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The Rudolf Steiner Archive

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The Riddle of Man
The Spiritual Background of Human History
GA 170

26 August 1916, Dornach

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Elfter Vortrag

Lecture Eleven

[ 1 ] Ich werde heute, morgen und übermorgen drei zusammenhängende Vorträge halten — heute einiges bemerken, das zur Grundlage dienen kann von gewissen Ausblicken in das Verhältnis des Menschen zum ganzen Universum, zum Leben überhaupt.

[ 1 ] The three lectures of today, tomorrow and the day after tomorrow will be interconnected. Today I want to look at some things that will lay the groundwork for certain perspectives on man's relation to the cosmos and to all of life.

[ 2 ] Wenn wir die menschliche Seele so betrachten, wie sie sich uns in ihrer Entwickelung zeigt hier in ihrem Leben innerhalb des physischen Leibes zwischen Geburt und Tod, so kann uns unter anderem auch auffallen, daß, um dieses Erdenleben zwischen Geburt und Tod zu vollenden, die Seele sich zwei Eigenschaften, man könnte sagen zwei Kräftekomplexe aneignen muß. Auf solche Dinge haben wir ja schon öfter aufmerksam gemacht.

[ 2 ] Consider the development of the human soul as we can observe it here between birth and death, living in the physical body. Among other things, we might notice that two properties, or complexes of energy, are necessary to the soul if it is to lead a fulfilling earthly life between birth and death—we have frequently directed our attention to such things.

[ 3 ] Was auf der einen Seite angeeignet werden muß, ist das Gedächtnis. Denken Sie einmal, es würde das Gedächtnis nicht zu unseren Erdeneigenschaften gehören! Sie brauchen sich nur einmal zu überlegen, wie es anders wäre mit unserem Seelenleben, wenn wir nicht zurückschauen könnten in unsere verflossenen Tage und heraufholen könnten aus gewissermaßen unbestimmten Tiefen dasjenige, was wir seit einem gewissen Zeitmomente nach unserer Geburt erlebt haben. Der Zusammenhang der Erlebnisse ist sogar notwendig dafür, daß wir unser IchBewußtsein in der entsprechenden Weise haben können. Öfter habe ich darauf aufmerksam gemacht. Nun wissen Sie aber alle, daß dieses Gedächtnis erst eintritt in einem gewissen Zeitpunkte unseres Erdenlebens und daß es vorher nicht vorhanden ist, so daß unsere Erlebnisse, bevor der Zeitpunkt eintritt, bis zu dem wir uns zurückerinnern, der Vergessenheit anheimfallen. Wir können also sagen: Von einem bestimmten Zeitpunkte unseres physischen Erdenlebens an wird unser Seelenleben im Verhältnisse zum Körperleben so, daß wir gedächtnismäßig, erinnerungsmäßig unsere Erlebnisse immer in uns gegenwärtig haben können, im weiteren oder im engeren Umfange.

[ 3 ] What needs to be acquired, on the one hand, is memory. Just imagine that memory was not among our earthly possessions! You only need to consider how different our soul life would be if we could not look back to days past, all the way back to a certain moment after our birth, and could not retrieve what we have experienced from these more or less unplumbed depths. Our consciousness of our I, as we now possess it, is dependent on the way our experiences connect. I have drawn your attention to this frequently. Now, you all know that memory only begins to appear at a certain point in our earthly life. It is not present before then, and so all our experiences prior to that first remembered point in time are wrapped in forgetfulness. Therefore we can say: From a certain point in our earthly life onward, our soul life is related to our body in such a way that, in greater or lesser detail, our experiences can always be called up in us as memories—we can remember them.

[ 4 ] Dieses Gedächtnis kann sich nur ausbilden unter dem Einflusse unseres Erdenlebens und es gehört zu den Aufgaben unseres Erdenlebens, daß wir das Gedächtnis ausbilden. Während der langen Zeitenentwikkelung, da wir Mondenwesen waren, haben wir es in einer solchen Weise nicht gehabt. Erst dadurch, daß unserem Wesen eingegliedert worden ist der Erdenorganismus mit seinen Kräften aus dem mineralischen Reiche, kann sich das Gedächtnis entwickeln. Es ist in seiner Entwickelung wesentlich ein Ergebnis der Wechselwirkung des menschlichen Seelenwesens mit dem physischen Erdenleib. In der geistigen Welt braucht man das Gedächtnis so, wie wir es im physischen Erdenleibe jetzt entwickeln, eben erst von der Erdenzeit an. Man hat es bis zur Erdenzeit aus dem Grunde nicht gebraucht, weil man zum Beispiel in der Kraft jenes traumhaften Hellsehens, welche dem Menschen eigen war in der alten Mondenzeit, etwas anderes hatte, was gewissermaßen die Stelle des heutigen Gedächtnisses vertreten konnte. Denken Sie sich einmal: Wenn jedesmal, da Sie etwas erleben, das Erlebnis aufgeschrieben würde irgendwo an einem Orte, der Ihnen zugänglich bleibt, das nächste Erlebnis wieder und so fort, so könnten Sie ja einfach immer den Blick werfen auf den Ort,wo das Erlebnis aufgeschrieben ist. Sie würden nach außen schauen können, weil das Erlebnis in der Außenwelt aufgeschrieben wäre. Und so ist es in der Tat für die Art des Erlebens, die der Mensch durchgemacht hat noch während der alten Mondenzeit. In einem gewissen fein-ätherischen Substantiellen wurde gewissermaßen eingraviert das, was durch das Traumbewußtsein, jenes alte traumhafte Hellseherbewußtsein erlebt wurde. Alles, was der Mensch noch erlebte so, daß er es aufnahm in sein traumhaftes Hellseherbewußtsein, wurde eingeschrieben in die Weltensubstanz. Und diejenige Betätigung der menschlichen Seele, die man vergleichen könnte mit dem heutigen Gedächtnis, ist so, daß man immer den hellseherisch-traumhaften Blick hinwendete gewissermaßen zu der Eingravierung in die fein-ätherische Weltensubstanz. Wie man heute Gegenstände der Außenwelt erblickt, so sah man als Mondenmensch die eigenen Erlebnisse, die ihreSpuren zurückgelassen hatten. Man brauchte sich gleichsam nur umzusehen nach dem, wie man sich durchgelebt hatte durch die Weltensubstanz, und man fand eingeschrieben in die Weltensubstanz dasjenige, was Gegenstand jenes alten traumhaftimaginativen Bewußtseins war.

[ 4 ] This faculty of memory can only be developed under the influence of our earthly life, and developing a memory is one of the tasks of our earthly life. During that long period of our development when we were beings of the Moon, we did not have a faculty comparable to our earthly memory. In order for our organism to be able to develop memory, we have had to become a part of the organism of the earth, with all its forces deriving from the mineral realm. Memory develops as a result of the interaction between the human soul and the earthly, physical body. It is only during the Earth period of evolution that memory, in the form in which we develop it in our physical, earthly body, becomes necessary to the spiritual world. It only became necessary with the arrival of the Earth period because until then there were other things that took the place of memory. During the Moon period, for example, man's powers of dreamlike clairvoyance took the place of memory. Just imagine that every time you experienced something the experience would be written down in some particular place to which you always had access—as they occurred, all your experiences would be written down there, one after the other. Then all you would have to do to find an experience would be to look in that place where everything had been written down. And this is in fact the kind of experience undergone by man on Old Moon. Everything he experienced in his old, dreamlike, clairvoyant consciousness was, so to speak, engraved in a subtle etheric substance. Everything that man was able to experience through his dreamlike, clairvoyant consciousness was written into the substance of the world. And whenever a human soul needed something comparable to our memory of today, it simply had to direct its dreamlike, clairvoyant awareness toward what was engraved in the fine etheric substance of the world. Man on Old Moon looked at the traces left behind by his own experiences in the way people of today look at the objects of the external world. All one had to do to see something one had experienced was simply to observe the world substance. There, written into the substance of the world, one found the previous contents of that old, dreamlike, imaginative consciousness.

[ 5 ] Es war dies also ein ganz anderes Zusammenleben mit der Welt als das jetzige. Sie brauchen sich nur vorzustellen, daß alles, was jemals jetzt bei Ihnen Gedanke wird, hinter Ihnen wie ein Kometenschweif nachzöge, so daß es wiederum von Ihnen gedacht werden könnte, dann hätten Sie ins gegenwärtige Gedankenleben herein übertragen das, was während des alten traumhaften Bewußtseins wirklich da war. Dieser Zustand mußte aufhören aus dem Grunde, weil der Mensch individuell werden, eine Individualität darstellen sollte. Das kann er aber nur, wenn das, was er in seiner Seele durchlebt, sein seelisches Eigentum bleibt, wenn es sich nicht unmittelbar eingraviert in die Weltensubstanz, sondern nur in seine eigene feine Ätherindividualität, in seine Äthersubstantialität. Solange der Mensch nun auf der Erde lebt, gerät sein Ätherleib immer, wenn er sein Bewußtsein im Wachzustande entwickelt, in Mitbewegung. Und diese Mitbewegung findet ihre Grenzen an der Form des physischen Leibes. Sie kann gewissermaßen nicht hinaus über die Hautgrenze. Und so bleibt während des ganzen Lebens zwischen Geburt und Tod die feine Äthersubstantialität, in der sich mitbewegen die Gedanken, die Vorstellungen, die Gefühls- und Willenserlebnisse, gewissermaßen zusammengerollt innerhalb des physischen Leibes. Und wenn der physische Leib im Tode abgelegt wird, dann rollt sich das Ganze, wie wir es öfter beschrieben haben, auf und wird jetzt der Weltensubstantialität mitgeteilt, so daß wir jetzt, nach dem Tode, beginnen zurückzuschauen auf das, was eingraviert worden ist in unsere Ätherindividualität, die jetzt, nach dem Tode, aufgeht in die Weltenäthersubstantialität.

[ 5 ] This way of living in the world was therefore very different from today's. Just imagine that you could re-think everything you ever thought, because it was following you about like the tail of a comet—that is a translation of the actual experience of Old Moon into the terms of present-day thinking. This condition had to end because mankind needed to become individualised. Man had to learn to present himself as an individuality. He can only do this if his experiences remain his own property rather than being immediately engraved into the world substance. His experience must be engraved only into his own fine etheric individuality, his own fine etheric substance. So long as man lives on Earth, whatever is developed in his waking consciousness is accompanied by movements of his etheric body. The shape of the physical body marks the boundary of these accompanying movements. To a certain extent they are unable to pass beyond the limits of the skin. Thus, for the whole of life between birth and death, the fine etheric substance, whose movements accompany experiences of thoughts, ideas, feelings and experiences of will, is rolled up within the physical body. We have often described how it all unrolls and is received by the world substance when the physical body is laid aside in death. Then, after death, we can begin to look back on everything that has been engraved into our etheric individuality and watch it be absorbed into the substance of the cosmic ether.

[ 6 ] Ähnlich wie es sich in der angedeuteten Weise in bezug auf das Gedächtnis verhält, das also durch die Widerstandskraft des physischen Leibes entwickelt wird, verhält es sich auch mit dem, was nun wiederum wichtig ist für unser Erdenleben, damit wir uns das Rechte innerhalb desselben aneignen.

[ 6 ] I have briefly mentioned how things stand with memory, which develops in response to the physical body's forces of resistance. The situation is similar with respect to something else that is important for our life on earth and which we rightfully acquire for ourselves there.

[ 7 ] Was wir uns außer dem Gedächtnisse aneignen müssen während unseres Erdenlebens, sind: Gewohnheiten. Auch Gewohnheiten, wie wir sie haben während des Erdenlebens, hatten wir in derselben Art während unseres Mondenlebens noch nicht. Weder Gedächtnis in der heutigen Erdenform, noch die Fähigkeit, Gewohnheiten uns anzueignen, hatten wir während des Mondenlebens. Sie werden ja finden, wenn Sie die Entwickelung des Menschen von Kindheit auf betrachten, wie man das Gewohnheitsmäßige sich erst nach und nach aneignet dadurch, daß gewisse Handlungen wiederholt werden und immer wiederum wiederholt werden. Dadurch, daß wir während der Erziehung Anleitung dazu bekommen, werden die Handlungen gewohnheitsmäßige. Und wir vollführen sie, während wir sie uns zuerst aneignen mußten, dann, wenn sie uns Gewohnheiten geworden sind, mehr seelisch-mechanisch.

[ 7 ] In addition to memory, our life on Earth also requires us to develop habits. Habits are another thing that we did not yet possess on Old Moon in the form that we have them on Earth. On Old Moon we possessed neither memory nor the ability to form habits—not in the earthly form they have today. If you observe human development from childhood onwards, you will see how habits gradually begin to develop as certain actions are repeated again and again. As we are educated, we receive guidance which establishes certain actions as habits. At first these have to be learned, but once they have become habits our souls perform them more mechanically.

[ 8 ] In der rechten Weise während der Erdenzeit Gewohnheiten zu entwickeln, ist gerade für die Ich-Entfaltung notwendig. Was hatten wir denn an Stelle der Gewohnheiten, während wir Wesen der alten Mondenzeit waren? Da hatten wir jedesmal, wenn wir irgend etwas verrichten sollten, wenn irgend etwas durch uns geschehen sollte, den unmittelbaren Einfluß irgendeiner Wesenheit aus der höheren geistigen Welt. Da waren wir immer verhalten zu dem, was wir taten, durch Impulse, die in uns hineinschickten die Wesen der höheren Welt. Da brauchten wir keine Gewohnheiten, denn was wir tun sollten, taten gewissermaßen durch uns die Wesen der höheren Welt. Wir waren viel mehr ein Glied im ganzen Organismus der Hierarchien, als das jetzt während der Erdenzeit der Fall ist.

[ 8 ] During the Earth period, if the I is to unfold properly, habits must be developed in the right way. What took the place of habits during Old Moon? During that period, every time we needed to accomplish something or whenever something was supposed to happen through us, we were directly influenced by one or the other being from the higher spiritual world. Our deeds were always held in check by the impulses we received from the beings of a higher world. At that time we were much more a member of the whole organism of the hierarchies than is the case now, in the Earth period.

[ 9 ] Wir würden niemals die Kraft der Freiheit haben entwickeln können, wenn wir in dieser Lage geblieben wären, daß für alle Einzelheiten unseres Handelns Impulse höherer geistiger Wesenheiten hätten in Kraft treten müssen. Nur dadurch, daß wir gewissermaßen entlassen werden aus der Sphäre der Wesen der geistigen Welten und in die Lage kommen, wenn wir wiederholt etwas getan haben, es zur Gewohnheit zu machen, so daß es dann von uns selbst kommt, nur dadurch wird die Anlage zur Freiheit in uns gelegt. Wirklich, auch mit der Aneignung des Gewohnheitsmäßigen ist innig verknüpft das Erreichen einer Freiheitsmöglichkeit für den Menschen.

[ 9 ] If we had remained in this state, we should never have developed the power to be free, for every detail of our actions would depend on the impulses of higher beings. They would have to exercise their power whenever we acted. We can only receive into ourselves the gift of freedom by being released from the sphere of the beings of the higher hierarchies and by entering into a condition in which repeatedly[,] acts can become habits. In this manner it is possible for actions to originate in us. And so, acquiring the capacity to form habits is also intimately connected with the way humanity achieves inner freedom.

[ 10 ] Wenn wir durch die Geburt hereintreten in das physische Dasein, so kommen wir aus einer Welt, in der wir uns auch noch während der Erdenzeit gewissermaßen in einer ähnlichen Lage befinden wie während der Mondenzeit, als wir unter dem starken Einflusse der höheren geistigen Impulse waren da oben in der geistigen Welt, die wir durchzumachen hatten, bevor wir durch die Geburt ins Erdendasein herunterstiegen. Da sind es immer höhere geistige Wesenheiten, die uns zu dem anleiten, was wir zu verrichten haben, um unser Erdendasein aus der geistigen Welt heraus vorzubereiten, so daß es karmagemäß ablaufen kann. Und mit dem Eingehen in den physischen Leib werden wir entrissen dieser Welt, in der es keine Gewohnheiten gibt, sondern nur fortwährende Impulse der höheren geistigen Wesenheiten. Wir haben gewissermaßen, wenn wir ins physische Dasein hereintreten, noch einen Nachklang dieser Lage, in der wir waren in der geistigen Welt. Und dieser Nachklang drückt sich dadurch aus, daß wir als Kinder so ziemlich bis zu unserem siebenten Jahre uns weniger nach Gewohnheiten richten, sondern mehr unter dem Einflusse der Nachahmung stehen. Wir machen das nach, was uns vorgemacht wird, und wir machen anfangs eigentlich unter dem unmittelbaren Einflusse des Vormachens die Dinge nach. Das ist ein Nachklang der Art, wie es notwendig war für uns in der geistigen Welt. In der geistigen Welt war es für uns notwendig, zu jeder einzelnen Betätigung den Impuls zu erhalten. Daher überliefern wir uns als Kinder zunächst den unmittelbaren Impulsen, ahmen nach. Und erst im Laufe der Zeit tritt, ebenso wie die Fähigkeit, Gewohnheitsmäßiges auszuleben, die Selbständigkeit, die selbständige Betätigung innerhalb unseres Seelenlebens auf.

[ 10 ] Even during the Earth period, the state we leave behind when we enter through birth into physical existence resembles our previous state on Old Moon. Up there in the spiritual world, before we are born and step down into earthly existence, we are powerfully influenced by higher spiritual impulses. There in the spiritual world it is always higher spiritual beings who guide us to what we need to do; they help us prepare an earthly existence that will proceed in accordance with our karma. When we enter the physical body we are torn from this world in which habits do not exist—this world which is subject only to the uninterrupted impulses of higher spiritual beings. To a degree we still possess an echo of our condition in the spiritual world when we enter physical existence. This expresses itself in the way we behave as children up to the age of seven. As children we follow habits less and are more under the influence of imitation. At first we begin to do things under the direct influence of what is happening around us: we imitate the examples that are shown to us. This is an echo of the way we had to act in the spiritual world. There it was necessary for us to receive an impulse for every single thing we did. That is why children imitate to begin with, directly following the impulses that come to them. Independence, the capacity of the soul to act independently, only emerges in the course of time, just like the capacity to live in accordance with habits.

[ 11 ] Gedächtnis und Gewohnheitsmäßiges sind wichtige Ingredienzien unseres Seelenlebens, sind bedeutsam und sind gewissermaßen Metamorphosen, Umgestaltungen von ganz andersartigen Tatsachen in der geistigen Welt. Gedächtnis ist eine Umgestaltung der Entstehung von bleibenden Spuren der imaginativen Traumerlebnisse; Gewohnheit entsteht durch ein Sich-Entreißen gegenüber den Impulsen höherer geistiger Wesenheiten.

[ 11 ] Both memory and habits are important ingredients of our soul life. Both these significant elements of our soul life are metamorphoses. They are transformations of quite other conditions in the spiritual world. Memory is a transformation of the way imaginative dream experiences leave their traces behind them in the spiritual world; habit arises when one is torn free from the impulses of higher spiritual beings.

[ 12 ] Wenn man so etwas betrachtet, wie wir das eben jetzt getan haben, dann bekommt man durch Überlegen solcher Dinge einen gewissen Begriff, den man braucht, von der ganz andersartigen Beschaffenheit der Welt, die jenseits der Schwelle liegt, gegenüber der Welt, die diesseits der Schwelle liegt. Denn das muß immer wieder und wiederum betont werden: Jenseits der Schwelle ist doch alles anders. Wenn wir uns auch bemühen, durch eine gewisse Anwendung der Worte, die im Gebrauche sind für die physische Welt, die geistige Welt zu charakterisieren, so müssen wir uns doch immer wieder und wiederum klarmachen, daß wir adäquate, richtige Vorstellungen von der geistigen Welt doch nur dadurch erhalten, daß wir uns schon bequemen, nach und nach diese Vorstellungen über die geistige Welt möglichst anders zu gestalten, als es die Vorstellungen über die physische Welt sind.

[ 12 ] Looking at these matters in the way we have just done enables one to arrive at a concept of how differently constituted from the world on this side of the threshold is the world on the other side of the threshold. We need to be able to think in this way. Again and again it must be emphasised: On the other side of the threshold everything is different. We go to the trouble to characterise the spiritual world by using words that apply to the physical world, it is true. But again and again it must be made clear that we have to gradually accustom ourselves to shaping these pictures in a manner that is as different as possible from that in which we picture the physical world. Only in this way can we ever arrive at adequate and correct pictures of the spiritual world.

[ 13 ] Zu gleicher Zeit aber bekommen wir durch eine solche Betrachtung, wie die eben angestellte, einen Einblick in die Wichtigkeit und in das Wesentliche unseres physischen Erdendaseins. Es ist ein völliger Unsinn, wenn geglaubt wird, das physische Erdendasein sei etwas, das der Mensch gering schätzen darf. Ich habe von verschiedenen Gesichtspunkten her schon auf diesen Irrtum aufmerksam gemacht. Das physische Erdendasein hat ebenso seine Aufgabe in der Gesamtentwickelung der Menschheit wie alle anderen Phasen der menschlichen Entwickelung. Daß wir mit unserer seelischen Entwickelung einen physischen Leib haben und durch diesen physischen Leib gewisse Erdenerlebnisse unter dem Einflusse des Gedächtnisses und des Gewohnheitsmäßigen durchmachen, das gibt uns bleibende, ewige Errungenschaften. Nach und nach, durch die wiederholten Erdenleben, eignen wir uns diese Errungenschaften an. Daher müssen wir auch immer wieder und wiederum, wenn wir die Zeit durchleben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, gewissermaßen zurückkehren zu dem vom Monde her Gewohnten, müssen gewissermaßen die Kraft des Gedächtnisses abgeben — was wir ja gleich nach dem Tode tun — und der Weltensubstantialität dasjenige übergeben, was wir während des Erdenlebens nur in uns selbst eingraviert haben. Und wir müssen uns wiederum übergeben den Impulsen der höheren geistigen Wesenheiten, damit wir dann im irdischen Leibe diese Fähigkeiten, Impulsen höherer geistiger Wesenheiten zu folgen, umwandeln in Gewohnheitsmäßiges.

[ 13 ] At the same time, considerations such as the preceding ones give us a glimpse of what is important and essential to our earthly existence. It is utter nonsense to believe that earthly existence should be valued lightly. I have already drawn your attention to this mistake, from various points of view. Like all the other phases of human development, earthly, physical existence has its purpose. We reap permanent, eternal gains from what our soul experiences by having a physical body and by way of what we experience under the influence of memory and habit, which are gifts of the physical body. Gradually, in the course of repeated Earth lives, we acquire these gains. Again and again, therefore, we have to more or less give up the power of memory and return to the state to which we were accustomed during Old Moon; we have to give back to the substance of the cosmos what has been engraved in us during our life on Earth. And this is what does happen as soon as we die. We have to submit ourselves to the impulses of the higher spiritual beings once more in order that the ability to follow their impulses can be translated into habit when we have returned to an earthly body.

[ 14 ] Hier ist aber auch eine Stelle, wo ich aufmerksam machen darf wiederum auf etwas, was ich schon öfter gesagt habe, was man aber im Grunde genommen nicht genug betonen kann, weil es sehr, sehr wichtig ist. Gedächtnis und Gewohnheitsmäßiges eignen wir uns an während des Erdenlebens. Betrachten wir zunächst einmal das Gedächtnis. Dieses wird uns, wenn wir es so betrachten, wie wir es eben getan haben, wie eine naturgemäße Errungenschaft des Erdendaseins erscheinen. Sie wissen ja auch, der Mensch mag noch so schwach sein in bezug auf sein Gedächtnis, er wird immer die Kraft, die Fähigkeit des Gedächtnisses entwickeln. Denken wir uns einmal, es würde nichts anderes geschehen zur Entwickelung unseres Gedächtnisses als das, was völlig natürlich ist, was gerade ganz recht ist, um es so zu entwickeln, so wie es sich entwickeln soll durch den Einfluß des vom Mineralischen durchsetzten physischen Erdenorganismus, dann würden wir dieses Gedächtnis anders entwickeln, als wir es eigentlich gewöhnlich entwickeln. Wir tun sonst noch viel mehr, und Sie wissen alle, daß wir viel mehr tun. Man könnte vielleicht besser sagen, daß viel mehr mit uns zur Entwickelung dieses Gedächtnisses getan wird. Wir lernen auswendig. Wir werden von einem gewissen Zeitpunkte unserer Kindheitsentwickelung an gehalten, auswendig zu lernen, zu memorieren. Da ist ein Unterschied, ob wir uns unser Gedächtnis nur so aneignen, wie es gewissermaßen von selber kommt, oder ob wir gehalten werden, mehr zu tun, als von selber kommt. Wenn wir ein Gedicht recht oft lesen, wenn es uns recht oft vorgesagt wird, behalten wir es zuletzt. Aber damit begnügt sich ja unsere Erziehung heute nicht, sondern wir werden angehalten, das Gedicht zu memorieren. Wir werden sogar bestraft, wenn wir es nicht memoriert haben, wenn uns dies geboten war. So ist es insbesondere in dem heutigen Entwickelungszyklus der Menschheit.

[ 14 ] At this point I should also to draw your attention to something I have already mentioned frequently in the past, for it is very, very important and cannot be repeated often enough. We acquire memory and habits during our life on Earth. For a start, let us look at memory. Considering it as we just have done, memory seems to be a natural gift of the Earth. And, as you know, a person can always develop the power and ability to remember, no matter how weak his memory seems at the time. Suppose that, as memory developed, nothing were to happen except what is entirely natural—nothing but what is precisely in accordance with the way in which it would develop under the influence of the mineral forces at work in the physical organism of the Earth. In that case we would not develop a memory such as the one to which we are accustomed. Normally we do much more than this—you all know that we do much more toward developing a memory. Perhaps it would be better to say, more is done to us. We learn things by heart. After a certain age we are required to learn things by heart, to memorise them. It makes a difference whether our memory is acquired by simply allowing it to develop more or less of itself, or whether we are required to do more than would just happen automatically. Eventually we retain a poem if we read it often enough or if it is recited to us frequently. But this is not sufficient for education these days; in addition we are required to memorise poems. Why, we are even punished if we have not memorised the poem assigned to us. This is how things are in the present cycle of human development.

[ 15 ] Ich bitte, mich jetzt wirklich nicht mißzuverstehen! Es sollte niemand sein, der etwa sagt, ich hätte heute gegen das Memorieren gedonnert und gesagt, es müsse abgeschafft werden. Das sage ich nicht! Unsere Zeit ist schon so, daß gewisse Dinge memoriert werden müssen, weil unser Entwickelungszyklus eben eine ganz bestimmte Art der Ausbildung unseres Gedächtnisses darstellt.

[ 15 ] I ask you, please, do understand what I am now saying. No one should go about saying that today I was thundering on about memorising, saying it should be done away with. That is not what I am saying! In our time it really is necessary for us to memorise certain things, for our cycle of development requires that our memory be trained in a quite particular way.

[ 16 ] Aber was geschieht denn mit unserer Seele, wenn also durch Memorieren der naturgemäßen Aneignung von Gedächtnisstoff zu Hilfe gekommen wird? In diesem Falle wird Luzifer angerufen. Und es ist richtig die luziferische Kraft, die angerufen wird, um also dem Gedächtnisse zu Hilfe zu kommen. Noch einmal betone ich: Sagen Sie jetzt nicht: Oh, Luzifer, vor dem muß man sich hüten! Also schaffen wir von jetzt ab alles Auswendiglernen für unsere Kinder ab! — Das eben ist die schlechte Eigenart, die sich manche aneignen, daß sie immer wieder und wiederum glauben, vor Luzifer und Ahriman müsse man sich hüten, müsse alles tun, damit ja nicht Luzifer und Ahriman an uns herankommen. — Dann kommen sie erst recht heran, wenn man sich hütet! Mit luziferischen und ahrimanischen Kräften muß gerechnet werden in der Weltenentwickelung. Sie müssen der Weltenentwickelung einverleibt werden, und es handelt sich nur darum, daß dies in der rechten Weise geschieht.

[ 16 ] What, then, happens in our souls when memorising is brought in to help our natural inclination to acquire a memory? In this case, we summon Lucifer. And it is right that luciferic forces be called in to help build memory. Once more I want to emphasise that you are not to say: Oh, one must protect oneself from Lucifer; let us cease requiring our children to memorise anything! This is a bad habit that some have acquired. Again and again they express the belief that one must protect oneself from Lucifer and Ahriman by doing everything possible to prevent them from having access to us. The person who tries to protect himself from them is the one to whom they really do have thorough access! Luciferic and ahrimanic powers must be reckoned with in world development. They must retain their place in it; what matters is that this happen in the right way.

[ 17 ] Betrachten wir den speziellen Fall: Warum muß denn eine luziferische Kraft in dieser Art beim Gedächtnisse angerufen werden? In einer der heutigen Menschheit gar nicht mehr bewußten Art hatte das Gedächtnis in alten, aber gar nicht weit zurückliegenden Zeiten der Menschheitsentwickelung eine ganz andere Stärke als heute. Wir brauchen verhältnismäßig lange, um uns eine längere Dichtung anzueignen. So lange brauchten die alten Griechen nicht, Eine große Zahl der alten Griechen kannte von Anfang bis zum Ende die homerischen Gesänge. Aber sie memorierten nicht in der Weise, wie wir heute auswendig lernen. Es war eben die gedächtnismäßige Kraft dieser Zeit anders ausgebildet. Was geschah denn eigentlich dazumal in diesem vierten nachatlantischen Zeitraum? Es geschah gewissermaßen eine Wiederholung desjenigen, was in noch stärkerem Maße im atlantischen Zeitraum selbst geschehen ist, und was ich schon dargestellt habe in den Aufsätzen, die über die atlantische Entwickelung handeln. Das, was vom Mond noch herübergekommen war wie eine Kraft, die fähig macht, wie einen Kometenschweif die traumhaften imaginativen Erlebnisse nachzuziehen, diese Kraft ging gewissermaßen von einer solchen äußeren, im Wechselverkehre mit der Welt sich abspielenden Kraft in das Innere über. Durch dieses Übergehen in das Innere entwickelte sich beim atlantischen Menschen das Gedächtnis wie ein erstes Aufleuchten an etwas, was ihm die Welt dazumal wie von selber gab. Und während der atlantischen Zeit brauchte sich wahrhaftig der Mensch nicht sehr anzustrengen, um das Gedächtnis zu entwickeln, denn es war wie ein Hereinfließen desjenigen, was eine Kraft im äußeren Verkehr mit der Welt war, in das Innere des Menschen. Und dieses wiederholte sich für den vierten nachatlantischen Zeitraum. Im Innern war gewissermaßen eine Wiederholung da desjenigen, was früher, ohne daß der Mensch etwas dazu tat, sich im Wechselverkehre mit der Welt abspielte.

[ 17 ] Let us look at a special case: Why is it necessary to call upon luciferic powers to help us to develop memory? The people of today are no longer aware of it but, in the past, in times not so long ago in the development of humanity, memory was of a different strength than is the memory of today. We need a relatively long time to memorise a longer poem. The ancient Greeks did not need so much time. Many of the ancient Greeks knew the Homeric poems from beginning to end. But they did not learn them in the fashion in which we memorise things today, for then the power of memory was constituted differently. How were things memorised during the fourth post-Atlantean epoch? What happened in those days was a kind of repetition of what had happened to an even greater degree in the Atlantean period itself, and which I have described in my writings about development in the time of Atlantis. On Old Moon there were powers which made it possible to draw behind one the contents of dreamlike imaginative experiences, like the tail of a comet. These powers from Old Moon were carried over and were transformed from a more outward power, which involved interaction with the world, into a more inward power. As it was transformed into an inward power, memory began to awaken in Atlantean humanity and the world seemed to bestow it on them automatically. And in Atlantis man did not have to exert himself very much to develop his memory, for it was like a power which he encountered in his dealings with the external world and which flowed into him from there. This state of affairs was repeated during the fourth post-Atlantean epoch. Then what had previously happened to him in his interactions with the world without his needing to do anything further about it, was to a certain extent repeated within the human being.

[ 18 ] Indem der Mensch nun eingetreten ist in den fünften nachatlantischen Zeitraum, muß er immer mehr und mehr Anstrengung verwenden, um die Gedächtniskraft zu seiner eigenen zu machen. Damit sie beizutragen hat zu seiner Individualisierung und zu seiner Freiheit, dazu muß dasjenige, was wie von selbst kam während der atlantischen Zeit und in der Wiederholung im vierten nachatlantischen Zeitraum, angeeignet werden. Immer, wenn später etwas angeeignet wird, was eigentlich einer früheren Kraft entspricht, wenn also dem Gedächtnis zu Hilfe gekommen wird mit Kräften, die früher naturgemäß waren, so haben wir es mit einer luziferischen Wirkung zu tun. Indem wir künstlich dasjenige hereintragen in unsere Zeit, was naturgemäß war in der Griechenzeit, das selbstverständliche Sich-Aneignen des Gedächtnisses, wird es zum Luziferischen. Dadurch aber, daß Sie dieses Luziferische so vor Ihre Seele treten lassen, verspüren Sie die Rolle, die Luzifer in der Menschheitsentwickelung hat. Sie müssen sie verspüren, wenn die Dinge so geschildert werden. Ihm waren gewissermaßen noch Grenzen gesetzt in der griechisch-lateinischen Zeit. Er war noch an seinem Platze. Jetzt ist er nicht mehr in derselben Weise an seinem Platze. Jetzt muß der Mensch, um das Gedächtnis weiter auszubilden, ein Bündnis mit ihm eingehen. Der Mensch muß aus einer Selbsttätigkeit heraus für sein Gedächtnis das tun, was ohne sein Zutun mit ihm geschah noch während der griechisch-lateinischen Zeit. Aber dadurch wird das, was während der griechisch-lateinischen Zeit mit ihm geschah, heute zu einer luziferischen Tat.

[ 18 ] Now that man has entered the fifth post-Atlantean epoch, he finds it increasingly necessary to exert himself in order to acquire the power of memory. What came to him automatically during the time of Atlantis, and again during the fourth post-Atlantean epoch, must now be made his own so that it can contribute to his individualisation and freedom. Whenever something is required that really corresponds to a previous ability—as when powers that were once natural are summoned to help build memory—we are dealing with a manifestation of Lucifer. Whenever we artificially call upon something in our age that was natural in the age of Greece, something like the effortless acquisition of memory, it becomes luciferic. But in order to summon up a strong impression of this luciferic element in your souls be aware of the role that Lucifer has played in the development of humanity. You must be aware of this as we describe these things. During the Greco-Roman times Lucifer was more or less kept within bounds. He was still in his rightful place. But he is no longer kept in his rightful place in the same way. Now, in order for man to be able to further develop his memory, it is necessary for him to enter into an agreement with Lucifer. Now it has become necessary for man to do something actively for his memory; during the Greco-Roman epoch memory came of itself without his needing to do anything further about it. Thereby what merely happened to the human being during the Greco-Roman epoch today has become a luciferic deed.

[ 19 ] In dem Augenblicke aber, in dem also eine luziferische Tätigkeit auftritt, kommt gewissermaßen auch die andere Seite der Waage in Tätigkeit: das Ahrimanische. Und während wir auf der einen Seite memorieren, also Luzifer zu Hilfe rufen für das Gedächtnismäßige, hat die Menschheit immer mehr und mehr die andere, die ahrimanische Unterstützung des Gedächtnisses entwickelt, das Aufschreiben. Denn ich habe öfter schon angedeutet: Dies ist eine richtige Empfindung der Menschen des Mittelalters noch gewesen, daß sie insbesondere die Druckkunst als eine «schwarze Kunst» empfunden haben.

[ 19 ] In the same moment that luciferic activity appears, however, the other side of the balance becomes active: the ahrimanic side. And, on the one hand, at the same time that humanity has been memorising things and thus calling on the assistance of Lucifer to build their memory it has, on the other hand, also been developing an ahrimanic support for memory by writing things down. On frequent occasions I have indicated that the people of the Middle Ages were not mistaken in feeling that printing was a particularly ‘black art.’

[ 20 ] Aber dieses ganze Zu-Hilfe-Kommen dem Gedächtnisse von außen ist etwas Ahrimanisches. Ich sage wieder nicht, daß es richtig ist, alles Ahrimanische zu fliehen, obwohl gerade auf diesem Gebiete vielleicht innerhalb unseres Kreises zu viel getan wird in der Anrufung von Ahriman. Man liebt ihn gerade allzusehr!

[ 20 ] But everything that aids memory externally is to some degree ahrimanic. Again, I am not saying that it is right to flee from everything that is ahrimanic, although perhaps it is precisely in our circles that too much is done to call up Ahriman. One loves him far too much!

[ 21 ] Aber das ist ja eben die Aufgabe des Menschen, daß er Gleichgewichtslage entwickelt, daß er nicht glaubt, er könne so ohne weiteres Luzifer und Ahriman entgehen! Sondern seine Aufgabe ist, kühn und mutig und kraftvoll sich zu gestehen, daß beide Wesensarten zur Weltenentwickelung nötig sind, und daß er in seiner Entwickelung die Kräfte, die von ahrimanischer und luziferischer Seite kommen, für seine eigene Betätigung zu gebrauchen hat, daß er aber das Gleichgewicht zwischen Ahriman und Luzifer herzustellen hat auf den verschiedensten Gebieten. Die Waage müssen sie sich halten, Ahriman und Luzifer, und so müssen wir unsere Betätigung anlegen, daß sie sich die Waage halten können. Aus diesem Grunde mußten auch während der Erdenentwickelung das luziferische und das ahrimanische Element eingreifen. Und aus den letzten Betrachtungen wissen wir ja, daß als das bedeutsame Symbolum für das Eingreifen des luziferischen Elementes dasjenige anzusehen ist, das da steht im Beginne des Alten Testamentes, wo hereingreifen luziferische Kräfte in die Erdenentwickelung auf dem Umwege durch das Weib, und wo auf dem Umwege durch das Weib der Mann verführt wird. In diesem Symbolum wird uns das Hereingreifen des luziferischen Elementes, das wir versetzen in die lemurische Zeit, in der Bibel symbolisiert.

[ 21 ] Herein lies the task of mankind—to establish a position of balance, and not believe that Lucifer and Ahriman are to be escaped without more ado! It is rather to confess, boldly, courageously and energetically, that these two kinds of beings are necessary to world development and that the powers coming from the ahrimanic and luciferic sides are there for man to put to use in his own activities and development. These are there for man to use, but it also is necessary for him to establish a balance between Lucifer and Ahriman in the most varied spheres. Lucifer and Ahriman must balance each other. So we must pursue our activities in such a way that they are able to balance one another. This is the reason why it was necessary for the luciferic and ahrimanic elements to intervene in Earth evolution. And from our previous studies we know that the description that stands at the beginning of the Old Testament is an important symbol for the intervention of the luciferic element. There it is described how woman tempts man and how the luciferic element intervenes—indirectly, through woman—in the development of the Earth. This is how the intervention of the luciferic element, which we locate in the Lemurian period, is symbolised in the Bible.

[ 22 ] Dann folgte daraufhin während der atlantischen Zeit das Eingreifen des ahrimanischen Elementes in die Erdenentwickelung. Und so wie es brauchte der menschlichen Erkenntnisse während des vierten nachatlantischen Zeitraumes, um bis zum Bibelverständnis des luziferischen Symbolums zu kommen, so brauchte es des fünften nachatlantischen Zeitraumes, um gewissermaßen das Gegensymbolum — ich habe dies schon früher erwähnt — in einer heute noch zwar unzureichenden, aber schon hinlänglich angedeuteten Art vor die Menschenseele zu führen. Die Faustgestalt hat Ahriman an ihrer Seite, wie Eva Luzifer; wie Luzifer unmittelbar an das Weib herantritt, so Ahriman an den Mann, Faust. Und so, wie der Mann, Adam, auf dem Umweg durch Eva verführt wird, so wird das Weib, Gretchen, auf dem Umwege durch den Mann, Faust, belogen. Denn der Verführung Gretchens liegt das Belogenwerden zugrunde, weil Ahriman im Spiele ist, den wir gegenüber dem Verführergeiste Luzifer als den Lügengeist bezeichnen können. Das ist eine von den Bezeichnungen, die wir anwenden können: Luzifer der Verführer, Ahriman der Lügner.

[ 22 ] The intervention of the ahrimanic element followed after that, during the Atlantean period. And, just as a knowledge of the human being was required in the fourth post-Atlantean period in order to understand the biblical symbol of Lucifer, so today the fifth post-Atlantean period needs this knowledge in order to begin to understand the counter-symbol and be able to present it to the human soul in an adequately sketched, if incomplete, fashion. (I have mentioned this earlier.) Just as Lucifer stands at the side of Eve, so Ahriman stands at the side of Faust; and just as Lucifer approaches woman directly, so does Ahriman directly approach man. Just as man is tempted indirectly through woman, Gretchen is indirectly lied to through Faust. Since Ahriman is the one who is at work, lies are the means by which Gretchen is tempted. Ahriman is the spirit of deception whom we can picture as standing opposite Lucifer, the spirit of temptation. This is one way we can name them: Lucifer, the tempter, and Ahriman, the deceiver.

[ 23 ] Es gibt vieles in der Welt, welches rein zu dem Zwecke da ist, um den Menschen zu bewahren vor der luziferischen Verführung. Regeln, Anleitungen, moralische Impulse, die beschrieben werden, gibt es, um den Menschen zu behüten vor der luziferischen Verführung, Einrichtungen innerhalb der Menschheitsentwickelung und so weiter. Weniger ausgebildet, kann man sagen, ist heute noch dasjenige, wodurch sich der Mensch in der richtigen Art hüten kann vor dem ahrimanischen Fall, vor dem Fall in die Unwahrhaftigkeit.

[ 23 ] There is much in the world that is there purely for the purpose of protecting mankind from luciferic temptation. There are rules, teachings, descriptions of moral impulses, and institutions established in the course of human development—all these are there to protect mankind from luciferic temptations. Today, the right means for protecting oneself from the ahrimanic fall, the fall into untruth, are much less developed.

[ 24 ] Alles, was Luziferisches im Menschen ist, hat mit Leidenschaftlichem, Emotionellem zu tun. Dagegen alles, was als Ahrimanisches sich geltend macht innerhalb der menschlichen Entwickelung, hat mit Unwahrem, mit Lügenhaftem zu tun. Und in unserer heutigen Zeit ist es notwendig, daß der Mensch nicht nur gewappnet ist gegen luziferische Anfechtungen, sondern auch, daß er beginnt, gegen die ahrimanischen Anfechtungen sich zu wappnen.

[ 24 ] All the luciferic parts of the human being are related to the passions and emotions. Where falsehood and deception play a role, however, one can feel Ahriman at work in man's development. In our time it is not only necessary for people to arm themselves against luciferic challenges. They must also prepare themselves against the challenges of Ahriman, now that he has entered the field.

[ 25 ] Dieses ist gewissermaßen an Impulsen in der Faustdichtung doch enthalten, wie der Mensch bis in das Mißverständnis der Worte hinein dem Ahriman verfallen kann. Wie Faust durch verschiedene ahrimanische Gefahren durchgegangen ist, das stellt uns Goethe in der Faustdichtung schön dar. Es sind zwar bunt durcheinander gemischt Luzifer und Ahriman, aber aus den heute und schon früher angedeuteten Gründen hat Goethe für seine Faust-Dichtung mit Recht den Ahriman gewählt und nicht den Luzifer. In dem, was Sie im ersten und im zweiten Teil erfahren, ist schon viel Ahrimanisches, bis zu jenem Punkte, wo es in das Mißverstehen der Worte hineinspielt. Von einem Graben, meint Faust am Schlusse des zweiten Teils, werde geredet; von einem Grab ist die Rede! Graben — und Grab! Bis in das Mißverstehen der Worte tönt der Impuls des Ahriman hinein. Das hat Goethe in außerordentlich feinsinniger Weise gemacht, daß er überall da, wo er in mehr instinktiver als bewußter Weise, richtige ahrimanische Impulse hat, das Unwahre, das im Leben Schiefstehende klar und scharf in die FaustDichtung hineinverweben kann. Das einzusehen ist außerordentlich wichtig.

[ 25 ] Some of this is contained in the Faust poems, which show how man can fall to Ahriman, even in such a matter as the misunderstanding of words. In his Faust, Goethe gives us a fine picture of how Faust passes through various ahrimanic dangers. There are various confusions between Lucifer and Ahriman, to be sure, but for reasons mentioned today and previously, Goethe was right to use Ahriman rather than Lucifer in his own Faust. There is much in both the first and second parts that is ahrimanic, right into such details as the role of misunderstood words. At the end of the second part there is a conversation. Faust believes the talk is about some diggings; but a grave is what is actually meant! ‘Graben’ (to dig, en-grave)—and ‘Grab’ (grave) are the words! Ahriman's impulse resounds here, right into the misunderstanding of ambiguous words. Goethe had an extraordinarily fine sense for representing ahrimanic impulses. In a manner more instinctive than conscious he wove untruth and distortion into those places in Faust where ahrimanic impulses are at work. It is very important to understand this.

[ 26 ] Wie nun gewissermaßen Gedächtnis und Gewohnheitsmäßiges Metamorphosen, Umwandlungen von Betätigungsweisen in der geistigen Welt sind, so ist auch das, was wir uns im weiteren für die geistige Welt angeeignet haben, wiederum Umwandlung von dem, was wir uns hier in der physischen Welt aneignen, was wir hier ausprägen. Betrachten wir etwas, was gewissermaßen zuerst in der physischen Welt auftritt. Gedächtnis und Gewohnheitsmäßiges haben wir ja charakterisiert als Umwandlungsprodukte, als Metamorphosen von GeistErlebnissen der früheren Zeit. Was aber zuerst in der physischen Welt auftritt, das ist zum Beispiel das Verhältnis unseres Vorstellens zu den äußeren Gegenständen. Die Gegenstände sind um uns herum. Wir machen uns in unseren Vorstellungen Abbilder. Und das Zusammenstimmen der Abbilder, die wir uns in unseren Vorstellungen machen, mit den Gegenständen, nennen wir die physische Wahrheit, die Wahrheit des physischen Plans. Etwas ist nicht wahr auf dem physischen Plan, was wir als Vorstellung so ausdrücken, daß es nicht sein richtiges Vorbild auf dem physischen Plan hat. Wenn wir von physischer Wahrheit reden, so besteht diese durchaus darinnen, daß das, was wir uns vorstellen, mit der Tatsache des physischen Planes übereinstimmt. Daß ein solches Wahrheitsverhalten eintreten kann, dazu ist überhaupt notwendig, daß wir in einem physischen Leibe leben und durch ihn äußere Dinge ansehen. Es wäre ein völliger Unsinn zu glauben, daß ein solches Wahrheitsverhalten auf dem alten Monde schon hätte stattfinden können. Das ist eine Errungenschaft während des Erdenlebens. Und dadurch, daß wir den physischen Erdenleib uns aneignen, tritt überhaupt zuerst diese Übereinstimmung der Vorstellungen mit den äußeren Gegenständen ein. Damit ist aber Ahriman sein Wirkungsfeld angewiesen. Wie ist es ihm angewiesen?

[ 26 ] Just as memory and habit are to a certain degree metamorphoses and transformations of modes of activity in the spiritual world, so also are there further capacities which we develop in the spiritual world which are transformations of what we have acquired here in the physical world and what has been revealed here. We have been characterising memory and habit as the results of transformations, as metamorphoses of spiritual experiences of an earlier time. But some things, for example, such as the relationship of our ideas to external objects, only appear for the first time in the physical world. Objects surround us. We picture them in our thoughts. What we call physical truth is the agreement of our ideas with the objects; this is truth on the physical level of existence. If we express an idea for which the physical plane does not provide a proper model, then it is not true. Whenever we speak of physical truths this always refers to an agreement between what we are thinking and the physical facts. In order to relate to the truth in this manner it is necessary for us to live in a physical body and be able to use it to look at external things. It would be nonsense to imagine that such a relation to the truth could already have existed on Old Moon. That is an accomplishment of life on Earth. Only when we acquire a physical body is something like this agreement between ideas and external objects possible. This, however, provides Ahriman with his field of action. And how does this provide him with it?

[ 27 ] Gerade an so etwas, wie es jetzt gesagt wird, verspüren Sie, wie die Wechselverhältnisse zwischen der geistigen und der physischen Welt sind. Ahriman hat seine gute Aufgabe in der geistigen Welt und soll auch gewisse Wirkungen in die physische Welt hereinsenden. Aber er darf nicht hereinkommen in die physische Welt! Denn das Gebiet muß ihm entzogen sein, das bewirkt, daß unsere Vorstellungen, die wir uns im physischen Leib aneignen, mit äußeren Gegenständen übereinstimmen. Wenn er Tätigkeiten, die er noch für die Mondenzeit hatte, herein in das Erdenleben bringt, so stört er das Übereinstimmen unserer Vorstellungen mit den äußeren Gegenständen. Da muß er sozusagen wenn ich mich symbolisch ausdrücken darf — die Finger weglassen davon, wie der Mensch seine Vorstellungen übereinstimmend macht mit dem, was als äußere Gegenstände oder als äußere Tatsachen vorhanden ist. Aber er tut es nicht, Ahriman, er tut es wahrhaftig nicht! Denn täte er es, ließe er die Finger weg, dann würde in der Welt nicht gelogen!

[ 27 ] Matters such as those we have just been talking about give one a feeling for the interconnections between the spiritual world and the physical world. Ahriman has a proper task in the spiritual world and he should also exercise a certain influence on the physical world. But he should not actually enter the physical world! He should not be admitted to matters involving the agreement between external objects and the ideas we acquire through our physical bodies. He carried out certain activities on Old Moon. If he is allowed to carry out those same activities here on Earth he distorts the connection between our ideas and external objects. Wherever man is engaged in bringing his ideas into agreement with external objects and external facts Ahriman is supposed to keep his fingers off—if I may express myself symbolically. But he does not keep them off, not Ahriman—truly not! If he kept his fingers off there would be no lying in the world!

[ 28 ] Nun weiß ich nicht, ob man zu beweisen braucht, daß in der Welt doch gelogen wird. Wenn aber in der Welt gelogen wird, so ist das ein Beweis dafür, daß Ahriman sich in einer ihm nicht gebührenden Weise betätigt in der physischen Welt. Diese Betätigung Ahrimans in der physischen Welt gehört nun zu demjenigen, was der Mensch überwinden muß. Sie könnten allerdings leicht sagen: Es ist vieles Schöne in der Welt, aber manches ist doch auch stümperhaft; ein ganz vollkommener Herrgott hätte vermocht, die Menschen so zu schaffen, daß sie gar nicht verfallen würden darauf, zu lügen. Dieser Herrgott hätte dem Ahriman gesagt: In der physischen Welt hast du nichts zu suchen! — Nun hat aber dieser Herrgott nicht vermocht, diesen Ahriman von der physischen Welt abzuhalten, also ist der Herrgott doch nicht so vollkommen! So könnte man sagen. — Und es gibt ja nicht nur Ahriman, der sogar ein gewisses Wohlgefühl darinnen hat, das Schlechte auf der Erde anzuerkennen in dem Sinne, wie wir es heute wieder von ihm gehört haben, sondern auch Philosophen, die aus den schlechten Eigenschaften der Menschen einen Pessimismus herleiten. Es hat pessimistische Philosophen im neunzehnten Jahrhundert gegeben, ja es gibt sogar solche, welche nicht nur einen Pessimismus, sondern einen «Miserabilismus» vertreten. Das ist durchaus auch eine Weltanschauung, die es gibt! Julius Bahnsen vertritt nicht nur einen Pessimismus, sondern einen «Miserabilismus».

[ 28 ] Now I am not sure whether it is necessary to prove that there is still lying in the world. But, if there is lying in the world, then it is proof that Ahriman is at work there in a manner in which it is not proper for him to work. This activity of Ahriman in the physical world is one of the things that humanity must overcome. You might say, though: There is much beauty in the world, but in some respects it really is a bungled job; if God the Father were entirely perfect He would have created human beings in such a way that they could not stoop to lying. Such a Father God would have told Ahriman that he is to have nothing to do with the physical world! And, as we have again heard today, Ahriman is not the only one who takes a certain pleasure in discovering what is wrong with the world. There are also philosophers of Pessimism about, philosophers who derive their views from the negative qualities of humanity. The nineteenth century produced not only some pessimistic philosophers, but also some who went beyond Pessimism to become representatives of ‘Miserable-ism.’ Among the other views of the world, that one also emphatically exists! Julius Bahnsen29Julius Bahnsen (1830 – 1881). was not only a pessimist, he was a ‘miserablist’.

[ 29 ] Warum ist denn Ahriman eigentlich zugelassen worden für die physische Welt? Ich habe Ihnen an einem Beispiel in einer der letzten Betrachtungen gezeigt: er ist stark zugelassen worden. Nicht wahr, es wurde ein Vorgang verabredet, der sich genau so abspielte, wie ich es Ihnen geschildert habe: nicht etwa gewöhnliche Beobachter, sondern dreißig juristische Studenten und junge Juristen — also Menschen, die sich dazu vorbereiten sollen, später menschliche Handlungen zu beurteilen — waren Zuschauer bei diesem Vorgang, der also fest vorgeschrieben war, wo man alles einzelne, das geschieht, wußte. Wenn nun nach einem solchen Vorgang diese dreißig Leute gefragt werden und sechsundzwanzig ihn falsch schildern und nur vier richtig, und zwar auch die vier nicht ganz, sondern nur annähernd, dann sehen Sie daraus, was es für eine Bewandtnis hat mit dem Herstellen der richtigen Beziehung zwischen der menschlichen Vorstellung und der äußeren physischen Tatsache. Dreißig Menschen können vor einem Vorgang sitzen, der programmäßig sich abspielt, wie man ihn vorher stipuliert hat, und sechsundzwanzig davon schildern ihn ganz falsch! Da sehen Sie Ahriman in seiner Wirksamkeit! Da sehen Sie, wie er da ist! Aber wenn er nicht da wäre? Wir wären ja gewiß Lämmer in einer gewissen Beziehung, denn der Impuls, nie etwas anderes als Vorstellung zu bilden als dasjenige, was wir als Tatsache vor uns haben, würde in uns sein, und wir würden stets durch unsere Sprache nur dasjenige durchgehen lassen, was wir als Tatsache beobachtet haben. Aber wir würden es müssen! Von Freiheit wäre nicht die Rede! Wir würden es müssen, es könnte niemals anders sein, und wir könnten niemals freie Wesen werden. Um als freie Wesen die Wahrheit zu sagen, müssen wir die Fähigkeit haben zu lügen, müssen uns aneignen die Kraft, gewissermaßen jedesmal den Ahriman in uns zu besiegen. Er muß da sein, daß er «reizt und wirkt» und «als Teufelschafft». Da verspüren Sie,wie er da sein muß, der Ahriman, und wie das Fehlerhafte nur darinnen besteht, daß man ihm so unmittelbar folgt und nicht ihn betrachtet als denjenigen, der reizt und wirkt und als Teufel schafft, und der überwunden wird. Das Fliehen, von dem manche sprechen, das Mit-langemGesichte-Sagen: Ist das aber nicht vielleicht etwas Ahrimanisches? Darauf darf ich mich nicht einlassen! — so wie es in vielen Fällen gemeint ist, bedeutet nichts anderes als ein bequemes Hinwenden zu Luzifer in Unfreiheit.

[ 29 ] Why, then, is Ahriman allowed into the physical world? In the last lecture I gave you an example of how strongly he is permitted to work in the world. As you will recall, I described how an event was arranged so that it would go according to an exact plan. This event was observed, not by the usual kind of audience, but by thirty young lawyers and students of jurisprudence—in other words, by men who were preparing themselves to become judges of human deeds. The event had been planned beforehand so that what was going to happen was known in detail. What the experiment demonstrated about establishing a correct relationship between how people think about happenings in the external world and what actually goes on is shown by what occurred after the event. The thirty were asked to describe what had happened. Twenty-six of them gave a false description; only four could give a true description and even their descriptions were only approximations of the truth. Thirty people witness an event that follows a carefully prepared plan and it is possible for twenty-six of them to give thoroughly false descriptions of it! That shows you how effective Ahriman is! There you can see how actively present he is! But what would happen if he were not there? Then we certainly would be some kind of lambs. We would feel the impulse to think of things exactly in accordance with the facts before us, and we would consistently allow ourselves to speak only about the facts we observe. But we would have to do this! There could be no talk of freedom! We would have to act in this way; we never could act otherwise; and we never could become free beings. If we are to be able to speak the truth as free beings it must be possible for us to lie, and we are therefore obliged to develop within ourselves the power to conquer Ahriman every time we speak. He has to be there, ‘provocative and active, doing his devil's work’. Those words should give you a picture of Ahriman's presence and of how error only occurs when we follow him directly instead of remembering that he is the one to be overcome as, provocative and active, he goes about his devil's work. Some speak about flight. They say, pulling long faces: ‘But is this not perhaps something ahrimanic? Oh, I must not have anything to do with this!’ In many cases, the only thing all this signifies is that the person in question is moving toward the comforts of Lucifer and leaving freedom behind.

[ 30 ] Kennenlernen, wo überall die Impulse sind, die überwunden werden müssen, darauf kommt es an. Wir brauchen gewissermaßen Ahriman auf der einen Seite, Luzifer auf der anderen Seite, um das Gleichgewicht zwischen ihnen zu bewirken.

[ 30 ] What would help would be to acquaint oneself with the impulses that need to be overcome. To a certain extent we need Ahriman on one side and Lucifer on the other in order to bring about a balance between them.

[ 31 ] Ich wollte dieses heute als vorläufige Betrachtung vorausschicken, weil es zugrunde gelegt werden muß gewissen Ausblicken, die sich uns für ein geisteswissenschaftliches Welt- und Lebensanschauen morgen und übermorgen eröffnen sollen.

[ 31 ] These are the preliminary considerations I wanted to share with you today. They provide the necessary foundations for the spiritual-scientific vistas on life and the cosmos that will open out before us tomorrow and the day after tomorrow.