The Spiritual Unification of Humanity
through the Christ Impulse
GA 165
1 January 1916, Dornach
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Die geistige Vereinigung der Menschheit durch den Christus-Impuls
Neujahrsbetrachtungen II
Neujahrsbetrachtungen II
[ 1 ] Konnte es gestern zu Silvester gut sein, sich in mancherlei Geheimnisse des Daseins zu vertiefen in solchen Dingen, die mit großen übersinnlichen Geheimnissen zusammenhängen, wie das alljährliche Übergehen des einen Jahres in das andere, und das große Weltensilvester und Weltenneujahr, konnte es, wie gesagt, gestern gut sein, sich in diese, zu den Tiefen unserer Seele sprechenden, von der äußeren Welt weit abliegenden Geheimnisse zu vertiefen, so müßte es vielleicht, gerade im Beginne eines Jahres, von besonderer Bedeutung sein, wenigstens einiges von unseren großen, bedeutsamen Pflichten vor die Seele ziehen zu lassen. Diese Pflichten hängen allerdings mit dem zusammen, was uns über den Entwickelungsgang der Menschheit durch die Geisteswissenschaft bekanntwerden kann. Sie hängen zusammen mit den Erkenntnissen über den Weg, den die Menschheit machen muß, indem sie ihrer Zukunft entgegenschreitet. Man kann die Pflichten, von denen da die Rede ist, nicht erkennen, wenn man nicht versucht, einen offenen Blick in seine Zeit auf den verschiedensten Gebieten zu werfen. Wir haben das auch im Laufe unserer Betrachtungen immer wieder getan. Allein einiges von dem, was uns da geläufig sein könnte, uns schon heute vor die Seele zu rufen, ziemt sich vielleicht beim Eintritt in ein neues Jahr.
[ 1 ] Konnte es gestern zu Silvester gut sein, sich in mancherlei Geheimnisse des Daseins zu vertiefen in solchen Dingen, die mit großen übersinnlichen Geheimnissen zusammenhängen, wie das alljährliche Übergehen des einen Jahres in das andere, und das große Weltensilvester und Weltenneujahr, konnte es, wie gesagt, gestern gut sein, sich in diese, zu den Tiefen unserer Seele sprechenden, von der äußeren Welt weit abliegenden Geheimnisse zu vertiefen, so müßte es vielleicht, gerade im Beginne eines Jahres, von besonderer Bedeutung sein, wenigstens einiges von unseren großen, bedeutsamen Pflichten vor die Seele ziehen zu lassen. Diese Pflichten hängen allerdings mit dem zusammen, was uns über den Entwickelungsgang der Menschheit durch die Geisteswissenschaft bekanntwerden kann. Sie hängen zusammen mit den Erkenntnissen über den Weg, den die Menschheit machen muß, indem sie ihrer Zukunft entgegenschreitet. Man kann die Pflichten, von denen da die Rede ist, nicht erkennen, wenn man nicht versucht, einen offenen Blick in seine Zeit auf den verschiedensten Gebieten zu werfen. Wir haben das auch im Laufe unserer Betrachtungen immer wieder getan. Allein einiges von dem, was uns da geläufig sein könnte, uns schon heute vor die Seele zu rufen, ziemt sich vielleicht beim Eintritt in ein neues Jahr.
[ 2 ] Gewiß, meine lieben Freunde, alles dasjenige, was uns angesichts der materialistischen Zeitlage mit allen ihren Folgen vor die Seele tritt, so daß wir wissen: Geisteswissenschaft muß die Unterlagen liefern, um in einer höheren Weise einzutreten für den richtigen Fortschritt der Menschheit, gewiß, alles dasjenige, was da uns erscheint als zu tun notwendig, es ist so ungeheuer, es ist so einschneidend, es ist so bedeutsam, es wäre, trivial gesprochen, in der Gegenwart so viel zu tun, daß nicht daran gedacht werden kann, daß wir mit unseren schwachen Kräften in die Lage kommen könnten, viel von dem zu tun, was getan werden muß. Allein eines ist wichtig: daß wir mit dem zu 'Tuenden unsere Interessen verbinden, daß wir immer mehr Interesse bekommen für dasjenige, was der Menschheit gerade in unserer Zeit not tut. Denn davon muß es ausgehen, daß ein, wenn auch noch so kleiner Kreis Interesse bekommt für dasjenige, was der Menschheit not tut; daß, sei es ein noch so kleiner Kreis, klare Einsicht bekommt in dasjenige, was in der Entwickelung der Zeit nach abwärts führende Kräfte, schädigende Kräfte sind. Gerade am Beginne eines neuen Jahres könnte es gut sein, unseren Interessenkreis ein wenig auf die objektiven, von unseren persönlichen Angelegenheiten ganz absehenden großen Menschheitsinteressen zu lenken.
[ 2 ] Gewiß, meine lieben Freunde, alles dasjenige, was uns angesichts der materialistischen Zeitlage mit allen ihren Folgen vor die Seele tritt, so daß wir wissen: Geisteswissenschaft muß die Unterlagen liefern, um in einer höheren Weise einzutreten für den richtigen Fortschritt der Menschheit, gewiß, alles dasjenige, was da uns erscheint als zu tun notwendig, es ist so ungeheuer, es ist so einschneidend, es ist so bedeutsam, es wäre, trivial gesprochen, in der Gegenwart so viel zu tun, daß nicht daran gedacht werden kann, daß wir mit unseren schwachen Kräften in die Lage kommen könnten, viel von dem zu tun, was getan werden muß. Allein eines ist wichtig: daß wir mit dem zu 'Tuenden unsere Interessen verbinden, daß wir immer mehr Interesse bekommen für dasjenige, was der Menschheit gerade in unserer Zeit not tut. Denn davon muß es ausgehen, daß ein, wenn auch noch so kleiner Kreis Interesse bekommt für dasjenige, was der Menschheit not tut; daß, sei es ein noch so kleiner Kreis, klare Einsicht bekommt in dasjenige, was in der Entwickelung der Zeit nach abwärts führende Kräfte, schädigende Kräfte sind. Gerade am Beginne eines neuen Jahres könnte es gut sein, unseren Interessenkreis ein wenig auf die objektiven, von unseren persönlichen Angelegenheiten ganz absehenden großen Menschheitsinteressen zu lenken.
[ 3 ] Dazu, wie gesagt, bedarf es klarer Einsichten in dasjenige, was sich namentlich auf der abschüssigen Bahn in der Menschheitsentwickelung bewegt. Wir brauchen nur Gedanken, die uns gerade in den letzten Tagen wiederum vor die Seele getreten sind, ins Aktuelle herüber zu versetzen, so werden wir vieles von dem finden, oder wenigstens manches von dem, was gerade in der Gegenwart der Menschheit besonders not tut. Wir haben gesehen, wie geradezu eine weitgehende Weisheit in einem gewissen Entwickelungsmoment der Menschheit verschwunden ist, wie diese gnostische Weisheit versunken ist, und wie jetzt darauf hingearbeitet werden muß, damit, allerdings entsprechend der fortgeschrittenen Zeit, das Wissen über das Geistige wiederum heraufkommt. Wir haben auch im Laufe dieses Herbstes geradezu darauf aufmerksam gemacht, welches die tieferen Gründe dafür sind, daß gerade im 19. Jahrhundert die Welle des Materialismus so hoch gegangen ist, und ich mußte immer wieder betonen, daß die geisteswissenschaftliche Einsicht in dieses Hochgehen der Welle des Materialismus durchaus nicht dazu führt, die großen Fortschritte der äußeren materialistischen Naturwissenschaft zu verkennen oder mißzuverstehen. Die sollen durchaus anerkannt werden, und immer wieder wird es betont, daß diese materialistischen Fortschritte der Naturwissenschaft von uns anerkannt werden müssen. Aber das obliegt uns insbesondere, zu durchschauen, daß im Laufe des 19. Jahrhunderts und bis in unsere Tage herein der große Fortschritt auf dem äußeren materiellen Gebiete verbunden war mit einem Zurückgehen der Denkkraft, des klaren, sicheren Denkens. Das klare, sichere Denken, das ist zurückgegangen insbesondere in der Wissenschaft. Wo Wissenschaft getrieben wird, ist insbesondere das klare, und namentlich das sichere, das inhalterfüllte Denken zurückgegangen. Und da der Autoritätsglaube, trotzdem es die Menschen nicht glauben, in keiner Zeit so stark ist wie in unserer Zeit, so hat sich mitgeteilt jene Trostlosigkeit in bezug auf die Denksicherheit auch den weitesten Kreisen, dem ganzen populären Denken. Wir leben geradezu in dem Zeitalter des verwahrlosten Denkens, und zu gleicher Zeit in dem Zeitalter des blindesten Autoritätsglaubens. Wie steht doch der Mensch heute durchaus unter dem Eindruck: er müsse glauben, er müsse die Autoritäten anerkennen, die von den äußeren Mächten sanktioniert sind. Man will wissen, ob man zu diesem oder jenem berechtigt ist. Man denkt heute zumeist gar nicht darüber nach, daß das eine individuelle Angelegenheit sein könnte, daß man sich damit eventuell beschäftigen könnte! Nein, man geht zu denjenigen, bei denen sich «Recht und Gesetz wie eine ewige Krankheit forterben», und läßt sich Aufschluß geben, ohne daß man den Anspruch darauf macht, über die Dinge, über die man Aufschluß bekommt, irgendwie selber nachzudenken. Denn man hält es so für richtig, die Autorität blindlings anzuerkennen. Man wird krank, man überhebt sich ganz und gar der Mühe, dabei irgendwie auch über die einfachsten Dinge etwas zu wissen. Wozu? Dazu haben wir ja die staatsabgestempelten Mediziner, und die haben sich mit unserem Leib zu beschäftigen. Uns geht dieser unser Leib eigentlich nicht das geringste an! Man will über irgendeine andere Frage entscheiden, man geht zu denen, die es wissen sollen: zu den Theologen, zu den Philosophen, zu dem oder jenem.
[ 3 ] Dazu, wie gesagt, bedarf es klarer Einsichten in dasjenige, was sich namentlich auf der abschüssigen Bahn in der Menschheitsentwickelung bewegt. Wir brauchen nur Gedanken, die uns gerade in den letzten Tagen wiederum vor die Seele getreten sind, ins Aktuelle herüber zu versetzen, so werden wir vieles von dem finden, oder wenigstens manches von dem, was gerade in der Gegenwart der Menschheit besonders not tut. Wir haben gesehen, wie geradezu eine weitgehende Weisheit in einem gewissen Entwickelungsmoment der Menschheit verschwunden ist, wie diese gnostische Weisheit versunken ist, und wie jetzt darauf hingearbeitet werden muß, damit, allerdings entsprechend der fortgeschrittenen Zeit, das Wissen über das Geistige wiederum heraufkommt. Wir haben auch im Laufe dieses Herbstes geradezu darauf aufmerksam gemacht, welches die tieferen Gründe dafür sind, daß gerade im 19. Jahrhundert die Welle des Materialismus so hoch gegangen ist, und ich mußte immer wieder betonen, daß die geisteswissenschaftliche Einsicht in dieses Hochgehen der Welle des Materialismus durchaus nicht dazu führt, die großen Fortschritte der äußeren materialistischen Naturwissenschaft zu verkennen oder mißzuverstehen. Die sollen durchaus anerkannt werden, und immer wieder wird es betont, daß diese materialistischen Fortschritte der Naturwissenschaft von uns anerkannt werden müssen. Aber das obliegt uns insbesondere, zu durchschauen, daß im Laufe des 19. Jahrhunderts und bis in unsere Tage herein der große Fortschritt auf dem äußeren materiellen Gebiete verbunden war mit einem Zurückgehen der Denkkraft, des klaren, sicheren Denkens. Das klare, sichere Denken, das ist zurückgegangen insbesondere in der Wissenschaft. Wo Wissenschaft getrieben wird, ist insbesondere das klare, und namentlich das sichere, das inhalterfüllte Denken zurückgegangen. Und da der Autoritätsglaube, trotzdem es die Menschen nicht glauben, in keiner Zeit so stark ist wie in unserer Zeit, so hat sich mitgeteilt jene Trostlosigkeit in bezug auf die Denksicherheit auch den weitesten Kreisen, dem ganzen populären Denken. Wir leben geradezu in dem Zeitalter des verwahrlosten Denkens, und zu gleicher Zeit in dem Zeitalter des blindesten Autoritätsglaubens. Wie steht doch der Mensch heute durchaus unter dem Eindruck: er müsse glauben, er müsse die Autoritäten anerkennen, die von den äußeren Mächten sanktioniert sind. Man will wissen, ob man zu diesem oder jenem berechtigt ist. Man denkt heute zumeist gar nicht darüber nach, daß das eine individuelle Angelegenheit sein könnte, daß man sich damit eventuell beschäftigen könnte! Nein, man geht zu denjenigen, bei denen sich «Recht und Gesetz wie eine ewige Krankheit forterben», und läßt sich Aufschluß geben, ohne daß man den Anspruch darauf macht, über die Dinge, über die man Aufschluß bekommt, irgendwie selber nachzudenken. Denn man hält es so für richtig, die Autorität blindlings anzuerkennen. Man wird krank, man überhebt sich ganz und gar der Mühe, dabei irgendwie auch über die einfachsten Dinge etwas zu wissen. Wozu? Dazu haben wir ja die staatsabgestempelten Mediziner, und die haben sich mit unserem Leib zu beschäftigen. Uns geht dieser unser Leib eigentlich nicht das geringste an! Man will über irgendeine andere Frage entscheiden, man geht zu denen, die es wissen sollen: zu den Theologen, zu den Philosophen, zu dem oder jenem.
[ 4 ] Wer diesen Gedankengang bei sich selber weiter fortsetzt, wird wirklich bei sich selbst noch Unzähliges finden, das aufgeht in dem allerallerblindesten Autoritätsglauben. Und kann er nichts finden, meine lieben Freunde, dann, nehmen Sie es mir nicht übel, wenn ich ihm gerade dann sage, daß er von diesem Autoritätsglauben eine um so größere Dosis hat, je weniger er bei sich davon findet! Ich möchte zunächst aber zeigen, wie ein unzureichendes, unzulängliches Denken gerade in die feinsten Gebiete des Geisteslebens in aller Welt — ohne Unterschied von Nation, Rasse und Farbe — sich eingeschlichen hat, wie ein gewisses Element von unzulänglichem Denken gerade in den feinsten Gebieten des geistigen Kulturlebens vorhanden ist. Nehmen wir ein Stück Philosophie, wie es sich entwickelt hat. Wer würde nicht heute auf Grundlage eines durch viele, viele Kanäle gehenden Autoritätsglaubens davon überzeugt sein, daß die Menschen eben nicht irgendwie an «das Ding an sich» herankommen können, sondern nur die äußeren Erscheinungen, die Eindrücke auf die Sinne, die Eindrücke auf die Seele von den Dingen empfangen können. «Wirkungen» von den Dingen kann man nur haben, man kann an «das Ding an sich» nicht heran. Das ist etwas, was geradezu Grundtypus geworden ist im Denken des 19. Jahrhunderts. Ich habe die ganze Misere geschildert in dem Kapitel meiner «Rätsel der Philosophie», das ich überschrieben habe «Die Welt als Illusion». Wer dieses Kapitel studiert, wird eine Überschau über diese ganze Misere finden können. Wirkungen könnte der Mensch nur haben, er kann nicht an das Ding an sich heran, das Ding an sich bleibt unbekannt. Infiziert von diesem unbekannt bleiben müssenden Ding an sich sind gerade eben die feinsten Denker des 19. Jahrhunderts — wenn man da von fein sprechen kann.
[ 4 ] Wer diesen Gedankengang bei sich selber weiter fortsetzt, wird wirklich bei sich selbst noch Unzähliges finden, das aufgeht in dem allerallerblindesten Autoritätsglauben. Und kann er nichts finden, meine lieben Freunde, dann, nehmen Sie es mir nicht übel, wenn ich ihm gerade dann sage, daß er von diesem Autoritätsglauben eine um so größere Dosis hat, je weniger er bei sich davon findet! Ich möchte zunächst aber zeigen, wie ein unzureichendes, unzulängliches Denken gerade in die feinsten Gebiete des Geisteslebens in aller Welt — ohne Unterschied von Nation, Rasse und Farbe — sich eingeschlichen hat, wie ein gewisses Element von unzulänglichem Denken gerade in den feinsten Gebieten des geistigen Kulturlebens vorhanden ist. Nehmen wir ein Stück Philosophie, wie es sich entwickelt hat. Wer würde nicht heute auf Grundlage eines durch viele, viele Kanäle gehenden Autoritätsglaubens davon überzeugt sein, daß die Menschen eben nicht irgendwie an «das Ding an sich» herankommen können, sondern nur die äußeren Erscheinungen, die Eindrücke auf die Sinne, die Eindrücke auf die Seele von den Dingen empfangen können. «Wirkungen» von den Dingen kann man nur haben, man kann an «das Ding an sich» nicht heran. Das ist etwas, was geradezu Grundtypus geworden ist im Denken des 19. Jahrhunderts. Ich habe die ganze Misere geschildert in dem Kapitel meiner «Rätsel der Philosophie», das ich überschrieben habe «Die Welt als Illusion». Wer dieses Kapitel studiert, wird eine Überschau über diese ganze Misere finden können. Wirkungen könnte der Mensch nur haben, er kann nicht an das Ding an sich heran, das Ding an sich bleibt unbekannt. Infiziert von diesem unbekannt bleiben müssenden Ding an sich sind gerade eben die feinsten Denker des 19. Jahrhunderts — wenn man da von fein sprechen kann.
[ 5 ] Wenn man nun die Gedankengänge ansieht, die dem, was ich eben gesagt habe, zugrunde liegen, so stellt sich das in der folgenden Weise heraus. Es wird bewiesen, streng bewiesen: Das Auge kann nur dasjenige wiedergeben, was es vermöge seines Nervenprozesses und seines sonstigen Prozesses aus sich hervorrufen kann. Wenn also ein äußerer Eindruck kommt, so antwortet es in seiner spezifischen Weise. Man kann nur zu dem Eindrucke kommen, nicht zu dem, was auf das Auge einen Eindruck macht. Man kann durch das Ohr nur zu dem Gehöreindrucke kommen, nicht zu dem, was den Eindruck macht und so weiter. Und so wirken nur die Eindrücke der Außenwelt auf die Sinne der Seele. Seit Lange, der glaubte, es zunächst für ein bestimmtes Gebiet, für Farben und Töne und dergleichen festgestellt zu haben, geht das nun durch das Gesamtdenken der Menschen, daß der Mensch nur die Eindrücke der Welt bekommen kann, Wirkungen nur bekommen kann. Ist das unrecht? Gewiß ist es nicht unrecht, denn, wie ich oftmals betont habe, handelt es sich gar nicht darum, ob eine Sache recht oder unrecht ist, sondern ganz andere Dinge kommen noch in Betracht. Ist das richtig, daß nur Bilder, nur Eindrücke auf unsere Sinne von den Dingen hervorgerufen werden können? Gewiß ist das richtig. Es ist gar nicht zu bezweifeln. Aber etwas ganz anderes liegt da vor.
[ 5 ] Wenn man nun die Gedankengänge ansieht, die dem, was ich eben gesagt habe, zugrunde liegen, so stellt sich das in der folgenden Weise heraus. Es wird bewiesen, streng bewiesen: Das Auge kann nur dasjenige wiedergeben, was es vermöge seines Nervenprozesses und seines sonstigen Prozesses aus sich hervorrufen kann. Wenn also ein äußerer Eindruck kommt, so antwortet es in seiner spezifischen Weise. Man kann nur zu dem Eindrucke kommen, nicht zu dem, was auf das Auge einen Eindruck macht. Man kann durch das Ohr nur zu dem Gehöreindrucke kommen, nicht zu dem, was den Eindruck macht und so weiter. Und so wirken nur die Eindrücke der Außenwelt auf die Sinne der Seele. Seit Lange, der glaubte, es zunächst für ein bestimmtes Gebiet, für Farben und Töne und dergleichen festgestellt zu haben, geht das nun durch das Gesamtdenken der Menschen, daß der Mensch nur die Eindrücke der Welt bekommen kann, Wirkungen nur bekommen kann. Ist das unrecht? Gewiß ist es nicht unrecht, denn, wie ich oftmals betont habe, handelt es sich gar nicht darum, ob eine Sache recht oder unrecht ist, sondern ganz andere Dinge kommen noch in Betracht. Ist das richtig, daß nur Bilder, nur Eindrücke auf unsere Sinne von den Dingen hervorgerufen werden können? Gewiß ist das richtig. Es ist gar nicht zu bezweifeln. Aber etwas ganz anderes liegt da vor.
[ 6 ] Das will ich durch einen Vergleich klarmachen. Wenn wir vor einem Spiegel stehen und ein zweiter Mensch auch noch vor einem Spiegel steht, so ist ganz und gar nicht zu leugnen, daß dasjenige, was man darin sieht, das Bild von einem selber und das Bild von dem andern Menschen ist. Bilder sind das, was man im Spiegel sieht, ganz zweifellos. Und insoweit sind wirklich auch alle unsere Sinnenwahrnehmungen Bilder, denn der Gegenstand muß zunächst auf uns einen Eindruck machen, und unser Eindruck, die Reaktion, würde man sagen, kommt zum Bewußtsein. Wir können das also ganz richtig vergleichen mit den Bildern, die wir da im Spiegel drinnen haben, denn das sind eben auch Bilder. Wir haben es bei diesem Lange-Kantschen Gedankengang mit einer ganz richtigen Behauptung zu tun, daß es der Mensch mit Bildern zu tun hat. Wir haben es dann mit der Schlußfolgerung zu tun, daß der Mensch deshalb, weil er es nur mit Bildern zu tun hat, nicht mit irgend etwas Realerem wirklich an etwas «Dingliches an sich» herankommen könne. Worauf beruht das? Es beruht lediglich darauf, daß man nicht weiterdenken kann von einer Voraussetzung aus, daß man bei einer richtigen Voraussetzung bleibt. Nicht unrichtig ist das Denken; aber richtig eingefroren ist es. Denn es sind richtige Bilder, die wir da im Spiegel darin haben. Aber der Betreffende, der neben mir steht, mit dem ich in den Spiegel hineinschaue, der gibt mir nun da im Spiegel eine Ohrfeige. Werde ich dann sagen, obwohl das alles nur Bilder sind: Das eine Spiegelbild hat dem andern Spiegelbild eine Ohrfeige gegeben? — Da deutet mir dasjenige, was unter den Bildern geschieht, auf etwas sehr Reales hin. Wenn man kein eingefrorenes Denken, sondern ein lebendiges Denken hat, das wirklich mit den Dingen verbunden ist, mit Realitäten verbunden ist, so weiß man, daß die Lange-Kantsche Voraussetzung richtig ist, daß wir es überall mit Bildern zu tun haben. Wenn aber diese Bilder in lebendige Verhältnisse kommen, dann drükken diese lebendigen Verhältnisse wirklich das aus, was erst hineinführt in das Dingliche an sich. Also nicht darum handelt es sich, daß die betreffenden Herren, die da das Denken irregeführt haben, von unrichtigen Voraussetzungen ausgegangen sind, sondern darauf beruht die ganze Sache, daß man es mit einem eingefrorenen Denken zu tun hat, mit einem Denken, mit dem man nun dasteht und sagt: Richtig, richtig, richtig — und nicht mehr weiter kann. Es fehlt diesem verwahrlosten Denken des 19. Jahrhunderts die Beweglichkeit, die Lebendigkeit. Es ist das Denken im 19. Jahrhundert eingefroren, richtig eingefroren.
[ 6 ] Das will ich durch einen Vergleich klarmachen. Wenn wir vor einem Spiegel stehen und ein zweiter Mensch auch noch vor einem Spiegel steht, so ist ganz und gar nicht zu leugnen, daß dasjenige, was man darin sieht, das Bild von einem selber und das Bild von dem andern Menschen ist. Bilder sind das, was man im Spiegel sieht, ganz zweifellos. Und insoweit sind wirklich auch alle unsere Sinnenwahrnehmungen Bilder, denn der Gegenstand muß zunächst auf uns einen Eindruck machen, und unser Eindruck, die Reaktion, würde man sagen, kommt zum Bewußtsein. Wir können das also ganz richtig vergleichen mit den Bildern, die wir da im Spiegel drinnen haben, denn das sind eben auch Bilder. Wir haben es bei diesem Lange-Kantschen Gedankengang mit einer ganz richtigen Behauptung zu tun, daß es der Mensch mit Bildern zu tun hat. Wir haben es dann mit der Schlußfolgerung zu tun, daß der Mensch deshalb, weil er es nur mit Bildern zu tun hat, nicht mit irgend etwas Realerem wirklich an etwas «Dingliches an sich» herankommen könne. Worauf beruht das? Es beruht lediglich darauf, daß man nicht weiterdenken kann von einer Voraussetzung aus, daß man bei einer richtigen Voraussetzung bleibt. Nicht unrichtig ist das Denken; aber richtig eingefroren ist es. Denn es sind richtige Bilder, die wir da im Spiegel darin haben. Aber der Betreffende, der neben mir steht, mit dem ich in den Spiegel hineinschaue, der gibt mir nun da im Spiegel eine Ohrfeige. Werde ich dann sagen, obwohl das alles nur Bilder sind: Das eine Spiegelbild hat dem andern Spiegelbild eine Ohrfeige gegeben? — Da deutet mir dasjenige, was unter den Bildern geschieht, auf etwas sehr Reales hin. Wenn man kein eingefrorenes Denken, sondern ein lebendiges Denken hat, das wirklich mit den Dingen verbunden ist, mit Realitäten verbunden ist, so weiß man, daß die Lange-Kantsche Voraussetzung richtig ist, daß wir es überall mit Bildern zu tun haben. Wenn aber diese Bilder in lebendige Verhältnisse kommen, dann drükken diese lebendigen Verhältnisse wirklich das aus, was erst hineinführt in das Dingliche an sich. Also nicht darum handelt es sich, daß die betreffenden Herren, die da das Denken irregeführt haben, von unrichtigen Voraussetzungen ausgegangen sind, sondern darauf beruht die ganze Sache, daß man es mit einem eingefrorenen Denken zu tun hat, mit einem Denken, mit dem man nun dasteht und sagt: Richtig, richtig, richtig — und nicht mehr weiter kann. Es fehlt diesem verwahrlosten Denken des 19. Jahrhunderts die Beweglichkeit, die Lebendigkeit. Es ist das Denken im 19. Jahrhundert eingefroren, richtig eingefroren.
[ 7 ] Nehmen wir ein anderes Beispiel. Ich habe Ihnen im Laufe dieses verflossenen Jahres öfter einzelne Dinge mitgeteilt von einem ehrlichen Denker, Mauthner, dem großen Sprachkritiker. Bei Kant war es eine «Kritik der Begriffe». Mauthner geht weiter, immer muß ja das Spätere weitergehen: er macht eine «Kritik der Sprache». Ich habe Ihnen einige Pröbchen aus dieser «Kritik der Sprache» im Laufe des Herbstes, überhaupt im Laufe des Jahres, mitgeteilt, Sie werden sich erinnern. Heute hat ein solcher Mann viele Anhänger. Er war Journalist, bevor er unter die Philosophen gegangen ist. Ein altes Sprichwort sagt: Eine Krähe hackt der andern kein Auge aus. — Sie hackt ihr nicht nur kein Auge aus, sondern blinden Krähen werden dann sogar von den andern Krähen, wenn die Krähen Journalisten sind, noch Augen eingesetzt! Wie gesagt, ich will durchaus nicht irgend etwas gegen die Ehrlichkeit, ja sogar gegen die Gründlichkeit und Tiefe — im Sinne unserer Zeit «Tiefe» — solcher Denker einwenden, denn ich muß immer wieder betonen, daß es unrichtig ist, zu sagen, daß hier Kritik geübt wird etwa an der Naturwissenschaft oder irgendwelchen andern Bestrebungen — nur charakterisiert soll werden. Darum sage ich ausdrücklich: Mauthner ist ein ehrenwerter Mann — und «ehrenwerte Männer sind sie alle» —, aber fassen wir einmal einen Gedankengang, der so im Sinne der Sprachkritik ist, ins Auge. Da wird zum Beispiel gesagt: Die menschliche Erkenntnis ist beschränkt — so sagt Mauthner. Beschränkt — warum beschränkt in seinem Sinne? Nun, weil dasjenige, was der Mensch von der Welt erfährt, durch seine Sinne in seine Seele hereinkommt. Gewiß keine sehr tiefsinnige, aber auch eine unbezweifelbare Wahrheit. Von der Außenwelt, von der sinnlichen Welt kommt alles durch die Sinne herein. Nun ist aber Mauthner zu dem Gedanken gekommen, daß diese Sinne Zufallssinne wären, das heißt, daß der Mensch statt der Augen und Ohren und der Sinne, die er schon einmal hat, diese vielleicht auch nicht haben könnte und andere Sinne haben könnte. Dann würde diese Welt da draußen ganz anders aussehen. Ein sehr beliebter Gedanke überhaupt bei manchen Philosophen unserer Zeit! Und so ist es eigentlich zufällig, daß wir gerade diese Sinne haben, und damit auch diese Welt. Hätten wir andere Sinne, so hätten wir eine andere Welt. Zufallssinne! — Einer, der dem Fritz Mauthner nachgebeter hat, sagt zum Beispiel ungefähr folgenden Satz: Die Welt ist unermeßlich, aber wie kann der Mensch etwas wissen von dieser unermeßlichen Welt? Er hat ja nur Eindrücke durch seine Zufallssinne. Durch diese Zufallssinne, durch die Tore dieser Zufallssinne fällt manches in unsere Seele herein, und da gruppiert es sich, während draußen die unermeßliche Welt weitergeht, und der Mensch nichts wissen kann von den Gesetzen, nach denen diese unermeßliche Welt weitergeht. Wie kann der Mensch ‚glauben, daß dasjenige, was er durch seine Zufallssinne von der Welt erfährt, irgend etwas zu tun habe mit den großen Weltengeheimnissen draußen? — So sagt ein Nachbeter von Fritz Mauthner, der sich aber für keinen Nachbeter, sondern für einen der gescheitesten Menschen der Gegenwart hält. Man kann diesen Gedankengang in einen andern übersetzen. Ich will ganz bei dem Charakter der Gedankenform bleiben, nur den Gedanken in einen andern übersetzen.
[ 7 ] Nehmen wir ein anderes Beispiel. Ich habe Ihnen im Laufe dieses verflossenen Jahres öfter einzelne Dinge mitgeteilt von einem ehrlichen Denker, Mauthner, dem großen Sprachkritiker. Bei Kant war es eine «Kritik der Begriffe». Mauthner geht weiter, immer muß ja das Spätere weitergehen: er macht eine «Kritik der Sprache». Ich habe Ihnen einige Pröbchen aus dieser «Kritik der Sprache» im Laufe des Herbstes, überhaupt im Laufe des Jahres, mitgeteilt, Sie werden sich erinnern. Heute hat ein solcher Mann viele Anhänger. Er war Journalist, bevor er unter die Philosophen gegangen ist. Ein altes Sprichwort sagt: Eine Krähe hackt der andern kein Auge aus. — Sie hackt ihr nicht nur kein Auge aus, sondern blinden Krähen werden dann sogar von den andern Krähen, wenn die Krähen Journalisten sind, noch Augen eingesetzt! Wie gesagt, ich will durchaus nicht irgend etwas gegen die Ehrlichkeit, ja sogar gegen die Gründlichkeit und Tiefe — im Sinne unserer Zeit «Tiefe» — solcher Denker einwenden, denn ich muß immer wieder betonen, daß es unrichtig ist, zu sagen, daß hier Kritik geübt wird etwa an der Naturwissenschaft oder irgendwelchen andern Bestrebungen — nur charakterisiert soll werden. Darum sage ich ausdrücklich: Mauthner ist ein ehrenwerter Mann — und «ehrenwerte Männer sind sie alle» —, aber fassen wir einmal einen Gedankengang, der so im Sinne der Sprachkritik ist, ins Auge. Da wird zum Beispiel gesagt: Die menschliche Erkenntnis ist beschränkt — so sagt Mauthner. Beschränkt — warum beschränkt in seinem Sinne? Nun, weil dasjenige, was der Mensch von der Welt erfährt, durch seine Sinne in seine Seele hereinkommt. Gewiß keine sehr tiefsinnige, aber auch eine unbezweifelbare Wahrheit. Von der Außenwelt, von der sinnlichen Welt kommt alles durch die Sinne herein. Nun ist aber Mauthner zu dem Gedanken gekommen, daß diese Sinne Zufallssinne wären, das heißt, daß der Mensch statt der Augen und Ohren und der Sinne, die er schon einmal hat, diese vielleicht auch nicht haben könnte und andere Sinne haben könnte. Dann würde diese Welt da draußen ganz anders aussehen. Ein sehr beliebter Gedanke überhaupt bei manchen Philosophen unserer Zeit! Und so ist es eigentlich zufällig, daß wir gerade diese Sinne haben, und damit auch diese Welt. Hätten wir andere Sinne, so hätten wir eine andere Welt. Zufallssinne! — Einer, der dem Fritz Mauthner nachgebeter hat, sagt zum Beispiel ungefähr folgenden Satz: Die Welt ist unermeßlich, aber wie kann der Mensch etwas wissen von dieser unermeßlichen Welt? Er hat ja nur Eindrücke durch seine Zufallssinne. Durch diese Zufallssinne, durch die Tore dieser Zufallssinne fällt manches in unsere Seele herein, und da gruppiert es sich, während draußen die unermeßliche Welt weitergeht, und der Mensch nichts wissen kann von den Gesetzen, nach denen diese unermeßliche Welt weitergeht. Wie kann der Mensch ‚glauben, daß dasjenige, was er durch seine Zufallssinne von der Welt erfährt, irgend etwas zu tun habe mit den großen Weltengeheimnissen draußen? — So sagt ein Nachbeter von Fritz Mauthner, der sich aber für keinen Nachbeter, sondern für einen der gescheitesten Menschen der Gegenwart hält. Man kann diesen Gedankengang in einen andern übersetzen. Ich will ganz bei dem Charakter der Gedankenform bleiben, nur den Gedanken in einen andern übersetzen.
[ 8 ] Man kann eigentlich niemals irgendeinen Begriff bekommen von demjenigen, was eigentlich solch ein Genius wie Goethe der Menschheit gegeben hat, denn solch ein Genius wie Goethe kann doch eigentlich nichts anderes, als das, was er der Menschheit zu geben hatte, so auszudrücken, daß er es gewissermaßen in die zweiundzwanzig oder dreiundzwanzig Zufallsbuchstaben gruppiert, die wir haben und die sich nach ihren eigenen Gesetzen auf dem Papier gruppieren. Wie kann man aber aus dem, was da durch die dreiundzwanzig Zufallsbuchstaben auf dem Papier gruppiert ist, jemals irgend etwas von dem Inhalt des Genius Goethe bekommen? So gescheit derjenige wäre, der glaubte: Weil Goethe seine ganze Genialität durch die dreiundzwanzig Buchstaben A, B und so weiter ausdrücken mußte, kann man dadurch nichts von dem Genius und seinen Ergebnissen bekommen —, so gescheit wäre derjenige, der sagt: Da draußen die Welt ist unermeßlich, man kann sie nicht erkennen, denn wir haben nichts in uns, als dasjenige, was durch unsere Zufallssinne hereinkommt.
[ 8 ] Man kann eigentlich niemals irgendeinen Begriff bekommen von demjenigen, was eigentlich solch ein Genius wie Goethe der Menschheit gegeben hat, denn solch ein Genius wie Goethe kann doch eigentlich nichts anderes, als das, was er der Menschheit zu geben hatte, so auszudrücken, daß er es gewissermaßen in die zweiundzwanzig oder dreiundzwanzig Zufallsbuchstaben gruppiert, die wir haben und die sich nach ihren eigenen Gesetzen auf dem Papier gruppieren. Wie kann man aber aus dem, was da durch die dreiundzwanzig Zufallsbuchstaben auf dem Papier gruppiert ist, jemals irgend etwas von dem Inhalt des Genius Goethe bekommen? So gescheit derjenige wäre, der glaubte: Weil Goethe seine ganze Genialität durch die dreiundzwanzig Buchstaben A, B und so weiter ausdrücken mußte, kann man dadurch nichts von dem Genius und seinen Ergebnissen bekommen —, so gescheit wäre derjenige, der sagt: Da draußen die Welt ist unermeßlich, man kann sie nicht erkennen, denn wir haben nichts in uns, als dasjenige, was durch unsere Zufallssinne hereinkommt.
[ 9 ] Aber es ist so, daß dieses verwahrloste Denken nicht allein etwa auf den Gebieten vorhanden ist, von denen ich jetzt spreche. Da tritt es nur besonders kraß zutage, vorhanden ist es überüberall. Es wirkt in unserem ganzen menschlichen Zusammenleben. Es wirkt in den tieftraurigen Ereignissen der Gegenwart, denn die wären nicht so, wie sie sind, wenn nicht alles Denken der Menschen durchdrungen wäre von dem, was sich auf einem solchen Gebiete, wie es angedeutet ist, eben nur ganz kraß ausspricht. Man wird niemals das richtige Interesse fassen können auf diesem Gebiete — ich meine: auf dem Gebiete des richtig im Sinne der Geisteswissenschaft gehaltenen menschlichen Wirkens zu einem wahren Fortschritte —, wenn man nicht den Willen hat, auf diese Dinge einzugehen, wenn man nicht schauen will, was der Menschheit not tut. Immer wieder hören wir von da oder dort den Einwand gegen die Ergebnisse der Geisteswissenschaft: Diese sind nur denen zugänglich, die hellseherisch in die geistigen Welten hineinschauen. — Und niemals wird man glauben, daß das nicht wahr ist, sondern daß es sich darum handelt, daß man durch das Denken wirklich hineinkommen kann in das Verstehen desjenigen, was der Seher aus der geistigen Welt herausholt. Man sollte sich aber nicht wundern, daß man heute nicht durch das Denken begreifen kann, was der Seher aus der geistigen Welt herausholt, wenn dieses Denken so beschaffen ist, wie es charakterisiert worden ist. Dieses Denken ist Trumpf. Dieses Denken ist eingeflossen auf allen Gebieten. Und nicht deshalb, weil man nicht durch Denken verstehen könnte alles dasjenige, was durch die Geisteswissenschaft verkündet wird, wird es nicht verstanden, sondern weil man sich infizieren läßt von dem schwachmütigen, von dem verwahrlosten Denken der Gegenwart. Daß uns Geisteswissenschaft anrege zu intensivem, zu starkmütigem Denken, darauf kommt es an! Und Geisteswissenschaft ist ganz dazu geeignet, meine lieben Freunde. Natürlich, solange wir Geisteswissenschaft so aufnehmen, daß wir uns nur sagen lassen dasjenige, um was es sich handelt, werden wir es in dem Denken, das wir gerade, ich möchte sagen, stiften sollten für die Menschheitszukunft, nicht sehr weit bringen. Wenn wir uns aber bemühen, die Dinge wirklich zu verstehen, wirklich zu erfassen, dann werden wir schon weiterkommen.
[ 9 ] Aber es ist so, daß dieses verwahrloste Denken nicht allein etwa auf den Gebieten vorhanden ist, von denen ich jetzt spreche. Da tritt es nur besonders kraß zutage, vorhanden ist es überüberall. Es wirkt in unserem ganzen menschlichen Zusammenleben. Es wirkt in den tieftraurigen Ereignissen der Gegenwart, denn die wären nicht so, wie sie sind, wenn nicht alles Denken der Menschen durchdrungen wäre von dem, was sich auf einem solchen Gebiete, wie es angedeutet ist, eben nur ganz kraß ausspricht. Man wird niemals das richtige Interesse fassen können auf diesem Gebiete — ich meine: auf dem Gebiete des richtig im Sinne der Geisteswissenschaft gehaltenen menschlichen Wirkens zu einem wahren Fortschritte —, wenn man nicht den Willen hat, auf diese Dinge einzugehen, wenn man nicht schauen will, was der Menschheit not tut. Immer wieder hören wir von da oder dort den Einwand gegen die Ergebnisse der Geisteswissenschaft: Diese sind nur denen zugänglich, die hellseherisch in die geistigen Welten hineinschauen. — Und niemals wird man glauben, daß das nicht wahr ist, sondern daß es sich darum handelt, daß man durch das Denken wirklich hineinkommen kann in das Verstehen desjenigen, was der Seher aus der geistigen Welt herausholt. Man sollte sich aber nicht wundern, daß man heute nicht durch das Denken begreifen kann, was der Seher aus der geistigen Welt herausholt, wenn dieses Denken so beschaffen ist, wie es charakterisiert worden ist. Dieses Denken ist Trumpf. Dieses Denken ist eingeflossen auf allen Gebieten. Und nicht deshalb, weil man nicht durch Denken verstehen könnte alles dasjenige, was durch die Geisteswissenschaft verkündet wird, wird es nicht verstanden, sondern weil man sich infizieren läßt von dem schwachmütigen, von dem verwahrlosten Denken der Gegenwart. Daß uns Geisteswissenschaft anrege zu intensivem, zu starkmütigem Denken, darauf kommt es an! Und Geisteswissenschaft ist ganz dazu geeignet, meine lieben Freunde. Natürlich, solange wir Geisteswissenschaft so aufnehmen, daß wir uns nur sagen lassen dasjenige, um was es sich handelt, werden wir es in dem Denken, das wir gerade, ich möchte sagen, stiften sollten für die Menschheitszukunft, nicht sehr weit bringen. Wenn wir uns aber bemühen, die Dinge wirklich zu verstehen, wirklich zu erfassen, dann werden wir schon weiterkommen.
[ 10 ] Aber gerade in die Auffassung der Geisteswissenschaft wirkt etwas hinein von dem verwahrlosten Denken der Gegenwart. Ich habe Ihnen vorgeführt, wie dieses verwahrloste Denken eigentlich wirkt. Ich sagte: Wirkungen haben wir nur von der Außenwelt, also kann man nicht an das Ding an sich kommen. Jetzt gefriert gleich der Gedanke ein. Weiter wollen die Leute nicht gehen. Jetzt sehen sie nicht mehr, daß dasjenige, was die Bilder im lebendigen Zusammenwirken sind, weiterführt als zum bloßen Bildcharakter. Das wird nun übertragen auf die Auffassung der Geisteswissenschaft. Weil die Menschen ganz infiziert sind von einem solchen Denken, so sagen sie sich: Was der Geisteswissenschafter auf der Seite a, b, c erzählt, sind geisteswissenschaftliche Tatsachen. Die kann man nicht vor sich haben, wenn man eben nicht die Sehergabe erreicht hat. Und da denken sie nicht mehr nach, ob sie nicht auch in dem gegenseitigen Sich-Aufeinanderbeziehen dessen, was der Geisteswissenschafter sagt, hineinkommen könnten, machen denselben Fehler, den heute alle Welt macht. Das Schlimme ist, daß dieser Grundfehler des zeitgenössischen Denkens so wenig eingesehen, so wenig durchschaut wird. Und er wird wirklich furchtbar wenig durchschaut. Er greift hinein in unser alleralltäglichstes Denken, macht sich da ebenso geltend wie bei dem vorgeschobenen Posten des philosophischen oder wissenschaftlichen Denkens. Und man macht sich nur selten klar, was für eine ungeheure Pflicht eigentlich aus der Einsicht in diesen Tatbestand erwächst, wie bedeutsam es ist, für diese Dinge Interesse zu haben, wie unverantwortlich es ist, sein Interesse für diese Dinge abzustumpfen.
[ 10 ] Aber gerade in die Auffassung der Geisteswissenschaft wirkt etwas hinein von dem verwahrlosten Denken der Gegenwart. Ich habe Ihnen vorgeführt, wie dieses verwahrloste Denken eigentlich wirkt. Ich sagte: Wirkungen haben wir nur von der Außenwelt, also kann man nicht an das Ding an sich kommen. Jetzt gefriert gleich der Gedanke ein. Weiter wollen die Leute nicht gehen. Jetzt sehen sie nicht mehr, daß dasjenige, was die Bilder im lebendigen Zusammenwirken sind, weiterführt als zum bloßen Bildcharakter. Das wird nun übertragen auf die Auffassung der Geisteswissenschaft. Weil die Menschen ganz infiziert sind von einem solchen Denken, so sagen sie sich: Was der Geisteswissenschafter auf der Seite a, b, c erzählt, sind geisteswissenschaftliche Tatsachen. Die kann man nicht vor sich haben, wenn man eben nicht die Sehergabe erreicht hat. Und da denken sie nicht mehr nach, ob sie nicht auch in dem gegenseitigen Sich-Aufeinanderbeziehen dessen, was der Geisteswissenschafter sagt, hineinkommen könnten, machen denselben Fehler, den heute alle Welt macht. Das Schlimme ist, daß dieser Grundfehler des zeitgenössischen Denkens so wenig eingesehen, so wenig durchschaut wird. Und er wird wirklich furchtbar wenig durchschaut. Er greift hinein in unser alleralltäglichstes Denken, macht sich da ebenso geltend wie bei dem vorgeschobenen Posten des philosophischen oder wissenschaftlichen Denkens. Und man macht sich nur selten klar, was für eine ungeheure Pflicht eigentlich aus der Einsicht in diesen Tatbestand erwächst, wie bedeutsam es ist, für diese Dinge Interesse zu haben, wie unverantwortlich es ist, sein Interesse für diese Dinge abzustumpfen.
[ 11 ] Nun liegt die Tatsache vor, daß im Laufe der letzten Jahrhunderte die rein äußere Sinnesbeobachtung in der Wissenschaft tonangebend geworden ist, daß die Leute den Hauptwert allein auf dasjenige legen welcher Wert dem zuzuerkennen ist, habe ich oftmals betont —, was sie im Laboratorium oder in der Klinik oder im zoologischen Garten beobachten; daß sie bei dem stehenbleiben wollen. Gewiß, durch diese naturwissenschaftliche Methode sind ganz ungeheure Fortschritte gemacht worden, aber gerade unter diesem Fortschritte ist das Denken vollständig verwahrlost. Und daraus erwächst die Pflicht: nicht zur Macht kommen zu lassen in der Welt diejenigen, die diese Macht anstreben auf Grundlage eines bloßen materialistischen Experimentalwissens — und um Macht ist es diesen Leuten zu tun, und heute sind wir schon so weit, daß durch die brutalsten Machtsprüche der materialistischen Gelehrsamkeit aus der Welt geschafft werden solle alles dasjenige, was nicht materialistische Gelehrsamkeit ist. Eine Machtfrage ist es bereits geworden. Und unter denjenigen, die heute am schroffesten auch an die äußeren Mächte appellieren, um ihren äußeren Materialismus privilegiert und patentiert zu bekommen, sehen wir gerade diejenigen, die auf dem Boden der materialistischen Wissenschaft allein stehen. Darum handelt es sich, einzusehen, wie die Machtverhältnisse in der Welt walten. Es genügt nicht, daß wir uns bloß für unsere persönlichen Verhältnisse interessieren, sondern daß wir für die großen Menschheitsangelegenheiten Interesse entwickeln. Gewiß, wir werden als einzelne und auch als kleine Gesellschaft heute nicht besonders viel machen können, allein von solch kleinen Keimen muß die Sache ausgehen. Was nützt es, wenn heute viele sind, die über die offizielle Medizin sagen, sie haben kein Vertrauen zu ihr, und suchen auf allen andern Wegen dasjenige, zu dem sie Vertrauen haben. Darum handelt es sich zunächst nicht. Das alles ist nur persönliches Betreiben seiner eigenen Angelegenheiten. Worum es sich handelt, ist: ein Interesse dafür zu haben, daß neben der heutigen materialistischen Medizin berechtigt wird dasjenige, wozu man Vertrauen hat. Sonst hieße es, die Sache von Tag zu Tag schlimmer machen. Nicht darum kann es sich bloß handeln, daß derjenige, der zur heutigen sogenannten wissenschaftlichen Medizin kein Vertrauen hat, sich nun jemand andern aufsucht. Dadurch bringt er den andern gerade in eine mißlicheLage, wenn er sich nicht dafür interessiert, daß der andere auch gesetzmäßig berechtigt ist, sich für den allgemeinen menschheitlichen Gang der Angelegenheiten der Menschheit zu interessieren. Gewiß, wir können vielleicht heute und morgen noch nicht mehr tun, als Interesse für die Sache haben. Aber dieses Interesse für die großen Menschheitsangelegenheiten, das müssen wir in unseren Seelen tragen, wenn wir im wahren Sinne des Wortes die geisteswissenschaftliche Bewegung verstehen wollen. Wir glauben noch vielfach, wir verstünden die großen Interessen der Menschheit, weil wir uns unsere persönlichsten Interessen oftmals so interpretieren, als wären sie gerade große Menschheitsinteressen.
[ 11 ] Nun liegt die Tatsache vor, daß im Laufe der letzten Jahrhunderte die rein äußere Sinnesbeobachtung in der Wissenschaft tonangebend geworden ist, daß die Leute den Hauptwert allein auf dasjenige legen welcher Wert dem zuzuerkennen ist, habe ich oftmals betont —, was sie im Laboratorium oder in der Klinik oder im zoologischen Garten beobachten; daß sie bei dem stehenbleiben wollen. Gewiß, durch diese naturwissenschaftliche Methode sind ganz ungeheure Fortschritte gemacht worden, aber gerade unter diesem Fortschritte ist das Denken vollständig verwahrlost. Und daraus erwächst die Pflicht: nicht zur Macht kommen zu lassen in der Welt diejenigen, die diese Macht anstreben auf Grundlage eines bloßen materialistischen Experimentalwissens — und um Macht ist es diesen Leuten zu tun, und heute sind wir schon so weit, daß durch die brutalsten Machtsprüche der materialistischen Gelehrsamkeit aus der Welt geschafft werden solle alles dasjenige, was nicht materialistische Gelehrsamkeit ist. Eine Machtfrage ist es bereits geworden. Und unter denjenigen, die heute am schroffesten auch an die äußeren Mächte appellieren, um ihren äußeren Materialismus privilegiert und patentiert zu bekommen, sehen wir gerade diejenigen, die auf dem Boden der materialistischen Wissenschaft allein stehen. Darum handelt es sich, einzusehen, wie die Machtverhältnisse in der Welt walten. Es genügt nicht, daß wir uns bloß für unsere persönlichen Verhältnisse interessieren, sondern daß wir für die großen Menschheitsangelegenheiten Interesse entwickeln. Gewiß, wir werden als einzelne und auch als kleine Gesellschaft heute nicht besonders viel machen können, allein von solch kleinen Keimen muß die Sache ausgehen. Was nützt es, wenn heute viele sind, die über die offizielle Medizin sagen, sie haben kein Vertrauen zu ihr, und suchen auf allen andern Wegen dasjenige, zu dem sie Vertrauen haben. Darum handelt es sich zunächst nicht. Das alles ist nur persönliches Betreiben seiner eigenen Angelegenheiten. Worum es sich handelt, ist: ein Interesse dafür zu haben, daß neben der heutigen materialistischen Medizin berechtigt wird dasjenige, wozu man Vertrauen hat. Sonst hieße es, die Sache von Tag zu Tag schlimmer machen. Nicht darum kann es sich bloß handeln, daß derjenige, der zur heutigen sogenannten wissenschaftlichen Medizin kein Vertrauen hat, sich nun jemand andern aufsucht. Dadurch bringt er den andern gerade in eine mißlicheLage, wenn er sich nicht dafür interessiert, daß der andere auch gesetzmäßig berechtigt ist, sich für den allgemeinen menschheitlichen Gang der Angelegenheiten der Menschheit zu interessieren. Gewiß, wir können vielleicht heute und morgen noch nicht mehr tun, als Interesse für die Sache haben. Aber dieses Interesse für die großen Menschheitsangelegenheiten, das müssen wir in unseren Seelen tragen, wenn wir im wahren Sinne des Wortes die geisteswissenschaftliche Bewegung verstehen wollen. Wir glauben noch vielfach, wir verstünden die großen Interessen der Menschheit, weil wir uns unsere persönlichsten Interessen oftmals so interpretieren, als wären sie gerade große Menschheitsinteressen.
[ 12 ] Wir müssen bis tief, tief in die Untergründe unserer Seele suchen, wenn wir bei uns selber auffinden wollen, wie wir eigentlich abhängig sind von dem blinden Autoritätsglauben der Gegenwart, wie gründlich wir abhängig davon sind. Unser Schlendern, unsere Bequemlichkeit, das ist es, was uns verhindert, für die großen Interessen der Menschheit wenigstens zunächst innerlich entzündet und entflammt zu sein. Das ist es aber, was wir uns als besten Neujahrsgruß in die eigene Seele schreiben können: entflammt zu werden, begeistert zu werden für die großen Interessen des menschlichen Fortschritts, der wahren menschlichen Freiheit. Solange wir auf dem Boden stehen, daß uns doch noch immer irgendwo etwas sitzt, was uns glauben läßt: derjenige, der von der Welt als ein großer Mann ausposaunt wird, müsse über irgend etwas auch etwas Richtiges denken können — solange wir diesen Glauben, der namentlich mit dem verwahrlosten Denkorganismus der Gegenwart zusammenhängt und von diesem großgezogen wird, nicht gründlich aus unserer Seele herausgerissen haben, so lange haben wir uns noch nicht diese Interessen für die allgemeinen großen Angelegenheiten der Menschheit erworben.
[ 12 ] Wir müssen bis tief, tief in die Untergründe unserer Seele suchen, wenn wir bei uns selber auffinden wollen, wie wir eigentlich abhängig sind von dem blinden Autoritätsglauben der Gegenwart, wie gründlich wir abhängig davon sind. Unser Schlendern, unsere Bequemlichkeit, das ist es, was uns verhindert, für die großen Interessen der Menschheit wenigstens zunächst innerlich entzündet und entflammt zu sein. Das ist es aber, was wir uns als besten Neujahrsgruß in die eigene Seele schreiben können: entflammt zu werden, begeistert zu werden für die großen Interessen des menschlichen Fortschritts, der wahren menschlichen Freiheit. Solange wir auf dem Boden stehen, daß uns doch noch immer irgendwo etwas sitzt, was uns glauben läßt: derjenige, der von der Welt als ein großer Mann ausposaunt wird, müsse über irgend etwas auch etwas Richtiges denken können — solange wir diesen Glauben, der namentlich mit dem verwahrlosten Denkorganismus der Gegenwart zusammenhängt und von diesem großgezogen wird, nicht gründlich aus unserer Seele herausgerissen haben, so lange haben wir uns noch nicht diese Interessen für die allgemeinen großen Angelegenheiten der Menschheit erworben.
[ 13 ] Was ich spreche, ist nicht in irgendeiner Weise gegen einzelne große Männer gerichtet. Ich weiß, daß es viele gibt, namentlich wenn in öffentlichen Vorträgen von solchen Sachen die Rede ist, die da sagen: Da wird von der Geisteswissenschaft die gegenwärtige Naturwissenschaft angegriffen, da werden Autoritäten angegriffen. — Ich wähle gerade solche Autoritäten, von denen ich auf der andern Seite sagen kann: sie sind bedeutende Autoritäten für die Gegenwart, sie sind große Männer —, um gerade zu zeigen, wie sich in den großen Persönlichkeiten der Gegenwart dasjenige geltend macht, was die Geisteswissenschaft mit Stumpf und Stiel auszurotten hat. Und man kann schon ein wenig ein Auge darauf haben, auch wenn man kein großer Mann ist, bei großen Männern das verwahrloste Denken zu sehen, das gerade durch die Fortschritte, durch die Licht- und Glanzseiten der gegenwärtigen Experimentalwissenschaft großgezogen wird.
[ 13 ] Was ich spreche, ist nicht in irgendeiner Weise gegen einzelne große Männer gerichtet. Ich weiß, daß es viele gibt, namentlich wenn in öffentlichen Vorträgen von solchen Sachen die Rede ist, die da sagen: Da wird von der Geisteswissenschaft die gegenwärtige Naturwissenschaft angegriffen, da werden Autoritäten angegriffen. — Ich wähle gerade solche Autoritäten, von denen ich auf der andern Seite sagen kann: sie sind bedeutende Autoritäten für die Gegenwart, sie sind große Männer —, um gerade zu zeigen, wie sich in den großen Persönlichkeiten der Gegenwart dasjenige geltend macht, was die Geisteswissenschaft mit Stumpf und Stiel auszurotten hat. Und man kann schon ein wenig ein Auge darauf haben, auch wenn man kein großer Mann ist, bei großen Männern das verwahrloste Denken zu sehen, das gerade durch die Fortschritte, durch die Licht- und Glanzseiten der gegenwärtigen Experimentalwissenschaft großgezogen wird.
[ 14 ] Ein Beispiel, aber wahrhaftig ein Beispiel für viele: Ich nehme ein Buch, das von einem der bedeutendsten Männer der Gegenwart herrührt — es ist auch ins Deutsche übersetzt —, also wie gesagt, es soll niemand sagen, daß ich irgendwie jemanden in seiner Größe nicht anerkennen will. Ich sage ausdrücklich: Das Buch rührt von einem bedeutenden Menschen der Gegenwart auf dem Gebiete der Experimentalnaturforschung her. Ich schlage eine Seite auf, die Einleitung zu dem zweiten Bande, der, nachdem spezielle Fragen der gegenwärtigen Kosmologie von diesem großen Manne behandelt sind, auf die EntwickeJung der Weltanschauungen eingeht, auf die Geschichte der Weltanschauungsentwickelung, und ungefähr ausspricht: Da haben die Menschen in den Zeiten des alten Ägyptertums, in den Zeiten des alten Griechentums, des Römertums auf diese oder jene Weise sich ein Bild der Welt, eine Weltanschauung zu machen gesucht, aber dann ist die Naturwissenschaft der Gegenwart gekommen in den letzten vier Jahrhunderten; die hat alles Frühere weggeräumt, die hat nun endlich das große Los gezogen und ist zu der wirklichen Wahrheit gekommen, die jetzt nur ausgebaut zu werden braucht.
[ 14 ] Ein Beispiel, aber wahrhaftig ein Beispiel für viele: Ich nehme ein Buch, das von einem der bedeutendsten Männer der Gegenwart herrührt — es ist auch ins Deutsche übersetzt —, also wie gesagt, es soll niemand sagen, daß ich irgendwie jemanden in seiner Größe nicht anerkennen will. Ich sage ausdrücklich: Das Buch rührt von einem bedeutenden Menschen der Gegenwart auf dem Gebiete der Experimentalnaturforschung her. Ich schlage eine Seite auf, die Einleitung zu dem zweiten Bande, der, nachdem spezielle Fragen der gegenwärtigen Kosmologie von diesem großen Manne behandelt sind, auf die EntwickeJung der Weltanschauungen eingeht, auf die Geschichte der Weltanschauungsentwickelung, und ungefähr ausspricht: Da haben die Menschen in den Zeiten des alten Ägyptertums, in den Zeiten des alten Griechentums, des Römertums auf diese oder jene Weise sich ein Bild der Welt, eine Weltanschauung zu machen gesucht, aber dann ist die Naturwissenschaft der Gegenwart gekommen in den letzten vier Jahrhunderten; die hat alles Frühere weggeräumt, die hat nun endlich das große Los gezogen und ist zu der wirklichen Wahrheit gekommen, die jetzt nur ausgebaut zu werden braucht.
[ 15 ] Ich habe schon öfter betont: nicht so sehr ist es dasjenige, was die Leute im einzelnen behaupten, als daß sie dann gleich der dämonische luziferische oder ahrimanische Charakter packt, sie gleich luziferisch oder ahrimanisch werden. Und so lesen wir denn am Schlusse dieser Einleitung das Folgende, höchst Merkwürdige. Geben Sie jetzt recht acht auf das, was sich uns darbieten kann bei einem ganz zweifellos großen, bedeutenden Mann der Gegenwart, der sagt, nachdem er also sich ungefähr so ausgesprochen hat, wie großartig die naturwissenschaftliche Erkenntnis sei: «Die Zeiten des traurigen Verfalls währten bis zu dem Wiedererwachen der Menschheit im Anfang der neuen Zeit. Diese stellte die Buchdruckerkunst in den Dienst der Gelehrsamkeit, und die Verachtung der experimentellen Arbeit verschwand aus den Anschauungen der Gebildeten. Aber langsam ging es anfangs bei dem Widerstand der alten vorgefaßten Meinungen und dem Mangel an Zusammenwirken unter den verschiedenen Forschern. Diese hindernden Umstände sind seither geschwunden, und zugleich vermehrte sich die Anzahl der Arbeiter und ihrer Hilfsmittel im Dienst der Naturwissenschaft in rascher Folge. Daher der großartige Fortschritt der letzten Zeiten.»
[ 15 ] Ich habe schon öfter betont: nicht so sehr ist es dasjenige, was die Leute im einzelnen behaupten, als daß sie dann gleich der dämonische luziferische oder ahrimanische Charakter packt, sie gleich luziferisch oder ahrimanisch werden. Und so lesen wir denn am Schlusse dieser Einleitung das Folgende, höchst Merkwürdige. Geben Sie jetzt recht acht auf das, was sich uns darbieten kann bei einem ganz zweifellos großen, bedeutenden Mann der Gegenwart, der sagt, nachdem er also sich ungefähr so ausgesprochen hat, wie großartig die naturwissenschaftliche Erkenntnis sei: «Die Zeiten des traurigen Verfalls währten bis zu dem Wiedererwachen der Menschheit im Anfang der neuen Zeit. Diese stellte die Buchdruckerkunst in den Dienst der Gelehrsamkeit, und die Verachtung der experimentellen Arbeit verschwand aus den Anschauungen der Gebildeten. Aber langsam ging es anfangs bei dem Widerstand der alten vorgefaßten Meinungen und dem Mangel an Zusammenwirken unter den verschiedenen Forschern. Diese hindernden Umstände sind seither geschwunden, und zugleich vermehrte sich die Anzahl der Arbeiter und ihrer Hilfsmittel im Dienst der Naturwissenschaft in rascher Folge. Daher der großartige Fortschritt der letzten Zeiten.»
[ 16 ] Und jetzt die letzten Sätze dieser Einleitung: «Zuweilen hört man sagen, daß wir in der «besten der Welten» leben; darüber läßt sich schwer etwas Wohlbegründetes aussagen, aber wir — wenigstens die Naturforscher — können mit aller Sicherheit behaupten, daß wir in der besten der Zeiten leben. Wir können in der festen Hoffnung, daß die Zukunft nur noch besser werden wird...», und jetzt kommt dasjenige, wo man — verzeihen Sie den harten Ausdruck! — entweder vom Stengel fallen kann, wenn man es liest, oder auf die Wände heraufkriechen sollte! Der Betreffende will ja dasjenige, was über die Natur und die Welt gedacht worden ist in den Forschungen großer Männer, jetzt, in diesen Zeiten, an seinem Geist vorüberziehen lassen. Deshalb sagt er: «Wir können in der festen Hoffnung, daß die Zukunft nur noch besser werden wird, mit dem großen Natur- und Menschenkenner Goethe sagen:
[ 16 ] Und jetzt die letzten Sätze dieser Einleitung: «Zuweilen hört man sagen, daß wir in der «besten der Welten» leben; darüber läßt sich schwer etwas Wohlbegründetes aussagen, aber wir — wenigstens die Naturforscher — können mit aller Sicherheit behaupten, daß wir in der besten der Zeiten leben. Wir können in der festen Hoffnung, daß die Zukunft nur noch besser werden wird...», und jetzt kommt dasjenige, wo man — verzeihen Sie den harten Ausdruck! — entweder vom Stengel fallen kann, wenn man es liest, oder auf die Wände heraufkriechen sollte! Der Betreffende will ja dasjenige, was über die Natur und die Welt gedacht worden ist in den Forschungen großer Männer, jetzt, in diesen Zeiten, an seinem Geist vorüberziehen lassen. Deshalb sagt er: «Wir können in der festen Hoffnung, daß die Zukunft nur noch besser werden wird, mit dem großen Natur- und Menschenkenner Goethe sagen:
... Es ist ein groß Ergetzen,
Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen.
Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht,
Und wie wir’s dann zuletzt so herrlich weit gebracht.»
... Es ist ein groß Ergetzen,
Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen.
Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht,
Und wie wir’s dann zuletzt so herrlich weit gebracht.»
[ 17 ] In vollem Ernste, meine lieben Freunde, ein großer Mann weist da in seinen Betrachtungen auf den Ausspruch des «großen Natur- und Menschenkenners Goethe» hin, also auf die Worte Wagners, den Goethe bekanntlich im «Faust» sagen läßt:
[ 17 ] In vollem Ernste, meine lieben Freunde, ein großer Mann weist da in seinen Betrachtungen auf den Ausspruch des «großen Natur- und Menschenkenners Goethe» hin, also auf die Worte Wagners, den Goethe bekanntlich im «Faust» sagen läßt:
Verzeiht, es ist ein groß Ergetzen,
Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen,
Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht,
Und wie wir’s dann zuletzt so herrlich weit gebracht.
Verzeiht, es ist ein groß Ergetzen,
Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen,
Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht,
Und wie wir’s dann zuletzt so herrlich weit gebracht.
[ 18 ] Wagner sagt es! Aber Faust erwidert ihm — und vielleicht darf er das, was Faust sagt, im Sinne des «großen Natur- und Menschenkenners» Goethe sagen:
[ 18 ] Wagner sagt es! Aber Faust erwidert ihm — und vielleicht darf er das, was Faust sagt, im Sinne des «großen Natur- und Menschenkenners» Goethe sagen:
O ja! Bis an die Sterne weit!
O ja! Bis an die Sterne weit!
[ 19 ] Es paßt gerade auf den Mann, der es auch «bis an die Sterne weit» gebracht hat! Nämlich:
[ 19 ] Es paßt gerade auf den Mann, der es auch «bis an die Sterne weit» gebracht hat! Nämlich:
O ja! Bis an die Sterne weit!
Mein Freund, die Zeiten der Vergangenheit
Sind uns ein Buch mit sieben Siegeln;
Was ihr den Geist der Zeiten heißt,
Das ist im Grund der Herren eigner Geist,
In dem die Zeiten sich bespiegeln.
Da ist’s denn wahrlich oft ein Jammer!
Man läuft euch bei dem ersten Blick davon.
Ein Kehrichtfaß und eine Rumpelkammer,
Und höchstens eine Haupt- und Staatsaktion
Mit trefflichen pragmatischen Maximen,
Wie sie den Puppen wohl im Munde ziemen!
O ja! Bis an die Sterne weit!
Mein Freund, die Zeiten der Vergangenheit
Sind uns ein Buch mit sieben Siegeln;
Was ihr den Geist der Zeiten heißt,
Das ist im Grund der Herren eigner Geist,
In dem die Zeiten sich bespiegeln.
Da ist’s denn wahrlich oft ein Jammer!
Man läuft euch bei dem ersten Blick davon.
Ein Kehrichtfaß und eine Rumpelkammer,
Und höchstens eine Haupt- und Staatsaktion
Mit trefflichen pragmatischen Maximen,
Wie sie den Puppen wohl im Munde ziemen!
[ 20 ] und so weiter. «Sei er kein schellenlauter Tor» heißt es vorher auch noch. So schreibt 1907 einer der «größten Männer der Gegenwart», der es allerdings «bis zu den Sternen weit» gebracht hat, und der es auch dazu gebracht hat, indem er zurückblickt auf all die andern, die vor ihm gewirkt haben, als Ausspruch des «großen Natur- und Menschenkenners Goethe» die Worte zu gebrauchen:
[ 20 ] und so weiter. «Sei er kein schellenlauter Tor» heißt es vorher auch noch. So schreibt 1907 einer der «größten Männer der Gegenwart», der es allerdings «bis zu den Sternen weit» gebracht hat, und der es auch dazu gebracht hat, indem er zurückblickt auf all die andern, die vor ihm gewirkt haben, als Ausspruch des «großen Natur- und Menschenkenners Goethe» die Worte zu gebrauchen:
Es ist ein groß Ergetzen,
Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen.
Es ist ein groß Ergetzen,
Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen.
[ 21 ] Sie haben gelacht. Aber man wünschte nur, daß dieses Lachen wirklich auch immer angewendet würde, wo innerhalb desjenigen, was heute gerade die Macht hat, solches verwahrloste Denken geltend gemacht wird. Denn das ist ein Beispiel, das uns so recht beweist, wie gerade diejenigen, die fest stehen, sicher stehen auf dem Boden der heutigen wissenschaftlichen Weltanschauungen, die sogar verbunden sind mit "großen Fortschritten auf diesem Gebiete, die selber große Fortschritte gemacht haben, wie sie verwahrlostes Denken produzieren können. Und das beweist, daß das, was man heute materialistische Naturwissenschaft nennt, durchaus nicht ausschließt das alleroberflächlichste Denken. Man kann ein ganz verwahrlostes Denken haben und heute ein großer Mann auf dem Gebiete der äußeren Naturwissenschaft sein. Das muß man aber wissen, und in diesem Sinne muß man sich verhalten können. Das ist eine Signatur unserer Zeit. Wenn es aber so fortdauert, daß jemand, wenn er einmal als großer Mann abgestempelt wird, eben als eine große Autorität gilt, und man dasjenige, was er auf diesem oder jenem Gebiete zu sagen hat, ungeprüft anführt als irgend etwas, was Geltung haben dürfte, dann wird man niemals über die große Misere unserer Zeit hinauskommen. Ich bin überzeugt davon, daß über die Stelle, die ich Ihnen vorgelesen habe, unzählige Menschen heute hinweglesen, gar nicht darüber lachen, wenn sie sie lesen, trotzdem diese Stelle gerade eine solche ist, die uns im eminentesten Sinne darauf hinweist, wo die tiefsten Schäden unserer Zeit liegen, die die Entwickelung der Menschheit in der Gegenwart in den Niedergang hineinführt. Und wo anzusetzen ist mit demjenigen, was der Menschheit not tut, das muß man einsehen; und daß trotz der unermeßlich großen Fortschritte der äußeren Naturwissenschaft das möglich geworden ist, daß gerade die größten Naturforscher des 19. Jahrhunderts, und bis in unsere Tage herein, die schlimmsten Dilettanten geworden sind in bezug auf alle Weltanschauungsfragen, und daß das der große Schaden der Zeit ist, daß unsere gegenwärtigen Menschen das nicht durchschauen — nicht durchschauen, daß die größten Naturforscher des 19. Jahrhunderts gerade die schlimmsten Dilettanten in Weltanschauungsfragen sein müssen, wenn sie sich ganz demjenigen überlassen, was als Geist in der materialistischen Naturanschauung waltet —, und daß die Menschen jenen großen Persönlichkeiten auch dann nachlaufen, wenn diese großen Persönlichkeiten nicht nur die Ergebnisse ihrer Laboratoriumsversuche und ihrer Klinikenuntersuchungen von sich geben, sondern wenn sie dies oder jenes von den Weltengeheimnissen sagen.
[ 21 ] Sie haben gelacht. Aber man wünschte nur, daß dieses Lachen wirklich auch immer angewendet würde, wo innerhalb desjenigen, was heute gerade die Macht hat, solches verwahrloste Denken geltend gemacht wird. Denn das ist ein Beispiel, das uns so recht beweist, wie gerade diejenigen, die fest stehen, sicher stehen auf dem Boden der heutigen wissenschaftlichen Weltanschauungen, die sogar verbunden sind mit "großen Fortschritten auf diesem Gebiete, die selber große Fortschritte gemacht haben, wie sie verwahrlostes Denken produzieren können. Und das beweist, daß das, was man heute materialistische Naturwissenschaft nennt, durchaus nicht ausschließt das alleroberflächlichste Denken. Man kann ein ganz verwahrlostes Denken haben und heute ein großer Mann auf dem Gebiete der äußeren Naturwissenschaft sein. Das muß man aber wissen, und in diesem Sinne muß man sich verhalten können. Das ist eine Signatur unserer Zeit. Wenn es aber so fortdauert, daß jemand, wenn er einmal als großer Mann abgestempelt wird, eben als eine große Autorität gilt, und man dasjenige, was er auf diesem oder jenem Gebiete zu sagen hat, ungeprüft anführt als irgend etwas, was Geltung haben dürfte, dann wird man niemals über die große Misere unserer Zeit hinauskommen. Ich bin überzeugt davon, daß über die Stelle, die ich Ihnen vorgelesen habe, unzählige Menschen heute hinweglesen, gar nicht darüber lachen, wenn sie sie lesen, trotzdem diese Stelle gerade eine solche ist, die uns im eminentesten Sinne darauf hinweist, wo die tiefsten Schäden unserer Zeit liegen, die die Entwickelung der Menschheit in der Gegenwart in den Niedergang hineinführt. Und wo anzusetzen ist mit demjenigen, was der Menschheit not tut, das muß man einsehen; und daß trotz der unermeßlich großen Fortschritte der äußeren Naturwissenschaft das möglich geworden ist, daß gerade die größten Naturforscher des 19. Jahrhunderts, und bis in unsere Tage herein, die schlimmsten Dilettanten geworden sind in bezug auf alle Weltanschauungsfragen, und daß das der große Schaden der Zeit ist, daß unsere gegenwärtigen Menschen das nicht durchschauen — nicht durchschauen, daß die größten Naturforscher des 19. Jahrhunderts gerade die schlimmsten Dilettanten in Weltanschauungsfragen sein müssen, wenn sie sich ganz demjenigen überlassen, was als Geist in der materialistischen Naturanschauung waltet —, und daß die Menschen jenen großen Persönlichkeiten auch dann nachlaufen, wenn diese großen Persönlichkeiten nicht nur die Ergebnisse ihrer Laboratoriumsversuche und ihrer Klinikenuntersuchungen von sich geben, sondern wenn sie dies oder jenes von den Weltengeheimnissen sagen.
[ 22 ] Daher haben wir parallelgehend mit einer Popularisierung der Wissenschaft, die im höchsten Sinne nützlich ist, im höchsten Sinne vorteilhaft ist, zu gleicher Zeit ein Herunterkommen in allen Weltanschauungsfragen, ein verwahrlostes Denken, das epidemienartig, seuchenartig überhand nimmt, weil es sich in alles, alles hineinfrißt, und weil es zuletzt zurückgeht auf die schlimmen Dilettantentume gerade derjenigen, die große Männer sind.
[ 22 ] Daher haben wir parallelgehend mit einer Popularisierung der Wissenschaft, die im höchsten Sinne nützlich ist, im höchsten Sinne vorteilhaft ist, zu gleicher Zeit ein Herunterkommen in allen Weltanschauungsfragen, ein verwahrlostes Denken, das epidemienartig, seuchenartig überhand nimmt, weil es sich in alles, alles hineinfrißt, und weil es zuletzt zurückgeht auf die schlimmen Dilettantentume gerade derjenigen, die große Männer sind.
[ 23 ] Hier liegen die Aufgaben, mit denen sich zunächst wenigstens, wenn wir auch nichts ausführen können, meine lieben Freunde, unsere Interessen verbinden müssen. Wir müssen wenigstens durchschauen, wie die Dinge liegen, und wir müssen uns eine klare Vorstellung davon machen, daß es vor allen Dingen zu viel, viel traurigeren Zeiten führen würde, als wir in der Gegenwart haben, wenn dasjenige, was hier angedeutet worden ist, von den Menschen nicht durchschaut würde, wenn nicht an die Stelle des verwahrlosten Denkens wiederum ein klares und gediegenes Denken in die Menschheit hineingebracht werden könnte. Alles geht zurück auf dieses verwahrloste Denken. Dasjenige, was uns als äußere, oftmals höchst traurige Erscheinung entgegentritt, das wäre nicht da, wenn dieses verwahrloste Denken nicht da wäre.
[ 23 ] Hier liegen die Aufgaben, mit denen sich zunächst wenigstens, wenn wir auch nichts ausführen können, meine lieben Freunde, unsere Interessen verbinden müssen. Wir müssen wenigstens durchschauen, wie die Dinge liegen, und wir müssen uns eine klare Vorstellung davon machen, daß es vor allen Dingen zu viel, viel traurigeren Zeiten führen würde, als wir in der Gegenwart haben, wenn dasjenige, was hier angedeutet worden ist, von den Menschen nicht durchschaut würde, wenn nicht an die Stelle des verwahrlosten Denkens wiederum ein klares und gediegenes Denken in die Menschheit hineingebracht werden könnte. Alles geht zurück auf dieses verwahrloste Denken. Dasjenige, was uns als äußere, oftmals höchst traurige Erscheinung entgegentritt, das wäre nicht da, wenn dieses verwahrloste Denken nicht da wäre.
[ 24 ] Es schien mir, als müßte man am Neujahrsbeginn gerade über diese Dinge sprechen, die mit dem Gesinnungscharakter unserer ganzen Aufgabe zusammenhängen müssen. Denn wenn wir uns angewöhnen, mit einem unbefangenen Blicke hinzuschauen auf die Art und Weise, wie heute gedacht wird, und wie dieses Denken in alle, alle Verhältnisse hinein mächtig ist, dann wird man erst ein Bild von dem bekommen, was zu tun ist und was der Menschheit besonders not tut. Da müssen wir allerdings manche Sehnsucht nach Schlendrian, manche Sehnsucht nach Faulheit und Trägheit überwinden, müssen uns wirklich wenigstens zunächst vorstellen können, daß einer geisteswissenschaftlichen Bewegung Aufgabe auch noch eine andere ist, als bloß Vorträge anzuhören oder zu lesen. Sich mit entsprechenden Vorstellungen bekanntmachen — ich muß es immer wieder betonen! Selbstverständlich können wir zunächst als einzelne und als kleine Gesellschaft nicht viel tun. Aber unser eigenes Denken muß sich in der richtigen Richtung bewegen, muß wissen, um was es sich handelt, muß nicht selber der Gefahr ausgesetzt sein, wenn ich den trivialen Ausdruck gebrauchen darf, hineinzufallen auf den Weltanschauungsdilettantismus gerade derjenigen, die die größten Männer der Zeit sind in bezug auf die äußeren Wissenschaften. Große Männer, die aber Dilettanten in Weltanschauungsfragen sind, begründen allerlei Weltanschauungsgesellschaften, monistische und weiß Gott was für Gesellschaften, ohne daß der richtige Widerspruch sich erhebt, der darinnen bestehen würde, daß man sich wenigstens darüber klar ist, daß, wenn solche Menschen Weltanschauungsgesellschaften begründen, es eben so ist, als wenn man sagen würde: Ich lasse mir bei dem Manne meinen Rock anmessen, denn es hat sich gezeigt, daß das ein vorzüglicher Schuster ist! — Es ist ein Unsinn, aber eben solch ein Unsinn ist es, wenn ein großer Chemiker oder ein großer Psychologe als Weltanschauungsautoritäten hingenommen werden. Daß sie es selber tun, das kann man ihnen nicht verübeln, denn sie können selbstverständlich nicht wissen, wie unzulänglich sie sind. Aber daß sie hingenommen werden, das hängt zusammen mit den großen Schäden unserer Zeit.
[ 24 ] Es schien mir, als müßte man am Neujahrsbeginn gerade über diese Dinge sprechen, die mit dem Gesinnungscharakter unserer ganzen Aufgabe zusammenhängen müssen. Denn wenn wir uns angewöhnen, mit einem unbefangenen Blicke hinzuschauen auf die Art und Weise, wie heute gedacht wird, und wie dieses Denken in alle, alle Verhältnisse hinein mächtig ist, dann wird man erst ein Bild von dem bekommen, was zu tun ist und was der Menschheit besonders not tut. Da müssen wir allerdings manche Sehnsucht nach Schlendrian, manche Sehnsucht nach Faulheit und Trägheit überwinden, müssen uns wirklich wenigstens zunächst vorstellen können, daß einer geisteswissenschaftlichen Bewegung Aufgabe auch noch eine andere ist, als bloß Vorträge anzuhören oder zu lesen. Sich mit entsprechenden Vorstellungen bekanntmachen — ich muß es immer wieder betonen! Selbstverständlich können wir zunächst als einzelne und als kleine Gesellschaft nicht viel tun. Aber unser eigenes Denken muß sich in der richtigen Richtung bewegen, muß wissen, um was es sich handelt, muß nicht selber der Gefahr ausgesetzt sein, wenn ich den trivialen Ausdruck gebrauchen darf, hineinzufallen auf den Weltanschauungsdilettantismus gerade derjenigen, die die größten Männer der Zeit sind in bezug auf die äußeren Wissenschaften. Große Männer, die aber Dilettanten in Weltanschauungsfragen sind, begründen allerlei Weltanschauungsgesellschaften, monistische und weiß Gott was für Gesellschaften, ohne daß der richtige Widerspruch sich erhebt, der darinnen bestehen würde, daß man sich wenigstens darüber klar ist, daß, wenn solche Menschen Weltanschauungsgesellschaften begründen, es eben so ist, als wenn man sagen würde: Ich lasse mir bei dem Manne meinen Rock anmessen, denn es hat sich gezeigt, daß das ein vorzüglicher Schuster ist! — Es ist ein Unsinn, aber eben solch ein Unsinn ist es, wenn ein großer Chemiker oder ein großer Psychologe als Weltanschauungsautoritäten hingenommen werden. Daß sie es selber tun, das kann man ihnen nicht verübeln, denn sie können selbstverständlich nicht wissen, wie unzulänglich sie sind. Aber daß sie hingenommen werden, das hängt zusammen mit den großen Schäden unserer Zeit.
[ 25 ] Es scheint mir so, meine lieben Freunde, als wenn mit unseren Gefühlen ins Ewige hinein eine Silvesterbetrachtung zusammenhängen könnte, und als ob mit demjenigen, was unmittelbar obliegt in bezug auf die Aufgabe des Tages, mit dem, was uns obliegt in bezug auf die unmittelbare Verpflichtung, eine Neujahrsbetrachtung zusammenhängen könnte. So scheint mir schon, daß sich der Ton einer Neujahrsbetrachtung zu dem Ton einer Silvesterbetrachtung so verhalten darf, wie sich die Worte, die ich heute gesprochen habe, zu den Worten verhalten, die ich gestern gesprochen habe.
[ 25 ] Es scheint mir so, meine lieben Freunde, als wenn mit unseren Gefühlen ins Ewige hinein eine Silvesterbetrachtung zusammenhängen könnte, und als ob mit demjenigen, was unmittelbar obliegt in bezug auf die Aufgabe des Tages, mit dem, was uns obliegt in bezug auf die unmittelbare Verpflichtung, eine Neujahrsbetrachtung zusammenhängen könnte. So scheint mir schon, daß sich der Ton einer Neujahrsbetrachtung zu dem Ton einer Silvesterbetrachtung so verhalten darf, wie sich die Worte, die ich heute gesprochen habe, zu den Worten verhalten, die ich gestern gesprochen habe.
