Necessity and Freedom
in World History and Human Action
GA 166
1 February 1916, Berlin
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Notwendigkeit und Freiheit im Weltengeschehen und im menschlichen Handeln
Vierter Vortrag
Vierter Vortrag
[ 1 ] Wir sind zu sehr gewöhnt, so große Fragen wie diejenigen, die wir jetzt als die Fragen der Notwendigkeit und Freiheit in Betracht ziehen, zu behandeln so, daß wir mit einfachen Begriffen, mit möglichst einfachen Begriffen, im Handumdrehen gewissermaßen, vieles auf einmal überspannen wollen. Wir berücksichtigen zumeist nicht, wenn es sich um solche Fragen handelt, daß diese Fragen notwendig machen, darauf zu achten, wie die Zusammenhänge der Welt mannigfaltig sind, wie dasjenige, was an einer Stelle der Welt geschieht, in eine ganz andere Beleuchtung gerückt werden muß, wenn wir es verstehen wollen, als das ganze Ähnliche, das an einer anderen Stelle des Weltgeschehens sich abspielt.
[ 1 ] Wir sind zu sehr gewöhnt, so große Fragen wie diejenigen, die wir jetzt als die Fragen der Notwendigkeit und Freiheit in Betracht ziehen, zu behandeln so, daß wir mit einfachen Begriffen, mit möglichst einfachen Begriffen, im Handumdrehen gewissermaßen, vieles auf einmal überspannen wollen. Wir berücksichtigen zumeist nicht, wenn es sich um solche Fragen handelt, daß diese Fragen notwendig machen, darauf zu achten, wie die Zusammenhänge der Welt mannigfaltig sind, wie dasjenige, was an einer Stelle der Welt geschieht, in eine ganz andere Beleuchtung gerückt werden muß, wenn wir es verstehen wollen, als das ganze Ähnliche, das an einer anderen Stelle des Weltgeschehens sich abspielt.
[ 2 ] Ich möchte zuerst noch einmal erinnern an etwas, das ich in anderem Zusammenhange vor ganz kurzer Zeit hier auch schon erwähnt habe. Ich sagte: Wenn wir so bedeutsame Ereignisse, wie nun wiederum die gegenwärtigen, durch das Weltgeschehen fluten sehen, dann sind wir so sehr geneigt, rasch, gewissermaßen am Nächstliegenden die Ursachen zu suchen, und auch wiederum rasch in demjenigen, was unmittelbar schon in der allernächsten Zeit darauf folgt, die Wirkungen zu erwarten. Wir tun mit einer solchen Betrachtung den Tatsachen durchaus unrecht. Ich machte damals, als ich dies erwähnte, darauf aufmerksam, daß einmal gegenüberstand die Welt des Römertums der Welt des heutigen Mitteleuropas im Beginne der mittelalterlichen Zeit. Man kann nun leichten Herzens geschichtlich sich sagen: Nun ja, man versucht zu erkennen, wie aus gewissen politischen Motiven des alten Roms heraus diese Römer sich gedrängt fühlten, ihre Kriegszüge gegen den — also ihren — Norden zu unternehmen, gegen das, was heute Mitteleuropa ist. Und man kann dann in dem, was sich dann herausbildete, die Folgen suchen.
[ 2 ] Ich möchte zuerst noch einmal erinnern an etwas, das ich in anderem Zusammenhange vor ganz kurzer Zeit hier auch schon erwähnt habe. Ich sagte: Wenn wir so bedeutsame Ereignisse, wie nun wiederum die gegenwärtigen, durch das Weltgeschehen fluten sehen, dann sind wir so sehr geneigt, rasch, gewissermaßen am Nächstliegenden die Ursachen zu suchen, und auch wiederum rasch in demjenigen, was unmittelbar schon in der allernächsten Zeit darauf folgt, die Wirkungen zu erwarten. Wir tun mit einer solchen Betrachtung den Tatsachen durchaus unrecht. Ich machte damals, als ich dies erwähnte, darauf aufmerksam, daß einmal gegenüberstand die Welt des Römertums der Welt des heutigen Mitteleuropas im Beginne der mittelalterlichen Zeit. Man kann nun leichten Herzens geschichtlich sich sagen: Nun ja, man versucht zu erkennen, wie aus gewissen politischen Motiven des alten Roms heraus diese Römer sich gedrängt fühlten, ihre Kriegszüge gegen den — also ihren — Norden zu unternehmen, gegen das, was heute Mitteleuropa ist. Und man kann dann in dem, was sich dann herausbildete, die Folgen suchen.
[ 3 ] Aber mit einer solchen Betrachtung erschöpft man keinesfalls dasjenige, was in Betracht kommt. Denn denken Sie nur einmal, irgend etwas wäre dazumal anders geschehen in dem Vorrücken der Völkerschaften von Osten nach Westen herüber in Europa, anders geschehen etwas im Zusammenprall des Römertums mit dem Germanentum — und die ganze folgende Entwickelung Mitteleuropas, auch bis in die Neuzeit herauf, würde ein anderes Gesicht bekommen haben. Alle Einzelheiten, die wir haben sich abspielen sehen im Laufe der Jahrhunderte bis zu unserer Zeit, würden sich anders abgespielt haben, wenn dazumal nicht jene Volkssubstanz, die wir eben in den alten Römern haben — die sich nicht ganz durchdringen konnte, ich möchte sagen eben wegen ihrer welthistorischen Qualität, wegen ihrer Eigenschaften, mit dem Christentum —, wenn diese Welt nicht zusammengeflossen wäre mit welthistorisch jungen Völkern, die mit junger Kraft das Christentum aufgenommen haben. Durch die Art und Weise, wie der Zusammenstoß erfolgt ist, aus einem, man möchte sagen geistig überreifen Volke, wie es die Römer waren, mit einem welthistorisch jungen Volke, wie es dazumal die Germanen waren, ist all dasjenige entstanden, was später entstanden ist, bis heran, könnte man sagen, zu Goethes «Faust» und alledem, was die Kultur des 19. Jahrhunderts gebracht hat. Hätten die Dinge sich abspielen können, wie sie sich abgespielt haben, wenn das nicht dazumal geschehen wäre? Wir sehen da hinein in eine Strömung, erfüllt von einer inneren, gesetzmäßigen Notwendigkeit, die hinflutet im Weltgeschehen und die sich über weite, weite Gebiete ausdehnt. Wie hätte denn irgend jemand wollen können dazumal seine Handlungen einrichten nach dem, was nunmehr auf dem physischen Plane im Laufe der Jahrhunderte bis heute sich vollzogen hat?
[ 3 ] Aber mit einer solchen Betrachtung erschöpft man keinesfalls dasjenige, was in Betracht kommt. Denn denken Sie nur einmal, irgend etwas wäre dazumal anders geschehen in dem Vorrücken der Völkerschaften von Osten nach Westen herüber in Europa, anders geschehen etwas im Zusammenprall des Römertums mit dem Germanentum — und die ganze folgende Entwickelung Mitteleuropas, auch bis in die Neuzeit herauf, würde ein anderes Gesicht bekommen haben. Alle Einzelheiten, die wir haben sich abspielen sehen im Laufe der Jahrhunderte bis zu unserer Zeit, würden sich anders abgespielt haben, wenn dazumal nicht jene Volkssubstanz, die wir eben in den alten Römern haben — die sich nicht ganz durchdringen konnte, ich möchte sagen eben wegen ihrer welthistorischen Qualität, wegen ihrer Eigenschaften, mit dem Christentum —, wenn diese Welt nicht zusammengeflossen wäre mit welthistorisch jungen Völkern, die mit junger Kraft das Christentum aufgenommen haben. Durch die Art und Weise, wie der Zusammenstoß erfolgt ist, aus einem, man möchte sagen geistig überreifen Volke, wie es die Römer waren, mit einem welthistorisch jungen Volke, wie es dazumal die Germanen waren, ist all dasjenige entstanden, was später entstanden ist, bis heran, könnte man sagen, zu Goethes «Faust» und alledem, was die Kultur des 19. Jahrhunderts gebracht hat. Hätten die Dinge sich abspielen können, wie sie sich abgespielt haben, wenn das nicht dazumal geschehen wäre? Wir sehen da hinein in eine Strömung, erfüllt von einer inneren, gesetzmäßigen Notwendigkeit, die hinflutet im Weltgeschehen und die sich über weite, weite Gebiete ausdehnt. Wie hätte denn irgend jemand wollen können dazumal seine Handlungen einrichten nach dem, was nunmehr auf dem physischen Plane im Laufe der Jahrhunderte bis heute sich vollzogen hat?
[ 4 ] Was sich heute vollzieht, ist wiederum der Ausgangspunkt der Weltgestaltungen, welche notwendig selbstverständlich mit dem, was heute geschieht, zusammenhängen, die aber zunächst, soweit es sich um das Geschehen auf dem physischen Plan handelt, sehr unähnlich sind dem, was zusammengedrängt in kleinem Zeitraume sich abspielt. Ich will dieses nur erwähnen aus dem Grunde, damit Sie sehen, wie tief begründet das ist, was ich im Zusammenhange gerade dieser Betrachtungen schon erwähnte: daß man nicht weit kommt mit dem Grübeln, mit dem Spekulieren über Zusammenhänge in der Welt. Denken Sie, wenn ein Römer oder auch ein Germane im 3., 4. nachchristlichen Jahrhundert sich hätte einspinnen wollen in eine Spekulation über die möglichen Folgen der Kämpfe, die dazumal stattgefunden haben, wie weit er gekommen sein würde. Gar nicht weit!
[ 4 ] Was sich heute vollzieht, ist wiederum der Ausgangspunkt der Weltgestaltungen, welche notwendig selbstverständlich mit dem, was heute geschieht, zusammenhängen, die aber zunächst, soweit es sich um das Geschehen auf dem physischen Plan handelt, sehr unähnlich sind dem, was zusammengedrängt in kleinem Zeitraume sich abspielt. Ich will dieses nur erwähnen aus dem Grunde, damit Sie sehen, wie tief begründet das ist, was ich im Zusammenhange gerade dieser Betrachtungen schon erwähnte: daß man nicht weit kommt mit dem Grübeln, mit dem Spekulieren über Zusammenhänge in der Welt. Denken Sie, wenn ein Römer oder auch ein Germane im 3., 4. nachchristlichen Jahrhundert sich hätte einspinnen wollen in eine Spekulation über die möglichen Folgen der Kämpfe, die dazumal stattgefunden haben, wie weit er gekommen sein würde. Gar nicht weit!
[ 5 ] Notwendig ist es, daß wir uns bewußt werden, daß über dasjenige, was geschehen soll, damit wir es erkennen als wirklich Geschehen-Sollendes, anderes entscheidet als solche Grübeleien über die möglichen Folgen oder über das, was unmittelbar daraus hervorgeht; daß hereinflutet in die Strömung des Geschehens, wie sie auf dem physischen Plane fließt, eben dasjenige, was wir als hereinflutend empfinden aus geistigen Welten: Impulse, für deren Auswirkung im einzelnen wir keine Grübelei brauchen über das, was auf dem physischen Plane geschehen soll. Wir müssen schon uns klar sein darüber, daß gerade der Blick auf das menschliche Geschehen, auf das weltgeschichtliche Geschehen, es notwendig macht, daß man erweitert die Betrachtungsweise über dasjenige hinaus, was auf dem physischen Plane liegt. Und nachdem wir diese Notwendigkeiten nur angeschlagen haben, wollen wir wiederum den Menschen als solchen in Betracht ziehen.
[ 5 ] Notwendig ist es, daß wir uns bewußt werden, daß über dasjenige, was geschehen soll, damit wir es erkennen als wirklich Geschehen-Sollendes, anderes entscheidet als solche Grübeleien über die möglichen Folgen oder über das, was unmittelbar daraus hervorgeht; daß hereinflutet in die Strömung des Geschehens, wie sie auf dem physischen Plane fließt, eben dasjenige, was wir als hereinflutend empfinden aus geistigen Welten: Impulse, für deren Auswirkung im einzelnen wir keine Grübelei brauchen über das, was auf dem physischen Plane geschehen soll. Wir müssen schon uns klar sein darüber, daß gerade der Blick auf das menschliche Geschehen, auf das weltgeschichtliche Geschehen, es notwendig macht, daß man erweitert die Betrachtungsweise über dasjenige hinaus, was auf dem physischen Plane liegt. Und nachdem wir diese Notwendigkeiten nur angeschlagen haben, wollen wir wiederum den Menschen als solchen in Betracht ziehen.
[ 6 ] Ich habe schon das letzte Mal darauf aufmerksam gemacht, wie unmöglich es ist, ein richtiges Verhältnis zu bekommen zu den Handlungen, die man verrichtet hat, die für einen also in der Vergangenheit liegen, wenn man über diese Handlungen fortwährend nur in Grübeleien, in Spekulationen sich ergeht. Man muß vielmehr einsehen, daß das, was vergangen ist, auch das Vergangene der eigenen Handlungen, zum Gebiete der Notwendigkeit gehört, und muß lernen, sich hineinzufinden in den Gedanken: Was geschehen ist, mußte geschehen. Das heißt, ein richtiges Verhältnis zu seinen Handlungen gewinnt man dann, wenn man Objektivität gewinnt gegenüber dem, was man in der Vergangenheit getan oder geleistet hat, wenn man anschauen kann, ich will sagen, eine gelungene und eine mißlungene Handlung, die von einem selber ausgegangen ist, mit gleicher Objektivität.
[ 6 ] Ich habe schon das letzte Mal darauf aufmerksam gemacht, wie unmöglich es ist, ein richtiges Verhältnis zu bekommen zu den Handlungen, die man verrichtet hat, die für einen also in der Vergangenheit liegen, wenn man über diese Handlungen fortwährend nur in Grübeleien, in Spekulationen sich ergeht. Man muß vielmehr einsehen, daß das, was vergangen ist, auch das Vergangene der eigenen Handlungen, zum Gebiete der Notwendigkeit gehört, und muß lernen, sich hineinzufinden in den Gedanken: Was geschehen ist, mußte geschehen. Das heißt, ein richtiges Verhältnis zu seinen Handlungen gewinnt man dann, wenn man Objektivität gewinnt gegenüber dem, was man in der Vergangenheit getan oder geleistet hat, wenn man anschauen kann, ich will sagen, eine gelungene und eine mißlungene Handlung, die von einem selber ausgegangen ist, mit gleicher Objektivität.
[ 7 ] Nun werden Sie selbstverständlich schwerwiegende Einwände haben müssen sogar gegen dasjenige, was ich gerade gesagt habe, denn es gibt solche schwerwiegende Einwände. Denken Sie doch, daß also eben gesagt wurde: wenn wir irgend etwas getan haben, ist es vorbei. Wir finden, wurde gesagt, dadurch ein richtiges Verhältnis zu diesem Getanen, daß wir uns objektiv dazu stellen, daß wir nicht hinterher es anders getan haben wollen. Der schwerwiegende Einwand ist der: Ja, wo bleibt denn eigentlich dann alles dasjenige, was im Menschenleben eine so große Rolle spielen muß, nämlich das Bereuen einer Handlung, die wir vollzogen haben? Selbstverständlich hat derjenige ganz recht, der sagt: Das Bereuen ist notwendig, das Bereuen muß sein. Würde man das Bereuen irgendwie aus der menschlichen Seelenentwickelung ausschalten, so würde man selbstverständlich einen moralischen Impuls von höchstem Werte ausschalten. Schaltet man ihn denn aber nicht aus, wenn man sich einfach so zu alledem stellt, was geschehen ist, daß man es objektiv betrachtet, richtig objektiv betrachtet?
[ 7 ] Nun werden Sie selbstverständlich schwerwiegende Einwände haben müssen sogar gegen dasjenige, was ich gerade gesagt habe, denn es gibt solche schwerwiegende Einwände. Denken Sie doch, daß also eben gesagt wurde: wenn wir irgend etwas getan haben, ist es vorbei. Wir finden, wurde gesagt, dadurch ein richtiges Verhältnis zu diesem Getanen, daß wir uns objektiv dazu stellen, daß wir nicht hinterher es anders getan haben wollen. Der schwerwiegende Einwand ist der: Ja, wo bleibt denn eigentlich dann alles dasjenige, was im Menschenleben eine so große Rolle spielen muß, nämlich das Bereuen einer Handlung, die wir vollzogen haben? Selbstverständlich hat derjenige ganz recht, der sagt: Das Bereuen ist notwendig, das Bereuen muß sein. Würde man das Bereuen irgendwie aus der menschlichen Seelenentwickelung ausschalten, so würde man selbstverständlich einen moralischen Impuls von höchstem Werte ausschalten. Schaltet man ihn denn aber nicht aus, wenn man sich einfach so zu alledem stellt, was geschehen ist, daß man es objektiv betrachtet, richtig objektiv betrachtet?
[ 8 ] Nun, hier liegt in der Tat eine neue Schwierigkeit, eine Schwierigkeit, die der Ausgangspunkt sein kann von unendlich vielen Mißverständnissen. Wir müssen schon auf das Zentrum des Freiheitproblems eingehen, wenn wir diese Schwierigkeit aus dem Wege schaffen wollen. Sehen Sie, der große Spinoza hat gesagt: Im Grunde genommen kann man in der Welt nur von Notwendigkeit sprechen. Freiheit ist im Grunde genommen eine Art Illusion. Denn wenn eine Kugel von einer anderen getroffen wird, so fliegt sie mit Notwendigkeit ihre Bahn. Würde sie ein Bewußtsein haben, so würde sie den Glauben haben — meint Spinoza, ich habe das in meiner «Philosophie der Freiheit» erwähnt —, daß sie ihre Bahn freiwillig geht. — So meint Spinoza. «Und so kommt es denn, daß der Mensch, während er in die Notwendigkeit eingesponnen ist, weiler ein Bewußtsein hat desjenigen, was da geschieht, sich für frei hält.»
[ 8 ] Nun, hier liegt in der Tat eine neue Schwierigkeit, eine Schwierigkeit, die der Ausgangspunkt sein kann von unendlich vielen Mißverständnissen. Wir müssen schon auf das Zentrum des Freiheitproblems eingehen, wenn wir diese Schwierigkeit aus dem Wege schaffen wollen. Sehen Sie, der große Spinoza hat gesagt: Im Grunde genommen kann man in der Welt nur von Notwendigkeit sprechen. Freiheit ist im Grunde genommen eine Art Illusion. Denn wenn eine Kugel von einer anderen getroffen wird, so fliegt sie mit Notwendigkeit ihre Bahn. Würde sie ein Bewußtsein haben, so würde sie den Glauben haben — meint Spinoza, ich habe das in meiner «Philosophie der Freiheit» erwähnt —, daß sie ihre Bahn freiwillig geht. — So meint Spinoza. «Und so kommt es denn, daß der Mensch, während er in die Notwendigkeit eingesponnen ist, weiler ein Bewußtsein hat desjenigen, was da geschieht, sich für frei hält.»
[ 9 ] Aber Spinoza hat doch ganz total unrecht, wirklich ganz unrecht. Die Sache verhält sich nämlich ganz anders. Wenn der Mensch wirklich so fortflöge irgendwohin, wie die Kugel, die nur der Notwendigkeit des Antriebes folgt, so müßte er mit Bezug auf alles das, was sein Fortfliegen ist und wo er nur der Notwendigkeit folgt, das Bewußtsein verlieren. Er müßte unbewußt werden dafür. Es müßte sich das Bewußtsein ausschalten. Das tut es auch. Denken Sie doch nur einmal, mit welcher Schnelligkeit Sie sich nach der Wissenschaft der Astronomie durch den Weltenraum bewegen! Das tun Sie ganz sicher nicht bewußt. Da schaltet sich das Bewußtsein aus. Sie können es gar nicht einmal einschalten, denn es würde Ihnen nicht gelingen, sich in dieser Weise sausend durch den Weltenraum zu bewegen, wie die Wissenschaft der Astronomie es Ihnen zeigt. Was also von einem Menschen mit Notwendigkeit vollzogen wird, dafür muß das Bewußtsein ausgeschaltet werden, und bei so groben Sachen wie das Fliegen durch den Weltenraum merken wir sehr bald, daß dasjenige, was der Notwendigkeit unterliegt, das Bewußtsein ausschaltet. Aber die Sachen sind nicht immer so grob bewußt, sie sind mehr oder weniger nicht bewußt. Sie grenzen nämlich im wirklichen Leben hart aneinander. An den Grenzlinien läßt sich die Sache nicht so ganz grob begreifen wie für den Fall, den ich jetzt eben angeführt habe. Man kann vielmehr sagen: In allem, wofür wir wirklich ein Bewußtsein haben, wovon wir ein unbedingtes Bewußtsein haben, können wir nur frei handeln. Wenn eine Kugel Bewußtsein hätte und ich stieße sie, so würde sie, wenn sie nun eben wirklich Bewußtsein hätte, nur dann in einer bestimmten Richtung fliegen, wenn sie den Impuls in ihr Bewußtsein aufnimmt, den ich ihr gebe, und wenn sie sich nun nach diesem Impulse selber die Bahn gäbe. Die Kugel müßte erst unbewußt werden, das Bewußtsein erst ausschalten, wenn sie bloß dem Impuls folgen sollte.
[ 9 ] Aber Spinoza hat doch ganz total unrecht, wirklich ganz unrecht. Die Sache verhält sich nämlich ganz anders. Wenn der Mensch wirklich so fortflöge irgendwohin, wie die Kugel, die nur der Notwendigkeit des Antriebes folgt, so müßte er mit Bezug auf alles das, was sein Fortfliegen ist und wo er nur der Notwendigkeit folgt, das Bewußtsein verlieren. Er müßte unbewußt werden dafür. Es müßte sich das Bewußtsein ausschalten. Das tut es auch. Denken Sie doch nur einmal, mit welcher Schnelligkeit Sie sich nach der Wissenschaft der Astronomie durch den Weltenraum bewegen! Das tun Sie ganz sicher nicht bewußt. Da schaltet sich das Bewußtsein aus. Sie können es gar nicht einmal einschalten, denn es würde Ihnen nicht gelingen, sich in dieser Weise sausend durch den Weltenraum zu bewegen, wie die Wissenschaft der Astronomie es Ihnen zeigt. Was also von einem Menschen mit Notwendigkeit vollzogen wird, dafür muß das Bewußtsein ausgeschaltet werden, und bei so groben Sachen wie das Fliegen durch den Weltenraum merken wir sehr bald, daß dasjenige, was der Notwendigkeit unterliegt, das Bewußtsein ausschaltet. Aber die Sachen sind nicht immer so grob bewußt, sie sind mehr oder weniger nicht bewußt. Sie grenzen nämlich im wirklichen Leben hart aneinander. An den Grenzlinien läßt sich die Sache nicht so ganz grob begreifen wie für den Fall, den ich jetzt eben angeführt habe. Man kann vielmehr sagen: In allem, wofür wir wirklich ein Bewußtsein haben, wovon wir ein unbedingtes Bewußtsein haben, können wir nur frei handeln. Wenn eine Kugel Bewußtsein hätte und ich stieße sie, so würde sie, wenn sie nun eben wirklich Bewußtsein hätte, nur dann in einer bestimmten Richtung fliegen, wenn sie den Impuls in ihr Bewußtsein aufnimmt, den ich ihr gebe, und wenn sie sich nun nach diesem Impulse selber die Bahn gäbe. Die Kugel müßte erst unbewußt werden, das Bewußtsein erst ausschalten, wenn sie bloß dem Impuls folgen sollte.
[ 10 ] Wenn Sie dieses bedenken, dann werden Sie einen Unterschied machen, den man sonst im Leben gegenüber den Handlungen leider nicht macht. Denn daß man ihn nicht macht, das hat nicht nur eine theoretische Bedeutung, sondern eine tief praktische Bedeutung. Nämlich man macht im Leben den Unterschied nicht zwischen Dingen, die einem mißlingen, und Dingen, die schlecht sind, die unmoralisch sind. Dieser Unterschied ist ein ganz bedeutsamer, ein ganz außerordentlich wichtiger. Was eine mißlungene Handlung ist, was nicht den Absichten gemäß ausgefallen ist als mißlungene Handlung, für das gilt unbedingt, daß wir nur dann das Rechte daraus wissen, wenn wir es objektiv so anschauen können, als ob es absolut notwendig gewesen wäre. Denn es ist, sobald es vergangen ist, im Reiche der absoluten Notwendigkeit. Wenn uns irgend etwas mißlungen ist, und wir empfinden nachher Unbehagen darüber, daß diese Tat mißlungen ist, so gilt es durchaus, daß dieses Unbehagen aus dem Egoismus stammt: wir haben eigentlich ein besserer Mensch sein wollen oder möchten ein besserer Mensch gewesen sein, ein Mensch, der die Sache besser gekonnt hätte. Das ist eben der Egoismus, der drinnensteckt. Und solange dieser Egoismus nicht mit der Wurzel ausgerottet ist, so lange kann das Erlebnis unserer Weiterentwickelung als Seele nicht die schwerwiegende Bedeutung haben, die es haben sollte.
[ 10 ] Wenn Sie dieses bedenken, dann werden Sie einen Unterschied machen, den man sonst im Leben gegenüber den Handlungen leider nicht macht. Denn daß man ihn nicht macht, das hat nicht nur eine theoretische Bedeutung, sondern eine tief praktische Bedeutung. Nämlich man macht im Leben den Unterschied nicht zwischen Dingen, die einem mißlingen, und Dingen, die schlecht sind, die unmoralisch sind. Dieser Unterschied ist ein ganz bedeutsamer, ein ganz außerordentlich wichtiger. Was eine mißlungene Handlung ist, was nicht den Absichten gemäß ausgefallen ist als mißlungene Handlung, für das gilt unbedingt, daß wir nur dann das Rechte daraus wissen, wenn wir es objektiv so anschauen können, als ob es absolut notwendig gewesen wäre. Denn es ist, sobald es vergangen ist, im Reiche der absoluten Notwendigkeit. Wenn uns irgend etwas mißlungen ist, und wir empfinden nachher Unbehagen darüber, daß diese Tat mißlungen ist, so gilt es durchaus, daß dieses Unbehagen aus dem Egoismus stammt: wir haben eigentlich ein besserer Mensch sein wollen oder möchten ein besserer Mensch gewesen sein, ein Mensch, der die Sache besser gekonnt hätte. Das ist eben der Egoismus, der drinnensteckt. Und solange dieser Egoismus nicht mit der Wurzel ausgerottet ist, so lange kann das Erlebnis unserer Weiterentwickelung als Seele nicht die schwerwiegende Bedeutung haben, die es haben sollte.
[ 11 ] Aber wenn wir eine Handlung verrichtet haben, so kommt ja nicht immer in Betracht, daß die Handlung eine mißlungene Handlung ist, sondern es kann eine schlechte Handlung vorliegen, das, was man moralisch schlechte Handlung nennt. Aber schauen wir uns einmal die moralisch schlechten Handlungen an. Schauen wir uns zum Beispiel nun folgende Handlung an, um gleich irgend etwas ganz Sprechendes zu haben. Nehmen wir an, irgend jemand habe nichts zu essen oder hätte irgend etwas gerne aus einem anderen Grunde als Hunger, und er stiehlt. Also «stehlen», nicht wahr, ist eine schlechte Handlung. Nun, schließt dasjenige, was wir gesagt haben, aus, daß irgend jemand, der gestohlen hat, Reue hat über seine Tat? Das schließt es nicht aus! Denn warum nicht, meine lieben Freunde? Aus dem sehr einfachen Grunde nicht, weil im Ernste, in vollem Ernste, derjenige, der gestohlen hat, gar nicht hat stehlen wollen, sondern er hat dasjenige besitzen wollen, was er gestohlen hat. Das Stehlen hätte er fein gelassen, wenn Sie ihm das geschenkt hätten, was er gewollt hat, oder wenn er es auf eine andere Weise hätte kriegen können als durch das Stehlen.
[ 11 ] Aber wenn wir eine Handlung verrichtet haben, so kommt ja nicht immer in Betracht, daß die Handlung eine mißlungene Handlung ist, sondern es kann eine schlechte Handlung vorliegen, das, was man moralisch schlechte Handlung nennt. Aber schauen wir uns einmal die moralisch schlechten Handlungen an. Schauen wir uns zum Beispiel nun folgende Handlung an, um gleich irgend etwas ganz Sprechendes zu haben. Nehmen wir an, irgend jemand habe nichts zu essen oder hätte irgend etwas gerne aus einem anderen Grunde als Hunger, und er stiehlt. Also «stehlen», nicht wahr, ist eine schlechte Handlung. Nun, schließt dasjenige, was wir gesagt haben, aus, daß irgend jemand, der gestohlen hat, Reue hat über seine Tat? Das schließt es nicht aus! Denn warum nicht, meine lieben Freunde? Aus dem sehr einfachen Grunde nicht, weil im Ernste, in vollem Ernste, derjenige, der gestohlen hat, gar nicht hat stehlen wollen, sondern er hat dasjenige besitzen wollen, was er gestohlen hat. Das Stehlen hätte er fein gelassen, wenn Sie ihm das geschenkt hätten, was er gewollt hat, oder wenn er es auf eine andere Weise hätte kriegen können als durch das Stehlen.
[ 12 ] Es ist ein eklatanter Fall. Aber in einer gewissen Weise gilt das für alles, was eigentlich als schlechte Tat in Betracht kommt. Die schlechte Tat als solche, unmittelbar so, wie sie ist, ist eigentlich nie gewollt. Die Sprache hat ein feines Gefühl für die Sache: wenn die schlechte Handlung vorbei ist, «regt sich das Gewissen». Warum regt sich das Gewissen? Weil jetzt erst die schlechte Tat zum Wissen erhoben wird. Sie geht hinauf ins Wissen. Da, wo sie sich vollzogen hat, da war eigentlich im Wissen drinnen das andere, um dessentwillen die schlechte Tat vollzogen worden ist. Die schlechte Tat liegt nicht im Wollen. Und auch die Reue hat den Sinn, daß der Betreffende zum Wissen heraufhebt, wie er sich das Bewußtsein hat trüben lassen in dem Moment, wo er die schlechte Tat ausgeführt hat. Wir müssen immer davon sprechen: Wenn jemand eine schlechte Tat ausübt, so ist dasjenige, um was es sich handelt, das, daß sein Bewußtsein für diese Tat getrübt war, herabgestimmt war, und daß es sich für ihn darum handelt, eben ein Bewußtsein für solche Fälle zu gewinnen, wie der einer war, für den das Bewußtsein herabgestimmt war. Alles Bestrafen hat nur den Sinn, solche Kräfte in der Seele aufzurufen, daß das Bewußtsein sich auch auf solche Fälle erstreckt, die sonst bewirken, daß das Bewußtsein sich ausschaltet.
[ 12 ] Es ist ein eklatanter Fall. Aber in einer gewissen Weise gilt das für alles, was eigentlich als schlechte Tat in Betracht kommt. Die schlechte Tat als solche, unmittelbar so, wie sie ist, ist eigentlich nie gewollt. Die Sprache hat ein feines Gefühl für die Sache: wenn die schlechte Handlung vorbei ist, «regt sich das Gewissen». Warum regt sich das Gewissen? Weil jetzt erst die schlechte Tat zum Wissen erhoben wird. Sie geht hinauf ins Wissen. Da, wo sie sich vollzogen hat, da war eigentlich im Wissen drinnen das andere, um dessentwillen die schlechte Tat vollzogen worden ist. Die schlechte Tat liegt nicht im Wollen. Und auch die Reue hat den Sinn, daß der Betreffende zum Wissen heraufhebt, wie er sich das Bewußtsein hat trüben lassen in dem Moment, wo er die schlechte Tat ausgeführt hat. Wir müssen immer davon sprechen: Wenn jemand eine schlechte Tat ausübt, so ist dasjenige, um was es sich handelt, das, daß sein Bewußtsein für diese Tat getrübt war, herabgestimmt war, und daß es sich für ihn darum handelt, eben ein Bewußtsein für solche Fälle zu gewinnen, wie der einer war, für den das Bewußtsein herabgestimmt war. Alles Bestrafen hat nur den Sinn, solche Kräfte in der Seele aufzurufen, daß das Bewußtsein sich auch auf solche Fälle erstreckt, die sonst bewirken, daß das Bewußtsein sich ausschaltet.
[ 13 ] Unter denjenigen Dissertationen, die an den Universitäten von Philosophen gemacht worden sind, die sich zu gleicher Zeit mit juristischen Problemen beschäftigen, ist besonders häufig die Dissertation über «das Recht, zu strafen». Nun hat man über die Gründe, warum gestraft werden soll, viele Theorien aufgestellt. Die einzig mögliche findet man nur, wenn man weiß, daß es sich darum handelt, mit der Strafe die Kräfte der Seele so anzuspannen, daß das Bewußtsein sich erweitert über Kreise, über die es sich vorher nicht erstreckt hat. Und dies ist auch die Aufgabe der Reue. Die Reue soll gerade darinnen bestehen, die Tat so anzuschauen, daß sie durch ihre Gewalt ins Bewußtsein heraufgehoben wird, so daß das Bewußtsein nun den Zusammenhang so überschaut, daß es das nächste Mal nicht wiederum ausgeschaltet werden kann. Sie sehen, worauf es ankommt: darauf, daß man lernt, im Leben genau zu unterscheiden, wenn man etwas verstehen will, daß man wirklich lernt, zu unterscheiden zwischen vollbewußtem Tun und demjenigen, wofür das Bewußtsein herabgestimmt ist.
[ 13 ] Unter denjenigen Dissertationen, die an den Universitäten von Philosophen gemacht worden sind, die sich zu gleicher Zeit mit juristischen Problemen beschäftigen, ist besonders häufig die Dissertation über «das Recht, zu strafen». Nun hat man über die Gründe, warum gestraft werden soll, viele Theorien aufgestellt. Die einzig mögliche findet man nur, wenn man weiß, daß es sich darum handelt, mit der Strafe die Kräfte der Seele so anzuspannen, daß das Bewußtsein sich erweitert über Kreise, über die es sich vorher nicht erstreckt hat. Und dies ist auch die Aufgabe der Reue. Die Reue soll gerade darinnen bestehen, die Tat so anzuschauen, daß sie durch ihre Gewalt ins Bewußtsein heraufgehoben wird, so daß das Bewußtsein nun den Zusammenhang so überschaut, daß es das nächste Mal nicht wiederum ausgeschaltet werden kann. Sie sehen, worauf es ankommt: darauf, daß man lernt, im Leben genau zu unterscheiden, wenn man etwas verstehen will, daß man wirklich lernt, zu unterscheiden zwischen vollbewußtem Tun und demjenigen, wofür das Bewußtsein herabgestimmt ist.
[ 14 ] Wenn Sie nun dagegen eine Handlung haben, der gegenüber gar nicht in Betracht kommt, ob sie eine schlechte oder gute ist, sondern die eine mißlungene Handlung ist, wobei uns nur etwas nicht gelungen ist, was wir beabsichtigt hatten, da handelt es sich darum, daß wir nun gerade uns unsere Anschauung der Handlung trüben können, wenn wir sie so beurteilen, daß wir einmischen den Gedanken, die Empfindung: Ja, wäre es vielleicht nicht anders geschehen, wenn wir dies oder jenes besser gemacht hätten, oder wenn wir selber anders gewesen wären? Da kommt in Betracht, daß man wirklich ins Auge zu fassen hat: Wenn das Auge einen Gegenstand sehen soll, so kann es sich nicht selber sehen. Es kann sich nicht einen Spiegel vorhalten, denn im Augenblicke, wo das Auge sich den Spiegel vorhält, um sich selbst zu sehen, kann es den Gegenstand nicht sehen. In dem Augenblicke, wo der Mensch darüber spintisiert, wie er hätte anders sein sollen gegenüber einer Tat, die er getan hat, kann diese Tat nicht mit derjenigen Gewalt auf ihn wirken, die ihn vorwärtsbringt in der seelischen Entwickelung. Denn in dem Augenblicke, wo man zwischen sich und seine Tat den Egoismus hineinstellt, der darinnen liegt, daß man eigentlich die Tat hätte anders machen wollen, in dem Augenblicke tut man genau dasselbe, was man macht, wenn man vor das Auge den Spiegel hält, so daß das Auge den Gegenstand nicht sehen kann.
[ 14 ] Wenn Sie nun dagegen eine Handlung haben, der gegenüber gar nicht in Betracht kommt, ob sie eine schlechte oder gute ist, sondern die eine mißlungene Handlung ist, wobei uns nur etwas nicht gelungen ist, was wir beabsichtigt hatten, da handelt es sich darum, daß wir nun gerade uns unsere Anschauung der Handlung trüben können, wenn wir sie so beurteilen, daß wir einmischen den Gedanken, die Empfindung: Ja, wäre es vielleicht nicht anders geschehen, wenn wir dies oder jenes besser gemacht hätten, oder wenn wir selber anders gewesen wären? Da kommt in Betracht, daß man wirklich ins Auge zu fassen hat: Wenn das Auge einen Gegenstand sehen soll, so kann es sich nicht selber sehen. Es kann sich nicht einen Spiegel vorhalten, denn im Augenblicke, wo das Auge sich den Spiegel vorhält, um sich selbst zu sehen, kann es den Gegenstand nicht sehen. In dem Augenblicke, wo der Mensch darüber spintisiert, wie er hätte anders sein sollen gegenüber einer Tat, die er getan hat, kann diese Tat nicht mit derjenigen Gewalt auf ihn wirken, die ihn vorwärtsbringt in der seelischen Entwickelung. Denn in dem Augenblicke, wo man zwischen sich und seine Tat den Egoismus hineinstellt, der darinnen liegt, daß man eigentlich die Tat hätte anders machen wollen, in dem Augenblicke tut man genau dasselbe, was man macht, wenn man vor das Auge den Spiegel hält, so daß das Auge den Gegenstand nicht sehen kann.
[ 15 ] Man kann auch den Vergleich noch anders stellen. Sie wissen, es gibt sogenannte astigmatische Augen. Es sind Augen, bei denen die Bogen der Hornhaut in senkrechter und in Querrichtung verschieden stark gekrümmt sind. Solche Augen haben eine eigentümliche Art des ungenauen Sehens. Man sieht Gespenster, was nur davon herrührt, daß die Hornhaut in unregelmäßiger Weise gebogen ist. Man sieht Gespenster, aber das rührt davon her, daß man eigentlich sein Auge wahrnimmt und nicht das, was draußen ist. Wenn man sein Auge wahrnimmt, weil es unrichtig konstruiert ist, weil es nicht ein Auge geworden ist, das sich selber ganz ausschalten kann und nur den Gegenstand wirken lassen kann im Auge, dann kann man nicht den Gegenstand wahrnehmen. Wenn man seine Seele anfüllt mit dem Gedanken: «Du hättest anders sein können, du hättest dies oder jenes anders machen sollen, dann wäre dir die Sache gelungen», dann ist das geradeso, wie wenn man ein astigmatisches Auge hat: man sieht gar nicht die wirkliche Tatsache, man fälscht sie sich. Aber man muß die wirklichen Tatsachen sehen, die einem zugeteilt sind, dann wirken sie auch wirklich. Wie der Gegenstand, der draußen ist, auf ein gesundes Auge wirkt, so wirken sie auch auf eine Seele, die nicht angefüllt ist mit dem Gefühl über Tatsachen, sondern welche die Tatsachen selbst auf sich wirken läßt. Dann wirken diese Tatsachen in der Seele weiter.
[ 15 ] Man kann auch den Vergleich noch anders stellen. Sie wissen, es gibt sogenannte astigmatische Augen. Es sind Augen, bei denen die Bogen der Hornhaut in senkrechter und in Querrichtung verschieden stark gekrümmt sind. Solche Augen haben eine eigentümliche Art des ungenauen Sehens. Man sieht Gespenster, was nur davon herrührt, daß die Hornhaut in unregelmäßiger Weise gebogen ist. Man sieht Gespenster, aber das rührt davon her, daß man eigentlich sein Auge wahrnimmt und nicht das, was draußen ist. Wenn man sein Auge wahrnimmt, weil es unrichtig konstruiert ist, weil es nicht ein Auge geworden ist, das sich selber ganz ausschalten kann und nur den Gegenstand wirken lassen kann im Auge, dann kann man nicht den Gegenstand wahrnehmen. Wenn man seine Seele anfüllt mit dem Gedanken: «Du hättest anders sein können, du hättest dies oder jenes anders machen sollen, dann wäre dir die Sache gelungen», dann ist das geradeso, wie wenn man ein astigmatisches Auge hat: man sieht gar nicht die wirkliche Tatsache, man fälscht sie sich. Aber man muß die wirklichen Tatsachen sehen, die einem zugeteilt sind, dann wirken sie auch wirklich. Wie der Gegenstand, der draußen ist, auf ein gesundes Auge wirkt, so wirken sie auch auf eine Seele, die nicht angefüllt ist mit dem Gefühl über Tatsachen, sondern welche die Tatsachen selbst auf sich wirken läßt. Dann wirken diese Tatsachen in der Seele weiter.
[ 16 ] Man kann sagen: Jemand, welcher noch nicht die Objektivität gefunden hat gegenüber verflossenen Tatsachen, in die man verwickelt war, der kann diese Tatsachen nicht in ihrer Objektivität sehen und daher von diesen Tatsachen auch nicht dasjenige haben, was er für seine Seele haben soll. Es wäre geradeso, wie wenn unsere Augen stehenbleiben würden im sechsten, siebenten Monat ihrer Embryonal-Entwickelung, wenn die Augen aufhören würden in ihrer Entwickelung und wir dann würden geboren werden zur rechten Zeit: wir würden die ganze Welt falsch sehen. Wenn die Augen sich nicht weiter im sechsten, siebenten, achten, neunten Monat mit uns entwickeln würden, sondern wenn sie stehenblieben: sie würden sich nicht ausschalten. Wir würden etwas ganz anderes sehen als wir in Wirklichkeit sehen.
[ 16 ] Man kann sagen: Jemand, welcher noch nicht die Objektivität gefunden hat gegenüber verflossenen Tatsachen, in die man verwickelt war, der kann diese Tatsachen nicht in ihrer Objektivität sehen und daher von diesen Tatsachen auch nicht dasjenige haben, was er für seine Seele haben soll. Es wäre geradeso, wie wenn unsere Augen stehenbleiben würden im sechsten, siebenten Monat ihrer Embryonal-Entwickelung, wenn die Augen aufhören würden in ihrer Entwickelung und wir dann würden geboren werden zur rechten Zeit: wir würden die ganze Welt falsch sehen. Wenn die Augen sich nicht weiter im sechsten, siebenten, achten, neunten Monat mit uns entwickeln würden, sondern wenn sie stehenblieben: sie würden sich nicht ausschalten. Wir würden etwas ganz anderes sehen als wir in Wirklichkeit sehen.
[ 17 ] So bekommt dasjenige, was wir getan haben, erst dann für uns den rechten Wert, wenn wir so weit sind, daß wir es einreihen können in die Strömung der Notwendigkeit, wenn wir es als etwas Notwendiges ansehen können. Aber wie gesagt, wir müssen uns klarsein darüber, daß wir eben dann die Unterscheidung machen müssen zwischen dem, was gelungen und mißlungen ist, und demjenigen, was in moralischer Beziehung mit «gut» oder «schlecht» belegt wird.
[ 17 ] So bekommt dasjenige, was wir getan haben, erst dann für uns den rechten Wert, wenn wir so weit sind, daß wir es einreihen können in die Strömung der Notwendigkeit, wenn wir es als etwas Notwendiges ansehen können. Aber wie gesagt, wir müssen uns klarsein darüber, daß wir eben dann die Unterscheidung machen müssen zwischen dem, was gelungen und mißlungen ist, und demjenigen, was in moralischer Beziehung mit «gut» oder «schlecht» belegt wird.
[ 18 ] Im Grunde genommen finden Sie die Auseinandersetzungen über alles das, wenn auch in mehr philosophischer Weise gewendet, in meiner «Philosophie der Freiheit» drinnen, denn in dieser «Philosophie der Freiheit» wird ausdrücklich auseinandergesetzt, wie der Mensch frei wird dadurch, daß er dasjenige sich erringt, was ihm möglich macht, Impulse aus der geistigen Welt heraus zu entnehmen. Es wird an einer Stelle sogar ausdrücklich gesagt: Die freien Impulse gehen aus der geistigen Welt heraus. — Das schließt aber nicht aus, daß der Mensch gerade dann gewissermaßen am freiesten handelt mit Bezug auf gewisse Geschehnisse, warum er ganz besonders der Notwendigkeit wiederum folgt. Denn man muß unterscheiden zwischen der rein äußeren physischen Notwendigkeit und der geistigen Notwendigkeit, obwohl beide im Grunde genommen ziemlich einerlei sind. Aber sie unterscheiden sich, man möchte sagen, in bezug auf die Schichtung im Weltendasein, in der sie sich befinden.
[ 18 ] Im Grunde genommen finden Sie die Auseinandersetzungen über alles das, wenn auch in mehr philosophischer Weise gewendet, in meiner «Philosophie der Freiheit» drinnen, denn in dieser «Philosophie der Freiheit» wird ausdrücklich auseinandergesetzt, wie der Mensch frei wird dadurch, daß er dasjenige sich erringt, was ihm möglich macht, Impulse aus der geistigen Welt heraus zu entnehmen. Es wird an einer Stelle sogar ausdrücklich gesagt: Die freien Impulse gehen aus der geistigen Welt heraus. — Das schließt aber nicht aus, daß der Mensch gerade dann gewissermaßen am freiesten handelt mit Bezug auf gewisse Geschehnisse, warum er ganz besonders der Notwendigkeit wiederum folgt. Denn man muß unterscheiden zwischen der rein äußeren physischen Notwendigkeit und der geistigen Notwendigkeit, obwohl beide im Grunde genommen ziemlich einerlei sind. Aber sie unterscheiden sich, man möchte sagen, in bezug auf die Schichtung im Weltendasein, in der sie sich befinden.
[ 19 ] Das ist so: Betrachten Sie wiederum solch eine Gestalt wie zum Beispiel Goethe, die in die Weltgeschichte hineintritt und von der man sagen kann: Wir können die Erziehung eines solchen Menschen wie Goethe verfolgen, wir können sehen, wie er zu dem geworden ist, was er ist, können dann die Impulse verfolgen, die ihn angeleitet haben, seinen «Faust», seine anderen Dichtungen zustande zu bringen. Wir können gewissermaßen alles dasjenige, was Goethe geleistet hat, als ein Ergebnis der Erziehung Goethes ansehen. Und nun sehen wir eben das Goethe-Genie hingestellt. Gewiß, das können wir. Da bleiben wir ganz in Goethe drinnen stehen. Aber sehen Sie, wir können es anders machen. Wir können die geistige Entwickelung im 18. Jahrhundert verfolgen. Nehmen Sie Einzelheiten daraus. Nehmen Sie das zum Beispiel, daß, bevor Goethe an einen «Faust» gedacht hat, Lessing einen «Faust» projektiert hat, daß ein «Faust» schon da war. Man kann sagen, aus den geistigen Problemen, mit denen sich die Zeit beschäftigt hat, aus den geistigen Impulsen ist der Gedanke des «Faust» entstanden. Man kann nun sagen, wenn man den Lessingschen «Faust» und eine Menge anderer solcher «Faust»-Dichtungen prüft: es hat alles zu Faust hingeleitet. Man kann gewissermaßen Goethe auslassen, und man kommt auch zu Faust hin wie zu einer Notwendigkeit. Faust ist aus dem Früheren entstanden. Man kann also Goethes Entwikkelung verfolgen und kommt in seinen «Faust» hinein. Man kann Goethe mehr entwickelungsgemäß vor sich hinstellen, man kann ihn aber ganz auslassen, kann nun streng verfolgen, wie in Europa eine solche Dichtungsart eingetreten ist wie die Nibelungen, wie sich das verdichtet hat zur Parzival-Dichtung, wie Parzival ein strebender Mensch ist, aus einem gewissen Zeitabschnitte der Entwickelung heraus, wie dann eine andere Entwickelung heraufgekommen ist, wie durch eine andere Entwickelung die ParzivalIdee ja ganz vergessen worden ist und jene merkwürdige Idee Platz gegriffen hat, die im Volksbuch des Faust zum Ausdrucke gekommen ist, und die dann das hervorruft, daß ein «Faust» entsteht, man möchte sagen ein Parzival in einem späteren Zeitalter. Man kann Goethe ganz auslassen. Selbstverständlich muß man da nicht pedantisch sein, da tun fünfzig Jahre nichts. Die Zeit ist elastisch, sie kann sich dehnen nach vorn und hinten, also darauf kommt es nicht an. In dieser Weise bestimmt, daß die Zeit eine Rolle spielt, sind nur die ahrimanischen Dinge, die in der Welt vorgehen. Das, was von den guten Göttern herrührt, ist durchaus in der Zeit verschiebbar nach vorne undrückwärts. Aber man kann im allgemeinen sagen: auch wenn der Frankfurter Rat Kaspar Goethe und die Frau Aja nicht den Sohn Wolfgang gehabt hätten, oder wenn der Sohn Wolfgang, der ja, wie Sie wissen, ohnedies schwarz geboren worden ist und nahe daran war, gleich nach der Geburt zu sterben, wenn der gleich nach der Geburt gestorben wäre, so wäre ganz gewiß eben durch einen anderen auch so etwas entstanden, wie die Faust-Dichtung ist. Oder wenn Goethe im 14. Jahrhundert gelebt hätte, würde er sicher keinen «Faust» geschrieben haben. Das sind allerdings unreale Gedanken. Aber man muß sie sich manchmal vor die Seele stellen, um dasjenige, was real ist, einzusehen.
[ 19 ] Das ist so: Betrachten Sie wiederum solch eine Gestalt wie zum Beispiel Goethe, die in die Weltgeschichte hineintritt und von der man sagen kann: Wir können die Erziehung eines solchen Menschen wie Goethe verfolgen, wir können sehen, wie er zu dem geworden ist, was er ist, können dann die Impulse verfolgen, die ihn angeleitet haben, seinen «Faust», seine anderen Dichtungen zustande zu bringen. Wir können gewissermaßen alles dasjenige, was Goethe geleistet hat, als ein Ergebnis der Erziehung Goethes ansehen. Und nun sehen wir eben das Goethe-Genie hingestellt. Gewiß, das können wir. Da bleiben wir ganz in Goethe drinnen stehen. Aber sehen Sie, wir können es anders machen. Wir können die geistige Entwickelung im 18. Jahrhundert verfolgen. Nehmen Sie Einzelheiten daraus. Nehmen Sie das zum Beispiel, daß, bevor Goethe an einen «Faust» gedacht hat, Lessing einen «Faust» projektiert hat, daß ein «Faust» schon da war. Man kann sagen, aus den geistigen Problemen, mit denen sich die Zeit beschäftigt hat, aus den geistigen Impulsen ist der Gedanke des «Faust» entstanden. Man kann nun sagen, wenn man den Lessingschen «Faust» und eine Menge anderer solcher «Faust»-Dichtungen prüft: es hat alles zu Faust hingeleitet. Man kann gewissermaßen Goethe auslassen, und man kommt auch zu Faust hin wie zu einer Notwendigkeit. Faust ist aus dem Früheren entstanden. Man kann also Goethes Entwikkelung verfolgen und kommt in seinen «Faust» hinein. Man kann Goethe mehr entwickelungsgemäß vor sich hinstellen, man kann ihn aber ganz auslassen, kann nun streng verfolgen, wie in Europa eine solche Dichtungsart eingetreten ist wie die Nibelungen, wie sich das verdichtet hat zur Parzival-Dichtung, wie Parzival ein strebender Mensch ist, aus einem gewissen Zeitabschnitte der Entwickelung heraus, wie dann eine andere Entwickelung heraufgekommen ist, wie durch eine andere Entwickelung die ParzivalIdee ja ganz vergessen worden ist und jene merkwürdige Idee Platz gegriffen hat, die im Volksbuch des Faust zum Ausdrucke gekommen ist, und die dann das hervorruft, daß ein «Faust» entsteht, man möchte sagen ein Parzival in einem späteren Zeitalter. Man kann Goethe ganz auslassen. Selbstverständlich muß man da nicht pedantisch sein, da tun fünfzig Jahre nichts. Die Zeit ist elastisch, sie kann sich dehnen nach vorn und hinten, also darauf kommt es nicht an. In dieser Weise bestimmt, daß die Zeit eine Rolle spielt, sind nur die ahrimanischen Dinge, die in der Welt vorgehen. Das, was von den guten Göttern herrührt, ist durchaus in der Zeit verschiebbar nach vorne undrückwärts. Aber man kann im allgemeinen sagen: auch wenn der Frankfurter Rat Kaspar Goethe und die Frau Aja nicht den Sohn Wolfgang gehabt hätten, oder wenn der Sohn Wolfgang, der ja, wie Sie wissen, ohnedies schwarz geboren worden ist und nahe daran war, gleich nach der Geburt zu sterben, wenn der gleich nach der Geburt gestorben wäre, so wäre ganz gewiß eben durch einen anderen auch so etwas entstanden, wie die Faust-Dichtung ist. Oder wenn Goethe im 14. Jahrhundert gelebt hätte, würde er sicher keinen «Faust» geschrieben haben. Das sind allerdings unreale Gedanken. Aber man muß sie sich manchmal vor die Seele stellen, um dasjenige, was real ist, einzusehen.
[ 20 ] Also man kann nun die Frage aufwerfen: Hat denn nun Goethe aus seiner Freiheit heraus den «Faust» oder überhaupt dasjenige, was sein Lebenswerk ist, gemacht, oder liegt da eine unbedingte Notwendigkeit vor? Die größte Freiheit liegt dann vor, wenn man das welthistorisch Notwendige macht! Denn wer glaubt, daß jemals die Freiheit gefährdet sein könnte durch dasjenige, was als Notwendigkeit in der Welt existiert, der soll nur auch gleich sagen: Ich will eine Dichtung schaffen, aber ich bin ein Mensch, der absolut frei wirken will! Also ich will einmal absehen von allen anderen Dichtern, die unfrei waren; ich will eine freie Dichtung schaffen. Aber frei könnte ich nicht sein, wenn ich die Worte benützen wollte, die in der Sprache sind, denn die sind ja durch uralte Notwendigkeit bewirkt. Na ja, das geht natürlich nicht! Ich will ein vollständiger Freiheitsheld sein. Ich mache mir also meine eigene Sprache. — Und nun beginnt er zunächst, sich seine Sprache zu machen. Ja, er würde natürlich das erreichen, daß er mit der Dichtung, die dann in einer noch nicht vorhandenen Sprache auftreten würde, zurückgestoßen würde von der ganzen Welt, daß er mit seiner Freiheit die Widerstandskraft der ganzen Welt entwickeln müßte, die sich ja zunächst selbstverständlich nur im Nichtverstehen äußern würde. Sie sehen daraus, daß gar nicht die Rede davon sein kann, daß Freiheit, die eingreift in den Strom des Geschehens, irgendwie sich beeinträchtigt fühlen kann von der Notwendigkeit, die in der fortgehenden Strömung des Weltengeschehens vorliegt.
[ 20 ] Also man kann nun die Frage aufwerfen: Hat denn nun Goethe aus seiner Freiheit heraus den «Faust» oder überhaupt dasjenige, was sein Lebenswerk ist, gemacht, oder liegt da eine unbedingte Notwendigkeit vor? Die größte Freiheit liegt dann vor, wenn man das welthistorisch Notwendige macht! Denn wer glaubt, daß jemals die Freiheit gefährdet sein könnte durch dasjenige, was als Notwendigkeit in der Welt existiert, der soll nur auch gleich sagen: Ich will eine Dichtung schaffen, aber ich bin ein Mensch, der absolut frei wirken will! Also ich will einmal absehen von allen anderen Dichtern, die unfrei waren; ich will eine freie Dichtung schaffen. Aber frei könnte ich nicht sein, wenn ich die Worte benützen wollte, die in der Sprache sind, denn die sind ja durch uralte Notwendigkeit bewirkt. Na ja, das geht natürlich nicht! Ich will ein vollständiger Freiheitsheld sein. Ich mache mir also meine eigene Sprache. — Und nun beginnt er zunächst, sich seine Sprache zu machen. Ja, er würde natürlich das erreichen, daß er mit der Dichtung, die dann in einer noch nicht vorhandenen Sprache auftreten würde, zurückgestoßen würde von der ganzen Welt, daß er mit seiner Freiheit die Widerstandskraft der ganzen Welt entwickeln müßte, die sich ja zunächst selbstverständlich nur im Nichtverstehen äußern würde. Sie sehen daraus, daß gar nicht die Rede davon sein kann, daß Freiheit, die eingreift in den Strom des Geschehens, irgendwie sich beeinträchtigt fühlen kann von der Notwendigkeit, die in der fortgehenden Strömung des Weltengeschehens vorliegt.
[ 21 ] Man könnte sich auch einen Maler denken, der durchaus frei sein wollte, und der sagen würde: Ja, malen will ich schon, aber ich will nicht auf Leinwand malen oder überhaupt nicht auf eine Fläche malen; ich will frei malen. Versuche ich erst auf einer Grundlage zu malen, die mir gegeben wird? Das werde ich nicht tun! Denn dann bin ich gezwungen, überall der Fläche dieser Grundlage zu folgen. — Diese Grundlage aber hat eine ganz bestimmte Gesetzmäßigkeit. Man folgt ihr, aber das beeinträchtigt durchaus nicht, daß man die Freiheit entwickle.
[ 21 ] Man könnte sich auch einen Maler denken, der durchaus frei sein wollte, und der sagen würde: Ja, malen will ich schon, aber ich will nicht auf Leinwand malen oder überhaupt nicht auf eine Fläche malen; ich will frei malen. Versuche ich erst auf einer Grundlage zu malen, die mir gegeben wird? Das werde ich nicht tun! Denn dann bin ich gezwungen, überall der Fläche dieser Grundlage zu folgen. — Diese Grundlage aber hat eine ganz bestimmte Gesetzmäßigkeit. Man folgt ihr, aber das beeinträchtigt durchaus nicht, daß man die Freiheit entwickle.
[ 22 ] Gerade bei den großen weltgeschichtlichen Ereignissen tritt es einem so recht entgegen, wie dasjenige, was man Notwendigkeit nennen kann, dann, wenn Bewußtsein im Spiele ist, mit Freiheit unmittelbar zusammentreten kann, wo Bewußtheit im Spiele ist. Ich sagte schon: Goethe würde im 14. Jahrhundert nicht haben den «Faust» schaffen können, denn daß im 14. Jahrhundert der «Faust» hätte entstehen können, ist absolut unmöglich. Er würde nicht den «Faust» haben schreiben können. Warum denn.nicht? Ja, weil es etwas gibt, was man bezeichnen muß als Leerheit des Weltgeschehens mit Bezug auf gewisse Entwickelungsimpulse. Geradeso, wie Sie in ein Faß nicht Wasser hineintun können, wenn das Faß schon voll Wasser ist, oder wie Sie nur ein gewisses QJuantum Wasser in ein Faß hineinschütten können, wenn das Faß eben teilweise schon mit Wasser gefüllt ist, so können Sie nicht in eine erfüllte Zeit etwas in beliebiger Weise hineingießen. Im 14. Jahrhundert ist für so etwas, wie es im Faust aus der geistigen Welt heruntergeflossen ist durch einen Menschen in die physische Welt, nicht Leerheit dagewesen, sondern Erfülltheit. Das Geschehen verläuft in Zyklen, und wenn ein Zyklus erfüllt ist, dann tritt Leerheit ein für neue Impulse, die sich dann hineinstellen können in das Weltengeschehen. Es muß erst ein Zyklus inhaltlich erfüllt werden und wiederum Leerheit eintreten in bezug auf diesen Zyklus. Dann können sich in die Leerheit neue Impulse hineinbegeben. Mit Bezug auf dasjenige, was an Impulsen aus der geistigen Welt durch Goethe heruntergeflossen ist in die physische Welt, war Leerheit eingetreten innerhalb der Kulturentwickelung, in der Goethe gestanden hat. Und die Entwickelung verläuft so, daß sie wirklich wellenartig verläuft: Leerheit — höchste Erfülltheit — abflutend wiederum Leerheit. Dann kann Neues hineinkommen.
[ 22 ] Gerade bei den großen weltgeschichtlichen Ereignissen tritt es einem so recht entgegen, wie dasjenige, was man Notwendigkeit nennen kann, dann, wenn Bewußtsein im Spiele ist, mit Freiheit unmittelbar zusammentreten kann, wo Bewußtheit im Spiele ist. Ich sagte schon: Goethe würde im 14. Jahrhundert nicht haben den «Faust» schaffen können, denn daß im 14. Jahrhundert der «Faust» hätte entstehen können, ist absolut unmöglich. Er würde nicht den «Faust» haben schreiben können. Warum denn.nicht? Ja, weil es etwas gibt, was man bezeichnen muß als Leerheit des Weltgeschehens mit Bezug auf gewisse Entwickelungsimpulse. Geradeso, wie Sie in ein Faß nicht Wasser hineintun können, wenn das Faß schon voll Wasser ist, oder wie Sie nur ein gewisses QJuantum Wasser in ein Faß hineinschütten können, wenn das Faß eben teilweise schon mit Wasser gefüllt ist, so können Sie nicht in eine erfüllte Zeit etwas in beliebiger Weise hineingießen. Im 14. Jahrhundert ist für so etwas, wie es im Faust aus der geistigen Welt heruntergeflossen ist durch einen Menschen in die physische Welt, nicht Leerheit dagewesen, sondern Erfülltheit. Das Geschehen verläuft in Zyklen, und wenn ein Zyklus erfüllt ist, dann tritt Leerheit ein für neue Impulse, die sich dann hineinstellen können in das Weltengeschehen. Es muß erst ein Zyklus inhaltlich erfüllt werden und wiederum Leerheit eintreten in bezug auf diesen Zyklus. Dann können sich in die Leerheit neue Impulse hineinbegeben. Mit Bezug auf dasjenige, was an Impulsen aus der geistigen Welt durch Goethe heruntergeflossen ist in die physische Welt, war Leerheit eingetreten innerhalb der Kulturentwickelung, in der Goethe gestanden hat. Und die Entwickelung verläuft so, daß sie wirklich wellenartig verläuft: Leerheit — höchste Erfülltheit — abflutend wiederum Leerheit. Dann kann Neues hineinkommen.
[ 23 ] Darnach richtet nun der Mensch, der zwischen dem Tod und einer neuen Geburt steht, seine Inkarnation ein. Er richtet seine Inkarnation so ein, daß er in der physischen Welt denjenigen Grad von Leerheit oder Erfülltheit trifft, der für seine Impulse das Richtige ist. Jemand, der aus seinen früheren Inkarnationen solche Impulse mitbringt, die als Impulse allerersten Ranges wirken können, also ins Leere hineinfallen müssen, der muß in einem Zeitraume erscheinen, wo in der Welt Leerheit ist. Wer solche Impulse hat, die erst wiederum empfangen werden müssen von der Welt, der muß in einen solchen Zeitraum hineinfallen mit seiner neuen Inkarnation, wo Erfüllung für die Leerheit sein kann. Natürlich ist das für die verschiedensten Gebiete so, daß sie sich durchkreuzen. Das ist ja ganz selbstverständlich. Also wir sehen daraus, daß in gewisser Beziehung wir uns — wenn wir das Wort gebrauchen dürfen — den Zeitpunkt wählen, in dem wir hinunterkommen in die Welt, nach unseren inneren Qualitäten, die wir in uns haben. Und danach richtet sich die innere Notwendigkeit, mit der wir wirken.
[ 23 ] Darnach richtet nun der Mensch, der zwischen dem Tod und einer neuen Geburt steht, seine Inkarnation ein. Er richtet seine Inkarnation so ein, daß er in der physischen Welt denjenigen Grad von Leerheit oder Erfülltheit trifft, der für seine Impulse das Richtige ist. Jemand, der aus seinen früheren Inkarnationen solche Impulse mitbringt, die als Impulse allerersten Ranges wirken können, also ins Leere hineinfallen müssen, der muß in einem Zeitraume erscheinen, wo in der Welt Leerheit ist. Wer solche Impulse hat, die erst wiederum empfangen werden müssen von der Welt, der muß in einen solchen Zeitraum hineinfallen mit seiner neuen Inkarnation, wo Erfüllung für die Leerheit sein kann. Natürlich ist das für die verschiedensten Gebiete so, daß sie sich durchkreuzen. Das ist ja ganz selbstverständlich. Also wir sehen daraus, daß in gewisser Beziehung wir uns — wenn wir das Wort gebrauchen dürfen — den Zeitpunkt wählen, in dem wir hinunterkommen in die Welt, nach unseren inneren Qualitäten, die wir in uns haben. Und danach richtet sich die innere Notwendigkeit, mit der wir wirken.
[ 24 ] Wenn Sie dies jetzt ins Auge fassen, dann wird Ihnen kein Widerspruch mehr bestehen, wenn Sie die aufeinanderfolgenden Ereignisse in der Zeitströmung beobachten und sich sagen: Parzival und so weiter, Faust, das geht so fort, und dann kommt Goethe, und aus seinem Innern heraus kommt dasjenige, was aber ebensogut begriffen werden kann in der aufeinanderfolgenden Zeitströmung. Sie werden keinen Widerspruch mehr empfinden, weil von oben Goethe hinunterschaute und sich oben das in seinem Innern vorbereitete, was dann außen in einem Werke werden konnte. Er läßt also aus seinem Innern dann, indem er auf dem physischen Plane ist, das hervorströmen, was er aufgenommen hat gerade in den vorhergehenden Jahrhunderten, in denen sich die fortflutenden Ereignisse abgespielt haben. Es ist zwischen diesen zwei Behauptungen «Goethes Werk hat in einer bestimmten Zeit hervorgebracht werden müssen» und «Goethe hat es frei hervorgebracht» ebensowenig ein Widerspruch, als wenn ich hier ein Brett hätte, und hier hätte ich 1, 2, 3, 4, 5, 6 Kugeln, also eine Reihe von Kugeln. Dann komme ich mit einem kleinen Becher und sage: die erste Kugel fülle ich in den Becher, die zweite Kugel fülle ich in den Becher, die dritte Kugel fülle ich in den Becher, die vierte Kugel und so weiter, und hier lade ich sie aus. Da sagt einer aber: Die Kugeln, die jetzt da liegen, das sind doch dieselben Kugeln, die dagewesen sind. Nein, sagt ein anderer, das sind die Kugeln, die drinnengewesen sind in dem Becher; aus dem habe ich sie herausgetan.
[ 24 ] Wenn Sie dies jetzt ins Auge fassen, dann wird Ihnen kein Widerspruch mehr bestehen, wenn Sie die aufeinanderfolgenden Ereignisse in der Zeitströmung beobachten und sich sagen: Parzival und so weiter, Faust, das geht so fort, und dann kommt Goethe, und aus seinem Innern heraus kommt dasjenige, was aber ebensogut begriffen werden kann in der aufeinanderfolgenden Zeitströmung. Sie werden keinen Widerspruch mehr empfinden, weil von oben Goethe hinunterschaute und sich oben das in seinem Innern vorbereitete, was dann außen in einem Werke werden konnte. Er läßt also aus seinem Innern dann, indem er auf dem physischen Plane ist, das hervorströmen, was er aufgenommen hat gerade in den vorhergehenden Jahrhunderten, in denen sich die fortflutenden Ereignisse abgespielt haben. Es ist zwischen diesen zwei Behauptungen «Goethes Werk hat in einer bestimmten Zeit hervorgebracht werden müssen» und «Goethe hat es frei hervorgebracht» ebensowenig ein Widerspruch, als wenn ich hier ein Brett hätte, und hier hätte ich 1, 2, 3, 4, 5, 6 Kugeln, also eine Reihe von Kugeln. Dann komme ich mit einem kleinen Becher und sage: die erste Kugel fülle ich in den Becher, die zweite Kugel fülle ich in den Becher, die dritte Kugel fülle ich in den Becher, die vierte Kugel und so weiter, und hier lade ich sie aus. Da sagt einer aber: Die Kugeln, die jetzt da liegen, das sind doch dieselben Kugeln, die dagewesen sind. Nein, sagt ein anderer, das sind die Kugeln, die drinnengewesen sind in dem Becher; aus dem habe ich sie herausgetan.
[ 25 ] Beide Behauptungen können durchaus nebeneinander bestehen. Was in der Zeit sich abgespielt hat, was zuletzt zum «Faust» geführt hat, das ist dasjenige, was sich eingelebt hat in die Seele Goethes, und aus der Seele Goethes kommt es, weil es sich in der Seele Goethes durch die Beobachtung aus der geistigen Welt herunter eben angehäuft hat. Denn wir nehmen immer teil an der gesamten Entwickelung der Welt. Wenn wir nun das so betrachten, so werden wir uns sagen können: In dem Augenblicke , wo wir in die Vergangenheit blicken, müssen wir das Vergangene selbst als ein Notwendiges ansehen. Und wenn wir auf uns blicken und auch das Vergangene gegenwärtig wieder hervorbringen, wenn wir es nur bewußt hervorbringen, so stellen wir in die Gegenwart das in der Vergangenheit notwendig Vorbereitete dennoch durch Freiheit hinein. So kann derjenige der Allerfreieste sein, der das volle Bewußtsein entwickeln kann: Mit dem, was ich tue, tue ich nichts anderes als dasjenige, was geistig notwendig ist. Die Dinge lassen sich nicht mit einer pedantischen Logik entwickeln, sondern die Dinge lassen sich eben nur durch völlig lebendiges Auffassen der Wirklichkeit erschauen.
[ 25 ] Beide Behauptungen können durchaus nebeneinander bestehen. Was in der Zeit sich abgespielt hat, was zuletzt zum «Faust» geführt hat, das ist dasjenige, was sich eingelebt hat in die Seele Goethes, und aus der Seele Goethes kommt es, weil es sich in der Seele Goethes durch die Beobachtung aus der geistigen Welt herunter eben angehäuft hat. Denn wir nehmen immer teil an der gesamten Entwickelung der Welt. Wenn wir nun das so betrachten, so werden wir uns sagen können: In dem Augenblicke , wo wir in die Vergangenheit blicken, müssen wir das Vergangene selbst als ein Notwendiges ansehen. Und wenn wir auf uns blicken und auch das Vergangene gegenwärtig wieder hervorbringen, wenn wir es nur bewußt hervorbringen, so stellen wir in die Gegenwart das in der Vergangenheit notwendig Vorbereitete dennoch durch Freiheit hinein. So kann derjenige der Allerfreieste sein, der das volle Bewußtsein entwickeln kann: Mit dem, was ich tue, tue ich nichts anderes als dasjenige, was geistig notwendig ist. Die Dinge lassen sich nicht mit einer pedantischen Logik entwickeln, sondern die Dinge lassen sich eben nur durch völlig lebendiges Auffassen der Wirklichkeit erschauen.
[ 26 ] Wir können uns noch in einer Weise helfen, um die Sache vollständig zu durchschauen. Wir können uns einmal fragen: Nun ja, schauen wir also zum Beispiel die Tiere an. Für sie ist das Bewußtsein herabgestimmt. Wir wissen, sie haben ein herabgestimmtes Bewußtsein. Das ist öfter von mir ausgeführt. Schauen wir uns den Menschen an: er hat einen Grad von Bewußtsein, der so ist, daß eben Freiheit sich geltend machen kann. Wie ist es denn nun mit dem Bewußtsein der Engel, also derjenigen Wesen, die unmittelbar über dem Menschen stehen? Wie ist es mit dem Bewußtsein der Engel?
[ 26 ] Wir können uns noch in einer Weise helfen, um die Sache vollständig zu durchschauen. Wir können uns einmal fragen: Nun ja, schauen wir also zum Beispiel die Tiere an. Für sie ist das Bewußtsein herabgestimmt. Wir wissen, sie haben ein herabgestimmtes Bewußtsein. Das ist öfter von mir ausgeführt. Schauen wir uns den Menschen an: er hat einen Grad von Bewußtsein, der so ist, daß eben Freiheit sich geltend machen kann. Wie ist es denn nun mit dem Bewußtsein der Engel, also derjenigen Wesen, die unmittelbar über dem Menschen stehen? Wie ist es mit dem Bewußtsein der Engel?
[ 27 ] Es ist sogar sehr schwierig, gleich zu durchschauen das Bewußtsein der Angeloi. Sehen Sie, wenn man als Mensch etwas tun will, dann überlegt man, wie das, was man tun will, sein soll. Und es ist einem mißlungen, wenn auf dem physischen Plane nicht dasjenige eintritt, wovon man sich vorgestellt hat, daß es auf dem physischen Plane eintreten soll. Wenn jemand zwei Stücke Zeug zusammennäht, und, wenn er sie zusammengenäht hat, sie dann auseinandergehen, so ist ihm die Tat mißlungen. Ja, bei der Nähmaschine kann es schon passieren. Dann ist die Tat mißlungen. Also, wenn dasjenige nicht eintritt, was man als eine Vorstellung vorausfaßt für den physischen Plan, dann sagt man: die Tat ist mißlungen. Das heißt, man geht mit seinem Wollen aus auf etwas, das man sich dem Bilde nach ausmalt, wie es auf dem physischen Plan sein soll. So geschieht das Wollen beim Menschen. Nicht so bei den Angeloi.
[ 27 ] Es ist sogar sehr schwierig, gleich zu durchschauen das Bewußtsein der Angeloi. Sehen Sie, wenn man als Mensch etwas tun will, dann überlegt man, wie das, was man tun will, sein soll. Und es ist einem mißlungen, wenn auf dem physischen Plane nicht dasjenige eintritt, wovon man sich vorgestellt hat, daß es auf dem physischen Plane eintreten soll. Wenn jemand zwei Stücke Zeug zusammennäht, und, wenn er sie zusammengenäht hat, sie dann auseinandergehen, so ist ihm die Tat mißlungen. Ja, bei der Nähmaschine kann es schon passieren. Dann ist die Tat mißlungen. Also, wenn dasjenige nicht eintritt, was man als eine Vorstellung vorausfaßt für den physischen Plan, dann sagt man: die Tat ist mißlungen. Das heißt, man geht mit seinem Wollen aus auf etwas, das man sich dem Bilde nach ausmalt, wie es auf dem physischen Plan sein soll. So geschieht das Wollen beim Menschen. Nicht so bei den Angeloi.
[ 28 ] Bei den Angeloi liegt alles in der Absicht. Eine Absicht eines Angeloi kann in der verschiedensten Weise zur Ausführung kommen und es kann doch der Effekt ganz derselbe sein. Es ist einmal wahr, aber es ist natürlich etwas, das, ich möchte sagen, sich im Begriffe gegenüber der gewohnten Logik spießen will. Nur beim Künstlerischen, wenn man das Künstlerische aber menschlich nimmt, da kann man sich diesem Bewußtsein angenähert fühlen. Denn Sie werden immer finden, daß, wenn der Künstler also die Sache menschlich nehmen kann — er braucht ja nicht immer in der Lage zu sein, sein Künstlerisches menschlich zu nehmen, aber wenn er sein Künstlerisches menschlich nehmen kann —, dann kann er unter Umständen dasjenige, was ihm ins Gegenteil gelungen ist, was ihm sogar mißlungen ist, für mehr wert halten als das, was ihm in der Weise gelungen ist, daß er es gerade so ausgeführt hat, wie es hätte werden sollen. Da nähert man sich ein wenig dem außerordentlich schwer Denkbaren, daß beim Bewußtsein der Angeloi, beim Wollen der Angelo: alles ankommt auf die Absichten, und daß diese Absichten in der verschiedensten Weise, ja sogar in der entgegengesetztesten Weise sich auf dem physischen Plane realisieren können. Das heißt, wenn sich ein Engel etwas vornimmt, so nimmt er sich etwas ganz Bestimmtes vor, aber nicht so, daß er sagt: Auf dem physischen Plane muß es so und so aussehen. Das liegt noch gar nicht drinnen. Das wird er erst wissen, wenn es da ist.
[ 28 ] Bei den Angeloi liegt alles in der Absicht. Eine Absicht eines Angeloi kann in der verschiedensten Weise zur Ausführung kommen und es kann doch der Effekt ganz derselbe sein. Es ist einmal wahr, aber es ist natürlich etwas, das, ich möchte sagen, sich im Begriffe gegenüber der gewohnten Logik spießen will. Nur beim Künstlerischen, wenn man das Künstlerische aber menschlich nimmt, da kann man sich diesem Bewußtsein angenähert fühlen. Denn Sie werden immer finden, daß, wenn der Künstler also die Sache menschlich nehmen kann — er braucht ja nicht immer in der Lage zu sein, sein Künstlerisches menschlich zu nehmen, aber wenn er sein Künstlerisches menschlich nehmen kann —, dann kann er unter Umständen dasjenige, was ihm ins Gegenteil gelungen ist, was ihm sogar mißlungen ist, für mehr wert halten als das, was ihm in der Weise gelungen ist, daß er es gerade so ausgeführt hat, wie es hätte werden sollen. Da nähert man sich ein wenig dem außerordentlich schwer Denkbaren, daß beim Bewußtsein der Angeloi, beim Wollen der Angelo: alles ankommt auf die Absichten, und daß diese Absichten in der verschiedensten Weise, ja sogar in der entgegengesetztesten Weise sich auf dem physischen Plane realisieren können. Das heißt, wenn sich ein Engel etwas vornimmt, so nimmt er sich etwas ganz Bestimmtes vor, aber nicht so, daß er sagt: Auf dem physischen Plane muß es so und so aussehen. Das liegt noch gar nicht drinnen. Das wird er erst wissen, wenn es da ist.
[ 29 ] Wir haben gesehen, und ich habe darauf aufmerksam gemacht: sogar bei den Elohim ist ein solches der Fall. Die Elohim schufen das Licht und sie sahen, daß das Licht gut war. Das heißt, dasjenige, was beim Menschen das erste ist, die Vorstellung dessen, was auf dem physischen Plane da ist, das ist im Bewußtsein der geistigen Wesen, die über dem Menschen stehen, gar nicht das erste, sondern da ist das erste die Absicht, und wie es ausgeführt wird, das ist eine ganz andere Frage. Nun ist ja der Mensch in dieser Beziehung natürlich das Mittelgeschöpf zwischen Tier und Engel. Daher neigt er auf der einen Seite mehr in die Bewußtlosigkeit des Tieres hinunter. Überall da, wo Verbrecherisches zutage tritt, ist es jaim wesentlichen die Tierheit, die das im Menschen verursacht. Aber er neigt auf der anderen Seite schon auch hinauf, ich möchte sagen, zum Bewußtsein der Angeloi. Das ist schon so, daß der Mensch die Möglichkeit in sich trägt, über das gewöhnliche Bewußtsein hinaus ein höheres Bewußtsein zu entwickeln, wo ihm die Absichten in einer anderen Weise vors Auge treten, als es sonst beim gewöhnlichen Bewußtsein der Fall ist.
[ 29 ] Wir haben gesehen, und ich habe darauf aufmerksam gemacht: sogar bei den Elohim ist ein solches der Fall. Die Elohim schufen das Licht und sie sahen, daß das Licht gut war. Das heißt, dasjenige, was beim Menschen das erste ist, die Vorstellung dessen, was auf dem physischen Plane da ist, das ist im Bewußtsein der geistigen Wesen, die über dem Menschen stehen, gar nicht das erste, sondern da ist das erste die Absicht, und wie es ausgeführt wird, das ist eine ganz andere Frage. Nun ist ja der Mensch in dieser Beziehung natürlich das Mittelgeschöpf zwischen Tier und Engel. Daher neigt er auf der einen Seite mehr in die Bewußtlosigkeit des Tieres hinunter. Überall da, wo Verbrecherisches zutage tritt, ist es jaim wesentlichen die Tierheit, die das im Menschen verursacht. Aber er neigt auf der anderen Seite schon auch hinauf, ich möchte sagen, zum Bewußtsein der Angeloi. Das ist schon so, daß der Mensch die Möglichkeit in sich trägt, über das gewöhnliche Bewußtsein hinaus ein höheres Bewußtsein zu entwickeln, wo ihm die Absichten in einer anderen Weise vors Auge treten, als es sonst beim gewöhnlichen Bewußtsein der Fall ist.
[ 30 ] Da kann man eben sagen: Nehmen wir einmal an, man läßt sich als ein Mensch auf wichtige Lebensprobleme ein. Dann kann man nicht so mit seinen Absichten gehen, wie man es gewöhnlich macht. Nehmen wir zum Beispiel an, man bekommt als Erzieher — aber jetzt Erzieher im richtigen Sinne — irgendein Kind zu erziehen. Nicht wahr, der Durchschnittsmensch hat seine Erziehungsprinzipien, seine pädagogischen Prinzipien. Der weiß, wann er prügeln soll oder nicht prügeln soll, vielleicht auch, daß er gar niemals prügeln soll und so weiter. Er weiß, wie man das macht, wie man jenes macht. Aber wer die Sache von dem Standpunkte eines höheren Bewufßtseins aus betrachtet, der wird nicht immer in dieser Weise urteilen, sondern er wird alles dem Leben überlassen. Er wird warten, was er beobachten kann. Er wird sich nur das eine vorsetzen: die Absicht, dasjenige zu erreichen, was ihm veranlagt erscheint. Aber dieses veranlagt Erscheinende kann auf vieldeutige Weise erreicht werden. Das ist dasjenige, um was es sich handelt.
[ 30 ] Da kann man eben sagen: Nehmen wir einmal an, man läßt sich als ein Mensch auf wichtige Lebensprobleme ein. Dann kann man nicht so mit seinen Absichten gehen, wie man es gewöhnlich macht. Nehmen wir zum Beispiel an, man bekommt als Erzieher — aber jetzt Erzieher im richtigen Sinne — irgendein Kind zu erziehen. Nicht wahr, der Durchschnittsmensch hat seine Erziehungsprinzipien, seine pädagogischen Prinzipien. Der weiß, wann er prügeln soll oder nicht prügeln soll, vielleicht auch, daß er gar niemals prügeln soll und so weiter. Er weiß, wie man das macht, wie man jenes macht. Aber wer die Sache von dem Standpunkte eines höheren Bewufßtseins aus betrachtet, der wird nicht immer in dieser Weise urteilen, sondern er wird alles dem Leben überlassen. Er wird warten, was er beobachten kann. Er wird sich nur das eine vorsetzen: die Absicht, dasjenige zu erreichen, was ihm veranlagt erscheint. Aber dieses veranlagt Erscheinende kann auf vieldeutige Weise erreicht werden. Das ist dasjenige, um was es sich handelt.
[ 31 ] So werden wir, wenn wir alle diese Dinge zusammennehmen, jetzt auch einsehen, wie wir, um den ganzen Menschen in bezug auf Notwendigkeit und Freiheit zu verstehen, das äußerlich Physische am Menschen beachten müssen und das Innerliche, also zunächst das Ätherische. Wenn wir bloß auf den Ätherleib des Menschen sehen: ich habe Sie schon darauf aufmerksam gemacht, wie der Ätherleib des Menschen ganz andere Wege geht als der physische Leib. Der physische Leib des Menschen — so sagte ich Ihnen einmal —, er ist zuerst jung. Er entwickelt sich dann, wird älter, wird endlich greisenhaft. Der Ätherleib macht das Gegenteil. Wenn wir sagen, wir «altern» in bezug auf den physischen Leib, so müssen wir eigentlich sagen, wir «jüngern» in bezug auf den Ätherleib. Denn der Ätherleib ist in der Tat, wenn wir das Wort «alt» und jung« anwenden wollen, ein Greis, wenn wir geboren werden, denn da ist er ganz zusammengerunzelt, so klein, daß er nur für uns paßt. Wenn wir nun ein normales Alter erreichen und sterben, dann ist dieser Ätherleib wiederum soweit verjüngt, daß wir ihn der ganzen Welt übergeben können, und daß er außen wiederum jung wirken kann. Während der physische Leib altert, «jüngt» der Ätherleib. Der wird immer jünger.
[ 31 ] So werden wir, wenn wir alle diese Dinge zusammennehmen, jetzt auch einsehen, wie wir, um den ganzen Menschen in bezug auf Notwendigkeit und Freiheit zu verstehen, das äußerlich Physische am Menschen beachten müssen und das Innerliche, also zunächst das Ätherische. Wenn wir bloß auf den Ätherleib des Menschen sehen: ich habe Sie schon darauf aufmerksam gemacht, wie der Ätherleib des Menschen ganz andere Wege geht als der physische Leib. Der physische Leib des Menschen — so sagte ich Ihnen einmal —, er ist zuerst jung. Er entwickelt sich dann, wird älter, wird endlich greisenhaft. Der Ätherleib macht das Gegenteil. Wenn wir sagen, wir «altern» in bezug auf den physischen Leib, so müssen wir eigentlich sagen, wir «jüngern» in bezug auf den Ätherleib. Denn der Ätherleib ist in der Tat, wenn wir das Wort «alt» und jung« anwenden wollen, ein Greis, wenn wir geboren werden, denn da ist er ganz zusammengerunzelt, so klein, daß er nur für uns paßt. Wenn wir nun ein normales Alter erreichen und sterben, dann ist dieser Ätherleib wiederum soweit verjüngt, daß wir ihn der ganzen Welt übergeben können, und daß er außen wiederum jung wirken kann. Während der physische Leib altert, «jüngt» der Ätherleib. Der wird immer jünger.
[ 32 ] Wenn wir zu einer abnormen Zeit sterben, Jung sterben, so kann ja der Ätherleib solche Bedeutungen haben wie diejenigen, die ich Ihnen angeführt habe. Aber nicht nur in bezug zum Beispiel auf dieses Altern müssen wir auf diese Verschiedenheit von physischem Leib und Ätherleib sehen, sondern auch in bezug auf Notwendigkeit und Freiheit. Dann, wenn der Mensch am allermeisten in die Notwendigkeit eingespannt ist mit Bezug auf das, was er mit seinem physischen Leibe oder überhaupt als Wesen auf dem physischen Plane vollzieht, dann ist sein Ätherleib am freiesten, dann ist sein Ätherleib ganz sich selbst überlassen. Mit Bezug auf alles dasjenige, wohinein wir in die Notwendigkeit gespannt sind, ist der Ätherleib sich selbst überlassen. Mit Bezug auf alles das, wo der Ätherleib sich in eine Notwendigkeit hineinspannt, ist dasjenige, was der Mensch auf dem physischen Plane entwickelt, in Freiheit begriffen. Während also der physische Leib der Notwendigkeit unterliegt, hat der Ätherleib ein gleiches Maß von Freiheit, und während der Ätherleib einer Notwendigkeit unterliegt, hat dasjenige, was den physischen Leib betrifft, ein gewisses Maß von Freiheit. Was bedeutet das?
[ 32 ] Wenn wir zu einer abnormen Zeit sterben, Jung sterben, so kann ja der Ätherleib solche Bedeutungen haben wie diejenigen, die ich Ihnen angeführt habe. Aber nicht nur in bezug zum Beispiel auf dieses Altern müssen wir auf diese Verschiedenheit von physischem Leib und Ätherleib sehen, sondern auch in bezug auf Notwendigkeit und Freiheit. Dann, wenn der Mensch am allermeisten in die Notwendigkeit eingespannt ist mit Bezug auf das, was er mit seinem physischen Leibe oder überhaupt als Wesen auf dem physischen Plane vollzieht, dann ist sein Ätherleib am freiesten, dann ist sein Ätherleib ganz sich selbst überlassen. Mit Bezug auf alles dasjenige, wohinein wir in die Notwendigkeit gespannt sind, ist der Ätherleib sich selbst überlassen. Mit Bezug auf alles das, wo der Ätherleib sich in eine Notwendigkeit hineinspannt, ist dasjenige, was der Mensch auf dem physischen Plane entwickelt, in Freiheit begriffen. Während also der physische Leib der Notwendigkeit unterliegt, hat der Ätherleib ein gleiches Maß von Freiheit, und während der Ätherleib einer Notwendigkeit unterliegt, hat dasjenige, was den physischen Leib betrifft, ein gewisses Maß von Freiheit. Was bedeutet das?
[ 33 ] Also nehmen Sie einmal an: Sie werden nicht sagen können, daß es Ihnen ganz freisteht, aufzustehen und sich schlafen zu legen, wann Sie wollen. Man steht morgens auf und legt sich abends schlafen. Von einer Freiheit kann da gar nicht die Rede sein. Das hängt zusammen mit eisernen Notwendigkeiten des Lebens. Und selbst wenn Sie irgendwie variieren lassen die Zeit des Aufstehens und Schlafengehens, kann von einer Freiheit gar nicht die Rede sein. Auch essen Sie jeden Tag. Von einer Freiheit kann da nicht die Rede sein. Sie können sich nicht dazu entschließen, diese Notwendigkeit zu durchbrechen und sich Ihre Freiheit dadurch zu suchen, daß Sie zum Beispiel nicht essen, weil Sie das als Zwang empfinden würden, zu essen. In bezug auf alle diese Dinge ist der Mensch in Notwendigkeiten eingespannt. Warum ist er in Notwendigkeiten eingespannt? Weil der Begleiter — wie ich das letzte Mal gesagt habe —, der in seinem Innern ist, der mitgeht während des Lebens hier auf dem physischen Plane mit allem, was mit dem physischen Plane zusammenhängt, was in eine Notwendigkeit eingespannt ist, weil der mittlerweile in Freiheit lebt. Wenn wir uns aber nun mit dem Innern, mit dem Ätherleib in die Notwendigkeit begeben, wodurch kann das geschehen? Gerade dadurch, daß wir uns dem, was wir als eine Notwendigkeit erkennen, bewußt hingeben. Also so, daß wir uns zum Beispiel sagen: Gegenwärtig ist die Zeit, wo derjenige, der dazu reif ist, der das einsehen kann, sich mit der Geisteswissenschaft befassen soll. Selbstverständlich ist niemand äußerlich notwendig dazu gezwungen. Aber man kann es einsehen als eine innere Notwendigkeit, weil es im gegenwärtigen Menschheitszyklus notwendig ist. Man unterwirft sich so erst aus Freiheit der Notwendigkeit. Nichts zwingt einen äußerlich auf dem physischen Plan. Innerlich muß man aus Freiheit gewissermaßen der Nötigung folgen. Da macht sich der Ätherleib selber den Impuls, der ihn mit Notwendigkeit durchdringt. Da macht sich der Ätherleib selber die Notwendigkeit und versetzt sich dadurch in die Möglichkeit, das, was mit Bezug auf den physischen Plan geschieht, in Freiheit zu entwickeln. Das heißt, man lernt die geistige Notwendigkeit kennen und macht sich dadurch immer mehr und mehr frei für alles dasjenige, was das Leben auf dem physischen Plane ist.
[ 33 ] Also nehmen Sie einmal an: Sie werden nicht sagen können, daß es Ihnen ganz freisteht, aufzustehen und sich schlafen zu legen, wann Sie wollen. Man steht morgens auf und legt sich abends schlafen. Von einer Freiheit kann da gar nicht die Rede sein. Das hängt zusammen mit eisernen Notwendigkeiten des Lebens. Und selbst wenn Sie irgendwie variieren lassen die Zeit des Aufstehens und Schlafengehens, kann von einer Freiheit gar nicht die Rede sein. Auch essen Sie jeden Tag. Von einer Freiheit kann da nicht die Rede sein. Sie können sich nicht dazu entschließen, diese Notwendigkeit zu durchbrechen und sich Ihre Freiheit dadurch zu suchen, daß Sie zum Beispiel nicht essen, weil Sie das als Zwang empfinden würden, zu essen. In bezug auf alle diese Dinge ist der Mensch in Notwendigkeiten eingespannt. Warum ist er in Notwendigkeiten eingespannt? Weil der Begleiter — wie ich das letzte Mal gesagt habe —, der in seinem Innern ist, der mitgeht während des Lebens hier auf dem physischen Plane mit allem, was mit dem physischen Plane zusammenhängt, was in eine Notwendigkeit eingespannt ist, weil der mittlerweile in Freiheit lebt. Wenn wir uns aber nun mit dem Innern, mit dem Ätherleib in die Notwendigkeit begeben, wodurch kann das geschehen? Gerade dadurch, daß wir uns dem, was wir als eine Notwendigkeit erkennen, bewußt hingeben. Also so, daß wir uns zum Beispiel sagen: Gegenwärtig ist die Zeit, wo derjenige, der dazu reif ist, der das einsehen kann, sich mit der Geisteswissenschaft befassen soll. Selbstverständlich ist niemand äußerlich notwendig dazu gezwungen. Aber man kann es einsehen als eine innere Notwendigkeit, weil es im gegenwärtigen Menschheitszyklus notwendig ist. Man unterwirft sich so erst aus Freiheit der Notwendigkeit. Nichts zwingt einen äußerlich auf dem physischen Plan. Innerlich muß man aus Freiheit gewissermaßen der Nötigung folgen. Da macht sich der Ätherleib selber den Impuls, der ihn mit Notwendigkeit durchdringt. Da macht sich der Ätherleib selber die Notwendigkeit und versetzt sich dadurch in die Möglichkeit, das, was mit Bezug auf den physischen Plan geschieht, in Freiheit zu entwickeln. Das heißt, man lernt die geistige Notwendigkeit kennen und macht sich dadurch immer mehr und mehr frei für alles dasjenige, was das Leben auf dem physischen Plane ist.
[ 34 ] Nun werden Sie sagen: Also müßte man eigentlich dadurch, daß man sich in eine geistige Notwendigkeit hineinfindet, freier werden für das Leben auf dem physischen Plane. Das ist tatsächlich auch so. Dadurch, daß man sich mit der Strömung des Geistigen in der Welt verbindet, daß man den Strom des Geistigen durch sich durchgehen läßt, nimmt man in der Tat Elemente auf, die einen losreißen von dem Verkettetsein mit der physischen Welt. Selbstverständlich, von dem kann man sich nicht losreißen, was einem zugeteilt ist durch seine vorhergehende Inkarnation, durch sein Karma. Aber wenn man sich nicht in der geschilderten Weise durch Erkenntnis der geistigen Notwendigkeit frei macht von den notwendigen Bedingungen des physischen Planes, so bleibt man nach dem Tode mit diesen notwendigen Bedingungen des physischen Planes verbunden, und man schleppt sie mit. Man schleppt die Notwendigkeiten des physischen Planes durch das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt mit. Man wird nicht frei davon. In jedem Augenblicke wird man immer freier und freier von den Notwendigkeiten des physischen Planes, in dem man sich verbindet mit seinem Ätherleib mit den Notwendigkeiten des geistigen Planes. Das ist wirklich so, daß, wenn man in freier Entschließung einem rein im Geistigen erkannten Impulse folgen kann, man immer freier wird für alles dasjenige, was einen sonst an das physische Leben kettet, kettet weit über den Tod hinaus. Dagegen für alles dasjenige, an was man im physischen Leben gekettet ist, was nicht zu ändern ist, für das wird gerade der Ätherleib als solcher immer freier und freier.
[ 34 ] Nun werden Sie sagen: Also müßte man eigentlich dadurch, daß man sich in eine geistige Notwendigkeit hineinfindet, freier werden für das Leben auf dem physischen Plane. Das ist tatsächlich auch so. Dadurch, daß man sich mit der Strömung des Geistigen in der Welt verbindet, daß man den Strom des Geistigen durch sich durchgehen läßt, nimmt man in der Tat Elemente auf, die einen losreißen von dem Verkettetsein mit der physischen Welt. Selbstverständlich, von dem kann man sich nicht losreißen, was einem zugeteilt ist durch seine vorhergehende Inkarnation, durch sein Karma. Aber wenn man sich nicht in der geschilderten Weise durch Erkenntnis der geistigen Notwendigkeit frei macht von den notwendigen Bedingungen des physischen Planes, so bleibt man nach dem Tode mit diesen notwendigen Bedingungen des physischen Planes verbunden, und man schleppt sie mit. Man schleppt die Notwendigkeiten des physischen Planes durch das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt mit. Man wird nicht frei davon. In jedem Augenblicke wird man immer freier und freier von den Notwendigkeiten des physischen Planes, in dem man sich verbindet mit seinem Ätherleib mit den Notwendigkeiten des geistigen Planes. Das ist wirklich so, daß, wenn man in freier Entschließung einem rein im Geistigen erkannten Impulse folgen kann, man immer freier wird für alles dasjenige, was einen sonst an das physische Leben kettet, kettet weit über den Tod hinaus. Dagegen für alles dasjenige, an was man im physischen Leben gekettet ist, was nicht zu ändern ist, für das wird gerade der Ätherleib als solcher immer freier und freier.
[ 35 ] Und so können wir sehen, wie zusammenwirken auf dem physischen Plane Freiheit und Notwendigkeit, aber auch für den Ätherleib Freiheit und Notwendigkeit. Der Ätherleib bekommt seine Freiheit durch die Notwendigkeit des physischen Planes, und seine Notwendigkeit muß er selber einsehen. Der physische Leib bekommt eben gerade seine Freiheit dadurch, daß der Ätherleib seine Notwendigkeit einsieht, und seine Notwendigkeit ist ihm gegeben durch die Art und Weise, wie er karmisch sich hineingestellt hat in den ganzen Verlauf des physischen Planes.
[ 35 ] Und so können wir sehen, wie zusammenwirken auf dem physischen Plane Freiheit und Notwendigkeit, aber auch für den Ätherleib Freiheit und Notwendigkeit. Der Ätherleib bekommt seine Freiheit durch die Notwendigkeit des physischen Planes, und seine Notwendigkeit muß er selber einsehen. Der physische Leib bekommt eben gerade seine Freiheit dadurch, daß der Ätherleib seine Notwendigkeit einsieht, und seine Notwendigkeit ist ihm gegeben durch die Art und Weise, wie er karmisch sich hineingestellt hat in den ganzen Verlauf des physischen Planes.
[ 36 ] So wirken organisch ineinander der frei-notwendige physische Mensch und der notwendig-freie geistig-seelische Mensch. Freiheit und Notwendigkeit gehen immer ineinander. Aber unmöglich ist es, daß wir einer reinen Notwendigkeit hingegeben sind, wenn wir voll bewußt sind. Dadurch, daß wir etwas mit Bewußtheit durchdringen, daß wir es also so aufnehmen, wie wir voll bewußt davon sein können, dadurch waltet Freiheit in unserer Seele. Dadurch heben wir uns heraus mit unserer Seele aus der Notwendigkeit und machen uns für dasjenige, dessen wir uns bewußt sind, frei. Ja, aber wenn wir nun geistig eine Notwendigkeit erkennen, wenn wir gerade erkennen, daß notwendig ist in der gegenwärtige Zeit, die Strömung der Geisteswissenschaft aufzunehmen, wenn wir uns also gewissermaßen frei in eine Notwendigkeit hineinfügen? Machen wir uns auch dadurch unbewußst? In gewissem Sinne ja! Wir machen uns in gewissem Sinne unbewußstt, denn wir entschließen uns dazu, unser Bewußtsein gerade so weit zu entfalten, bis wir am Tore ankommen, in das hineinströmt, in das hineinleuchtet dasjenige, was aus der geistigen Welt kommen soll. Dann aber nehmen wir das, was aus der geistigen Welt kommen soll, auf, neigen uns den waltenden, wirkenden Mächten, die in der geistigen Welt sich zu uns herniedersenken. Deshalb sprechen wir ja davon, daß wir uns hinaufarbeiten, indem wir uns in die geistige Notwendigkeit hineinarbeiten, zu den Wesen, die sich zu uns neigen. Deshalb werden wir es immer betonen: Wir schweben mit unserem Bewußtsein entgegen den Wesen, die uns durchdringen, die uns durchpulsen aus der geistigen Welt heraus, und wir erwarten, indem wir uns sagen: Notwendig fügen wir uns ein in die Impulse, die aus der geistigen Welt kommen, — wir erwarten, daß dadurch in diese unsere Impulse sich zugleich die Impulse höherer geistiger Wesen hineinsenken. Und dadurch tritt jene relative, jene tiefe Unbewußtheit zutage, wo wir wirksam dasjenige, was geistig in uns wirkt, so empfinden, wie sonst eben eine unbewußte Handlung, wo wir wirklich sicher sind: Der Geist ist in uns, und wo wir ihm folgen dürfen. Ja, wo wir ihm folgen dürfen.
[ 36 ] So wirken organisch ineinander der frei-notwendige physische Mensch und der notwendig-freie geistig-seelische Mensch. Freiheit und Notwendigkeit gehen immer ineinander. Aber unmöglich ist es, daß wir einer reinen Notwendigkeit hingegeben sind, wenn wir voll bewußt sind. Dadurch, daß wir etwas mit Bewußtheit durchdringen, daß wir es also so aufnehmen, wie wir voll bewußt davon sein können, dadurch waltet Freiheit in unserer Seele. Dadurch heben wir uns heraus mit unserer Seele aus der Notwendigkeit und machen uns für dasjenige, dessen wir uns bewußt sind, frei. Ja, aber wenn wir nun geistig eine Notwendigkeit erkennen, wenn wir gerade erkennen, daß notwendig ist in der gegenwärtige Zeit, die Strömung der Geisteswissenschaft aufzunehmen, wenn wir uns also gewissermaßen frei in eine Notwendigkeit hineinfügen? Machen wir uns auch dadurch unbewußst? In gewissem Sinne ja! Wir machen uns in gewissem Sinne unbewußstt, denn wir entschließen uns dazu, unser Bewußtsein gerade so weit zu entfalten, bis wir am Tore ankommen, in das hineinströmt, in das hineinleuchtet dasjenige, was aus der geistigen Welt kommen soll. Dann aber nehmen wir das, was aus der geistigen Welt kommen soll, auf, neigen uns den waltenden, wirkenden Mächten, die in der geistigen Welt sich zu uns herniedersenken. Deshalb sprechen wir ja davon, daß wir uns hinaufarbeiten, indem wir uns in die geistige Notwendigkeit hineinarbeiten, zu den Wesen, die sich zu uns neigen. Deshalb werden wir es immer betonen: Wir schweben mit unserem Bewußtsein entgegen den Wesen, die uns durchdringen, die uns durchpulsen aus der geistigen Welt heraus, und wir erwarten, indem wir uns sagen: Notwendig fügen wir uns ein in die Impulse, die aus der geistigen Welt kommen, — wir erwarten, daß dadurch in diese unsere Impulse sich zugleich die Impulse höherer geistiger Wesen hineinsenken. Und dadurch tritt jene relative, jene tiefe Unbewußtheit zutage, wo wir wirksam dasjenige, was geistig in uns wirkt, so empfinden, wie sonst eben eine unbewußte Handlung, wo wir wirklich sicher sind: Der Geist ist in uns, und wo wir ihm folgen dürfen. Ja, wo wir ihm folgen dürfen.
[ 37 ] Jetzt kommen wir zu unserem Ausgangspunkt zurück. Wenn man bewußt grübeln würde, was alles folgt aus solchen bedeutsamen Ereignissen, wie die der Gegenwart zum Beispiel sind — ich habe sie vorhin verglichen mit den römisch-germanischen Kriegen —, wenn man nun grübelt mit dem gewöhnlichen Bewußtsein, so kommt man zu nichts. In dem Augenblicke aber, wo man sich sagen kann, man will das Rechte nicht durch Grübeln erreichen, sondern man will das Rechte dadurch erreichen, daß das Geistige einströmt, daß man sich dem geistigen Impuls überläßt, dann braucht man nicht zu grübeln. Dann weiß man, diese geistigen Impulse führen, wenn man sich nur von ihnen ergreifen läßt, zum Rechten, die führen zu Strömungen, die auch über die Jahrhunderte, die auch über die Jahrtausende hinausgehen. Das ist dasjenige, was wichtig ist.
[ 37 ] Jetzt kommen wir zu unserem Ausgangspunkt zurück. Wenn man bewußt grübeln würde, was alles folgt aus solchen bedeutsamen Ereignissen, wie die der Gegenwart zum Beispiel sind — ich habe sie vorhin verglichen mit den römisch-germanischen Kriegen —, wenn man nun grübelt mit dem gewöhnlichen Bewußtsein, so kommt man zu nichts. In dem Augenblicke aber, wo man sich sagen kann, man will das Rechte nicht durch Grübeln erreichen, sondern man will das Rechte dadurch erreichen, daß das Geistige einströmt, daß man sich dem geistigen Impuls überläßt, dann braucht man nicht zu grübeln. Dann weiß man, diese geistigen Impulse führen, wenn man sich nur von ihnen ergreifen läßt, zum Rechten, die führen zu Strömungen, die auch über die Jahrhunderte, die auch über die Jahrtausende hinausgehen. Das ist dasjenige, was wichtig ist.
[ 38 ] Dann sagt man: Man braucht jetzt nicht zu denken, die Dinge müssen heute so und morgen so verlaufen, damit das und das und das geschehen kann, sondern dann sagt man sich: Wir leben gegenwärtig in demjenigen Zeitabschnitt der Menschheit, in der Epoche, wo die Weiterentwickelung des irdischen Daseins nur dadurch in der rechten Weise vor sich gehen kann, daß geistige Impulse aus der geistigen Welt unmittelbar ergriffen werden. Also müssen sie ergriffen werden. Und dasjenige, was äußerlich auf dem physischen Plan geschieht, das muß sich damit notwendigerweise verbinden, in der richtigen Weise verbinden. Dann wird das Rechte geschehen. Dann weiß man, ohne daß man nachgrübelt, was morgen und übermorgen sein wird, daß das sich vollziehen wird, daß da die Seelen, die jetzt durch die Todespforte gehen, sowohl in ihrem Ätherleib wie als Seelen, wirken werden, soweit mit ihnen vereinigt werden die Gedanken derjenigen, die in der Zukunft auf den blutgedüngten Feldern die Erde bevölkern werden, daß daraus etwas entstehen wird, was durch die Jahrhunderte hindurch wirken wird. Aber man muß unmittelbar das Bewußtsein haben, dieses Bewußtsein so haben, wie wir das eben öfters ausgedrückt haben mit den Worten:
[ 38 ] Dann sagt man: Man braucht jetzt nicht zu denken, die Dinge müssen heute so und morgen so verlaufen, damit das und das und das geschehen kann, sondern dann sagt man sich: Wir leben gegenwärtig in demjenigen Zeitabschnitt der Menschheit, in der Epoche, wo die Weiterentwickelung des irdischen Daseins nur dadurch in der rechten Weise vor sich gehen kann, daß geistige Impulse aus der geistigen Welt unmittelbar ergriffen werden. Also müssen sie ergriffen werden. Und dasjenige, was äußerlich auf dem physischen Plan geschieht, das muß sich damit notwendigerweise verbinden, in der richtigen Weise verbinden. Dann wird das Rechte geschehen. Dann weiß man, ohne daß man nachgrübelt, was morgen und übermorgen sein wird, daß das sich vollziehen wird, daß da die Seelen, die jetzt durch die Todespforte gehen, sowohl in ihrem Ätherleib wie als Seelen, wirken werden, soweit mit ihnen vereinigt werden die Gedanken derjenigen, die in der Zukunft auf den blutgedüngten Feldern die Erde bevölkern werden, daß daraus etwas entstehen wird, was durch die Jahrhunderte hindurch wirken wird. Aber man muß unmittelbar das Bewußtsein haben, dieses Bewußtsein so haben, wie wir das eben öfters ausgedrückt haben mit den Worten:
Aus dem Mut der Kämpfer,
Aus dem Blut der Schlachten,
Aus dem Leid Verlassener,
Aus des Volkes Opfertaten
Wird erwachsen Geistesfrucht
Lenken Seelen geistbewußt
Ihren Sinn ins Geisterreich.
Aus dem Mut der Kämpfer,
Aus dem Blut der Schlachten,
Aus dem Leid Verlassener,
Aus des Volkes Opfertaten
Wird erwachsen Geistesfrucht
Lenken Seelen geistbewußt
Ihren Sinn ins Geisterreich.
[ 39 ] Das also ist es, um was es sich handelt: daß wir einsehen, daß von einem gewissen Punkte an in der Gegenwart Seelen geistbewußt werden müssen, die willens sind, den Sinn geisterwärts lenken zu können. Dann wird aus dem, was jetzt geschieht, das Rechte werden für die Zukunft. Dazu gehört, um sich mit diesem Gedanken zu durchdringen, ein festes Vertrauen, wie es diejenigen Wesen haben, die wir zur Hierarchie der Angeloi zählen. Denn aus solchem Vertrauen wirken die Angeloi. Sie wissen, wenn sie die rechten Absichten haben, dann entsteht aus diesen rechten Absichten dasjenige, was das Richtige ist. Nicht dadurch, daß sie sich eine bestimmte Gestaltung von zukünftigen Ereignissen vornehmen, sondern dadurch, daß sie die rechten Absichten haben. Diese rechten Absichten sind aber nur geistig zu ergreifen. Wie etwas geistig ergriffen werden soll, dazu kann uns in dem Stile, wie wir das versucht haben, eben wirklich nur ein Denken im Sinne der Geisteswissenschaft Anleitung geben.
[ 39 ] Das also ist es, um was es sich handelt: daß wir einsehen, daß von einem gewissen Punkte an in der Gegenwart Seelen geistbewußt werden müssen, die willens sind, den Sinn geisterwärts lenken zu können. Dann wird aus dem, was jetzt geschieht, das Rechte werden für die Zukunft. Dazu gehört, um sich mit diesem Gedanken zu durchdringen, ein festes Vertrauen, wie es diejenigen Wesen haben, die wir zur Hierarchie der Angeloi zählen. Denn aus solchem Vertrauen wirken die Angeloi. Sie wissen, wenn sie die rechten Absichten haben, dann entsteht aus diesen rechten Absichten dasjenige, was das Richtige ist. Nicht dadurch, daß sie sich eine bestimmte Gestaltung von zukünftigen Ereignissen vornehmen, sondern dadurch, daß sie die rechten Absichten haben. Diese rechten Absichten sind aber nur geistig zu ergreifen. Wie etwas geistig ergriffen werden soll, dazu kann uns in dem Stile, wie wir das versucht haben, eben wirklich nur ein Denken im Sinne der Geisteswissenschaft Anleitung geben.
