Artistic and Existential Questions
in the Light of Spiritual Science
GA 162
24 July 1915, Dornach
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Achter Vortrag
Achter Vortrag
[ 1 ] Im Grunde streben die Menschen zunächst, indem sie an die geisteswissenschaftliche Weltanschauung herankommen, nach der Beantwortung von Fragen, nach der Lösung von Rätseln. Das ist ganz begreiflich und natürlich, und man kann auch sagen, gerechtfertigt. Aber ein anderes muß noch hinzukommen, wenn die geisteswissenschaftliche Bewegung wirklich das Lebendige werden soll, das sie nach dem allgemeinen Gang der Erden- und Menschheitsentwickelung eigentlich werden muß. Es muß hinzukommen vor allen Dingen ein gewisses Gefühl, eine gewisse Empfindung, daß sich, je mehr man strebt in die geistige Welt hineinzukommen, um so mehr die Rätsel häufen; daß die Rätsel geradezu mehr werden, als sie vorher für die menschliche Seele gewesen sind, und daß sie in gewisser Beziehung heiliger werden, diese großen Lebensrätsel, deren Vorhandensein wir ja vorher schon ahnen, die uns aber, so wie sie sind, selbst erst aufgehen, auch als Rätsel, wenn wir in die geisteswissenschaftliche Weltanschauung hineinkommen.
[ 1 ] Im Grunde streben die Menschen zunächst, indem sie an die geisteswissenschaftliche Weltanschauung herankommen, nach der Beantwortung von Fragen, nach der Lösung von Rätseln. Das ist ganz begreiflich und natürlich, und man kann auch sagen, gerechtfertigt. Aber ein anderes muß noch hinzukommen, wenn die geisteswissenschaftliche Bewegung wirklich das Lebendige werden soll, das sie nach dem allgemeinen Gang der Erden- und Menschheitsentwickelung eigentlich werden muß. Es muß hinzukommen vor allen Dingen ein gewisses Gefühl, eine gewisse Empfindung, daß sich, je mehr man strebt in die geistige Welt hineinzukommen, um so mehr die Rätsel häufen; daß die Rätsel geradezu mehr werden, als sie vorher für die menschliche Seele gewesen sind, und daß sie in gewisser Beziehung heiliger werden, diese großen Lebensrätsel, deren Vorhandensein wir ja vorher schon ahnen, die uns aber, so wie sie sind, selbst erst aufgehen, auch als Rätsel, wenn wir in die geisteswissenschaftliche Weltanschauung hineinkommen.
[ 2 ] Nun ist ja eines der größten Rätsel, die mit der Erden- und Menschheitsentwickelung zusammenhängen, das Christus-Rätsel, das Rätsel des Christus Jesus. Und in bezug auf dieses Rätsel können wir allerdings ja nur hoffen, gewissermaßen langsam vorwärts zu dringen zu seiner eigentlichen Tiefe und Heiligkeit. Das heißt, wir können hoffen, nach und nach, in unseren zukünftigen Inkarnationen immer mehr und mehr zu empfinden, in welch hohem Sinne, in welch außerordentlichem Sinne dieses Christus-Rätsel ein Rätsel ist. Wir müssen nicht nur hoffen, daß uns manches in bezug auf das Christus-Rätsel gelöst werde, sondern wir müssen auch hoffen, daß manches von dem, was wir bisher als rätselhaft empfunden haben gegenüber dem Eintreten der Christus-Wesenheit in die Menschheitsentwickelung, noch schwieriger wird, daß sich zu dem noch manches andere hinzu ergibt, was uns in bezug auf das Mysterium von Golgatha neue Rätsel oder, wenn man lieber will, neue Seiten dieses großen Rätsels bringt.
[ 2 ] Nun ist ja eines der größten Rätsel, die mit der Erden- und Menschheitsentwickelung zusammenhängen, das Christus-Rätsel, das Rätsel des Christus Jesus. Und in bezug auf dieses Rätsel können wir allerdings ja nur hoffen, gewissermaßen langsam vorwärts zu dringen zu seiner eigentlichen Tiefe und Heiligkeit. Das heißt, wir können hoffen, nach und nach, in unseren zukünftigen Inkarnationen immer mehr und mehr zu empfinden, in welch hohem Sinne, in welch außerordentlichem Sinne dieses Christus-Rätsel ein Rätsel ist. Wir müssen nicht nur hoffen, daß uns manches in bezug auf das Christus-Rätsel gelöst werde, sondern wir müssen auch hoffen, daß manches von dem, was wir bisher als rätselhaft empfunden haben gegenüber dem Eintreten der Christus-Wesenheit in die Menschheitsentwickelung, noch schwieriger wird, daß sich zu dem noch manches andere hinzu ergibt, was uns in bezug auf das Mysterium von Golgatha neue Rätsel oder, wenn man lieber will, neue Seiten dieses großen Rätsels bringt.
[ 3 ] Nun kann auch hier immer nur darauf Anspruch gemacht werden, gewissermaßen von da oder dort her dieses große Rätsel zu beleuchten, und ich bitte Sie durchaus, sich klar zu sein darüber, daß das nur immer, ich möchte sagen, einzelne Lichtströmungen sind, die aus dem Umkreise menschlicher Anschauung auf dieses größte Rätsel des menschlichen Erdendaseins geworfen werden, und daß sie wirklich nicht dieses Rätsel erschöpfen wollen, sondern es nur von verschiedenen Seiten her beleuchten sollen. Und so sei zu dem, was schon gesagt worden ist, auch hier noch einiges hinzugefügt, das uns wiederum eine Seite des Rätsels vom Mysterium von Golgatha nahelegen kann.
[ 3 ] Nun kann auch hier immer nur darauf Anspruch gemacht werden, gewissermaßen von da oder dort her dieses große Rätsel zu beleuchten, und ich bitte Sie durchaus, sich klar zu sein darüber, daß das nur immer, ich möchte sagen, einzelne Lichtströmungen sind, die aus dem Umkreise menschlicher Anschauung auf dieses größte Rätsel des menschlichen Erdendaseins geworfen werden, und daß sie wirklich nicht dieses Rätsel erschöpfen wollen, sondern es nur von verschiedenen Seiten her beleuchten sollen. Und so sei zu dem, was schon gesagt worden ist, auch hier noch einiges hinzugefügt, das uns wiederum eine Seite des Rätsels vom Mysterium von Golgatha nahelegen kann.
[ 4 ] Sie erinnern sich an den weithin leuchtenden Ausspruch des Jahve-Gottes, der im Beginne der biblischen Urkunde steht, nachdem der Sündenfall geschehen war. Da wird gesagt, daß nunmehr die Menschen genossen haben von dem Baume der Erkenntnis des Guten und des Bösen, und daß sie aus ihrem bisherigen Aufenthaltsorte deshalb entfernt werden müssen, damit sie nicht auch von dem Baume des Lebens essen. Der Baum des Lebens muß geschützt werden gewissermaßen vor dem Angefressenwerden von den Menschen, die schon von dem Baume der Erkenntnis genossen haben.
[ 4 ] Sie erinnern sich an den weithin leuchtenden Ausspruch des Jahve-Gottes, der im Beginne der biblischen Urkunde steht, nachdem der Sündenfall geschehen war. Da wird gesagt, daß nunmehr die Menschen genossen haben von dem Baume der Erkenntnis des Guten und des Bösen, und daß sie aus ihrem bisherigen Aufenthaltsorte deshalb entfernt werden müssen, damit sie nicht auch von dem Baume des Lebens essen. Der Baum des Lebens muß geschützt werden gewissermaßen vor dem Angefressenwerden von den Menschen, die schon von dem Baume der Erkenntnis genossen haben.
[ 5 ] Nun verbirgt sich hinter diesem Doppelursprung von dem Genusse des Baumes der Erkenntnis des Guten und Bösen einerseits, und von dem Genusse des Baumes des Lebens andererseits, etwas tief in das Leben Einschneidendes. Wir wollen heute einmal eine der vielen Anwendungen dieses Ausspruches auf das Leben ins Auge fassen, wir wollen uns einmal vor die Seele führen, was wir längst wissen: daß? das Mysterium von Golgatha, so wie es sich innerhalb der irdischen Geschichtsentwickelung vollzogen hat, in den vierten nachatlantischen Zeitraum hineingefallen ist, hineingefallen ist in die griechisch-lateinische Zeit.
[ 5 ] Nun verbirgt sich hinter diesem Doppelursprung von dem Genusse des Baumes der Erkenntnis des Guten und Bösen einerseits, und von dem Genusse des Baumes des Lebens andererseits, etwas tief in das Leben Einschneidendes. Wir wollen heute einmal eine der vielen Anwendungen dieses Ausspruches auf das Leben ins Auge fassen, wir wollen uns einmal vor die Seele führen, was wir längst wissen: daß? das Mysterium von Golgatha, so wie es sich innerhalb der irdischen Geschichtsentwickelung vollzogen hat, in den vierten nachatlantischen Zeitraum hineingefallen ist, hineingefallen ist in die griechisch-lateinische Zeit.
[ 6 ] Wir wissen ja, dieses Mysterium von Golgatha liegt so ungefähr nach der Vollendung des ersten Drittels der griechisch-lateinischen Zeit, und zwei Drittel dieser griechisch-lateinischen Zeit folgen hinterher, um der ersten Einverleibung des Geheimnisses des Mysteriums von Golgatha in die Menschheitsentwickelung zu dienen.
[ 6 ] Wir wissen ja, dieses Mysterium von Golgatha liegt so ungefähr nach der Vollendung des ersten Drittels der griechisch-lateinischen Zeit, und zwei Drittel dieser griechisch-lateinischen Zeit folgen hinterher, um der ersten Einverleibung des Geheimnisses des Mysteriums von Golgatha in die Menschheitsentwickelung zu dienen.
[ 7 ] Nun müssen wir zweierlei in bezug auf dieses Mysterium von Golgatha unterscheiden. Das eine ist dasjenige, was geschehen ist an reinen Tatsächlichkeiten; kurz, dasjenige, was geschehen ist als der Eintritt des kosmischen Wesens Christus in das Gebiet der Erdenentwickelung. Es wäre hypothetisch möglich, können wir sagen, es wäre denkbar, daß sich dieses Mysterium von Golgatha, das heißt der Eintritt des Impulses des Christus in die Erdenentwickelung, abgespielt hätte, ohne daß irgend jemand von den Menschen auf der Erde verstanden hätte oder vielleicht sogar nur gewußt hätte, was da geschehen ist. Es hätte ganz gut sein können, daß das Mysterium von Golgatha geschehen wäre, aber den Menschen unbewußt geblieben wäre, daß kein Mensch hätte daran denken können, sich zu enträtseln, was da eigentlich geschehen ist.
[ 7 ] Nun müssen wir zweierlei in bezug auf dieses Mysterium von Golgatha unterscheiden. Das eine ist dasjenige, was geschehen ist an reinen Tatsächlichkeiten; kurz, dasjenige, was geschehen ist als der Eintritt des kosmischen Wesens Christus in das Gebiet der Erdenentwickelung. Es wäre hypothetisch möglich, können wir sagen, es wäre denkbar, daß sich dieses Mysterium von Golgatha, das heißt der Eintritt des Impulses des Christus in die Erdenentwickelung, abgespielt hätte, ohne daß irgend jemand von den Menschen auf der Erde verstanden hätte oder vielleicht sogar nur gewußt hätte, was da geschehen ist. Es hätte ganz gut sein können, daß das Mysterium von Golgatha geschehen wäre, aber den Menschen unbewußt geblieben wäre, daß kein Mensch hätte daran denken können, sich zu enträtseln, was da eigentlich geschehen ist.
[ 8 ] So sollte es ja eben nicht sein. Es sollte allmählich der Erdenmenschheit auch das Verständnis für dasjenige aufgehen, was durch das Mysterium von Golgatha geschehen ist. Aber daraus müssen wir doch ersehen, daß es zweierlei ist: dasjenige, was der Mensch als Wissen, als innere Verarbeitung in seine Seele aufnimmt, und das, was objektiv im Menschengeschlechte geschehen ist und was sich von diesem Menschengeschlechte, insofern es dem Wissen dieses Menschengeschlechtes angehört, unabhängig weiß. Nun, es versuchten die Menschen dasjenige, was da geschehen war durch das Mysterium von Golgatha, zu begreifen.
[ 8 ] So sollte es ja eben nicht sein. Es sollte allmählich der Erdenmenschheit auch das Verständnis für dasjenige aufgehen, was durch das Mysterium von Golgatha geschehen ist. Aber daraus müssen wir doch ersehen, daß es zweierlei ist: dasjenige, was der Mensch als Wissen, als innere Verarbeitung in seine Seele aufnimmt, und das, was objektiv im Menschengeschlechte geschehen ist und was sich von diesem Menschengeschlechte, insofern es dem Wissen dieses Menschengeschlechtes angehört, unabhängig weiß. Nun, es versuchten die Menschen dasjenige, was da geschehen war durch das Mysterium von Golgatha, zu begreifen.
[ 9 ] Wir wissen ja, daß die Evangelisten nicht nur aus einer gewissen Hellsichtigkeit die Aufzeichnungen über das Mysterium von Golgatha gemacht haben, die wir in den Evangelien finden, wir sollten wissen, daß auch versucht worden ist, mit den Mitteln der Erkenntnis, die die Menschen vor dem Mysterium von Golgatha gehabt haben, dieses Mysterium von Golgatha zu begreifen. Wir wissen, daß seit dem Mysterium von Golgatha nicht nur die Mitteilungen über die Sache unter die Menschen gekommen sind, sondern auch eine neutestamentliche Theologie in ihren verschiedenen Verzweigungen. Diese neutestamentliche Theologie hat, wie das selbstverständlich ist, die Begriffe, die die Menschen gehabt haben, verwendet, um sich zu fragen: was ist da eigentlich geschehen mit dem Mysterium von Golgatha, was hat sich da vollzogen?
[ 9 ] Wir wissen ja, daß die Evangelisten nicht nur aus einer gewissen Hellsichtigkeit die Aufzeichnungen über das Mysterium von Golgatha gemacht haben, die wir in den Evangelien finden, wir sollten wissen, daß auch versucht worden ist, mit den Mitteln der Erkenntnis, die die Menschen vor dem Mysterium von Golgatha gehabt haben, dieses Mysterium von Golgatha zu begreifen. Wir wissen, daß seit dem Mysterium von Golgatha nicht nur die Mitteilungen über die Sache unter die Menschen gekommen sind, sondern auch eine neutestamentliche Theologie in ihren verschiedenen Verzweigungen. Diese neutestamentliche Theologie hat, wie das selbstverständlich ist, die Begriffe, die die Menschen gehabt haben, verwendet, um sich zu fragen: was ist da eigentlich geschehen mit dem Mysterium von Golgatha, was hat sich da vollzogen?
[ 10 ] Wir haben es öfter betrachtet, wie insbesondere die griechische Philosophie, dasjenige, was als griechische Philosophie sich ausgebildet hat, namentlich in Plato und Aristoteles, wie die Vorstellungen der griechischen Philosophie bemüht waren — ebenso, wie sie bemüht waren, die Natur um sich herum zu begreifen —, auch das zu begreifen, was durch das Mysterium von Golgatha geschehen ist. Und so, können wir sagen, tritt auf der einen Seite objektiv das Mysterium von Golgatha ein, und auf der anderen Seite, ihm entgegenkommend, sind die verschiedenen Weltanschauungen, die man seit Urzeiten ausgebildet hatte und die bis zu der Zeit, in der das Mysterium von Golgatha stattfand, eine gewisse Ausbildung erfahren haben und sich dann weiterentwickeln.
[ 10 ] Wir haben es öfter betrachtet, wie insbesondere die griechische Philosophie, dasjenige, was als griechische Philosophie sich ausgebildet hat, namentlich in Plato und Aristoteles, wie die Vorstellungen der griechischen Philosophie bemüht waren — ebenso, wie sie bemüht waren, die Natur um sich herum zu begreifen —, auch das zu begreifen, was durch das Mysterium von Golgatha geschehen ist. Und so, können wir sagen, tritt auf der einen Seite objektiv das Mysterium von Golgatha ein, und auf der anderen Seite, ihm entgegenkommend, sind die verschiedenen Weltanschauungen, die man seit Urzeiten ausgebildet hatte und die bis zu der Zeit, in der das Mysterium von Golgatha stattfand, eine gewisse Ausbildung erfahren haben und sich dann weiterentwickeln.
[ 11 ] Woher waren diese Vorstellungen denn gekommen? Wir wissen ja, daß alle diese Vorstellungen, auch noch diejenigen, die in der griechischen Philosophie lebten und von der Erde aus dem Mysterium von Golgatha entgegengingen, von uralten Wissenschaften herrühren, von jenen Wissenschaften, welche sich den Menschen nicht hätten bieten können, wenn nicht, sagen wir, eine Uroffenbarung vorhanden gewesen wäre. Denn es ist nicht nur eine materialistische, sondern geradezu eine unsinnige Vorstellung, daß das, was in der Zeit des Mysteriums von Golgatha zur Philosophie verdünnt vorhanden war, an seiner Ausgangsstelle von den Menschen selber hätte gebildet werden können. Es ist Uroffenbarung, welche, wie wir wissen, gebildet worden ist in einer Zeit, in welcher die Menschen noch die Reste des uralten Hellsehens hatten; Uroffenbarung, welche zum großen Teile in alten Zeiten in bildhafter, in imaginativer Form den Menschen gegeben worden war, und welche sich eben zu Begriffen verdünnt hatte in der Zeit, in der das Mysterium von Golgatha eintrat, in der griechisch-lateinischen Zeit. Da konnte man entstehen sehen in uralten Zeiten einen intensiven Strom von Uroffenbarung, der den Menschen gegeben werden konnte aus dem Grunde, weil diese Menschen noch die letzten Reste des alten Hellsehens hatten, das zu dem alten Verständnisse der Menschen sprach, und das dann allmählich verstrohte, das heißt vertrocknete in der Philosophie.
[ 11 ] Woher waren diese Vorstellungen denn gekommen? Wir wissen ja, daß alle diese Vorstellungen, auch noch diejenigen, die in der griechischen Philosophie lebten und von der Erde aus dem Mysterium von Golgatha entgegengingen, von uralten Wissenschaften herrühren, von jenen Wissenschaften, welche sich den Menschen nicht hätten bieten können, wenn nicht, sagen wir, eine Uroffenbarung vorhanden gewesen wäre. Denn es ist nicht nur eine materialistische, sondern geradezu eine unsinnige Vorstellung, daß das, was in der Zeit des Mysteriums von Golgatha zur Philosophie verdünnt vorhanden war, an seiner Ausgangsstelle von den Menschen selber hätte gebildet werden können. Es ist Uroffenbarung, welche, wie wir wissen, gebildet worden ist in einer Zeit, in welcher die Menschen noch die Reste des uralten Hellsehens hatten; Uroffenbarung, welche zum großen Teile in alten Zeiten in bildhafter, in imaginativer Form den Menschen gegeben worden war, und welche sich eben zu Begriffen verdünnt hatte in der Zeit, in der das Mysterium von Golgatha eintrat, in der griechisch-lateinischen Zeit. Da konnte man entstehen sehen in uralten Zeiten einen intensiven Strom von Uroffenbarung, der den Menschen gegeben werden konnte aus dem Grunde, weil diese Menschen noch die letzten Reste des alten Hellsehens hatten, das zu dem alten Verständnisse der Menschen sprach, und das dann allmählich verstrohte, das heißt vertrocknete in der Philosophie.
[ 12 ] So war also eine Philosophie eben da, eine Weltanschauung war da in vielen, vielen Schattierungen und Nuancen, und diese Schattierungen und Nuancen versuchten in ihrer Art, das Mysterium von Golgatha zu verstehen. Wenn wir die letzten Ausläufer ins Auge fassen wollen, sehen wollen, was dazumal also zu einer Weltanschauung sich verdünnte, die mehr philosophisch war, wenn wir die letzten Ausläufer davon betrachten wollen, so kommen wir etwa auf dasjenige, was im alten Römertum, in der römischen Zeit gelebt hat.
[ 12 ] So war also eine Philosophie eben da, eine Weltanschauung war da in vielen, vielen Schattierungen und Nuancen, und diese Schattierungen und Nuancen versuchten in ihrer Art, das Mysterium von Golgatha zu verstehen. Wenn wir die letzten Ausläufer ins Auge fassen wollen, sehen wollen, was dazumal also zu einer Weltanschauung sich verdünnte, die mehr philosophisch war, wenn wir die letzten Ausläufer davon betrachten wollen, so kommen wir etwa auf dasjenige, was im alten Römertum, in der römischen Zeit gelebt hat.
[ 13 ] Mit dieser römischen Zeit meine ich diejenige Zeit, die etwa mit dem Mysterium von Golgatha, also mit der Regierung des Kaisers Augustus beginnt und die allmählich über die römische Kaiserzeit hin abflutet, bis die Völkerwanderung und dasjenige, was als Wirkung der Völkerwanderung eintritt, der europäischen Welt ein anderes Antlitz gegeben hat. Was wir in dieser Zeit aufflackern sehen wie ein letztes großes Licht der von der Uroffenbarung herkommenden Strömung, das ist die bis in unsere Zeit im Jugendunterricht eine so große Rolle spielende lateinisch-römische Poesie; das ist alles dasjenige, was sich als Fortsetzung dieser lateinisch-römischen Poesie bis zum Untergange des alten Römertums entwickelt hat. In dieses Römertum hinein hatten sich alle möglichen Nuancen von Weltanschauungen geflüchtet. Dieses Römertum war keine Einheit. Es breitete sich aus über zahlreiche Sekten, über zahlreiche religiöse Anschauungen und konnte eine gewisse Gemeinsamkeit dieser Vielheit nur dadurch entwickeln, daß sich das eigentliche Römertum gewissermaßen bis in die äußerlichen Abstraktionen zurückzog.
[ 13 ] Mit dieser römischen Zeit meine ich diejenige Zeit, die etwa mit dem Mysterium von Golgatha, also mit der Regierung des Kaisers Augustus beginnt und die allmählich über die römische Kaiserzeit hin abflutet, bis die Völkerwanderung und dasjenige, was als Wirkung der Völkerwanderung eintritt, der europäischen Welt ein anderes Antlitz gegeben hat. Was wir in dieser Zeit aufflackern sehen wie ein letztes großes Licht der von der Uroffenbarung herkommenden Strömung, das ist die bis in unsere Zeit im Jugendunterricht eine so große Rolle spielende lateinisch-römische Poesie; das ist alles dasjenige, was sich als Fortsetzung dieser lateinisch-römischen Poesie bis zum Untergange des alten Römertums entwickelt hat. In dieses Römertum hinein hatten sich alle möglichen Nuancen von Weltanschauungen geflüchtet. Dieses Römertum war keine Einheit. Es breitete sich aus über zahlreiche Sekten, über zahlreiche religiöse Anschauungen und konnte eine gewisse Gemeinsamkeit dieser Vielheit nur dadurch entwickeln, daß sich das eigentliche Römertum gewissermaßen bis in die äußerlichen Abstraktionen zurückzog.
[ 14 ] Das aber ist es auch, was uns erkennen läßt, wie sich in diesem Römertum, in das sich das Christentum hineinbewegte als ein neuer Impuls, wie sich in diesem sich hinziehenden Römertum eben etwas Verstrohendes zum Ausdrucke bringt. Wir sehen, wie dieses Römertum bemüht ist, intensiv bemüht ist, hereinzubekommen in seine Begriffe dasjenige, was hinter dem Mysterium von Golgatha steht, wie man versucht, auf jede mögliche Art heranzuholen von dem ganzen, breiten Gebiete der Weltanschauung, das man überschauen kann, alle möglichen Begriffe, um zu verstehen, was hinter diesem Mysterium von Golgatha steckt. Und man kann sagen, wenn man genau zusieht: es war wie ein verzweifeltes Ringen nach einem Verständnisse, nach einem eigentlichen Verständnisse des Mysteriums von Golgatha. Und dieses Ringen setzt sich im Grunde genommen in einer gewissen Strömung das ganze erste Jahrtausend noch fort.
[ 14 ] Das aber ist es auch, was uns erkennen läßt, wie sich in diesem Römertum, in das sich das Christentum hineinbewegte als ein neuer Impuls, wie sich in diesem sich hinziehenden Römertum eben etwas Verstrohendes zum Ausdrucke bringt. Wir sehen, wie dieses Römertum bemüht ist, intensiv bemüht ist, hereinzubekommen in seine Begriffe dasjenige, was hinter dem Mysterium von Golgatha steht, wie man versucht, auf jede mögliche Art heranzuholen von dem ganzen, breiten Gebiete der Weltanschauung, das man überschauen kann, alle möglichen Begriffe, um zu verstehen, was hinter diesem Mysterium von Golgatha steckt. Und man kann sagen, wenn man genau zusieht: es war wie ein verzweifeltes Ringen nach einem Verständnisse, nach einem eigentlichen Verständnisse des Mysteriums von Golgatha. Und dieses Ringen setzt sich im Grunde genommen in einer gewissen Strömung das ganze erste Jahrtausend noch fort.
[ 15 ] Man sehe, wie zum Beispiel Augustinus zuerst aufnimmt alle Elemente der alten verstrohenden Weltanschauung, und wie er versucht durch das, was er so aufnimmt, zu begreifen dasjenige, was als lebendiges Seelenblut hereinfließt, da er jetzt das Christentum wie einen lebendigen Impuls in seine Seele hineinfließen fühlt. Augustinus ist eine große und bedeutende Persönlichkeit; aber man sieht es jeder Seite seiner Schriften an, wie er ringt, um in sein Verständnis hineinzubringen, was aus dem Christus-Impulse heranflutet. So geht es fort, und so ist das ganze romanische Bemühen: hineinzubekommen in die abendländische Begriffswelt, in diese Weltanschauungswelt, die lebendige Substanz desjenigen, was in dem Mysterium von Golgatha zum Ausdruck kommt.
[ 15 ] Man sehe, wie zum Beispiel Augustinus zuerst aufnimmt alle Elemente der alten verstrohenden Weltanschauung, und wie er versucht durch das, was er so aufnimmt, zu begreifen dasjenige, was als lebendiges Seelenblut hereinfließt, da er jetzt das Christentum wie einen lebendigen Impuls in seine Seele hineinfließen fühlt. Augustinus ist eine große und bedeutende Persönlichkeit; aber man sieht es jeder Seite seiner Schriften an, wie er ringt, um in sein Verständnis hineinzubringen, was aus dem Christus-Impulse heranflutet. So geht es fort, und so ist das ganze romanische Bemühen: hineinzubekommen in die abendländische Begriffswelt, in diese Weltanschauungswelt, die lebendige Substanz desjenigen, was in dem Mysterium von Golgatha zum Ausdruck kommt.
[ 16 ] Was ist denn das, was sich da so bemüht, was da so ringt, was in dem Römertum, in dem Lateinertum die ganze gebildete Welt überflutet, was im Lateinertum verzweifelt ringt, in die Begriffe, die in der lateinischen Sprache pulsieren, hineinzubringen das Mysterium von Golgatha? Was ist denn das? Das ist auch ein Teil desjenigen, was gegessen haben die Menschen im Paradiese. Das ist ein Teil des Baumes der Erkenntnis des Guten und Bösen. Und ich möchte sagen, wir können sehen, wie ursprünglich in den Uroffenbarungen, als noch zu den Menschen alte, hellseherische menschliche Wahrnehmungen sprechen konnten, lebendig in dieser alten Zeit die Begriffe leben, die noch Imaginationen sind, und wie sie immer mehr und mehr vertrocknen und ersterben, dünner werden. Sie sind so dünn, daß um die Mitte des Mittelalters, als die Scholastik blühte, die größte Seelenanstrengung dazu gehörte, um die Begriffe, die schon so dünn geworden waren, so weit noch in sich zuzuspitzen, daß man in diese Begriffe dasjenige hereinbekam, was als lebendiges Leben im Mysterium von Golgatha vorhanden ist. Diesen Begriffen war geblieben die destillierteste Form der alten römischen Sprache mit ihrer so außerordentlich schön in sich gefügten Logik, aber mit ihrem fast ganz verlorenen Leben. Diese lateinische Sprache wird erhalten mit ihrer strammgeschürzten Logik, aber mit ihrem innerlich fast ganz erstorbenen Leben, wie eine Erfüllung des Urgötterspruches: Die Menschen sollen nicht essen vom Baume des Lebens.
[ 16 ] Was ist denn das, was sich da so bemüht, was da so ringt, was in dem Römertum, in dem Lateinertum die ganze gebildete Welt überflutet, was im Lateinertum verzweifelt ringt, in die Begriffe, die in der lateinischen Sprache pulsieren, hineinzubringen das Mysterium von Golgatha? Was ist denn das? Das ist auch ein Teil desjenigen, was gegessen haben die Menschen im Paradiese. Das ist ein Teil des Baumes der Erkenntnis des Guten und Bösen. Und ich möchte sagen, wir können sehen, wie ursprünglich in den Uroffenbarungen, als noch zu den Menschen alte, hellseherische menschliche Wahrnehmungen sprechen konnten, lebendig in dieser alten Zeit die Begriffe leben, die noch Imaginationen sind, und wie sie immer mehr und mehr vertrocknen und ersterben, dünner werden. Sie sind so dünn, daß um die Mitte des Mittelalters, als die Scholastik blühte, die größte Seelenanstrengung dazu gehörte, um die Begriffe, die schon so dünn geworden waren, so weit noch in sich zuzuspitzen, daß man in diese Begriffe dasjenige hereinbekam, was als lebendiges Leben im Mysterium von Golgatha vorhanden ist. Diesen Begriffen war geblieben die destillierteste Form der alten römischen Sprache mit ihrer so außerordentlich schön in sich gefügten Logik, aber mit ihrem fast ganz verlorenen Leben. Diese lateinische Sprache wird erhalten mit ihrer strammgeschürzten Logik, aber mit ihrem innerlich fast ganz erstorbenen Leben, wie eine Erfüllung des Urgötterspruches: Die Menschen sollen nicht essen vom Baume des Lebens.
[ 17 ] Wenn es möglich gewesen wäre, daß dasjenige, was sich aus dem alten Lateinertum ausgebildet hat, voll hätte begreifen können, was mit dem Mysterium von Golgatha sich vollzogen hat, wäre es möglich gewesen, daß das Lateinertum, einfach wie durch einen Stoß, das Verständnis hätte gewinnen können von dem Mysterium von Golgatha, dann wäre dies gewesen ein Essen vom Baume des Lebens. Das aber war verboten, nach dem Ausschluß aus dem Paradiese. Diejenige Erkenntnis, die in die Menschheit gekommen war im Sinne der alten Uroffenbarung, die sollte nicht dazu dienen, jemals lebendig zu wirken. Daher konnte sie nur mit toten Begriffen das Mysterium von Golgatha erfassen.
[ 17 ] Wenn es möglich gewesen wäre, daß dasjenige, was sich aus dem alten Lateinertum ausgebildet hat, voll hätte begreifen können, was mit dem Mysterium von Golgatha sich vollzogen hat, wäre es möglich gewesen, daß das Lateinertum, einfach wie durch einen Stoß, das Verständnis hätte gewinnen können von dem Mysterium von Golgatha, dann wäre dies gewesen ein Essen vom Baume des Lebens. Das aber war verboten, nach dem Ausschluß aus dem Paradiese. Diejenige Erkenntnis, die in die Menschheit gekommen war im Sinne der alten Uroffenbarung, die sollte nicht dazu dienen, jemals lebendig zu wirken. Daher konnte sie nur mit toten Begriffen das Mysterium von Golgatha erfassen.
[ 18 ] «Ihr sollt nicht essen vom Baume des Lebens», das ist auch ein Ausspruch, der durch alle Äonen der Erdenentwickelung gilt mit Bezug auf gewisse Erscheinungen, und eine Erfüllung dieses Ausspruches war auch die, daß mit ihm gesagt war: Es wird herantreten der Baum des Lebens in seiner anderen Form als das auf Golgatha errichtete Kreuz, und es wird ausströmen von ihm das Leben. Aber diese alte Erkenntnis soll nicht essen von dem Baume des Lebens.
[ 18 ] «Ihr sollt nicht essen vom Baume des Lebens», das ist auch ein Ausspruch, der durch alle Äonen der Erdenentwickelung gilt mit Bezug auf gewisse Erscheinungen, und eine Erfüllung dieses Ausspruches war auch die, daß mit ihm gesagt war: Es wird herantreten der Baum des Lebens in seiner anderen Form als das auf Golgatha errichtete Kreuz, und es wird ausströmen von ihm das Leben. Aber diese alte Erkenntnis soll nicht essen von dem Baume des Lebens.
[ 19 ] Und so sehen wir denn eine hinsterbende Erkenntnis sich abmühen mit dem Leben, sehen, wie sie verzweifelt ringt, das Leben von Golgatha hereinzubekommen in ihre Begriffe.
[ 19 ] Und so sehen wir denn eine hinsterbende Erkenntnis sich abmühen mit dem Leben, sehen, wie sie verzweifelt ringt, das Leben von Golgatha hereinzubekommen in ihre Begriffe.
[ 20 ] Nun gibt es eine eigentümliche Tatsache, eine Tatsache, welche hinweist darauf, daß gewissermaßen dem Ausgangspunkte, dem Orient gegenüber in Europa eine Art Uropposition gemacht war. Es gibt so etwas wie eine Art Uropposition gegen dasjenige, was verhängt war über die Menschheit in bezug auf die Uroffenbarung. Damit berührt man allerdings, ich möchte sagen, den Rand eines ungeheuer tief liegenden Geheimnisses, und man kann manches von dem, was darüber zu sagen ist, wirklich nur in Bildern sagen. Aber ich glaube, die Bilder können verstanden werden.
[ 20 ] Nun gibt es eine eigentümliche Tatsache, eine Tatsache, welche hinweist darauf, daß gewissermaßen dem Ausgangspunkte, dem Orient gegenüber in Europa eine Art Uropposition gemacht war. Es gibt so etwas wie eine Art Uropposition gegen dasjenige, was verhängt war über die Menschheit in bezug auf die Uroffenbarung. Damit berührt man allerdings, ich möchte sagen, den Rand eines ungeheuer tief liegenden Geheimnisses, und man kann manches von dem, was darüber zu sagen ist, wirklich nur in Bildern sagen. Aber ich glaube, die Bilder können verstanden werden.
[ 21 ] In Europa gibt es ja eine ganz andere Sage, die allerdings später Umgestaltungen erfahren hat; aber trotzdem ist auch in den Umgestaltungen ihr Wesentliches noch zu erkennen. Es gibt eine andere Sage von der Entstehung des Menschen als die in der Bibel enthaltene. Nun ist nicht das das Charakteristische, daß es diese Sage gibt, sondern daß diese Sage sich in Europa länger erhalten hat als in anderen Gegenden der Erde. Aber das Bedeutsame ist, daß auch als im Orient drüben sich das Mysterium von Golgatha vollzogen hatte, in den Gemütern der Europäer noch lebendig war diese andersartige Sage. Da werden wir auch an einen Baum geführt, oder wenigstens an Bäume geführt, die von den Göttern Wotan, Wili, We gefunden werden am Strande des Meeres. Und aus zwei Bäumen werden die Menschen geschaffen: aus der Esche und aus der Ulme. Es werden also von der Dreiheit der Götter — wenn das auch später verchristianisiert worden ist, so deutet es doch auf die europäische Uroffenbarung hin —, es werden von der Dreiheit der Götter die Menschen geschaffen, indem die beiden Bäume umgestaltet werden zu Menschen: Wotan gibt den Menschen Geist und Leben, Wili gibt den Menschen Bewegung und Verstand, und We gibt den Menschen die äuBere Gestalt, die Sprache, die Kraft des Sehens, die Kraft des Hörens.
[ 21 ] In Europa gibt es ja eine ganz andere Sage, die allerdings später Umgestaltungen erfahren hat; aber trotzdem ist auch in den Umgestaltungen ihr Wesentliches noch zu erkennen. Es gibt eine andere Sage von der Entstehung des Menschen als die in der Bibel enthaltene. Nun ist nicht das das Charakteristische, daß es diese Sage gibt, sondern daß diese Sage sich in Europa länger erhalten hat als in anderen Gegenden der Erde. Aber das Bedeutsame ist, daß auch als im Orient drüben sich das Mysterium von Golgatha vollzogen hatte, in den Gemütern der Europäer noch lebendig war diese andersartige Sage. Da werden wir auch an einen Baum geführt, oder wenigstens an Bäume geführt, die von den Göttern Wotan, Wili, We gefunden werden am Strande des Meeres. Und aus zwei Bäumen werden die Menschen geschaffen: aus der Esche und aus der Ulme. Es werden also von der Dreiheit der Götter — wenn das auch später verchristianisiert worden ist, so deutet es doch auf die europäische Uroffenbarung hin —, es werden von der Dreiheit der Götter die Menschen geschaffen, indem die beiden Bäume umgestaltet werden zu Menschen: Wotan gibt den Menschen Geist und Leben, Wili gibt den Menschen Bewegung und Verstand, und We gibt den Menschen die äuBere Gestalt, die Sprache, die Kraft des Sehens, die Kraft des Hörens.
[ 22 ] Man beachtet gewöhnlich nicht den ganz großen Unterschied, der zwischen dieser Schöpfungssage des Menschen vorhanden ist und der biblischen. Aber Sie brauchen ja nur die Bibel zu lesen — und das ist immer nützlich, die Bibel zu lesen —, schon wenn Sie die ersten Kapitel lesen, merken Sie den ganz grandiosen Unterschied, der zwischen der Schöpfungssage des Menschen hier und dort besteht. Ich möchte nur auf das eine hinweisen, und das ist: daß in die Menschen, nach der Sage, einfließt ein dreigliedriges Göttliches. Das muß ein Seelenhaftes sein, das sich in seiner äußeren Gestalt ausdrückt und das im Grunde genommen von den Göttern herrührt, das die Götter in ihn gelegt haben. Man ist sich also in Europa dessen bewußt, daß indem man auf der Erde herumgeht, man ein Göttliches in sich trägt. Man ist sich dagegen im Orient bewußt, daß man ein Luziferisches in sich trägt. Mit dem Essen vom Baume der Erkenntnis des Guten und Bösen ist etwas verbunden, das den Menschen sogar den Tod gebracht hat, etwas, das alle von den Göttern abgebracht hat, und wofür man eine göttliche Strafe verdient hat. In Europa ist man sich bewußt, daß in der Menschenseele ein Dreifaches lebt, daß die Götter eine Kraft hineingesenkt haben in die Menschenseele. Das ist sehr bedeutsam.
[ 22 ] Man beachtet gewöhnlich nicht den ganz großen Unterschied, der zwischen dieser Schöpfungssage des Menschen vorhanden ist und der biblischen. Aber Sie brauchen ja nur die Bibel zu lesen — und das ist immer nützlich, die Bibel zu lesen —, schon wenn Sie die ersten Kapitel lesen, merken Sie den ganz grandiosen Unterschied, der zwischen der Schöpfungssage des Menschen hier und dort besteht. Ich möchte nur auf das eine hinweisen, und das ist: daß in die Menschen, nach der Sage, einfließt ein dreigliedriges Göttliches. Das muß ein Seelenhaftes sein, das sich in seiner äußeren Gestalt ausdrückt und das im Grunde genommen von den Göttern herrührt, das die Götter in ihn gelegt haben. Man ist sich also in Europa dessen bewußt, daß indem man auf der Erde herumgeht, man ein Göttliches in sich trägt. Man ist sich dagegen im Orient bewußt, daß man ein Luziferisches in sich trägt. Mit dem Essen vom Baume der Erkenntnis des Guten und Bösen ist etwas verbunden, das den Menschen sogar den Tod gebracht hat, etwas, das alle von den Göttern abgebracht hat, und wofür man eine göttliche Strafe verdient hat. In Europa ist man sich bewußt, daß in der Menschenseele ein Dreifaches lebt, daß die Götter eine Kraft hineingesenkt haben in die Menschenseele. Das ist sehr bedeutsam.
[ 23 ] Wie gesagt, man berührt damit den Rand eines großen Geheimnisses, eines tiefen Mysteriums. Aber es wird wohl verstanden werden: Es sieht ja so aus, als ob in diesem alten Europa eine Anzahl von Menschen aufbewahrt worden wären, die nicht so abgebracht “ worden sind von der Teilnahme am Baume des Lebens, in denen fortlebte sozusagen der Baum oder die Bäume des Lebens: Esche und Ulme. Und damit steht in innigem Einklang: daß diese europäische Menschheit — und würde man zurückgehen zur europäischen Urbevölkerung, so würde sich das mit einer großen Klarheit in allen Einzelheiten zeigen — eigentlich nichts gehabt hat von der höheren, weitgehenderen Erkenntnis, die man im Oriente und in der griechisch-lateinischen Welt hatte.
[ 23 ] Wie gesagt, man berührt damit den Rand eines großen Geheimnisses, eines tiefen Mysteriums. Aber es wird wohl verstanden werden: Es sieht ja so aus, als ob in diesem alten Europa eine Anzahl von Menschen aufbewahrt worden wären, die nicht so abgebracht “ worden sind von der Teilnahme am Baume des Lebens, in denen fortlebte sozusagen der Baum oder die Bäume des Lebens: Esche und Ulme. Und damit steht in innigem Einklang: daß diese europäische Menschheit — und würde man zurückgehen zur europäischen Urbevölkerung, so würde sich das mit einer großen Klarheit in allen Einzelheiten zeigen — eigentlich nichts gehabt hat von der höheren, weitgehenderen Erkenntnis, die man im Oriente und in der griechisch-lateinischen Welt hatte.
[ 24 ] Man sollte sich nur einmal den ungeheuer einschneidenden Gegensatz vorstellen zwischen den naiven Vorstellungen der europäischen Menschheit, die noch zur Zeit des Mysteriums von Golgatha alles in Bildern hatte, und den hochentwickelten, feinen philosophischen Begriffen der griechisch-lateinischen Welt. In Europa war alles «Leben», dort war alles «Erkenntnis des Guten und Bösen». In Europa war gleichsam etwas übrig geblieben, wie ein aufbewahrter Rest von den ursprünglichen Kräften des Lebens; aber es konnte nur übrig bleiben dadurch, daß diese Menschheit gewissermaßen bewahrt war, irgend etwas zu verstehen von dem, was in so wunderbar fein geschürzten Begriffen im Lateinertum enthalten war. Von einer Wissenschaft der alten europäischen Bevölkerung zu sprechen, wäre ein Unding. Man kann nur sprechen davon, daß diese Leute lebten mit alledem, was in ihrem Inneren, in ihrer Seele sprießte, sie durchvitalisierte. Was sie glaubten zu wissen, war etwas, was unmittelbares Erleben war. Radikal verschieden war diese Art, in der Seele gestimmt zu sein, von jener Stimmung, die sich fortpflanzte im Lateinertum. Und das gehört eben zu den großen, zu den wunderbaren Geheimnissen des geschichtlichen Werdens: daß, ich möchte sagen, aus der Vollendung der Wissenskultur, der Weisheitskultur, hervorgehen sollte das Mysterium von Golgatha; allein die Tiefen dieses Mysteriums von Golgatha sollten nicht begriffen werden durch die Weisheit, sie sollten begriffen werden durch das unmittelbare Leben.
[ 24 ] Man sollte sich nur einmal den ungeheuer einschneidenden Gegensatz vorstellen zwischen den naiven Vorstellungen der europäischen Menschheit, die noch zur Zeit des Mysteriums von Golgatha alles in Bildern hatte, und den hochentwickelten, feinen philosophischen Begriffen der griechisch-lateinischen Welt. In Europa war alles «Leben», dort war alles «Erkenntnis des Guten und Bösen». In Europa war gleichsam etwas übrig geblieben, wie ein aufbewahrter Rest von den ursprünglichen Kräften des Lebens; aber es konnte nur übrig bleiben dadurch, daß diese Menschheit gewissermaßen bewahrt war, irgend etwas zu verstehen von dem, was in so wunderbar fein geschürzten Begriffen im Lateinertum enthalten war. Von einer Wissenschaft der alten europäischen Bevölkerung zu sprechen, wäre ein Unding. Man kann nur sprechen davon, daß diese Leute lebten mit alledem, was in ihrem Inneren, in ihrer Seele sprießte, sie durchvitalisierte. Was sie glaubten zu wissen, war etwas, was unmittelbares Erleben war. Radikal verschieden war diese Art, in der Seele gestimmt zu sein, von jener Stimmung, die sich fortpflanzte im Lateinertum. Und das gehört eben zu den großen, zu den wunderbaren Geheimnissen des geschichtlichen Werdens: daß, ich möchte sagen, aus der Vollendung der Wissenskultur, der Weisheitskultur, hervorgehen sollte das Mysterium von Golgatha; allein die Tiefen dieses Mysteriums von Golgatha sollten nicht begriffen werden durch die Weisheit, sie sollten begriffen werden durch das unmittelbare Leben.
[ 25 ] Daher war es wie ein vorbestimmtes Karma, daß, als in Europa bis zu einem bestimmten Punkte erstarkt war das Leben, ich möchte sagen, die Ich-Kultur rein naiv, rein lebendig, rein vitalistisch auftrat da, wo die tiefste Finsternis war; während dort, wo die tiefste Weisheit war, das Mysterium von Golgatha aufstieg. Das ist wie eine prästabilierte Harmonie. Aus der Wissenskultur, die da begann strohern zu werden, steigt dieses Mysterium von Golgatha auf; verstanden aber soll dieses Mysterium von Golgatha werden von denjenigen, die durch ihr ganzes Wesen und ihr ganzes Sein nicht haben kommen können bis zu dieser feinen Auskristallisierung des lateinischen Wissens. Und so sehen wir in der Geschichte der Menschheitsentwickelung sich begegnen ein lebenloses, immer mehr und mehr ersterbendes Wissen und ein noch wissenloses Leben, ein wissenloses Leben, das aber innerlich, ich möchte sagen, das Fortwirken des die Welt belebenden Göttlichen erfühlt.
[ 25 ] Daher war es wie ein vorbestimmtes Karma, daß, als in Europa bis zu einem bestimmten Punkte erstarkt war das Leben, ich möchte sagen, die Ich-Kultur rein naiv, rein lebendig, rein vitalistisch auftrat da, wo die tiefste Finsternis war; während dort, wo die tiefste Weisheit war, das Mysterium von Golgatha aufstieg. Das ist wie eine prästabilierte Harmonie. Aus der Wissenskultur, die da begann strohern zu werden, steigt dieses Mysterium von Golgatha auf; verstanden aber soll dieses Mysterium von Golgatha werden von denjenigen, die durch ihr ganzes Wesen und ihr ganzes Sein nicht haben kommen können bis zu dieser feinen Auskristallisierung des lateinischen Wissens. Und so sehen wir in der Geschichte der Menschheitsentwickelung sich begegnen ein lebenloses, immer mehr und mehr ersterbendes Wissen und ein noch wissenloses Leben, ein wissenloses Leben, das aber innerlich, ich möchte sagen, das Fortwirken des die Welt belebenden Göttlichen erfühlt.
[ 26 ] Diese zwei Strömungen mußten sich begegnen, mußten aufeinander wirken in der sich fortentwickelnden Menschheit. Was wäre geschehen, wenn nur das lateinische Wissen sich fortentwickelt hätte? Nun, dieses lateinische Wissen würde sich haben ergießen können über die Nachkommen der europäischen Urbevölkerung. Das hat es auch sogar bis zu einer gewissen Zeit getan. Hypothetisch denkbar ist es, aber nicht wirklich hätte es werden können, daß die europäische Urbevölkerung die Nachwirkung des sich verstrohenden Wissens erlebt hätte. Denn dann würde dasjenige, was diese Seelen durch dieses Wissen aufgenommen hätten, allmählich dazu geführt haben, daß die Menschen immer dekadenter und dekadenter geworden wären. Mit den die Menschheit lebendig erhaltenden Kräften hätte dieses vertrocknende, dieses verstrohende Wissen sich nicht vereinigen können. Es hätte dies die Menschen ausgedörrt. Gewissermaßen würde unter dem Einflusse der nachwirkenden |lateinischen Kultur die europäische Menschheit ausgedörrt sein, vertrocknet sein. Man würde immer mehr dazu gekommen sein, raffinierte Begriffe zu haben, immer mehr würde man spintisiert haben, immer mehr und mehr würde man gedacht haben; aber es würde das Menschenherz, das ganze menschliche Leben kalt geblieben sein unter diesen verfeinerten, raffinierten Begriffen.
[ 26 ] Diese zwei Strömungen mußten sich begegnen, mußten aufeinander wirken in der sich fortentwickelnden Menschheit. Was wäre geschehen, wenn nur das lateinische Wissen sich fortentwickelt hätte? Nun, dieses lateinische Wissen würde sich haben ergießen können über die Nachkommen der europäischen Urbevölkerung. Das hat es auch sogar bis zu einer gewissen Zeit getan. Hypothetisch denkbar ist es, aber nicht wirklich hätte es werden können, daß die europäische Urbevölkerung die Nachwirkung des sich verstrohenden Wissens erlebt hätte. Denn dann würde dasjenige, was diese Seelen durch dieses Wissen aufgenommen hätten, allmählich dazu geführt haben, daß die Menschen immer dekadenter und dekadenter geworden wären. Mit den die Menschheit lebendig erhaltenden Kräften hätte dieses vertrocknende, dieses verstrohende Wissen sich nicht vereinigen können. Es hätte dies die Menschen ausgedörrt. Gewissermaßen würde unter dem Einflusse der nachwirkenden |lateinischen Kultur die europäische Menschheit ausgedörrt sein, vertrocknet sein. Man würde immer mehr dazu gekommen sein, raffinierte Begriffe zu haben, immer mehr würde man spintisiert haben, immer mehr und mehr würde man gedacht haben; aber es würde das Menschenherz, das ganze menschliche Leben kalt geblieben sein unter diesen verfeinerten, raffinierten Begriffen.
[ 27 ] Ich sage, hypothetisch wäre das denkbar, aber es hat nicht wirklich werden können. Wirklich geworden ist vielmehr ein anderes. Wirklich geworden ist dasjenige, daß der Teil der Menschheit, der ein wissenloses Leben hatte, einströmte in jene Menschen, welche sozusagen davon bedroht waren, nur die Überreste des Lateinertums zu empfangen.
[ 27 ] Ich sage, hypothetisch wäre das denkbar, aber es hat nicht wirklich werden können. Wirklich geworden ist vielmehr ein anderes. Wirklich geworden ist dasjenige, daß der Teil der Menschheit, der ein wissenloses Leben hatte, einströmte in jene Menschen, welche sozusagen davon bedroht waren, nur die Überreste des Lateinertums zu empfangen.
[ 28 ] Fassen wir die Frage von einer anderen Seite an. Wir treffen ja zu einer bestimmten Zeit über Europa verteilt, man kann sagen, auf der italienischen Halbinsel, auf der spanischen Halbinsel, in der Gegend des heutigen Frankreich, in der Gegend der heutigen britischen Inseln, gewisse Überreste einer europäischen Urbevölkerung an: im Norden die Nachkommen der alten keltischen Bevölkerung, im Süden die Nachkommen der alten römischen Bevölkerung. Die treffen wir dort an, in die fließt zunächst dasjenige hinein, was wir jetzt charakterisiert haben als lateinische Strömung. Dann treffen wir an, zu einer bestimmten Zeit, über verschiedene Territorien Europas verteilt: die Ostgoten, die Westgoten, die Langobarden, die Sueven, die Vandalen und so weiter. Es gibt eine Zeit, wo wir die Ostgoten finden im Süden des heutigen Rußland, die Westgoten im östlichen Ungarn, die Langobarden da, wo heute die Elbe ihren unteren Lauf hat; die Sueven in der Gegend, wo heute Mähren und Schlesien liegen und so weiter. Wir treffen da verschiedene von denjenigen Völkerschaften, von denen man sagen kann: sie haben wissenloses Leben.
[ 28 ] Fassen wir die Frage von einer anderen Seite an. Wir treffen ja zu einer bestimmten Zeit über Europa verteilt, man kann sagen, auf der italienischen Halbinsel, auf der spanischen Halbinsel, in der Gegend des heutigen Frankreich, in der Gegend der heutigen britischen Inseln, gewisse Überreste einer europäischen Urbevölkerung an: im Norden die Nachkommen der alten keltischen Bevölkerung, im Süden die Nachkommen der alten römischen Bevölkerung. Die treffen wir dort an, in die fließt zunächst dasjenige hinein, was wir jetzt charakterisiert haben als lateinische Strömung. Dann treffen wir an, zu einer bestimmten Zeit, über verschiedene Territorien Europas verteilt: die Ostgoten, die Westgoten, die Langobarden, die Sueven, die Vandalen und so weiter. Es gibt eine Zeit, wo wir die Ostgoten finden im Süden des heutigen Rußland, die Westgoten im östlichen Ungarn, die Langobarden da, wo heute die Elbe ihren unteren Lauf hat; die Sueven in der Gegend, wo heute Mähren und Schlesien liegen und so weiter. Wir treffen da verschiedene von denjenigen Völkerschaften, von denen man sagen kann: sie haben wissenloses Leben.
[ 29 ] Nun können wir die Frage aufwerfen: Wohin sind diese Völkerschaften gekommen? Wir wissen, sie sind verschwunden zum großen Teile aus der tatsächlichen Entwickelung der europäischen Menschheit. Wohin sind die Ostgoten, wohin die Westgoten, wohin die Langobarden gekommen? Das können wir fragen. In gewisser Beziehung sind sie als Völker nicht mehr vorhanden; aber dasjenige, was sie als Leben gehabt haben, ist vorhanden, ist etwa in der folgenden Weise vorhanden. Betrachten wir die italienische Halbinsel, betrachten wir sie noch besetzt von den Nachkommen der alten römischen Bevölkerung, denken wir uns, es hätte sich auf dieser alten italienischen Halbinsel dasjenige ausgebreitet, was ich als lateinisches Wissen, als lateinische Kultur gekennzeichnet habe: es wäre die ganze Bevölkerung vertrocknert.
[ 29 ] Nun können wir die Frage aufwerfen: Wohin sind diese Völkerschaften gekommen? Wir wissen, sie sind verschwunden zum großen Teile aus der tatsächlichen Entwickelung der europäischen Menschheit. Wohin sind die Ostgoten, wohin die Westgoten, wohin die Langobarden gekommen? Das können wir fragen. In gewisser Beziehung sind sie als Völker nicht mehr vorhanden; aber dasjenige, was sie als Leben gehabt haben, ist vorhanden, ist etwa in der folgenden Weise vorhanden. Betrachten wir die italienische Halbinsel, betrachten wir sie noch besetzt von den Nachkommen der alten römischen Bevölkerung, denken wir uns, es hätte sich auf dieser alten italienischen Halbinsel dasjenige ausgebreitet, was ich als lateinisches Wissen, als lateinische Kultur gekennzeichnet habe: es wäre die ganze Bevölkerung vertrocknert.
[ 30 ] Wenn man genau untersuchen würde, so würde man es als unglaublichen Dilettantismus ansehen müssen, zu glauben, daß heute irgend etwas von Blutsverwandtschaft mit dem alten Römertum noch vorhanden ist. Eingezogen sind Ostgoten, Westgoten, Langobarden, und über diese strömte hinüber dasjenige, was das Lateinertum war — aber bloß geistig als Wissenskeim —, über das wissenlose Leben, und das wissenlose Leben gab weiterhin die Substanz dazu. In den südlicheren Gegenden war es ein normannisch-germanisches Element. So strömte in die italienische Halbinsel das ein, was an lebentragender Bevölkerung vorhanden war, aus dem europäischen Mittelland und dem Osten. In Spanien strömte ein, um sich später mit dem rein verstandesmäßigen Elemente des Arabertums, des Maurentums zu verbinden, das Westgoten- und das Sueventum; in der Gegend von Frankreich strömte ein das Frankentum, und in der Gegend der britischen Inseln das Angelsachsentum.
[ 30 ] Wenn man genau untersuchen würde, so würde man es als unglaublichen Dilettantismus ansehen müssen, zu glauben, daß heute irgend etwas von Blutsverwandtschaft mit dem alten Römertum noch vorhanden ist. Eingezogen sind Ostgoten, Westgoten, Langobarden, und über diese strömte hinüber dasjenige, was das Lateinertum war — aber bloß geistig als Wissenskeim —, über das wissenlose Leben, und das wissenlose Leben gab weiterhin die Substanz dazu. In den südlicheren Gegenden war es ein normannisch-germanisches Element. So strömte in die italienische Halbinsel das ein, was an lebentragender Bevölkerung vorhanden war, aus dem europäischen Mittelland und dem Osten. In Spanien strömte ein, um sich später mit dem rein verstandesmäßigen Elemente des Arabertums, des Maurentums zu verbinden, das Westgoten- und das Sueventum; in der Gegend von Frankreich strömte ein das Frankentum, und in der Gegend der britischen Inseln das Angelsachsentum.
[ 31 ] Man trifft das Richtige, wenn man das Folgende sagt: Insbesondere waren die Gegenden des Südens vor der Gefahr, vollständig zu verlieren — wenn sie Nachkommen der alten Römer geblieben wären und die lateinische Kultur in ihnen fortgewirkt hätte — die Möglichkeit, ein Ich-Bewußtsein auszubilden. Daher wurde hinweggenommen die Nachkommenschaft des alten Römertums, und es wurde hineingeströmt in dieses Gebiet, wo sich ausbreiten sollte das Lateinertum, dasjenige, was von dem ostgotischen, von dem langobardischen Elemente kam. Ostgotisches, langobardisches Blut und auch Normannenblut nahm auf dasjenige, was verstrohende lateinische Kultur wurde. Vor der Gefahr wäre nämlich die Bevölkerung gewesen, wenn sie römisch geblieben wäre, nicht entwickeln zu können jemals das Element der Bewußitseinsseele.
[ 31 ] Man trifft das Richtige, wenn man das Folgende sagt: Insbesondere waren die Gegenden des Südens vor der Gefahr, vollständig zu verlieren — wenn sie Nachkommen der alten Römer geblieben wären und die lateinische Kultur in ihnen fortgewirkt hätte — die Möglichkeit, ein Ich-Bewußtsein auszubilden. Daher wurde hinweggenommen die Nachkommenschaft des alten Römertums, und es wurde hineingeströmt in dieses Gebiet, wo sich ausbreiten sollte das Lateinertum, dasjenige, was von dem ostgotischen, von dem langobardischen Elemente kam. Ostgotisches, langobardisches Blut und auch Normannenblut nahm auf dasjenige, was verstrohende lateinische Kultur wurde. Vor der Gefahr wäre nämlich die Bevölkerung gewesen, wenn sie römisch geblieben wäre, nicht entwickeln zu können jemals das Element der Bewußitseinsseele.
[ 32 ] So ging in den Langobarden und in den Ostgoten nach dem Süden dasjenige, was wir nennen können: das Wotan-Element, Geist und Leben. Da wurde sozusagen getragen im Blute der Langobarden, im Blute der Ostgoten, das Wotan-Element, und das machte die weitere Entwickelung, die weitere Entfaltung dieser südlichen Kultur möglich.
[ 32 ] So ging in den Langobarden und in den Ostgoten nach dem Süden dasjenige, was wir nennen können: das Wotan-Element, Geist und Leben. Da wurde sozusagen getragen im Blute der Langobarden, im Blute der Ostgoten, das Wotan-Element, und das machte die weitere Entwickelung, die weitere Entfaltung dieser südlichen Kultur möglich.
[ 33 ] Nach Westen ging mit den Franken das Wili-Element, Verstand und Bewegung, was wiederum abhanden gekommen wäre, wenn die Nachkommenschaft der europäischen Urbevölkerung, die in diesen Gegenden gesessen hatte, sich bloß weiter entwickelt hätte unter dem Einfluß des Römertums.
[ 33 ] Nach Westen ging mit den Franken das Wili-Element, Verstand und Bewegung, was wiederum abhanden gekommen wäre, wenn die Nachkommenschaft der europäischen Urbevölkerung, die in diesen Gegenden gesessen hatte, sich bloß weiter entwickelt hätte unter dem Einfluß des Römertums.
[ 34 ] Nach den britischen Inseln ging dasjenige, was man nennen kann: Gestaltung und Sprache, und namentlich die Fähigkeit, zu sehen und zu hören, was dann im englischen Empirismus seine spätere Ausbildung erfahren hat: in Physiognomik, Sprache, Gesicht, Gehör.
[ 34 ] Nach den britischen Inseln ging dasjenige, was man nennen kann: Gestaltung und Sprache, und namentlich die Fähigkeit, zu sehen und zu hören, was dann im englischen Empirismus seine spätere Ausbildung erfahren hat: in Physiognomik, Sprache, Gesicht, Gehör.


[ 35 ] So sehen wir, indem wir tatsächlich im neuen italienischen Elemente das Sprechen der Volksseele in der Empfindungsseele haben, wie wir das anders ausdrücken können dadurch, daß wir sagen: das Wotan-Element strömt in die italienische Halbinsel ein. So wie wir den Zug der Franken nach Westen ausdrücken können dadurch, daß wir sagen: das Wili-Element strömt nach dem Westen, nach Frankreich. Und wie wir das in bezug auf die britischen Inseln ausdrükken können dadurch, daß wir sagen: das We-Element strömt da hinein.
[ 35 ] So sehen wir, indem wir tatsächlich im neuen italienischen Elemente das Sprechen der Volksseele in der Empfindungsseele haben, wie wir das anders ausdrücken können dadurch, daß wir sagen: das Wotan-Element strömt in die italienische Halbinsel ein. So wie wir den Zug der Franken nach Westen ausdrücken können dadurch, daß wir sagen: das Wili-Element strömt nach dem Westen, nach Frankreich. Und wie wir das in bezug auf die britischen Inseln ausdrükken können dadurch, daß wir sagen: das We-Element strömt da hinein.
[ 36 ] So ist auf der italienischen Halbinsel gar nichts mehr von dem Blute der europäischen Urbevölkerung vorhanden; das ist ganz ersetzt. Im Westen, in der Gegend des heutigen Frankreich, ist etwas mehr von der Urbevölkerung vorhanden, ungefähr so, daß sich die Waage halten das Frankenelement und die Urbevölkerung. Am meisten von der Urbevölkerung ist noch auf den britischen Inseln.
[ 36 ] So ist auf der italienischen Halbinsel gar nichts mehr von dem Blute der europäischen Urbevölkerung vorhanden; das ist ganz ersetzt. Im Westen, in der Gegend des heutigen Frankreich, ist etwas mehr von der Urbevölkerung vorhanden, ungefähr so, daß sich die Waage halten das Frankenelement und die Urbevölkerung. Am meisten von der Urbevölkerung ist noch auf den britischen Inseln.
[ 37 ] Das alles aber, was ich jetzt gesagt habe, ist im Grunde genommen nur eine andere Art, auf das Verständnis desjenigen hinzuweisen, was aus dem Süden kam durch Europa: hinzuweisen auf das Eingehülltsein des Mysteriums von Golgatha in eine untergehende Weisheit und auf dessen Aufgenommenwerden durch ein noch weisheitsloses Leben.
[ 37 ] Das alles aber, was ich jetzt gesagt habe, ist im Grunde genommen nur eine andere Art, auf das Verständnis desjenigen hinzuweisen, was aus dem Süden kam durch Europa: hinzuweisen auf das Eingehülltsein des Mysteriums von Golgatha in eine untergehende Weisheit und auf dessen Aufgenommenwerden durch ein noch weisheitsloses Leben.
[ 38 ] Man kann Europa nicht verstehen, wenn man diesen Zusammenhang nicht ins Auge faßt; man kann aber Europa in allen Einzelheiten verstehen, wenn man dieses europäische Leben erfaßt wie einen fortlaufenden Prozeß. Denn vieles von dem, was ich gesagt habe, vollzieht sich noch bis in unsere Tage herein. So zum Beispiel wäre es interessant, selbst so etwas wie die Philosophie Kants aus diesen zwei Urgegensätzen des europäischen Lebens heraus einmal ins Auge zu fassen und zu zeigen, wie Kant auf der einen Seite das Wissen absetzen will, dem Wissen alle Gewalt nehmen will, um auf der anderen Seite dem Glauben Platz zu machen. Das ist nur ein Fortwirken des dunklen, geheimen Bewußtseins: mit dem Wissen, das da von unten heraufgekommen ist, kann man ja eigentlich nichts anfangen; man kann nur etwas anfangen mit dem, was als ursprüngliches wissenloses Leben von oben herunter kommt. Der ganze Gegensatz der reinen und praktischen Vernunft liegt da darinnen: Ich mußte das Wissen wegräumen, um dem Glauben Platz zu machen. Der Glaube, für den die protestantische Theologie kämpft, ist ein letztes Überbleibsel des wissenlosen Lebens, denn das Leben will nichts wissen von einer auseinandergezogenen abstrakten Weisheit.
[ 38 ] Man kann Europa nicht verstehen, wenn man diesen Zusammenhang nicht ins Auge faßt; man kann aber Europa in allen Einzelheiten verstehen, wenn man dieses europäische Leben erfaßt wie einen fortlaufenden Prozeß. Denn vieles von dem, was ich gesagt habe, vollzieht sich noch bis in unsere Tage herein. So zum Beispiel wäre es interessant, selbst so etwas wie die Philosophie Kants aus diesen zwei Urgegensätzen des europäischen Lebens heraus einmal ins Auge zu fassen und zu zeigen, wie Kant auf der einen Seite das Wissen absetzen will, dem Wissen alle Gewalt nehmen will, um auf der anderen Seite dem Glauben Platz zu machen. Das ist nur ein Fortwirken des dunklen, geheimen Bewußtseins: mit dem Wissen, das da von unten heraufgekommen ist, kann man ja eigentlich nichts anfangen; man kann nur etwas anfangen mit dem, was als ursprüngliches wissenloses Leben von oben herunter kommt. Der ganze Gegensatz der reinen und praktischen Vernunft liegt da darinnen: Ich mußte das Wissen wegräumen, um dem Glauben Platz zu machen. Der Glaube, für den die protestantische Theologie kämpft, ist ein letztes Überbleibsel des wissenlosen Lebens, denn das Leben will nichts wissen von einer auseinandergezogenen abstrakten Weisheit.
[ 39 ] Aber auch ältere Erscheinungen kann man betrachten. Man kann zum Beispiel ins Auge fassen, wie gerade bei den geistig führenden Persönlichkeiten das Bemühen auftritt, gewissermaßen einen Einklang zu schaffen zwischen diesen zwei Strömungen, auf die aufmerksam gemacht worden ist. Denn das zeigt die heutige Physiognomie Europas, daß bis in unsere Tage nachwirkt das lateinische "Wissen in dem europäischen Leben, und daß man geradezu die Karte Europas mit dem nach Süden und Westen ausstrahlenden lateinischen Wissen und dem in der Mitte Europas noch sich bewahrenden Leben ins Auge fassen kann. Man kann sehen, wie man einmal sich Mühe gegeben hat — ich möchte ein Beispiel anführen —, dieses ersterbende Wissen zu überwinden. Gewiß, es tritt auf den verschiedenen Gebieten des Lebens in verschieden starker Weise auf, dies ersterbende Wissen; aber es war schon im 8. bis 9. Jahrhundert die europäische Entwickelung so weit, daß diejenigen, welche die Nachkommen waren der europäischen Bevölkerung, nichts Rechtes mehr machen konnten mit dem, was noch als gewisse Bezeichnungen für kosmische oder irdische Verhältnisse gebildet war aus alten römischen Zeiten. So konnte man schon im 8. bis 9. Jahrhundert einsehen, daß es dem ursprünglichen Leben der Seele nichts besonderes gibt, wenn man sagt: Januar, Februar, März, April, Mai. Damit konnten die Römer etwas anfangen, aber die nördlichere europäische Bevölkerung konnte nicht viel damit anfangen; es ergoß sich so über diese europäische Bevölkerung hin, daß es nicht in die Menschenseele, sondern vielfach nur in die Sprache hineinfloß und daher ersterbend, verstrohend war. Daher gab man sich Mühe, namentlich über Mittel- und Westeuropa hin...über den ganzen Strich, den man bezeichnen könnte als von der Elbe angefangen bis zum Atlantischen Ozean und bis zu den Apenninen gehend Bezeichnungen durchzubringen für die Monate, welche erfühlt werden können von der europäischen Menschheit. Solche Monatsbezeichnungen sollten sein:
[ 39 ] Aber auch ältere Erscheinungen kann man betrachten. Man kann zum Beispiel ins Auge fassen, wie gerade bei den geistig führenden Persönlichkeiten das Bemühen auftritt, gewissermaßen einen Einklang zu schaffen zwischen diesen zwei Strömungen, auf die aufmerksam gemacht worden ist. Denn das zeigt die heutige Physiognomie Europas, daß bis in unsere Tage nachwirkt das lateinische "Wissen in dem europäischen Leben, und daß man geradezu die Karte Europas mit dem nach Süden und Westen ausstrahlenden lateinischen Wissen und dem in der Mitte Europas noch sich bewahrenden Leben ins Auge fassen kann. Man kann sehen, wie man einmal sich Mühe gegeben hat — ich möchte ein Beispiel anführen —, dieses ersterbende Wissen zu überwinden. Gewiß, es tritt auf den verschiedenen Gebieten des Lebens in verschieden starker Weise auf, dies ersterbende Wissen; aber es war schon im 8. bis 9. Jahrhundert die europäische Entwickelung so weit, daß diejenigen, welche die Nachkommen waren der europäischen Bevölkerung, nichts Rechtes mehr machen konnten mit dem, was noch als gewisse Bezeichnungen für kosmische oder irdische Verhältnisse gebildet war aus alten römischen Zeiten. So konnte man schon im 8. bis 9. Jahrhundert einsehen, daß es dem ursprünglichen Leben der Seele nichts besonderes gibt, wenn man sagt: Januar, Februar, März, April, Mai. Damit konnten die Römer etwas anfangen, aber die nördlichere europäische Bevölkerung konnte nicht viel damit anfangen; es ergoß sich so über diese europäische Bevölkerung hin, daß es nicht in die Menschenseele, sondern vielfach nur in die Sprache hineinfloß und daher ersterbend, verstrohend war. Daher gab man sich Mühe, namentlich über Mittel- und Westeuropa hin...über den ganzen Strich, den man bezeichnen könnte als von der Elbe angefangen bis zum Atlantischen Ozean und bis zu den Apenninen gehend Bezeichnungen durchzubringen für die Monate, welche erfühlt werden können von der europäischen Menschheit. Solche Monatsbezeichnungen sollten sein:
1. Wintarmanoth.
2. Hornung.
3. Lenzinmanoth.
4. Ostarmanoth.
5. Winnemanoth (auch Nannamanoth).
6. Brachmanoth.
7. Heuimanoth (zusammengesetzt mit Heu).
8. Aranmanoth (Aran = die Ernte).
9. Widumanoth (Wide = das, was stehen geblieben ist, nachdem man über den Acker gegangen ist).
10. Windumemanoth (lateinisch = vindemia: Weinlese).
11. Herbistmanoth.
12. Heiligmanoth.
1. Wintarmanoth.
2. Hornung.
3. Lenzinmanoth.
4. Ostarmanoth.
5. Winnemanoth (auch Nannamanoth).
6. Brachmanoth.
7. Heuimanoth (zusammengesetzt mit Heu).
8. Aranmanoth (Aran = die Ernte).
9. Widumanoth (Wide = das, was stehen geblieben ist, nachdem man über den Acker gegangen ist).
10. Windumemanoth (lateinisch = vindemia: Weinlese).
11. Herbistmanoth.
12. Heiligmanoth.
[ 40 ] Derjenige, der sich bemüht hat, diese Bezeichnungen allgemein zu machen, ist Karl der Große.
[ 40 ] Derjenige, der sich bemüht hat, diese Bezeichnungen allgemein zu machen, ist Karl der Große.
[ 41 ] Es ist bezeichnend dafür, wie bedeutsam der Geist Karls des Großen war, denn er versuchte damit etwas einzuführen, was bis heute kaum Eingang gefunden hat. Wir haben immer noch in den Monatsbezeichnungen die letzten Reste der verstrohenden lateinischen Wissenskultur. Karl der Große war überhaupt eine Persönlichkeit, welche vieles gewollt hat, das über die Möglichkeit des zu Verwirklichenden hinausgegangen ist. Es hat sich gerade nach ihm, im 9. Jahrhundert, die Welle des Lateinertums so recht hinübergezogen über Europa. Es wäre interessant, wenn ins Auge gefaßt würde, was Karl der Große gewollt hat, indem er die Ausstrahlungen des Wile-Elementes nach Westen bringen wollte. Denn die Latinisierung trat dort erst nachher auf.
[ 41 ] Es ist bezeichnend dafür, wie bedeutsam der Geist Karls des Großen war, denn er versuchte damit etwas einzuführen, was bis heute kaum Eingang gefunden hat. Wir haben immer noch in den Monatsbezeichnungen die letzten Reste der verstrohenden lateinischen Wissenskultur. Karl der Große war überhaupt eine Persönlichkeit, welche vieles gewollt hat, das über die Möglichkeit des zu Verwirklichenden hinausgegangen ist. Es hat sich gerade nach ihm, im 9. Jahrhundert, die Welle des Lateinertums so recht hinübergezogen über Europa. Es wäre interessant, wenn ins Auge gefaßt würde, was Karl der Große gewollt hat, indem er die Ausstrahlungen des Wile-Elementes nach Westen bringen wollte. Denn die Latinisierung trat dort erst nachher auf.
[ 42 ] So können wir sagen, daß derjenige Teil der Menschheit, der Rasse gewesen ist, der als Rasse die Nachfolgerschaft war des alten Europa, des Europa, aus dem das Römertum hervorgegangen ist, und der die Nachkommenschaft des Römertums selber gewesen ist, für den südlichen Teil ganz — und für den nördlicheren Teil zum großen Teile — einfach ausgestorben ist. Von dem ist im Blute nichts mehr vorhanden. Es hat sich in den leeren Raum, der da gelassen worden ist, hineinergossen, was von Mitteleuropa und dem europäischen Osten gekommen ist. So daß man sagen kann: das rassenhafte Element, auch des europäischen Südens und des europäischen Westens, ist das germanische Element, das nur in den verschiedenen Schattierungen in den britischen Inseln, in Frankreich, in Spanien und aber dort auch völlig überflossen vom Lateinertum — auf der italienischen Halbinsel vorhanden ist.
[ 42 ] So können wir sagen, daß derjenige Teil der Menschheit, der Rasse gewesen ist, der als Rasse die Nachfolgerschaft war des alten Europa, des Europa, aus dem das Römertum hervorgegangen ist, und der die Nachkommenschaft des Römertums selber gewesen ist, für den südlichen Teil ganz — und für den nördlicheren Teil zum großen Teile — einfach ausgestorben ist. Von dem ist im Blute nichts mehr vorhanden. Es hat sich in den leeren Raum, der da gelassen worden ist, hineinergossen, was von Mitteleuropa und dem europäischen Osten gekommen ist. So daß man sagen kann: das rassenhafte Element, auch des europäischen Südens und des europäischen Westens, ist das germanische Element, das nur in den verschiedenen Schattierungen in den britischen Inseln, in Frankreich, in Spanien und aber dort auch völlig überflossen vom Lateinertum — auf der italienischen Halbinsel vorhanden ist.
[ 43 ] Das Rassenelement ist also dasjenige, was sich von Osten nach Westen und nach Süden hin bewegt, während das Wissenselement vom Süden nach Norden sich bewegt. Das Rassenelement ist es, welches sich von Osten nach Westen und Süden und längs des europäischen Westens nach Norden bewegt und allmählich abflutet nach dem Norden zu. So daß, wenn man richtig sprechen will, von einem germanischen Rassenelement, aber nicht von einer lateinischen Rasse gesprochen werden kann. Von einer lateinischen Rasse zu sprechen ist ebenso gescheit, wie von einem hölzernen Eisen zu sprechen; weil das Lateinertum, wie es geworden ist, nichts ist, was einer Rasse anhaftet, sondern etwas, was sich als blutloses Wissen über einen Teil der europäischen Urbevölkerung ergossen hat. Aber von einer lateinischen Rasse sprechen kann nur der Materialismus, denn Latinität hat nichts zu tun mit etwas Rassenhaftem.
[ 43 ] Das Rassenelement ist also dasjenige, was sich von Osten nach Westen und nach Süden hin bewegt, während das Wissenselement vom Süden nach Norden sich bewegt. Das Rassenelement ist es, welches sich von Osten nach Westen und Süden und längs des europäischen Westens nach Norden bewegt und allmählich abflutet nach dem Norden zu. So daß, wenn man richtig sprechen will, von einem germanischen Rassenelement, aber nicht von einer lateinischen Rasse gesprochen werden kann. Von einer lateinischen Rasse zu sprechen ist ebenso gescheit, wie von einem hölzernen Eisen zu sprechen; weil das Lateinertum, wie es geworden ist, nichts ist, was einer Rasse anhaftet, sondern etwas, was sich als blutloses Wissen über einen Teil der europäischen Urbevölkerung ergossen hat. Aber von einer lateinischen Rasse sprechen kann nur der Materialismus, denn Latinität hat nichts zu tun mit etwas Rassenhaftem.
[ 44 ] So sehen wir, wie gewissermaßen der Bibelspruch fortwirkt in diesem Teile der europäischen Geschichte, wie das Schicksal der Latinität Erfüllung ist des Spruches: «Von dem Baume des Lebens sollt ihr nicht essen», und wie das Leben, das der Erde gegeben worden ist mit dem Mysterium von Golgatha, nicht völlig in Einklang kommen konnte mit dem alten Wissen; sondern wie in das, was geblieben ist von der Urweisheit und was versickert war, neues Leben hineinkommen mußte. Wenn wir sachlich die Frage beantworten sollen: Wo bleibt das, was aus solchem neuen Leben sich nicht erhalten hat in seiner besonderen Eigenart, sondern in der Geschichte verschwunden ist: das westgotische, das suevische, das langobardische, das ostgotische Element und so weiter? — so müssen wir zur Antwort geben: Es lebt als Leben fort innerhalb der lateinischen Kultur. Das ist der wahre Tatbestand, den man allerdings kennen muß mit Bezug auf dasjenige, was ausgeht von dem uralten Bibel-Doppelspruche und was in alten Zeiten mit Bezug auf die Entwickelung Europas wirkt, um diese Entwickelung Europas zu verstehen.
[ 44 ] So sehen wir, wie gewissermaßen der Bibelspruch fortwirkt in diesem Teile der europäischen Geschichte, wie das Schicksal der Latinität Erfüllung ist des Spruches: «Von dem Baume des Lebens sollt ihr nicht essen», und wie das Leben, das der Erde gegeben worden ist mit dem Mysterium von Golgatha, nicht völlig in Einklang kommen konnte mit dem alten Wissen; sondern wie in das, was geblieben ist von der Urweisheit und was versickert war, neues Leben hineinkommen mußte. Wenn wir sachlich die Frage beantworten sollen: Wo bleibt das, was aus solchem neuen Leben sich nicht erhalten hat in seiner besonderen Eigenart, sondern in der Geschichte verschwunden ist: das westgotische, das suevische, das langobardische, das ostgotische Element und so weiter? — so müssen wir zur Antwort geben: Es lebt als Leben fort innerhalb der lateinischen Kultur. Das ist der wahre Tatbestand, den man allerdings kennen muß mit Bezug auf dasjenige, was ausgeht von dem uralten Bibel-Doppelspruche und was in alten Zeiten mit Bezug auf die Entwickelung Europas wirkt, um diese Entwickelung Europas zu verstehen.
[ 45 ] Ich mußte Ihnen heute gleichsam diese geschichtliche Auseinandersetzung geben, weil ich Ihnen Dinge zu sagen haben werde, welche voraussetzen, daß man über diese geschichtliche Entwickelung nicht die falschen Begriffe des heutigen Materialismus und Formalismus habe.
[ 45 ] Ich mußte Ihnen heute gleichsam diese geschichtliche Auseinandersetzung geben, weil ich Ihnen Dinge zu sagen haben werde, welche voraussetzen, daß man über diese geschichtliche Entwickelung nicht die falschen Begriffe des heutigen Materialismus und Formalismus habe.
