Chance, Necessity, and Providence
Imaginative Insight and Processes after Death
GA 163
28 August 1915, Dornach
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Zufall, Notwendigkeit und Vorsehung
Dritter Vortrag
Dritter Vortrag
[ 1 ] Ich will, wie ich schon erwähnt habe, in diesen Tagen zusammentragen dasjenige, was wir brauchen, um die Vorstellungen von Vorsehung, Notwendigkeit, Zufall in das richtige Licht zu setzen. Ich werde aber nötig haben, gerade heute gewissermaßen wie ein abstraktes Gegenbild der eben gesehenen, schönen, konkreten Bilder einige Vorbegriffe vorzubringen. Und wenn wir, wie das ja sein muß, gründlich zu Werke gehen wollen, so können wir die Betrachtung nicht anders anstellen, als wenn wir auch diesmal dann am Montag noch einen Vortrag anschließen, so daß ich also heute noch, dann morgen nach der eurythmischen Aufführung, und am Montag um sieben Uhr sprechen werde. Morgen wird um drei Uhr die Eurythmieaufführung sein, und daran werden wir einen weiteren Vortrag anschließen.
[ 1 ] Ich will, wie ich schon erwähnt habe, in diesen Tagen zusammentragen dasjenige, was wir brauchen, um die Vorstellungen von Vorsehung, Notwendigkeit, Zufall in das richtige Licht zu setzen. Ich werde aber nötig haben, gerade heute gewissermaßen wie ein abstraktes Gegenbild der eben gesehenen, schönen, konkreten Bilder einige Vorbegriffe vorzubringen. Und wenn wir, wie das ja sein muß, gründlich zu Werke gehen wollen, so können wir die Betrachtung nicht anders anstellen, als wenn wir auch diesmal dann am Montag noch einen Vortrag anschließen, so daß ich also heute noch, dann morgen nach der eurythmischen Aufführung, und am Montag um sieben Uhr sprechen werde. Morgen wird um drei Uhr die Eurythmieaufführung sein, und daran werden wir einen weiteren Vortrag anschließen.
[ 2 ] Die Begriffe «Notwendigkeit» und «Zufall» fallen für jenes Bewußtsein, das sich bis zu unserer Zeit allmählich herausgebildet hat, und das unter dem Einfluß materialistischer Vorstellungen entstanden ist, in einer gewissen Weise zusammen. Ich meine das so, daß viele Menschen, deren Bewußtseinsverfassung unter dem Einflusse der materialistischen Vorstellungen entstanden ist, heute schon nicht mehr unterscheiden können den Begriff der Notwendigkeit und den Begriff des Zufalls.
[ 2 ] Die Begriffe «Notwendigkeit» und «Zufall» fallen für jenes Bewußtsein, das sich bis zu unserer Zeit allmählich herausgebildet hat, und das unter dem Einfluß materialistischer Vorstellungen entstanden ist, in einer gewissen Weise zusammen. Ich meine das so, daß viele Menschen, deren Bewußtseinsverfassung unter dem Einflusse der materialistischen Vorstellungen entstanden ist, heute schon nicht mehr unterscheiden können den Begriff der Notwendigkeit und den Begriff des Zufalls.
[ 3 ] Nun gibt es eine Anzahl von Tatsachen, denen gegenüber selbst materialistisch verwirrte Köpfe den Begriff der Notwendigkeit, wenigstens in einem gewissen eingeschränkten Sinne, noch gelten lassen. Auch materialistisch eingeschränkte Leute lassen heute noch gelten, daß mit einer gewissen Notwendigkeit die Sonne morgen wiederum aufgehen werde. Die Wahrscheinlichkeit, daß die Sonne morgen aufgehen werde, ist eine so große nach Ansicht dieser Leute, daß man diese große Wahrscheinlichkeit schon wie eine Notwendigkeit bezeichnen kann. Solche Tatsachen, die sich draußen in der weiteren Natur, in der relativ weiteren Natur unseres Erdgeschehens abspielen, lassen solche Köpfe als Notwendigkeit gelten. Dagegen finden sie sich schon gewissermaßen beengt mit ihren Begriffen von Notwendigkeit, wenn sie an dasjenige herantreten, was in der Geschichte sich zugetragen hat, was sich, wie man sagt, historisch abgespielt hat. Und sehr bezeichnend ist da gerade ein Geist, wie der schon öfter jetzt vor Ihnen genannte Fritz Mauthner, der nicht nur seine «Kritik der Sprache» geschrieben hat, um Kant zu «überkanten», sondern der auch ein philosophisches Wörterbuch geschrieben hat. In diesem philosophischen Wörterbuch hat er auch einen Artikel «Geschichte». Und wie er da versucht, mit dem, was Geschichte ist, zurechtzukommen, das ist recht interessant. Er sagt sich: Wenn die Sonne aufgeht, da sehe ich eine Tatsache. Nehmen wir zum Beispiel an, heute am 28. August 1915 habe man die Tatsache sehen können, daß die Sonne aufgegangen ist. Dieses ist eine Tatsache. Daß diesem Aufgehen der Sonne ein Gesetz, eine gewisse Notwendigkeit zugrunde liegt, das kann man nur dadurch einsehen, meint Fritz Mauthner, daß gestern auch die Sonne aufgegangen ist, vorgestern auch und überhaupt, solange Menschen dies beobachten, ist die Sonne aufgegangen. Man hat es nicht mit einer Tatsache zu tun, sondern man kann von der einen Tatsache zu den gleichen oder ähnlichen Tatsachen gehen in der Natur draußen und kommt dadurch zur Einsicht in die Notwendigkeit. Aber nun in bezug auf Geschichte sagt sich Fritz Mauthner: Cäsar zum Beispiel ist doch nur einmal dagewesen, da kann man nicht von einer Notwendigkeit sprechen. Denn man könnte von einer Notwendigkeit, daß Cäsar hat kommen müssen, nur dann sprechen, wenn ein solches Faktum sich wiederholen würde. Nun wiederholen sich aber die geschichtlichen Tatsachen nicht. Also kann man da nicht von einer Notwendigkeit sprechen. Das heißt, die ganze Geschichte muß man dann ansehen als eine Art Zufall. — Und Mauthner ist ein ehrlicher Mann — das habe ich Ihnen schon gesagt —, er ist wirklich ein ehrlicher Mensch. Im Gegensatz zu anderen, die weniger ehrlich sind, ist er ein Mensch, der eben die Konsequenzen aus gewissen Voraussetzungen zieht. Und so sagt er zum Beispiel mit Bezug auf die geschichtliche Notwendigkeit: «Daß Napoleon sich übernahm und auch noch nach Rußland marschierte, daß ich in dieser Stunde eine Zigarre mehr rauchte als sonst, sind zwei wirklich geschehene Tatsachen, beide notwendig, beide — was man für die größten und für die lächerlich kleinsten Tatsachen der Geschichte mit Recht fordert — nicht ohne Folgen.» Aus seiner Ehrlichkeit heraus sind ihm etwas, das man eine Geschichtstatsache nennt, etwa Napoleons Zug nach Rußland — es könnte ebensogut etwas anderes sein —, und die Tatsache, daß er, wie er sagt, in dieser Stunde eine Zigarre mehr rauchte als sonst, beides notwendige Tatsachen, wenn man das Geschichtliche überhaupt als «notwendig» bezeichnet.
[ 3 ] Nun gibt es eine Anzahl von Tatsachen, denen gegenüber selbst materialistisch verwirrte Köpfe den Begriff der Notwendigkeit, wenigstens in einem gewissen eingeschränkten Sinne, noch gelten lassen. Auch materialistisch eingeschränkte Leute lassen heute noch gelten, daß mit einer gewissen Notwendigkeit die Sonne morgen wiederum aufgehen werde. Die Wahrscheinlichkeit, daß die Sonne morgen aufgehen werde, ist eine so große nach Ansicht dieser Leute, daß man diese große Wahrscheinlichkeit schon wie eine Notwendigkeit bezeichnen kann. Solche Tatsachen, die sich draußen in der weiteren Natur, in der relativ weiteren Natur unseres Erdgeschehens abspielen, lassen solche Köpfe als Notwendigkeit gelten. Dagegen finden sie sich schon gewissermaßen beengt mit ihren Begriffen von Notwendigkeit, wenn sie an dasjenige herantreten, was in der Geschichte sich zugetragen hat, was sich, wie man sagt, historisch abgespielt hat. Und sehr bezeichnend ist da gerade ein Geist, wie der schon öfter jetzt vor Ihnen genannte Fritz Mauthner, der nicht nur seine «Kritik der Sprache» geschrieben hat, um Kant zu «überkanten», sondern der auch ein philosophisches Wörterbuch geschrieben hat. In diesem philosophischen Wörterbuch hat er auch einen Artikel «Geschichte». Und wie er da versucht, mit dem, was Geschichte ist, zurechtzukommen, das ist recht interessant. Er sagt sich: Wenn die Sonne aufgeht, da sehe ich eine Tatsache. Nehmen wir zum Beispiel an, heute am 28. August 1915 habe man die Tatsache sehen können, daß die Sonne aufgegangen ist. Dieses ist eine Tatsache. Daß diesem Aufgehen der Sonne ein Gesetz, eine gewisse Notwendigkeit zugrunde liegt, das kann man nur dadurch einsehen, meint Fritz Mauthner, daß gestern auch die Sonne aufgegangen ist, vorgestern auch und überhaupt, solange Menschen dies beobachten, ist die Sonne aufgegangen. Man hat es nicht mit einer Tatsache zu tun, sondern man kann von der einen Tatsache zu den gleichen oder ähnlichen Tatsachen gehen in der Natur draußen und kommt dadurch zur Einsicht in die Notwendigkeit. Aber nun in bezug auf Geschichte sagt sich Fritz Mauthner: Cäsar zum Beispiel ist doch nur einmal dagewesen, da kann man nicht von einer Notwendigkeit sprechen. Denn man könnte von einer Notwendigkeit, daß Cäsar hat kommen müssen, nur dann sprechen, wenn ein solches Faktum sich wiederholen würde. Nun wiederholen sich aber die geschichtlichen Tatsachen nicht. Also kann man da nicht von einer Notwendigkeit sprechen. Das heißt, die ganze Geschichte muß man dann ansehen als eine Art Zufall. — Und Mauthner ist ein ehrlicher Mann — das habe ich Ihnen schon gesagt —, er ist wirklich ein ehrlicher Mensch. Im Gegensatz zu anderen, die weniger ehrlich sind, ist er ein Mensch, der eben die Konsequenzen aus gewissen Voraussetzungen zieht. Und so sagt er zum Beispiel mit Bezug auf die geschichtliche Notwendigkeit: «Daß Napoleon sich übernahm und auch noch nach Rußland marschierte, daß ich in dieser Stunde eine Zigarre mehr rauchte als sonst, sind zwei wirklich geschehene Tatsachen, beide notwendig, beide — was man für die größten und für die lächerlich kleinsten Tatsachen der Geschichte mit Recht fordert — nicht ohne Folgen.» Aus seiner Ehrlichkeit heraus sind ihm etwas, das man eine Geschichtstatsache nennt, etwa Napoleons Zug nach Rußland — es könnte ebensogut etwas anderes sein —, und die Tatsache, daß er, wie er sagt, in dieser Stunde eine Zigarre mehr rauchte als sonst, beides notwendige Tatsachen, wenn man das Geschichtliche überhaupt als «notwendig» bezeichnet.
[ 4 ] Sie werden es erstaunlich finden, daß ich Ihnen gerade diesen Satz aus dem Artikel «Geschichte» von Fritz Mauthner anführe. Ich führe ihn an, weil in diesem Satz ein ehrlicher Mensch sich ehrlicherweise etwas gestanden hat, was die anderen, die weniger ehrlich sind, aus dem Untergrunde der heutigen wissenschaftlichen Gesinnung heraus sich eben nicht gestehen. Er hat sich gestanden: Mit den Mitteln, die wir haben, und die heute in der Wissenschaft gelten, kann man nicht unterscheiden die Tatsache, daß Cäsar gelebt hat, von der Tatsache, daß ich «in dieser Stunde eine Zigarre mehr rauchte als sonst». Man findet keinen Unterschied durch die Mittel, die die Wissenschaft heute gelten läßt! Nun stellt er sich positiv auf den Boden, keinen Unterschied gelten zu lassen, nicht so töricht zu sein, eine Geschichte aufzustellen als Wissenschaft, da es eine Geschichte als Wissenschaft nach den heutigen Voraussetzungen der Wissenschaft gar nicht geben kann. Er ist wirklich ehrlich; denn er sagt zum Beispiel, und zwar mit einem gewissen Recht, etwa das Folgende: Wundt hat ein Schema für die «Gliederung der Einzelwissenschaften» aufgestellt. Darin ist natürlich auch die Geschichte. Aber man findet eigentlich keinen objektiveren Grund, daß Wundt in seinem Schema der Wissenschaften auch die Geschichte angeführt hat, als daß es üblich geworden ist, das heißt, daß die zufällige Tatsache da ist, an den Universitäten für Geschichte eine ordentliche Professur zu haben. Würde man die Reitlehre zur ordentlichen Professur machen — so meint Fritz Mauthner von seinem Standpunkte aus mit Recht —, so würden Professoren wie Wundt auch das Thema der Reitkunst in einem Schema als «Wissenschaft» aufführen, nicht aus irgendeiner Notwendigkeit des heutigen wissenschaftlichen Begreifens heraus, sondern aus ganz etwas anderem heraus.
[ 4 ] Sie werden es erstaunlich finden, daß ich Ihnen gerade diesen Satz aus dem Artikel «Geschichte» von Fritz Mauthner anführe. Ich führe ihn an, weil in diesem Satz ein ehrlicher Mensch sich ehrlicherweise etwas gestanden hat, was die anderen, die weniger ehrlich sind, aus dem Untergrunde der heutigen wissenschaftlichen Gesinnung heraus sich eben nicht gestehen. Er hat sich gestanden: Mit den Mitteln, die wir haben, und die heute in der Wissenschaft gelten, kann man nicht unterscheiden die Tatsache, daß Cäsar gelebt hat, von der Tatsache, daß ich «in dieser Stunde eine Zigarre mehr rauchte als sonst». Man findet keinen Unterschied durch die Mittel, die die Wissenschaft heute gelten läßt! Nun stellt er sich positiv auf den Boden, keinen Unterschied gelten zu lassen, nicht so töricht zu sein, eine Geschichte aufzustellen als Wissenschaft, da es eine Geschichte als Wissenschaft nach den heutigen Voraussetzungen der Wissenschaft gar nicht geben kann. Er ist wirklich ehrlich; denn er sagt zum Beispiel, und zwar mit einem gewissen Recht, etwa das Folgende: Wundt hat ein Schema für die «Gliederung der Einzelwissenschaften» aufgestellt. Darin ist natürlich auch die Geschichte. Aber man findet eigentlich keinen objektiveren Grund, daß Wundt in seinem Schema der Wissenschaften auch die Geschichte angeführt hat, als daß es üblich geworden ist, das heißt, daß die zufällige Tatsache da ist, an den Universitäten für Geschichte eine ordentliche Professur zu haben. Würde man die Reitlehre zur ordentlichen Professur machen — so meint Fritz Mauthner von seinem Standpunkte aus mit Recht —, so würden Professoren wie Wundt auch das Thema der Reitkunst in einem Schema als «Wissenschaft» aufführen, nicht aus irgendeiner Notwendigkeit des heutigen wissenschaftlichen Begreifens heraus, sondern aus ganz etwas anderem heraus.
[ 5 ] Man muß sagen: Die gegenwärtige Zeit ist weit, weit schon abgekommen von dem, was einem so entgegentritt aus dem Goetheschen «Faust», daß es, wenn man die Sache ganz ernst nimmt, einen doch eben recht tief erschüttern kann. Vieles, vieles ist ja in diesem Goetheschen «Faust», das uns auf tiefste Rätsel in der Menschenbrust hinweist. Man nimmt die Dinge heute nur nicht mehr ernst genug. Was sagt doch Faust gleich im Anfang, nachdem er sich zu der Nichtigkeit dessen bekannt hat, was ihm Philosophie, Juristerei, Medizin und auch Theologie seinerzeit haben geben können, nachdem er gegenüber diesen vier Fakultäten sich ausgesprochen hat? Er sagt: Das, was ihm aus dieser Wissenschaft heraus und auch sonst das Leben gebracht hat für seine Seele, das hätte ihn zu dem Bewußtsein gebracht:
[ 5 ] Man muß sagen: Die gegenwärtige Zeit ist weit, weit schon abgekommen von dem, was einem so entgegentritt aus dem Goetheschen «Faust», daß es, wenn man die Sache ganz ernst nimmt, einen doch eben recht tief erschüttern kann. Vieles, vieles ist ja in diesem Goetheschen «Faust», das uns auf tiefste Rätsel in der Menschenbrust hinweist. Man nimmt die Dinge heute nur nicht mehr ernst genug. Was sagt doch Faust gleich im Anfang, nachdem er sich zu der Nichtigkeit dessen bekannt hat, was ihm Philosophie, Juristerei, Medizin und auch Theologie seinerzeit haben geben können, nachdem er gegenüber diesen vier Fakultäten sich ausgesprochen hat? Er sagt: Das, was ihm aus dieser Wissenschaft heraus und auch sonst das Leben gebracht hat für seine Seele, das hätte ihn zu dem Bewußtsein gebracht:
Es möchte kein Hund so länger leben!
Drum hab ich mich der Magie ergeben,
Ob mir durch Geistes Kraft und Mund<
Nicht manch Geheimnis würde kund,
Daß ich nicht mehr mit saurem Schweiß,
Zu sagen brauche, was ich nicht weiß,
Daß ich erkenne, was die Welt<
Im Innersten zusammenhält.
Schau alle Wirkenskraft und Samen,
Und tu nicht mehr in Worten kramen.
Es möchte kein Hund so länger leben!
Drum hab ich mich der Magie ergeben,
Ob mir durch Geistes Kraft und Mund<
Nicht manch Geheimnis würde kund,
Daß ich nicht mehr mit saurem Schweiß,
Zu sagen brauche, was ich nicht weiß,
Daß ich erkenne, was die Welt<
Im Innersten zusammenhält.
Schau alle Wirkenskraft und Samen,
Und tu nicht mehr in Worten kramen.
[ 6 ] Also, was will Faust erkennen? «Wirkenskraft und Samen»! Damit ist nämlich aus der Tiefe des menschlichen Herzens heraus hingedeutet auch auf die Frage nach «Notwendigkeit» und «Zufall» im Leben.
[ 6 ] Also, was will Faust erkennen? «Wirkenskraft und Samen»! Damit ist nämlich aus der Tiefe des menschlichen Herzens heraus hingedeutet auch auf die Frage nach «Notwendigkeit» und «Zufall» im Leben.
[ 7 ] Notwendigkeit! Man denke sich nur eine solche Menschenwesenheit wie Faust vor die Frage der Notwendigkeit in dem geschichtlichen Leben der Menschheit hingestellt. Warum bin ich da — fragt sie —, an diesem Zeitpunkt des menschlichen Werdens? Was hat mich hereingestellt in diese Welt? Welche Notwendigkeit, die da läuft durch das, was wir Geschichte nennen, hat mich hereingestellt gerade in diesem Augenblicke in das geschichtliche Werden? — Aus der ganzen Tiefe der Seele heraus stellt Faust diese Frage. Und er glaubt, sie nur dann beantworten zu können, wenn er einsieht, wie «Wirkenskraft und Samen» sind, wie also dasjenige, was uns entgegentritt äußerlich, in sich verbirgt dasjenige, an dem man erkennt, wie der Faden notwendigen Werdens durch alles hindurchgeht.
[ 7 ] Notwendigkeit! Man denke sich nur eine solche Menschenwesenheit wie Faust vor die Frage der Notwendigkeit in dem geschichtlichen Leben der Menschheit hingestellt. Warum bin ich da — fragt sie —, an diesem Zeitpunkt des menschlichen Werdens? Was hat mich hereingestellt in diese Welt? Welche Notwendigkeit, die da läuft durch das, was wir Geschichte nennen, hat mich hereingestellt gerade in diesem Augenblicke in das geschichtliche Werden? — Aus der ganzen Tiefe der Seele heraus stellt Faust diese Frage. Und er glaubt, sie nur dann beantworten zu können, wenn er einsieht, wie «Wirkenskraft und Samen» sind, wie also dasjenige, was uns entgegentritt äußerlich, in sich verbirgt dasjenige, an dem man erkennt, wie der Faden notwendigen Werdens durch alles hindurchgeht.
[ 8 ] Man denke sich nur, daß eine Natur wie Faust aus irgendwelchen Untergründen heraus kommen müßte zu einem ähnlichen Bekenntnisse wie Fritz Mauthner. Fritz Mauthner ist selbstverständlich nicht faustisch genug, um jene Konsequenz zu empfinden, die Faust empfinden würde, wenn er sich eines Tages gestehen müßte: Ich kann keinen Unterschied erkennen zwischen der Tatsache, daß Cäsar an seinen Platz in der Geschichte hingestellt worden ist, und der Tatsache, daß ich «in einer Stunde eine Zigarre mehr rauchte als sonst». — Denken Sie sich nur einmal in das Faust-Gemüt hinein die Frage gestellt von dem Gesichtspunkte aus, der hier durch Fritz Mauthner geltend gemacht worden ist gerade fürs geschichtliche Werden. Ich bin so notwendig im Gang der Entwickelung der Welt — hätte sich Faust sagen müssen —, wie es notwendig ist, daß Fritz Mauthner einmal in einer Stunde eine Zigarre mehr raucht. Man nimmt eben die Dinge gewöhnlich nicht ernst genug, sonst würde man einsehen, was das für das menschliche Leben für eine Bedeutung hat, daß einer, der alles wissenschaftliche Gewissen der Gegenwart zusammennimmt, sagt: Man kann heute mit den Mitteln der gegenwärtigen Wissenschaft nicht unterscheiden zwischen der Tatsache, daß Cäsar gelebt hat, und der Tatsache, daß Mauthner in einer Stunde eine Zigarre mehr als sonst geraucht hat; man kann nicht den Notwendigkeitswert des einen von dem Notwendigkeitswert des anderen unterscheiden.
[ 8 ] Man denke sich nur, daß eine Natur wie Faust aus irgendwelchen Untergründen heraus kommen müßte zu einem ähnlichen Bekenntnisse wie Fritz Mauthner. Fritz Mauthner ist selbstverständlich nicht faustisch genug, um jene Konsequenz zu empfinden, die Faust empfinden würde, wenn er sich eines Tages gestehen müßte: Ich kann keinen Unterschied erkennen zwischen der Tatsache, daß Cäsar an seinen Platz in der Geschichte hingestellt worden ist, und der Tatsache, daß ich «in einer Stunde eine Zigarre mehr rauchte als sonst». — Denken Sie sich nur einmal in das Faust-Gemüt hinein die Frage gestellt von dem Gesichtspunkte aus, der hier durch Fritz Mauthner geltend gemacht worden ist gerade fürs geschichtliche Werden. Ich bin so notwendig im Gang der Entwickelung der Welt — hätte sich Faust sagen müssen —, wie es notwendig ist, daß Fritz Mauthner einmal in einer Stunde eine Zigarre mehr raucht. Man nimmt eben die Dinge gewöhnlich nicht ernst genug, sonst würde man einsehen, was das für das menschliche Leben für eine Bedeutung hat, daß einer, der alles wissenschaftliche Gewissen der Gegenwart zusammennimmt, sagt: Man kann heute mit den Mitteln der gegenwärtigen Wissenschaft nicht unterscheiden zwischen der Tatsache, daß Cäsar gelebt hat, und der Tatsache, daß Mauthner in einer Stunde eine Zigarre mehr als sonst geraucht hat; man kann nicht den Notwendigkeitswert des einen von dem Notwendigkeitswert des anderen unterscheiden.
[ 9 ] Wenn die Menschen einmal dahin gekommen sein werden, dieses mit aller faustischen Intensität zu empfinden, dann werden sie reif sein zu verstehen, wie notwendig es ist, daß man geschichtliche Tatsachen in ihrer Notwendigkeit so begreift, wie wir es versucht haben für mancherlei geschichtliche Tatsachen durch die Geisteswissenschaft.
[ 9 ] Wenn die Menschen einmal dahin gekommen sein werden, dieses mit aller faustischen Intensität zu empfinden, dann werden sie reif sein zu verstehen, wie notwendig es ist, daß man geschichtliche Tatsachen in ihrer Notwendigkeit so begreift, wie wir es versucht haben für mancherlei geschichtliche Tatsachen durch die Geisteswissenschaft.
[ 10 ] Denn diese hat uns gezeigt, wie gewissermaßen die Tatsache der aufeinanderfolgenden Epochen durch den großen Werdegang des Geistigen, ich möchte sagen, hineingespritzt sind in die Welt der äusseren Wirklichkeit. Und das, was wir sagen könnten über die Notwendigkeit, daß zu irgendeinem Zeitpunkt dies oder jenes geschieht, das unterscheidet sich ganz beträchtlich von der Tatsache, daß Fritz Mauthner «in einer Stunde eine Zigarre mehr rauchte». Wir haben erwähnt den Zusammenhang zwischen dem Alten und Neuen Testament oder zwischen der Zeit vor dem Mysterium von Golgatha und nach dem Mysterium von Golgatha, und dann wiederum haben wir erwähnt, wie sich in der nachatlantischen Zeit die einzelnen Kulturperioden folgen, wie in den Kulturperioden die einzelnen Tatsachen geschehen aus geistigen Untergründen heraus. Das erst gibt die Möglichkeit einer geschichtlichen Betrachtung.
[ 10 ] Denn diese hat uns gezeigt, wie gewissermaßen die Tatsache der aufeinanderfolgenden Epochen durch den großen Werdegang des Geistigen, ich möchte sagen, hineingespritzt sind in die Welt der äusseren Wirklichkeit. Und das, was wir sagen könnten über die Notwendigkeit, daß zu irgendeinem Zeitpunkt dies oder jenes geschieht, das unterscheidet sich ganz beträchtlich von der Tatsache, daß Fritz Mauthner «in einer Stunde eine Zigarre mehr rauchte». Wir haben erwähnt den Zusammenhang zwischen dem Alten und Neuen Testament oder zwischen der Zeit vor dem Mysterium von Golgatha und nach dem Mysterium von Golgatha, und dann wiederum haben wir erwähnt, wie sich in der nachatlantischen Zeit die einzelnen Kulturperioden folgen, wie in den Kulturperioden die einzelnen Tatsachen geschehen aus geistigen Untergründen heraus. Das erst gibt die Möglichkeit einer geschichtlichen Betrachtung.
[ 11 ] Wie man die Dinge nimmt, darauf kommt unendlich viel an. Darauf kommt es an, daß man einsieht, wozu die Voraussetzungen führen, die man gegenwärtig allein als wissenschaftlich gelten läßt.
[ 11 ] Wie man die Dinge nimmt, darauf kommt unendlich viel an. Darauf kommt es an, daß man einsieht, wozu die Voraussetzungen führen, die man gegenwärtig allein als wissenschaftlich gelten läßt.
[ 12 ] Ich möchte sagen, jeder solcher Tag, wie der gestrige oder der heutige ist, der Geburtstag Hegels, der Geburtstag Goethes, sollte einem in einer festlichen Weise zu Gemüte führen, wie notwendig es ist, sich an die großen Willensimpulse der älteren Zeiten zu erinnern, sich Goethes und der Hegelschen Willensimpulse zu erinnern, um zu sehen, wie weit in das materialistische Fahrwasser die Menschheit seit jener Zeit hineingezogen ist. Sehen Sie, Flachlinge — wenn ich das Wort bilden darf — hat es ja immer gegeben. Und der Unterschied zwischen, sagen wir zum Beispiel, der Goethe-Zeit und unserer Zeit besteht nicht darin, daß es zu Goethes Zeit oder zu Hegels Zeit keine Flachlinge gegeben hätte, sondern nur darin besteht der Unterschied, daß dazumal die Flachlinge nicht ihre Gesinnung als die allein maßgebliche angeben konnten. Dazumal war die Sache doch noch etwas anders.
[ 12 ] Ich möchte sagen, jeder solcher Tag, wie der gestrige oder der heutige ist, der Geburtstag Hegels, der Geburtstag Goethes, sollte einem in einer festlichen Weise zu Gemüte führen, wie notwendig es ist, sich an die großen Willensimpulse der älteren Zeiten zu erinnern, sich Goethes und der Hegelschen Willensimpulse zu erinnern, um zu sehen, wie weit in das materialistische Fahrwasser die Menschheit seit jener Zeit hineingezogen ist. Sehen Sie, Flachlinge — wenn ich das Wort bilden darf — hat es ja immer gegeben. Und der Unterschied zwischen, sagen wir zum Beispiel, der Goethe-Zeit und unserer Zeit besteht nicht darin, daß es zu Goethes Zeit oder zu Hegels Zeit keine Flachlinge gegeben hätte, sondern nur darin besteht der Unterschied, daß dazumal die Flachlinge nicht ihre Gesinnung als die allein maßgebliche angeben konnten. Dazumal war die Sache doch noch etwas anders.
[ 13 ] Gestern war Hegels Geburtstag, der 1770 am 27. August in Stuttgart geboren ist. Dieser Hegel versuchte, da er in seiner Zeit noch nicht eindringen konnte in das wirkliche spirituelle Leben, wie wir es heute versuchen durch die Geisteswissenschaft, in seiner Art das Geistige in der Idee, im Begriff zu haben, er versuchte von der Idee, von dem Begriff auszugehen. Wie wir suchen hinter den Erscheinungen des äußeren Lebens das spirituelle Leben, das lebendige Leben im Geiste, so suchte Hegel, weil er nur bis dahin kommen konnte, hinter allem Äußeren die unsichtbare Idee, ein Ideengewebe, zunächst das Ideengewebe der reinen Logik, dann das Ideengewebe, das hinter der Natur ist, und dann das, was hinter allem Geschehen als Geistiges ist. So suchte Hegel auch hinter der Geschichte, so daß er wirklich, wenn auch in der abstrakten Form des Ideellen, nicht in der konkreten Form des Spirituellen, doch manches Bedeutsame geleistet hat in bezug auf historische Betrachtungen.
[ 13 ] Gestern war Hegels Geburtstag, der 1770 am 27. August in Stuttgart geboren ist. Dieser Hegel versuchte, da er in seiner Zeit noch nicht eindringen konnte in das wirkliche spirituelle Leben, wie wir es heute versuchen durch die Geisteswissenschaft, in seiner Art das Geistige in der Idee, im Begriff zu haben, er versuchte von der Idee, von dem Begriff auszugehen. Wie wir suchen hinter den Erscheinungen des äußeren Lebens das spirituelle Leben, das lebendige Leben im Geiste, so suchte Hegel, weil er nur bis dahin kommen konnte, hinter allem Äußeren die unsichtbare Idee, ein Ideengewebe, zunächst das Ideengewebe der reinen Logik, dann das Ideengewebe, das hinter der Natur ist, und dann das, was hinter allem Geschehen als Geistiges ist. So suchte Hegel auch hinter der Geschichte, so daß er wirklich, wenn auch in der abstrakten Form des Ideellen, nicht in der konkreten Form des Spirituellen, doch manches Bedeutsame geleistet hat in bezug auf historische Betrachtungen.
[ 14 ] Was tut ein Mensch, der heute ehrlich auf dem Standpunkte steht, den auch Fritz Mauthner einnimmt, und der, sagen wir, die Entwickelung der Kunst von den alten Ägyptern durch die Griechen bis herauf in unsere Zeit schildert? Er nimmt dasjenige, was die Urkunden gebracht haben, registriert diese Dinge und wird dann glauben, um so wissenschaftlicher zu sein, je weniger Ideen ihm bei dieser Sache aufgehen, je mehr er sich nach seiner Art objektiv an das rein äußere Tatsachenmaterial hält. Hegel hat doch anders versucht, etwa Kunstgeschichte zu schreiben, und er sagte zum Beispiel schon, was wir heute selbstverständlich viel spiritueller ausdrücken können: Wenn man sich hinter der äußeren Kunstentwickelung denkt die fließende, die werdende Welt des Ideellen, dann wird die Idee zuerst gleichsam versuchen, wie noch sich verbergend, hervorzukommen durch das äußere Material hindurch, sich geheimnisvoll zu offenbaren aus dem äußeren Material. Das heißt, die Idee wird sich zuerst noch nicht das Material ganz erobert haben, sie wird symbolisch sich durch das Material ausdrücken; sie wird sich noch erraten lassen, sphinxmäßig, meint Hegel. Dann wird die Idee, wenn sie weiterschreitet, sich das Material mehr erobern. Es wird eine Harmonie bestehen zwischen dem äußeren Ausdruck im Material und der Idee, die sich das Material erobert: Die klassische Ausdrucksform! Dann wird, wenn die Idee sich durchgearbeitet hat, das Material sich erobert hat, eine Zeit kommen, wo man gleichsam die Überfülle der Ideenwelt heraustropfen sieht aus dem Material, wo die Idee dann überwiegt. Beim Symbolischen kann die Idee noch nicht recht durch durchs Material. Beim Klassischen kommt sie durch, so daß sie sich mit ihm vereint. Bei der romantischen Ausdrucksform dringt, tropft sie gleichsam heraus, da ist die Idee in Überfülle. — Und nun sagt Hegel, jetzt suche man in der Außenwelt, wo sich diese Begriffe verwirklichen: Symbolische, sphinxartige Kunst im Ägyptertum, klassische Kunst im Griechentum, romantische Kunst in der Neuzeit. So geht Hegel davon aus: Wir sind im menschlichen Geiste beim Geiste der Welt. Der Geist der Welt muß uns gestatten, uns Gedanken zu machen, wie der Gang der Kunstentwickelung ist. Und dann müssen wir in der äußeren Welt das wiederfinden, was uns der Geist zuerst an Gedanken eingegeben hat.
[ 14 ] Was tut ein Mensch, der heute ehrlich auf dem Standpunkte steht, den auch Fritz Mauthner einnimmt, und der, sagen wir, die Entwickelung der Kunst von den alten Ägyptern durch die Griechen bis herauf in unsere Zeit schildert? Er nimmt dasjenige, was die Urkunden gebracht haben, registriert diese Dinge und wird dann glauben, um so wissenschaftlicher zu sein, je weniger Ideen ihm bei dieser Sache aufgehen, je mehr er sich nach seiner Art objektiv an das rein äußere Tatsachenmaterial hält. Hegel hat doch anders versucht, etwa Kunstgeschichte zu schreiben, und er sagte zum Beispiel schon, was wir heute selbstverständlich viel spiritueller ausdrücken können: Wenn man sich hinter der äußeren Kunstentwickelung denkt die fließende, die werdende Welt des Ideellen, dann wird die Idee zuerst gleichsam versuchen, wie noch sich verbergend, hervorzukommen durch das äußere Material hindurch, sich geheimnisvoll zu offenbaren aus dem äußeren Material. Das heißt, die Idee wird sich zuerst noch nicht das Material ganz erobert haben, sie wird symbolisch sich durch das Material ausdrücken; sie wird sich noch erraten lassen, sphinxmäßig, meint Hegel. Dann wird die Idee, wenn sie weiterschreitet, sich das Material mehr erobern. Es wird eine Harmonie bestehen zwischen dem äußeren Ausdruck im Material und der Idee, die sich das Material erobert: Die klassische Ausdrucksform! Dann wird, wenn die Idee sich durchgearbeitet hat, das Material sich erobert hat, eine Zeit kommen, wo man gleichsam die Überfülle der Ideenwelt heraustropfen sieht aus dem Material, wo die Idee dann überwiegt. Beim Symbolischen kann die Idee noch nicht recht durch durchs Material. Beim Klassischen kommt sie durch, so daß sie sich mit ihm vereint. Bei der romantischen Ausdrucksform dringt, tropft sie gleichsam heraus, da ist die Idee in Überfülle. — Und nun sagt Hegel, jetzt suche man in der Außenwelt, wo sich diese Begriffe verwirklichen: Symbolische, sphinxartige Kunst im Ägyptertum, klassische Kunst im Griechentum, romantische Kunst in der Neuzeit. So geht Hegel davon aus: Wir sind im menschlichen Geiste beim Geiste der Welt. Der Geist der Welt muß uns gestatten, uns Gedanken zu machen, wie der Gang der Kunstentwickelung ist. Und dann müssen wir in der äußeren Welt das wiederfinden, was uns der Geist zuerst an Gedanken eingegeben hat.
[ 15 ] So aber «konstruiert», wie man sagt, Hegel auch die äußere Geschichte. Er sucht zuerst den Werdegang der Ideen und läßt ihn dann bestätigen durch das, was äußerlich geschehen ist. Das ist etwas, was die Philister gar nicht haben begreifen können — ich meine die Flachlinge —, was sie ihm ganz furchtbar vorgeworfen haben. Denn so wie derjenige, der innerhalb einer geisteswissenschaftlichen Bewegung ein Flachling ist, vor allen Dingen wird wissen wollen, welches seine eigene Inkarnation ist, so gab es natürlich in ihrer Art diese Flachlinge auch in der Zeit, als Hegel gelebt hat. Und daß ein solcher Flachling existiert hat, sehen Sie zum Beispiel aus einer Anmerkung, die Hegel gemacht hat. Also Sie sehen, bei Hegel liegt zugrunde das Prinzip, zuerst sich in die Welt der Ideen aufzuschwingen, und dann das, was in der Idee erkannt ist, wiederzufinden da draußen. — Nun, gegen diese Sache haben sich natürlich die kritischen Flachlinge gefunden, und Hegel mußte folgendes anmerken: «Herr Krug hat in diesem und zugleich nach anderer Seite hin ganz naiven Sinne einst die Naturphilosophie aufgefordert, das Kunststück zu machen, nur seine Schreibfeder zu deduzieren.» Deduzieren nannte man das Wiederfinden in der Außenwelt all desjenigen, was man in der Ideenwelt gefunden hatte. Diese Anmerkung bezieht sich nämlich auf den dazumal in Leipzig lehrenden Wilhelm Traugott Krug. Komischerweise hat allerdings Wilhelm Traugott Krug auch ein «Philosophisches Wörterbuch» geschrieben wie Fritz Mauthner, war also der Vorgänger von Fritz Mauthner. Aber tonangebend konnte Wilhelm Traugott Krug eben doch nicht gerade werden in der damaligen Zeit! Aber er hat gesagt: Wenn solche Menschen wie Hegel zuerst in der Idee das Wirkliche finden wollen und dann aus der Notwendigkeit der Idee zeigen wollen, wie sich das, was da draußen ist, einreiht in die Idee, dann soll mal so einer kommen wie der Hegel und soll zeigen, wie er zuerst in seiner Idee meine Schreibfeder hat. Hegel mit seiner Idee — so meint Krug —, überzeugt mich gar nicht, wie er aufzeigt, wie sich die ägyptische Kunst zur griechischen und zur neueren Kunst entwickelt hat. Wenn er aber aus seiner Idee heraus meine Schreibfeder deduzieren kann, dann imponiert er mir! — Nun sagt Hegel dazu in der genannten Anmerkung: «Man hätte ihm etwa zu dieser Leistung und respektiven Verherrlichung seizer Schreibfeder Hoffnung machen können, wenn dereinst die Wissenschaft so weit vorgeschritten und mit allem Wichtigen im Himmel und auf Erden in der Gegenwart und Vergangenheit im Reinen sei, daß es nichts Wichtigeres mehr zu bezweifeln gebe» — als die Schreibfeder des Herrn Krug. — Aber wirklich, in der heutigen Gesinnung ist ja dasjenige, was Gesinnung der Flachlinge ist, tonangebend. Und Fritz Mauthner müßte ehrlicherweise sagen: Es gibt keine Möglichkeit, zu unterscheiden zwischen der Notwendigkeit, daß in irgendeinem Zeitpunkt die griechische Kunst entstanden ist, und der Notwendigkeit der Schreibfeder des Herrn Krug, oder der Notwendigkeit, daß Fritz Mauthner «in einer Stunde eine Zigarre mehr rauchte als sonst».
[ 15 ] So aber «konstruiert», wie man sagt, Hegel auch die äußere Geschichte. Er sucht zuerst den Werdegang der Ideen und läßt ihn dann bestätigen durch das, was äußerlich geschehen ist. Das ist etwas, was die Philister gar nicht haben begreifen können — ich meine die Flachlinge —, was sie ihm ganz furchtbar vorgeworfen haben. Denn so wie derjenige, der innerhalb einer geisteswissenschaftlichen Bewegung ein Flachling ist, vor allen Dingen wird wissen wollen, welches seine eigene Inkarnation ist, so gab es natürlich in ihrer Art diese Flachlinge auch in der Zeit, als Hegel gelebt hat. Und daß ein solcher Flachling existiert hat, sehen Sie zum Beispiel aus einer Anmerkung, die Hegel gemacht hat. Also Sie sehen, bei Hegel liegt zugrunde das Prinzip, zuerst sich in die Welt der Ideen aufzuschwingen, und dann das, was in der Idee erkannt ist, wiederzufinden da draußen. — Nun, gegen diese Sache haben sich natürlich die kritischen Flachlinge gefunden, und Hegel mußte folgendes anmerken: «Herr Krug hat in diesem und zugleich nach anderer Seite hin ganz naiven Sinne einst die Naturphilosophie aufgefordert, das Kunststück zu machen, nur seine Schreibfeder zu deduzieren.» Deduzieren nannte man das Wiederfinden in der Außenwelt all desjenigen, was man in der Ideenwelt gefunden hatte. Diese Anmerkung bezieht sich nämlich auf den dazumal in Leipzig lehrenden Wilhelm Traugott Krug. Komischerweise hat allerdings Wilhelm Traugott Krug auch ein «Philosophisches Wörterbuch» geschrieben wie Fritz Mauthner, war also der Vorgänger von Fritz Mauthner. Aber tonangebend konnte Wilhelm Traugott Krug eben doch nicht gerade werden in der damaligen Zeit! Aber er hat gesagt: Wenn solche Menschen wie Hegel zuerst in der Idee das Wirkliche finden wollen und dann aus der Notwendigkeit der Idee zeigen wollen, wie sich das, was da draußen ist, einreiht in die Idee, dann soll mal so einer kommen wie der Hegel und soll zeigen, wie er zuerst in seiner Idee meine Schreibfeder hat. Hegel mit seiner Idee — so meint Krug —, überzeugt mich gar nicht, wie er aufzeigt, wie sich die ägyptische Kunst zur griechischen und zur neueren Kunst entwickelt hat. Wenn er aber aus seiner Idee heraus meine Schreibfeder deduzieren kann, dann imponiert er mir! — Nun sagt Hegel dazu in der genannten Anmerkung: «Man hätte ihm etwa zu dieser Leistung und respektiven Verherrlichung seizer Schreibfeder Hoffnung machen können, wenn dereinst die Wissenschaft so weit vorgeschritten und mit allem Wichtigen im Himmel und auf Erden in der Gegenwart und Vergangenheit im Reinen sei, daß es nichts Wichtigeres mehr zu bezweifeln gebe» — als die Schreibfeder des Herrn Krug. — Aber wirklich, in der heutigen Gesinnung ist ja dasjenige, was Gesinnung der Flachlinge ist, tonangebend. Und Fritz Mauthner müßte ehrlicherweise sagen: Es gibt keine Möglichkeit, zu unterscheiden zwischen der Notwendigkeit, daß in irgendeinem Zeitpunkt die griechische Kunst entstanden ist, und der Notwendigkeit der Schreibfeder des Herrn Krug, oder der Notwendigkeit, daß Fritz Mauthner «in einer Stunde eine Zigarre mehr rauchte als sonst».
[ 16 ] Nun habe ich Sie schon aufmerksam gemacht darauf, daß es gegenüber diesen hohen Begriffen des Menschenlebens noch zuvor darauf ankommt, die richtigen Ausgangspunkte, die richtigen Gesichtspunkte zu finden, um diese Begriffe zu beleuchten. Es wird sich also darum handeln, daß wir gegenüber den Begriffen Notwendigkeit, Zufall und Vorsehung die richtigen Gesichtspunkte finden.
[ 16 ] Nun habe ich Sie schon aufmerksam gemacht darauf, daß es gegenüber diesen hohen Begriffen des Menschenlebens noch zuvor darauf ankommt, die richtigen Ausgangspunkte, die richtigen Gesichtspunkte zu finden, um diese Begriffe zu beleuchten. Es wird sich also darum handeln, daß wir gegenüber den Begriffen Notwendigkeit, Zufall und Vorsehung die richtigen Gesichtspunkte finden.
[ 17 ] Ich habe Ihnen gesagt, man denke sich Faust so hineingestellt in die Welt, daß er verzweifeln müßte an der Möglichkeit, einen Notwendigkeitszusammenhang zu finden. Man denke sich aber jetzt das Umgekehrte: Man denke sich, daß Faust sich hineingestellt sehen müßte in eine Welt, in der es nur Notwendigkeit gibt, so daß er sich eines Tages sagen müßte: Ich bin hereingestellt in diese Welt, und alles, was ich tue, bis in das Kleinste hinein, ist Notwendigkeit. Da würde Faust erst recht sagen — jetzt nicht wegen seiner Erkenntnis, sondern wegen der Weltordnung: Es möchte kein Hund so länger leben, könnte es gar keinen Zufall geben, könnte nichts Zufälliges sein, könnte nichts so entstehen, daß es nicht notwendig ist! Und was wäre denn dieser ganze Mensch wirklich, wenn die Behauptung des Spinoza wahr wäre, daß alles dasjenige, was der Mensch tut und erlebt, so notwendig wäre, wie, wenn eine Billardkugel von einer anderen getroffen wird, diese andere, zweite, mit einer gewissen Notwendigkeit nach gewissen Gesetzen weiterfliegt. Wenn das so wäre, dann könnte der Mensch nimmermehr ertragen eine solche Weltordnung. Wie wenig sie zu ertragen wäre, das würden insbesondere diejenigen Naturen zu empfinden haben, die «alle Wirkenskraft und Samen» schauen!
[ 17 ] Ich habe Ihnen gesagt, man denke sich Faust so hineingestellt in die Welt, daß er verzweifeln müßte an der Möglichkeit, einen Notwendigkeitszusammenhang zu finden. Man denke sich aber jetzt das Umgekehrte: Man denke sich, daß Faust sich hineingestellt sehen müßte in eine Welt, in der es nur Notwendigkeit gibt, so daß er sich eines Tages sagen müßte: Ich bin hereingestellt in diese Welt, und alles, was ich tue, bis in das Kleinste hinein, ist Notwendigkeit. Da würde Faust erst recht sagen — jetzt nicht wegen seiner Erkenntnis, sondern wegen der Weltordnung: Es möchte kein Hund so länger leben, könnte es gar keinen Zufall geben, könnte nichts Zufälliges sein, könnte nichts so entstehen, daß es nicht notwendig ist! Und was wäre denn dieser ganze Mensch wirklich, wenn die Behauptung des Spinoza wahr wäre, daß alles dasjenige, was der Mensch tut und erlebt, so notwendig wäre, wie, wenn eine Billardkugel von einer anderen getroffen wird, diese andere, zweite, mit einer gewissen Notwendigkeit nach gewissen Gesetzen weiterfliegt. Wenn das so wäre, dann könnte der Mensch nimmermehr ertragen eine solche Weltordnung. Wie wenig sie zu ertragen wäre, das würden insbesondere diejenigen Naturen zu empfinden haben, die «alle Wirkenskraft und Samen» schauen!
[ 18 ] Notwendigkeit und Zufälligkeit stehen so in der Welt drinnen, daß sie zugleich einer gewissen menschlichen Sehnsucht entsprechen. Der Mensch fühlt, daß er sie gewissermaßen nicht entbehren kann, weder Notwendigkeit noch Zufälligkeit. Aber man muß sie in einer richtigen Weise verstehen; man muß den richtigen Gesichtspunkt bekommen, um sie zu beurteilen. Natürlich muß man jetzt absehen beim Zufallsbegriff von all den Vorurteilen, die wir ihm gegenüber haben können. Wir werden uns den Begriff sehr genau ansehen müssen, damit wir vielleicht anstelle dieser Redensart, das oder jenes wäre Zufall — was wir ja oftmals genötigt sind zu sagen —, da, wo wir ernst leben wollen, etwas Besseres zu setzen vermögen. Aber wir werden den richtigen Gesichtspunkt zu suchen haben. Den werden wir nur finden, wenn wir die erst gestern begonnene Betrachtung etwas fortsetzen.
[ 18 ] Notwendigkeit und Zufälligkeit stehen so in der Welt drinnen, daß sie zugleich einer gewissen menschlichen Sehnsucht entsprechen. Der Mensch fühlt, daß er sie gewissermaßen nicht entbehren kann, weder Notwendigkeit noch Zufälligkeit. Aber man muß sie in einer richtigen Weise verstehen; man muß den richtigen Gesichtspunkt bekommen, um sie zu beurteilen. Natürlich muß man jetzt absehen beim Zufallsbegriff von all den Vorurteilen, die wir ihm gegenüber haben können. Wir werden uns den Begriff sehr genau ansehen müssen, damit wir vielleicht anstelle dieser Redensart, das oder jenes wäre Zufall — was wir ja oftmals genötigt sind zu sagen —, da, wo wir ernst leben wollen, etwas Besseres zu setzen vermögen. Aber wir werden den richtigen Gesichtspunkt zu suchen haben. Den werden wir nur finden, wenn wir die erst gestern begonnene Betrachtung etwas fortsetzen.
[ 19 ] Sie kennen die Wechselzustände des Menschen zwischen Schlafen und Wachen. Aber wir haben schon gesagt, daß im Grunde genommen auch das Wachbewußtsein wiederum nuanciert ist, daß wir gewissermaßen verschiedene Stärken des Wachseins unterscheiden können. Aber wir können noch weiter gehen, wenn wir das Wachbewußtsein studieren. Im Grunde genommen führt uns ja das Wachbewußtsein vom Aufwachen bis zum Einschlafen zunächst zu nichts anderem als dazu, die Dinge der Welt anzuschauen, ihr Wirken zu empfinden, uns Vorstellungen, Begriffe und Ideen zu bilden. Und dann führt uns das Schlafbewußtsein, dieses noch auf der Stufe des Pflanzenbewußtseins stehende Schlafbewußtsein, dazu, uns selbst anzuschauen in der Art, wie ich das gestern gesagt habe, und, weil es Pflanzenbewußtsein ist, uns eigentlich selbst zu genießen.
[ 19 ] Sie kennen die Wechselzustände des Menschen zwischen Schlafen und Wachen. Aber wir haben schon gesagt, daß im Grunde genommen auch das Wachbewußtsein wiederum nuanciert ist, daß wir gewissermaßen verschiedene Stärken des Wachseins unterscheiden können. Aber wir können noch weiter gehen, wenn wir das Wachbewußtsein studieren. Im Grunde genommen führt uns ja das Wachbewußtsein vom Aufwachen bis zum Einschlafen zunächst zu nichts anderem als dazu, die Dinge der Welt anzuschauen, ihr Wirken zu empfinden, uns Vorstellungen, Begriffe und Ideen zu bilden. Und dann führt uns das Schlafbewußtsein, dieses noch auf der Stufe des Pflanzenbewußtseins stehende Schlafbewußtsein, dazu, uns selbst anzuschauen in der Art, wie ich das gestern gesagt habe, und, weil es Pflanzenbewußtsein ist, uns eigentlich selbst zu genießen.
[ 20 ] Wenn man nun recht gründlich eingeht auf die Natur des menschlichen Seelenlebens, so paßt etwas, was wir haben, weder in das Wesen des Tagesbewußtseins noch in das Wesen des Nachtbewußtseins hinein, das ist: die ganz deutliche Erinnerung an irgend etwas früher Erlebtes. Denken Sie doch: Schlafbewußtsein könnten Sie haben, ohne sich an irgend etwas zu erinnern. Wenn Sie immerfort schlafen würden, so würden Sie sich während des Schlafes nicht zu erinnern brauchen an dasjenige, was Sie vorher erlebt haben, es wäre wenigstens nicht notwendig. Im Traum erinnert man sich schon etwas, aber im tiefen Schlafe erinnert sich der Mensch in seinem Pflanzenbewußtsein an das Frühere nicht. Für das Schlafbewußtsein ist es ohnehin klar, daß die Erinnerung keine besondere Rolle spielt. Für das Tagesbewußtsein müssen wir aber auch sagen: Wir erleben durch das gewöhnliche Tagesbewußtsein das, was um uns herum ist, aber das Erleben desjenigen, was wir schon früher erlebt haben, das ist eigentlich eine Steigerung des gewöhnlichen Tagesbewußtseins. Da erleben wir nicht nur das, was um uns herum ist, sondern das, was war, aber in seiner Spiegelung in uns selber. — So daß Sie sagen können, wenn Sie hier gleichsam das Niveau des Menschenbewußtseins haben (siehe Zeichnung, waagerechte Linie), so schauen Sie während des Schlafes in sich selbst hinein: «In sich schauen». Aber wir können dieses In-sich-Schauen unterbewußt nennen. Das Tagesbewußtsein können wir dann so schematisieren, daß wir sagen: Wir sehen in die Welt hinaus: «Bewußt in die Welt schauen». Eine dritte Art des innerlichen Erlebens, die sich nicht deckt mit dem «In-die-Welt-Schauen», ist wirklich das bewußte «In-sich-Schauen» in der Erinnerung. Also «Bewußt in sich schauen» = Erinnerung. «Bewußt in die Welt schauen» = Tagesbewußtsein. «Unterbewußt in sich schauen» = Schlaf.
[ 20 ] Wenn man nun recht gründlich eingeht auf die Natur des menschlichen Seelenlebens, so paßt etwas, was wir haben, weder in das Wesen des Tagesbewußtseins noch in das Wesen des Nachtbewußtseins hinein, das ist: die ganz deutliche Erinnerung an irgend etwas früher Erlebtes. Denken Sie doch: Schlafbewußtsein könnten Sie haben, ohne sich an irgend etwas zu erinnern. Wenn Sie immerfort schlafen würden, so würden Sie sich während des Schlafes nicht zu erinnern brauchen an dasjenige, was Sie vorher erlebt haben, es wäre wenigstens nicht notwendig. Im Traum erinnert man sich schon etwas, aber im tiefen Schlafe erinnert sich der Mensch in seinem Pflanzenbewußtsein an das Frühere nicht. Für das Schlafbewußtsein ist es ohnehin klar, daß die Erinnerung keine besondere Rolle spielt. Für das Tagesbewußtsein müssen wir aber auch sagen: Wir erleben durch das gewöhnliche Tagesbewußtsein das, was um uns herum ist, aber das Erleben desjenigen, was wir schon früher erlebt haben, das ist eigentlich eine Steigerung des gewöhnlichen Tagesbewußtseins. Da erleben wir nicht nur das, was um uns herum ist, sondern das, was war, aber in seiner Spiegelung in uns selber. — So daß Sie sagen können, wenn Sie hier gleichsam das Niveau des Menschenbewußtseins haben (siehe Zeichnung, waagerechte Linie), so schauen Sie während des Schlafes in sich selbst hinein: «In sich schauen». Aber wir können dieses In-sich-Schauen unterbewußt nennen. Das Tagesbewußtsein können wir dann so schematisieren, daß wir sagen: Wir sehen in die Welt hinaus: «Bewußt in die Welt schauen». Eine dritte Art des innerlichen Erlebens, die sich nicht deckt mit dem «In-die-Welt-Schauen», ist wirklich das bewußte «In-sich-Schauen» in der Erinnerung. Also «Bewußt in sich schauen» = Erinnerung. «Bewußt in die Welt schauen» = Tagesbewußtsein. «Unterbewußt in sich schauen» = Schlaf.


[ 21 ] So daß wir eigentlich nicht bloß zwei scharf ausgeprägte Bewußtseinsunterschiede haben, sondern drei. Die Erinnerung ist wirklich ein vertieftes, ein verstärktes Tagesbewußtsein. Denn in der Erinnerung erkennen wir nicht bloß etwas, sondern wir erkennen etwas wieder, und das ist das Wichtige. Erinnerung hat ja nur einen Sinn, wenn wir etwas wiedererkennen. Denken Sie sich nur einmal: Wenn ich einen von Ihnen, den ich früher gesehen habe, heute wieder treffe, und ich sehe ihn nur, ich weiß aber nicht, daß er derselbe ist, den ich schon getroffen habe, dann ist es keine wirkliche Erinnerung. Erinnerung ist Wiedererkennen. Und die Geisteswissenschaft zeigt uns auch: Während unser gewöhnliches Tagesbewußtsein, also dieses Erkennen der Außenwelt, auf der höchsten Stufe der Vollkommenheit ist, ist unser Erinnern eigentlich gerade im Anfang seiner Entwickelung. Das Erinnern muß sich immer weiter und weiter ausbilden. Das Erinnern ist, wenn wir vergleichsweise sprechen dürfen, eine noch recht schläfrige Eigenschaft des menschlichen Bewußtseins, und wenn die Erinnerungskraft weiter ausgebildet sein wird, dann wird zu dem jetzigen Erleben etwas anderes hinzukommen, nämlich das Erleben, das innerliche Erleben früherer Inkarnationen. Das Erleben früherer Inkarnationen beruht auf einer Erhöhung des Erinnerungsvermögens, denn das muß unter allen Umständen ein Wiedererkennen sein. Es muß dieses Wiedererkennen unter allen Umständen den Weg durch das Innere durchmachen. Die Erinnerung ist eine Seelenkraft, die erst im Anfang ist.
[ 21 ] So daß wir eigentlich nicht bloß zwei scharf ausgeprägte Bewußtseinsunterschiede haben, sondern drei. Die Erinnerung ist wirklich ein vertieftes, ein verstärktes Tagesbewußtsein. Denn in der Erinnerung erkennen wir nicht bloß etwas, sondern wir erkennen etwas wieder, und das ist das Wichtige. Erinnerung hat ja nur einen Sinn, wenn wir etwas wiedererkennen. Denken Sie sich nur einmal: Wenn ich einen von Ihnen, den ich früher gesehen habe, heute wieder treffe, und ich sehe ihn nur, ich weiß aber nicht, daß er derselbe ist, den ich schon getroffen habe, dann ist es keine wirkliche Erinnerung. Erinnerung ist Wiedererkennen. Und die Geisteswissenschaft zeigt uns auch: Während unser gewöhnliches Tagesbewußtsein, also dieses Erkennen der Außenwelt, auf der höchsten Stufe der Vollkommenheit ist, ist unser Erinnern eigentlich gerade im Anfang seiner Entwickelung. Das Erinnern muß sich immer weiter und weiter ausbilden. Das Erinnern ist, wenn wir vergleichsweise sprechen dürfen, eine noch recht schläfrige Eigenschaft des menschlichen Bewußtseins, und wenn die Erinnerungskraft weiter ausgebildet sein wird, dann wird zu dem jetzigen Erleben etwas anderes hinzukommen, nämlich das Erleben, das innerliche Erleben früherer Inkarnationen. Das Erleben früherer Inkarnationen beruht auf einer Erhöhung des Erinnerungsvermögens, denn das muß unter allen Umständen ein Wiedererkennen sein. Es muß dieses Wiedererkennen unter allen Umständen den Weg durch das Innere durchmachen. Die Erinnerung ist eine Seelenkraft, die erst im Anfang ist.
[ 22 ] Nun wollen wir einmal fragen: Welches ist denn die Natur dieser Seelenkraft, gerade dieser Erinnerungskraft? Wie geht denn eigentlich das Erinnern vor sich? — Da müssen Sie sich zuerst die Frage beantworten: Wie kommen wir denn überhaupt in der Gegenwart zu einem richtigen Begriff? — Sie bekommen eine Vorstellung, was ein richtiger Begriff ist, wenn Sie sich keine geringe Vorstellung machen von einem richtigen Begriff; denn die meisten Menschen haben ja nicht Begriffe, sondern haben nur Anschauungen. Die meisten Menschen glauben, sie wüßten, was ein Kreis ist. Wenn jemand frägt: Was ist ein Kreis? — so gibt man ihm zur Antwort: Ein Kreis ist eben so etwas. (Es wird ein Kreis gezeichnet.) Gewiß, das ist die Vorstellung des Kreises; aber darauf kommt es nicht an. Der hat noch keinen Begriff vom Kreis, der nur weiß, daß das hier ein Kreis ist, und dem nur das einfällt, was an der Tafel steht. Vom Kreis hat nur der einen Begriff, der zu sagen vermag: Ein Kreis ist eine krumme Linie, bei der jeder Punkt vom Mittelpunkt gleich weit entfernt ist. — Ich brauche allerdings eine Unendlichkeit von Punkten, aber ich kann den Kreis innerlich als Begriff finden. Das wollte Hegel sagen. Zunächst einmal den Begriff haben, auch für die äußere Tatsache, und dann die äußere Tatsache wiedererkennen aus dem Begriff.
[ 22 ] Nun wollen wir einmal fragen: Welches ist denn die Natur dieser Seelenkraft, gerade dieser Erinnerungskraft? Wie geht denn eigentlich das Erinnern vor sich? — Da müssen Sie sich zuerst die Frage beantworten: Wie kommen wir denn überhaupt in der Gegenwart zu einem richtigen Begriff? — Sie bekommen eine Vorstellung, was ein richtiger Begriff ist, wenn Sie sich keine geringe Vorstellung machen von einem richtigen Begriff; denn die meisten Menschen haben ja nicht Begriffe, sondern haben nur Anschauungen. Die meisten Menschen glauben, sie wüßten, was ein Kreis ist. Wenn jemand frägt: Was ist ein Kreis? — so gibt man ihm zur Antwort: Ein Kreis ist eben so etwas. (Es wird ein Kreis gezeichnet.) Gewiß, das ist die Vorstellung des Kreises; aber darauf kommt es nicht an. Der hat noch keinen Begriff vom Kreis, der nur weiß, daß das hier ein Kreis ist, und dem nur das einfällt, was an der Tafel steht. Vom Kreis hat nur der einen Begriff, der zu sagen vermag: Ein Kreis ist eine krumme Linie, bei der jeder Punkt vom Mittelpunkt gleich weit entfernt ist. — Ich brauche allerdings eine Unendlichkeit von Punkten, aber ich kann den Kreis innerlich als Begriff finden. Das wollte Hegel sagen. Zunächst einmal den Begriff haben, auch für die äußere Tatsache, und dann die äußere Tatsache wiedererkennen aus dem Begriff.
[ 23 ] Versuchen Sie nun, was für ein Unterschied besteht zwischen dem «Halbschläfrigen» der bloßen Vorstellung, mit dem die meisten Menschen zufrieden sind, und dem aktiven Einen-Begriff-Haben. Ein Begriff ist immer ein innerliches Werden, eine innerliche Tätigkeit. Man hat nicht einen Begriff von einem Tisch, wenn man nur die Vorstellung hat, sondern man hat einen Begriff von einem Tisch, wenn man etwa zu sagen vermag: Ein Tisch ist ein auf einer bloßen Unterlage Aufgesetztes, das etwas anderes tragen kann. Der Begriff ist ein innerliches Rege- und Tätigsein, das man in die Realität umzusetzen vermag.
[ 23 ] Versuchen Sie nun, was für ein Unterschied besteht zwischen dem «Halbschläfrigen» der bloßen Vorstellung, mit dem die meisten Menschen zufrieden sind, und dem aktiven Einen-Begriff-Haben. Ein Begriff ist immer ein innerliches Werden, eine innerliche Tätigkeit. Man hat nicht einen Begriff von einem Tisch, wenn man nur die Vorstellung hat, sondern man hat einen Begriff von einem Tisch, wenn man etwa zu sagen vermag: Ein Tisch ist ein auf einer bloßen Unterlage Aufgesetztes, das etwas anderes tragen kann. Der Begriff ist ein innerliches Rege- und Tätigsein, das man in die Realität umzusetzen vermag.
[ 24 ] Man ist versucht, wenn man unseren heutigen Zeitgenossen so etwas erklären will, ich möchte sagen, schon herumzuspringen. Man möchte am liebsten herumspringen, damit man zeigen kann, wie ein wahrer Begriff sich unterscheidet von dem schläfrigen Haben der Vorstellung. Am liebsten möchte man, um die Menschen einmal ein wenig in Bewegung zu bringen, dies furchtbar träge Vorstellungsvermögen von heute in Regsamkeit bringen, möchte den Begriffen überall nachspringen, möchte sich der Unterscheidung hingeben zwischen der gewöhnlichen Vorstellung und dem, wo man wirklich herum muß um den Mittelpunkt. Nun ja, warum möchte man das? Weil man weiß aus der Geisteswissenschaft, daß, sobald etwas zum Begriff heraufkommt, der Ätherleib wirklich diese Bewegung machen muß. Der Ätherleib ist in dieser Bewegung drinnen, so daß man sich eben nicht scheuen darf, den Ätherleib in Schwung zu bringen, wenn man Begriffe konstruieren will. Das darf man nicht scheuen.
[ 24 ] Man ist versucht, wenn man unseren heutigen Zeitgenossen so etwas erklären will, ich möchte sagen, schon herumzuspringen. Man möchte am liebsten herumspringen, damit man zeigen kann, wie ein wahrer Begriff sich unterscheidet von dem schläfrigen Haben der Vorstellung. Am liebsten möchte man, um die Menschen einmal ein wenig in Bewegung zu bringen, dies furchtbar träge Vorstellungsvermögen von heute in Regsamkeit bringen, möchte den Begriffen überall nachspringen, möchte sich der Unterscheidung hingeben zwischen der gewöhnlichen Vorstellung und dem, wo man wirklich herum muß um den Mittelpunkt. Nun ja, warum möchte man das? Weil man weiß aus der Geisteswissenschaft, daß, sobald etwas zum Begriff heraufkommt, der Ätherleib wirklich diese Bewegung machen muß. Der Ätherleib ist in dieser Bewegung drinnen, so daß man sich eben nicht scheuen darf, den Ätherleib in Schwung zu bringen, wenn man Begriffe konstruieren will. Das darf man nicht scheuen.
[ 25 ] Was ist nun aber Erinnerung? Was ist erinnern? Wenn ich gelernt habe: Ein Kreis ist eine krumme Linie, bei der jeder Punkt vom Mittelpunkt gleich weit entfernt ist —, und wenn ich mich erinnern soll an diesen Begriff, so muß ich im Ätherleib wiederum diese Bewegung ausführen. Dann ist, vom Standpunkte des Ätherleibes aus gesprochen, etwas zur Erinnerung geworden, wenn die Ausführung der betreffenden Bewegung im Ätherleibe Gewohnheit geworden ist. Erinnerung ist Gewohnheit des Ätherleibes. Wir erinnern uns an irgendeine Sache, wenn unser Ätherleib gewöhnt worden ist, die der Sache entsprechende Bewegung auszuführen. An nichts erinnern Sie sich als an dasjenige, was Ihr Ätherleib an Gewohnheiten angenommen hat. Ihr Ätherleib muß, wenn Sie ihn häufig bewegen und ihn wieder erinnern lassen, aus sich heraus die Gewohnheit entwickeln, durch die Annäherung an den Gegenstand die Gewohnheit entwickeln, dieselben Bewegungen auszuführen, die er ausgeführt hat, veranlaßt durch die erste Annäherung an den Gegenstand. Und weil die Gewohnheit sich immer mehr und mehr einnistet, so wird die Erinnerung immer fester und fester, je öfter sich das Ereignis wiederholt.
[ 25 ] Was ist nun aber Erinnerung? Was ist erinnern? Wenn ich gelernt habe: Ein Kreis ist eine krumme Linie, bei der jeder Punkt vom Mittelpunkt gleich weit entfernt ist —, und wenn ich mich erinnern soll an diesen Begriff, so muß ich im Ätherleib wiederum diese Bewegung ausführen. Dann ist, vom Standpunkte des Ätherleibes aus gesprochen, etwas zur Erinnerung geworden, wenn die Ausführung der betreffenden Bewegung im Ätherleibe Gewohnheit geworden ist. Erinnerung ist Gewohnheit des Ätherleibes. Wir erinnern uns an irgendeine Sache, wenn unser Ätherleib gewöhnt worden ist, die der Sache entsprechende Bewegung auszuführen. An nichts erinnern Sie sich als an dasjenige, was Ihr Ätherleib an Gewohnheiten angenommen hat. Ihr Ätherleib muß, wenn Sie ihn häufig bewegen und ihn wieder erinnern lassen, aus sich heraus die Gewohnheit entwickeln, durch die Annäherung an den Gegenstand die Gewohnheit entwickeln, dieselben Bewegungen auszuführen, die er ausgeführt hat, veranlaßt durch die erste Annäherung an den Gegenstand. Und weil die Gewohnheit sich immer mehr und mehr einnistet, so wird die Erinnerung immer fester und fester, je öfter sich das Ereignis wiederholt.
[ 26 ] Nun sagte ich aber: Wenn wir wirklich denken, nicht bloß vorstellen, so nimmt der Ätherleib allerlei Gewohnheiten an. Aber dieser Ätherleib ist ja dasjenige, was zugrunde liegt dem physischen Leibe. Sie werden finden, daß Menschen, die einen Begriff klarmachen wollen, manchmal versuchen, in ihren äußeren Gebärden den Begriff nachzuahmen, selbst die Sprache zu begleiten mit einer solchen Gebärde. Aber der Mensch hat überhaupt Gebärden, ihm eigene Gebärden. Dadurch unterscheiden sich die Menschen, daß sie ihnen eigene Gebärden haben, wenn Sie nur den Ausdruck Gebärde weit genug nehmen. — Die Menschen haben ihre eigenen Gesten — Gebärde oder Geste ist ja dasselbe. Wenn man etwas Sinn für Gebärden hat, dann erkennt man einen Menschen schon, wenn man hinter ihm geht, an der Art und Weise, wie seine Gebärden sind, zum Beispiel mit dem Absatz auf dem Boden aufzutreten. Die Art, wie Sie jetzt denken, die ist also eigentlich, wenn dieses Denken Erinnerung wird, Gewohnheit des Ätherleibes. Dieser Ätherleib dressiert sich nun das Leben hindurch den physischen Leib. Das heißt, vielleicht besser gesagt, er versucht ihn zu dressieren, aber es gelingt ihm nicht recht. So daß wir sagen können: Hier ist der physische Leib, nun, meinetwillen die Hand.
[ 26 ] Nun sagte ich aber: Wenn wir wirklich denken, nicht bloß vorstellen, so nimmt der Ätherleib allerlei Gewohnheiten an. Aber dieser Ätherleib ist ja dasjenige, was zugrunde liegt dem physischen Leibe. Sie werden finden, daß Menschen, die einen Begriff klarmachen wollen, manchmal versuchen, in ihren äußeren Gebärden den Begriff nachzuahmen, selbst die Sprache zu begleiten mit einer solchen Gebärde. Aber der Mensch hat überhaupt Gebärden, ihm eigene Gebärden. Dadurch unterscheiden sich die Menschen, daß sie ihnen eigene Gebärden haben, wenn Sie nur den Ausdruck Gebärde weit genug nehmen. — Die Menschen haben ihre eigenen Gesten — Gebärde oder Geste ist ja dasselbe. Wenn man etwas Sinn für Gebärden hat, dann erkennt man einen Menschen schon, wenn man hinter ihm geht, an der Art und Weise, wie seine Gebärden sind, zum Beispiel mit dem Absatz auf dem Boden aufzutreten. Die Art, wie Sie jetzt denken, die ist also eigentlich, wenn dieses Denken Erinnerung wird, Gewohnheit des Ätherleibes. Dieser Ätherleib dressiert sich nun das Leben hindurch den physischen Leib. Das heißt, vielleicht besser gesagt, er versucht ihn zu dressieren, aber es gelingt ihm nicht recht. So daß wir sagen können: Hier ist der physische Leib, nun, meinetwillen die Hand.


[ 27 ] Wir versuchen nun, wenn wir denken, fortwährend in den Ätherleib hineinzusenden das, was dann Gewohnheit wird. Aber an dem physischen Leibe haben wir eine Grenze. Unser Ätherleib kann wirklich nicht alles in den physischen Leib hineinsenden. Daher spart er sich diese Kräfte auf, für die ihm der physische Leib ein Hindernis ist; und die trägt er hindurch durch das ganze Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Wie Sie jetzt denken, wie Sie dem Ätherleib die Erinnerungen aufprägen, so kommt das in der nächsten Inkarnation als Ihr verborgenes Gebärdenspiel, als Ihre angeborene Geste zum Vorschein. Und wenn wir jetzt finden: Ach, dieser Mensch nimmt seit der Kindheit diese bestimmte Geste an, dann ist das aus dem Grunde, weil er in dem vorigen Leben, in der vorigen Inkarnation. seinem Ätherleib eingeprägt hat ganz bestimmte Arten durch sein Denken. Das heißt, wenn ich eines Menschen Gesten, so weit ihm diese Gesten angeboten sind, studiere, so können mir diese zu einem Lesezeichen werden für die Art und Weise, wie er in früheren Leben mit dem Denken sich abgefunden hat. Denken Sie aber, was das heißt! Das heißt: Der Gedanke drückt sich gleichsam so in die menschliche Wesenheit ein, daß er als Geste wieder erscheint in der neuen Inkarnation. Wir schauen da hinein in dieses Werden und Weben des Gedanklichen zum Festen, zum Daseienden, zum äußerlich Daseienden. Was erst innerlich Gedanke ist, es wird äußerlich Geste.
[ 27 ] Wir versuchen nun, wenn wir denken, fortwährend in den Ätherleib hineinzusenden das, was dann Gewohnheit wird. Aber an dem physischen Leibe haben wir eine Grenze. Unser Ätherleib kann wirklich nicht alles in den physischen Leib hineinsenden. Daher spart er sich diese Kräfte auf, für die ihm der physische Leib ein Hindernis ist; und die trägt er hindurch durch das ganze Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Wie Sie jetzt denken, wie Sie dem Ätherleib die Erinnerungen aufprägen, so kommt das in der nächsten Inkarnation als Ihr verborgenes Gebärdenspiel, als Ihre angeborene Geste zum Vorschein. Und wenn wir jetzt finden: Ach, dieser Mensch nimmt seit der Kindheit diese bestimmte Geste an, dann ist das aus dem Grunde, weil er in dem vorigen Leben, in der vorigen Inkarnation. seinem Ätherleib eingeprägt hat ganz bestimmte Arten durch sein Denken. Das heißt, wenn ich eines Menschen Gesten, so weit ihm diese Gesten angeboten sind, studiere, so können mir diese zu einem Lesezeichen werden für die Art und Weise, wie er in früheren Leben mit dem Denken sich abgefunden hat. Denken Sie aber, was das heißt! Das heißt: Der Gedanke drückt sich gleichsam so in die menschliche Wesenheit ein, daß er als Geste wieder erscheint in der neuen Inkarnation. Wir schauen da hinein in dieses Werden und Weben des Gedanklichen zum Festen, zum Daseienden, zum äußerlich Daseienden. Was erst innerlich Gedanke ist, es wird äußerlich Geste.
[ 28 ] Geschichte, Historie empfindet man heute als etwas Zufälliges in der Wissenschaft, die eben nichts weiß über Notwendigkeit und ihren Unterschied von Zufälligkeit. In einem Vokabular vom Jahre 1482, Mauthner selber registriert das, steht: «geschicht oder geschehen ding, historia res gesta». «Res gesta» hat man nämlich früher die Geschichte genannt! Jetzt ist nur noch zurückgeblieben das abstrakte Wort «Regeste». Wenn man sich Notizen anlegt für Geschehenes, nennt man das Regeste! «Res gestaa»! Warum denn? Das ist dasselbe Wort wie die «Geste». Der Sprachgenius, der diese Worte «res gesta» gebildet hat, er wußte noch, daß man auch in dem, was historisch sich darlebt, etwas zu sehen hat, was stehengeblieben ist. Wenn man in der Geste des einzelnen Menschen, die mit ihm geboren ist, das Residuum, das Rückgebliebene von Gedanken in vorigen Inkarnationen zu sehen hat, dann wird es nicht mehr ein völliges Unding sein, vorauszusetzen, daß man in dem, was einem in den Tatsachen der Geschichte entgegentritt, auch etwas wie Gesten sieht. Wenn ich gehe, so sind das eine Reihe von Tatsachen: das sind die Gesten für mein Denken in der früheren Inkarnation.
[ 28 ] Geschichte, Historie empfindet man heute als etwas Zufälliges in der Wissenschaft, die eben nichts weiß über Notwendigkeit und ihren Unterschied von Zufälligkeit. In einem Vokabular vom Jahre 1482, Mauthner selber registriert das, steht: «geschicht oder geschehen ding, historia res gesta». «Res gesta» hat man nämlich früher die Geschichte genannt! Jetzt ist nur noch zurückgeblieben das abstrakte Wort «Regeste». Wenn man sich Notizen anlegt für Geschehenes, nennt man das Regeste! «Res gestaa»! Warum denn? Das ist dasselbe Wort wie die «Geste». Der Sprachgenius, der diese Worte «res gesta» gebildet hat, er wußte noch, daß man auch in dem, was historisch sich darlebt, etwas zu sehen hat, was stehengeblieben ist. Wenn man in der Geste des einzelnen Menschen, die mit ihm geboren ist, das Residuum, das Rückgebliebene von Gedanken in vorigen Inkarnationen zu sehen hat, dann wird es nicht mehr ein völliges Unding sein, vorauszusetzen, daß man in dem, was einem in den Tatsachen der Geschichte entgegentritt, auch etwas wie Gesten sieht. Wenn ich gehe, so sind das eine Reihe von Tatsachen: das sind die Gesten für mein Denken in der früheren Inkarnation.
[ 29 ] Wo haben wir denn die Gedanken für die Geschichte zu suchen? Das ist die Frage, die sich uns nun aufwirft. Für das einzelne menschliche Leben haben wir für die Geste die Gedanken in der vorigen Inkarnation zu suchen. Schauen wir das, was in der Geschichte geschieht, als Geste an, wo haben wir dafür die Gedanken zu suchen?
[ 29 ] Wo haben wir denn die Gedanken für die Geschichte zu suchen? Das ist die Frage, die sich uns nun aufwirft. Für das einzelne menschliche Leben haben wir für die Geste die Gedanken in der vorigen Inkarnation zu suchen. Schauen wir das, was in der Geschichte geschieht, als Geste an, wo haben wir dafür die Gedanken zu suchen?
[ 30 ] Mit diesen Betrachtungen wollen wir dann morgen beginnen.
[ 30 ] Mit diesen Betrachtungen wollen wir dann morgen beginnen.
