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Chance, Necessity, and Providence
Imaginative Insight and Processes after Death
GA 163

29 August 1915, Dornach

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Vierter Vortrag

4. Necessity as Past Subjectivity

[ 1 ] Wenn man den Blick wendet auf solche Darstellungen wie die von Fritz Mauthner, auf die ich Sie wiederholt hingewiesen habe, dann das haben Sie ja schon gesehen — merkt man, zu welchen Konsequenzen ein Sich-selbst-Ernstnehmen der gegenwärtig herrschenden Weltanschauung führen muß. Mauthner nimmt wirklich die gegenwärtige Weltanschauung ernst. Er kommt zu allerlei höchst merkwürdigen Dingen. So zum Beispiel bildet er im Zusammenhang mit dem Begriff «Vorrat», weil er ja Sprachkritiker ist, den des «Wortvorrats», und er gliedert den Wortvorrat in Scheinbegriffe und brauchbare Begriffe. In seinem Wörterbuch will er eigentlich überall darstellen, wie die meisten philosophischen Begriffe zu den unbrauchbaren Begriffen gehören. Man hat immer, wenn man einen Mauthnerschen Begriff, ein Mauthnersches Wort in seinem «Wörterbuch der Philosophie» durchgelesen hat — es ist allerdings eine subjektive Empfindung —, ein Gefühl, als ob man versucht hätte, wie ein Chinese sich um sich selber zu drehen, um den eigenen Zopf zu erhaschen. Wenn man einen Artikel zu Ende gelesen hat, hat man das Gefühl, daß man während des ganzen Lesens sich bemüht hat, den Zopf zu erhaschen, den der Chinese hinten hat, und doch merkt man zuletzt: Der Zopf ist hinten hängengeblieben, durch alles Drehen kann man den Zopf nicht erreichen. Man wird allerdings einiges recht, recht Schwierige durchzumachen haben für ein gesundes Denken, wenn man etwa auf den Artikel «Christentum» eingeht. Aber das gilt fast von allen Artikeln, die er geschrieben hat. — Nun ist er eben sorgfältig bedacht, die Scheinbegriffe alle auszumerzen, und solche Scheinbegriffe nimmt er in sein Wörterbuch immer nur auf, um sie als solche zu «denunzieren». Um aber auf diese Scheinbegriffe eingehen zu können, werde ich einige in der Einleitung stehende Sätze lesen, die sehr charakteristisch sind: «Was ist das, ein Schenbegriff? Dieses Wörterbuch wird viele Begriffe, die in allgemeinem Ansehen stehen, als Scheinbegriffe denunzieren. An Beispielen fehlt es mir also nicht. Dennoch ist es nicht leicht, allgemein auszusprechen, wodurch sich ein brauchbarer Begriff von einem Scheinbegriffe, ein richtiger Begriff von einem falschen, ein lebendiger von einem toten unterscheide. Mit diesen Gegensatzpaaren habe ich schon einige Gründe der Schwierigkeit genannt. Der bloße Schein der Brauchbarkeit ist eben nicht immer aus der gleichen Ursache zu erklären. Und auch die Falschheit oder der Tod eines Begriffes ist jedesmal nicht so einfach festzustellen. Die Falschheit kann dem Begriff von Anfang an angeheftet haben, kann aber auch im Verlaufe der Wortgeschichte entstanden sein, braucht nicht erst von einem wissenschaftlich und kritisch fortgeschrittenen Geschlechte erkannt worden sein; ein Begriff kann tot gewesen sein von Anfang, der Tod kann aber auch nach kürzerem oder längerem Leben des Wortes eingetreten sein, unbemerkt für den Sprachgebrauch. Ganz scharf sind die Grenzen nicht zu ziehen, weil alle diese Begriffe relativ sind. Die Begriffe absolut und Phlogiston waren von Anfang an falsch, weil eine genaue Aufmerksamkeit den Widerspruch mit den Tatsachen der Erfahrung von jeher hätte aufdecken können.»

[ 1 ] If you look at works such as that of Fritz Mauthner, to whom I have repeatedly referred, you will see what consequences necessarily result from taking the prevailing modern outlook seriously. Mauthner arrives at all sorts of very strange conclusions. One example is the way he links the concept “supply” with that of a “supply of words,” for he is a philologist. He divides the word “supply” into two categories of “illusory” and “useful” concepts. The real purpose of his philosophical dictionary is to demonstrate that most philosophical concepts belong in the useless category. Those who give a thorough reading to his comments on a concept or word in his Dictionary of Philosophy always end up with the admittedly subjective feeling of whirling around like a Chinaman trying to grab his own pigtail. You have the feeling as you finish one of his articles that you have been trying all the way through it to get hold of your pigtail, which a Chinaman wears hanging down behind him. But at the end there it is, still behind you; no amount of twirling results in catching up with it. There are, I must say, some very, very upsetting things for healthy minds to endure as they read an article such as the one on “Christianity.” But that is true of almost all the articles Mauthner has written. Now he takes great pains to eliminate all illusory concepts, admitting some of them into his dictionary for the sole purpose of denouncing them. I'll read a few very characteristic sentences from his introduction by way of illustration: What is an illusory concept? This dictionary will denounce as illusory many concepts held in general esteem. I am not at a loss, you see, for examples. Nevertheless, it is not an easy matter to describe in general terms what distinguishes a useful from an illusory concept, a true one from a false one, a living concept from a dead one. These opposite characteristics already point to some sources of the difficulty. The mere appearance of usefulness cannot always be attributed to the same source, and it is not in every case a simple matter to determine a concept's falsity or deadness. It may be that the falsity was inherent, or else became attached to the concept as language underwent changes over a period of time and did not need to wait for a scientifically and critically advanced generation to discover it. A concept could also have been dead to begin with, or death can have overtaken it unnoticed in popular usage after a shorter or longer life. The boundaries cannot be sharply drawn because all these concepts are relative. The concepts absolute and phlogiston were false from the start; exact scrutiny could all along have discovered that they contradicted the facts of experience.

[ 2 ] Das ist ja ganz niedlich, nicht wahr? Die Menschheit hat viele, man kann sagen, nicht Jahrhunderte, sondern Jahrtausende gebraucht, um an die Stelle des Phlogiston etwas anderes zu setzen. Und als dann Lavoisier an die Stelle von «Phlogiston» den Nachweis des wahren Verlaufs der «Verbrennung» gesetzt hatte, so war das eine bedeutsame Tat allerersten Ranges. Aber Fritz Mauthner weiß dazu zu sagen: «Der Begriff war von Anfang falsch, weil eine genaue Aufmerksamkeit den Widerspruch mit den Tatsachen der Erfahrung von jeher hätte aufdecken können.»

[ 2 ] Now wouldn't you agree that this is quite nice? Humanity took many millennia, not just centuries, to replace phlogiston with another concept, and Lavoisier's replacement of phlogiston with evidence of the true nature of combustion was considered a most significant deed.1Antoine Laurent Lavoisier, 1743–1794, French chemist. In 1774 he refuted the theory claiming that a substance called phlogiston escapes during the combustion process. In 1777 Lavoisier discovered that combustion consists in the combination of a substance with oxygen. He discovered that breathing is also a combustion or oxidation process. But Mauthner finds it possible to comment that “the concept was false from the start because exact scrutiny could have discovered all along that it contradicted the facts of experience.”

[ 3 ] Es klingt wirklich so, als ob nur Fritz Mauthner genügend früh hätte geboren zu werden brauchen, und er hätte dafür gesorgt, daß die Menschen nicht so lange unter dem falschen Begriff des Phlogistons gelebt hätten! Mauthner sagt weiter: «Der Begriff Hexe wurde erst falsch, als der Begriff Teufel gestorben war, mit dem Scheinbegriff Teufel konnte das gottlose Weib keine fleischliche Verbindung mehr eingehen. Der Begriff Teufel wiederum war lange genug lebendig und starb erst, als die menschliche Erkenntnis sich überzeugt hatte, daß weder ein Teufel noch irgendwelche seiner Wirkungen in der Wirklichkeitswelt zu beobachten wären.»

[ 3 ] It really sounds as though if Fritz Mauthner had been born early enough, he would have seen to it that people didn't have to suffer for so long a time from the false concept phlogiston. He goes on to say, “The concept which only became a false one when the concept devil fell by the wayside, and the godless female could therefore no longer enter into fleshly commerce with the illusory concept devil. The concept devil too lived a sufficiently lengthy span and died out only when human learning became convinced that neither the devil nor any of his works were observable in the sphere of reality.”

[ 4 ] Da möchte man doch auch wieder verführt sein zu sagen:

[ 4 ] We could be tempted to repeat that

Den Teufel spürt das Völkchen nie,
und wenn er sie beim Kragen hätte!

Not if he had them by the neck, I vow,
Would e'er these people scent the devil.

[ 5 ] Es ist tatsächlich das, was einem einfallen muß, wenn solche Dinge gesagt werden. — Es wird eben heute vielfach darauf ankommen, wie die Menschen sich entschließen werden, überall die maßgebenden, ich könnte auch sagen, die lichtgebenden Gesichtspunkte zu finden! Wir haben gestern darauf hingewiesen, wie gerade mit der Vertiefung der Menschen-Seelennatur auch eine Vertiefung gegenüber solchen Begriffen, wie zum Beispiel dem Begriff Notwendigkeit eintreten muß. Wir haben darauf hingewiesen, wie die Empfindung der Notwendigkeit alles Seienden, und das Hineingestelltsein des Einzelwesens in die Notwendigkeit des Seienden etwa für solch eine Menschenwesenheit, wie für den Faust, schicksalbestimmend sein könnte. Mauthner findet: Notwendigkeit — was ist das? Es ist nur eine Art, die Dinge anzuschauen. Für ihn ist gar kein Grund vorhanden, den Begriff der Notwendigkeit objektiv in den Dingen selber zu denken. Mauthner meint, der Strom des Weltengeschehens gehe einmal um die Menschen herum. Da sind Menschen gekommen, die haben gesagt: Heute ist die Sonne aufgegangen, gestern ist sie aufgegangen, vorgestern ist sie aufgegangen. Voraussetzen werden wir daraus, daß sie auch morgen, übermorgen und so weiter aufgehen wird. — Aus diesen äußeren Gedanken in der regelmäßigen Aufeinanderfolge der Tatbestände haben sie sich den Begriff der Notwendigkeit gebildet. Es wäre nötig, daß die Sonne aufgeht — haben sie gesagt. Aber diese Notwendigkeit ist subjektiv; das ist bloß ein Menschenbegriff. Und Mauthner sagt sehr niedlich gegen den Philosophen Husserl, der die Ansicht vertreten hat, daß eine Notwendigkeit auch objektiv in den Dingen drinnen wäre: «Wenn ich nur wüßte, wie Notwendigkeit, eine menschliche Betrachtungsweise der Wirklichkeit, jemals objektiv werden kann.» Wenn ich das nur wüßte! — meint Mauthner. Sehen Sie, Mauthner fehlt alle Möglichkeit, einzusehen, wie etwas Subjektives objektiv werden kann. Er ist, ich möchte sagen, ein merkwürdiger Eurythmiker, dieser Mauthner; er kann niemals aus dem Subjektiven in das Objektive herübertanzen, weil er vollständig die Fähigkeit verloren hat, jene Figur in sich zu vollziehen, die aus dem Subjektiven ins Objektive herüberführt. Und zugrunde liegt dem, daß man nicht imstande ist, das Sein da aufzusuchen, wo einmal an einer charakteristischen Stelle das Subjektive ins Objektive wirklich hinübergeht. Wir wollen versuchen, uns eine solche Stelle einmal vor das geistige Auge zu führen.

[ 5 ] One can't help thinking of this on hearing such a statement. A lot depends today on the decisions people make about searching out viewpoints able to shed light and guide them. Yesterday we discussed how a deepening of our soul nature must be accompanied by a profounder grasp of concepts such as necessity. It was pointed out how decisive an influence on destiny a sense of the necessity in everything in existence, and the submersion of the individual in that necessity, could have for a person like Faust. But Mauthner says, “Necessity—What is it? Just a way of looking at things.” He finds no reason to think of the element of necessity as existing objectively in things. In his opinion the stream of cosmic events bypasses human beings. People say that “the sun rose today, it rose yesterday and it rose the day before yesterday, so we assume that it will rise tomorrow and the day after tomorrow, and so on.” They form the concept of necessity from these external thoughts about the regular succession of events, saying that the sun necessarily rises. But this necessity of theirs is subjective, just a human concept. And Mauthner makes the nice rejoinder to the philosopher Husserl,2Edmund Husserl, 1859–1938, German Phenomenological philosopher. an exponent of the view that necessity is inherent in the nature of things, “If I only knew how necessity, a human way of regarding reality, could be made objective reality!” “If I only knew,” is Mauthner's reaction. Mauthner, you see, lacks any possibility of understanding how something subjective could turn into objective reality. He's a queer kind of eurythmist, this Mauthner; he can never dance his way from the subjective into the objective because he has totally lost the capacity to involve himself in the inner choreography that leads from the subjective into the objective. And the reason for that is that we are not in a position to look for essential being at the characteristic place where the subjective element actually passes over into the objective realm.

[ 6 ] Wenn die menschliche Seele in sich eine Frage aufwirft, so will sie eine Antwort haben und wird subjektiv all diejenigen Vorgänge anstellen, diejenigen äußeren oder inneren Handlungen vollziehen, die zu der Beantwortung einer solchen Frage führen können. Nun wissen Sie ja, daß das Aufstellen einer Frage und das Finden einer Antwort wirklich ein subjektiver Vorgang ist. Es ist so subjektiv, daß der eine das geschickt, der andere das ungeschickt, in allen möglichen Nuancen macht. Das ist wirklich etwas, was zunächst in uns vor sich geht. Aber nehmen wir einmal das Folgende an. Nehmen wir an, ein Mensch wäre wirklich von Erkenntnissehnsucht durchglüht, von Erkenntnissehnsucht erfüllt und müßte sich deshalb in seiner Seele eine Frage aufwerfen. Er kann nun keine Antwort auf diese Frage finden. Nicht wahr, das ist subjektiv. Aber nehmen wir jetzt an: Zeit vergeht, wie man sagt, der Mensch lebt weiter. Der subjektive Vorgang ist der, daß der Mensch die Frage erlebt hat und das Nichtkommen zu einer Antwort erlebt hat, und er lebt jetzt weiter. Es kann sein, daß er sich später einmal erinnert an die Frage, mit dem Gedanken sich daran erinnert, daß er auf diese Frage keine Antwort erhalten hat. Aber es kann der ganz andere Fall eintreten. Es kann der Fall eintreten, daß ein reines Vergessen über der Frage sich bei dem betreffenden Menschen geltend macht. Aber dieses Vergessen wird nicht die Bedeutung haben, daß die Frage und das Nichtvorhandensein der Antwort ganz irreal in ihm ist, sondern daß der betreffende Mensch die Antwort nicht gefunden hat. Was rein subjektiv ist, kann später vielleicht für den, der diese Zusammenhänge durchschauen kann, zutage treten, daß darin der betreffende Mensch in bezug auf die Art, wie er sich im Leben darlebt, etwas Unsicheres zeigt. Man wird, wenn man fein zu beobachten versteht, sagen können: Dieser Mensch hat eine merkwürdig unsichere Gebärde, etwas merkwürdig Unsicheres im Blick. Es wird solch ein Zusammenhang zunächst, wenn man das einzelne Menschenleben in Betracht zieht, fein sein; aber man wird solche Zusammenhänge entdecken können und man wird entdecken können, daß manche unsichere Gebärde, manches Unsichere im Blick oder ähnliches in späteren Jahren zurückzuführen ist darauf, daß irgendeine Frage oder ein Fragenkomplex keine Antwort erhalten hat. Daß eine Geste da ist, daß etwas Unsicheres im Blick ist, das ist ein Objektives, ein ganz Objektives! Ein Objektives ist aus einem Subjektiven wirklich herausgekommen, hat sich herausgebildet. Wir können gewissermaßen dasjenige, was wir subjektiv erlebt haben, nach Jahren wiederfinden in den objektiven Vorgängen unseres Menschenwesens,

[ 6 ] Let us seek out such a place and examine it from a spiritual standpoint. When the human soul raises a question, it seeks an answer to it, and proceeds subjectively to set in motion all those processes, those inner or external actions, that might serve to supply it. You know, of course, that the putting of questions and finding of answers is indeed a subjective process, so subjective that one person engages in it with finesse and another clumsily; all possible nuances exist. It is really an inner activity. But now let us assume the following: Let us picture a person on fire with a desire to know, filled to the brim with a longing for insight, who therefore raises a question in his soul. But he finds no answer to it. The situation thus far is subjective. But now let us imagine time passing and the person continuing to live. What has happened subjectively is that this person has experienced the question and the lack of an answer to it, and he goes on living. He can remember the question later on, and the fact that he has not found an answer. But it could turn out entirely differently: his question can have been totally forgotten. But that doesn't mean that the question and the lack of an answer are completely unreal within him; it just means that he hasn't found the answer. Someone able to see into the situation may find that what began as a purely subjective element later makes its appearance in the person concerned in the uncertain way he behaves in life. A sensitive observer will be able to say that such a person has a curiously uncertain way of gesturing and glancing. These are very delicate matters when it comes to individual cases, but such situations do exist, and it can be discovered that many an uncertain look and gesture or the like that shows up in later years can be traced back to an unanswered question or complex of questions. The presence of this uncertainty in look and gesture is an objective, an entirely objective fact. An objective situation has actually been created and emerged from a subjective one. We can rediscover years later in the objective processes in us what we experienced at first subjectively.

[ 7 ] Wenn Sie diese Gesichtspunkte verfolgen, so werden Sie finden, daß hier ein realer Weg liegt, Fragen zu beantworten, die sich Mauthner aus seinem Unvermögen heraus nicht beantworten kann. Deshalb sagt er: «Wenn ich nur wüßte, wie Notwendigkeit, eine menschliche Betrachtungsweise der Wirklichkeit, jemals objektiv werden kann.» Das Subjektive kann eben objektiv werden! Das ist dasjenige, was uns insbesondere aufgehen wird, wenn wir das gründlich berücksichtigen, auf was ich gestern schon aufmerksam gemacht habe: daß im Grunde genommen Gedächtnis, Erinnerung ein besonderer Bewußtseinszustand ist neben dem Schlafen und Wachen. Dieses Erinnern ist allerdings heute erst im Beginne und wird, wenn der Mensch zu dem folgenden planetarischen Dasein fortgeschritten sein wird, eine viel größere Rolle spielen, und es wird sich aussprechen im Wiedererkennen desjenigen, was früher erlebt worden ist. In diesem Wiedererkennen tritt dasjenige, was wiedererkannt werden muß, in einer ganz anderen Form vor uns hin, als wie es vorher da war. Wenn wir zum Beispiel subjektiv irgend etwas erleben, so wird es nach langer Zeit im einzelnen Menschenleben leise auftreten. In der nächsten Inkarnation wird es bedeutender auftreten. Da wird uns etwas an unserem Äußeren charakteristisch objektiv entgegentreten können, was vorher subjektives Erlebnis war. Und wenn wir in bezug auf vieles, was wir vergessen haben, fragen: Wo ist es hingekommen? — wir würden es entdecken, wenn wir nur wirklich ernsthaftig auf das, was Geisteswissenschaft uns gibt, uns besinnen wollten. Wir würden das, was von uns vergessen worden ist, in unserem Leben entdecken. Das, was hinuntergegangen ist in die Tiefe der Seele und nicht mehr im Subjektiven ist, das waltet und webt in unserem Unterbewußten drunten. Das Subjektive wird immer objektiv!

[ 7 ] If you follow up such leads, you will find that they open up a reliable route to answering questions that Mauthner in his incapacity cannot answer. That is why he says, “If I only knew how necessity, a human way of regarding reality, could be made objective reality!” The subjective can indeed become objective! This becomes clear to us particularly when we take fully into account what I pointed out yesterday: that memory is a distinct state of consciousness in addition to sleeping and waking. Remembering is still in its infancy; however, it will play a much larger role when humanity has advanced to the next planetary stage, and it will find expression in the recognition of earlier experiences. This recognition will bring these experiences before us in a form quite different from their previous appearance. Subjective experiences we may have had recur much later in a mild form in our individual lives. They will appear in the next incarnation in a much more significant form. What was once a subjective experience then resurfaces in our external aspect as a characteristic objective element. And if we ask what has become of much that we have forgotten, we would discover it if we were to concern ourselves really seriously with what spiritual science gives us; we would find it in our lives. What has sunk into our souls' depths and no longer remains in the subjective sphere lives and moves down below in our subconsciousness. The subjective invariably becomes objective.

[ 8 ] Sehen Sie, wenn man sich auf ein Verständnis des Lebens wirklich einlassen will, dann muß man es schon sehr ernst und gewissenhaft nehmen mit diesen Dingen. Man muß versuchen, das Denken wirklich gewissenhaft auszubilden. Man muß zum Beispiel achten auf Gedankenfehler, die gemacht werden, weil sie innig mit Lebensfehlern zusammenhängen. Wie leicht findet man Menschen, die bei jeder Gelegenheit sagen: Nun, eitel bin ich wirklich nicht —; und dennoch, daß sie das sagen bei jeder Gelegenheit, das geschieht aus Eitelkeit. Sie sind so furchtbar eitel, daß sie bei jeder Gelegenheit sagen, wie nichteitel sie sind! Sie haben nur nicht genügend bedacht, lebensvoll bedacht, daß es sich selber aufhebt, wenn ein Kretenser sagt: Alle Kretenser sind Lügner —; denn wenn ein Kretenser das sagt, und es wäre wahr, so müßte er ja ein Lügner sein! Also könnte das nicht wahr sein, was er sagt, daß alle Kretenser Lügner sind. Aber von solchen Dingen ist notwendig, daß sie in das Leben umgesetzt werden, daß man wirklich achtet darauf, daß eine gewisse Feinheit im Denken zu einer unserer Gewohnheiten wird. Und so möchte ich Sie auf etwas aufmerksam machen, was als Denkfehler in einer der vielen Betrachtungen charakteristisch auch bei Mauthner herrscht. Mauthner hat einen Artikel «Notwendigkeit» in seinem Wörterbuch. Da bemüht er sich zu zeigen, wie die Notwendigkeit nur ein Menschengedanke ist, wie die Notwendigkeit gar nicht in den Dingen drinnen liegt. Er macht bei diesem Artikel aus einem ganz besonderen Grunde dieses sonderbare Experiment des Um-sich-Herumtanzens und den Zopf bekommen wollen und ihn nicht erhalten können. Denn alles, was ihm klargeworden ist, das ist, daß es nicht notwendig ist, daß Notwendigkeit in den Dingen herrscht; daß keine Notwendigkeit besteht, daß Notwendigkeit in den Dingen herrscht. Es könnte ja in den Dingen auch Notwendigkeit herrschen, ohne daß das notwendig wäre! Dadurch, daß Mauthner eingesehen hat, es sei nicht notwendig, daß in den Dingen Notwendigkeit herrscht, dadurch ist noch nicht ausgemacht, daß keine Notwendigkeit in den Dingen herrscht; sondern das gerade könnte nicht notwendig sein, daß die Notwendigkeit da ist; das ist es, was man immer berücksichtigen muß.

[ 8 ] You see that if we are really intent upon understanding life, we have to deal seriously and conscientiously with matters like these. We have to try very conscientiously indeed to develop our thinking, noting errors of thought where they occur, for they are intimately bound up with errors in the way our lives are lived. How often one comes upon people who are constantly saying that they are certainly not vain—but the very fact that they emphasize it at every opportunity is due to vanity. They are so frightfully vain that they have to keep saying how free from vanity they are. They simply haven't dwelt sufficiently and realistically enough on the cancelling out that occurs when a Cretan says that all Cretans are liars. If that were true and a Cretan states it, he would be doing so as a liar. So his statement that all Cretans are liars can't be true. But all such matters have to be translated into living reality. We need to see to it that we make a habit of a certain discrimination in thinking. In this connection I want to call your attention to an error in thinking that crops up in Mauthner's case too, in one of his many characteristic observations. He has an article on necessity in his philosophical dictionary. He is at pains to show that necessity is merely a human idea and that there is no such element inherent in things. There is a very special reason why this article exemplifies the strange experiment of whirling around and trying unsuccessfully to catch hold of his own pigtail. For the only thing he achieves clarity on is that it is not necessary for necessity to inhere in things, that no such necessity exists. But necessity could indeed inhere in things without there being any necessity for its doing so. The fact that Mauthner sees that it isn't necessary for necessity to inhere in things doesn't prove that it doesn't so inhere. It could just be the case that no necessity exists for it to do so. That is what we must always bear in mind.

[ 9 ] Für uns aber entsteht die Frage: Wie können wir die Notwendigkeit aufsuchen? Nun, ich will heute — morgen werde ich auf diese Dinge genauer eingehen — bloß gleichsam exemplifizierend versuchen, Ihre Gedanken in die richtige Richtung zu bringen. Nehmen Sie den Gedanken: Dasjenige, was wir subjektiv denken, es geht hinunter, es wird Inhalt unseres Gedächtnisses, aber es verliert sich auch da unten, wird objektiv. Und jetzt blicken wir hinaus in die Welt und suchen zunächst das Objektive. Wir finden gewiß Objektives in uns, sogar schon im einzelnen Leben, an Gesten, Mienen und so weiter. Erinnern Sie sich nur an das, was ich am Schlusse des gestrigen Vortrages angeführt habe: Was zuerst subjektiv war in der Welt, finden wir später objektiv. Da haben wir dann nötig, uns zu fragen: Ja, können wir vielleicht auch mit diesem Objektiven ein Subjektives verbinden, was einmal da war, und was zu diesem Objektiven draußen geworden ist? — Und so würden wir in unserer Welt draußen finden, daß alles dasjenige, dem wir Notwendigkeit zuschreiben müssen, notwendig geworden wäre dadurch, daß es aus einem Subjektiven einmal herausgefallen ist und objektiv geworden ist. Versetzen Sie sich zurück vom Erdensein auf das Sonnensein. Da haben wir es zu tun mit den Wesen, die das Sonnensein geleitet haben. So wie wir jetzt denken, fühlen und wollen, werden ein Ähnliches getan haben diese Wesen, die dazumal während des Sonnenseins innerlich subjektiv in ihren Seelen etwas erlebt haben, etwas durchgemacht haben, tätig waren. Das, was sie damals durchgemacht haben während des Sonnenseins, finden wir jetzt draußen in der Welt. Jetzt tritt es uns als Weltengeste und Weltenmiene entgegen, als Weltenphysiognomie. Es ist objektiv geworden. Wenn ich grob sprechen will: Während des Sonnenseins habe meinetwillen ein Wesen seinen Willen ausstrahlen lassen, ganz subjektiv, so wie unser subjektiv Gedachtes oder Gefühltes ins Gedächtnis also hinuntergeht und dann objektiv wird. So ist dieses Wollen, dieses Ausstrahlen der alten Sonnenwesen heruntergegangen, wurde Gedächtnis, und wir schauen es jetzt von außen an. Wie wir im Blick irgendein früheres Erlebnis eines Menschen von außen anschauen, objektiv, so schauen wir heute in dem Lichtverbreiten der Sonne einen Willensentschluß von Wesen, die während des alten Sonnenseins subjektiv gewirkt haben. Wir schauen es. Wir können wirklich sagen: Ja, wenn ich einen Menschen sehe, der im Alter irgendeine Verbissenheit um den Mund herum hat, das ist doch gewiß etwas ganz objektiv draußen Befindliches in der Welt. Wenn ich dem nachgehen werde, so werde ich diesen Zug der Verbissenheit um seinen Mund vielleicht zurückführen können auf manches Bittere, das er ganz subjektiv in seiner Kindheit erfahren hat. Das Subjektive ist objektiv geworden.

[ 9 ] The question that concerns us, however, is where to look for necessity. We will make a closer study of this tomorrow; for today I just want to try to guide your thoughts in the right direction by citing examples. Let's consider the following: The subjective content of our thoughts sinks down to become a content of our memory, but is lost sight of down below there and becomes objective. And now we look out into the surrounding world and seek the objective there. We certainly find objective elements in ourselves, in our individual lives, in the form of gestures, facial expressions, and the like. Remember that I spoke yesterday at the close of the lecture about how what begins as a subjective element is encountered later as objective fact. So we will need to ask whether what is thus externally encountered can perhaps be traced back to something that was once subjective. And we would accordingly find in the external world that everything to which we must ascribe necessity was rendered necessary by the fact that it has left the subjective realm and become objective. Imagine yourselves transposed from earthly existence back to the ancient sun existence. We were involved there with those beings who reigned during the sun period. And we can picture these beings who went through inner, subjective soul experiences and were active during the period of that sun existence as similar to us in our present day thinking, feeling, and willing. What they went through on the sun at that time is now to be found externalized in the world around us; now it confronts us from outside as world-gesture, world-expressiveness, world-physiognomy. It has become objective. Crudely put, a being of the sun period may have sent out rays of will just as subjectively as we allow what we have thought or felt to sink down into our memory and become objective there. Exactly so did this will element, this raying out of the ancient sun beings, sink down and become memory, and we now find it confronting us. Just as we perceive in a person's glance as externalized, objective fact some earlier experience that he has had, we now perceive in the sun's radiating light a decision of will on the part of beings subjectively active on the ancient sun. We behold it. Indeed, if we should encounter an elderly person with a sour-tempered look around the mouth, we can certainly call it a fact objectively perceptible in the outer world, and if we follow it up, we may well be able to trace it back to bitter experiences of a subjective nature suffered in childhood. What was subjective has become objective.

[ 10 ] Wenn ich dasjenige, was heute als Gebirge aufgetürmt ist, erblicke, so werde ich diesen Zug der Erde, der meinetwillen in der Aufgetürmtheit des ganzen Alpensystems da ist, zurückverfolgen können. Wenn ich es nur weit genug, bis ins Saturndasein vielleicht, zurückverfolge, so werde ich da irgendein seelisch-geistiges Erlebnis haben, das dazumal durchlebt worden ist, und das, jetzt wie in der Physis der Erde festgehalten, das dazumal subjektive Erlebnis darstellt. Dazumal hätte es anders sein können, dazumal hätte es so sein können, daß sich jene Götter, die das oder jenes Seelisch-Geistige erlebt hätten, auch zu anderem hätten entschließen können; dann würden heute selbstverständlich die Alpen anders sein. Aber denken Sie nur einmal: Bei dem Saturn haben sich die Götter entschlossen, irgend etwas Bestimmtes zu tun innerlich, dann sind sie durch das Sonnen-, Mondensein gegangen; dann, wie sich der Mond zur Erde entwickelt hat, haben sie schon nicht mehr sich umentschließen können. Das ist gerade so, wie wenn wir irgend etwas, das wir im achtzehnten Jahre noch nicht gelernt haben, nur sehr schwer nachholen können. Wir können es nachholen, aber daß wir es dann nachholen müssen, das bewirkt jedenfalls schon wiederum etwas, was nicht bewirkt würde, wenn wir es zu früherer Zeit durchgemacht hätten. Daraus werden Sie ersehen, daß es zwar zur Saturnzeit noch den göttlich-geistigen Wesen freigestanden hat, irgendeinen Entschluß zu fassen, aber nachdem der Entschluß gefaßt, waren sie zur Mondenzeit schon nicht mehr frei, es anders als so zu führen, daß der Alpenzug gerade von Westen nach Osten geht. Sie haben sich zum Beispiel gerade durch das, was sie früher gedacht haben, engagiert; das ist nicht mehr ungeschehen zu machen. Es ist nicht mehr ungeschehen zu machen — wenn man wahr bleiben will —, was geschehen ist. Subjektiv können ja Menschen versuchen, das, was sie subjektiv erlebt haben und was objektiv geworden ist, auszulöschen; aber objektiv wird dasjenige, was sich daraus entwickelt hat, nicht ausgelöscht sein. Wenn ich zum Beispiel in der Jugend eine Nachlässigkeit begangen habe, in der späteren Jugend irgend jemand, den ich hätte erziehen sollen, nicht erzogen habe, so entspricht das meinem Subjektiven von dazumal. Später, nach zwanzig Jahren, kann ich ja ableugnen, daß ich dazumal nachlässig gewesen bin, das ändert aber nichts an dem Objektiven, das aus dem Subjektiven hervorgegangen ist: der, den ich nicht erzogen habe, der ist zu dem geworden, was entstand durch das, was ich versäumte. Das Objektive, das aus unserem Subjektiven hervorgegangen ist, das nimmt den Zug von Notwendigkeit an; aus dem läßt sich die Notwendigkeit nicht herausleugnen. Und in dem Maße, als das Subjektive in das Objektive übergeht, schleicht sich in das Objektivwerdende die Notwendigkeit ein. Und um die Notwendigkeit zu leugnen, muß man geradezu etwas ableugnen.

[ 10 ] Where mountains tower up today it is possible to trace back this feature of the earth, for example, in the great chain of the Alps. If we go back far enough, perhaps as far back as ancient Saturn, we come across subjective soul and spiritual events experienced during that period that are retained in present-day physical aspects of the earth. But things could have taken a somewhat different course at that period if the gods who had those experiences of soul and spirit had come to different decisions; in that case, of course, the Alps would not have come to be as they are today. But just picture the gods on Saturn deciding on some particular inner action and then going through the sun and moon periods. Then, as the moon developed into the earth, it was no longer possible for them to change their decisions. That is like the difference we experience in trying to learn in later life something we failed to learn before we reached our eighteenth year. We can catch up, but the fact of having to do so creates a situation that would not have existed had we undergone the learning at an earlier age. You will see from this that although the gods were free to make this or that decision during the Saturn period, once having made it, they were no longer free during the moon evolution to effect a change in the east-west orientation of the Alps. They bound themselves by the terms of their earlier thinking, and the result could no longer be changed. What has been done cannot be undone if we want to stick by the truth. People can try subjectively to wipe out what they experienced subjectively, but what has developed as objective fact cannot be wiped out. If, for example, I have been guilty of neglect in younger years in failing to educate someone whose education was my responsibility, that corresponded to my subjective state at the time. Twenty years later I can deny that I was neglectful, but that changes nothing in the objective situation that grew out of the subjective one. The individual who went uneducated became what he is as a result of what I neglected to do. The objective outcome of our subjectivity takes on a necessity that cannot be denied, and necessity enters the picture to the degree that the subjective is transformed into the objective.

[ 11 ] Verfolgt man von diesem Gesichtspunkte aus streng logisch die Begriffe, dann findet man einen innigen Zusammenhang zwischen alledem, was man notwendig nennt, und alledem, was Vergangenheit ist, also zwischen Notwendigkeit und Vergangenheit. Und in alledem, was uns in der Gegenwart entgegentritt, tritt das Vergangene wieder auf. Das Vergangene ist in dem Gegenwärtigen da. Und soviel Vergangenes in einem Gegenwärtigen ist, so viel Notwendiges ist darin. Das Leben erstarrt auf der einen Seite in das Vergangene. Aber dabei wird das Vergangene notwendig. — Ich möchte Ihnen diese Sache etwas anschaulicher noch sagen: Es ist ein Aberglaube, anzunehmen, daß in dem gewöhnlichen Gang der Ereignisse dasjenige, was man als den gesetzmäßigen Zusammenhang erkannt hat, durch ein Wunder durchbrochen werden könne. Warum? Soviel muß geschehen nach notwendigen Regeln, als Vergangenes in den Ereignissen ist. Und würden die Götter in einem Zusammenhang dasjenige durchbrechen, was gesetzmäßig drinnen ist, so würden die Götter lügen; sie würden ableugnen das, was sie vor Zeiten festgestellt haben. Und so wenig wir ein Vergangenes anders machen können durch eine spätere Behauptung, ebensowenig können wir das Stück Vergangenheit, das als Notwendiges in den Dingen drinnen ist, ändern. Und nur das können wir an den Dingen nicht ändern, was an den Dingen Vergangenheit ist. Der Notwendigkeitsbegriff muß mit dem Vergangenheitsbegriff zusammenwachsen. Das ist ein ungeheuer Wichtiges. In allen Dingen und in allen Wesen steckt Vergangenheit und deshalb Notwendigkeit. Und so viel Notwendigkeit steckt in den Dingen, als Vergangenheit in den Dingen steckt. Und darum ist das Notwendige in den Dingen Notwendigkeit, weil es ein wiederkehrendes Vergangenes ist, und das, was geschehen ist, sich nicht ableugnen läßt. Sie können sich ganz gut bildlich irgend etwas vorstellen, was heute notwendig ist; denn das ist vor Zeiten geschehen. Vor Zeiten ist es geschehen, und jetzt tritt es einem entgegen in dem Spiegel.

[ 11 ] If the concepts involved here are followed up with strict logic from this point of view, we come upon an intimate relationship between the past and everything that can be termed necessity. And the past resurfaces in everything we encounter in the present; it is present there. There is as much necessity in the present as there is past in it. Life congeals into the past, but the past becomes necessity in the process. I'd like to put all this before you more pictorially. It is superstition to assume that what is recognized to be an interrelationship based on law in a series of events can be changed by a miracle. Why is this the case? The past that underlies these events determines what must happen in accordance with the laws of necessity. The gods would not be telling the truth if they were to interfere with the lawfulness governing such a relationship. They would be denying what they had previously established. And we can no more change the past inhering in situations as necessity than we can change what happened in the past by some statement about it. What we cannot change in a situation is the part the past played in it. The concept of necessity must coalesce with the concept of the past; that is tremendously important. The past inheres in every object and in every creature, constituting the necessity in them; necessity is present in them to an extent corresponding to their past. The necessity that inheres in things does so because it is the recurring past, and what has taken place cannot be dismissed. We can easily picture anything that has become necessity now, for it goes back to a previous event. It happened in the past and now confronts us in reflected form.

[ 12 ] Aber Sie können es im Spiegel ebensowenig ändern, wie Sie, wenn Sie eine Warze auf der Stirne haben und sich im Spiegel schauen, im Spiegel diese Warze wegmachen können. Sie müßte ja erst weggemacht werden von der Stirne. Ebensowenig können Sie an dem, was heute als notwendig erscheint, eine Änderung vollziehen; denn das heute notwendig Erscheinende, das ist in Wirklichkeit schon geschehen vor Zeiten. Das ist vorbei. Das erscheint nur in seinem späteren Spiegelbild. Alles, was in uns notwendig ist, ist eigentlich vorbei und wirft nur seinen nachzeitlichen Spiegel in uns herein. Und nur wenn die Menschen sich aufschwingen werden dazu, zu begreifen, daß Dinge, die schon auf dem alten Mond, im alten Sonnendasein, im alten Saturndasein geschehen sind, jetzt sich spiegeln in uns, nur das Spiegelbild des alten Geschehens in uns sind, nur dadurch wird die Notwendigkeit begriffen werden.

[ 12 ] You can no more change that reflection than you can remove in the mirror a wart on your forehead that you see reflected there; you would have to remove it beforehand. It is equally impossible to make any change in what appears as present necessity, since what appears as necessity now really occurred some time ago. It is past, and now merely shows up in its subsequent reflection. Everything of the nature of necessity in us is of the past and is merely bringing about its reflection in us. Only if people bestir themselves to grasp that the events that took place in the ancient moon, sun, and Saturn periods are now reflected in us, and are merely reflections of those ancient events, will they come to understand necessity.

[ 13 ] Und jetzt denken Sie zurück, daß eine gewisse Anschauung uns dazu führt, daß wir unsere Begriffswelt eigentlich im Mondendasein finden. Ich habe schon früher dargestellt, wie man eigentlich zurückschauen würde auf das Mondentableau, wenn man die heutige Umwelt begrifflich betrachtet. Da haben Sie den Zusammenhang. Es ist gar nicht wahr, daß gewisse Dinge, die jetzt scheinbar in uns vorgehen, jetzt wirklich vorgehen. Sie gehen nur im Spiegel vor. In Wirklichkeit haben sie sich in den früheren Stadien unserer Erdenentwickelung abgespielt. Ich habe in den verflossenen Vorträgen gesagt: Hohlköpfe haben wir eigentlich. Warum haben wir Hohlköpfe? Weil dasjenige, was Inhalt ist, früher sich abgespielt hat und jetzt nur das Spiegelbild früheren Geschehens zum Beispiel auch in unserem Kopfe sich abspiegelt. Aber wenn wir diesen Begriff des Spiegelbildes nicht fassen können, so werden wir immer der Maja, der äußeren Scheinwirklichkeit gegenüber in den Fehler verfallen, in den das Kind verfällt, und in den, verzeihen Sie, die moderne Naturwissenschaft verfällt: Man sieht die Gegenstände im Spiegel, und läuft hinter den Spiegel, um sie dahinter zu suchen. Und wenn man hinter den Spiegel kommt, so ist alles verschwunden. Das was notwendig ist, ist vergangen; und daß sich Vergangenes spiegelt, das ist der Grund, warum in der Gegenwart Notwendigkeit ist. Das Vergangene, das kann nicht geändert werden.

[ 13 ] And now think back to our discovery that our conceptual world is of moon origin. On an earlier occasion I described how we are really looking back on a moon panorama when we observe our present-day environment. Here you have the link. It is simply not true that certain things that seem to be going on in us really happen in the present; they are just reflections in a mirror. The reality is that they took place in earlier stages of the earth's development. I have said in earlier lectures that our heads are actually hollow. And why are they hollow? Because what constitutes their content is of earlier origin, and now there is only a reflection there of earlier events in our heads. But if we are incapable of grasping this concept of mirror images, we will always be prone, as we confront the Maya, the illusion of reality around us, to make the mistake that children (and, if you'll excuse me, modern science too) make when they see objects in a mirror and run around behind it to find them. But the objects have vanished when they get there. What was necessity has gone, and the fact that the past is reflected is the reason why there is necessity in the present. The past cannot be changed.

[ 14 ] Es ist, ich gebe es zu, an diesen Begriffen einiges zu knacken, und deshalb wollen wir hier die Sache unterbrechen und sehen, wie wir bis morgen in uns selbst mit dem Durchdenken dieser Begriffe zurechtkommen. Morgen wollen wir dann übergehen zu den Begriffen des Zufalls und der Vorsehung und sie mit der Notwendigkeit verknüpfen.

[ 14 ] I agree that much effort is involved in grasping these concepts. So we'll stop here for today, and see if we can manage to think them through by tomorrow. We will then go on to study chance and providence and their connection with necessity.