Artistic and Existential Questions
in the Light of Spiritual Science
GA 162
7 August 1915, Dornach
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Zwölfter Vortrag
Zwölfter Vortrag
[ 1 ] Heute möchte ich Verschiedenes zusammenstellen, das uns die Möglichkeit bieten wird, morgen auf einiges Bedeutungsvolle einzugehen, das wir in unserm jetzigen Zusammenhang besprechen wollen.
[ 1 ] Heute möchte ich Verschiedenes zusammenstellen, das uns die Möglichkeit bieten wird, morgen auf einiges Bedeutungsvolle einzugehen, das wir in unserm jetzigen Zusammenhang besprechen wollen.
[ 2 ] Nehmen wir einmal an, hier wäre etwa die Oberfläche der Erde, ein Stück Acker oder irgendwie ein Stück Wiese, oder was es immer ist (siehe Zeichnung), und in dieser Wiese wurzelten Pflanzen, irgendwelche Pflanzen, und hier sei etwa ein Wurm oder irgendein kleines Tier, das eben da unter der Erde lebt und wühlt, und das seinen Aufenthalt so unter der Erde hat, daß es niemals über die Erde hinaufkommt, also immer innerhalb der Erde lebt. Diese, sagen wir, Made, Raupe, oder was es sonst ist, die kriecht also da drinnen herum und lernt bei ihrem Herumkriechen die Wurzeln dieser Pflanzen kennen. Selbstverständlich, da dieses Tier niemals über die Oberfläche der Erde herauskommt, lernt es immer nur kennen die Wurzeln der Pflanzen, nichts anderes, kriecht herum und lernt nur die Wurzeln der Pflanzen kennen. Und dasjenige, was geschehen wird, nicht wahr, das ist ja das Folgende.
[ 2 ] Nehmen wir einmal an, hier wäre etwa die Oberfläche der Erde, ein Stück Acker oder irgendwie ein Stück Wiese, oder was es immer ist (siehe Zeichnung), und in dieser Wiese wurzelten Pflanzen, irgendwelche Pflanzen, und hier sei etwa ein Wurm oder irgendein kleines Tier, das eben da unter der Erde lebt und wühlt, und das seinen Aufenthalt so unter der Erde hat, daß es niemals über die Erde hinaufkommt, also immer innerhalb der Erde lebt. Diese, sagen wir, Made, Raupe, oder was es sonst ist, die kriecht also da drinnen herum und lernt bei ihrem Herumkriechen die Wurzeln dieser Pflanzen kennen. Selbstverständlich, da dieses Tier niemals über die Oberfläche der Erde herauskommt, lernt es immer nur kennen die Wurzeln der Pflanzen, nichts anderes, kriecht herum und lernt nur die Wurzeln der Pflanzen kennen. Und dasjenige, was geschehen wird, nicht wahr, das ist ja das Folgende.


[ 3 ] Es werden — wenn es gerade die richtige Zeit ist, in der diese Raupe da herumkriecht — da droben in den Pflanzen, überhaupt in den ganzen Pflanzen, Vorgänge vor sich gehen, die abhängig sind davon, daß die Sonne scheint, daß die Sonne eine gewisse Wärme ausbreitet. Diese Vorgänge, die da mit den Pflanzen vorgehen, die werden selbstverständlich auch bewirken, daß in den Wurzeln drinnen Veränderungen vor sich gehen. Wenn die Pflanze oben anfängt, frische Triebe zu bekommen, anfängt, Blüten zu tragen, so gehen unten in den Wurzeln auch Veränderungen vor sich, selbstverständlich. Es werden alle Vorgänge in den Wurzeln veranlaßt, anders vor sich zu gehen, wenn da oben irgendwie etwas vor sich geht. Wir können also sagen: Wenn da dieser Wurm unten herumkriecht, so geschieht mittlerweile das, daß da oben durch dasjenige, was dieSonne bewirkt, hervorgeholt werden Triebe, Blätter, Früchte; und dann werden dadurch auch Vorgänge bewirkt in den Wurzeln. Die Raupe kriecht aber nur herum in der Erde; sie kriecht von Wurzel zu Wurzel.
[ 3 ] Es werden — wenn es gerade die richtige Zeit ist, in der diese Raupe da herumkriecht — da droben in den Pflanzen, überhaupt in den ganzen Pflanzen, Vorgänge vor sich gehen, die abhängig sind davon, daß die Sonne scheint, daß die Sonne eine gewisse Wärme ausbreitet. Diese Vorgänge, die da mit den Pflanzen vorgehen, die werden selbstverständlich auch bewirken, daß in den Wurzeln drinnen Veränderungen vor sich gehen. Wenn die Pflanze oben anfängt, frische Triebe zu bekommen, anfängt, Blüten zu tragen, so gehen unten in den Wurzeln auch Veränderungen vor sich, selbstverständlich. Es werden alle Vorgänge in den Wurzeln veranlaßt, anders vor sich zu gehen, wenn da oben irgendwie etwas vor sich geht. Wir können also sagen: Wenn da dieser Wurm unten herumkriecht, so geschieht mittlerweile das, daß da oben durch dasjenige, was dieSonne bewirkt, hervorgeholt werden Triebe, Blätter, Früchte; und dann werden dadurch auch Vorgänge bewirkt in den Wurzeln. Die Raupe kriecht aber nur herum in der Erde; sie kriecht von Wurzel zu Wurzel.
[ 4 ] Nun nehmen wir einmal an — hypothetisch können wir das ja annehmen —, diese Raupe oder Made sei ein Wurm- oder ein Raupenphilosoph und bilde sich eine Weltanschauung. Also sie kriecht herum da unten unter der Erde und bildet sich eine Weltanschauung. In dem Bilde, das sie sich da als Weltanschauung zurechtmacht, kann selbstverständlich niemals das eine Rolle spielen, was da durch den Einfluß der Sonne kommt und die Triebe hervorlockt; denn davon kann ja die Raupe nichts wissen; sie kriecht herum, diese Raupe, dieser Wurm, und studiert die Veränderungen an den Wurzeln, und merkt ganz gut, daß da etwas vor sich geht, daß die Wurzeln anders werden, und auch in dem umliegenden Erdreich etwas vor sich geht. Und dieser Wurm drückt jetzt alles aus in seiner Weltanschauung, was er weiß. Das drückt er alles aus, aber es kommt niemals in dem Weltbild, das sich dieser Wurm macht, davon etwas vor, daß die Sonne hervorkommt, die Pflanzen hervorkommen. Das ist ja ganz selbstverständlich. Das heißt, es entsteht in diesem Wurmphilosophen eine Weltanschauung, welche ein entsprechendes Bild geben wird über den Zusammenhang der Tatsachen, ob da unten die Erde feuchter wird, wärmer wird und so weiter. Er weiß zwar nicht, der Wurm, woher diese Wärme kommt; daß es wärmer wird, daß in den Wurzeln allerlei Vorgänge vor sich gehen, das alles faßt er zusammen.
[ 4 ] Nun nehmen wir einmal an — hypothetisch können wir das ja annehmen —, diese Raupe oder Made sei ein Wurm- oder ein Raupenphilosoph und bilde sich eine Weltanschauung. Also sie kriecht herum da unten unter der Erde und bildet sich eine Weltanschauung. In dem Bilde, das sie sich da als Weltanschauung zurechtmacht, kann selbstverständlich niemals das eine Rolle spielen, was da durch den Einfluß der Sonne kommt und die Triebe hervorlockt; denn davon kann ja die Raupe nichts wissen; sie kriecht herum, diese Raupe, dieser Wurm, und studiert die Veränderungen an den Wurzeln, und merkt ganz gut, daß da etwas vor sich geht, daß die Wurzeln anders werden, und auch in dem umliegenden Erdreich etwas vor sich geht. Und dieser Wurm drückt jetzt alles aus in seiner Weltanschauung, was er weiß. Das drückt er alles aus, aber es kommt niemals in dem Weltbild, das sich dieser Wurm macht, davon etwas vor, daß die Sonne hervorkommt, die Pflanzen hervorkommen. Das ist ja ganz selbstverständlich. Das heißt, es entsteht in diesem Wurmphilosophen eine Weltanschauung, welche ein entsprechendes Bild geben wird über den Zusammenhang der Tatsachen, ob da unten die Erde feuchter wird, wärmer wird und so weiter. Er weiß zwar nicht, der Wurm, woher diese Wärme kommt; daß es wärmer wird, daß in den Wurzeln allerlei Vorgänge vor sich gehen, das alles faßt er zusammen.
[ 5 ] Und nehmen wir nun an, der Wurm wäre nicht ein gewöhnlicher Wurmphilosoph, sondern er wäre sogar inspiriert von irgendeinem modernen Philosophen mit der heute ja so gangbaren Anschauung, daß alles zusammenhängt nach Ursache und Wirkung, alles der Kausalität unterstellt ist, wie man das wissenschaftlich philosophisch-technisch ausdrückt: Da wird dieser Wurm da unten herumkriechen und wird das eine die Ursache nennen, das andere die Wirkung, und wird also sagen: Nun, die Erde wird von oben herunter etwas wärmer; das bewirkt, daß die Wurzeln sich verändern. — Er wird dann die weiteren Vorgänge in den Wurzeln darstellen, und es wird ein zusammenhängendes Bild entstehen, welches alle die Vorgänge unter der Erde nach Ursache und Wirkung gliedert. Aber nichts wird darin stehen davon, daß die Sonne scheint und die Pflanzen herauslockt, und damit die Vorgänge in den Wurzeln sich ändern. Aber das Weltbild dieses Wurmphilosophen wird ein ganz zusammenhängendes sein. Es wird ein richtiges Kausalitätsbild sein können; nirgends wird etwas in der Kette von Ursache und Wirkung zu fehlen brauchen.
[ 5 ] Und nehmen wir nun an, der Wurm wäre nicht ein gewöhnlicher Wurmphilosoph, sondern er wäre sogar inspiriert von irgendeinem modernen Philosophen mit der heute ja so gangbaren Anschauung, daß alles zusammenhängt nach Ursache und Wirkung, alles der Kausalität unterstellt ist, wie man das wissenschaftlich philosophisch-technisch ausdrückt: Da wird dieser Wurm da unten herumkriechen und wird das eine die Ursache nennen, das andere die Wirkung, und wird also sagen: Nun, die Erde wird von oben herunter etwas wärmer; das bewirkt, daß die Wurzeln sich verändern. — Er wird dann die weiteren Vorgänge in den Wurzeln darstellen, und es wird ein zusammenhängendes Bild entstehen, welches alle die Vorgänge unter der Erde nach Ursache und Wirkung gliedert. Aber nichts wird darin stehen davon, daß die Sonne scheint und die Pflanzen herauslockt, und damit die Vorgänge in den Wurzeln sich ändern. Aber das Weltbild dieses Wurmphilosophen wird ein ganz zusammenhängendes sein. Es wird ein richtiges Kausalitätsbild sein können; nirgends wird etwas in der Kette von Ursache und Wirkung zu fehlen brauchen.
[ 6 ] Nun sehen Sie, es ist Ihnen ganz klar, glaube ich, daß diese Wurmphilosophie ein einheitliches Weltbild hat, das ganz richtig ist, aber daß ihm eben dasjenige fehlt, was wir Menschen als das Wichtigste anschauen müssen, nämlich daß die Sonne mit ihrer Wärme, ihrem Licht kommt, und das bewirkt, was der Wurm da unten beobachtet. Seine ganze Kausalität hängt eben nur davon ab, daß er nicht über die Oberfläche der Erde heraufkommt und daher nicht wissen kann, was über der Erde vor sich geht.
[ 6 ] Nun sehen Sie, es ist Ihnen ganz klar, glaube ich, daß diese Wurmphilosophie ein einheitliches Weltbild hat, das ganz richtig ist, aber daß ihm eben dasjenige fehlt, was wir Menschen als das Wichtigste anschauen müssen, nämlich daß die Sonne mit ihrer Wärme, ihrem Licht kommt, und das bewirkt, was der Wurm da unten beobachtet. Seine ganze Kausalität hängt eben nur davon ab, daß er nicht über die Oberfläche der Erde heraufkommt und daher nicht wissen kann, was über der Erde vor sich geht.
[ 7 ] Sehen Sie, solche Würmer sind im Grunde genommen doch die Menschen, welche an der Kette der Kausalität, der Ursachen und Wirkungen, heute Philosophien machen. Das Bild ist ein vollkommen zutreffendes: die Menschen untersuchen das, was ihre Sinne sehen; sie gehen herum unter den Dingen und bewegen sich eben in dem, was ja jetzt nicht räumlich nach oben abgeschlossen ist, aber was durch die Sinnesanschauung begrenzt ist, und nehmen einfach das Geistige nicht wahr, das sich um sie ausbreitet, und das in Wirklichkeit die Vorgänge bewirkt, die sie der Kette von Ursache und Wirkung zuschreiben. Es ist wirklich vergleichsweise genau dasselbe.
[ 7 ] Sehen Sie, solche Würmer sind im Grunde genommen doch die Menschen, welche an der Kette der Kausalität, der Ursachen und Wirkungen, heute Philosophien machen. Das Bild ist ein vollkommen zutreffendes: die Menschen untersuchen das, was ihre Sinne sehen; sie gehen herum unter den Dingen und bewegen sich eben in dem, was ja jetzt nicht räumlich nach oben abgeschlossen ist, aber was durch die Sinnesanschauung begrenzt ist, und nehmen einfach das Geistige nicht wahr, das sich um sie ausbreitet, und das in Wirklichkeit die Vorgänge bewirkt, die sie der Kette von Ursache und Wirkung zuschreiben. Es ist wirklich vergleichsweise genau dasselbe.
[ 8 ] Wenn der Wurm nun plötzlich herausgezogen würde, die Sonne sehen könnte, und merken könnte, daß alles, was er da unten ausgeklügelt hat, im Grunde genommen nicht die Ursache, sondern die Wirkung von dem ist, was die andern Wesen da oben sehen und was da als Sonne, Licht, Wärme, Luft, Wasser existiert: er müßte wahrnehmen, daß sein Weltbild einfach nicht gilt; er müßte erkennen, daß oben die Ursache für dasjenige ist, was er selber unten wahrgenommen hat. Gerade dasselbe ist es, wenn man sich erhebt von der gewöhnlichen Menschenanschauung zu Geistesanschauungen; denn man merkt, wie da dasjenige in die Sinnenwelt hereinkommt, was eben unter gewöhnlichen Umständen nicht wahrgenommen werden kann.
[ 8 ] Wenn der Wurm nun plötzlich herausgezogen würde, die Sonne sehen könnte, und merken könnte, daß alles, was er da unten ausgeklügelt hat, im Grunde genommen nicht die Ursache, sondern die Wirkung von dem ist, was die andern Wesen da oben sehen und was da als Sonne, Licht, Wärme, Luft, Wasser existiert: er müßte wahrnehmen, daß sein Weltbild einfach nicht gilt; er müßte erkennen, daß oben die Ursache für dasjenige ist, was er selber unten wahrgenommen hat. Gerade dasselbe ist es, wenn man sich erhebt von der gewöhnlichen Menschenanschauung zu Geistesanschauungen; denn man merkt, wie da dasjenige in die Sinnenwelt hereinkommt, was eben unter gewöhnlichen Umständen nicht wahrgenommen werden kann.
[ 9 ] Sie sehen daraus auch, daß die viel gerühmte innere Geschlossenheit einer Weltanschauung nichts bedeutet für deren Richtigkeit. Derjenige, der sich so richtig mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele in dieses Wurmdasein hinein zu versetzen vermag, der kann die Versicherung abgeben, daß nichts irgendwie in diesen Wurmanschauungen auf einem logischen Fehler beruhen muß. Da kann alles logisch in sich richtig und geschlossen sein, da braucht gar kein logischer Fehler drinnen zu sein, das kann eine vollständig innerlich haltbare Weltanschauung sein. Daraus aber ersehen Sie, daß es gar nicht darauf ankommt, ob man irgend etwas eben mit den Mitteln der Welt, in der man ist, beweisen kann oder nicht. Ich habe das öfter von anderen Gesichtspunkten aus erwähnt. Es kann sich da nicht darum handeln, ob man etwas mit den Mitteln der Welt, innerhalb welcher man sich aufhält, beweisen kann oder nicht. Weltanschauungen können noch so schöne Beweise für sich haben, sie bleiben eben doch, sagen wir, Wurmanschauungen.
[ 9 ] Sie sehen daraus auch, daß die viel gerühmte innere Geschlossenheit einer Weltanschauung nichts bedeutet für deren Richtigkeit. Derjenige, der sich so richtig mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele in dieses Wurmdasein hinein zu versetzen vermag, der kann die Versicherung abgeben, daß nichts irgendwie in diesen Wurmanschauungen auf einem logischen Fehler beruhen muß. Da kann alles logisch in sich richtig und geschlossen sein, da braucht gar kein logischer Fehler drinnen zu sein, das kann eine vollständig innerlich haltbare Weltanschauung sein. Daraus aber ersehen Sie, daß es gar nicht darauf ankommt, ob man irgend etwas eben mit den Mitteln der Welt, in der man ist, beweisen kann oder nicht. Ich habe das öfter von anderen Gesichtspunkten aus erwähnt. Es kann sich da nicht darum handeln, ob man etwas mit den Mitteln der Welt, innerhalb welcher man sich aufhält, beweisen kann oder nicht. Weltanschauungen können noch so schöne Beweise für sich haben, sie bleiben eben doch, sagen wir, Wurmanschauungen.
[ 10 ] Wenn man dies wirklich auf seine Seele wirken läßt, so merkt man, was dahinter sehr bedeutsam steht: man merkt, wie, wenn man nur einmal ahnt, daß es noch andere Welten gibt, eine Art allgemeiner Weltenverpflichtung entsteht, sich einzulassen auf diese anderen Welten. Denn man braucht ja eben, wenn man eine noch so geschlossene Weltanschauung hat, über die wirklichen Vorgänge mit dieser geschlossenen Weltanschauung gar nichts zu wissen. Und das ist esin der Tat, was man zumeist bei den Philosophien der Gegenwart und der unmittelbaren Vergangenheit hat: sie sind Wurmanschauungen. Sie sind wirklich außerordentlich logisch in sich geschlossen, sie haben für die Welten, in denen man sich aufhält, außerordentlich viel für sich; aber sie sind eben aufgebaut mit den Mitteln der Welten, in denen man sich aufhält.
[ 10 ] Wenn man dies wirklich auf seine Seele wirken läßt, so merkt man, was dahinter sehr bedeutsam steht: man merkt, wie, wenn man nur einmal ahnt, daß es noch andere Welten gibt, eine Art allgemeiner Weltenverpflichtung entsteht, sich einzulassen auf diese anderen Welten. Denn man braucht ja eben, wenn man eine noch so geschlossene Weltanschauung hat, über die wirklichen Vorgänge mit dieser geschlossenen Weltanschauung gar nichts zu wissen. Und das ist esin der Tat, was man zumeist bei den Philosophien der Gegenwart und der unmittelbaren Vergangenheit hat: sie sind Wurmanschauungen. Sie sind wirklich außerordentlich logisch in sich geschlossen, sie haben für die Welten, in denen man sich aufhält, außerordentlich viel für sich; aber sie sind eben aufgebaut mit den Mitteln der Welten, in denen man sich aufhält.
[ 11 ] Sie sehen daraus, daß Sie nichts geben können auf sogenannte Beweise, sondern daß Sie erst darauf sehen müssen, woher diese Beweise genommen sind. Für unsere Gegenwart handelt es sich wirklich darum, ein Gefühl zu bekommen für das Sich-Aufgehen-Lassen von anderen Welten, für das Offenbar-Werden-Lassen von anderen Welten. Gewiß, schwierig ist dieses. Denn, nicht wahr, des Wurmes Bedingungen sind, unter der Erde zu wohnen; so wird er es oben nicht gut aushalten, wenn er heraufgedrängt wird; er müßte sich erst an die neuen Bedingungen anpassen. So ist es natürlich auch schwierig für den Menschen, wenn er sich als Seele abtrennt von seinem Leiblichen, sich anzupassen an die neuen Bedingungen.
[ 11 ] Sie sehen daraus, daß Sie nichts geben können auf sogenannte Beweise, sondern daß Sie erst darauf sehen müssen, woher diese Beweise genommen sind. Für unsere Gegenwart handelt es sich wirklich darum, ein Gefühl zu bekommen für das Sich-Aufgehen-Lassen von anderen Welten, für das Offenbar-Werden-Lassen von anderen Welten. Gewiß, schwierig ist dieses. Denn, nicht wahr, des Wurmes Bedingungen sind, unter der Erde zu wohnen; so wird er es oben nicht gut aushalten, wenn er heraufgedrängt wird; er müßte sich erst an die neuen Bedingungen anpassen. So ist es natürlich auch schwierig für den Menschen, wenn er sich als Seele abtrennt von seinem Leiblichen, sich anzupassen an die neuen Bedingungen.
[ 12 ] Nun können Sie eine Frage aufwerfen, meine lieben Freunde. Sie können sagen: Na schön, du hast uns jetzt die Welt, in der der Mensch mit seinen Sinnen ist, verglichen mit dem, was da unter der Erde ist. Zeige uns irgend etwas, was unsere gewöhnlichen Sinnesanschauungen eben in irgendeiner Weise begrenzt, richtig begrenzt. Darauf kann man auch strenge hinweisen. Dadurch daß die Aufeinanderfolge des Werdens von Saturn, Sonne, Mond vor sich gegangen ist, ist eigentlich erst eingetreten, und zwar während des Mondendaseins, die Zeit in die Anschauungen, die der Mensch hat, und während des Erdendaseins eigentlich erst der Raum. Wenn wir von Saturn, Sonne und Mond sprechen, und dabei räumliche Vorstellungen zu Hilfe nehmen, so reden wir wirklich nur bildlich, nur in Imaginationen, und wir müssen uns durchaus bewußt sein, daß, wenn wir von diesen drei Welten in Raumesvorstellungen sprechen, diese Raumesvorstellungen so viel zu tun haben mit dem, was da früher sich vollzogen hat, sagen wir, wie die Formen unserer Buchstaben mit dem Sinn des Wortes. Wir dürfen nicht die heutigen Vorstellungen als solche nehmen, sondern müssen sie als Zeichen, als Bilder nehmen für dasjenige, was daraus folgt. Denn der Raum hat nur eine Bedeutung für das, was sich innerhalb des Erdendaseins entwickelt, und die Zeit hat eigentlich erst eine Bedeutung seit der Loslösung des alten Mondes von der Sonne. Das ist der strikte Punkt, in welchem sich ablöst der Mond, der alte, von der Sonne. Da erst ist es möglich, von solchen in der Zeit verlaufenden Vorgängen zu sprechen, wie wir heute davon sprechen.
[ 12 ] Nun können Sie eine Frage aufwerfen, meine lieben Freunde. Sie können sagen: Na schön, du hast uns jetzt die Welt, in der der Mensch mit seinen Sinnen ist, verglichen mit dem, was da unter der Erde ist. Zeige uns irgend etwas, was unsere gewöhnlichen Sinnesanschauungen eben in irgendeiner Weise begrenzt, richtig begrenzt. Darauf kann man auch strenge hinweisen. Dadurch daß die Aufeinanderfolge des Werdens von Saturn, Sonne, Mond vor sich gegangen ist, ist eigentlich erst eingetreten, und zwar während des Mondendaseins, die Zeit in die Anschauungen, die der Mensch hat, und während des Erdendaseins eigentlich erst der Raum. Wenn wir von Saturn, Sonne und Mond sprechen, und dabei räumliche Vorstellungen zu Hilfe nehmen, so reden wir wirklich nur bildlich, nur in Imaginationen, und wir müssen uns durchaus bewußt sein, daß, wenn wir von diesen drei Welten in Raumesvorstellungen sprechen, diese Raumesvorstellungen so viel zu tun haben mit dem, was da früher sich vollzogen hat, sagen wir, wie die Formen unserer Buchstaben mit dem Sinn des Wortes. Wir dürfen nicht die heutigen Vorstellungen als solche nehmen, sondern müssen sie als Zeichen, als Bilder nehmen für dasjenige, was daraus folgt. Denn der Raum hat nur eine Bedeutung für das, was sich innerhalb des Erdendaseins entwickelt, und die Zeit hat eigentlich erst eine Bedeutung seit der Loslösung des alten Mondes von der Sonne. Das ist der strikte Punkt, in welchem sich ablöst der Mond, der alte, von der Sonne. Da erst ist es möglich, von solchen in der Zeit verlaufenden Vorgängen zu sprechen, wie wir heute davon sprechen.
[ 13 ] Damit aber, daß wir unsere geistigen Vorstellungen im Raum und in der Zeit haben — denn nicht wahr, alles Äußerliche, was wir vorstellen, ist im Raum, alles Innerliche, was wir zum Bewußtsein bringen, innerlich aufleben lassen, verläuft in der Zeit —, dadurch sind wir gewissermaßen zwischen Geburt und Tod, aber eben nur zwischen Geburt und Tod, in Raum und Zeit eingeschlossen, wie der Wurm da unten in seiner Erde wohnt. Raum und Zeit grenzen uns ebenso ein, wie diesen Wurm die Erdensubstanz eingrenzt. Wir sind Würmer des Raumes und Würmer der Zeit; wir sind es wirklich in einem ganz hohen, in einem ganz richtigen Sinne. Denn wir bewegen uns, so wie wir sind als inkarnierte Menschen, im Raume, schauen die Dinge im Raume an; und dasjenige, was anschaut, ist unsere Seele, die selber in der Zeit lebt. Zwischen Geburt und Tod geht Zeit vor sich, vom Einschlafen bis zum Aufwachen geht Zeit vor sich. Der Vergleich ist gar nicht einmal ein so schlechter, wenn man auf die Realität selbst schaut. Insofern unsere Seele im Leibe eingeschlossen ist, ist sie mit ihrem Bilden eines Weltbildes so richtig ein Wurm, der im Raume kriecht und der, wenn er zu den Realitäten kommen will, aus dem Raume heraus muß; dann sich auch daran gewöhnen muß, nicht mehr bloß unter den Bedingungen der Zeit die Dinge anzuschauen, sondern unter solchen Bedingungen, für die das, was in der Zeit verläuft, eben nur ein äußeres Zeichen ist, gleichsam ein Buchstabe.
[ 13 ] Damit aber, daß wir unsere geistigen Vorstellungen im Raum und in der Zeit haben — denn nicht wahr, alles Äußerliche, was wir vorstellen, ist im Raum, alles Innerliche, was wir zum Bewußtsein bringen, innerlich aufleben lassen, verläuft in der Zeit —, dadurch sind wir gewissermaßen zwischen Geburt und Tod, aber eben nur zwischen Geburt und Tod, in Raum und Zeit eingeschlossen, wie der Wurm da unten in seiner Erde wohnt. Raum und Zeit grenzen uns ebenso ein, wie diesen Wurm die Erdensubstanz eingrenzt. Wir sind Würmer des Raumes und Würmer der Zeit; wir sind es wirklich in einem ganz hohen, in einem ganz richtigen Sinne. Denn wir bewegen uns, so wie wir sind als inkarnierte Menschen, im Raume, schauen die Dinge im Raume an; und dasjenige, was anschaut, ist unsere Seele, die selber in der Zeit lebt. Zwischen Geburt und Tod geht Zeit vor sich, vom Einschlafen bis zum Aufwachen geht Zeit vor sich. Der Vergleich ist gar nicht einmal ein so schlechter, wenn man auf die Realität selbst schaut. Insofern unsere Seele im Leibe eingeschlossen ist, ist sie mit ihrem Bilden eines Weltbildes so richtig ein Wurm, der im Raume kriecht und der, wenn er zu den Realitäten kommen will, aus dem Raume heraus muß; dann sich auch daran gewöhnen muß, nicht mehr bloß unter den Bedingungen der Zeit die Dinge anzuschauen, sondern unter solchen Bedingungen, für die das, was in der Zeit verläuft, eben nur ein äußeres Zeichen ist, gleichsam ein Buchstabe.
[ 14 ] Nun will ich, nachdem ich auf dieses aufmerksam gemacht habe, diese Betrachtungen überleiten auf das geistig-seelische Gebiet. Wie wirklich in dem Keime schon die folgende Pflanze enthalten ist, so war natürlich dasjenige, was sich heute auf Erden in Raum- und Zeitwahrnehmungen entwickelt, für den Menschen entwickelt, im Keim schon enthalten in den früheren Zuständen. Ich habe darauf schon in einem Zusammenhange hier aufmerksam gemacht, daß in Saturn, Sonne und Mond eben schon Keime enthalten sind. So daß, wenn wir hier auf der Erde dem, was um uns herum geschieht, einen gewissen Sinn beilegen, wir diesen Sinn gewissermaßen in den alten Vorgängen des Mondes, der Sonne, des Saturns schon drinnen sehen müssen. Mit der Bildung der Zeit und der Bildung des Raumes muß sich in irgendeiner Weise der Sinn des Lebens auf unserer Erde zubereitet haben. Es muß gleichsam das Bilden von Zeit und Raum so geschehen sein, daß dann wie eine Art von Blüte dazu gekommen ist der Sinn des Erdenlebens.
[ 14 ] Nun will ich, nachdem ich auf dieses aufmerksam gemacht habe, diese Betrachtungen überleiten auf das geistig-seelische Gebiet. Wie wirklich in dem Keime schon die folgende Pflanze enthalten ist, so war natürlich dasjenige, was sich heute auf Erden in Raum- und Zeitwahrnehmungen entwickelt, für den Menschen entwickelt, im Keim schon enthalten in den früheren Zuständen. Ich habe darauf schon in einem Zusammenhange hier aufmerksam gemacht, daß in Saturn, Sonne und Mond eben schon Keime enthalten sind. So daß, wenn wir hier auf der Erde dem, was um uns herum geschieht, einen gewissen Sinn beilegen, wir diesen Sinn gewissermaßen in den alten Vorgängen des Mondes, der Sonne, des Saturns schon drinnen sehen müssen. Mit der Bildung der Zeit und der Bildung des Raumes muß sich in irgendeiner Weise der Sinn des Lebens auf unserer Erde zubereitet haben. Es muß gleichsam das Bilden von Zeit und Raum so geschehen sein, daß dann wie eine Art von Blüte dazu gekommen ist der Sinn des Erdenlebens.
[ 15 ] Nun können wir uns ja von diesen Vorgängen auf Saturn, Sonne und Mond folgendes Bild machen. Wir können sagen: Wir haben ein altes Saturndasein (I), das ist umgeben von dem Kosmos; wir haben ein altes Sonnendasein (II), wiederum umgeben von dem Kosmos; wir haben ein altes Mondendasein (III), aber aus dem Mondendasein heraus sich schon entwickelnd eine Art Nebenplanet — das brauchen Sie ja nur in meiner «Geheimwissenschaft» nachzulesen —; und wir haben dann das Erdendasein (IV) so kennen gelernt, daß sich die Erde abtrennt vom Sonnendasein, und wiederum abtrennt vom Mondendasein.
[ 15 ] Nun können wir uns ja von diesen Vorgängen auf Saturn, Sonne und Mond folgendes Bild machen. Wir können sagen: Wir haben ein altes Saturndasein (I), das ist umgeben von dem Kosmos; wir haben ein altes Sonnendasein (II), wiederum umgeben von dem Kosmos; wir haben ein altes Mondendasein (III), aber aus dem Mondendasein heraus sich schon entwickelnd eine Art Nebenplanet — das brauchen Sie ja nur in meiner «Geheimwissenschaft» nachzulesen —; und wir haben dann das Erdendasein (IV) so kennen gelernt, daß sich die Erde abtrennt vom Sonnendasein, und wiederum abtrennt vom Mondendasein.


[ 16 ] Wenn ein materialistisch denkender Mensch — ich will das Günstigste für unsere Geisteswissenschaft annehmen — selbst sich überwinden könnte, an diese Vorgänge zu glauben, so würde er aber noch immer den nächsten Schritt zu überwinden haben, der darin besteht, sich zu überzeugen, daß im Grunde genommen die ganzen Vorgänge — Saturnentstehung, Sonnenentwickelung, dann Heranentwickelung zum Mond, Abtrennung des Mondes, Abtrennung von Erde, Sonne und Mond —, daß alle diese Vorgänge eigentlich geschehen, um den Menschen möglich zu machen, so wie er auf der Erde ist. So wie bei einer Pflanze die Vorgänge in den Wurzeln, in den Blättern geschehen, um die Blüte, die Frucht möglich zu machen, so geschehen alle diese Vorgänge, ich möchte sagen, diese makrokosmischen Vorgänge, um unser Leben auf der Erde möglich zu machen; sie geschehen, damit wir auf Erden gerade so leben können, wie wir eben leben. Man könnte auch sagen: Diese Vorgänge sind die Wurzeln unseres Lebens auf Erden; das ist deshalb da, damit wir so, wie wir auf Erden uns entwickeln, uns entwickeln können.
[ 16 ] Wenn ein materialistisch denkender Mensch — ich will das Günstigste für unsere Geisteswissenschaft annehmen — selbst sich überwinden könnte, an diese Vorgänge zu glauben, so würde er aber noch immer den nächsten Schritt zu überwinden haben, der darin besteht, sich zu überzeugen, daß im Grunde genommen die ganzen Vorgänge — Saturnentstehung, Sonnenentwickelung, dann Heranentwickelung zum Mond, Abtrennung des Mondes, Abtrennung von Erde, Sonne und Mond —, daß alle diese Vorgänge eigentlich geschehen, um den Menschen möglich zu machen, so wie er auf der Erde ist. So wie bei einer Pflanze die Vorgänge in den Wurzeln, in den Blättern geschehen, um die Blüte, die Frucht möglich zu machen, so geschehen alle diese Vorgänge, ich möchte sagen, diese makrokosmischen Vorgänge, um unser Leben auf der Erde möglich zu machen; sie geschehen, damit wir auf Erden gerade so leben können, wie wir eben leben. Man könnte auch sagen: Diese Vorgänge sind die Wurzeln unseres Lebens auf Erden; das ist deshalb da, damit wir so, wie wir auf Erden uns entwickeln, uns entwickeln können.
[ 17 ] Fassen wir genau ins Auge, daß wir es zu tun haben mit der Abtrennung der Sonne auf der einen Seite, der Abtrennung des Mondes auf der andern Seite, daß wir es also zu tun haben — damit unsere Erde als Erde zustandekomme — mit Trennungen. Das heißt, wir werden zurückgelassen auf dem Erdenplaneten, und abgetrennt haben sich von uns Sonne und Mond, und wirken nun von außen auf die Erde herein. Das mußte sich so ereignen, sonst könnte sich nichts in uns so entwickeln, wie es sich auf Erden entwickelt. Daß alles sich so entwickelt, wie es sich auf Erden entwickelt, dazu ist nötig, daß einmal in Urzeiten Sonne und Mond mit der Erde verbunden waren, und daß sie sich dann getrennt haben und von außen nun ihre Wirkungen hereinscheinen lassen auf die Erde. Das ist durchaus notwendig.
[ 17 ] Fassen wir genau ins Auge, daß wir es zu tun haben mit der Abtrennung der Sonne auf der einen Seite, der Abtrennung des Mondes auf der andern Seite, daß wir es also zu tun haben — damit unsere Erde als Erde zustandekomme — mit Trennungen. Das heißt, wir werden zurückgelassen auf dem Erdenplaneten, und abgetrennt haben sich von uns Sonne und Mond, und wirken nun von außen auf die Erde herein. Das mußte sich so ereignen, sonst könnte sich nichts in uns so entwickeln, wie es sich auf Erden entwickelt. Daß alles sich so entwickelt, wie es sich auf Erden entwickelt, dazu ist nötig, daß einmal in Urzeiten Sonne und Mond mit der Erde verbunden waren, und daß sie sich dann getrennt haben und von außen nun ihre Wirkungen hereinscheinen lassen auf die Erde. Das ist durchaus notwendig.
[ 18 ] Nun möchte ich darauf hinweisen, daß unser inneres seelisches Leben ganz bestimmte Konfigurationen angenommen hat dadurch, daß dies geschehen ist. Unter den mannigfaltigsten Begriffen, die wir haben — ich könnte ja viele Begriffe als Beispiel anführen — und die im ganzen Zusammenhang unseres Erdendaseins eine gewisse Rolle spielen, ist auch der Begriff des «Etwas-Besitzens», des «Etwas-Habens», was zusammenhängt damit, daß sich unsere Person mit etwas verbindet, was ebensogut außerhalb der Person ist. Wir sprechen in den seltensten Fällen davon, daß wir unsern Arm oder unsere Nase besitzen, denn nicht wahr, die meisten Menschen empfinden ihren Arm oder ihre Nase so sehr zu sich gehörig, daß sie da nicht von einem Besitz sprechen. Aber dasjenige, was auch getrennt sein könnte, und was dann zu uns gehört, bezeichnen wir lediglich im juristischen Sinne als einen Besitz, als einen richtigen Besitz.
[ 18 ] Nun möchte ich darauf hinweisen, daß unser inneres seelisches Leben ganz bestimmte Konfigurationen angenommen hat dadurch, daß dies geschehen ist. Unter den mannigfaltigsten Begriffen, die wir haben — ich könnte ja viele Begriffe als Beispiel anführen — und die im ganzen Zusammenhang unseres Erdendaseins eine gewisse Rolle spielen, ist auch der Begriff des «Etwas-Besitzens», des «Etwas-Habens», was zusammenhängt damit, daß sich unsere Person mit etwas verbindet, was ebensogut außerhalb der Person ist. Wir sprechen in den seltensten Fällen davon, daß wir unsern Arm oder unsere Nase besitzen, denn nicht wahr, die meisten Menschen empfinden ihren Arm oder ihre Nase so sehr zu sich gehörig, daß sie da nicht von einem Besitz sprechen. Aber dasjenige, was auch getrennt sein könnte, und was dann zu uns gehört, bezeichnen wir lediglich im juristischen Sinne als einen Besitz, als einen richtigen Besitz.
[ 19 ] Nun könnte sich in uns das gar nicht bilden, was wir die VorstelJung nennen: etwas von dem besitzen, was da draußen ist —, wenn nicht eingetreten wäre die Trennung desjenigen, was früher zur Erde gehört hat, und das Wiederbezogenwerden von Sonne und Mond zur Erde. Unser Leben noch auf der alten Sonne war ganz anders. Da waren Sonne und Mond eben mit dem, was Vorgänge der Erde waren, als Sonne verbunden; da waren sie mit dem ganzen Menschendasein innig verbunden. Da konnte der Mensch sagen: «Sonnenwirkung in mir», oder «Ich-Sonnenwirkung» — wenn er dazumal schon hätte «Ich» sagen können, die Erzengel konnten es aber — «Ich Sonnenwirkung»; nicht: die Sonne bescheint mich, es kommt das an mich heran, was Sonnenwirkung ist. — Das mußte vor sich gehen, daß abgetrennt wurde dieser Planet oder dieser Fixstern Sonne, damit wir als Erdenmenschen eben diese besondere Konfiguration der Besitzesvorstellung entwickeln konnten.
[ 19 ] Nun könnte sich in uns das gar nicht bilden, was wir die VorstelJung nennen: etwas von dem besitzen, was da draußen ist —, wenn nicht eingetreten wäre die Trennung desjenigen, was früher zur Erde gehört hat, und das Wiederbezogenwerden von Sonne und Mond zur Erde. Unser Leben noch auf der alten Sonne war ganz anders. Da waren Sonne und Mond eben mit dem, was Vorgänge der Erde waren, als Sonne verbunden; da waren sie mit dem ganzen Menschendasein innig verbunden. Da konnte der Mensch sagen: «Sonnenwirkung in mir», oder «Ich-Sonnenwirkung» — wenn er dazumal schon hätte «Ich» sagen können, die Erzengel konnten es aber — «Ich Sonnenwirkung»; nicht: die Sonne bescheint mich, es kommt das an mich heran, was Sonnenwirkung ist. — Das mußte vor sich gehen, daß abgetrennt wurde dieser Planet oder dieser Fixstern Sonne, damit wir als Erdenmenschen eben diese besondere Konfiguration der Besitzesvorstellung entwickeln konnten.
[ 20 ] Nun hängt das noch mit etwas anderem zusammen. Stellen Sie sich vor, noch auf dem alten Sonnendasein sagte der Erzengel: Ich Sonne. — Daß wir etwas sehen, das beruht darauf, daß die Sonnenstrahlen oder Lichtstrahlen auf den Gegenstand scheinen und zu uns zurückgeworfen werden. Würde die Sonne mitten in der Erde scheinen, so würden wir nichts sehen von den Gegenständen, die auf der Erde sind. Wir würden dann zwar sagen: Ich Sonne, Ich Licht, aber wir würden nicht die einzelnen Gegenstände unterscheiden, wir würden nicht die Gegenstände sehen. Also, Sie sehen, noch weiteres hängt damit zusammen. Während die Erde sich entwickelt von Saturn, Sonne, Mond zur Erde herüber, entsteht erst durch die Konstellation im Makrokosmos die Möglichkeit, die Gegenstände so zu sehen und wahrzunehmen, wie wir sie jetzt wahrnehmen. Solche Wahrnehmungen, die gab es natürlich während des Sonnendaseins nicht; wenn auch die ersten Anlagen unserer Sinnesorgane auf dem alten Saturn schon vorbereitet worden sind, aufgeschlossen wurden sie erst auf der Erde, erst da wurden sie zu Wahrnehmungsorganen gemacht. Diese Anlagen auf dem alten Saturn, das waren, ich möchte sagen, blinde und unwahrnehmende Sinnesorgane. Aufgeschlossen wurden diese Sinnesorgane erst dadurch, daß die Sonne ausschied, und der Mond aus der Erde herausgegangen ist.
[ 20 ] Nun hängt das noch mit etwas anderem zusammen. Stellen Sie sich vor, noch auf dem alten Sonnendasein sagte der Erzengel: Ich Sonne. — Daß wir etwas sehen, das beruht darauf, daß die Sonnenstrahlen oder Lichtstrahlen auf den Gegenstand scheinen und zu uns zurückgeworfen werden. Würde die Sonne mitten in der Erde scheinen, so würden wir nichts sehen von den Gegenständen, die auf der Erde sind. Wir würden dann zwar sagen: Ich Sonne, Ich Licht, aber wir würden nicht die einzelnen Gegenstände unterscheiden, wir würden nicht die Gegenstände sehen. Also, Sie sehen, noch weiteres hängt damit zusammen. Während die Erde sich entwickelt von Saturn, Sonne, Mond zur Erde herüber, entsteht erst durch die Konstellation im Makrokosmos die Möglichkeit, die Gegenstände so zu sehen und wahrzunehmen, wie wir sie jetzt wahrnehmen. Solche Wahrnehmungen, die gab es natürlich während des Sonnendaseins nicht; wenn auch die ersten Anlagen unserer Sinnesorgane auf dem alten Saturn schon vorbereitet worden sind, aufgeschlossen wurden sie erst auf der Erde, erst da wurden sie zu Wahrnehmungsorganen gemacht. Diese Anlagen auf dem alten Saturn, das waren, ich möchte sagen, blinde und unwahrnehmende Sinnesorgane. Aufgeschlossen wurden diese Sinnesorgane erst dadurch, daß die Sonne ausschied, und der Mond aus der Erde herausgegangen ist.
[ 21 ] Damit sehen Sie, daß zwei Vorgänge parallel gehen: Wir bilden unsere Sinneswahrnehmungen und sehen draußen eine Welt; und damit parallel gehend entwickeln wir die Besitzesvorstellung. Denn wie kommen wir zu der Besitzesvorstellung? Sie könnten während des alten Sonnendaseins sich nicht denken, daß irgendein Erzengel etwas besitzen will. Er sieht ja auf nichts; er ist ja alles. Wären alle Gegenstände und Wesen der Erde so, würden sie niemals den Drang bekommen, etwas besitzen zu wollen. Mit der Entwickelung der Sinne entwickelt sich erst die Besitzesvorstellung; die Besitzesvorstellung ist nicht trennbar von der Entwickelung der Sinne; diese beiden Dinge gehen parallel. Die Sinne waren auf der einen Seite, und so etwas wie die Besitzesvorstellung auf der andern Seite. Es können auch andere Vorstellungen genommen werden.
[ 21 ] Damit sehen Sie, daß zwei Vorgänge parallel gehen: Wir bilden unsere Sinneswahrnehmungen und sehen draußen eine Welt; und damit parallel gehend entwickeln wir die Besitzesvorstellung. Denn wie kommen wir zu der Besitzesvorstellung? Sie könnten während des alten Sonnendaseins sich nicht denken, daß irgendein Erzengel etwas besitzen will. Er sieht ja auf nichts; er ist ja alles. Wären alle Gegenstände und Wesen der Erde so, würden sie niemals den Drang bekommen, etwas besitzen zu wollen. Mit der Entwickelung der Sinne entwickelt sich erst die Besitzesvorstellung; die Besitzesvorstellung ist nicht trennbar von der Entwickelung der Sinne; diese beiden Dinge gehen parallel. Die Sinne waren auf der einen Seite, und so etwas wie die Besitzesvorstellung auf der andern Seite. Es können auch andere Vorstellungen genommen werden.
[ 22 ] Und wenn wir in umfassenderem Sinne bedenken dasjenige, was in der religiösen Urkunde, der Bibel, steht — denn hinter solchen Dingen, wie sie in den religiösen Urkunden stehen, liegt immer noch sehr vieles verborgen —, so können wir sagen: Das, was im Anfang der Bibel steht von der luziferischen Verführung, hängt damit zusammen, daß Luzifer dem Menschen verheißen hat seine Sinnesentwickelung: «Die Augen werden euch aufgeschlossen», — damit meint er, überhaupt alle Sinne werden aufgeschlossen. Das Aufschließen der Augen steht nur für die Sinne im allgemeinen. Damit hat er die Seele hingelenkt auf die äußeren Dinge und damit zu gleicher Zeit die Besitzesvorstellung hervorgerufen. Wollten wir das etwas ausführlicher sagen, was da Luzifer dem Weibe verheißen hart, so müßten wir sagen: «Ihr werdet Gott-gleich sein» heißt soviel wie: Eure Sinne werden aufgeschlossen sein. Ihr werdet unterscheiden zwischen demjenigen, was euch gefällt und was nicht gefällt, was ihr Gut, was ihr Böse nennt, und ihr werdet das alles besitzen wollen, was euch gefällt, was ihr gut nennt. — Das müßte man alles verbinden mit dieser luziferischen Verheißung.
[ 22 ] Und wenn wir in umfassenderem Sinne bedenken dasjenige, was in der religiösen Urkunde, der Bibel, steht — denn hinter solchen Dingen, wie sie in den religiösen Urkunden stehen, liegt immer noch sehr vieles verborgen —, so können wir sagen: Das, was im Anfang der Bibel steht von der luziferischen Verführung, hängt damit zusammen, daß Luzifer dem Menschen verheißen hat seine Sinnesentwickelung: «Die Augen werden euch aufgeschlossen», — damit meint er, überhaupt alle Sinne werden aufgeschlossen. Das Aufschließen der Augen steht nur für die Sinne im allgemeinen. Damit hat er die Seele hingelenkt auf die äußeren Dinge und damit zu gleicher Zeit die Besitzesvorstellung hervorgerufen. Wollten wir das etwas ausführlicher sagen, was da Luzifer dem Weibe verheißen hart, so müßten wir sagen: «Ihr werdet Gott-gleich sein» heißt soviel wie: Eure Sinne werden aufgeschlossen sein. Ihr werdet unterscheiden zwischen demjenigen, was euch gefällt und was nicht gefällt, was ihr Gut, was ihr Böse nennt, und ihr werdet das alles besitzen wollen, was euch gefällt, was ihr gut nennt. — Das müßte man alles verbinden mit dieser luziferischen Verheißung.
[ 23 ] Nun müssen wir allerdings, wenn wir solch eine Vorstellung, wie ich sie eben jetzt entwickelt habe, so recht erfassen wollen, uns auf etwas besinnen. Da ist einer der Punkte, wo es notwendig ist, daß man im geisteswissenschaftlichen Vortrag appelliert an die Selbstbesinnung jedes Einzelnen, der die Dinge aufnehmen will. Man muß sich auf etwas besinnen: Indem ich Ihnen dieses entwickelt habe von der Entstehung der Sinne, von dem Wahrnehmen der Dinge und von der Entwickelung der Besitzesvorstellung, haben wir nicht nötig gehabt, irgendwo eine Raumes- oder eine Zeitvorstellung einzufügen. Gewiß, wenn sich der Mensch diese Dinge versinnlichen will, wie ich es auch getan habe, indem ich sie auf die Tafel gezeichnet habe, so nimmt man Raum- und Zeitvorstellungen zu Hilfe. Aber um zu begreifen, was es heißt: die Sinne werden aufgeschlossen —, und um zu begreifen, was es heißt: die Besitzesvorstellung entwickelt sich —, dazu braucht man nicht Raum- und Zeitvorstellungen. Diese Dinge sind unabhängig von Raum und Zeit. Sie haben nicht nötig daran zu denken, daß ich raumgemäß von irgendeiner Sache entfernt bin, wenn ich sie besitzen will; auch an die Zeitvorgänge brauchen Sie nicht zu appellieren. Wie gesagt, hier muß man an die Selbstbesinnung appellieren. Denn es kann jeder einwenden: ich kann’s nicht —, aber wenn er sich genügend zusammennimmt, so kann er solche Dinge sich vorstellen: daß er keine Raum- und Zeitvorstellung zu Hilfe nimmt. Ja, noch etwas anderes ist richtig: wenn Sie versuchen, solche Vorstellungen sich klar zum Bewußtsein zu bringen, also darüber zu meditieren, wie ich jetzt gleichsam mit Ihnen meditiert habe, so kommen Sie allmählich hinaus über das Raumes- und Zeitvorstellen. Sie kommen hinaus in eine Welt, wo Raum und Zeit in Ihren Erlebnissen wirklich nicht mehr die eminente Rolle spielen, die sie im Alltagsleben spielen.
[ 23 ] Nun müssen wir allerdings, wenn wir solch eine Vorstellung, wie ich sie eben jetzt entwickelt habe, so recht erfassen wollen, uns auf etwas besinnen. Da ist einer der Punkte, wo es notwendig ist, daß man im geisteswissenschaftlichen Vortrag appelliert an die Selbstbesinnung jedes Einzelnen, der die Dinge aufnehmen will. Man muß sich auf etwas besinnen: Indem ich Ihnen dieses entwickelt habe von der Entstehung der Sinne, von dem Wahrnehmen der Dinge und von der Entwickelung der Besitzesvorstellung, haben wir nicht nötig gehabt, irgendwo eine Raumes- oder eine Zeitvorstellung einzufügen. Gewiß, wenn sich der Mensch diese Dinge versinnlichen will, wie ich es auch getan habe, indem ich sie auf die Tafel gezeichnet habe, so nimmt man Raum- und Zeitvorstellungen zu Hilfe. Aber um zu begreifen, was es heißt: die Sinne werden aufgeschlossen —, und um zu begreifen, was es heißt: die Besitzesvorstellung entwickelt sich —, dazu braucht man nicht Raum- und Zeitvorstellungen. Diese Dinge sind unabhängig von Raum und Zeit. Sie haben nicht nötig daran zu denken, daß ich raumgemäß von irgendeiner Sache entfernt bin, wenn ich sie besitzen will; auch an die Zeitvorgänge brauchen Sie nicht zu appellieren. Wie gesagt, hier muß man an die Selbstbesinnung appellieren. Denn es kann jeder einwenden: ich kann’s nicht —, aber wenn er sich genügend zusammennimmt, so kann er solche Dinge sich vorstellen: daß er keine Raum- und Zeitvorstellung zu Hilfe nimmt. Ja, noch etwas anderes ist richtig: wenn Sie versuchen, solche Vorstellungen sich klar zum Bewußtsein zu bringen, also darüber zu meditieren, wie ich jetzt gleichsam mit Ihnen meditiert habe, so kommen Sie allmählich hinaus über das Raumes- und Zeitvorstellen. Sie kommen hinaus in eine Welt, wo Raum und Zeit in Ihren Erlebnissen wirklich nicht mehr die eminente Rolle spielen, die sie im Alltagsleben spielen.
[ 24 ] Nun besteht in der Menschheitsentwickelung eine eigentümliche Sehnsucht. Überall, wo wir das Menschengeschlecht in seinem innersten Streben in der Geschichte antreffen, treffen wir eine bestimmte Sehnsucht schon an; und das ist die Sehnsucht, auch Vorstellungen zu haben, die von Raum und Zeit unabhängig sind, die nichts zu tun haben mit Raum und Zeit. Geschichtliche Vorgänge werden in Mythen verwandelt, oder es wird in dem geschichtlichen Vorgang auf das hineingedeutet, was das Geistige ist, um möglich zu machen, daß man auf dem Hintergrunde von geschichtlichen Vorgängen Mythen sich gestalten sieht. Und je weiter wir in der Geschichte zurückblicken, desto mehr finden wir als geschichtliche Überlieferungen die geschichtlichen Tatsachen in den Mythus gehüllt. Denken Sie sich, wie schon in bezug auf die ältere griechische Geschichte alles in den Mythus gehüllt ist; auch viel von der älteren mitteleuropäischen Geschichte ist in den Mythus gehüllt. Je weiter man zurückgeht, desto mehr wird man entfernt von dem äußeren, rein sinnlichen Fühlen der Tatsachen, und es taucht ein die Darstellung in ein sinnvolles Erfassen. Wenn Sie Mythen studieren, da werden Sie ganz deutlich sehen, daé man bei der Entstehung der Mythen, sich aus Raum und Zeit herausarbeiten will. Nicht nur, daß schon, ich möchte sagen, die elementarsten Mythen, die Märchen oftmals darstellen, wie irgendein menschliches Wesen — ich erinnere nur an Dornröschen — aus der Zeit herausgeht und ins Zeitlose hineingeht, sondern wenn Sie bei den Mythen nachschauen, so werden Sie sehen: Sie wissen nicht recht, welche geschichtlichen Tatsachen gemeint sind. Es kann etwas, was Jahrhundertelang früher liegt, als etwas Späteres erzählt werden. Manchmal werden auch Tatsachen, die in der historischen Entwickelung Jahrhunderte auseinanderliegen, zusammengeschmiedet im Mythus. Der Mythus sucht über Raum und Zeit sich zu erheben. Das heißt, es lebt im Menschendasein die Sehnsucht, sich über diese Alltäglichkeit hinaus, die uns anweist, im Raum und in der Zeit zu denken und vorzustellen, auch sich hineinzuleben in solche Vorstellungen, welche raumlos und zeitlos diejenigen Realitäten darstellen, die jenseits des Nebeneinander und des Hintereinander unseres Raumes- und Zeitendaseins als die ewigen Dinge walten, oder wenn sie sich einmal gebildet haben, als die ewigen Dinge bleiben.
[ 24 ] Nun besteht in der Menschheitsentwickelung eine eigentümliche Sehnsucht. Überall, wo wir das Menschengeschlecht in seinem innersten Streben in der Geschichte antreffen, treffen wir eine bestimmte Sehnsucht schon an; und das ist die Sehnsucht, auch Vorstellungen zu haben, die von Raum und Zeit unabhängig sind, die nichts zu tun haben mit Raum und Zeit. Geschichtliche Vorgänge werden in Mythen verwandelt, oder es wird in dem geschichtlichen Vorgang auf das hineingedeutet, was das Geistige ist, um möglich zu machen, daß man auf dem Hintergrunde von geschichtlichen Vorgängen Mythen sich gestalten sieht. Und je weiter wir in der Geschichte zurückblicken, desto mehr finden wir als geschichtliche Überlieferungen die geschichtlichen Tatsachen in den Mythus gehüllt. Denken Sie sich, wie schon in bezug auf die ältere griechische Geschichte alles in den Mythus gehüllt ist; auch viel von der älteren mitteleuropäischen Geschichte ist in den Mythus gehüllt. Je weiter man zurückgeht, desto mehr wird man entfernt von dem äußeren, rein sinnlichen Fühlen der Tatsachen, und es taucht ein die Darstellung in ein sinnvolles Erfassen. Wenn Sie Mythen studieren, da werden Sie ganz deutlich sehen, daé man bei der Entstehung der Mythen, sich aus Raum und Zeit herausarbeiten will. Nicht nur, daß schon, ich möchte sagen, die elementarsten Mythen, die Märchen oftmals darstellen, wie irgendein menschliches Wesen — ich erinnere nur an Dornröschen — aus der Zeit herausgeht und ins Zeitlose hineingeht, sondern wenn Sie bei den Mythen nachschauen, so werden Sie sehen: Sie wissen nicht recht, welche geschichtlichen Tatsachen gemeint sind. Es kann etwas, was Jahrhundertelang früher liegt, als etwas Späteres erzählt werden. Manchmal werden auch Tatsachen, die in der historischen Entwickelung Jahrhunderte auseinanderliegen, zusammengeschmiedet im Mythus. Der Mythus sucht über Raum und Zeit sich zu erheben. Das heißt, es lebt im Menschendasein die Sehnsucht, sich über diese Alltäglichkeit hinaus, die uns anweist, im Raum und in der Zeit zu denken und vorzustellen, auch sich hineinzuleben in solche Vorstellungen, welche raumlos und zeitlos diejenigen Realitäten darstellen, die jenseits des Nebeneinander und des Hintereinander unseres Raumes- und Zeitendaseins als die ewigen Dinge walten, oder wenn sie sich einmal gebildet haben, als die ewigen Dinge bleiben.
[ 25 ] Wenn Sie das, was ich jetzt gesagt habe, zusammennehmen mit etwas, was ich das letzte Mal gesagt habe, so wird sich Ihnen eine schöne Verbindung ergeben. Ich habe gesagt, wir sollten sehen: wenn nicht ein Luziferisches in uns wirkte, wäre unsere Vorstellungswelt eigentlich im alten Monde drinnen. — Daraus geht aber nun hervor, daß eigentlich dieser alte Mond noch da ist, geblieben ist, und daß nur Luzifer uns vorzaubert, unsere Vorstellung sei jetzt in uns drinnen. Also die Zeit wird da zu einem Mittel des Truges, der Täuschung für Luzifer. Das alte Mondendasein ist dauernd, und so sind auch die Dinge dauernd, die entstehen. Unsere Besitzesvorstellungen sind etwas Dauerndes, das heißt, dasjenige, was der Erdenmensch durch seine Besitzesvorstellung als soziale Erdenordnung entwickelt, das bleibt, das wird auch noch bestehen, wenn der Jupiter- und der Venuszustand einmal da sind. Und wenn dann nicht entsprechende Verführungen als luziferische und ahrimanische Verführungen kommen, so wird man sehen, wie auf Erden durch den Besitzesbegriff soziale Ordnungen sich gebildet haben. Die werden dann etwas wie physische Ordnungen darstellen. Denn das gehört zum Maja-Sein, zu der Täuschung, daß die Dinge vorübergehen; in Wirklichkeit sind sie dauernd, in Wirklichkeit bestehen sie. Und schon, wenn man richtig das Dasein versteht, findet man hinter dem eigentlich Vergangenen das Dauernde. Sie können es gleichsam erfassen in dem, was ich jetzt erzählt habe.
[ 25 ] Wenn Sie das, was ich jetzt gesagt habe, zusammennehmen mit etwas, was ich das letzte Mal gesagt habe, so wird sich Ihnen eine schöne Verbindung ergeben. Ich habe gesagt, wir sollten sehen: wenn nicht ein Luziferisches in uns wirkte, wäre unsere Vorstellungswelt eigentlich im alten Monde drinnen. — Daraus geht aber nun hervor, daß eigentlich dieser alte Mond noch da ist, geblieben ist, und daß nur Luzifer uns vorzaubert, unsere Vorstellung sei jetzt in uns drinnen. Also die Zeit wird da zu einem Mittel des Truges, der Täuschung für Luzifer. Das alte Mondendasein ist dauernd, und so sind auch die Dinge dauernd, die entstehen. Unsere Besitzesvorstellungen sind etwas Dauerndes, das heißt, dasjenige, was der Erdenmensch durch seine Besitzesvorstellung als soziale Erdenordnung entwickelt, das bleibt, das wird auch noch bestehen, wenn der Jupiter- und der Venuszustand einmal da sind. Und wenn dann nicht entsprechende Verführungen als luziferische und ahrimanische Verführungen kommen, so wird man sehen, wie auf Erden durch den Besitzesbegriff soziale Ordnungen sich gebildet haben. Die werden dann etwas wie physische Ordnungen darstellen. Denn das gehört zum Maja-Sein, zu der Täuschung, daß die Dinge vorübergehen; in Wirklichkeit sind sie dauernd, in Wirklichkeit bestehen sie. Und schon, wenn man richtig das Dasein versteht, findet man hinter dem eigentlich Vergangenen das Dauernde. Sie können es gleichsam erfassen in dem, was ich jetzt erzählt habe.
[ 26 ] Nun aber blicken wir, wenn wir das so recht erfassen, was ich gesagt habe, eigentlich in tief bedeutsame Untergründe unseres ganzen Erdendaseins hinein. Sehen wir denn nicht, wie unter dem zeitlichräumlichen Erdendasein das ewig dauernde Erdendasein oder Dasein überhaupt sich förmlich ausbreitet? Wie einen Schleier haben wir das Zeitlich-Räumliche oben, und darunter die Dauerverhältnisse, die Verhältnisse der Dauer. Und nun kommt unsere Anschauung, wenn sie im Raum und der Zeit verläuft, unsere Anschauung, die in Raum und Zeit lebt. Denken Sie nur einmal, wie man das, ich möchte sagen, konkret im einzelnen sich vorstellen kann. Denken Sie einmal bloß — heute fassen das die Menschen gar nicht mehr ordentlich —, denken Sie sich irgendwo, irgendwie «rot». Um «rot» zu denken, brauchen Sie keinen Raum, brauchen Sie keine Zeit; Sie können sich «rot» irgendwie denken; es braucht nicht im Raum, nicht in der Zeit zu sein, weil es bloß als Eigenschaft gedacht ist (D. Es ist dies schwer für den Menschen, weil er das Rot durchaus räumlich begrenzen will. So schwer war es nicht auf dem alten Mond für die Engel, denn die hatten keine Sehnsucht, das Rot auf einzelne Gegenstände zu verteilen. Die Zeit hatten sie schon, aber räumlich stellten sie nicht vor. Zeitlich stellten sie vor; daher empfanden sie «rot» oder «grün» oder irgendeine Farbe als fließenden Strom. Wenn Sie sich das lebhaft vorstellen: Blau als fließenden Strom, Rot als fließenden Strom, wenn Sie auch die anderen Sinnesempfindungen strömend vorstellen, aber nur zeitlich, ohne daß eine richtige Raumesvorstellung sich hineinmengt, so können wir sagen: Da kann man empfinden beim Übergang vom Monden- zum Erdendasein, wie das bloß Zeitliche hereingespannt wird in das Räumliche. Was macht denn eigentlich das Wesentliche des Erdendaseins aus? Daß so ein Rot abgegrenzt wird und hereingespannt wird. Auf dem Monde wäre es unmöglich gewesen, ein abgegrenztes «Rot» zu sehen: auf der Erde ist es uns möglich, abgegrenztes «Rot» zu sehen (ID). Das aber hängt zusammen, innig zusammen mit der Abtrennung der Sonne von der Erde, und mit dem Hereinfallen des Sonnenstrahls von außen. Schon daß ich sagen kann im wirklichen Sinne: der Sonnenstrahl fällt von außen herein —, schon das weist Sie darauf hin, daß unser jetziges Dasein ohne die Raumesvorstellung nicht zu denken ist. Ja, für dieses unser jetziges Wahrnehmen und Leben bedeutet dieses Außerhalb-Stehen der Sonne etwas Reales.
[ 26 ] Nun aber blicken wir, wenn wir das so recht erfassen, was ich gesagt habe, eigentlich in tief bedeutsame Untergründe unseres ganzen Erdendaseins hinein. Sehen wir denn nicht, wie unter dem zeitlichräumlichen Erdendasein das ewig dauernde Erdendasein oder Dasein überhaupt sich förmlich ausbreitet? Wie einen Schleier haben wir das Zeitlich-Räumliche oben, und darunter die Dauerverhältnisse, die Verhältnisse der Dauer. Und nun kommt unsere Anschauung, wenn sie im Raum und der Zeit verläuft, unsere Anschauung, die in Raum und Zeit lebt. Denken Sie nur einmal, wie man das, ich möchte sagen, konkret im einzelnen sich vorstellen kann. Denken Sie einmal bloß — heute fassen das die Menschen gar nicht mehr ordentlich —, denken Sie sich irgendwo, irgendwie «rot». Um «rot» zu denken, brauchen Sie keinen Raum, brauchen Sie keine Zeit; Sie können sich «rot» irgendwie denken; es braucht nicht im Raum, nicht in der Zeit zu sein, weil es bloß als Eigenschaft gedacht ist (D. Es ist dies schwer für den Menschen, weil er das Rot durchaus räumlich begrenzen will. So schwer war es nicht auf dem alten Mond für die Engel, denn die hatten keine Sehnsucht, das Rot auf einzelne Gegenstände zu verteilen. Die Zeit hatten sie schon, aber räumlich stellten sie nicht vor. Zeitlich stellten sie vor; daher empfanden sie «rot» oder «grün» oder irgendeine Farbe als fließenden Strom. Wenn Sie sich das lebhaft vorstellen: Blau als fließenden Strom, Rot als fließenden Strom, wenn Sie auch die anderen Sinnesempfindungen strömend vorstellen, aber nur zeitlich, ohne daß eine richtige Raumesvorstellung sich hineinmengt, so können wir sagen: Da kann man empfinden beim Übergang vom Monden- zum Erdendasein, wie das bloß Zeitliche hereingespannt wird in das Räumliche. Was macht denn eigentlich das Wesentliche des Erdendaseins aus? Daß so ein Rot abgegrenzt wird und hereingespannt wird. Auf dem Monde wäre es unmöglich gewesen, ein abgegrenztes «Rot» zu sehen: auf der Erde ist es uns möglich, abgegrenztes «Rot» zu sehen (ID). Das aber hängt zusammen, innig zusammen mit der Abtrennung der Sonne von der Erde, und mit dem Hereinfallen des Sonnenstrahls von außen. Schon daß ich sagen kann im wirklichen Sinne: der Sonnenstrahl fällt von außen herein —, schon das weist Sie darauf hin, daß unser jetziges Dasein ohne die Raumesvorstellung nicht zu denken ist. Ja, für dieses unser jetziges Wahrnehmen und Leben bedeutet dieses Außerhalb-Stehen der Sonne etwas Reales.


[ 27 ] Nun werden Sie leicht aus dem, was ich vorgebracht habe, entnehmen können, daß wir wirklich sagen könnten: die Farben sind in den Raum hereingespannt, und die anderen Sinneswahrnehmungen auch. «Fließenden Reiz» habe ich in der «Theosophie» dasjenige genannt, was nach dem Tode in dem Menschen lebt, weil er da nicht in den Raum eingespannt ist. Daher sprach ich schon von der ersten Welt, die er durchlebt, als «fließender Reizeswelt». Da sind die Sinneswahrnehmungen nicht in den Raum hereingespannt. Auf der Erde sind sie das. Hier muß der Sonnenstrahl von außen kommen, muß die Sinneswahrnehmungen in den Raum hereinspannen (III). Damit hängt zusammen — wie ich auseinandergesetzt habe —, daß der Mensch Besitzesvorstellungen entwickelt; denn niemals kann der Mensch in einer Welt des fließenden Reizes an Besitz denken; da ist höchstens Zeit vorhanden, und da würde er schon das Vergebliche einsehen, wenn er an Besitz denken wollte. Es wäre da ungefähr so, wie wenn er an den Besitz eines Stücks Wasser denken würde, das im Bach dahinfließt. Diese Vorstellung entsteht also erst, indem die aus der Erde herausgehende Sonne die Sinneswahrnehmungen in den Raum hineinspannt.
[ 27 ] Nun werden Sie leicht aus dem, was ich vorgebracht habe, entnehmen können, daß wir wirklich sagen könnten: die Farben sind in den Raum hereingespannt, und die anderen Sinneswahrnehmungen auch. «Fließenden Reiz» habe ich in der «Theosophie» dasjenige genannt, was nach dem Tode in dem Menschen lebt, weil er da nicht in den Raum eingespannt ist. Daher sprach ich schon von der ersten Welt, die er durchlebt, als «fließender Reizeswelt». Da sind die Sinneswahrnehmungen nicht in den Raum hereingespannt. Auf der Erde sind sie das. Hier muß der Sonnenstrahl von außen kommen, muß die Sinneswahrnehmungen in den Raum hereinspannen (III). Damit hängt zusammen — wie ich auseinandergesetzt habe —, daß der Mensch Besitzesvorstellungen entwickelt; denn niemals kann der Mensch in einer Welt des fließenden Reizes an Besitz denken; da ist höchstens Zeit vorhanden, und da würde er schon das Vergebliche einsehen, wenn er an Besitz denken wollte. Es wäre da ungefähr so, wie wenn er an den Besitz eines Stücks Wasser denken würde, das im Bach dahinfließt. Diese Vorstellung entsteht also erst, indem die aus der Erde herausgehende Sonne die Sinneswahrnehmungen in den Raum hineinspannt.
[ 28 ] Sehen Sie, so etwas, wie ich jetzt auseinandergesetzt habe, muß man in eine Empfindung, in ein Gefühl verwandeln. Man kommt nicht zurecht, wenn man bei einer bloß theoretischen Vorstellung bleibt; man muß sie in ein Gefühl, in eine Empfindung verwandeln, man muß wirklich eine innerlich lebendige Empfindung davon bekommen, wie man als Mensch, als Mikrokosmos, in den Makrokosmos hineingestellt ist, und wie selbst dieses Sich-sehnen, etwas zu besitzen, zusammenhängt mit der ganzen Entwickelung des Makrokosmos, mit dem Hergange, wie sich die sinnliche Anschauung entwickelt hat. Wenn man das so recht fühlt, wenn man beginnt, ich möchte sagen, kosmisch zu fühlen, wenn man beginnt, zu fühlen, wie so etwas, wie die einfache Vorstellung: du möchtest dies besitzen, was du siehst und was dir im Anschauen gefällt —, wie das aus dem Makrokosmos herausgeboren ist: dann bekommt man wirklich erst die recht lebendige Vorstellung, daß zusammenhängt das menschlich Seelische mit dem ganzen Makrokosmos; dann geht einem ein innerlich lebendiges, ein ernst lebendiges Gefühl auf, wie man in dem einzelnen, was man im alltäglichen Leben vorstellt, mit dem Makrokosmos zusammenhängt, und wie eigentlich in allem, was wir so vorstellen, was wir in der Seele erleben, der Makrokosmos in uns lebt. Und in dem Menschen besteht eine fortwährende Sehnsucht, solche wirklich auf dem Grund des Lebens ruhende geheime Zusammenhänge zu empfinden, und die Empfindung auszudrücken. Diese Sehnsucht besteht in den Menschenseelen, in den Menschenherzen.
[ 28 ] Sehen Sie, so etwas, wie ich jetzt auseinandergesetzt habe, muß man in eine Empfindung, in ein Gefühl verwandeln. Man kommt nicht zurecht, wenn man bei einer bloß theoretischen Vorstellung bleibt; man muß sie in ein Gefühl, in eine Empfindung verwandeln, man muß wirklich eine innerlich lebendige Empfindung davon bekommen, wie man als Mensch, als Mikrokosmos, in den Makrokosmos hineingestellt ist, und wie selbst dieses Sich-sehnen, etwas zu besitzen, zusammenhängt mit der ganzen Entwickelung des Makrokosmos, mit dem Hergange, wie sich die sinnliche Anschauung entwickelt hat. Wenn man das so recht fühlt, wenn man beginnt, ich möchte sagen, kosmisch zu fühlen, wenn man beginnt, zu fühlen, wie so etwas, wie die einfache Vorstellung: du möchtest dies besitzen, was du siehst und was dir im Anschauen gefällt —, wie das aus dem Makrokosmos herausgeboren ist: dann bekommt man wirklich erst die recht lebendige Vorstellung, daß zusammenhängt das menschlich Seelische mit dem ganzen Makrokosmos; dann geht einem ein innerlich lebendiges, ein ernst lebendiges Gefühl auf, wie man in dem einzelnen, was man im alltäglichen Leben vorstellt, mit dem Makrokosmos zusammenhängt, und wie eigentlich in allem, was wir so vorstellen, was wir in der Seele erleben, der Makrokosmos in uns lebt. Und in dem Menschen besteht eine fortwährende Sehnsucht, solche wirklich auf dem Grund des Lebens ruhende geheime Zusammenhänge zu empfinden, und die Empfindung auszudrücken. Diese Sehnsucht besteht in den Menschenseelen, in den Menschenherzen.
[ 29 ] Und so denken wir uns einmal, es entstünde in einer Menschenseele so recht das Gefühl, so recht das Empfinden, ich will den kosmischen Zusammenhang dieses Einzelseelenerlebnisses ausdrücken: «Da fällt mein Auge auf einen äußeren Gegenstand; ich will ihn besitzen; ich will ihn mir aneignen», dann wird man, ich möchte sagen, die Tragik des Naturdaseins von einer solchen Empfindung aus erfühlen können. Die Tragik des Naturdaseins, sage ich. Wir nehmen ja im Grunde genommen einer ganzen Welt, die bis zum Monde geht, und die ja noch in unserer Welt als Grundlage vorhanden ist, wir nehmen ihr wirklich dasjenige, was wir besitzen wollen. Was wir zu besitzen streben, nehmen wir weg dieser Welt, die auf dem Grund unserer natürlichen Welt ruht. Das nehmen wir von ihr weg. Und das ist es, was die wirklich mit der Natur empfindende Menschenseele fortwährend fühlen muß: daß da auf dem Untergrund der Natur wirklich etwas enthalten ist, was fortwährend dulden muß; daß der Mensch dieser Natur, die allen Alles geben will, widerspricht und sagt: Dies gehört mir. — Und denken Sie sich jetzt hinein in diesen Widerspruch zwischen der Natur, die allen Alles geben will, und dem ganzen menschlichen Fühlen: Dies will ich für mich haben, und daß ich es für mich haben will, ist hervorgerufen dadurch, daß meine Sinne es als für mich gut oder weniger gut, sympathisch oder antipathisch empfinden können. — Da kann man seine eigene Seele hineinvertiefen in das Naturdasein, kann mit der Natur mitfühlen, wie ihr etwas weggenommen wird; schon dadurch weggenommen wird, daß der Mensch den Gedanken faßt, unter dem Eindruck seiner Sinne den Gedanken faßt: er will das haben, was die Natur allen geben will.
[ 29 ] Und so denken wir uns einmal, es entstünde in einer Menschenseele so recht das Gefühl, so recht das Empfinden, ich will den kosmischen Zusammenhang dieses Einzelseelenerlebnisses ausdrücken: «Da fällt mein Auge auf einen äußeren Gegenstand; ich will ihn besitzen; ich will ihn mir aneignen», dann wird man, ich möchte sagen, die Tragik des Naturdaseins von einer solchen Empfindung aus erfühlen können. Die Tragik des Naturdaseins, sage ich. Wir nehmen ja im Grunde genommen einer ganzen Welt, die bis zum Monde geht, und die ja noch in unserer Welt als Grundlage vorhanden ist, wir nehmen ihr wirklich dasjenige, was wir besitzen wollen. Was wir zu besitzen streben, nehmen wir weg dieser Welt, die auf dem Grund unserer natürlichen Welt ruht. Das nehmen wir von ihr weg. Und das ist es, was die wirklich mit der Natur empfindende Menschenseele fortwährend fühlen muß: daß da auf dem Untergrund der Natur wirklich etwas enthalten ist, was fortwährend dulden muß; daß der Mensch dieser Natur, die allen Alles geben will, widerspricht und sagt: Dies gehört mir. — Und denken Sie sich jetzt hinein in diesen Widerspruch zwischen der Natur, die allen Alles geben will, und dem ganzen menschlichen Fühlen: Dies will ich für mich haben, und daß ich es für mich haben will, ist hervorgerufen dadurch, daß meine Sinne es als für mich gut oder weniger gut, sympathisch oder antipathisch empfinden können. — Da kann man seine eigene Seele hineinvertiefen in das Naturdasein, kann mit der Natur mitfühlen, wie ihr etwas weggenommen wird; schon dadurch weggenommen wird, daß der Mensch den Gedanken faßt, unter dem Eindruck seiner Sinne den Gedanken faßt: er will das haben, was die Natur allen geben will.
[ 30 ] Ich habe einmal, ich möchte sagen, ganz besonders gründlich plötzlich in meiner Seele gefühlt, wie man dieses ganze Verhältnis, das ich jetzt zu charakterisieren versuchte, durchempfinden kann, wie man lernen kann mitzufühlen mit der Natur, die da sagt: Ich mag mich wehren, wie ich will, die Weltentwickelung ist soweit gekommen, daß der Mensch erklärt, meine Dinge seien seine Dinge. Ich sage, ich habe das in einem besonderen Augenblicke in der Seele vor Jahren einmal so recht warm und innig auch fühlend empfunden, als einmal in einer Gesellschaft — es war vor vielen Jahren — eine Rezitation gepflegt werden sollte, ein Rezitationsprogramm war. Und wie es ja zuweilen vorkommt, besonders bei Rezitationsprogrammen, daß die betreffenden Persönlichkeiten verhindert sind, absagen lassen, so war es auch hier: eine Rezitatorin mußte absagen lassen. Es mußte also ein Ersatz gefunden werden und er hatte sich auch gefunden. Man mag nun über den Wert der Deklamation, die nun folgte, über diesen Ersatz denken wie man will — darauf will ich jetzt nicht eingehen —, aber der Ersatz war von ganz besonderer Art. Es fand sich nämlich einer der reinsten katholischen, edelsten katholischen Priester, die ich jemals in der Welt kennengelernt habe, bereit, das Programm zu rezitieren, welches die betreffende Schauspielerin wegen ihres Verhindertseins nicht rezitieren konnte. Und man hatte da ein ganz besonders Bedeutsames, man konnte ein besonders bedeutsames Erlebnis haben, das sich für mich verdichtete zu dem, was ich Ihnen eben aussprach.
[ 30 ] Ich habe einmal, ich möchte sagen, ganz besonders gründlich plötzlich in meiner Seele gefühlt, wie man dieses ganze Verhältnis, das ich jetzt zu charakterisieren versuchte, durchempfinden kann, wie man lernen kann mitzufühlen mit der Natur, die da sagt: Ich mag mich wehren, wie ich will, die Weltentwickelung ist soweit gekommen, daß der Mensch erklärt, meine Dinge seien seine Dinge. Ich sage, ich habe das in einem besonderen Augenblicke in der Seele vor Jahren einmal so recht warm und innig auch fühlend empfunden, als einmal in einer Gesellschaft — es war vor vielen Jahren — eine Rezitation gepflegt werden sollte, ein Rezitationsprogramm war. Und wie es ja zuweilen vorkommt, besonders bei Rezitationsprogrammen, daß die betreffenden Persönlichkeiten verhindert sind, absagen lassen, so war es auch hier: eine Rezitatorin mußte absagen lassen. Es mußte also ein Ersatz gefunden werden und er hatte sich auch gefunden. Man mag nun über den Wert der Deklamation, die nun folgte, über diesen Ersatz denken wie man will — darauf will ich jetzt nicht eingehen —, aber der Ersatz war von ganz besonderer Art. Es fand sich nämlich einer der reinsten katholischen, edelsten katholischen Priester, die ich jemals in der Welt kennengelernt habe, bereit, das Programm zu rezitieren, welches die betreffende Schauspielerin wegen ihres Verhindertseins nicht rezitieren konnte. Und man hatte da ein ganz besonders Bedeutsames, man konnte ein besonders bedeutsames Erlebnis haben, das sich für mich verdichtete zu dem, was ich Ihnen eben aussprach.
[ 31 ] Denn dieser, wirklich seine Katholizität mit allem, was für den wirklich wahren und aufrichtigen Priester die Katholizität mit sich bringt, ernst nehmende Priester hatte dem Programm gemäß zu rezitieren das «Heidenröslein» von Goethe. Und man konnte an dieser Rezitation wirklich etwas erleben, weil der Mann nicht nur eben ein Priester im gewöhnlichen Sinne war, sondern so gelehrt war und so rein nur hingegeben geistigen Betrachtungen, daß viele sagten: der Betreffende — ich will jetzt seinen Namen nicht nennen — kennt die ganze Welt und außerdem noch drei Dörfer. So weise und erfahren in den Dingen, die man wissen kann, empfand man ihn. Nun war die Rezitation nicht besonders gut, trotzdem aber lag in der Art und Weise, wie er das «Heidenröslein» vorbrachte, etwas so ungeheuer Bedeutsames, weil man fühlen konnte, daß seine Empfindung der Welt aus seinem, ich möchte sagen, allem Sinnlichen abgekehrten Empfinden der Welt her kam; man konnte fühlen, wie gerade durch diesen Vorgang, daß eben ein Priester statt einer Schauspielerin eintrat, die ganze kosmische Gewalt, die ungeheure kosmische Gewalt: dieses einzigartigen Gedichtes das «Heidenröslein» in den Vortrag hereinkam, und die ungeheure Feinheit, die in diesem Gedichte liegt.
[ 31 ] Denn dieser, wirklich seine Katholizität mit allem, was für den wirklich wahren und aufrichtigen Priester die Katholizität mit sich bringt, ernst nehmende Priester hatte dem Programm gemäß zu rezitieren das «Heidenröslein» von Goethe. Und man konnte an dieser Rezitation wirklich etwas erleben, weil der Mann nicht nur eben ein Priester im gewöhnlichen Sinne war, sondern so gelehrt war und so rein nur hingegeben geistigen Betrachtungen, daß viele sagten: der Betreffende — ich will jetzt seinen Namen nicht nennen — kennt die ganze Welt und außerdem noch drei Dörfer. So weise und erfahren in den Dingen, die man wissen kann, empfand man ihn. Nun war die Rezitation nicht besonders gut, trotzdem aber lag in der Art und Weise, wie er das «Heidenröslein» vorbrachte, etwas so ungeheuer Bedeutsames, weil man fühlen konnte, daß seine Empfindung der Welt aus seinem, ich möchte sagen, allem Sinnlichen abgekehrten Empfinden der Welt her kam; man konnte fühlen, wie gerade durch diesen Vorgang, daß eben ein Priester statt einer Schauspielerin eintrat, die ganze kosmische Gewalt, die ungeheure kosmische Gewalt: dieses einzigartigen Gedichtes das «Heidenröslein» in den Vortrag hereinkam, und die ungeheure Feinheit, die in diesem Gedichte liegt.
[ 32 ] Dieses Gedicht hat ja, ich möchte sagen, eine Vorgeschichte. Esist ein altes Volkslied. Und ich sagte schon: die Menschen hatten immer die Sehnsucht, dasjenige zu empfinden, was als kosmisch auf dem Untergrund des Daseins lebt. Und gerade in diesem Gedichte das «Heidenröslein» kommt so etwas von diesem ganz grandiosen kosmischen Untergrunde in unendlich einfache Vorstellungen hinein. Daher muß man das «Heidenröslein» zu den allerschönsten Perlen der Poesie zählen, die überhaupt jemals in der Welt hervorgebracht worden sind. Ich habe dann vor Jahren auch von Leuten gehört, die irgend etwas, ich weiß nicht was, von alltäglichen, untergeordneten Menschheits-, menschlich-allzu-menschlichen Beziehungen in das «Heidenröslein» gelegt haben; allein das rührt ja bloß aus verdorbenen Untergründen der Gemüter her. Wenn man das kann, in das «Heidenröslein» irgend etwas herein zu interpretieren, was nicht ganz rein ist, so gehört dazu ein Gemüt, das aus sinnlichem Dunste heraus fortwährend schwelgen will in allerlei «heiliger» Liebe. Man kann nämlich aus seinem Sinnesdunst-Empfinden heraus fortwährend in «heiliger» Liebe schwelgen; aber man kann dasjenige, was als kosmischer Untergrund einem solchen Gedichte, wie das «Heidenröslein» zugrunde liegt, nur mit reinem, mit keuschem Herzen selbst empfinden, und jede Verkennung würde auf eine wirkliche Verdorbenheit des Gemüts hinweisen. Denn nehmen wir das Wunderschöne, was — gerade dadurch, daß dieses Volksgedicht übergegangen ist in die jugendlich lyrische Tiefe Goethescher Kunst —, was dieses «Heidenröslein», so wie es uns von Goethe vorliegt, eigentlich geworden ist. Etwas ganz Wunderbares ist es geworden; in jeder Zeile stets dasjenige, was da sein soll! Bedenken Sie einmal: fühlte man, wie dasjenige wirkt, was im Laufe der kosmischen Entwickelung als Sinneswahrnehmung für die Augen auftritt und wollte man dies beschreiben —, wie könnte man es besser tun, als indem man das Rot nimmt, indem man, ich möchte sagen, dem Objekt, dem Gegenstande es noch anfügt, ohne die räumliche Begrenzung, es anklingen läßt in «Röslein, Röslein, Röslein», indem man das Rot schon anklingen läßt in «Röslein rot!» Gleich steht vor uns das ganze Mysterium, wie es aus dem Kosmos heraus vor uns hingestellt wird. Die Sinneswelt steht also da:
[ 32 ] Dieses Gedicht hat ja, ich möchte sagen, eine Vorgeschichte. Esist ein altes Volkslied. Und ich sagte schon: die Menschen hatten immer die Sehnsucht, dasjenige zu empfinden, was als kosmisch auf dem Untergrund des Daseins lebt. Und gerade in diesem Gedichte das «Heidenröslein» kommt so etwas von diesem ganz grandiosen kosmischen Untergrunde in unendlich einfache Vorstellungen hinein. Daher muß man das «Heidenröslein» zu den allerschönsten Perlen der Poesie zählen, die überhaupt jemals in der Welt hervorgebracht worden sind. Ich habe dann vor Jahren auch von Leuten gehört, die irgend etwas, ich weiß nicht was, von alltäglichen, untergeordneten Menschheits-, menschlich-allzu-menschlichen Beziehungen in das «Heidenröslein» gelegt haben; allein das rührt ja bloß aus verdorbenen Untergründen der Gemüter her. Wenn man das kann, in das «Heidenröslein» irgend etwas herein zu interpretieren, was nicht ganz rein ist, so gehört dazu ein Gemüt, das aus sinnlichem Dunste heraus fortwährend schwelgen will in allerlei «heiliger» Liebe. Man kann nämlich aus seinem Sinnesdunst-Empfinden heraus fortwährend in «heiliger» Liebe schwelgen; aber man kann dasjenige, was als kosmischer Untergrund einem solchen Gedichte, wie das «Heidenröslein» zugrunde liegt, nur mit reinem, mit keuschem Herzen selbst empfinden, und jede Verkennung würde auf eine wirkliche Verdorbenheit des Gemüts hinweisen. Denn nehmen wir das Wunderschöne, was — gerade dadurch, daß dieses Volksgedicht übergegangen ist in die jugendlich lyrische Tiefe Goethescher Kunst —, was dieses «Heidenröslein», so wie es uns von Goethe vorliegt, eigentlich geworden ist. Etwas ganz Wunderbares ist es geworden; in jeder Zeile stets dasjenige, was da sein soll! Bedenken Sie einmal: fühlte man, wie dasjenige wirkt, was im Laufe der kosmischen Entwickelung als Sinneswahrnehmung für die Augen auftritt und wollte man dies beschreiben —, wie könnte man es besser tun, als indem man das Rot nimmt, indem man, ich möchte sagen, dem Objekt, dem Gegenstande es noch anfügt, ohne die räumliche Begrenzung, es anklingen läßt in «Röslein, Röslein, Röslein», indem man das Rot schon anklingen läßt in «Röslein rot!» Gleich steht vor uns das ganze Mysterium, wie es aus dem Kosmos heraus vor uns hingestellt wird. Die Sinneswelt steht also da:
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein, Röslein, Röslein rot,
[ 33 ] in dem fortdauernden
[ 33 ] in dem fortdauernden
Röslein, Röslein, Röslein rot.
Röslein, Röslein, Röslein rot.
[ 34 ] Nun werden wir gleich in der ersten Zeile darauf hingewiesen, daß es sich um dieses Mysterium handelt: daß man hinausschauen kann durch seine Sinne
[ 34 ] Nun werden wir gleich in der ersten Zeile darauf hingewiesen, daß es sich um dieses Mysterium handelt: daß man hinausschauen kann durch seine Sinne
Sah ein Knab’ ein Röslein stehn,
Röslein auf der Heiden.
Sah ein Knab’ ein Röslein stehn,
Röslein auf der Heiden.
[ 35 ] Dann wird in der nächsten Zeile schon in einer wunderbaren Steigerung, die selten so schön in der Poesie da ist, eine Nuance heraufgeholt, daß nun das rote Röslein anfängt, sympathisch zu werden:
[ 35 ] Dann wird in der nächsten Zeile schon in einer wunderbaren Steigerung, die selten so schön in der Poesie da ist, eine Nuance heraufgeholt, daß nun das rote Röslein anfängt, sympathisch zu werden:
War so jung und morgenschön,
War so jung und morgenschön,
[ 36 ] Es wird also etwas hingestellt, was die Sympathie rechtfertigt mit dem, was aus den Sinnen erscheint, und gleich in der nächsten Zeile das, was dazu gehört:
[ 36 ] Es wird also etwas hingestellt, was die Sympathie rechtfertigt mit dem, was aus den Sinnen erscheint, und gleich in der nächsten Zeile das, was dazu gehört:
Lief er schnell, es nah zu sehn.
Lief er schnell, es nah zu sehn.
[ 37 ] Darin haben Sie die ganze Korrespondenz der Sinne mit dem, was sich den Sinnen darbietet: er lief schon, es nah zu sehn! Und nun die nächste Zeile wieder eine Steigerung, die Steigerung jetzt in ihm. Draußen war die Steigerung: zunächst
[ 37 ] Darin haben Sie die ganze Korrespondenz der Sinne mit dem, was sich den Sinnen darbietet: er lief schon, es nah zu sehn! Und nun die nächste Zeile wieder eine Steigerung, die Steigerung jetzt in ihm. Draußen war die Steigerung: zunächst
Röslein auf der Heiden
Röslein auf der Heiden
[ 38 ] einfach da das Objekt; dann:
[ 38 ] einfach da das Objekt; dann:
War so jung und morgenschön
War so jung und morgenschön
[ 39 ] die Steigerung draußen. Und bei ihm:
[ 39 ] die Steigerung draußen. Und bei ihm:
Lief er schnell, es nah zu sehn;
Lief er schnell, es nah zu sehn;
[ 40 ] indem er lief, es nah zu sehn:
[ 40 ] indem er lief, es nah zu sehn:
Sah’s mit vielen Freuden.
Sah’s mit vielen Freuden.
[ 41 ] Sie sehen, wie hier das Außere mit dem Inneren korrespondiiert. Nun kommt der Refrain:
[ 41 ] Sie sehen, wie hier das Außere mit dem Inneren korrespondiiert. Nun kommt der Refrain:
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden,
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden,
[ 42 ] um uns ganz besonders hinzuweisen darauf, wie dadie Korrespondenz istzwischen dem, was im Auge, und dem, was dadraußenalsdasObjekt «rot» erscheint. Und der mysteriöse Zusammenhang mit dem Besitz:
[ 42 ] um uns ganz besonders hinzuweisen darauf, wie dadie Korrespondenz istzwischen dem, was im Auge, und dem, was dadraußenalsdasObjekt «rot» erscheint. Und der mysteriöse Zusammenhang mit dem Besitz:
Knabe sprach: Ich breche dich.
Knabe sprach: Ich breche dich.
[ 43 ] Er will’s besitzen, er will das Röschen pflücken, er will’s mit nach Hause nehmen. Nichts anderes ist drinnen; aber dies was drinnen ist, ist wunderbar kosmisch vertieft:
[ 43 ] Er will’s besitzen, er will das Röschen pflücken, er will’s mit nach Hause nehmen. Nichts anderes ist drinnen; aber dies was drinnen ist, ist wunderbar kosmisch vertieft:
Knabe sprach: Ich breche dich,
Röslein auf der Heiden!
Röslein sprach: Ich steche dich.
Knabe sprach: Ich breche dich,
Röslein auf der Heiden!
Röslein sprach: Ich steche dich.
[ 44 ] Wir können in diesem Satz «Ich steche dich» nun das ganze Mysterium der Natur drinnen sehen, die abwehren will, daß der Mensch ihr entgegenschleudert: Ich will deine Dinge nach Hause tragen. — Sie, die Natur, will, wie sie das Röslein für alle lassen will, daß all die Vorübergehenden es anschauen, so will sie es mit all ihren Gegenständen gerade gemacht haben.
[ 44 ] Wir können in diesem Satz «Ich steche dich» nun das ganze Mysterium der Natur drinnen sehen, die abwehren will, daß der Mensch ihr entgegenschleudert: Ich will deine Dinge nach Hause tragen. — Sie, die Natur, will, wie sie das Röslein für alle lassen will, daß all die Vorübergehenden es anschauen, so will sie es mit all ihren Gegenständen gerade gemacht haben.
[ 45 ] Da in diesem
[ 45 ] Da in diesem
Röslein sprach: Ich steche dich
Röslein sprach: Ich steche dich
[ 46 ] ist schon allein beschlossen, das, was ich als Mitempfinden der Tragik der Natur bezeichnet habe.
[ 46 ] ist schon allein beschlossen, das, was ich als Mitempfinden der Tragik der Natur bezeichnet habe.
Daß du ewig denkst an mich:
Daß du ewig denkst an mich:
[ 47 ] er muß der Natur entgelten, daß er hinausreißen will, was vereinigt ist. Er bringt hinein das, was erst in Raum und Zeit entstanden ist, das Besitzen-Wollen; denn nur dadurch, daß der Mensch die Dinge der Natur für sich haben wollte, entstanden die Besitzesverhältnisse. Dafür muß der Mensch entgelten, daß er etwas herausreißt aus dem Dauernden, so daß er wenigstens ewig daran denken muß. Es muß verewigt werden; es darf nicht das Unwahre bestehen, daß es nicht verewigt wird. Dann wiederum in den Worten
[ 47 ] er muß der Natur entgelten, daß er hinausreißen will, was vereinigt ist. Er bringt hinein das, was erst in Raum und Zeit entstanden ist, das Besitzen-Wollen; denn nur dadurch, daß der Mensch die Dinge der Natur für sich haben wollte, entstanden die Besitzesverhältnisse. Dafür muß der Mensch entgelten, daß er etwas herausreißt aus dem Dauernden, so daß er wenigstens ewig daran denken muß. Es muß verewigt werden; es darf nicht das Unwahre bestehen, daß es nicht verewigt wird. Dann wiederum in den Worten
Und ich will’s nicht leiden
Und ich will’s nicht leiden
[ 48 ] steht einfach das Röslein als Repräsentant der ganzen Natur — jedes Naturobjekt sagt eigentlich das, wenn man es besitzen will. Und dann folgt wiederum, damit das Gefühl so recht geheftet wird an das, um was es sich handelt:
[ 48 ] steht einfach das Röslein als Repräsentant der ganzen Natur — jedes Naturobjekt sagt eigentlich das, wenn man es besitzen will. Und dann folgt wiederum, damit das Gefühl so recht geheftet wird an das, um was es sich handelt:
Rösleiin, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.
Rösleiin, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.
[ 49 ] Die nächste Strophe wiederum eine wunderbare Steigerung. Er läßt sich nicht abhalten:
[ 49 ] Die nächste Strophe wiederum eine wunderbare Steigerung. Er läßt sich nicht abhalten:
Und der wilde Knabe brach
’s Röslein auf der Heiden.
Und der wilde Knabe brach
’s Röslein auf der Heiden.
[ 50 ] Also er will es doch besitzen!
[ 50 ] Also er will es doch besitzen!
Röslein wehrte sich und stach.
Röslein wehrte sich und stach.
[ 51 ] Das Röslein ist wiederum Repräsentant der ganzen Natur.
[ 51 ] Das Röslein ist wiederum Repräsentant der ganzen Natur.
Half ihm doch kein Weh und Ach:
Half ihm doch kein Weh und Ach:
[ 52 ] So geht es überhaupt der Natur, und wir empfinden jene Tragik, die sich ausdrückt wie eine Stimmung in der Natur, wenn der Mensch sie besitzen will:
[ 52 ] So geht es überhaupt der Natur, und wir empfinden jene Tragik, die sich ausdrückt wie eine Stimmung in der Natur, wenn der Mensch sie besitzen will:
Mußt’ es eben leiden.
Mußt’ es eben leiden.
[ 53 ] Unendlich tief ist dieses Wort. So muß die Natur sagen gegenüber alledem, was der Mensch aus ihr begehrt. Zu alledem sagt die Natur: Mußt’ es eben leiden.
[ 53 ] Unendlich tief ist dieses Wort. So muß die Natur sagen gegenüber alledem, was der Mensch aus ihr begehrt. Zu alledem sagt die Natur: Mußt’ es eben leiden.
[ 54 ] Aber dieses mikrokosmische Mysterium hat sogar ein makrokosmisches Gegenbild, und wenn man jetzt aus dem Mikrokosmos in den Makrokosmos hinausgeht, so darf man sagen: Wer ist denn nun im Makrokosmos der wilde Knabe, der das Röslein auf der Heide bricht? Es ist der Sonnenstrahl, der sich mit der Sonne von der Erde abgetrennt hat, und der nun auf die Erde fällt von außen, der wirklich zwar hervorruft, auf der einen Seite hervorruft das Röslein auf der Heiden, aber dann, wenn er es sieht, wenn es da ist, auch gleich wieder bricht, es verdorren macht.
[ 54 ] Aber dieses mikrokosmische Mysterium hat sogar ein makrokosmisches Gegenbild, und wenn man jetzt aus dem Mikrokosmos in den Makrokosmos hinausgeht, so darf man sagen: Wer ist denn nun im Makrokosmos der wilde Knabe, der das Röslein auf der Heide bricht? Es ist der Sonnenstrahl, der sich mit der Sonne von der Erde abgetrennt hat, und der nun auf die Erde fällt von außen, der wirklich zwar hervorruft, auf der einen Seite hervorruft das Röslein auf der Heiden, aber dann, wenn er es sieht, wenn es da ist, auch gleich wieder bricht, es verdorren macht.
[ 55 ] So ist es überall in der Natur. Die Natur gibt uns noch eine Erinnerung an das «mußt’ es eben leiden»: neben der Rose die Dornen, die vertrockneten Dornen, die ein Wahrzeichen dafür sind, daß die Natur sich doch merkt, wie der Sonnenstrahl ihr dasjenige, was sie besitzt, nimmt. Aber es ist auch der Dorn neben der Rose. Wenn wir nicht bloß so betrachten, wie ein Materialist es tut, sondern wenn wir das ganze kosmische Fühlen hineinlegen, dann ist der Dorn an der Rose der Ausdruck der Trauer der Natur gegenüber der großen Freude der Natur, gegenüber dem Aufjauchzen der Natur, das dann entsteht, wenn sich die Rosenblüte öffnet, wenn der Rosenstrauch mit Rosen in der Natur dasteht. Wenn dann der wilde Knabe, der Sonnenstrahl kommt, und die Rosen zum Verdorren bringt, ist dies das makrokosmische Gegenbild. Und man kann nur sagen: Wenn irgend etwas geeignet ist, esoterische Empfindungen zu erregen, so sind es solche Gedichte, bei denen man nicht daran zu denken braucht, allerlei strroherne Allegorien in sie hineinzulegen, sondern bei denen man sich eben nur an eine große Wahrheit zu erinnern braucht: Wenn der wahre Dichter hinausgeht über die Natur, tut er es so, daß er dasjenige, was über Raum und Zeit hinaus erfühlt werden kann hinter der Oberfläche der Tatsachen, versucht, mit Worten zum Ausdruck zu bringen. Und wenn ein Dichter in solch einfachen Vorgängen, wie es das Abpflücken einer Rose auf der Heide durch einen Knaben ist, etwas anschlägt, was immerhin so tief zu unseren Herzen spricht, so ist es deshalb, weil dies unser Herz seine Anlage erhalten hat, als wir selber noch nicht mit der Erde vereint waren, als wir selber noch mit dem alten Sonnendasein vereinigt waren, und weil wir damit die Möglichkeit in uns erhalten haben, mit der ganzen Welt zu fühlen.
[ 55 ] So ist es überall in der Natur. Die Natur gibt uns noch eine Erinnerung an das «mußt’ es eben leiden»: neben der Rose die Dornen, die vertrockneten Dornen, die ein Wahrzeichen dafür sind, daß die Natur sich doch merkt, wie der Sonnenstrahl ihr dasjenige, was sie besitzt, nimmt. Aber es ist auch der Dorn neben der Rose. Wenn wir nicht bloß so betrachten, wie ein Materialist es tut, sondern wenn wir das ganze kosmische Fühlen hineinlegen, dann ist der Dorn an der Rose der Ausdruck der Trauer der Natur gegenüber der großen Freude der Natur, gegenüber dem Aufjauchzen der Natur, das dann entsteht, wenn sich die Rosenblüte öffnet, wenn der Rosenstrauch mit Rosen in der Natur dasteht. Wenn dann der wilde Knabe, der Sonnenstrahl kommt, und die Rosen zum Verdorren bringt, ist dies das makrokosmische Gegenbild. Und man kann nur sagen: Wenn irgend etwas geeignet ist, esoterische Empfindungen zu erregen, so sind es solche Gedichte, bei denen man nicht daran zu denken braucht, allerlei strroherne Allegorien in sie hineinzulegen, sondern bei denen man sich eben nur an eine große Wahrheit zu erinnern braucht: Wenn der wahre Dichter hinausgeht über die Natur, tut er es so, daß er dasjenige, was über Raum und Zeit hinaus erfühlt werden kann hinter der Oberfläche der Tatsachen, versucht, mit Worten zum Ausdruck zu bringen. Und wenn ein Dichter in solch einfachen Vorgängen, wie es das Abpflücken einer Rose auf der Heide durch einen Knaben ist, etwas anschlägt, was immerhin so tief zu unseren Herzen spricht, so ist es deshalb, weil dies unser Herz seine Anlage erhalten hat, als wir selber noch nicht mit der Erde vereint waren, als wir selber noch mit dem alten Sonnendasein vereinigt waren, und weil wir damit die Möglichkeit in uns erhalten haben, mit der ganzen Welt zu fühlen.
[ 56 ] Wenn auch durch die luziferisch-ahrimanische Täuschung wir unsere Gefühle jetzt, wie ich geschildert habe, uns selber zuschreiben, so entstanden sie doch aus dem Kosmos; und darauf beruht es, daß wir so mitgehen können, so innig mitgehen können mit dem wahren Dichter, wenn er auch den einfachsten Vorgang des Abpflückens einer Rose schildert. Weil in dem, was aus der Menschenseele bei dem einfachsten Vorgange heraufkommt, der ganze Kosmos vor uns dasteht. Und man braucht es gar nicht auszusagen, man braucht es nicht auszudenken, aber man fühlt es. Wenn man ein so wundervoll feines Gedicht wie das «Heidenröslein» auf sich wirken läßt, dann fühlt man, daß da die ganze Welt hineingeheimnißt ist, Weltgeheimnisse da hineingelegt sind, so daß in der Tat auch die Geheimnisse der Kunst nach und nach dadurch sich uns enthüllen, daß wir aufsteigen von dem rein äußerlichen Wahrnehmen und Empfinden der Dinge zu dem innerlichen, daß wir aufsteigen vom Mikrokosmos zum Makrokosmos und versuchen, die verborgenen, aber in unserer Seele wirksamen Geheimnisse nach und nach kennen zu lernen. Davon morgen weiter.
[ 56 ] Wenn auch durch die luziferisch-ahrimanische Täuschung wir unsere Gefühle jetzt, wie ich geschildert habe, uns selber zuschreiben, so entstanden sie doch aus dem Kosmos; und darauf beruht es, daß wir so mitgehen können, so innig mitgehen können mit dem wahren Dichter, wenn er auch den einfachsten Vorgang des Abpflückens einer Rose schildert. Weil in dem, was aus der Menschenseele bei dem einfachsten Vorgange heraufkommt, der ganze Kosmos vor uns dasteht. Und man braucht es gar nicht auszusagen, man braucht es nicht auszudenken, aber man fühlt es. Wenn man ein so wundervoll feines Gedicht wie das «Heidenröslein» auf sich wirken läßt, dann fühlt man, daß da die ganze Welt hineingeheimnißt ist, Weltgeheimnisse da hineingelegt sind, so daß in der Tat auch die Geheimnisse der Kunst nach und nach dadurch sich uns enthüllen, daß wir aufsteigen von dem rein äußerlichen Wahrnehmen und Empfinden der Dinge zu dem innerlichen, daß wir aufsteigen vom Mikrokosmos zum Makrokosmos und versuchen, die verborgenen, aber in unserer Seele wirksamen Geheimnisse nach und nach kennen zu lernen. Davon morgen weiter.
