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The Rudolf Steiner Archive

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The Spiritual Unification of Humanity
through the Christ Impulse
GA 165

26 December 1915, Dornach

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Die geistige Vereinigung der Menschheit durch den Christus-Impuls
  1. The Revelations of Karma, tr. SOL

Erster Vortrag

Erster Vortrag

[ 1 ] Wir haben zwei Weihnachtsspiele an unserer Seele vorüberziehen lassen. Wir dürfen vielleicht den Gedanken aufwerfen: Ist das eine Weihnachtsspiel und das andere Weihnachtsspiel in demselben Sinne der großen Menschheitsangelegenheit gewidmet, die uns in diesen Tagen so lebendig vor der Seele steht? Grundverschieden, ganz verschieden sind die beiden Spiele voneinander. Man kann sich kaum etwas Verschiedeneres denken, das dem gleichen Gegenstande gewidmet ist, als die beiden Spiele. Wenn wir das erste Spiel betrachten: es atmet in allen seinen Teilen wunderbarste Einfachheit, kindliche Einfachheit. Seelentiefe ist darinnen, aber überall durchatmet, durchlebt von kindlichster Einfachheit. Das zweite Spiel bewegt sich auf den Höhen des äußeren physischen Daseins. Gleich wird daran gedacht, daß der Christus Jesus als ein König in die Welt eintritt. Gegenübergestellt wird er dem andern König, dem Herodes. Dann wird gezeigt, daß zwei Welten sich vor uns auftun: diejenige, die im guten Sinne die Menschheit weiterentwickelt, die Welt, der der Christus Jesus dient, und die andere Welt, der Ahriman und Luzifer dienen, und die repräsentiert ist durch das teuflische Element. Ein kosmisches, ein kosmisch-geistiges Bild im höchsten Sinne des Wortes! Der Zusammenhang der Menschheitsentwickelung mit der Sternenschrift tritt uns gleich vor die Augen. Nicht das einfache, primitive Hirten-Hellsehen, das einen «Himmelsschein» findet, das man in den einfachsten Verhältnissen finden kann, sondern jene Entzifferung der Sternenschrift, zu der alle Weisheit der vergangenen Jahrhunderte notwendig ist und aus der man enträtselt, was da kommen soll. Hereinleuchtet in unsere Welt dasjenige, was aus andern Welten kommt. In den Traum- und Schlafzuständen wird dasjenige, was geschehen soll, gelenkt und geleitet, kurz, überall Okkultismus und Magie das ganze Spiel durchdringend.

[ 1 ] Wir haben zwei Weihnachtsspiele an unserer Seele vorüberziehen lassen. Wir dürfen vielleicht den Gedanken aufwerfen: Ist das eine Weihnachtsspiel und das andere Weihnachtsspiel in demselben Sinne der großen Menschheitsangelegenheit gewidmet, die uns in diesen Tagen so lebendig vor der Seele steht? Grundverschieden, ganz verschieden sind die beiden Spiele voneinander. Man kann sich kaum etwas Verschiedeneres denken, das dem gleichen Gegenstande gewidmet ist, als die beiden Spiele. Wenn wir das erste Spiel betrachten: es atmet in allen seinen Teilen wunderbarste Einfachheit, kindliche Einfachheit. Seelentiefe ist darinnen, aber überall durchatmet, durchlebt von kindlichster Einfachheit. Das zweite Spiel bewegt sich auf den Höhen des äußeren physischen Daseins. Gleich wird daran gedacht, daß der Christus Jesus als ein König in die Welt eintritt. Gegenübergestellt wird er dem andern König, dem Herodes. Dann wird gezeigt, daß zwei Welten sich vor uns auftun: diejenige, die im guten Sinne die Menschheit weiterentwickelt, die Welt, der der Christus Jesus dient, und die andere Welt, der Ahriman und Luzifer dienen, und die repräsentiert ist durch das teuflische Element. Ein kosmisches, ein kosmisch-geistiges Bild im höchsten Sinne des Wortes! Der Zusammenhang der Menschheitsentwickelung mit der Sternenschrift tritt uns gleich vor die Augen. Nicht das einfache, primitive Hirten-Hellsehen, das einen «Himmelsschein» findet, das man in den einfachsten Verhältnissen finden kann, sondern jene Entzifferung der Sternenschrift, zu der alle Weisheit der vergangenen Jahrhunderte notwendig ist und aus der man enträtselt, was da kommen soll. Hereinleuchtet in unsere Welt dasjenige, was aus andern Welten kommt. In den Traum- und Schlafzuständen wird dasjenige, was geschehen soll, gelenkt und geleitet, kurz, überall Okkultismus und Magie das ganze Spiel durchdringend.

[ 2 ] Grundverschieden sind die beiden Spiele. Das erste tritt uns entgegen, man darf wirklich sagen: in kindlicher Einfachheit und Einfalt. Doch, wie unendlich mahnend ist es, wie unendlich fühlsam. Aber fassen wir zunächst einmal bloß den Hauptgedanken ins Auge. Diejenige menschliche Wesenheit, die das Gefäß für den Christus vorbereiten soll, tritt in die Welt herein. Ihr Eintritt in die Welt soll vorgeführt werden, vorgeführt werden dasjenige, was der Jesus ist für die Menschen, in deren Daseinskreis er eintritt. Ja, meine lieben Freunde, so ohne weiteres hat diese Idee, diese Vorstellung keineswegs diejenigen Kreise erobert, innerhalb welcher dann mit Inbrunst, mit Hingebung solche Spiele angehört worden sind wie dieses. Derjenige, von dem ich Ihnen öfter gesprochen habe, Karl Julius Schröer, gehörte im 19. Jahrhundert zu den ersten Sammlern von Weihnachtsspielen. Er hat die Weihnachtsspiele gesammelt in Westungarn, die Oberuferer Spiele, von Preßburg ostwärts, und er hat die Art und Weise studieren können, wie diese Spiele dort im Volke lebten und webten. Und das ist sehr, sehr bezeichnend, wenn man so sieht, wie diese Spiele sich von Generation zu Generation handschriftlich vererbten, und wie sich, nicht etwa, wenn Weihnachten nahe war, sondern wenn Weihnachten in der Zeit von fern heranrückte, diejenigen, die im Dorfe hierfür geeignet gefunden wurden, vorbereiteten, um diese Spiele darzustellen. Dann sieht man, wie innig verbunden mit dem Inhalt dieser Spiele das ganze Jahreskreislaufleben derjenigen Leute war, in deren Dorfkreisen solche Spiele aufgeführt wurden. Die Zeit, in der zum Beispiel Schröer in der Mitte des 19. Jahrhunderts diese Spiele dort gesammelt hat, war schon die Zeit, in der sie anfingen in der Art auszusterben, wie sie gepflogen worden sind bis dahin. Schon viele Wochen bevor Weihnachten heranrückte, mußten im Dorfe diejenigen Buben und Mädchen zusammengesucht werden, welche geeignet waren, solche Spiele darzustellen. Und sie mußten sich vorbereiten. Die Vorbereitung bestand aber nicht etwa bloß im Auswendiglernen und im Einüben desjenigen, was das Spiel enthält, um es darzustellen, sondern die Vorbereitung bestand darin, daß diese Buben und Mädel die ganze Lebensweise, die äußere Lebensweise änderten. Von der Zeit an, wo sie sich vorbereiteten, durften sie nicht mehr Wein trinken, nicht mehr Alkohol zu sich nehmen. Sie durften nicht mehr, wie es sonst auf dem Dorfe üblich ist, am Sonntag raufen. Sie mußten sich ganz sittsam betragen, sie mußten sanft und mild werden, durften sich nicht mehr blutigschlagen und durften mancherlei anderes nicht, was sonst in Dörfern, besonders in jenen Zeiten, ganz gang und gäbe war. Da bereiteten sie sich durch die innere Stimmung der Seele auch moralisch vor. Und dann war es wirklich, wie wenn sie etwas Heiliges herumtrügen im Dorfe, wenn sie ihre Spiele aufführten.

[ 2 ] Grundverschieden sind die beiden Spiele. Das erste tritt uns entgegen, man darf wirklich sagen: in kindlicher Einfachheit und Einfalt. Doch, wie unendlich mahnend ist es, wie unendlich fühlsam. Aber fassen wir zunächst einmal bloß den Hauptgedanken ins Auge. Diejenige menschliche Wesenheit, die das Gefäß für den Christus vorbereiten soll, tritt in die Welt herein. Ihr Eintritt in die Welt soll vorgeführt werden, vorgeführt werden dasjenige, was der Jesus ist für die Menschen, in deren Daseinskreis er eintritt. Ja, meine lieben Freunde, so ohne weiteres hat diese Idee, diese Vorstellung keineswegs diejenigen Kreise erobert, innerhalb welcher dann mit Inbrunst, mit Hingebung solche Spiele angehört worden sind wie dieses. Derjenige, von dem ich Ihnen öfter gesprochen habe, Karl Julius Schröer, gehörte im 19. Jahrhundert zu den ersten Sammlern von Weihnachtsspielen. Er hat die Weihnachtsspiele gesammelt in Westungarn, die Oberuferer Spiele, von Preßburg ostwärts, und er hat die Art und Weise studieren können, wie diese Spiele dort im Volke lebten und webten. Und das ist sehr, sehr bezeichnend, wenn man so sieht, wie diese Spiele sich von Generation zu Generation handschriftlich vererbten, und wie sich, nicht etwa, wenn Weihnachten nahe war, sondern wenn Weihnachten in der Zeit von fern heranrückte, diejenigen, die im Dorfe hierfür geeignet gefunden wurden, vorbereiteten, um diese Spiele darzustellen. Dann sieht man, wie innig verbunden mit dem Inhalt dieser Spiele das ganze Jahreskreislaufleben derjenigen Leute war, in deren Dorfkreisen solche Spiele aufgeführt wurden. Die Zeit, in der zum Beispiel Schröer in der Mitte des 19. Jahrhunderts diese Spiele dort gesammelt hat, war schon die Zeit, in der sie anfingen in der Art auszusterben, wie sie gepflogen worden sind bis dahin. Schon viele Wochen bevor Weihnachten heranrückte, mußten im Dorfe diejenigen Buben und Mädchen zusammengesucht werden, welche geeignet waren, solche Spiele darzustellen. Und sie mußten sich vorbereiten. Die Vorbereitung bestand aber nicht etwa bloß im Auswendiglernen und im Einüben desjenigen, was das Spiel enthält, um es darzustellen, sondern die Vorbereitung bestand darin, daß diese Buben und Mädel die ganze Lebensweise, die äußere Lebensweise änderten. Von der Zeit an, wo sie sich vorbereiteten, durften sie nicht mehr Wein trinken, nicht mehr Alkohol zu sich nehmen. Sie durften nicht mehr, wie es sonst auf dem Dorfe üblich ist, am Sonntag raufen. Sie mußten sich ganz sittsam betragen, sie mußten sanft und mild werden, durften sich nicht mehr blutigschlagen und durften mancherlei anderes nicht, was sonst in Dörfern, besonders in jenen Zeiten, ganz gang und gäbe war. Da bereiteten sie sich durch die innere Stimmung der Seele auch moralisch vor. Und dann war es wirklich, wie wenn sie etwas Heiliges herumtrügen im Dorfe, wenn sie ihre Spiele aufführten.

[ 3 ] Aber nur langsam und allmählich kam das so. Gewiß, in vielen Dörfern Mitteleuropas war im 19. Jahrhundert solche Stimmung, war die Stimmung, daß man zu Weihnachten mit diesen Spielen etwas Heiliges entgegennahm. Aber man kann nur noch vielleicht ins 18. Jahrhundert zurückgehen und noch ein bißchen weiter, und diese Stimmung wird immer unheiliger — unheiliger. Diese Stimmung war nicht etwa von Anfang an da, da diese Spiele in das Dorf kamen, durchaus nicht von Anfang an da, sondern sie stellte sich erst im Laufe der Zeit heraus und ein. Es gab schon Zeiten, man braucht nicht einmal gar so weit zurückzugehen, da konnte man noch anderes finden. Da konnte man finden, wie sich das Dorf, da oder dort in Mitteleuropa, versammelte, und wie hereingebracht wurde eine Wiege, in der das Kind lag, in der ein Kindchen lag, keine Krippe, eine Wiege, in der das Kind lag, und dazu allerdings das schönste Mädchen des Dorfes — schön mußte Maria sein! —, aber ein häßlicher Joseph, ein urhäßlich aussehender Joseph! Dann wurde eine ähnliche Szene aufgeführt, wie Sie sie heute auch haben sehen können. Aber vor allen Dingen: da verkündet wurde, daß der Christus kommt, kam die ganze Gemeinde vor, und ein jeder trat auf die Wiege. Vor allen Dingen wollte ein jeder auf die Wiege etwas getreten und das Christkind auch geschaukelt haben, darum handelte es sich allen, und sie machten einen ungeheuren Krakeel, der ausdrücken sollte, daß der Christ in die Welt gekommen ist. Und in manche solche älteren Spiele ist eine fürchterliche Verspottung des Joseph eingestreut, der immer als ein tättelicher Greis in diesen Zeiten dargestellt worden ist, den man auslachte.

[ 3 ] Aber nur langsam und allmählich kam das so. Gewiß, in vielen Dörfern Mitteleuropas war im 19. Jahrhundert solche Stimmung, war die Stimmung, daß man zu Weihnachten mit diesen Spielen etwas Heiliges entgegennahm. Aber man kann nur noch vielleicht ins 18. Jahrhundert zurückgehen und noch ein bißchen weiter, und diese Stimmung wird immer unheiliger — unheiliger. Diese Stimmung war nicht etwa von Anfang an da, da diese Spiele in das Dorf kamen, durchaus nicht von Anfang an da, sondern sie stellte sich erst im Laufe der Zeit heraus und ein. Es gab schon Zeiten, man braucht nicht einmal gar so weit zurückzugehen, da konnte man noch anderes finden. Da konnte man finden, wie sich das Dorf, da oder dort in Mitteleuropa, versammelte, und wie hereingebracht wurde eine Wiege, in der das Kind lag, in der ein Kindchen lag, keine Krippe, eine Wiege, in der das Kind lag, und dazu allerdings das schönste Mädchen des Dorfes — schön mußte Maria sein! —, aber ein häßlicher Joseph, ein urhäßlich aussehender Joseph! Dann wurde eine ähnliche Szene aufgeführt, wie Sie sie heute auch haben sehen können. Aber vor allen Dingen: da verkündet wurde, daß der Christus kommt, kam die ganze Gemeinde vor, und ein jeder trat auf die Wiege. Vor allen Dingen wollte ein jeder auf die Wiege etwas getreten und das Christkind auch geschaukelt haben, darum handelte es sich allen, und sie machten einen ungeheuren Krakeel, der ausdrücken sollte, daß der Christ in die Welt gekommen ist. Und in manche solche älteren Spiele ist eine fürchterliche Verspottung des Joseph eingestreut, der immer als ein tättelicher Greis in diesen Zeiten dargestellt worden ist, den man auslachte.

[ 4 ] Wie sind denn diese Spiele, die solcher Art waren, eigentlich in das Volk gekommen? Nun, wir müssen uns natürlich erinnern, daß die erste Form der größten, gewaltigen Erdenidee, des Erscheinens des Christus Jesus auf der Erde, die Idee des durch den Tod gegangenen Heilands war, desjenigen, der durch den Tod das für die Erde gewonnen hat, was wir den Sinn der Erde nennen. DasLeiden des Christus war es zunächst, das im ersten Christentum in die Welt gekommen ist. Und dem leidenden Christus wurden ja die Opfer dargebracht in den verschiedenen Handlungen, die im Kreislauf des Jahres sich vollzogen. Aber nur ganz langsam und allmählich eroberte sich das Kind die Welt. Der sterbende Heiland eroberte sich zuerst die Welt, langsam und allmählich erst das Kind. Wir dürfen nicht vergessen, daß die Liturgie lateinisch war, daß die Leute nichts verstanden. Vom Meßopfer, das Weihnachten festgesetzt war, fing man allmählich an, den Leuten — außer dem Meßopfer, das zu Weihnachten dreimal gehalten wird — noch etwas anderes zu zeigen. Vielleicht doch nicht so ganz mit Unrecht — wenn auch nicht auf ihn selbst, so auf Anhänger von ihm —, wird die Idee, in der Weihnachtsnacht das Jesus-Geheimnis den Gläubigen zu zeigen, auf Franz von Assisi zurückgeführt, der aus einer gewissen Opposition gegen die alten Kirchenformen und den alten Kirchengeist überhaupt seine ganze Lehre und sein ganzes Wesen gehalten hat. Und da sehen wir allmählich, langsam, wie der gläubigen Gemeinde zu Weihnachten etwas geboten werden sollte, was mit dem großen Mysterium der Menschheit, mit dem Herabkommen des Christus Jesus auf die Erde zusammenhing. Zuerst stellte man eine Krippe auf und machte bloß Figuren. Nicht durch Menschen stellte man es dar, sondern man machte Figuren: das Kindlein und Joseph und Maria — aber plastisch. Allmählich ersetzte man das durch Priester, die sich verkleideten, und die das in der einfachsten Weise darstellten. Und erst vom 13., 14. Jahrhundert ab begann innerhalb der Gemeinden äußerlich diejenige Stimmung, die man etwa dadurch bezeichnen könnte, daß die Leute sich sagten: Wir wollen auch etwas verstehen von dem, was wir da sehen, wir wollen in die Sache eindringen. Und da fingen die Leute an, zuerst einzelne Teile mitspielen zu dürfen in dem, was zuerst nur von der Geistlichkeit gespielt war. Nun muß man natürlich das Leben in der Mitte des Mittelalters kennen, um zu begreifen, wie dasjenige, was mit dem Heiligsten zusammenhing, zugleich in einer solchen Weise genommen wird, wie ich es angedeutet habe. Das war damals durchaus möglich aus einem Entgegenkommen der Stimmung, daß die Gemeinde des Dorfes, die ganze Gemeinde, sagen konnte: Ich habe auch mit dem Fuß an der Wiege, wo der Christus geboren worden ist, ein wenig geschaukelt! — aus dem Entgegenkommen dieser Stimmung. Es ließe sich in diesem und in vielem andern ausdrücken, in dem Singen dabei, das sich zum Teil bis zum Jodeln steigerte, in alldem, das sich begeben hatte. Aber dasjenige, was in der Sache lebte, hatte in sich selber die Stärke, man möchte fast sagen, aus einem Profanen, aus einem Profanieren des Weihnachtsgedankens, zum Heiligsten selber sich umzubilden. Und die Idee des in der Welt erscheinenden Kindes eroberte sich das Allerheiligste in den Herzen der einfachsten Menschen.

[ 4 ] Wie sind denn diese Spiele, die solcher Art waren, eigentlich in das Volk gekommen? Nun, wir müssen uns natürlich erinnern, daß die erste Form der größten, gewaltigen Erdenidee, des Erscheinens des Christus Jesus auf der Erde, die Idee des durch den Tod gegangenen Heilands war, desjenigen, der durch den Tod das für die Erde gewonnen hat, was wir den Sinn der Erde nennen. DasLeiden des Christus war es zunächst, das im ersten Christentum in die Welt gekommen ist. Und dem leidenden Christus wurden ja die Opfer dargebracht in den verschiedenen Handlungen, die im Kreislauf des Jahres sich vollzogen. Aber nur ganz langsam und allmählich eroberte sich das Kind die Welt. Der sterbende Heiland eroberte sich zuerst die Welt, langsam und allmählich erst das Kind. Wir dürfen nicht vergessen, daß die Liturgie lateinisch war, daß die Leute nichts verstanden. Vom Meßopfer, das Weihnachten festgesetzt war, fing man allmählich an, den Leuten — außer dem Meßopfer, das zu Weihnachten dreimal gehalten wird — noch etwas anderes zu zeigen. Vielleicht doch nicht so ganz mit Unrecht — wenn auch nicht auf ihn selbst, so auf Anhänger von ihm —, wird die Idee, in der Weihnachtsnacht das Jesus-Geheimnis den Gläubigen zu zeigen, auf Franz von Assisi zurückgeführt, der aus einer gewissen Opposition gegen die alten Kirchenformen und den alten Kirchengeist überhaupt seine ganze Lehre und sein ganzes Wesen gehalten hat. Und da sehen wir allmählich, langsam, wie der gläubigen Gemeinde zu Weihnachten etwas geboten werden sollte, was mit dem großen Mysterium der Menschheit, mit dem Herabkommen des Christus Jesus auf die Erde zusammenhing. Zuerst stellte man eine Krippe auf und machte bloß Figuren. Nicht durch Menschen stellte man es dar, sondern man machte Figuren: das Kindlein und Joseph und Maria — aber plastisch. Allmählich ersetzte man das durch Priester, die sich verkleideten, und die das in der einfachsten Weise darstellten. Und erst vom 13., 14. Jahrhundert ab begann innerhalb der Gemeinden äußerlich diejenige Stimmung, die man etwa dadurch bezeichnen könnte, daß die Leute sich sagten: Wir wollen auch etwas verstehen von dem, was wir da sehen, wir wollen in die Sache eindringen. Und da fingen die Leute an, zuerst einzelne Teile mitspielen zu dürfen in dem, was zuerst nur von der Geistlichkeit gespielt war. Nun muß man natürlich das Leben in der Mitte des Mittelalters kennen, um zu begreifen, wie dasjenige, was mit dem Heiligsten zusammenhing, zugleich in einer solchen Weise genommen wird, wie ich es angedeutet habe. Das war damals durchaus möglich aus einem Entgegenkommen der Stimmung, daß die Gemeinde des Dorfes, die ganze Gemeinde, sagen konnte: Ich habe auch mit dem Fuß an der Wiege, wo der Christus geboren worden ist, ein wenig geschaukelt! — aus dem Entgegenkommen dieser Stimmung. Es ließe sich in diesem und in vielem andern ausdrücken, in dem Singen dabei, das sich zum Teil bis zum Jodeln steigerte, in alldem, das sich begeben hatte. Aber dasjenige, was in der Sache lebte, hatte in sich selber die Stärke, man möchte fast sagen, aus einem Profanen, aus einem Profanieren des Weihnachtsgedankens, zum Heiligsten selber sich umzubilden. Und die Idee des in der Welt erscheinenden Kindes eroberte sich das Allerheiligste in den Herzen der einfachsten Menschen.

[ 5 ] Das ist das Wunderbare gerade bei diesen Spielen, von deren Art das erste eines war, daß sie nicht einfach so da waren, wie sie jetzt uns erscheinen, sondern so geworden sind: Frommheit in der Stimmung erst entfaltend aus Unfrommheit heraus, durch die Gewalt desjenigen, was sie darstellen! Das Kind mußte erst die Herzen erobern, mußte erst Einlaß finden in die Herzen. Durch dieses, was in ihm selber heilig war, heiligte es die Herzen, die ihm zuerst in Grobheit und in Ungezähmtheit begegneten. Das ist das Wunderbare in der Entwickelungsgeschichte dieser Spiele, wie überhaupt Stück für Stück das ChristGeheimnis die Herzen und die Seelen noch sich erobern hat müssen Stück für Stück. Und einiges von diesem Stück für Stück Eroberten wollen wir uns dann noch morgen vor die Seele führen. Heute möchte ich nur noch sagen: Nicht umsonst bemerkte ich, wie mahnend auch das Einfachste in dem ersten Spiel dasteht — mahnend.

[ 5 ] Das ist das Wunderbare gerade bei diesen Spielen, von deren Art das erste eines war, daß sie nicht einfach so da waren, wie sie jetzt uns erscheinen, sondern so geworden sind: Frommheit in der Stimmung erst entfaltend aus Unfrommheit heraus, durch die Gewalt desjenigen, was sie darstellen! Das Kind mußte erst die Herzen erobern, mußte erst Einlaß finden in die Herzen. Durch dieses, was in ihm selber heilig war, heiligte es die Herzen, die ihm zuerst in Grobheit und in Ungezähmtheit begegneten. Das ist das Wunderbare in der Entwickelungsgeschichte dieser Spiele, wie überhaupt Stück für Stück das ChristGeheimnis die Herzen und die Seelen noch sich erobern hat müssen Stück für Stück. Und einiges von diesem Stück für Stück Eroberten wollen wir uns dann noch morgen vor die Seele führen. Heute möchte ich nur noch sagen: Nicht umsonst bemerkte ich, wie mahnend auch das Einfachste in dem ersten Spiel dasteht — mahnend.

[ 6 ] Wie gesagt, langsam und allmählich trat dasjenige, was mit dem Christus-Geheimnis in die Welt gekommen ist, in die Herzen und in die Seelen der Menschen ein. Und es ist eigentlich so: Je weiter man in der Überlieferung der verschiedenen Christ-Geheimnisse zurückgeht, desto mehr sieht man, daß die Ausdrucksform eine gehobene ist, eine geistig gehobene. Ich möchte sagen, in ein «im Kosmischen Aussprechen» kommt man hinein, je weiter man zurückkommt. Wir haben schon einiges davon in unsere Betrachtungen einfließen lassen, und auch im vorigen Weihnachtsvortrage hier habe ich gezeigt, wie die gnostischen Ideen verwendet worden sind, um das tiefe Christus-Geheimnis zu verstehen. Aber selbst wenn wir noch in den späteren Zeiten des Mittelalters dies oder jenes verfolgen, so finden wir, wie noch in der Mitte des Mittelalters gerade in den damaligen Weihnachtsdichtungen etwas von dem vorhanden ist, was später weggeblieben ist: eine Betonung des urchristlichen Gedankens, daß der Christus hinuntersteigt aus Weltenweiten, aus Geisteshöhen. Wir finden es im 11., 12. Jahrhunderte, wenn wir zum Beispiel ein solches Weihnachtslied vor unsere Seele führen:

[ 6 ] Wie gesagt, langsam und allmählich trat dasjenige, was mit dem Christus-Geheimnis in die Welt gekommen ist, in die Herzen und in die Seelen der Menschen ein. Und es ist eigentlich so: Je weiter man in der Überlieferung der verschiedenen Christ-Geheimnisse zurückgeht, desto mehr sieht man, daß die Ausdrucksform eine gehobene ist, eine geistig gehobene. Ich möchte sagen, in ein «im Kosmischen Aussprechen» kommt man hinein, je weiter man zurückkommt. Wir haben schon einiges davon in unsere Betrachtungen einfließen lassen, und auch im vorigen Weihnachtsvortrage hier habe ich gezeigt, wie die gnostischen Ideen verwendet worden sind, um das tiefe Christus-Geheimnis zu verstehen. Aber selbst wenn wir noch in den späteren Zeiten des Mittelalters dies oder jenes verfolgen, so finden wir, wie noch in der Mitte des Mittelalters gerade in den damaligen Weihnachtsdichtungen etwas von dem vorhanden ist, was später weggeblieben ist: eine Betonung des urchristlichen Gedankens, daß der Christus hinuntersteigt aus Weltenweiten, aus Geisteshöhen. Wir finden es im 11., 12. Jahrhunderte, wenn wir zum Beispiel ein solches Weihnachtslied vor unsere Seele führen:

Des menschgewordnen Gottessohnes Ehre
Verkünden fröhlich jauchzend Himmelsheere,
Und laut erschallet aus des Hirten Mund
Die frohe Kunde.

«Preis in der Höhe! und den Menschen Friede!»
So tönet es in feierlichem Liede;
Mit Staunen wird von Menschen heut’ gesehen,
Was nie geschehen.

Der Himmel hell erglänzt im neuen Sterne;
Von ihm geleitet, kommen aus der Ferne
Die Weisen, und begrüßen mit Entzücken,
Den sie erblicken.

Mit ihm ist neu die Wahrheit nun geboren.
Ersetzt ist, was durch Sünde war verloren;
Es blühen herrlicher im Gnadenlichte
Des Segens Früchte.

Der Vorzeit Ahndung hat sich nun erschlossen,
Seitdem der Erde diese Frucht entsprossen,
Die Leben und Erquickung uns gewähret,
Und ewig nähret.

Gekommen ist, in unser Fleisch gekleidet,
Der gute Hirt, der alle Völker weidet;
Gewohnt hat er, wie wir, in Pilgerhütten,
Für uns gelitten.

Heil nun der Erde, die sein Licht erblicker!
Durch ihn für Zeit und Ewigkeit beglücker,
Weih’ jeder ihm, dem Retter, Dank und Liebe
Mit reinem Triebe.

Hilf, Christus, selbst uns dein Gesetz vollbringen,
Laß gute Taten uns durch dich gelingen,
Daß einst bei dir des ew’gen Lebens Krone
Auch uns belohne!

Des menschgewordnen Gottessohnes Ehre
Verkünden fröhlich jauchzend Himmelsheere,
Und laut erschallet aus des Hirten Mund
Die frohe Kunde.

«Preis in der Höhe! und den Menschen Friede!»
So tönet es in feierlichem Liede;
Mit Staunen wird von Menschen heut’ gesehen,
Was nie geschehen.

Der Himmel hell erglänzt im neuen Sterne;
Von ihm geleitet, kommen aus der Ferne
Die Weisen, und begrüßen mit Entzücken,
Den sie erblicken.

Mit ihm ist neu die Wahrheit nun geboren.
Ersetzt ist, was durch Sünde war verloren;
Es blühen herrlicher im Gnadenlichte
Des Segens Früchte.

Der Vorzeit Ahndung hat sich nun erschlossen,
Seitdem der Erde diese Frucht entsprossen,
Die Leben und Erquickung uns gewähret,
Und ewig nähret.

Gekommen ist, in unser Fleisch gekleidet,
Der gute Hirt, der alle Völker weidet;
Gewohnt hat er, wie wir, in Pilgerhütten,
Für uns gelitten.

Heil nun der Erde, die sein Licht erblicker!
Durch ihn für Zeit und Ewigkeit beglücker,
Weih’ jeder ihm, dem Retter, Dank und Liebe
Mit reinem Triebe.

Hilf, Christus, selbst uns dein Gesetz vollbringen,
Laß gute Taten uns durch dich gelingen,
Daß einst bei dir des ew’gen Lebens Krone
Auch uns belohne!

[ 7 ] So war der Ton, der herunterklang von denjenigen, die noch etwas verstanden hatten von der ganzen kosmischen Bedeutung des ChristGeheimnisses.

[ 7 ] So war der Ton, der herunterklang von denjenigen, die noch etwas verstanden hatten von der ganzen kosmischen Bedeutung des ChristGeheimnisses.

[ 8 ] Oder ein anderes Weihnachtsgedicht auf das Weihnachtsfest gab es aus der Mitte des Mittelalters, etwas später als die Karolingerzeit:

[ 8 ] Oder ein anderes Weihnachtsgedicht auf das Weihnachtsfest gab es aus der Mitte des Mittelalters, etwas später als die Karolingerzeit:

Der Gottessohn, von Ewigkeit erzeugt, der unsichtbar und ohne Ende,
Durch den des Himmels und der Erde Bau, und alles, was da wohnt, erschaffen,
Durch den der Tage und der Stunden Lauf vorübergeht und wiederkehrt;
Den stets die Engel in der Himmelsburg in vollharmonischem Gesange preisen,
Hat sich, von aller Erbschuld frei, mit schwachem Leib bekleidet,
Den aus Maria Er, der Jungfrau, nahm, die Schuld des ersten Vaters Adam,
Sowie die Lüsternheit der Mutter Eva zu vernichten.
Der heutige glorreiche Tag erhab’nen Glanzes zeugt, daß nun der Sohn,
Die wahre Sonne, durch des Lichtes Strahl die alte Finsternis der Welt zerstreute.
Nun wird die Nacht erhellt vom Lichte jenes neuen Sternes,
Der einst den himmelskund’gen Blick der Magier in Staunen setzte,
Und sieh’, den Hirten leuchtet jener Schein, die da geblendet wurden
Vom hehren Glanz der himmlischen Bewohner.
O Gottesmutter, freue dich, die du bei der Geburt von einer Engelschar,
Die Gottes Lob besingt, bedienet wirst.
O Christus, du des Vaters einz’ger Sohn, der unsertwegen die Natur
Des Menschen angenommen, so erquicke du die deinen, die hier flehen.
O Jesus, höre mild die Bitten jener, derer du Dich anzunehmen dich gewürdigt hast,
Um sie, O Gottessohn, teilhaft zu machen deiner Gottheit.

Der Gottessohn, von Ewigkeit erzeugt, der unsichtbar und ohne Ende,
Durch den des Himmels und der Erde Bau, und alles, was da wohnt, erschaffen,
Durch den der Tage und der Stunden Lauf vorübergeht und wiederkehrt;
Den stets die Engel in der Himmelsburg in vollharmonischem Gesange preisen,
Hat sich, von aller Erbschuld frei, mit schwachem Leib bekleidet,
Den aus Maria Er, der Jungfrau, nahm, die Schuld des ersten Vaters Adam,
Sowie die Lüsternheit der Mutter Eva zu vernichten.
Der heutige glorreiche Tag erhab’nen Glanzes zeugt, daß nun der Sohn,
Die wahre Sonne, durch des Lichtes Strahl die alte Finsternis der Welt zerstreute.
Nun wird die Nacht erhellt vom Lichte jenes neuen Sternes,
Der einst den himmelskund’gen Blick der Magier in Staunen setzte,
Und sieh’, den Hirten leuchtet jener Schein, die da geblendet wurden
Vom hehren Glanz der himmlischen Bewohner.
O Gottesmutter, freue dich, die du bei der Geburt von einer Engelschar,
Die Gottes Lob besingt, bedienet wirst.
O Christus, du des Vaters einz’ger Sohn, der unsertwegen die Natur
Des Menschen angenommen, so erquicke du die deinen, die hier flehen.
O Jesus, höre mild die Bitten jener, derer du Dich anzunehmen dich gewürdigt hast,
Um sie, O Gottessohn, teilhaft zu machen deiner Gottheit.

[ 9 ] Das ist der Ton, der, ich möchte sagen, von den Höhen der mehr theologisch gefärbten Gelehrsamkeit hinuntertönt ins Volk.

[ 9 ] Das ist der Ton, der, ich möchte sagen, von den Höhen der mehr theologisch gefärbten Gelehrsamkeit hinuntertönt ins Volk.

[ 10 ] Nun hören wir auch ein wenig den Ton, der zur Weihnacht aus dem Volk selbst erklang, wenn eine Seele sich fand, die des Volkes Empfin den wiedergab:

[ 10 ] Nun hören wir auch ein wenig den Ton, der zur Weihnacht aus dem Volk selbst erklang, wenn eine Seele sich fand, die des Volkes Empfin den wiedergab:

Er ist gewaltic unde starc,
der ze winnaht geborn wart:
Daz ist der heilige Knist.
jâ lobt in allez daz dir ist
Niewan der tiefel eine
dur sînen grôzen ubermuot
Sô wart ime diu helle ze teile.

In der helle ist michel unrät
swer dâ heimuote hât,
Din sunne schîner nie sö licht,
der mâne hilfet in niht,
Noh der liiechte sterne,
jâ müet in allez daz er siht,
jâ waer er dâ ze himel alsô gerne.

In himelrich ein hûs stât,
ein guldin wec dar în gât,
ie siule die sint mermelîn,
die zieret unser trehtîn
Mit edelem gesteine:
dâ enkumt nieman în,
er ensî vor allen sünden alsô reine.

Swer gerne zuo der kilchen gât
und âne nît dâ stât,
Der mac wol vrôlîchen leben,
den wirt ze jungest gegeben
Der Engel gemeine,
wol im daz er ie wart:
ze himel ist daz Leben alsô reine.

Ich hân gedienet lange
leider einem Manne
Der in der helle umbe gât
der brüevet mîne missetät,
Sin lôn der ist boese.
Hilf mich heiliger geist,
daz ich mich von sîner vancnisse loese.

Er ist gewaltic unde starc,
der ze winnaht geborn wart:
Daz ist der heilige Knist.
jâ lobt in allez daz dir ist
Niewan der tiefel eine
dur sînen grôzen ubermuot
Sô wart ime diu helle ze teile.

In der helle ist michel unrät
swer dâ heimuote hât,
Din sunne schîner nie sö licht,
der mâne hilfet in niht,
Noh der liiechte sterne,
jâ müet in allez daz er siht,
jâ waer er dâ ze himel alsô gerne.

In himelrich ein hûs stât,
ein guldin wec dar în gât,
ie siule die sint mermelîn,
die zieret unser trehtîn
Mit edelem gesteine:
dâ enkumt nieman în,
er ensî vor allen sünden alsô reine.

Swer gerne zuo der kilchen gât
und âne nît dâ stât,
Der mac wol vrôlîchen leben,
den wirt ze jungest gegeben
Der Engel gemeine,
wol im daz er ie wart:
ze himel ist daz Leben alsô reine.

Ich hân gedienet lange
leider einem Manne
Der in der helle umbe gât
der brüevet mîne missetät,
Sin lôn der ist boese.
Hilf mich heiliger geist,
daz ich mich von sîner vancnisse loese.

[ 11 ] Das ist das Gebet, das der einfache Mensch sagte und verstand. Wir haben den Herabklang gelesen, haben jetzt den Hinaufklang.

[ 11 ] Das ist das Gebet, das der einfache Mensch sagte und verstand. Wir haben den Herabklang gelesen, haben jetzt den Hinaufklang.

[ 12 ] Ich will versuchen, dieses Weihnachtslied aus dem 12. Jahrhundert etwas wiederzugeben, damit wir sehen, wie auch der einfache Mensch die ganze Größe des Christus faßte und in Zusammenhang mit dem ganzen kosmischen Leben brachte:

[ 12 ] Ich will versuchen, dieses Weihnachtslied aus dem 12. Jahrhundert etwas wiederzugeben, damit wir sehen, wie auch der einfache Mensch die ganze Größe des Christus faßte und in Zusammenhang mit dem ganzen kosmischen Leben brachte:

[ 13 ] Er ist gewaltig und stark, der zu Weihnacht geboren ward. Das ist der Heilige Christ. Es lobt ihn alles, was da ist, nur nicht ganz allein der Teufel, der durch seinen großen Übermut so war, daß ihm die Hölle zuteil ward. In der Hölle ist michel Unrat — michel ist das alte Wort für groß, mächtig —, in der Hölle ist großer Unrat. Wer da seine Heimat hat, wer also in der Hölle zu Hause ist, der muß wahrnehmen: die Sonne scheint da niemals nicht, der Mond hilft, hellet niemandem, noch die lichten Sterne. Da muß jeder, der etwas sieht, sich sagen, wie schön es wäre, wenn er in den Himmel gehen könnte. Er wäre ganz gern in dem Himmel. Im Himmelreich steht ein Haus. Ein goldner Weg dazu geht. Die Säulen sind Mermel, also von Marmor, geziert mit Edelgestein. Da aber kommt niemand hinein, als der von Sünden ganz rein ist. Wer zu der Kirche geht und da ohne Neid steht, der mag wohl höheres Leben haben, denn es wird immer junges gegeben, das heißt, wenn er zuletzt sein Leben geendet hat. Erinnern Sie sich, ich habe hier einmal das Wort «jüngern» vom Ätherleib eingeführt. Hier haben Sie das in der Volkssprache sogar! Also wenn er «jung» ist gegeben der Engelgemeinde, daß wohl er darauf warten kann, denn im Himmel ist das Leben rein. — Und nun sagt der, der also dieses Weihnachtslied betet: Ich habe gefangen gedient leider einem Mann, der in der Hölle umgeht, der entwickelt hat meine gewisse Tat. Hilf mir, heiliger Christ, daß ich von seinem Gefangse gelöst werde, das heißt: aus dem Gefängnis des Bösen gelöst werde. Also das ist in der Sprache des Volkes:

[ 13 ] Er ist gewaltig und stark, der zu Weihnacht geboren ward. Das ist der Heilige Christ. Es lobt ihn alles, was da ist, nur nicht ganz allein der Teufel, der durch seinen großen Übermut so war, daß ihm die Hölle zuteil ward. In der Hölle ist michel Unrat — michel ist das alte Wort für groß, mächtig —, in der Hölle ist großer Unrat. Wer da seine Heimat hat, wer also in der Hölle zu Hause ist, der muß wahrnehmen: die Sonne scheint da niemals nicht, der Mond hilft, hellet niemandem, noch die lichten Sterne. Da muß jeder, der etwas sieht, sich sagen, wie schön es wäre, wenn er in den Himmel gehen könnte. Er wäre ganz gern in dem Himmel. Im Himmelreich steht ein Haus. Ein goldner Weg dazu geht. Die Säulen sind Mermel, also von Marmor, geziert mit Edelgestein. Da aber kommt niemand hinein, als der von Sünden ganz rein ist. Wer zu der Kirche geht und da ohne Neid steht, der mag wohl höheres Leben haben, denn es wird immer junges gegeben, das heißt, wenn er zuletzt sein Leben geendet hat. Erinnern Sie sich, ich habe hier einmal das Wort «jüngern» vom Ätherleib eingeführt. Hier haben Sie das in der Volkssprache sogar! Also wenn er «jung» ist gegeben der Engelgemeinde, daß wohl er darauf warten kann, denn im Himmel ist das Leben rein. — Und nun sagt der, der also dieses Weihnachtslied betet: Ich habe gefangen gedient leider einem Mann, der in der Hölle umgeht, der entwickelt hat meine gewisse Tat. Hilf mir, heiliger Christ, daß ich von seinem Gefangse gelöst werde, das heißt: aus dem Gefängnis des Bösen gelöst werde. Also das ist in der Sprache des Volkes:

Er ist gewaltig und stark,
Der zur Winacht geboren ward...

Er ist gewaltig und stark,
Der zur Winacht geboren ward...