The Present and the Past in the Human Spirit
GA 167
23 May 1916, Berlin
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The Present and the Past in the Human Spirit, tr. SOL
11. Ein Stück aus der jüdischen Haggada
11. An excerpt from the Jewish Haggadah
[ 1 ] Wir haben uns das letztemal mit der überraschenden Tatsache bekannt gemacht, daß eine große Zahl derjenigen, welche im Abendlande von dem Christus Jesus von Amts wegen sprechen, nicht so viel von diesem Christus Jesus glauben, nicht so viel für wahr halten, als jeder echtgläubige Mohammedaner, jeder echtgläubige Bekenner des Koran für wahr hält über den Jesus. Und wir haben gesehen, daß uns ja in der Auffassung des Jesus des Koran helfen kann unsere Einsicht, die wir uns gerade über die Gestalt des Christus Jesus verschafft haben, den wir anerkennen, wenn wir uns in der richtigen Weise in das vertiefen können, was uns die Geisteswissenschaft lehrt: daß die Zarathustra-Seele bis zum zwölften Jahre sich in dem Leibe des salomonischen Jesusknaben befand. Wir wissen, daß dann dieseZarathustra-Seele hinübergehtin den Leibdesnathanischen JesusKnaben, und daß dann im dreißigsten Jahre des Lebens dieses Jesus der Christus-Geist Besitz ergreift von dem, was sich in dieser Weise entwickelt hat.
[ 1 ] Last time, we became acquainted with the surprising fact that a large number of those in the West who speak of Christ Jesus as a matter of duty do not believe as much about this Christ Jesus, do not hold as much to be true, as every true believer in Islam, every true adherent of the Qur’an, holds to be true about Jesus. And we have seen that our understanding—which we have just gained regarding the figure of Christ Jesus, whom we acknowledge—can indeed help us in our conception of the Jesus of the Qur’an, provided we are able to delve deeply and correctly into what Spiritual Science teaches us: that the Zarathustra soul resided in the body of the Solomonic Jesus boy until the age of twelve. We know that this Zarathustra soul then passes into the body of the Nathanic Jesus boy, and that in the thirtieth year of this Jesus’ life, the Christ Spirit takes possession of what has developed in this way.
[ 2 ] Wenn man den Jesus-Begriff des Koran nimmt — das haben wir das letztemal gesehen —, so deckt er sich selbstverständlich, wie das aus bestimmten Gründen sein muß, in einer gewissen Beziehung mit dem nathanischen Jesus. Sogar dasjenige, was ich zu sagen genötigt war aus rein geisteswissenschaftlichen Voraussetzungen heraus: daß das nathanische Jesuskind sogleich bei seiner Geburt gesprochen hat, das finden Sie mitgeteilt im Koran. So daß also der Jesus-Begriff mancher Theologen, die sich zu einer gewissen sogenannten freigeistigen Richtung bekennen, sie nicht nur nicht berechtigt, sich im wahren Sinne Christen zu nennen, sondern sie nicht einmal berechtigen würde, sich «Türken» zu nennen. Es wird in der Tat von vielen Seiten in unserer Mitte eine Lehre verkündet, die in bezug auf die Jesus-Auffassung nicht auf der Stufe steht, auf der die JesusAuffassung des Türken steht. Ich wollte das letztemal gerade auf diese überraschende Tatsache hinweisen aus dem Grunde, weil vielleicht gerade daraus für manche Menschen ersichtlich werden könnte, in wie hohem Maße es eine Aufgabe gerade unserer abendländischen Kultur ist, insofern diese zum Geistigen strebt, immer mehr und mehr sich zu vertiefen in die Wesenheit des Mysteriums von Golgatha, jenes Mysteriums, von dem man sagen kann, daß, wenn wir alle unsere Erkenntnisse aus den verschiedenen Welten zusammennehmen, diese nur dann, wenn wir sie wirklich in alleremsigstem Sinne anwenden, uns einigermaßen hinweisen können auf dasjenige, was für die Erden-Entwickelung durch das Mysterium von Golgatha eigentlich geschehen ist. Wir haben uns schon bekannt gemacht damit, wie wenig eigentlich gedient ist auch auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft mit den schematischen Erkenntnissen, wie es notwendig ist, immer genauer und genauer von den verschiedensten Seiten her diese Dinge wirklich zu beleuchten. Daraus werden Sie ersehen, wie gut es sein kann, auch etwas näher noch von gewissen Gesichtspunkten aus einzugehen auf dasjenige, was uns entgegentritt bei der Betrachtung des Christus Jesus, erstens durch die salomonische Abstammung, zweitens durch das Wohnen der Zarathustra-Seele in einem Leibe, der aus der salomonischen Linie abstammt, und dann wiederum, wie gut es ist, einzugehen auf dasjenige, was etwas beleuchten kann die Gestalt des nathanischen Jesus und so weiter. Daher möchte ich heute ausgehen davon, etwas zu sprechen über Salomo und über dasjenige, was mit der Gestalt des Salomo zusammenhängt.
[ 2 ] If one takes the concept of Jesus as presented in the Quran—as we saw last time—it naturally corresponds, as it must for certain reasons, in a certain respect to the Nathanic Jesus. Even what I was compelled to say based purely on premises of Spiritual Science—namely, that the Nathanic infant Jesus spoke immediately upon his birth—is stated in the Qur’an. Thus, the concept of Jesus held by some theologians who profess a certain so-called “free-thinking” orientation not only does not entitle them to call themselves Christians in the true sense, but would not even entitle them to call themselves “Turks.” In fact, a doctrine is being preached from many quarters among us that, with regard to the conception of Jesus, does not stand on the same level as the Turks’ conception of Jesus. I wanted to point out this surprising fact last time precisely because it might make it clear to some people just how much it is the task of our Western culture—insofar as it strives toward the spiritual—to delve ever more deeply into the essence of the Mystery of Golgotha, that Mystery of which it can be said that, if we take all our insights from the various worlds and apply them in the most diligent sense, only then can they to some extent point us toward what actually took place for the development of the Earth through the Mystery of Golgotha. We have already seen how little good schematic insights actually serve us, even in the field of Spiritual Science, and how necessary it is to shed light on these matters with ever greater precision from a wide variety of perspectives. From this you will see how beneficial it can be to examine in even greater detail, from certain perspectives, what confronts us when we consider Christ Jesus—first, through his Solomonic lineage, second, through the indwelling of the Zarathustra soul in a body descended from the Solomonic line, and then, in turn, how beneficial it is to explore what can shed light on the figure of the Nathanic Jesus, and so on. Therefore, I would like to begin today by speaking a little about Solomon and about what is connected with the figure of Solomon.
[ 3 ] Wenn man dasjenige nimmt, was von der Lehre des alten Judentums erhalten ist in den Begriffen, in den Ideen dieses Judentums — ich meine, was erhalten ist im Talmud oder den anderen Schriften, abgesehen vom Alten Testament, mit dem es ja anders ist —, so bekommt man eigentlich nurmehr mangelhafte Begriffe von dem ganzen Inhalte der Vorstellungswelt des Judentums. Namentlich bekommt man mangelhafte Begriffe von den Vorstellungen, die sich knüpfen an solch eine Gestalt, wie es die des Salomo ist. Man nennt dasjenige, was mehr begrifflich erhalten ist von der jüdischen Lehre Halacha, dagegen Haggada dasjenige, was so erhalten ist, daß der moderne Mensch sagt, es seien Märchen, Bilder, Legenden. In Wirklichkeit aber gehen solche Märchen, solche Bilder, solche Legenden zurück auf Schauungen in der geistigen Welt, auf dasjenige, was in der geistigen Welt geschaut worden ist, oder was gelernt worden ist dadurch, daß in der geistigen Welt geschaut worden ist. Auf imaginative Erkenntnisse gehen solche Märchen, solche Sagen, solche Legenden zurück, wie sie auch enthalten sind in der jüdischen Haggada.
[ 3 ] If one takes what has been preserved of the teachings of ancient Judaism in terms of the concepts and ideas of that Judaism—I mean, what has been preserved in the Talmud or other writings, apart from the Old Testament, which is a different matter—one actually gains only incomplete concepts of the entire content of the Jewish worldview. In particular, one gains incomplete concepts of the mental images associated with a figure such as Solomon. What has been preserved in a more conceptual form from Jewish teaching is called Halakha, whereas Haggadah refers to that which has been preserved in such a way that modern people regard it as fairy tales, images, or legends. In reality, however, such fairy tales, such images, and such legends go back to visions in the spiritual world—to what has been seen in the spiritual world, or what has been learned through having seen in the spiritual world. Such fairy tales, such myths, and such legends are rooted in imaginative insights, just as they are also contained in the Jewish Haggadah.
[ 4 ] Nun will ich Ihnen ein kleines Stück dieser Haggada heute zum Ausgangspunkt unserer Betrachtung machen, jenes Stück, welches einen wichtigen Moment im Leben des Königs Salomo behandelt. Das wollen wir also zum Ausgangspunkt unserer Betrachtung machen. Dieses Stück der jüdischen Bilder-Tradition über Salomo lautet:
[ 4 ] Today, I would like to use a short passage from this Haggadah as the starting point for our discussion—the passage that deals with an important moment in the life of King Solomon. So let us take this as the starting point for our discussion. This passage from the Jewish pictorial tradition about Solomon reads:
[ 5 ] Rabbi Jochanam sagte: «Die Füße des Menschen bürgen für ihn, daß sie ihn bringen an den Ort, wo er abgefordert wird.» Von jenen beiden Mohren wird uns erzählt, die zur Umgebung Salomos gehörten: Elichoref, Achijah, die Söhne Scheschas, welche Schreiber Salomos waren. Eines Tages sah Salomo den Engel des Todes, der traurig war, und er sprach zu ihm: «Warum bist du so traurig?» Darauf sagte der Engel des Todes: «Weil die beiden Mohren hier von mir verlangt werden.» Da übergab Salomo seine beiden Mohren den Seirim. — Seirim sind Dämonen, die sich für die bildliche Anschauung so anschauen wie Böcke und die durch die Luft fliegen können. — Da übergab Salomo seine Mohren den Seirim und schickte sie in die Stadt Lus. Als sie dort anlangten — die beiden Mohren nämlich —, starben sie. Tags darauf sah Salomo den Engel des Todes wieder. Der lachte nun. Da sagte Salomo zum Engel des Todes: «Warum lachst du?» Und der Engel des Todes erwiderte: «Du schicktest sie gerade an den Ort, wo man sie von mir verlangte.» Sogleich hub Salomo an und sprach: «Die Füße des Menschen bürgen für ihn, daß sie ihn bringen an den Ort, woselbst er gewünscht wird.»
[ 5 ] Rabbi Yochanan said: “A person’s feet guarantee that they will bring him to the place where he is summoned.” We are told of those two Moors who were part of Solomon’s entourage: Elichoref and Ahijah, the sons of Sheshah, who were Solomon’s scribes. One day, Solomon saw the Angel of Death, who was sad, and he said to him, “Why are you so sad?” The Angel of Death replied, “Because these two Moors are being demanded of me.” Then Solomon handed his two Moors over to the Seirim. — The Seirim are demons that, to the human eye, look like goats and can fly through the air. — So Solomon handed his Moors over to the Seirim and sent them to the city of Lus. When they arrived there—the two Moors, that is—they died. The next day, Solomon saw the Angel of Death again. The angel was laughing. Then Solomon said to the Angel of Death, “Why are you laughing?” And the Angel of Death replied, “You sent them right to the place where they were demanded of me.” Immediately Solomon began to speak and said, “A man’s feet guarantee that they will bring him to the place where he is desired.”
[ 6 ] Also Salomo hatte mit dem Engel des Todes ein Erlebnis, welches ihm bewahrheitete dasjenige, was als eine allgemeine Wahrheit der Rabbi Jochanam sagte: Des Menschen Füße bürgen dafür, daß er dem Orte übergeben werde, für den er abgefordert werde.
[ 6 ] So Solomon had an encounter with the angel of death, which confirmed to him what Rabbi Yochanan had said as a universal truth: A person’s feet guarantee that he will be delivered to the place for which he is summoned.
[ 7 ] Nun werden Sie gestehen, meine lieben Freunde, daß in dieser Erzählung, die uns die Haggada mitteilt, manches ist, worüber man die verschiedensten Fragen stellen kann. Zunächst hören wir: Die Füße des Menschen bürgen dafür, daß er eben dem Orte übergeben werde, für den er gewünscht wird. Warum wird gerade von den Füßen gesprochen? Denn in solchen alten Bilder-Legenden ist ja nichts irgendwie gleichgültig, sondern alles hat seine bestimmte tiefe Bedeutung. Das ist also die erste Frage, die man stellen kann. Dann wird uns eine weitere Frage die sein müssen: Warum der Todesengel traurig war, da er vor Salomo erschien mit der Aussage, er habe seine beiden Schreiber zu holen. Sehen Sie, Traurigsein des Todesengels, dafür gibt es eigentlich in der Legende, wie es scheint, zunächst keine Erklärung; denn es wäre natürlich eine Plattheit, wenn man meinte, daß der Todesengel irgendwie traurig wäre, weil er die beiden holen muß. Das ist ja schließlich seine Aufgabe, und man würde gar nicht begreifen können, daß er traurig sein sollte. «Und Salomo sprach zu ihm: Warum bist du so traurig?» Was bedeutet also diese Frage? Darauf sagte der Engel des Todes: Weil die beiden Mohren hier — also die Schreiber des Königs Salomo — von ihm verlangt werden, weil er die holen soll. Aber Salomo übergibt sie den Dämonen, die sie in die Stadt Lus tragen. Ja, sehen Sie, die Stadt Lus, das ist eine Frage, die leichter beantwortet werden kann, denn die Stadt Lus war eine Stadt, in der eine sonderbare Einrichtung war, nämlich daß man in dieser Stadt nicht sterben durfte, daher diejenigen Menschen, denen der Tod nahte, vor die Stadt hinausgetragen wurden. Es war die einzige Stadt, welche diese Einrichtung hatte zu jener Zeit. Nun könnte man natürlich leicht glauben, es handle sich überhaupt nur um Angabe dieser Sache. Aber das ist nur hineinverwoben. Es wird also angedeutet: Salomo hört vom Todesengel, seine beiden Schreiber müssen sterben. Da schickt er sie in die Stadt Lus, weil er glaubt, wenn sie in der Stadt Lus sind, da kann der Todesengel sie nicht holen. Aber siehe da, diese Erzählung aus der Haggada, die ich Ihnen mitgeteilt habe, ist an vielen Orten der jüdischen Tradition vorhanden. An anderen Orten wird uns mitgeteilt, daß sie eben gerade vor den Toren der Stadt hinfielen bei ihrem Fluge, so daß sie noch nicht in der Stadt angelangt waren; da konnte sie der Todesengel doch holen. Aber dann, am nächsten Tag, da steht der Todesengel lachend vor Salomo. Und jetzt könnte man erst recht platt sagen: Nun ist der Todesengel froh, daß es ihm doch gelungen ist, die beiden zum Sterben zu bringen, und deshalb lacht er. Salomo erkennt nun die Wahrheit an, von der eigentlich der Rabbi Jochanam sprechen will: daß die Füße des Menschen wirklich dafür bürgen, daß er an den Ort gebracht werde, wo er gewünscht wird.
[ 7 ] Now you will admit, my dear friends, that in this story, which the Haggadah tells us, there are many things about which one can ask a wide variety of questions. First of all, we hear: A person’s feet guarantee that he will be sent precisely to the place for which he is destined. Why are the feet specifically mentioned? For in such ancient pictorial legends, nothing is in any way incidental; rather, everything has its own specific, profound meaning. So that is the first question one might ask. Then another question must arise: Why was the Angel of Death sad when he appeared before Solomon, stating that he had come to fetch his two scribes? You see, the Angel of Death’s sadness—there actually seems to be no explanation for it in the legend at first; for it would, of course, be a cliché to think that the Angel of Death was somehow sad because he had to take the two men. After all, that is his duty, and one could not possibly understand why he should be sad. “And Solomon said to him, ‘Why are you so sad?’” So what does this question mean? To this, the Angel of Death replied: “Because these two Moors here—that is, King Solomon’s scribes—are being demanded of him, because he is supposed to fetch them.” But Solomon hands them over to the demons, who carry them to the city of Lus. Yes, you see, the city of Lus—that’s a question that’s easier to answer, because the city of Lus was a city with a peculiar custom: namely, that one was not allowed to die within its walls, so those whose death was approaching were carried outside the city. It was the only city that had this custom at that time. Now, of course, one might easily believe that this is merely a matter of stating the facts. But that is merely woven into the narrative. So it is implied: Solomon hears from the Angel of Death that his two scribes must die. He then sends them to the city of Lus, because he believes that if they are in the city of Lus, the Angel of Death cannot take them. But lo and behold, this story from the Haggadah, which I have shared with you, appears in many places within Jewish tradition. In other accounts, we are told that they fell right outside the city gates during their flight, so that they had not yet reached the city; thus, the Angel of Death was still able to take them. But then, the next day, the Angel of Death stands before Solomon, laughing. And now one might quite simply say: Now the Angel of Death is glad that he has succeeded after all in bringing the two to their deaths, and that is why he is laughing. Solomon now acknowledges the truth that Rabbi Yochanan actually wants to convey: that a person’s feet truly ensure that he is brought to the place where he is meant to be.
[ 8 ] Nichts ist in der Regel unnötig in solchen Beschreibungen. Bedeutsam ist es sogar, daß die beiden Schreiber, die beiden Mohren, Söhne des Schescha sind, der selber Schreiber bei David war. Es wird also angedeutet, daß diese beiden Schreiber des Königs Salomo schon etwas Besonderes waren. Das alles müssen wir zusammennehmen, wenn wir das ganze Schwergewicht der Fragen empfinden wollen, die uns auftauchen können da, wo von einem wichtigen Erkenntnis-Momente im Leben des Königs Salomo gesprochen wird.
[ 8 ] As a rule, nothing in such descriptions is superfluous. It is even significant that the two scribes, the two Ethiopians, are sons of Sheshai, who himself was a scribe to David. This suggests, then, that these two scribes of King Solomon were already something special. We must take all of this into account if we are to grasp the full weight of the questions that may arise when we encounter a significant moment of insight in the life of King Solomon.
[ 9 ] Nun bedenken wir, daß von dem König Salomo bekannt ist, daß er weise nicht bloß deshalb hieß, weil er gescheit war, wie die modernen gescheiten Menschen gescheit sind, sondern weil er wirkliche Einblicke hatte in die geistige Welt, weil er in die geistige Welt hineinschauen konnte und weil die geistige Welt vor ihm offen war. Salomo sollte erfahren jene Wahrheit, welche der Rabbi Jochanam wieder mitteilte, die Wahrheit, was es mit den Füßen des Menschen für eine Bewandtnis habe.
[ 9 ] Now let us consider that King Solomon is known not merely to have been called wise because he was intelligent—in the way that modern intelligent people are intelligent—but because he possessed genuine insights into the spiritual world, because he could look into the spiritual world, and because the spiritual world was open to him. Solomon was to learn the truth that Rabbi Yochanan later imparted—the truth about the significance of the human feet.
[ 10 ] Sehen Sie, wenn wir den Menschen betrachten und ihn vergleichen mit der Tierheit, so sollte eigentlich — ich habe das schon öfter erwähnt — das bedeutsamste Kennzeichen für die Unterscheidung des Menschen von der Tierheit dieses sein, daß der Mensch sein Rückgrat aufrecht hat, senkrecht auf die Erde, auf die Erdenfläche, das Tier es waagrecht hat. Ich hoffe, man wird mir nicht das Känguruh oder dergleichen einwenden, denn selbstverständlich sind das Ausnahmen; diese Ausnahmen könnten auch erklärt werden, wenn wir uns auf die Einzelheiten der Sache einlassen könnten. Aber darum handelt es sich nicht. Das wesentlichste Kennzeichen zunächst in bezug auf die äußere Formung ist schon dieses, daß der Mensch ein aufrechtes, das Tier ein horizontales Rückgrat hat. Wenn wir eine Linie ziehen durch das Rückgrat des Tieres, so wird ja, wenn wir die Hauptrichtung einhalten, diese Linie nicht ganz gerade, sondern etwas gebogen. Ich sehe von der S-förmigen Richtung ab, und ich nehme die Biegung etwas nach unten. Im wesentlichen, wenn wir das Durchschnitts-Krümmungsmaß bei den Tieren nehmen, werden wir finden, daß wir diese Linie, die durchs Rückgrat geht, zu einem Kreis erweitern könnten, der ganz um die Erde herum geht. Ein richtiger Umkreis um die Erde! Das heißt, wenn wir einen Parallel-Kreis ziehen zur Erde, so geht der durch das Rückgrat des Tieres. Wenn wir denselben Kreis für den Menschen ziehen würden mit seinem Rückgrat, so ginge der natürlich nicht um die Erde herum, sondern wenn Sie ihn vollständig klar denken könnten, so würden Sie finden, daß dieser Kreis, der dadurch entsteht, einen Mittelpunkt hat: Beim Tier haben Sie gerade gesehen, sein Mittelpunkt würde der Mittelpunkt der Erde sein; beim Menschen aber würde der Mittelpunkt der Mittelpunkt des Mondes sein. Warum? Weil der Mensch diejenige Entwickelungsstufe, die das Tier heute mit Bezug auf die Erde durchmacht, schon während der alten Mondenzeit durchgemacht hat, und das ist ihm als ein Erbstück geblieben, daß er mit dem, was vom Mond übrig geblieben ist, so zusammenhängt, wie das Tier mit der Erde zusammenhängt.
[ 10 ] You see, when we look at human beings and compare them to animals, the most significant distinguishing feature—as I have mentioned many times before—should actually be that humans have an upright spine, perpendicular to the earth, to the earth’s surface, whereas animals have a horizontal spine. I hope no one will object by citing the kangaroo or similar animals, for these are, of course, exceptions; these exceptions could also be explained if we were able to delve into the details of the matter. But that is not the point. The most essential distinguishing feature, at least in terms of external form, is precisely this: that humans have an upright spine, while animals have a horizontal one. If we draw a line through the animal’s spine, then—provided we follow the main direction—this line will not be completely straight but slightly curved. I will disregard the S-shaped curve and assume the curve points slightly downward. Essentially, if we take the average degree of curvature in animals, we will find that we could extend this line running through the spine into a circle that goes all the way around the Earth. A true circle around the Earth! That is to say, if we draw a circle parallel to the Earth, it would pass through the animal’s spine. If we were to draw the same circle for a human being using their spine, it would of course not go all the way around the Earth; but if you could visualize it clearly, you would find that this resulting circle has a center: in the case of the animal, as you have just seen, its center would be the center of the Earth; in the case of the human being, however, the center would be the center of the Moon. Why? Because human beings have already undergone, during the ancient Moon era, the very stage of development that animals are currently undergoing in relation to the Earth, and this has remained with them as a legacy: they are connected to what remains of the Moon in the same way that animals are connected to the Earth.
[ 11 ] Also der Mensch hängt mit dem, was vom Monde übrig geblieben ist, so zusammen, wie das Tier mit der Erde zusammenhängt. Der Mensch hat sich also seinem Planeten entrissen. Er ist nicht so mit seinem Planeten verbunden, wie das Tier. Er ist in bezug auf seine äußere physische Wesenheit gewissermaßen von seinem Planeten losgerissen. Aber er ist insofern losgerissen, als eine Seite seines Wesens von diesem Planeten losgekommen ist. Statt daß der Kreis, von dem ich gesprochen habe, um die Erde herumgeht, geht er in die Erde hinein. Dadurch aber hat der Mensch seine Fuß-Stellung zur Erde empfangen, dadurch ist der Mensch mit einer Kraft mit der Erde verbunden, die ausgedrückt wird durch die Art und Weise, wie seine Füße zur Erde stehen. Mit dem ganzen Herübergehen des Menschen von der Mondenentwickelung zur Erdenentwickelung hängt dieses zusammen, daß die Hände entrissen worden sind der Erde, die Füße noch mit der Erde zusammenhängen. Versteht man des Menschen Form so, wie sie sich gebildet hat beim Herübergang von der Mondenentwickelung zur Erdenentwickelung, so muß man sagen: Insoweit gehört der Mensch der Erde an, als die Erde vermocht hat, einen Teil von ihm in der Richtung der Füße und in der ganzen Gestaltung der Füße an sich zu ziehen.
[ 11 ] So human beings are connected to what remains of the Moon in the same way that animals are connected to the Earth. Human beings have thus torn themselves away from their planet. They are not connected to their planet in the same way that animals are. In terms of their outer physical nature, they have, in a sense, been torn away from their planet. But he has been torn away insofar as one aspect of his being has become detached from this planet. Instead of the circle I spoke of circling around the Earth, it extends into the Earth. Through this, however, human beings have received their footing on the Earth; through this, human beings are connected to the Earth by a force that is expressed in the way their feet stand on the Earth. This is connected to humanity’s entire transition from the lunar stage of development to the earthly stage: the hands have been torn away from the Earth, while the feet are still connected to it. If one understands the human form as it took shape during the transition from lunar development to earthly development, one must say: To the extent that the Earth was able to draw a part of the human being toward itself—in the direction of the feet and in the entire structure of the feet—the human being belongs to the Earth.
[ 12 ] Was bürgt also der Erde dafür, daß der Mensch zur Erde kommt ? Das Geheimnis seiner Fuß-Stellung bürgt dafür! Das Wort, das im Hebräischen an dieser Stelle steht: «Die Füße bürgen dafür», das ist genau dasselbe Wort, das man gebraucht, wenn zum Beispiel irgendwie für ein Kapital durch etwas Bürgschaft gehalten wird, genau dasselbe Wort. Das Wort bedeutet, daß die Füße zurückbehalten sind von der Menschwerdung, so daß sie Bürge sind dafür, daß der Mensch nach einer Seite seines Wesens mit der Erde zusammenhängt. Sie sehen also, damit ist nicht etwa gemeint, als ob die Füße den Menschen nach dem Orte seines Todes hintragen würden; sondern das ganze Geheimnis der menschlichen Gestalt liegt in diesem Satze, wie es Salomo erkannt hat dadurch, daß er in die geistige Welt hat hineinschauen können. Was ich jetzt umschrieben habe mit Worten, das hat sich also Salomo geoffenbart, als er diese Erscheinung des Engels des Todes hatte. Und wir sehen an diesem Beispiel wiederum, wie eine Weisheit bei den Menschen vorhanden war, welche wir ja einmal in den letzten Betrachtungen die Urweisheit genannt haben, und die vergangen ist, damit dem Menschen Gelegenheit gegeben werde, während der Erdenentwickelung, aus sich heraus in Verbindung mit der Freiheit sich wiederum Weisheit zu erringen.
[ 12 ] So what guarantees to the earth that man will come to it? The mystery of his stance guarantees it! The word that appears in Hebrew at this point—“The feet guarantee it”—is exactly the same word used, for example, when something serves as collateral for a loan; it is exactly the same word. The word means that the feet are held back from the process of becoming human, so that they serve as a guarantee that, in one aspect of his being, man is connected to the earth. So you see, this does not mean, for example, that the feet carry the human being to the place of his death; rather, the entire mystery of the human form lies in this sentence, as Solomon recognized through his ability to look into the spiritual world. What I have now described in words was thus revealed to Solomon when he had this vision of the Angel of Death. And we see in this example once again how a wisdom existed among human beings—which we once called “primordial wisdom” in our recent reflections—and which has passed away so that human beings might be given the opportunity, during the course of Earth’s evolution, to attain wisdom anew from within themselves in conjunction with freedom.
[ 13 ] Ein nächstes Rätsel in dieser Erzählung kann uns sein, daß der Todesengel einmal traurig ist, das andere Mal lacht. Lachen und Weinen, das wird für die wenigsten Menschen in der Gegenwart eine Erkenntnis-Frage, und wenn sie es wird, dann sehen die Antworten auch wirklich zuweilen recht betrüblich aus — in demjenigen Zeitalter, in dem es, wie wir gehört haben, sogar eine Psychologie der Heiratsannonce als ernsthafte Wissenschaft gibt. Und dennoch gibt es, ich möchte sagen, nahe Gelegenheiten, einmal nachzudenken darüber, wie es sich mit Lachen und Weinen verhält, denn das Volk macht sich schon eine, ich möchte sagen, sehr weisheitsvolle Idee zunächst über das Lachen. Wenn Sie auf dem Lande draußen sind, so werden Sie es schon vernehmen können, daß, wenn einer so auf der Straße für sich allein geht und anfängt zu lachen, der Mann aus dem Volke da sagen wird: Bei dem ist’s nicht recht, mit dem stimmt etwas nicht! — Nicht wahr, das weist schon auf eine eigentlich tiefere Einsichtsgrundlage, das weist dahin, daß ein Urteil gefällt wird, daß man eigentlich, wenn man allein ist, als vernünftiger Gegenwartsmensch nicht lacht. Und man lacht ja auch wirklich nur in Gesellschaft. Gewiß sind ja auch da Ausnahmen vorhanden, aber im wesentlichen gilt das doch, was ich eben ausgesprochen habe. Das Lachen ist also etwas, meine lieben Freunde, was man sozusagen nur in Gesellschaft tut. Beim Weinen ist das nicht in so starkem Maße der Fall. Weinen wird man vielleicht gerade, wenn man recht weint, lieber in der Einsamkeit, denn diejenigen Menschen, die gerne in Gesellschaft weinen, wenn es gesehen wird, sind vielleicht nicht diejenigen, an deren Ehrlichkeit des Weinens man immer so recht glauben kann. Der Bauer denkt nicht so besonders nach, wenn er jemanden sieht, der allein lacht, aber er fällt das Urteil: Mit dem ist irgend etwas nicht richtig, stummt irgend etwas nicht. Nun, was liegt denn da eigentlich zugrunde?
[ 13 ] Another mystery in this story may be that the Angel of Death is sometimes sad and other times laughs. Laughter and tears—for very few people today, this is a matter of deep reflection; and when it does become one, the answers sometimes seem quite disheartening—in an age in which, as we have heard, there is even a “psychology of the marriage advertisement” considered a serious science. And yet there are, I would say, opportunities close at hand to reflect on the nature of laughter and tears, for the common people already have, I would say, a very wise understanding of laughter to begin with. If you’re out in the countryside, you’ll hear that when someone is walking alone down the street and starts to laugh, the man from the common folk will say: “Something’s not right with him; there’s something wrong with him!” — Isn’t that so? This already points to a deeper foundation of insight; it indicates that a judgment is being made—namely, that as a reasonable, modern person, one does not actually laugh when alone. And indeed, one really only laughs in company. Of course, there are exceptions, but essentially what I have just said holds true. Laughter, then, my dear friends, is something one does, so to speak, only in company. This is not the case to the same extent with crying. One might prefer to cry—especially when one is truly crying—in solitude, for those people who like to cry in company, where they can be seen, are perhaps not the ones whose sincerity in crying one can always quite trust. A farmer doesn’t give it much thought when he sees someone laughing alone, but he passes this judgment: “There’s something wrong with that person; something isn’t quite right.” Well, what is actually underlying this?
[ 14 ] Wirklich, meine lieben Freunde, solche Erscheinungen des Menschenlebens wie Lachen und Weinen zu verstehen, dazu ist schon notwendig, daß man sich auf die Geisteswissenschaft einläßt. Denn sehen Sie, sogar schon für das rein materielle Dasein stimmt eigentlich das nicht ganz, was man so im allgemeinen Bewußtsein hat. Ich habe öfter darauf aufmerksam gemacht: Wenn ein Mensch vor uns steht, so wird jemand vom Gesichtspunkt des allgemeinen Bewußtseins aus, wenn er gefragt wird: Was gehört denn zu diesem Menschen? — sagen: Was innerhalb der Haut ist. Nicht wahr, das gehört zum Menschen, was innerhalb der Haut ist. Und wenn man nicht besonders tief nachdenkt, so hat man selbst, wenn man durch die Welt geht, die Meinung, daß man das zum Menschen zu rechnen hat, was innerhalb der Haut ist.
[ 14 ] Truly, my dear friends, in order to understand such aspects of human life as laughter and tears, it is necessary to engage with Spiritual Science. For you see, even when it comes to purely material existence, what is generally held in common consciousness is not entirely accurate. I have often pointed this out: When a person stands before us, someone, speaking from the standpoint of general consciousness, if asked, “What belongs to this person?”—will say: “What is inside the skin.” Isn’t that right? What is inside the skin belongs to the person. And if one does not think particularly deeply about it, one tends to believe—even as one goes through life—that what is inside the skin is what constitutes a human being.
[ 15 ] Aber stellen Sie sich jetzt recht lebhaft vor, was innerhalb der Haut ist: Da ist auch die Luft! Die ist aber im nächsten Moment draußen! Die Luft, die jetzt innerhalb der Haut ist, ist im nächsten Moment draußen. Das heißt, wir sind gar nicht imstande, dasjenige, was innerhalb der Haut ist, wirklich abzutrennen von demjenigen, in das das ganze Dasein des Menschen eingebettet ist. Dasjenige, was Erden-Luftumkreis ist, das gehört im Grunde genommen zum physischen Wesen des Menschen absolut dazu, das geht immer hinaus und herein. Und es ist im Grunde gar nicht besonders wunderbar, wenn man dann aufgefordert wird, diese Vorstellung, die man schon vom physischen Menschen mit seiner Luft haben soll, auszudehnen auf den ganzen Menschen, wenn einem gesagt wird: Wacht der Mensch morgens auf, so nimmt er etwas in sich herein, was in der Nacht draußen ist. Er nimmt ja in jedem Augenblick sogar materiell die Luft herein, die draußen ist; die ist dann in ihm. Beim Aufwachen nimmt er dasjenige in sich herein, was in der Nacht draußen ist. Beim Einschlafen atmet er gleichsam wiederum aus sein Ich und seinen astralischen Leib. Die Beziehung, die physisch ist zwischen dem Menschen und dem Luft-Umkreis, wir brauchen sie uns ja nur vorzustellen wie die zwischen dem Menschen und der geistigen Welt, wie die zur Erde gehört; dann bekommen wir schon den Begriff. Der Unterschied ist ja nur der, daß die Luft, die wir jetzt in uns haben und später ausgeatmet haben, dann sich gleich in der äußeren Luft verteilt, während, wenn wir abends beim Einschlafen unser Ich und unseren astralischen Leib gewissermaßen ausatmen, diese ihre Form behalten und so uns wieder zurückkommen, wie wir sie ausgeatmet haben. Aber ebenso, wie wir durch die Luft, die wir in uns haben, mit der umgebenden Luft in Verbindung stehen, und eigentlich immer die Luft herein-, heraus-, herein-, herausgeht, so ist auch ein flutendes Leben zwischen uns und der anderen, geistigen Welt. Denn so dürfen wir uns das nicht vorstellen, daß einfach unser Ich und unser astralischer Leib in uns hereinschlüpfen und dann da drinnen sind, Sie stehen mit der ganzen geistigen Welt nach außen in Verbindung, so wie der Sauerstoff, den wir in uns haben, nach außen wieder mit der umgebenden Luft in Verbindung steht, wie die Luft in uns mit der Umgebung in Verbindung steht. Wir hängen also fortwährend mit der geistigen Welt zusammen durch unser Ich und durch unseren astralischen Leib.
[ 15 ] But now create a very vivid mental image of what is inside the skin: There is air there, too! But in the very next moment, it’s outside! The air that is now inside the skin is outside in the very next moment. This means that we are not at all capable of truly separating what is inside the skin from that in which the whole of human existence is embedded. The Earth-air sphere is, in essence, an integral part of the human physical being; it is constantly flowing in and out. And it is really not particularly remarkable when one is then asked to extend this mental image—which one should already have of the physical human being with regard to the air—to the whole human being, when one is told: When a person wakes up in the morning, they take into themselves something that was outside during the night. After all, at every moment they take in—even materially—the air that is outside; it is then within them. Upon waking, they take into themselves what is outside during the night. Upon falling asleep, they, as it were, breathe out their “I” and their astral body once more. The physical relationship between the human being and the surrounding air—we need only create a mental image of it as the relationship between the human being and the spiritual world, as it pertains to the Earth—and then we already grasp the concept. The only difference is that the air we now have within us—and which we will later exhale—immediately disperses into the outer air, whereas when we exhale our “I” and our astral body, so to speak, as we fall asleep in the evening, they retain their form and return to us just as we exhaled them. But just as we are connected to the surrounding air through the air we hold within us—and in fact, air is constantly flowing in and out—so too is there a flowing life between us and the other, spiritual world. For we must not form such a mental image: that our “I” and our astral body simply slip inside us and then remain there. They are connected outwardly with the entire spiritual world, just as the oxygen we hold within us is connected outwardly with the surrounding air, just as the air within us is connected with the environment. We are therefore constantly connected to the spiritual world through our “I” and through our astral body.
[ 16 ] Nehmen wir einmal an, irgend etwas mache auf uns einen solchen Eindruck, den wir im gewöhnlichen Leben eben einen komischen Eindruck nennen. Was tut denn das in Wirklichkeit, was auf uns einen komischen Eindruck macht? Etwas ganz Ähnliches tut es, wie wenn wir — also physisch —, statt daß wir unser normales Quantum einatmen, ein wenig draußen lassen und über die Umgebung verbreiten würden. Unser Ich und unsern astralischen Leib, die strecken wir gleichsam aus uns hervor. In dasjenige, was uns komisch vorkommt, ergießen wir unser Ich und unseren astralischen Leib hinein. Also denken Sie: Wenn Sie über irgend etwas lachen, so besteht die Tatsache, die sich da abspielt, darinnen, daß Sie Ihr Ich und Ihren astralischen Leib gewissermaßen darüber verbreiten. Sie strecken den astralischen Leib und das Ich heraus und verbreiten es darüber. Es ist ein geistiger Vorgang, der ja nicht so eine Abweisung ist, wie wenn dieser astralische Leib in einem anderen Gefühl etwas vom physischen Leibe mitzieht, wo auch dasjenige, was wir als astralischen Leib haben, sich ergießt in die Umgebung, aber etwas vom physischen Leibe mitzieht: es ist unartig, denn das, was mitgezogen wird, ist die Zunge! Das tun unartige Kinder, die die Zunge herausstrecken. Wenn wir lachen, lassen wir die Zunge zwar drinnen; aber es ist schon eine ähnliche Verfassung des Astralleibes, der herausgezogen wird, und sogar so stark herausgezogen wird, daß er das einnebelt, was auf ihn einen komischen Eindruck macht. Dem Lachen liegt eine Verbreiterung des astralischen Leibes sogar bis zum Ätherleib zugrunde. Der unsichtbare Mensch verbreitert sich, dehnt sich wie elastisch aus. Das ist also der Vorgang beim Lachen.
[ 16 ] Let’s assume that something makes such an impression on us that we would call it a “strange” impression in everyday life. What, in reality, does that which makes a comical impression on us actually do? It does something very similar to what happens when we—physically speaking—instead of inhaling our normal amount of air, let a little of it out and spread it over our surroundings. We extend our “I” and our astral body, as it were, out from within ourselves. We pour our “I” and our astral body into whatever strikes us as funny. So think of it this way: When you laugh at something, the reality of what is happening is that you are, in a sense, spreading your “I” and your astral body over it. You extend your astral body and your “I” outward and spread them over it. It is a spiritual process that is not, of course, a rejection like when, in another emotion, this astral body drags something from the physical body along with it—where what we have as the astral body also pours out into the surroundings but drags something from the physical body along with it: this is naughty, because what is dragged along is the tongue! That is what naughty children do when they stick out their tongues. When we laugh, we do keep our tongues inside; but it is still a similar state of the astral body, which is drawn out—and even drawn out so strongly that it obscures whatever is making a funny impression on it. Laughter is based on an expansion of the astral body, extending all the way to the etheric body. The invisible human being expands, stretching out as if elastic. This, then, is the process that occurs when we laugh.
[ 17 ] Genau der entgegengesetzte Vorgang findet statt beim Weinen. Da zieht sich der astralische Leib sogar mit dem Ätherleib zusammen, preßt dadurch, daß er sich zusammenzieht, den physischen Leib und preßt die Tränen heraus. Das ist ja viel leichter zu verstehen. Aber Sie sehen: Lachen und Weinen und damit natürlich auch Traurigsein — denn Traurigsein ist ja nur derselbe Seelenvorgang, nur daß es eben nicht zu Tränen kommt —, Lachen, also Heitersein und Traurigsein beruht auf Ausdehnung und Zusammenziehung der unsichtbaren Wesenheit des Menschen, beruht also in einer Kraftentfaltung der unsichtbaren Wesenheit des Menschen.
[ 17 ] Exactly the opposite process takes place when we cry. In that case, the astral body actually contracts along with the etheric body; by contracting, it presses against the physical body and forces the tears out. That is, of course, much easier to understand. But you see: laughing and crying—and, of course, being sad as well, since being sad is really just the same soul process, only without tears—laughing, that is, being cheerful, and being sad are based on the expansion and contraction of the human being’s invisible essence; they are thus rooted in the unfolding of the forces of the human being’s invisible essence.
[ 18 ] Jetzt können Sie sich auch vorstellen, was Salomo gesehen haben wird. Er hat ja natürlich nicht einen physischen Leib gesehen, als er den Todesengel gesehen hat, sondern eine geistige Wesenheit. Er hat also gesehen, wie sich der Todesengel ausgedehnt hat am zweiten Tag, während er am ersten Tag sich zusammengezogen hat. Da haben Sie etwas, was Ihnen zeigen kann, wie geistige Wesenheiten wirken, wie geistige Wesenheiten ihre Taten verrichten. Bei uns Menschen ist Lachen und Weinen, Heitersein und Traurigsein gewissermaßen eine Begleiterscheinung des Lebens, durch die wir nur unser Inneres ausdrücken, durch die wir zeigen, wie unser Inneres gestimmt ist. Wir verrichten in den meisten Fällen durch Lachen und Weinen für andere Menschen wenig. Wir arbeiten nicht durch Lachen und Weinen. Es sind Begleiterscheinungen des Lebens. In dem Augenblicke aber, wo man an gewisse Geistwesen herankommt, die viel mehr mit ihrem eigenen Selbst bei ihrer Arbeit zu sein haben wie wir, da bedeutet Ausdehnung und Zusammenziehung das, was sie zu verrichten haben. Und der Todesengel hatte, als er davor stand, die beiden zu holen, seine Kräfte zusammenzuhalten: Er hatte sich in sich zu verdichten, um durch die Verdichtung in sich ein Stemmen seiner Kräfte hervorzurufen, denn er stand vor seiner Arbeit. Das drückt sich dadurch aus, daß er traurig ist. Es ist nur eine Andeutung dafür, wie er sich zusammenzieht. Am nächsten Tag hatte er seine Arbeit verrichtet, da ging die Sache durch Elastizität wiederum auseinander. Es wird uns also einfach eine Tatsache des geistigen Lebens in diesem Traurig- und Heitersein des Todesengels mitgeteilt.
[ 18 ] Now you can also create a mental image of what Solomon must have seen. Of course, when he saw the angel of death, he did not see a physical body, but a spiritual being. So he saw how the angel of death expanded on the second day, whereas on the first day it had contracted. Here you have something that can show you how spiritual beings act, how spiritual beings carry out their deeds. For us humans, laughing and crying, being cheerful and being sad, are, so to speak, side effects of life through which we merely express our inner selves, through which we show what our inner state is like. In most cases, we accomplish little for other people through laughing and crying. We do not work through laughter and tears. They are side effects of life. But the moment one encounters certain spiritual beings who, unlike us, are much more deeply engaged with their own selves in their work, expansion and contraction represent the very nature of what they must accomplish. And when the Angel of Death stood there, ready to take the two of them, he had to hold his powers together: he had to condense within himself in order to bring about a straining of his powers through this condensation, for he was about to begin his work. This is expressed by the fact that he is sad. It is merely a hint of how he is contracting. The next day, having completed his work, the matter expanded again through elasticity. Thus, this sadness and cheerfulness in the angel of death simply reveals to us a fact of spiritual life.
[ 19 ] Niemand, der nicht platt denken will, wird Anstoß daran nehmen, daß eben nicht eine platte Erklärung für das Traurigsein und Heitersein des Todesengels gesucht wird, sondern eine solche, welche in den tieferen Verhältnissen der geistigen Welt begründet ist. Als der Rabbi Jochanam sprach, da war allerdings noch durchaus eine gewisse Empfindung vorhanden für die Eigentümlichkeit der geistigen Welten. Und man sieht es dem Ernste der Fassung dieser Erzählung an, daß der Rabbi Jochanam eben diese Erzählung zum Inhalte seiner Erklärungen machte und daran dann seine Erklärungen knüpfte, den Leuten von den geistigen Welten etwas zu erzählen.
[ 19 ] No one who does not wish to think superficially will take offense at the fact that the story does not seek a simplistic explanation for the Angel of Death’s sadness and cheerfulness, but rather one grounded in the deeper realities of the spiritual world. When Rabbi Yochanan spoke, there was certainly still a certain sensitivity to the peculiar nature of the spiritual worlds. And one can see from the seriousness with which this story is told that Rabbi Yochanan used this very story as the basis for his explanations and then built upon it to tell people about the spiritual worlds.
[ 20 ] Allerdings, im späteren Mittelalter, in der Zeit, als schon herannahte der fünfte nachatlantische Zeitraum, den wir ja charakterisiert haben, da kamen auch unter die jüdischen Erklärer der Haggada solche Menschen, über die unsere «fortgeschrittene Zeit» helle Freude haben könnte. Da gibt es zum Beispiel einen jüdischen Erklärer, der als sehr gelehrt galt in dieser vorgeschrittenen Zeit — nicht in der zurückgebliebenen Zeit, wo man noch an das Geisterreich geglaubt hat — und der sagte: Hinter der ganzen Erzählung müssen wir nicht diese abergläubische Erklärung suchen, die die Alten gegeben haben, sondern wir müssen ausgehen von der Stadt Lus. Es ist ja bekannt von Salomo, daß er schon zu seiner Zeit bemüht war, Orte ausfindig zu machen und zu besiedeln, die gute Luft, gutes Klima haben, welche für Sommeraufenthalte taugen. — Wahrhaftig, mit diesem jüdischen Erklärer könnten eigentlich die modernen liberalen Gelehrten ganz außerordentlich zufrieden sein! — Und wenn man das weiß, daß die Stadt Lus eben solch eine Sommerfrische, von dem König Salomo eingerichtet, war, dann kommt man, von diesem Punkte ausgehend, im Grunde genommen sehr leicht auf die Sache. Denn dann braucht man sich ja nur vorzustellen, daß die beiden Schreiber — dazumal wird man noch nicht gesagt haben, daß sie «nervös» waren, aber irgend etwas dergleichen, nicht wahr — sich nicht mehr ganz gesund zeigten, und da hatte denn Salomo in seiner Weisheit, die ja selbstverständlich für einen modernen Menschen eine viel größere Weisheit ist als das Hineinschauen in die geistige Welt, erkannt: Nun, man schickt natürlich die beiden Schreiber in die Sommerfrische! Und da traf es sich just so, daß sie in der Sommerfrische gestorben sind, wie das nun schon geschieht. Und da hat sich nun der Glaube daran geknüpft, daß das eine Art Strafe war. Nun, im Mittelalter konnte man wenigstens noch an das glauben, nicht wahr? Aber jedenfalls gab es also auch schon diese Erklärungen in verhältnismäßig früher Zeit, beim Herannahen des fünften nachatlantischen Zeitraums.
[ 20 ] However, in the late Middle Ages, during the period when the fifth post-Atlantean epoch—which we have already characterized—was already approaching, there emerged among the Jewish commentators on the Haggadah individuals who would be a source of great joy to our “advanced age.” For example, there is a Jewish commentator who was considered very learned in this advanced era—not in the backward era when people still believed in the spirit realm—and who said: Behind the entire narrative, we need not seek the superstitious explanation given by the ancients, but rather we must take the city of Lus as our starting point. It is well known that Solomon, even in his own time, sought out and settled in places with good air and a good climate, suitable for summer stays. — Truly, modern liberal scholars could actually be quite satisfied with this Jewish commentator! — And once one knows that the city of Luz was precisely such a summer retreat, established by King Solomon, then, starting from this point, one can, in essence, very easily get to the bottom of the matter. For then one need only create a mental image of the two scribes—back then, people wouldn’t have said they were “nervous,” but something along those lines, wouldn’t they?—who were no longer in the best of health, and so Solomon, in his wisdom—which, of course, for a modern person is a far greater wisdom than peering into the spiritual world—realized: Well, naturally, the two scribes were sent on a summer retreat! And it just so happened that they died during that retreat, as such things tend to happen. And so the belief arose that this was a kind of punishment. Well, in the Middle Ages, one could at least still believe in such things, couldn’t one? But in any case, these explanations already existed at a relatively early stage, as the fifth post-Atlantean epoch approached.
[ 21 ] Warum aber ist denn die Stadt Lus angeführt? Und warum überhaupt der ganze Vorgang mit Salomo? Nun, zunächst müssen wir eben immer wieder bedenken, daß Salomo eben ein Mensch ist, der mit der geistigen Welt in Verbindung steht. Ich sagte: Bedeutsam ist, daß seine beiden Schreiber die Söhne waren des Schescha, der schon Schreiber war bei dem König David; sie sind also gewissermaßen wertvolle Persönlichkeiten. Und Schreiber in der damaligen Zeit bedeutet etwas anderes als heute. Schreiber in Ägypten zum Beispiel — ich habe das schon einmal erwähnt — wurden Leute, welche die Buchstaben wirklich im Sinne der alten ägyptischen Schrift mit aller Inbrunst nachzumalen hatten. Wenn jemand einen falschen Buchstaben schrieb, so stand darauf die Todesstrafe, weil das etwas Heiliges war. In den Buchstaben lag etwas Heiliges. Und so waren denn auch die Schreiber des Königs Salomo durchaus eben Menschen, die mit der geistigen Welt in Berührung standen, in Verbindung standen sie, gehörten gewissermaßen zu der Gemeinschaft derjenigen, mit denen Salomo sein Wissen von der geistigen Welt teilte. Und die Stadt Lus, die soll uns nur hinweisen darauf, daß in diesen Schreibern etwas war, wodurch sie gewissermaßen ein Gefühl ihrer Unsterblichkeit schon während des Lebens voll hatten durch ihren Zusammenhang mit der geistigen Welt. Wir sollen aufmerksam darauf gemacht werden, daß sie nicht dahinlebten, diese Schreiber, ebensowenig wie der König Salomo, ohne zu wissen von ihrem geistig-seelischen Wesenskern, der durch die Pforte des Todes geht. Nicht nur theoretisch wußten sie das, sondern sie gehörten eben zu denjenigen, die gewissermaßen bis zu einem gewissen Grade in diese Geheimnisse eingeweiht waren. Daher hatte es der Todesengel schwierig und hatte es notwendig, sich mit dem König Salomo in einer gewissen Weise in Verbindung zu setzen. Das heißt, da die beiden Schreiber für ihr eigenes und namentlich für das Bewußtsein des Königs Salomo in ihrer Unsterblichkeit lebten, so war es für den Todesengel notwendig, daß er so herantrat an den ganzen Vorgang, den er jetzt zu verrichten hatte, daß auch Bewußtsein vorhanden war von dem Tode, daß teilgenommen wurde daran. Nicht sollte ausgedrückt werden, daß der König Salomo seine Schreiber vor dem Tode schützen wollte und sie daher in die Stadt Lus geschickt hat, sondern es sollte angedeutet werden, daß hier das Sterben ganz bewußt geschah, daß man es hereinnahm in sein Wissen, daß man damit rechnete. Und darauf liegt der Hauptton, daß eben für Salomo das bewußt wurde, daß seine Schreiber starben. Und wenn gesagt wird, er schickte sie nach der Stadt Lus, so soll uns das nur andeuten, daß er sah, wie die ahrimanische Gewalt, die durch den Todesengel ja repräsentiert wird, durch ihre Agenten, durch die BockDämonen, herandtingt.
[ 21 ] But why is the city of Luz mentioned? And why the whole story about Solomon in the first place? Well, first of all, we must always keep in mind that Solomon is a person who is connected to the spiritual world. I said: It is significant that his two scribes were the sons of Sheshai, who had already been a scribe under King David; they are, in a sense, distinguished figures. And the role of a scribe in those days meant something different than it does today. Scribes in Egypt, for example—I have mentioned this before—were people who had to copy the letters with great devotion, in the true spirit of ancient Egyptian script. If someone wrote a letter incorrectly, the penalty was death, because it was something sacred. There was something sacred in the letters. And so King Solomon’s scribes were indeed people who were in contact with the spiritual world; they were connected to it and, in a sense, belonged to the community of those with whom Solomon shared his knowledge of the spiritual world. And the city of Luz is meant to point out to us that there was something in these scribes that, through their connection to the spiritual world, gave them, as it were, a full sense of their immortality even during their lifetime. We are to be made keenly aware that these scribes—no more than King Solomon—did not live their lives without knowing of their spiritual-soul core, which passes through the gate of death. They did not merely know this in theory; rather, they were among those who were, so to speak, initiated into these mysteries to a certain degree. For this reason, the angel of death faced a difficult task and was compelled to make contact with King Solomon in a certain way. That is to say, since the two scribes lived in their immortality—for their own sake and, in particular, for the sake of King Solomon’s consciousness—it was necessary for the Angel of Death to approach the entire process he now had to carry out in such a way that there was also an awareness of death and that they participated in it. The intention is not to suggest that King Solomon wanted to protect his scribes from death and therefore sent them to the city of Luz, but rather to indicate that dying took place here quite consciously—that it was taken into one’s knowledge, that it was anticipated. And the main emphasis lies in the fact that it became conscious to Solomon that his scribes were dying. And when it is said that he sent them to the city of Luz, this is meant only to indicate that he saw how the Ahrimanic power—represented, of course, by the angel of death—was advancing through its agents, the goat-demons.
[ 22 ] Also der ganze Vorgang, wie er sich bewußt abspielt, der soll uns gewissermaßen durch die Erzählung veranschaulicht werden: Da ist einmal ein Sterben geschehen vor einem Weisen so, daß zugesehen wurde durch das Bewußtsein des Weisen. Das wollte der Rabbi Jochanam andeuten. Und der ganze Vorgang setzte sich so um in das Wissen des Salomo, daß er jetzt wußte, wie der Mensch mit der Erde zusammenhängt und wie er mit der geistigen Welt zusammenhängt. Die Entstehung des Wissens vom Übersinnlichen in dem König Salomo, die wird uns durch diese Erzählung dargestellt. Nur wenn wir das nehmen als eine Nacherzählung gewissermaßen eines hellsichtig von dem König Salomo erfahrenen Vorganges, dann nehmen wir die Erzählung so, wie sie genommen werden soll, nur wenn wir sie so verstehen, daß sie gleichsam besagen will: der Rabbi Jochanam sagte, die Menschen sind gebunden an die Erde durch die Gestalt ihres physischen Leibes. So, wie die Gestalt der Füße und ihre Stellung zur Erde mit der Erde zusammenhängen, so drückt das aus, daß der Mensch nur einseitig mit der Erde zusammenhängt, daß nur die Füße Bürge sind dafür, daß der Mensch zur Erde gehört. Die aufrechte Stellung des Menschen ist aber Bürge dafür, daß er der geistigen Welt übergeben wird mit seinem Wesenskern. Damit Salomo das glauben könne, wurde ihm bewußt das Sterben vorgeführt an ihm teuren Genossen.
[ 22 ] So the entire process, as it unfolds consciously, is to be illustrated to us, as it were, through the narrative: Once, a death occurred in the presence of a sage in such a way that it was observed through the sage’s consciousness. That is what Rabbi Yochanan wanted to imply. And the entire process was incorporated into Solomon’s knowledge in such a way that he now knew how human beings are connected to the earth and how they are connected to the spiritual world. The development of knowledge of the supersensible in King Solomon is presented to us through this story. Only if we regard this as a retelling, so to speak, of an event experienced clairvoyantly by King Solomon do we take the story as it is meant to be taken; only if we understand it as meaning, as it were: Rabbi Jochanam said that human beings are bound to the earth through the form of their physical body. Just as the shape of the feet and their position relative to the earth are connected to the earth, so this expresses that the human being is connected to the earth only in one respect—that only the feet serve as a guarantee that the human being belongs to the earth. But a person’s upright posture is the guarantee that his or her innermost being is entrusted to the spiritual world. So that Solomon might believe this, the process of dying was demonstrated to him through the death of a companion dear to him.
[ 23 ] Also nur mit Begriffen und Ideen, die der geistigen Welt selbst entnommen sind, kommen wir diesen Dingen bei. Und mancher alten Legende — man nennt sie so — kommt man nur bei, wenn man an sie herantritt mit den geisteswissenschaftlichen Begriffen. Aber daß gerade diese Tatsache von dem König Salomo erzählt wird, das ist recht bedeutsam. Denn es wird uns angedeutet dadurch, daß Salomos Weisheit gerade darinnen bestand, hineinzuschauen in die geistige Welt, in der sich zunächst enthüllt das Geheimnis des Todes. Und wenn wir von den alten Mysterien hören, daß der Mensch als erstes, was er zu erfahren hat, das zu erfahren hat, daß er an die Pforte des Todes herantritt, so ist im Grunde genommen dasjenige, was uns in dieser Legende dargestellt wird, nichts anderes, als daß uns gesagt wird: Salomo war einer von denjenigen, die bis an die Pforte des Todes herangekommen waren. In der Linie der Generationen, welche abstammten von dem König Salomo, da liegt gewissermaßen die physische Zubereitung für dieses Hellsehen, das an die Pforte des Todes kommt. Der Körper Jesu ist also aus der salomonischen Linie des Hauses David, die Seele ist die des Zarathustra. Und machen wir uns recht klar, was das Wesen der ZarathustraSeele ausmacht, warum die Zarathustra-Seele in einem Leibe darinnen ist, der von einem Menschen herstammt, der Hellsehertum hatte.
[ 23 ] Thus, we can only approach these matters using concepts and ideas drawn from the spiritual world itself. And many an ancient legend—as they are called—can only be understood when approached with the concepts of Spiritual Science. But the fact that this very story is told about King Solomon is quite significant. For it suggests to us that Solomon’s wisdom consisted precisely in looking into the spiritual world, where the mystery of death is first revealed. And when we hear from the ancient mysteries that the first thing a human being must experience is to approach the gate of death, what is essentially being presented to us in this legend is nothing other than this: Solomon was one of those who had reached the gate of death. In the line of generations descended from King Solomon lies, so to speak, the physical preparation for this clairvoyance that comes at the gate of death. Jesus’ body, then, is from the Solomonic line of the House of David, while his soul is that of Zarathustra. And let us be quite clear about what constitutes the essence of the Zarathustra soul, and why the Zarathustra soul is contained within a body that descends from a human being who possessed clairvoyance.
[ 24 ] Nun habe ich ja öfter gesprochen über dasjenige, was aus der Seele des Zarathustra gekommen ist. Heute wollen wir nur, ich möchte sagen, dasjenige, was dann später vorzugsweise sich abgesetzt hat von der Zarathustra-Lehre, ins Auge fassen, was dann von der Zarathustra-Lehre hauptsächlich übergegangen ist in die Mani-Lehre und so weiter, in die Manichäer-Lehre. Zu den tiefsten Fragen, die das Menschenrätsel uns bringt, gehört ja ohne Zweifel die nach dem Guten, Sonnigen des Lebens und seinem Zusammenhang mit dem Bösen, Schattenhaften des Lebens. Nun wissen wir, wieviel wir davon verstehen können, wenn wir Einsicht haben in das Wirken von Luzifer und Ahriman. Aber diese Lehre von Luzifer und Ahriman, sie führt ja in einer gewissen Weise auf den Zarathustra zurück, auf seine zwei außer den guten, fortschreitenden Gottheiten wirkenden geistigen Mächte. Luzifer und Ahriman leben schon in der Zarathustra-Lehre als eine Tatsache der geistigen Welt, als Erkenntnis einer Tatsache der geistigen Welt. Was hat es in dieser Zarathustra-Lehre dadurch nicht geben können, meine lieben Freunde, daß man eine gewisse Einsicht hatte in das Zusammenwirken von Luzifer und Ahriman ? Sehen Sie, etwas hat es nicht geben können, womit die späteren Menschen nimmermehr fertig geworden sind. Wenn man nicht mehr in der richtigen Weise das Zusammenwirken von Luzifer und Ahriman in der Welt versteht, dann durchschaut man die Welt nicht, dann bleibt das Gute ein Rätsel, das Böse ein Rätsel. Betrachten wir von diesem Gesichtspunkte aus einmal eine spätere Lehre, welche geradezu so charakterisiert werden kann, daß man sich innerhalb dieser Lehre, dieses Bekenntnisses, nicht mehr zu besinnen wußte auf die alte ZarathustraLehre. Es ist das die Lehre von der Prädestination und was bei den Mohammedanern damit zusammenhängt.
[ 24 ] I have, after all, spoken often about what sprang from the soul of Zarathustra. Today we want to focus—I would say—on what later became predominantly separated from the teachings of Zarathustra, on what was primarily transferred from the teachings of Zarathustra into the teachings of Mani and so on, into the Manichaean doctrine. Among the deepest questions posed by the enigma of humanity is, without a doubt, that concerning the good, sunny aspect of life and its connection to the evil, shadowy aspect of life. Now we know how much of this we can understand if we have insight into the workings of Lucifer and Ahriman. But this teaching of Lucifer and Ahriman does, in a certain sense, trace back to Zarathustra, to his two spiritual forces at work alongside the good, progressive deities. Lucifer and Ahriman already exist in the teachings of Zarathustra as a fact of the spiritual world, as the recognition of a fact of the spiritual world. What, my dear friends, could not have existed in this teaching of Zarathustra precisely because one had a certain insight into the interplay of Lucifer and Ahriman? You see, there was something that could not have existed—something that later generations have never been able to come to terms with. If one no longer understands the interplay of Lucifer and Ahriman in the world in the right way, then one does not see through the world; then the good remains a mystery, and the evil remains a mystery. Let us consider, from this perspective, a later teaching that can be characterized precisely in such a way that, within this teaching, this creed, people were no longer able to reflect upon the ancient teachings of Zarathustra. This is the doctrine of predestination and what is associated with it among the Muslims.
[ 25 ] Bedenken Sie, diese Prädestinations-Lehre sagt auf der einen Seite ganz klar: Alles, was geschieht, ist vorausbestimmt, wie durch eine in der allerersten Urzeit vorhandene älteste Schrift ist alles im voraus beschrieben. Ich kann nicht einen Schritt vor meine Türe machen, ohne daß es im voraus bestimmt wäre. Wenn ich sterbe — vorausbestimmt! Alles streng vorausbestimmt! Das heißt, für das Bewußtsein des Mohammedaners ist es so, daß sich nichts für ihn vollzieht, was nicht streng vorgeschrieben ist im Buch des Gottes. Aber alle Augenblicke wird der Mohammedaner, wenn er von etwas spricht, was demnächst geschehen soll, und was er gerne hätte, daß es geschieht, so etwas sagen, das heißen würde im Deutschen: Nun, wenn Gott es will! — Er ist zwar vollständig überzeugt davon, daß alles aufgeschrieben ist in dem Buch des Gottes, sagt aber von allem: Nun, wenn Gott es will! — und wird nicht vergessen, bei den Dingen, die ihm nur irgendwie bedeutsam erscheinen, diese Redensart zu gebrauchen: Wenn Gott es will. Was sagt der abendländische Mensch dazu, was sagt der Mohammedaner selbst, wenn er gefragt wird, wenn ihm zum Beispiel gesagt würde: Ja, sieh einmal, du sagst, alles sei aufgeschrieben. Dann kann das doch keinen Sinn haben, wenn du sagst: So Gott es will. Denn dann wird es ja nicht mehr gewollt, dann ist es ja von allem Anfang an bestimmt. — Der Mohammedaner sagt, und der abendländische Mensch sagt: Das ist eben ein unlösbarer Widerspruch, über das kommt man nicht hinweg.
[ 25 ] Consider this: on the one hand, the doctrine of predestination states quite clearly that everything that happens is predetermined; just as everything is described in advance in the oldest scripture that existed in the very earliest times. I cannot take a single step outside my door without it being predetermined. When I die—it is predetermined! Everything is strictly predestined! This means that, in the consciousness of the Muslim, nothing happens to him that is not strictly prescribed in the Book of God. But every time the Muslim speaks of something that is about to happen—and which he would like to see happen—he will say something that would translate into English as: “Well, if God wills it!” — Although he is completely convinced that everything is written down in the Book of God, he says of everything: “Well, if God wills it!” — and he never fails to use this expression for things that seem even remotely significant to him: “If God wills it.” What does the Westerner say to this? What does the Muslim himself say when asked—if, for example, he were told: “Look, you say that everything is written down. Then it can’t make any sense for you to say, ‘God willing.’ Because then it’s no longer a matter of will; it’s already been determined from the very beginning.” — The Muslim says, and the Westerner says: “That is precisely an insoluble contradiction; there’s no getting around it.”
[ 26 ] Und so ist es auch. Es ist ein unlösbarer Widerspruch. Gehen Sie alle abendländische Philosophie durch, nehmen Sie alle Namen: Spinoza, Descartes, Kant, Fichte, Schelling, Hegel und so weiter, überall werden Sie nachwirkend empfinden diesen Widerspruch, der nicht lösbar scheint, der nur besonders kraß hervortritt in der Lehre von dem Kismet, von der Vorherbestimmung im Mohammedanismus. Da haben wir also eine Lehre, die in dieser Beziehung anders ist als die Zarathustra-Lehre. Die Zarathustra-Lehre würde weder das eine noch das andere so empfinden, daß daraus ein Widerspruch wird, weil sie Luzifer und Ahriman kennt. Und erinnern Sie sich an die Betrachtung, die wir hier angestellt haben, wo wir die Vereinigung dieser Dinge ins Auge gefaßt haben! Wir müssen daraus erkennen, daß in der Menschheitsentwickelung etwas war, was eine ursprüngliche Lehre, die gar nicht diesen Widerspruch hervorgerufen hat, verwandelt hat in eine andere, die an diesem Widerspruch krankt, die höchstens durch Gedankenlosigkeit sich über diesen Widerspruch hinweghelfen kann. Dieser Widerspruch, meine lieben Freunde, ist nur ähnlich vielen anderen Widersprüchen; er ist nur derjenige Widerspruch, der am meisten ins Leben eingreift. Er ist aber ähnlich vielen, vielen anderen Widersprüchen, die wir immer wieder und wiederum im Leben finden können. Und derjenige, der nicht anerkennen will, daß das Leben voller Widersprüche ist, der kennt eine Seite der Wirklichkeit überhaupt nicht. Das Leben ist voller Widersprüche, wenn es nämlich angeschaut “wird mit dem menschlichen Verstande! Aber es sollte mit dem menschlichen Verstande angeschaut werden, das heißt, es sollte eine Zeit kommen, wo der Mensch sich in Widersprüchen befindet; es sollte die Zarathustra-Zeit abgelöst werden durch eine Zeit, in der der Mensch durch Widersprüche lernt, durch Widersprüche geradezu aufgestachelt wird zu seinem wahren inneren Leben. Zu den mancherlei Dingen, die die Erde dem Menschen bringen soll zu seinen Prüfungen, gehört auch dieses Leben in den Widersprüchen.
[ 26 ] And that is indeed the case. It is an irresolvable contradiction. Go through all of Western philosophy, take all the names: Spinoza, Descartes, Kant, Fichte, Schelling, Hegel, and so on—everywhere you will sense the lingering effect of this contradiction, which seems irresolvable and which stands out particularly starkly in the doctrine of kismet, of predestination, in Islam. So here we have a doctrine that differs from the doctrine of Zarathustra in this respect. The doctrine of Zarathustra would perceive neither one nor the other in such a way that a contradiction arises, because it recognizes Lucifer and Ahriman. And recall the reflection we have made here, where we contemplated the unification of these things! We must recognize from this that there was something in human development that transformed an original teaching—one that did not at all give rise to this contradiction—into another that suffers from this contradiction, one that can overcome this contradiction at best only through thoughtlessness. This contradiction, my dear friends, is merely similar to many other contradictions; it is simply the contradiction that most profoundly intervenes in life. But it is similar to many, many other contradictions that we can find time and again in life. And anyone who refuses to acknowledge that life is full of contradictions is completely unaware of one side of reality. Life is full of contradictions when it is viewed “with the human intellect”! But it should be viewed with the human intellect—that is to say, a time should come when human beings find themselves in contradictions; the age of Zarathustra should be replaced by an age in which human beings learn through contradictions, are spurred on by contradictions to their true inner life. Among the many things that the earth is meant to bring to man as trials is this very life amid contradictions.
[ 27 ] Nun bedenken Sie, was für eine Art Mitte die vierte nachatlantische Zeit war, die Mitte des fünften Erden-Zeitraums, Im vierten, im atlantischen Zeitraum, da kam noch nicht dasjenige heraus, was die Erde bringen sollte, erst im fünften und in der Mitte dieses fünften, da kam dasjenige heraus, was vorzugsweise diese Erde bringen sollte, und dazu gehörte auch dieses Widerspruchsvolle. Das Widerspruchsvolle, das ist geradezu Erden-Element. Warum hatte es denn der Zarathustra noch nicht? Weil er noch Erbschaften hatte von den alten Zeiten! In der vierten nachatlantischen Periode waren die Menschen schon ganz eingelebt in das Irdische. Würde der Mensch nichts für sein inneres Verstandes- und Vernunftsleben bekommen als das, was ihm die Erde geben kann, dann würde er auch nicht über die Widersprüche hinauskommen; dann würde der ganze Rest der Erdenentwickelung so ablaufen, daß der Mensch sich in seinen Widersprüchen verzehren würde seelisch, daß er seelisch zugrunde gehen würde in den Widersprüchen. Denn das Geistige, das sich nur durch die Erde entwickeln kann, muß Widersprüche bringen.
[ 27 ] Now consider what kind of midpoint the fourth post-Atlantean epoch was—the midpoint of the fifth Earth epoch. In the fourth, the Atlantean epoch, what the Earth was meant to bring forth had not yet emerged; it was only in the fifth, and specifically in the middle of this fifth epoch, that what this Earth was primarily meant to bring forth emerged—and this included this very contradiction. Contradiction—that is the very essence of the Earth. Why, then, did Zarathustra not yet possess it? Because he still carried legacies from ancient times! In the fourth post-Atlantean period, human beings had already become fully attuned to the earthly realm. If human beings were to receive nothing for their inner life of intellect and reason other than what the Earth can give them, then they would not be able to transcend contradictions; then the entire remainder of Earth’s development would unfold in such a way that human beings would be consumed soulfully by their contradictions, that they would perish soulfully within them. For the spiritual, which can develop only through the Earth, must bring contradictions.
[ 28 ] Soll der Mensch wieder hinausgeführt werden über die Widersprüche, was mußte denn da geschehen? Da mußte etwas, was zwar zur Erde gehört, aber nicht die Erdenentwickelung der Menschheit mitgemacht hat, in die Erdenentwickelung hereinkommen. Da mußte etwas hereinkommen, was zurückgeblieben war in der alten lemurischen Zeit, als der Mensch herunterstieg. Und dies ist ja doch gerade die Wesenheit des nathanischen Jesus. Der nathanische Jesus ist gerade der, der den Menschen nahe steht, weil er sozusagen zurückgeblieben ist und nicht mitgemacht hat die Erdenentwickelung, aber der eben wiederum von den menschlichen Widersprüchen frei ist aus dem Grunde, weil er zurückgeblieben ist und erst hereingetreten ist, als die Menschen ihre Widerspruchs-Entwickelung bis zum Gipfel gebracht hatten, bis zum vierten nachatlantischen Zeitraum. Da tritt er auf als ein Heilmittel gegen den Widerspruch, der sich in der menschlichen Natur entwickeln muß, wenn die Menschheit durch die Erde durchgeht. Wahrhaftig, die Menschen müssen für ihre geistige Entwickelung dasjenige haben, was also in der Zarathustra-Kultur noch ein altes Erbstück ist; aber sie müssen zu dem etwas hinzubekommen, was sie nun auf der Erde als die Widerspruchsnatur erfahren. Daher mußte zu dem Zarathustra-Jesus, zu dem salomonischen Jesus, der nathanische Jesus hinzukommen. Und diejenigen, welche in ihrem übrigen Religionsbekenntnis diesen furchtbaren Widerspruch haben der Prädestination und des «Gott will es», wie die Mohammedaner, denen ist zugleich zugeflossen die Offenbarung von dem nathanischen Jesus. Haben sie so viel Entwickelungsfähigkeit, daß sie das einmal verstehen können, dann werden sie sich sagen: Wenn wir wiedererkennen die Natur desjenigen, der uns da geoffenbart ist im Koran, dann werden wir finden, wie sich Prädestination und «Gott will es» zusammenschließen.
[ 28 ] If humanity is to be led out of these contradictions, what would have to happen? Something that, while belonging to the Earth, had not participated in humanity’s earthly evolution would have to enter into that earthly evolution. Something had to enter that had been left behind in the ancient Lemurian era, when humankind descended. And this is, after all, precisely the essence of the Nathanic Jesus. The Nathanic Jesus is precisely the one who stands close to humanity, because he has, so to speak, remained behind and has not participated in earthly evolution, yet he is, in turn, free from human contradictions precisely because he remained behind and only entered the scene when humanity had brought its development of contradictions to its peak, up to the fourth post-Atlantean epoch. There he appears as a remedy for the contradiction that must develop within human nature as humanity passes through the Earth. Truly, for their spiritual development, people must have that which is still an ancient legacy in the Zarathustra culture; but they must also come to terms with what they now experience on Earth as the nature of contradiction. Therefore, the Nathanic Jesus had to be added to the Zarathustrian Jesus and the Solomonic Jesus. And those who, in the rest of their religious creed, have this terrible contradiction of predestination and “God wills it”—such as the Muslims—have at the same time received the revelation of the Nathanic Jesus. If they possess enough capacity for development to understand this one day, then they will say to themselves: When we recognize the nature of the one revealed to us in the Qur’an, we will discover how predestination and “God wills it” come together.
[ 29 ] In der gegenwärtigen Entwickelung ist der Mohammedaner noch nicht so weit; aber er hat die Entwickelungskeime doch in gewisser Beziehung in sich, das heißt, sie liegen da. Es ist nur im Keime. Aber die Christen sollten weiter sein. Die Christen sollten verstehen, was sie haben in dem Wesen, das durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, indem wirklich die Kräfte der Erdenentwickelung sich in ihm zusammengefunden haben. Sie sollten verstehen, daß das uralte Menschheitserbgut durch die Zarathustra-Natur gekommen ist, und daß eine unmittelbare Gabe des Menschlichen hereingekommen ist durch den nathanischen Jesus.
[ 29 ] In their current stage of development, Muslims have not yet reached that point; but they do possess the seeds of this development within themselves in a certain sense—that is to say, they are there. It is only in its infancy. But Christians should be further along. Christians should understand what they possess in the being who passed through the Mystery of Golgotha, in whom the forces of Earth’s evolution truly came together. They should understand that the ancient heritage of humanity came through the nature of Zarathustra, and that a direct gift of the human came through the Nathanic Jesus.
[ 30 ] Bis hierher wollen wir zunächst diese Betrachtung führen. Sie sehen aber aus diesem wiederum, wie sich alles zusammenschließt. Sie sehen, wie die Dinge, die im Leben nebeneinander stehen, gut begründet nebeneinander stehen. Im Koran steht die Prädestination neben dem «Gott will es»; aber dazu steht auch das Heilmittel da, der nathanische Jesus. Sie sehen, meine lieben Freunde, wie wir an dasjenige herankommen, was wirkliches Menschenleben ist. Wir versuchen es ja bis in seine höchsten Formen dadurch, daß wir die geisteswissenschaftlichen Begriffe verwenden. Denn wir leben durchaus in einer Zeit, in welcher die Sache schon so liegt, daß die alte Art des Wissens im Verschwinden begriffen ist. Wenige Menschen sind noch da, die etwas haben von der alten Art des Wissens, von jenem instinktiven Wissen, das ein Erbstück ist aus dem Hellseherischen, wenige Menschen sind noch da, und die werden verlacht. Und das andere Wissen, das begonnen hat, das Wissen des Verstandes, das Wissen der Vernunft — nun, nach der Ansicht derjenigen Menschen, die es so herrlich weit gebracht haben, ist es ja natürlich schon in seiner Blüte. Für den, der die Dinge durchschaut, ist es nicht in seiner Blüte, sondern wirklich erst im Anfange, und es erweist sich überall als noch nicht ausreichend. Die Tatsachen gehen schneller als dieses Wissen. Das war in älteren Zeiten anders, als das Wissen von den Göttern gegeben wurde; da wurde es immer angepaßt den Tatsachen. Jetzt ahnen die Leute gar nicht, wie die Tatsachen fortschreiten, und das Wissen wirklich so sitzt wie ein Rock, der an allen Seiten zu klein, richtig zu klein ist. Und wenn einmal Tatsachen auftreten, dann werden diese Tatsachen nicht in genügender Weise zur Belehrung für die Menschen benützt.
[ 30 ] Let us take this line of thought this far for now. But from this, too, you can see how everything comes together. You can see how the things that coexist in life do so for good reason. In the Qur’an, predestination stands alongside “God wills it”; but the remedy for this is also there: the Nathanic Jesus. You see, my dear friends, how we are approaching what true human life really is. We are attempting to explore it in its highest forms by employing the concepts of Spiritual Science. For we are certainly living in a time when the old kind of knowledge is already in the process of disappearing. Few people remain who possess anything of the old kind of knowledge—that instinctive knowledge which is a legacy of clairvoyance—and those few are ridiculed. And the other kind of knowledge that has begun—the knowledge of the intellect, the knowledge of reason—well, in the view of those who have taken it so wonderfully far, it is, of course, already in its prime. For those who see through things, it is not in its prime, but truly only in its infancy, and it proves everywhere to be insufficient. The facts are advancing faster than this knowledge. It was different in earlier times, when knowledge was given by the gods; then it was always adapted to the facts. Now people have no idea how the facts are progressing, and knowledge really fits like a coat that is too small on all sides—truly too small. And when facts do arise, these facts are not used sufficiently to instruct people.
[ 31 ] Ein sehr gelehrter Herr hat in den letzten Jahren einen streng wissenschaftlichen, mit allen wirklich vorgerückten nationalökonomischen Begriffen der Gegenwart strikten Beweis geführt, daß kein Krieg in der Gegenwart länger dauern kann als höchstens drei bis vier Monate. Das ist «streng wissenschaftlich» bewiesen. Was bedeutet es denn für den vernünftigen Menschen? Für den vernünftigen Menschen bedeutet es ja nichts anderes als daß, nachdem unser Krieg bald zwei Jahre dauert, wir es hier zu tun haben mit einer Theorie, die eben zu klein ist gegen die Tatsachen. Aber man läßt sich nicht so leicht belehren. Man wird nicht hingehen — wozu man verpflichtet wäre —, um nachzusehen: Woran liegt denn das, daß da einer einmal mit dem gesamten nationalökonomischen kritischen Apparat der Gegenwart kommt und beweist, daß ein Krieg nicht länger dauern kann als drei bis vier Monate, denn dann muß er aufhören nach den gegenwärtigen Verhältnissen; man wird nicht hingehen und wird untersuchen, woran das liegt, denn dann würde man darauf kommen, daß diese Wissenschaft nichts taugt, daß sie die Tatsachen nicht umspannen kann. Unangenehme Perspektive! Der Mann hat seine Wissenschaft gut in der Gegenwart gelernt. Würde man also ganz konsequent sein: Fatale Perspektive! Nationalökonomische Lehrkanzeln, da lernt man ja das, wovon der Mann seine Wissenschaft hat. Letzte Konsequenz: Sie alle abschaffen! Weg mit all diesen nationalökonomischen Lehrkanzeln! Das geht nicht, das geht wirklich nicht! — Also muß man anerkennen, daß die Nationalökonomie doch weiter in der Gegenwart leben muß so, wie sie jetzt ist, nicht wahr! Sie wird, wenn sie weiter lebt so, wie sie in der Gegenwart ist, noch viel dergleichen «streng wissenschaftlich» beweisen. Konsequenz: Fatal! — Aber wenn man weitere Konsequenzen ziehen und nachschauen würde, ob unter Umständen auch andere Theorien ebenso zu klein sein könnten für die Tatsachenreihe, so ist ja nicht auszudenken, was alles dabei herauskäme. Also das geht nicht, daher sind alle diese Sachen weiter richtig, selbstverständlich.
[ 31 ] In recent years, a highly learned gentleman has presented a strictly scientific argument—based on all the truly advanced economic concepts of our time—proving that no war today can last longer than three to four months at most. This has been proven “strictly scientifically.” What does this mean for a reasonable person? For a reasonable person, it means nothing other than that, since our war has now lasted nearly two years, we are dealing here with a theory that is simply too narrow to account for the facts. But people are not so easily convinced. People will not go—as they ought to—to investigate: Why is it that someone comes along with the entire critical apparatus of contemporary political economy and proves that a war cannot last longer than three to four months, because then it must end under current conditions; one will not go and investigate why this is so, for then one would come to the conclusion that this science is worthless, that it cannot encompass the facts. An unpleasant prospect! The man has learned his science well in the present. So if one were to be entirely consistent: A fatal prospect! In the lecterns of political economy, that is where one learns what the man has based his science on. Ultimate consequence: Abolish them all! Away with all these chairs of economics! That’s not possible—it really isn’t! — So one must acknowledge that economics must continue to exist in the present just as it is now, mustn’t it! If it continues to exist as it is in the present, it will prove many more such things “strictly scientifically.” Consequence: Fatal! — But if one were to draw further conclusions and examine whether, under certain circumstances, other theories might also be too narrow to account for the series of facts, one can’t even imagine what might come of it. So that’s not possible; therefore, all these things remain correct, of course.
[ 32 ] Sie sehen, meine lieben Freunde, ein Mut gehört schon dazu, die Dinge zu Ende zu denken, der in der Gegenwart nicht immer vorhanden ist. Und dennoch, man sollte diesen Mut in einer gewissen Weise haben. Dann wird vielleicht nicht von heute auf morgen alles geändert werden, denn denken Sie an alle die großen Pensionen, die bezahlt werden müßten, wenn alle, die auf diese Weise nicht mehr weiter lehren könnten, pensioniert werden müßten! Aber wenn auch schon aus Steuergründen die Sache von heute auf morgen nicht geändert werden kann, so würde sie doch in richtigere Bahnen kommen, wenn wenigstens ein gewisser Kern von Menschen da wäre, die den Mut haben, richtig zu denken und überall da, wo wo sie nur irgend können, dieses Richtige durchsickern zu lassen. Darauf kommt schon etwas an. Mit solchen Dingen fängt man immer bei sich selbst an und versucht, soviel als möglich ist, nach dem Richtigen hin zu denken. Denn das Leben schreitet vor, nicht so, daß alles von selber geht, sondern das Leben schreitet schon vor so, daß durch die Menschen die Fortschritte bewirkt werden. Und wenn manche zum Trost sich sagen: Na, morgen braucht ja auch nicht gleich alles anders zu sein, denn die Natur macht keine Sprünge, die Welt macht keine Sprünge: Sie macht eben doch lauter Sprünge! Würde das grüne Laubblatt sich immerfort sagen: Ich darf keine Sprünge machen! — so würde ein grünes Blatt dann ein ein wenig anderes grünes Blatt werden, aber eine Rose würde niemals zustande kommen; denn die kommt durch einen Sprung zustande! Die Natur macht überall Sprünge! Und so ist es auch im menschlichen Leben. Die Dinge kommen nicht auf die bequeme Weise der Sprunglosigkeit zustande, sondern die Dinge kommen schon so zustande, daß tatsächlich überall Neubildungen auftreten. Überall kommen Sprünge zustande, und das müssen wir auch bedenken. Schon wenn wir ein richtiges Urteil gewinnen über die Dinge, ohne Leidenschaften nach der einen oder nach der anderen Seite einfließen zu lassen in unser Urteilen, so ist viel getan. Denn Gedanken sind durchaus lebendige Kräfte.
[ 32 ] You see, my dear friends, it takes a certain amount of courage to think things through to their logical conclusion—a courage that is not always present today. And yet, we should possess this courage in a certain way. Then perhaps not everything will change overnight—for think of all the large pensions that would have to be paid if everyone who could no longer continue teaching under these circumstances were forced to retire! But even if the situation cannot be changed overnight—if only for tax reasons—it would still move in a more positive direction if there were at least a core group of people who have the courage to think correctly and to let that correct thinking seep through wherever they possibly can. That really does make a difference. With matters like this, one always begins with oneself and tries, as much as possible, to think in terms of what is right. For life moves forward—not in such a way that everything happens on its own, but rather in such a way that progress is brought about by people. And when some people tell themselves, as a consolation, “Well, everything doesn’t have to be different tomorrow, because nature doesn’t make leaps, the world doesn’t make leaps”—it actually does make nothing but leaps! If the green leaf were to keep telling itself, “I must not make any leaps!”—then a green leaf would simply become a slightly different green leaf, but a rose would never come into being; for a rose comes into being through a leap! Nature makes leaps everywhere! And so it is in human life as well. Things do not come about in the comfortable, gradual way of no leaps, but rather they come about in such a way that new formations actually arise everywhere. Leaps occur everywhere, and we must bear that in mind as well. Even if we simply form a correct judgment about things, without allowing passions to influence our judgment in one direction or the other, much has already been accomplished. For thoughts are indeed living forces.
[ 33 ] Aber in unserer Zeit rafft man sich nicht auf zu einem gesunden, geraden, positiven Urteilen über die Dinge. Daher nimmt man, ich möchte sagen, ohne inneren Anteil, ohne inneres Miterleben die Dinge hin. Man nehme zum Beispiel an: Was wäre das Natürliche, wenn ein Mensch sprechen würde über literarische Fragen, über die Fragen der Literatur eines Volkes? Das Natürliche wäre, daß er etwas versteht von diesen Dingen, und daß er nicht spricht über solche Dinge, wenn er nichts versteht davon. Heute sprechen nicht bloß diejenigen Menschen, die von diesen Dingen etwas verstehen! Neulich sind wir unterrichtet worden über die Bedeutung der deutschen Literatur, sehr gründlich, von einem Mann, der gar nichts davon versteht, denn er ist ja nicht einmal Literaturgeschichts-Professor, sondern er ist Präsident einer Republik und hat durchaus nicht Gelegenheit gehabt, das zu lernen, worüber er ein ganzes Land zu unterrichten sich vermessen hat. Ein politischer Advokat spricht über Literatur! Ein Dichter spricht über Politik! Diese zwei Dinge, wir haben sie in der letzten Zeit unmittelbar, ich möchte sagen, nebeneinander erlebt. Diese Erscheinungen muß man schon hinnehmen so, wie sie sich ihrer wahren Gestalt nach verhalten, und muß die richtigen Gedanken zu ihnen gewinnen können. Viel zu sehr sind wir in unserer Gegenwart, ich möchte sagen, gleichgültig. Und Theosophie soll uns nicht dazu verleiten, nun erst recht gleichgültig zu werden, wenn man diese Gleichgültigkeit auch oftmals Ruhe nennt, oder, indem man das Wort ganz falsch anwendet: Gelassenheit. Die Gelassenheit muß man ja anstreben. Die Gelassenheit soll aber nicht darin bestehen, daß uns alles ganz gleichgültig wird; sondern die Gegenwart fordert schon von uns, daß wir in einer gewissen Weise Feuer haben können in der Anerkennung des Guten und in der Verabscheuung desjenigen, was nicht sein soll und nicht sein darf, wenn die Entwickelung wirklich in der entsprechenden Weise so fortschreiten soll, wie es die guten Geister der Menschheit wollen. Davon wollen wir dann das nächstemal weiter reden.
[ 33 ] But in our time, people do not bring themselves to form healthy, sound, and positive judgments about things. Consequently, they accept things, I would say, without inner involvement, without truly experiencing them from within. Take, for example: What would be the natural thing to do if a person were to speak about literary issues, about the literature of a nation? The natural thing would be for him to understand something about these matters, and not to speak about them if he understands nothing about them. Today, it is not only those who understand these matters who speak! Recently, we were lectured on the significance of German literature—in great detail—by a man who understands nothing at all about it, for he is not even a professor of literary history, but rather the president of a republic and has had absolutely no opportunity to learn what he has presumed to teach an entire country. A political advocate speaks about literature! A poet speaks about politics! We have recently experienced these two things directly—I would say, side by side. One must accept these phenomena for what they truly are and be able to form the right thoughts about them. We are far too—I would say—indifferent in our present age. And Theosophy should not lead us to become even more indifferent, even if this indifference is often called “calm” or, through a complete misapplication of the word, “serenity.” We must, of course, strive for serenity. But serenity should not consist in becoming completely indifferent to everything; rather, the present moment already demands of us that we be able, in a certain way, to have a passion for recognizing what is good and for abhorring that which should not be and must not be, if evolution is truly to proceed in the manner desired by the good spirits of humanity. We will continue discussing this next time.
