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World Being and I-ness
GA 169

6 June 1916, Berlin

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1. Das Pfingstfest, ein Merkzeichen für die Unvergänglichkeit unseres Ich

1. Das Pfingstfest, ein Merkzeichen für die Unvergänglichkeit unseres Ich

[ 1 ] Wie in früheren Zeiten auch in dieser schicksaltragenden Zeit in gewöhnlichem Sinne etwa eine Pfingstbetrachtung zu halten, scheint mir dieser Zeit nicht so ganz angemessen; denn wir leben eben in einer Zeit schwerer Menschheitsprüfungen, und da ist es nicht möglich, immer zu suchen nach den bloß erhebenden Gefühlen, die unsere Seele warm machen, da wir ja doch im Grunde genommen, wenn wir richtiges, wahres Gefühl haben, in keinem Augenblick des großen Schmerzes und Leides der Zeit vergessen können, und es in gewissem Sinne sogar egoistisch ist, dieses Schmerzes und dieses Leides vergessen zu wollen und sich nur gewissermaßen erhebenden, die Seele wärmenden Betrachtungen hinzugeben. Daher wird es auch heute angemessener sein, über einiges zu sprechen, was der Zeit dienen kann, dienen kann insoferne, als wir ja gesehen haben aus so mancherlei Betrachtungen gerade, die wir hier in der letzten Zeit angestellt haben, wie schon in der geistigen Verfassung viele der Gründe zu suchen sind dafür, daß wir nun in einer so schweren Leidenszeit leben, und wie sehr es notwendig ist, daran zu denken, daß an der Entwickelung der menschlichen Seele in entsprechender Zeit gearbeitet werde, damit die Menschheit besseren Zeiten entgegengehen könne. Aber ausgehen möchte ich doch wenigstens von einigen Gedanken, welche unsere Sinne hinlenken können zu dem, was mit einem solchen Feste, wie es das Pfingstfest ist, gemeint ist.

[ 1 ] Wie in früheren Zeiten auch in dieser schicksaltragenden Zeit in gewöhnlichem Sinne etwa eine Pfingstbetrachtung zu halten, scheint mir dieser Zeit nicht so ganz angemessen; denn wir leben eben in einer Zeit schwerer Menschheitsprüfungen, und da ist es nicht möglich, immer zu suchen nach den bloß erhebenden Gefühlen, die unsere Seele warm machen, da wir ja doch im Grunde genommen, wenn wir richtiges, wahres Gefühl haben, in keinem Augenblick des großen Schmerzes und Leides der Zeit vergessen können, und es in gewissem Sinne sogar egoistisch ist, dieses Schmerzes und dieses Leides vergessen zu wollen und sich nur gewissermaßen erhebenden, die Seele wärmenden Betrachtungen hinzugeben. Daher wird es auch heute angemessener sein, über einiges zu sprechen, was der Zeit dienen kann, dienen kann insoferne, als wir ja gesehen haben aus so mancherlei Betrachtungen gerade, die wir hier in der letzten Zeit angestellt haben, wie schon in der geistigen Verfassung viele der Gründe zu suchen sind dafür, daß wir nun in einer so schweren Leidenszeit leben, und wie sehr es notwendig ist, daran zu denken, daß an der Entwickelung der menschlichen Seele in entsprechender Zeit gearbeitet werde, damit die Menschheit besseren Zeiten entgegengehen könne. Aber ausgehen möchte ich doch wenigstens von einigen Gedanken, welche unsere Sinne hinlenken können zu dem, was mit einem solchen Feste, wie es das Pfingstfest ist, gemeint ist.

[ 2 ] Es gibt ja drei bedeutsame Feste im Jahreslaufe: das Weihnachtsfest, das Osterfest, das Pfingstfest. Und wenn man nicht so wie die meisten Zeitmenschen seine Gefühle abgestumpft hat für dasjenige, was aus dem Sinn der Menschheits- und Weltenentwickelung mit solchen Festen gemeint ist, so muß man eigentlich den gewaltigen Unterschied dieser drei Feste wohl empfinden. Sie drücken sich ja schließlich in der äußeren Symbolik dieser Festlichkeiten aus, diese verschiedenen Empfindungen gegenüber den drei Festen. Wir sehen das Weihnachtsfest gefeiert als ein Fest vor allen Dingen mit der Freude für die Kinder, als ein Fest, in dem Ja in unseren Zeiten, wenn auch nicht immer, der Weihnachtsbaum eine Rolle spielt, der hereingetragen ist aus der schnee- und eiserfüllten Natur in den Hausraum. Und wir erinnern uns dabei der Weihnachtsspiele, die wir ja gerade in unserem Kreise mehrfach gepflegt haben, die erhoben haben durch Jahrhunderte hindurch das einfachste Menschengemüt, indem sie dieses einfachste Menschengemüt hingelenkt haben zu dem Großen, das dadurch geschehen ist, daß einmal im Laufe der Erdenentwickelung zu Bethlehem Jesus von Nazareth, das heißt aus Nazareth, geboren worden ist. Die Geburt des Jesus von Nazareth ist ein Fest, an das sich in einer gewissen Weise wie naturgemäß angeschlossen hat eine Empfindungswelt, die aus dem Lukas-Evangelium heraus geboren ist, aus jenen Teilen des Lukas-Evangeliums, die sozusagen am allervolkstümlichsten, am allerleichtesten verständlich sind, also gewissermaßen ein Fest des am allgemeinsten Menschlichen, verständlich, wenigstens bis zu einem gewissen Grade, für das Kind, verständlich für den Menschen, der sich sein kindliches Gemüt bewahrt hat, und dennoch hereintragend in dieses kindliche Gemüt ein Großes, ein Ungeheures, das wir dadurch ins Bewußtsein aufnehmen.

[ 2 ] Es gibt ja drei bedeutsame Feste im Jahreslaufe: das Weihnachtsfest, das Osterfest, das Pfingstfest. Und wenn man nicht so wie die meisten Zeitmenschen seine Gefühle abgestumpft hat für dasjenige, was aus dem Sinn der Menschheits- und Weltenentwickelung mit solchen Festen gemeint ist, so muß man eigentlich den gewaltigen Unterschied dieser drei Feste wohl empfinden. Sie drücken sich ja schließlich in der äußeren Symbolik dieser Festlichkeiten aus, diese verschiedenen Empfindungen gegenüber den drei Festen. Wir sehen das Weihnachtsfest gefeiert als ein Fest vor allen Dingen mit der Freude für die Kinder, als ein Fest, in dem Ja in unseren Zeiten, wenn auch nicht immer, der Weihnachtsbaum eine Rolle spielt, der hereingetragen ist aus der schnee- und eiserfüllten Natur in den Hausraum. Und wir erinnern uns dabei der Weihnachtsspiele, die wir ja gerade in unserem Kreise mehrfach gepflegt haben, die erhoben haben durch Jahrhunderte hindurch das einfachste Menschengemüt, indem sie dieses einfachste Menschengemüt hingelenkt haben zu dem Großen, das dadurch geschehen ist, daß einmal im Laufe der Erdenentwickelung zu Bethlehem Jesus von Nazareth, das heißt aus Nazareth, geboren worden ist. Die Geburt des Jesus von Nazareth ist ein Fest, an das sich in einer gewissen Weise wie naturgemäß angeschlossen hat eine Empfindungswelt, die aus dem Lukas-Evangelium heraus geboren ist, aus jenen Teilen des Lukas-Evangeliums, die sozusagen am allervolkstümlichsten, am allerleichtesten verständlich sind, also gewissermaßen ein Fest des am allgemeinsten Menschlichen, verständlich, wenigstens bis zu einem gewissen Grade, für das Kind, verständlich für den Menschen, der sich sein kindliches Gemüt bewahrt hat, und dennoch hereintragend in dieses kindliche Gemüt ein Großes, ein Ungeheures, das wir dadurch ins Bewußtsein aufnehmen.

[ 3 ] Wir sehen dann das Osterfest gefeiert, das uns, trotzdem es gefeiert wird gegenüber der erwachenden Natur, an die Pforte des Todes führt, jenes Osterfest, das gegenüber dem Weihnachtsfeste vor allen Dingen so charakterisiert werden kann, daß man sagt: Hat das Weihnachtsfest viel Liebliches, viel in allgemeinster Weise zu dem menschlichen Herzen Sprechendes, so hat das Osterfest etwas unendlich Erhabenes. Etwas von einer ungeheuren Größe muß durch die Menschenseele ziehen, die das Osterfest in einer richtigen Weise feiern kann. Wir werden herangeführt an die ungeheuer große Idee, daß das göttliche Wesen herabgestiegen ist, sich verkörpert hat in einem Menschenleibe, daß es durch den Tod gegangen ist. Das ganze Rätsel des Todes und der Bewahrung des ewigen Lebens der Seele im Tode, all dieses Erhabene tritt uns durch das Osterfest an die Seele heran. Ganz tief wird man diese festlichen Zeiten nur empfinden können, wenn man sich an manches erinnert, was uns gerade durch die Geisteswissenschaft nahetreten kann. Man bedenke nur, wie eng dieses Weihnachtsfest in den Vorstellungen, die es entwickelt, zusammenhängt mit all den Festen, die im Zusammenhang mit Heilands-Geburten überhaupt gefeiert worden sind. Mit dem Mithras-Fest hängt es zusammen, wo der Mithras geboren wird in einer Felsenhöhle. All dieses bezeugt uns ein inniges Zusammenhängen mit der Natur. Gewissermaßen ein Fest, das zwar an die Natur herantritt, wie es sich auch im Weihnachtsbaum symbolisiert — und die Geburt führt uns ja auch vorstellungsgemäß an das unmittelbar Natürliche heran —, das aber, weil es ja eine Geburt des Jesus von Nazareth ist, an die sich so viel für uns gerade aus der Geisteswissenschaft heraus anschließt, wiederum eben viel Geistiges in sich enthält. Und erinnern wir uns, wie wir öfter gesagt haben, daß der Geist der Erde eigentlich zur Winterzeit aufwacht, daß er am regsten in derjenigen Zeit ist, in der die äußere Natur wie schlafend und wie eisig erscheint, so können wir uns sagen, daß wir gerade durch das Weihnachtsfest in die elementarische Natur hineingeführt werden, und daß, indem die Weihnachtskerzen entzündet werden, sie uns erscheinen sollen wie ein Symbolum gerade dafür, wie der Geist aufwacht in der Finsternis der Winternacht, der Geist in der Natur. Und wollen wir an den Menschen herantreten und das Weihnachtsfest zu dem Menschen in eine Beziehung bringen, dann müssen wir sagen: Wir können das vor allen Dingen dadurch, daß wir gedenken dessen, wodurch der Mensch mit der Natur auch dann noch zusammenhängt, wenn er sich geistig, wie im Schlafe, von der Natur getrennt hat, wenn er geistig in seinem Ich und seinem astralischen Leib aufgestiegen ist in die geistige Welt. Sein Ätherleib bleibt als Geistiges an den äußeren physischen Naturleib gebunden, und sein Ätherleib stellt gerade dar dasjenige, was in ihm ist von der elementarischen Natur, von dem Elementarischen, das auflebt im Innern der Erde, wenn die Erde in Winters-Eisigkeit gehüllt ist. Man sagt mehr als einen bloßen Vergleich, man sagt eine tiefe Wahrheit, wenn man sagt: Neben allem übrigen ist das Weihnachtsfest zugleich wie ein Gedenkzeichen dafür, daß der Mensch eine ätherische, elementarische Natur hat, einen ätherischen Leib hat, durch den er mit dem Elementarischen der Natur zusammenhängt.

[ 3 ] Wir sehen dann das Osterfest gefeiert, das uns, trotzdem es gefeiert wird gegenüber der erwachenden Natur, an die Pforte des Todes führt, jenes Osterfest, das gegenüber dem Weihnachtsfeste vor allen Dingen so charakterisiert werden kann, daß man sagt: Hat das Weihnachtsfest viel Liebliches, viel in allgemeinster Weise zu dem menschlichen Herzen Sprechendes, so hat das Osterfest etwas unendlich Erhabenes. Etwas von einer ungeheuren Größe muß durch die Menschenseele ziehen, die das Osterfest in einer richtigen Weise feiern kann. Wir werden herangeführt an die ungeheuer große Idee, daß das göttliche Wesen herabgestiegen ist, sich verkörpert hat in einem Menschenleibe, daß es durch den Tod gegangen ist. Das ganze Rätsel des Todes und der Bewahrung des ewigen Lebens der Seele im Tode, all dieses Erhabene tritt uns durch das Osterfest an die Seele heran. Ganz tief wird man diese festlichen Zeiten nur empfinden können, wenn man sich an manches erinnert, was uns gerade durch die Geisteswissenschaft nahetreten kann. Man bedenke nur, wie eng dieses Weihnachtsfest in den Vorstellungen, die es entwickelt, zusammenhängt mit all den Festen, die im Zusammenhang mit Heilands-Geburten überhaupt gefeiert worden sind. Mit dem Mithras-Fest hängt es zusammen, wo der Mithras geboren wird in einer Felsenhöhle. All dieses bezeugt uns ein inniges Zusammenhängen mit der Natur. Gewissermaßen ein Fest, das zwar an die Natur herantritt, wie es sich auch im Weihnachtsbaum symbolisiert — und die Geburt führt uns ja auch vorstellungsgemäß an das unmittelbar Natürliche heran —, das aber, weil es ja eine Geburt des Jesus von Nazareth ist, an die sich so viel für uns gerade aus der Geisteswissenschaft heraus anschließt, wiederum eben viel Geistiges in sich enthält. Und erinnern wir uns, wie wir öfter gesagt haben, daß der Geist der Erde eigentlich zur Winterzeit aufwacht, daß er am regsten in derjenigen Zeit ist, in der die äußere Natur wie schlafend und wie eisig erscheint, so können wir uns sagen, daß wir gerade durch das Weihnachtsfest in die elementarische Natur hineingeführt werden, und daß, indem die Weihnachtskerzen entzündet werden, sie uns erscheinen sollen wie ein Symbolum gerade dafür, wie der Geist aufwacht in der Finsternis der Winternacht, der Geist in der Natur. Und wollen wir an den Menschen herantreten und das Weihnachtsfest zu dem Menschen in eine Beziehung bringen, dann müssen wir sagen: Wir können das vor allen Dingen dadurch, daß wir gedenken dessen, wodurch der Mensch mit der Natur auch dann noch zusammenhängt, wenn er sich geistig, wie im Schlafe, von der Natur getrennt hat, wenn er geistig in seinem Ich und seinem astralischen Leib aufgestiegen ist in die geistige Welt. Sein Ätherleib bleibt als Geistiges an den äußeren physischen Naturleib gebunden, und sein Ätherleib stellt gerade dar dasjenige, was in ihm ist von der elementarischen Natur, von dem Elementarischen, das auflebt im Innern der Erde, wenn die Erde in Winters-Eisigkeit gehüllt ist. Man sagt mehr als einen bloßen Vergleich, man sagt eine tiefe Wahrheit, wenn man sagt: Neben allem übrigen ist das Weihnachtsfest zugleich wie ein Gedenkzeichen dafür, daß der Mensch eine ätherische, elementarische Natur hat, einen ätherischen Leib hat, durch den er mit dem Elementarischen der Natur zusammenhängt.

[ 4 ] Und nehmen Sie all das zusammen, was über die allmähliche Ablähmung und Abdämpfung der Menschheitskräfte gesagt worden ist im Laufe vieler Jahre schon, so werden Sie auf den Gedanken kommen können, wie nahe all die Kräfte, die in unserem astralischen Leibe leben, im Grunde genommen stehen zu dem, was die abdämpfenden, die todbringenden Ereignisse für den Menschen sind. Dadurch, daß wir unseren astralischen Leib ausbilden müssen während unseres Lebens, daß wir in ihm das Geistige aufnehmen müssen, dadurch tragen wir ja die Todeskeime in uns hinein. Es ist ganz unrichtig, zu glauben, daß der Tod mit dem Leben nur in äußerlicher Weise zusammenhängt: Er hängt in innerlichster Weise, wie oftmals gesagt worden ist in unserem Kreise, mit ihm zusammen. Und unser Leben ist nur deshalb so, wie es ist, weil wir so sterben können, wie wir sterben. Aber dies hängt für den Menschen mit der ganzen Entwickelung seines astralischen Leibes zusammen. Und es ist wiederum mehr als ein Vergleich, wenn wir uns sagen: Es ist das Osterfest wie ein Symbolum für alles dasjenige, was mit der astralischen Natur des Menschen zusammenhängt, mit derjenigen Natur, durch die er sich in jedem Schlafe entfernt von seinem physischen Leibe und in die geistige Welt eintritt, in diejenige Welt, aus der heruntergekommen ist jenes geistig-göttliche Wesen, das durch den Jesus von Nazareth selber den Tod erfahren hat. Und würde man in einer Zeit sprechen, in der der Sinn für das Geistige mehr lebendig ist als in unserer Zeit, so würde schon dasjenige, was ich eben gesagt habe, mehr genommen werden als eine Wirklichkeit, während es vielleicht in unserer Zeit mehr als eine bloße Symbolik genommen wird. Und man würde einsehen, daß gerade mit der Einsetzung des Weihnachtsfestes, des Osterfestes auch gemeint ist, der Menschheit Erinnerungszeichen dafür zu geben, wie sie mit der elementarischen, wie sie mit der geistigen und physisch todbringenden Natur zusammenhängt, oder gewissermaßen Erinnerungszeichen dafür zu geben, daß der Mensch ein Geistiges in seinem Ätherleibe und in seinem astralischen Leibe in sich trägt. Nur vergessen sind diese Dinge in unseren Tagen. Sie werden wiederum an die Oberfläche kommen. wenn die Menschheit sich entschließen wird, für solche geistigen Dinge sich Verständnis zu erwerben.

[ 4 ] Und nehmen Sie all das zusammen, was über die allmähliche Ablähmung und Abdämpfung der Menschheitskräfte gesagt worden ist im Laufe vieler Jahre schon, so werden Sie auf den Gedanken kommen können, wie nahe all die Kräfte, die in unserem astralischen Leibe leben, im Grunde genommen stehen zu dem, was die abdämpfenden, die todbringenden Ereignisse für den Menschen sind. Dadurch, daß wir unseren astralischen Leib ausbilden müssen während unseres Lebens, daß wir in ihm das Geistige aufnehmen müssen, dadurch tragen wir ja die Todeskeime in uns hinein. Es ist ganz unrichtig, zu glauben, daß der Tod mit dem Leben nur in äußerlicher Weise zusammenhängt: Er hängt in innerlichster Weise, wie oftmals gesagt worden ist in unserem Kreise, mit ihm zusammen. Und unser Leben ist nur deshalb so, wie es ist, weil wir so sterben können, wie wir sterben. Aber dies hängt für den Menschen mit der ganzen Entwickelung seines astralischen Leibes zusammen. Und es ist wiederum mehr als ein Vergleich, wenn wir uns sagen: Es ist das Osterfest wie ein Symbolum für alles dasjenige, was mit der astralischen Natur des Menschen zusammenhängt, mit derjenigen Natur, durch die er sich in jedem Schlafe entfernt von seinem physischen Leibe und in die geistige Welt eintritt, in diejenige Welt, aus der heruntergekommen ist jenes geistig-göttliche Wesen, das durch den Jesus von Nazareth selber den Tod erfahren hat. Und würde man in einer Zeit sprechen, in der der Sinn für das Geistige mehr lebendig ist als in unserer Zeit, so würde schon dasjenige, was ich eben gesagt habe, mehr genommen werden als eine Wirklichkeit, während es vielleicht in unserer Zeit mehr als eine bloße Symbolik genommen wird. Und man würde einsehen, daß gerade mit der Einsetzung des Weihnachtsfestes, des Osterfestes auch gemeint ist, der Menschheit Erinnerungszeichen dafür zu geben, wie sie mit der elementarischen, wie sie mit der geistigen und physisch todbringenden Natur zusammenhängt, oder gewissermaßen Erinnerungszeichen dafür zu geben, daß der Mensch ein Geistiges in seinem Ätherleibe und in seinem astralischen Leibe in sich trägt. Nur vergessen sind diese Dinge in unseren Tagen. Sie werden wiederum an die Oberfläche kommen. wenn die Menschheit sich entschließen wird, für solche geistigen Dinge sich Verständnis zu erwerben.

[ 5 ] Wir tragen nun außer dem ätherischen Leibe und dem astralischen Leibe als Geistiges vor allen Dingen unser Ich in uns. Wir kennen die komplizierte Natur dieses Ich. Wir wissen aber auch, wie dieses Ich es ist, das von Inkarnation zu Inkarnation geht, wie die inneren Kräfte dieses Ich selbst bauend und bildend an demjenigen sind, das wir mit jeder neuen Inkarnation gewissermaßen anziehen. In diesem Ich erstehen wir aus jedem Tode von neuem zur Vorbereitung für eine neue Inkarnation. Dieses Ich ist auch dasjenige, was uns zu einer individuellen Wesenheit macht. Können wir sagen, daß uns unser Ätherleib in gewissem Sinne das Geburtsartige repräsentiert, das mit den elementarischen Kräften der Natur zusammenhängt, daß uns unser astralischer Leib das Todbringende symbolisiert, welches mit dem höheren Geistigen zusammenhängt, so können wir sagen, daß uns das Ich repräsentiert unser ständiges Wiederauferstehen im Geistigen, unser Wiederaufleben im Geistigen, in der gesamten geistigen Welt, die weder Natur ist, noch Sternenwelt ist, sondern dasjenige, was alles durchdringt. Und ebenso, wie man das Weihnachtsfest mit dem Ätherleib, das Osterfest mit dem astralischen Leib zusammenbringen kann, kann man das Pfingstfest mit dem Ich zusammenbringen, als dasjenige Fest, das uns die Unvergänglichkeit unseres Ich darstellt, das ein Merkzeichen für diese unvergängliche Welt unseres Ich ist, das ein Merkzeichen zugleich dafür ist, daß wir als Menschen nicht nur im allgemeinen Naturleben mitleben, nicht bloß durch Tode gehen, sondern daß wir als Menschen ein unsterbliches, immer wieder erstehendes individuelles Wesen sind. Und wie schön ist im Grunde genommen in der weiteren Ausgestaltung der Weihnachts-, Oster- und Pfingstidee dieses zum Ausdruck gekommen! Denken Sie sich: Das Weihnachtsfest steht im Zusammenhange mit den Erdenereignissen ganz unmittelbar, so wie es als Weihnachtsfest unter uns ist; es schließt sich unmittelbar an die Wintersonnenwende an, das heißt an diejenige Zeit, in welcher die Erde in tiefste Finsternis gehüllt ist. Gewissermaßen der GesetzmäRigkeit des Erdendaseins folgt man mit dem Weihnachtsfest: Wenn die Nächte am längsten, die Tage am kürzesten sind, wenn die Erde erstarrt ist, da zieht man sich in sich zurück und sucht das Geistige auf, insoferne es in der Erde lebt. Also ein Fest, das sozusagen an den Geist der Erde gebunden ist. Mit dem Weihnachtsfest werden wir gewissermaßen immer wieder und wiederum erinnert, wie wir als Erdenmenschen der Erde angehören, wie der Geist aus den Höhen der Welt herunterziehen mußte und irdische Gestalt annehmen mußte, um mit Erdenkindern selber Erdenkind zu sein.

[ 5 ] Wir tragen nun außer dem ätherischen Leibe und dem astralischen Leibe als Geistiges vor allen Dingen unser Ich in uns. Wir kennen die komplizierte Natur dieses Ich. Wir wissen aber auch, wie dieses Ich es ist, das von Inkarnation zu Inkarnation geht, wie die inneren Kräfte dieses Ich selbst bauend und bildend an demjenigen sind, das wir mit jeder neuen Inkarnation gewissermaßen anziehen. In diesem Ich erstehen wir aus jedem Tode von neuem zur Vorbereitung für eine neue Inkarnation. Dieses Ich ist auch dasjenige, was uns zu einer individuellen Wesenheit macht. Können wir sagen, daß uns unser Ätherleib in gewissem Sinne das Geburtsartige repräsentiert, das mit den elementarischen Kräften der Natur zusammenhängt, daß uns unser astralischer Leib das Todbringende symbolisiert, welches mit dem höheren Geistigen zusammenhängt, so können wir sagen, daß uns das Ich repräsentiert unser ständiges Wiederauferstehen im Geistigen, unser Wiederaufleben im Geistigen, in der gesamten geistigen Welt, die weder Natur ist, noch Sternenwelt ist, sondern dasjenige, was alles durchdringt. Und ebenso, wie man das Weihnachtsfest mit dem Ätherleib, das Osterfest mit dem astralischen Leib zusammenbringen kann, kann man das Pfingstfest mit dem Ich zusammenbringen, als dasjenige Fest, das uns die Unvergänglichkeit unseres Ich darstellt, das ein Merkzeichen für diese unvergängliche Welt unseres Ich ist, das ein Merkzeichen zugleich dafür ist, daß wir als Menschen nicht nur im allgemeinen Naturleben mitleben, nicht bloß durch Tode gehen, sondern daß wir als Menschen ein unsterbliches, immer wieder erstehendes individuelles Wesen sind. Und wie schön ist im Grunde genommen in der weiteren Ausgestaltung der Weihnachts-, Oster- und Pfingstidee dieses zum Ausdruck gekommen! Denken Sie sich: Das Weihnachtsfest steht im Zusammenhange mit den Erdenereignissen ganz unmittelbar, so wie es als Weihnachtsfest unter uns ist; es schließt sich unmittelbar an die Wintersonnenwende an, das heißt an diejenige Zeit, in welcher die Erde in tiefste Finsternis gehüllt ist. Gewissermaßen der GesetzmäRigkeit des Erdendaseins folgt man mit dem Weihnachtsfest: Wenn die Nächte am längsten, die Tage am kürzesten sind, wenn die Erde erstarrt ist, da zieht man sich in sich zurück und sucht das Geistige auf, insoferne es in der Erde lebt. Also ein Fest, das sozusagen an den Geist der Erde gebunden ist. Mit dem Weihnachtsfest werden wir gewissermaßen immer wieder und wiederum erinnert, wie wir als Erdenmenschen der Erde angehören, wie der Geist aus den Höhen der Welt herunterziehen mußte und irdische Gestalt annehmen mußte, um mit Erdenkindern selber Erdenkind zu sein.

[ 6 ] Anders mit dem Osterfest! Das Osterfest, Sie wissen es, ist angeknüpftan die Beziehung von Sonne und Mond. Es ist am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmonde, dem Vollmonde, der auf den 21. März folgt. Also aus der Verhältnisstellung der Sonne zum Mond sehen wir das Osterfest festgesetzt. Wir sehen also, in welch wunderbarer Weise das Weihnachtsfest an das Irdische, das Osterfest an das Kosmische angeknüpft ist. Wir werden gewissermaßen beim Weihnachtsfest an das Heiligste der Erde, beim Osterfest an das Heiligste des Himmels erinnert. In einer wunderschönen Weise hat sich verbunden für das christliche Pfingsten der Gedanke an etwas, das, man möchte sagen, noch über den Sternen ist. Das allgemein-geistige Weltenfeuer, das sich individualisiert und in den feurigen Zungen auf die Apostel herniederkommt, das Feuer, das weder bloß himmlisch, noch bloß irdisch ist, weder kosmisch, noch bloß tellurisch ist, das Feuer, das alles durchdringt, und das Feuer, das sich zugleich individualisiert und zu jedem einzelnen Menschen hingeht! An die ganze Welt angeschlossen ist das Pfingstfest. Wie das Weihnachtsfest an die Erde, wie das Osterfest an die Sternenwelt, so ist das Pfingstfest angeschlossen unmittelbar an den Menschen, insofern er den Funken des geistigen Lebens empfängt aus allen Welten. Wir sehen gewissermaßen dasjenige, was der Menschheit allgemein gegeben ist, indem der Gottmensch herunterzieht auf die Erde, für jeden einzelnen Menschen zubereitet in der feurigen Zunge des Pfingstfestes. Wir sehen da dasjenige repräsentiert in der feurigen Zunge, was im Menschen, in Welt und Sternen ist. Und so erhält gerade für denjenigen, der nach dem Geistigen sucht, dieses Pfingstfest einen besonders tiefen Inhalt, der immer wieder auffordert, neu nach dem Geistigen zu suchen. Ich möchte sagen, in unserer Zeit ist es vonnöten, diese Gedanken, auch diese festlichen Gedanken noch um ein Stückchen tiefer zu nehmen, als man sie in anderen Zeiten nimmt. Denn es wird viel davon abhängen, wie tief man solche Gedanken nehmen kann, in welcher Weise wir wiederum herauskommen aus den schmerzlich niederschlagenden Ereignissen dieser Zeit. Die Seelen werden sich herausarbeiten müssen, das fühlt man in einzelnen Kreisen heute schon. Und ich möchte sagen, gerade derjenige, der der Geisteswissenschaft nahegetreten ist, sollte in erhöhtem Maße mitfühlen diese Notwendigkeit der Zeit, die man ausdrücken kann als Notwendigkeit, das geistige Leben überhaupt wiederum zu beleben, hinauszukommen über den Materialismus. Man wird über den Materialismus nur hinauskommen, wenn der gute Wille dazu vorhanden ist, die geistige Welt in sich zu entfachen, gewissermaßen das Pfingstfest wirklich innerlich zu feiern und es innerlich ernst zu nehmen.

[ 6 ] Anders mit dem Osterfest! Das Osterfest, Sie wissen es, ist angeknüpftan die Beziehung von Sonne und Mond. Es ist am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmonde, dem Vollmonde, der auf den 21. März folgt. Also aus der Verhältnisstellung der Sonne zum Mond sehen wir das Osterfest festgesetzt. Wir sehen also, in welch wunderbarer Weise das Weihnachtsfest an das Irdische, das Osterfest an das Kosmische angeknüpft ist. Wir werden gewissermaßen beim Weihnachtsfest an das Heiligste der Erde, beim Osterfest an das Heiligste des Himmels erinnert. In einer wunderschönen Weise hat sich verbunden für das christliche Pfingsten der Gedanke an etwas, das, man möchte sagen, noch über den Sternen ist. Das allgemein-geistige Weltenfeuer, das sich individualisiert und in den feurigen Zungen auf die Apostel herniederkommt, das Feuer, das weder bloß himmlisch, noch bloß irdisch ist, weder kosmisch, noch bloß tellurisch ist, das Feuer, das alles durchdringt, und das Feuer, das sich zugleich individualisiert und zu jedem einzelnen Menschen hingeht! An die ganze Welt angeschlossen ist das Pfingstfest. Wie das Weihnachtsfest an die Erde, wie das Osterfest an die Sternenwelt, so ist das Pfingstfest angeschlossen unmittelbar an den Menschen, insofern er den Funken des geistigen Lebens empfängt aus allen Welten. Wir sehen gewissermaßen dasjenige, was der Menschheit allgemein gegeben ist, indem der Gottmensch herunterzieht auf die Erde, für jeden einzelnen Menschen zubereitet in der feurigen Zunge des Pfingstfestes. Wir sehen da dasjenige repräsentiert in der feurigen Zunge, was im Menschen, in Welt und Sternen ist. Und so erhält gerade für denjenigen, der nach dem Geistigen sucht, dieses Pfingstfest einen besonders tiefen Inhalt, der immer wieder auffordert, neu nach dem Geistigen zu suchen. Ich möchte sagen, in unserer Zeit ist es vonnöten, diese Gedanken, auch diese festlichen Gedanken noch um ein Stückchen tiefer zu nehmen, als man sie in anderen Zeiten nimmt. Denn es wird viel davon abhängen, wie tief man solche Gedanken nehmen kann, in welcher Weise wir wiederum herauskommen aus den schmerzlich niederschlagenden Ereignissen dieser Zeit. Die Seelen werden sich herausarbeiten müssen, das fühlt man in einzelnen Kreisen heute schon. Und ich möchte sagen, gerade derjenige, der der Geisteswissenschaft nahegetreten ist, sollte in erhöhtem Maße mitfühlen diese Notwendigkeit der Zeit, die man ausdrücken kann als Notwendigkeit, das geistige Leben überhaupt wiederum zu beleben, hinauszukommen über den Materialismus. Man wird über den Materialismus nur hinauskommen, wenn der gute Wille dazu vorhanden ist, die geistige Welt in sich zu entfachen, gewissermaßen das Pfingstfest wirklich innerlich zu feiern und es innerlich ernst zu nehmen.

[ 7 ] Wir haben ja gerade in den Betrachtungen, die wir hier in den letzten Stunden angestellt haben, gesehen, wie schwer es der Menschheit heute gerade durch die Zeitverhältnisse wird, auf diesem Gebiete das Richtige zu finden. Auf der einen Seite haben wir heute eine Entwickelung von Kräften, die nicht genug zu bewundern sind, für die nicht genug Gefühle aufgefunden werden können, um ihnen entgegenzukommen. Aber wenn einmal Gefühle so notwendig werden für das Geistige, dann wird man schon sehen, wie notwendig es ist, daß dieses innere Pfingstfest von der Menschenseele gefeiert werden könne, daß die Menschenseele dieses innere Pfingstfest nicht vergesse. Nicht Sie, die jahrelang teilgenommen haben an diesen Betrachtungen, aber andere könnten leicht meinen, es läge etwas Hypochondrisches, etwas von Kritikasterei in manchem, was in den letztverflossenen Betrachtungen hier vorgebracht worden ist. Es scheint mir dies nicht der Fall zu sein, sondern es scheint mir im Gegenteil durch und durch notwendig zu sein, daß auf solche Dinge hingesehen wird, wie sie eben gerade in den letzten Betrachtungen vorgebracht worden sind, damit man weiß, wo man gerade geistig anzugreifen hat im Entwickelungsgange der Menschheit. Und ich möchte sagen: Es sehen schon auch einzelne andere, worauf es in unserer Gegenwart ankommt.

[ 7 ] Wir haben ja gerade in den Betrachtungen, die wir hier in den letzten Stunden angestellt haben, gesehen, wie schwer es der Menschheit heute gerade durch die Zeitverhältnisse wird, auf diesem Gebiete das Richtige zu finden. Auf der einen Seite haben wir heute eine Entwickelung von Kräften, die nicht genug zu bewundern sind, für die nicht genug Gefühle aufgefunden werden können, um ihnen entgegenzukommen. Aber wenn einmal Gefühle so notwendig werden für das Geistige, dann wird man schon sehen, wie notwendig es ist, daß dieses innere Pfingstfest von der Menschenseele gefeiert werden könne, daß die Menschenseele dieses innere Pfingstfest nicht vergesse. Nicht Sie, die jahrelang teilgenommen haben an diesen Betrachtungen, aber andere könnten leicht meinen, es läge etwas Hypochondrisches, etwas von Kritikasterei in manchem, was in den letztverflossenen Betrachtungen hier vorgebracht worden ist. Es scheint mir dies nicht der Fall zu sein, sondern es scheint mir im Gegenteil durch und durch notwendig zu sein, daß auf solche Dinge hingesehen wird, wie sie eben gerade in den letzten Betrachtungen vorgebracht worden sind, damit man weiß, wo man gerade geistig anzugreifen hat im Entwickelungsgange der Menschheit. Und ich möchte sagen: Es sehen schon auch einzelne andere, worauf es in unserer Gegenwart ankommt.

[ 8 ] Eine hübsche Broschüre ist erschienen von dem Urenkel Schillers, Alexander von Gleichen-Rußwurm: «Kultur- Aberglaube», im Forum-Verlag in München. Ich mußte mich erinnern beim Lesen dieser Broschüre an manches, was ich genötigt war, zu Ihnen hier zu sprechen. Davon zu sprechen war ich Ja genötigt, wie Geisteswissenschaft nicht bloß unlebendig bleiben soll, nicht bloß eine Theorie bleiben, sondern einfließen soll in die Seele, so daß sie unser Denken belebt, so daß dieses Denken wirklich umsichtig wird, beweglich wird, um in die Aufgaben der Gegenwart eindringen zu können. Lassen Sie mich gerade im Anschluß an diesen Satz von der Notwendigkeit der Belebung des Denkens einige Sätze aus der Broschüre «Kultur-Aberglaube» von Alexander von GleichenRußwurm anführen. Er sagt:

[ 8 ] Eine hübsche Broschüre ist erschienen von dem Urenkel Schillers, Alexander von Gleichen-Rußwurm: «Kultur- Aberglaube», im Forum-Verlag in München. Ich mußte mich erinnern beim Lesen dieser Broschüre an manches, was ich genötigt war, zu Ihnen hier zu sprechen. Davon zu sprechen war ich Ja genötigt, wie Geisteswissenschaft nicht bloß unlebendig bleiben soll, nicht bloß eine Theorie bleiben, sondern einfließen soll in die Seele, so daß sie unser Denken belebt, so daß dieses Denken wirklich umsichtig wird, beweglich wird, um in die Aufgaben der Gegenwart eindringen zu können. Lassen Sie mich gerade im Anschluß an diesen Satz von der Notwendigkeit der Belebung des Denkens einige Sätze aus der Broschüre «Kultur-Aberglaube» von Alexander von GleichenRußwurm anführen. Er sagt:

[ 9 ] «Denn, wenn uns alle ein Teil der tragischen Schuld in dieser furchtbaren Tragödie belastet, so ist es, weil wir alle in ganz Europa trotz Kultur, Schulen und Bildungsmöglichkeiten das selbständige Denken immer mehr eingebüßt haben.

[ 9 ] «Denn, wenn uns alle ein Teil der tragischen Schuld in dieser furchtbaren Tragödie belastet, so ist es, weil wir alle in ganz Europa trotz Kultur, Schulen und Bildungsmöglichkeiten das selbständige Denken immer mehr eingebüßt haben.

[ 10 ] Gedankenfreiheit, umsonst hatten dich die größten Dichter im Menschheitsnamen gefordert. Du erschlafftest, erstarbst, du sankst dahin und warst wie tot! Unfrei plapperten wir nach, gebunden war unsere Denkkraft, lahm und müd.

[ 10 ] Gedankenfreiheit, umsonst hatten dich die größten Dichter im Menschheitsnamen gefordert. Du erschlafftest, erstarbst, du sankst dahin und warst wie tot! Unfrei plapperten wir nach, gebunden war unsere Denkkraft, lahm und müd.

[ 11 ] Wir hatten zu allem Zeit, Lust und Ehrgeiz, außer dem eigentlichen Denken. Sogar hier» — wohlgemerkt, nicht ich sage es: der Schiller-Enkel Gleichen-Rußwurm sagt es! — «im einstigen Land der Denker war der Gedanke der erhabene Fremdling, ein seltener, nur mit Unbehagen gesehener Gast.

[ 11 ] Wir hatten zu allem Zeit, Lust und Ehrgeiz, außer dem eigentlichen Denken. Sogar hier» — wohlgemerkt, nicht ich sage es: der Schiller-Enkel Gleichen-Rußwurm sagt es! — «im einstigen Land der Denker war der Gedanke der erhabene Fremdling, ein seltener, nur mit Unbehagen gesehener Gast.

[ 12 ] Lesen und Schreiben nützt uns nicht, ja es schadet nur, wenn wir nicht zu denken verstehen.

[ 12 ] Lesen und Schreiben nützt uns nicht, ja es schadet nur, wenn wir nicht zu denken verstehen.

[ 13 ] In letzter Zeit war alles dazu angetan, das Denken abzugewöhnen. Unsere Erziehung, Kunst, Erholung, Arbeit, Geselligkeit, Reisen und Zuhausesein.

[ 13 ] In letzter Zeit war alles dazu angetan, das Denken abzugewöhnen. Unsere Erziehung, Kunst, Erholung, Arbeit, Geselligkeit, Reisen und Zuhausesein.

[ 14 ] Echte Kultur aber sollte vor allem denken lehren, denn bloße Gefühle und Instinkte genügen nicht, um ein erträgliches Zusammenleben der Menschen untereinander, der Völker untereinander zu ermöglichen.

[ 14 ] Echte Kultur aber sollte vor allem denken lehren, denn bloße Gefühle und Instinkte genügen nicht, um ein erträgliches Zusammenleben der Menschen untereinander, der Völker untereinander zu ermöglichen.

[ 15 ] Dazu nötig ist ein gesunder, sorgfältig geschulter politischer Verstand.»

[ 15 ] Dazu nötig ist ein gesunder, sorgfältig geschulter politischer Verstand.»

[ 16 ] Und weit zurück, im Grunde genommen, verfolgt GleichenRußwurm, der Urenkel Schillers, dieses, daß wir verlernt haben zu denken. Er sagt:

[ 16 ] Und weit zurück, im Grunde genommen, verfolgt GleichenRußwurm, der Urenkel Schillers, dieses, daß wir verlernt haben zu denken. Er sagt:

[ 17 ] «Seit dem Wiener Kongreß — 1815 — haben sich die Völker eine gewisse Mühe gegeben, sich miteinander auf diesem Stern häuslich einzurichten. Unzählige Verträge, Versuche aller Art zeugen davon. Man glaubte durch Erringen von Verfassungen, Wahlrechten wirklichen Anteil an der Regierung zu erhalten und sein Schicksal selbst zu bestimmen», — und so weiter.

[ 17 ] «Seit dem Wiener Kongreß — 1815 — haben sich die Völker eine gewisse Mühe gegeben, sich miteinander auf diesem Stern häuslich einzurichten. Unzählige Verträge, Versuche aller Art zeugen davon. Man glaubte durch Erringen von Verfassungen, Wahlrechten wirklichen Anteil an der Regierung zu erhalten und sein Schicksal selbst zu bestimmen», — und so weiter.

[ 18 ] Aber dann sagt er: Ohne das Denken geht es nicht. — Er sagt das, indem er ein merkwürdiges Bild entwirft von der Gegenwart, von jener Gegenwart, an die wir immer denken müssen, die wir eigentlich in keinem Augenblick vergessen können.

[ 18 ] Aber dann sagt er: Ohne das Denken geht es nicht. — Er sagt das, indem er ein merkwürdiges Bild entwirft von der Gegenwart, von jener Gegenwart, an die wir immer denken müssen, die wir eigentlich in keinem Augenblick vergessen können.

[ 19 ] «Nein! Wir hatten es noch nicht herrlich weit gebracht, wenn das alles Wirklichkeit werden konnte, was sonst nur hirnverbrannte Dichter gefabelt, ein solch namenlos tolles Durcheinander, phantastischer als je zur Zeit der Völkerwanderung. Senegalneger mordeten unsere Dichter, Kunstgelehrte putzten Pferde, Professoren hüteten Schafe.» — Es ist wahrhaftig nicht zum Lachen! — «Theaterdirektoren gaben telephonisch Todesbefehle weiter, fromme Inder versuchten auf unseren Schlachtfeldern nach ihrem uralten Ritus korrekt zu sterben. Kunstbauten sanken in Trümmer und Unterstände entstanden, würdig der Höhlenmenschen. Der Millionär hungerte und kämpfte mit Ungeziefer, indes der Bettler sich im alten Schloß an verlassene Prunktafeln setzte. Zweifelhafte Existenzen wurden rehabilitiert und die harmlosesten Leute schmachteten als Zivilgefangene im Gefängnis und starben darin.»

[ 19 ] «Nein! Wir hatten es noch nicht herrlich weit gebracht, wenn das alles Wirklichkeit werden konnte, was sonst nur hirnverbrannte Dichter gefabelt, ein solch namenlos tolles Durcheinander, phantastischer als je zur Zeit der Völkerwanderung. Senegalneger mordeten unsere Dichter, Kunstgelehrte putzten Pferde, Professoren hüteten Schafe.» — Es ist wahrhaftig nicht zum Lachen! — «Theaterdirektoren gaben telephonisch Todesbefehle weiter, fromme Inder versuchten auf unseren Schlachtfeldern nach ihrem uralten Ritus korrekt zu sterben. Kunstbauten sanken in Trümmer und Unterstände entstanden, würdig der Höhlenmenschen. Der Millionär hungerte und kämpfte mit Ungeziefer, indes der Bettler sich im alten Schloß an verlassene Prunktafeln setzte. Zweifelhafte Existenzen wurden rehabilitiert und die harmlosesten Leute schmachteten als Zivilgefangene im Gefängnis und starben darin.»

[ 20 ] Es ist gewissermaßen dasjenige, was anregte den Enkel Schillers, den Gedanken von der Notwendigkeit einer Belebung des Denkens zu hegen. Ich kann allerdings in seiner Broschüre und auch in seinen sonstigen Schriften nicht finden, daß er darauf ausgeht, die richtigen Quellen zur Belebung des Denkens zu suchen.

[ 20 ] Es ist gewissermaßen dasjenige, was anregte den Enkel Schillers, den Gedanken von der Notwendigkeit einer Belebung des Denkens zu hegen. Ich kann allerdings in seiner Broschüre und auch in seinen sonstigen Schriften nicht finden, daß er darauf ausgeht, die richtigen Quellen zur Belebung des Denkens zu suchen.

[ 21 ] Ja, das aber ist auch gar nicht so leicht in der Gegenwart, das Pfingstfest in der Seele zu feiern. Hier habe ich das Buch eines Mannes, der sich eigentlich in der letzten Zeit ganz redliche Mühe gegeben hat, sogar Goethe zu verstehen, soweit er das eben in seinen Möglichkeiten finden konnte, der sogar sich redliche Mühe gegeben hat, etwas an unsere Geisteswissenschaft heranzukommen. Und gerade dieser Mann, der sich, wie gesagt, in den letzten Jahren redliche Mühe gegeben hat, Goethe zu verstehen, der jetzt ungeheuer froh ist, daß er anfängt, Goethe zu verstehen, gerade dieser Mann — es ist sehr, sehr charakteristisch für die Schwierigkeiten, die der Mensch hat, hineinzukommen in ein geistiges Leben heute — hat, bevor er das getan hat, was ich Ihnen jetzt erzählt habe, geschrieben 1, 2, 3, 4, 5 9 Romane, 1, 2, 3 — 14 Theaterstücke, 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9 EssayBücher. Und jetzt sagt er in dem letzten Buch, welches also das zehnte Essay-Buch ist, daß er nun froh ist, daß er endlich an Goethe herangekommen ist und versuchen kann, Goethe zu verstehen. Und man sieht schließlich auch aus diesem zehnten Essay-Buch, daß er sich alle redliche Mühe gibt, Goethe zu verstehen. Aber bedenken Sie doch, was das alles heißt, daß ein Mann, der heute so viele Romane, so viele Theaterstücke geschrieben hat, der ein ganz bekannter Mann ist, jetzt in seinem etwa fünfzigsten oder einundfünfzigsten Jahre gesteht, daß er nun dazu kommt, Goethe einigermaßen zu verstehen. Es ist das eine bedeutsame Tatsache. Nun, dieses neueste Buch, das hat den Titel «Expressionismus». Der Mann, der es geschrieben hat, heißt Hermann Bahr. Und Hermann Bahr ist auch der Mann, von dem ich Ihnen sage, daß er sich alle redliche Mühe gibt, jetzt ein bißchen in die Lektüre Goethes hineinzukommen. Es sind da noch nicht einmal alle Theaterstücke angeführt, denn er hat noch mehr geschrieben, nur die früheren verleugnet er. Es ist mir auch gerade nicht schwer, über diesen Mann zu sprechen, aus dem einfachen Grunde, weil ich ihn kenne seit seiner Studentenzeit, und weil ich ihn ganz gut früher gekannt habe. Sehen Sie, das ist ein Mann, der eigentlich über alles geschrieben und mancherlei sehr Gutes geschrieben hat und der von sich sagt: Er war eigentlich sein Leben lang, weil er einmal in der Zeit des Impressionismus geboren war, Impressionist. Machen wir uns nun mit ein paar Worten klar, was eigentlich Impressionismus ist. Wir wollen jetzt nicht über Kunstfragen streiten, aber machen wir uns klar, was gerade solche Leute, wie Hermann Bahr einer ist, denken über Impressionismus. Wenn man noch zurückdenkt an die Kunst Goethes, so sehen ja Goethe — auch Schiller, Shakespeare, Corneille, Racine, Dante, wen Sie wollen — das Große ihrer Kunst darinnen, daß sie die äußere Welt wahrnehmen und sie dann geistig verarbeiten. Das äußere Wahrgenommene vereinigt sich in der Kunst mit dem, was im Geistigen lebt. Kunstwerke, die weniger dasjenige anstreben, was Vereinigung des Geistes mit der Natur ist, ließ Goethe gar nicht als Kunstwerke gelten. Aber in der neueren Zeit ist etwas heraufgestiegen, was man Impressionismus genannt hat, und Hermann Bahr war aufgewachsen mit dem Impressionismus und war selber, wie er sich bewußt ist, Impressionist in allem. Wenn er Gemälde beurteilt hat — er hat ja viele Essays über die Malerei geschrieben —, war es vom Standpunkte des Impressionismus aus. Wenn er selber darüber geschrieben hat, wollte er Impressionist sein, und er war es in seiner Art, er ist es in seiner Art. Nun, was versteht ein solcher Mensch unter Impressionismus in der Kunst? Ja, unter Impressionismus versteht er, daß man eigentlich eine heillose Angst davor hat, aus der Seele selber etwas zu dem dazuzutun, was der äußere Eindruck von der Natur hergibt. Ja nichts von der Seele selber hinzutun! Musik könnte ja dann eigentlich überhaupt nicht zustande kommen; aber die Musik schließt er aus. Architektur kann auch nicht zustande kommen. Architektur und Musik können daher auch niemals rein impressionistisch sein. Aber in der Malerei, in der Dichtung, da geht es schon. Also möglichst ausschließen dasjenige, was die Seele selbst gibt! Daher versuchte die impressionistische Malerei gewissermaßen ein Bild von irgend etwas darzustellen in dem Augenblicke, wo man’s noch gar nicht recht angeschaut hat, wo man noch gar nicht irgendwie den Eindruck innerlich verarbeitet hat. Wie gesagt: Anschauen — aber nun, möglichst bevor man irgend etwas von sich zu dem Bild hinzugebracht hat, das den Eindruck hervorruft, es gleich festhalten: Impressionismus! Diesen Impressionismus hat man natürlich in der verschiedensten Weise aufgefaßt; aber das ist das Wesentliche.

[ 21 ] Ja, das aber ist auch gar nicht so leicht in der Gegenwart, das Pfingstfest in der Seele zu feiern. Hier habe ich das Buch eines Mannes, der sich eigentlich in der letzten Zeit ganz redliche Mühe gegeben hat, sogar Goethe zu verstehen, soweit er das eben in seinen Möglichkeiten finden konnte, der sogar sich redliche Mühe gegeben hat, etwas an unsere Geisteswissenschaft heranzukommen. Und gerade dieser Mann, der sich, wie gesagt, in den letzten Jahren redliche Mühe gegeben hat, Goethe zu verstehen, der jetzt ungeheuer froh ist, daß er anfängt, Goethe zu verstehen, gerade dieser Mann — es ist sehr, sehr charakteristisch für die Schwierigkeiten, die der Mensch hat, hineinzukommen in ein geistiges Leben heute — hat, bevor er das getan hat, was ich Ihnen jetzt erzählt habe, geschrieben 1, 2, 3, 4, 5 9 Romane, 1, 2, 3 — 14 Theaterstücke, 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9 EssayBücher. Und jetzt sagt er in dem letzten Buch, welches also das zehnte Essay-Buch ist, daß er nun froh ist, daß er endlich an Goethe herangekommen ist und versuchen kann, Goethe zu verstehen. Und man sieht schließlich auch aus diesem zehnten Essay-Buch, daß er sich alle redliche Mühe gibt, Goethe zu verstehen. Aber bedenken Sie doch, was das alles heißt, daß ein Mann, der heute so viele Romane, so viele Theaterstücke geschrieben hat, der ein ganz bekannter Mann ist, jetzt in seinem etwa fünfzigsten oder einundfünfzigsten Jahre gesteht, daß er nun dazu kommt, Goethe einigermaßen zu verstehen. Es ist das eine bedeutsame Tatsache. Nun, dieses neueste Buch, das hat den Titel «Expressionismus». Der Mann, der es geschrieben hat, heißt Hermann Bahr. Und Hermann Bahr ist auch der Mann, von dem ich Ihnen sage, daß er sich alle redliche Mühe gibt, jetzt ein bißchen in die Lektüre Goethes hineinzukommen. Es sind da noch nicht einmal alle Theaterstücke angeführt, denn er hat noch mehr geschrieben, nur die früheren verleugnet er. Es ist mir auch gerade nicht schwer, über diesen Mann zu sprechen, aus dem einfachen Grunde, weil ich ihn kenne seit seiner Studentenzeit, und weil ich ihn ganz gut früher gekannt habe. Sehen Sie, das ist ein Mann, der eigentlich über alles geschrieben und mancherlei sehr Gutes geschrieben hat und der von sich sagt: Er war eigentlich sein Leben lang, weil er einmal in der Zeit des Impressionismus geboren war, Impressionist. Machen wir uns nun mit ein paar Worten klar, was eigentlich Impressionismus ist. Wir wollen jetzt nicht über Kunstfragen streiten, aber machen wir uns klar, was gerade solche Leute, wie Hermann Bahr einer ist, denken über Impressionismus. Wenn man noch zurückdenkt an die Kunst Goethes, so sehen ja Goethe — auch Schiller, Shakespeare, Corneille, Racine, Dante, wen Sie wollen — das Große ihrer Kunst darinnen, daß sie die äußere Welt wahrnehmen und sie dann geistig verarbeiten. Das äußere Wahrgenommene vereinigt sich in der Kunst mit dem, was im Geistigen lebt. Kunstwerke, die weniger dasjenige anstreben, was Vereinigung des Geistes mit der Natur ist, ließ Goethe gar nicht als Kunstwerke gelten. Aber in der neueren Zeit ist etwas heraufgestiegen, was man Impressionismus genannt hat, und Hermann Bahr war aufgewachsen mit dem Impressionismus und war selber, wie er sich bewußt ist, Impressionist in allem. Wenn er Gemälde beurteilt hat — er hat ja viele Essays über die Malerei geschrieben —, war es vom Standpunkte des Impressionismus aus. Wenn er selber darüber geschrieben hat, wollte er Impressionist sein, und er war es in seiner Art, er ist es in seiner Art. Nun, was versteht ein solcher Mensch unter Impressionismus in der Kunst? Ja, unter Impressionismus versteht er, daß man eigentlich eine heillose Angst davor hat, aus der Seele selber etwas zu dem dazuzutun, was der äußere Eindruck von der Natur hergibt. Ja nichts von der Seele selber hinzutun! Musik könnte ja dann eigentlich überhaupt nicht zustande kommen; aber die Musik schließt er aus. Architektur kann auch nicht zustande kommen. Architektur und Musik können daher auch niemals rein impressionistisch sein. Aber in der Malerei, in der Dichtung, da geht es schon. Also möglichst ausschließen dasjenige, was die Seele selbst gibt! Daher versuchte die impressionistische Malerei gewissermaßen ein Bild von irgend etwas darzustellen in dem Augenblicke, wo man’s noch gar nicht recht angeschaut hat, wo man noch gar nicht irgendwie den Eindruck innerlich verarbeitet hat. Wie gesagt: Anschauen — aber nun, möglichst bevor man irgend etwas von sich zu dem Bild hinzugebracht hat, das den Eindruck hervorruft, es gleich festhalten: Impressionismus! Diesen Impressionismus hat man natürlich in der verschiedensten Weise aufgefaßt; aber das ist das Wesentliche.

[ 22 ] Hermann Bahr ist ein Mensch, der, wie ich einmal auch schon in Berlin in einem öffentlichen Vortrag gesagt habe, immer mit größtem Enthusiasmus für dasjenige eintritt, was er augenblicklich für richtig hält. Hermann Bahr war, als er zuerst an die Hochschule in Wien gekommen war, sehr, sehr eingenommen für den Sozialismus, schwärmte für den Sozialismus, war einer der glühendsten Sozialdemokraten, die man sich denken kann. Eines der verleugneten Dramen, «Die neuen Menschen», ist vom sozialistischen Standpunkte aus geschrieben. Ich glaube nicht, daß man es heute noch bekommt, es sind Reden darinnen, sozialdemokratische Reden, die Männer und Frauen halten, die über viele, viele Seiten gehen; das kann man überhaupt nicht aufführen. Dann entwickelte sich in Wien mehr die deutschnationale Bewegung. Hermann Bahr wurde ein glühender Nationaler und schrieb seine «Große Sünde». Die steht natürlich nicht drinnen, die ist heute auch verleugnet. Dann wurde Hermann Bahr, nachdem er Sozialist und Nationaler gewesen war, so alt, wie man in Österreich wird, wenn man gemustert wird, wurde Soldat mit neunzehn Jahren. Er hatte den Sozialismus und den Nationalismus hinter sich, wurde nun Soldat und wurde ein «glühender» Soldat, eignete sich eine ganz soldatische Weltanschauung an. Er war ein Jahr Soldat, Einjährig-Freiwilliger. Dann ging er für kurze Zeit nach Berlin. In Berlin wurde er — nicht glühender Berliner! Das konnte er am allerwenigsten leiden! Also glühender Berliner wurde er nie. Aber dann ging er nach Paris. Und da wurde er glühender Anhänger von Maurice Barr&s und ähnlichen Leuten, wurde auch — Boulanger hat dazumal gerade eine große Rolle gespielt — glühender Boulangist. Ich möchte nicht alte Dinge aufrühren und es Ihnen deshalb auch nicht erzählen, welche glühenden boulangistischen Briefe dazumal der enthusiasmierte Hermann Bahr aus Paris schrieb. Dann ging er nach Spanien, wurde entflammt für die spanische Kultur, so stark, daß er Artikel schrieb gegen den Sultan von Marokko und die Gemeinheit, die dieser beging gegenüber der spanischen Politik. Dann ging er wiederum zurück nach Berlin und redigierte hier kurz an der «Freien Bühne», wurde aber nicht glühender Berliner. Dann ging er zurück und entdeckte nacheinander in verschiedenen Stadien Österreich! Er ist nämlich ein Linzer. Ach, pardon, er ging ja auch nach Petersburg und schrieb sein Buch über Rußland, wurde glühender Russe. Das liegt noch dazwischen. Dann ging er zurück und entdeckte Österreich in den verschiedensten Partien, in allen Kulturgeschichten und so weiter. Immer sehr geistreich, manchmal geistvoll. Bahr ist wirklich immer bestrebt gewesen, dasjenige, was er gesehen hat, so zu geben, daß er es nicht geistig weiter verarbeitete, sondern nur den ersten Eindruck gab. Nun denken Sie sich, das geht ja auch sehr gut, wenn man nur den ersten Eindruck gibt. Sozialist: nichts weiter als den ersten Eindruck; Deutsch-Nationaler: nichts weiter als den ersten Eindruck; Boulangist: nichts weiter als den ersten Eindruck; Russe, Spanier und so weiter. Und jetzt hat er die verschiedenen Sphären des Österreichertums gesucht. Eine außerordentlich interessante Erscheinung in unserem Geistesleben, da ist gar kein Zweifel! — Nun denken Sie, da ist er fünfzig Jahre alt geworden, und nun plötzlich taucht der Expressionismus auf, das Gegenteil des Impressionismus.

[ 22 ] Hermann Bahr ist ein Mensch, der, wie ich einmal auch schon in Berlin in einem öffentlichen Vortrag gesagt habe, immer mit größtem Enthusiasmus für dasjenige eintritt, was er augenblicklich für richtig hält. Hermann Bahr war, als er zuerst an die Hochschule in Wien gekommen war, sehr, sehr eingenommen für den Sozialismus, schwärmte für den Sozialismus, war einer der glühendsten Sozialdemokraten, die man sich denken kann. Eines der verleugneten Dramen, «Die neuen Menschen», ist vom sozialistischen Standpunkte aus geschrieben. Ich glaube nicht, daß man es heute noch bekommt, es sind Reden darinnen, sozialdemokratische Reden, die Männer und Frauen halten, die über viele, viele Seiten gehen; das kann man überhaupt nicht aufführen. Dann entwickelte sich in Wien mehr die deutschnationale Bewegung. Hermann Bahr wurde ein glühender Nationaler und schrieb seine «Große Sünde». Die steht natürlich nicht drinnen, die ist heute auch verleugnet. Dann wurde Hermann Bahr, nachdem er Sozialist und Nationaler gewesen war, so alt, wie man in Österreich wird, wenn man gemustert wird, wurde Soldat mit neunzehn Jahren. Er hatte den Sozialismus und den Nationalismus hinter sich, wurde nun Soldat und wurde ein «glühender» Soldat, eignete sich eine ganz soldatische Weltanschauung an. Er war ein Jahr Soldat, Einjährig-Freiwilliger. Dann ging er für kurze Zeit nach Berlin. In Berlin wurde er — nicht glühender Berliner! Das konnte er am allerwenigsten leiden! Also glühender Berliner wurde er nie. Aber dann ging er nach Paris. Und da wurde er glühender Anhänger von Maurice Barr&s und ähnlichen Leuten, wurde auch — Boulanger hat dazumal gerade eine große Rolle gespielt — glühender Boulangist. Ich möchte nicht alte Dinge aufrühren und es Ihnen deshalb auch nicht erzählen, welche glühenden boulangistischen Briefe dazumal der enthusiasmierte Hermann Bahr aus Paris schrieb. Dann ging er nach Spanien, wurde entflammt für die spanische Kultur, so stark, daß er Artikel schrieb gegen den Sultan von Marokko und die Gemeinheit, die dieser beging gegenüber der spanischen Politik. Dann ging er wiederum zurück nach Berlin und redigierte hier kurz an der «Freien Bühne», wurde aber nicht glühender Berliner. Dann ging er zurück und entdeckte nacheinander in verschiedenen Stadien Österreich! Er ist nämlich ein Linzer. Ach, pardon, er ging ja auch nach Petersburg und schrieb sein Buch über Rußland, wurde glühender Russe. Das liegt noch dazwischen. Dann ging er zurück und entdeckte Österreich in den verschiedensten Partien, in allen Kulturgeschichten und so weiter. Immer sehr geistreich, manchmal geistvoll. Bahr ist wirklich immer bestrebt gewesen, dasjenige, was er gesehen hat, so zu geben, daß er es nicht geistig weiter verarbeitete, sondern nur den ersten Eindruck gab. Nun denken Sie sich, das geht ja auch sehr gut, wenn man nur den ersten Eindruck gibt. Sozialist: nichts weiter als den ersten Eindruck; Deutsch-Nationaler: nichts weiter als den ersten Eindruck; Boulangist: nichts weiter als den ersten Eindruck; Russe, Spanier und so weiter. Und jetzt hat er die verschiedenen Sphären des Österreichertums gesucht. Eine außerordentlich interessante Erscheinung in unserem Geistesleben, da ist gar kein Zweifel! — Nun denken Sie, da ist er fünfzig Jahre alt geworden, und nun plötzlich taucht der Expressionismus auf, das Gegenteil des Impressionismus.

[ 23 ] Hermann Bahr spricht schon seit einer Reihe von Jahren — oder sprach schon seit einer Reihe von Jahren — immer in Danzig. Da fährt er immer durch Berlin durch! Die Danziger hat er nämlich sehr gern. Er behauptet, daß, wenn er vor den Danzigern spreche, sie ihm immer besonders geistvolle Gedanken eingäben, was eigentlich sonst in gar keiner deutschen Stadt der Fall wäre, wie just in Danzig. So wurde er aufgefordert — nun auch von den Danzigern —, über den Expressionismus zu reden. Aber er war sein ganzes Leben lang Impressionist! Nun, nicht wahr, man muß sich nur denken, was das für Hermann Bahr hieß. Er ist sein ganzes Leben Impressionist. Jetzt taucht der Expressionismus erst auf. Wie er ganz jung war und anfing, Impressionist zu werden, da waren die Leute von den impressionistischen Bildern keineswegs entzückt, sondern das ganze Philisterium sah — selbstverständlich andere auch — die impressionistischen Bilder für eine Kleckserei an. Das mag ja auch in bezug auf manches richtig sein, darüber wollen wir uns, wie gesagt, jetzt nicht streiten. Aber Hermann Bahr «glühte», und wenn man nur irgend etwas sagte gegen ein impressionistisches Bild, war man selbstverständlich ein philiströser, ein ganz furchtbarer Schafskopf, der nichts anderes behält als dasjenige, was seit uralten Zeiten hergebracht ist, der sich nicht aufschwingen kann zu den Fortschritten der Menschheit. Ja, solche Reden konnte man von Hermann Bahr viele hören. Mancher war da ein Schafskopf!

[ 23 ] Hermann Bahr spricht schon seit einer Reihe von Jahren — oder sprach schon seit einer Reihe von Jahren — immer in Danzig. Da fährt er immer durch Berlin durch! Die Danziger hat er nämlich sehr gern. Er behauptet, daß, wenn er vor den Danzigern spreche, sie ihm immer besonders geistvolle Gedanken eingäben, was eigentlich sonst in gar keiner deutschen Stadt der Fall wäre, wie just in Danzig. So wurde er aufgefordert — nun auch von den Danzigern —, über den Expressionismus zu reden. Aber er war sein ganzes Leben lang Impressionist! Nun, nicht wahr, man muß sich nur denken, was das für Hermann Bahr hieß. Er ist sein ganzes Leben Impressionist. Jetzt taucht der Expressionismus erst auf. Wie er ganz jung war und anfing, Impressionist zu werden, da waren die Leute von den impressionistischen Bildern keineswegs entzückt, sondern das ganze Philisterium sah — selbstverständlich andere auch — die impressionistischen Bilder für eine Kleckserei an. Das mag ja auch in bezug auf manches richtig sein, darüber wollen wir uns, wie gesagt, jetzt nicht streiten. Aber Hermann Bahr «glühte», und wenn man nur irgend etwas sagte gegen ein impressionistisches Bild, war man selbstverständlich ein philiströser, ein ganz furchtbarer Schafskopf, der nichts anderes behält als dasjenige, was seit uralten Zeiten hergebracht ist, der sich nicht aufschwingen kann zu den Fortschritten der Menschheit. Ja, solche Reden konnte man von Hermann Bahr viele hören. Mancher war da ein Schafskopf!

[ 24 ] Es gab in Wien ein Kaffeehaus, das sogenannte Cafe Griensteidl, da wurden diese Fragen immer entschieden. Heute besteht es nicht mehr; es war vis-a-vis dem alten Kleinen Burgtheater, am Michaeler Platz. Karl Kraus, den man in Wien auch den «frechen Kraus» nennt, der kleine Hefte herausgibt, schrieb dann ein Büchelchen über das Café Griensteidl, das schon im Jahre 1848 Lenau und Anastasius Grün zu seinen Gästen hatte. Als es demoliert wurde, schrieb er ein Büchelchen: «Die demolierte Literatur». — Da konnte man schon viel hören von dem Aufkommen des Impressionismus. Nun redete Hermann Bahr seit Jahren viel über Impressionismus, der sich so durchzog wie ein roter Faden durch seine übrigen Verwandlungen. Nun wurde er aber selber älter. Es kamen die Expressionisten, Kubisten, Futuristen, die wieder sagten, die Impressionisten von der Sorte des Hermann Bahr wären ganz öde Schafsköpfe, die das Frühere nur aufwärmen. Und nun fand Hermann Bahr, daß das im Grunde genommen ja die andere Welt gar nicht so furchtbar berührt: Dieselbe Erscheinung! Aber ihn ärgerte es, denn er sagte sich: Ich hab’s ja in der Jugend ebenso gemacht, ich habe die anderen alle Schafsköpfe genannt, und jetzt soll ich auch ein Schafskopf sein. Und warum sollen diejenigen, die mich jetzt Schafskopf nennen, weniger recht haben, mich Schafskopf zu nennen, als ich, der ich die anderen dazumal Schafskopf genannt habe? — Nicht wahr, also eine schlimme Geschichte! Da gab es natürlich kein anderes Mittel, sintemalen Hermann Bahr auch noch aufgefordert wurde von den Danzigern, die er so liebte, über den Expressionismus zu reden, als sich mit dem Expressionismus etwas näher zu beschäftigen. Und nun handelt es sich darum, für den Expressionismus eine richtige Formel zu finden. Wirklich, ich mache mich nicht lustig über Hermann Bahr, ich habe ihn sehr gern und ich möchte ihn in jeder Weise verteidigen — ich meine: Ich habe ihn als geistige Erscheinung sehr gern.

[ 24 ] Es gab in Wien ein Kaffeehaus, das sogenannte Cafe Griensteidl, da wurden diese Fragen immer entschieden. Heute besteht es nicht mehr; es war vis-a-vis dem alten Kleinen Burgtheater, am Michaeler Platz. Karl Kraus, den man in Wien auch den «frechen Kraus» nennt, der kleine Hefte herausgibt, schrieb dann ein Büchelchen über das Café Griensteidl, das schon im Jahre 1848 Lenau und Anastasius Grün zu seinen Gästen hatte. Als es demoliert wurde, schrieb er ein Büchelchen: «Die demolierte Literatur». — Da konnte man schon viel hören von dem Aufkommen des Impressionismus. Nun redete Hermann Bahr seit Jahren viel über Impressionismus, der sich so durchzog wie ein roter Faden durch seine übrigen Verwandlungen. Nun wurde er aber selber älter. Es kamen die Expressionisten, Kubisten, Futuristen, die wieder sagten, die Impressionisten von der Sorte des Hermann Bahr wären ganz öde Schafsköpfe, die das Frühere nur aufwärmen. Und nun fand Hermann Bahr, daß das im Grunde genommen ja die andere Welt gar nicht so furchtbar berührt: Dieselbe Erscheinung! Aber ihn ärgerte es, denn er sagte sich: Ich hab’s ja in der Jugend ebenso gemacht, ich habe die anderen alle Schafsköpfe genannt, und jetzt soll ich auch ein Schafskopf sein. Und warum sollen diejenigen, die mich jetzt Schafskopf nennen, weniger recht haben, mich Schafskopf zu nennen, als ich, der ich die anderen dazumal Schafskopf genannt habe? — Nicht wahr, also eine schlimme Geschichte! Da gab es natürlich kein anderes Mittel, sintemalen Hermann Bahr auch noch aufgefordert wurde von den Danzigern, die er so liebte, über den Expressionismus zu reden, als sich mit dem Expressionismus etwas näher zu beschäftigen. Und nun handelt es sich darum, für den Expressionismus eine richtige Formel zu finden. Wirklich, ich mache mich nicht lustig über Hermann Bahr, ich habe ihn sehr gern und ich möchte ihn in jeder Weise verteidigen — ich meine: Ich habe ihn als geistige Erscheinung sehr gern.

[ 25 ] Aber nun handelte es sich für ihn darum, mit dem Expressionismus zurechtzukommen. Nicht wahr, fünfzig Jahre alt geworden zu sein, nur um für die folgende Generation ein Schafskopf zu sein, das genügt schließlich einem geistig regsamen Menschen nicht, insbesondere wenn man vor den Danzigern, die einem so gute Gedanken eingeben, über den Expressionismus zu sprechen hat. Nun, vielleicht haben Sie schon expressionistische, kubistische, futuristische Bilder gesehen. Die meisten Leute sagen, wenn sie sie sehen: Ja, wir haben uns viel gefallen lassen, aber da können wir schon nicht mehr mitgehen! — Nicht wahr: Leinwand, Striche, weiße, die von oben nach unten gehen, rote Striche hindurch, dann irgendwie noch etwas da drinnen, das nicht erinnert an ein Blatt oder an ein Haus oder an einen Baum oder an einen Vogel, sondern eher an alles zusammen und wiederum an keines von allem. — Aber selbstverständlich konnte Hermann Bahr das nicht so sagen. Ja, was ist das? Nun kam er darauf, was das eigentlich ist, denn er ist wirklich ein Grübler und ist immer mehr zum Grübler geworden durch seine verschiedenen Metamorphosen. Jetzt sagte er sich — unter dem Einfluß der Inspiration der Danziger, selbstverständlich —: Die Impressionisten haben die Natur genommen, sie rasch festgehalten, Ja nichts innerlich verarbeitet; die Expressionisten machen das Gegenteil. — Das machen sie auch! Hermann Bahr hat sie schon verstanden: Sie sehen sich die Natur überhaupt nicht an! Das meine ich jetzt ganz ernst: Sie sehen sich in der Natur überhaupt nichts an, sondern sie sehen nur innerlich. Das heißt also, was da auch draußen ist in der Natur, ob Häuser, Flüsse, Elefanten, Löwen, das interessiert den Expressionisten nicht, denn er sieht innerlich. Nun sagte sich Hermann Bahr: Wenn man innerlich sehen will, dann muß ein innerliches Sehen möglich sein. — Und was tut er? Jetzt wendet er sich an Goethe, liest allerlei bei Goethe wie zum Beispiel das Folgende. Goethe erzählt:

[ 25 ] Aber nun handelte es sich für ihn darum, mit dem Expressionismus zurechtzukommen. Nicht wahr, fünfzig Jahre alt geworden zu sein, nur um für die folgende Generation ein Schafskopf zu sein, das genügt schließlich einem geistig regsamen Menschen nicht, insbesondere wenn man vor den Danzigern, die einem so gute Gedanken eingeben, über den Expressionismus zu sprechen hat. Nun, vielleicht haben Sie schon expressionistische, kubistische, futuristische Bilder gesehen. Die meisten Leute sagen, wenn sie sie sehen: Ja, wir haben uns viel gefallen lassen, aber da können wir schon nicht mehr mitgehen! — Nicht wahr: Leinwand, Striche, weiße, die von oben nach unten gehen, rote Striche hindurch, dann irgendwie noch etwas da drinnen, das nicht erinnert an ein Blatt oder an ein Haus oder an einen Baum oder an einen Vogel, sondern eher an alles zusammen und wiederum an keines von allem. — Aber selbstverständlich konnte Hermann Bahr das nicht so sagen. Ja, was ist das? Nun kam er darauf, was das eigentlich ist, denn er ist wirklich ein Grübler und ist immer mehr zum Grübler geworden durch seine verschiedenen Metamorphosen. Jetzt sagte er sich — unter dem Einfluß der Inspiration der Danziger, selbstverständlich —: Die Impressionisten haben die Natur genommen, sie rasch festgehalten, Ja nichts innerlich verarbeitet; die Expressionisten machen das Gegenteil. — Das machen sie auch! Hermann Bahr hat sie schon verstanden: Sie sehen sich die Natur überhaupt nicht an! Das meine ich jetzt ganz ernst: Sie sehen sich in der Natur überhaupt nichts an, sondern sie sehen nur innerlich. Das heißt also, was da auch draußen ist in der Natur, ob Häuser, Flüsse, Elefanten, Löwen, das interessiert den Expressionisten nicht, denn er sieht innerlich. Nun sagte sich Hermann Bahr: Wenn man innerlich sehen will, dann muß ein innerliches Sehen möglich sein. — Und was tut er? Jetzt wendet er sich an Goethe, liest allerlei bei Goethe wie zum Beispiel das Folgende. Goethe erzählt:

[ 26 ] «Ich hatte die Gabe, wenn ich die Augen schloß und mit niedergesenktem Haupte mir in der Mitte des Sehorgans eine Blume dachte, so verharrte sie nicht einen Augenblick in ihrer ersten Gestalt, sondern sie legte sich auseinander und aus ihrem Innern entfalteten sich wieder neue Blumen aus farbigen, wohl auch grünen Blättern; es waren keine natürlichen Blumen, sondern phantastische, jedoch regelmäßig wie die Rosetten der Bildhauer.»

[ 26 ] «Ich hatte die Gabe, wenn ich die Augen schloß und mit niedergesenktem Haupte mir in der Mitte des Sehorgans eine Blume dachte, so verharrte sie nicht einen Augenblick in ihrer ersten Gestalt, sondern sie legte sich auseinander und aus ihrem Innern entfalteten sich wieder neue Blumen aus farbigen, wohl auch grünen Blättern; es waren keine natürlichen Blumen, sondern phantastische, jedoch regelmäßig wie die Rosetten der Bildhauer.»

[ 27 ] Das konnte Goethe tun: Er schloß die Augen, dachte sich eine Blume — da stand sie auch schon als Geistgestalt; und dann verwandelt sie sich von selber!

[ 27 ] Das konnte Goethe tun: Er schloß die Augen, dachte sich eine Blume — da stand sie auch schon als Geistgestalt; und dann verwandelt sie sich von selber!

[ 28 ] «Es war unmöglich, die hervorquellende Schöpfung zu fixieren, hingegen dauerte sie so lange, als mir beliebte, ermattete nicht und verstärkte sich nicht. Dasselbe konnte ich hervorbringen, wenn ich mir den Zierat einer buntgemalten Scheibe dachte, welcher denn ebenfalls aus der Mitte gegen die Peripherie sich immerfort veränderte, völlig wie die in unseren Tagen erst erfundenen Kaleidoskope ..

[ 28 ] «Es war unmöglich, die hervorquellende Schöpfung zu fixieren, hingegen dauerte sie so lange, als mir beliebte, ermattete nicht und verstärkte sich nicht. Dasselbe konnte ich hervorbringen, wenn ich mir den Zierat einer buntgemalten Scheibe dachte, welcher denn ebenfalls aus der Mitte gegen die Peripherie sich immerfort veränderte, völlig wie die in unseren Tagen erst erfundenen Kaleidoskope ..

[ 29 ] Hier ist die Erscheinung des Nachbildes, Gedächtnis, produktive Einbildungskraft, Begriff und Idee alles auf einmal im Spiel und manifestiert sich in der eigenen Lebendigkeit des Organs mit vollkommener Freiheit ohne Vorsatz und Leitung.»

[ 29 ] Hier ist die Erscheinung des Nachbildes, Gedächtnis, produktive Einbildungskraft, Begriff und Idee alles auf einmal im Spiel und manifestiert sich in der eigenen Lebendigkeit des Organs mit vollkommener Freiheit ohne Vorsatz und Leitung.»

[ 30 ] Nun, nicht wahr, wenn man mit Goethe und mit der Weltanschauung des neueren Idealismus und Spiritualismus nicht bekannt geworden ist, so ohne weiteres gleich etwas daran zu knüpfen, das geht ja natürlich nicht. Da machte sich Hermann Bahr weiter an die Literatur, kam an den Engländer Galton, der allerlei Statistisches, wie’s dort üblich ist, gesammelt hat über Leute, die innerlich sehen, so wie Goethe auch innerlich gesehen hat, wie es eben aus seiner Beschreibung hervorging. So hat er namentlich es abgesehen auf einen Reverend. Dieser Reverend konnte in der Imagination ein Bild hervorrufen, dann verwandelte sich das Bild selber, und er konnte dann durch seinen Willen es wiederum auf die erste Gestalt zurückfahren. Das beschreibt dieser Reverend sehr schön. Hermann Bahr geht diesen Dingen nach und kommt nach und nach darauf, daß es so etwas wie ein innerliches Sehen gibt. Sie wissen, das, was Goethe da beschreibt — Goethe wußte ja auch anderes —, das ist nur der allererste Anfang eines inneren Bewegtwerdens des Ätherleibes. Mit solchen elementarsten Sachen fing Hermann Bahr an, sich zu beschäftigen, um den Expressionismus zu verstehen, weil er darauf kam, daß der Expressionismus auf einem solchen innerlichen Sehen elementarster Art beruht. Und jetzt ging er weiter. Jetzt las er den alten Physiologen Johannes Müller, der so wunderschön dieses elementare innere Sehen beschrieben hat in einer Zeit, wo die Naturforschung noch nicht über alle diese Dinge gelacht hat. Und so arbeitet Hermann Bahr sich allmählich zu Goethe durch und findet es außerordentlich anregend, Goethe zu lesen, anzufangen, Goethe zu verstehen und dadurch darauf zu kommen, daß es ein innerliches Sehen gibt. So hat er nun den Expressionismus verstanden: Da braucht man die Natur nicht, sondern da hält man das auf der Leinwand fest, was man so im elementarischen Schauen hat. Es wird sich schon später einmal — ich habe darüber schon einmal hier gesprochen — zu etwas anderem ausbilden. Wenn man darin nicht gleich eine geniale Leistung sieht, sondern einen allerersten Anfang von dem, was kommen soll, so wird man ja vielleicht den Leuten gerechter werden, als sie sich selbst in ihrer Überschätzung werden. Aber Hermann Bahr versteht es so und wird namentlich dazu geführt, wirklich mit einem ungeheuren Enthusiasmus sich zu sagen: Ja, es gibt nicht nur ein äußeres Sehen, wie man mit dem Auge sieht, ein inneres Sehen gibt es! — Sehr schön ist dieses Kapitel über das innere Sehen, und er ist ganz ungeheuer entzückt, als er bei Goethe das Wort «Geistesauge» entdeckt. Denken Sie, wie viele Jahre wir dieses Wort gebrauchen! Wie ich sagte, hat er auch versucht, sich heranzubändigen an das, was unsere Geisteswissenschaft ist. Aus dem Buch geht hervor, daß er bis jetzt das Buch von Eugene Levy gelesen hat, worin dieser meine Weltanschauung schildert. An meine Bücher scheint er noch nicht gekommen zu sein; aber was nicht ist, kann werden. Jedenfalls sieht man, daß sich ein Mensch durch die Schwierigkeiten der Gegenwart hindurcharbeitet, und daß er darauf kommt, zu dem Elementarsten Stellung zu nehmen, zu dem Allerelementarsten. Ich muß das anführen, weil man daraus sieht, wie wahr das ist, was ich öfter gesagt habe: Der Mensch der Gegenwart hat es ja ungeheuer schwer, aus dieser Zeitenbildung heraus zu einem Geistigen zu kommen. Nun denken Sie sich, ein Mensch, der zehn Romane, vierzehn Theaterstücke und so viele EssayBücher geschrieben hat, kommt endlich dazu, Goethe zu lesen und sich durch ihn durchzuarbeiten, und so gewissermaßen spät diesem Buch, das mit ungeheurer Frische geschrieben ist, sieht man an, welche Frohheit er erlebt — nun Goethe zu verstehen. Wahrhaftig, ich habe oftmals mit Hermann Bahr zusammengesessen, es war nicht möglich, mit ihm über Goethe zu reden, denn dazumal war Goethe selbstverständlich ein Schafskopf in seinen Augen, denn er war ja auch von der alten, noch nicht impressionistischen Sorte von Menschen.

[ 30 ] Nun, nicht wahr, wenn man mit Goethe und mit der Weltanschauung des neueren Idealismus und Spiritualismus nicht bekannt geworden ist, so ohne weiteres gleich etwas daran zu knüpfen, das geht ja natürlich nicht. Da machte sich Hermann Bahr weiter an die Literatur, kam an den Engländer Galton, der allerlei Statistisches, wie’s dort üblich ist, gesammelt hat über Leute, die innerlich sehen, so wie Goethe auch innerlich gesehen hat, wie es eben aus seiner Beschreibung hervorging. So hat er namentlich es abgesehen auf einen Reverend. Dieser Reverend konnte in der Imagination ein Bild hervorrufen, dann verwandelte sich das Bild selber, und er konnte dann durch seinen Willen es wiederum auf die erste Gestalt zurückfahren. Das beschreibt dieser Reverend sehr schön. Hermann Bahr geht diesen Dingen nach und kommt nach und nach darauf, daß es so etwas wie ein innerliches Sehen gibt. Sie wissen, das, was Goethe da beschreibt — Goethe wußte ja auch anderes —, das ist nur der allererste Anfang eines inneren Bewegtwerdens des Ätherleibes. Mit solchen elementarsten Sachen fing Hermann Bahr an, sich zu beschäftigen, um den Expressionismus zu verstehen, weil er darauf kam, daß der Expressionismus auf einem solchen innerlichen Sehen elementarster Art beruht. Und jetzt ging er weiter. Jetzt las er den alten Physiologen Johannes Müller, der so wunderschön dieses elementare innere Sehen beschrieben hat in einer Zeit, wo die Naturforschung noch nicht über alle diese Dinge gelacht hat. Und so arbeitet Hermann Bahr sich allmählich zu Goethe durch und findet es außerordentlich anregend, Goethe zu lesen, anzufangen, Goethe zu verstehen und dadurch darauf zu kommen, daß es ein innerliches Sehen gibt. So hat er nun den Expressionismus verstanden: Da braucht man die Natur nicht, sondern da hält man das auf der Leinwand fest, was man so im elementarischen Schauen hat. Es wird sich schon später einmal — ich habe darüber schon einmal hier gesprochen — zu etwas anderem ausbilden. Wenn man darin nicht gleich eine geniale Leistung sieht, sondern einen allerersten Anfang von dem, was kommen soll, so wird man ja vielleicht den Leuten gerechter werden, als sie sich selbst in ihrer Überschätzung werden. Aber Hermann Bahr versteht es so und wird namentlich dazu geführt, wirklich mit einem ungeheuren Enthusiasmus sich zu sagen: Ja, es gibt nicht nur ein äußeres Sehen, wie man mit dem Auge sieht, ein inneres Sehen gibt es! — Sehr schön ist dieses Kapitel über das innere Sehen, und er ist ganz ungeheuer entzückt, als er bei Goethe das Wort «Geistesauge» entdeckt. Denken Sie, wie viele Jahre wir dieses Wort gebrauchen! Wie ich sagte, hat er auch versucht, sich heranzubändigen an das, was unsere Geisteswissenschaft ist. Aus dem Buch geht hervor, daß er bis jetzt das Buch von Eugene Levy gelesen hat, worin dieser meine Weltanschauung schildert. An meine Bücher scheint er noch nicht gekommen zu sein; aber was nicht ist, kann werden. Jedenfalls sieht man, daß sich ein Mensch durch die Schwierigkeiten der Gegenwart hindurcharbeitet, und daß er darauf kommt, zu dem Elementarsten Stellung zu nehmen, zu dem Allerelementarsten. Ich muß das anführen, weil man daraus sieht, wie wahr das ist, was ich öfter gesagt habe: Der Mensch der Gegenwart hat es ja ungeheuer schwer, aus dieser Zeitenbildung heraus zu einem Geistigen zu kommen. Nun denken Sie sich, ein Mensch, der zehn Romane, vierzehn Theaterstücke und so viele EssayBücher geschrieben hat, kommt endlich dazu, Goethe zu lesen und sich durch ihn durchzuarbeiten, und so gewissermaßen spät diesem Buch, das mit ungeheurer Frische geschrieben ist, sieht man an, welche Frohheit er erlebt — nun Goethe zu verstehen. Wahrhaftig, ich habe oftmals mit Hermann Bahr zusammengesessen, es war nicht möglich, mit ihm über Goethe zu reden, denn dazumal war Goethe selbstverständlich ein Schafskopf in seinen Augen, denn er war ja auch von der alten, noch nicht impressionistischen Sorte von Menschen.

[ 31 ] Das, glaube ich, muß man sich überlegen, wie schwierig es denjenigen Menschen ist, die aus der heutigen Zeitbildung heraus kommen, sich nur durchzuarbeiten zu dem Elementarsten, was an die Geisteswissenschaft heranführt. Das aber sind die Menschen, die gewissermaßen das öffentliche Urteil in der Hand haben. Denn Hermann Bahr hat, als er dann nach Wien gekommen war, eine sehr tonangebende Wochenschrift, «Die Zeit», redigiert. Wenn heute einer behaupten würde, daß zahlreiche Menschen in der abendländischen Menschheit, auf deren Urteil man viel gibt, nichts von Goethe verstehen und daher auch gar nicht die Wege haben, um von ihrer Bildung aus an die Geisteswissenschaft heranzukommen — man kann natürlich an Geisteswissenschaft auch ohne Bildung herankommen ‚so würde man es nicht glauben. Aber bei Hermann Bahr haben wir den lebendigen Beweis, weil er selber als Fünfzigjähriger gesteht, wie froh er ist, endlich Goethe zu verstehen. Es ist natürlich etwas ungeheuer Trauriges, zu sehen, wie der Mann, der sich durchgearbeitet hat bis zu Goethe, nun froh ist, dasjenige zu finden, was in seiner allernächsten Nähe gesucht worden ist, als er ein junger Mensch war; aber es hat zu gleicher Zeit etwas ungeheuer Belehrendes, etwas ungeheuer Bedeutsames für unser Verständnis der Zeit. Es lehrt uns, wie die tonangebende sogenannte geistige Welt heute in Vorstellungen lebt, die ganz und gar von allem Geistigen entfernt sind; wie solch ein Mensch wie Hermann Bahr erst den Expressionismus nötig hat, um zu sehen, wie einer sich etwas vorstellen und das sogar malen kann, der an der Natur vorbeigeht. Dadurch kommt er darauf, daß es ein inneres Sehen, ein inneres geistiges Auge gibt. Das ist ungeheuer bedeutsam. Aber das hängt innig zusammen mit der Art, wie gerade heute solche Literaten, solche Künstler, solche Kunstbeurteiler heranwachsen. Dafür ist charakteristisch der neueste Roman, den Hermann Bahr geschrieben hat.

[ 31 ] Das, glaube ich, muß man sich überlegen, wie schwierig es denjenigen Menschen ist, die aus der heutigen Zeitbildung heraus kommen, sich nur durchzuarbeiten zu dem Elementarsten, was an die Geisteswissenschaft heranführt. Das aber sind die Menschen, die gewissermaßen das öffentliche Urteil in der Hand haben. Denn Hermann Bahr hat, als er dann nach Wien gekommen war, eine sehr tonangebende Wochenschrift, «Die Zeit», redigiert. Wenn heute einer behaupten würde, daß zahlreiche Menschen in der abendländischen Menschheit, auf deren Urteil man viel gibt, nichts von Goethe verstehen und daher auch gar nicht die Wege haben, um von ihrer Bildung aus an die Geisteswissenschaft heranzukommen — man kann natürlich an Geisteswissenschaft auch ohne Bildung herankommen ‚so würde man es nicht glauben. Aber bei Hermann Bahr haben wir den lebendigen Beweis, weil er selber als Fünfzigjähriger gesteht, wie froh er ist, endlich Goethe zu verstehen. Es ist natürlich etwas ungeheuer Trauriges, zu sehen, wie der Mann, der sich durchgearbeitet hat bis zu Goethe, nun froh ist, dasjenige zu finden, was in seiner allernächsten Nähe gesucht worden ist, als er ein junger Mensch war; aber es hat zu gleicher Zeit etwas ungeheuer Belehrendes, etwas ungeheuer Bedeutsames für unser Verständnis der Zeit. Es lehrt uns, wie die tonangebende sogenannte geistige Welt heute in Vorstellungen lebt, die ganz und gar von allem Geistigen entfernt sind; wie solch ein Mensch wie Hermann Bahr erst den Expressionismus nötig hat, um zu sehen, wie einer sich etwas vorstellen und das sogar malen kann, der an der Natur vorbeigeht. Dadurch kommt er darauf, daß es ein inneres Sehen, ein inneres geistiges Auge gibt. Das ist ungeheuer bedeutsam. Aber das hängt innig zusammen mit der Art, wie gerade heute solche Literaten, solche Künstler, solche Kunstbeurteiler heranwachsen. Dafür ist charakteristisch der neueste Roman, den Hermann Bahr geschrieben hat.

[ 32 ] Der Roman heißt «Himmelfahrt». Aus dem Schluß des Romans sieht man, daß er jetzt schon anfängt, etwas wie einen glühenden Enthusiasmus nebenbei zu haben — das andere geht alles wie ein roter Faden durch — für den Katholizismus. Das hat er ja früher nicht gehabt. Nun aber, wer Hermann Bahr kennt, der wird nicht zweifeln, daß in dem Franz, den er in diesem neuen Roman beschreibt, etwas von ihm drinnen steckt. Es ist nicht etwa eine Selbstbiographie, ein biographischer Roman, aber es steckt vieles von Hermann Bahr in diesem Franz drin. Aber wie sich solch ein Literat heute entwickelt — nicht einer, der Zeitungsmensch wird, darüber wollen wir nicht reden, wie sich der entwickelt, weil das Wort «entwickelt» seinen ursprünglichen Sinn behalten sollte —, aber so einer, der es wirklich ernst nimmt und ein ehrlicher Sucher ist, wie Hermann Bahr: so etwas färbt doch auf diesen Franz etwas ab. Und den schildert er, wie er sich nach und nach heranentwikkelt hat, wie er gesucht hat. Wie schildert er nun diesen Franz, auf den er selber abgefärbt hat? Dieser Franz versucht eigentlich alles zu erfahren, was die Zeit einem geben kann, alles kennenzulernen, überall nach der Wahrheit zu suchen. So hat er die Wissenschaften abgesucht, war erst Botaniker bei Wiesner — Wiesner war ein sehr berühmter Botaniker in Wien —, wurde dann Chemiker bei Ostwald, dann Nationalökonom und so weiter. Also so geht er durch alles das, was die Zeit bietet. Er könnte ja auch Gräcist werden bei Wilamowitz, oder sich Philosophie ansehen bei Eucken oder Kohler. Dann lernt er Nationalökonomie kennen in Schmollers Seminar; es hätte auch bei Brentano oder in irgendeinem anderen Seminar sein können. Dann lernt er kennen, wie man versucht, hinter die Seelengeheimnisse zu kommen bei Richet; es hätte auch bei einem andern sein können. Er suchte auf eine andere Weise bei Freud Psychoanalyse kennenzulernen. Und als ihn dies alles nicht befriedigt, geht er zu den Theosophen nach London. Er sucht also immer nach Wahrheit. Und dann läßt er sich auch einmal von einem, der sich mehr zurückgehalten hat, esoterische Übungen geben. Doch die treibt er nicht lange, die freuen ihn nicht sehr lange. Aber er denkt, doch noch weiter suchen zu müssen.

[ 32 ] Der Roman heißt «Himmelfahrt». Aus dem Schluß des Romans sieht man, daß er jetzt schon anfängt, etwas wie einen glühenden Enthusiasmus nebenbei zu haben — das andere geht alles wie ein roter Faden durch — für den Katholizismus. Das hat er ja früher nicht gehabt. Nun aber, wer Hermann Bahr kennt, der wird nicht zweifeln, daß in dem Franz, den er in diesem neuen Roman beschreibt, etwas von ihm drinnen steckt. Es ist nicht etwa eine Selbstbiographie, ein biographischer Roman, aber es steckt vieles von Hermann Bahr in diesem Franz drin. Aber wie sich solch ein Literat heute entwickelt — nicht einer, der Zeitungsmensch wird, darüber wollen wir nicht reden, wie sich der entwickelt, weil das Wort «entwickelt» seinen ursprünglichen Sinn behalten sollte —, aber so einer, der es wirklich ernst nimmt und ein ehrlicher Sucher ist, wie Hermann Bahr: so etwas färbt doch auf diesen Franz etwas ab. Und den schildert er, wie er sich nach und nach heranentwikkelt hat, wie er gesucht hat. Wie schildert er nun diesen Franz, auf den er selber abgefärbt hat? Dieser Franz versucht eigentlich alles zu erfahren, was die Zeit einem geben kann, alles kennenzulernen, überall nach der Wahrheit zu suchen. So hat er die Wissenschaften abgesucht, war erst Botaniker bei Wiesner — Wiesner war ein sehr berühmter Botaniker in Wien —, wurde dann Chemiker bei Ostwald, dann Nationalökonom und so weiter. Also so geht er durch alles das, was die Zeit bietet. Er könnte ja auch Gräcist werden bei Wilamowitz, oder sich Philosophie ansehen bei Eucken oder Kohler. Dann lernt er Nationalökonomie kennen in Schmollers Seminar; es hätte auch bei Brentano oder in irgendeinem anderen Seminar sein können. Dann lernt er kennen, wie man versucht, hinter die Seelengeheimnisse zu kommen bei Richet; es hätte auch bei einem andern sein können. Er suchte auf eine andere Weise bei Freud Psychoanalyse kennenzulernen. Und als ihn dies alles nicht befriedigt, geht er zu den Theosophen nach London. Er sucht also immer nach Wahrheit. Und dann läßt er sich auch einmal von einem, der sich mehr zurückgehalten hat, esoterische Übungen geben. Doch die treibt er nicht lange, die freuen ihn nicht sehr lange. Aber er denkt, doch noch weiter suchen zu müssen.

[ 33 ] Zuletzt ist er ja dann hereingefallen, der Franz, denn nachdem er alles mögliche gesucht hat, da kommt er an ein Medium. Dieses Medium macht jahrelang die ausgezeichnetsten Manifestationen, alles mögliche. Dann wird es entlarvt, nachdem sich der Franz, der Held dieses Romans, schon längst in dieses Medium verliebt hatte. Aber er reist ab, er muß rasch abreisen, wie er immer rasch abreisen muß. Nun, er reist auch da rasch ab, überläßt das Medium seinem Schicksal. Die Frau wird selbstverständlich — etwas bringt jeder jetzt der Zeit als Tribut — als Spionin entlarvt. Natürlich, der Roman ist ja auch erst in der allerneuesten Zeit geschrieben.

[ 33 ] Zuletzt ist er ja dann hereingefallen, der Franz, denn nachdem er alles mögliche gesucht hat, da kommt er an ein Medium. Dieses Medium macht jahrelang die ausgezeichnetsten Manifestationen, alles mögliche. Dann wird es entlarvt, nachdem sich der Franz, der Held dieses Romans, schon längst in dieses Medium verliebt hatte. Aber er reist ab, er muß rasch abreisen, wie er immer rasch abreisen muß. Nun, er reist auch da rasch ab, überläßt das Medium seinem Schicksal. Die Frau wird selbstverständlich — etwas bringt jeder jetzt der Zeit als Tribut — als Spionin entlarvt. Natürlich, der Roman ist ja auch erst in der allerneuesten Zeit geschrieben.

[ 34 ] Aber solcher Menschen gibt es zahlreiche, gerade unter denjenigen, die heute über das geistige Leben urteilen. Und im Grunde genommen: So muß man sich diejenigen vorstellen, die dazu kommen, heute ihr Urteil abzugeben, bevor sie auch nur in die allerersten Elemente hineingedrungen sind — nicht wie Hermann Bahr, der ja am Expressionismus etwas entdeckt davon, daß es ein inneres Schauen gibt, und dazu bringen es ja die anderen, die urteilen, nicht. Hermann Bahr wird heute natürlich einsehen, daß er über manches anders urteilen wird, als er früher geurteilt hat. Früher würde er selbstverständlich, wenn er, sagen wir, meine «Theosophie» in die Hand bekommen hätte, darüber geurteilt haben — na, was weiß ich, es ist ja auch nicht nötig, das gerade mit Hermann Bahrs Worten zu treffen —. Heute würde er sagen: Ja, es gibt ein inneres Auge, es gibt ein inneres Schauen, das ist eben auch so eine Art Expressionismus. — Das ist, weil er gerade bis zu dem inneren Schauen kommt, das sich heute auf dem Wege des Expressionismus auslebt. Aber das macht ja nichts, das sind die Ideen; unter den Inspirationen der Danziger ist Hermann Bahr dazu gekommen und hat dieses Buch daraus gemacht.

[ 34 ] Aber solcher Menschen gibt es zahlreiche, gerade unter denjenigen, die heute über das geistige Leben urteilen. Und im Grunde genommen: So muß man sich diejenigen vorstellen, die dazu kommen, heute ihr Urteil abzugeben, bevor sie auch nur in die allerersten Elemente hineingedrungen sind — nicht wie Hermann Bahr, der ja am Expressionismus etwas entdeckt davon, daß es ein inneres Schauen gibt, und dazu bringen es ja die anderen, die urteilen, nicht. Hermann Bahr wird heute natürlich einsehen, daß er über manches anders urteilen wird, als er früher geurteilt hat. Früher würde er selbstverständlich, wenn er, sagen wir, meine «Theosophie» in die Hand bekommen hätte, darüber geurteilt haben — na, was weiß ich, es ist ja auch nicht nötig, das gerade mit Hermann Bahrs Worten zu treffen —. Heute würde er sagen: Ja, es gibt ein inneres Auge, es gibt ein inneres Schauen, das ist eben auch so eine Art Expressionismus. — Das ist, weil er gerade bis zu dem inneren Schauen kommt, das sich heute auf dem Wege des Expressionismus auslebt. Aber das macht ja nichts, das sind die Ideen; unter den Inspirationen der Danziger ist Hermann Bahr dazu gekommen und hat dieses Buch daraus gemacht.

[ 35 ] Ich wollte Ihnen dies nur als ein Beispiel anführen, wie schwierig es heute ist, sich hindurchzuarbeiten, und wie gerade dem, der eine klare Anschauung, einen klaren Begriff davon hat, was Geisteswissenschaft will, eine Verantwortung obliegt, überall, wo es möglich und nötig ist, alles zu tun dafür, daß die Vorurteile sich zerstreuen. Wenn wir wissen, aus welchen Untergründen diese Vorurteile entstehen, und wie heute die Besten sozusagen, die unzählige Essays und Dramen geschrieben haben, wenn sie ehrliche Sucher sind, nach ihrem fünfzigsten Jahre an die allerelementarsten Dinge herankommen, dann muß man schon sagen: Man begreift, wie schwierig es ist, mit der Geisteswissenschaft heute durchzudringen; denn das einfachste Gemüt würde Geisteswissenschaft natürlich aufnehmen, aber es wird zurückgehalten durch diejenigen Leute, die urteilen aus solchen Untergründen heraus, wie ich es Ihnen dargestellt habe. |

[ 35 ] Ich wollte Ihnen dies nur als ein Beispiel anführen, wie schwierig es heute ist, sich hindurchzuarbeiten, und wie gerade dem, der eine klare Anschauung, einen klaren Begriff davon hat, was Geisteswissenschaft will, eine Verantwortung obliegt, überall, wo es möglich und nötig ist, alles zu tun dafür, daß die Vorurteile sich zerstreuen. Wenn wir wissen, aus welchen Untergründen diese Vorurteile entstehen, und wie heute die Besten sozusagen, die unzählige Essays und Dramen geschrieben haben, wenn sie ehrliche Sucher sind, nach ihrem fünfzigsten Jahre an die allerelementarsten Dinge herankommen, dann muß man schon sagen: Man begreift, wie schwierig es ist, mit der Geisteswissenschaft heute durchzudringen; denn das einfachste Gemüt würde Geisteswissenschaft natürlich aufnehmen, aber es wird zurückgehalten durch diejenigen Leute, die urteilen aus solchen Untergründen heraus, wie ich es Ihnen dargestellt habe. |

[ 36 ] Aber schließlich erleben wir ja in unserer Zeit allerlei, und ich habe öfter darauf aufmerksam gemacht, wie, ich möchte sagen, das materialistische Denken unserem Zeitalter schon in Fleisch und Blut übergegangen ist, so daß wirklich die Menschen gar nicht wissen, daß sie eigentlich ein phantastisches Zeug ausdenken, indem sie erhabene Theorien bauen. Ich habe Sie ja öfter unterhalten mit dem, was heute als Kant-Laplacesche Theorie gelehrt wird, was den Kindern in der Schule gezeigt wird. Es wird ihnen so hübsch beigebracht, wie die Erde allmählich wie ein Sonnennebel war, wie sich der gedreht hat, wie sich dann die Planeten abgespalten haben. Und was wäre denn auch einleuchtender, als diese Anschauung des Tropfens: Man braucht nur ein kleines Öltröpfelchen zu nehmen, eine Karte, durchteilen — Äquatorebene —, eine Nadel hinein, dann das drehen, da spalten sich so hübsch die Planetchen ab und dann sagt man: Nun seht ihr, so ist es auch im großen draußen gewesen, wie es sich hier im kleinen vollzieht. — Wie könnte denn ein Mensch sich dieser Beweisführung entziehen? Nur müßte natürlich ein großer Herr Lehrer da draußen im Weltenall sein, der das gedreht hat, nicht wahr? Das vergißt man meist dabei. Man darf aber nichts vergessen, alle Faktoren müssen in Betracht gezogen werden. Wenn aber nicht ein großer Herr Lehrer oder ein großer Herr Professor im Weltenall steht und dreht? Das vergißt man in der Regel, weil es zu einleuchtend ist. Man möchte sagen, es ist schon ein Großes, wenn sich genügend denkende Menschen aus dem, was vom Idealismus und Spiritualismus da noch geblieben ist, dazu finden, diese Sache in ihrer vollen Bedeutung zu charakterisieren. Und deshalb muß ich immer wieder und wiederum auf den schönen Satz in dem Goethe-Buch von Herman Grimm hinweisen. Ich führte ihn auch jetzt in dem Buch, das demnächst von mir erscheinen wird, an. Herman Grimm sagt:

[ 36 ] Aber schließlich erleben wir ja in unserer Zeit allerlei, und ich habe öfter darauf aufmerksam gemacht, wie, ich möchte sagen, das materialistische Denken unserem Zeitalter schon in Fleisch und Blut übergegangen ist, so daß wirklich die Menschen gar nicht wissen, daß sie eigentlich ein phantastisches Zeug ausdenken, indem sie erhabene Theorien bauen. Ich habe Sie ja öfter unterhalten mit dem, was heute als Kant-Laplacesche Theorie gelehrt wird, was den Kindern in der Schule gezeigt wird. Es wird ihnen so hübsch beigebracht, wie die Erde allmählich wie ein Sonnennebel war, wie sich der gedreht hat, wie sich dann die Planeten abgespalten haben. Und was wäre denn auch einleuchtender, als diese Anschauung des Tropfens: Man braucht nur ein kleines Öltröpfelchen zu nehmen, eine Karte, durchteilen — Äquatorebene —, eine Nadel hinein, dann das drehen, da spalten sich so hübsch die Planetchen ab und dann sagt man: Nun seht ihr, so ist es auch im großen draußen gewesen, wie es sich hier im kleinen vollzieht. — Wie könnte denn ein Mensch sich dieser Beweisführung entziehen? Nur müßte natürlich ein großer Herr Lehrer da draußen im Weltenall sein, der das gedreht hat, nicht wahr? Das vergißt man meist dabei. Man darf aber nichts vergessen, alle Faktoren müssen in Betracht gezogen werden. Wenn aber nicht ein großer Herr Lehrer oder ein großer Herr Professor im Weltenall steht und dreht? Das vergißt man in der Regel, weil es zu einleuchtend ist. Man möchte sagen, es ist schon ein Großes, wenn sich genügend denkende Menschen aus dem, was vom Idealismus und Spiritualismus da noch geblieben ist, dazu finden, diese Sache in ihrer vollen Bedeutung zu charakterisieren. Und deshalb muß ich immer wieder und wiederum auf den schönen Satz in dem Goethe-Buch von Herman Grimm hinweisen. Ich führte ihn auch jetzt in dem Buch, das demnächst von mir erscheinen wird, an. Herman Grimm sagt:

[ 37 ] «Längst hatte, in seinen [Goethes] Jugendzeiten schon die große Laplace-Kant’sche Phantasie» — sehen Sie, Grimm nennt es seine Phantasie! — «von der Entstehung und dem einstigen Untergange der Erdkugel Platz gegriffen. Aus dem in sich rotierenden Weltnebel — die Kinder bringen es bereits aus der Schule mit — formt sich der zentrale Gastropfen, aus dem hernach die Erde wird, und macht als erstarrende Kugel in unfaßbaren Zeiträumen alle Phasen, die Episode der Bewohnung durch das Menschengeschlecht mit inbegriffen, durch, um endlich als ausgebrannte Schlacke in die Sonne zurückzustürzen; ein langer, aber dem heutigen Publikum völlig begreiflicher Prozeß, für dessen Zustandekommen es nun weiter keines äußeren Eingreifens bedürfe, als die Bemühung irgendeiner außenstehenden Kraft, die Sonne in gleicher Heiztemperatur zu erhalten. — Es kann keine fruchtlosere Perspektive für die Zukunft gedacht werden als die, welche uns in dieser Erwartung als wissenschaftlich notwendig heute aufgedrängt werden soll. Ein Aasknochen, um den ein hungriger Hund einen Umweg machte, wäre ein erfrischendes, appetitliches Stück im Vergleich zu diesem letzten Schöpfungsexkrement, als welches unsere Erde schließlich der Sonne wieder anheimfiele, und es ist die Wißbegier, mit der unsere Generation dergleichen aufnimmt und zu glauben vermeint, ein Zeichen kranker Phantasie, die als ein historisches Zeitphänomen zu erklären die Gelehrten zukünftiger Epochen einmal viel Scharfsinn aufwenden werden.»

[ 37 ] «Längst hatte, in seinen [Goethes] Jugendzeiten schon die große Laplace-Kant’sche Phantasie» — sehen Sie, Grimm nennt es seine Phantasie! — «von der Entstehung und dem einstigen Untergange der Erdkugel Platz gegriffen. Aus dem in sich rotierenden Weltnebel — die Kinder bringen es bereits aus der Schule mit — formt sich der zentrale Gastropfen, aus dem hernach die Erde wird, und macht als erstarrende Kugel in unfaßbaren Zeiträumen alle Phasen, die Episode der Bewohnung durch das Menschengeschlecht mit inbegriffen, durch, um endlich als ausgebrannte Schlacke in die Sonne zurückzustürzen; ein langer, aber dem heutigen Publikum völlig begreiflicher Prozeß, für dessen Zustandekommen es nun weiter keines äußeren Eingreifens bedürfe, als die Bemühung irgendeiner außenstehenden Kraft, die Sonne in gleicher Heiztemperatur zu erhalten. — Es kann keine fruchtlosere Perspektive für die Zukunft gedacht werden als die, welche uns in dieser Erwartung als wissenschaftlich notwendig heute aufgedrängt werden soll. Ein Aasknochen, um den ein hungriger Hund einen Umweg machte, wäre ein erfrischendes, appetitliches Stück im Vergleich zu diesem letzten Schöpfungsexkrement, als welches unsere Erde schließlich der Sonne wieder anheimfiele, und es ist die Wißbegier, mit der unsere Generation dergleichen aufnimmt und zu glauben vermeint, ein Zeichen kranker Phantasie, die als ein historisches Zeitphänomen zu erklären die Gelehrten zukünftiger Epochen einmal viel Scharfsinn aufwenden werden.»

[ 38 ] In der Tat wird man zukünftig nachdenken: Wie ist denn einmal die Menschheit darauf gekommen, solch ein Zeug als Wahrheit zu denken, das heute selbstverständlich in allen Schulen schon als Wahrheit gelehrt wird!

[ 38 ] In der Tat wird man zukünftig nachdenken: Wie ist denn einmal die Menschheit darauf gekommen, solch ein Zeug als Wahrheit zu denken, das heute selbstverständlich in allen Schulen schon als Wahrheit gelehrt wird!

[ 39 ] «Niemals», sagt Herman Grimm weiter, «hat Goethe solchen Trostlosigkeiten Einlaß gewährt ... Goethe würde sich wohl gehütet haben, die Folgerungen der Schule Darwins aus dem abzuleiten, was in dieser Richtung er zuerst der Natur abgelauscht und ausgesprochen hatte ...»

[ 39 ] «Niemals», sagt Herman Grimm weiter, «hat Goethe solchen Trostlosigkeiten Einlaß gewährt ... Goethe würde sich wohl gehütet haben, die Folgerungen der Schule Darwins aus dem abzuleiten, was in dieser Richtung er zuerst der Natur abgelauscht und ausgesprochen hatte ...»

[ 40 ] Sie wissen ja, bei einer geistigeren Auffassung des Darwinismus würde etwas anderes. herauskommen. Gegen den Darwinismus als solchen richtet sich das ja nicht, was Herman Grimm meinte, noch dasjenige, was ich zu sagen habe, aber gegen die materialistische Ausdeutung, die nun wirklich zu dem gekommen ist, was Herman Grimm im mündlichen Vortrage eine die Menschenwürde verletzende Vorstellung genannt hat: daß der Mensch in geradliniger Entwickelung von niederen Tieren durch die Affen herauf zum Menschen sich entwickelt hat. — Wir wissen ja, wieviel Beifall Huxley einstmals gefunden hat, als ihm — es war allerdings von einem Bischof — alles mögliche erwidert worden ist gegen die Affenabstammung des Menschen. Huxley hat viel Beifall gefunden, als er damals die Worte fand: Er stamme doch lieber vom Affen ab und habe sich allmählich vom Affendasein zu seiner Weltanschauung heraufgearbeitet, als daß er diese Abstammung behaupte, zu der der Bischof sich bekennte, und sich dann heruntergearbeitet habe bis zu dessen Weltanschauung. — Solche Dinge sind ja oftmals sehr geistreich, sie erinnern mich aber immer an die Anekdote von jenem kleinen Knaben, der aus der Schule nach Hause kommt und seinem Vater erklärt: «Vater, ich habe jetzt in der Schule gelernt, daß wir alle vom Affen abstammen.» — «Was fällt dir denn ein, du dummer Junge!» — «Ja, ja, Vater», sagt der Junge, «wir stammen alle vom Affen ab.» — «Bei dir kann das der Fall sein», sagt der Vater, «bei mir aber nicht!» — Ich habe Sie ja öfter schon auf allerlei logische Schnitzer gegen ein wirkliches Denken aufmerksam gemacht, das zu solch materialistischer Ausdeutung der Darwinischen Anschauung führt.

[ 40 ] Sie wissen ja, bei einer geistigeren Auffassung des Darwinismus würde etwas anderes. herauskommen. Gegen den Darwinismus als solchen richtet sich das ja nicht, was Herman Grimm meinte, noch dasjenige, was ich zu sagen habe, aber gegen die materialistische Ausdeutung, die nun wirklich zu dem gekommen ist, was Herman Grimm im mündlichen Vortrage eine die Menschenwürde verletzende Vorstellung genannt hat: daß der Mensch in geradliniger Entwickelung von niederen Tieren durch die Affen herauf zum Menschen sich entwickelt hat. — Wir wissen ja, wieviel Beifall Huxley einstmals gefunden hat, als ihm — es war allerdings von einem Bischof — alles mögliche erwidert worden ist gegen die Affenabstammung des Menschen. Huxley hat viel Beifall gefunden, als er damals die Worte fand: Er stamme doch lieber vom Affen ab und habe sich allmählich vom Affendasein zu seiner Weltanschauung heraufgearbeitet, als daß er diese Abstammung behaupte, zu der der Bischof sich bekennte, und sich dann heruntergearbeitet habe bis zu dessen Weltanschauung. — Solche Dinge sind ja oftmals sehr geistreich, sie erinnern mich aber immer an die Anekdote von jenem kleinen Knaben, der aus der Schule nach Hause kommt und seinem Vater erklärt: «Vater, ich habe jetzt in der Schule gelernt, daß wir alle vom Affen abstammen.» — «Was fällt dir denn ein, du dummer Junge!» — «Ja, ja, Vater», sagt der Junge, «wir stammen alle vom Affen ab.» — «Bei dir kann das der Fall sein», sagt der Vater, «bei mir aber nicht!» — Ich habe Sie ja öfter schon auf allerlei logische Schnitzer gegen ein wirkliches Denken aufmerksam gemacht, das zu solch materialistischer Ausdeutung der Darwinischen Anschauung führt.

[ 41 ] Aber in unserer Zeit wird wirklich alles noch überboten. Jegliches Ding ist noch nicht so, daß sich alle Leute sagen, daß man es damit schon herrlich weit gebracht hat, sondern sie gehen noch weiter, bringen es noch herrlich weiter! So könnte ich Ihnen von einem Manne erzählen, der eine furchtbare Wut hat darüber, daß es eine Philosophie gibt, und daß es in der Welt so viele Philosophen gegeben hat, die immer Philosophien gemacht haben. Er schimpft auf alle Philosophie ganz schrecklich. Und nun hat dieser Mann in den letzten Zeiten wiederum recht viel drucken lassen an Geschimpfe gegen die Philosophie und will einen besonders prägnanten Satz finden, durch den er seine ganze Wut auf die Philosophie auslassen kann. Da hat er folgenden Satz gefunden, den ich Ihnen vorlesen will, damit Sie ihn wörtlich kennenlernen, denn es ist doch gut zu wissen, was in der Gegenwart gerade über die Philosophie gedacht wird, durch die die Menschen zur Wahrheit kommen wollen, und durch die doch mancherlei geleistet worden ist, wie Sie es auch aus dem Buch, das in nächster Zeit von mir erscheinen wird, ersehen können. Dieser Mann sagt: «Wir haben nicht mehr Philosophie als ein Tier.» Er behauptet also nicht nur, daß wir von den Tieren abstammen, sondern er beweist sogar, daß man mit dem Höchsten, was die Menschheit bis jetzt gesucht hat, mit der Philosophie, wirklich nicht über das Tier hinauskommt, weil man nichts anderes wissen kann, als das Tier wissen kann. Er meint das ganz im Ernste, man könne nicht mehr wissen als das Tier: «Wir haben nicht mehr Philosophie als das Tier, und nur die rasenden Versuche, zu einer Philosophie zu kommen, und die endliche Ergebung in Nichtwissen, unterscheiden uns von dem Tier.» — Also bloß, daß wir verstehen, daß wir wie ein Vieh nichts wissen, das unterscheidet uns vom Tier, und die ganze Geschichte der Philosophie wird von diesem Manne abgetan, indem er nachzuweisen versucht, daß das alles rasende Versuche sind, die die Philosophen angestellt haben, um über diese einfache Wahrheit, daß man nicht mehr weiß von der Welt als ein Tier, hinauszukommen. Sie werden mich fragen: Wer kann denn nur eine solch vertrackte Anschauung über die Philosophie aufstellen? Ich meine, es könnte Sie vielleicht doch interessieren, wer eine solch unglaubliche Anschauung über die Philosophie haben kann. Sehen Sie, derjenige, der diese Ansicht über die Philosophie hat, ist Professor der Philosophie an der Universität in Czernowitz! Der betreffende Mann hat vor längeren Jahren schon ein Buch geschrieben: «Das Ende der Philosophie», hat ein Buch geschrieben: aDas Ende des Denkens» und hat jetzt ein Buch geschrieben: «Die Tragikomödie der Weisheit», in dem Sätze wie diese drinnen stehen! — Also der Mann versieht sein Amt als Professor der Philosophie an einer Universität, indem er die lauschende Zuhörerschaft davon überzeugt, daß der Mensch nicht mehr weiß als ein Tier! Es ist Professor Dr. Richard Wahle, Ordinarius der Philosophie an der Universität in Czernowitz.

[ 41 ] Aber in unserer Zeit wird wirklich alles noch überboten. Jegliches Ding ist noch nicht so, daß sich alle Leute sagen, daß man es damit schon herrlich weit gebracht hat, sondern sie gehen noch weiter, bringen es noch herrlich weiter! So könnte ich Ihnen von einem Manne erzählen, der eine furchtbare Wut hat darüber, daß es eine Philosophie gibt, und daß es in der Welt so viele Philosophen gegeben hat, die immer Philosophien gemacht haben. Er schimpft auf alle Philosophie ganz schrecklich. Und nun hat dieser Mann in den letzten Zeiten wiederum recht viel drucken lassen an Geschimpfe gegen die Philosophie und will einen besonders prägnanten Satz finden, durch den er seine ganze Wut auf die Philosophie auslassen kann. Da hat er folgenden Satz gefunden, den ich Ihnen vorlesen will, damit Sie ihn wörtlich kennenlernen, denn es ist doch gut zu wissen, was in der Gegenwart gerade über die Philosophie gedacht wird, durch die die Menschen zur Wahrheit kommen wollen, und durch die doch mancherlei geleistet worden ist, wie Sie es auch aus dem Buch, das in nächster Zeit von mir erscheinen wird, ersehen können. Dieser Mann sagt: «Wir haben nicht mehr Philosophie als ein Tier.» Er behauptet also nicht nur, daß wir von den Tieren abstammen, sondern er beweist sogar, daß man mit dem Höchsten, was die Menschheit bis jetzt gesucht hat, mit der Philosophie, wirklich nicht über das Tier hinauskommt, weil man nichts anderes wissen kann, als das Tier wissen kann. Er meint das ganz im Ernste, man könne nicht mehr wissen als das Tier: «Wir haben nicht mehr Philosophie als das Tier, und nur die rasenden Versuche, zu einer Philosophie zu kommen, und die endliche Ergebung in Nichtwissen, unterscheiden uns von dem Tier.» — Also bloß, daß wir verstehen, daß wir wie ein Vieh nichts wissen, das unterscheidet uns vom Tier, und die ganze Geschichte der Philosophie wird von diesem Manne abgetan, indem er nachzuweisen versucht, daß das alles rasende Versuche sind, die die Philosophen angestellt haben, um über diese einfache Wahrheit, daß man nicht mehr weiß von der Welt als ein Tier, hinauszukommen. Sie werden mich fragen: Wer kann denn nur eine solch vertrackte Anschauung über die Philosophie aufstellen? Ich meine, es könnte Sie vielleicht doch interessieren, wer eine solch unglaubliche Anschauung über die Philosophie haben kann. Sehen Sie, derjenige, der diese Ansicht über die Philosophie hat, ist Professor der Philosophie an der Universität in Czernowitz! Der betreffende Mann hat vor längeren Jahren schon ein Buch geschrieben: «Das Ende der Philosophie», hat ein Buch geschrieben: aDas Ende des Denkens» und hat jetzt ein Buch geschrieben: «Die Tragikomödie der Weisheit», in dem Sätze wie diese drinnen stehen! — Also der Mann versieht sein Amt als Professor der Philosophie an einer Universität, indem er die lauschende Zuhörerschaft davon überzeugt, daß der Mensch nicht mehr weiß als ein Tier! Es ist Professor Dr. Richard Wahle, Ordinarius der Philosophie an der Universität in Czernowitz.

[ 42 ] Es ist doch ganz gut, auf solche Dinge hinzusehen, denn sie bezeugen uns, wie wir es «so herrlich weit» gebracht haben. Und es ist schon notwendig, wie gesagt, daß man diese Notwendigkeiten des Lebens ein wenig näher ins Auge faßt, die darinnen bestehen, daß die Zeit wirklich herangerückt ist, wo die Menschen sich schon entschließen müssen, dieses innere Pfingstfest ernst zu nehmen, das Licht in der Seele zu entzünden, das Geistige in sich aufzunehmen. Viel wird davon abhängen, daß es wenigstens einige gibt in der Welt, die verstehen, wie in unserer Zeit das innere Pfingstfest der Seele gefeiert werden kann, aber auch gefeiert werden muß.

[ 42 ] Es ist doch ganz gut, auf solche Dinge hinzusehen, denn sie bezeugen uns, wie wir es «so herrlich weit» gebracht haben. Und es ist schon notwendig, wie gesagt, daß man diese Notwendigkeiten des Lebens ein wenig näher ins Auge faßt, die darinnen bestehen, daß die Zeit wirklich herangerückt ist, wo die Menschen sich schon entschließen müssen, dieses innere Pfingstfest ernst zu nehmen, das Licht in der Seele zu entzünden, das Geistige in sich aufzunehmen. Viel wird davon abhängen, daß es wenigstens einige gibt in der Welt, die verstehen, wie in unserer Zeit das innere Pfingstfest der Seele gefeiert werden kann, aber auch gefeiert werden muß.

[ 43 ] Ich weiß nicht, wie lange es noch dauert, bis mein Buch fertig ist; so lange muß ich da bleiben. Wir werden uns also vielleicht noch heute über acht Tage weiter sprechen können.

[ 43 ] Ich weiß nicht, wie lange es noch dauert, bis mein Buch fertig ist; so lange muß ich da bleiben. Wir werden uns also vielleicht noch heute über acht Tage weiter sprechen können.