Humanity's Internal Impulses for Development
Goethe and the Crisis of the Nineteenth Century
GA 171
21 October 1910, Dornach
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Innere Entwicklungsimpulse der Menschheit
Dreizehnter Vortrag
Dreizehnter Vortrag
[ 1 ] Wir haben versucht, uns die Hauptideen vor Augen zu führen, welche in unserem fünften nachatlantischen Zeitraum nach Ausgestaltung, man könnte auch sagen, nach Dasein ringen, so nach Dasein ringen, daß sie unter den charakterisierten zweierlei Impulsen einseitig zur Ausbildung kommen. Unter dem einen Impuls bildet sich aus, gestaltet sich mehr oder weniger aus alles das, was angeschlossen werden kann an die Tatsache der Geburt, die Tatsache der Verwandtschaft der Lebewesen, überhaupt der Wesen und Kräfte innerhalb unseres Erdendaseins. Von dem anderen Impuls einseitig beeinflußt sehen wir diejenigen Tatsachen, die sich anschließen an den Tod, an dasjenige, was man Leiden, Schmerz, das Übel, das Böse nennt. Und wie sich einseitig ausgestalten die Tatsachenreihen im menschlichen Denken, die sich an das Charakterisierte anschließen, das haben wir von verschiedenen Seiten her zu beleuchten versucht. Nun muß man sich darüber klar sein, daß die beiden wichtigsten Ideale für diese fünfte nachatlantische Zeit sind: erstens das Ideal, rein dasjenige hinzustellen, was in der Sinneswelt vorliegt, und es zurückzuführen bis zu den ursprünglichen Erscheinungen, wie das — wir haben ja darüber schon gesprochen — Goethe getan hat, der versucht hat, die Erscheinungen bis zu dem zurückzuführen, was er die Urphänomene nannte. Auf der anderen Seite muß der fünfte nachatlantische Zeitraum danach streben, freie, in der menschlichen Seele aufsteigende Imaginationen zu erlangen. In dem Zusammenschauen gewissermaßen der Imaginationen, die der Mensch empfängt aus der geistigen Welt, von denen jetzt ja erst wenige da sein können, denn der fünfte nachatlantische Zeitraum hat, wie wir wissen, erst im 15. Jahrhundert begonnen, im Zusammenschauen der Imaginationen mit der Sinnenwelt besteht die Aufgabe unserer Zeit. Mit diesen freien Imaginationen soll der Mensch umfassen dasjenige, was sich in der äußeren Sinnenwelt ihm darbietet. Wie Sie ja aus verschiedenen meiner Ausführungen, die teilweise in Vorträgen gegeben worden sind, teilweise in meinen Büchern sich finden, entnehmen können, hat einen großen Anfang gemacht mit einer solchen Weltenbetrachtung eben gerade Goethe. Deshalb kann Goethe auch für eine wirklich von der fünften nachatlantischen Zeitepoche geforderte Weltanschauung die echte, sachgemäße Grundlage sein.
[ 1 ] Wir haben versucht, uns die Hauptideen vor Augen zu führen, welche in unserem fünften nachatlantischen Zeitraum nach Ausgestaltung, man könnte auch sagen, nach Dasein ringen, so nach Dasein ringen, daß sie unter den charakterisierten zweierlei Impulsen einseitig zur Ausbildung kommen. Unter dem einen Impuls bildet sich aus, gestaltet sich mehr oder weniger aus alles das, was angeschlossen werden kann an die Tatsache der Geburt, die Tatsache der Verwandtschaft der Lebewesen, überhaupt der Wesen und Kräfte innerhalb unseres Erdendaseins. Von dem anderen Impuls einseitig beeinflußt sehen wir diejenigen Tatsachen, die sich anschließen an den Tod, an dasjenige, was man Leiden, Schmerz, das Übel, das Böse nennt. Und wie sich einseitig ausgestalten die Tatsachenreihen im menschlichen Denken, die sich an das Charakterisierte anschließen, das haben wir von verschiedenen Seiten her zu beleuchten versucht. Nun muß man sich darüber klar sein, daß die beiden wichtigsten Ideale für diese fünfte nachatlantische Zeit sind: erstens das Ideal, rein dasjenige hinzustellen, was in der Sinneswelt vorliegt, und es zurückzuführen bis zu den ursprünglichen Erscheinungen, wie das — wir haben ja darüber schon gesprochen — Goethe getan hat, der versucht hat, die Erscheinungen bis zu dem zurückzuführen, was er die Urphänomene nannte. Auf der anderen Seite muß der fünfte nachatlantische Zeitraum danach streben, freie, in der menschlichen Seele aufsteigende Imaginationen zu erlangen. In dem Zusammenschauen gewissermaßen der Imaginationen, die der Mensch empfängt aus der geistigen Welt, von denen jetzt ja erst wenige da sein können, denn der fünfte nachatlantische Zeitraum hat, wie wir wissen, erst im 15. Jahrhundert begonnen, im Zusammenschauen der Imaginationen mit der Sinnenwelt besteht die Aufgabe unserer Zeit. Mit diesen freien Imaginationen soll der Mensch umfassen dasjenige, was sich in der äußeren Sinnenwelt ihm darbietet. Wie Sie ja aus verschiedenen meiner Ausführungen, die teilweise in Vorträgen gegeben worden sind, teilweise in meinen Büchern sich finden, entnehmen können, hat einen großen Anfang gemacht mit einer solchen Weltenbetrachtung eben gerade Goethe. Deshalb kann Goethe auch für eine wirklich von der fünften nachatlantischen Zeitepoche geforderte Weltanschauung die echte, sachgemäße Grundlage sein.
[ 2 ] Es ist eigentümlich in der Weltentwickelung, daß sie gewissermaßen wellenförmig sich vollziehen muß, daß gewisse Impulse auftauchen, stark wirken, dann wiederum abfluten und erst später wieder auftreten können und so weiter. Das empfindet besonders stark derjenige, der die Goethesche Weltanschauung in ihrem Nerv versteht. Gewiß, Geisteswissenschaft selbst kann noch nicht gefunden werden in der Goetheschen Weltanschauung, aber sie wird gerade unter dem Einflusse des Verständnisses der Goetheschen Weltanschauung immer mehr und mehr entstehen können. Denn es ist wirklich so, daß alles dasjenige, was noch ohne die eigentliche Gestalt der Geisteswissenschaft als Weltanschauung gegeben werden konnte, in der Goetheschen Weltanschauung gegeben ist. Und diese Goethesche Weltanschauung hat zunächst in, wenn auch vielleicht für die große Welt enge, so doch für das Geistesleben weite Kreise ihr Licht geworfen, und vieles im Geistesleben ist schon durch die Goethesche Weltanschauung beeinflußt worden, wenn auch dasjenige, was beeinflußt worden ist, im Grunde ebenso zunächst abgeflutet ist, wie die Goethesche Weltanschauung ja selbst abgeflutet ist. Denn darüber braucht man sich ja keiner Täuschung hinzugeben: Wenn auch Goethe von vielen heute genannt wird, wenn auch viele glauben, seine Werke zu kennen, dasjenige, was eigentlich in seiner Weltanschauung lebt und webt, das ist doch etwas, was noch zu dem Unbekanntesten in der Menschheitsentwickelung gehört, und was, wenn es immer mehr und mehr eintreten wird in die Menschheitsentwickelung, das wissenschaftliche, das soziale und auch das übrige Denken, aber auch die Impulse desHandelns der Menschen wesentlich umgestalten wird. In unserer Zeit wirken noch außerhalb der anthroposophischen Bewegung für ein Verständnis der Goetheschen Weltanschauung wenig günstige Kräfte, wenig günstige Impulse. Denn so berechtigt und so großartig das sogenannte demokratische Prinzip für die Menschheitsentwickelung ist, wenn es in richtigem Sinne verstanden wird, so verderblich wirkt es in unserer Zeit, wo es oftmals am falschesten Ende angepackt und angewendet wird. In unserer Zeit herrscht eine intensive Abneigung, Antipathie, ja mehr als das, in vielen Seelen ein intensiver Haß und eine Gegnerschaft gegen eine so geartete Weltanschauung, wie sie ihre Quellen in Goethescher Denkungsart und Goethescher Gesinnung hat. Denn zu dieser Weltanschauung ist vieles, vieles nötig, was gerade unsere Zeit am allerwenigsten gern hat. In unserer Zeit möchte jeder, ohne sich Grundlagen dafür besonders geschaffen zu haben, gewissermaßen seine eigene Weltanschauung haben, seine eigene Weltanschauung sich aufbauen, ein Eigenbrötler der Weltanschauung sein. Und die nächste Empfindung, die jeder hat, ist ungefähr diese, daß die einzelnen Weltanschauungen so gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Dasjenige, was einem gerade von Goethe so einzigartig charakterisiert im Faustischen Streben entgegentritt, von dem spricht heute jeder journalistische Tropf und jeder, der diesen Tröpfen nachspricht; aber vom Kennen des innersten Nerves dieses Faustischen Strebens kann ja gerade heute im allergeringsten Maße nur die Rede sein. Und wir werden noch viel zu besprechen haben, wenn wir das, was damit nur mit ein paar Strichen gekennzeichnet ist, was einem harmonischen Ausgleiche der genannten Impulse ungünstig ist in der neueren Zeit, ins Auge fassen werden, um dann auch zu besprechen, wie dieser harmonische Ausgleich der einseitigen Impulse, die wir kennengelernt haben, herbeigeführt werden soll.
[ 2 ] Es ist eigentümlich in der Weltentwickelung, daß sie gewissermaßen wellenförmig sich vollziehen muß, daß gewisse Impulse auftauchen, stark wirken, dann wiederum abfluten und erst später wieder auftreten können und so weiter. Das empfindet besonders stark derjenige, der die Goethesche Weltanschauung in ihrem Nerv versteht. Gewiß, Geisteswissenschaft selbst kann noch nicht gefunden werden in der Goetheschen Weltanschauung, aber sie wird gerade unter dem Einflusse des Verständnisses der Goetheschen Weltanschauung immer mehr und mehr entstehen können. Denn es ist wirklich so, daß alles dasjenige, was noch ohne die eigentliche Gestalt der Geisteswissenschaft als Weltanschauung gegeben werden konnte, in der Goetheschen Weltanschauung gegeben ist. Und diese Goethesche Weltanschauung hat zunächst in, wenn auch vielleicht für die große Welt enge, so doch für das Geistesleben weite Kreise ihr Licht geworfen, und vieles im Geistesleben ist schon durch die Goethesche Weltanschauung beeinflußt worden, wenn auch dasjenige, was beeinflußt worden ist, im Grunde ebenso zunächst abgeflutet ist, wie die Goethesche Weltanschauung ja selbst abgeflutet ist. Denn darüber braucht man sich ja keiner Täuschung hinzugeben: Wenn auch Goethe von vielen heute genannt wird, wenn auch viele glauben, seine Werke zu kennen, dasjenige, was eigentlich in seiner Weltanschauung lebt und webt, das ist doch etwas, was noch zu dem Unbekanntesten in der Menschheitsentwickelung gehört, und was, wenn es immer mehr und mehr eintreten wird in die Menschheitsentwickelung, das wissenschaftliche, das soziale und auch das übrige Denken, aber auch die Impulse desHandelns der Menschen wesentlich umgestalten wird. In unserer Zeit wirken noch außerhalb der anthroposophischen Bewegung für ein Verständnis der Goetheschen Weltanschauung wenig günstige Kräfte, wenig günstige Impulse. Denn so berechtigt und so großartig das sogenannte demokratische Prinzip für die Menschheitsentwickelung ist, wenn es in richtigem Sinne verstanden wird, so verderblich wirkt es in unserer Zeit, wo es oftmals am falschesten Ende angepackt und angewendet wird. In unserer Zeit herrscht eine intensive Abneigung, Antipathie, ja mehr als das, in vielen Seelen ein intensiver Haß und eine Gegnerschaft gegen eine so geartete Weltanschauung, wie sie ihre Quellen in Goethescher Denkungsart und Goethescher Gesinnung hat. Denn zu dieser Weltanschauung ist vieles, vieles nötig, was gerade unsere Zeit am allerwenigsten gern hat. In unserer Zeit möchte jeder, ohne sich Grundlagen dafür besonders geschaffen zu haben, gewissermaßen seine eigene Weltanschauung haben, seine eigene Weltanschauung sich aufbauen, ein Eigenbrötler der Weltanschauung sein. Und die nächste Empfindung, die jeder hat, ist ungefähr diese, daß die einzelnen Weltanschauungen so gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Dasjenige, was einem gerade von Goethe so einzigartig charakterisiert im Faustischen Streben entgegentritt, von dem spricht heute jeder journalistische Tropf und jeder, der diesen Tröpfen nachspricht; aber vom Kennen des innersten Nerves dieses Faustischen Strebens kann ja gerade heute im allergeringsten Maße nur die Rede sein. Und wir werden noch viel zu besprechen haben, wenn wir das, was damit nur mit ein paar Strichen gekennzeichnet ist, was einem harmonischen Ausgleiche der genannten Impulse ungünstig ist in der neueren Zeit, ins Auge fassen werden, um dann auch zu besprechen, wie dieser harmonische Ausgleich der einseitigen Impulse, die wir kennengelernt haben, herbeigeführt werden soll.
[ 3 ] Ich möchte heute gewissermaßen episodisch wiederum einiges einfügen, um Ihnen begreiflich zu machen, wie es hat kommen können, daß die schon auf einer solchen Höhe lebende Goethesche Weltanschauung versiegt ist im 19. Jahrhundert und sich allerlei anderes geltend gemacht hat. Dieses 19. Jahrhundert kam immer mehr und mehr dazu, wenn man so sagen darf, die Welt, die den Menschen umgibt, uninteressant zu finden — das beachtet man oftmals wenig, aber es ist doch so —, weil gerade im 19. Jahrhundert in der geistigen Menschheitsentwickelung jene Krisis heraufkam, die bedingte, daß das Anschauen des Geistigen, das in den Dingen lebt, immer mehr und mehr versiegte. Man sah nur die äußeren sinnlichen Qualitäten, sinnlichen Eigenschaften, Betätigungsweisen der Dinge, und diese wurden immer uninteressanter und uninteressanter. Dasjenige, was als Geistiges die Sinnenwelt durchlebt und durchwebt, sah man nicht mehr. Die Sinnenwelt als solche fand man immer uninteressanter und uninteressanter. Daher der’Iraum, innerhalb dieser Sinneswelt selber, die ja doch das einzige war, was man dem Geiste der Zeit nach hatte, innerhalb dieser Sinneswelt selber etwas Verborgenes zu suchen. Das Geistig-Verborgene in der Sinneswelt, das wurde man nicht gewahr. So suchte man nach dem Verborgenen in der Sinneswelt selber, und das führte dazu, daß man zunächst, allerdings in höchst fruchtbarer Weise, nach einer andern Seite hin die Anschauung räumlich zu vertiefen suchte durch die mikroskopische, durch die teleskopische Forschung, durch dasjenige, was im Kleinsten und im Größten rein sinnlich geschaut werden kann. Der Glaube an das Geistig-Verborgene schwand. So wollte man wenigstens glauben dürfen daran, daß sich die Weltenrätsel lösen durch Erforschung des sinnlich zunächst Verborgenen, und auf diesem Gebiete brachte man es ja ungeheuer weit. Man braucht nur daran zu denken, welche großen, gewaltigen Fortschritte die mikroskopische Forschung in bezug auf die Lebewesen im 19. Jahrhundert gemacht hat. Die Zellenlehre ist dadurch heraufgekommen. Man gelangte zu der Anschauung, daß der lebendige Organismus der Pflanzen und der Tiere und des Menschen aus kleinsten Teilen, Zellen bestehe, und die Vervollkommnung der mikroskopischen Forschung machte es möglich, das Leben dieser kleinsten Zellenwesen zu studieren, über das man früher mehr oder weniger ja nur Vermutungen hat anstellen können. Das Sinnliche wollte man auf diese Weise aus einem anderen Sinnlichen erklären. Und besonders wichtig wurde diese Erklärungsweise für die eine Reihe der Tatsachen, die sich heraufdrängte im fünften nachatlantischen Zeitraum, für die Tatsachen, die sich an die Geburt, an das Werden der Lebewesen anschließen. Man sah ein Lebewesen bis zum Menschen herauf hervorgehen aus einer Zelle, man sah es sich entwickeln, indem man das fortschreitende Leben, die Vermehrung der Zellen beobachtete, und man gelangte endlich dazu, sich Vorstellungen darüber zu machen, wie umgebildet wird die einfache runde Zelle, die sich vermehrt nach und nach im Verlaufe ihres Lebens vor der Geburt, auch beim Menschen, und endlich zu der menschlichen Gestalt wird, wie sie durch die Geburt ins Dasein tritt.
[ 3 ] Ich möchte heute gewissermaßen episodisch wiederum einiges einfügen, um Ihnen begreiflich zu machen, wie es hat kommen können, daß die schon auf einer solchen Höhe lebende Goethesche Weltanschauung versiegt ist im 19. Jahrhundert und sich allerlei anderes geltend gemacht hat. Dieses 19. Jahrhundert kam immer mehr und mehr dazu, wenn man so sagen darf, die Welt, die den Menschen umgibt, uninteressant zu finden — das beachtet man oftmals wenig, aber es ist doch so —, weil gerade im 19. Jahrhundert in der geistigen Menschheitsentwickelung jene Krisis heraufkam, die bedingte, daß das Anschauen des Geistigen, das in den Dingen lebt, immer mehr und mehr versiegte. Man sah nur die äußeren sinnlichen Qualitäten, sinnlichen Eigenschaften, Betätigungsweisen der Dinge, und diese wurden immer uninteressanter und uninteressanter. Dasjenige, was als Geistiges die Sinnenwelt durchlebt und durchwebt, sah man nicht mehr. Die Sinnenwelt als solche fand man immer uninteressanter und uninteressanter. Daher der’Iraum, innerhalb dieser Sinneswelt selber, die ja doch das einzige war, was man dem Geiste der Zeit nach hatte, innerhalb dieser Sinneswelt selber etwas Verborgenes zu suchen. Das Geistig-Verborgene in der Sinneswelt, das wurde man nicht gewahr. So suchte man nach dem Verborgenen in der Sinneswelt selber, und das führte dazu, daß man zunächst, allerdings in höchst fruchtbarer Weise, nach einer andern Seite hin die Anschauung räumlich zu vertiefen suchte durch die mikroskopische, durch die teleskopische Forschung, durch dasjenige, was im Kleinsten und im Größten rein sinnlich geschaut werden kann. Der Glaube an das Geistig-Verborgene schwand. So wollte man wenigstens glauben dürfen daran, daß sich die Weltenrätsel lösen durch Erforschung des sinnlich zunächst Verborgenen, und auf diesem Gebiete brachte man es ja ungeheuer weit. Man braucht nur daran zu denken, welche großen, gewaltigen Fortschritte die mikroskopische Forschung in bezug auf die Lebewesen im 19. Jahrhundert gemacht hat. Die Zellenlehre ist dadurch heraufgekommen. Man gelangte zu der Anschauung, daß der lebendige Organismus der Pflanzen und der Tiere und des Menschen aus kleinsten Teilen, Zellen bestehe, und die Vervollkommnung der mikroskopischen Forschung machte es möglich, das Leben dieser kleinsten Zellenwesen zu studieren, über das man früher mehr oder weniger ja nur Vermutungen hat anstellen können. Das Sinnliche wollte man auf diese Weise aus einem anderen Sinnlichen erklären. Und besonders wichtig wurde diese Erklärungsweise für die eine Reihe der Tatsachen, die sich heraufdrängte im fünften nachatlantischen Zeitraum, für die Tatsachen, die sich an die Geburt, an das Werden der Lebewesen anschließen. Man sah ein Lebewesen bis zum Menschen herauf hervorgehen aus einer Zelle, man sah es sich entwickeln, indem man das fortschreitende Leben, die Vermehrung der Zellen beobachtete, und man gelangte endlich dazu, sich Vorstellungen darüber zu machen, wie umgebildet wird die einfache runde Zelle, die sich vermehrt nach und nach im Verlaufe ihres Lebens vor der Geburt, auch beim Menschen, und endlich zu der menschlichen Gestalt wird, wie sie durch die Geburt ins Dasein tritt.
[ 4 ] Man machte sich, wie ich sagte, Vorstellungen darüber, wie aus der einfachen Zelle dasjenige wird, was dann als Mensch durch die Geburt ins Dasein tritt, und die Vorstellungen führten dazu, das, was man nennen kann das Problem der Geburt, das Rätsel der Geburt beim Menschen eng anzuschließen an die Vorgänge im tierischen Leben. Man sah ja, daß die tierische Welt in ihren einfachsten Formen sich darstellt in solchen Wesen, die selber erst wie eine einzige Zelle sind, daß also es tierische Wesen in der Welt gibt, welche gewissermaßen in ihrem ganzen Leben die Gestalt haben, die der Mensch nur in der allerersten Zeit in dem Leibe der Mutter hat. Andere Tiere stellten sich dar in Formen, die ähnlich waren einer späteren Entwickelungsform des Menschen. In einer gewissen Zeit der Entwickelung vor der Geburt, also der embryonalen Entwickelung, stellt sich die Menschengestalt so dar, daß sie aussieht oder wenigstens daß sie erinnert an ein Fischchen, und zwischen der Zellenform und der Form eines Fischchens liegen die anderen Formen darinnen, die nun wiederum draußen als selbständige Wesen leben. Der Mensch macht also gewissermaßen durch in seiner Embryonalentwickelung nach und nach die Formen, welche draußen sind. Das hat ja, wie wir wissen, geführt zu der Aufstellung des durch Aaeckel so berühmt gewordenen biogenetischen Grundgesetzes, das da heißt, daß der Mensch während seiner Entwickelung vor der Geburt verkürzt gleichsam rekapituliert die Tierformen. Das aber hat weiter dazu geführt, zu glauben, daß der Mensch, so wie er ins irdische Dasein tritt, von denTierformen abstammen müsse. Man hat gedacht: Nun, in den alten Zeiten waren einfach eben nur Zellenwesen vorhanden, aus diesen Zellenwesen entwickelten sich durch diese oder jene Vorgänge, die man sich wieder mehr oder weniger zufällig oder rein naturwissenschaftlich notwendig dachte — was ja schließlich dasselbe ist —, etwas kompliziertere Wesen. So daß man also jetzt in einem nächsten Stadium der Weltentwickelung vor sich hat die einfachen Zellenwesen und etwas kompliziertere, aber die etwas komplizierteren machen zunächst das Stadium der einfachen Zellenentwickelung durch; dann kamen weiter kompliziertere, die wiederum durchgemacht hatten Zellenformen, also dasjenige, das früher entstanden ist, und dann ihre Form. Und so, dachte man sich, habe sich die ganze Tierwelt entwickelt, zuletzt der Mensch, der eben während seiner Embryonalentfaltung in Kürze die Tierformen alle rekapituliert.
[ 4 ] Man machte sich, wie ich sagte, Vorstellungen darüber, wie aus der einfachen Zelle dasjenige wird, was dann als Mensch durch die Geburt ins Dasein tritt, und die Vorstellungen führten dazu, das, was man nennen kann das Problem der Geburt, das Rätsel der Geburt beim Menschen eng anzuschließen an die Vorgänge im tierischen Leben. Man sah ja, daß die tierische Welt in ihren einfachsten Formen sich darstellt in solchen Wesen, die selber erst wie eine einzige Zelle sind, daß also es tierische Wesen in der Welt gibt, welche gewissermaßen in ihrem ganzen Leben die Gestalt haben, die der Mensch nur in der allerersten Zeit in dem Leibe der Mutter hat. Andere Tiere stellten sich dar in Formen, die ähnlich waren einer späteren Entwickelungsform des Menschen. In einer gewissen Zeit der Entwickelung vor der Geburt, also der embryonalen Entwickelung, stellt sich die Menschengestalt so dar, daß sie aussieht oder wenigstens daß sie erinnert an ein Fischchen, und zwischen der Zellenform und der Form eines Fischchens liegen die anderen Formen darinnen, die nun wiederum draußen als selbständige Wesen leben. Der Mensch macht also gewissermaßen durch in seiner Embryonalentwickelung nach und nach die Formen, welche draußen sind. Das hat ja, wie wir wissen, geführt zu der Aufstellung des durch Aaeckel so berühmt gewordenen biogenetischen Grundgesetzes, das da heißt, daß der Mensch während seiner Entwickelung vor der Geburt verkürzt gleichsam rekapituliert die Tierformen. Das aber hat weiter dazu geführt, zu glauben, daß der Mensch, so wie er ins irdische Dasein tritt, von denTierformen abstammen müsse. Man hat gedacht: Nun, in den alten Zeiten waren einfach eben nur Zellenwesen vorhanden, aus diesen Zellenwesen entwickelten sich durch diese oder jene Vorgänge, die man sich wieder mehr oder weniger zufällig oder rein naturwissenschaftlich notwendig dachte — was ja schließlich dasselbe ist —, etwas kompliziertere Wesen. So daß man also jetzt in einem nächsten Stadium der Weltentwickelung vor sich hat die einfachen Zellenwesen und etwas kompliziertere, aber die etwas komplizierteren machen zunächst das Stadium der einfachen Zellenentwickelung durch; dann kamen weiter kompliziertere, die wiederum durchgemacht hatten Zellenformen, also dasjenige, das früher entstanden ist, und dann ihre Form. Und so, dachte man sich, habe sich die ganze Tierwelt entwickelt, zuletzt der Mensch, der eben während seiner Embryonalentfaltung in Kürze die Tierformen alle rekapituliert.
[ 5 ] Auf diese Weise ist eine Anschauung entstanden über den Zusammenhang desjenigen, was man menschliche Geburt nennen kann, mit dem allmählichen Entstehen, wie man es sich dachte, der organischen Lebensformen. Dies knüpfte also den Menschen unmittelbar an die verschiedenen Tierformen an, und da der Mensch durch dasjenige, was er unmittelbar sieht, leicht geblendet wird, so vergaß man im Laufe des 19. Jahrhunderts irgend etwas anderes zu berücksichtigen als das, was sich auf diese Weise wie eine Ähnlichkeit der menschlichen Embryonalentwickelung mit den Gestaltungen der übrigen organischen Formen ergab. Die Gedanken und Ideen, durch die man den Zusammenhang, den man also durch die fortgeschrittenen Mittel der Forschung erkannt hatte oder zu erkennen glaubte, diese Gedanken waren nur dadurch so eng wie sie waren, konnten nur dadurch jene materialistische Form annehmen, die sie angenommen haben, weil eben im Laufe des 19. Jahrhunderts Goethesche Denkungsart, Goethesche Vorstellung wirklich vollständig versiegte. Man braucht sich nur daran zu erinnern, wie Goethe im Verlaufe seines Lebens zu dem gekommen ist, was er seine Metamorphosenlehre nennt.
[ 5 ] Auf diese Weise ist eine Anschauung entstanden über den Zusammenhang desjenigen, was man menschliche Geburt nennen kann, mit dem allmählichen Entstehen, wie man es sich dachte, der organischen Lebensformen. Dies knüpfte also den Menschen unmittelbar an die verschiedenen Tierformen an, und da der Mensch durch dasjenige, was er unmittelbar sieht, leicht geblendet wird, so vergaß man im Laufe des 19. Jahrhunderts irgend etwas anderes zu berücksichtigen als das, was sich auf diese Weise wie eine Ähnlichkeit der menschlichen Embryonalentwickelung mit den Gestaltungen der übrigen organischen Formen ergab. Die Gedanken und Ideen, durch die man den Zusammenhang, den man also durch die fortgeschrittenen Mittel der Forschung erkannt hatte oder zu erkennen glaubte, diese Gedanken waren nur dadurch so eng wie sie waren, konnten nur dadurch jene materialistische Form annehmen, die sie angenommen haben, weil eben im Laufe des 19. Jahrhunderts Goethesche Denkungsart, Goethesche Vorstellung wirklich vollständig versiegte. Man braucht sich nur daran zu erinnern, wie Goethe im Verlaufe seines Lebens zu dem gekommen ist, was er seine Metamorphosenlehre nennt.
[ 6 ] Goethe hat sich — das mag Ihnen ja zur Genüge hervorgehen aus dem, was aus dem «Faust» auf Sie gewirkt hat —, bevor er zu seiner Metamorphosenlehre gekommen ist, wohl beschäftigt mit demjenigen, was ihm in seiner Zeit zur Verfügung stehen konnte an Erkenntnissen der geistigen Welt, und er hat kennengelernt verschiedene Wege, verschiedene Mittel, durch die der Mensch versuchen kann, sich der geistigen Welt zu nähern. Erst nachdem durch die Erfahrungen, durch die Erlebnisse mit diesen Mitteln und Wegen Goethes Geist sehr, sehr vertieft war, ging er daran, naturwissenschaftliche Ideen zu fassen. Und da sehen wir denn zunächst, wie Goethe, als er nach Weimar gekommen war und ihm nach und nach die Mittel der Jenaer Universität zur Verfügung standen, alles, alles tut, um seine naturwissenschaftlichen Kenntnisse und Einsichten zu bereichern, aber zugleich auch alles tut, um zusammenhängende Ideen zu gewinnen über die verschiedenen Formen der Organismen. Und dann wiederum sehen wir, wie Goethe seine Italienische Reise antritt, wie er, während er auf der Italienischen Reise ist, alles, was ihm entgegentritt an Pflanzen- und Tierformen, ins Auge faßt, um die innere Verwandtschaft der Pflanzen- und Tierformen in der reichen Mannigfaltigkeit zu studieren, die ihm jetzt entgegentrat. Und in Sizilien endlich glaubte er dasjenige gefunden zu haben, was er seine Urpflanze dann nannte. Was dachte sich Goethe als Urpflanze? Diese Urpflanze ist nicht ein sinnliches Gebilde. Diese Urpflanze nennt Goethe selbst eine sinnlich-übersinnliche Form. Sie ist etwas, was nur im Geistigen angeschaut werden kann, was aber in diesem Geistigen so geschaut wird, daß wenn man eine bestimmte Pflanze sieht, man weiß: diese bestimmte Pflanze ist eine besondere Ausgestaltung der Urpflanze. Jede Pflanze ist eine besondere Ausgestaltung der Urpflanze, aber keine sinnlich-wirkliche Pflanze ist die Urpflanze. Die Urpflanze ist ein sinnlich-übersinnliches Wesen, das in allen Pflanzen lebt. Bis zu dieser Idee also brachte es Goethe: nicht bloß zu verfolgen die verschiedenen sinnlichen Formen, sondern die eine Urpflanze in allen Pflanzen zu suchen. Damit hatte er, man könnte sagen, das, was als Metamorphosenlehre immer existiert hat, wesentlich vertieft, sehr, sehr vertieft, und es lag ihm nahe, nun auch anzuwenden die Idee dieser Metamorphosenlehre im weiteren Umfange auf das Organische, auf das Lebendige.
[ 6 ] Goethe hat sich — das mag Ihnen ja zur Genüge hervorgehen aus dem, was aus dem «Faust» auf Sie gewirkt hat —, bevor er zu seiner Metamorphosenlehre gekommen ist, wohl beschäftigt mit demjenigen, was ihm in seiner Zeit zur Verfügung stehen konnte an Erkenntnissen der geistigen Welt, und er hat kennengelernt verschiedene Wege, verschiedene Mittel, durch die der Mensch versuchen kann, sich der geistigen Welt zu nähern. Erst nachdem durch die Erfahrungen, durch die Erlebnisse mit diesen Mitteln und Wegen Goethes Geist sehr, sehr vertieft war, ging er daran, naturwissenschaftliche Ideen zu fassen. Und da sehen wir denn zunächst, wie Goethe, als er nach Weimar gekommen war und ihm nach und nach die Mittel der Jenaer Universität zur Verfügung standen, alles, alles tut, um seine naturwissenschaftlichen Kenntnisse und Einsichten zu bereichern, aber zugleich auch alles tut, um zusammenhängende Ideen zu gewinnen über die verschiedenen Formen der Organismen. Und dann wiederum sehen wir, wie Goethe seine Italienische Reise antritt, wie er, während er auf der Italienischen Reise ist, alles, was ihm entgegentritt an Pflanzen- und Tierformen, ins Auge faßt, um die innere Verwandtschaft der Pflanzen- und Tierformen in der reichen Mannigfaltigkeit zu studieren, die ihm jetzt entgegentrat. Und in Sizilien endlich glaubte er dasjenige gefunden zu haben, was er seine Urpflanze dann nannte. Was dachte sich Goethe als Urpflanze? Diese Urpflanze ist nicht ein sinnliches Gebilde. Diese Urpflanze nennt Goethe selbst eine sinnlich-übersinnliche Form. Sie ist etwas, was nur im Geistigen angeschaut werden kann, was aber in diesem Geistigen so geschaut wird, daß wenn man eine bestimmte Pflanze sieht, man weiß: diese bestimmte Pflanze ist eine besondere Ausgestaltung der Urpflanze. Jede Pflanze ist eine besondere Ausgestaltung der Urpflanze, aber keine sinnlich-wirkliche Pflanze ist die Urpflanze. Die Urpflanze ist ein sinnlich-übersinnliches Wesen, das in allen Pflanzen lebt. Bis zu dieser Idee also brachte es Goethe: nicht bloß zu verfolgen die verschiedenen sinnlichen Formen, sondern die eine Urpflanze in allen Pflanzen zu suchen. Damit hatte er, man könnte sagen, das, was als Metamorphosenlehre immer existiert hat, wesentlich vertieft, sehr, sehr vertieft, und es lag ihm nahe, nun auch anzuwenden die Idee dieser Metamorphosenlehre im weiteren Umfange auf das Organische, auf das Lebendige.


[ 7 ] Interessant ist es, wenn er nun beschreibt, wie er die menschliche Gestalt selber sich denken wollte so, daß ihre einzelnen Glieder Verwandlungsprodukte darstellen, gewissermaßen der Mensch die Komplikation einer Idee ist. Er erzählt, wie er 1790 auf dem Judenkirchhof in Venedig einen Schöpsenschädel gefunden hat, der besonders glücklich zerfallen war, so daß er an den einzelnen Schädelknochen sehen konnte, wie diese Schädelknochen so gebildet sind, daß man in ihnen umgebildete Wirbelknochen erkennen kann. Es war ihm also aufgefallen, daß die Wirbelsäule aus einzelnen Knochen, die ich nur schematisch zeichnen will, besteht, daß aber dann der Schädel aus solchen umgestalteten Wirbelknochen besteht. Natürlich, wenn sie umgestaltet sind, dann nehmen sie ganz andere Formen an, aber doch sind die Schädelknochen dann nur umgestaltete Wirbelknochen. Die Wirbelknochen liegen ringförmig übereinander. Dadurch, daß man sie sich aus Kautschuk denkt und in der verschiedensten Weise der Kautschuk auseinandergezogen wird, kann man sich vorstellen, daß aus den Wirbelknochen die Formen der Schädelknochen entstehen (siehe Zeichnung a). Das war für Goethe etwas außerordentlich Wichtiges, sich sagen zu können: In dem Wirbelknochen, der das Rückenmark umhüllt, ist etwas gegeben wie ein Grundelement der menschlichen Entwickelung, das sich nur umzubilden braucht, um zu komplizierteren Elementen dieser menschlichen Entwickelung sich zu gestalten. So hatte Goethe auf der einen Seite im Pflanzenblatt erkannt: Wenn eine Pflanze wächst, so entwickelt sie Blatt nach Blatt; aber dann schließt sie ab an einem bestimmten Punkt die Blattentwickelung, und es entstehen durch die Umwandlung des Blattes zunächst die Blütenblätter (siehe Zeichnung b), dann aber auch die Staubgefäße, ganz anders gestaltete Organe, die auch nichts anderes sind als Blätter, aber umgestaltete Blätter. In dem Blatte ist also für Goethe die ganze Pflanze enthalten.
[ 7 ] Interessant ist es, wenn er nun beschreibt, wie er die menschliche Gestalt selber sich denken wollte so, daß ihre einzelnen Glieder Verwandlungsprodukte darstellen, gewissermaßen der Mensch die Komplikation einer Idee ist. Er erzählt, wie er 1790 auf dem Judenkirchhof in Venedig einen Schöpsenschädel gefunden hat, der besonders glücklich zerfallen war, so daß er an den einzelnen Schädelknochen sehen konnte, wie diese Schädelknochen so gebildet sind, daß man in ihnen umgebildete Wirbelknochen erkennen kann. Es war ihm also aufgefallen, daß die Wirbelsäule aus einzelnen Knochen, die ich nur schematisch zeichnen will, besteht, daß aber dann der Schädel aus solchen umgestalteten Wirbelknochen besteht. Natürlich, wenn sie umgestaltet sind, dann nehmen sie ganz andere Formen an, aber doch sind die Schädelknochen dann nur umgestaltete Wirbelknochen. Die Wirbelknochen liegen ringförmig übereinander. Dadurch, daß man sie sich aus Kautschuk denkt und in der verschiedensten Weise der Kautschuk auseinandergezogen wird, kann man sich vorstellen, daß aus den Wirbelknochen die Formen der Schädelknochen entstehen (siehe Zeichnung a). Das war für Goethe etwas außerordentlich Wichtiges, sich sagen zu können: In dem Wirbelknochen, der das Rückenmark umhüllt, ist etwas gegeben wie ein Grundelement der menschlichen Entwickelung, das sich nur umzubilden braucht, um zu komplizierteren Elementen dieser menschlichen Entwickelung sich zu gestalten. So hatte Goethe auf der einen Seite im Pflanzenblatt erkannt: Wenn eine Pflanze wächst, so entwickelt sie Blatt nach Blatt; aber dann schließt sie ab an einem bestimmten Punkt die Blattentwickelung, und es entstehen durch die Umwandlung des Blattes zunächst die Blütenblätter (siehe Zeichnung b), dann aber auch die Staubgefäße, ganz anders gestaltete Organe, die auch nichts anderes sind als Blätter, aber umgestaltete Blätter. In dem Blatte ist also für Goethe die ganze Pflanze enthalten.


[ 8 ] Es ist also viel Unsichtbares, Übersinnliches in einem Blatt, die ganze Pflanze ist in einem Blatt. Ebenso aber auch ist das ganze Kopfskelett in der Wirbelsäule schon. Wirbelsäule und Kopfskelett bilden zusammen ein Ganzes, und die komplizierten Kopfknochen sind ebenso umgebildete Wirbelknochen, wie die Blütenblätter, ja wie die Staubgefäße und der Stempel umgebildete grüne Blätter der Pflanze sind. So hat Goethe die Idee, daß dasjenige, was übersinnlich zugrunde liegt dem Blatte, in der mannigfaltigsten Weise kompliziert sich umwandelt und dann zur ganzen Pflanze wird; daß dasjenige, was in der Wirbelsäule liegt, kompliziert sich umgestaltet und zum Haupte wird. So weit im wesentlichen ist Goethe gekommen in seinen Anschauungen.
[ 8 ] Es ist also viel Unsichtbares, Übersinnliches in einem Blatt, die ganze Pflanze ist in einem Blatt. Ebenso aber auch ist das ganze Kopfskelett in der Wirbelsäule schon. Wirbelsäule und Kopfskelett bilden zusammen ein Ganzes, und die komplizierten Kopfknochen sind ebenso umgebildete Wirbelknochen, wie die Blütenblätter, ja wie die Staubgefäße und der Stempel umgebildete grüne Blätter der Pflanze sind. So hat Goethe die Idee, daß dasjenige, was übersinnlich zugrunde liegt dem Blatte, in der mannigfaltigsten Weise kompliziert sich umwandelt und dann zur ganzen Pflanze wird; daß dasjenige, was in der Wirbelsäule liegt, kompliziert sich umgestaltet und zum Haupte wird. So weit im wesentlichen ist Goethe gekommen in seinen Anschauungen.
[ 9 ] Geisteswissenschaft gab es damals noch nicht, und es ist gerade interessant zu sehen, wie Goethe ein Geist ist, der immer auf der Stufe bewußt stehen bleibt, bis zu der er durch sein reiches Anschauen vordringen kann, und nicht irgendwelche spekulative Gedanken faßt, Hypothesen etwa aufstellt, um über diesen Punkt, bis zu dem er eben durch seine reichen Erlebnisse dringen kann, in unberechtigter Weise, in phantastischer Weise hinauszudringen.
[ 9 ] Geisteswissenschaft gab es damals noch nicht, und es ist gerade interessant zu sehen, wie Goethe ein Geist ist, der immer auf der Stufe bewußt stehen bleibt, bis zu der er durch sein reiches Anschauen vordringen kann, und nicht irgendwelche spekulative Gedanken faßt, Hypothesen etwa aufstellt, um über diesen Punkt, bis zu dem er eben durch seine reichen Erlebnisse dringen kann, in unberechtigter Weise, in phantastischer Weise hinauszudringen.
[ 10 ] Nun ist zwar ein weiter Weg, aber doch ein Weg, auf dem jetzt, mehr als hundert Jahre, nachdem Goethe diese Ideen gefaßt hat, schon geschritten werden darf. In bezug auf den Menschen ist Goethe sozusagen dabei stehengeblieben: Der Mensch hat eine Wirbelsäule, ein Wirbel liegt über dem anderen, dann bildet sich der Wirbel um zu dem Schädelknochen. Dabei ist Goethe stehengeblieben. Bei dem, wo er stehengeblieben ist, braucht heute nicht mehr stehengeblieben zu werden. Denn von dem aus bis zu einer weiten, weite Umblicke gestattenden Idee ist wirklich ein Weg, und muß sogar ein Weg durch die Geisteswissenschaft geschaffen werden. Wenn man mit demselben Geiste, mit dem Goethe, nachdem — wie man sagt, durch einen «Zufall» — glücklich gespalten ihm auf dem Judenkirchhof in Venedig ein Schöpsenschädel entgegengetreten ist, wenn man mit demselben Geiste, mit dem man die einzelnen Knochen dieses Schöpsenschädels angeschaut hat und durch diesen Geist erkannt hat, daß sie umgewandelte Wirbelknochen sind, anschaut den Menschen, wie er im Ganzen vor uns steht, dann merkt man heute etwas. Ich habe schon darauf hingedeutet, ich muß es aber in diesem Zusammenhange wieder erwähnen und von einem anderen Gesichtspunkte aus beleuchten. Dann merkt man heute, daß der Mensch im wesentlichen ein zweigeteiltes Wesen ist: daß er besteht aus seinem Haupte und aus dem übrigen Organismus. Geradeso, wie sich das Blütenblatt aus dem Stengelblatt der Pflanze entwickelt, wie das Blütenblatt eine Umbildung des Stengelblattes der Pflanze ist, so ist der Kopf des Menschen auch eine Umbildung des ganzen übrigen Organismus. Ich habe ja gesagt, daß, damit diese Umbildung vollends zustande komme, der Mensch sich herüberentwickeln muß von einer Inkarnation zu der nächstfolgenden Inkarnation. Das, was wir heute, so sagte ich, an uns tragen als unseren übrigen Organismus, das wird in der nächsten Inkarnation unser Haupt.
[ 10 ] Nun ist zwar ein weiter Weg, aber doch ein Weg, auf dem jetzt, mehr als hundert Jahre, nachdem Goethe diese Ideen gefaßt hat, schon geschritten werden darf. In bezug auf den Menschen ist Goethe sozusagen dabei stehengeblieben: Der Mensch hat eine Wirbelsäule, ein Wirbel liegt über dem anderen, dann bildet sich der Wirbel um zu dem Schädelknochen. Dabei ist Goethe stehengeblieben. Bei dem, wo er stehengeblieben ist, braucht heute nicht mehr stehengeblieben zu werden. Denn von dem aus bis zu einer weiten, weite Umblicke gestattenden Idee ist wirklich ein Weg, und muß sogar ein Weg durch die Geisteswissenschaft geschaffen werden. Wenn man mit demselben Geiste, mit dem Goethe, nachdem — wie man sagt, durch einen «Zufall» — glücklich gespalten ihm auf dem Judenkirchhof in Venedig ein Schöpsenschädel entgegengetreten ist, wenn man mit demselben Geiste, mit dem man die einzelnen Knochen dieses Schöpsenschädels angeschaut hat und durch diesen Geist erkannt hat, daß sie umgewandelte Wirbelknochen sind, anschaut den Menschen, wie er im Ganzen vor uns steht, dann merkt man heute etwas. Ich habe schon darauf hingedeutet, ich muß es aber in diesem Zusammenhange wieder erwähnen und von einem anderen Gesichtspunkte aus beleuchten. Dann merkt man heute, daß der Mensch im wesentlichen ein zweigeteiltes Wesen ist: daß er besteht aus seinem Haupte und aus dem übrigen Organismus. Geradeso, wie sich das Blütenblatt aus dem Stengelblatt der Pflanze entwickelt, wie das Blütenblatt eine Umbildung des Stengelblattes der Pflanze ist, so ist der Kopf des Menschen auch eine Umbildung des ganzen übrigen Organismus. Ich habe ja gesagt, daß, damit diese Umbildung vollends zustande komme, der Mensch sich herüberentwickeln muß von einer Inkarnation zu der nächstfolgenden Inkarnation. Das, was wir heute, so sagte ich, an uns tragen als unseren übrigen Organismus, das wird in der nächsten Inkarnation unser Haupt.
[ 11 ] Sie sehen, diese Anschauung ist nur ein vollkommener ausgebildeter Impuls, der sich ergibt, wenn man innerlich verfolgt dasjenige, was in Goethes Weltanschauung den Anfang genommen hat. So wird versucht, wenn man wirklich auf dem Boden dieser Metamorphosenlehre steht, den einzelnen Organismus in seinen Gliedern darzustellen; aber diese Glieder werden so im Zusammenhang gedacht, daß der Zusammenhang nur möglich ist, wenn man durchschaut auf etwas, was da als Geistiges in der Sache lebt. Denn natürlich, würde ein Blatt das sein, was die Sinne sehen, so würde es niemals zu einem Blütenblatt oder zu einem Staubgefäße werden können; würde ein Wirbel dasjenige sein, als was ihn die Sinne sehen, so würde er niemals zu einem Gliede des Kopfskelettes werden können; würde der menschliche Leib dasjenige sein, als was er sich den Außensinnen darbietet, so würde er, wenn er noch so sehr sich verwandelte in seinen Kräften, niemals zu einem menschlichen Haupte werden können. Nun aber, selbst mit Bezug auf das äußere Anschauen ist diese Goethesche Weltanschauung klarer darinnenstehend in den Anforderungen des fünften nachatlantischen Zeitraums, als die auf ihr äußeres Anschauen und Experimentieren so stolze Naturwissenschaft des 19. Jahrhunderts. Goethe kann wirklich besser anschauen, und derjenige, der sich auf ihn zu stützen versucht, kann besser anschauen dasjenige, was in der Natur geschieht und was in der Natur vorhanden ist, als namentlich die biologische Wissenschaft des 19. Jahrhunderts.
[ 11 ] Sie sehen, diese Anschauung ist nur ein vollkommener ausgebildeter Impuls, der sich ergibt, wenn man innerlich verfolgt dasjenige, was in Goethes Weltanschauung den Anfang genommen hat. So wird versucht, wenn man wirklich auf dem Boden dieser Metamorphosenlehre steht, den einzelnen Organismus in seinen Gliedern darzustellen; aber diese Glieder werden so im Zusammenhang gedacht, daß der Zusammenhang nur möglich ist, wenn man durchschaut auf etwas, was da als Geistiges in der Sache lebt. Denn natürlich, würde ein Blatt das sein, was die Sinne sehen, so würde es niemals zu einem Blütenblatt oder zu einem Staubgefäße werden können; würde ein Wirbel dasjenige sein, als was ihn die Sinne sehen, so würde er niemals zu einem Gliede des Kopfskelettes werden können; würde der menschliche Leib dasjenige sein, als was er sich den Außensinnen darbietet, so würde er, wenn er noch so sehr sich verwandelte in seinen Kräften, niemals zu einem menschlichen Haupte werden können. Nun aber, selbst mit Bezug auf das äußere Anschauen ist diese Goethesche Weltanschauung klarer darinnenstehend in den Anforderungen des fünften nachatlantischen Zeitraums, als die auf ihr äußeres Anschauen und Experimentieren so stolze Naturwissenschaft des 19. Jahrhunderts. Goethe kann wirklich besser anschauen, und derjenige, der sich auf ihn zu stützen versucht, kann besser anschauen dasjenige, was in der Natur geschieht und was in der Natur vorhanden ist, als namentlich die biologische Wissenschaft des 19. Jahrhunderts.
[ 12 ] Als zwei Glieder, sagte ich, tritt uns zunächst der Mensch entgegen: als das Haupt und als sein übriger Organismus. Diese Tatsache, daß das Haupt gewissermaßen ein umgewandelter übriger Organismus ist, die muß man zunächst verstehen können, wenn man weiterbauen will. Denn dann erst wird man fragen können: Ja, was ist dann eigentlich auf der einen Seite dieses menschliche Haupt, und was ist auf der anderen Seite der übrige menschliche Organismus? — Um diese Frage sich zu beantworten, muß man ganz andere Dinge wichtig nehmen, als die gebräuchliche heutige Naturwissenschaft wichtig nimmt.
[ 12 ] Als zwei Glieder, sagte ich, tritt uns zunächst der Mensch entgegen: als das Haupt und als sein übriger Organismus. Diese Tatsache, daß das Haupt gewissermaßen ein umgewandelter übriger Organismus ist, die muß man zunächst verstehen können, wenn man weiterbauen will. Denn dann erst wird man fragen können: Ja, was ist dann eigentlich auf der einen Seite dieses menschliche Haupt, und was ist auf der anderen Seite der übrige menschliche Organismus? — Um diese Frage sich zu beantworten, muß man ganz andere Dinge wichtig nehmen, als die gebräuchliche heutige Naturwissenschaft wichtig nimmt.


[ 13 ] Sehen Sie, wenn Sie sich ein Tier vorstellen, so ist das Wesentliche an dem Tier, daß seine Rückenmarkssäule — ich habe das auch öfter angedeutet — parallel ist der Erdenoberfläche, und daß das Tier mit den Vorder- und Hinterbeinen auf der Erdenoberfläche daraufsteht (a) und den Kopf in der Verlängerung der Rückenmarkssäule, im wesentlichen als Verlängerung dieser Rückenmarkssäule horizontal trägt. Dasjenige, was man beim Menschen als sein heutiges Rückenmark kennt, das ist nun vertikal gerichtet, ist gerade senkrecht zu der Richtung gerichtet, die das Rückenmark des Tieres hat (b).
[ 13 ] Sehen Sie, wenn Sie sich ein Tier vorstellen, so ist das Wesentliche an dem Tier, daß seine Rückenmarkssäule — ich habe das auch öfter angedeutet — parallel ist der Erdenoberfläche, und daß das Tier mit den Vorder- und Hinterbeinen auf der Erdenoberfläche daraufsteht (a) und den Kopf in der Verlängerung der Rückenmarkssäule, im wesentlichen als Verlängerung dieser Rückenmarkssäule horizontal trägt. Dasjenige, was man beim Menschen als sein heutiges Rückenmark kennt, das ist nun vertikal gerichtet, ist gerade senkrecht zu der Richtung gerichtet, die das Rückenmark des Tieres hat (b).


[ 14 ] Aber dieses Rückenmark wollen wir zunächst nicht ins Auge fassen, denn es gehört nicht zum Kopfe; es gehört zum übrigen Organismus. Wir wollen zuerst ins Auge fassen ein anderes Rückenmark. Ja, was für ein anderes? Wir wollen ins Auge fassen das menschliche Gehirn. Sie werden sagen: Ist denn das ein Rückenmark? Ja, das ist ein Rückenmark! Es ist nämlich nichts anderes als ein umgewandeltes Rückenmark, es ist gewissermaßen ein aufgeplustertes Rückenmark. Denken Sie sich ein horizontales Rückenmark, wie es das Tier hat, aufgeblasen, umgewandelt, metamorphosiert, so bekommen Sie das menschliche Gehirn (c).
[ 14 ] Aber dieses Rückenmark wollen wir zunächst nicht ins Auge fassen, denn es gehört nicht zum Kopfe; es gehört zum übrigen Organismus. Wir wollen zuerst ins Auge fassen ein anderes Rückenmark. Ja, was für ein anderes? Wir wollen ins Auge fassen das menschliche Gehirn. Sie werden sagen: Ist denn das ein Rückenmark? Ja, das ist ein Rückenmark! Es ist nämlich nichts anderes als ein umgewandeltes Rückenmark, es ist gewissermaßen ein aufgeplustertes Rückenmark. Denken Sie sich ein horizontales Rückenmark, wie es das Tier hat, aufgeblasen, umgewandelt, metamorphosiert, so bekommen Sie das menschliche Gehirn (c).


[ 15 ] Die wahre Tatsache ist diese, daß während der Mondenentwickelung das, was heute Gehirn ist, so ausschaute wie ein heutiges tierisches Rückenmark. Und nur beim Übergang von der Mondenentwickelung in die Erdenentwickelung herein ist dieses Rückenmark, das der Mensch auf dem Monde hatte, komplizierter geworden, ist zum heutigen menschlichen Gehirn geworden; aber seine horizontale Lage hat es behalten. Denn im wesentlichen ist seine Achse senkrecht auf dem dem Körper angehörigen Rückenmark, und dieses dem Körper angehörige Rückenmark hat der Mensch erst während der Erdenzeit erhalten. Das ist noch auf der Stufe, auf der jenes Rückenmark, welches Gehirn geworden ist, auf dem Monde war, während der Mondenentwickelung (d).
[ 15 ] Die wahre Tatsache ist diese, daß während der Mondenentwickelung das, was heute Gehirn ist, so ausschaute wie ein heutiges tierisches Rückenmark. Und nur beim Übergang von der Mondenentwickelung in die Erdenentwickelung herein ist dieses Rückenmark, das der Mensch auf dem Monde hatte, komplizierter geworden, ist zum heutigen menschlichen Gehirn geworden; aber seine horizontale Lage hat es behalten. Denn im wesentlichen ist seine Achse senkrecht auf dem dem Körper angehörigen Rückenmark, und dieses dem Körper angehörige Rückenmark hat der Mensch erst während der Erdenzeit erhalten. Das ist noch auf der Stufe, auf der jenes Rückenmark, welches Gehirn geworden ist, auf dem Monde war, während der Mondenentwickelung (d).


[ 16 ] Dasjenige, was heute einfacher erscheint beim Menschen, sein Rükkenmark, das hat er später bekommen im Lauf der Entwickelung als dasjenige, was heute komplizierter erscheint, sein Gehirn. Nur war das Gehirn, das er heute hat, früher ein Rückenmark. So also sehen wir den Menschen ein zum Gehirn umgewandeltes Rückenmark haben, und dann erst während der Erdenentwickelung dazu gefügt ein ursprüngliches Rückenmark (e).
[ 16 ] Dasjenige, was heute einfacher erscheint beim Menschen, sein Rükkenmark, das hat er später bekommen im Lauf der Entwickelung als dasjenige, was heute komplizierter erscheint, sein Gehirn. Nur war das Gehirn, das er heute hat, früher ein Rückenmark. So also sehen wir den Menschen ein zum Gehirn umgewandeltes Rückenmark haben, und dann erst während der Erdenentwickelung dazu gefügt ein ursprüngliches Rückenmark (e).


[ 17 ] Also wenn wir das menschliche Haupt betrachten, so tritt es uns gar nicht so sehr verschieden vom tierischen entgegen; denn seine Hauptesrichtung ist wie die Rückgratsrichtung des Tieres, die auch beim Tiere die Hauptesrichtung ist, horizontal, parallel der Erde (f).
[ 17 ] Also wenn wir das menschliche Haupt betrachten, so tritt es uns gar nicht so sehr verschieden vom tierischen entgegen; denn seine Hauptesrichtung ist wie die Rückgratsrichtung des Tieres, die auch beim Tiere die Hauptesrichtung ist, horizontal, parallel der Erde (f).


[ 18 ] Und manche anderen Eigenschaften könnten angegeben werden, welche zeigen würden, daß das menschliche Haupt als solches, wenn es besehen wird, wie es in der ganzen Entwickelung drinnensteht, eine umgebildete 'Tierheit ist, und daß zu dieser umgebildeten Tierheit die übrige menschliche Organisation dazugekommen ist. Diese Idee, die ist gar nicht sehr ähnlich derjenigen, zu der die naturwissenschaftliche Entwickelung im 19. Jahrhundert gekommen ist. Denn die naturwissenschaftliche Entwickelung im 19. Jahrhundert wird, weil sie auf das Außerlich-Sinnliche den Hauptwert legt, gerade das menschliche Haupt am allerverschiedensten von der Tierheit finden. Hier (siehe Zeichnung) erscheint uns das menschliche Haupt gar nicht so verschieden von der übrigen Tierheit, nur veredelt: das Gehirn ein aufgeplustertes Rückenmark, das ja das Tier hat.
[ 18 ] Und manche anderen Eigenschaften könnten angegeben werden, welche zeigen würden, daß das menschliche Haupt als solches, wenn es besehen wird, wie es in der ganzen Entwickelung drinnensteht, eine umgebildete 'Tierheit ist, und daß zu dieser umgebildeten Tierheit die übrige menschliche Organisation dazugekommen ist. Diese Idee, die ist gar nicht sehr ähnlich derjenigen, zu der die naturwissenschaftliche Entwickelung im 19. Jahrhundert gekommen ist. Denn die naturwissenschaftliche Entwickelung im 19. Jahrhundert wird, weil sie auf das Außerlich-Sinnliche den Hauptwert legt, gerade das menschliche Haupt am allerverschiedensten von der Tierheit finden. Hier (siehe Zeichnung) erscheint uns das menschliche Haupt gar nicht so verschieden von der übrigen Tierheit, nur veredelt: das Gehirn ein aufgeplustertes Rückenmark, das ja das Tier hat.
[ 19 ] Sie werden nun die Frage auf den Lippen haben: Ja, glaubst du nun vielleicht, daß der übrige menschliche Organismus nun sogar edler ist als der Hauptesorganismus in bezug auf die äußere Gestaltung, daß der übrige menschliche Organismus vielleicht sogar weniger dem Tiere gleichen könnte als dasHaupt? Und Sie selbst werden es vielleicht paradox heute noch finden, aber Sie werden sich schon hineinfinden in die Anschauung, daß dies gesagt werden muß. Und im Grunde genommen: Sieht nicht schon äußerlich unser Haupt schließlich, von allen unseren Gliedern im ganzen genommen, am allerähnlichsten den Tierformen? Wir sind, wenigstens einen großen Teil unseres Lebens, die Männer noch mehr als die Frauen, am Haupte behaart. Das hat der übrige Organismus keineswegs in demselben Maße. Dadurch spricht das auch schon seine Verwandtschaft mit dem tierischen Organismus recht sehr aus. Dies, was ich Ihnen jetzt nur andeute — ich will es vorläufig bei der Andeutung lassen —, dies werden wir schon im Laufe der Zeit weiter ausführen. Aber es wird uns immer mehr und mehr zu der Anerkennung führen, daß etwas ganz anderes stattfindet in der Natur als dasjenige, was man sehr häufig glaubt. Der Mensch blickt herunter vom Menschen zu den niederen Tieren und sieht zum Beispiel eine Schildkröte oder eine Muschel oder eine Schnecke, und er glaubt im Sinne der heutigen Naturwissenschaft, die Schnecke, die Muschel, überhaupt das niedrige Getier, das hat sich zuerst allmählich entwickelt, und zu den niedrigen Organismen der niedrigen Tierheit ist der menschliche Kopf dazugekommen. Unsinn ist dieses, völliger Unsinn! Wenn Sie sich heute ein Schalentier ansehen oder eine Schildkröte, so ist dieses ein menschliches Haupt auf einer untergeordneten Stufe, und unser übriger Organismus ist dazugekommen. Nachdem sich dasjenige, was niedere Tierformen sind — ich will sie schematisieren —, allmählich umgestaltet hat zum menschlichen Haupte, ist der übrige Organismus dazugekommen.
[ 19 ] Sie werden nun die Frage auf den Lippen haben: Ja, glaubst du nun vielleicht, daß der übrige menschliche Organismus nun sogar edler ist als der Hauptesorganismus in bezug auf die äußere Gestaltung, daß der übrige menschliche Organismus vielleicht sogar weniger dem Tiere gleichen könnte als dasHaupt? Und Sie selbst werden es vielleicht paradox heute noch finden, aber Sie werden sich schon hineinfinden in die Anschauung, daß dies gesagt werden muß. Und im Grunde genommen: Sieht nicht schon äußerlich unser Haupt schließlich, von allen unseren Gliedern im ganzen genommen, am allerähnlichsten den Tierformen? Wir sind, wenigstens einen großen Teil unseres Lebens, die Männer noch mehr als die Frauen, am Haupte behaart. Das hat der übrige Organismus keineswegs in demselben Maße. Dadurch spricht das auch schon seine Verwandtschaft mit dem tierischen Organismus recht sehr aus. Dies, was ich Ihnen jetzt nur andeute — ich will es vorläufig bei der Andeutung lassen —, dies werden wir schon im Laufe der Zeit weiter ausführen. Aber es wird uns immer mehr und mehr zu der Anerkennung führen, daß etwas ganz anderes stattfindet in der Natur als dasjenige, was man sehr häufig glaubt. Der Mensch blickt herunter vom Menschen zu den niederen Tieren und sieht zum Beispiel eine Schildkröte oder eine Muschel oder eine Schnecke, und er glaubt im Sinne der heutigen Naturwissenschaft, die Schnecke, die Muschel, überhaupt das niedrige Getier, das hat sich zuerst allmählich entwickelt, und zu den niedrigen Organismen der niedrigen Tierheit ist der menschliche Kopf dazugekommen. Unsinn ist dieses, völliger Unsinn! Wenn Sie sich heute ein Schalentier ansehen oder eine Schildkröte, so ist dieses ein menschliches Haupt auf einer untergeordneten Stufe, und unser übriger Organismus ist dazugekommen. Nachdem sich dasjenige, was niedere Tierformen sind — ich will sie schematisieren —, allmählich umgestaltet hat zum menschlichen Haupte, ist der übrige Organismus dazugekommen.


[ 20 ] Also wir haben eine Entwickelung, die geht von den niederen Tierformen immer weiter und weiter, und das, was Tierheit ist, hat sich zum menschlichen Haupte gestaltet und der übrige Organismus ist diesem menschlichen Haupte als das Spätere angehängt. In unserem Haupte allein tragen wir dasjenige in uns, was uns mit den übrigen Tieren verbindet, nicht in unserem anderen Organismus. Deshalb hat das menschliche Haupt in seiner Hauptachse für sich dieselbe Richtung wie ein Tier: parallel der Erdenoberfläche. Der übrige Organismus ist aufrecht gebaut, ist senkrecht auf der Erdenoberfläche.
[ 20 ] Also wir haben eine Entwickelung, die geht von den niederen Tierformen immer weiter und weiter, und das, was Tierheit ist, hat sich zum menschlichen Haupte gestaltet und der übrige Organismus ist diesem menschlichen Haupte als das Spätere angehängt. In unserem Haupte allein tragen wir dasjenige in uns, was uns mit den übrigen Tieren verbindet, nicht in unserem anderen Organismus. Deshalb hat das menschliche Haupt in seiner Hauptachse für sich dieselbe Richtung wie ein Tier: parallel der Erdenoberfläche. Der übrige Organismus ist aufrecht gebaut, ist senkrecht auf der Erdenoberfläche.
[ 21 ] Es ist schon sehr verhängnisvoll, daß diese falsche Idee, die damit gekennzeichnet ist, in die naturwissenschaftliche Entwickelung des 19. Jahrhunderts eingezogen ist. Denn dadurch meint man eben, der Mensch als solcher, wie er ist, geht eben mit seinem ganzen Organismus als eine etwas ausgebildetere Gestalt aus früheren Tierformen hervor. Die Wahrheit ist, daß dasjenige, was aus früheren tierischen Formen hat werden können, nur Haupt sein kann, daß dagegen zu diesem Haupte hinzugekommen ist das, was innerhalb der Erdenentwickelung ganz neu eingetreten ist.
[ 21 ] Es ist schon sehr verhängnisvoll, daß diese falsche Idee, die damit gekennzeichnet ist, in die naturwissenschaftliche Entwickelung des 19. Jahrhunderts eingezogen ist. Denn dadurch meint man eben, der Mensch als solcher, wie er ist, geht eben mit seinem ganzen Organismus als eine etwas ausgebildetere Gestalt aus früheren Tierformen hervor. Die Wahrheit ist, daß dasjenige, was aus früheren tierischen Formen hat werden können, nur Haupt sein kann, daß dagegen zu diesem Haupte hinzugekommen ist das, was innerhalb der Erdenentwickelung ganz neu eingetreten ist.
[ 22 ] Nun wird es sich also um zweierlei handeln zunächst. Das erste ist dieses, daß wir eigentlich in unserem Haupte eine umgewandelte Form für die übrigen Tierformen haben. Und dennoch, aus demjenigen, was erst zum Haupte hinzugekommen ist und das wir als übrigen Organismus in einer Inkarnation haben, entwickeln wir durch entsprechende Kräfte in der nächsten Inkarnation die Form des Hauptes. Das könnte einem als ein scheinbarer Widerspruch vorkommen. Wir werden sehen, indem wir diese Dinge genau betrachten werden, daß es ein Widerspruch nicht ist.
[ 22 ] Nun wird es sich also um zweierlei handeln zunächst. Das erste ist dieses, daß wir eigentlich in unserem Haupte eine umgewandelte Form für die übrigen Tierformen haben. Und dennoch, aus demjenigen, was erst zum Haupte hinzugekommen ist und das wir als übrigen Organismus in einer Inkarnation haben, entwickeln wir durch entsprechende Kräfte in der nächsten Inkarnation die Form des Hauptes. Das könnte einem als ein scheinbarer Widerspruch vorkommen. Wir werden sehen, indem wir diese Dinge genau betrachten werden, daß es ein Widerspruch nicht ist.
[ 23 ] Ich wollte Ihnen durch die Erinnerung an die Tatsache, daß der Mensch das Tier eigentlich an sich trägt, daß er mit seinem Erdenorganismus das Tier stützt, das zu seinem Kopfe geworden ist, nur zeigen, wie falsch die heutigen äußeren Ideen sein können. Aber auch positiv möchte ich Ihnen noch etwas anderes zeigen. Wodurch ist denn, wenn das menschliche Haupt nur ein umgestaltetes Tier ist, das Haupt des Menschen das geworden, was es heute ist? Wodurch kann sein Kopf, der, so wie er einmal heute ist, sich dadurch entwickelt, daß er vorbereitet wird durch einen irdischen Organismus in einer vorhergehenden Inkarnation, sich zu dem menschlichen Haupt heranbilden? Nun, das Tier geht durch seine zwei Paar Beine auf der Erde, das heißt durch vier Beine. Wer da glaubt, daß dieses Tier nur so über die Erde hinschreitet und daß nichts sonst geschieht, als daß dieses Tier über die Erde hinschreitet, der ist in großem Irrtume. Aus der Erde gehen fortwährend Kräfte in das Tier herauf, gehen durch das Rückgrat, gehen dann, indem sie gewissermaßen das Gehirn immer beeinflussen, wiederum in die Erde zurück (a). Das Tier gehört zur Erde. Und wie es darauf steht, wie die Kräfte, die in der Erde wirksam sind, durch seine Beine in sein Rückgrat gehen und wieder zurück, das gehört zum ganzen Leben des Tieres.
[ 23 ] Ich wollte Ihnen durch die Erinnerung an die Tatsache, daß der Mensch das Tier eigentlich an sich trägt, daß er mit seinem Erdenorganismus das Tier stützt, das zu seinem Kopfe geworden ist, nur zeigen, wie falsch die heutigen äußeren Ideen sein können. Aber auch positiv möchte ich Ihnen noch etwas anderes zeigen. Wodurch ist denn, wenn das menschliche Haupt nur ein umgestaltetes Tier ist, das Haupt des Menschen das geworden, was es heute ist? Wodurch kann sein Kopf, der, so wie er einmal heute ist, sich dadurch entwickelt, daß er vorbereitet wird durch einen irdischen Organismus in einer vorhergehenden Inkarnation, sich zu dem menschlichen Haupt heranbilden? Nun, das Tier geht durch seine zwei Paar Beine auf der Erde, das heißt durch vier Beine. Wer da glaubt, daß dieses Tier nur so über die Erde hinschreitet und daß nichts sonst geschieht, als daß dieses Tier über die Erde hinschreitet, der ist in großem Irrtume. Aus der Erde gehen fortwährend Kräfte in das Tier herauf, gehen durch das Rückgrat, gehen dann, indem sie gewissermaßen das Gehirn immer beeinflussen, wiederum in die Erde zurück (a). Das Tier gehört zur Erde. Und wie es darauf steht, wie die Kräfte, die in der Erde wirksam sind, durch seine Beine in sein Rückgrat gehen und wieder zurück, das gehört zum ganzen Leben des Tieres.


[ 24 ] Das Verhältnis, das das Tier zur ganzen Erde hat, hat der Mensch, hat der Menschenkopf, das Menschenhaupt zu dem übrigen Organismus des Menschen. Dadurch, daß der Mensch einen Organismus hat, der sich senkrecht abhebt von der Erde, dadurch wird dieser übrige Organismus für das menschliche Haupt dasselbe, was die Erde, die ganze Erde, für das Tier ist. Wir haben also in unserem dem Haupte angehängten Organismus zusammengeschlossen die Geheimnisse der ganzen Erde in uns. Und es kann leicht nachgewiesen werden, washeute nur angedeutet werden kann, daß in der Tat, wenn wir das Haupt studieren und das Gehirn darinnen, die Rudimente, die Anhangsorgane da sind für vordere und hintere Gliedmaßen, durch die der Mensch sich auf sich selber mit seinem Haupte aufstellt wie das Tier auf der Erde, wie wir da, nur umgestaltet zu inneren, anderen Organen, hintere Gliedmaßen und vordere Gliedmaßen haben. Und die ganze Kopfbildung ist so, daß sie in der Tat sich verhält zu dem übrigen menschlichen Organismus wie das Tier zur Erde (b).
[ 24 ] Das Verhältnis, das das Tier zur ganzen Erde hat, hat der Mensch, hat der Menschenkopf, das Menschenhaupt zu dem übrigen Organismus des Menschen. Dadurch, daß der Mensch einen Organismus hat, der sich senkrecht abhebt von der Erde, dadurch wird dieser übrige Organismus für das menschliche Haupt dasselbe, was die Erde, die ganze Erde, für das Tier ist. Wir haben also in unserem dem Haupte angehängten Organismus zusammengeschlossen die Geheimnisse der ganzen Erde in uns. Und es kann leicht nachgewiesen werden, washeute nur angedeutet werden kann, daß in der Tat, wenn wir das Haupt studieren und das Gehirn darinnen, die Rudimente, die Anhangsorgane da sind für vordere und hintere Gliedmaßen, durch die der Mensch sich auf sich selber mit seinem Haupte aufstellt wie das Tier auf der Erde, wie wir da, nur umgestaltet zu inneren, anderen Organen, hintere Gliedmaßen und vordere Gliedmaßen haben. Und die ganze Kopfbildung ist so, daß sie in der Tat sich verhält zu dem übrigen menschlichen Organismus wie das Tier zur Erde (b).


[ 25 ] Das ist so bedeutend nun, daß man einsieht, was eine solche Idee, die sich natürlich nur aus den durch die Geisteswissenschaft befruchteten Anschauungen ergibt, für eine Bedeutung hat. Denn mit dieser Idee muß man jetzt wiederum zurückgehen zu dem, was nur ungenügend das 19. Jahrhundert mit seinen groben Mitteln beobachtet hat; mit dieser Idee muß man nun zurückgehen und die Embryonalentwickelung verfolgen. Dann wird sich etwas ganz anderes ergeben als dasjenige, was die Naturwissenschaft des 19. Jahrhunderts hat finden können. Dann werden sich aber auch wiederum Ideen ergeben, die fruchtbar sein können für das menschliche Leben auch über die bloße unlebendige Technik hinaus. Aber ohne diese Ideen wird die Menschheit aus jener Sackgasse nicht herauskommen, in die sie sich nun einmal hineinbegeben hat. Denn auf der Entwickelung der Idee, nicht der allgemeinen Ideen, die heute in Vereinen mit großen Idealen gepflegt werden, nicht in diesen Ideen, die jeder fassen kann, wenn er sich einmal drei Stunden ins Kaffeehaus setzt, sondern auf den Ideen, die aus der Forschung der Wirklichkeit entlehnt sind und dann erst auf das Leben angewendet werden, beruht der wirkliche Fortschritt der Menschheit. Schöne Ideen, mit denen man Vereine gründen kann, die kann man leicht haben; aber sie verhindern nicht, daß die Kultur in solche Sackgassen kommt, wie sie jetzt gekommen ist. Nur allein die konkreten Ideen verhindern dieses.
[ 25 ] Das ist so bedeutend nun, daß man einsieht, was eine solche Idee, die sich natürlich nur aus den durch die Geisteswissenschaft befruchteten Anschauungen ergibt, für eine Bedeutung hat. Denn mit dieser Idee muß man jetzt wiederum zurückgehen zu dem, was nur ungenügend das 19. Jahrhundert mit seinen groben Mitteln beobachtet hat; mit dieser Idee muß man nun zurückgehen und die Embryonalentwickelung verfolgen. Dann wird sich etwas ganz anderes ergeben als dasjenige, was die Naturwissenschaft des 19. Jahrhunderts hat finden können. Dann werden sich aber auch wiederum Ideen ergeben, die fruchtbar sein können für das menschliche Leben auch über die bloße unlebendige Technik hinaus. Aber ohne diese Ideen wird die Menschheit aus jener Sackgasse nicht herauskommen, in die sie sich nun einmal hineinbegeben hat. Denn auf der Entwickelung der Idee, nicht der allgemeinen Ideen, die heute in Vereinen mit großen Idealen gepflegt werden, nicht in diesen Ideen, die jeder fassen kann, wenn er sich einmal drei Stunden ins Kaffeehaus setzt, sondern auf den Ideen, die aus der Forschung der Wirklichkeit entlehnt sind und dann erst auf das Leben angewendet werden, beruht der wirkliche Fortschritt der Menschheit. Schöne Ideen, mit denen man Vereine gründen kann, die kann man leicht haben; aber sie verhindern nicht, daß die Kultur in solche Sackgassen kommt, wie sie jetzt gekommen ist. Nur allein die konkreten Ideen verhindern dieses.
[ 26 ] Das muß man so recht empfinden, dann wird man die großen Aufgaben der Geisteswissenschaft erst einsehen, und man wird die um uns liegende Wirklichkeit richtig beurteilen. Diese Wirklichkeit geht darauf aus, Geisteswissenschaft gerade in ihrem Wichtigsten nicht aufkommen zu lassen. Der Geist ist nämlich hinlänglich noch vorhanden, der die Goethesche Weltanschauung im 19. Jahrhundert hat versiegen lassen, und dieser Geist lebt sich namentlich dadurch aus, daß er von einer gewissen Verfolgungswut beseelt ist: von einer Wut, alles dasjenige zu verfolgen, was nach wirklichkeitsgesättigten Ideen strebt. Diesem Geist der Gegenwart kommen gerade die wirklichkeitsgesättigten Ideen oftmals phantastisch vor, weil er nicht geeignet ist, diese Ideen aufzunehmen. Und es wird sich schon das herausstellen, was der Geisteswissenschaft wie ihr stärkster Widersacher immer mehr und mehr gegenüberstehen wird: es wird sich das herausstellen, daß man gerade eine Weltanschauung, die wirkliche Geisteswege sucht und vorurteilslos in den Wirklichkeiten zu forschen sucht, deshalb ablehnt, weil man ablehnen will dieses Forschen in den Wirklichkeiten. Es ist einem zu unbequem, kennenzulernen, was alles notwendig ist, um zu einer wirklich umfassenden Weltanschauung zu kommen. Deshalb wird man verleumden diese umfassende Weltanschauung und wird nicht merken lassen die Welt, wie umfassend sie ist, sondern der Welt vormachen, daß sie auf ebenso oberflächlichen, engherzigen, eingeschränkten Begriffen und Forschungsresultaten stehe wie andere Weltanschauungen in der Gegenwart. Und geltend machen wird sich immer mehr und mehr eine gewisse Anerkennung der Unehrlichkeit des Strebens, nämlich desjenigen Strebens, das auf der Engherzigkeit besteht und eine Ablehnung gerade desjenigen, was mit dem Bewußtsein, das nur befriedigend vorwärtsführt, wirklich in den Wirklichkeiten forschen will und dadurch auch zu einem gewissen umfassenden Standpunkt kommen kann. Hochmut, Anmaßung sind Eigenschaften, die heute noch nicht ihren Höhepunkt erreicht haben. Was alles noch werden kann unter dem Einfluß jener Anmaßung, die nicht die Naturwissenschaft, sondern die Weltanschauung, die aus der Naturwissenschaft oftmals gezogen wird, großziehen wird, davon machen sich die Menschen der Gegenwart noch gar keine Vorstellung. Und welche Tyrannis auftreten wird, wenn von den äußeren Gewalten sich immer mehr und mehr privilegieren lassen wird der Materialismus auf dem Gebiet der Medizin, auf dem Gebiete anderer sogenannter Wissenschaftlichkeit, was aus dem hervorgehen wird, das auch nur zu empfinden, dazu ist der gegenwärtige Mensch noch viel zu bequem. Er liebt es vielmehr, Stück für Stück hinzunehmen, wie Tag um Tag mehr sich das Geistige privilegieren läßt von den äußeren Gewalten. Und wenige sind noch derjenigen Menschen, die fühlen, was für einer grausen Zukunft die Menschheit entgegengeht, wenn sie nicht fühlen lernt, um was es sich gerade auf diesem Gebiete handelt, welcher Rückgang gegenüber Standpunkten, die schon erreicht waren, gerade auf diesem Gebiete zu verzeichnen ist.
[ 26 ] Das muß man so recht empfinden, dann wird man die großen Aufgaben der Geisteswissenschaft erst einsehen, und man wird die um uns liegende Wirklichkeit richtig beurteilen. Diese Wirklichkeit geht darauf aus, Geisteswissenschaft gerade in ihrem Wichtigsten nicht aufkommen zu lassen. Der Geist ist nämlich hinlänglich noch vorhanden, der die Goethesche Weltanschauung im 19. Jahrhundert hat versiegen lassen, und dieser Geist lebt sich namentlich dadurch aus, daß er von einer gewissen Verfolgungswut beseelt ist: von einer Wut, alles dasjenige zu verfolgen, was nach wirklichkeitsgesättigten Ideen strebt. Diesem Geist der Gegenwart kommen gerade die wirklichkeitsgesättigten Ideen oftmals phantastisch vor, weil er nicht geeignet ist, diese Ideen aufzunehmen. Und es wird sich schon das herausstellen, was der Geisteswissenschaft wie ihr stärkster Widersacher immer mehr und mehr gegenüberstehen wird: es wird sich das herausstellen, daß man gerade eine Weltanschauung, die wirkliche Geisteswege sucht und vorurteilslos in den Wirklichkeiten zu forschen sucht, deshalb ablehnt, weil man ablehnen will dieses Forschen in den Wirklichkeiten. Es ist einem zu unbequem, kennenzulernen, was alles notwendig ist, um zu einer wirklich umfassenden Weltanschauung zu kommen. Deshalb wird man verleumden diese umfassende Weltanschauung und wird nicht merken lassen die Welt, wie umfassend sie ist, sondern der Welt vormachen, daß sie auf ebenso oberflächlichen, engherzigen, eingeschränkten Begriffen und Forschungsresultaten stehe wie andere Weltanschauungen in der Gegenwart. Und geltend machen wird sich immer mehr und mehr eine gewisse Anerkennung der Unehrlichkeit des Strebens, nämlich desjenigen Strebens, das auf der Engherzigkeit besteht und eine Ablehnung gerade desjenigen, was mit dem Bewußtsein, das nur befriedigend vorwärtsführt, wirklich in den Wirklichkeiten forschen will und dadurch auch zu einem gewissen umfassenden Standpunkt kommen kann. Hochmut, Anmaßung sind Eigenschaften, die heute noch nicht ihren Höhepunkt erreicht haben. Was alles noch werden kann unter dem Einfluß jener Anmaßung, die nicht die Naturwissenschaft, sondern die Weltanschauung, die aus der Naturwissenschaft oftmals gezogen wird, großziehen wird, davon machen sich die Menschen der Gegenwart noch gar keine Vorstellung. Und welche Tyrannis auftreten wird, wenn von den äußeren Gewalten sich immer mehr und mehr privilegieren lassen wird der Materialismus auf dem Gebiet der Medizin, auf dem Gebiete anderer sogenannter Wissenschaftlichkeit, was aus dem hervorgehen wird, das auch nur zu empfinden, dazu ist der gegenwärtige Mensch noch viel zu bequem. Er liebt es vielmehr, Stück für Stück hinzunehmen, wie Tag um Tag mehr sich das Geistige privilegieren läßt von den äußeren Gewalten. Und wenige sind noch derjenigen Menschen, die fühlen, was für einer grausen Zukunft die Menschheit entgegengeht, wenn sie nicht fühlen lernt, um was es sich gerade auf diesem Gebiete handelt, welcher Rückgang gegenüber Standpunkten, die schon erreicht waren, gerade auf diesem Gebiete zu verzeichnen ist.
[ 27 ] Nur diese Empfindung wollte ich einmal andeuten, die notwendig ist den Menschen der Gegenwart. Denn dieser Empfindung steht gegenüber eine ungeheure Schläfrigkeit gerade der idealistisch gesinnten Menschen der Gegenwart. Gegenüber dem, was man also empfinden soll an Aufgaben, scheint es aber die ärgste Sünde zu sein, wenn diejenigen, die, gerade von idealistischen Gesinnungen durchdrungen, in eine neuere Weltanschauung sich hineinfinden, sich dann zurückziehen von dem übrigen Wirken und Leben der Welt und allerlei Kolonien und dergleichen begründen, während das Notwendigste dieses ist, daß die neuere Weltanschauung, die geisteswissenschaftliche Weltanschauung sich voll in das Leben hineinstelle und nicht schläfrig dem ungeheuern Abgrunde entgegentaumle, der sich auftut aus dem, was man also andeuten kann, wie ich es heute wieder angedeutet habe.
[ 27 ] Nur diese Empfindung wollte ich einmal andeuten, die notwendig ist den Menschen der Gegenwart. Denn dieser Empfindung steht gegenüber eine ungeheure Schläfrigkeit gerade der idealistisch gesinnten Menschen der Gegenwart. Gegenüber dem, was man also empfinden soll an Aufgaben, scheint es aber die ärgste Sünde zu sein, wenn diejenigen, die, gerade von idealistischen Gesinnungen durchdrungen, in eine neuere Weltanschauung sich hineinfinden, sich dann zurückziehen von dem übrigen Wirken und Leben der Welt und allerlei Kolonien und dergleichen begründen, während das Notwendigste dieses ist, daß die neuere Weltanschauung, die geisteswissenschaftliche Weltanschauung sich voll in das Leben hineinstelle und nicht schläfrig dem ungeheuern Abgrunde entgegentaumle, der sich auftut aus dem, was man also andeuten kann, wie ich es heute wieder angedeutet habe.
[ 28 ] Ich wollte heute etwas Episodisches geben. Denn um die Dinge, die sehr wichtig sind, die ich weiterhin vorzubringen habe, darzustellen, brauche ich gerade drei aufeinanderfolgende Vorträge.
[ 28 ] Ich wollte heute etwas Episodisches geben. Denn um die Dinge, die sehr wichtig sind, die ich weiterhin vorzubringen habe, darzustellen, brauche ich gerade drei aufeinanderfolgende Vorträge.
