The Present and the Past in the Human Spirit
GA 167
16 May 1916, Berlin
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The Present and the Past in the Human Spirit, tr. SOL
10. Die dem Geist widersirebenden Kräfte. Grundwahrheiten des Christentums
10. The Forces That Oppose the Spirit: Fundamental Truths of Christianity
[ 1 ] Schon öfter habe ich erwähnt gerade in diesen Betrachtungen, daß es notwendig ist, ein wenig auch hinzublicken von unserem Gesichtspunkte aus auf die Beziehungen, die da bestehen zwischen dem, was wir durch Geisteswissenschaft erkennen, und demjenigen, von dem heute mit Bezug auf Wissenschaft und Erkenntnis so ziemlich im allgemeinen gilt, daß es das allein Richtige ist. Man könnte sich vorstellen, daß der Gang der geistigen Entwickelung Mitteleuropas in den letzten Jahrhunderten etwas anders gegangen wäre als er gegangen ist. Nun, das ist kein Verstoß gegen das umfassende Gesetz vom Karma, wenn man die Anschauung hat, daß irgend etwas, was in der Welt geschehen ist, auch anders hätte geschehen können. Denn das Gesetz vom Karma — und darüber werden wir das nächste Mal noch einmal sprechen — schließt durchaus nicht aus, daß Freiheit in der Welt walte. Fatalisten, die sich vorstellen, daß alles in der Welt so hat geschehen müssen, wie es sich vollzogen hat für die äußere Sinnesbeobachtung und für dasjenige, was der äußeren Sinnesbeobachtung zugänglich geworden ist, können diejenigen nicht werden, welche im Sinne der Geisteswissenschaft auf der einen Seite von Karma und auf der anderen Seite von demjenigen sprechen, was sich vollzieht in der Außenwelt. Denn mit dem, was sich in der Außenwelt vollzieht, geschieht zu gleicher Zeit immer auch etwas Geistiges. Die beiden Strömungen laufen miteinander, und auf die beiden Strömungen miteinander bezieht sich das KarmaGesetz, so daß ganz gut etwas in der äußeren Welt anders verlaufen könnte, als es sich in der Außenwelt zeigt, und dennoch würde das Notwendige geschehen. Ich bemerke das nur voraus, weil ich den Gedanken etwas weiter ausführen will, daß allerdings wenigstens denkbar wäre ein anderer Gang der Geistesentwickelung Mitteleuropas, der Geistesentwickelung, die sich gerade auf die Erkenntnis bezieht, als er für die äußere Beobachtung stattgefunden hat.
[ 1 ] I have often mentioned, particularly in these reflections, that it is necessary to consider, from our own perspective, the relationships that exist between what we come to know through Spiritual Science and that which is today generally regarded—in relation to science and knowledge—as the only correct view. One could have a mental image of the course of spiritual development in Central Europe over the past few centuries taking a somewhat different path than it actually did. Now, it is not a violation of the universal law of karma to hold the view that anything that has happened in the world could also have happened differently. For the law of karma—and we will speak of this again next time—by no means precludes the existence of freedom in the world. Those who, in the spirit of Spiritual Science, speak on the one hand of karma and on the other of what takes place in the external world—and who do so in the sense of Spiritual Science—cannot become fatalists who have a mental image of everything in the world having to happen exactly as it has unfolded, as observed by the external senses and as has become accessible to that observation. For whatever takes place in the external world is always accompanied at the same time by a spiritual process. The two currents run parallel to one another, and the law of karma relates to both of these currents together, so that events in the external world could very well unfold differently from how they appear in the external world, and yet what is necessary would still come to pass. I mention this in advance simply because I wish to elaborate further on the idea that it would, at least, be conceivable for the spiritual development of Central Europe—the spiritual development that relates specifically to knowledge—to have taken a different course than the one observed from the outside.
[ 2 ] Gewiß, meine lieben Freunde, heute wird in den meisten Kreisen Schiller und Goethe Verehrung entgegengebracht und in der allerneuesten Zeit schwingen sich sogar einzelne auf, Fichte als einen großen Geist zu verehren, wobei sich die meisten Menschen allerdings ersparen, irgend etwas auch nur von den allerersten Grundgedanken Fichtes kennenzulernen, sondern sich beschränken auf dasjenige, was man zwar aufnehmen, aber nicht verstehen kann, wenn man es ohne diese Grundgedanken Fichtes eben aufnehmen will. Aber wir verehren in weitesten Kreisen Goethe, Schiller, Fichte und auch noch andere. Wir verehren sie im Grunde genommen in derjenigen Weise, wie man verehren kann in der besten Art, ohne die Betreffenden, die man verehrt, irgendwie wirklich kennenzulernen. Auch auf Goethe und Schiller bezieht sich das ja. Denn Goethe und Schiller in ihrem eigentlichen Nerv kennenzulernen, kennenzulernen, was in ihrem Geiste gelebt hat, die Zeit dazu muß erst noch kommen. Und wir können nur das eine hoffen, daß sie aus dem Ernste unserer Zeit heraus geboren werde. Verlangen, zum Beispiel Goethe zu verstehen, das ist schon vorhanden. Auf das Verlangen und auf die Sehnsucht nach dem Geistigen ist der Sinn des Volkes im weitesten Sinne gerichtet; das habe ich bei einem der neulichen Vorträge gesagt. Aber es handelt sich darum, wie diejenigen, die die Führenden im Geiste sind, dieses ihr Führeramt verwalten. «Faust» soll jetzt sogar zu den gelesensten Büchern gehören! Man kann überzeugt sein: wenn diejenigen, die heute aus den Schwierigkeiten der Zeit heraus den «Faust» lesen, zurückdenken auf dasjenige, was sie im «Faust» gelesen haben, sie werden lechzen nach einer Erklärung aus denjenigen Welten heraus, die der geistigen Anschauung Goethes offen lagen. Aber sie werden es gräßlich empfinden, wenn man ihnen zu dieser Erklärung entgegenbringt dasjenige, was die zu solchen Erklärungen scheinbar Berufenen theoretisiert haben. Wir haben ja berühmte Philosophen: Kohler und Eucken. Aber dieselben, die gräßlich empfinden würden solch Gekohlere oder Geeucke, die würden schon hinhören, wenn es ihnen nur zugänglich wäre, auf dasjenige, was Geisteswissenschaft mit Goethe und dem gemein hat, aus dem er heraus geschaffen hat.
[ 2 ] Certainly, my dear friends, Schiller and Goethe are revered in most circles today, and in very recent times, some have even gone so far as to to revere Fichte as a great mind—though most people spare themselves the trouble of learning even the very first of Fichte’s fundamental ideas, limiting themselves instead to what one can indeed take in but cannot understand if one attempts to do so without these fundamental ideas of Fichte’s. But in the broadest circles, we revere Goethe, Schiller, Fichte, and others as well. We revere them, in essence, in the very best way one can revere someone—without ever truly getting to know the individuals we revere. This applies to Goethe and Schiller as well. For to truly get to know Goethe and Schiller—to understand what lived in their spirits—the time for that has yet to come. And we can only hope that it will be born out of the gravity of our time. The desire to understand Goethe, for example, already exists. The people’s sensibility, in the broadest sense, is directed toward this desire and longing for the spiritual; I said this in one of my recent lectures. But the question is how those who are spiritual leaders fulfill this role of leadership. “Faust” is now even said to be among the most widely read books! One can be certain: when those who read “Faust” today—amid the difficulties of the times—reflect on what they have read in “Faust,” they will yearn for an explanation drawn from those worlds that were open to Goethe’s spiritual vision. But they will find it appalling if, in response to this explanation, they are presented with what those who seem to be called upon to offer such explanations have theorized. We do, after all, have famous philosophers: Kohler and Eucken. But the very same people who would find such “Kohlerian” or “Euckenian” musings appalling would certainly listen—if only it were accessible to them—to what Spiritual Science has in common with Goethe and the world from which he drew his inspiration.
[ 3 ] Die Geistesentwickelung des neunzehnten Jahrhunderts hätte auch so gehen können, daß sie in sich aufgenommen hätte dasjenige, was der Gesamtanschauung Goethes und Schillers und der anderen, die sich um sie herum befinden und mit ihnen gleicher Erkenntnisgesinnung sind, zugrunde lag. Aber es ist anders gekommen. Man braucht heute nur — ich erzähle eine Tatsache — in eine Buchhandlung zu gehen, und der Lehrjunge braucht einen nur zu bedienen, und man verlangt Goethes «Naturwissenschaftliche Schriften», und er wird einen belehren darüber, man solle doch Bölsche nehmen, denn Goethe sei ja heute veraltet! — Warum ist es denn anders gekommen, als es hätte kommen müssen, wenn die in der großen Zeit der klassischen Erkenntnis von der Wende des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts schlummernden Keime sich lebendig entwickelt hätten? Aus diesen Keimen heraus würde sich in gerader Linie und Fortsetzung die Geisteswissenschaft ergeben. Das werde ich insbesondere zeigen in derjenigen Schrift, die nun bald erscheinen wird, und die den Titel tragen wird: «Vom Menschenrätsel. Denken, Schauen und Sinnen deutscher und österreichischer Persönlichkeiten». Warum ist nicht angenommen worden dasjenige, was in den Keimen der Goethe-Schillerschen Weltanschauung liegt? Deshalb, weil man Furcht davor hat, Furcht aus dem folgenden Grunde: Es ist bequem, sich heute Erkenntnisse zu verschaffen, weil man ja nur dasjenige, was einem vorgesetzt wird — ja, wie nennt man's? —, einzuochsen braucht und dann eventuell ein bißchen hinauszuochsen, und eine «Autorität» wird! Geisteswissenschaft fordert allerdings ein gründlicheres, intensiveres Denken als die meisten der heutigen Gelehrten aufzubringen in der Lage sind. Und die Furcht, etwas lernen zu müssen, die ist es, die das Hindernis abgibt. Die Furcht vor schwierigeren Begriffen und Ideen, die ist es, die das eigentliche Motiv abgibt für die Hindernisse. Die heutige Art der Goethe- und Schiller-Verehrung ist eher geeignet, dasjenige, was Goethe und Schiller der Menschheit gegeben haben, zu vernebeln, als es zu erklären. Warum? Weil eine Gesinnung sich eben verbreitet hat, die nicht eingehen will auf dasjenige, was aus dem Geiste, den diese Persönlichkeiten gehabt haben, heraus begriffen werden muß. Diese Gesinnung trat auch schon in der Goethe- und Schiller-Zeit selber auf, in jener großen Zeit, als in Jena der Geist Goethes herrschte, Schiller lehrte, Fichte lehrte, Schlegel lehrte, Schelling lehrte, diejenigen Geister lehrten, von denen wir ja in diesem Winter so viel gesprochen haben, und die ich in dem demnächst erscheinenden Buche auch besprechen werde.
[ 3 ] The intellectual development of the nineteenth century could just as easily have taken a course that incorporated the principles underlying the overall worldview of Goethe, Schiller, and others who were associated with them and shared their outlook on knowledge. But things turned out differently. All one needs to do today—and I am stating a fact—is go into a bookstore, and as soon as the sales clerk begins to assist you, ask for Goethe’s Natural Science Writings, and he will tell you that you should take Bölsche instead, since Goethe is, after all, outdated today! — Why, then, did things turn out differently than they should have, if the seeds lying dormant during the great era of classical knowledge at the turn of the eighteenth and nineteenth centuries had developed into living reality? From these seeds, Spiritual Science would have emerged as a direct continuation. I will demonstrate this in particular in the work that is soon to be published, which will bear the title: “The Enigma of Man. Thinking, Seeing, and Feeling of German and Austrian Personalities.” Why has what lies in the seeds of the Goethe-Schiller worldview not been accepted? Because people are afraid of it—afraid for the following reason: It is convenient to acquire knowledge today, because one need only take in what is presented to one—yes, what do you call it?—and then perhaps expand on it a little, and one becomes an “authority”! Spiritual Science, however, demands a more thorough and intense kind of thinking than most of today’s scholars are capable of mustering. And the fear of having to learn something—that is what constitutes the obstacle. The fear of more difficult concepts and ideas—that is the real motive behind these obstacles. The current way of venerating Goethe and Schiller is more likely to obscure what Goethe and Schiller gave to humanity than to explain it. Why? Because a mindset has spread that refuses to engage with what must be understood from the spirit that these personalities possessed. This mindset was already present during the time of Goethe and Schiller themselves—that great era when Goethe’s spirit reigned in Jena, when Schiller taught, Fichte taught, Schlegel taught, Schelling taught—when those very thinkers taught, of whom we have spoken so much this winter, and whom I will also discuss in my forthcoming book.
[ 4 ] Dasjenige, was über manche Einzelheiten des Lebens diese Geister zu sagen hatten, das steht natürlich immer in einem gewissen Zusammenhange darin, und man muß es aus dem Zusammenhange heraus begreifen, aus dem ganzen Geiste ihrer Wesenheit. Dasjenige, was von Goethe und Schiller, von Fichte, Schlegel und so weiter für die heutige Zeit geblieben ist, das konnte nur aus dem Grunde bleiben, weil im Grunde gesiegt haben die Gesinnungsgenossen, sagen wir, jenes Mannes, der aufgetreten ist noch in der Zeit Goethes und es gewagt hat, in einem, man darf sagen, der allerschlimmsten Pamphlete diejenigen als Narren, als Phantasten und Träumer, die dem Leben schädlich sind, hinzustellen, die in die Schule Goethes, Schillers, Fichtes, Schlegels gegangen sind. So etwas kann man immer erreichen, dasjenige, was aus ernster Wahrheitsforschung heraus stammt, lächerlich zu machen. Gewiß, manches wird, indem es da oder dort auch als ernste Wahrheitsforschung auftritt, so manche Einseitigkeit abgeben. Aber wenn man dann gerade die Einseitigkeiten herausklaubt, herauspolkt, wie man in Berlin sagt, um die betreffende Gesinnung, Erkenntnis-Gesinnung, zu verdächtigen, dann hat man «ein groß Publikum». Der Mann — ich meine Kotzebue — ist vergessen worden; aber die Kotzebues — den Bösen sind sie los, aber die Bösen sind geblieben —, die sind in unserem ganzen geistigen Leben wohl recht vorhanden. Man kann in manchem der Aussprüche, die Schlegel, Fichte, auch Goethe und Schiller getan haben, mancherlei finden, das anklingt schon an unsere Geisteswissenschaft. Aber man kann auch manches herausreißen aus dem Zusammenhange und diese Geister verdächtigen, so, als ob sie Narren wären, Torheiten gesprochen hätten, um dem wirklichen menschlichen Fortschritt zu schaden, nämlich demjenigen, was sich die behäbige Philisterei, die nur am Sinnlich-Wirklichen haften will, unter dem Fortschritt vorstellt.
[ 4 ] What these minds had to say about certain details of life is, of course, always set within a certain context, and one must understand it within that context, in light of the overall spirit of their essence. What has endured from Goethe and Schiller, from Fichte, Schlegel, and so on for the present day could only have endured because, fundamentally, the like-minded followers—so to speak—of that man who emerged during Goethe’s time and dared, in one of one might say, the very worst pamphlets to portray those who had entered the school of Goethe, Schiller, Fichte, and Schlegel as fools, fantasists, and dreamers who are harmful to life. It is always possible to achieve such a thing: to ridicule that which stems from a serious search for truth. Certainly, some things, even when they appear here and there as a serious search for truth, will exhibit a certain one-sidedness. But if one then singles out precisely those one-sided aspects—picks them out, as they say in Berlin—in order to cast suspicion on the attitude in question, the attitude toward knowledge, then one has “a large audience.” The man—I mean Kotzebue—has been forgotten; but the Kotzebues—they’ve gotten rid of the evil one, but the evil ones have remained—are very much present in our entire intellectual life. In many of the statements made by Schlegel, Fichte, and even Goethe and Schiller, one can find various elements that already echo our Spiritual Science. But one can also take certain things out of context and cast suspicion on these thinkers, as if they were fools who had spoken nonsense in order to harm true human progress—namely, that which the complacent philistines, who cling only to the sensual and the real, have in their mental image of progress.
[ 5 ] Kotzebue _ wollen wir uns heute doch an dieses erinnern —, er ist vergessen worden; aber die Kotzebues sind geblieben. Wollen wir uns heute erinnern an diesen Kotzebue. Ein Pamphlet, ein dramatisches, hat er verfaßt, in dem er einen Studenten darstellt, der in das Philisterium seiner Familie wieder zurückkommt — ich will nichts Schlimmes damit sagen —, nachdem er — das wird ausdrücklich gesagt — in Jena die verderblichen Lehren von Goethe, Schiller, Fichte, Schlegel aufgenommen hat. Er wird dargestellt als eine Art Narr, zugleich als ein «hyperboräischer Esel». Das Pamphlet heißt: «Der hyperboräische Esel oder die heutige Bildung.» Es wird ausdrücklich gesagt — ich erwähne es noch einmal —, daß der Betreffende, der da zurückkommt, Karl von Berg, Schüler von Goethe, Schiller, Fichte, Schlegel ist. Nur ein paar Szenen möchte ich Ihnen zu Gemüte führen, vor die Seele führen. Der Student, Karl von Berg, kommt nach Hause, nachdem er Goethe, Schiller, Fichte, Schlegel und andere Lehren in Jena in der größten Zeit der neueren Geistesentwickelung aufgenommen hat. Er wird zunächst von der Mutter empfangen. Ihr kann man es ja nicht übelnehmen, daß sie nun nicht gerade unbesorgt ist, daß ihr Söhnlein gottesunfürchtig hätte werden können in solchem Zusammenhange nach all dem, was man ihr in die Ohren gesaust haben wird. Und da sagt dann Frau von Berg zu ihrem Sohn Karl, nachdem er nach Hause gekommen ist:
[ 5 ] Kotzebue—let us remember him today—he has been forgotten; but the Kotzebues have remained. Let us remember this Kotzebue today. He wrote a pamphlet—a dramatic one—in which he portrays a student who returns to the philistine world of his family—I mean no harm by this—after having—as is explicitly stated—absorbed the pernicious teachings of Goethe, Schiller, Fichte, and Schlegel in Jena. He is portrayed as a sort of fool, and at the same time as a “Hyperborean donkey.” The pamphlet is titled: “The Hyperborean Donkey, or Education Today.” It is explicitly stated—I’ll mention it again—that the person in question, who returns home, is Karl von Berg, a student of Goethe, Schiller, Fichte, and Schlegel. I would like to present just a few scenes to you, to bring them to your mind’s eye. The student, Karl von Berg, returns home after having absorbed the teachings of Goethe, Schiller, Fichte, Schlegel, and others in Jena during the heyday of modern intellectual development. He is first greeted by his mother. One can hardly blame her for not being entirely at ease, for fearing that her little son might have become godless in such company, given all the rumors that must have been whispered in her ear. And so Mrs. von Berg says to her son Karl after he has come home:
[ 6 ] «Frau von Berg: Noch einmal drücke ich dich an mein mütterliches Herz! (sie umarmt ihn). Gott sei Dank, daß ich dich wieder habe! Dich, meine Hoffnung, meinen Stolz, mein Alles! — Bist du noch, der du warst? — O ja, du wirst es sein! Magst du doch viel oder wenig gelernt haben; die bekümmerte Mutter mögte dich lieber fromm als gelehrt wiedersehen. Tugendhaft gingst du von mir, tugendhaft kehrst du in meine Arme zurück, nicht wahr?
[ 6 ] “Mrs. von Berg: Once again, I press you to my motherly heart! (She embraces him.) Thank God I have you back! You, my hope, my pride, my everything! — Are you still the man you used to be? — Oh yes, you will be! Whether you have learned much or little, this grieving mother would rather see you return pious than learned. You left me a virtuous boy, and you return to my arms a virtuous young man, don’t you?
Karl: Liebe Mutter, es gibt keine andere Tugend als Konsequenz.
Mutter: Wie? Sokönntejaauch derärgste Bösewicht tugendhaft sein?
Karl: Wenn er konsequent handelt. — Mutter: O weh! Was ist das? Karl! Du hast doch noch Religion?
Karl: Die Religion ist meistens nur ein Supplement oder gar ein Surrogat der Bildung.»
Ich bemerke ausdrücklich, daß diese literarische Gaunerei so weit getrieben ist, daß alles, was Karl sagt, wörtlich aus den Schriften der betreffenden Männer entnommen ist, — aus dem Zusammenhang herausgerissen wenigstens.
«Mutter: Nichts weiter?
Karl: Nichts ist religiös im strengen Sinne, was nicht ein Produkt der Freiheit ist.» — Denken Sie, ein so schöner Satz! —
«Mutter: Ich kann darüber mit dir nicht streiten, auch begehre ich nur Beruhigung. Man hat mir so manches von den jetzigen Modesystemen erzählt. (Sie legt ihre Hand auf seine Schulter und spricht ängstlich.) Karl! Du glaubst doch an Gott?
Karl: Ich selbst bin Gott.»
Das Wohnen des Gottes in der eigenen Brust.
«Mutter: Weh mir! Er ist geworden wie der arme Wezel in Sondershausen!»
Der arme Wezel in Sondershausen war nämlich ein Dichter der damaligen Zeit, der wahnsinnig geworden ist.
«Karl: Jeder gute Mensch wird immer mehr und mehr Gott. Gott werden, Mensch sein, sich Bilden sind Ausdrücke, die einerlei bedeuten.»
Es ist alles wörtlich aus dem Zusammenhang heraus!
«Mutter: Was ist das! Ich fürchte, er möchte gar keinen Gott glauben, und er glaubt deren Millionen!
Karl: Wenn jedes unendliche Individuum Gott ist, so gibt's so viele Götter als Ideale.
Mutter: Hin ist sein Christentum!
Karl: Das wissenschaftliche Ideal des Christianismus ist eine Charakteristik der Gottheit mit unendlich vielen Variationen.
Mutter: Sprichst du von einem Rondo?
Karl: Gott ist nicht bloß ein Gedanke, sondern zugleich auch eine Sache, wie alle Gedanken, die nicht bloße Einbildung sind.
Mutter: Sprich, welche Religion hast du denn eigentlich? Karl: Es ist ein sehr natürlicher, ja, fast unvermeidlicher Wunsch, alle Gattungen der Religion in sich vereinigen zu wollen.
Mutter: Alle? —
Karl: Alle.
Mutter: Ach! Ich kann dir nicht antworten. Aber ich bitte dich, rede mit unserem Pfarrer, er ist ein wackerer, vernünftiger Mann.
Karl: Ich mag nicht. Die Religion ist schlechthin groß wie die Natur. Der vortrefflichste Priester hat doch nur ein Stück davon.» Alles wörtlich!
«Mutter: Ich versichere dich, er hat sie ganz.
Karl: Überdies bin ich selbst Priester.
Mutter (erstaunt): Zugleich Gott und Priester ?
Karl: Das Verhältnis des wahren Künstlers und des wahren Menschen zu seinen Idealen ist durchaus Religion. Wem dieser innere Gottesdienst Ziel und Geschäft des ganzen Lebens ist, der ist Priester, und folglich bin ich auch Priester.
Mutter: Sohn! Sohn! Was soll aus dir werden in dieser und jener Welt!
Karl: Bei den Neueren redet man immer von dieser und jener Welt, als ob es mehr als eine Welt gäbe.
Mutter: Weh dir! Du bist in den Stricken des Satans!»
Ich kann Ihnen die Versicherung geben: derjenige protestantische Pastor, der in Hamburg — ich habe den Brief selber gelesen — geschrieben hat an eines unserer Mitglieder, ich selber wäre der Satan, der ist nicht vereinzelt geblieben!
«Du bist in den Stricken des Satans!
Karl: Der Satan ist eine deutsche Erfindung, denn der deutsche Satan ist satanischer als der italienische und englische. Er ist ein Favorit deutscher Dichter und Philosophen, er muß also auch wohl sein Gutes haben.
Mutter: Der Satan sein Gutes?!
Karl: Das gefällt mir nicht in der christlichen Mythologie, daß die Satanisken fehlen.
Mutter: Ach mein Gott! Haben wir denn an Einem Satan noch nicht genug? — Karl: Mutter, ich bitte Sie, nicht diese Elegien von der heroisch kläglichen Art; es sind die Empfindungen der Jämmerlichkeit bei dem Gedanken der Albernheit von den Verhältnissen der Plattheit zur Tollheit.
Mutter: Wohl mir, daß ich deine Schmähungen nicht verstehe.
Karl: Sie wollen mich in meiner Bahn aufhalten? Dies ist umsonst. Wer einmal töricht oder edel sich bestrebt hat, in den Gang des menschlichen Geistes mit einzugreifen —
Mutter: Eingreifen? in einen Gang? was heißt das?
Karl: Der muß mit fort, oder er ist nicht besser daran als ein Hund im Bratenwender, der die Pfoten nicht vorwätts setzen will.
Mutter: Ach, ich bitte dich, setze die Pfoten rückwärts! Deine hohe Geistesverwirrung kann dich einst zur Verzweiflung und Selbstmord führen!
Karl: Der Selbstmord ist nur eine Begebenheit, selten eine Handlung.»
Aus dem Zusammenhang herausgerissen!
«Mutter: O, es wäre für mich eine schreckliche Begebenheit!
Karl: Ist er eine Handlung, so kann vom Recht gar nicht die Rede sein, sondern nur von der Schicklichkeit.
Mutter: Es ist weder recht, noch schicklich.
Karl: Sie irren, es ist nie unrecht, freiwillig zu sterben, aber oft unanständig, länger zu leben.
Mutter: Was muß ich hören! weh mir! wie bitter hat meine Hoffnung mich getäuscht!
Karl: Getrost, Mutter, Sie werden bald selbst denken wie ich.
Mutter (mit Abscheu) : Nimmermehr!
Karl: Sie meinen vielleicht wie Rousseau: daß irgendeine gute und schöne Freigeisterei den Frauen weniger zieme als den Männern ?
Mutter: Weder Euch noch uns.
Karl: Aber das ist nur Eine von Rousseaus unendlich vielen allgemein geltenden Plattheiten.
Mutter: Alberner Mensch! Es ist unverschämt, so von Rousseau zu sprechen.
Aber großer Gott! möchtest du doch bloß unverschämt sein! — Ich verlasse dich tief gebeugt. Ich bin nur ein Weib und kann dir nichts entgegensetzen als mein Gefühl. Dein Oheim ist Mann, er mag männlich mit dir sprechen (ab).
Karl (allein): Der platte Mensch beurteilt alle anderen Menschen wie Menschen, behandelt sie aber wie Sachen, und begreift es durchaus nicht, daß sie andere Menschen sind als er.»
Und jetzt aus einer folgenden Szene. Karl, der jetzt seinem Oheim, dem Baron entgegentritt.
«Karl: Der Mensch ist eine ernsthafte Bestie.
Baron: Eine Bestie? Schäme dich. Ich merke schon, du hast zu viel studiert, bist zu einsam gewesen. Ich werde dich in gute Gesellschaft führen.
Karl: Die Gesellschaften der Deutschen sind ernsthaft, ihre Komödien und Satiren sind ernsthaft, ihre Kritik ist ernsthaft, ihre ganze schöne Literatur ist ernsthaft.
Baron: O, es gibt auch Narren genug unter den Deutschen.
Karl: Narrheit ist absolute Verkehrtheit der Tendenz, gänzlicher Mangel an historischem Geist.
Baron: Hör’ einmal, Vetter, bleib mir mit dem Krimskrams vom
Halse und laß uns vernünftig reden. Ich habe ein Projekt für dich.
Karl: Ein Projekt ist der subjektive Keim eines werdenden Objekts.
Baron: Gleichviel, du mußt eine Existenz haben.
Karl: Es kann nichts anmaßender sein als überhaupt zu existieren oder gar auf eine bestimmte selbständige Art zu existieren.» Also nun die große Existenz-Frage, nicht wahr!
«Baron: Nun zum Teufel! wie existiere ich denn?
Karl: Sie? Sie existieren gar nicht.
Baron (prallt zurück): Gar nicht?
Karl: Die meisten Menschen sind nur gleichberechtigte Prätendenten der Existenz; es gibt wenig Existenten.
Baron: Mensch! du bist entweder närrisch oder toll.
Karl: Die Narrheit ist bloß dadurch von der Tollheit verschieden, daß sie willkürlich ist wie die Dummheit.» Nun noch ein Stückchen. Es ist eine Szene zwischen Karl und Malchen.
«Karl eilt Malchen entgegen und reißt sie wütend an seine Brust.
Karl: O, meine Amalie!
Malchen: Gemach! Gemach, lieber Vetter! Sie erdrücken mich.
Karl: Es liegt in der Natur des Mannes ein gewisser tölpelhafter Enthusiasmus, der leicht bis zur Grobheit göttlich ist (er will sie abermals umarmen).
Malchen (verschämt und sich sträubend): Nicht so ungestüm, lieber Karl.
Karl (betrachtet sie lächelnd): Es ist doch wirklich eine komische Situation, ein unschuldiges Mädchen zu sein.
Malchen (erstaunt): Wie? eine komische Situation ?
Karl: Allerdings, aber die Frauen müssen wohl prüde bleiben, solang die Männer sentimental, dumm und schlecht genug sind, ewige Unschuld und Mangel an Bildung von ihnen zu fordern.
Malchen: Sie fordern also keine Unschuld von mir?
Karl: Sie sind ein blühendes Mädchen und folglich das reizendste Symbol vom reinen guten Willen.
Malchen: Ein sonderbares Kompliment!
Karl: Wir werden uns heiraten.
Malchen: Vielleicht.
Karl: Zwar fehlt es den Frauen an Sinn für die Kunst, an Anlage zur Wissenschaft und an Abstraktion, zwar ist mutwillige Bosheit mit naiver Kälte und lachender Gefühllosigkeit eine angeborene Kunst ihres Geschlechts. —
Malchen: Eine schmeichelhafte Schilderung!
Karl: Dennoch bin ich entschlossen, den Versuch zu wagen.
Malchen: Einen Versuch? Allerliebst.
Karl: Fast alle Ehen sind nur Konkubinate, provisorische Versuche zu einer wirklichen Ehe.
Malchen: Herr Vetter, ich hoffe, daß ich Sie nicht verstehe.
Karl: Wir könnten auch allenfalls den Versuch ins Große treiben, zum Exempel eine Ehe ä quatre.
Malchen (fast stumm vor Erstaunen): Wie? Karl: Es läßt sich nicht absehen, was man gegen eine Ehe a quatre gründliches einwenden könnte.»
Alles herausgerissen!
«Malchen: Sie wären wirklich imstande, Ihre Geliebte zu teilen?
Karl: Ich werde mich bemühen, Sie so zu besitzen, als ob ich Sie nicht besäße.
Malchen: Eine angenehme Aussicht!
Karl: Das ist die Pflicht des wahren Cynikers.»
Noch ein Stückchen. Der Fürst kommt nun und unterredet sich auch mit Karl.
«Fürst: Ich liebe die Geschichte.
Karl: Der historische Stil muß vornehm sein durch nackte Gediegenheit, erhabene Eil und großartige Fröhlichkeit.
Fürst: Welch ein Bombast von Worten! Haben Sie sich vielleicht der Staatsverwaltung gewidmet?
Karl: Wenn nur nicht in den Handlungen der gesetzgebenden, ausübenden oder richterlichen Gewalt oft etwas Willkürliches vorkäme, wozu sie für sich nicht berechtigt scheinen.
Fürst: Was wäre dabei zu tun?
Karl: Ist die Befugnis dazu nicht etwa von der konstitutiven Gewalt entlehnt ?
Fürst: Kann sein.
Karl: Die daher notwendig auch ein Veto haben müßte?
Fürst: Jetzt merke ich, wo Sie hinaus wollen und rate Ihnen wohlmeinend, sich mit der Staatsverwaltung nicht zu befassen; wenigstens nicht in meinem Lande, wo Ruhe und Sittlichkeit herrschen.
Karl: Sittlichkeit? Das glaube ich kaum. Denn die erste Regung der Sittlichkeit ist Opposition gegen die positive Gesetzlichkeit und konventionelle Rechtlichkeit.
Fürst: Das schmeckt sehr nach den neueren alles zerstörenden Grundsätzen.»
Karl: Dear Mother, there is no virtue other than consistency.
Mother: What? Could even the worst villain be virtuous?
Karl: If he acts consistently. — Mother: Oh dear! What is that? Karl! You still believe in God, don't you?
Karl: “Religion is usually just a supplement—or even a substitute—for education.”
I would like to point out explicitly that this literary swindle has gone so far that everything Karl says is taken verbatim from the writings of the men in question—or at least taken out of context.
“Mother: Is that all?
Karl: “Nothing is religious in the strict sense that is not a product of freedom.” — Just think, what a beautiful sentence! —
“Mother: I can’t argue with you about this; all I want is some peace of mind. I’ve heard so many things about the current religious movements. (She places her hand on his shoulder and speaks anxiously.) Karl! You do believe in God, don’t you?
Karl: “I myself am God.”
The God dwelling within one's own heart.
“Mother: Woe is me! He’s turned out just like poor Wezel in Sondershausen!”
Poor Wezel in Sondershausen was, in fact, a poet of that era who had gone mad.
“Karl: Every good person becomes more and more like God. Becoming God, being human, and developing oneself are expressions that all mean the same thing.”
It's all taken out of context!
“Mother: What is this! I’m afraid he doesn’t want to believe in any God at all, and yet he believes in millions of them!”
Karl: If every infinite individual is God, then there are as many gods as there are ideals.
Mother: So much for his Christianity!
Karl: The scientific ideal of Christianism is a characterization of the deity with an infinite number of variations.
Mother: Are you talking about a rondo?
Karl: God is not merely a thought, but also a thing, just like all thoughts that are not mere figments of the imagination.
Mother: Tell me, what religion do you actually follow? Karl: It is a very natural—indeed, almost inevitable—desire to want to unite all forms of religion within oneself.
Mother: All of them? —
Karl: Everyone.
Mother: Oh! I can't answer that. But I beg you, talk to our pastor; he's a brave, sensible man.
Karl: “I don’t like it. Religion is as vast as nature itself. Even the most excellent priest has only a small part of it.” All verbatim!
“Mother: I assure you, he has it all.
Karl: Besides, I'm a priest myself.
Mother (surprised): Both God and priest?
Karl: The relationship of the true artist and the true human being to their ideals is, in every sense, religion. Whoever makes this inner worship the goal and purpose of their entire life is a priest, and consequently, I, too, am a priest.
Mother: Son! Son! What will become of you in this world and the next!
Karl: Modern thinkers are always talking about this world and that world, as if there were more than one world.
Mother: “Woe to you! You are caught in Satan's snare!”
I can assure you: that Protestant pastor in Hamburg—I read the letter myself—who wrote to one of our members saying that I myself was Satan—he was not alone!
“You are caught in Satan’s snare!”
Karl: Satan is a German invention, because the German Satan is more satanic than the Italian or English ones. He is a favorite of German poets and philosophers, so he must have his good points as well.
Mother: Satan's good?!
Karl: What I don't like about Christian mythology is that it lacks Satanic elements.
Mother: Oh my God! Isn’t one Satan enough for us? — Karl: Mother, I beg you, spare me these elegies of the heroically pitiful sort; they are feelings of wretchedness at the thought of the absurdity of the relationship between banality and madness.
Mother: How fortunate for me that I do not understand your insults.
Karl: You want to stop me from following my path? It’s no use. Anyone who has ever, whether foolishly or nobly, sought to interfere with the course of the human spirit—
Mother: Intervene? In a gang? What does that mean?
Karl: He has to come along, or he’ll be no better off than a dog in a roasting spit that won’t put its paws forward.
Mother: Oh, for heaven’s sake, back up a bit! Your severe mental confusion could one day lead you to despair and suicide!
Karl: “Suicide is merely an event, rarely an act.”
Taken out of context!
“Mother: Oh, that would be a terrible ordeal for me!
Karl: If it is an act, then there can be no question of law at all, but only of propriety.
Mother: It is neither right nor proper.
Karl: You are mistaken; it is never wrong to die voluntarily, but it is often indecent to live longer.
Mother: What am I to make of this! Woe is me! How bitterly my hope has deceived me!
Karl: Don't worry, Mother; you'll soon see things my way.
Mother (with disgust): Never again!
Karl: Perhaps you mean, like Rousseau, that a certain kind of good and beautiful free-spiritedness is less becoming to women than to men?
Mother: Neither you nor us.
Karl: But that's just one of Rousseau's countless platitudes that are generally accepted.
Mother: You silly person! It's outrageous to speak of Rousseau that way.
But good heavens! If only you were just being insolent! — I take my leave of you, bowing deeply. I am but a woman and can offer you nothing but my feelings. Your uncle is a man; he may speak to you like a man (exits).
Karl (alone): “The shallow person judges all other people as human beings, but treats them like objects, and fails completely to understand that they are different people from himself.”
And now, from a subsequent scene: Karl, who is now facing his uncle, the baron.
“Karl: Man is a serious beast.
Baron: A beast? Shame on you. I can tell you’ve studied too much and been too lonely. I’ll introduce you to some good company.
Karl: German societies are serious; their comedies and satires are serious; their criticism is serious; all of their fine literature is serious.
Baron: Oh, there are plenty of fools among the Germans, too.
Karl: Folly is the absolute reversal of the proper direction, a complete lack of historical spirit.
Baron: Listen, cousin, spare me all that nonsense about
Halse, let's talk sensibly. I have a project for you.
Karl: A project is the subjective seed of an object in the making.
Baron: Anyway, you have to make a living.
Karl: “There can be nothing more presumptuous than to exist at all, let alone to exist in a certain independent way.” So now we come to the great question of existence, don’t we!
“Baron: Well, for heaven’s sake! How do I exist, then?
Karl: You? You don't even exist.
Baron (recoils): Not at all?
Karl: Most people are merely equal pretenders to existence; there are few who truly exist.
Baron: Good heavens! You're either a fool or a madman.
Karl: “Foolishness differs from madness only in that it is as arbitrary as stupidity.” Now just a little more. It’s a scene between Karl and Malchen.
“Karl rushes toward Malchen and pulls her furiously to his chest.
Karl: Oh, my Amalie!
Malchen: Slow down! Slow down, dear cousin! You're crushing me.
Karl: It is in a man’s nature to have a certain clumsy enthusiasm that is almost divine, even if it borders on rudeness (he wants to embrace her once more).
Malchen (ashamed and resisting): Not so impetuously, dear Karl.
Karl (looking at her with a smile): It really is a funny situation, being an innocent girl.
Malchen (surprised): What? A strange situation?
Karl: True, but women will probably have to remain prudish as long as men are sentimental, foolish, and wicked enough to demand eternal innocence and a lack of education from them.
Malchen: So you're not demanding that I be innocent?
Karl: You are a blossoming young woman and, therefore, the most charming symbol of pure goodwill.
Malchen: What a strange compliment!
Karl: We're going to get married.
Malchen: Maybe.
Karl: It is true that women lack a sense of art, a aptitude for science, and the capacity for abstraction; it is true that malicious malice, combined with naive coldness and laughing callousness, is an innate art of their sex. —
Malchen: What a flattering description!
Karl: Nevertheless, I am determined to give it a try.
Malchen: Want to give it a try? That would be lovely.
Karl: Almost all marriages are merely concubinages, provisional attempts at a real marriage.
Malchen: Mr. Vetter, I hope I'm misunderstanding you.
Karl: We could also, if anything, take the experiment to the next level—for example, a marriage à quatre.
Malchen (almost speechless with astonishment): What? Karl: “It’s hard to see what a serious objection one could raise against a marriage à quatre.”
Everything torn out!
“Malchen: Would you really be able to share your lover?”
Karl: I will strive to possess you as if I did not possess you.
Malchen: What a pleasant view!
Karl: “That is the duty of the true cynic.”
Just a little further. The prince is coming now and is also talking with Karl.
“Prince: I love that story.
Karl: The historical style must be distinguished by its unadorned solidity, sublime grandeur, and magnificent cheerfulness.
Prince: What bombastic language! Have you perhaps devoted yourself to public administration?
Karl: If only there were not so often instances of arbitrariness in the actions of the legislative, executive, or judicial branches—actions for which they do not seem to have any inherent justification.
Fürst: What would need to be done?
Karl: Isn't that authority derived from the constituent power?
Fürst: Maybe.
Karl: Which would therefore necessarily have to have a veto as well?
Fürst: Now I see where you’re going with this, and I advise you, with the best of intentions, not to meddle in government affairs—at least not in my country, where peace and morality reign.
Karl: Morality? I hardly think so. For the first impulse of morality is opposition to positive legality and conventional lawfulness.
Fürst: “That sounds very much like those newer, destructive principles.”
[ 7 ] Wenn auch das Gebiet nicht so streng eingehalten worden ist, auf dem man dem entgegengetreten ist, das damals von dem großen geistigen Aufschwung hat kommen können: der Geist, der sich dagegen aufgelehnt hat, der hat durchaus geherrscht. Und so ist es denn wirklich so, daß die Keime, die dazumal gelegt worden sind, erst aufgehen müssen. Und aufgehen werden sie nicht anders, als daß die Menschen die aus der Bequemlichkeit und Plattheit flieBende Furcht verlieren vor dem, was die Geisteswissenschaft aus den geistigen Welten heraus erschließen kann. Die erste Bedingung wird sein, daß man erkennt, wie notwendig — ich habe das öfter gesagt — es im Leben ist, wahr, durchaus wahr zu sein, wirklich den Mut zu haben zu den — verzeihen Sie jetzt das Wort, es steht da drinnen — zu den Konsequenzen desjenigen, was man als wahr anerkennt. Wahrheit liegt nicht bloß in der Art und Weise, wie man seine Behauptungen tut, sondern Wahrheit oder Lüge liegt auch in der Art und Weise schon, wie man Worte braucht. Man kann das klar und deutlich sehen, wenn man den Widerstand, der heute von der Außenwelt kommt, auf dem Gebiete betrachtet, das eigentlich dazu führen müßte, das Christentum und das Mysterium von Golgatha so zu erfassen, wie es in unserer Zeit erfaßt werden muß, damit der Mensch alles dasjenige, was er erfühlen kann über das Mysterium von Golgatha, auch mit der vollen Höhe der Zeiterkenntnis in Einklang setzen kann. Man kann sagen: Am wütendsten sind gewisse Leute draußen gegenüber dem, was gehört werden konnte aus der Geisteswissenschaft über das Auf-die-Erde-Treten der Erscheinung des Christus-Jesus.
[ 7 ] Even if the boundaries within which one opposed what could have emerged from the great intellectual upsurge of that time were not strictly adhered to, the spirit that rebelled against it certainly prevailed. And so it is indeed the case that the seeds sown back then must first sprout. And they will not sprout unless people lose the fear—arising from complacency and superficiality—of what Spiritual Science can reveal from the spiritual worlds. The first condition will be recognizing how necessary—as I have often said—it is in life to be true, thoroughly true, and to truly have the courage to face—forgive me for the word, but it’s right there—the consequences of what one recognizes as true. Truth does not lie merely in the way one makes one’s assertions; rather, truth or falsehood lies already in the very way one uses words. One can see this clearly when one considers the resistance coming from the outside world today in the very field that ought to lead to an understanding of Christianity and the Mystery of Golgotha as it must be understood in our time, so that human beings can bring everything they are capable of feeling about the Mystery of Golgotha in harmony with the full scope of our understanding of the times. One might say: Certain people out there are most furious at what has been revealed through Spiritual Science regarding the coming to Earth of the figure of Christ Jesus.
[ 8 ] Wir mußten, meine lieben Freunde, alle drei Welten aufrufen, um die Erscheinung des Christus-Jesus zu begreifen. Wir haben zuerst jenen Jesus, welcher in sich die Individualität des großen Zarathustra trägt. Der wächst heran bis zu seinem zwölften Jahre. Da verläßt er den Leib und geht hinüber in den Leib des anderen Jesus-Knaben, welcher eine Seele gebildet hat, die nicht mitgemacht hat die ganze Erdenentwickelung, sondern ich habe es auseinandergesetzt — die zurückgeblieben ist gleichsam in der Substanz der Erden-Menschenseele, indem ein Teil hinuntergegangen ist in die Menschenleiber und ein Teil oben geblieben ist, der dann erst eingetreten ist in denjenigen Leib, den die zweite Maria geboren hat als den zweiten Jesus-Knaben. Und ich habe Sie darauf aufmerksam gemacht, daß uns die geisteswissenschaftliche Erkenntnis zeigt, wie dieser Jesus-Knabe gleich bei seiner Geburt — was der Mensch in der gegenwärtigen Zeit nicht kann — gesprochen hat, gesagt hat, was er ist. Mit der Seele des Zarathustra wächst dieser Jesus-Knabe heran, wird dreißig Jahre alt, und die Christus-Individualität inkarniert sich in ihm und lebt in diesem Leibe, der zubereitet ist von dem Geiste des großen Zarathustra, zubereitet ist von jener Seele, die nicht mitgemacht hat die Erdenentwickelung, sondern von der Erdenentwickelung zurückgeblieben ist in jener Zeit, wo die Erde noch nicht heruntergestiegen ist bis zu ihrer jetzigen Materialität. Die Christus-Individualität lebt nun drei Jahre in diesem Leibe. Drei Welten mußten wir aufrufen, um diese große Gestalt, diese größte Gestalt und dieses größte Ereignis in der Menschheitsentwickelung zu begreifen: Die höchsten geistigen Welten, aus denen der Christus herunterstieg, diejenige Welt, die da ist, bevor es eine Erde gab, und diejenige Welt, durch die sich die Menschen hindurch entwickelt haben, der der Zarathustra, zwar als eine vorzügliche Inkarnation, aber doch als eine gewöhnliche menschliche Inkarnation angehört.
[ 8 ] My dear friends, we had to draw upon all three worlds to comprehend the appearance of Christ-Jesus. First, we have that Jesus who bears within himself the individuality of the great Zarathustra. He grows up until his twelfth year. Then he leaves that body and passes into the body of the other Jesus-boy, who has formed a soul that has not undergone the entire earthly evolution—but I have explained this — which has, as it were, remained behind in the substance of the Earth human soul, in that one part descended into human bodies and another part remained above, which only then entered the body that the second Mary gave birth to as the second Jesus-child. And I have pointed out to you that Spiritual Science shows us how this Jesus-child, right at his birth—something a human being in the present age cannot do—spoke, declaring who he is. Growing up with the soul of Zarathustra, this Jesus-child reaches the age of thirty, and the Christ Individuality incarnates within him and lives in this body, which has been prepared by the spirit of the great Zarathustra, prepared by that soul which did not participate in Earth’s evolution but remained behind from Earth’s evolution at that time when the Earth had not yet descended to its present materiality. The Christ Individuality now lives in this body for three years. We had to call upon three worlds to comprehend this great figure, this greatest figure, and this greatest event in human evolution: The highest spiritual worlds from which Christ descended, the world that existed before there was an Earth, and the world through which human beings have developed—to which Zarathustra belongs, albeit as an exceptional incarnation, yet still as an ordinary human incarnation.
[ 9 ] Wenn man — ich habe das erwähnt in meiner kleinen Schrift, die auch jetzt erscheint: «Die Aufgabe der Geisteswissenschaft und deren Bau in Dornach» — diejenigen Leute hört, die so etwas beurteilen, so sieht man, wie sie die Angst haben davor, so etwas begreifen zu sollen. Und sie nennen solche Dinge «unchristlich», und setzen dann dasjenige an die Stelle, was sie selber glauben über den Christus. Und meint man, sie sollten doch zufrieden sein, wenn man ihnen kommt und sagt: Ja, was ihr glaubt, das glauben wir schon auch; aber wir glauben noch etwas dazu! so sind sie damit aber nicht zufrieden, sondern sie erlauben einem nicht, noch etwas anderes dazu zu wissen zu dem, was sie zu wissen vermeinen. Darin zeigt sich, daß es den Leuten gar nicht ankommt auf Wahrheitserkenntnis, sondern lediglich auf die Ausübung ihrer Macht. Sie wollen nicht gestatten, daß der Christus in höchster Glorie vorgestellt wird, wenn diese Glorie nur erreicht werden kann in der Anschauung durch etwas, was ihnen nicht bequem ist zu lernen,
[ 9 ] If one—as I mentioned in my short treatise, which is also being published now: “The Task of Spiritual Science and Its Structure in Dornach”—listens to those people who judge such things, one sees how afraid they are of having to understand them. And they call such things “unchristian,” and then substitute what they themselves believe about Christ. And if one thinks they should be satisfied when one comes to them and says: “Yes, what you believe, we believe as well; but we believe something else in addition!”—they are not satisfied with that, but rather they do not allow one to know anything else besides what they presume to know. This shows that these people are not at all concerned with the knowledge of the truth, but solely with the exercise of their power. They do not want to allow a mental image of Christ to be presented in his highest glory if that glory can only be attained through the understanding of something that is inconvenient for them to learn,
[ 10 ] Lehnen sich so gewisse Leute, die sich nicht nur Christen nennen, sondern die sogar offiziell als Priester oder Pfarrer das Christentum vertreten, gegen die Christlichkeit der Geisteswissenschaft auf, so ist auf der anderen Seite eine andere Tatsache zu beachten. Das ist die Tatsache, daß es heute Leute gibt, die behaupten, sie dürften als christliche Pfarrer wirken und brauchten nicht daran zu denken, daß der Christus oder, wie sie sich ausdrücken, der Jesus, auf eine andere Weise in die Menschheitsentwickelung eingetreten ist als jeder andere Mensch. Es gibt heute schon christliche Priester, Pfarrer, die durchaus der Meinung sind, das sie nicht nötig haben, an eine besondere Art der Geburt bei dem Jesus zu denken, sondern die ihn so wie einen höheren Sokrates auffassen, auch eben als einen der edlen Menschen, vielleicht nur als den edelsten. Ja, es gibt Menschen, die berühmte Theologen sind, und die von der Auferstehung so reden, daß sie sagen: Was auch immer im Garten von Gethsemane vor sich gegangen ist, der Auferstehungsglaube ist daraus hervorgegangen; diesen Auferstehungsglauben wollen wir festhalten. — Ich habe einmal in einer Giordano-Bruno-Gesellschaft vor vielen Jahren erwähnt, was das für eine barocke Denkweise ist, daß einer sagt: Was dort auch geschehen sein mag im Garten von Gethsemane, darum kümmern wir uns nicht, aber der Glaube, daß da die Auferstehung geschehen ist, an dem sollen wir festhalten. Ich habe auf das Barocke und Paradoxe dieser Denkweise hingewiesen, weil sie die Denkweise ist, die in Adolf von Harnacks «Wesen des Christentums» vertreten ist. Da trat mir dazumal der Vorsitzende der Giordano-Bruno-Gesellschaft — nicht des Giordano-Bruno-Bundes, sondern der GiordanoBruno-Gesellschaft —, ein Professor, entgegen und sagte: Aber so etwas kann der Harnack nicht gesagt haben! Das wäre ja wie bei den Katholiken, die auch behaupten: Was auch immer das sein mag, was da für ein Lappen in Trier gehangen hat, es gilt einmal als der Rock Christi, also hält man an diesem fest! Das kann nicht im «Wesen des Christentums» stehen! — Es steht natürlich doch darin. Der Mann hat das «Wesen des Christentums» gelesen, aber darüber hinweggelesen, weil er überhaupt sich benebelt über dasjenige, was da steht.
[ 10 ] While certain people—who not only call themselves Christians but even officially represent Christianity as priests or pastors—oppose the Christian nature of Spiritual Science, there is another fact to consider on the other hand. That fact is that there are people today who claim they are entitled to serve as Christian pastors and do not need to consider that Christ—or, as they put it, Jesus—entered human evolution in a different way than any other human being. There are already Christian priests and pastors today who are firmly of the opinion that they need not consider a special kind of birth for Jesus, but who view him as a kind of higher Socrates—indeed, as one of the noble human beings, perhaps simply the noblest of all. Yes, there are people who are renowned theologians and who speak of the Resurrection in such a way that they say: Whatever may have taken place in the Garden of Gethsemane, the belief in the Resurrection emerged from it; let us hold fast to this belief in the Resurrection. — Many years ago, at a Giordano Bruno Society meeting, I once remarked on what a baroque way of thinking it is when someone says: “Whatever may have happened there in the Garden of Gethsemane, we don’t concern ourselves with that, but the belief that the Resurrection took place there—that is what we should hold fast to.” I pointed out the baroque and paradoxical nature of this way of thinking, because it is the way of thinking espoused in Adolf von Harnack’s The Essence of Christianity. At that time, the chairman of the Giordano Bruno Society—not the Giordano Bruno Federation, but the Giordano Bruno Society—a professor, approached me and said: “But Harnack couldn’t have said something like that! That would be just like the Catholics, who also claim: “Whatever that rag hanging in Trier may be, it is considered to be the robe of Christ, so we hold fast to it!” That can’t be in The Essence of Christianity! — Of course, it is in there. The man has read The Essence of Christianity, but he skimmed right over it because he is completely oblivious to what is actually written there.
[ 11 ] Das sind die Erfahrungen, die man heute mit den Menschen und ihrer Art, sich zu der geistigen Welt zu verhalten, macht. Auch diejenigen Menschen werden ja zahlreich genug sein, die da immer wieder und wiederum kommen und sagen: Ach, was ist das für eine abstrakte Sache! Wir wollen einen einfachen, schlichten Jesus von Nazareth, und ihr gebt uns drei Jesusse! — Der «schlichte Mann von Nazareth» ist ja sogar schon ein Lieblingsobjekt gerade aufgeklärtester Theologen geworden. Nun, die Frage muß sich vor uns hinstellen: Können wir Menschen noch Christen nennen, die eigentlich sich auflehnen dagegen, den Christus so zu begreifen, wie er nun eigentlich in unserer Zeit begriffen werden muß?
[ 11 ] These are the experiences one has today with people and the way they relate to the spiritual world. There will surely be plenty of people who keep coming back again and again and saying: “Oh, what an abstract concept!” We want a simple, unassuming Jesus of Nazareth, and you give us three Jesuses!” — The “unassuming man of Nazareth” has, after all, already become a favorite subject even among the most enlightened theologians. Well, the question must be posed to us: Can we still call people Christians who actually rebel against understanding Christ in the way he must be understood in our time?
[ 12 ] Nehmen wir einmal an, es käme irgend jemand und würde sagen: Das von dem Jesus als dem Zarathustra, und dann wiederum von dem Jesus als dem, der des Menschen Seelensubstanz aufgenommen hat, bevor sie heruntergestiegen ist auf die Erde, das alles zu glauben widerspricht den Überzeugungen, die ich mir einmal aus meiner Weltanschauung heraus gebildet habe. Aber an dem einen halte ich fest, das gibt mir gerade meine Weltanschauung: daf auf eine übernatürliche Weise, nicht so, wie andere Menschen in die Welt treten, die Wesenheit, die in Jesus gelebt hat, in die Welt getreten ist, daß diese Wesenheit gleich bei ihrer Geburt gesprochen hat, was andere nicht tun, und auch vorausgesagt hat, daß sie nicht sterben werde auf dieselbe Weise wie andere Menschen. — Nehmen wir an, es käme ein Mensch, der sagte, er könnte das glauben. Da würden wir sagen: Nun ja, das Christentum hat sich eben verteilt auf die verschiedensten Weltanschauungsströmungen; dieser hat nur das von dem Christentum aufgenommen, was im Lukas-Evangelium angedeutet wird als der eine Jesus-Knabe, der aus der nathanischen Linie des Hauses David abstammt. Nehmen wir an, es würde in einem religiösen Dokument gerade so etwas ausgedrückt werden, so würden wir sagen: Nun ja, der Glaube dessen, der das sagt, ist eben beeinflußt von der unklar gewordenen Tradition, die erst wiederum klar gemacht werden kann durch die Erkenntnis der Geisteswissenschaft von dem zweiten Jesus-Knaben. — Ich werde Ihnen ein solches religiöses Dokument vorlesen, das von Jesus handelt, und ich bitte Sie, selbst zu urteilen darüber, was dieses religiöse Dokument wert sein könnte:
[ 12 ] Let’s suppose someone came along and said: To believe in Jesus as Zarathustra, and then again in Jesus as the one who took in the substance of the human soul before it descended to Earth—to believe all of that contradicts the convictions I once formed based on my worldview. But there is one thing I hold fast to—this is precisely what my worldview gives me: that the being who lived in Jesus entered the world in a supernatural way, not as other human beings do; that this being spoke immediately upon birth—something others do not do—and also foretold that he would not die in the same way as other human beings. — Let’s suppose someone came along who said they could believe that. We would say: Well, Christianity has indeed spread across a wide variety of ideological currents; this person has taken from Christianity only what is hinted at in the Gospel of Luke—namely, the boy Jesus, who descends from the Nathanic line of the House of David. Suppose such a thing were expressed in a religious document; we would say: Well, the faith of the one who says this is influenced by a tradition that has become obscure, a tradition that can only be clarified again through Spiritual Science’s insight into the second Jesus-boy. — I will read to you such a religious document that deals with Jesus, and I ask you to judge for yourselves what this religious document might be worth:
«Eine Erwähnung der Barmherzigkeit deines Herrn gegen seinen Diener Zacharias»
Sie kennen die Figur des Zacharias aus der Bibel!
«Da er seinen Herrn im Verborgenen anrief,
Sprach er: Mein Herr siehe, mein Gebein ist schwach, und mein Haupt schimmert greis,
Und nie war mein Gebet zu dir erfolglos.
Und siehe, ich fürchte für meine Sippe nach mir, denn mein Weib ist unfruchtbar.
So gib mir von dir einen Nachfolger, der mich und das Haus Jakob beerbe, und mache ihn, mein Herr, wohlgefällig» — Das heißt, mache ihn dir wohlgefällig.
«O Zacharias, siehe, wir verkünden dir einen Knaben, Namens Johannes,
Wie wir zuvor noch keinen benannten.
Er sprach: Mein Herr, woher soll mir ein Sohn werden, wo mein Weib unfruchtbar ist und ich alt und schwach geworden bin?
Er sprach: Also sei’s! Gesprochen hat dein Herr: Das ist mir leicht, und auch dich schuf ich zuvor, da du nichts warst.
Er sprach: Mein Herr, gib mir ein Zeichen. Er sprach: Dein Zeichen sei, daß du, wiewohl gesund, drei Nächte lang nicht zu den Leuten redest.»
Es ist wie in der Bibel!
«Und er schritt hinaus zu seinem Volk aus der Nische und deutete ihnen an —»
Deutete, weil er nicht reden konnte.
«Preiset den Herrn morgens und abends. Und wir sprachen»
Das heißt: die Gläubigen:
«O Johannes, nimm hin die Schrift in Kräften; und wir gaben ihm Weisheit, da er ein Kind war,
Und Mitleid von uns und Reinheit; und er war fromm und voll Liebe gegen seine Eltern und war nicht hoffärtig und trutzig. Und Frieden auf ihn am Tag seiner Geburt und am Tag, da er starb,
und am Tag seiner Erweckung zum Leben '» Das also die Lehre vom Johannes. Nun geht es weiter.
«Und gedenke auch im Buche der Maria. Da sie sich von ihren Angehörigen an einen Ort gen Aufgang zurückzog
Und sich vor ihnen verschleierte, da sandten wir unsern Geist zu ihr,
Und er erschien ihr als vollkommener Mann.»
Wie in der Bibel! Ein merkwürdiges Dokument, nicht wahr?
«Sie sprach: Siehe, ich nehme meine Zuflucht vor dir zum Erbarmer, so du ihn fürchtest.
Er sprach: Ich bin nur ein Gesandter von deinem Herrn, um dir einen reinen Knaben zu bescheren.
Sie sprach: Woher soll mir ein Knabe werden, wo mich kein Mann berührt hat und ich keine Dirne bin?
Er sprach: Also sei’s! Gesprochen hat dein Herr: «Das ist mir ein Leichtes) ; und wir wollen ihn zu einem Zeichen für die Menschen machen und einer Barmherzigkeit von uns. Und es ist eine beschlossene Sache.
Und so empfing sie ihn und zog sich mit ihm an einen entlegenen Ort zurück.» Sie haben die geistige Empfängnis des Jesus.
«Und es überkamen sie die Wehen an dem Stamm einer Palme. Sie sprach:
O daß ich doch zuvor gestorben und vergessen und verschollen wäre!
Und es rief jemand unter ihr: Bekümmere dich nicht; dein Herr hat unter dir ein Bächlein fließen lassen;
Und schüttele nur den Stamm des Palmbaums zu dir, so werden frische reife Datteln auf dich fallen.
So iB und trink und sei kühlen Auges, und so du einen Menschen siehst,
So sprich: «Siehe, ich habe dem Erbarmer ein Fasten gelobt; nimmer spreche ich deshalb heute zu irgend jemand.»
Und sie brachte ihn zu ihrem Volk, ihn tragend. Sie sprachen: O Maria, fürwahr, du hast ein sonderbares Ding getan!
O Schwester Aarons, dein Vater war kein Bösewicht und deine Mutter keine Dirne.
Und sie deutete auf ihn. Sie sprachen: Wie sollen wir mit ihm, einem Kind in der Wiege, reden ?
Er (Jesus) sprach: Siehe, ich bin des Gottes Diener. Gegeben hat er mir das Buch, und er machte mich zum Propheten. Und er machte mich gesegnet, wo immer ich bin, und befahl mir
Gebet und Almosen, solange ich lebe,
Und Liebe zu meiner Mutter; und nicht machte er mich hoffärtig und unselig.
Und Frieden auf den Tag meiner Geburt und den Tag, da ich sterbe, und den Tag, da ich erweckt werde zum Leben!»
Sie wissen, ich habe das geschildert in der Weise, daß ich gesagt habe: Er redete etwas, das nur die Mutter verstehen konnte. — Und dann sagte das Buch weiter:
«Dies ist Jesus, der Sohn der Maria, — das Wort der Wahrheit, das sie bezweifeln.
Nicht steht es Gott an, einen Sohn zu zeugen. Preis ihm! Wenn er ein Ding beschließt, so spricht er nur zu ihm: Sei! und es ist.
Und siehe, Gott ist mein Herr und eurer Herr; so dienet ihm; dies ist ein rechter Weg.
Doch die Sekten sind untereinander uneinig; und wehe den Ungläubigen vor der Zeugnisstätte eines gewaltigen Tages!
Mache sie hören und schauen einen Tag, da sie zu uns kommen.
Doch die Ungerechten sind heute in offenbarem Irrtum.»
“A mention of the mercy of your Lord toward His servant Zacharias”
You know the character of Zechariah from the Bible!
“As he called upon his Lord in secret,
He said: “My lord, behold, my bones are weak, and my head is gray with age,”
And my prayer to you has never gone unanswered.
And behold, I fear for my clan after me, for my wife is barren.
“So give me a successor from among you who will inherit the throne after me and the house of Jacob, and make him pleasing to you, my Lord”—that is, make him pleasing to you.
“O Zechariah, behold, we give you the good news of a son named John,
As we have not yet mentioned any.
He said, “My Lord, how can I have a son when my wife is barren and I have grown old and weak?”
He said, “So be it! Your Lord has spoken: ‘This is easy for Me, and I created you before, when you were nothing.’
He said, “My Lord, give me a sign.” He said, “Your sign shall be that, even though you are well, you shall not speak to the people for three nights.”
It's just like in the Bible!
“And he stepped out of the alcove to his people and signaled to them —”
He gestured because he couldn't speak.
“Praise the Lord in the morning and in the evening. And we said”
That is to say: the believers:
“O John, receive the Scripture with all your strength; and We gave him wisdom while he was still a child,”
And mercy and purity were his; and he was pious and loving toward his parents, and was neither arrogant nor defiant. And peace be upon him on the day of his birth and on the day he died,
and on the day of his resurrection to life '» That, then, is the teaching of John. Now let us continue.
“And remember also the story of Mary in the book. When she withdrew from her family to a place toward the east
And she veiled herself from them, so We sent Our Spirit to her,
And he appeared to her as a perfect man.»
Just like in the Bible! A strange document, isn't it?
“She said: ‘Behold, I seek refuge from you with the Most Merciful, if you fear Him.’
He said, “I am only a messenger from your Lord, sent to bestow upon you a pure son.”
She said, “How can I have a son, since no man has touched me and I am not a prostitute?”
He said, “So be it! Your Lord has said, ‘That is easy for Me’; and We will make him a sign for mankind and a mercy from Us. And it is a matter already decreed.”
“And so she received him and withdrew with him to a secluded place.” They refer to the spiritual conception of Jesus.
“And labor pains came upon her as she was leaning against the trunk of a palm tree. She said:
Oh, if only I had died first, and been forgotten and lost!
And someone among them called out: “Do not worry; your Lord has caused a stream to flow beneath you;
Just shake the trunk of the palm tree toward you, and fresh, ripe dates will fall on you.
So eat and drink and keep a cool head, and if you see a person,
Say: “Behold, I have vowed to the Most Merciful to fast; therefore, I will not speak to anyone today.”
And she brought him to her people, carrying him. They said, “O Mary, you have indeed done a strange thing!”
O sister of Aaron, your father was no villain, and your mother was no harlot.
And she pointed to him. They said, “How can we speak to him, a child in the cradle?”
He (Jesus) said: “Behold, I am a servant of God. He has given me the Book and made me a prophet. And He has blessed me wherever I am, and commanded me
Prayer and almsgiving, as long as I live,
And love for my mother; and he did not make me arrogant and wretched.
“And peace be upon the day of my birth, the day I die, and the day I am raised to life!”
You know, I described it this way: I said, “He said something that only his mother could understand.” — And then the book went on to say:
“This is Jesus, the son of Mary—the Word of Truth, which they doubt.
It is not befitting of God to beget a son. Glory be to Him! When He decrees a matter, He merely says to it, “Be,” and it is.
And behold, God is my Lord and your Lord; so serve Him; this is the right path.
But the sects are at odds with one another; and woe to the unbelievers on the Day of Testimony!
Let them hear and see for a day when they come to us.
But the unjust are clearly in error today.»
[ 13 ] So spricht diese Urkunde von dem Jesus, von dem in diesem Falle eben nur die eine Gestalt festgehalten wird. Können wir von dieser Urkunde nicht sagen: Derjenige, der ihr glaubt, glaubt wesentlich mehr als mancher, der sich in unserer Zeit nicht nur Christ nennt, sondern das Christentum von Amts wegen lehrt? Glaubt der, der an dieses Dokument fest glaubt, nicht viel mehr von dem Christentum, als ein solcher, der sich heute oftmals Lehrer des Christentums nennt? Und glauben Sie nicht, ich hätte Ihnen ein Dokument vorgelesen etwa — ich weiß nicht, ob Sie es kennen —, das von ein paar Leuten, von einer kleinen Sekte, als das wirkliche Zeugnis für ihren Glauben angesehen wird! Ich habe Ihnen aus dem Koran vorgelesen! Die 19. Sure aus dem Koran habe ich Ihnen vorgelesen, und jeder echte Türke glaubt soviel von Jesus, als in dieser 19. Sure des Koran steht. Damit aber ist uns der Beweis geliefert, daß zahlreiche von denen, die sich unter uns Christen nennen, von diesem Christentum nicht einmal soviel wissen und glauben, daß sie die Berechtigung hätten, sich Türken zu nennen. Man muß schon in unserer Zeit der Wahrheit ins Antlitz schauen. Wer nicht glauben kann, daß es sich um ein Ereignis handelt, das nur aus dem Geiste zu verstehen ist, der ist nicht einmal Türke, viel weniger ein Christ, und er sagt nicht die Wahrheit, wenn er sich einen Christen nennt. Ermüßte wissen, daß ein Türke mehr vom Christentum glaubt als er selber.
[ 13 ] This document speaks of Jesus, of whom, in this instance, only this one aspect is recorded. Can we not say of this document: That whoever believes in it believes far more than many who, in our time, not only call themselves Christians but also teach Christianity in an official capacity? Does not the one who firmly believes in this document believe much more in Christianity than someone who today often calls himself a teacher of Christianity? And do you not think I have read to you a document—I do not know if you are familiar with it—that is regarded by a few people, by a small sect, as the true testimony of their faith! I have read to you from the Quran! I have read to you the 19th surah of the Quran, and every true Turk believes in Jesus to the extent described in this 19th surah of the Quran. This, however, provides us with proof that many of those among us who call themselves Christians do not even know or believe enough about this Christianity to justify calling themselves Turks. Even in our time, one must look the truth in the face. Anyone who cannot believe that this is an event that can only be understood through the spirit is not even a Turk, much less a Christian, and is not telling the truth when he calls himself a Christian. He must realize that a Turk believes more in Christianity than he himself does.
[ 14 ] Ich meine doch, meine lieben Freunde, das sind schon ernste, wirklich ernste Dinge, und es obliegt schon einmal denjenigen, die sich der Geisteswissenschaft widmen, in diese Dinge im Geiste der Wahrheit hineinzuschauen. Denn unwahr ist nicht nur dasjenige, was man als nächste Unwahrheit in einer Behauptung fühlt, sondern unwahr ist es auch, wenn man sich oder einer Sache einen Namen beilegt, durch den man im Zusammenhange der geschichtlichen Entwickelung falsche Vorstellungen hervorruft. Wahr müssen wir nicht nur sein, indem wir dies oder jenes behaupten, sondern wahr müssen wir sein mit unserer ganzen Perönlichkeit, mit unserem ganzen Wesen.
[ 14 ] I do believe, my dear friends, that these are serious, truly serious matters, and it is indeed the responsibility of those who devote themselves to Spiritual Science to examine these matters in the spirit of truth. For what is untrue is not only what one senses as the next falsehood in a statement, but it is also untrue when one assigns a name to oneself or to a matter that, in the context of historical development, gives rise to false mental images. We must be truthful not only in what we assert, but we must be truthful with our whole personality, with our whole being.
[ 15 ] So ist es oftmals von einer Seite, daß diejenigen Menschen der Geisteswissenschaft die Christlichkeit absprechen, die noch nicht einmal Türken sich zu nennen die Berechtigung haben. Aber auch von anderer Seite her steht gegen die Geisteswissenschaft überall das unzulängliche Wissen, das richtig unzulängliche Wissen. Noch auf einen Fall sei heute hingewiesen. Wir sprechen davon, daß unsere Erde sich entwickelt hat aus dem alten Mondendasein. Was wir heute das mineralische Reich nennen, war im alten Mondendasein noch nicht da, das hat sich gewissermaßen erst herauskristallisiert. Wir haben in uns als Menschen die Tiere, die Pflanzen. Sie haben alle das mineralische Reich in sich: Sie sind durchsetzt davon, sie sind auf dem physischen Plan für die jetzige Sinnenwahrnehmung nur dadurch wahrnehmbar, daß sie das mineralische Reich in sich haben. Wir müssen zurückschauen in die alte Mondenzeit. Da haben wir uns den Vorgänger des Menschen zu denken, wie er noch nicht von einem mineralischen Reich durchsetzt war. Lesen Sie in der «Geheimwissenschaft», wie dieses Mondenreich ausgesehen hat, auf dem das mineralische Reich noch nicht verwirklicht war. Lesen Sie, wie alles weiche Substanz, gewissermaßen wässerig war und wie dasjenige, was aus dem Wasser herausgewachsen ist, nur gewissermaßen im Wasser schwamm. Man müßte also auch annehmen: Dasjenige, was sich vom Monde her entwickelt — ich habe dies in früheren Betrachtungen erwähnt, wie vom Monde her unser Hauptorgan sich herüberentwickelt hat —, müßte sich so entwickelt haben, daß es auf dem Mond gewissermaßen geschwommen hätte im Wasser, und dann müßte noch auf dem alten Mond eine andere Art von Wahrnehmung in dem Menschen gelebt haben, der noch nicht seinenübrigen Leib so entwickelt hatte, sondern nur als ein Anhängsel — ich habe das in einer der letzten Betrachtungen auseinandergesetzt — sein gewissermaßen noch ganz anders bewegliches Gehirn auf dem Wasser schwimmend hatte. Aber es sind auch auf dem alten Mond noch wahrnehmbar gewesen die Töne der Sphärenmusik, das Klingen und Wellen der Sphärenmusik. Nun, wie würde es denn da gewesen sein? Draußen Töne, diese Töne in dem Mondenwasser sich fortsetzend, durch einen Apparat, aus dem sich unser heutiger Kehlkopf gebildet hat, sich umsetzend, so daß mitschwang dieses alte auf dem Wasser schwimmende Mondengehirn. Denken Sie sich also die Musik der Welt wellend in dem Weltenmeere, sich umsetzend in die Bilder der Imagination durch einen Apparat, aus dem unser Kehlkopf geworden ist und wieder auflebend als Imaginationen des alten Monden-Traumbewußtseins.
[ 15 ] It is often the case, on the one hand, that those who deny the Christian nature of Spiritual Science are people who do not even have the right to call themselves Turks. But on the other hand, Spiritual Science is universally opposed by inadequate knowledge—truly inadequate knowledge. Let us point out one more case today. We speak of how our Earth developed out of the ancient lunar existence. What we today call the mineral kingdom did not yet exist in the ancient lunar existence; it has, so to speak, only crystallized out since then. As human beings, we have within us the animals and the plants. They all contain the mineral kingdom within themselves: they are permeated by it; on the physical plane, they are perceptible to our present-day senses only because they contain the mineral kingdom within themselves. We must look back to the ancient lunar era. There we must imagine the predecessor of humankind, who was not yet permeated by a mineral kingdom. Read in Occult Science what this Lunar realm looked like, in which the mineral kingdom had not yet been realized. Read how everything was a soft, watery substance, so to speak, and how that which grew out of the water merely floated, as it were, in the water. One would therefore also have to assume: That which developed from the Moon—I have mentioned this in earlier reflections, how our main organ developed from the Moon— must have developed in such a way that it would, so to speak, have floated in the water on the Moon; and then, on the ancient Moon, another kind of perception must have existed in human beings, who had not yet developed the rest of their bodies to such an extent, but rather—as I explained in one of my recent reflections—had their brain, which was, so to speak, still quite different in its mobility, floating on the water as an appendage. But even on the ancient Moon, the sounds of the music of the spheres—the ringing and undulating of the music of the spheres—were still perceptible. Well, what would it have been like there? Sounds from outside, these sounds continuing in the lunar waters, being transformed through an apparatus from which our present-day larynx has developed, so that this ancient lunar brain, floating on the water, resonated along with them. So imagine the music of the world rippling through the ocean of the world, being transformed into images of the imagination through an apparatus from which our larynx has developed, and coming to life again as imaginations of the ancient lunar dream-consciousness.
[ 16 ] Wenn das wirklich so gewesen wäre auf dem alten Monde, dann müßte man das ja jetzt bemerken, man müßte es gewissermaßen dem Menschen ansehen, daß er sich aus so etwas entwickelt hat. Ja, meine lieben Freunde, sieht man es dem Menschen an? Nicht wahr, heute ist die Sphärenmusik verstummt. Dasjenige, was sich aus dem Organ, das die Sphärenmusik auf dem Monde aufgenommen hat, entwickelt hat, ist unser Kehlkopf, der umgeben ist von der Lunge. Unser Gehirn ist in der festen Hülle eingeschlossen. Verrät es noch irgend etwas davon, wie es auf dem alten Monde war, schwimmend auf dem Wasser? Ich will nur die allerhauptsächlichsten Gedanken skizzenhaft ausführen. Was die Leute gewöhnlich lernen vom menschlichen Gehirn, das macht sie durchaus nicht aufmerksam auf dasjenige, um das es sich dabei handelt. Aber die Menschen könnten zum Beispiel das Folgende sich überlegen — einige haben es ja auch überlegt, also es soll niemand Unrecht geschehen —: Dieses menschliche Gehirn hat ein Gewicht von 1350 Gramm. Nun denken Sie sich, wenn Sie 1350 Gramm auf die Hand legen, wie Sie das spüren! Das liegt also da drinnen, 1350 Gramm, und darunter sind die das Gehirn versorgenden Adern, die Blutadern. Das ist so, meine lieben Freunde, daß diese Blutadern zerquetscht würden von 1350 Gramm. Es ist gar keine Rede davon, daß sie, wenn Sie diese Blutadern herlegen würden und die 1350 Gramm auf diese Blutadern, unbeschädigt blieben. Da drinnen bleiben sie unbeschädigt. Warum bleiben diese Blutadern unbeschädigt? Weil es sie überhaupt nicht mit 1350 Gramm drückt! Warum drückt es sie nicht mit 1350 Gramm? Ja, ich erinnere Sie an dasjenige, was Sie vielleicht in den vor langer Zeit aus der Hand gelegten Physikbüchern gelesen haben, daß der alte griechische Forscher einmal im Bade sein «Ich hab’s gefunden!» gerufen hat, als er gewahrte: im Wasser wird er um so viel leichter. Jeder Körper wird so viel leichter im flüssigen oder luftförmigen Körper, in dem er sich befindet, als das Gewicht des luftförmigen oder flüssigen Körpers beträgt, in dem er darin ist, sonst könnte ja auch kein Luftballon in die Höhe fahren. Er verliert so viel von dem Gewicht, als das Gewicht der verdrängten Luft beträgt. Und im Wasser verliert jeder Körper so viel von seinem Gewicht, als das Gewicht des verdrängten Wassers beträgt. — Und das Gehirn schwimmt im Gehirnwasser! Außerdem, daß wir da das Gehirn darin haben, schwimmt das Gehirn wirklich im Gehirnwasser, das außerdem noch herunterläuft durch den Rückenmarkskanal. Das Gehirn schwimmt im Wasser und verliert dadurch, daß es im Wasser schwimmt, so viel von seinem Gewichte, daß es nur mit 20 Gramm drückt. Also das Gehirn, das 1350 Gramm schwer ist, drückt überhaupt nur mit 20 Gramm, weil das Wassergewicht so groß ist: 1350 Gramm weniger 20 Gramm. Das Gehirn schwimmt wirklich im Wasser. Das Gehirn ist wirklich heute noch in der Lage, wie es war auf dem alten Monde. Da drinnen ahmt es noch heute die Form von damals nach, es hat sich nur umgewandelt, ist nur umgeben worden von der übrigen menschlichen Hülle, die aus den Erdengesetzen hervorgegangen ist.
[ 16 ] If that had really been the case on the ancient Moon, then one would have to notice it now; one would have to be able to see, so to speak, that human beings have evolved from something like that. Yes, my dear friends, can you see it in human beings? Isn’t it true that today the music of the spheres has fallen silent? What developed from the organ that received the music of the spheres on the Moon is our larynx, which is surrounded by the lungs. Our brain is enclosed within a solid shell. Does it still reveal anything about how things were on the ancient Moon, floating on the water? I want only to sketch out the most fundamental thoughts. What people usually learn about the human brain does not at all draw their attention to what is actually at stake here. But people could, for example, consider the following—some have indeed considered it, so no one should be wronged—: This human brain weighs 1,350 grams. Now imagine, if you were to place 1,350 grams in your hand, how you would feel it! So that’s what’s in there—1,350 grams—and beneath it are the arteries that supply the brain, the blood vessels. The fact is, my dear friends, that these blood vessels would be crushed by 1,350 grams. There’s no question that if you were to lay those blood vessels out and place the 1,350 grams on top of them, they would remain undamaged. Inside there, they remain undamaged. Why do these blood vessels remain undamaged? Because they aren’t being pressed down by 1,350 grams at all! Why aren’t they being pressed down by 1,350 grams? Yes, I remind you of what you may have read in those physics textbooks you set aside long ago—that the ancient Greek researcher once cried out “I’ve found it!” while in the bath when he realized: in water, he becomes that much lighter. Every object becomes as much lighter in the liquid or gaseous medium in which it is immersed as the weight of that liquid or gas, otherwise a balloon could never rise into the air. It loses as much weight as the weight of the displaced air. And in water, every object loses as much of its weight as the weight of the displaced water. — And the brain floats in cerebrospinal fluid! In addition to the fact that the brain is contained within it, the brain actually floats in cerebrospinal fluid, which also flows down through the spinal canal. The brain floats in water, and because it floats in water, it loses so much of its weight that it exerts a pressure of only 20 grams. So the brain, which weighs 1,350 grams, exerts a pressure of only 20 grams because the weight of the water is so great: 1,350 grams minus 20 grams. The brain truly floats in water. The brain is still capable today of what it was on the ancient Moon. Inside, it still mimics the form it had back then; it has merely transformed and been enveloped by the rest of the human shell, which arose from the laws of the Earth.
[ 17 ] Und sogar die Kommunikation mit der Außenwelt ist noch da. Wenn wir einatmen, dann hebt sich unser Zwerchfell. Das Zwerchfell hebt sich aber nicht nur, sondern dadurch, daß es sich hebt, drückt es auf das ganze Venensystem hier und auf das Gangliensystem, und dadurch wird dasjenige, was angesammelt ist im Rückenmarkskanal an Wasser, ganz hinauf in das Gehirn gedrängt. Also beim Einatmen geht das Wasser aus dem Rückenmarkskanal in das Gehirn hinauf. Beim Ausatmen ist es umgekehrt: das Zwerchfell geht wieder hinunter, das Wasser rinnt etwas ab aus dem Gehirn in den Rücken, in das Rückenmark hinein. Denken Sie sich, wir stehen im Grunde genommen immer noch mit dem Wellenbewegen in der Umwelt in fortwährender Beziehung. Mit jeder Ausatmung senkt sich das Gehirnwasser herunter, mit jeder Einatmung steigt es hinauf, — ein Auf- und Absteigen des Gehirnwassers, in dem das Gehirn drinnen schwimmt. Da haben Sie jenen komplizierten Vorgang, durch den der Mensch heute mehr ist, als er auf dem alten Monde war, durch den er heute, als der Mensch der mechanischen Werkzeuge, dazu in der Lage ist, nicht nur die Imaginationen zu haben, sondern zu denken. Es ist ins Unterbewußtsein hinuntergedrängt dasjenige, was fortwährend mit uns geschieht. Ja, meine lieben Freunde, es geschieht fortwährend: Wir haben immerfort Imaginationen, nur werden sie durch unsere wachen Vorstellungen übertönt, wie ein stärkeres Licht ein schwächeres übertönt. Die Imaginationen sind fortwährend da, und die Imaginationen stehen mit Ausatmen und Einatmen in fortwährender Beziehung. Und nur weil das festere, eben mineralisch durchsetzte Gehirn sich entgegenstellt den Imaginationen, entsteht — durch das Anschlagen der festen Gehirnmasse auf die imaginierende Gehirnwassersubstanz — ein Sublimieren der Imaginationen, ein Extrahieren unserer bewußten Vorstellungen, unserer Gedanken, aus den Imaginationen heraus.
[ 17 ] And even communication with the outside world is still there. When we inhale, our diaphragm rises. But the diaphragm doesn’t just rise; as it rises, it presses on the entire venous system here and on the ganglion system, and as a result, the water that has accumulated in the spinal canal is forced all the way up into the brain. So when we inhale, the water moves from the spinal canal up into the brain. When we exhale, the process is reversed: the diaphragm descends again, and the water flows slightly from the brain down into the back, into the spinal cord. Just imagine: we are, in essence, still in constant interaction with the wave-like movements of the environment. With every exhalation, the cerebrospinal fluid descends; with every inhalation, it rises—a rising and falling of the cerebrospinal fluid in which the brain floats. Therein lies that complex process through which human beings today are more than they were on the ancient Moon, through which they—as people of mechanical tools—are now capable not only of having imaginings but also of thinking. What is constantly happening to us has been pushed down into the subconscious. Yes, my dear friends, it happens constantly: We have imaginations all the time; they are simply drowned out by our mental images, just as a stronger light drowns out a weaker one. The imaginations are constantly present, and they are in a constant relationship with exhalation and inhalation. And it is only because the denser, mineral-infused brain opposes these imaginations that—through the impact of the solid brain matter on the imaginative cerebrospinal fluid—a sublimation of the imaginations occurs, an extraction of our conscious mental images, our thoughts, from within the imaginations.
[ 18 ] Es gibt keine naturwissenschaftliche Wahrheit, welche nicht, wenn sie in richtigem Sinne betrachtet wird, dasjenige, was die Geisteswissenschaft aus geistigen Untergründen heraus sagt, voll bestätigt. Aber man muß ganz anders denken, als heute unter Naturforschern und insbesondere unter deren Nachtretern gedacht wird. Es gibt keinen Widerspruch zwischen Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft, sondern volle Bestätigung des Geisteswissenschaftlichen durch die naturwissenschaftlichen Tatsachen. Aber Angst haben die Leute, deren Beruf es ist, zu wissen; vor den komplizierten Gedanken, vor dem Denken überhaupt haben die Leute eine heillose Angst. Und nur aus dem Grunde, weil heute der Mensch in bequemer Weise lernen kann und dann, wenn er ein bißchen etwas gelesen hat, eine Autorität werden kann, und nicht nur eine Autorität, sondern sogar ein großer Entdecker auf dem Pfade der Wissenschaft, entstehen so viele törichte Theorien. Denn wenn er sich ein paar Begriffe angeeignet hat und ein paar Tatsachen kennt, so kann er heute als Reformator der Wissenschaft auftreten. Ein Mensch braucht gar nichts zu wissen von wirklicher Naturwissenschaft und von den wirklichen geistigen Vorgängen. Gerade weil er nichts weiß, kann er dazu kommen, ein paar Tatsachen, die er beobachtet, zusammenzustellen nach «streng wissenschaftlicher Methode», so nach der Methode, die ich Ihnen neulich in bezug auf die Psychologie der Heiratsannonce vorgeführt habe, die ja auch gegenwärtig in der Psychologischen Gesellschaft, wie Sie wissen aus der letzten Betrachtung, als ein wirkliches Kapitel der neueren Wissenschaft aufgetaucht ist, — et kann, ob es nun die Heiratsannonce ist, oder ob es die menschliche Seele ist, alles im Sinne derselben «streng wissenschaftlichen Methode» machen. Und dann ist es ja schließlich — na, man sagt, glaube ich, im Deutschen: «Jacke wie Hose»! Ob man nun die Jacke ergreift, nicht wahr, und wird Psychologe der Heiratsannonce, oder ob man die Hose ergreift und wird Psychoanalytiker, das ist dann schon eben ganz «Jacke wie Hose». Aber unsere Gläubigen, die selbstverständlich alle Autorität zurückweisen, die hören: Psychologie der Heiratsannonce, in der Psychologischen Gesellschaft vorgetragen— alsoselbstverständlich etwas streng Wissenschaftliches!
[ 18 ] There is no scientific truth which, when considered in the proper sense, does not fully confirm what Spiritual Science asserts on the basis of spiritual foundations. But one must think in a completely different way than is currently the case among natural scientists and, in particular, among their followers. There is no contradiction between Spiritual Science and natural science; rather, the facts of natural science fully confirm the findings of Spiritual Science. But those whose profession it is to know are afraid—they have a hopeless fear of complex ideas, indeed of thinking itself. And it is solely because people today can learn in a convenient way and, once they have read a little, can become an authority—and not just an authority, but even a great discoverer on the path of science—that so many foolish theories arise. For once they have acquired a few concepts and know a few facts, they can present themselves today as reformers of science. A person need not know anything at all about real natural science or about the actual mental processes. Precisely because he knows nothing, he can end up compiling a few facts he has observed according to “strictly scientific method,” that is, according to the method I recently demonstrated to you in connection with the psychology of the marriage ad—which, as you know from our last discussion, has now emerged within the Psychological Society as a genuine chapter of modern science—and whether it’s the marriage ad or the human soul, one can apply the same “strictly scientific method” to everything. And then, after all—well, I believe the German saying goes: “Jacket or pants”! Whether one takes the jacket, right, and becomes a psychologist of marriage advertisements, or whether one takes the pants and becomes a psychoanalyst—that’s really just “jacket or pants.” But our believers, who of course reject all authority, hear: “The Psychology of the Marriage Advertisement,” presented at the Psychological Society—so, naturally, something strictly scientific!
[ 19 ] Das ist dasjenige, was sich als unterbewußte Impulse in die Seelen der Menschen hineinschwätzt. So ist es auf diesem Gebiete, und so ist es eben auch auf dem Gebiete des höheren geistigen Lebens. Wollten die Leute durchschauen. was Geisteswissenschaft gerade über das Mysterium von Golgatha geben kann, und alles dasjenige, was damit zusammenhängt, dann würden sie sehen, wie durch das Anrufen der drei Welten dieses Mysterium von Golgatha eine Beleuchtung erhält, durch die es wirklich der Mittelpunkt alles unseres zum Geistigen hinstrebenden Empfindens der Gegenwart werden kann, so, wie es dem geistigen Bedürfnisse dieser Gegenwart angemessen ist. Weil aber am Christentum heute allzuviele derjenigen herumarbeiten, die nicht einmal das Recht haben, sich Türken zu nennen — wie wir streng nachgewiesen haben —, so ist es kein Wunder, wenn durch die offiziellen Vertreter des Christentums ein wirkliches Begreifen des Mysteriums von Golgatha gerade abgelehnt wird. Aber wir dürfen hoffen: Die ernsten Zeichen, die in unsere Zeit hereinwinken, sie werden in vielen, vielen Menschen Sehnsuchten erzeugen, die nur gestillt werden können durch dasjenige, was eine wirkliche geistige Wissenschaft geben kann. Und sie werden immer mehr und mehr, immer größer und größer die Zahl derjenigen machen, die nicht mehr hinhören, wenn ihnen vom Geiste feuilletonistisch gesprochen wird, wie es etwa Eucken macht, und die sich nicht unter die Autorität derer begeben, die, wenn eine Autorität sagt, es käme nicht auf die Auferstehung an, sondern darauf, daß man an die Auferstehung glaubt, es lesen, aber nicht einmal wissen, daß sie es gelesen haben.
[ 19 ] This is what creeps into people’s souls as subconscious impulses. This is how it is in this realm, and this is also how it is in the realm of higher spiritual life. If people were to see through what Spiritual Science has to offer specifically regarding the Mystery of Golgotha, and everything connected with it, they would see how, through the invocation of the three worlds, this Mystery of Golgotha is illuminated in such a way that it can truly become the center of all our present-day feelings that strive toward the spiritual, in a manner appropriate to the spiritual needs of our time. But because there are far too many people working within Christianity today who do not even have the right to call themselves Christians—as we have rigorously demonstrated—it is no wonder that the official representatives of Christianity actually reject a true understanding of the Mystery of Golgotha. But we may hope: The serious signs beckoning into our time will awaken longings in many, many people that can only be satisfied by what a true spiritual science can offer. And they will cause the number of those who no longer listen when the spirit is discussed in a sensationalist manner—as Eucken does, for example—and who do not submit to the authority of those who, when an authority says that what matters is not the Resurrection but rather believing in the Resurrection, they read it, but do not even realize that they have read it.
[ 20 ] In Wahrheit leben, als ganzer Mensch wahr sein wollen, das wird der künftigen Zeit Losung sein. Und dann wird in eine Menschheit, die so in der Wahrheit leben will, das Mysterium von Golgatha leuchten so, daß selbst von anderen fernen Sternen ein Geist herunterschauen könnte: er würde den Sinn der Erdenentwickelung in demjenigen sehen, was das Mysterium von Golgatha war. Aber er würde auch sagen: Die Menschen haben den Sinn der Erde begriffen, denn das heißt: das Mysterium von Golgatha begreifen.
[ 20 ] To live in truth, to strive to be true as a whole human being—that will be the watchword of the future. And then, within a humanity that wishes to live in this way in truth, the Mystery of Golgotha will shine so brightly that even a spirit from distant stars might look down: it would see the meaning of Earth’s evolution in what the Mystery of Golgotha was. But it would also say: Human beings have grasped the meaning of the Earth, for that is what it means to grasp the Mystery of Golgotha.
[ 21 ] Davon das nächste Mal weiter.
[ 21 ] More on that next time.
