse tingiert werden.

[ 18 ] Now, with regard to the perceptible world, a marked difference arises between the two types of clairvoyance. The person who strives, first of all in the sense described in How Does One Gain Knowledge of the Higher Worlds?, to free his soul-spiritual being from the head’s apparatus of perception—which, in a sense, detaches the spiritual-soul part of the head from the physical instrument—and to be able to enter into the spiritual world with this spiritual-soul part of the head, will find it extremely difficult to move beyond mere shadowy clairvoyant experiences. This stepping out of the head is initially associated with experiences that truly lack even the color and richness of vivid memories—that is, they appear, so to speak, very colorless within— and only when one presses on further and further in the efforts that lie along this path does it become apparent that the shadowy character of these experiences fades, and that, as it were, the colorless and shadowy experiences are tinged with color and sound.

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[ 19 ] Denn der Prozeß, der sich da abspielt, ist der, daß wir herausrücken aus unserem Kopfe zunächst und wirklich in einer Welt darinnen sind, die wir sehr schwer haben zu bemerken. Dann, indem wir nach und nach, langsam uns erwerben die Möglichkeit, außerhalb unseres Kopfes zu leben, verstärken sich diese inneren Lebenskräfte, und die Folge davon ist, daß aus dem ganzen Umkreise der Welt die zuströmenden Kräfte zusammengezogen werden. Also denken Sie sich, aus dem ganzen Umkreise der Welt müssen die Kräfte zusammengezogen werden, und wenn wir aus dem Umkreise der Welt die ganzen Kräfte zusammenziehen, dann bekommen wir die Tingierung mit Farbigem und Tönendem. Denken Sie sich einmal, um sich das vorzustellen, Sie haben hier — a — eine Fläche, die sehr stark gefärbt ist, eine Kugelfläche. Und nun denken Sie sich diese Kugelfläche hinausgedehnt über eine große Fläche — b, c —. Da wird die Farbe viel blasser, und wenn wir sie noch weiter ausdehnen, so wird die Farbe immer blasser und blasser; wenn wir sie hereinbringen würden, so würden wir, wenn dies ein blasses Gelb ist, hier ein sehr gestärktes, gesättigtes Gelb bekommen, weil dieselbe Menge der Farbpunkte dann wieder mehr zusammenkonzentriert ist.

[ 19 ] For the process taking place here is that we first step out of our minds and find ourselves in a world within it that we have great difficulty perceiving. Then, as we gradually, slowly acquire the ability to live outside our heads, these inner life forces are strengthened, and the result is that the forces flowing in from the entire circumference of the world are drawn together. So imagine that the forces must be drawn in from the entire circumference of the world, and when we draw in all the forces from the circumference of the world, then we receive the coloring with color and sound. Imagine, to create a mental image of this, that you have here—a—a surface that is very strongly colored, a spherical surface. And now imagine this spherical surface extended over a large area—b, c—. There the color becomes much paler, and if we extend it even further, the color becomes paler and paler; if we were to bring it back in, we would, if this is a pale yellow, obtain a very intense, saturated yellow here, because the same number of color points is then concentrated more closely together.

[ 20 ] Nun steht das Kopfhellsehen dem ganzen Kosmos gegenüber, und über den ganzen Kosmos ist dasjenige ausgedehnt, was der Mensch erst zusammenkonzentrieren muß mit seinen Lebenskräften in das, was er selber ist hellseherisch seiner Wesenheit nach; so daß er wirklich nur im mühseligen Gang der inneren Entwickelung allmählich das Schattenhafte der Erlebnisse tingiert. Und dann, wenn man lange, lange sich Mühe gegeben hat, das allgemeine Erleben zu haben, das einem nur das Gefühl gibt, außerhalb seines Leibes zu sein, und wenn man dieses allgemeine Erleben lange gehabt hat und immer mehr ein Gefühl bekommen hat, ein intensiveres, aber noch nicht farbiges und tönendes, inneres Erleben zu haben, dann kommen allmählich die Gebiete aus dem Kosmos an das Kopfhellsehen heran.

[ 20 ] Now clairvoyance faces the entire cosmos, and spread across the entire cosmos is that which the human being must first concentrate with his life forces into what he himself is, clairvoyantly speaking, in terms of his essence; so that he truly only gradually tints the shadowy nature of his experiences through the laborious process of inner development. And then, when one has long, long striven to attain the general experience that gives one only the feeling of being outside one’s body, and when one has had this general experience for a long time and has increasingly gained the sense of having a more intense, though not yet colored or resonant, inner experience, then the realms of the cosmos gradually approach the clairvoyance of the head.

[ 21 ] Das ist eine Sache der langsamen, selbstlosen Entwickelung. Insbesondere muß gesagt werden, daß zu dieser Entwickelung unerläßlich ist das Studium der Geisteswissenschaft. Es muß immer wieder und wieder betont werden, daß die Geisteswissenschaft, wenn sie gegeben ist, wirklich verstanden werden kann. Man kann das nicht oft genug betonen, daß man kein Hellseher zu sein braucht, um Geisteswissenschaft zu verstehen. Selbstverständlich muß man Hellseher sein, um zu den Ergebnissen zu kommen; aber wenn sie einmal da sind, braucht man kein Hellseher zu sein.

[ 21 ] This is a matter of slow, selfless development. In particular, it must be said that the study of Spiritual Science is indispensable to this development. It must be emphasized again and again that Spiritual Science, once it is presented, can truly be understood. It cannot be emphasized often enough that one does not need to be a clairvoyant to understand Spiritual Science. Of course, one must be a clairvoyant to arrive at the results; but once they are there, one need not be a clairvoyant.

[ 22 ] Dieses Verständnis der Geisteswissenschaft muß vorangehen dem eigentlichen Schauen. Auch hier ist es so, daß man sagen kann: es ist der umgekehrte Weg von dem der richtige, der in der physisch-sinnlichen Welt der richtige ist. In der physisch-sinnlichen Welt haben wir zuerst die richtigen Anschauungen, dann gehen wir zum gedanklichen Betrachten über; wir bilden uns die wissenschaftlichen Urteile hinterher. Beim Aufsteigen in die geistige Welt ist es umgekehrt. Da müssen wir zuerst die Begriffe und Vorstellungen entwickeln, müssen uns anstrengen, um uns objektiv in die Geisteswissenschaft einzuleben; sonst können wir niemals sicher sein, daß irgendwelche Beobachtung in der geistigen Welt von uns im richtigen Sinne gedeutet wird. Da muß die Wissenschaft eben dem Schauen vorangehen. Und das ist es, was vielen so unendlich unbequem ist: daß sie die Geisteswissenschaft studieren sollen. Das nehmen viele als unbegreifliche Zumutung hin. Denn sie streben danach, Anschauungen zu haben in der geistigen Welt. Gewiß, die kann man relativ leicht haben; aber sie richtig zu deuten, dazu gehört, daß man wirklich objektiv, selbstlos sich in die Geisteswissenschaft einläßt, sich mit ihr durchdringt.

[ 22 ] This understanding of Spiritual Science must precede the actual act of seeing. Here, too, one can say: the correct path is the reverse of the one that is correct in the physical-sensory world. In the physical-sensory world, we first have the correct perceptions, then we move on to intellectual contemplation; we form our scientific judgments afterward. When ascending into the spiritual world, it is the other way around. There we must first develop the concepts and mental images, must make an effort to objectively acclimate ourselves to Spiritual Science; otherwise we can never be sure that any observation in the spiritual world is interpreted by us in the right sense. There, science must indeed precede the act of seeing. And that is what is so infinitely uncomfortable for many: that they are supposed to study Spiritual Science. Many accept this as an incomprehensible imposition. For they strive to have visions in the spiritual world. Certainly, these can be obtained relatively easily; but to interpret them correctly requires that one truly engage with Spiritual Science objectively and selflessly, and allow it to permeate one’s being.

[ 23 ] Nun ist gerade das Umgekehrte der Fall bei dem, was man nennen kann das Bauchhellsehen. Da gehen wir aus von demjenigen GeistigSeelischen, das zunächst gearbeitet hat an unserem Leiblich-Physischen. Denn all dem, was es in der Welt gibt, liegt ein Geistiges zugrunde. Wenn Sie, sagen wir, ein Stück Kohlrabi gegessen haben — wir sind ja meist Vegetarier — und es dann verarbeitet wird in unserem Organismus, so hat man es nicht bloß mit dem physisch-chemischen Prozeß zu tun, den der Magen mit seinen Kräften und Säften ausführt, sondern hinter dem allem sind der Ätherleib, der Astralleib und das Ich tätig. Alle diese Prozesse haben hinter sich geistig-spirituelle Prozesse. Es würde ganz falsch sein zu glauben, daß es materielle Prozesse gibt, die nicht einen spirituellen Prozeß hinter sich haben.

[ 23 ] Now, the exact opposite is true of what might be called “intuitive perception.” Here we start from the spiritual-soul aspect that initially worked on our physical-bodily aspect. For everything that exists in the world has a spiritual foundation. If you have, say, eaten a piece of kohlrabi—we are, after all, mostly vegetarians—and it is then processed in our organism, we are not merely dealing with the physical-chemical process carried out by the stomach with its forces and juices, but behind all of this, the etheric body, the astral body, and the ego are at work. All these processes are underpinned by spiritual processes. It would be entirely wrong to believe that there are material processes that do not have a spiritual process behind them.

[ 24 ] Denken Sie sich nun, Sie legen sich nach einem mehr oder weniger opulenten Mittagsmahle hin und werden hellsichtig, aber so hellsichtig, daß sich das Geistig-Seelische der Verdauungsorgane vor allen Dingen aus diesen Verdauungsorganen heraushebt. Dann leben Sie, während Ihr Magen und die übrigen Organe richtig verdauen, mit Ihrem GeistigSeelischen im Geistig-Seelischen selber. Und während Ihnen sonst der spirituelle Prozeß unbewußt bleibt, der sich in Ihrem Ätherleibe, Astralleibe und Ich vollzieht, kommt er Ihnen, wenn Sie hellseherisch werden, zum Bewußtsein, und Sie können dann, indem Sie sich erleben in dem Geistig-Seelischen, all jenes Arbeiten und Bilden und Schaffen des Geistig-Seelischen an den Leibesgliedern während der Verdauung sehen; sehen, indem es sich hinausprojiziert in die Welt, und Ihnen, bildhaft sich spiegelnd, im äußeren Äther erscheint. Dann bekommen Sie, weil Sie jetzt nicht so sehr aus dem Kosmos anzuziehen haben die Farbe, sondern weil Sie den ganzen Prozeß konzentriert in Ihrer eigenen Haut sich abspielen haben, die allerschönsten hellseherischen Gebilde. So daß ein Wunderbares, das sich abspielt um Sie in den herrlichsten, lichtesten Farben- und Gestaltungsprozessen, nichts anderes zu sein braucht als der in den Geistesorganen des Menschen vor sich gehende Verdauungsprozeß oder sonst ein im Leibe befindlicher Prozeß.

[ 24 ] Now imagine that you lie down after a more or less sumptuous lunch and become clairvoyant—so clairvoyant, in fact, that the spiritual-psychic aspect of the digestive organs stands out from these organs above all else. Then, while your stomach and the other organs are digesting properly, you live with your spiritual-soul aspect within the spiritual-soul realm itself. And while the spiritual process taking place in your etheric body, astral body, and I would otherwise remain unconscious to you, it comes to your consciousness when you become clairvoyant, and you can then, by experiencing yourself within the spiritual-psychic realm, see all that working, forming, and creating of the spiritual-psychic realm on the limbs of the body during digestion; see it as it projects itself out into the world and appears to you, reflected pictorially, in the outer ether. Then, because you now do not have to draw the color so much from the cosmos, but because the entire process is playing out concentrated within your own skin, you receive the most beautiful clairvoyant images. So that a wondrous phenomenon unfolding around you in the most magnificent, lightest processes of color and form need be nothing other than the digestive process taking place in the human spiritual organs or some other process occurring within the body.

[ 25 ] Dieses Hellsehen unterscheidet sich von dem anderen ganz besonders dadurch, daß während das andere Hellsehen von schattenhaften Gebilden ausgeht und erst mühselig die Tingierung mit Farbe und Ton erhält, dieses schon ausgeht von dem Schönsten und Herrlichsten, das man sehen kann. Man kann es geradezu als ein Gesetz aussprechen: wenn das Hellsehen beginnt mit den herrlichsten Gebilden, insbesondere mit Farbengebilden, dann ist es ein Hellsehen, das sich bezieht auf Prozesse, die sich innerhalb des Persönlichen abspielen. Ich betone aber noch ausdrücklich, daß es für das Erforschen der geistigen Welt von großem: Wert sein kann. Geradeso wie der Anatom und der Physiologe den; Verdauungsprozeß und andere Prozesse untersuchen müssen, so hat es auch einen höchsten wissenschaftlichen Wert, auf diese Weise das hinter den menschlichen Prozessen stehende Geistige, das Spirituelle zu erforschen. Aber schlimm wäre es, wenn man sich irgendwelchen Täuschungen hingeben würde, wenn man sich Illusionen hingeben und die Dinge nicht in der richtigen Weise deuten würde.

[ 25 ] This form of clairvoyance differs from the other in one particular respect: while the other form of clairvoyance begins with shadowy images that are only laboriously imbued with color and tone, this one begins with the most beautiful and magnificent things one can see. One can almost state it as a law: when clairvoyance begins with the most magnificent forms, especially with forms of color, then it is a form of clairvoyance that relates to processes taking place within the individual. I would, however, like to emphasize explicitly that it can be of great value for the exploration of the spiritual world. Just as the anatomist and the physiologist must investigate the digestive process and other processes, so too does it have the highest scientific value to explore in this way the spiritual, the spiritual realm, that lies behind human processes. But it would be disastrous to succumb to any delusions, to succumb to illusions, and to fail to interpret things correctly.

[ 26 ] Wenn man glauben würde, daß ein solches, ohne die entsprechende Vorbereitung auftretendes Hellsehen mehr geben könnte, als was sich im Menschen abspielt und sich hinausprojiziert in die objektive Welt, wenn man glauben würde, daß man gewissermaßen den regierenden Weltenmächten, den tonangebenden geistigen Kräften durch ein solches Hellsehen näherkommen könnte, so würde man sich sehr täuschen. Ebensowenig wie man durch die Untersuchung der menschlichen Verdauung die Weltenrätsel lösen kann, ebensowenig kann man den Weltenrätseln und Geheimnissen dadurch näherkommen, daß man dieses Bauchhellsehen entwickelt.

[ 26 ] If one were to believe that such clairvoyance, occurring without the proper preparation, could reveal more than what takes place within the human being and is projected out into the objective world; if one were to believe that, through such clairvoyance, one could, so to speak, draw closer to the ruling world powers, the dominant spiritual forces—one would be greatly mistaken. Just as one cannot solve the mysteries of the world by studying human digestion, so too can one not come closer to the world’s mysteries and secrets by developing this abdominal clairvoyance.

[ 27 ] Sie sehen also, wieviel dazugehört, sich in der Welt, in die wir eintreten durch das Freiwerden unserer geistig-seelischen Kräfte, wirklich richtig zu orientieren. Niemand sollte etwa durch die Erörterungen, die darüber gepflogen worden sind, einen Abscheu haben vor dem Bauchhellsehen. Aber jeder sollte sich klar sein darüber, wie sich ein solches Hellsehen verhält zu dem, was wirklich geistiges Hellsehen werden kann, und wie man fernhalten muß von aller äußeren Überschätzung dasjenige, was auf hellseherischem Wege so gewonnen wird, daß es nur einen persönlichen Inhalt haben kann. Erst dann, wenn man bei diesen Dingen, die auch persönlichen Inhalt haben, absehen kann von dem Persönlichen und sie so betrachten kann wie der Anatom, der Physiologe dasjenige betrachtet, was er durch die Sektion erlebt oder durch seine Untersuchungen erhält, erst wenn man da zur wissenschaftlichen Betrachtung übergeht, dann haben die Dinge einen besonderen Wert. Jedenfalls dürfen sich an diese Dinge nicht im entferntesten irgendwelche religiöse Gefühle anknüpfen; die können sich nur an die Ergebnisse des Kopfhellsehens anknüpfen. Und man wird dem anderen Hellsehen um so gerechter, je mehr man geradezu die Forderung stellt, daß seine Ergebnisse nur im wissenschaftlich-objektiven Sinne behandelt werden, wie die Ergebnisse der Anatomie, der Physiologie.

[ 27 ] So you can see how much is required to truly orient oneself correctly in the world we enter as our spiritual and soul forces are set free. No one should, for example, develop an aversion to abdominal clairvoyance because of the discussions that have been held on the subject. But everyone should be clear about how such clairvoyance relates to what can truly become spiritual clairvoyance, and how one must guard against any external overestimation of that which is gained through clairvoyance in such a way that it can have only a personal content. Only when one can, in regard to these things—which also have personal content—set aside the personal and view them as the anatomist or physiologist views what he experiences through dissection or obtains through his investigations; only when one transitions to a scientific perspective—only then do these things possess a special value. In any case, no religious feelings whatsoever may be attached to these things; they can only be attached to the results of intellectual clairvoyance. And one does justice to the other form of clairvoyance all the more the more one insists that its results be treated solely in a scientific-objective sense, just like the results of anatomy and physiology.

[ 28 ] Nicht alles, was auf dem Wege des Hellsehens gefunden wird, ist — ich möchte diesen radikalen Satz aussprechen — anbetungswürdig; aber alles ist des Erlernens wert. Das ist es, was wir ins Auge fassen müssen. Ich sagte, für unseren Zyklus sei es ganz besonders wichtig, die Ergebnisse des Kopfhellsehens der allgemeinen geistigen Menschheitskultur einzuverleiben; und das ist wirklich wichtig. Ich will heute in bezug auf diese Wichtigkeit eine Seite der Sache einmal erwähnen. Wir leben wirklich in einer Zeit, in welcher sich die Menschheit vorbereiten muß, allmählich über den bloßen philosophischen Idealismus hinauszukommen und einzulaufen in ein wirkliches Bewußtsein von den geistigen Welten, von der allgemeinen geistigen Welt, in der wir darinnen leben, wie wir in der physischen Welt darinnen leben.

[ 28 ] Not everything discovered through clairvoyance is—and I want to state this radical proposition—worthy of worship; but everything is worth learning. That is what we must keep in mind. I said that for our series it is particularly important to incorporate the results of intellectual clairvoyance into the general spiritual culture of humanity; and that is truly important. Today, in regard to this importance, I would like to mention one aspect of the matter. We truly live in a time in which humanity must prepare to gradually move beyond mere philosophical idealism and enter into a genuine awareness of the spiritual worlds, of the general spiritual world in which we live, just as we live in the physical world.

[ 29 ] Nun, gehen wir von einem Erlebnisse des Kopfhellsehens aus, das wir leicht verstehen werden, wenn wir uns ein wenig vertieft haben in die Dinge, die gesagt worden sind in dem Münchner Zyklus, der zuletzt gehalten worden ist, und die auch ausgeführt worden sind in meinem Buche «Die Schwelle der geistigen Welt». Ich habe da besonders erwähnt, daß unser Denken eine Umänderung erfährt in dem Augenblicke, wo wir uns freimachen, besonders in bezug auf unsere Gedanken, von dem physischen Werkzeuge des Kopfes. Ich habe es damals grotesk ausgedrückt, indem ich gesagt habe: Wenn wir so frei werden, dann haben unsere Gedanken nicht mehr den Charakter, den sie haben im gewöhnlichen, alltäglichen Leben. Im gewöhnlichen, alltäglichen Erleben müssen wir das Gefühl haben — wenn wir nicht verrückt sind —, daß wir Herr sind über unsere Gedankenwelt, daß, wenn wir zwei Gedanken haben, wir es sind, die diese Gedanken verbinden oder trennen.

[ 29 ] Now, let us take as our starting point an experience of mental vision, which we will easily understand once we have delved a little deeper into the ideas presented in the Munich lecture series held most recently, and which are also elaborated upon in my book The Threshold of the Spiritual World. I mentioned there in particular that our thinking undergoes a transformation at the moment when we free ourselves—especially with regard to our thoughts—from the physical instrument of the head. I expressed it grotesquely at the time by saying: When we become free in this way, our thoughts no longer have the character they have in ordinary, everyday life. In ordinary, everyday experience, we must have the feeling—unless we are insane—that we are masters of our world of thoughts, that when we have two thoughts, it is we who connect or separate them.

[ 30 ] Wenn wir uns erinnern, sind wir uns bewußt: mit unserem Innenleben gehen wir von einem gegenwärtigen zu einem vergangenen Erlebnis über. Immer haben wir das Gefühl: wir sind es, die hinter dem Gewebe und Gewoge unserer Gedanken stehen. Das hört auf in dem Augenblicke, wo wir im Kopfteil das Geistig-Seelische freiwerden lassen vom physischen Werkzeug, wo wir ein Denken entwickeln, das leibbefreit ist. Ich habe dazumal radikal gesagt: Es ist, wie wenn wir den Kopf in einen Ameisenhaufen hineingesteckt hätten, in dem alles zu quirlen anfängt. So fangen die Gedanken auch an, ein eigenes Leben zu entwickeln und durcheinanderzuspielen. Und wenn wir im gewöhnlichen Leben zwei Gedanken haben und sie verbinden, wie zum Beispiel die zwei Gedanken «Rose» und «rot», so wissen wir, daß wir Herr sind in unserer Gedankenwelt, die Begriffe zu verbinden zu: «die Rose ist rot» und zu der Vorstellung «die rote Rose». Das ist nicht so, wenn wir draußen sind außer dem Leibe. Da bekommen wir in die Gedanken Leben, das Eigenleben der Gedanken. Jeder Gedanke wird zu einem Wesen. Der eine Gedanke läuft zu dem anderen hin, ein anderer läuft von dem anderen fort.

[ 30 ] When we remember, we realize that through our inner life we move from a present experience to a past one. We always have the feeling that we are the ones standing behind the fabric and ebb and flow of our thoughts. This ceases the moment we allow the spiritual-soul aspect in the head region to become free from the physical instrument, the moment we develop a mode of thinking that is liberated from the body. I once put it rather radically: It is as if we had stuck our head into an anthill, where everything begins to swarm. In the same way, thoughts also begin to develop a life of their own and to interplay chaotically. And when in ordinary life we have two thoughts and connect them—such as the two thoughts “rose” and “red”—we know that we are masters in our world of thought, connecting the concepts to form “the rose is red” and the mental image “the red rose.” This is not the case when we are outside the body. There, our thoughts come to life—the independent life of thoughts. Every thought becomes a being. One thought runs toward another, another runs away from the other.

[ 31 ] Also die Gedankenwelt gewinnt ein Eigenleben. Warum gewinnt sie ein Eigenleben? Nun, was wir im gewöhnlichen Denken des Alltags erleben, das sind nur Bilder, nur Schatten von Gedanken. Sie können das schon in meinem Buche «Theosophie» nachlesen. Sobald wir das Denken leibfrei entwickeln, wird jeder Gedanke so wie eine Hülse, und in die Hülse hinein schlüpft ein elementares Wesen. Der Gedanke ist nicht mehr in unserer Gewalt: Wir lassen ihn, wie einen Fühler, hinausgehen in die Welt, und da schlüpft ein elementarisches Wesen hinein. Unsere Gedanken sind so von elementarischen Wesen gleichsam ausgefüllt, und das quirlt und braust, das webt und west in uns. So daß wir sagen können: Wenn wir unseren geistig-seelischen Teil des Kopfes in die geistige Welt hineinstecken — wir haben ihn nur dadurch draußen, daß wir im physischen Kopfe nicht darinnen sind —, wenn wir ihn so hineinstecken in die geistige Welt, dann erleben wir nicht mehr solche Gedanken, wie wir sie erleben in der physischen Welt, sondern wir erleben das Leben von Wesen. Wir stecken unseren Kopf eben, wie ich damals sagte, gleichsam in einen Ameisenhaufen hinein. Wir erleben das Leben von Wesen.

[ 31 ] So the world of thought takes on a life of its own. Why does it take on a life of its own? Well, what we experience in our ordinary, everyday thinking are merely images, mere shadows of thoughts. You can read about this in my book Theosophy. As soon as we develop thinking independently of the body, every thought becomes like a shell, and an elemental being slips into that shell. The thought is no longer under our control: we let it go out into the world like a feeler, and an elemental being slips into it. Our thoughts are thus, as it were, filled with elemental beings, and this swirls and roars, weaves and stirs within us. So that we can say: When we insert the spiritual-soul part of our head into the spiritual world—we have it out there only because we are not inside it in the physical head—when we insert it into the spiritual world in this way, then we no longer experience thoughts as we experience them in the physical world, but we experience the life of beings. We insert our head, as I said back then, as it were, into an anthill. We experience the life of beings.

[ 32 ] So ist es im Grunde genommen bis hinauf zu den Wesenheiten der höchsten Hierarchien. Und wenn wir einen Engel, einen Erzengel, einen Geist der Persönlichkeit erleben wollen, so muß es so sein, daß wir in der geschilderten Weise unsere Gedanken ausstrecken. Das Wesen muß sich einhüllen in unsere Gedanken. Wir schicken unsere Gedanken aus, und das Wesen schlüpft hinein und bewegt sich darinnen. Wenn wir wahrnehmen die Wesen auf der Venus oder auf dem Saturn, so ist es so, daß wir unsere Gedanken hinausschlüpfen lassen, und die Venus- und Saturnwesen hineinschlüpfen. Wir dürfen uns nicht fürchten davor, nicht mehr irdisch-menschliche Gedanken zu haben, sondern Hierarchiengedanken. Wir müssen uns gewöhnen, mit unserem Kopfe in den höheren Hierarchien darinnen zu leben. Wir müssen uns sagen: unser Denken hört auf, und unser Kopf wird der Schauplatz des Wirkens der höheren Hierarchien.

[ 32 ] This is essentially how it is all the way up to the beings of the highest hierarchies. And if we wish to experience an angel, an archangel, or a spirit of personality, we must extend our thoughts in the manner described. The being must envelop itself in our thoughts. We send out our thoughts, and the being slips into them and moves within them. When we perceive the beings on Venus or on Saturn, it is the case that we let our thoughts slip out, and the Venusian and Saturnian beings slip in. We must not fear no longer having earthly-human thoughts, but rather thoughts of the Hierarchy. We must accustom ourselves to living with our minds within the higher Hierarchies. We must tell ourselves: our thinking ceases, and our mind becomes the stage for the activity of the higher Hierarchies.

[ 33 ] Nun ist es so, daß in der Fichte-Schelling-Hegel-Philosophie der Gedanke bis zu seiner reinsten Gedankenklarheit gebracht worden ist im Beginn des 19. Jahrhunderts. Wozu sich der Gedanke aufschwingen kann, das ist in dieser Philosophie wirklich enthalten. Die Aufgabe, bis zu welcher der Gedanke gebracht werden kann, ist da gelöst. Der nächste Schritt aber ist der, daß der Gedanke aus sich herausgeht und man wirklich hineinkommt in das quirlende und webende Leben des Gedankens. So daß wir in der Zeit leben — man kann das sagen —, wo die Menschheit dazu berufen ist, wahrzunehmen die höheren Hierarchien. Hingenommen werden sollen wir von der Welt der höheren Hierarchien, und abstreifen müssen wir die Furcht vor dem Verlieren der Gedanken an das Leben und Weben in den höheren Hierarchien.

[ 33 ] The fact is that in the philosophy of Fichte, Schelling, and Hegel, thought was brought to its purest clarity at the beginning of the 19th century. What thought is capable of aspiring to is truly contained within this philosophy. The task of bringing thought to its highest point has been accomplished there. The next step, however, is for thought to step outside itself so that we can truly enter into the swirling and weaving life of thought. Thus we live in a time—one might say—when humanity is called upon to perceive the higher hierarchies. We are to be received by the world of the higher hierarchies, and we must cast off the fear of losing our thoughts to the life and weaving of the higher hierarchies.

[ 34 ] Das 19. Jahrhundert war ganz ausgefüllt von dieser Furcht, von diesem Schrecken vor dem Leben in den höheren Hierarchien. Dahin haben es die Menschen gebracht, sie wußten es nicht, die Menschen, aber im Grunde genommen haben sie gebetet: Oh, du mein lieber Ahriman — den Ahriman kannten sie nicht, daher hatte das Gebet einen anderen Inhalt —, mein lieber Ahriman, behüte mich davor, daß meine Gedanken beansprucht werden von dem Weben und Leben der höheren Hierarchien; denn sonst könnte ich einmal in den Gedanken statt des Irdischen, was der Kopf ausspekuliert hat, irgendein Uranuswesen haben, ein Jupiter-, Saturn-, ein Sonnenwesen, und dies könnte darinnen quirlen! Sie werden sagen: So hat doch kein Mensch gedacht im 19. Jahrhundert. — Aber ich werde Ihnen doch den Beweis führen, daß Menschen so gedacht haben.

[ 34 ] The 19th century was entirely filled with this fear, this dread of life in the higher hierarchies. That is where people had brought themselves; they did not know it, but deep down they were praying: “Oh, my dear Ahriman”—they did not know Ahriman, so the prayer had a different content—my dear Ahriman, protect me from having my thoughts claimed by the weaving and life of the higher hierarchies; for otherwise I might one day have in my thoughts, instead of the earthly things my mind has speculated out, some Uranus being, a Jupiter, Saturn, or Sun being, and this might swirl about within me! You will say: No one thought that way in the 19th century. — But I will nevertheless provide you with proof that people did think that way.

[ 35 ] Ludwig Feuerbach, ein Philosoph des 19. Jahrhunderts, der ganz besonders bekämpft hat die Unsterblichkeitsidee, bekämpft hat jeden Glauben an eine übersinnliche Welt, weil er diesen Glauben für den Glauben phantastisch-mystischer Träumer hielt und ihn als schädlich für die ganze Menschheit betrachtete, dieser Ludwig Feuerbach hat in seinem Buche «Gedanken über Tod und Unsterblichkeit» folgende Sätze geschrieben. Ich bitte Sie, sich diese ganz besonders gut in die Seele zu schreiben:

[ 35 ] Ludwig Feuerbach, a 19th-century philosopher who fought particularly hard against the idea of immortality and against any belief in a supernatural world—because he regarded such belief as that of a fanciful -mystical fantasy and regarded it as harmful to all of humanity. This Ludwig Feuerbach wrote the following sentences in his book Thoughts on Death and Immortality. I ask you to take these to heart:

«Der tätige, mit den Gegenständen des menschlichen Lebens beschäftigte Mensch hat keine Zeit, an den Tod zu denken, und folglich kein Bedürfnis der Unsterblichkeit; denkt er ja an den Tod, so erblickt er in ihm nur die Mahnung, das ihm zu Teil gewordene Lebenskapital weise anzulegen, die kostbare Zeit nicht an nichtwürdige Dinge zu verschwenden, sondern nur auf Vollendung der Lebensaufgabe, die er sich gesetzt, zu verwenden.»

«Wenn der Mensch erst jenseits der Erde im Himmel auf Uranus oder Saturnus oder wo ihr sonst wollt seine Vollendung fände, so gäbe es keine Philosophie, keine Wissenschaft überhaupt. Statt daß allgemeine, abgezogene Wahrheiten und Wesenheiten Gegenstände unseres Geistes wären, statt der Gedanken, Erkenntnisse, Begriffe, dieser rein geistigen Wesen und Objekte, die jetzt die Bewohner unseres Kopfes sind, wären dann unsere himmlischen Brüder, die Saturnus- und Uranuswesen die Bewohner unseres Kopfes. Statt Mathematik, Logik, Metaphysik hätten wir die genauesten Porträts der Himmelsbewohner. Jene himmlischen Wesen nämlich würden sich zwischen uns und die Gegenstände des Wissens und Denkens hinlagern, sie würden uns den Blick auf jene Objekte versperten, eine ewige vollkommene Sonnenfinsternis in unserem Geiste bewirken.»

Die «Sonne» ist für Feuerbach: sein Gedanke.

“The active person, preoccupied with the affairs of human life, has no time to think about death, and consequently no need for immortality; and even if he does think of death, he sees in it only a reminder to invest the capital of life allotted to him wisely, not to waste precious time on unworthy things, but to devote it solely to the fulfillment of the life’s work he has set for himself.”

“If man were to find his fulfillment only beyond Earth, in heaven on Uranus or Saturn or wherever you will, then there would be no philosophy, no science at all. Instead of general, abstract truths and essences being the objects of our mind, instead of the thoughts, insights, and concepts—these purely spiritual beings and objects that now inhabit our minds—our heavenly brothers, the beings of Saturn and Uranus, would then be the inhabitants of our minds. Instead of mathematics, logic, and metaphysics, we would have the most precise portraits of the heavenly inhabitants. For those celestial beings would interpose themselves between us and the objects of knowledge and thought; they would block our view of those objects, causing an eternal, perfect solar eclipse in our minds.”

For Feuerbach, the “Sun” is: his thought.

[ 36 ] Er hat also das ganze Bild davon, was da geschehen müßte. Er hat aber solch eine heillose Angst davor, daß er zu dem guten Ahriman betet, ihn doch davor zu bewahren, daß der Mensch hier dieses erlangen könnte. Er meint, dann würde keine Mathematik, keine Logik, sondern es würden Saturn- und Uranusbewohner in unserem Kopfe sein.

[ 36 ] So he has the full picture of what ought to happen there. But he is so utterly terrified of it that he prays to the good Ahriman to spare him from the possibility that human beings here might attain this. He believes that then there would be no mathematics, no logic, but rather inhabitants of Saturn and Uranus in our minds.

«Sie wären uns näher und verwandter, als Gedanken, Ideen, Begriffe, denn sie sind ja nicht rein geistige oder abstrakte Wesen wie diese, sondern sinnlich geistige Wesen, Wesen, die nur das Wesen der Einbildungskraft ausdrücken. Unser ganzer Geist wäre dann nur ein Traum, eine Vision der schöneren Zukunft. Derjenige daher, den die Schwere der Vernunft verhindert, auf der Oberfläche des unbegrenzten Oceans der Einbildung umherzuschwimmen, wird erkennen, daß in der Tiefe unseres Geistes, als in einer für sie irrespirablen Luft, das Lebenslicht der Engel und aller sonstigen ähnlichen himmlischen Wesen erlischt... .»

“They would be closer to us and more akin to us than thoughts, ideas, and concepts, for they are not purely spiritual or abstract beings like these, but sensually spiritual beings—beings that express nothing but the essence of the imagination. Our entire mind would then be nothing but a dream, a vision of a more beautiful future. Therefore, whoever is prevented by the weight of reason from swimming on the surface of the boundless ocean of imagination will recognize that in the depths of our mind, as in an atmosphere they cannot breathe, the light of life of the angels and all other similar heavenly beings is extinguished... ."

[ 37 ] Wenn diese Wesen also hineinkämen in die Gedanken, dann wäre unser Geist ein Traum —, schreibt Feuerbach. Er fühlt sich nur sicher im Gebiet der Gedanken; und sollte in diese Gedanken das Wesen der Engel und anderer himmlischer Wesen hineinkommen, dann fühlt er sich unsicher. Das ist das Gebet zu Ahriman: daß er die Menschheit behüten möge vor einer Erkenntnis der geistigen Welten. So geschrieben in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts von Ludwig Feuerbach, dem Gegner jeder spirituellen Weltanschauung. Was bedeutet das? Das bedeutet nichts anderes, als daß die Zeit reif ist, sich zu erheben zu den geistigen Welten; denn man braucht dasjenige, was der Mann da darstellt, nur ernst zu nehmen, so hat man den Weg gefunden in die geistigen Welten hinein. Man braucht es nur nicht durch die Verbindung mit Ahriman zu bekämpfen. Sie sehen also — wenn ich mich so ausdrükken darf —: Am Himmel liegt es nicht, daß die Geisteswissenschaft in unsere Zeitkultur nicht eindringt, denn sie dringt selbst in die Köpfe ihrer Gegner ein. Sie will in die Welt herein. Am Himmel liegt es also nicht; die Götter geben den Menschen die Weisheit: die Geisteswissenschaft kommt herein. Ebenso wie sich die Menschen gewehrt haben unter der Führung Ahrimans, so ist es an uns, uns nicht mehr zu wehren, sondern wirklich den Mut zu haben, mit der Geisteswissenschaft vollen, wahren Ernst zu machen.

[ 37 ] “If these beings were to enter into our thoughts,” writes Feuerbach, “then our spirit would be a dream.” He feels secure only within the realm of thought; and should the essence of angels and other heavenly beings enter into these thoughts, then he feels insecure. This is the prayer to Ahriman: that he may protect humanity from knowledge of the spiritual worlds. So wrote Ludwig Feuerbach, the opponent of any spiritual worldview, in the 1840s. What does this mean? It means nothing other than that the time is ripe to rise up to the spiritual worlds; for one need only take seriously what this man describes, and one has found the path into the spiritual worlds. One simply need not fight it through connection with Ahriman. So you see—if I may put it this way—: It is not in the heavens that Spiritual Science does not penetrate our contemporary culture, for it penetrates even the minds of its opponents. It wants to enter the world. It is not, then, a matter of fate; the gods bestow wisdom upon humanity: Spiritual Science is making its way in. Just as people have resisted under the leadership of Ahriman, so it is up to us to cease resisting and instead truly have the courage to take Spiritual Science with full, genuine seriousness.

[ 38 ] Das muß man sich sagen mit Bezug auf diese Entwickelung des 19. Jahrhunderts. Man muß sagen: Es ist wie in der geistigen Welt vorgezeichnet, daß nach der idealistischen Zeit die spirituelle Zeit kommen solle, und es ist an den Menschen, ihren Sinn und ihr Gemüt zu öffnen, um diese geistige Welt aufzunehmen. Dasjenige, was im eminentesten Sinn eine solche materialistische Weltanschauung war, wie sie in Ludwig Feuerbach den charakteristischen, geistvollen und ungeheuer philosophisch begabten Vertreter gefunden hat, das ist wie ein Ansturm, ein Wehren gegen dasjenige, was in die Menschheit hineinkommen soll. Von oben herunter kommen die geistigen Kräfte. Von unten herauf müssen die Kräfte des Verstehens, die Kräfte des Erkennens auch wirklich kommen. Man kann sagen: es ist ein charakteristischer Ausdruck, den Ludwig Feuerbach für sich selber gefunden hat: Es müßte die Sonnenfinsternis der Seele beginnen, wenn die Gedanken anfangen würden, nicht mehr Gedanken zu sein, sondern wenn die Wesen von Uranus, Venus und Saturn und so weiter dahineinspielen würden, also die höheren Hierarchien. Eine Sonnenfinsternis des Geistes würde da kommen. Eine heillose Furcht haben die Menschen davor gehabt. Aber diese Sonnenfinsternis des Geistes ist nicht bewirkt durch Himmelswesen; die wollen ja gerade ihr Licht in die Menschen bringen. Die Finsternis haben die Menschen bewirkt, indem sie mit Ahriman sich verbunden haben, und dadurch, daß sie eine Wolke der Furcht um sich herum aurisch ausgebreitet haben, haben sie ihre Attacken gegen das Herandringen der geistigen Welt zu vollführen gesucht. Dadurch ist es aber klar, daß die Verfinsterung von den Menschen ausgegangen ist, und man muß auch sagen, diese Verfinsterung hat die Menschen immer mehr und mehr ergriffen, diese Trübung eines freien, der Helligkeit des Geistes entgegengehenden Erkennens.

[ 38 ] This is what one must say with regard to this development of the 19th century. One must say: It is as if it were predestined in the spiritual world that the spiritual age should follow the idealistic age, and it is up to human beings to open their minds and hearts to receive this spiritual world. That which was, in the most eminent sense, a materialistic worldview—as exemplified by Ludwig Feuerbach, its characteristic, spirited, and immensely philosophically gifted representative—is like an onslaught, a resistance against that which is meant to enter into humanity. The spiritual forces descend from above. The forces of understanding and the forces of cognition must truly rise up from below. One might say: it is a characteristic expression that Ludwig Feuerbach found for himself: A solar eclipse of the soul would have to begin if thoughts were to cease being thoughts, but instead the beings of Uranus, Venus, and Saturn and so on were to intervene—that is, the higher hierarchies. A solar eclipse of the spirit would then occur. People have had a hopeless fear of this. But this eclipse of the spirit is not caused by celestial beings; they, after all, want to bring their light into human beings. Human beings have brought about this darkness by uniting with Ahriman, and by spreading a cloud of fear around themselves aurically, they have sought to carry out their attacks against the spiritual world’s penetration. It is thus clear, however, that the eclipse originated with human beings, and it must also be said that this eclipse has gripped people more and more—this clouding of a free cognition that reaches out toward the brightness of the spirit.

[ 39 ] Das ist es, was die Menschen selber sich bereitet haben, und so kann man sehen, wie im Laufe des 19. Jahrhunderts eine gewisse Liebe, eine Sympathie für alle kurzen, unkonsequenten Gedanken aufgetreten ist, für alles das, was nicht zu Ende gedacht zu werden braucht. Für alles das ist eine Vorliebe, eine Sympathie aufgetreten, wofür man sich nicht endgültig Rechenschaft ablegen will. Ein unbefangenes, voraussetzungsloses Erkennen und Denken liebte man immer weniger und weniger, und daher ist es nicht zu verwundern, wenn allmählich dieses Lieben des Nebulosen, des Unklaren, des gedanklich Nichtfertigen, sogar einen moralisch anfechtbaren Charakter im öffentlichen Leben angenommen hat. Indem aber dieser Charakter begünstigt wird, wird die Sympathie für das Gedankenleben stumpf, was dann auch übergeht in das allgemeine Verhalten. Dadurch wird ja eine Hauptgegenkraft gegen die nach allseitiger Klarheit ringende Geisteswissenschaft ganz besonders herausgestellt.

[ 39 ] This is what people have brought upon themselves, and so one can see how, over the course of the 19th century, a certain fondness, a sympathy for all brief, inconsistent thoughts has emerged—for everything that does not need to be thought through to its conclusion. A preference, a sympathy has arisen for all that for which one does not wish to give a final account. An unbiased, unconditional recognition and thinking was loved less and less, and therefore it is not surprising that gradually this love of the nebulous, the unclear, the intellectually unfinished, has even taken on a morally questionable character in public life. But as this character is favored, sympathy for intellectual life becomes dulled, which then also spills over into general behavior. This particularly highlights a major counterforce against Spiritual Science, which strives for clarity on all sides.

[ 40 ] Die Geisteswissenschaft muß überall wirklich zu den konsequenten, zu den fertigen, nicht zu den halben Gedanken Sympathie und Liebe haben; sie muß nicht im Unklaren und Finstern stehenbleiben wollen, sondern überall nach dem gehen, was in der Weite Licht verbreitet, nicht bloß in der Enge ein Scheinlicht verbreitet. Und in dieser Beziehung werden wir vieles, vieles noch durchzukämpfen haben. Man kann gerade auf solchen Gebieten recht sonderbare Erfahrungen machen, wenn einen das Karma gerade im richtigen Moment zu diesen Erfahrungen bringt. Und das tut es ja. Sehen Sie, vor einigen Jahren konnten Sie in einer Zeitschrift, die sich «Hochland» nennt, einen Artikel lesen, der gegen unsere geisteswissenschaftliche Weltanschauung gerichtet war, der alles mögliche törichte Zeug gegen unsere Geisteswissenschaft anführte. Nun hat gerade dieser Artikel in der Zeitschrift «Hochland» einigen Staub aufgewirbelt. Er ist viel gelesen worden, und man hielt den Verfasser für einen besonders hervorragenden Philosophen, insbesondere da die Zeitschrift «Hochland» auch alles getan hatte, um die Welt darauf hinzuweisen, daß sie in dem Dr. Lutoslawski, dem Schreiber dieses Artikels, einen tüchtigen Philosophen gewonnen habe, den sie ins Feld führen könne gegen die Geisteswissenschaft.

[ 40 ] Spiritual Science must truly have sympathy and love for consistent, fully formed thoughts, not for half-formed ones; it must not wish to remain in obscurity and darkness, but must seek out wherever light is spread far and wide, not merely a dim glow in a confined space. And in this regard, we will still have much, much to fight through. One can have quite strange experiences in precisely such areas when karma brings one to these experiences at just the right moment. And indeed it does. You see, a few years ago you could read an article in a magazine called “Hochland” that was directed against our spiritual-scientific worldview, citing all sorts of foolish nonsense against our Spiritual Science. Now, this very article in the magazine “Hochland” stirred up quite a bit of dust. It was widely read, and the author was regarded as a particularly outstanding philosopher, especially since the magazine “Hochland” had also done everything in its power to point out to the world that in Dr. Lutoslawski, the writer of this article, it had gained a capable philosopher whom it could field against Spiritual Science.

[ 41 ] Nun hat sich aber in der letzten Zeit das Folgende zugetragen: Jener Dr. Lutoslawski hat an den Herausgeber des «Hochland», an Karl Muth Briefe geschrieben, die demselben so wenig gefallen, daß er sagt: Bei uns — also in seinem Lande — würden höchstens die Insassen von Irrenhäusern solch tolles Zeug schreiben, wie in diesen Briefen steht. — Und er veröffentlicht nun in den «Süddeutschen Monatsheften» die Ausführungen, die der Philosoph gemacht hat. Worauf sich diese beziehen, darauf wollen wir hier nicht eingehen, ich will nur auf die Tatsache aufmerksam machen, daß derselbe Mann, der das sagt, hinzufügen muß: Indem ich diesen Brief von Lutoslawski veröffentliche, dürfte es zweckmäßig sein, dessen persönliche Beziehungen kennenzulernen. — Nun gibt er über ihn merkwürdige biographische Aufschlüsse und veröffentlicht dann von ihm einen Brief, von dem er sagt, daß solche Auslassungen höchstens von einem von innerlichem Haß Erfüllten zu erwarten sind.

[ 41 ] Recently, however, the following has come to light: That Dr. Lutoslawski has written letters to the editor of Hochland, Karl Muth, which the latter dislikes so much that he says: In our country—that is, in his country—only the inmates of insane asylums would write such crazy stuff as is contained in these letters. — And he is now publishing in the “Süddeutsche Monatshefte” the remarks made by the philosopher. We will not go into what these remarks refer to here; I merely wish to draw attention to the fact that the very man who says this must add: “In publishing this letter from Lutoslawski, it might be appropriate to learn about his personal connections.” — Now he provides curious biographical details about him and then publishes a letter from him, about which he says that such omissions can be expected at most from someone filled with inner hatred.

[ 42 ] Also vor solchem Faktum kann man stehen, daß der Herausgeber der Zeitschrift «Hochland» denselben Mann, den er jetzt abschüttelt, gebraucht hat als Sturmbock gegen die geisteswissenschaftliche Weltanschauung. Ich glaube nämlich, wenn einer einmal ein Narr genannt werden darf, dann hat man das Recht, ihn für einen Menschen zu halten, der auch in anderer Beziehung wie ein Narr redet. Und konsequent würde es von dem Herausgeber der Zeitschrift sein, wenn er nun sagen würde: Also, es folgt daraus, daß ich damals von einem so närrischen Kerl die Theosophie Dr. Steiners habe verurteilen lassen. — Davor wird er sich hüten. Man hat eben keine Sympathie für die wirkliche Konsequenz, da wo die Konsequenz sich über das Leben ausbreiten soll.

[ 42 ] So one is faced with the fact that the editor of the journal Hochland used the very man he is now casting aside as a battering ram against the worldview of Spiritual Science. For I believe that if someone may be called a fool once, then one has the right to regard him as a person who speaks like a fool in other respects as well. And it would be consistent of the editor of the journal if he were now to say: “Well, it follows from this that I had Dr. Steiner’s theosophy condemned back then by such a foolish fellow.” — He will be careful not to do that. People simply have no sympathy for true consistency where that consistency is supposed to extend into life.

[ 43 ] Man bekommt aber durch solche Dinge nun auch ein Gefühl dafür, wo eigentlich zumeist die Ursprünge liegen derjenigen Kräfte, die sich der Theosophie, der Geisteswissenschaft entgegenstellen, so wie sie in echt wissenschaftlichem Sinn von uns gepflegt werden will.

[ 43 ] However, such things do give one a sense of where the origins of those forces that oppose theosophy and Spiritual Science—as we seek to cultivate them in a truly scientific sense—actually lie for the most part.

[ 44 ] Ich habe diese Erscheinung herausgehoben, weil sie mir das Karma gerade in den letzten Tagen zugeführt hat. Es ist ja merkwürdig, dieses Karma. Man geht an einer Buchhandlung vorbei. Jemand, der mit einem geht, der wahrscheinlich gar nicht einmal den Gedanken hat, daß da etwas Besonderes vorliegt, deutet mit dem Finger auf ein Heft im Schaufenster. Ich gehe in die Buchhandlung, kaufe mir das Heft, und darinnen steht das Zeug. Es gibt, auch schon für die gewöhnlichen Alltagserlebnisse, eine gute Führung des Karma. Aus dem Inhaltsverzeichnis, das außen auf dem Heft steht, ist nicht ersichtlich, daß dieser Artikel darinnen ist, der den Verfasser in ein so merkwürdiges Licht stellt.

[ 44 ] I’ve highlighted this incident because karma has brought it to me, especially in the last few days. It’s strange, this karma. You walk past a bookstore. Someone walking with you, who probably doesn’t even think there’s anything special about it, points to a magazine in the window. I go into the bookstore, buy the magazine, and there it is. Even for ordinary everyday experiences, there is a good guidance of karma. From the table of contents printed on the outside of the magazine, it is not apparent that this article is inside, the one that casts the author in such a strange light.

[ 45 ] Und man könnte viele, viele solche Dinge jetzt vor Ihre Seelen führen. Aber Sie werden verstehen, daß im Zusammenhange mit dem, was ich soeben gesagt habe, wirklich die Verantwortung immer größer und größer wird, die jedem von uns auferlegt ist in bezug auf solche Dinge, wie er auch sonst darüber denken mag. Keiner hat nötig, auf irgendeine Autorität hin diese oder jene Gedanken zu haben, diese oder jene Urteile zu bilden. Über diesen Artikel könnte selbstverständlich jeder anders denken, ohne daß das Denken irgendwie eine besondere Richtung zu bekommen hat. Was nötig ist, das ist, daß unser Verantwortungsgefühl immer größer und größer wird und daß wir immer mehr und mehr sehen, daß wir alles tun müssen, um die Wege zu finden, wie die Geisteswissenschaft in die heutige Weltkultur eingeführt werden kann. Und manche von den Dingen, die geschehen sind in den letzten Zeiten im Zusammenhang mit den großen Weltereignissen, die machen es dringend notwendig, daß in der nächsten Zeit manches, was liegengeblieben ist, wirklich zur Veröffentlichung kommt.

[ 45 ] And one could now present many, many such examples to your minds. But you will understand that, in light of what I have just said, the responsibility placed upon each of us regarding such matters is truly growing ever greater, regardless of what one might otherwise think about them. No one needs to rely on any authority to have this or that thought, or to form this or that judgment. Of course, everyone could think differently about this article without their thinking necessarily taking a particular direction. What is necessary is that our sense of responsibility grows ever greater and that we increasingly realize that we must do everything possible to find ways to introduce Spiritual Science into today’s world culture. And some of the things that have happened in recent times in connection with the great world events make it urgently necessary that, in the near future, some of what has been left undone actually be published.

[ 46 ] Das sind Dinge, die ich anführen wollte in unserer Betrachtung, um zu zeigen, wie im Laufe des 19. Jahrhunderts die Gedanken durch Ahriman dazu Anlaß gaben, die geistige Welt hinwegzuleugnen, wie sie aber selbst in den Gedanken dieser sie Leugnenden gewirkt hat, weil es an der Zeit ist. «Es ist an der Zeit»: dieses Wort aus Goethes Märchen ist da am Platze.

[ 46 ] These are the points I wanted to raise in our discussion to show how, over the course of the 19th century, Ahriman’s influence led people to deny the spiritual world, yet how he himself was at work even in the thoughts of those who denied it, because the time has come. “The time has come”: this phrase from Goethe’s fairy tale is fitting here.

[ 47 ] Das muß bestätigt werden in der nächsten Zeit.

[ 47 ] This needs to be confirmed in the near future.