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The Present and the Past in the Human Spirit
GA 167

30 May 1916, Berlin

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The Present and the Past in the Human Spirit, tr. SOL
  1. Gegenwärtiges und Vergangenes im Menschengeiste

12. Homo Oeconomus

12. The Economic Man

[ 1 ] Es ist, wie Sie ja aus mancherlei Betrachtungen dieses Winters gesehen haben, vonnöten, daß derjenige, der der Geisteswissenschaft nahesteht, seine Begriffe, seine Ideen, insofern diese aus dem geisteswissenschaftlichen Erkennen fließen, immer konkreter und konkreter mache, das heißt, immer Bestimmteres, Geschlosseneres mit diesen Begriffen verbinde. Wir sprechen von den im gewissermaßen richtigen Sinne vorwärtstreibenden geistigen Mächten der verschiedenen Hierarchien, und wir wissen, daß gewisse Wesenheiten dieser verschiedenen Hierarchien zurückbleiben und dann, indem sie auf einer früheren Stufe zurückgeblieben sind, in späteren Stufen nicht die Tätigkeit entfalten, die sie entfaltet haben würden, wenn sie vorwärts geschritten wären, sondern eben eine Tätigkeit entfalten, welche einer früheren Stufe der Weltentwickelung entspräche. So nennen wir für die Erde im großen luziferische und ahrimanische Wesenheiten diejenigen, welche heute die Tätigkeiten ausüben, die die gewissermaßen normalen, normal fortgeschrittenen Wesenheiten schon während der Mondenzeit ausgeübt haben. Wir haben von den verschiedensten Gesichtspunkten aus erörtert, was das im ganzen Weltengang für eine Bedeutung hat, daß diesem Weltengang, der Weltenentwickelung einverwoben sind solche luziferisch-ahrimanischen Wesenheiten und Kräfte. Wir müssen uns nun auch gewöhnen, ich möchte sagen, in einem kleineren Umkreis wirklich das Luziferische und Ahrimanische zu sehen. Notwendig ist allerdings, daß wir dazu, damit wir es richtig sehen, unsere Empfindungswelt in der richtigen Weise arten. Denn wenn wir diejenigen Empfindungen, dasjenige Gefühl gleich entfalten, das leider auch viele noch unter uns haben: Ach, Luzifer, Ahriman, da muß ich mich ganz weit davon entfernt halten! — wobei man nicht ahnt, daß gerade dieses recht luziferisch und ahrimanisch ist, wenn man diese Empfindung hat — so wird es natürlich immer ein zu starkes Gruseln hervorrufen, wenn man von Luziferischem und Ahrimanischem in kleinerem Kreise spricht. Aber zu einem wirklichen Verständnisse der Welterscheinungen, wie es notwendig ist, damit wir unser Verständnis ins Leben einführen können, dazu gehört schon, daß wir auch im kleineren Kreise das Luziferische und Ahrimanische gewahr werden können.

[ 1 ] As you have seen from various reflections this winter, it is necessary for those who are close to Spiritual Science to make their concepts and ideas—insofar as they flow from spiritual scientific knowledge—increasingly concrete, that is, to associate these concepts with ever more specific and coherent meanings. We are speaking of the spiritual forces of the various hierarchies that, in a certain sense, drive progress forward, and we know that certain beings of these various hierarchies lag behind; and then, having remained at an earlier stage, they do not, in later stages, unfold the activity they would have unfolded had they moved forward, but rather unfold an activity corresponding to an earlier stage of world development. Thus, for the Earth in the larger sense, we call those beings “Luciferic” and “Ahrimanic” who today carry out the activities that the, so to speak, normal, normally advanced beings had already carried out during the Lunar Age. We have discussed from a wide variety of perspectives what significance it has for the course of the world as a whole that such Luciferic and Ahrimanic beings and forces are interwoven into this course of the world, into world evolution. We must now also accustom ourselves—I would say—to truly seeing the Luciferic and Ahrimanic within a smaller sphere. It is, however, necessary that, in order to see this correctly, we develop our world of feeling in the right way. For if we immediately give rise to those feelings, that sentiment which, unfortunately, many among us still harbor: “Oh, Lucifer, Ahriman—I must keep myself far away from that!”—without realizing that having this very feeling is itself quite Luciferic and Ahrimanic—then, of course, speaking of the Luciferic and the Ahrimanic within a smaller circle will always evoke an excessive sense of dread. But a true understanding of world phenomena—which is necessary so that we can apply our understanding to life—requires that we be able to perceive the Luciferic and the Ahrimanic even in a small circle.

[ 2 ] Sehen Sie, meine lieben Freunde, Jahrhunderte bevor das Mysterium von Golgatha sich vollzogen hat, war es etwas Großes, etwas Ungeheures, daß vom alten Indien die Lehre ausgegangen ist, welche in der Bhagavad Gita, in anderen Schriften des Orients verzeichnet ist. Das war dazumal etwas Großes, etwas Ungeheures, etwas Bedeutungsvolles. Und daß unsere Geisteswissenschaft nicht sich dazu hergibt, das Große, das ungeheuer Bedeutungsvolle solcher Erscheinungen etwa zu verkleinern, Sie können das aus dem Zyklus, der in Helsingfors gehalten worden ist über die Bhagavad Gita, entnehmen. Da wird schon auf das Große, auf das Ungeheure der tiefen Wahrheiten hingewiesen, die in der Bhagavad Gita stehen. Für den heutigen Menschen ist es auch durchaus gut, wenn er sich in dieser Weise in dasjenige vertieft, was dazumal für die Menschheit ein Großes, ein Ungeheures war. Aber über die Menschheit hinweggegangen ist das Mysterium von Golgatha, welches uns im Grunde genommen eine wirkliche geschichtliche Auffassung der Erdentwickelung erst nahelegt, aus dem Grunde, weil wir, wenn wir das Mysterium von Golgatha richtig verstehen, unterscheiden zwischen der Zeit, die dem Mysterium von Golgatha vorangegangen ist als eine Vorbereitungszeit, und der Zeit, die da nachfolgt dem Mysterium von Golgatha. Der Orient hat diese Begriffe der Entwickelung des geschichtlichen Fortschreitens eigentlich gar nicht, weil der Orient eben ein wirkliches Verständnis auch für das Mysterium von Golgatha nicht gewinnen kann. Für den Orient gibt es eine ein für allemal gültige vorhandene Wahrheit, nicht eine Entwickelung der Wahrheit.

[ 2 ] You see, my dear friends, centuries before the Mystery of Golgotha took place, it was something great, something immense, that the teaching originated in ancient India, a teaching recorded in the Bhagavad Gita and other Eastern scriptures. At that time, this was something great, something immense, something profound. And you can see from the lecture series on the Bhagavad Gita held in Helsinki that our Spiritual Science does not seek to diminish the greatness and immense significance of such phenomena. There, the grandeur and the immense significance of the profound truths contained in the Bhagavad Gita are already pointed out. It is also quite beneficial for people today to immerse themselves in this way in what was, at that time, a great and immense event for humanity. But the Mystery of Golgotha has passed humanity by; it is this Mystery that, in essence, first suggests to us a true historical understanding of Earth’s evolution, for the reason that, when we correctly understand the Mystery of Golgotha, we distinguish between the time that preceded the Mystery of Golgotha—as a time of preparation—and the time that follows the Mystery of Golgotha. The East does not actually possess these concepts of historical development and progress, because the East simply cannot gain a true understanding of the Mystery of Golgotha. For the East, there is a truth that exists once and for all, not an evolution of truth.

[ 3 ] Nun wird es in unserer Zeit noch sehr vielen Menschen schwer, an die Entwickelung der Erkenntnisse zu denken. Das rührt eben davon her, daß wir uns noch nicht vollständig mit dem Sinn des Mysteriums von Golgatha durchsetzt haben. Nehmen wir deshalb an, es trete jemand auf in unserer Zeit und wollte in unserer Zeit so sprechen, wie etwa, sagen wir, die Verfasser der Bhagavad Gita gesprochen haben oder wie der Buddha gesprochen hat in seiner Zeit, so würde dies so sein, daß der Betreffende etwas tun wollte in unserer Zeit, was gut war für jene Zeit, die Jahrhunderte dem Mysterium von Golgatha vorangegangen ist. Und man würde sagen können: Hätte der betreffende Mensch dasjenige, was er jetzt bringt, dazumal gebracht, als die Bhagavad Gita gebracht worden ist, dann wäre es dazumal eine richtige Tat gewesen im Sinne der Entwickelung. Träte er heute damit auf und spräche in demselben Sinne, in dem die Bhagavad Gita gesprochen hat, so ist es eine luziferische Tat, so ist dasjenige, was für jene Zeit taugt und was in jener Zeit hätte entwickelt werden sollen, herübergetragen in unsere Zeit. Ein solcher Mensch würde eben auslöschen aus seiner ganzen Vorstellungsart dasjenige, was in die Menschheit gebracht worden ist durch die Entwickelung seither.

[ 3 ] Even today, many people still find it difficult to contemplate the evolution of knowledge. This stems precisely from the fact that we have not yet fully imbued ourselves with the meaning of the Mystery of Golgotha. Let us therefore suppose that someone were to appear in our time and wish to speak in our time as, say, the authors of the Bhagavad Gita spoke, or as the Buddha spoke in his time; this would mean that the person in question would be attempting to do in our time something that was appropriate for that era, which preceded the Mystery of Golgotha by centuries. And one could say: If that person had presented what he is now presenting back when the Bhagavad Gita was written, it would have been a proper act in the sense of evolution at that time. If he were to present it today and speak in the same spirit as the Bhagavad Gita, it would be a Luciferic act; that which was suitable for that time and should have been developed then has been carried over into our time. Such a person would effectively erase from his entire way of thinking that which has been brought into humanity through the development that has taken place since then.

[ 4 ] Nun rede ich Ihnen hier nicht von einem Abstraktum, sondern ich rede so, weil ich Sie aufmerksam machen will auf eine gar sehr bestehende konkrete Erscheinung. Es ist im Jahre 1912 ein Buch erschienen, das heißt: «Das hohe Ziel der Erkenntnis. Aranada Upanishad» von Omar al Raschid Bey. Ich bemerke ausdrücklich, daß) Omar al Raschid Bey kein Türke ist, daß das nichts mit Mohammedanismus zu tun hat; er ist aus rein äußerlichen Gründen ein Türke geworden. Es kann uns hier nicht weiter interessieren, warum er Türke geworden ist. Er hat etwas zu vollziehen gehabt, was man in Deutschland — er ist ein guter Deutscher — nicht machen kann nämlich, wenn man nicht Türke wird, und da wurde er denn Türke. Omar al Raschid Bey wurde außerdem Brahmane und schrieb «Das hohe Ziel der Erkenntnis. Aranada Upanishad.» Herausgegeben nach seinem Tode ist dieses «Hohe Ziel der Erkenntnis» von seiner Frau, Helene Böhlau al Raschid Bey. Ich bemerke, daß nichts gesagt sein soll gegen die vorzüglichen «Ratsmädelgeschichten» und ähnliches, das Helene Böhlau früher geschrieben hat. Das ist ja nicht nötig, daß man in Bausch und Bogen eine ganze Persönlichkeit verurteilt. Aber die Vorrede, die die frühere Helene Böhlau, spätere Helene Böhlau al Raschid Bey, zu diesem Werke geschrieben hat, die wäre allerdings besser unterblieben. Nun sehen wir wirklich in diesem «Hohen Ziel der Erkenntnis» auftreten im Jahre 1912 dasjenige, was eben Jahrhunderte vor dem Mysterium von Golgatha hätte da sein dürfen, also etwas, was im eminentesten Sinne, ganz im technischen Sinne des Begriffes als etwas Luziferisches aufzufassen ist.

[ 4 ] I am not speaking to you here about an abstract concept, but rather I am speaking this way because I want to draw your attention to a very real, concrete phenomenon. A book was published in 1912 titled The High Goal of Knowledge: Aranada Upanishad by Omar al-Rashid Bey. I would like to expressly note that Omar al-Rashid Bey is not a Turk, and that this has nothing to do with Islam; he became a Turk for purely external reasons. It is of no further interest to us here why he became a Turk. He had to accomplish something that, in Germany—he is a good German—cannot be done unless one becomes a Turk, and so he became a Turk. Omar al Raschid Bey also became a Brahmin and wrote The High Goal of Knowledge. Aranada Upanishad. Published posthumously, this “High Goal of Knowledge” was edited by his wife, Helene Böhlau al-Rashid Bey. I should note that this is not meant as a criticism of the excellent “Ratsmädel Stories” and similar works that Helene Böhlau wrote earlier. After all, there is no need to condemn an entire personality wholesale. But the preface that the former Helene Böhlau—later Helene Böhlau al Raschid Bey—wrote for this work would indeed have been better left unwritten. Now, in this High Goal of Knowledge, published in 1912, we truly see the very thing that should have been present centuries before the Mystery of Golgotha—that is, something that, in the most eminent sense, entirely in the technical sense of the term, must be understood as Luciferic.

[ 5 ] Es wird in der nächsten Zeit von mir ein Buch erscheinen, das vieles enthält von den Ideen, die ich vorgetragen habe in den zwei letzten Wintern vor der Öffentlichkeit. In diesem Buche wird aber auch vieles von dem darin sein, wodurch der neuere Weltanschauungsidealismus, der also nach dem Mysterium von Golgatha liegt und diese seine Stellung nach dem Mysterium von Golgatha wohlverstanden hat, hinaus ist über dasjenige, was im alten Indien zu finden war. Denn tatsächlich, meine lieben Freunde, was Fichte, was Hegel, was Schelling, was die anderen, die ich genannt habe, gelehrt haben, das liegt weit hinaus über dasjenige, was die orientalische Weisheit, was das Brahmanentum enthält. Und daß man heute noch nicht allgemein anerkennt, daß das darüber hinaus liegt, das hat zwei Gründe. Der eine Grund ist der, daß man gewöhnlich findet, es sei zu schwierig, sich mit den Dingen zu befassen. Darüber habe ich auch in meinem Buche einiges gesprochen. Der andere Grund ist der, daß wir nun überhaupt kein solches Talent haben, uns selbst und anderen so ungeheuer erhaben vorzukommen, wenn man eine Erkenntnis errungen hat, wie der Orientale dieses hat. Und daher können Sie auch dieses «Hohe Ziel der Erkenntnis» vom Anfang bis zum Ende durchlesen, und Sie werden überall finden, daß nicht nur Erkenntnisse mitgeteilt werden, die erworben worden sein sollen, sondern daß auch überall beigefügt ist, daß diese Erkenntnis eine erhabene Erkenntnis ist, daß diese Erkenntnis so erhaben ist, daß sie selbstverständlich nur für Auserwählte verständlich, begreiflich ist, daß sie nur von den höchsten Meistern der Weisheit mitgeteilt wird. Ja, meine lieben Freunde, man braucht sich einmal bloß zu überlegen, was bei dem Talent für Verehrung, das das Morgenland hat, aus einem Fichte geworden wäre in der Nachwelt, dann würde man einen Begriff bekommen von dem, was wir eigentlich im Abendland unterlassen. Wir haben schon nicht die Begabung, mit denselben Untergefühlen zu den Großen emporzublicken, mit denen der Orientale zum Beispiel zu seinem Buddha oder zu seinem Shankaracharya hinaufblickt. Aber verführerisch — und da kann man schon sagen, luziferisch verführerisch — ist es, wenn so gesprochen wird. Denn erstens redet es sich sehr leicht in unsere Seele ein, wenn jemand ein «Hohes Ziel der Erkenntnis» schreibt. Es ist schon an sich ein Titel, nicht wahr, der suggestiv wirkt, denn jeder leckt sich die Finger ab, wenn er das «Hohe Ziel der Erkenntnis» auf 173 Seiten sich aneignen kann. Aber davon abgesehen, wenn in dem Buch fortwährend ausdrücklich hervorgehoben wird: die Weisesten der Weisen haben das zurückbehalten, nur dir, mein Teurer, wird es anvertraut, — was muß das für ein bedeutender Mensch sein, wenn er das Wissen empfängt, das die Weisesten der Weisen immer bewahrt haben, und das ihm anvertraut wird! Und gar wenn dieses Gefühl der Selbstbeweihräucherung so stark vorhanden ist, daß solch ein Buch nun gar schließt mit den bedeutungsvollen Worten:

[ 5 ] A book of mine will be published in the near future that contains many of the ideas I have presented to the public over the past two winters. But this book will also contain much of what demonstrates that the newer idealism of worldview—which is grounded in the Mystery of Golgotha and has truly understood its position in relation to that Mystery—goes far beyond what was found in ancient India. For in fact, my dear friends, what Fichte, Hegel, Schelling, and the others I have mentioned taught goes far beyond what is contained in Eastern wisdom and in Brahmanism. And there are two reasons why it is not yet generally recognized today that it goes beyond that. One reason is that people generally find it too difficult to grapple with these matters. I have also discussed this at some length in my book. The other reason is that we simply do not possess the talent to appear so immensely exalted to ourselves and others when we have attained a realization, as the Easterners do. And so you can read through this High Goal of Knowledge from beginning to end, and you will find throughout that not only are insights communicated that are said to have been acquired, but that it is also stated everywhere that this insight is a sublime insight, that this insight is so sublime that it is, of course, understandable and comprehensible only to the elect, and that it is communicated only by the highest masters of wisdom. Yes, my dear friends, one need only consider what would have become of Fichte in posterity, given the Orient’s talent for veneration, and then one would get an idea of what we in the West are actually failing to do. We simply do not possess the gift of looking up to the great ones with the same deep reverence with which, for example, an Oriental looks up to his Buddha or his Shankaracharya. But it is seductive—and one might even say Luciferian in its seductiveness—when such language is used. For one thing, it creeps very easily into our souls when someone writes about a “High Goal of Knowledge.” It is, in and of itself, a title that has a suggestive effect, isn’t it? After all, everyone would be licking their fingers at the chance to absorb the “High Goal of Knowledge” over the course of 173 pages. But setting that aside, when the book constantly and explicitly emphasizes: “The wisest of the wise have kept this to themselves; only to you, my dear friend, is it entrusted”—what a significant person that must be, to receive the knowledge that the wisest of the wise have always guarded, and which is entrusted to him! And especially when this sense of self-adulation is so strong that such a book even concludes with the meaningful words:

[ 6 ] «Frieden sei mit dir, o Teurer!

[ 6 ] “Peace be with you, O beloved!

[ 7 ] Ich habe zu dir vom Endziel des Wissens gesprochen — gesagt, so viel zu sagen deinem Verständnis angemessen war — zu irdischem Heil und zu der Welt Erlösung — stammelnde Worte suchender Seele. Die ersten Hügel im Tiefland sind erstiegen, es lichten sich die Nebel —: vor dir in schier unabsehbaren Fernen leuchten die Höhen von Himavat. Öffne dein Auge göttlichem Lichte — — du schaust wahrhaft — — und zuschanden geworden ist alle irdische Weisheit — zerstoben die allblendende Erscheinung — erloschen der Weltenschein — ein Traum — was in dir erwacht ist, ist größer als alle Welten — erreicht das hohe Ziel der Erkenntnis, erreicht Vollendung — Vollendung in Gottheit.

[ 7 ] I have spoken to you of the ultimate goal of knowledge—saying as much as was appropriate for your understanding—for earthly salvation and the world’s redemption—the stammering words of a searching soul. The first hills in the lowlands have been climbed; the mists are clearing—: before you, in almost immeasurable distances, the heights of Himavat shine. Open your eyes to the divine light—you truly see—and all earthly wisdom has been put to shame—the all-blinding illusion has dissipated—the worldly glow has faded—a dream—what has awakened within you is greater than all worlds—you have reached the highest goal of knowledge, you have attained perfection—perfection in divinity.

[ 8 ] So lautet in aranada-upanishad der adhyaya: Erwachen; wortlos das Letzte: Nirvana.»

[ 8 ] In the Aranada Upanishad, the adhyaya is titled: “Awakening”; the final wordless teaching: “Nirvana.”

[ 9 ] «Wortlos das Letzte»! Und damit das besonders unterstrichen ist, macht uns Frau Helene Böhlau al Raschid Bey noch darauf aufmerksam, daß wir das besonders tief aufzufassen haben: «Wortlos das Letzte», weil sie aus der Schülerschaft zu dem, was in diesem Buche steht, selbst erkannt hätte, wie menschliche Worte nicht ausreichen, das Tiefste zu sagen. Also es ist viel Tieferes, als darin gesagt ist, selbstverständlich! Denn das wortlose Wissen, an das zuletzt appelliert wird, das muß natürlich ganz besonders tief sein! Findet man schon unendlich tief, was er sagt, wie sollte man nicht dasjenige unendlich tief finden, was er nicht sagt! Allerdings, meine lieben Freunde: solches zu schreiben, solches zu denken und solches zu halten, sind noch zweierlei Dinge. Denn: «Wortlos das Letzte» — also das andere sind Worte, die eben noch nicht das Tiefste geben. Aber es wird gleich begonnen mit einer ungeheuer tiefen Anschauung. So zum Beispiel mit der ungeheuer tiefen Anschauung, die ja ganz in der Sprachweise jener alten orientalischen Weisheit ist: Wenn ich hier stehe, und einer steht hier, so steht er von mir links. Ich sage mit Recht: er steht links von mir. Aber wenn ein anderer dort steht, so steht derselbe Mensch rechts von ihm, so daß also rechts und links gar keine absoluten Bezeichnungen sind. Wenn ich ihn bezeichne, ist er links; wenn er ihn bezeichnet drüben, ist er rechts. Also: rechts und links ist Maya. Wie könnte man einen besseren Begriff geben von Maya, als den, daß links nur eine Bezeichnung ist, die von außen hinzugefügt ist! Und ungefähr in dieser «Tiefe» geht es auch weiter; denn die Tiefe wird im Grunde genommen hauptsächlich dadurch erzeugt, daß immer gesagt wird, es sei «abgrundartig tief».

[ 9 ] “The Last, Without a Word”! And to emphasize this point, Ms. Helene Böhlau al Raschid Bey draws our attention to the fact that we must take this particularly deeply to heart: “The Last Word Without Words,” because, as a student of the teachings in this book, she herself had come to realize how human words are insufficient to express the deepest truths. So there is, of course, much more depth than is expressed in the text! For the wordless knowledge to which the final appeal is made must, naturally, be particularly profound! If what he says is already found to be infinitely profound, how could one not find that which he does not say to be infinitely profound as well! However, my dear friends: to write such things, to think such things, and to hold such views are still two different matters. For: “The ultimate is wordless”—thus the rest are words that simply do not yet convey the deepest meaning. But it begins immediately with an immensely profound insight. For example, with the immensely profound insight that is entirely in the style of that ancient Eastern wisdom: If I am standing here, and someone else is standing here, then he is standing to my left. I am right to say: he stands to my left. But if someone else stands there, then that same person stands to his right, so that right and left are not absolute designations at all. When I designate him, he is on the left; when he designates the other person over there, he is on the right. So: right and left are Maya. How could one give a better definition of Maya than that “left” is merely a designation added from the outside! And the discussion continues at roughly this “depth”; for, fundamentally speaking, this depth is generated mainly by the fact that it is always said to be “abysmally deep.”

[ 10 ] Aber es erhebt sich ja auch zu anderen Dingen. Sie wissen ja vielleicht, und Sie werden es noch mehr sich überlegen können, wenn Sie das Buch, das demnächst erscheinen wird, lesen werden, daß denjenigen Geistern, die den neueren Weltanschauungsidealismus gepflegt haben, es hauptsächlich darauf angekommen ist, das Ich zu erleben, im Ich zu leben. Das muß so sein nach dem Mysterium von Golgatha. Aber die orientalische Weisheit ging darauf hinaus, das Ich nur ja nicht zu erleben, sondern es zu überwinden, auszulöschen. Und nun erneuert Omar al Raschid Bey, der Deutsche, nicht der Türke, diese alte indische Weisheit, indem er sagt:

[ 10 ] But it also extends to other things. As you may know—and you will be able to reflect on this even more deeply when you read the book that is soon to be published—the spirits who cultivated the more recent idealism of worldview were primarily concerned with experiencing the “I,” with living in the “I.” This must be so according to the Mystery of Golgotha. But Eastern wisdom aimed precisely at not experiencing the “I,” but rather at overcoming it, at extinguishing it. And now Omar al-Rashid Bey—the German, not the Turk—is reviving this ancient Indian wisdom by saying:

[ 11 ] «Wer sein Heil im ‚Ich’ sucht, dem ist Selbstsucht Gebot, dem ist Selbstsucht Gottheit.»

[ 11 ] “For those who seek their salvation in the ‘I,’ selfishness is their commandment; for them, selfishness is their deity.”

[ 12 ] Ja, meine lieben Freunde, wer sein Heil im Ich sucht, dem ist Selbstsucht Gebot, dem ist Selbstsucht Gottheit. Die Selbstsucht, die Ichsucht, liegt nämlich vor dem Finden des Ich. Solange man sucht das Ich, solange entwickelt man die Selbstsucht, und von der Selbstsucht befreit nur die Findung, das Finden des Ichs. Hat man es gefunden, dann kann man nicht mehr von der Selbstsucht, von der Ichsucht gequält werden. In dem Finden des Ich liegt die einzig wirkliche Überwindung der Selbstsucht. Und wer heute, nach dem Mysterium von Golgatha, noch fliehen will das Ich, wer heute noch dasselbe sagt, wie man im alten Indien gesagt hat, der wird zurückgeworfen aus dem Ich in die Sucht nach dem Ich, der pflegt gerade die Selbstsucht. Daher machen solche Bücher heute auf uns einen so selbstsüchtigen Eindruck, einen Eindruck, der uns zeigt, wie die Betreffenden sich von der Welt zurückziehen, nicht das Unsterbliche, das Geistige der Wirklichkeit suchen wollen, sondern vor der Wirklichkeit zurückzucken, um in ihren Träumen selbstsüchtig nach einer Erkenntnis zu suchen. Das ist die Selbstsucht der Erkenntnis. Und diese Selbstsucht der Erkenntnis, die sich selbst nicht bemerkt, das ist die schlimmste Selbstsucht. Daher ist das ganze Buch ein selbstsüchtiges Buch. Solange das Ich nicht eingezogen war in die Entwickelung der Menschheit, das heißt vor dem Mysterium von Golgatha, mußte man die Ichsucht veredeln. Da war die orientalische Weisheit am Platze. Heute so zu sprechen, heißt: scheinbar vorn vor sich wegzustoßen das Ich, und hinten packt einen Luzifer und stößt einen erst recht in die Selbstsucht hinein; und das merkt man nicht! Und weiter heißt es:

[ 12 ] Yes, my dear friends, for those who seek their salvation in the “I,” selfishness is the commandment; for them, selfishness is a deity. Selfishness, the pursuit of the “I,” exists even before the “I” is found. As long as one seeks the “I,” one cultivates selfishness, and only the discovery—the finding of the “I”—can free one from selfishness. Once it has been found, one can no longer be tormented by selfishness or the pursuit of the “I.” In the finding of the “I” lies the only true overcoming of selfishness. And anyone today, after the Mystery of Golgotha, who still wishes to flee from the “I”—anyone who still says the same thing as was said in ancient India—will be cast back from the “I” into the craving for the “I”; such a person is, in fact, cultivating selfishness. That is why such books make such a selfish impression on us today—an impression that shows us how those involved withdraw from the world, not seeking the immortal, the spiritual aspect of reality, but recoiling from reality in order to selfishly seek knowledge in their dreams. This is the selfishness of knowledge. And this selfishness of knowledge, which is unaware of itself, is the worst kind of selfishness. That is why the entire book is a selfish book. As long as the “I” had not been incorporated into the development of humanity—that is, before the Mystery of Golgotha—one had to refine this selfishness of the “I.” That was where Eastern wisdom came into play. To speak this way today means: seemingly pushing the “I” away from oneself in front, while behind, Lucifer seizes you and thrusts you even further into selfishness—and you don’t even notice it! And it goes on to say:

[ 13 ] «Wer sein Heil in dieser Welt sucht, der bleibt dieser Welt verfallen. —» Seit dem Mysterium von Golgatha sagen wir: Wer das Heil nicht im Geistigen der Welt sucht, sondern vor der Welt zurückzuckt, der verfällt erst recht der Welt. Nämlich er verfällt derjenigen Welt, die in ihm träumt! Und weiter heißt es:

[ 13 ] “Whoever seeks salvation in this world remains enslaved to this world. —” Ever since the Mystery of Golgotha, we have said: Whoever does not seek salvation in the spiritual realm of the world, but instead shrinks back from the world, falls all the more into the world. Namely, he falls into the world that dreams within him! And it goes on to say:

[ 14 ] «Dem ist kein Entrinnen aus ungestilltem Verlangen»

[ 14 ] “There is no escape from unfulfilled desire”

[ 15 ] Er verfällt, meint er, immer wieder und wiederum in ungestilltes Verlangen. Der aber, der so sagt, fällt in das Verlangen nach dem Ich und merkt es nicht, weil er das Ich flieht:

[ 15 ] He says he falls, again and again, into unfulfilled desire. But the one who says this falls into a desire for the self and does not realize it, because he flees from the self:

[ 16 ] «Dem ist kein Entrinnen aus nichtigem Spiel.»

[ 16 ] “There is no escape from this futile game.”

[ 17 ] Statt die Wirklichkeit zu nehmen, statt sich der Wirklichkeit entgegenzustellen und in der Wirklichkeit selber zu suchen dasjenige, was in ihr geistig ist, wird hier die Wirklichkeit geflohen. Dadurch fällt man aber erst recht auf der anderen Seite in die Wirklichkeit zurück:

[ 17 ] Instead of accepting reality, instead of confronting reality and seeking within reality itself that which is spiritual in it, reality is fled from here. But in doing so, one falls back into reality all the more on the other side:

[ 18 ] «Dem ist kein Entrinnen aus den engen Fesseln des Ich.» Dadurch, daß man es findet, das Ich, entringt man sich diesen Fesseln!

[ 18 ] “There is no escape from the tight bonds of the ego.” By finding the ego, one breaks free from these bonds!

[ 19 ] «Wer sich aus dieser Welt nicht erhebt, der lebt und vergeht mit seiner Welt.»

[ 19 ] “Whoever does not rise above this world lives and perishes with it.”

[ 20 ] Derjenige aber, der nach dem Mysterium von Golgatha spricht, der sagt: Wer aber mit dem Ewigen dieser Welt sich verbindet und aus dem Zeitlichen das Ewige sucht, der verfällt nicht mit dieser Welt.

[ 20 ] But the one who speaks of the Mystery of Golgotha says: “Whoever unites himself with the Eternal One of this world and seeks the eternal within the temporal will not perish with this world.”

[ 21 ] Man kann fast jeden Satz, der hier steht, in sein Gegenteil verkehren, und man wird das für unsere Zeit Richtige finden. Ich habe an den Rand geschrieben: «Wer das Ich flieht, der verfällt der ‘Sucht nach dem Ich, denn Sucht nach dem Ich schafft das Ich zum Ich für sich; Finden des Ich befreit von Sucht nach dem Ich, befreit von Selbstsucht. Wer diese Welt durchschaut, durch den ist diese Welt gewonnen.» — Das Original sagt:

[ 21 ] You can turn almost every sentence here into its opposite, and you will find what is true for our time. I wrote in the margin: “Whoever flees the self falls prey to the ‘addiction to the self,’ for addiction to the self creates the self as a self unto itself; finding the self frees one from addiction to the self, frees one from selfishness. Whoever sees through this world has conquered this world.” — The original says:

[ 22 ] «Wer sich aus dieser Welt nicht erhebt, der lebt und vergeht mit seiner Welt.»

[ 22 ] “Whoever does not rise above this world lives and perishes with it.”

[ 23 ] Heute, nach dem Mysterium von Golgatha, sagen wir: Wer diese Welt durchschaut, durch den ist diese Welt gewonnen!

[ 23 ] Today, in the wake of the Mystery of Golgotha, we say: Whoever sees through this world has conquered it!

[ 24 ] Sie sehen daraus, daß dasjenige, was wir luziferisch nennen, ganz im technischen Sinne des Wortes, durchaus auch in dem engen Kreise unseres geschichtlichen Werdens seine tiefe Bedeutung hat. Heute dasjenige lehren als für die Gegenwart gültig, was gelehrt werden mußte vor Jahrtausenden, heißt luziferisch lehren. Aber die wirklichkeitsfreundlichen Seher, an denen geht man nur allzu gern in der Gegenwart vorbei, weil man es nicht wichtig genug findet, sich mit ihrer Seherschaft und mit dem, was Inhalt ihrer Seherschaft ist, zu befassen. Solche Weisheit wie im «Hohen Ziel der Erkenntnis» spricht ja gar sehr zu der — na, sagen wir — höheren Selbstsucht der Menschen. Sich mit der Wirklichkeit zu befassen, die Wirklichkeit zu durchschauen, dafür ist weniger Interesse vorhanden. Und wir haben ja auch nicht das Talent, diejenigen gleich so zu erkennen und zu schätzen, wie der Orientale seinen Buddha etwa geschätzt hat, wenn solche mehr oder weniger unter uns sind.

[ 24 ] You can see from this that what we call “Luciferic”—in the strictly technical sense of the word—certainly has profound significance even within the narrow confines of our historical development. To teach today as valid for the present what had to be taught millennia ago is to teach in a Luciferic way. But the visionaries who are attuned to reality—people are all too eager to overlook them in the present because they do not consider it important enough to engage with their vision and with the content of that vision. Wisdom such as that found in The High Goal of Knowledge speaks very much to—well, let’s say—the higher self-interest of human beings. There is less interest in engaging with reality, in seeing through reality. And we certainly do not have the talent to recognize and appreciate such people immediately, just as the Easterners appreciated their Buddha, for example, when such individuals are more or less among us.

[ 25 ] Sehen Sie, solch eine Gestalt, die schon in gewissem Sinne eine Seher-Gestalt ist, von einem gewissen Gesichtspunkte aus, ist Robert Hamerling, der größte neuere Dichter Mitteleuropas. Nun will ich nicht von der Dichtung Robert Hamerlings im allgemeinen sprechen, auch nicht von seiner Philosophie im allgemeinen. Darüber können Sie lesen in dem Buch, das ich eben erwähnt habe, das nächstens von mir erscheinen wird. Aber ich möchte Sie darauf aufmerksam machen, daß sich Hamerlings Sehergabe wirklich bewährt hat in einem gründlichen Durchschauen desjenigen, was in der Gegenwart spielt. Und daß sich seine Sehergabe so bewähren konnte, das hat er in seinem noch kurz vor seinem Tode erschienenen großen satirischen Epos «Homunkulus» gezeigt. Homunkulus — was ist denn das eigentlich für eine Dichtung? Nun, ich will Ihnen heute nicht die Dichtung erzählen; die können Sie ja lesen. Ich will nur zeigen, wie man die Homunkulus-Idee und das Homunkeltum, den Homunkulismus aus der Gegenwart heraus verstehen kann. Nicht wahr, wir haben heute Leute unter uns — ich meine nicht, hier unter uns, sondern im allgemeinen, und wenn welche unter uns wären, so wären ja die Anwesenden ausgenommen! — wir haben heute Leute unter uns, welche glauben, daß die naturwissenschaftliche Vorstellungsart ganz allein für ein Weltbild berechtigt ist, daß alles naturwissenschaftlich erklärt werden muß, und daß alles übrige, was nicht naturwissenschaftlich erklärt wird oder erklärt werden kann, abzuweisen ist: das sei nichts als phantastische Träumerei, phantastische Mystik, Okkultismus! — Nicht wahr, wir haben solche Menschen unter uns. Diese Menschen gehen davon aus, daß alles unter mechanistischen Gesetzen, unter den Gesetzen der Materie steht. Auch alle geistigen Erscheinungen und Erlebnisse stehen unter mechanistischen, unter materialistischen Stoff- und Kraft-Gesetzen. Nun, selbstverständlich kann man sich das vorstellen. Aber solch eine Welt, wie sie der materialistische Denker vorstellt, kann nicht wirklich sein. In der würde niemals das kleinste Pflanzenwürzelchen, geschweige denn ein Tier oder ein Mensch entstehen. Aber es könnte jemand einmal die Frage stellen: Wie würde denn eigentlich der Mensch beschaffen sein, wenn es die Welt gäbe, welche die naturwissenschaftliche Vorstellungsart vorstellt, wenn diese Welt wirklich existierte, wenn nichtunsere Welt, die geistdurchsetzt ist, existierte, sondern wenn diejenige Welt existierte, die der, der einzig und allein an naturwissenschaftliche Vorstellungen glaubt, eben sich denkt. Wie wäre ein solcher Mensch beschaffen? Nun, ein solcher Mensch würde aus solch einer Welt nach rein mechanistischen Gesetzen erzeugt, selbstverständlich. Alles Geheimnisvolle würde verschwunden sein. Hamerling beantwortet mit echt künstlerischer, dichterischer Kraft diese Frage, indem er in seinem Homunkulus einen solchen Menschen hinstellt, der wirklich so ist, wie der Mensch werden müßte, wenn es nur die Welt des Materialistischen gäbe — ein Homunkulus! Und dieser Homunkulus erreicht viel. Denn wenn Sie sich an manches erinnern, was ich gerade in den letzten Betrachtungen ausgeführt habe: Das Gehirn ist schon in gewissem Sinne ein mechanisches Werkzeug, das Gehirn könnte schon entstehen beim bloßen Mechanismus. Also könnte da das Gehirn Gescheitheit erzeugen, so könnte ein solcher Mensch furchtbar gescheit werden, könnte sich furchtbar gescheit hinstellen in diese Weltenordnung, in der auch alles mechanisch wäre. Der Homunkulus Hamerlings ist auch sehr gescheit. Er kann alle die Dinge, die sich in der Welt ergeben, sehr gut kombinieren. Er gründet ein Allerweltsblatt. Das kann man auch in einer Welt, in der der Homunkulismus blüht; man kann große Blätter begründen. Der Homunkulus wird auch Billionär. Nicht bloß Millionär, auch Billionär wird er, der Homunkulus! Das kann man auch in einer Welt, in der es keinen Geist gibt! Nun, so geht es weiter. Er bringt eine Affenschule zustande, weil er selbstverständlich aus dem materialistischen Darwinismus heraus die Idee hat, daß die Menschen vom Affen abstammen. Also wenn man die Affen nur ordentlich unterrichtet und sie entsprechend schulmäßig behandelt, so müssen sie sich natürlich zu Menschen verwandeln; man kürzt ihren Weg dann schulmäßig ab, nicht wahr? Es ist ein vorzügliches Kapitel, diese Affenschule in Hamerlings «Homunkulus»! Er zeigt auch, welche Stellung gewisse Leute einnehmen, die Zeitungen und anderes ähnliches Zeug schreiben. Das alles kann geschehen in einer Welt des Homunkulismus. Man kann sagen: Hamerling hat in den achtziger Jahren wirklich mit Sehergabe geschrieben. Denn selbstverständlich gäbe es in der Welt des Homunkeltums auch Luftschiffe, das ist ja ganz klar, viel vollkommenere vielleicht, als bei uns schon da sind, weil noch immer die alten Anschauungen die Sache stören, nach dem Eindruck gewisser Leute. Der Homunkulus baut sich selbstverständlich auch ein Luftschiff — in den achtziger Jahren schrieb das Hamerling hin —, er hat nur das Malheur, daß er, indem er mit diesem Luftschiff in die Welt hinausfährt, von den Welten-Anziehungskräften, von der Welten-Gravitation ergriffen und nun wirklich von den mechanischen Kräften in den Weltenraum mitgenommen wird. Und wenn Sie abends hinausgehen und ganz genau hinschauen, und irgend so ein Wrack in der Ferne sehen: Da ist der Homunkulus auf dem zerschellten Weltenschiff! Da hält er sich noch an dem letzten Pfosten so an. Er geht auch in die mechanischen Kräfte auf.

[ 25 ] You see, Robert Hamerling—who, in a certain sense, is already a visionary figure from a certain perspective—is the greatest modern poet of Central Europe. Now, I do not wish to speak about Robert Hamerling’s poetry in general, nor about his philosophy in general. You can read about that in the book I just mentioned, which I will be publishing shortly. But I would like to draw your attention to the fact that Hamerling’s gift of clairvoyance has truly proven itself in his profound insight into what is happening in the present. And he demonstrated that his gift of clairvoyance could prove itself in this way in his great satirical epic Homunkulus, which was published shortly before his death. Homunkulus—what kind of work of poetry is that, actually? Well, I don’t intend to recount the poem to you today; you can read it for yourselves. I simply want to show how one can understand the idea of the homunculus and “homunculism” from the perspective of the present. Isn’t it true that we have people among us today—I don’t mean here among us, but in general, and even if there were any among us, those present here would of course be excluded! — we have people among us today who believe that the scientific way of thinking is the only legitimate basis for a worldview, that everything must be explained scientifically, and that everything else that is not or cannot be explained scientifically must be rejected: that it is nothing but fanciful daydreaming, fanciful mysticism, occultism! — Isn’t that right? We do have such people among us. These people assume that everything is subject to mechanistic laws, to the laws of matter. Even all spiritual phenomena and experiences are subject to mechanistic, materialistic laws of matter and force. Well, of course one can imagine that. But such a world, as the materialist thinker has in his mental image, cannot really exist. In such a world, not even the tiniest plant root, let alone an animal or a human being, would ever come into being. But someone might ask: What would a human being actually be like if the mental image of the world envisioned by the scientific mindset actually existed—if, instead of our world, which is permeated by the spirit, there existed the world that those who believe solely in scientific concepts imagine? What would such a human being be like? Well, such a human being would, of course, be produced in such a world according to purely mechanistic laws. Everything mysterious would have vanished. Hamerling answers this question with genuine artistic and poetic power by portraying in his Homunculus just such a human being—one who is truly what a human being would have to become if only the materialist’s world existed—a Homunculus! And this Homunculus achieves a great deal. For if you recall some of what I have just explained in my recent reflections: The brain is, in a certain sense, already a mechanical tool; the brain could indeed arise through mere mechanism. Thus, the brain could generate intelligence; such a human being could become incredibly intelligent and could present himself as incredibly intelligent within this world order, in which everything would also be mechanical. Hamerling’s homunculus is also very clever. He is very good at combining all the things that happen in the world. He founds a general-interest newspaper. That’s possible even in a world where homunculism flourishes; one can found major newspapers. The homunculus also becomes a trillionaire. Not just a millionaire—he becomes a trillionaire, this homunculus! That’s possible even in a world where there is no spirit! Well, the story continues. He establishes a school for monkeys, because, naturally, based on materialistic Darwinism, he holds the belief that humans are descended from monkeys. So if you just teach the monkeys properly and treat them in a school-like manner, they must naturally transform into humans; you’re shortening their path in a school-like way, aren’t you? This monkey school in Hamerling’s Homunkulus is an excellent chapter! He also shows the stance taken by certain people who write newspapers and other such things. All of this can happen in a world of homunkulism. One could say: Hamerling truly wrote with the gift of clairvoyance in the 1880s. For, of course, there would also be airships in the world of homunkulism—that much is quite clear—perhaps far more perfect than those we already have, because, according to the impression of certain people, the old ways of thinking still get in the way. The homunculus, of course, also builds himself an airship—Hamerling wrote this down in the 1980s—but he has the misfortune that, as he sets out into the world in this airship, he is seized by the world’s gravitational forces and is now truly carried off into outer space by mechanical forces. And if you go out in the evening and look very closely, and see some kind of wreck in the distance: there is the homunculus on the shattered spaceship! There he is, still clinging to the last post. He, too, is absorbed into the mechanical forces.

[ 26 ] Mit echter, anschaulicher Sehergabe, aus der Wirklichkeit heraus ist diese Sache, Hamerlings «Homunkulus», geschrieben. Denn die Welt gibt es ja natürlich nicht, die der Homunkulismus sich vorstellt. Aber die Leute können so ihr Denken einrichten, wie es im Sinne des Homunkulismus ist, und dadurch können sie — wenigstens für ein gewisses Zeitalter — unter den Menschen ein Homunkeltum des Denkens begründen. Das war Hamerlings Meinung: Das Homunkeltum zieht herauf, das Homunkeltum erfaßt die Menschen. Die Menschen können die Natur nicht seelenlos machen, die behält schon ihre Seele. Aber sich selber können sie seelenlos machen. Und Homunkulus, der seelenlose Mann, er findet auch ein seelenloses Weib. Homunkulus, dessen Erkenntnis nicht zugänglich ist Seele und Geist, — er wird der seelenlose Mann.

[ 26 ] Hamerling’s Homunkulus was written with a genuine, vivid gift of clairvoyance, drawn from reality. For, of course, the world that homunculism creates as a mental image does not exist. But people can structure their thinking in a way that aligns with the spirit of homunculism, and through this they can—at least for a certain era—establish a homunculism of thought among humanity. That was Hamerling’s view: Homunculism is on the rise; homunculism is taking hold of people. People cannot render nature soulless; nature retains its soul. But they can render themselves soulless. And the homunculus, the soulless man, also finds a soulless woman. The homunculus, whose understanding is inaccessible to soul and spirit—he becomes the soulless man.

[ 27 ] Hamerling ahnte, daß Leute kommen könnten, die da sagen: Ach, überwunden haben wir, Gott sei Dank, diesen Goetheschen Klassizismus und alles, was damit zusammenhängt! Dieser Goethesche Klassizismus hat noch seinen vollen Glauben an den homo sapiens, an den weisen Menschen, der in seinem Geiste etwas finden könnte, was menschliche Ordnungen begründet. Wir aber wissen, daß alles, was menschliche Ordnung ist, rein von den äußeren wirtschaftlichen Verhältnissen bedingt ist, so von wirtschaftlichen Verhältnissen abhängt, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse den Menschen herausstellen und der Mensch eigentlich nur von dieser alten Klassik, die wir nun glücklich überwunden haben, noch als ein homo sapiens angesehen wird. Heute müßte man ihn als einen homo oeconomus ansehen! Hamerling ahnte wohl, daß so etwas kommen könnte. Sie werden mich auslachen aus dem Grunde, weil Sie sagen werden: Es wird doch niemand so konfus sein, zu sagen, der alte Klassizismus, in dem man noch an den homo sapiens glaubte, wäre heute abgetan, und daß man heute glauben müsse nicht an den homo sapiens, sondern an den homo oeconomus, und man nicht daran denken könnte, daß Ideen und Ideale in die soziale Ordnung einfließen, sondern daß dieselbe rein mechanistisch orientiert sei. Die reine Naturwissenschaft ergebe die wirtschaftlichen Gesetze so, daß der Mensch als homo oeconomus im Sozialorganismus sich drinnenstehend wisse, und nicht mehr verfällt diesem dummen Glauben an den homo sapiens.

[ 27 ] Hamerling suspected that people might come along who would say: “Oh, thank God, we’ve finally overcome this Goethean classicism and everything associated with it!” This Goethean classicism still holds full faith in homo sapiens, in the wise human being who could find within his spirit something that establishes human orders. But we know that everything that constitutes human order is purely determined by external economic conditions—so dependent on economic conditions, in fact, that economic conditions define human beings, and it is only in this old classical tradition, which we have now happily overcome, that human beings are still regarded as homo sapiens. Today, one would have to regard him as a homo oeconomus! Hamerling probably sensed that something like this might come to pass. You will laugh at me because you will say: Surely no one would be so confused as to say that the old classicism, in which one still believed in homo sapiens, has been discarded today, and that today one must believe not in homo sapiens but in homo oeconomus, and that one could not conceive of ideas and ideals flowing into the social order, but rather that the social order is purely mechanistically oriented. Pure natural science derives economic laws in such a way that humans, as homo oeconomus, know themselves to be embedded within the social organism and no longer succumb to this foolish belief in homo sapiens.

[ 28 ] Sie werden sagen, diese wahnsinnige Idee kann heute doch nicht als gescheit gelten! Ich werde Ihnen aber etwas erzählen, meine lieben Freunde. Vor einiger Zeit las ich im «Berliner Tageblatt» einen Artikel meines alten lieben Freundes Engelbert Pernerstorfers, der jetzt Vizepräsident des österreichischen Reichsrates ist. Er ist in vielen Dingen ein sehr gescheiter Mann. In diesem Artikel des «Berliner Tageblatts> war besonders hervorragend besprochen ein Buch von einem gewissen Dr. Renner: «Österreichs Erneuerung». Aller Grund lag für mich vor, mich mit diesem Buch zu befassen, denn in dieser Besprechung von meinem alten Freund Pernerstorfer war gesagt, daß dieses Buch wohl berücksichtigt werden sollte von den Menschen der Gegenwart, denn man sähe, daß es noch Leute gibt, die wissen, wie man die Welt einzurichten habe, wenn dieser Krieg über uns hinweggezogen sein wird, daß es noch Leute mit fruchtbaren, schöpferischen Ideen gibt. Also, selbstverständlich, man muß seine Zeit kennen, ich ließ mir das Buch kommen. Da heißt es:

[ 28 ] You’ll say that this crazy idea can’t possibly be considered sensible today! But let me tell you something, my dear friends. Some time ago, I read an article in the Berliner Tageblatt by my dear old friend Engelbert Pernerstorfer, who is now Vice President of the Austrian Imperial Council. He is a very intelligent man in many respects. This article in the Berliner Tageblatt contained a particularly outstanding review of a book by a certain Dr. Renner: Austria’s Renewal. I had every reason to take a closer look at this book, for in this review by my old friend Pernerstorfer it was stated that this book should certainly be taken into account by people of our time, since it shows that there are still people who know how to organize the world once this war has passed, and that there are still people with fruitful, creative ideas. So, of course, one must be attuned to the times; I had the book sent to me. It says:

[ 29 ] «In diesem Kriege sind in mannigfacher Weise die anderen Kräfte sichtbar geworden. Am auffälligsten verriet die volkswirtschaftlicheReife der Nationen ihre Übermacht. Man hat Hindenburgs Siege Eisenbahn-Siege genannt und mit Recht: der gute Zustand der Bahnen, Straßen und Wege in einem Lande ist eine Bürgschaft der militärischen Erfolge, er ist jedoch nur ein Anzeichen der höher organisierten Volkswirtschaft.»

[ 29 ] “In this war, other forces have become apparent in many ways. Most strikingly, the economic maturity of the nations revealed their superiority. Hindenburg’s victories have been called ‘railroad victories,’ and rightly so: the good condition of a country’s railroads, roads, and paths is a guarantee of military success, but it is only one sign of a more highly organized national economy.”

[ 30 ] Es soll nicht bestritten werden. Aber gehen wir weiter:

[ 30 ] This is not to be disputed. But let's move on:

[ 31 ] «Die stärkste Umwertung, die dieser Weltkrieg vollzogen hat, betrifft die ökonomische, soziale, politische und militärische Einschätzung der Industrie und damit des Industriestaates, wie des Industrievolkes. In diesem Punkte hat sich eine wahre Revolution des öffentlichen Bewußtseins vollzogen.»

[ 31 ] “The most profound shift brought about by this world war concerns the economic, social, political, and military assessment of industry—and thus of the industrial state and the industrial people. In this regard, a true revolution in public consciousness has taken place.”

[ 32 ] «Und nun kommt der Krieg, hoch und nieder, In- und Ausland verkünden es immer öfter, immer lauter, unaufhörlich und am Ende unbestreitbar: Die Industrie hat gesiegt! Deutschlands Industrie ist die Retterin des Vaterlandes, die unzerstörbare Widerstands- und unwiderstehliche Stoßkraft des Staates! Der Industriestaat siegt über den Handelsstaat, den Rentnerstaat, den Agrarstaat, die Industrie ist der Kern unseres Volkstums'»

[ 32 ] “And now war is coming, far and wide; at home and abroad, the news is being proclaimed ever more frequently, ever more loudly, incessantly, and ultimately indisputably: Industry has triumphed! Germany’s industry is the savior of the fatherland, the indestructible resilience and irresistible driving force of the state! The industrial state triumphs over the commercial state, the rentier state, and the agrarian state; industry is the core of our national identity.”

[ 33 ] «Im Handumdrehen aus Kavalleristen Infanteristen, aus Reservisten gute technische Truppen, aus Landsturmmännern vollwertige Frontsoldaten zu machen: das kann nur ein Industriestaat, dessen Arbeiter oft und oft im Leben Betrieb, Branche und Stellung wechseln und sich jeweilig in Stunden in jeder Lage zurechtfinden müssen bei Strafe des wirtschaftlichen Unterganges.»

[ 33 ] “To turn cavalrymen into infantrymen, reservists into skilled technical troops, and Landsturm men into fully-fledged front-line soldiers in the blink of an eye: only an industrialized nation can do this—one whose workers frequently change companies, industries, and positions throughout their lives and must adapt to any situation within hours, on pain of economic ruin.”

[ 34 ] Nicht mehr die Ideen — so wird auseinandergesetzt —, die die frühere Zeit beherrscht haben, sollen die soziale Ordnung irgendwie begründen, sondern die wahre Wissenschaft; die geht mit ihren mechanischen Gesetzen in die Industrie hinein und organisiert die Industrie und stellt auch den Menschen hinein, daß er ein Rad wird in diesem industriellen Zusammenhange. Das ist das Große der neueren Wissenschaft und Organisation — selbstverständlich nur Wissenschaft im Sinne der naturwissenschaftlichen Denkweise!

[ 34 ] It is argued that it is no longer the ideas—which dominated earlier times—that are supposed to somehow underpin the social order, but rather true science; with its mechanical laws, science penetrates industry, organizes it, and places human beings within it so that they become cogs in this industrial machinery. That is the greatness of modern science and organization—of course, only science in the sense of the natural-scientific way of thinking!

[ 35 ] «Wissenschaft und Organisation werden zur lebendigen Praxis nur im Industrievolk. Diese Erfahrungen müssen von nun an unsere ganze politische Praxis durchdringen.»

[ 35 ] “Science and organization become a living practice only among an industrial people. From now on, these experiences must permeate our entire political practice.”

[ 36 ] «Es ist kein Zufall, daß sich in diesem Kriege der Staatsgedanke mächtiger erwiesen hat als das Nationalitätsprinzip. In dem halben Jahrhundert nach dem geschichtlichen Höhepunkt des rein nationalen Gedankens haben die Welt und die Menschen eine ganz erstaunliche Entwickelung genommen. Die vorwaltenden Interessen jener heute fernen Jahrzehnte waren noch immer Literatur, Kunst, Philosophie, noch wirkte die klassische Zeit nach.»

[ 36 ] “It is no coincidence that, in this war, the concept of the state has proven more powerful than the principle of nationality. In the half-century following the historical peak of the purely national idea, the world and humanity have undergone a truly astonishing development. The prevailing interests of those now-distant decades were still literature, art, and philosophy; the classical era still had an influence.”

[ 37 ] «Technik und Ökonomie beherrschen auch die Phantasie der Menschen, der Mensch ist aus dem homo sapiens der Klassik der homo oeconomus geworden, das wirtschaftliche Interesse waltet vor und drängt alle anderen zurück.»

[ 37 ] “Technology and economics also dominate people’s imaginations; the homo sapiens of the classical era has become homo oeconomus, and economic interests take precedence, pushing all others aside.”

[ 38 ] «Und so wird auch heute der Staat anders empfunden und gewertet... Als Wirtschaftsstaat wird er heute angerufen von allen Parteien und Klassen im Innern, wird er nach außen und von außen gewertet.»

[ 38 ] “And so, even today, the state is perceived and evaluated differently... As an economic state, it is called upon today by all parties and classes within the country, and it is evaluated both internally and externally.”

[ 39 ] Hier haben Sie’s! So weit haben wir’s gebracht: «Technik und Ökonomie beherrschen auch die Phantasie der Menschen, der Mensch ist aus dem homo sapiens der Klassik der homo oeconomus geworden, das wirtschaftliche Interesse waltet vor und drängt alle anderen zurück.»

[ 39 ] Here it is! This is how far we’ve come: “Technology and economics also dominate people’s imaginations; the human being has evolved from the classical homo sapiens into homo oeconomus; economic interests take precedence and push all others aside.”

[ 40 ] Das ist das Buch, das dazumal empfohlen war als eine der bedeutenden Erscheinungen des gegenwärtigen Denkens, als eine derjenigen Erscheinungen, auf die man hinblicken soll, wenn man wissen will, wie die Erneuerung des gegenwärtigen Lebens geschieht. Was ist das? Homunkulismus! Der Homunkulismus ist wahrhaft geworden, jener Homunkulismus, den Hamerling in den achtziger Jahren vorausgesagt hat. Homunkulismus — hier haben wir ihn ins System gebracht, in philosophische Weltanschauung gebracht! Homunkulus wird nicht nur Billionär, Homunkulus gründet nicht nur eine Allerweltszeitung, Homunkulus schreibt das Buch: «Österreichs Erneuerung. Politisch-programmatische Aufsätze von Dr. Karl Renner, Reichsratsabgeordneter»! Hamerling war ein Seher. Er hat vorausgesehen, was kommen werde. Und was da gekommen ist: es könnte gesunden, indem es zurückblickte auf dasjenige, was Hamerling in seinem Homunkulus geschaffen hat. Der wahrscheinlich in Wien lebende Dr. Karl Renner brauchte ja nur nach Graz zu fahren, um dort vielleicht zu erfahren, daß es einen Hamerling einmal gegeben hat drei Jahrzehnte vor ihm!

[ 40 ] This is the book that was once recommended as one of the significant manifestations of contemporary thought, as one of those phenomena one should look to if one wants to know how the renewal of contemporary life is taking place. What is it? Homunculism! Homunculism has become a reality—the very homunculism that Hamerling predicted in the 1880s. Homunculism—here we have systematized it, incorporated it into a philosophical worldview! The homunculus does not merely become a billionaire; the homunculus does not merely found a run-of-the-mill newspaper; the homunculus writes the book: “Austria’s Renewal. Political and Programmatic Essays by Dr. Karl Renner, Member of the Imperial Council”! Hamerling was a visionary. He foresaw what was to come. And what did come to pass: it could have been healed by looking back at what Hamerling had created in his Homunkulus. Dr. Karl Renner—who was probably living in Vienna—need only have traveled to Graz to perhaps learn there that a Hamerling had once existed three decades before him!

[ 41 ] Es ist schon nötig, daß man auch wirklich ein Verständnis dafür entwickelt, worin denn das Große einer solchen Schöpfung wie des «Homunkulus» eigentlich besteht. Das Große einer solchen Schöpfung besteht darinnen, daß Hamerling wirklich einmal, ohne schon Geisteswissenschaft zu haben, sich gesagt hat: wie wäre der Mensch, wenn er nur den physischen Leib hätte? Er hat natürlich nicht so gesagt, aber er hat so geschildert. Er hat in seinem Homunkulus einen Menschen geschildert, der im Grunde genommen nicht mitbringt die Erbschaft von Saturn, Sonnen- und Mondenentwickelung, sondern nur die Erdentwickelung hat und dem wesentliche Teile des Ich, des astralischen Leibes und des ätherischen Leibes fehlen. Hamerlings «Homunkulus» wird richtig verstanden gerade von der Geisteswissenschaft aus. Also es ist schon nötig, gewissermaßen der Gegenwart auf die Finger zu schauen, meine lieben Freunde!

[ 41 ] It is indeed necessary to truly develop an understanding of what actually constitutes the greatness of a creation such as The Homunculus. The greatness of such a creation lies in the fact that Hamerling, without having any knowledge of Spiritual Science at the time, truly asked himself: What would a human being be like if he had only a physical body? Of course, he did not put it that way, but he depicted it as such. In his Homunkulus, he depicted a human being who, fundamentally speaking, does not carry the legacy of Saturn, the Sun, and the Moon’s evolution, but only that of the Earth’s evolution, and who lacks essential parts of the ego, the astral body, and the etheric body. Hamerling’s Homunkulus is properly understood precisely through Spiritual Science. So it is indeed necessary, in a sense, to keep a close eye on the present, my dear friends!

[ 42 ] Ich habe Ihnen das letztemal ausgeführt, daß gerade die Idee des Mysteriums von Golgatha, wie wir sie durch die Geisteswissenschaft kennen, zusammenbringt drei Dinge: Erstens den Jesus, wie er als Zarathustra in dem salomonischen Jesusknaben sich verkörpert und wie er das bringt, was geschichtlich die Menschheit durchgemacht hat, er selber mitgemacht hat von Inkarnation zu Inkarnation. Ich habe Ihnen dann klargemacht, wie dasjenige, das in der Erde vorbestimmt war, bevor sie durchgegangen ist durch diese geschichtliche Entwickelung, im nathanischen Jesusknaben ist. Ich habe Ihnen gezeigt, wie im Koran der nathanische Jesusknabe voll beschrieben wird bis zu jenem Punkte hin, daß dieser nathanische Jesusknabe bei der Geburt schon gesprochen hat. Mit diesen zwei Elementen bringen wir zusammen das Außer- und Überirdische des Christus, der im dreißigsten Jahre in die Persönlichkeit des Jesus von Nazareth, des salomonisch-nathanischen Jesus, einzieht, so daß wir in dem Christus erkennen eine Verbindung der geistigen Welten außer der Erde mit dem, was auf der Erde sich vollzogen hat. Und ich habe darauf aufmerksam gemacht: Notwendig ist es, daß unsere Zeit sich hinbequemt zu dem Begriffe dieser Größe der Jesus-Gestalt und damit auch dieser Größe des Mysteriums von Golgatha. Denn unsere Zeit hat ja gewiß in ihrem fünften nachatlantischen Zeitraum den Verstand, das verständige Denken sehr, sehr ausgebildet; aber es muß hinzugefügt werden zu diesem verständigen Denken das geistige Erfassen der Welt. Dann wird schon wieder verstanden werden, und auch in einem vorgerückteren Maße verstanden werden das Mysterium von Golgatha, als es die vorhergehenden Jahrhunderte verstanden haben. Wir müssen uns erwerben die Möglichkeit des Verständnisses des Mysteriums von Golgatha. Aber ich möchte sagen: Bevor das Verständnis des Mysteriums von Golgatha so recht erworben werden kann, kommt erst noch alles dasjenige, was durch ahrimanische Mächte diesem Menschen-Verständnis eingefügt wird. Im Grunde genommen warten alle guten Geister, möchte ich sagen, darauf, daß die Menschen das Mysterium von Golgatha verstehen. Aber den Menschen drängt sich noch alles entgegen. Sie wollen nicht heran an das Verständnis dieses Mysteriums von Golgatha. Und so verleumden sie unbewußt dieses Mysterium von Golgatha. So verleumden sie unbewußt auch die Gestalt, die im Mittelpunkt dieses Mysteriums von Golgatha zu stehen hat. Denken Sie einmal, es würde jemand alle die tiefen Gefühle, die ernsten Gefühle und Empfindungen, die in uns erzeugt werden können durch die Art, wie wir das Mysterium von Golgatha verstehen, wirklich durchleben wollen, und er stieße mit jemand zusammen, der so recht aus dem heutigen Zeitbewußtsein heraus über den Christus Jesus spräche. Da könnte er unter Umständen eine furchtbarste Verleumdung, Herabsetzung desjenigen erfahren, was er fühlt und empfindet aus der wirklichen Erkenntnis des Mysteriums von Golgatha heraus. Man wird ihm vielleicht entgegnen: Was du uns da alles sagst, das leuchtet dem Verstande nicht ein, du bist ja ein verrückter Kerl; nur dadurch, daß du ein verrückter Träumer bist, kannst du eigentlich an solche Dinge glauben, denn nur ein verrückter Träumer kann heute wirklich einen Zusammenhang finden in demjenigen, was die Evangelien von dem Christus Jesus schildern!

[ 42 ] I explained to you last time that the very idea of the Mystery of Golgotha, as we know it through Spiritual Science, brings together three things: First, Jesus, as he is embodied as Zarathustra in the Solomonic Jesus-child, and how he brings with him what humanity has historically gone through—what he himself has experienced from incarnation to incarnation. I then made it clear to you how that which was predestined in the Earth before it underwent this historical development is present in the Nathanic Jesus-child. I showed you how the Quran describes the Nathanic Jesus-child in full detail, even to the point that this Nathanic Jesus-child was already speaking at birth. With these two elements, we bring together the otherworldly and transcendent aspects of Christ, who, in the thirtieth year, enters into the personality of Jesus of Nazareth—the Solomonic-Nathanic Jesus—so that we recognize in Christ a connection between the spiritual worlds beyond Earth and what has taken place on Earth. And I have pointed out: It is necessary for our time to open itself to the concept of this greatness of the figure of Jesus and thus also to the greatness of the Mystery of Golgotha. For our time has certainly, in its fifth post-Atlantean epoch, developed the intellect and rational thinking to a very, very high degree; but to this rational thinking must be added a spiritual grasp of the world. Then the Mystery of Golgotha will once again be understood—and understood to a greater degree than it was in previous centuries. We must acquire the capacity to understand the Mystery of Golgotha. But I would like to say: Before the understanding of the Mystery of Golgotha can truly be acquired, everything that is introduced into human understanding by Ahrimanic forces must first take place. In essence, I would say, all the good spirits are waiting for human beings to understand the Mystery of Golgotha. But everything still stands in the way of humanity. They do not want to approach an understanding of this Mystery of Golgotha. And so they unconsciously slander this Mystery of Golgotha. In this way, they also unconsciously slander the figure who is meant to stand at the center of this Mystery of Golgotha. Just imagine if someone were to truly want to experience all the deep feelings, the serious emotions and sensations that can be aroused within us by the way we understand the Mystery of Golgotha, and were to encounter someone who spoke about Christ Jesus entirely from the perspective of today’s contemporary consciousness. Under certain circumstances, they might experience the most terrible slander and denigration of what they feel and sense out of a genuine understanding of the Mystery of Golgotha. People might respond to him: “What you’re telling us doesn’t make sense to the intellect; you’re a crazy fellow. It’s only because you’re a crazy dreamer that you can actually believe in such things, for only a crazy dreamer can truly find a connection today in what the Gospels describe about Christ Jesus!”

[ 43 ] Solches könnte man vielleicht erfahren. Und wenn der Betreffende glaubte, ein Dichter zu sein, ja, wenn er vielleicht sogar schon früher bis zu einem gewissen Grade gute Dichtungen geschrieben hat, und er trifft gerade, weil ihm die anderen Stoffe ausgegangen sind, auch auf den Christus-Jesus-Stoff, so könnte der vielleicht das auch künstlerisch so darstellen wollen, könnte sich fragen: Ja, wie ist denn heute ein Mensch eigentlich beschaffen, der das in sich aufnimmt, was der Christus Jesus gewesen sein soll nach den Evangelien? — Es muß eine Art Träumer sein, ein schwachsinniger Mensch. Denn ein gescheiter Mensch, der es heute «so herrlich weit gebracht» hat, nicht wahr, der prüft die Evangelien kritisch, findet ihre Widersprüche, zeigt, daß höchstens ein guter Mann in Nazareth gelebt haben könnte, aber an das, was die Evangelien enthalten, kann ja ein vernünftiger Mensch nicht glauben; ein schwachsinniger Mensch muß es sein. Und solch ein schwachsinniger Mensch, der kann dann leicht darauf kommen, zu sagen: Ich folge dem Christus Jesus. Einer, der es so herrlich weit gebracht hat, tut das nicht, sondern einer, der schwachsinnig ist. Solch ein Schwachsinniger könnte dann auch, sagen wir, auf die Wanderschaft gehen, in einem fremden Dorfe auftreten, sich irgendwo in der Nähe einer Laterne auf einen Stein stellen und anfangen zu predigen, weil er sich voll des Geistes des Christus glaubt — so könnte einer schildern, der es so herrlich weit gebracht zu haben glaubt —, und weil der Betreffende ein Schwachsinniger ist, so wird er eingesperrt. Man könnte da lesen, sagen wir, daß derjenige, der heute als Christus auftritt, eingesperrt wird. Dann wird er verhört vom Pfarrer, der ihm klar macht, daß er nicht über den Christus zu reden hat, weil er kein Pfarrer ist. Dann wird er von demjenigen, der das Richteramt hat, ordentlich angeschnauzt, dann wird er entlassen, weil er doch ein Narr ist, wird nicht weiter eingesperrt. Na, das geht so weiter, er trifft andere, die an seine Narrheit glauben, heilt auch andere; denn das glaubt ja der moderne Mensch, daß Krankheit, die nicht eigentlich Krankheit ist, durch Handauflegen von so nicht ganz Vollsinnigen geheilt werden könne. Endlich wird der Schwachsinnige immer schwachsinniger und bildet sich nun selber ein — weil alle Leute sagen: In dir ist wirklich der Christus erschienen —, er sei der Christus, hat noch irgendein Malheur, so daß er verkannt wird, und so weiter. — Nicht wahr, es wäre schon etwas Furchtbares, wenn sich die sogenannte Gescheitheit. der heutigen Leute verstiege, einen Christus so darzustellen!

[ 43 ] One might perhaps find that out. And if the person in question believed himself to be a poet—indeed, if he had perhaps even written good poetry to a certain extent in the past—and if, precisely because he has run out of other subjects, he also comes across the subject of Christ Jesus, then he might want to portray this artistically as well, and might ask himself: “Well, what is a person actually like today who takes in what Christ Jesus is said to have been, according to the Gospels?” — He must be a kind of dreamer, a feeble-minded person. For a clever person who has “come so wonderfully far” today—hasn’t he?—examines the Gospels critically, finds their contradictions, and shows that at most a good man might have lived in Nazareth; but a reasonable person cannot believe what the Gospels contain—it must be a feeble-minded person. And such a feeble-minded person might then easily be led to say: “I follow Christ Jesus.” Someone who has come so wonderfully far wouldn’t do that—only someone who is feeble-minded would. Such a feeble-minded person might then, let’s say, set out on a pilgrimage, appear in a foreign village, stand on a rock somewhere near a streetlamp, and begin to preach, because he believes himself to be filled with the Spirit of Christ—that is how someone who believes he has come so wonderfully far might describe it— and because the person in question is a fool, he is locked up. One might read there, let’s say, that the one who appears as Christ today is locked up. Then he is interrogated by the pastor, who makes it clear to him that he has no business speaking about Christ, because he is not a pastor. Then he is given a stern scolding by the judge, and then he is released—since he is, after all, a fool—and is not kept in confinement any longer. Well, it goes on like this: he meets others who believe in his folly and heals others as well; for modern people believe that an ailment—which is not really an ailment—can be healed by the laying on of hands by such not-quite-sane individuals. Finally, the mentally deficient man becomes increasingly so and now imagines—because everyone says, “Christ has truly appeared in you”—that he is the Christ; he suffers some misfortune, so that he is unrecognized, and so on. —Wouldn’t it be a terrible thing if the so-called intelligence of today’s people went so far as to portray a Christ in this way!

[ 44 ] Ich erzähle Ihnen wiederum nichts, was abstrakt ist, sondern hier liegt das Buch: «Der Narr in Christo Emanuel Quint», Roman von Gerhart Hauptmann, der enthält, was ich Ihnen jetzt mit ein paar Worten angedeutet habe. Es soll nicht gesagt werden, daß Gerhart Hauptmann nicht früher einigermaßen erhebliche Dramen und dergleichen geschrieben hat. Aber unsere Zeit ist reif, daß derjenige, den man den größten Dichter der Gegenwart nennt in vielen Kreisen, einen Schwachsinnigen verwendet, um einen Christus darzustellen! Ich weiß sehr wohl, daß diejenigen, die heute so zahlreich sind, kommen werden und sagen: Da verdammst du diesen «Narren in Christo» von Gerhart Hauptmann, weil du die Sache religiös oder philosophisch nimmst, weil du kein Verständnis hast für das rein Ästhetische. — Rein ästhetisch ist die Sache ein Machwerk! Und wenn ich schon eine solche Schilderung haben will, die ein schlechter Abklatsch der «Brüder Karamasow» ist von Dostojewski, dann lese ich lieber Dostojewski und rate auch jedem anderen, lieber Dostojewski zu lesen, wenn er solches, was in einem solchen Milieu ist, durchaus haben will, als einen solch schwachen Abklatsch des Dostojewski. Sogar bis in die Einzelheiten hinein erinnert manches an die «Brüder Karamasow», denn dieser Narr in Christo wird angeklagt, daß er einen Mord begangen haben soll — man erinnere sich daran bei den Brüdern Karamasow —, er ist unschuldig daran, er wird entlassen, er hält sich selbst für den Christus und wandert durch die Welt und klopft überall an, wo es ihm einfällt: bei Pastoren, bei Kardinälen, bei Bischöfen und so weiter, überall klopft er an, weil selbstverständlich die Leute den Christus annehmen sollen. Er wird natürlich überall hinausgeworfen, weil er für einen Narren gehalten wird. Und dann schließt das Buch pathetisch, nachdem geschildert wurde, wie er im Hause verschiedener Leute angeklopft hat, auch im Hause eines Lehrers, den er sogar von früher her kennt:

[ 44 ] Once again, I am not telling you anything abstract; here is the book: Der Narr in Christo Emanuel Quint, a novel by Gerhart Hauptmann, which contains what I have just hinted at in a few words. It should not be said that Gerhart Hauptmann has not previously written somewhat significant plays and the like. But the time has come for the man whom many circles call the greatest poet of our time to use a mentally disabled person to portray Christ! I know full well that those who are so numerous today will come and say: “You’re condemning this ‘Fool in Christ’ by Gerhart Hauptmann because you’re approaching the matter from a religious or philosophical standpoint, because you have no understanding of the purely aesthetic.” — From a purely aesthetic standpoint, the work is a piece of trash! And if I want a story like this—which is a poor imitation of Dostoevsky’s The Brothers Karamazov—then I’d rather read Dostoevsky myself, and I advise everyone else to read Dostoevsky as well, if they truly want something set in such a milieu, rather than this weak imitation of Dostoevsky. Even down to the smallest details, some aspects are reminiscent of The Brothers Karamazov, for this fool in Christ is accused of having committed a murder—one recalls the Karamazov brothers— he is innocent of the crime, he is released, he considers himself to be Christ, and wanders through the world, knocking on doors wherever the mood strikes him: at pastors’ homes, at cardinals’ homes, at bishops’ homes, and so on—he knocks everywhere, because, of course, people are supposed to accept Christ. Naturally, he is thrown out everywhere because he is taken for a fool. And then the book concludes poignantly, after describing how he knocked on the doors of various people’s homes, including that of a teacher whom he even knew from his past:

[ 45 ] «So ging es auch im Hause des Lehrers einige Tage später, wo einst Emanuel Quint, im Schulzimmer, Bruder Nathanaels Bußpredigt gelauscht hatte.» — Die Namen sind alle Anspielungen! — «Die Lehrersleute saßen bei Tisch und ein kalter Herbstwind durchbrauste draußen die Dunkelheit. Man hörte einen Schritt auf der Hausschwelle und hernach ein Pochen gegen die Tür. Die Frau wollte nicht öffnen, sie fürchtete sich. Nachdem, aus irgendeinem Grunde ängstlich geworden, der fromme Lehrer seine Seele dem Herrn empfohlen hatte, öffnete er und fragte durch den Türspalt: «Wer ist hier’ «Christus!» kam es leise zur Antwort. Und sofort schlug mit einer Gewalt, die das Häuschen erbeben machte, von der Hand des Lehrers gerissen, die Tür ins Schloß. Er kam schlotternd herein zu seiner Frau und behauptete, draußen stünde ein Wahnsinniger.»

[ 45 ] “That was also the case at the teacher’s house a few days later, where Emanuel Quint had once listened to Brother Nathanael’s sermon on repentance in the schoolroom.” — The names are all allusions! — “The teacher’s family was seated at the table, and a cold autumn wind swept through the darkness outside. A footstep was heard on the threshold, followed by a pounding on the door. The wife did not want to open it; she was afraid. After the pious teacher, having become frightened for some reason, had commended his soul to the Lord, he opened the door and asked through the crack: ‘Who is there?’ ‘Christ!’ came the soft reply. And immediately, with a force that made the little house shake, the door slammed shut, torn from the teacher’s hand. He came in, shivering, to his wife and claimed that a madman was standing outside.”

[ 46 ] Na, und so weiter, so geht es fort. Nett schließt das Ganze in der folgenden Weise:

[ 46 ] Well, and so on, and so it goes. Nett wraps it all up as follows:

[ 47 ] «Wiederum eine Woche später fing der gleiche Unfug in der ehemaligen freien Reichsstadt Frankfurt am Main die Leute ein Weilchen zu beschäftigen an. Vor dem Narren und Bettler, der sich Christus nannte, waren mittlerweile zwischen Berlin und Frankfurt Hunderte und Aberhunderte von Haustüren zugeflogen. Ein Frankfurter, der die Angelegenheit auf ironische Weise nahm, sagte, der Herrgott in seinem Himmel müsse unzweifelhaft durch den ungewohnten wilden Lärm des Türenschlagens auf die Vorgänge unter dem Menschengeschlecht aufmerksam geworden sein.

[ 47 ] “Another week later, the same nonsense began to occupy people’s attention for a while in the former Free Imperial City of Frankfurt am Main. By then, hundreds upon hundreds of front doors had been slammed shut between Berlin and Frankfurt in response to the fool and beggar who called himself Christ. A Frankfurt resident who took the matter with a grain of salt remarked that the Lord in heaven must undoubtedly have become aware of the goings-on among humankind due to the unusual, wild noise of doors slamming.

[ 48 ] Unwillkürlich dankt man dem Himmel», — jetzt kommt erst das eigentlich Empörende! — «daß nur ein armer Erdennarr und nicht Christus selber der Wanderer gewesen ist: dann hätten nämlich Hunderte von katholischen und protestantischen Geistlichen, Arbeitern, Beamten, Landräten, Kaufleuten aller Art, Generalsuperintendenten, Bischöfen, Adligen und Bürgern, kurz, zahllose fromme Christen, den Fluch der Verdammnis auf sich geladen.

[ 48 ] “One instinctively thanks Heaven”—and now comes the truly outrageous part! — “that the Wanderer was merely a poor earthly fool and not Christ himself: for then hundreds of Catholic and Protestant clergymen, laborers, civil servants, district administrators, merchants of all kinds, general superintendents, bishops, nobles, and commoners—in short, countless devout Christians—would have brought the curse of damnation upon themselves.

[ 49 ] Aber wie konnte man wissen — obgleich wir «Führe uns nicht in Versuchung!» beten —, ob es nicht doch am Ende der wahre Heiland war, der in der Verkleidung des armen Narren nachsehen wollte, inwieweit seine Saat von Gott gesäet, die Saat des Reiches, inzwischen gereift wäre?»

[ 49 ] But how could anyone know—even though we pray, “Lead us not into temptation!”—whether it was not, after all, the true Savior who, in the guise of the poor fool, wanted to see to what extent his seed, sown by God—the seed of the Kingdom—had ripened in the meantime?”

[ 50 ] Also es wird doch die Hintertüre offen gelassen, daß der Christus sich verkörpert haben könnte in der Gestalt des Narren, um einmal nachzusehen, wie es auf Erden zugeht. Das kann man selbstverständlich als Christus in der geistigen Welt nicht, nicht wahr, nach einem Mann, wie Gerhart Hauptmann ist, der es so herrlich weit in der Welt gebracht hat!

[ 50 ] So the back door is left open after all—that Christ might have incarnated in the form of a fool, just to see for himself what life on Earth is like. Of course, as Christ in the spiritual world, one couldn’t do that—could one?—to a man like Gerhart Hauptmann, who has made such a magnificent name for himself in the world!

[ 51 ] «Dann hätte Christus seine Wanderung, wie ermittelt wurde, über Darmstadt, Karlsruhe, Heidelberg, Basel, Zürich, Luzern bis nach Göschenen und Andermatt fortgesetzt und hätte überall immer nur von dem gleichen Türenschlagen an seinen Vater im Himmel berichten können. Nämlich der Narr, der sich Christus nannte, teilte zuletzt mit zwei armen, barmherzigen Schweizer Berghirten, oberhalb Andermatt, Brot und Nachtquartier. Seitdem ist er nicht mehr gesehen worden.»

[ 51 ] “Then, as has been determined, Christ would have continued his journey via Darmstadt, Karlsruhe, Heidelberg, Basel, Zurich, and Lucerne all the way to Göschenen and Andermatt, and everywhere he went, he would have been able to tell his Father in Heaven only of the same doors being slammed in his face. Namely, the fool who called himself Christ last shared bread and lodging for the night with two poor, compassionate Swiss mountain herdsmen above Andermatt. He has not been seen since.”

[ 52 ] Sie werden vielleicht, wenn Sie die Annoncenseiten der Blätter angeschaut haben — denn das ist ja auch interessant —, eine große Annonce gefunden haben in den meisten Blättern, die einen ziemlich großen Teil der Seite einnimmt. Diese Annoncen, die jetzt sehr zahlreich erschienen sind, hatten verschiedene Fassungen. Aber eine von diesen Fassungen will ich Ihnen doch vorlesen — sie ist so groß, das ist die Zeitungsseite, das ist die Annonce —:

[ 52 ] If you’ve looked at the advertising pages of the newspapers—because that’s interesting, too—you may have noticed a large ad in most of them that takes up a fairly large portion of the page. These ads, which have now appeared in great numbers, came in various versions. But I’d like to read one of these versions to you—it’s so large; this is the newspaper page, and this is the ad—:

[ 53 ] «Soeben erschien die neue wohlfeile Ausgabe des Romans «Der Narr in Christo Emanuel Quinn von Gerhart Hauptmann. Ein starker Band von 540 Seiten. Geheftet 3 Mark, Pappband M. 3.75.

[ 53 ] “The new, affordable edition of Gerhart Hauptmann’s novel Der Narr in Christo Emanuel Quinn has just been published. A substantial volume of 540 pages. Paperback: 3 marks; hardcover: 3.75 marks.

[ 54 ] ‘Nun liegt das Buch vor, von dem es leicht ist vorauszusagen, daß es in rascher Folge ungezählte Auflagen erleben und in alle Kultursprachen übersetzt werden wird. Es wird als ein echter religiöser Roman klassischen Ruhm bekommen, vom Volke nach Menschenaltern noch gelesen, nicht gepriesen nur. Ich übertreibe damit nicht aus eitler Schwärmerei, denn das Buch birgt stärkste, überwältigende Werte in sich. Es ist der Roman religiöser Kämpfe unserer Zeit, dargestellt an einem Schwärmer, einem Sohn des Volkes, der sich bis zur Gottessohnschaft versteigt. Jeder religiöse Mensch wird durch dies große Bekenntnis unseres bedeutendsten lebenden Dichters erbaut und aufgerichtet werden. Hier hat Hauptmann sein größtes Werk vollendet.’»

[ 54 ] “Now the book is here, and it is easy to predict that it will see countless editions in quick succession and be translated into all major languages. It will attain classic fame as a true religious novel, read by the people for generations to come—and not merely praised. I am not exaggerating out of vain enthusiasm, for the book contains the most powerful, overwhelming values. It is the novel of the religious struggles of our time, portrayed through the life of an enthusiast, a son of the people, who rises to the status of a son of God. Every religious person will be edified and uplifted by this great testimony from our most significant living poet. Here, Hauptmann has completed his greatest work.”»

[ 55 ] Das hat nicht nur der Verleger, Samuel Fischer, gemacht, bei dem das Buch erschienen ist, sondern da hat er eine Rezension eines sehr gescheiten Herrn aus den «Berliner Neuesten Nachrichten» abdrucken lassen!

[ 55 ] Not only did the publisher, Samuel Fischer, who published the book, do this, but he also had a review by a very clever gentleman from the Berliner Neueste Nachrichten printed!

[ 56 ] Sehen Sie, meine lieben Freunde, oftmals mußte ich im Verlauf dieses Winters davon sprechen, wie Geisteswissenschaft gesund machen soll das Denken, wie sie die Gedankenformen in der richtigen Weise gestalten soll. Wenn jemand so abstrakt heute erzählte, es könne einen Menschen geben, der sagt: Die klassische Zeit hat von dem homo sapiens gesprochen, das ist längst überwunden, der homo oeconomus muß endlich an die Stelle treten, — man würde ihn für wahnsinnig halten. Aber er gilt nicht für wahnsinnig. Er gilt als ein Kulturbringer, als einer, der das Lebensrätsel jetzt zu lösen hat, wenn er in der Gestalt des Homunkulus Dr. Karl Renner auftritt!

[ 56 ] You see, my dear friends, I have often had to speak this winter about how Spiritual Science is meant to make thinking healthy, how it is meant to shape thought-forms in the right way. If someone were to speak so abstractly today, saying that there could be a person who says: “The classical era spoke of Homo sapiens; that has long been overcome; Homo oeconomus must finally take its place”—one would consider him insane. But he is not considered insane. He is regarded as a bringer of culture, as one who must now solve the riddle of life, when he appears in the form of the homunculus Dr. Karl Renner!

[ 57 ] Aber es ist auch viel gearbeitet worden, meine lieben Freunde, recht, recht viel gearbeitet worden daran, die Menschen wegzubringen von einem wirklich gesunden Denken, von einem wirklichkeitsgemäßen Denken. Sie werden den Begriff des wirklichkeitsgemäßen Denkens gerade in meinem Buche, das demnächst erscheinen wird, klar auseinandergesetzt finden. Denken Sie, daß wir ja heute nicht nur haben die alte «Kritik der reinen Vernunft» von Immanuel Kant, in der den Menschen klar gemacht wird: An das Ding-an-sich könnt ihr doch nicht kommen, alles ist nur Schein —, wir haben ja heute, wie ich schon öfter erwähnt habe, sogar schon eine «Kritik der Sprache» von Fritz Mauthner. Und wir haben sie nicht nur, diese «Kritik der Sprache», sondern Trompeter für diese «Kritik der Sprache», Trompeter des Ruhmes der «Kritik der Sprache» sind zahlreiche Journalisten geworden, und es gibt zahlreiche Leute, die in dieser «Kritik der Sprache» von Fritz Mauthner ein monumentales Werk der Gegenwart sehen, während es nichts anderes ist als scheußlichster philosophischer Dilettantismus. Nicht einmal bis zu dem Begriffe kann sich Mauthner erheben, daß doch Dinge vorgestellt werden nicht dadurch, daß man bloß das Wort hat, sondern daß das Wort etwas ist wie ein Hinweis und wie eine Gebärde auf das Ding. Bei geistigen Dingen ist das ja schwieriger vorzustellen; aber natürlich muß man sich zunächst klar machen, wie das Wort nur eine Gebärde ist und wie man an den Worten nicht herumkritisieren kann, weil das Wort eine Gebärde ist, die hinweist auf das Betreffende, so im Physischen und so im Geistigen. Weil Mauthner keine Ahnung hat von der Natur des Wortes, fängt er an, das Wort zu kritisieren, und glaubt, die Menschen haben Worte gemacht und hängen dann bloß an den Worten, hinter denen keine Wirklichkeiten sind. Ja, aber die Wirklichkeiten kann man nicht dadurch kritisieren, daß man das Wort kritisiert. Ich will Ihnen das an einem drastischen Beispiel zeigen. Denken Sie sich, was tut Fritz Mauthner! Er hat drei dicke Bände geschrieben: «Kritik der Sprache», hat auch ein «Wörterbuch der Philosophie» in zwei dicken Bänden geschrieben, worin er dann ja auch, sagen wir, gesammelt hat: Begriff des Seins, Begriff der Erkenntnis und so weiter. Das wird alles so nach den Worten abgehandelt: wo das Wort herkomme, wo das Wort zuerst auftritt, wie das Wort von einer Sprache in die andere wandle. Und indem er so beschreibt, wie das Wort von einer Sprache in die andere sich wandelt, da glaubt er, daß er irgend etwas über die Dinge aussagen kann. Ich will es Ihnen an einem drastischen Beispiel klarmachen: Nehmen wir an, Fritz Mauthner zöge so durch Österreich, da könnte er zum Beispiel ein Wort finden, das gebildet worden ist, das Wort «Böhmischer Hofrat». Der «böhmische Hofrat», ist eine Bezeichnung, die man in Österreich sehr häufig findet: irgendeiner ist ein «böhmischer Hofrat». Was würde der Sprachkritiker Fritz Mauthner nach seiner Methode machen müssen? Er müßte natürlich bei «B» in seinem «Philosophischen Wörterbuch» zunächst anknüpfen und müßte «böhmisch» ordentlich kritisieren und würde finden, es sei ein Teil des Begriffes «Böhmen». Dann würde er bei «H» aufschlagen: Hofrat. Er würde dann den Begriff «Hofrat» ordentlich analysieren und würde auf diese Weise die Wirklichkeit des «böhmischen Hofrats» suchen. Aber das Eigentumliche ist dabei, daß «böhmischer Hofrat» in Österreich ein Wesen ist, das weder ein Böhme noch ein Hofrat zu sein braucht, im Gegenteil, die meisten «böhmischen Hofräte» in Österreich sind weder Böhmen noch Hofräte! Das ist gerade ihre Eigentümlichkeit, sie sind durchaus keine Hofräte, es ist nur ein Zufall, wenn einer einmal ein Hofrat ist, und sie brauchen durchaus keine Böhmen zu sein, es ist auch wiederum ein Zufall, wenn ein «böhmischer Hofrat» ein Böhme ist. Einen «böhmischen Hofrat» nennt man in Österreich den, der so ein Schleicher ist, der Talent hat, die Leute, die er überspringen will in der Rangordnung, beiseite zu schieben, Mittelchen findet, um sich hinaufzuschieben. Das alles hat zu tun weder mit «böhmisch» noch mit «Hofrat». Er kann ein in Steiermark geborener Kanzleidiener und doch «böhmischer Hofrat» sein. Da sehen Sie, wie das Wort gebildet wird, gedeutet auf die Wirklichkeit. Und so sind alle Worte gebildet. Wenn man hinter den Worten die Wirklichkeiten sucht, so findet man so wenig hinter den Worten die Wirklichkeiten, wie man hinter dem «böhmischen Hofrat» in Österreich die Wirklichkeit findet, wenn man nicht aus anderem heraus als aus dem Wortinhalte darauf kommt, was eigentlich das Wort bedeutet.

[ 57 ] But a great deal of work has also been done, my dear friends—a great, great deal of work—to lead people away from truly sound thinking, from thinking in accordance with reality. You will find the concept of thinking in accordance with reality clearly explained in my book, which will be published shortly. Consider that today we do not only have Immanuel Kant’s old Critique of Pure Reason, in which it is made clear to people: “You cannot grasp the thing-in-itself; everything is merely an illusion”—but, as I have mentioned on several occasions, we even have a Critique of Language by Fritz Mauthner. And we not only have this “Critique of Language,” but also champions of this “Critique of Language,” Numerous journalists have become trumpeters of the glory of this “Critique of Language,” and there are many people who see Fritz Mauthner’s “Critique of Language” as a monumental work of our time, whereas it is nothing more than the most abominable philosophical dilettantism. Mauthner cannot even rise to the level of understanding that a mental image of a thing is created not merely by having the word, but because the word is something like a pointer and a gesture toward the thing. This is, of course, more difficult to create a mental image of when it comes to intellectual matters; but naturally one must first realize that the word is merely a gesture and that one cannot simply criticize words, because the word is a gesture that points to the thing in question—both in the physical and in the intellectual realms. Because Mauthner has no understanding of the nature of the word, he begins to criticize the word itself, and believes that people have created words and then merely cling to words behind which there are no realities. Yes, but one cannot criticize those realities by criticizing the word. I want to show you this with a striking example. Just imagine what Fritz Mauthner does! He has written three thick volumes: Critique of Language, and he has also written a Dictionary of Philosophy in two thick volumes, in which he has, so to speak, compiled: the concept of being, the concept of knowledge, and so on. All of this is dealt with in terms of the words themselves: where the word comes from, where it first appears, how the word changes from one language to another. And by describing how the word changes from one language to another, he believes he can say something about the things themselves. Let me illustrate this with a striking example: Suppose Fritz Mauthner were to travel through Austria; there he might, for instance, come across a word that has been coined—the term “Bohemian Court Councilor.” “Bohemian Court Councilor” is a title one encounters very frequently in Austria: someone is a “Bohemian Court Councilor.” What would the linguistic critic Fritz Mauthner have to do according to his method? He would, of course, first have to start with “B” in his Philosophical Dictionary and would have to thoroughly analyze “Bohemian,” concluding that it is part of the concept of “Bohemia.” Then he would look up “H”: Hofrat. He would then thoroughly analyze the term “Hofrat” and, in this way, seek the reality of the “Bohemian court councilor.” But the peculiar thing about this is that a “Bohemian court councilor” in Austria is an entity that need not be either a Bohemian or a court councilor; on the contrary, most “Bohemian court councilors” in Austria are neither Bohemians nor court councilors! That is precisely what makes them unique: they are by no means court councilors—it is merely a coincidence if one happens to be a court councilor—and they need not be Bohemians at all; it is also a coincidence if a “Bohemian court councilor” happens to be a Bohemian. In Austria, a “Bohemian court councilor” is someone who is a real schemer—someone with a talent for pushing aside the people he wants to leapfrog in the hierarchy and finding little tricks to work his way up. None of this has anything to do with “Bohemian” or “court councilor.” He could be a clerk born in Styria and still be a “Bohemian court councilor.” There you see how the word is formed, based on reality. And this is how all words are formed. If one searches for realities behind the words, one finds just as little reality behind them as one finds behind the term “Bohemian court councilor” in Austria, unless one arrives at the word’s actual meaning based on nothing other than the content of the word itself.

[ 58 ] Sehen Sie, meine lieben Freunde, bis zu diesem Grade von Verworrenheit ist die Gegenwart gekommen, und bis zu diesem Grade von Hochmut in der Verworrenheit ist man gekommen, daß man das als epochemachende Leistung ansieht. Es ist wahrhaftig nicht so ohne Bedeutung zu wissen, daß Volksausgaben entstehen von Werken, in denen die Phantasie der Menschen in der Weise vergiftet wird, wie bei Gerhart Hauptmanns «Narr in Christo». Es ist wahrhaftig nicht gleichgültig, wenn das Denken der Menschen so konfus gemacht wird, wie es durch eine «Sprachkritik» oder dergleichen konfus gemacht wird. Das sind gewissermaßen solche Ausflüsse des Verstandes-Hochmuts, der sich entgegenstellt einem wirklichen Verständnis des Mysteriums von Golgatha, das für die Gegenwart so notwendig ist. Ich möchte sagen: Wie die Kreuzigung für den Christus selber eintreten mußte, so muß schon auch der Begriff des Christus, wie er in der Gegenwart in die Menschheit zieht, erst gekreuzigt werden. Und gekreuzigt wird er durch ein solches Buch, wie der «Narr in Christo Emanuel Quint» ist, von Gerhart Hauptmann. Freilich fühlt sich Gerhart Hauptmann so besonders gescheit, weil er darauf hinweist, wie Bischöfe, Pastoren, Amtsrichter und so weiter den Narren Quint hinausgeworfen haben, als er gekommen ist und gesagt hat, er sei Christus. Und dieser Gerhart Hauptmann fügt sogar elegisch hinzu, daß eventuell in diesem Narren wirklich der Christus sein könnte, und dann hätten ihn die Leute auch hinausgeworfen, und der Christus hätte nur nachsehen wollen. Aber, meine lieben Freunde, ich habe noch eine andere Meinung. Ich habe die Meinung: Wenn der wirkliche Christus probeweise sich irgendwie in einen Menschen begeben hätte und an der Tür des Gerhart Hauptmann geklopft hätte, während er seinen «Narren in Christo» geschrieben hat, so wäre die Türe vor seiner Nase zugeflogen und er herausgeworfen worden, während der Gerhart Hauptmann an seiner Weisheit im «Narren in Christo» geschrieben hat!

[ 58 ] Look, my dear friends, the present has reached this degree of confusion, and people have become so arrogant in the midst of this confusion that they regard this as an epoch-making achievement. It is truly not without significance to know that popular editions are being published of works in which people’s imaginations are poisoned in the manner seen in Gerhart Hauptmann’s The Fool in Christ. It is truly not a matter of indifference when people’s thinking is made so confused, as it is made confused by “language criticism” or the like. These are, in a sense, outpourings of intellectual arrogance that stand in opposition to a true understanding of the Mystery of Golgotha, which is so necessary for the present day. I would like to say: Just as the crucifixion had to take place for Christ himself, so too must the concept of Christ—as it takes hold of humanity in the present—first be crucified. And it is crucified by a book such as Gerhart Hauptmann’s The Fool in Christ: Emanuel Quint. Of course, Gerhart Hauptmann feels particularly clever because he points out how bishops, pastors, magistrates, and so on threw the fool Quint out when he came and claimed to be Christ. And this Gerhart Hauptmann even adds, in an elegiac tone, that perhaps this fool really could be the Christ, and that in that case the people would have thrown him out anyway, and the Christ would have merely wanted to see how they would react. But, my dear friends, I have a different opinion. I believe that if the real Christ had, as an experiment, somehow taken up residence in a human being and knocked on Gerhart Hauptmann’s door while he was writing his The Fool in Christ, the door would have slammed shut in his face and he would have been thrown out, while Gerhart Hauptmann, in all his wisdom, was writing The Fool in Christ!

[ 59 ] Es gibt also Mannigfaltiges, was die Menschen in der Gegenwart abhält davon, hinzudringen zu dem dreifachen Verständnis des Christus: Zu dem geschichtlichen Christus, der durch die ZarathustraSeele in die Christus-Gestalt eingetreten ist; zu dem irdischen Christus, der aber von dem Erdenleben noch nichts in sich eingewirkt hatte, zu dem Jesus, der in dem nathanischen Jesusknaben war; und zu dem dritten Verständnis, zu dem Christus-Verständnis, zu jener Macht, welche heruntergestiegen ist aus geistigen Höhen und alles Erdenleben befruchtet hat. Dieses dreifache Verständnis, meine lieben Freunde, es muß gewonnen werden. Es wird gewonnen werden, wenn Geisteswissenschaft hindurchdringt durch alle Selbstsucht und allen Hochmut derjenigen, die da zwar sagen, das höchste Ziel der Erkenntnis sei Schweigen, die aber dafür um so mehr reden von links und rechts, und wie links auch rechts sein kann, und trotz derjenigen, die als Homunkulusse neue soziale Ordnungen begründen wollen, und trotz derjenigen, die eine Blasphemie leisten, wie der «Narr in Christo», einen wertlosen sogenannten Roman. Trotz alledem werden sich Menschengemüter finden, welche herankommen werden zum Verständnis des dreifachen Christus.

[ 59 ] There are, therefore, many things that prevent people today from gaining access to the threefold understanding of the Christ: the historical Christ, who entered the form of the Christ through the soul of Zarathustra; to the earthly Christ, in whom, however, nothing of earthly life had yet taken effect; to the Jesus who was the boy Jesus of the house of Nathan; and to the third understanding—the understanding of Christ—that power which descended from spiritual heights and has fertilized all earthly life. This threefold understanding, my dear friends, must be attained. It will be attained when Spiritual Science penetrates through all the selfishness and arrogance of those who, while claiming that the highest goal of knowledge is silence, speak all the more from left and right, and how left can also be right, and in spite of those who, like homunculi, wish to establish new social orders, and in spite of those who commit blasphemy, such as the “Fool in Christ,” a worthless so-called novel. In spite of all this, there will be human minds that will come to understand the threefold Christ.

[ 60 ] Wenn wir nun noch einmal zusammen sein können, so will ich Ihnen dann noch einiges, was sich an dieses anschließen könnte, sagen.

[ 60 ] If we can meet again, I’d like to tell you a few more things that might follow on from this.