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Notwendigkeit und Freiheit
im Weltengeschehen und im menschlichen Handeln
GA 166

25 Januar 1916, Berlin

Erster Vortrag

[ 1 ] Es wird in diesen Tagen, da wir wieder zusammensein können, meine Aufgabe sein, über wichtige, allerdings etwas schwierige Fragen des menschlichen und des Weltenlebens zu sprechen, über Fragen, deren Betrachtung ja selbstverständlich nicht mit diesem Vortrage abgeschlossen, sondern im Gegenteil nur eingeleitet werden kann. Es wird sich im Verlaufe dieser Betrachtung ergeben, wie unendlich wichtig gerade diese Fragen auch sind mit Bezug auf ein seelisches Sich-Verbinden mit den großen, die Menschheit heute so bewegenden Ereignissen. Wenn ich zunächst in zwei abstrakten Worten das zusammenfassen sollte, wovon ich in dieser Zeit zu Ihnen sprechen soll, so könnte ich das zusammenfassen in die zwei Worte: «Notwendigkeit des Welt- und Menschengeschehens» und «Freiheit des Menschen innerhalb des Welt- und Menschengeschehens.»

[ 2 ] Es gibt im Grunde genommen kaum einen Menschen, der sich nicht mehr oder weniger intensiv gerade mit diesen Fragen beschäftigt, und es gibt vielleicht kaum Ereignisse auf dem physischen Plane, welche die Beschäftigung mit diesen Fragen so nahelegen als diejenigen, die jetzt über Europas Völker hin durch die Seelen der Menschen Europas hindurchziehen. Wenn wir das Weltgeschehen und unser eigenes Handeln, Fühlen, Wollen und Denken innerhalb des Weltgeschehens betrachten und es betrachten zunächst im Zusammenhange mit dem, was wir die göttliche, die weisheitsvolle Weltenregierung nennen, so sagen wir uns, diese weisheitsvolle Weltregierung waltet in allem. Und wenn wir auf irgend etwas hinblicken, was geschehen ist, in das wir vielleicht selber hineingestellt gewesen sind, dann können wir hinterher die Frage aufwerfen: War das, was geschehen ist, in das wir selber hineingestellt waren, innerhalb der ganzen weisheitsvollen Weltenregierung so begründet, daß wir sagen können, es war notwendig, es habe nicht anders geschehen können, und wir selber haben nicht anders innerhalb dieses Geschehens handeln können? Oder aber können wir sagen, wenn wir mehr auf das Zukünftige blicken: Es wird sich in dieser oder jener zukünftigen Zeit dieses oder jenes abspielen, von dem wir glauben, daß wir vielleicht hineingestellt sein könnten? Müssen wir nicht etwa annehmen gegenüber der von uns vorausgesetzten weisheitsvollen Weltenregierung, daß dasjenige, was in der Zukunft geschieht, auch notwendig, oder, wie man oftmals sagt, vorhergesehen sei? Kann aber dabei unsere Freiheit bestehen? Können wir uns vornehmen, daß wir irgendwie eingreifen wollen durch die Ideen, durch die Geschicklichkeiten, die wir uns erworben haben? Kann durch die Art, wie wir eingreifen, dasjenige geändert werden, wovon wir vielleicht wollen, daß es nicht in der Weise eintritt, wie es eintreten müßte, wenn unser Eingreifen nicht geschieht?

[ 3 ] Wenn der Mensch mehr zurückblickt auf das Vergangene, dann hat für ihn mehr Eindruck die Idee, alles sei notwendig gewesen, es hätte nicht anders geschehen können. Wenn der Mensch mehr auf die Zukunft hinblickt, dann hat für ihn mehr Eindruck die Idee, es müsse möglich sein, daß er selber, der Mensch, da wo es ihm gegönnt ist, mit seinem Willen eingreifen könne. Kurz, der Mensch wird immer in eine Art von Zwiespalt kommen zwischen der Annahme einer unbedingten Notwendigkeit, die durch alle Dinge geht, und auf der anderen Seite der notwendigen Voraussetzung der Freiheit, ohne die er eigentlich nicht bestehen kann in seiner Weltanschaung, weil er sonst annehmen müßte, daß er wie eine Art Rad in dem großen Räderwerk des Daseins eingewoben sei, welches durch die dieses Räderwerk durchwaltenden Mächte so bestimmt ist, daß auch die Verrichtungen eben seines Rad-Daseins vorausgenommen sind.

[ 4 ] Sie wissen ja auch, daß der Zwiespalt, sich für das eine oder für das andere zu entscheiden, gewissermaßen durch alles Geistesstreben der Menschheit durchgeht, daß es immer Philosophen gegeben hat, man nennt sie Deterministen, die annahmen, daß alles Geschehen, in das wir mit unserem Handeln, mit unserem Wollen eingesponnen sind, streng vorausbestimmt sei, daß es Indeterministen gegeben hat, welche das Gegenteil annahmen: daß der Mensch eingreifen kann durch sein Wollen, durch seine Ideen, in den Gang der Entwickelung. Sie wissen auch, daß das äußerste Extrem des Determinismus der Fatalismus ist, der so streng an einer die Welt durchwaltenden geistigen Notwendigkeit festhält, daß er voraussetzt, daß nichts, gar nichts irgendwie anders geschehen könne, als es eben vorausbestimmt ist, und daß sich der Mensch nur passiv zu fügen habe in das Fatum, das über die Welt ergossen ist dadurch, daß eben alles vorausbestimmt ist.

[ 5 ] Vielleicht wissen einige von Ihnen auch, daß Kant eine Antinomientafel aufgestellt hat, in der er immer auf die. eine Seite eine bestimmte Behauptung, auf die andere Seite deren Gegenteil gestellt hat, zum Beispiel auf die eine Seite die Behauptung: «Die Welt ist dem Raume nach unendlich», auf die andere Seite die Behauptung: «Die Welt ist dem Raume nach endlich», und daß er dann gezeigt hat, daß man das eine ebensogut wie das andere mit den dem Menschen zur Verfügung stehenden Begriffen beweisen kann. Man kann in demselben Sinne streng beweisen: Die Welt ist dem Raume oder der Zeit nach unendlich —, oder: Die Welt sei dem Raum nach endlich, begrenzt, mit Brettern verschlagen, der Zeit nach habe sie einen Anfang genommen.

[ 6 ] Zu diesen Fragen, die Kant in die Antinomientafel geschrieben hat, gehört auch diese, die wir eben berührt haben. Er hat also gewußt und hat die Menschen darauf aufmerksam gemacht, daß man ebenso streng beweisen kann, richtig streng beweisen so, wie man nur streng logisch beweisen kann, daß alles Weltengeschehen einschließlich des Menschengeschehens einer starren Notwendigkeit unterliege, wie man beweisen kann nun wiederum genau so streng, daß der Mensch ein freies Wesen ist und daß er die Dinge, in die er mit seinem Wollen eingreift, durch sein Wollen irgendwie bestimmt. Kant hielt diese Fragen eben für das menschliche Erkenntnisvermögen für unentscheidbar, für Fragen, die über die Grenze des menschlichen Erkenntnisvermögens hinausgehen, weil man das eine ebensogut wie sein Gegenteil streng beweisen kann mit menschlichen Mitteln.

[ 7 ] Nun haben Sie bereits in den Auseinandersetzungen, die wir die Jahre her gepflogen haben, gewissermaßen die Grundlagen, um hinter dieses merkwürdige Rätsel, das da vorliegt, zu kommen. Denn man möchte doch wirklich sagen: Rätselhaft ist schon die Frage, ob denn der Mensch nun in eine Notwendigkeit eingesponnen ist oder ob er frei ist. Rätselhaft ist diese Frage. Aber noch rätselhafter ist doch ganz gewiß dasjenige, daß man beides streng beweisen kann. Sie werden nicht Grundlagen finden, überhaupt auf diesem Gebiet über den Zweifel hinauszukommen, wenn Sie diese Grundlagen suchen außerhalb dessen, was wir Geisteswissenschaft nennen. Nur innerhalb dieser Grundlagen, die die Geisteswissenschaft geben kann, kann man etwas erfahren über dieses Geheimnis, über dieses Rätsel, das den genannten Fragen eigentlich zugrunde liegt.

[ 8 ] Wir werden diesmal recht langsam in unseren Betrachtungen vorwärtsschreiten. Vorwegnehmend möchte ich nur sagen: Wie kommt es denn überhaupt, daß so etwas sein kann, daß der Mensch eine Sache und deren Gegenteil beweisen kann? Da werden wir doch, wenn wir überhaupt an eine solche Sache herangeführt werden, etwas aufmerksam gemacht auf eine gewisse Beschränktheit des gewöhnlichen menschlichen Begriffsvermögens, der gewöhnlichen menschlichen Logik. Aber wir werden noch bei manchen anderen Dingen auf diese Beschränktheit der menschlichen Logik hingewiesen. Sie tritt immer überall da auf, wo der Mensch mit seinen Begriffen an das Unendliche heran will.

[ 9 ] Ich kann Ihnen das an einem sehr einfachen Beispiele zeigen. Sobald der Mensch mit seinen Begriffen an das Unendliche heran will, tritt etwas ein, was man nennen kann: eine Verwirrung in den Begriffen. Ich will es Ihnen an einem sehr einfachen Beispiel klarmachen. Sie müssen mir nur etwas geduldig in einem Ihnen sonst vielleicht ungewohnten Gedankengange folgen. Denken Sie sich, ich schriebe auf die Tafel hintereinander die Zahlen: 1, 2, 3, 4, 5 und so weiter. Ich könnte, nicht wahr, in die Unendlichkeit schreiben: 1, 2, 3, 4, 5, 6 und so weiter. Nun kann ich eine zweite Reihe von Zahlen aufschreiben: von jeder der Zahlen, die ich aufgeschrieben habe, rechts daneben das Doppelte, also:

AltName

[ 10 ] Nun kann ich wieder ins unendliche schreiben. Aber Sie werden mir zugeben: jede Zahl, die rechts steht in der Reihe, ist auch in der linken Reihe vorhanden. Ich kann unterstreichen 2, 4, 6, 8 und so weiter. Sehen Sie sich jetzt einmal die linke Zahlenreihe an: es sind unendlich viele Zahlen möglich. In diesen unendlich vielen Zahlen stecken genau die Zahlen, die rechts stehen in der rechten Reihe: 2, 4, 6 und so weiter stecken drinnen. Ich kann immer mehr unterstreichen. Wenn Sie die unterstrichenen Zahlen nehmen in der linken Reihe, so sind diese unterstrichenen Zahlen jedesmal genau die Hälfte aller Zahlen. Jede zweite ist unterstrichen. Wenn ich sie aber jetzt rechts schreibe, so kann ich: 2, 4, 6, 8 und so weiter ins unendliche fortschreiben. Ich habe links eine Unendlichkeit und rechts eine Unendlichkeit, und man kann nicht sagen, daß ich rechts weniger Zahlen habe als links. Es ist gar keine Frage, daß ich rechts genau so viele Zahlen haben muß wie links. Und dennoch: da alle Zahlen links durch Ausstreichen entstehen können, ist die linke Unendlichkeit nur die Hälfte von der rechten Unendlichkeit. Es ist ganz klar: ich habe rechts genau so viele Zahlen, nämlich unendlich viele, wie links, denn zu jeder Zahl rechts gehört je eine Zahl links — und dennoch kann die Anzahl der Zahlen rechts nur die Hälfte sein von dem, was die Anzahl links ist.

[ 11 ] Es ist gar keine Frage, daß, sobald man ins Unendliche übergeht, man mit dem Denken in die Verwirrung kommt. Die Frage, die sich da ergibt, ist jetzt auch nicht aufzulösen, denn es ist ebenso wahr, daß rechts halb so viele Zahlen wie links, wie es wahr ist, daß rechts genau so vielen Zahlen stehen wie links. Hier haben Sie das in der allereinfachsten Weise.

[ 12 ] Dadurch wird der Mensch schon in einer gewissen Weise darauf geführt, sich für seine Begriffe zu sagen: Also darf ich sie eigentlich nicht fürs Unendliche anwenden, für dasjenige, was über die Sinneswelt hinausgeht — und das Unendliche geht über die Sinneswelt hinaus —, ich darf sie nicht auf das Unendliche anwenden. Glauben Sie, nicht bloß auf das unbegrenzt Unendliche, sondern Sie können sie auch auf das begrenzte Unendliche nicht anwenden, denn im begrenzten Unendlichen ergibt sich dieselbe Verwirrung.

[ 13 ] Denken Sie sich, Sie zeichnen ein Drei-, Vier-, Fünf-, Sechseck und so weiter. Wenn Sie beim Hunderteck angekommen sind, dann werden Sie schon einem Kreis sehr nahe sein. Sie werden die kleinen Linien nicht mehr gut voneinander unterscheiden können, insbesondere wenn Sie weit weggehen. Sie können daher sagen: Ein Kreis ist ein Vieleck von unendlich vielen Seiten. Wenn Sie einen kleinen Kreis haben, sind unendlich viele Seiten darinnen; wenn Sie einen doppelt so großen Kreis haben, sind auch unendlich viele Seiten darinnen — und doch genau doppelt so viel! Sie brauchen also nicht zum unbegrenzten Unendlichen zu gehen, sondern wenn Sie einen kleinen Kreis nehmen, der unendlich viele Seiten hat, und einen doppelt so großen Kreis, der unendlich viele Seiten hat, können Sie da schon in dem überschaubaren Unendlichen auf etwas stoßen, was Ihnen Ihre Begriffe vollständig verwirrt. Dieses, was ich eben gesagt habe, ist außerordentlich wichtig. Denn die Menschen beachten gar nicht, daß sie ein gewisses Feld nur haben, nämlich das Feld des physischen Planes, für die Begriffe, die anwendbar sind, und daß dies so sein muß aus einem gewissen Grunde.

[ 14 ] Sehen Sie, an einem Orte, wo man uns jetzt ein bißchen scharf entgegentritt — was ja jetzt an vielen Orten der Fall ist, bei vielen Menschen —, da hielt ein Pastor eine Rede gegen unsere Geisteswissenschaft, die er schloß, weil er glaubte, daß das ganz besonders wirksam sein könnte, mit einem Ausspruche von Matthias Claudius. Dieser Ausspruch von Matthias Claudius hat ungefähr den Inhalt, daß die Menschenkinder eigentlich arme Sünder sind und gar nicht viel wissen können, und daß sie sich hübsch bescheiden sollen mit dem, was sie wissen, und nicht forschen sollen nach dem, was sie nicht wissen können, Der Mann hat diese Strophe aus einem Gedicht von Matthias Claudius gewählt, weil er gedacht hat, er könne uns das anhängen, daß wir hinauswollten über die Sinneswelt, aber schon Matthias Claudius habe gesagt: der Mensch sei doch ein eitler Sünder, der nicht hinauskann über diese Sinneswelt.

[ 15 ] Ja, «zufällig», wie man so sagt, hat ein Freund von uns dieses Gedicht bei Matthias Claudius nachgeschaut und auch die vorhergehende Strophe gelesen. In der gleich vorhergehenden Strophe steht, daß der Mensch hinausgehen kann auf das Feld und, trotzdem der Mond immer eine volle Scheibe ist, sieht er, wenn nicht gerade Vollmond ist, bloß einen Teil des Mondes, während der andere doch da ist, und so gäbe es in der Welt sehr vieles, wovon man, wenn man es nur im rechten Augenblick anschaut, wissen könne, daß es da ist. Und da Matthias Claudius darauf aufmerksam machen wollte, daß man sich nicht beschränken solle auf dasjenige, was der Sinnenschein unmittelbar ist, sondern daß der ein armer Sünder ist, der sich durch das täuschen lasse, was der Sinnenschein unmittelbar gibt, so fiel dasjenige, was der gute Mann aus dem Matthias Claudius zitiert hat, auf ihn selbst zurück.

[ 16 ] Die Sinneswelt — wenn wir nur nicht eben gerade so sind wie dieser Pastor —, die macht uns darauf aufmerksam zu Zeiten, daß, wo wir den Blick irgendwohin wenden, wir ihn auch auf das andere, auf die andere Seite zu lenken und die eine Seite durch die andere Seite zu korrigieren haben. In bezug auf dasjenige, was über die Sinneswelt hinaus liegt, gibt es aber nicht ein unmittelbares Korrigieren durch die Sinneswelt. Da kann man nicht gleich aufzeigen die andere Strophe, und daher stellt sich das ein, daß der Mensch dann drauflos philosophiert und selbstverständlich auch überzeugt sein muß, daß das wahr ist, denn — es ist streng logisch zu beweisen. Aber das Gegenteil ist eben auch streng logisch zu beweisen. Wir können uns nämlich heute die Frage vorlegen, und die ganzen Betrachtungen, die wir jetzt anstellen, werden dann diese Frage genauer beantworten: Woher kommt es denn, daß, wenn wir über die Sinneswelt hinausgehen, unser Denken so in Verwirrung kommt? Woher kommt denn das überhaupt, daß wir das eine und sein Gegenteil beweisen können? Wir werden finden, wie das zusammenhängt damit, daß das Menschenleben hineingestellt ist wie in die Mitte, wie in die Gleichgewichtslage zwischen zwei entgegengesetzte Kräfte, zwischen die ahrimanischen und die luziferischen Kräfte.

[ 17 ] Gewiß, man kann über die Freiheit und Notwendigkeit nachdenken, und man kann glauben, daß zwingender Beweis ist: Es gibt nur eine Notwendigkeit in der Welt. Aber das Zwingende dieses Beweises hat nämlich Ahriman bewirkt. Auf der einen Seite, wenn man das eine beweist, ist immer Ahriman, der einen verführt; und wenn man das andere beweist, ist immer Luzifer, der einen verführt. Diesen beiden Mächten ist man nämlich immer ausgesetzt, und wenn man nicht berücksichtigt, daß man zwischen diese zwei Mächte hineingestellt ist, so wird man niemals dahinter kommen, woher solche Zwiespalte kommen in der menschlichen Natur, wie der, welcher angeschaut worden ist.

[ 18 ] Nun ist aber allerdings sogar das Gefühl davon, daß im ganzen Weltenwalten neben der Gleichgewichtslage auch der Ausschlag des Pendels nach rechts und nach links, der ahrimanische und der luziferische Ausschlag vorhanden ist, verlorengegangen im 19. Jahrhundert. Vollständig erstorben ist dieses Gefühl. Heute gilt man ja schon im Grunde genommen für einen nicht mehr ganz geistig gesunden Menschen, wenn man von Ahriman und Luzifer spricht, nicht wahr? So schlimm ist es eigentlich erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts geworden, denn ein sehr geistvoller Philosoph, Thrandorff, hat noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts eine sehr hübsche Schrift geschrieben, hier in Berlin, in der er die Ausführungen eines Geistlichen zu widerlegen versuchte. Ein Geistlicher hat hier verbreitet — man darf das in unseren Kreisen hoffentlich schon sagen —, daß es keinen Teufel gibt und daß es eigentlich ein furchtbarer Aberglaube ist, von einem Teufel zu sprechen. Wir sprechen von Ahriman. Da hat der Philosoph Thrandorff gegen den Geistlichen das Wort ergriffen in einer Schrift, die sehr interessant ist: «Der Teufel — kein dogmatisches Hirngespinst.» Noch in der Mitte der fünfziger Jahre versuchte er sozusagen das Dasein von Ahriman streng philosophisch zu beweisen.

[ 19 ] Ich hoffe, im Laufe der öffentlichen Vorträge, die ich in nächster Zeit hier halten werde, gerade auch über diesen verklungenen Ton im Geistesleben sprechen zu können, über das Theosophische, das in der Mitte des 19. Jahrhunderts völlig verschwindet. Man hat schon bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts von diesen Dingen, wenn auch unter anderem Namen, gesprochen. Das Gefühl selbst davon ist verlorengegangen, aber dieses Gefühl war im Grunde genommen in einer feinen Weise vorhanden bis ins 14., 15. Jahrhundert herein, bis es eben auf naturgemäße Weise eine Zeitlang in den Hintergrund treten mußte. Wir wissen ja, daß Geisteswissenschaft, wie ich oft betont habe, ganz und gar nicht etwa leugnet den großen Wert und die große Bedeutung des naturwissenschaftlichen Aufschwungs. Aber daß dieser naturwissenschaftliche Aufschwung kommen konnte, das war bedingt dadurch, daß die Empfindung, das Gefühl für diesen nur im Geistigen zu findenden Gegensatz, Ahriman und Luzifer, verlorengegangen sind. Jetzt müssen sie wiederum herauftauchen über die Schwelle des menschlichen Bewußtseins. Ein feines Gefühl war vorhanden bis in das 15. Jahrhundert herein.

[ 20 ] Ich möchte Ihnen an einem Beispiel zeigen, wie sich die Dinge gestalteten in bezug auf Ahriman und Luzifer, als schon nur mehr ein Gefühl davon vorhanden war, daß das zwei Mächte sind, die da walten. Ich möchte es an einem Beispiel erläutern:

[ 21 ] In Prag, am Altstädtischen Rathaus, gibt es eine sehr merkwürdige Uhr, die im 15. Jahrhundert entstanden ist. Diese Uhr ist wirklich eine Art Wunderwerk. Äußerlich sieht sie sich zunächst an wie eine Art von Sonnenuhr, aber sie ist so kompliziert konstruiert, daß die Folge der Stunden auf zweifache Weise angezeigt wird, auf altböhmische Weise und nach der neueren Zeitrechnung. Die Folge der Stunden in der altböhmischen Weise ging von 1 beziehungsweise O bis 24, und die andere, spätere Zeit nur bis 12. Immer bei Sonnenuntergang stand der Schattenzeiger — es war da Schatten — auf 1. Und die Uhr war so eingerichtet, daß wirklich immer bei Sonnenuntergang der Zeiger auf 1 stand. Also trotz all der Verschiedenheit der Sonnenuntergänge stand immer der Zeiger auf 1.

[ 22 ] Diese Uhr zeigte außerdem aber noch immer an, wenn eine Sonnen- und Mondesfinsternis eintrat. Sie zeigte auch an den Gang der verschiedenen Planeten durch die Himmelszeichen, es war ein Planetenkreis daran. Sie zeigte sogar an — sie ist wirklich wunderbar konstruiert — die beweglichen Feste. Also sie deutete an, wann Ostern in einem bestimmten Jahre war. Sie war zugleich ein Kalender. Man sah den Fortgang von Januar bis Dezember. Die Beweglichkeit von Ostern war eingeschlossen. An einem bestimmten Zeiger sah man, wann Ostern fiel, trotzdem es ein bewegliches Fest ist, ebenso Pfingsten.

[ 23 ] Die Uhr war also außerordentlich bedeutsam konstruiert im 15. Jahrhundert. Nun ist ja die Geschichte, wie sie konstruiert worden ist, erforscht. Aber außer dieser erforschten Geschichte, die also dokumentarisch daliegt, die Sie nachlesen können — es gibt ja viele Beschreibungen davon —, gibt es eine Sage, welche versucht, nun auch das Merkwürdige zu erklären, das mit dieser Uhr vorlag, erstens, indem sie eine so wunderbare Konstruktion ist, und auf der anderen Seite das andere zu erklären, nämlich daß diese Uhr, nachdem sie von dem genialen Mann, der sie eben machen konnte, konstruiert war, immer aufgezogen wurde, solange er lebte. Nach seinem Tode konnte keiner die Sache aufziehen, und man suchte überall Leute, die sie herrichten könnten, daß sie ginge. Man erreichte in der Regel nichts, als daß die Betreffenden sie ruinierten. Dann fand sich wiederum einmal der eine oder andere, der sagte, er könne sie zusammenrichten. Er richtete sie auch her, aber die Uhr kam immer wiederum und wiederum in Unordnung.

[ 24 ] Diese Tatsachen ergossen sich alle in eine Art von Volkssage, und diese Volkssage ist so: Ein einfacher Mann habe durch eine besondere Himmelsgabe die Fähigkeit bekommen, diese Uhr einmal herzustellen. Nur er allein konnte wissen, wie man diese Uhr behandeln muß. Die Sage legte einen großen Wert darauf, daß es ein einfacher Mann war, der durch eine besondere Gnade das erhalten hat, also Genialität, die ihm von der geistigen Welt kam. Dann aber wollte der Herrscher diese Uhr nur für Prag allein haben, und er wollte es unmöglich machen, daß diese Uhr auch irgendeine andere Stadt haben könnte. Daher ließ er den genialen Uhrmacher, der sie bereitet hatte, blenden, er ließ ihm die Augen ausstechen. Nun zog sich der Betreffende zurück. Nur vor seinem Tode erbat er sich noch einmal nur für einen Augenblick die Gnade, diese Uhr wieder in Ordnung bringen zu können, und diesen Augenblick benützte er dazu — so erzählt die Sage —, durch einen schnellen Handgriff die Uhr in Unordnung zu bringen, so daß keiner sie mehr in Ordnung bringen konnte.

[ 25 ] Diese Sage sieht zunächst sehr anspruchslos aus. Aber in dieser Sage lebt so, wie sie konstruiert ist, ein gutes Gefühl von dem Vorhandensein von Ahriman und Luzifer und der Gleichgewichtslage zwischen beiden. Denken Sie, wie feinsinnig diese Sage gebildet ist. Man könnte in unzähligen solcher Volkssagen dieselbe feinsinnige Konstruktion finden. Sie ist nämlich mit einem guten Gefühl für Luzifer und Ahriman gebildet. Zunächst, nicht wahr, die Gleichgewichtslage: der Betreffende bekommt durch einen Gnadenakt der geistigen Welt die Fähigkeit, so etwas Außerordentliches zu konstruieren. Da ist nichts von Egoismus drinnen. Denn, nicht wahr, der Egoismus könnte über jeden kommen. Da ist eine Gnadengabe. Er hat sie wirklich nicht aus seinem Egoismus heraus gemacht. Aber es ist auch nichts von Spintisiererei dabei, denn es wird ausdrücklich gesagt, es war ein einfacher Mann. Mit dieser Beschreibung — daß man also aufmerksam machte auf einen Gnadenakt, also nichts von Egoismus, und es ist ein einfacher Mann, also nichts von Spintisiererei dabei — wollte man andeuten, daß in dem Manne, in des Mannes Seele nichts lebte von Ahriman und Luzifer, sondern daß er ganz unter dem Einflusse guter, fortschreitender göttlicher Mächte war.

[ 26 ] In dem Herrscher lebte der Luzifer. Aus dem Egoismus heraus wollte er die Uhr für seine Stadt allein haben, und er blendete also den Mann. Da wird Luzifer auf die eine Seite gestellt. Dadurch aber, daß Luzifer da ist, verbindet er sich immer mit seinem Bruder Ahriman. Und dadurch, daß der Mann geblendet ist, bekommt der andere die Fähigkeit, von außen, durch einen geschickten Griff, zerstörend einzugreifen. Das ist das Werk Ahrimans.

[ 27 ] Hier wird also die gute Macht zwischen Luzifer und Ahriman hineingestellt. Diese feinsinnige Konstruktion können Sie bei vielen Volkssagen, bei den einfachsten Volkssagen finden. Aber das Gefühl dafür, daß in das ganze große Leben Ahriman und Luzifer eingreifen, das konnte verlorengehen in der Zeit, in der immer mehr und mehr ein Sinn dafür aufkommen mußte, daß positive und negative Elektrizität, positiver und negativer Magnetismus und so weiter die Grundkräfte der materiellen Welt sind. Daß das naturwissenschaftliche Forschen groß werden konnte, war bedingt dadurch, daß zurücktrat selbst dieses Empfinden für das geistige Durchschauen der Welt.

[ 28 ] Wir werden sehen, wie Ahriman und Luzifer eingreifen in dasjenige, was der Mensch Erkennen nennt, was der Mensch überhaupt sein Verhältnis zur Welt nennt, so daß gerade die Verwirrung entsteht, von der wir gesprochen haben. Insbesondere in der Frage, die wir angeregt haben, tritt uns diese Verwirrung ja ganz klar zutage. Setzen wir hypothetisch ein einfaches Beispiel. Dieses Beispiel könnte ich ebensogut von den großen Weltereignissen wie von den alleralltäglichsten Ereignissen genommen haben. Ich werde ein sehr einfaches Beispiel nehmen, könnte es aber ebensogut von dem großen Weltengeschehen hernehmen. Nehmen wir an, drei, vier Menschen richten sich her zur Ausfahrt. Sie wollen irgendeine Fahrt unternehmen durch, sagen wir, einen gebirgigen Einschnitt. Wenn man so durchfährt durch diesen Einschnitt, da ist oben ein überhangender Felsen. Die Leute haben sich hergerichtet zur Ausfahrt, wollen abfahren zu einer bestimmten Zeit. Der Kutscher aber hat sich eben noch ein Seidel bestellt, ein Krügelchen bestellt, und das wird etwas zu spät gebracht. Er versäumt um fünf Minuten die Abfahrtszeit. Dann fährt er ab mit der Gesellschaft. Sie fahren durch die Gebirgsschlucht. Gerade als sie dahin kommen, wo der überhängende Felsen ist, rutscht der Felsen, stürzt auf den Wagen und zerschmettert die ganze Gesellschaft. Sie geht zugrunde. Vielleicht — geht nur die Gesellschaft zugrunde; der Kutscher, der bleibt übrig.

[ 29 ] Da haben wir nun solch einen Fall. Da können Sie die Frage aufwerfen: Hat der Kutscher nun die Schuld, oder herrscht da eine absolute Notwendigkeit? War es absolut notwendig, daß diese Leute in diesem Augenblicke betroffen wurden von diesem Unglücke? Und war des Kutschers Saumseligkeit nur eingesponnen in diese Notwendigkeit? Oder könnte man sich der Idee hingeben: wenn der Kutscher nur ordentlich gewesen wäre, so würden sie natürlich, da er ja, während der Felsen rutschte, längst hindurchgefahren wäre, nicht getroffen worden sein.

[ 30 ] Da haben Sie mitten im alltäglichen Leben drinnen diese Frage nach Freiheit und Notwendigkeit, die innig zusammenhängt mit «schuldig» oder «unschuldig». Natürlich, wenn alles einer absoluten Notwendigkeit unterliegt, dann kann man von einer Schuld im höheren Sinne bei diesem Kutscher ja gar nicht sprechen, so war es eben notwendig, daß diese Menschen den Tod erlitten haben.

[ 31 ] Diese Frage tritt uns auf Schritt und Tritt im Leben entgegen. Sie gehört, wie gesagt, zu den schwierigsten Fragen, zu den Fragen, in die sich, wenn wir sie lösen wollen, am leichtesten Ahriman und Luzifer einmischen. Zunächst mischt sich Ahriman ein, wenn versucht werden soll, diese Frage zu lösen. Das wird sich uns im Laufe der Betrachtungen ergeben.

[ 32 ] Nun müssen wir aber einen ganz anderen Weg einschlagen als den, an den man vielleicht gewöhnlich denkt, wenn man nahekommen will einer Lösung gerade dieser Frage. Sehen Sie, wenn der Mensch sich daran begibt, solch eine Frage zu lösen, wenn er zunächst denkt: Nun ja, das Ereignis, das kann ich verfolgen, der Felsen ist herabgestürzt, das ist geschehen —, wenn er so etwas verfolgt und sich die Frage stellt: Liegt da nun Notwendigkeit oder Freiheit zugrunde? Hätte das auch anders sein können? — dann sieht er zunächst nur auf die äußeren Ereignisse. Er sieht die Ereignisse, wie sie vor sich gehen auf dem physischen Plan. Nun, dies tut der Mensch aus demselben Antriebe heraus, aus dem er zum Beispiel der menschlichen Wesenheit gegenüber, wenn er nur materialistisch gesinnt sein kann, bei dem physischen Leib des Menschen stehenbleibt. Nicht wahr, derjenige Mensch, der nichts weiß von Geisteswissenschaft, wird heute zunächst bei dem physischen Leib des Menschen stehenbleiben. Er sagt: Dasjenige, was man am Menschen sieht, erfühlt, das ist eben da. Er geht nicht vom physischen Leib über bis zum sogenannten Ätherleib. Und wenn er ein rechter, starrköpfiger Materialist ist, dann lacht er, höhnt er, wenn davon die Rede ist, daß dem dichten physischen Leib noch ein feinerer Ätherleib zugrunde liegt. Dennoch, Sie wissen, wie gut begründet diese Anschauung ist, daß zunächst dem physischen Leibe neben den anderen Gliedern der menschlichen Natur noch dieser Ätherleib zugrunde liegt, und wir haben uns im Laufe der Jahre daran gewöhnt, zu wissen, daß wir nicht bloß sprechen dürfen von des Menschen physischem Leib, sondern daß wir sprechen müssen auch von des Menschen Ätherleib und so weiter.

[ 33 ] Vielleicht haben sich manche von Ihnen aber noch nicht die Frage vorgelegt: Wie ist es denn nun mit der anderen Welt, die außerhalb des Menschen lebt, mit der Welt, in welcher die gewöhnlichen Weltvorgänge sind? Zwar haben wir da auch von vielem gesprochen. Wir haben davon gesprochen, daß der Mensch, wenn er zunächst durch seine physischen Sinne die äußeren Vorgänge des physischen Planes sieht, ja keine Ahnung davon hat, daß wir zunächst überall da, wo wir hinschauen, auch Elementarwesen haben, daß also gewissermaßen da, wo wir hinschauen, die Sache gerade so ist, wie beim Menschen selber. Beim Menschen haben wir den Ätherleib, wir haben ihn ja früher oftmals auch elementarischen Leib genannt. In der Natur draußen, überhaupt im äußeren physischen Geschehen, haben wir die Aufeinanderfolge der physischen Ereignisse, und dann die Welt des elementarischen Daseins. Es geht das ganz parallel: Mensch — physischer Leib, Ätherleib; die physischen Vorgänge, und überall hineinerflossen in die physischen Vorgänge die Geschehnisse innerhalb der elementarischen Welt. Ebenso wahr, wie es höchst einseitig ist, wenn wir beim Menschen sagen, er habe nur den physischen Leib wir müßten sagen, er habe auch seinen Ätherleib —, können wir voraussetzen, daß es ebenso ist bei den äußeren Vorgängen: Was wir hier zunächst mit unseren physischen Sinnen und mit unserem physischen Verstand wahrnehmen, das ist das eine. Dem liegt aber etwas zugrunde, was analog ist dem menschlichen Ätherleib. Jedem äußeren physischen Geschehen liegt wirklich etwas zugrunde, was ein höheres, ein feineres Geschehen ist.

[ 34 ] Es gibt Menschen, die haben eine gewisse Empfindung für so etwas. Auf zweifache Weise kann Ihnen diese Empfindung entgegentreten. Sie werden bei sich selber oder bei anderen Menschen schon zum Teil folgendes wahrgenommen haben: ein Mensch hat irgend etwas durchgemacht. Aber nachher kommt er zu Ihnen, oder Sie können es auch selber sein und es sich sagen: Ja, ich habe aber doch das Gefühl, daß während der Zeit, wo sich dies oder jenes jetzt äußerlich mit mir abgespielt hat, mir noch etwas ganz anderes geschehen ist; meinem feineren Menschen ist noch etwas ganz anderes geschehen. — Ich meine, sehen Sie: tiefere Naturen können ein solches Gefühl haben, daß Ereignisse, die sich gar nicht auf dem physischen Plan abspielen, doch für den Fortgang ihres Lebens wichtig sein können. Daß etwas geschehen ist mit ihnen, das ist das eine. Andere Menschen kommen sogar weiter: ihnen zeigen sich solche Dinge symbolisch im Traum. Irgend jemand träumt, daß er dies oder jenes erlebt. Zum Beispiel träumt jemand, er wäre, sagen wir, von einem Felsen erschlagen worden. Er wacht auf. Er kann sich sagen: Das ist ein symbolischer, ein sinnbildlicher Traum; mit meiner Seele ist etwas vorgegangen. Man kann oftmals im Leben bewahrheitet finden, daß da in der Seele etwas vorgegangen ist, was viel mehr ist als dasjenige, was sich eben in der äußeren Welt mit dem betreffenden Menschen auf dem physischen Plane abgespielt hat. Der Mensch kann um eine Stufe höher geschritten sein, sei es in der Erkenntnis, sei es in der Verbesserung seiner Willensnatur, sei es in der Verfeinerung seiner Gefühle und so weiter.

[ 35 ] Ich habe in Vorträgen, die vor kurzem hier gehalten worden sind, aufmerksam gemacht, daß der Mensch mit dem, was er mit seinem Ich weiß, eigentlich nur einen Teil dessen weiß, was mit ihm vorgeht, und daß da unten der astralische Leib ein viel, viel wissenderer ist. Sie erinnern sich, wie ich darauf aufmerksam gemacht habe. Der astralische Leib weiß allerdings von vielem, was mit uns vorgeht im Übersinnlichen, was nicht im Sinnlichen vorgeht. Jetzt sind wir von einer anderen Seite darauf geführt, daß im Übersinnlichen fortwährend mit uns etwas vorgeht. So wahr, als, wenn ich eine Hand bewege, die physische Bewegung nur ein Teil des ganzen Prozesses ist und darunter ein ätherischer Prozeß liegt, ein Vorgang meines Ätherleibes, so wahr ist jeder physische Vorgang da draußen durchsetzt von einem feineren elementarischen Vorgang, von etwas, was damit parallel geht und was im Übersinnlichen verläuft. Nicht nur die Wesen sind von einem Übersinnlichen durchdrungen, sondern alles Sein ist von einem Übersinnlichen durchdrungen.

[ 36 ] Nun erinnern Sie sich an etwas anderes, worauf ich wiederholt hingewiesen habe, was zum Teil sogar paradox erscheint. Ich habe darauf aufmerksam gemacht, wie im Geistigen oftmals das Gegenteil von dem besteht, was hier im Physischen besteht, nicht immer, aber oftmals, so daß also, wenn hier für das Physische irgend etwas richtig ist, für das Geistige die Wahrheit sich ganz anders ausnehmen kann. Ich sage: nicht immer. Aber ich habe viele Fälle im Laufe der Jahre aufgezählt, wo man sich sagen muß: im Geistigen kommt gerade das Gegenteil von dem heraus, was man hier im Physischen voraussetzen würde.

[ 37 ] Mit Bezug auf die übersinnlichen Ereignisse, die parallel laufen den sinnlichen Ereignissen, ist es zuweilen — nun sogar sehr häufig auch so. Und nun muß gefragt werden: wenn wir sehen, eine Gesellschaft hat sich aufgemacht, in eine Kutsche gesetzt, ist gefahren, das Felsstück ist heruntergefallen, hat die Gesellschaft zerschmettert — das ist das physische Ereignis. Diesem physischen Ereignis geht parallel, in ihm drinnen, so wie unser Ätherleib in uns drinnen ist, ein übersinnliches Ereignis. Das muß man nun hinzuerkennen: das kann das genaue Gegenteil sein von dem, was im Physischen hier vorgeht. Und es ist sogar sehr häufig das genaue Gegenteil.

[ 38 ] Es ist hier zugleich eine Quelle vieler Verirrungen, wenn man nicht achtgibt. Denn denken Sie, es kann zum Beispiel folgendes passieren. Wenn irgend jemand es zu atavistischem Hellsehen gebracht hat und eine Art second sight, eine Art zweites Gesicht hat, so kann das Folgende mit ihm geschehen : Nehmen wir an, eine Gesellschaft hat sich aufgemacht, aber im letzten Augenblicke entschließt sich jemand, der zu der Gesellschaft gehört, zurück zubleiben. Und das ist gerade, sagen wir, eine Person mit second sight, mit dem zweiten Gesicht. Sie fährt nicht mit, diese Person. Sie zieht sich zurück. Nach einiger Zeit hat sie ein Gesicht. In diesem Gesichte kann sich ihr nun vorstellen irgendein Ereignis. Es kann sich natürlich ebensogut vorstellen, daß die Betreffenden überschüttet worden sind vom Felsen, aber es könnte sich ihr auch vorstellen — das kann von der Disposition abhängen —, zum Beispiel, daß irgend etwas besonders Beglückendes für die Gesellschaft geschehen ist. Das Bild eines besonders für die Gesellschaft beglückenden Ereignisses könnte sich ergeben. Und die betreffende Persönlichkeit könnte nachher hören, daß die Gesellschaft auf die Weise, wie ich es angenommen habe, zugrunde gegangen ist. Das würde dann geschehen, wenn die betreffende Somnambule sehen würde nicht gerade das, was sich auf dem physischen Plane abspielt, was ja auch sein könnte, sondern wenn sie gesehen hätte, was sich als parallel gehendes Ereignis auf der Astralebene abgespielt hat: daß vielleicht diese Personen in dem Momente, wo sie von dem physischen Plane weggegangen sind, zu etwas Besonderem in der geistigen Welt berufen waren, und daß dieses Besondere sie auch mit einem besonderen neuen Leben für die geistige Welt erfüllt. Kurz, das nach einer genau entgegengesetzten Richtung hin gehende Ereignis der übersinnlichen Welten könnte die betreffende Persönlichkeit wahrgenommen haben, und dieses genau Entgegengesetzte könnte dasein. Es könnte in der Tat der Fall sein, daß hier auf dem physischen Plane das Unglück vor sich geht, und dieses Unglück in der übersinnlichen Welt einem großen Glück entspricht für die betreffenden Seelen.

[ 39 ] Nun könnte jemand — und es gibt ja solche Leute —, der sich selbst für gescheiter hält als die weise Weltenregierung, sagen: Wenn ich Weltenregierer wäre, so würde ich das nicht so machen, daß ich Seelen zu einem Glück in der geistigen Welt aufrufe und sie hier auf dem physischen Plan mit einem Unglück beehre. Ich würde das besser machen! — Nun ja, solchen Menschen kann man nur immer sagen: Man kann ja begreifen, daß man hier auf dem physischen Plane eben auch von Ahriman verwirrt werden kann. Aber die Weltenweisheit weiß es doch noch immer besser. Was hier vorliegen kann, kann nämlich dieses sein: daß für die Aufgabe, die nun den Seelen erwächst in der geistigen Welt, notwendig ist dieses Erleben hier auf dem physischen Plan, daß sie immer sozusagen zurückblicken zu ihrem irdischen Leben auf dieses physische Ereignis, um aus diesem Anblicke die entsprechenden Kräfte zu gewinnen. Das heißt, es können diese beiden Ereignisse, das physische Ereignis und das geistige Ereignis, notwendig zusammengehören für die Seelen, die das durchlebt haben.

[ 40 ] So könnten wir von jeder Art hypothetisch Beispiele dafür anführen, wie hier auf dem physischen Plane etwas vor sich geht und gleichsam ein ätherischer Leib dieses Ereignisses vorhanden ist, ein elementarisches, ein übersinnliches Ereignis, das dazu gehört. Wir müssen nicht nur bei der allgemeinen Behauptung der Pantheisten verharren, indem wir sagen, der physischen Welt liege eine geistige zugrunde, sondern wir müssen ins Konkrete eingehen. Wir müssen uns wirklich auch bei jedem einzelnen physischen Ereignis klar darüber sein: ihm liegt ein geistiges Ereignis zugrunde, ein richtiges geistiges Ereignis, und erst das physische und das geistige Ereignis zusammen bilden das Ganze.

[ 41 ] Wenn man nun aber die Geschehnisse auf dem physischen Plan verfolgt, dann kann man sagen: man kommt dazu, diese Geschehnisse auf dem physischen Plan in Gedanken einzuspinnen. Und da kommt man ja wirklich dazu, wenn man auf dem physischen Plane die Ereignisse verfolgt, zu jeder Wirkung eine Ursache zu finden. Das geht schon einmal nicht anders. Überall findet man zu einer Wirkung eine Ursache. Wenn etwas geschehen ist — man wird immer die Ursache finden. Das heißt aber, man findet die Notwendigkeit. Sie könnten an dem einfachen Beispiele, das ich gewählt habe, wenn Sie mit notwendiger Pedanterie vorgehen, sich sagen: Nun ja, diese Gesellschaft war beisammen. Sie hat zwar die Abfahrt sich bestimmt gehabt für eine bestimmte Zeit. Aber wenn ich jetzt verfolge, warum der Kutscher saumselig war, so werde ich verschiedene Ursachenwege verfolgen. Zuerst, nicht wahr, werde ich mir vielleicht den Kutscher selber anschauen, werde mir anschauen, wie er erzogen worden ist, wie er saumselig geworden ist. Dann werde ich mir anschauen die verschiedene Umstände, durch die er sein Krügel zu spät bekommen hat. Ich werde da überall eine bloße Ursachenkette finden können. Ich habe aufzeigen können, wie eins in das andere so eingreift, daß die Sache sich gar nicht anders hätte entwickeln können. Ich werde nach und nach dazu kommen, den freien Willen des Kutschers ganz auszuschalten, denn wenn man zu jeder Wirkung eine Ursache hat, so schaltet sich da alles das, was der betreffende Mensch tut, auch ein. Nicht wahr, der Kutscher hat ja nur deshalb noch ein Krügel gewollt, weil er vielleicht in seiner Jugend zu wenig durchgewichst worden ist. Wenn er mehr durchgewichst worden wäre, wofür er nichts kann, so wäre das nicht so gekommen. Also man kann überall den Zusammenhang von Ursache und Wirkung finden.

[ 42 ] Das hängt damit zusammen, daß man überhaupt nur auf dem physischen Plan mit Begriffen etwas anfängt. Denn bedenken Sie nur: wenn Sie etwas begreifen wollen, so muß ein Gedanke aus dem anderen folgen können, das heißt, Sie sind darauf angewiesen, daß Sie ein Glied aus dem anderen entwickeln können. Es liegt in der Natur des Begriffes, daß eins aus dem anderen folgt. Das muß sein.

[ 43 ] Aber das, was sich auf dem physischen Plane überschaubar, begriffsmäßig, notwendig zusammenschließen läßt, gleich wird es anders, sobald man in die nächste übersinnliche Welt hinaufkommt. Da hat man es nicht zu tun mit Ursachen und Wirkungen, sondern mit Wesenheiten. Da greifen Wesenheiten ein. In jedem Momente greift eine andere geistige Wesenheit ein oder läßt eine Verrichtung fallen. Da hat man es gar nicht zu tun mit dem, was man so im gewöhnlichen Sinne durch Begriffe verfolgen kann. Wenn Sie nämlich das, was da in der geistigen Welt geschieht, mit Begriffen verfolgen wollten, so könnte das Folgende passieren. Sie könnten nachdenken: Nun also, da stehe ich. Gewiß, ich bin schon so weit, hineinzuschauen, daß da etwas geistig vor sich geht. Bald kommt irgendein Gnomenwesen heran, bald kommt ein Sylphenwesen heran, bald kommt ein anderes Wesen heran. Nun habe ich da die ganze Summe von Wesenheiten. Nun strenge ich mich an, die Wirkungen zu ergründen, die da herauskommen müssen. Freilich, auf dem physischen Plane geht das zuweilen leicht: wenn einer eine Billardkugel so hinstößt, so weiß er, wie die andere fliegt; er kann das herausrechnen. Aber auf dem geistigen Plane kann einem folgendes passieren: Wenn Sie gesehen haben Ihre Wesen und nun wissen: Ah, das ist ein Gnomenwesen, das schickt sich so an, das wird dies tun, das wirkt mit einem anderen zusammen, so muß dieses geschehen. — Nun haben Sie dies ergründet. Im nächsten Augenblick springt ein Wesen hervor und ändert das Ganze, oder ein Wesen, das Sie in Ihre Rechnung einbezogen haben, geht fort, verschwindet, tut nicht mehr mit. Da ist alles auf Wesenheit begründet. Da können Sie gar nicht auf gleiche Weise wie auf dem physischen Plan alles in Ihre Begriffe einspinnen. Das ist ganz unmöglich. Da gibt es nicht Erklären einer Sache nach der anderen aus dem Begriffe heraus. Ganz andere Art und Weise des Zusammenwirkens geschieht in dieser geistigen Welt, in dieser, den physischen Ereignissen parallelgehenden Folge oder Strömung der geistigen Ereignisse.

[ 44 ] Damit muß man sich bekannt machen, daß unserer Welt eine solche zugrunde liegt, für die wir nicht nur voraussetzen müssen, daß sie unserer Welt gegenüber eine geistige ist, sondern für die wir voraussetzen müssen, daß eine ganz andere Art des Zusammenhanges in den Geschehnissen ist: daß wir mit der Art, die wir gewohnt sind für unsere Begriffswelt, mit der wir erklären und beweisen, gar nichts machen können da drinnen in der geistigen Welt, im einzelnen Konkreten dieser geistigen Welt.

[ 45 ] So sehen wir, wie zwei Welten sich durchdringen: die eine Welt, welche in Begriffe eingesponnen werden kann, die andere Welt, welche nicht in Begriffe eingesponnen werden kann, sondern nur angeschaut werden kann. Was ich damit andeute, das geht sehr weit. Aber die Menschen sind nicht aufmerksam darauf, wie weit das geht. Denken Sie nur einmal, wenn jemand glaubt, er könne alles beweisen und nur das Beweisbare gilt, so kann er ja in den folgenden Fall kommen. Er kann sagen: Nun ja, alles muß bewiesen werden, und was nicht bewiesen ist, das gilt nicht. Also muß} man im Verlauf der Weltgeschichte alles beweisen können. Also muß ich nur meine Gedanken gründlich anstrengen, dann werde ich beweisen können müssen zum Beispiel, ob es ein Mysterium von Golgatha gegeben hat oder nicht! Und es liegt den Menschen in der heutigen Zeit so unendlich nahe, zu sagen: Wenn man nicht beweisen kann, daß es ein Mysterium von Golgatha gegeben hat, dann ist das eben ein Unsinn, dann hat es kein Mysterium von Golgatha gegeben.

[ 46 ] Was meinen die Menschen aber von den Beweisen? Sie meinen, man geht von einem bestimmten Begriffe aus und immer zu anderen Begriffen über, und wenn das so möglich ist, dann hat man es eben bewiesen. Aber diesen Beweisen folgt keine andere Welt als nur die physische Welt. Eine andere Welt folgt dieser Beweisführung gar nicht. Denn könnte man beweisen, mit Notwendigkeit beweisen, daß ein Mysterium von Golgatha hat stattfinden müssen, würde das aus unseren Begriffen folgen können, dann wäre das ja keine freie Tat! Dann hätte ja Christus von dem Kosmos aus auf die Erde kommen müssen, weil es ihm die menschlichen Begriffe einfach beweisen, befehlen dadurch. Das Mysterium von Golgatha muß aber eine freie Tat sein, das heißt, es muß eine Tat sein, die sich eben gerade nicht beweisen läßt. Es kommt darauf an, daß man das einmal durchschaut.

[ 47 ] Ebenso ist es ja schließlich damit, wenn die Menschen beweisen wollen, Gott habe einmal die Welt erschaffen, oder: er habe sie nicht erschaffen. Das spinnen sie auch in ihren Begriffen fort. Aber «die Welt erschaffen» wird doch wenigstens eine freie Tat der göttlichen Wesenheit sein! Woraus folgt, daß man sie nicht aus der Notwendigkeit der Begriffsfolge beweisen kann, daß man sie schauen muß, wenn man darauf kommen will.

[ 48 ] Also, es ist etwas sehr Bedeutsames damit gesagt, daß in der nächsten Welt schon, welche die unsere als eine übersinnliche durchdringt, gar nicht diejenige Ordnung herrscht, die wir mit Begriffen und ihrer Beweiskraft durchdringen können, sondern daß da ein Schauen Platz greift, in dem eine ganz andere Ordnung zu den Ereignissen waltet.

[ 49 ] Heute möchte ich nur noch dieses mit ein paar Worten sagen. Ich habe hier zu Weihnachten darauf aufmerksam gemacht, wie gerade in unserer Zeit solche gegensätzliche Dinge auftreten, an denen das menschliche Denken sich verwirrt. Denken Sie doch nur einmal, daß jetzt ein Buch erschienen ist von dem als Naturforscher so großen Ernst Haeckel: «Ewigkeitsgedanken». Ich habe schon darauf aufmerksam gemacht. Diese «Ewigkeitsgedanken» enthalten genau das Gegenteil von dem, wozu viele andere Menschen jetzt aus einem tiefen Mitempfinden mit den Weltereignissen kommen. Denken Sie doch, daß es heute viele Menschen gibt — wir werden über dieses Faktum gerade in unseren jetzigen Zusammenhängen noch zu sprechen haben, ich wollte heute nur eine Einleitung geben —, daß es viele Menschen gibt, die gerade aus der Tatsache heraus, die jetzt in so furchtbarer, in so überwältigender Art auf unsere Seelen wirkt, aus dieser Weltentatsache heraus wiederum zu einer Vertiefung ihres seelisch-religiösen Empfindens gekommen sind, viele Menschen, weil sie sich sagen: Läge unserer physischen Welt nicht eine übersinnliche Ordnung zugrunde, wie könnte sich dann erklären dasjenige, was in der Gegenwart geschieht? Zu einer religiösen Empfindung sind wieder viele . gekommen. Ich brauche Ihnen den Gedankengang nicht vorzuhalten; er liegt so nahe, und er ist heute bei so vielen bemerkbar.

[ 50 ] Haeckel kommt zu einem anderen Gedankengange. Er spricht das in seinem Büchelchen aus, das eben erschienen ist: Da glauben die Menschen an Unsterblichkeit der Seele. Die gegenwärtigen Ereignisse beweisen ja klar, daß solch ein Glaube an die Unsterblichkeit der Seele eine Unmöglichkeit ist, denn wir sehen täglich Tausende durch den reinen Zufall zugrunde gehen. Wie kann denn da noch ein vernünftiger Mensch glauben, daß gegenüber solchen Ereignissen irgend die Rede von der Unsterblichkeit der Seele sein könne. Wie kann da eine höhere Ordnung drinnen sein? — Für Haeckel ist also dasjenige, was jetzt in so erschütternder Weise geschieht, ein Beweis für sein Dogma, daß man von einer Unsterblichkeit der Seele nicht sprechen könne. Da haben Sie wiederum Antinomien: ein großer Teil der Menschheit vertieft sich religiös, aber an demselben Ereignisse veroberflächlicht sich Haeckel religiös in ungeheurer Weise.

[ 51 ] Alle diese Dinge hängen damit zusammen, daß die Menschen es heute zu keiner Klarheit bringen können über den Zusammenhang zwischen der Welt, die ihren Sinnen und ihrem an das Gehirn gebundenen Verstand vorliegt, und der Welt, die als eine übersinnliche zugrunde liegt, daß sie, sobald sie an diese Dinge herankommen, mit ihrem Denken in die Verwirrung hineinkommen. Diese unsere Zeit wird aber noch trotz allem, was sie auch an Enttäuschendem bietet, doch in gewissem Sinne eine Vertiefung der Seele bringen, doch eine Umkehr vom Materialismus bringen. Aber es wird schon notwendig sein, daß aus der reinen Anstrengung der Seele heraus, die sich der unbefangenen Forschung der Welt hingibt, daß aus dieser Anschauung herausein Wissen entsteht von der Ergänzung der sinnlichen Ereignisse durch die übersinnlichen Ereignisse, und daß wenigstens eine kleine Schar von Menschen da ist, welche vermag vorauszusetzen, daß all die Leiden, all die Schmerzen, die gegenwärtig auf dem physischen Plane durchgemacht werden, im Gesamtfortschritt der Menschheit die eine Seite einer anderen, einer übersinnlichen Seite sind.

[ 52 ] Wir haben von den verschiedensten Seiten her auf diese übersinnliche Seite schon hingewiesen. Wir werden es noch von anderen Gesichtspunkten aus tun. Aber immer wieder wird uns das entgegentreten, daß da sein muß, wenn Europas blutgedüngter Boden wiederum Frieden haben wird, eine Schar von Menschen, welche imstande ist, zu hören, geistig zu hören, geistig zu ahnen das, was dann aus den geistigen Welten zu der wiederum den Frieden erlebenden Menschheit wird gesprochen werden. Denn es wird wahr, tief wahr sein und sich als Wahrheit bewähren, was wir jetzt oftmals und immer wieder und wiederum uns in die Seele schreiben müssen.

Aus dem Mut der Kämpfer,
Aus dem Blut der Schlachten,
Aus dem Leid Verlassener,
Aus des Volkes Opfertaten
Wird erwachsen Geistesfrucht
Lenken Seelen geistbewußt
Ihren Sinn ins Geisterreich.