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The Present and the Past in the Human Spirit
GA 167

16 May 1916, Berlin

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Gegenwärtiges und Vergangenes im Menschengeiste
  1. The Present and the Past in the Human Spirit, tr. SOL

10. Die dem Geist widersirebenden Kräfte. Grundwahrheiten des Christentums

10. Die dem Geist widersirebenden Kräfte. Grundwahrheiten des Christentums

[ 1 ] Schon öfter habe ich erwähnt gerade in diesen Betrachtungen, daß es notwendig ist, ein wenig auch hinzublicken von unserem Gesichtspunkte aus auf die Beziehungen, die da bestehen zwischen dem, was wir durch Geisteswissenschaft erkennen, und demjenigen, von dem heute mit Bezug auf Wissenschaft und Erkenntnis so ziemlich im allgemeinen gilt, daß es das allein Richtige ist. Man könnte sich vorstellen, daß der Gang der geistigen Entwickelung Mitteleuropas in den letzten Jahrhunderten etwas anders gegangen wäre als er gegangen ist. Nun, das ist kein Verstoß gegen das umfassende Gesetz vom Karma, wenn man die Anschauung hat, daß irgend etwas, was in der Welt geschehen ist, auch anders hätte geschehen können. Denn das Gesetz vom Karma — und darüber werden wir das nächste Mal noch einmal sprechen — schließt durchaus nicht aus, daß Freiheit in der Welt walte. Fatalisten, die sich vorstellen, daß alles in der Welt so hat geschehen müssen, wie es sich vollzogen hat für die äußere Sinnesbeobachtung und für dasjenige, was der äußeren Sinnesbeobachtung zugänglich geworden ist, können diejenigen nicht werden, welche im Sinne der Geisteswissenschaft auf der einen Seite von Karma und auf der anderen Seite von demjenigen sprechen, was sich vollzieht in der Außenwelt. Denn mit dem, was sich in der Außenwelt vollzieht, geschieht zu gleicher Zeit immer auch etwas Geistiges. Die beiden Strömungen laufen miteinander, und auf die beiden Strömungen miteinander bezieht sich das KarmaGesetz, so daß ganz gut etwas in der äußeren Welt anders verlaufen könnte, als es sich in der Außenwelt zeigt, und dennoch würde das Notwendige geschehen. Ich bemerke das nur voraus, weil ich den Gedanken etwas weiter ausführen will, daß allerdings wenigstens denkbar wäre ein anderer Gang der Geistesentwickelung Mitteleuropas, der Geistesentwickelung, die sich gerade auf die Erkenntnis bezieht, als er für die äußere Beobachtung stattgefunden hat.

[ 1 ] Schon öfter habe ich erwähnt gerade in diesen Betrachtungen, daß es notwendig ist, ein wenig auch hinzublicken von unserem Gesichtspunkte aus auf die Beziehungen, die da bestehen zwischen dem, was wir durch Geisteswissenschaft erkennen, und demjenigen, von dem heute mit Bezug auf Wissenschaft und Erkenntnis so ziemlich im allgemeinen gilt, daß es das allein Richtige ist. Man könnte sich vorstellen, daß der Gang der geistigen Entwickelung Mitteleuropas in den letzten Jahrhunderten etwas anders gegangen wäre als er gegangen ist. Nun, das ist kein Verstoß gegen das umfassende Gesetz vom Karma, wenn man die Anschauung hat, daß irgend etwas, was in der Welt geschehen ist, auch anders hätte geschehen können. Denn das Gesetz vom Karma — und darüber werden wir das nächste Mal noch einmal sprechen — schließt durchaus nicht aus, daß Freiheit in der Welt walte. Fatalisten, die sich vorstellen, daß alles in der Welt so hat geschehen müssen, wie es sich vollzogen hat für die äußere Sinnesbeobachtung und für dasjenige, was der äußeren Sinnesbeobachtung zugänglich geworden ist, können diejenigen nicht werden, welche im Sinne der Geisteswissenschaft auf der einen Seite von Karma und auf der anderen Seite von demjenigen sprechen, was sich vollzieht in der Außenwelt. Denn mit dem, was sich in der Außenwelt vollzieht, geschieht zu gleicher Zeit immer auch etwas Geistiges. Die beiden Strömungen laufen miteinander, und auf die beiden Strömungen miteinander bezieht sich das KarmaGesetz, so daß ganz gut etwas in der äußeren Welt anders verlaufen könnte, als es sich in der Außenwelt zeigt, und dennoch würde das Notwendige geschehen. Ich bemerke das nur voraus, weil ich den Gedanken etwas weiter ausführen will, daß allerdings wenigstens denkbar wäre ein anderer Gang der Geistesentwickelung Mitteleuropas, der Geistesentwickelung, die sich gerade auf die Erkenntnis bezieht, als er für die äußere Beobachtung stattgefunden hat.

[ 2 ] Gewiß, meine lieben Freunde, heute wird in den meisten Kreisen Schiller und Goethe Verehrung entgegengebracht und in der allerneuesten Zeit schwingen sich sogar einzelne auf, Fichte als einen großen Geist zu verehren, wobei sich die meisten Menschen allerdings ersparen, irgend etwas auch nur von den allerersten Grundgedanken Fichtes kennenzulernen, sondern sich beschränken auf dasjenige, was man zwar aufnehmen, aber nicht verstehen kann, wenn man es ohne diese Grundgedanken Fichtes eben aufnehmen will. Aber wir verehren in weitesten Kreisen Goethe, Schiller, Fichte und auch noch andere. Wir verehren sie im Grunde genommen in derjenigen Weise, wie man verehren kann in der besten Art, ohne die Betreffenden, die man verehrt, irgendwie wirklich kennenzulernen. Auch auf Goethe und Schiller bezieht sich das ja. Denn Goethe und Schiller in ihrem eigentlichen Nerv kennenzulernen, kennenzulernen, was in ihrem Geiste gelebt hat, die Zeit dazu muß erst noch kommen. Und wir können nur das eine hoffen, daß sie aus dem Ernste unserer Zeit heraus geboren werde. Verlangen, zum Beispiel Goethe zu verstehen, das ist schon vorhanden. Auf das Verlangen und auf die Sehnsucht nach dem Geistigen ist der Sinn des Volkes im weitesten Sinne gerichtet; das habe ich bei einem der neulichen Vorträge gesagt. Aber es handelt sich darum, wie diejenigen, die die Führenden im Geiste sind, dieses ihr Führeramt verwalten. «Faust» soll jetzt sogar zu den gelesensten Büchern gehören! Man kann überzeugt sein: wenn diejenigen, die heute aus den Schwierigkeiten der Zeit heraus den «Faust» lesen, zurückdenken auf dasjenige, was sie im «Faust» gelesen haben, sie werden lechzen nach einer Erklärung aus denjenigen Welten heraus, die der geistigen Anschauung Goethes offen lagen. Aber sie werden es gräßlich empfinden, wenn man ihnen zu dieser Erklärung entgegenbringt dasjenige, was die zu solchen Erklärungen scheinbar Berufenen theoretisiert haben. Wir haben ja berühmte Philosophen: Kohler und Eucken. Aber dieselben, die gräßlich empfinden würden solch Gekohlere oder Geeucke, die würden schon hinhören, wenn es ihnen nur zugänglich wäre, auf dasjenige, was Geisteswissenschaft mit Goethe und dem gemein hat, aus dem er heraus geschaffen hat.

[ 2 ] Gewiß, meine lieben Freunde, heute wird in den meisten Kreisen Schiller und Goethe Verehrung entgegengebracht und in der allerneuesten Zeit schwingen sich sogar einzelne auf, Fichte als einen großen Geist zu verehren, wobei sich die meisten Menschen allerdings ersparen, irgend etwas auch nur von den allerersten Grundgedanken Fichtes kennenzulernen, sondern sich beschränken auf dasjenige, was man zwar aufnehmen, aber nicht verstehen kann, wenn man es ohne diese Grundgedanken Fichtes eben aufnehmen will. Aber wir verehren in weitesten Kreisen Goethe, Schiller, Fichte und auch noch andere. Wir verehren sie im Grunde genommen in derjenigen Weise, wie man verehren kann in der besten Art, ohne die Betreffenden, die man verehrt, irgendwie wirklich kennenzulernen. Auch auf Goethe und Schiller bezieht sich das ja. Denn Goethe und Schiller in ihrem eigentlichen Nerv kennenzulernen, kennenzulernen, was in ihrem Geiste gelebt hat, die Zeit dazu muß erst noch kommen. Und wir können nur das eine hoffen, daß sie aus dem Ernste unserer Zeit heraus geboren werde. Verlangen, zum Beispiel Goethe zu verstehen, das ist schon vorhanden. Auf das Verlangen und auf die Sehnsucht nach dem Geistigen ist der Sinn des Volkes im weitesten Sinne gerichtet; das habe ich bei einem der neulichen Vorträge gesagt. Aber es handelt sich darum, wie diejenigen, die die Führenden im Geiste sind, dieses ihr Führeramt verwalten. «Faust» soll jetzt sogar zu den gelesensten Büchern gehören! Man kann überzeugt sein: wenn diejenigen, die heute aus den Schwierigkeiten der Zeit heraus den «Faust» lesen, zurückdenken auf dasjenige, was sie im «Faust» gelesen haben, sie werden lechzen nach einer Erklärung aus denjenigen Welten heraus, die der geistigen Anschauung Goethes offen lagen. Aber sie werden es gräßlich empfinden, wenn man ihnen zu dieser Erklärung entgegenbringt dasjenige, was die zu solchen Erklärungen scheinbar Berufenen theoretisiert haben. Wir haben ja berühmte Philosophen: Kohler und Eucken. Aber dieselben, die gräßlich empfinden würden solch Gekohlere oder Geeucke, die würden schon hinhören, wenn es ihnen nur zugänglich wäre, auf dasjenige, was Geisteswissenschaft mit Goethe und dem gemein hat, aus dem er heraus geschaffen hat.

[ 3 ] Die Geistesentwickelung des neunzehnten Jahrhunderts hätte auch so gehen können, daß sie in sich aufgenommen hätte dasjenige, was der Gesamtanschauung Goethes und Schillers und der anderen, die sich um sie herum befinden und mit ihnen gleicher Erkenntnisgesinnung sind, zugrunde lag. Aber es ist anders gekommen. Man braucht heute nur — ich erzähle eine Tatsache — in eine Buchhandlung zu gehen, und der Lehrjunge braucht einen nur zu bedienen, und man verlangt Goethes «Naturwissenschaftliche Schriften», und er wird einen belehren darüber, man solle doch Bölsche nehmen, denn Goethe sei ja heute veraltet! — Warum ist es denn anders gekommen, als es hätte kommen müssen, wenn die in der großen Zeit der klassischen Erkenntnis von der Wende des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts schlummernden Keime sich lebendig entwickelt hätten? Aus diesen Keimen heraus würde sich in gerader Linie und Fortsetzung die Geisteswissenschaft ergeben. Das werde ich insbesondere zeigen in derjenigen Schrift, die nun bald erscheinen wird, und die den Titel tragen wird: «Vom Menschenrätsel. Denken, Schauen und Sinnen deutscher und österreichischer Persönlichkeiten». Warum ist nicht angenommen worden dasjenige, was in den Keimen der Goethe-Schillerschen Weltanschauung liegt? Deshalb, weil man Furcht davor hat, Furcht aus dem folgenden Grunde: Es ist bequem, sich heute Erkenntnisse zu verschaffen, weil man ja nur dasjenige, was einem vorgesetzt wird — ja, wie nennt man's? —, einzuochsen braucht und dann eventuell ein bißchen hinauszuochsen, und eine «Autorität» wird! Geisteswissenschaft fordert allerdings ein gründlicheres, intensiveres Denken als die meisten der heutigen Gelehrten aufzubringen in der Lage sind. Und die Furcht, etwas lernen zu müssen, die ist es, die das Hindernis abgibt. Die Furcht vor schwierigeren Begriffen und Ideen, die ist es, die das eigentliche Motiv abgibt für die Hindernisse. Die heutige Art der Goethe- und Schiller-Verehrung ist eher geeignet, dasjenige, was Goethe und Schiller der Menschheit gegeben haben, zu vernebeln, als es zu erklären. Warum? Weil eine Gesinnung sich eben verbreitet hat, die nicht eingehen will auf dasjenige, was aus dem Geiste, den diese Persönlichkeiten gehabt haben, heraus begriffen werden muß. Diese Gesinnung trat auch schon in der Goethe- und Schiller-Zeit selber auf, in jener großen Zeit, als in Jena der Geist Goethes herrschte, Schiller lehrte, Fichte lehrte, Schlegel lehrte, Schelling lehrte, diejenigen Geister lehrten, von denen wir ja in diesem Winter so viel gesprochen haben, und die ich in dem demnächst erscheinenden Buche auch besprechen werde.

[ 3 ] Die Geistesentwickelung des neunzehnten Jahrhunderts hätte auch so gehen können, daß sie in sich aufgenommen hätte dasjenige, was der Gesamtanschauung Goethes und Schillers und der anderen, die sich um sie herum befinden und mit ihnen gleicher Erkenntnisgesinnung sind, zugrunde lag. Aber es ist anders gekommen. Man braucht heute nur — ich erzähle eine Tatsache — in eine Buchhandlung zu gehen, und der Lehrjunge braucht einen nur zu bedienen, und man verlangt Goethes «Naturwissenschaftliche Schriften», und er wird einen belehren darüber, man solle doch Bölsche nehmen, denn Goethe sei ja heute veraltet! — Warum ist es denn anders gekommen, als es hätte kommen müssen, wenn die in der großen Zeit der klassischen Erkenntnis von der Wende des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts schlummernden Keime sich lebendig entwickelt hätten? Aus diesen Keimen heraus würde sich in gerader Linie und Fortsetzung die Geisteswissenschaft ergeben. Das werde ich insbesondere zeigen in derjenigen Schrift, die nun bald erscheinen wird, und die den Titel tragen wird: «Vom Menschenrätsel. Denken, Schauen und Sinnen deutscher und österreichischer Persönlichkeiten». Warum ist nicht angenommen worden dasjenige, was in den Keimen der Goethe-Schillerschen Weltanschauung liegt? Deshalb, weil man Furcht davor hat, Furcht aus dem folgenden Grunde: Es ist bequem, sich heute Erkenntnisse zu verschaffen, weil man ja nur dasjenige, was einem vorgesetzt wird — ja, wie nennt man's? —, einzuochsen braucht und dann eventuell ein bißchen hinauszuochsen, und eine «Autorität» wird! Geisteswissenschaft fordert allerdings ein gründlicheres, intensiveres Denken als die meisten der heutigen Gelehrten aufzubringen in der Lage sind. Und die Furcht, etwas lernen zu müssen, die ist es, die das Hindernis abgibt. Die Furcht vor schwierigeren Begriffen und Ideen, die ist es, die das eigentliche Motiv abgibt für die Hindernisse. Die heutige Art der Goethe- und Schiller-Verehrung ist eher geeignet, dasjenige, was Goethe und Schiller der Menschheit gegeben haben, zu vernebeln, als es zu erklären. Warum? Weil eine Gesinnung sich eben verbreitet hat, die nicht eingehen will auf dasjenige, was aus dem Geiste, den diese Persönlichkeiten gehabt haben, heraus begriffen werden muß. Diese Gesinnung trat auch schon in der Goethe- und Schiller-Zeit selber auf, in jener großen Zeit, als in Jena der Geist Goethes herrschte, Schiller lehrte, Fichte lehrte, Schlegel lehrte, Schelling lehrte, diejenigen Geister lehrten, von denen wir ja in diesem Winter so viel gesprochen haben, und die ich in dem demnächst erscheinenden Buche auch besprechen werde.

[ 4 ] Dasjenige, was über manche Einzelheiten des Lebens diese Geister zu sagen hatten, das steht natürlich immer in einem gewissen Zusammenhange darin, und man muß es aus dem Zusammenhange heraus begreifen, aus dem ganzen Geiste ihrer Wesenheit. Dasjenige, was von Goethe und Schiller, von Fichte, Schlegel und so weiter für die heutige Zeit geblieben ist, das konnte nur aus dem Grunde bleiben, weil im Grunde gesiegt haben die Gesinnungsgenossen, sagen wir, jenes Mannes, der aufgetreten ist noch in der Zeit Goethes und es gewagt hat, in einem, man darf sagen, der allerschlimmsten Pamphlete diejenigen als Narren, als Phantasten und Träumer, die dem Leben schädlich sind, hinzustellen, die in die Schule Goethes, Schillers, Fichtes, Schlegels gegangen sind. So etwas kann man immer erreichen, dasjenige, was aus ernster Wahrheitsforschung heraus stammt, lächerlich zu machen. Gewiß, manches wird, indem es da oder dort auch als ernste Wahrheitsforschung auftritt, so manche Einseitigkeit abgeben. Aber wenn man dann gerade die Einseitigkeiten herausklaubt, herauspolkt, wie man in Berlin sagt, um die betreffende Gesinnung, Erkenntnis-Gesinnung, zu verdächtigen, dann hat man «ein groß Publikum». Der Mann — ich meine Kotzebue — ist vergessen worden; aber die Kotzebues — den Bösen sind sie los, aber die Bösen sind geblieben —, die sind in unserem ganzen geistigen Leben wohl recht vorhanden. Man kann in manchem der Aussprüche, die Schlegel, Fichte, auch Goethe und Schiller getan haben, mancherlei finden, das anklingt schon an unsere Geisteswissenschaft. Aber man kann auch manches herausreißen aus dem Zusammenhange und diese Geister verdächtigen, so, als ob sie Narren wären, Torheiten gesprochen hätten, um dem wirklichen menschlichen Fortschritt zu schaden, nämlich demjenigen, was sich die behäbige Philisterei, die nur am Sinnlich-Wirklichen haften will, unter dem Fortschritt vorstellt.

[ 4 ] Dasjenige, was über manche Einzelheiten des Lebens diese Geister zu sagen hatten, das steht natürlich immer in einem gewissen Zusammenhange darin, und man muß es aus dem Zusammenhange heraus begreifen, aus dem ganzen Geiste ihrer Wesenheit. Dasjenige, was von Goethe und Schiller, von Fichte, Schlegel und so weiter für die heutige Zeit geblieben ist, das konnte nur aus dem Grunde bleiben, weil im Grunde gesiegt haben die Gesinnungsgenossen, sagen wir, jenes Mannes, der aufgetreten ist noch in der Zeit Goethes und es gewagt hat, in einem, man darf sagen, der allerschlimmsten Pamphlete diejenigen als Narren, als Phantasten und Träumer, die dem Leben schädlich sind, hinzustellen, die in die Schule Goethes, Schillers, Fichtes, Schlegels gegangen sind. So etwas kann man immer erreichen, dasjenige, was aus ernster Wahrheitsforschung heraus stammt, lächerlich zu machen. Gewiß, manches wird, indem es da oder dort auch als ernste Wahrheitsforschung auftritt, so manche Einseitigkeit abgeben. Aber wenn man dann gerade die Einseitigkeiten herausklaubt, herauspolkt, wie man in Berlin sagt, um die betreffende Gesinnung, Erkenntnis-Gesinnung, zu verdächtigen, dann hat man «ein groß Publikum». Der Mann — ich meine Kotzebue — ist vergessen worden; aber die Kotzebues — den Bösen sind sie los, aber die Bösen sind geblieben —, die sind in unserem ganzen geistigen Leben wohl recht vorhanden. Man kann in manchem der Aussprüche, die Schlegel, Fichte, auch Goethe und Schiller getan haben, mancherlei finden, das anklingt schon an unsere Geisteswissenschaft. Aber man kann auch manches herausreißen aus dem Zusammenhange und diese Geister verdächtigen, so, als ob sie Narren wären, Torheiten gesprochen hätten, um dem wirklichen menschlichen Fortschritt zu schaden, nämlich demjenigen, was sich die behäbige Philisterei, die nur am Sinnlich-Wirklichen haften will, unter dem Fortschritt vorstellt.

[ 5 ] Kotzebue _ wollen wir uns heute doch an dieses erinnern —, er ist vergessen worden; aber die Kotzebues sind geblieben. Wollen wir uns heute erinnern an diesen Kotzebue. Ein Pamphlet, ein dramatisches, hat er verfaßt, in dem er einen Studenten darstellt, der in das Philisterium seiner Familie wieder zurückkommt — ich will nichts Schlimmes damit sagen —, nachdem er — das wird ausdrücklich gesagt — in Jena die verderblichen Lehren von Goethe, Schiller, Fichte, Schlegel aufgenommen hat. Er wird dargestellt als eine Art Narr, zugleich als ein «hyperboräischer Esel». Das Pamphlet heißt: «Der hyperboräische Esel oder die heutige Bildung.» Es wird ausdrücklich gesagt — ich erwähne es noch einmal —, daß der Betreffende, der da zurückkommt, Karl von Berg, Schüler von Goethe, Schiller, Fichte, Schlegel ist. Nur ein paar Szenen möchte ich Ihnen zu Gemüte führen, vor die Seele führen. Der Student, Karl von Berg, kommt nach Hause, nachdem er Goethe, Schiller, Fichte, Schlegel und andere Lehren in Jena in der größten Zeit der neueren Geistesentwickelung aufgenommen hat. Er wird zunächst von der Mutter empfangen. Ihr kann man es ja nicht übelnehmen, daß sie nun nicht gerade unbesorgt ist, daß ihr Söhnlein gottesunfürchtig hätte werden können in solchem Zusammenhange nach all dem, was man ihr in die Ohren gesaust haben wird. Und da sagt dann Frau von Berg zu ihrem Sohn Karl, nachdem er nach Hause gekommen ist:

[ 5 ] Kotzebue _ wollen wir uns heute doch an dieses erinnern —, er ist vergessen worden; aber die Kotzebues sind geblieben. Wollen wir uns heute erinnern an diesen Kotzebue. Ein Pamphlet, ein dramatisches, hat er verfaßt, in dem er einen Studenten darstellt, der in das Philisterium seiner Familie wieder zurückkommt — ich will nichts Schlimmes damit sagen —, nachdem er — das wird ausdrücklich gesagt — in Jena die verderblichen Lehren von Goethe, Schiller, Fichte, Schlegel aufgenommen hat. Er wird dargestellt als eine Art Narr, zugleich als ein «hyperboräischer Esel». Das Pamphlet heißt: «Der hyperboräische Esel oder die heutige Bildung.» Es wird ausdrücklich gesagt — ich erwähne es noch einmal —, daß der Betreffende, der da zurückkommt, Karl von Berg, Schüler von Goethe, Schiller, Fichte, Schlegel ist. Nur ein paar Szenen möchte ich Ihnen zu Gemüte führen, vor die Seele führen. Der Student, Karl von Berg, kommt nach Hause, nachdem er Goethe, Schiller, Fichte, Schlegel und andere Lehren in Jena in der größten Zeit der neueren Geistesentwickelung aufgenommen hat. Er wird zunächst von der Mutter empfangen. Ihr kann man es ja nicht übelnehmen, daß sie nun nicht gerade unbesorgt ist, daß ihr Söhnlein gottesunfürchtig hätte werden können in solchem Zusammenhange nach all dem, was man ihr in die Ohren gesaust haben wird. Und da sagt dann Frau von Berg zu ihrem Sohn Karl, nachdem er nach Hause gekommen ist:

[ 6 ] «Frau von Berg: Noch einmal drücke ich dich an mein mütterliches Herz! (sie umarmt ihn). Gott sei Dank, daß ich dich wieder habe! Dich, meine Hoffnung, meinen Stolz, mein Alles! — Bist du noch, der du warst? — O ja, du wirst es sein! Magst du doch viel oder wenig gelernt haben; die bekümmerte Mutter mögte dich lieber fromm als gelehrt wiedersehen. Tugendhaft gingst du von mir, tugendhaft kehrst du in meine Arme zurück, nicht wahr?

[ 6 ] «Frau von Berg: Noch einmal drücke ich dich an mein mütterliches Herz! (sie umarmt ihn). Gott sei Dank, daß ich dich wieder habe! Dich, meine Hoffnung, meinen Stolz, mein Alles! — Bist du noch, der du warst? — O ja, du wirst es sein! Magst du doch viel oder wenig gelernt haben; die bekümmerte Mutter mögte dich lieber fromm als gelehrt wiedersehen. Tugendhaft gingst du von mir, tugendhaft kehrst du in meine Arme zurück, nicht wahr?

Karl: Liebe Mutter, es gibt keine andere Tugend als Konsequenz.

Mutter: Wie? Sokönntejaauch derärgste Bösewicht tugendhaft sein?

Karl: Wenn er konsequent handelt. — Mutter: O weh! Was ist das? Karl! Du hast doch noch Religion?

Karl: Die Religion ist meistens nur ein Supplement oder gar ein Surrogat der Bildung.»

Ich bemerke ausdrücklich, daß diese literarische Gaunerei so weit getrieben ist, daß alles, was Karl sagt, wörtlich aus den Schriften der betreffenden Männer entnommen ist, — aus dem Zusammenhang herausgerissen wenigstens.

«Mutter: Nichts weiter?

Karl: Nichts ist religiös im strengen Sinne, was nicht ein Produkt der Freiheit ist.» — Denken Sie, ein so schöner Satz! —

«Mutter: Ich kann darüber mit dir nicht streiten, auch begehre ich nur Beruhigung. Man hat mir so manches von den jetzigen Modesystemen erzählt. (Sie legt ihre Hand auf seine Schulter und spricht ängstlich.) Karl! Du glaubst doch an Gott?

Karl: Ich selbst bin Gott.»

Das Wohnen des Gottes in der eigenen Brust.

«Mutter: Weh mir! Er ist geworden wie der arme Wezel in Sondershausen!»

Der arme Wezel in Sondershausen war nämlich ein Dichter der damaligen Zeit, der wahnsinnig geworden ist.

«Karl: Jeder gute Mensch wird immer mehr und mehr Gott. Gott werden, Mensch sein, sich Bilden sind Ausdrücke, die einerlei bedeuten.»

Es ist alles wörtlich aus dem Zusammenhang heraus!

«Mutter: Was ist das! Ich fürchte, er möchte gar keinen Gott glauben, und er glaubt deren Millionen!

Karl: Wenn jedes unendliche Individuum Gott ist, so gibt's so viele Götter als Ideale.

Mutter: Hin ist sein Christentum!

Karl: Das wissenschaftliche Ideal des Christianismus ist eine Charakteristik der Gottheit mit unendlich vielen Variationen.

Mutter: Sprichst du von einem Rondo?

Karl: Gott ist nicht bloß ein Gedanke, sondern zugleich auch eine Sache, wie alle Gedanken, die nicht bloße Einbildung sind.

Mutter: Sprich, welche Religion hast du denn eigentlich? Karl: Es ist ein sehr natürlicher, ja, fast unvermeidlicher Wunsch, alle Gattungen der Religion in sich vereinigen zu wollen.

Mutter: Alle? —

Karl: Alle.

Mutter: Ach! Ich kann dir nicht antworten. Aber ich bitte dich, rede mit unserem Pfarrer, er ist ein wackerer, vernünftiger Mann.

Karl: Ich mag nicht. Die Religion ist schlechthin groß wie die Natur. Der vortrefflichste Priester hat doch nur ein Stück davon.» Alles wörtlich!

«Mutter: Ich versichere dich, er hat sie ganz.

Karl: Überdies bin ich selbst Priester.

Mutter (erstaunt): Zugleich Gott und Priester ?

Karl: Das Verhältnis des wahren Künstlers und des wahren Menschen zu seinen Idealen ist durchaus Religion. Wem dieser innere Gottesdienst Ziel und Geschäft des ganzen Lebens ist, der ist Priester, und folglich bin ich auch Priester.

Mutter: Sohn! Sohn! Was soll aus dir werden in dieser und jener Welt!

Karl: Bei den Neueren redet man immer von dieser und jener Welt, als ob es mehr als eine Welt gäbe.

Mutter: Weh dir! Du bist in den Stricken des Satans!»

Ich kann Ihnen die Versicherung geben: derjenige protestantische Pastor, der in Hamburg — ich habe den Brief selber gelesen — geschrieben hat an eines unserer Mitglieder, ich selber wäre der Satan, der ist nicht vereinzelt geblieben!

«Du bist in den Stricken des Satans!

Karl: Der Satan ist eine deutsche Erfindung, denn der deutsche Satan ist satanischer als der italienische und englische. Er ist ein Favorit deutscher Dichter und Philosophen, er muß also auch wohl sein Gutes haben.

Mutter: Der Satan sein Gutes?!

Karl: Das gefällt mir nicht in der christlichen Mythologie, daß die Satanisken fehlen.

Mutter: Ach mein Gott! Haben wir denn an Einem Satan noch nicht genug? — Karl: Mutter, ich bitte Sie, nicht diese Elegien von der heroisch kläglichen Art; es sind die Empfindungen der Jämmerlichkeit bei dem Gedanken der Albernheit von den Verhältnissen der Plattheit zur Tollheit.

Mutter: Wohl mir, daß ich deine Schmähungen nicht verstehe.

Karl: Sie wollen mich in meiner Bahn aufhalten? Dies ist umsonst. Wer einmal töricht oder edel sich bestrebt hat, in den Gang des menschlichen Geistes mit einzugreifen —

Mutter: Eingreifen? in einen Gang? was heißt das?

Karl: Der muß mit fort, oder er ist nicht besser daran als ein Hund im Bratenwender, der die Pfoten nicht vorwätts setzen will.

Mutter: Ach, ich bitte dich, setze die Pfoten rückwärts! Deine hohe Geistesverwirrung kann dich einst zur Verzweiflung und Selbstmord führen!

Karl: Der Selbstmord ist nur eine Begebenheit, selten eine Handlung.»

Aus dem Zusammenhang herausgerissen!

«Mutter: O, es wäre für mich eine schreckliche Begebenheit!

Karl: Ist er eine Handlung, so kann vom Recht gar nicht die Rede sein, sondern nur von der Schicklichkeit.

Mutter: Es ist weder recht, noch schicklich.

Karl: Sie irren, es ist nie unrecht, freiwillig zu sterben, aber oft unanständig, länger zu leben.

Mutter: Was muß ich hören! weh mir! wie bitter hat meine Hoffnung mich getäuscht!

Karl: Getrost, Mutter, Sie werden bald selbst denken wie ich.

Mutter (mit Abscheu) : Nimmermehr!

Karl: Sie meinen vielleicht wie Rousseau: daß irgendeine gute und schöne Freigeisterei den Frauen weniger zieme als den Männern ?

Mutter: Weder Euch noch uns.

Karl: Aber das ist nur Eine von Rousseaus unendlich vielen allgemein geltenden Plattheiten.

Mutter: Alberner Mensch! Es ist unverschämt, so von Rousseau zu sprechen.

Aber großer Gott! möchtest du doch bloß unverschämt sein! — Ich verlasse dich tief gebeugt. Ich bin nur ein Weib und kann dir nichts entgegensetzen als mein Gefühl. Dein Oheim ist Mann, er mag männlich mit dir sprechen (ab).

Karl (allein): Der platte Mensch beurteilt alle anderen Menschen wie Menschen, behandelt sie aber wie Sachen, und begreift es durchaus nicht, daß sie andere Menschen sind als er.»

Und jetzt aus einer folgenden Szene. Karl, der jetzt seinem Oheim, dem Baron entgegentritt.

«Karl: Der Mensch ist eine ernsthafte Bestie.

Baron: Eine Bestie? Schäme dich. Ich merke schon, du hast zu viel studiert, bist zu einsam gewesen. Ich werde dich in gute Gesellschaft führen.

Karl: Die Gesellschaften der Deutschen sind ernsthaft, ihre Komödien und Satiren sind ernsthaft, ihre Kritik ist ernsthaft, ihre ganze schöne Literatur ist ernsthaft.

Baron: O, es gibt auch Narren genug unter den Deutschen.

Karl: Narrheit ist absolute Verkehrtheit der Tendenz, gänzlicher Mangel an historischem Geist.

Baron: Hör’ einmal, Vetter, bleib mir mit dem Krimskrams vom

Halse und laß uns vernünftig reden. Ich habe ein Projekt für dich.

Karl: Ein Projekt ist der subjektive Keim eines werdenden Objekts.

Baron: Gleichviel, du mußt eine Existenz haben.

Karl: Es kann nichts anmaßender sein als überhaupt zu existieren oder gar auf eine bestimmte selbständige Art zu existieren.» Also nun die große Existenz-Frage, nicht wahr!

«Baron: Nun zum Teufel! wie existiere ich denn?

Karl: Sie? Sie existieren gar nicht.

Baron (prallt zurück): Gar nicht?

Karl: Die meisten Menschen sind nur gleichberechtigte Prätendenten der Existenz; es gibt wenig Existenten.

Baron: Mensch! du bist entweder närrisch oder toll.

Karl: Die Narrheit ist bloß dadurch von der Tollheit verschieden, daß sie willkürlich ist wie die Dummheit.» Nun noch ein Stückchen. Es ist eine Szene zwischen Karl und Malchen.

«Karl eilt Malchen entgegen und reißt sie wütend an seine Brust.

Karl: O, meine Amalie!

Malchen: Gemach! Gemach, lieber Vetter! Sie erdrücken mich.

Karl: Es liegt in der Natur des Mannes ein gewisser tölpelhafter Enthusiasmus, der leicht bis zur Grobheit göttlich ist (er will sie abermals umarmen).

Malchen (verschämt und sich sträubend): Nicht so ungestüm, lieber Karl.

Karl (betrachtet sie lächelnd): Es ist doch wirklich eine komische Situation, ein unschuldiges Mädchen zu sein.

Malchen (erstaunt): Wie? eine komische Situation ?

Karl: Allerdings, aber die Frauen müssen wohl prüde bleiben, solang die Männer sentimental, dumm und schlecht genug sind, ewige Unschuld und Mangel an Bildung von ihnen zu fordern.

Malchen: Sie fordern also keine Unschuld von mir?

Karl: Sie sind ein blühendes Mädchen und folglich das reizendste Symbol vom reinen guten Willen.

Malchen: Ein sonderbares Kompliment!

Karl: Wir werden uns heiraten.

Malchen: Vielleicht.

Karl: Zwar fehlt es den Frauen an Sinn für die Kunst, an Anlage zur Wissenschaft und an Abstraktion, zwar ist mutwillige Bosheit mit naiver Kälte und lachender Gefühllosigkeit eine angeborene Kunst ihres Geschlechts. —

Malchen: Eine schmeichelhafte Schilderung!

Karl: Dennoch bin ich entschlossen, den Versuch zu wagen.

Malchen: Einen Versuch? Allerliebst.

Karl: Fast alle Ehen sind nur Konkubinate, provisorische Versuche zu einer wirklichen Ehe.

Malchen: Herr Vetter, ich hoffe, daß ich Sie nicht verstehe.

Karl: Wir könnten auch allenfalls den Versuch ins Große treiben, zum Exempel eine Ehe ä quatre.

Malchen (fast stumm vor Erstaunen): Wie? Karl: Es läßt sich nicht absehen, was man gegen eine Ehe a quatre gründliches einwenden könnte.»

Alles herausgerissen!

«Malchen: Sie wären wirklich imstande, Ihre Geliebte zu teilen?

Karl: Ich werde mich bemühen, Sie so zu besitzen, als ob ich Sie nicht besäße.

Malchen: Eine angenehme Aussicht!

Karl: Das ist die Pflicht des wahren Cynikers.»

Noch ein Stückchen. Der Fürst kommt nun und unterredet sich auch mit Karl.

«Fürst: Ich liebe die Geschichte.

Karl: Der historische Stil muß vornehm sein durch nackte Gediegenheit, erhabene Eil und großartige Fröhlichkeit.

Fürst: Welch ein Bombast von Worten! Haben Sie sich vielleicht der Staatsverwaltung gewidmet?

Karl: Wenn nur nicht in den Handlungen der gesetzgebenden, ausübenden oder richterlichen Gewalt oft etwas Willkürliches vorkäme, wozu sie für sich nicht berechtigt scheinen.

Fürst: Was wäre dabei zu tun?

Karl: Ist die Befugnis dazu nicht etwa von der konstitutiven Gewalt entlehnt ?

Fürst: Kann sein.

Karl: Die daher notwendig auch ein Veto haben müßte?

Fürst: Jetzt merke ich, wo Sie hinaus wollen und rate Ihnen wohlmeinend, sich mit der Staatsverwaltung nicht zu befassen; wenigstens nicht in meinem Lande, wo Ruhe und Sittlichkeit herrschen.

Karl: Sittlichkeit? Das glaube ich kaum. Denn die erste Regung der Sittlichkeit ist Opposition gegen die positive Gesetzlichkeit und konventionelle Rechtlichkeit.

Fürst: Das schmeckt sehr nach den neueren alles zerstörenden Grundsätzen.»

Karl: Liebe Mutter, es gibt keine andere Tugend als Konsequenz.

Mutter: Wie? Sokönntejaauch derärgste Bösewicht tugendhaft sein?

Karl: Wenn er konsequent handelt. — Mutter: O weh! Was ist das? Karl! Du hast doch noch Religion?

Karl: Die Religion ist meistens nur ein Supplement oder gar ein Surrogat der Bildung.»

Ich bemerke ausdrücklich, daß diese literarische Gaunerei so weit getrieben ist, daß alles, was Karl sagt, wörtlich aus den Schriften der betreffenden Männer entnommen ist, — aus dem Zusammenhang herausgerissen wenigstens.

«Mutter: Nichts weiter?

Karl: Nichts ist religiös im strengen Sinne, was nicht ein Produkt der Freiheit ist.» — Denken Sie, ein so schöner Satz! —

«Mutter: Ich kann darüber mit dir nicht streiten, auch begehre ich nur Beruhigung. Man hat mir so manches von den jetzigen Modesystemen erzählt. (Sie legt ihre Hand auf seine Schulter und spricht ängstlich.) Karl! Du glaubst doch an Gott?

Karl: Ich selbst bin Gott.»

Das Wohnen des Gottes in der eigenen Brust.

«Mutter: Weh mir! Er ist geworden wie der arme Wezel in Sondershausen!»

Der arme Wezel in Sondershausen war nämlich ein Dichter der damaligen Zeit, der wahnsinnig geworden ist.

«Karl: Jeder gute Mensch wird immer mehr und mehr Gott. Gott werden, Mensch sein, sich Bilden sind Ausdrücke, die einerlei bedeuten.»

Es ist alles wörtlich aus dem Zusammenhang heraus!

«Mutter: Was ist das! Ich fürchte, er möchte gar keinen Gott glauben, und er glaubt deren Millionen!

Karl: Wenn jedes unendliche Individuum Gott ist, so gibt's so viele Götter als Ideale.

Mutter: Hin ist sein Christentum!

Karl: Das wissenschaftliche Ideal des Christianismus ist eine Charakteristik der Gottheit mit unendlich vielen Variationen.

Mutter: Sprichst du von einem Rondo?

Karl: Gott ist nicht bloß ein Gedanke, sondern zugleich auch eine Sache, wie alle Gedanken, die nicht bloße Einbildung sind.

Mutter: Sprich, welche Religion hast du denn eigentlich? Karl: Es ist ein sehr natürlicher, ja, fast unvermeidlicher Wunsch, alle Gattungen der Religion in sich vereinigen zu wollen.

Mutter: Alle? —

Karl: Alle.

Mutter: Ach! Ich kann dir nicht antworten. Aber ich bitte dich, rede mit unserem Pfarrer, er ist ein wackerer, vernünftiger Mann.

Karl: Ich mag nicht. Die Religion ist schlechthin groß wie die Natur. Der vortrefflichste Priester hat doch nur ein Stück davon.» Alles wörtlich!

«Mutter: Ich versichere dich, er hat sie ganz.

Karl: Überdies bin ich selbst Priester.

Mutter (erstaunt): Zugleich Gott und Priester ?

Karl: Das Verhältnis des wahren Künstlers und des wahren Menschen zu seinen Idealen ist durchaus Religion. Wem dieser innere Gottesdienst Ziel und Geschäft des ganzen Lebens ist, der ist Priester, und folglich bin ich auch Priester.

Mutter: Sohn! Sohn! Was soll aus dir werden in dieser und jener Welt!

Karl: Bei den Neueren redet man immer von dieser und jener Welt, als ob es mehr als eine Welt gäbe.

Mutter: Weh dir! Du bist in den Stricken des Satans!»

Ich kann Ihnen die Versicherung geben: derjenige protestantische Pastor, der in Hamburg — ich habe den Brief selber gelesen — geschrieben hat an eines unserer Mitglieder, ich selber wäre der Satan, der ist nicht vereinzelt geblieben!

«Du bist in den Stricken des Satans!

Karl: Der Satan ist eine deutsche Erfindung, denn der deutsche Satan ist satanischer als der italienische und englische. Er ist ein Favorit deutscher Dichter und Philosophen, er muß also auch wohl sein Gutes haben.

Mutter: Der Satan sein Gutes?!

Karl: Das gefällt mir nicht in der christlichen Mythologie, daß die Satanisken fehlen.

Mutter: Ach mein Gott! Haben wir denn an Einem Satan noch nicht genug? — Karl: Mutter, ich bitte Sie, nicht diese Elegien von der heroisch kläglichen Art; es sind die Empfindungen der Jämmerlichkeit bei dem Gedanken der Albernheit von den Verhältnissen der Plattheit zur Tollheit.

Mutter: Wohl mir, daß ich deine Schmähungen nicht verstehe.

Karl: Sie wollen mich in meiner Bahn aufhalten? Dies ist umsonst. Wer einmal töricht oder edel sich bestrebt hat, in den Gang des menschlichen Geistes mit einzugreifen —

Mutter: Eingreifen? in einen Gang? was heißt das?

Karl: Der muß mit fort, oder er ist nicht besser daran als ein Hund im Bratenwender, der die Pfoten nicht vorwätts setzen will.

Mutter: Ach, ich bitte dich, setze die Pfoten rückwärts! Deine hohe Geistesverwirrung kann dich einst zur Verzweiflung und Selbstmord führen!

Karl: Der Selbstmord ist nur eine Begebenheit, selten eine Handlung.»

Aus dem Zusammenhang herausgerissen!

«Mutter: O, es wäre für mich eine schreckliche Begebenheit!

Karl: Ist er eine Handlung, so kann vom Recht gar nicht die Rede sein, sondern nur von der Schicklichkeit.

Mutter: Es ist weder recht, noch schicklich.

Karl: Sie irren, es ist nie unrecht, freiwillig zu sterben, aber oft unanständig, länger zu leben.

Mutter: Was muß ich hören! weh mir! wie bitter hat meine Hoffnung mich getäuscht!

Karl: Getrost, Mutter, Sie werden bald selbst denken wie ich.

Mutter (mit Abscheu) : Nimmermehr!

Karl: Sie meinen vielleicht wie Rousseau: daß irgendeine gute und schöne Freigeisterei den Frauen weniger zieme als den Männern ?

Mutter: Weder Euch noch uns.

Karl: Aber das ist nur Eine von Rousseaus unendlich vielen allgemein geltenden Plattheiten.

Mutter: Alberner Mensch! Es ist unverschämt, so von Rousseau zu sprechen.

Aber großer Gott! möchtest du doch bloß unverschämt sein! — Ich verlasse dich tief gebeugt. Ich bin nur ein Weib und kann dir nichts entgegensetzen als mein Gefühl. Dein Oheim ist Mann, er mag männlich mit dir sprechen (ab).

Karl (allein): Der platte Mensch beurteilt alle anderen Menschen wie Menschen, behandelt sie aber wie Sachen, und begreift es durchaus nicht, daß sie andere Menschen sind als er.»

Und jetzt aus einer folgenden Szene. Karl, der jetzt seinem Oheim, dem Baron entgegentritt.

«Karl: Der Mensch ist eine ernsthafte Bestie.

Baron: Eine Bestie? Schäme dich. Ich merke schon, du hast zu viel studiert, bist zu einsam gewesen. Ich werde dich in gute Gesellschaft führen.

Karl: Die Gesellschaften der Deutschen sind ernsthaft, ihre Komödien und Satiren sind ernsthaft, ihre Kritik ist ernsthaft, ihre ganze schöne Literatur ist ernsthaft.

Baron: O, es gibt auch Narren genug unter den Deutschen.

Karl: Narrheit ist absolute Verkehrtheit der Tendenz, gänzlicher Mangel an historischem Geist.

Baron: Hör’ einmal, Vetter, bleib mir mit dem Krimskrams vom

Halse und laß uns vernünftig reden. Ich habe ein Projekt für dich.

Karl: Ein Projekt ist der subjektive Keim eines werdenden Objekts.

Baron: Gleichviel, du mußt eine Existenz haben.

Karl: Es kann nichts anmaßender sein als überhaupt zu existieren oder gar auf eine bestimmte selbständige Art zu existieren.» Also nun die große Existenz-Frage, nicht wahr!

«Baron: Nun zum Teufel! wie existiere ich denn?

Karl: Sie? Sie existieren gar nicht.

Baron (prallt zurück): Gar nicht?

Karl: Die meisten Menschen sind nur gleichberechtigte Prätendenten der Existenz; es gibt wenig Existenten.

Baron: Mensch! du bist entweder närrisch oder toll.

Karl: Die Narrheit ist bloß dadurch von der Tollheit verschieden, daß sie willkürlich ist wie die Dummheit.» Nun noch ein Stückchen. Es ist eine Szene zwischen Karl und Malchen.

«Karl eilt Malchen entgegen und reißt sie wütend an seine Brust.

Karl: O, meine Amalie!

Malchen: Gemach! Gemach, lieber Vetter! Sie erdrücken mich.

Karl: Es liegt in der Natur des Mannes ein gewisser tölpelhafter Enthusiasmus, der leicht bis zur Grobheit göttlich ist (er will sie abermals umarmen).

Malchen (verschämt und sich sträubend): Nicht so ungestüm, lieber Karl.

Karl (betrachtet sie lächelnd): Es ist doch wirklich eine komische Situation, ein unschuldiges Mädchen zu sein.

Malchen (erstaunt): Wie? eine komische Situation ?

Karl: Allerdings, aber die Frauen müssen wohl prüde bleiben, solang die Männer sentimental, dumm und schlecht genug sind, ewige Unschuld und Mangel an Bildung von ihnen zu fordern.

Malchen: Sie fordern also keine Unschuld von mir?

Karl: Sie sind ein blühendes Mädchen und folglich das reizendste Symbol vom reinen guten Willen.

Malchen: Ein sonderbares Kompliment!

Karl: Wir werden uns heiraten.

Malchen: Vielleicht.

Karl: Zwar fehlt es den Frauen an Sinn für die Kunst, an Anlage zur Wissenschaft und an Abstraktion, zwar ist mutwillige Bosheit mit naiver Kälte und lachender Gefühllosigkeit eine angeborene Kunst ihres Geschlechts. —

Malchen: Eine schmeichelhafte Schilderung!

Karl: Dennoch bin ich entschlossen, den Versuch zu wagen.

Malchen: Einen Versuch? Allerliebst.

Karl: Fast alle Ehen sind nur Konkubinate, provisorische Versuche zu einer wirklichen Ehe.

Malchen: Herr Vetter, ich hoffe, daß ich Sie nicht verstehe.

Karl: Wir könnten auch allenfalls den Versuch ins Große treiben, zum Exempel eine Ehe ä quatre.

Malchen (fast stumm vor Erstaunen): Wie? Karl: Es läßt sich nicht absehen, was man gegen eine Ehe a quatre gründliches einwenden könnte.»

Alles herausgerissen!

«Malchen: Sie wären wirklich imstande, Ihre Geliebte zu teilen?

Karl: Ich werde mich bemühen, Sie so zu besitzen, als ob ich Sie nicht besäße.

Malchen: Eine angenehme Aussicht!

Karl: Das ist die Pflicht des wahren Cynikers.»

Noch ein Stückchen. Der Fürst kommt nun und unterredet sich auch mit Karl.

«Fürst: Ich liebe die Geschichte.

Karl: Der historische Stil muß vornehm sein durch nackte Gediegenheit, erhabene Eil und großartige Fröhlichkeit.

Fürst: Welch ein Bombast von Worten! Haben Sie sich vielleicht der Staatsverwaltung gewidmet?

Karl: Wenn nur nicht in den Handlungen der gesetzgebenden, ausübenden oder richterlichen Gewalt oft etwas Willkürliches vorkäme, wozu sie für sich nicht berechtigt scheinen.

Fürst: Was wäre dabei zu tun?

Karl: Ist die Befugnis dazu nicht etwa von der konstitutiven Gewalt entlehnt ?

Fürst: Kann sein.

Karl: Die daher notwendig auch ein Veto haben müßte?

Fürst: Jetzt merke ich, wo Sie hinaus wollen und rate Ihnen wohlmeinend, sich mit der Staatsverwaltung nicht zu befassen; wenigstens nicht in meinem Lande, wo Ruhe und Sittlichkeit herrschen.

Karl: Sittlichkeit? Das glaube ich kaum. Denn die erste Regung der Sittlichkeit ist Opposition gegen die positive Gesetzlichkeit und konventionelle Rechtlichkeit.

Fürst: Das schmeckt sehr nach den neueren alles zerstörenden Grundsätzen.»

[ 7 ] Wenn auch das Gebiet nicht so streng eingehalten worden ist, auf dem man dem entgegengetreten ist, das damals von dem großen geistigen Aufschwung hat kommen können: der Geist, der sich dagegen aufgelehnt hat, der hat durchaus geherrscht. Und so ist es denn wirklich so, daß die Keime, die dazumal gelegt worden sind, erst aufgehen müssen. Und aufgehen werden sie nicht anders, als daß die Menschen die aus der Bequemlichkeit und Plattheit flieBende Furcht verlieren vor dem, was die Geisteswissenschaft aus den geistigen Welten heraus erschließen kann. Die erste Bedingung wird sein, daß man erkennt, wie notwendig — ich habe das öfter gesagt — es im Leben ist, wahr, durchaus wahr zu sein, wirklich den Mut zu haben zu den — verzeihen Sie jetzt das Wort, es steht da drinnen — zu den Konsequenzen desjenigen, was man als wahr anerkennt. Wahrheit liegt nicht bloß in der Art und Weise, wie man seine Behauptungen tut, sondern Wahrheit oder Lüge liegt auch in der Art und Weise schon, wie man Worte braucht. Man kann das klar und deutlich sehen, wenn man den Widerstand, der heute von der Außenwelt kommt, auf dem Gebiete betrachtet, das eigentlich dazu führen müßte, das Christentum und das Mysterium von Golgatha so zu erfassen, wie es in unserer Zeit erfaßt werden muß, damit der Mensch alles dasjenige, was er erfühlen kann über das Mysterium von Golgatha, auch mit der vollen Höhe der Zeiterkenntnis in Einklang setzen kann. Man kann sagen: Am wütendsten sind gewisse Leute draußen gegenüber dem, was gehört werden konnte aus der Geisteswissenschaft über das Auf-die-Erde-Treten der Erscheinung des Christus-Jesus.

[ 7 ] Wenn auch das Gebiet nicht so streng eingehalten worden ist, auf dem man dem entgegengetreten ist, das damals von dem großen geistigen Aufschwung hat kommen können: der Geist, der sich dagegen aufgelehnt hat, der hat durchaus geherrscht. Und so ist es denn wirklich so, daß die Keime, die dazumal gelegt worden sind, erst aufgehen müssen. Und aufgehen werden sie nicht anders, als daß die Menschen die aus der Bequemlichkeit und Plattheit flieBende Furcht verlieren vor dem, was die Geisteswissenschaft aus den geistigen Welten heraus erschließen kann. Die erste Bedingung wird sein, daß man erkennt, wie notwendig — ich habe das öfter gesagt — es im Leben ist, wahr, durchaus wahr zu sein, wirklich den Mut zu haben zu den — verzeihen Sie jetzt das Wort, es steht da drinnen — zu den Konsequenzen desjenigen, was man als wahr anerkennt. Wahrheit liegt nicht bloß in der Art und Weise, wie man seine Behauptungen tut, sondern Wahrheit oder Lüge liegt auch in der Art und Weise schon, wie man Worte braucht. Man kann das klar und deutlich sehen, wenn man den Widerstand, der heute von der Außenwelt kommt, auf dem Gebiete betrachtet, das eigentlich dazu führen müßte, das Christentum und das Mysterium von Golgatha so zu erfassen, wie es in unserer Zeit erfaßt werden muß, damit der Mensch alles dasjenige, was er erfühlen kann über das Mysterium von Golgatha, auch mit der vollen Höhe der Zeiterkenntnis in Einklang setzen kann. Man kann sagen: Am wütendsten sind gewisse Leute draußen gegenüber dem, was gehört werden konnte aus der Geisteswissenschaft über das Auf-die-Erde-Treten der Erscheinung des Christus-Jesus.

[ 8 ] Wir mußten, meine lieben Freunde, alle drei Welten aufrufen, um die Erscheinung des Christus-Jesus zu begreifen. Wir haben zuerst jenen Jesus, welcher in sich die Individualität des großen Zarathustra trägt. Der wächst heran bis zu seinem zwölften Jahre. Da verläßt er den Leib und geht hinüber in den Leib des anderen Jesus-Knaben, welcher eine Seele gebildet hat, die nicht mitgemacht hat die ganze Erdenentwickelung, sondern ich habe es auseinandergesetzt — die zurückgeblieben ist gleichsam in der Substanz der Erden-Menschenseele, indem ein Teil hinuntergegangen ist in die Menschenleiber und ein Teil oben geblieben ist, der dann erst eingetreten ist in denjenigen Leib, den die zweite Maria geboren hat als den zweiten Jesus-Knaben. Und ich habe Sie darauf aufmerksam gemacht, daß uns die geisteswissenschaftliche Erkenntnis zeigt, wie dieser Jesus-Knabe gleich bei seiner Geburt — was der Mensch in der gegenwärtigen Zeit nicht kann — gesprochen hat, gesagt hat, was er ist. Mit der Seele des Zarathustra wächst dieser Jesus-Knabe heran, wird dreißig Jahre alt, und die Christus-Individualität inkarniert sich in ihm und lebt in diesem Leibe, der zubereitet ist von dem Geiste des großen Zarathustra, zubereitet ist von jener Seele, die nicht mitgemacht hat die Erdenentwickelung, sondern von der Erdenentwickelung zurückgeblieben ist in jener Zeit, wo die Erde noch nicht heruntergestiegen ist bis zu ihrer jetzigen Materialität. Die Christus-Individualität lebt nun drei Jahre in diesem Leibe. Drei Welten mußten wir aufrufen, um diese große Gestalt, diese größte Gestalt und dieses größte Ereignis in der Menschheitsentwickelung zu begreifen: Die höchsten geistigen Welten, aus denen der Christus herunterstieg, diejenige Welt, die da ist, bevor es eine Erde gab, und diejenige Welt, durch die sich die Menschen hindurch entwickelt haben, der der Zarathustra, zwar als eine vorzügliche Inkarnation, aber doch als eine gewöhnliche menschliche Inkarnation angehört.

[ 8 ] Wir mußten, meine lieben Freunde, alle drei Welten aufrufen, um die Erscheinung des Christus-Jesus zu begreifen. Wir haben zuerst jenen Jesus, welcher in sich die Individualität des großen Zarathustra trägt. Der wächst heran bis zu seinem zwölften Jahre. Da verläßt er den Leib und geht hinüber in den Leib des anderen Jesus-Knaben, welcher eine Seele gebildet hat, die nicht mitgemacht hat die ganze Erdenentwickelung, sondern ich habe es auseinandergesetzt — die zurückgeblieben ist gleichsam in der Substanz der Erden-Menschenseele, indem ein Teil hinuntergegangen ist in die Menschenleiber und ein Teil oben geblieben ist, der dann erst eingetreten ist in denjenigen Leib, den die zweite Maria geboren hat als den zweiten Jesus-Knaben. Und ich habe Sie darauf aufmerksam gemacht, daß uns die geisteswissenschaftliche Erkenntnis zeigt, wie dieser Jesus-Knabe gleich bei seiner Geburt — was der Mensch in der gegenwärtigen Zeit nicht kann — gesprochen hat, gesagt hat, was er ist. Mit der Seele des Zarathustra wächst dieser Jesus-Knabe heran, wird dreißig Jahre alt, und die Christus-Individualität inkarniert sich in ihm und lebt in diesem Leibe, der zubereitet ist von dem Geiste des großen Zarathustra, zubereitet ist von jener Seele, die nicht mitgemacht hat die Erdenentwickelung, sondern von der Erdenentwickelung zurückgeblieben ist in jener Zeit, wo die Erde noch nicht heruntergestiegen ist bis zu ihrer jetzigen Materialität. Die Christus-Individualität lebt nun drei Jahre in diesem Leibe. Drei Welten mußten wir aufrufen, um diese große Gestalt, diese größte Gestalt und dieses größte Ereignis in der Menschheitsentwickelung zu begreifen: Die höchsten geistigen Welten, aus denen der Christus herunterstieg, diejenige Welt, die da ist, bevor es eine Erde gab, und diejenige Welt, durch die sich die Menschen hindurch entwickelt haben, der der Zarathustra, zwar als eine vorzügliche Inkarnation, aber doch als eine gewöhnliche menschliche Inkarnation angehört.

[ 9 ] Wenn man — ich habe das erwähnt in meiner kleinen Schrift, die auch jetzt erscheint: «Die Aufgabe der Geisteswissenschaft und deren Bau in Dornach» — diejenigen Leute hört, die so etwas beurteilen, so sieht man, wie sie die Angst haben davor, so etwas begreifen zu sollen. Und sie nennen solche Dinge «unchristlich», und setzen dann dasjenige an die Stelle, was sie selber glauben über den Christus. Und meint man, sie sollten doch zufrieden sein, wenn man ihnen kommt und sagt: Ja, was ihr glaubt, das glauben wir schon auch; aber wir glauben noch etwas dazu! so sind sie damit aber nicht zufrieden, sondern sie erlauben einem nicht, noch etwas anderes dazu zu wissen zu dem, was sie zu wissen vermeinen. Darin zeigt sich, daß es den Leuten gar nicht ankommt auf Wahrheitserkenntnis, sondern lediglich auf die Ausübung ihrer Macht. Sie wollen nicht gestatten, daß der Christus in höchster Glorie vorgestellt wird, wenn diese Glorie nur erreicht werden kann in der Anschauung durch etwas, was ihnen nicht bequem ist zu lernen,

[ 9 ] Wenn man — ich habe das erwähnt in meiner kleinen Schrift, die auch jetzt erscheint: «Die Aufgabe der Geisteswissenschaft und deren Bau in Dornach» — diejenigen Leute hört, die so etwas beurteilen, so sieht man, wie sie die Angst haben davor, so etwas begreifen zu sollen. Und sie nennen solche Dinge «unchristlich», und setzen dann dasjenige an die Stelle, was sie selber glauben über den Christus. Und meint man, sie sollten doch zufrieden sein, wenn man ihnen kommt und sagt: Ja, was ihr glaubt, das glauben wir schon auch; aber wir glauben noch etwas dazu! so sind sie damit aber nicht zufrieden, sondern sie erlauben einem nicht, noch etwas anderes dazu zu wissen zu dem, was sie zu wissen vermeinen. Darin zeigt sich, daß es den Leuten gar nicht ankommt auf Wahrheitserkenntnis, sondern lediglich auf die Ausübung ihrer Macht. Sie wollen nicht gestatten, daß der Christus in höchster Glorie vorgestellt wird, wenn diese Glorie nur erreicht werden kann in der Anschauung durch etwas, was ihnen nicht bequem ist zu lernen,

[ 10 ] Lehnen sich so gewisse Leute, die sich nicht nur Christen nennen, sondern die sogar offiziell als Priester oder Pfarrer das Christentum vertreten, gegen die Christlichkeit der Geisteswissenschaft auf, so ist auf der anderen Seite eine andere Tatsache zu beachten. Das ist die Tatsache, daß es heute Leute gibt, die behaupten, sie dürften als christliche Pfarrer wirken und brauchten nicht daran zu denken, daß der Christus oder, wie sie sich ausdrücken, der Jesus, auf eine andere Weise in die Menschheitsentwickelung eingetreten ist als jeder andere Mensch. Es gibt heute schon christliche Priester, Pfarrer, die durchaus der Meinung sind, das sie nicht nötig haben, an eine besondere Art der Geburt bei dem Jesus zu denken, sondern die ihn so wie einen höheren Sokrates auffassen, auch eben als einen der edlen Menschen, vielleicht nur als den edelsten. Ja, es gibt Menschen, die berühmte Theologen sind, und die von der Auferstehung so reden, daß sie sagen: Was auch immer im Garten von Gethsemane vor sich gegangen ist, der Auferstehungsglaube ist daraus hervorgegangen; diesen Auferstehungsglauben wollen wir festhalten. — Ich habe einmal in einer Giordano-Bruno-Gesellschaft vor vielen Jahren erwähnt, was das für eine barocke Denkweise ist, daß einer sagt: Was dort auch geschehen sein mag im Garten von Gethsemane, darum kümmern wir uns nicht, aber der Glaube, daß da die Auferstehung geschehen ist, an dem sollen wir festhalten. Ich habe auf das Barocke und Paradoxe dieser Denkweise hingewiesen, weil sie die Denkweise ist, die in Adolf von Harnacks «Wesen des Christentums» vertreten ist. Da trat mir dazumal der Vorsitzende der Giordano-Bruno-Gesellschaft — nicht des Giordano-Bruno-Bundes, sondern der GiordanoBruno-Gesellschaft —, ein Professor, entgegen und sagte: Aber so etwas kann der Harnack nicht gesagt haben! Das wäre ja wie bei den Katholiken, die auch behaupten: Was auch immer das sein mag, was da für ein Lappen in Trier gehangen hat, es gilt einmal als der Rock Christi, also hält man an diesem fest! Das kann nicht im «Wesen des Christentums» stehen! — Es steht natürlich doch darin. Der Mann hat das «Wesen des Christentums» gelesen, aber darüber hinweggelesen, weil er überhaupt sich benebelt über dasjenige, was da steht.

[ 10 ] Lehnen sich so gewisse Leute, die sich nicht nur Christen nennen, sondern die sogar offiziell als Priester oder Pfarrer das Christentum vertreten, gegen die Christlichkeit der Geisteswissenschaft auf, so ist auf der anderen Seite eine andere Tatsache zu beachten. Das ist die Tatsache, daß es heute Leute gibt, die behaupten, sie dürften als christliche Pfarrer wirken und brauchten nicht daran zu denken, daß der Christus oder, wie sie sich ausdrücken, der Jesus, auf eine andere Weise in die Menschheitsentwickelung eingetreten ist als jeder andere Mensch. Es gibt heute schon christliche Priester, Pfarrer, die durchaus der Meinung sind, das sie nicht nötig haben, an eine besondere Art der Geburt bei dem Jesus zu denken, sondern die ihn so wie einen höheren Sokrates auffassen, auch eben als einen der edlen Menschen, vielleicht nur als den edelsten. Ja, es gibt Menschen, die berühmte Theologen sind, und die von der Auferstehung so reden, daß sie sagen: Was auch immer im Garten von Gethsemane vor sich gegangen ist, der Auferstehungsglaube ist daraus hervorgegangen; diesen Auferstehungsglauben wollen wir festhalten. — Ich habe einmal in einer Giordano-Bruno-Gesellschaft vor vielen Jahren erwähnt, was das für eine barocke Denkweise ist, daß einer sagt: Was dort auch geschehen sein mag im Garten von Gethsemane, darum kümmern wir uns nicht, aber der Glaube, daß da die Auferstehung geschehen ist, an dem sollen wir festhalten. Ich habe auf das Barocke und Paradoxe dieser Denkweise hingewiesen, weil sie die Denkweise ist, die in Adolf von Harnacks «Wesen des Christentums» vertreten ist. Da trat mir dazumal der Vorsitzende der Giordano-Bruno-Gesellschaft — nicht des Giordano-Bruno-Bundes, sondern der GiordanoBruno-Gesellschaft —, ein Professor, entgegen und sagte: Aber so etwas kann der Harnack nicht gesagt haben! Das wäre ja wie bei den Katholiken, die auch behaupten: Was auch immer das sein mag, was da für ein Lappen in Trier gehangen hat, es gilt einmal als der Rock Christi, also hält man an diesem fest! Das kann nicht im «Wesen des Christentums» stehen! — Es steht natürlich doch darin. Der Mann hat das «Wesen des Christentums» gelesen, aber darüber hinweggelesen, weil er überhaupt sich benebelt über dasjenige, was da steht.

[ 11 ] Das sind die Erfahrungen, die man heute mit den Menschen und ihrer Art, sich zu der geistigen Welt zu verhalten, macht. Auch diejenigen Menschen werden ja zahlreich genug sein, die da immer wieder und wiederum kommen und sagen: Ach, was ist das für eine abstrakte Sache! Wir wollen einen einfachen, schlichten Jesus von Nazareth, und ihr gebt uns drei Jesusse! — Der «schlichte Mann von Nazareth» ist ja sogar schon ein Lieblingsobjekt gerade aufgeklärtester Theologen geworden. Nun, die Frage muß sich vor uns hinstellen: Können wir Menschen noch Christen nennen, die eigentlich sich auflehnen dagegen, den Christus so zu begreifen, wie er nun eigentlich in unserer Zeit begriffen werden muß?

[ 11 ] Das sind die Erfahrungen, die man heute mit den Menschen und ihrer Art, sich zu der geistigen Welt zu verhalten, macht. Auch diejenigen Menschen werden ja zahlreich genug sein, die da immer wieder und wiederum kommen und sagen: Ach, was ist das für eine abstrakte Sache! Wir wollen einen einfachen, schlichten Jesus von Nazareth, und ihr gebt uns drei Jesusse! — Der «schlichte Mann von Nazareth» ist ja sogar schon ein Lieblingsobjekt gerade aufgeklärtester Theologen geworden. Nun, die Frage muß sich vor uns hinstellen: Können wir Menschen noch Christen nennen, die eigentlich sich auflehnen dagegen, den Christus so zu begreifen, wie er nun eigentlich in unserer Zeit begriffen werden muß?

[ 12 ] Nehmen wir einmal an, es käme irgend jemand und würde sagen: Das von dem Jesus als dem Zarathustra, und dann wiederum von dem Jesus als dem, der des Menschen Seelensubstanz aufgenommen hat, bevor sie heruntergestiegen ist auf die Erde, das alles zu glauben widerspricht den Überzeugungen, die ich mir einmal aus meiner Weltanschauung heraus gebildet habe. Aber an dem einen halte ich fest, das gibt mir gerade meine Weltanschauung: daf auf eine übernatürliche Weise, nicht so, wie andere Menschen in die Welt treten, die Wesenheit, die in Jesus gelebt hat, in die Welt getreten ist, daß diese Wesenheit gleich bei ihrer Geburt gesprochen hat, was andere nicht tun, und auch vorausgesagt hat, daß sie nicht sterben werde auf dieselbe Weise wie andere Menschen. — Nehmen wir an, es käme ein Mensch, der sagte, er könnte das glauben. Da würden wir sagen: Nun ja, das Christentum hat sich eben verteilt auf die verschiedensten Weltanschauungsströmungen; dieser hat nur das von dem Christentum aufgenommen, was im Lukas-Evangelium angedeutet wird als der eine Jesus-Knabe, der aus der nathanischen Linie des Hauses David abstammt. Nehmen wir an, es würde in einem religiösen Dokument gerade so etwas ausgedrückt werden, so würden wir sagen: Nun ja, der Glaube dessen, der das sagt, ist eben beeinflußt von der unklar gewordenen Tradition, die erst wiederum klar gemacht werden kann durch die Erkenntnis der Geisteswissenschaft von dem zweiten Jesus-Knaben. — Ich werde Ihnen ein solches religiöses Dokument vorlesen, das von Jesus handelt, und ich bitte Sie, selbst zu urteilen darüber, was dieses religiöse Dokument wert sein könnte:

[ 12 ] Nehmen wir einmal an, es käme irgend jemand und würde sagen: Das von dem Jesus als dem Zarathustra, und dann wiederum von dem Jesus als dem, der des Menschen Seelensubstanz aufgenommen hat, bevor sie heruntergestiegen ist auf die Erde, das alles zu glauben widerspricht den Überzeugungen, die ich mir einmal aus meiner Weltanschauung heraus gebildet habe. Aber an dem einen halte ich fest, das gibt mir gerade meine Weltanschauung: daf auf eine übernatürliche Weise, nicht so, wie andere Menschen in die Welt treten, die Wesenheit, die in Jesus gelebt hat, in die Welt getreten ist, daß diese Wesenheit gleich bei ihrer Geburt gesprochen hat, was andere nicht tun, und auch vorausgesagt hat, daß sie nicht sterben werde auf dieselbe Weise wie andere Menschen. — Nehmen wir an, es käme ein Mensch, der sagte, er könnte das glauben. Da würden wir sagen: Nun ja, das Christentum hat sich eben verteilt auf die verschiedensten Weltanschauungsströmungen; dieser hat nur das von dem Christentum aufgenommen, was im Lukas-Evangelium angedeutet wird als der eine Jesus-Knabe, der aus der nathanischen Linie des Hauses David abstammt. Nehmen wir an, es würde in einem religiösen Dokument gerade so etwas ausgedrückt werden, so würden wir sagen: Nun ja, der Glaube dessen, der das sagt, ist eben beeinflußt von der unklar gewordenen Tradition, die erst wiederum klar gemacht werden kann durch die Erkenntnis der Geisteswissenschaft von dem zweiten Jesus-Knaben. — Ich werde Ihnen ein solches religiöses Dokument vorlesen, das von Jesus handelt, und ich bitte Sie, selbst zu urteilen darüber, was dieses religiöse Dokument wert sein könnte:

«Eine Erwähnung der Barmherzigkeit deines Herrn gegen seinen Diener Zacharias»

Sie kennen die Figur des Zacharias aus der Bibel!

«Da er seinen Herrn im Verborgenen anrief,

Sprach er: Mein Herr siehe, mein Gebein ist schwach, und mein Haupt schimmert greis,

Und nie war mein Gebet zu dir erfolglos.

Und siehe, ich fürchte für meine Sippe nach mir, denn mein Weib ist unfruchtbar.

So gib mir von dir einen Nachfolger, der mich und das Haus Jakob beerbe, und mache ihn, mein Herr, wohlgefällig» — Das heißt, mache ihn dir wohlgefällig.

«O Zacharias, siehe, wir verkünden dir einen Knaben, Namens Johannes,

Wie wir zuvor noch keinen benannten.

Er sprach: Mein Herr, woher soll mir ein Sohn werden, wo mein Weib unfruchtbar ist und ich alt und schwach geworden bin?

Er sprach: Also sei’s! Gesprochen hat dein Herr: Das ist mir leicht, und auch dich schuf ich zuvor, da du nichts warst.

Er sprach: Mein Herr, gib mir ein Zeichen. Er sprach: Dein Zeichen sei, daß du, wiewohl gesund, drei Nächte lang nicht zu den Leuten redest.»

Es ist wie in der Bibel!

«Und er schritt hinaus zu seinem Volk aus der Nische und deutete ihnen an —»

Deutete, weil er nicht reden konnte.

«Preiset den Herrn morgens und abends. Und wir sprachen»

Das heißt: die Gläubigen:

«O Johannes, nimm hin die Schrift in Kräften; und wir gaben ihm Weisheit, da er ein Kind war,

Und Mitleid von uns und Reinheit; und er war fromm und voll Liebe gegen seine Eltern und war nicht hoffärtig und trutzig. Und Frieden auf ihn am Tag seiner Geburt und am Tag, da er starb,

und am Tag seiner Erweckung zum Leben '» Das also die Lehre vom Johannes. Nun geht es weiter.

«Und gedenke auch im Buche der Maria. Da sie sich von ihren Angehörigen an einen Ort gen Aufgang zurückzog

Und sich vor ihnen verschleierte, da sandten wir unsern Geist zu ihr,

Und er erschien ihr als vollkommener Mann.»

Wie in der Bibel! Ein merkwürdiges Dokument, nicht wahr?

«Sie sprach: Siehe, ich nehme meine Zuflucht vor dir zum Erbarmer, so du ihn fürchtest.

Er sprach: Ich bin nur ein Gesandter von deinem Herrn, um dir einen reinen Knaben zu bescheren.

Sie sprach: Woher soll mir ein Knabe werden, wo mich kein Mann berührt hat und ich keine Dirne bin?

Er sprach: Also sei’s! Gesprochen hat dein Herr: «Das ist mir ein Leichtes) ; und wir wollen ihn zu einem Zeichen für die Menschen machen und einer Barmherzigkeit von uns. Und es ist eine beschlossene Sache.

Und so empfing sie ihn und zog sich mit ihm an einen entlegenen Ort zurück.» Sie haben die geistige Empfängnis des Jesus.

«Und es überkamen sie die Wehen an dem Stamm einer Palme. Sie sprach:

O daß ich doch zuvor gestorben und vergessen und verschollen wäre!

Und es rief jemand unter ihr: Bekümmere dich nicht; dein Herr hat unter dir ein Bächlein fließen lassen;

Und schüttele nur den Stamm des Palmbaums zu dir, so werden frische reife Datteln auf dich fallen.

So iB und trink und sei kühlen Auges, und so du einen Menschen siehst,

So sprich: «Siehe, ich habe dem Erbarmer ein Fasten gelobt; nimmer spreche ich deshalb heute zu irgend jemand.»

Und sie brachte ihn zu ihrem Volk, ihn tragend. Sie sprachen: O Maria, fürwahr, du hast ein sonderbares Ding getan!

O Schwester Aarons, dein Vater war kein Bösewicht und deine Mutter keine Dirne.

Und sie deutete auf ihn. Sie sprachen: Wie sollen wir mit ihm, einem Kind in der Wiege, reden ?

Er (Jesus) sprach: Siehe, ich bin des Gottes Diener. Gegeben hat er mir das Buch, und er machte mich zum Propheten. Und er machte mich gesegnet, wo immer ich bin, und befahl mir

Gebet und Almosen, solange ich lebe,

Und Liebe zu meiner Mutter; und nicht machte er mich hoffärtig und unselig.

Und Frieden auf den Tag meiner Geburt und den Tag, da ich sterbe, und den Tag, da ich erweckt werde zum Leben!»

Sie wissen, ich habe das geschildert in der Weise, daß ich gesagt habe: Er redete etwas, das nur die Mutter verstehen konnte. — Und dann sagte das Buch weiter:

«Dies ist Jesus, der Sohn der Maria, — das Wort der Wahrheit, das sie bezweifeln.

Nicht steht es Gott an, einen Sohn zu zeugen. Preis ihm! Wenn er ein Ding beschließt, so spricht er nur zu ihm: Sei! und es ist.

Und siehe, Gott ist mein Herr und eurer Herr; so dienet ihm; dies ist ein rechter Weg.

Doch die Sekten sind untereinander uneinig; und wehe den Ungläubigen vor der Zeugnisstätte eines gewaltigen Tages!

Mache sie hören und schauen einen Tag, da sie zu uns kommen.

Doch die Ungerechten sind heute in offenbarem Irrtum.»

«Eine Erwähnung der Barmherzigkeit deines Herrn gegen seinen Diener Zacharias»

Sie kennen die Figur des Zacharias aus der Bibel!

«Da er seinen Herrn im Verborgenen anrief,

Sprach er: Mein Herr siehe, mein Gebein ist schwach, und mein Haupt schimmert greis,

Und nie war mein Gebet zu dir erfolglos.

Und siehe, ich fürchte für meine Sippe nach mir, denn mein Weib ist unfruchtbar.

So gib mir von dir einen Nachfolger, der mich und das Haus Jakob beerbe, und mache ihn, mein Herr, wohlgefällig» — Das heißt, mache ihn dir wohlgefällig.

«O Zacharias, siehe, wir verkünden dir einen Knaben, Namens Johannes,

Wie wir zuvor noch keinen benannten.

Er sprach: Mein Herr, woher soll mir ein Sohn werden, wo mein Weib unfruchtbar ist und ich alt und schwach geworden bin?

Er sprach: Also sei’s! Gesprochen hat dein Herr: Das ist mir leicht, und auch dich schuf ich zuvor, da du nichts warst.

Er sprach: Mein Herr, gib mir ein Zeichen. Er sprach: Dein Zeichen sei, daß du, wiewohl gesund, drei Nächte lang nicht zu den Leuten redest.»

Es ist wie in der Bibel!

«Und er schritt hinaus zu seinem Volk aus der Nische und deutete ihnen an —»

Deutete, weil er nicht reden konnte.

«Preiset den Herrn morgens und abends. Und wir sprachen»

Das heißt: die Gläubigen:

«O Johannes, nimm hin die Schrift in Kräften; und wir gaben ihm Weisheit, da er ein Kind war,

Und Mitleid von uns und Reinheit; und er war fromm und voll Liebe gegen seine Eltern und war nicht hoffärtig und trutzig. Und Frieden auf ihn am Tag seiner Geburt und am Tag, da er starb,

und am Tag seiner Erweckung zum Leben '» Das also die Lehre vom Johannes. Nun geht es weiter.

«Und gedenke auch im Buche der Maria. Da sie sich von ihren Angehörigen an einen Ort gen Aufgang zurückzog

Und sich vor ihnen verschleierte, da sandten wir unsern Geist zu ihr,

Und er erschien ihr als vollkommener Mann.»

Wie in der Bibel! Ein merkwürdiges Dokument, nicht wahr?

«Sie sprach: Siehe, ich nehme meine Zuflucht vor dir zum Erbarmer, so du ihn fürchtest.

Er sprach: Ich bin nur ein Gesandter von deinem Herrn, um dir einen reinen Knaben zu bescheren.

Sie sprach: Woher soll mir ein Knabe werden, wo mich kein Mann berührt hat und ich keine Dirne bin?

Er sprach: Also sei’s! Gesprochen hat dein Herr: «Das ist mir ein Leichtes) ; und wir wollen ihn zu einem Zeichen für die Menschen machen und einer Barmherzigkeit von uns. Und es ist eine beschlossene Sache.

Und so empfing sie ihn und zog sich mit ihm an einen entlegenen Ort zurück.» Sie haben die geistige Empfängnis des Jesus.

«Und es überkamen sie die Wehen an dem Stamm einer Palme. Sie sprach:

O daß ich doch zuvor gestorben und vergessen und verschollen wäre!

Und es rief jemand unter ihr: Bekümmere dich nicht; dein Herr hat unter dir ein Bächlein fließen lassen;

Und schüttele nur den Stamm des Palmbaums zu dir, so werden frische reife Datteln auf dich fallen.

So iB und trink und sei kühlen Auges, und so du einen Menschen siehst,

So sprich: «Siehe, ich habe dem Erbarmer ein Fasten gelobt; nimmer spreche ich deshalb heute zu irgend jemand.»

Und sie brachte ihn zu ihrem Volk, ihn tragend. Sie sprachen: O Maria, fürwahr, du hast ein sonderbares Ding getan!

O Schwester Aarons, dein Vater war kein Bösewicht und deine Mutter keine Dirne.

Und sie deutete auf ihn. Sie sprachen: Wie sollen wir mit ihm, einem Kind in der Wiege, reden ?

Er (Jesus) sprach: Siehe, ich bin des Gottes Diener. Gegeben hat er mir das Buch, und er machte mich zum Propheten. Und er machte mich gesegnet, wo immer ich bin, und befahl mir

Gebet und Almosen, solange ich lebe,

Und Liebe zu meiner Mutter; und nicht machte er mich hoffärtig und unselig.

Und Frieden auf den Tag meiner Geburt und den Tag, da ich sterbe, und den Tag, da ich erweckt werde zum Leben!»

Sie wissen, ich habe das geschildert in der Weise, daß ich gesagt habe: Er redete etwas, das nur die Mutter verstehen konnte. — Und dann sagte das Buch weiter:

«Dies ist Jesus, der Sohn der Maria, — das Wort der Wahrheit, das sie bezweifeln.

Nicht steht es Gott an, einen Sohn zu zeugen. Preis ihm! Wenn er ein Ding beschließt, so spricht er nur zu ihm: Sei! und es ist.

Und siehe, Gott ist mein Herr und eurer Herr; so dienet ihm; dies ist ein rechter Weg.

Doch die Sekten sind untereinander uneinig; und wehe den Ungläubigen vor der Zeugnisstätte eines gewaltigen Tages!

Mache sie hören und schauen einen Tag, da sie zu uns kommen.

Doch die Ungerechten sind heute in offenbarem Irrtum.»

[ 13 ] So spricht diese Urkunde von dem Jesus, von dem in diesem Falle eben nur die eine Gestalt festgehalten wird. Können wir von dieser Urkunde nicht sagen: Derjenige, der ihr glaubt, glaubt wesentlich mehr als mancher, der sich in unserer Zeit nicht nur Christ nennt, sondern das Christentum von Amts wegen lehrt? Glaubt der, der an dieses Dokument fest glaubt, nicht viel mehr von dem Christentum, als ein solcher, der sich heute oftmals Lehrer des Christentums nennt? Und glauben Sie nicht, ich hätte Ihnen ein Dokument vorgelesen etwa — ich weiß nicht, ob Sie es kennen —, das von ein paar Leuten, von einer kleinen Sekte, als das wirkliche Zeugnis für ihren Glauben angesehen wird! Ich habe Ihnen aus dem Koran vorgelesen! Die 19. Sure aus dem Koran habe ich Ihnen vorgelesen, und jeder echte Türke glaubt soviel von Jesus, als in dieser 19. Sure des Koran steht. Damit aber ist uns der Beweis geliefert, daß zahlreiche von denen, die sich unter uns Christen nennen, von diesem Christentum nicht einmal soviel wissen und glauben, daß sie die Berechtigung hätten, sich Türken zu nennen. Man muß schon in unserer Zeit der Wahrheit ins Antlitz schauen. Wer nicht glauben kann, daß es sich um ein Ereignis handelt, das nur aus dem Geiste zu verstehen ist, der ist nicht einmal Türke, viel weniger ein Christ, und er sagt nicht die Wahrheit, wenn er sich einen Christen nennt. Ermüßte wissen, daß ein Türke mehr vom Christentum glaubt als er selber.

[ 13 ] So spricht diese Urkunde von dem Jesus, von dem in diesem Falle eben nur die eine Gestalt festgehalten wird. Können wir von dieser Urkunde nicht sagen: Derjenige, der ihr glaubt, glaubt wesentlich mehr als mancher, der sich in unserer Zeit nicht nur Christ nennt, sondern das Christentum von Amts wegen lehrt? Glaubt der, der an dieses Dokument fest glaubt, nicht viel mehr von dem Christentum, als ein solcher, der sich heute oftmals Lehrer des Christentums nennt? Und glauben Sie nicht, ich hätte Ihnen ein Dokument vorgelesen etwa — ich weiß nicht, ob Sie es kennen —, das von ein paar Leuten, von einer kleinen Sekte, als das wirkliche Zeugnis für ihren Glauben angesehen wird! Ich habe Ihnen aus dem Koran vorgelesen! Die 19. Sure aus dem Koran habe ich Ihnen vorgelesen, und jeder echte Türke glaubt soviel von Jesus, als in dieser 19. Sure des Koran steht. Damit aber ist uns der Beweis geliefert, daß zahlreiche von denen, die sich unter uns Christen nennen, von diesem Christentum nicht einmal soviel wissen und glauben, daß sie die Berechtigung hätten, sich Türken zu nennen. Man muß schon in unserer Zeit der Wahrheit ins Antlitz schauen. Wer nicht glauben kann, daß es sich um ein Ereignis handelt, das nur aus dem Geiste zu verstehen ist, der ist nicht einmal Türke, viel weniger ein Christ, und er sagt nicht die Wahrheit, wenn er sich einen Christen nennt. Ermüßte wissen, daß ein Türke mehr vom Christentum glaubt als er selber.

[ 14 ] Ich meine doch, meine lieben Freunde, das sind schon ernste, wirklich ernste Dinge, und es obliegt schon einmal denjenigen, die sich der Geisteswissenschaft widmen, in diese Dinge im Geiste der Wahrheit hineinzuschauen. Denn unwahr ist nicht nur dasjenige, was man als nächste Unwahrheit in einer Behauptung fühlt, sondern unwahr ist es auch, wenn man sich oder einer Sache einen Namen beilegt, durch den man im Zusammenhange der geschichtlichen Entwickelung falsche Vorstellungen hervorruft. Wahr müssen wir nicht nur sein, indem wir dies oder jenes behaupten, sondern wahr müssen wir sein mit unserer ganzen Perönlichkeit, mit unserem ganzen Wesen.

[ 14 ] Ich meine doch, meine lieben Freunde, das sind schon ernste, wirklich ernste Dinge, und es obliegt schon einmal denjenigen, die sich der Geisteswissenschaft widmen, in diese Dinge im Geiste der Wahrheit hineinzuschauen. Denn unwahr ist nicht nur dasjenige, was man als nächste Unwahrheit in einer Behauptung fühlt, sondern unwahr ist es auch, wenn man sich oder einer Sache einen Namen beilegt, durch den man im Zusammenhange der geschichtlichen Entwickelung falsche Vorstellungen hervorruft. Wahr müssen wir nicht nur sein, indem wir dies oder jenes behaupten, sondern wahr müssen wir sein mit unserer ganzen Perönlichkeit, mit unserem ganzen Wesen.

[ 15 ] So ist es oftmals von einer Seite, daß diejenigen Menschen der Geisteswissenschaft die Christlichkeit absprechen, die noch nicht einmal Türken sich zu nennen die Berechtigung haben. Aber auch von anderer Seite her steht gegen die Geisteswissenschaft überall das unzulängliche Wissen, das richtig unzulängliche Wissen. Noch auf einen Fall sei heute hingewiesen. Wir sprechen davon, daß unsere Erde sich entwickelt hat aus dem alten Mondendasein. Was wir heute das mineralische Reich nennen, war im alten Mondendasein noch nicht da, das hat sich gewissermaßen erst herauskristallisiert. Wir haben in uns als Menschen die Tiere, die Pflanzen. Sie haben alle das mineralische Reich in sich: Sie sind durchsetzt davon, sie sind auf dem physischen Plan für die jetzige Sinnenwahrnehmung nur dadurch wahrnehmbar, daß sie das mineralische Reich in sich haben. Wir müssen zurückschauen in die alte Mondenzeit. Da haben wir uns den Vorgänger des Menschen zu denken, wie er noch nicht von einem mineralischen Reich durchsetzt war. Lesen Sie in der «Geheimwissenschaft», wie dieses Mondenreich ausgesehen hat, auf dem das mineralische Reich noch nicht verwirklicht war. Lesen Sie, wie alles weiche Substanz, gewissermaßen wässerig war und wie dasjenige, was aus dem Wasser herausgewachsen ist, nur gewissermaßen im Wasser schwamm. Man müßte also auch annehmen: Dasjenige, was sich vom Monde her entwickelt — ich habe dies in früheren Betrachtungen erwähnt, wie vom Monde her unser Hauptorgan sich herüberentwickelt hat —, müßte sich so entwickelt haben, daß es auf dem Mond gewissermaßen geschwommen hätte im Wasser, und dann müßte noch auf dem alten Mond eine andere Art von Wahrnehmung in dem Menschen gelebt haben, der noch nicht seinenübrigen Leib so entwickelt hatte, sondern nur als ein Anhängsel — ich habe das in einer der letzten Betrachtungen auseinandergesetzt — sein gewissermaßen noch ganz anders bewegliches Gehirn auf dem Wasser schwimmend hatte. Aber es sind auch auf dem alten Mond noch wahrnehmbar gewesen die Töne der Sphärenmusik, das Klingen und Wellen der Sphärenmusik. Nun, wie würde es denn da gewesen sein? Draußen Töne, diese Töne in dem Mondenwasser sich fortsetzend, durch einen Apparat, aus dem sich unser heutiger Kehlkopf gebildet hat, sich umsetzend, so daß mitschwang dieses alte auf dem Wasser schwimmende Mondengehirn. Denken Sie sich also die Musik der Welt wellend in dem Weltenmeere, sich umsetzend in die Bilder der Imagination durch einen Apparat, aus dem unser Kehlkopf geworden ist und wieder auflebend als Imaginationen des alten Monden-Traumbewußtseins.

[ 15 ] So ist es oftmals von einer Seite, daß diejenigen Menschen der Geisteswissenschaft die Christlichkeit absprechen, die noch nicht einmal Türken sich zu nennen die Berechtigung haben. Aber auch von anderer Seite her steht gegen die Geisteswissenschaft überall das unzulängliche Wissen, das richtig unzulängliche Wissen. Noch auf einen Fall sei heute hingewiesen. Wir sprechen davon, daß unsere Erde sich entwickelt hat aus dem alten Mondendasein. Was wir heute das mineralische Reich nennen, war im alten Mondendasein noch nicht da, das hat sich gewissermaßen erst herauskristallisiert. Wir haben in uns als Menschen die Tiere, die Pflanzen. Sie haben alle das mineralische Reich in sich: Sie sind durchsetzt davon, sie sind auf dem physischen Plan für die jetzige Sinnenwahrnehmung nur dadurch wahrnehmbar, daß sie das mineralische Reich in sich haben. Wir müssen zurückschauen in die alte Mondenzeit. Da haben wir uns den Vorgänger des Menschen zu denken, wie er noch nicht von einem mineralischen Reich durchsetzt war. Lesen Sie in der «Geheimwissenschaft», wie dieses Mondenreich ausgesehen hat, auf dem das mineralische Reich noch nicht verwirklicht war. Lesen Sie, wie alles weiche Substanz, gewissermaßen wässerig war und wie dasjenige, was aus dem Wasser herausgewachsen ist, nur gewissermaßen im Wasser schwamm. Man müßte also auch annehmen: Dasjenige, was sich vom Monde her entwickelt — ich habe dies in früheren Betrachtungen erwähnt, wie vom Monde her unser Hauptorgan sich herüberentwickelt hat —, müßte sich so entwickelt haben, daß es auf dem Mond gewissermaßen geschwommen hätte im Wasser, und dann müßte noch auf dem alten Mond eine andere Art von Wahrnehmung in dem Menschen gelebt haben, der noch nicht seinenübrigen Leib so entwickelt hatte, sondern nur als ein Anhängsel — ich habe das in einer der letzten Betrachtungen auseinandergesetzt — sein gewissermaßen noch ganz anders bewegliches Gehirn auf dem Wasser schwimmend hatte. Aber es sind auch auf dem alten Mond noch wahrnehmbar gewesen die Töne der Sphärenmusik, das Klingen und Wellen der Sphärenmusik. Nun, wie würde es denn da gewesen sein? Draußen Töne, diese Töne in dem Mondenwasser sich fortsetzend, durch einen Apparat, aus dem sich unser heutiger Kehlkopf gebildet hat, sich umsetzend, so daß mitschwang dieses alte auf dem Wasser schwimmende Mondengehirn. Denken Sie sich also die Musik der Welt wellend in dem Weltenmeere, sich umsetzend in die Bilder der Imagination durch einen Apparat, aus dem unser Kehlkopf geworden ist und wieder auflebend als Imaginationen des alten Monden-Traumbewußtseins.

[ 16 ] Wenn das wirklich so gewesen wäre auf dem alten Monde, dann müßte man das ja jetzt bemerken, man müßte es gewissermaßen dem Menschen ansehen, daß er sich aus so etwas entwickelt hat. Ja, meine lieben Freunde, sieht man es dem Menschen an? Nicht wahr, heute ist die Sphärenmusik verstummt. Dasjenige, was sich aus dem Organ, das die Sphärenmusik auf dem Monde aufgenommen hat, entwickelt hat, ist unser Kehlkopf, der umgeben ist von der Lunge. Unser Gehirn ist in der festen Hülle eingeschlossen. Verrät es noch irgend etwas davon, wie es auf dem alten Monde war, schwimmend auf dem Wasser? Ich will nur die allerhauptsächlichsten Gedanken skizzenhaft ausführen. Was die Leute gewöhnlich lernen vom menschlichen Gehirn, das macht sie durchaus nicht aufmerksam auf dasjenige, um das es sich dabei handelt. Aber die Menschen könnten zum Beispiel das Folgende sich überlegen — einige haben es ja auch überlegt, also es soll niemand Unrecht geschehen —: Dieses menschliche Gehirn hat ein Gewicht von 1350 Gramm. Nun denken Sie sich, wenn Sie 1350 Gramm auf die Hand legen, wie Sie das spüren! Das liegt also da drinnen, 1350 Gramm, und darunter sind die das Gehirn versorgenden Adern, die Blutadern. Das ist so, meine lieben Freunde, daß diese Blutadern zerquetscht würden von 1350 Gramm. Es ist gar keine Rede davon, daß sie, wenn Sie diese Blutadern herlegen würden und die 1350 Gramm auf diese Blutadern, unbeschädigt blieben. Da drinnen bleiben sie unbeschädigt. Warum bleiben diese Blutadern unbeschädigt? Weil es sie überhaupt nicht mit 1350 Gramm drückt! Warum drückt es sie nicht mit 1350 Gramm? Ja, ich erinnere Sie an dasjenige, was Sie vielleicht in den vor langer Zeit aus der Hand gelegten Physikbüchern gelesen haben, daß der alte griechische Forscher einmal im Bade sein «Ich hab’s gefunden!» gerufen hat, als er gewahrte: im Wasser wird er um so viel leichter. Jeder Körper wird so viel leichter im flüssigen oder luftförmigen Körper, in dem er sich befindet, als das Gewicht des luftförmigen oder flüssigen Körpers beträgt, in dem er darin ist, sonst könnte ja auch kein Luftballon in die Höhe fahren. Er verliert so viel von dem Gewicht, als das Gewicht der verdrängten Luft beträgt. Und im Wasser verliert jeder Körper so viel von seinem Gewicht, als das Gewicht des verdrängten Wassers beträgt. — Und das Gehirn schwimmt im Gehirnwasser! Außerdem, daß wir da das Gehirn darin haben, schwimmt das Gehirn wirklich im Gehirnwasser, das außerdem noch herunterläuft durch den Rückenmarkskanal. Das Gehirn schwimmt im Wasser und verliert dadurch, daß es im Wasser schwimmt, so viel von seinem Gewichte, daß es nur mit 20 Gramm drückt. Also das Gehirn, das 1350 Gramm schwer ist, drückt überhaupt nur mit 20 Gramm, weil das Wassergewicht so groß ist: 1350 Gramm weniger 20 Gramm. Das Gehirn schwimmt wirklich im Wasser. Das Gehirn ist wirklich heute noch in der Lage, wie es war auf dem alten Monde. Da drinnen ahmt es noch heute die Form von damals nach, es hat sich nur umgewandelt, ist nur umgeben worden von der übrigen menschlichen Hülle, die aus den Erdengesetzen hervorgegangen ist.

[ 16 ] Wenn das wirklich so gewesen wäre auf dem alten Monde, dann müßte man das ja jetzt bemerken, man müßte es gewissermaßen dem Menschen ansehen, daß er sich aus so etwas entwickelt hat. Ja, meine lieben Freunde, sieht man es dem Menschen an? Nicht wahr, heute ist die Sphärenmusik verstummt. Dasjenige, was sich aus dem Organ, das die Sphärenmusik auf dem Monde aufgenommen hat, entwickelt hat, ist unser Kehlkopf, der umgeben ist von der Lunge. Unser Gehirn ist in der festen Hülle eingeschlossen. Verrät es noch irgend etwas davon, wie es auf dem alten Monde war, schwimmend auf dem Wasser? Ich will nur die allerhauptsächlichsten Gedanken skizzenhaft ausführen. Was die Leute gewöhnlich lernen vom menschlichen Gehirn, das macht sie durchaus nicht aufmerksam auf dasjenige, um das es sich dabei handelt. Aber die Menschen könnten zum Beispiel das Folgende sich überlegen — einige haben es ja auch überlegt, also es soll niemand Unrecht geschehen —: Dieses menschliche Gehirn hat ein Gewicht von 1350 Gramm. Nun denken Sie sich, wenn Sie 1350 Gramm auf die Hand legen, wie Sie das spüren! Das liegt also da drinnen, 1350 Gramm, und darunter sind die das Gehirn versorgenden Adern, die Blutadern. Das ist so, meine lieben Freunde, daß diese Blutadern zerquetscht würden von 1350 Gramm. Es ist gar keine Rede davon, daß sie, wenn Sie diese Blutadern herlegen würden und die 1350 Gramm auf diese Blutadern, unbeschädigt blieben. Da drinnen bleiben sie unbeschädigt. Warum bleiben diese Blutadern unbeschädigt? Weil es sie überhaupt nicht mit 1350 Gramm drückt! Warum drückt es sie nicht mit 1350 Gramm? Ja, ich erinnere Sie an dasjenige, was Sie vielleicht in den vor langer Zeit aus der Hand gelegten Physikbüchern gelesen haben, daß der alte griechische Forscher einmal im Bade sein «Ich hab’s gefunden!» gerufen hat, als er gewahrte: im Wasser wird er um so viel leichter. Jeder Körper wird so viel leichter im flüssigen oder luftförmigen Körper, in dem er sich befindet, als das Gewicht des luftförmigen oder flüssigen Körpers beträgt, in dem er darin ist, sonst könnte ja auch kein Luftballon in die Höhe fahren. Er verliert so viel von dem Gewicht, als das Gewicht der verdrängten Luft beträgt. Und im Wasser verliert jeder Körper so viel von seinem Gewicht, als das Gewicht des verdrängten Wassers beträgt. — Und das Gehirn schwimmt im Gehirnwasser! Außerdem, daß wir da das Gehirn darin haben, schwimmt das Gehirn wirklich im Gehirnwasser, das außerdem noch herunterläuft durch den Rückenmarkskanal. Das Gehirn schwimmt im Wasser und verliert dadurch, daß es im Wasser schwimmt, so viel von seinem Gewichte, daß es nur mit 20 Gramm drückt. Also das Gehirn, das 1350 Gramm schwer ist, drückt überhaupt nur mit 20 Gramm, weil das Wassergewicht so groß ist: 1350 Gramm weniger 20 Gramm. Das Gehirn schwimmt wirklich im Wasser. Das Gehirn ist wirklich heute noch in der Lage, wie es war auf dem alten Monde. Da drinnen ahmt es noch heute die Form von damals nach, es hat sich nur umgewandelt, ist nur umgeben worden von der übrigen menschlichen Hülle, die aus den Erdengesetzen hervorgegangen ist.

[ 17 ] Und sogar die Kommunikation mit der Außenwelt ist noch da. Wenn wir einatmen, dann hebt sich unser Zwerchfell. Das Zwerchfell hebt sich aber nicht nur, sondern dadurch, daß es sich hebt, drückt es auf das ganze Venensystem hier und auf das Gangliensystem, und dadurch wird dasjenige, was angesammelt ist im Rückenmarkskanal an Wasser, ganz hinauf in das Gehirn gedrängt. Also beim Einatmen geht das Wasser aus dem Rückenmarkskanal in das Gehirn hinauf. Beim Ausatmen ist es umgekehrt: das Zwerchfell geht wieder hinunter, das Wasser rinnt etwas ab aus dem Gehirn in den Rücken, in das Rückenmark hinein. Denken Sie sich, wir stehen im Grunde genommen immer noch mit dem Wellenbewegen in der Umwelt in fortwährender Beziehung. Mit jeder Ausatmung senkt sich das Gehirnwasser herunter, mit jeder Einatmung steigt es hinauf, — ein Auf- und Absteigen des Gehirnwassers, in dem das Gehirn drinnen schwimmt. Da haben Sie jenen komplizierten Vorgang, durch den der Mensch heute mehr ist, als er auf dem alten Monde war, durch den er heute, als der Mensch der mechanischen Werkzeuge, dazu in der Lage ist, nicht nur die Imaginationen zu haben, sondern zu denken. Es ist ins Unterbewußtsein hinuntergedrängt dasjenige, was fortwährend mit uns geschieht. Ja, meine lieben Freunde, es geschieht fortwährend: Wir haben immerfort Imaginationen, nur werden sie durch unsere wachen Vorstellungen übertönt, wie ein stärkeres Licht ein schwächeres übertönt. Die Imaginationen sind fortwährend da, und die Imaginationen stehen mit Ausatmen und Einatmen in fortwährender Beziehung. Und nur weil das festere, eben mineralisch durchsetzte Gehirn sich entgegenstellt den Imaginationen, entsteht — durch das Anschlagen der festen Gehirnmasse auf die imaginierende Gehirnwassersubstanz — ein Sublimieren der Imaginationen, ein Extrahieren unserer bewußten Vorstellungen, unserer Gedanken, aus den Imaginationen heraus.

[ 17 ] Und sogar die Kommunikation mit der Außenwelt ist noch da. Wenn wir einatmen, dann hebt sich unser Zwerchfell. Das Zwerchfell hebt sich aber nicht nur, sondern dadurch, daß es sich hebt, drückt es auf das ganze Venensystem hier und auf das Gangliensystem, und dadurch wird dasjenige, was angesammelt ist im Rückenmarkskanal an Wasser, ganz hinauf in das Gehirn gedrängt. Also beim Einatmen geht das Wasser aus dem Rückenmarkskanal in das Gehirn hinauf. Beim Ausatmen ist es umgekehrt: das Zwerchfell geht wieder hinunter, das Wasser rinnt etwas ab aus dem Gehirn in den Rücken, in das Rückenmark hinein. Denken Sie sich, wir stehen im Grunde genommen immer noch mit dem Wellenbewegen in der Umwelt in fortwährender Beziehung. Mit jeder Ausatmung senkt sich das Gehirnwasser herunter, mit jeder Einatmung steigt es hinauf, — ein Auf- und Absteigen des Gehirnwassers, in dem das Gehirn drinnen schwimmt. Da haben Sie jenen komplizierten Vorgang, durch den der Mensch heute mehr ist, als er auf dem alten Monde war, durch den er heute, als der Mensch der mechanischen Werkzeuge, dazu in der Lage ist, nicht nur die Imaginationen zu haben, sondern zu denken. Es ist ins Unterbewußtsein hinuntergedrängt dasjenige, was fortwährend mit uns geschieht. Ja, meine lieben Freunde, es geschieht fortwährend: Wir haben immerfort Imaginationen, nur werden sie durch unsere wachen Vorstellungen übertönt, wie ein stärkeres Licht ein schwächeres übertönt. Die Imaginationen sind fortwährend da, und die Imaginationen stehen mit Ausatmen und Einatmen in fortwährender Beziehung. Und nur weil das festere, eben mineralisch durchsetzte Gehirn sich entgegenstellt den Imaginationen, entsteht — durch das Anschlagen der festen Gehirnmasse auf die imaginierende Gehirnwassersubstanz — ein Sublimieren der Imaginationen, ein Extrahieren unserer bewußten Vorstellungen, unserer Gedanken, aus den Imaginationen heraus.

[ 18 ] Es gibt keine naturwissenschaftliche Wahrheit, welche nicht, wenn sie in richtigem Sinne betrachtet wird, dasjenige, was die Geisteswissenschaft aus geistigen Untergründen heraus sagt, voll bestätigt. Aber man muß ganz anders denken, als heute unter Naturforschern und insbesondere unter deren Nachtretern gedacht wird. Es gibt keinen Widerspruch zwischen Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft, sondern volle Bestätigung des Geisteswissenschaftlichen durch die naturwissenschaftlichen Tatsachen. Aber Angst haben die Leute, deren Beruf es ist, zu wissen; vor den komplizierten Gedanken, vor dem Denken überhaupt haben die Leute eine heillose Angst. Und nur aus dem Grunde, weil heute der Mensch in bequemer Weise lernen kann und dann, wenn er ein bißchen etwas gelesen hat, eine Autorität werden kann, und nicht nur eine Autorität, sondern sogar ein großer Entdecker auf dem Pfade der Wissenschaft, entstehen so viele törichte Theorien. Denn wenn er sich ein paar Begriffe angeeignet hat und ein paar Tatsachen kennt, so kann er heute als Reformator der Wissenschaft auftreten. Ein Mensch braucht gar nichts zu wissen von wirklicher Naturwissenschaft und von den wirklichen geistigen Vorgängen. Gerade weil er nichts weiß, kann er dazu kommen, ein paar Tatsachen, die er beobachtet, zusammenzustellen nach «streng wissenschaftlicher Methode», so nach der Methode, die ich Ihnen neulich in bezug auf die Psychologie der Heiratsannonce vorgeführt habe, die ja auch gegenwärtig in der Psychologischen Gesellschaft, wie Sie wissen aus der letzten Betrachtung, als ein wirkliches Kapitel der neueren Wissenschaft aufgetaucht ist, — et kann, ob es nun die Heiratsannonce ist, oder ob es die menschliche Seele ist, alles im Sinne derselben «streng wissenschaftlichen Methode» machen. Und dann ist es ja schließlich — na, man sagt, glaube ich, im Deutschen: «Jacke wie Hose»! Ob man nun die Jacke ergreift, nicht wahr, und wird Psychologe der Heiratsannonce, oder ob man die Hose ergreift und wird Psychoanalytiker, das ist dann schon eben ganz «Jacke wie Hose». Aber unsere Gläubigen, die selbstverständlich alle Autorität zurückweisen, die hören: Psychologie der Heiratsannonce, in der Psychologischen Gesellschaft vorgetragen— alsoselbstverständlich etwas streng Wissenschaftliches!

[ 18 ] Es gibt keine naturwissenschaftliche Wahrheit, welche nicht, wenn sie in richtigem Sinne betrachtet wird, dasjenige, was die Geisteswissenschaft aus geistigen Untergründen heraus sagt, voll bestätigt. Aber man muß ganz anders denken, als heute unter Naturforschern und insbesondere unter deren Nachtretern gedacht wird. Es gibt keinen Widerspruch zwischen Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft, sondern volle Bestätigung des Geisteswissenschaftlichen durch die naturwissenschaftlichen Tatsachen. Aber Angst haben die Leute, deren Beruf es ist, zu wissen; vor den komplizierten Gedanken, vor dem Denken überhaupt haben die Leute eine heillose Angst. Und nur aus dem Grunde, weil heute der Mensch in bequemer Weise lernen kann und dann, wenn er ein bißchen etwas gelesen hat, eine Autorität werden kann, und nicht nur eine Autorität, sondern sogar ein großer Entdecker auf dem Pfade der Wissenschaft, entstehen so viele törichte Theorien. Denn wenn er sich ein paar Begriffe angeeignet hat und ein paar Tatsachen kennt, so kann er heute als Reformator der Wissenschaft auftreten. Ein Mensch braucht gar nichts zu wissen von wirklicher Naturwissenschaft und von den wirklichen geistigen Vorgängen. Gerade weil er nichts weiß, kann er dazu kommen, ein paar Tatsachen, die er beobachtet, zusammenzustellen nach «streng wissenschaftlicher Methode», so nach der Methode, die ich Ihnen neulich in bezug auf die Psychologie der Heiratsannonce vorgeführt habe, die ja auch gegenwärtig in der Psychologischen Gesellschaft, wie Sie wissen aus der letzten Betrachtung, als ein wirkliches Kapitel der neueren Wissenschaft aufgetaucht ist, — et kann, ob es nun die Heiratsannonce ist, oder ob es die menschliche Seele ist, alles im Sinne derselben «streng wissenschaftlichen Methode» machen. Und dann ist es ja schließlich — na, man sagt, glaube ich, im Deutschen: «Jacke wie Hose»! Ob man nun die Jacke ergreift, nicht wahr, und wird Psychologe der Heiratsannonce, oder ob man die Hose ergreift und wird Psychoanalytiker, das ist dann schon eben ganz «Jacke wie Hose». Aber unsere Gläubigen, die selbstverständlich alle Autorität zurückweisen, die hören: Psychologie der Heiratsannonce, in der Psychologischen Gesellschaft vorgetragen— alsoselbstverständlich etwas streng Wissenschaftliches!

[ 19 ] Das ist dasjenige, was sich als unterbewußte Impulse in die Seelen der Menschen hineinschwätzt. So ist es auf diesem Gebiete, und so ist es eben auch auf dem Gebiete des höheren geistigen Lebens. Wollten die Leute durchschauen. was Geisteswissenschaft gerade über das Mysterium von Golgatha geben kann, und alles dasjenige, was damit zusammenhängt, dann würden sie sehen, wie durch das Anrufen der drei Welten dieses Mysterium von Golgatha eine Beleuchtung erhält, durch die es wirklich der Mittelpunkt alles unseres zum Geistigen hinstrebenden Empfindens der Gegenwart werden kann, so, wie es dem geistigen Bedürfnisse dieser Gegenwart angemessen ist. Weil aber am Christentum heute allzuviele derjenigen herumarbeiten, die nicht einmal das Recht haben, sich Türken zu nennen — wie wir streng nachgewiesen haben —, so ist es kein Wunder, wenn durch die offiziellen Vertreter des Christentums ein wirkliches Begreifen des Mysteriums von Golgatha gerade abgelehnt wird. Aber wir dürfen hoffen: Die ernsten Zeichen, die in unsere Zeit hereinwinken, sie werden in vielen, vielen Menschen Sehnsuchten erzeugen, die nur gestillt werden können durch dasjenige, was eine wirkliche geistige Wissenschaft geben kann. Und sie werden immer mehr und mehr, immer größer und größer die Zahl derjenigen machen, die nicht mehr hinhören, wenn ihnen vom Geiste feuilletonistisch gesprochen wird, wie es etwa Eucken macht, und die sich nicht unter die Autorität derer begeben, die, wenn eine Autorität sagt, es käme nicht auf die Auferstehung an, sondern darauf, daß man an die Auferstehung glaubt, es lesen, aber nicht einmal wissen, daß sie es gelesen haben.

[ 19 ] Das ist dasjenige, was sich als unterbewußte Impulse in die Seelen der Menschen hineinschwätzt. So ist es auf diesem Gebiete, und so ist es eben auch auf dem Gebiete des höheren geistigen Lebens. Wollten die Leute durchschauen. was Geisteswissenschaft gerade über das Mysterium von Golgatha geben kann, und alles dasjenige, was damit zusammenhängt, dann würden sie sehen, wie durch das Anrufen der drei Welten dieses Mysterium von Golgatha eine Beleuchtung erhält, durch die es wirklich der Mittelpunkt alles unseres zum Geistigen hinstrebenden Empfindens der Gegenwart werden kann, so, wie es dem geistigen Bedürfnisse dieser Gegenwart angemessen ist. Weil aber am Christentum heute allzuviele derjenigen herumarbeiten, die nicht einmal das Recht haben, sich Türken zu nennen — wie wir streng nachgewiesen haben —, so ist es kein Wunder, wenn durch die offiziellen Vertreter des Christentums ein wirkliches Begreifen des Mysteriums von Golgatha gerade abgelehnt wird. Aber wir dürfen hoffen: Die ernsten Zeichen, die in unsere Zeit hereinwinken, sie werden in vielen, vielen Menschen Sehnsuchten erzeugen, die nur gestillt werden können durch dasjenige, was eine wirkliche geistige Wissenschaft geben kann. Und sie werden immer mehr und mehr, immer größer und größer die Zahl derjenigen machen, die nicht mehr hinhören, wenn ihnen vom Geiste feuilletonistisch gesprochen wird, wie es etwa Eucken macht, und die sich nicht unter die Autorität derer begeben, die, wenn eine Autorität sagt, es käme nicht auf die Auferstehung an, sondern darauf, daß man an die Auferstehung glaubt, es lesen, aber nicht einmal wissen, daß sie es gelesen haben.

[ 20 ] In Wahrheit leben, als ganzer Mensch wahr sein wollen, das wird der künftigen Zeit Losung sein. Und dann wird in eine Menschheit, die so in der Wahrheit leben will, das Mysterium von Golgatha leuchten so, daß selbst von anderen fernen Sternen ein Geist herunterschauen könnte: er würde den Sinn der Erdenentwickelung in demjenigen sehen, was das Mysterium von Golgatha war. Aber er würde auch sagen: Die Menschen haben den Sinn der Erde begriffen, denn das heißt: das Mysterium von Golgatha begreifen.

[ 20 ] In Wahrheit leben, als ganzer Mensch wahr sein wollen, das wird der künftigen Zeit Losung sein. Und dann wird in eine Menschheit, die so in der Wahrheit leben will, das Mysterium von Golgatha leuchten so, daß selbst von anderen fernen Sternen ein Geist herunterschauen könnte: er würde den Sinn der Erdenentwickelung in demjenigen sehen, was das Mysterium von Golgatha war. Aber er würde auch sagen: Die Menschen haben den Sinn der Erde begriffen, denn das heißt: das Mysterium von Golgatha begreifen.

[ 21 ] Davon das nächste Mal weiter.

[ 21 ] Davon das nächste Mal weiter.