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The Rudolf Steiner Archive

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Kunst- und Lebensfragen
im Lichte der Geisteswissenschaft
GA 162

25 Juli 1915, Dornach

Neunter Vortrag

[ 1 ] Gestern sahen wir, wie gewissermaßen verteilt ist auf die weltgeschichtlichen Völkerströmungen dasjenige, was wir bezeichnen können als den fortlaufenden Fluß des sich entwickelnden Wissens, der sich entwickelnden Weisheit auf der einen Seite, und auf der anderen Seite das sich in einer gewissen Zeit mit dieser Weisheit vereinigen müssende Leben. Es ist dies ein Beispiel für die im Grunde genommen in ihren Konsequenzen erschütternde Tatsache von dem Zusammenwirken der verschiedenen Einseitigkeiten im Weltendasein, um ein Ganzes, um eine Harmonie hervorzubringen. Und ich habe schon darauf aufmerksam gemacht, wie bis in unsere Zeiten herein wahrzunehmen ist die Nachwirkung, sowohl auf der einen Seite des lebenlosen Wissensprinzipes, des altwerdenden Wissensprinzipes, wie auch auf der anderen Seite des wissenlosen Lebensprinzipes, das wie ein junger Trieb in der Entwickelung der Menschheit sich vereinigt mit dem aus Urzeiten heraufgebrachten und sich verstrohenden Wissensprinzipes.

[ 2 ] Nun wollen wir heute dieselbe Tatsachenwelt einmal etwas subjektiver ins Auge fassen, wollen sie ins Auge fassen in unmittelbarer Anknüpfung an die Betrachtung des menschlichen Wesens. Die so oft an uns herangetretene Tatsache der rhythmischen Verwandlung des Menschen im täglichen Lebenslaufe wollen wir noch einmal vor unsere Seele stellen: nämlich, daß der Mensch abwechselt im Laufe seines alltäglichen Lebens zwischen dem Zusammensein seiner vier Glieder — des physischen Menschen, des ätherischen Menschen, des astralischen Menschen und des Ich-Menschen — und einem gewissermaßen Getrenntsein dieser vier Glieder zu zwei und zwei: dem Verbundensein des physischen Menschen mit dem ätherischen Menschen und des Ich mit dem astralischen Menschen.

[ 3 ] Der Wechsel von Schlafen und Wachen beruht ja auf dieser rhythmischen Folge des gewissermaßen Vereintseins dieser vier Glieder und des gewissermaßen Getrenntseins derselben. Wir haben schon einmal davon gesprochen, daß man diese Tatsache, die hiermit ausgedrückt worden ist, noch genauer betrachten kann; allein für die heutige Betrachtung mag sie uns als eine hinreichende Grundlage auch so dienen.

[ 4 ] Wenn wir das menschliche Sein, das menschliche Weben im Schlafe betrachten, so kann ja, auch ohne daß mit dem Menschen eine besondere Entwickelung eingetreten ist, doch diesem Menschen, namentlich in besonders lichten, in besonders geweckten Momenten des Aufwachens, ein deutliches Bewußtsein vor die Seele treten, daß er, als seelischer Mensch, beim Aufwachen wie heraus sich hebt aus einem Weben und Leben in einem, ich möchte sagen, feingeistigen Sein.

[ 5 ] Es muß doch den meisten Menschen auffallen, wenn die Verhältnisse günstig sind, daß sie aus dem Schlafe heraus aufwachen nicht wie aus einem Nichts, sondern daß sie heraustauchen aus dem Schlafe wie aus einem vollen, aber viel ätherischeren, leichteren Weben und Leben, als dasjenige ist, das wir durchmachen vom Aufwachen bis zum Einschlafen. Es wird gewiß manchem schon beigefallen sein, aufgefallen sein im Aufwachen, daß er während des Schlafens in einem Elemente lebte, in dem er so darinnen steht, daß er eigentlich während dieses Schlafes gescheiter ist als während des Wachens. Das muß ja doch der größte Teil der Menschen durchgemacht haben, daß sie im Aufwachen sich gesagt haben: Ja, da kam dieses oder jenes; es stellte sich vor meine Seele. Ich weiß ganz genau, ich habe da etwas erlebt, was ich jetzt nicht deutlich genug hereinbringen kann in das Wachbewußtsein. — Und dann kann man sich gewissermafßen dumm vorkommen gegenüber der Gescheitheit, in der man war in diesem nächtlichen Weben und Leben, in diesem viel ätherischeren Elemente, als das Leben der physischen Welt ist vom Aufwachen bis zum Einschlafen. Man war mit seinem ganzen Wesen — dessen muß man sich klar sein — untergetaucht in ein Weben und Leben, das in ähnlicher Art um uns herum ist wie das physische Leben und Weben vor dem physischen Bewußtsein, das nur nicht erfaßt werden kann von diesem physischen Bewußtsein, das gewissermaßen zumeist vollständig vergessen wird im Momente des Aufwachens.

[ 6 ] Aber ebenso kann sich der Mensch, auch ohne besondere okkulte Schulung, klar sein darüber, daß er während des Schlafes in einem solchen Elemente webend darinnen war, das er nicht voll mitnehmen kann in das wache Leben. Auch diese Tatsache, von der sich jeder im Grunde sehr leicht überzeugen kann, wird verstanden, wenn wir den wunderbaren Urdoppelspruch nehmen, auf den wir schon gestern hingewiesen haben, jenen Doppelspruch, der da besagt: Weil die Menschen gelernt haben, zu erkennen oder zu unterscheiden das Gute und das Böse, weil sie gegessen haben von dem Baume der Erkenntnis des Guten und des Bösen, sollen sie nicht essen von dem Baume des Lebens.

[ 7 ] Was heißt es denn: «Nicht essen von dem Baume des Lebens?» Sie werden es vielleicht nicht mehr unbegreiflich finden, was ich über diesen Ausspruch zu sagen habe, wenn Sie sich vernünftigerweise vor die Seele führen, was es denn eigentlich nur heißen kann: gegessen zu haben von dem Baume der Erkenntnis des Guten und des Bösen. — Jeder kann sich doch sagen: Wäre das nicht vorgekommen, was wir die luziferische Verführung nennen, so würde der Mensch offenbar anders in diesem Erdenleben dastehen müssen; denn so wie er dasteht, mischt sich hinein in sein Erdenleben die Wirkung der luziferischen Verführung. — Das heißt, wir bringen es in unserem Erdenleben bis zu einer gewissen Art von Erkenntnis, bis zu einer gewissen Art, uns durch unseren Verstand und durch unsere Vernunft zu den Dingen zu stellen, durch sie ein gewisses Wissen von den Dingen der Welt zu bekommen. Es ist doch ganz klar: wir müßten ein anderes Wissen von den Dingen der Welt bekommen, wenn die luziferische Verführung nicht stattgefunden hätte. Das besagt gerade der angedeutete Doppelspruch. Das heißt, das Wissen, das wir von der Welt und deren Erscheinungen bekommen, ist ein solches Wissen, das durch den luziferischen Einfluß eingetreten ist, ein Wissen, das darstellt die fortlaufende Entwickelung, die eingetreten ist durch den Genuß vom Baume der Erkenntnis des Guten und des Bösen. All unser Wissen ist ein solches, daß es eintreten mußte, so wie es geworden ist, als Folge des Genusses vom Baume der Erkenntnis des Guten und des Bösen. Hätte der Mensch nicht genossen vom Baume der Erkenntnis des Guten und Bösen, so müßte eben ein anderes Wissen da sein als das, welches unter den heutigen «normalen» Verhältnissen da ist, wo Luzifer in unser Dasein herein wirkt.

[ 8 ] Wenn Sie so sich vor Augen stellen, daß im Grunde genommen unser gesamtes Tageswissen beeinflußt ist von der Tatsache der luziferischen Verführung, daß unser Tageswissen die Erfüllung ist davon, daß wir genossen haben von dem Baume der Erkenntnis des Guten und des Bösen, so wird es Ihnen nicht mehr so unbegreiflich erscheinen, wenn ich Ihnen jetzt die aus vielen okkulten Wahrnehmungen heraus zu erkennende Tatsache vor Augen führe: daß unser nächtliches, schlafendes Nichtwissen, unsere über das Bewußtsein sich ausbreitende Finsternis des Schlafes einfach die Wirkung ist des Nicht-Essendürfens von dem Baume des Lebens. Gerade so, wie unser Alltagswissen die Wirkung ist des Gegessenhabens von dem Baume der Erkenntnis des Guten und des Bösen, so ist das Nicht-Wissen während des Schlafes die Folge des Nicht-haben-essen-Dürfens von dem Baume des Lebens. Würden wir von diesem Baume haben essen dürfen, so würde für den Schlaf etwas Ähnliches eingetreten sein wie für das Wachen. Das hat aber nicht kommen dürfen. Und so ist denn eingetreten für den Schlafzustand die Bewußtlosigkeit.

[ 9 ] Wenn aber nun diese Bewußtlosigkeit des Schlafes überwunden wird, wenn die Möglichkeit eintritt, durch eine geisteswissenschaftliche methodische Entwickelung, etwas zu wissen von dem, was sich wirklich da vollzieht in dem vorhin angedeuteten Weben und Leben in einem ätherischen Elemente, dann werden wir gewahr, wie eigentlich wir vom Einschlafen bis zum Aufwachen unser Leben verbringen. Wir verbringen dieses Leben nämlich — es ist dies eine Tatsache, die einen erschüttern kann — vom Einschlafen bis zum Aufwachen in den Armen Luzifers, möchte ich sagen. Und man kann verstehen, was da eigentlich geschehen ist, verstehen das tiefe Mysterium, das dieser ganzen Tatsachenwelt zugrundeliegt, dadurch daß man sieht: in demselben Momente, da der Mensch damit bestraft worden ist, nicht essen zu dürfen von dem Baume des Lebens, wurde Luzifer dazu verurteilt, fortwährend von diesem Baume zu essen. Und weil er dasjenige, was da webt und lebt vom Einschlafen bis zum Aufwachen, was uns, wenn es uns nachklingt im Wachen, so unendlich gescheit vorkommt, weil Luzifer das in Anspruch nimmt, so hat dieses Weben und Leben in dem, was uns nicht zum Bewußtsein kommt, eben weil er es für sich in Anspruch nimmt, eine ganz gewisse Folge.

[ 10 ] Also wir können sagen: Unser Leben und Weben in dem feinen, ätherischen Elemente, das ich angedeutet habe, das ist etwas, dessen sich Luzifer bemächtigt. Und weil sich Luzifer dessen bemächtigt, so kommt das zustande, daß etwas nicht geschieht, was eigentlich durch die Jahve-Gottheiten den Menschen vorbestimmt war. Durch die Jahve-Gottheiten war vorbestimmt den Menschen, beim Aufwachen hereinzubekommen in den Ätherleib und in den physischen Leib dasjenige, was da webt und lebt im Schlafe. Ich muß das etwas schematisch zeichnen, damit Sie vielleicht genauer sehen können, um was es sich da handelt. Ich möchte dasjenige, was von unserem Ich außerhalb des physischen Leibes lebt während des Schlafes, schematisch etwa durch dieses bezeichnen (rot); was von unserem astralischen Leibe während des Schlafens außerhalb des physischen Leibes lebt, mit diesem (gelb); was von unserem physischen Leibe im Bette bleibt, möchte ich mit diesem bezeichnen (blau), und was von unserem ätherischen Leibe im Bette bleibt, mit diesem (ockergelb).

Diagram 1

[ 11 ] Nun war folgendes von vornherein bestimmt. Es war dem Menschen durch die sich fortentwickelnden Jahve-Gottheiten bestimmt, daß beim Aufwachen jenes angedeutete ätherische Weben und Leben untertaucht sowohl in den ätherischen Leib wie in den physischen Leib des Menschen. Sie müssen nicht erschrecken darüber, daß Luzifer es ist, der mit uns webt, während wir im ätherischen, feinen Elemente selber leben vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Ich habe ja schon in Münchner Vorträgen einmal angedeutet, daß das ganz falsch ist, wenn man glaubt, man müsse sich vor Luzifer auf allen Gebieten des Lebens nur in acht nehmen. Das ist ein materialistisches Vorurteil. Geistige Wesenheiten sind nicht dazu da, daß sie eigentlich nicht da sein sollten. Und es benehmen sich die meisten gegenüber dem Luziferischen und Ahrimanischen unrichtigerweise so, als ob sie nur ja nicht etwas zu tun haben wollten mit dem Luziferischen und Ahrimanischen. Darum handelt es sich aber gar nicht, das Leben so einzurichten, daß man nichts zu tun hat mit dem Luziferischen und Ahrimanischen. Es handelt sich darum, daß man auch diese Wesenheiten da gelten läßt, wo sie in ihrem Elemente sind, und weiß, daß sie schädlich nur wirken in den Elementen, wo sie nicht hingehören. So ist es für das Erdenleben recht, daß Luzifer lebt und webt vom Einschlafen bis zum Aufwachen in dem Elemente, von dem wir Menschen nichts wissen sollen, da wir schon das andere Wissen haben, das eine Wirkung vom Genusse des Baumes der Erkenntnis des Guten und des Bösen ist.

[ 12 ] Aber jetzt kommt beim Aufwachen dasjenige, was man durchschauen muß, wenn man die notwendige Lebensentwickelung, die heute durch die geisteswissenschaftliche Weltanschauung kommen soll, verstehen will: Was da verwoben wird, was da eigentlich nachgefühlt wird, wenn man in besonders günstigen Momenten dieses Leben und Weben heute wie einen Nachklang hereinbekommt in das Bewußtsein, was da gewoben wird, das sollte beim Aufwachen in unseren physischen und unseren ätherischen Leib hereinkommen. Denn was da webt, ist unser astralischer Leib. Der lebt und webt im wogenden Weltenmeere; und das, was er sich da erwebt, was er da erlebt und erfährt, das sollte hereinkommen sowohl in unseren ätherischen Leib, wie auch in unseren physischen Leib.

Diagram 1

[ 13 ] Wenn ich die Absichten der die Erdenentwickelung leitenden Jahve-Gottheiten zeichnen wollte, dieses Leben und Weben, in dem unser Astralleib während der Nacht ist, müßte ich es so zeichnen können, daß das alles in unseren Wachzustand hereingeht sowohl in unseren ätherischen Leib, wie in unseren physischen Leib (Zeichnung a, schräge Linien, gelb). Was ich hier gezeichnet habe, würde darstellen das beim Aufwachen eintretende Aufgesogenwerden der Erlebnisse unseres astralischen Leibes von dem physischen Leibe und von dem Ätherleibe. Dies hätte eintreten sollen im Verlaufe der menschlichen Erdenentwickelung oder der irdischen Menschenentwickelung, wenn die ursprüngliche Absicht der Jahve-Götter hätte erfüllt werden können. Das aber ist nicht geschehen wegen der damaligen luziferischen Verführung. Etwas anderes ist aber geschehen, so daß wir den Tatbestand, der jetzt eintrat, etwas anders zeichnen müssen.

Diagram 1

[ 14 ] Wenn das der physische Leib ist (blau) und das der ätherische Leib (ockergelb) — alles natürlich schematisch gezeichnet —, so tritt das Erlebnis des astralischen Leibes beim Aufwachen nur wirklich in den ätherischen Leib ein, drückt sich höchstens im physischen Leibe ab und beeinflußt etwas den physischen Leib. In Wirklichkeit tritt es nur in den ätherischen Leib ein. Nicht weil es zurückgehalten wird, nicht weil es halt macht, weil es eine Grenze haben würde am physischen Leibe, muß ich das so zeichnen (Zeichnung b), sondern weil durch einen geheimnisvollen Pakt zwischen Luzifer und Ahriman, der eben eingetreten ist infolge der in luziferische und ahrimanische Entwickelung hineinverflochtenen Erdenentwickelung —, weil Luzifer im Momente des Aufwachens dem Ahriman übergibt das, was eigentlich in den physischen Leib hinein sollte. Das, was also hier sein würde (Zeichnung a) von diesem nächtlichen Erleben, wird nicht unserem physischen Leibe, sondern in unserem physischen Leibe dem Ahriman übergeben. Um es als ahrimanisch zu kennzeichnen, will ich es nur so hineinzeichnen (Zeichnung c, gelbe Punkte).

Diagram 1

[ 15 ] Und die bedeutsame Tatsache besteht: Ahriman erlebt in unserem physischen Leibe Luzifers Erlebnisse während unseres Schlafes. Das ist mit anderen Worten die Ursache davon, daß wir nicht selber hereinbringen können unsere nächtlichen Erlebnisse in unser Tagbewußtsein, weil sie Luzifer dem Ahriman übergibt während des Aufwachens. Nur während sie da ihren Handel miteinander abschließen, den Pakt miteinander abschließen, kommt uns in dem gewöhnlichen Traum manches zum Bewußtsein, während es so hinübergeht aus den Händen Luzifers in die Hände Ahrimans. Das ist auch eine Seite des Schlaf- und Traumlebens.

[ 16 ] Betrachten wir jetzt einmal das gewöhnliche Wissen, das wir während der Zeit vom Aufwachen bis zum Einschlafen haben. Dieses Wissen, das wir so haben, wie wir es haben, ist also eine Folge der Tatsache, daß eben der Genuß eingetreten ist vom Baume der Erkenntnis des Guten und Bösen. Da liegt die Sache also so, daß wir während des Tages Wissen erwerben von den Dingen. Vom Aufwachen bis zum Einschlafen erwerben wir Wissen von den Dingen, ein Wissen, das unser Verstand auf Grundlage der Sinneswahrnehmungen kombiniert. Dieses Wissen, das wir von den Dingen erwerben, das erwerben wir ja, wie es Ihnen doch selbstverständlich sein muß, durch unser Ich. Es ist ein Wissen, das der Mensch als Erdenmensch erlebt. Der Mensch als Erdenmensch hat dadurch das Wissen erlangt, daß ihm zu seinen drei übrigen Prinzipien, die er von Saturn, Sonne und Mond herübergebracht hat, auf der Erde das Ich hinzugegeben worden ist. Als Erdenmensch, im Ich, erleben wir das Wissen, das überhaupt unser menschliches Wissen ist, also alles das, was wir über die Welt unter den Verhältnissen, unter denen wir schon einmal auf der Erde sind, erwerben können. Aber dieses Wissen, das wir auf diese Art erwerben, hat eben die Eigentümlichkeit, daß es sich verdunkelt in unserem Ich. Es verdunkelt sich in unserem Ich, sobald wir einschlafen.

[ 17 ] Es tritt also auch diese Tatsache ein, daß wir vom Aufwachen bis zum Einschlafen Wissen erwerben; aber in dem Augenblicke, wo wir einschlafen, hört dieses Wissen auf, für uns bewußt zu sein; das heißt, es geht aus unserem Ich heraus. Philosophen, welche das Ich zur Grundlage der Philosophie machen und dann sagen: Dieses Ich können wir zur Grundlage der Philosophie machen, weil dieses Ich das Bleibende ist in dem Menschenleben zwischen der Geburt und dem Tode —, sagen einen ganz gewöhnlichen Unsinn, denn dieses Ich, so wie der Mensch es erlebt, wird jede Nacht ausgelöscht. Also halten wir uns diese Tatsachen vor die Seele: daß wir uns Wissen erwerben, dieses Wissen aber durch das Ich erworben wird, und dieses Ich ausgelöscht wird für den Zustand zwischen Einschlafen und Aufwachen.

[ 18 ] Woher kommt das? Dieses Wissen wird wirklich ja erworben in jenem Gebiete des Daseins, von dem wir wissen, daß es dem Ahriman zugeteilt ist. Wir wissen ja, daß auf dem gewöhnlichen äußeren physischen Plane Ahriman sein eigentliches Reich hat, weil aller Tod ihm zugehört. Ich habe das einmal in Münchner Vorträgen besonders ausführlich charakterisiert. Wir durchmessen mit unserem Bewußtsein Ahrimans Reich vom Aufwachen bis zum Einschlafen, und indem wir unser gewöhnliches Alltagswissen entwickeln, so wie wir es durch die luziferische Verführung entwickeln, bringt uns dieses Alltagswissen immer im Leben zwischen dem Aufwachen und dem Einschlafen in das Reich des Ahriman hinein. Wir weben und leben eigentlich immer im Reiche des Ahriman, mit unserem gewöhnlichen Suchen nach äußerem Wissen, nach Wissen, das sich auf die äußere sinnliche Welt bezieht.

[ 19 ] Luzifer — wir müssen das immer trennen — hat das bewirkt; aber es ist nicht das Reich des Luzifer, in dem wir da weben und leben vom Aufwachen bis zum Einschlafen, sondern es ist das Reich des Ahriman, in dem wir leben, weben und sind. Und zwar ist das aus dem Grunde sehr leicht einzusehen, weil Ahriman ja in unserem physischen Leibe ist. Der hilft uns fortwährend, wenn wir uns Wissen durch den physischen Leib erwerben wollen. Wir erwerben das gewöhnliche Wissen zunächst durch den physischen Leib, durch die Sinne, die gewöhnlichen Werkzeuge des physischen Leibes. Da drinnen sitzt ja Ahriman; Luzifer gibt ihm auch beim Aufwachen das, was er in uns während der Nacht erlebt hat. Während des Tages, im Zusammenhang mit Ahriman, erringen wir dasjenige, was wir unser ' Wissen in der Welt nennen. Beim Einschlafen ist es so, daß Ahriman reichlich vergilt die Gabe, die ihm Luzifer beim Aufwachen gegeben hat.

Diagram 1

[ 20 ] Während Luzifer dasjenige, was er während des Schlafes mit uns durchgemacht hat, beim Aufwachen dem Ahriman übergibt für unseren physischen Leib, übergibt Ahriman dem Luzifer beim Einschlafen dasjenige, was er den ganzen Tag mit uns erlebt hat. Dieses übergibt also Ahriman beim Einschlafen dem Luzifer. Und während eigentlich unser gesamtes tägliches Erleben sich übertragen sollte auf das gesamte nächtliche Erleben, und ich dann so zeichnen müßte dieses nächtliche Erleben (Zeichnung a, grün), ist das so, daß in Wahrheit das durch den Tag Erworbene nur bis in den astralischen Leib hineingeht, im Ich aber von Luzifer in Empfang genommen wird (Zeichnung b, Kreise), so daß Luzifer in uns in der Zeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen dasjenige erlebt, was in uns fortlebt und -webt von dem Tageswissen, von dem, was wir uns erworben haben vom Aufwachen bis zum Einschlafen. Wir können also sagen: Statt unser genießt während des Tages unsere nächtlichen Erfahrungen Ahriman; statt unser genießt während unseres Schlafens, in unserem Ich, Luzifer unsere täglichen Erfahrungen. In unserem physischen Leibe genießt Ahriman, in unserem Ich genießt Luzifer; Ahriman während des Tages, Luzifer während der Nacht.

[ 21 ] Nun handelt es sich darum, die Folgen von diesen Tatsachen für unser menschliches Leben einzusehen. Fassen wir zunächst einmal _ diese Tatsache, daß Luzifer vom Einschlafen bis zum Aufwachen unser Ich in Anspruch nimmt, ins Auge. Sehen Sie, dies hindert uns, dasjenige, was wir als Wissen während des Tages erfahren, was wir uns ausdenken über die Welt, was wir urteilen, unterscheiden, verbinden in der Welt, auch während der Nacht zu durchleben. Wir würden es wirklich durchleben, wenn wir es durch die Nacht hindurch fortsetzen könnten. Nach der ursprünglichen Absicht der Jahve-Gottheiten war es so, daß wir unser Wissen während des Tages sammeln und es während der Nacht durchleben, durcharbeiten sollten. Wäre diese Absicht realisiert worden, dann würden wir eine ganz andere Wissenschaft haben als die, welche wir so haben. Wir würden eine Wissenschaft haben, die wirklich eine lebendige Wissenschaft wäre, wo jeder Begriff, den wir erfahren, in uns lebendig wäre, wo wir auch wüßten, daß Begriffe, die wir erfahren während des Tages, Schatten sind von Lebewesen, wie ich es öfter beschrieben habe; denn wir würden ja in der Nacht folgendes erfahren. Wir würden sehen: Während des Tages erleben wir, wir machen uns diesen oder jenen Begriff; in der Nacht würden alle Begriffe aufwachen, um zu leben, und wir würden erkennen, daß alles das elementarische Lebewesen wären. Das wüßten wir. Vom Einschlafen bis zum Aufwachen wüßten wir: Das, was wir uns als Wissenschaft erwerben, das ist unmittelbares Leben, welches lebt und webt in der Welt; elementarisches Wirken und Weben und Leben.

[ 22 ] Das kann es nicht sein für uns, weil Luzifer das erfaßt, und weil Luzifer es uns wegnimmt. Und so nimmt er uns das Leben der Wissenschaft weg. Jede Nacht saugt er das Leben der Wissenschaft für sich heraus, und uns bleiben nur die abstrakten Begriffe, die toten Begriffe, die uns durch die Wissenschaft gegeben sind. Die Menschheit hat so eine Wissenschaft, die von Luzifer ausgesogen ist, richtig ausgesogen ist von Luzifer.

[ 23 ] Das ist der Grund, warum die Wissenschaft so empfunden werden muß, als ob sie nicht heran könnte an das, was eigentlich in den Dingen lebt und webt, warum sie so erscheint, als ob man sich von dem Lebenden und Webenden tote Begriffe machte. Die Wissenschaft hat etwas Zusammentragendes, etwas, wobei man fühlt, man bleibt doch immer außerhalb des Lebens stehen, man kommt nicht hinein in das Leben. Alles, was die Philosophen von jeher geschwätzt — ich will sagen, philosophiert haben über die Grenzen des Wissens, über das Nicht-Hineinkommen in die Untergründe des Daseins, das rührt ja davon her, daß sie fühlten: unter dem, was man in Begriffe fassen kann, liegt das lebendige Leben, an das man nicht heran kommt aus dem Grunde, weil Luzifer an diesem Leben saugt und es für sich in Anspruch nimmt und so, mit anderen Worten, die Begriffe strohern, abstrakt macht.

[ 24 ] Betrachten wir jetzt den anderen Fall. Was würde geschehen, wenn wir nicht der Tatsache unterlägen, daß beim Aufwachen Ahriman in Anspruch nimmt dasjenige, was nächtliches Erleben in uns ist? Was würde mit uns eintreten beim Aufwachen? Wir würden hineinbekommen in unser Tagesbewußtsein den ganzen Zusammenhang mit den Nachterlebnissen. Wir würden, mit anderen Worten, die ganze geistige Welt in unser Tagesbewußtsein hineinbekommen, und es würde sich hineinmischen in das, was wir als Tagesbewußtsein haben, dasjenige, was das nächtliche Durchleben darstellt. So zusammen würde man es nicht haben können, wie wir jetzt unser Tagesbewußtsein haben zusammen mit den nächtlichen Erlebnissen, aus dem Grunde, weil dieses Tagesbewußtsein auftritt in einer Weise, wie sie durch Luzifer gekommen ist. Aber wenn Luzifer dieses Tagesbewußtsein nicht beeinflußt hätte in der charakterisierten Weise, so würden wir in ganz anderer Weise an die Dinge herantreten. Dann würde vereinbar sein mit diesem Herantreten an die Dinge das Hereinleben desjenigen, was wir nächtlich durchleben. Das würde eine ganz beträchtliche Veränderung hervorrufen in alledem, was wir während des Tages erleben.

[ 25 ] Wir gehen ja so durchs Tagesleben, daß wir die Dinge anschauen, daß wir uns Ideen, Vorstellungen über die Dinge machen. Dann kombinieren wir wohl auch, aber es bleibt, möchte ich sagen, zwischen der Geburt und dem Tode immer dabei, daß wir im Grunde genommen zusammenkoppeln das eine, was wir während des Tages erlebt haben, mit anderem, was wir während des Tages erlebt haben. Würde der Tatbestand anders sein, würde er so sein, daß richtig hereinkämen die nächtlichen Erlebnisse in das Tagesleben, so würden wir jedes Tageserlebnis verbinden mit dem, was uns wie eine Erinnerung der Nachterlebnisse geblieben ist.

[ 26 ] So wie es jetzt ist, treten wir einem Menschen entgegen; wir kommen diesem Menschen entgegen, wir sagen uns: diesen Menschen kenne ich. — Aber warum sagen wir uns das: diesen Menschen kenne ich? — Nur aus dem einfachen Grunde, weil wir ihn früher schon gesehen haben während der Tageserlebnisse. Wir kombinieren das eine Tagerlebnis mit dem anderen, und das drückt sich so aus, daß wir sagen: Wir kennen diesen Menschen. — Ganz anders wäre es, wenn wir die Nachterlebnisse in der angedeuteten Weise hereinbrächten. Dann würden wir bei Tage wissen: dieses oder jenes geistige Wesen entspricht ihm. Wir würden ihn in der Nacht erlebt haben, wir würden ihn identifizieren können mit seinem geistigen Hintergrund, wir würden sein Physisches vom Geistigen durchwebt haben. So würde sich uns die ganze Welt konkretisieren, durchweben mit Geistigem. So aber, durch die luziferische Verführung, kann das nicht sein. Das Geistige bleibt aus; es bleibt uns nicht. Ahriman nimmt es für sich in Anspruch und so bleibt es nur dadrinnen im Ätherleibe (Zeichnung b, Seite 179); dadrinnen im Ätherleibe sitzt es, es kommt nicht zur Konkretisierung. Es kommt nicht dazu, daß man es wirklich in den Dingen sieht. Man kann nur sagen: Ich fühle in meinem Ätherleibe, daß dieses Geistige da ist als Weben und Leben. Man fühlt es im Allgemeinen, aber man bekommt es nicht herauf in die Anschauung.

[ 27 ] Ich hoffe, Sie merken, wie das ist. Statt daß es in den physischen Leib hineingeht, und es sich uns auf Schritt und Tritt zeigen würde, dieses Geistige, bleibt es in der Allgemeinheit stecken. Und wir fühlen es so in uns, daß wir uns sagen können: Das Geistige ist da, es lebt und webt in der Welt, aber es konkretisiert sich uns nicht. Es kann das, was wir so vom Geistigen erleben, vor allem nicht Wissen werden. Wissen würde es für uns, wenn es hereinkäme in den physischen Leib. Es bleibt Glaube, weil es bloß im Ätherleibe erlebt wird. Alles dasjenige, was im bloßen Glauben liegt an Ablehnung des konkreten Wissens, das kommt davon her, daß der Mensch ganz richtig fühlt: er will im normalen Leben darinnen stehen bleiben, er will nicht zu dieser Konkretisierung kommen; da fürchtet er sich vor den möglichen Irrtümern.

[ 28 ] So sehen Sie, ist Glaube im Ätherleibe steckengebliebenes Wissen. Während dasjenige Wissen, das wir bei Tage haben, im astralischen Leibe eben steckenbleibt, also zur Nachtzeit im Astralleib steckengebliebenes Wissen ist und dadurch so unlebendig wird. Der lebendige Glaube, der wissenlos ist, weil ihm sein Wissen genommen wird von Ahriman, ist dasjenige, was gegenübertritt dem glaubenlosen Wissen, dem Wissen, dem der Glaube genommen wird durch Luzifer. So daß wir hier (Zeichnung b, Seite 182) hinzufügen können: Luzifer erlebt in unserem Ich ahrimanische Erlebnisse.

[ 29 ] Ich möchte in diese zwei Worte zusammenfassen dasjenige, was Ihnen vielleicht im Gedächtnis bleiben kann von diesen heute angestellten so außerordentlich wichtigen Betrachtungen. Durch diese Betrachtungen nämlich zeigt sich so recht der Anteil Ahrimans und Luzifers an unserem Leben, zeigt sich, wie Luzifer und Ahriman zusammen arbeiten, damit wir nicht die Harmonie bekommen können zwischen Glauben und Wissen, sondern die unrichtige Zweiheit des wissenlosen Glaubens und des glaubeleeren Wissens.

[ 30 ] Es ist eben durchaus falsch, wenn wir glauben, daß wir jemals Ahriman oder Luzifer entrinnen können. Richtig ist vielmehr, daß Ahriman und Luzifer wohl ihre Weltaufgabe haben, denn das Ganze, was da geschieht, das mußte ja geschehen; es mußte die Menschheit geführt werden so, wie es angedeutet worden ist; sie mußte eine Zeitlang geführt werden durch solch eine Strömung, die dann ihren Auslauf gefunden hat in dem, was gestern dargestellt worden ist: in dem allmählich sich abtötenden Wissen. Da wurden die Menschen in vorwiegender Weise so in die Welt hineingestellt, daß auf sie gewirkt hat dasjenige, was hier in diesem Tatbestand (Zeichnung c, Seite 179) vorgezeichnet ist. Und dem strömt entgegen, wie ich es gestern dargestellt habe, von Mitteleuropa aus eine Menschheit, die mehr daraufhin veranlagt worden ist, daß sie diesen Tatbestand entwikkelt hatte (Zeichnung b, Seite 182).

[ 31 ] Und durch das Zusammenwirken, Zusammentönen dieser beiden Menschheitsströmungen allein nur kann das lebendige Erfassen des Christus-Impulses stattfinden.

[ 32 ] Denn es ist zugleich möglich, daß im Christus-Verständnisse, im Verständnisse des Christus-Impulses gewissermaßen auseinanderfallen diese beiden Strömungen und nicht miteinander zu rechnen haben. Nehmen wir einmal an, diese eine Strömung unterliegt, als von Europa ausgehende Strömung, der Anlage, von Ahriman während des Wachens überwältigt zu werden. Nehmen wir an, diese Strömung bildete sich besonders aus und strebte das Verständnis des Mysteriums von Golgatha an: dann bildete sie sich so aus, daß sie diejenigen Tatsachen, die mit dem äußeren Geschehen des Mysteriums von Golgatha zusammenhängen, ablehnt. Sie will nicht durch den physischen Leib hindurch. Indem sie von Ahriman überwälktigt ist, will sie nicht eindringen in ein konkretes Erfassen dieses ganzen, großen kosmischen Ereignisses des Christus-Herabsteigens und so weiter. Sie will vielmehr durch das Innere des Menschen, durch das Ätherische im Menschen, sich anlehnen an den Jesus und gründet eine Jesulogie, eine Wissenschaft von Jesus; sie lehnt ab dasjenige, was hinausgreift in die Welt von dem Mysterium von Golgatha.

[ 33 ] Das Überhandnehmen dieser (Zeichnung b) Strömung hat wenig Interesse an dem unmittelbaren Zusammenhang des menschlichen Inneren mit dem Menschen in Christus, mit dem Jesus; sie sieht vielmehr auf dasjenige, auf das sie gewohnt ist zu sehen: auf das abstrakte Erfassen dessen, was draußen im Kosmos wirkt. Es strebt diese Strömung nach einer Christologie. Jene Strömung sieht vorzugsweise auf Jesus, diese vorzugsweise auf Christus. Die Wahrheit kann man nur erkennen, wenn man den Jesus Christus oder den Christus Jesus als Einheit auffaßt, wie das die Geisteswissenschaft tut, welche die beiden Einseitigkeiten zu überwinden sucht. Sie ist sich ebenso klar darüber, daß es ein kosmisches Wesen gibt, den Christus, der vor dem Mysterium von Golgatha außerhalb der Erdensphäre war und durch das Mysterium von Golgatha in die Erdensphäre hereinkam und dadurch der ganzen menschlichen Entwickelung einen anderen Impuls gab, so daß ein irdisches Geschehnis aus dem Kosmos herein vorbereitet worden ist, und sich weiterhin vollzieht; aber ebenso klar ist es, daß dieses Geschehnis innig zusammenhängt mit dem Jesus von Nazareth. Das heißt, man muß sich klar darüber sein, daß der Christus, wie er vor dem Mysterium von Golgatha war, nicht hätte hereintragen können jenes kosmische Geschehen in das irdische Geschehen ohne den physischen Menschenleib des Jesus, und daß er daher durchgehen mußte durch das Mysterium von Golgatha. Es war das notwendig, es kam darauf an, daß der Christus in dem Jesus das erlebte, was er in dem Jesus erlebt hat.

[ 34 ] Nicht auf den Jesus einseitig, nicht auf den Christus einseitig, sondern auf den Christus Jesus, auf den Christus im Jesus kommt es an. Das ist es. Das, was auf der Erde geschehen ist, ist nicht durch den Christus geschehen, sondern dadurch, daß der Christus in dem Jesus gelebt hat. Eine bloße Christologie ist ebenso unmöglich, wie eine bloße Jesulogie; sondern es ist einzig und allein möglich eine Geisteswissenschaft von dem Christus Jesus. Denn es gehört die Tatsache von dem Mysterium von Golgatha ganz notwendigerweise zu dem, was in die Erdenentwickelung hat hereintreten sollen.

[ 35 ] Wenn also dasjenige geschehen soll, was vorgezeichnet ist durch das Mysterium von Golgatha: daf ein richtiges Verhältnis eintreten soll zwischen Luzifer und Ahriman in bezug auf das, was durch den Menschen in der Welt geschieht, dann muß erkannt werden, wie die beiden Mächte Luzifer und Ahriman im Menschen zusammenwirken. Bewußt muß sich der Mensch gegenüberstellen diesem Zusammenwirken. Und das wird er eben, wenn er durch die Geisteswissenschaft versucht, sich die beiden Strömungen zu charakterisieren und dadurch den Weg zu dem Christus Jesus zu finden.

[ 36 ] Das ist auch dasjenige, was angedeutet werden soll in jenem Bildwerke, das an hervorragender Stelle unseres Baues, wie wir annehmen dürfen, einmal seine Stelle finden wird. Der Urmensch in der Mitte, das Ahrimanische und Luziferische an den Seiten. So daß man in der Art und Weise, wie die künstlerische Darstellung ist, einen unmittelbaren Ausdruck hat für dasjenige, was in der Zukunft der Menschheitsentwickelung sich abspielen soll anstelle dessen, was sich in der Vergangenheit abspielte mit Bezug auf die Trinität, die Dreiheit: Christus — Luzifer — Ahriman. Davon werden wir dann das nächste Mal weitersprechen.