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Humanity's Internal Impulses for Development
Goethe and the Crisis of the Nineteenth Century
GA 171

21 October 1910, Dornach

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Humanity's Internal Impulses for Development, tr. SOL
  1. Innere Entwicklungsimpulse der Menschheit

Dreizehnter Vortrag

Thirteenth Lecture

[ 1 ] Wir haben versucht, uns die Hauptideen vor Augen zu führen, welche in unserem fünften nachatlantischen Zeitraum nach Ausgestaltung, man könnte auch sagen, nach Dasein ringen, so nach Dasein ringen, daß sie unter den charakterisierten zweierlei Impulsen einseitig zur Ausbildung kommen. Unter dem einen Impuls bildet sich aus, gestaltet sich mehr oder weniger aus alles das, was angeschlossen werden kann an die Tatsache der Geburt, die Tatsache der Verwandtschaft der Lebewesen, überhaupt der Wesen und Kräfte innerhalb unseres Erdendaseins. Von dem anderen Impuls einseitig beeinflußt sehen wir diejenigen Tatsachen, die sich anschließen an den Tod, an dasjenige, was man Leiden, Schmerz, das Übel, das Böse nennt. Und wie sich einseitig ausgestalten die Tatsachenreihen im menschlichen Denken, die sich an das Charakterisierte anschließen, das haben wir von verschiedenen Seiten her zu beleuchten versucht. Nun muß man sich darüber klar sein, daß die beiden wichtigsten Ideale für diese fünfte nachatlantische Zeit sind: erstens das Ideal, rein dasjenige hinzustellen, was in der Sinneswelt vorliegt, und es zurückzuführen bis zu den ursprünglichen Erscheinungen, wie das — wir haben ja darüber schon gesprochen — Goethe getan hat, der versucht hat, die Erscheinungen bis zu dem zurückzuführen, was er die Urphänomene nannte. Auf der anderen Seite muß der fünfte nachatlantische Zeitraum danach streben, freie, in der menschlichen Seele aufsteigende Imaginationen zu erlangen. In dem Zusammenschauen gewissermaßen der Imaginationen, die der Mensch empfängt aus der geistigen Welt, von denen jetzt ja erst wenige da sein können, denn der fünfte nachatlantische Zeitraum hat, wie wir wissen, erst im 15. Jahrhundert begonnen, im Zusammenschauen der Imaginationen mit der Sinnenwelt besteht die Aufgabe unserer Zeit. Mit diesen freien Imaginationen soll der Mensch umfassen dasjenige, was sich in der äußeren Sinnenwelt ihm darbietet. Wie Sie ja aus verschiedenen meiner Ausführungen, die teilweise in Vorträgen gegeben worden sind, teilweise in meinen Büchern sich finden, entnehmen können, hat einen großen Anfang gemacht mit einer solchen Weltenbetrachtung eben gerade Goethe. Deshalb kann Goethe auch für eine wirklich von der fünften nachatlantischen Zeitepoche geforderte Weltanschauung die echte, sachgemäße Grundlage sein.

[ 1 ] We have attempted to bring to light the main ideas that, in our fifth post-Atlantean epoch, are striving for form—or, one might say, for existence—striving so intensely for existence that they develop one-sidedly under the influence of the two impulses described above. Under one impulse, everything that can be connected to the fact of birth, the fact of kinship among living beings—indeed, among all beings and forces within our earthly existence—more or less takes shape and develops. Influenced one-sidedly by the other impulse, we see those facts that are connected to death, to what is called suffering, pain, evil, and wickedness. And we have attempted to shed light from various angles on how the series of facts in human thinking that are connected to what has been characterized take shape in a one-sided manner. Now we must be clear that the two most important ideals for this fifth post-Atlantean epoch are: first, the ideal of presenting purely what is present in the sensory world and tracing it back to its original phenomena—as Goethe did, as we have already discussed—who attempted to trace phenomena back to what he called the “primordial phenomena.” On the other hand, the fifth post-Atlantean epoch must strive to attain free imaginations that arise within the human soul. The task of our time lies in the synthesis, so to speak, of the imaginations that human beings receive from the spiritual world—of which, of course, there can be only a few at present, since the fifth post-Atlantean epoch, as we know, did not begin until the 15th century—and the sensory world. With these free imaginations, human beings are to embrace that which presents itself to them in the external sensory world. As you can gather from various remarks of mine—some of which have been presented in lectures and some of which can be found in my books—it was Goethe, in particular, who made a great start on such a view of the world. That is why Goethe can also serve as the genuine, appropriate foundation for a worldview truly required by the fifth post-Atlantean epoch.

[ 2 ] Es ist eigentümlich in der Weltentwickelung, daß sie gewissermaßen wellenförmig sich vollziehen muß, daß gewisse Impulse auftauchen, stark wirken, dann wiederum abfluten und erst später wieder auftreten können und so weiter. Das empfindet besonders stark derjenige, der die Goethesche Weltanschauung in ihrem Nerv versteht. Gewiß, Geisteswissenschaft selbst kann noch nicht gefunden werden in der Goetheschen Weltanschauung, aber sie wird gerade unter dem Einflusse des Verständnisses der Goetheschen Weltanschauung immer mehr und mehr entstehen können. Denn es ist wirklich so, daß alles dasjenige, was noch ohne die eigentliche Gestalt der Geisteswissenschaft als Weltanschauung gegeben werden konnte, in der Goetheschen Weltanschauung gegeben ist. Und diese Goethesche Weltanschauung hat zunächst in, wenn auch vielleicht für die große Welt enge, so doch für das Geistesleben weite Kreise ihr Licht geworfen, und vieles im Geistesleben ist schon durch die Goethesche Weltanschauung beeinflußt worden, wenn auch dasjenige, was beeinflußt worden ist, im Grunde ebenso zunächst abgeflutet ist, wie die Goethesche Weltanschauung ja selbst abgeflutet ist. Denn darüber braucht man sich ja keiner Täuschung hinzugeben: Wenn auch Goethe von vielen heute genannt wird, wenn auch viele glauben, seine Werke zu kennen, dasjenige, was eigentlich in seiner Weltanschauung lebt und webt, das ist doch etwas, was noch zu dem Unbekanntesten in der Menschheitsentwickelung gehört, und was, wenn es immer mehr und mehr eintreten wird in die Menschheitsentwickelung, das wissenschaftliche, das soziale und auch das übrige Denken, aber auch die Impulse desHandelns der Menschen wesentlich umgestalten wird. In unserer Zeit wirken noch außerhalb der anthroposophischen Bewegung für ein Verständnis der Goetheschen Weltanschauung wenig günstige Kräfte, wenig günstige Impulse. Denn so berechtigt und so großartig das sogenannte demokratische Prinzip für die Menschheitsentwickelung ist, wenn es in richtigem Sinne verstanden wird, so verderblich wirkt es in unserer Zeit, wo es oftmals am falschesten Ende angepackt und angewendet wird. In unserer Zeit herrscht eine intensive Abneigung, Antipathie, ja mehr als das, in vielen Seelen ein intensiver Haß und eine Gegnerschaft gegen eine so geartete Weltanschauung, wie sie ihre Quellen in Goethescher Denkungsart und Goethescher Gesinnung hat. Denn zu dieser Weltanschauung ist vieles, vieles nötig, was gerade unsere Zeit am allerwenigsten gern hat. In unserer Zeit möchte jeder, ohne sich Grundlagen dafür besonders geschaffen zu haben, gewissermaßen seine eigene Weltanschauung haben, seine eigene Weltanschauung sich aufbauen, ein Eigenbrötler der Weltanschauung sein. Und die nächste Empfindung, die jeder hat, ist ungefähr diese, daß die einzelnen Weltanschauungen so gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Dasjenige, was einem gerade von Goethe so einzigartig charakterisiert im Faustischen Streben entgegentritt, von dem spricht heute jeder journalistische Tropf und jeder, der diesen Tröpfen nachspricht; aber vom Kennen des innersten Nerves dieses Faustischen Strebens kann ja gerade heute im allergeringsten Maße nur die Rede sein. Und wir werden noch viel zu besprechen haben, wenn wir das, was damit nur mit ein paar Strichen gekennzeichnet ist, was einem harmonischen Ausgleiche der genannten Impulse ungünstig ist in der neueren Zeit, ins Auge fassen werden, um dann auch zu besprechen, wie dieser harmonische Ausgleich der einseitigen Impulse, die wir kennengelernt haben, herbeigeführt werden soll.

[ 2 ] It is a peculiar feature of world development that it must, as it were, unfold in waves—that certain impulses arise, exert a strong influence, then subside, and may only reappear later, and so on. This is felt particularly strongly by those who understand the essence of Goethe’s worldview. Certainly, spiritual science itself cannot yet be found in Goethe’s worldview, but it will be able to emerge more and more precisely under the influence of an understanding of Goethe’s worldview. For it is truly the case that everything that could be given as a worldview even without the actual form of spiritual science is already present in Goethe’s worldview. And this Goethean worldview has, for the time being, cast its light in circles that, while perhaps narrow for the wider world, are nonetheless vast for spiritual life; and much in spiritual life has already been influenced by the Goethean worldview, even if that which has been influenced has, in essence, ebbed away just as Goethe’s worldview itself has ebbed away. For one need not delude oneself about this: Even though Goethe is mentioned by many today, and even though many believe they know his works, that which actually lives and weaves within his worldview is still among the most unknown aspects of human development; and as it increasingly enters into human development—into scientific, social, and all other forms of thought— but will also fundamentally transform the impulses guiding human action. In our time, even outside the anthroposophical movement, there are still forces and impulses at work that are not conducive to an understanding of Goethe’s worldview. For as justified and as magnificent as the so-called democratic principle is for human development—when understood in the proper sense—it has a pernicious effect in our time, when it is often approached and applied in the most misguided way. In our time, there is an intense aversion, antipathy—indeed, more than that: in many souls, an intense hatred and opposition—toward a worldview of the kind that has its sources in Goethe’s way of thinking and Goethe’s spirit. For this worldview requires many, many things that our time dislikes the very most. In our time, everyone wants—without having laid any particular foundations for it—to have, as it were, their own worldview, to construct their own worldview, to be a loner in matters of worldview. And the next feeling everyone has is roughly this: that the various worldviews stand side by side on an equal footing. That which Goethe so uniquely characterizes in the Faustian striving is what every journalistic hack—and everyone who parrots these hacks—talks about today; but as for knowing the innermost essence of this Faustian striving, there can be no question of it whatsoever, especially today. And we will still have much to discuss when we examine what has been outlined here only in broad strokes—namely, what in recent times has been detrimental to a harmonious balance of the aforementioned impulses—so that we may then also discuss how this harmonious balance of the one-sided impulses we have come to know is to be brought about.

[ 3 ] Ich möchte heute gewissermaßen episodisch wiederum einiges einfügen, um Ihnen begreiflich zu machen, wie es hat kommen können, daß die schon auf einer solchen Höhe lebende Goethesche Weltanschauung versiegt ist im 19. Jahrhundert und sich allerlei anderes geltend gemacht hat. Dieses 19. Jahrhundert kam immer mehr und mehr dazu, wenn man so sagen darf, die Welt, die den Menschen umgibt, uninteressant zu finden — das beachtet man oftmals wenig, aber es ist doch so —, weil gerade im 19. Jahrhundert in der geistigen Menschheitsentwickelung jene Krisis heraufkam, die bedingte, daß das Anschauen des Geistigen, das in den Dingen lebt, immer mehr und mehr versiegte. Man sah nur die äußeren sinnlichen Qualitäten, sinnlichen Eigenschaften, Betätigungsweisen der Dinge, und diese wurden immer uninteressanter und uninteressanter. Dasjenige, was als Geistiges die Sinnenwelt durchlebt und durchwebt, sah man nicht mehr. Die Sinnenwelt als solche fand man immer uninteressanter und uninteressanter. Daher der’Iraum, innerhalb dieser Sinneswelt selber, die ja doch das einzige war, was man dem Geiste der Zeit nach hatte, innerhalb dieser Sinneswelt selber etwas Verborgenes zu suchen. Das Geistig-Verborgene in der Sinneswelt, das wurde man nicht gewahr. So suchte man nach dem Verborgenen in der Sinneswelt selber, und das führte dazu, daß man zunächst, allerdings in höchst fruchtbarer Weise, nach einer andern Seite hin die Anschauung räumlich zu vertiefen suchte durch die mikroskopische, durch die teleskopische Forschung, durch dasjenige, was im Kleinsten und im Größten rein sinnlich geschaut werden kann. Der Glaube an das Geistig-Verborgene schwand. So wollte man wenigstens glauben dürfen daran, daß sich die Weltenrätsel lösen durch Erforschung des sinnlich zunächst Verborgenen, und auf diesem Gebiete brachte man es ja ungeheuer weit. Man braucht nur daran zu denken, welche großen, gewaltigen Fortschritte die mikroskopische Forschung in bezug auf die Lebewesen im 19. Jahrhundert gemacht hat. Die Zellenlehre ist dadurch heraufgekommen. Man gelangte zu der Anschauung, daß der lebendige Organismus der Pflanzen und der Tiere und des Menschen aus kleinsten Teilen, Zellen bestehe, und die Vervollkommnung der mikroskopischen Forschung machte es möglich, das Leben dieser kleinsten Zellenwesen zu studieren, über das man früher mehr oder weniger ja nur Vermutungen hat anstellen können. Das Sinnliche wollte man auf diese Weise aus einem anderen Sinnlichen erklären. Und besonders wichtig wurde diese Erklärungsweise für die eine Reihe der Tatsachen, die sich heraufdrängte im fünften nachatlantischen Zeitraum, für die Tatsachen, die sich an die Geburt, an das Werden der Lebewesen anschließen. Man sah ein Lebewesen bis zum Menschen herauf hervorgehen aus einer Zelle, man sah es sich entwickeln, indem man das fortschreitende Leben, die Vermehrung der Zellen beobachtete, und man gelangte endlich dazu, sich Vorstellungen darüber zu machen, wie umgebildet wird die einfache runde Zelle, die sich vermehrt nach und nach im Verlaufe ihres Lebens vor der Geburt, auch beim Menschen, und endlich zu der menschlichen Gestalt wird, wie sie durch die Geburt ins Dasein tritt.

[ 3 ] Today I would like to add a few more points, in a sort of episodic manner, to help you understand how it came to be that Goethe’s worldview—which had already reached such heights—dried up in the 19th century, and all sorts of other ideas came to the fore. The 19th century came to regard—if I may put it that way—the world surrounding human beings as increasingly uninteresting—a fact that is often overlooked, but it is indeed the case—because it was precisely in the 19th century that a crisis arose in humanity’s spiritual development, one that caused the perception of the spiritual that lives within things to dry up more and more. People saw only the outer sensory qualities, sensory characteristics, and modes of activity of things, and these became less and less interesting. What, as the spiritual, permeates and interweaves the sensory world was no longer seen. The sensory world as such was found to be increasingly uninteresting. Hence the impulse, within this sensory world itself—which was, after all, the only thing available to the spirit of the age—to seek something hidden within this sensory world itself. People were not aware of the spiritual and hidden aspects within the sensory world. Thus, people sought the hidden within the sensory world itself, and this led them, at first—albeit in a highly fruitful way—to attempt to deepen their perception spatially in another direction through microscopic and telescopic research, through that which can be perceived purely through the senses in the smallest and the largest. Faith in the hidden spiritual realm waned. Thus, people wanted at least to be allowed to believe that the mysteries of the world could be solved by investigating what was initially hidden from the senses, and in this field, tremendous progress was indeed made. One need only think of the great, tremendous advances that microscopic research made regarding living organisms in the 19th century. This gave rise to cell theory. People came to the view that the living organism of plants, animals, and humans consists of the smallest parts—cells—and the refinement of microscopic research made it possible to study the life of these tiniest cellular beings, about which one had previously been able to make only more or less conjectures. In this way, one sought to explain the sensible world through another aspect of the sensible world. And this method of explanation became particularly important for a series of facts that came to the fore in the fifth post-Atlantean epoch—namely, the facts related to birth and the development of living beings. One saw a living being, up to and including the human being, emerge from a single cell; one saw it develop by observing the progression of life and the multiplication of cells, and one finally arrived at forming concepts of how the simple round cell—which multiplies gradually in the course of its life before birth, even in humans—is transformed and ultimately becomes the human form as it enters existence through birth.

[ 4 ] Man machte sich, wie ich sagte, Vorstellungen darüber, wie aus der einfachen Zelle dasjenige wird, was dann als Mensch durch die Geburt ins Dasein tritt, und die Vorstellungen führten dazu, das, was man nennen kann das Problem der Geburt, das Rätsel der Geburt beim Menschen eng anzuschließen an die Vorgänge im tierischen Leben. Man sah ja, daß die tierische Welt in ihren einfachsten Formen sich darstellt in solchen Wesen, die selber erst wie eine einzige Zelle sind, daß also es tierische Wesen in der Welt gibt, welche gewissermaßen in ihrem ganzen Leben die Gestalt haben, die der Mensch nur in der allerersten Zeit in dem Leibe der Mutter hat. Andere Tiere stellten sich dar in Formen, die ähnlich waren einer späteren Entwickelungsform des Menschen. In einer gewissen Zeit der Entwickelung vor der Geburt, also der embryonalen Entwickelung, stellt sich die Menschengestalt so dar, daß sie aussieht oder wenigstens daß sie erinnert an ein Fischchen, und zwischen der Zellenform und der Form eines Fischchens liegen die anderen Formen darinnen, die nun wiederum draußen als selbständige Wesen leben. Der Mensch macht also gewissermaßen durch in seiner Embryonalentwickelung nach und nach die Formen, welche draußen sind. Das hat ja, wie wir wissen, geführt zu der Aufstellung des durch Aaeckel so berühmt gewordenen biogenetischen Grundgesetzes, das da heißt, daß der Mensch während seiner Entwickelung vor der Geburt verkürzt gleichsam rekapituliert die Tierformen. Das aber hat weiter dazu geführt, zu glauben, daß der Mensch, so wie er ins irdische Dasein tritt, von denTierformen abstammen müsse. Man hat gedacht: Nun, in den alten Zeiten waren einfach eben nur Zellenwesen vorhanden, aus diesen Zellenwesen entwickelten sich durch diese oder jene Vorgänge, die man sich wieder mehr oder weniger zufällig oder rein naturwissenschaftlich notwendig dachte — was ja schließlich dasselbe ist —, etwas kompliziertere Wesen. So daß man also jetzt in einem nächsten Stadium der Weltentwickelung vor sich hat die einfachen Zellenwesen und etwas kompliziertere, aber die etwas komplizierteren machen zunächst das Stadium der einfachen Zellenentwickelung durch; dann kamen weiter kompliziertere, die wiederum durchgemacht hatten Zellenformen, also dasjenige, das früher entstanden ist, und dann ihre Form. Und so, dachte man sich, habe sich die ganze Tierwelt entwickelt, zuletzt der Mensch, der eben während seiner Embryonalentfaltung in Kürze die Tierformen alle rekapituliert.

[ 4 ] As I said, people formed ideas about how a simple cell develops into what then comes into being as a human being through birth, and these ideas led to what might be called the problem of birth—the mystery of human birth—being closely linked to the processes in the animal world. After all, it was evident that the animal world, in its simplest forms, consists of beings that are themselves initially like a single cell—that is, there are animal beings in the world which, for their entire lives, have the form that a human being possesses only in the very earliest stage within the mother’s womb. Other animals appeared in forms similar to a later stage of human development. At a certain stage of development before birth—that is, during embryonic development—the human form appears such that it looks like, or at least resembles, a small fish; and between the cellular form and the form of a small fish lie the other forms that now live externally as independent beings. Thus, in a sense, the human being gradually passes through, in its embryonic development, the forms that exist externally. As we know, this led to the formulation of the biogenetic law, made so famous by Haeckel, which states that during its prenatal development, the human being, in a condensed form, recapitulates the animal forms. This, in turn, led to the belief that the human being, upon entering earthly existence, must be descended from animal forms. People thought: Well, in ancient times there were simply only single-celled organisms; from these single-celled organisms, through this or that process—which was thought of as more or less random or purely scientifically necessary (which, after all, amounts to the same thing)—more complex beings developed. So that in the next stage of the world’s development, one now has before one the simple cellular organisms and somewhat more complex ones; but the somewhat more complex ones first go through the stage of simple cellular development; then came even more complex ones, which in turn had gone through cellular forms—that is, what had arisen earlier—and then their own form. And so, it was thought, the entire animal kingdom had developed, culminating in humans, who, during their embryonic development, briefly recapitulate all animal forms.

[ 5 ] Auf diese Weise ist eine Anschauung entstanden über den Zusammenhang desjenigen, was man menschliche Geburt nennen kann, mit dem allmählichen Entstehen, wie man es sich dachte, der organischen Lebensformen. Dies knüpfte also den Menschen unmittelbar an die verschiedenen Tierformen an, und da der Mensch durch dasjenige, was er unmittelbar sieht, leicht geblendet wird, so vergaß man im Laufe des 19. Jahrhunderts irgend etwas anderes zu berücksichtigen als das, was sich auf diese Weise wie eine Ähnlichkeit der menschlichen Embryonalentwickelung mit den Gestaltungen der übrigen organischen Formen ergab. Die Gedanken und Ideen, durch die man den Zusammenhang, den man also durch die fortgeschrittenen Mittel der Forschung erkannt hatte oder zu erkennen glaubte, diese Gedanken waren nur dadurch so eng wie sie waren, konnten nur dadurch jene materialistische Form annehmen, die sie angenommen haben, weil eben im Laufe des 19. Jahrhunderts Goethesche Denkungsart, Goethesche Vorstellung wirklich vollständig versiegte. Man braucht sich nur daran zu erinnern, wie Goethe im Verlaufe seines Lebens zu dem gekommen ist, was er seine Metamorphosenlehre nennt.

[ 5 ] In this way, a conception arose of the connection between what might be called human birth and the gradual emergence—as it was thought—of organic life forms. This thus directly linked human beings to the various animal forms, and since human beings are easily dazzled by what they see directly, people throughout the 19th century neglected to consider anything other than what appeared in this way as a similarity between human embryonic development and the structures of other organic forms. The thoughts and ideas through which one recognized—or believed one had recognized—the connection revealed by the advanced methods of research—these thoughts were only as narrow as they were, and could only take on the materialistic form that they did, precisely because, in the course of the 19th century, Goethe’s way of thinking, Goethe’s conception, truly dried up completely. One need only recall how Goethe, in the course of his life, arrived at what he called his “theory of metamorphosis.”

[ 6 ] Goethe hat sich — das mag Ihnen ja zur Genüge hervorgehen aus dem, was aus dem «Faust» auf Sie gewirkt hat —, bevor er zu seiner Metamorphosenlehre gekommen ist, wohl beschäftigt mit demjenigen, was ihm in seiner Zeit zur Verfügung stehen konnte an Erkenntnissen der geistigen Welt, und er hat kennengelernt verschiedene Wege, verschiedene Mittel, durch die der Mensch versuchen kann, sich der geistigen Welt zu nähern. Erst nachdem durch die Erfahrungen, durch die Erlebnisse mit diesen Mitteln und Wegen Goethes Geist sehr, sehr vertieft war, ging er daran, naturwissenschaftliche Ideen zu fassen. Und da sehen wir denn zunächst, wie Goethe, als er nach Weimar gekommen war und ihm nach und nach die Mittel der Jenaer Universität zur Verfügung standen, alles, alles tut, um seine naturwissenschaftlichen Kenntnisse und Einsichten zu bereichern, aber zugleich auch alles tut, um zusammenhängende Ideen zu gewinnen über die verschiedenen Formen der Organismen. Und dann wiederum sehen wir, wie Goethe seine Italienische Reise antritt, wie er, während er auf der Italienischen Reise ist, alles, was ihm entgegentritt an Pflanzen- und Tierformen, ins Auge faßt, um die innere Verwandtschaft der Pflanzen- und Tierformen in der reichen Mannigfaltigkeit zu studieren, die ihm jetzt entgegentrat. Und in Sizilien endlich glaubte er dasjenige gefunden zu haben, was er seine Urpflanze dann nannte. Was dachte sich Goethe als Urpflanze? Diese Urpflanze ist nicht ein sinnliches Gebilde. Diese Urpflanze nennt Goethe selbst eine sinnlich-übersinnliche Form. Sie ist etwas, was nur im Geistigen angeschaut werden kann, was aber in diesem Geistigen so geschaut wird, daß wenn man eine bestimmte Pflanze sieht, man weiß: diese bestimmte Pflanze ist eine besondere Ausgestaltung der Urpflanze. Jede Pflanze ist eine besondere Ausgestaltung der Urpflanze, aber keine sinnlich-wirkliche Pflanze ist die Urpflanze. Die Urpflanze ist ein sinnlich-übersinnliches Wesen, das in allen Pflanzen lebt. Bis zu dieser Idee also brachte es Goethe: nicht bloß zu verfolgen die verschiedenen sinnlichen Formen, sondern die eine Urpflanze in allen Pflanzen zu suchen. Damit hatte er, man könnte sagen, das, was als Metamorphosenlehre immer existiert hat, wesentlich vertieft, sehr, sehr vertieft, und es lag ihm nahe, nun auch anzuwenden die Idee dieser Metamorphosenlehre im weiteren Umfange auf das Organische, auf das Lebendige.

[ 6 ] Goethe—as you may well have gathered from the impact “Faust” had on you—had, before he arrived at his theory of metamorphosis, likely engaged with whatever knowledge of the spiritual world was available to him in his time, and he became acquainted with various paths and various means through which a person can attempt to approach the spiritual world. Only after Goethe’s spirit had been deeply, deeply enriched by his experiences and encounters with these means and paths did he set out to grasp scientific ideas. And there we see, first of all, how Goethe—once he had arrived in Weimar and gradually gained access to the resources of the University of Jena—did everything, absolutely everything, to enrich his scientific knowledge and insights, while at the same time doing everything to gain coherent ideas about the various forms of organisms. And then, in turn, we see how Goethe sets out on his Italian journey, how, while on that journey, he takes in everything he encounters in terms of plant and animal forms, in order to study the inner kinship of these forms within the rich diversity that now presented itself to him. And in Sicily, at last, he believed he had found what he later called his “primordial plant.” What did Goethe mean by the “primordial plant”? This primordial plant is not a sensory entity. Goethe himself calls this primordial plant a “sensory-supersensory form.” It is something that can only be perceived in the spiritual realm, but it is perceived there in such a way that when one sees a particular plant, one knows: this particular plant is a specific manifestation of the primordial plant. Every plant is a particular manifestation of the primordial plant, but no sensually real plant is the primordial plant. The primordial plant is a sensually-supersensual being that lives in all plants. This, then, was the idea Goethe arrived at: not merely to trace the various sensory forms, but to seek the one primordial plant in all plants. With this, one might say, he had substantially deepened—very, very deeply—what has always existed as the doctrine of metamorphosis, and it was natural for him to now apply the idea of this doctrine of metamorphosis more broadly to the organic, to the living.

Diagram 1Diagram 1

[ 7 ] Interessant ist es, wenn er nun beschreibt, wie er die menschliche Gestalt selber sich denken wollte so, daß ihre einzelnen Glieder Verwandlungsprodukte darstellen, gewissermaßen der Mensch die Komplikation einer Idee ist. Er erzählt, wie er 1790 auf dem Judenkirchhof in Venedig einen Schöpsenschädel gefunden hat, der besonders glücklich zerfallen war, so daß er an den einzelnen Schädelknochen sehen konnte, wie diese Schädelknochen so gebildet sind, daß man in ihnen umgebildete Wirbelknochen erkennen kann. Es war ihm also aufgefallen, daß die Wirbelsäule aus einzelnen Knochen, die ich nur schematisch zeichnen will, besteht, daß aber dann der Schädel aus solchen umgestalteten Wirbelknochen besteht. Natürlich, wenn sie umgestaltet sind, dann nehmen sie ganz andere Formen an, aber doch sind die Schädelknochen dann nur umgestaltete Wirbelknochen. Die Wirbelknochen liegen ringförmig übereinander. Dadurch, daß man sie sich aus Kautschuk denkt und in der verschiedensten Weise der Kautschuk auseinandergezogen wird, kann man sich vorstellen, daß aus den Wirbelknochen die Formen der Schädelknochen entstehen (siehe Zeichnung a). Das war für Goethe etwas außerordentlich Wichtiges, sich sagen zu können: In dem Wirbelknochen, der das Rückenmark umhüllt, ist etwas gegeben wie ein Grundelement der menschlichen Entwickelung, das sich nur umzubilden braucht, um zu komplizierteren Elementen dieser menschlichen Entwickelung sich zu gestalten. So hatte Goethe auf der einen Seite im Pflanzenblatt erkannt: Wenn eine Pflanze wächst, so entwickelt sie Blatt nach Blatt; aber dann schließt sie ab an einem bestimmten Punkt die Blattentwickelung, und es entstehen durch die Umwandlung des Blattes zunächst die Blütenblätter (siehe Zeichnung b), dann aber auch die Staubgefäße, ganz anders gestaltete Organe, die auch nichts anderes sind als Blätter, aber umgestaltete Blätter. In dem Blatte ist also für Goethe die ganze Pflanze enthalten.

[ 7 ] It is interesting when he goes on to describe how he wanted to conceive of the human form itself in such a way that its individual limbs represent products of transformation—in a sense, the human being is the complication of an idea. He recounts how, in 1790, he found a sheep’s skull at the Jewish cemetery in Venice that had decomposed particularly well, allowing him to see from the individual skull bones how they are formed in such a way that one can recognize transformed vertebral bones within them. He had thus noticed that the spine consists of individual bones—which I will sketch only schematically—but that the skull, in turn, consists of such transformed vertebral bones. Of course, when they are transformed, they take on entirely different forms, but the skull bones are nonetheless merely transformed vertebral bones. The vertebral bones are stacked one on top of the other in a ring-like arrangement. By imagining them as rubber and stretching the rubber in various ways, one can visualize how the shapes of the skull bones arise from the vertebral bones (see drawing a). It was something extraordinarily important for Goethe to be able to say to himself: Within the vertebral bone that encloses the spinal cord lies something like a fundamental element of human development, which need only be transformed to take shape as more complex elements of this human development. Thus, on the one hand, Goethe had recognized in the plant leaf: When a plant grows, it develops leaf after leaf; but then, at a certain point, it ceases leaf development, and through the transformation of the leaf, first the petals emerge (see drawing b), and then also the stamens—organs of a completely different form, which are nothing other than leaves, but transformed leaves. For Goethe, therefore, the entire plant is contained within the leaf.

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[ 8 ] Es ist also viel Unsichtbares, Übersinnliches in einem Blatt, die ganze Pflanze ist in einem Blatt. Ebenso aber auch ist das ganze Kopfskelett in der Wirbelsäule schon. Wirbelsäule und Kopfskelett bilden zusammen ein Ganzes, und die komplizierten Kopfknochen sind ebenso umgebildete Wirbelknochen, wie die Blütenblätter, ja wie die Staubgefäße und der Stempel umgebildete grüne Blätter der Pflanze sind. So hat Goethe die Idee, daß dasjenige, was übersinnlich zugrunde liegt dem Blatte, in der mannigfaltigsten Weise kompliziert sich umwandelt und dann zur ganzen Pflanze wird; daß dasjenige, was in der Wirbelsäule liegt, kompliziert sich umgestaltet und zum Haupte wird. So weit im wesentlichen ist Goethe gekommen in seinen Anschauungen.

[ 8 ] So there is much that is invisible and supernatural in a single leaf; the entire plant is contained within a single leaf. Likewise, however, the entire skull is already present in the spine. The spine and the skull together form a whole, and the complex bones of the skull are just as much transformed vertebrae as the petals—indeed, just as the stamens and the pistil are transformed green leaves of the plant. Thus Goethe had the idea that what lies as a supersensible foundation within the leaf undergoes a complex transformation in the most manifold ways and then becomes the entire plant; that what lies within the spine undergoes a complex transformation and becomes the head. This is essentially how far Goethe had progressed in his views.

[ 9 ] Geisteswissenschaft gab es damals noch nicht, und es ist gerade interessant zu sehen, wie Goethe ein Geist ist, der immer auf der Stufe bewußt stehen bleibt, bis zu der er durch sein reiches Anschauen vordringen kann, und nicht irgendwelche spekulative Gedanken faßt, Hypothesen etwa aufstellt, um über diesen Punkt, bis zu dem er eben durch seine reichen Erlebnisse dringen kann, in unberechtigter Weise, in phantastischer Weise hinauszudringen.

[ 9 ] The humanities did not yet exist at that time, and it is particularly interesting to see how Goethe is a mind that always remains consciously at the level to which he can advance through his rich observations, and does not entertain any speculative thoughts, or formulate hypotheses, for example, in order to go beyond—in an unwarranted, fanciful way—the point to which he can actually penetrate through his rich experiences.

[ 10 ] Nun ist zwar ein weiter Weg, aber doch ein Weg, auf dem jetzt, mehr als hundert Jahre, nachdem Goethe diese Ideen gefaßt hat, schon geschritten werden darf. In bezug auf den Menschen ist Goethe sozusagen dabei stehengeblieben: Der Mensch hat eine Wirbelsäule, ein Wirbel liegt über dem anderen, dann bildet sich der Wirbel um zu dem Schädelknochen. Dabei ist Goethe stehengeblieben. Bei dem, wo er stehengeblieben ist, braucht heute nicht mehr stehengeblieben zu werden. Denn von dem aus bis zu einer weiten, weite Umblicke gestattenden Idee ist wirklich ein Weg, und muß sogar ein Weg durch die Geisteswissenschaft geschaffen werden. Wenn man mit demselben Geiste, mit dem Goethe, nachdem — wie man sagt, durch einen «Zufall» — glücklich gespalten ihm auf dem Judenkirchhof in Venedig ein Schöpsenschädel entgegengetreten ist, wenn man mit demselben Geiste, mit dem man die einzelnen Knochen dieses Schöpsenschädels angeschaut hat und durch diesen Geist erkannt hat, daß sie umgewandelte Wirbelknochen sind, anschaut den Menschen, wie er im Ganzen vor uns steht, dann merkt man heute etwas. Ich habe schon darauf hingedeutet, ich muß es aber in diesem Zusammenhange wieder erwähnen und von einem anderen Gesichtspunkte aus beleuchten. Dann merkt man heute, daß der Mensch im wesentlichen ein zweigeteiltes Wesen ist: daß er besteht aus seinem Haupte und aus dem übrigen Organismus. Geradeso, wie sich das Blütenblatt aus dem Stengelblatt der Pflanze entwickelt, wie das Blütenblatt eine Umbildung des Stengelblattes der Pflanze ist, so ist der Kopf des Menschen auch eine Umbildung des ganzen übrigen Organismus. Ich habe ja gesagt, daß, damit diese Umbildung vollends zustande komme, der Mensch sich herüberentwickeln muß von einer Inkarnation zu der nächstfolgenden Inkarnation. Das, was wir heute, so sagte ich, an uns tragen als unseren übrigen Organismus, das wird in der nächsten Inkarnation unser Haupt.

[ 10 ] Admittedly, there is still a long way to go, but it is a path that we can now begin to walk, more than a hundred years after Goethe formulated these ideas. With regard to the human being, Goethe, so to speak, stopped there: The human being has a spine, one vertebra lies above the other, and then the vertebra transforms into the skull bone. Goethe stopped there. We need not remain stuck where he left off. For from that point to an idea that allows for a broad, far-reaching perspective, there truly is a path—and a path must indeed be forged through spiritual science. If one approaches this with the same spirit with which Goethe—after, as they say, by “chance” — came upon a sheep’s skull at the Jewish cemetery in Venice, if one looks at the human being as he stands before us in his entirety with the same spirit with which one observed the individual bones of that sheep’s skull and, through that spirit, recognized that they are transformed vertebrae, then one notices something today. I have already alluded to this, but I must mention it again in this context and shed light on it from a different perspective. Then one realizes today that the human being is essentially a two-part being: that he consists of his head and the rest of his organism. Just as the petal develops from the stem leaf of the plant—just as the petal is a transformation of the plant’s stem leaf—so, too, is the human head a transformation of the entire rest of the organism. I have indeed said that, in order for this transformation to be fully accomplished, the human being must evolve from one incarnation to the next. What we carry within us today as our remaining organism, I said, will become our head in the next incarnation.

[ 11 ] Sie sehen, diese Anschauung ist nur ein vollkommener ausgebildeter Impuls, der sich ergibt, wenn man innerlich verfolgt dasjenige, was in Goethes Weltanschauung den Anfang genommen hat. So wird versucht, wenn man wirklich auf dem Boden dieser Metamorphosenlehre steht, den einzelnen Organismus in seinen Gliedern darzustellen; aber diese Glieder werden so im Zusammenhang gedacht, daß der Zusammenhang nur möglich ist, wenn man durchschaut auf etwas, was da als Geistiges in der Sache lebt. Denn natürlich, würde ein Blatt das sein, was die Sinne sehen, so würde es niemals zu einem Blütenblatt oder zu einem Staubgefäße werden können; würde ein Wirbel dasjenige sein, als was ihn die Sinne sehen, so würde er niemals zu einem Gliede des Kopfskelettes werden können; würde der menschliche Leib dasjenige sein, als was er sich den Außensinnen darbietet, so würde er, wenn er noch so sehr sich verwandelte in seinen Kräften, niemals zu einem menschlichen Haupte werden können. Nun aber, selbst mit Bezug auf das äußere Anschauen ist diese Goethesche Weltanschauung klarer darinnenstehend in den Anforderungen des fünften nachatlantischen Zeitraums, als die auf ihr äußeres Anschauen und Experimentieren so stolze Naturwissenschaft des 19. Jahrhunderts. Goethe kann wirklich besser anschauen, und derjenige, der sich auf ihn zu stützen versucht, kann besser anschauen dasjenige, was in der Natur geschieht und was in der Natur vorhanden ist, als namentlich die biologische Wissenschaft des 19. Jahrhunderts.

[ 11 ] You see, this view is merely a fully developed impulse that arises when one internally traces what originated in Goethe’s worldview. Thus, when one truly stands on the foundation of this doctrine of metamorphosis, one attempts to depict the individual organism in its parts; but these parts are conceived in such a connection that the connection is only possible if one perceives something that lives there as a spiritual element within the thing itself. For, of course, if a leaf were merely what the senses perceive, it could never become a petal or a stamen; if a vertebra were merely what the senses perceive it to be, it could never become a part of the skull; if the human body were merely what it presents to the external senses, it could never become a human head, no matter how much its forces might transform. Yet even with regard to external observation, Goethe’s worldview is more clearly in line with the demands of the fifth post-Atlantean epoch than the 19th-century natural science, which took such pride in its external observation and experimentation. Goethe truly sees more clearly, and those who seek to draw upon him can perceive more clearly what happens in nature and what exists in nature than, in particular, the biological science of the 19th century.

[ 12 ] Als zwei Glieder, sagte ich, tritt uns zunächst der Mensch entgegen: als das Haupt und als sein übriger Organismus. Diese Tatsache, daß das Haupt gewissermaßen ein umgewandelter übriger Organismus ist, die muß man zunächst verstehen können, wenn man weiterbauen will. Denn dann erst wird man fragen können: Ja, was ist dann eigentlich auf der einen Seite dieses menschliche Haupt, und was ist auf der anderen Seite der übrige menschliche Organismus? — Um diese Frage sich zu beantworten, muß man ganz andere Dinge wichtig nehmen, als die gebräuchliche heutige Naturwissenschaft wichtig nimmt.

[ 12 ] I said that the human being first presents itself to us as two parts: the head and the rest of the organism. This fact—that the head is, in a sense, a transformed version of the rest of the organism—must first be understood if one is to proceed further. For only then will one be able to ask: Yes, what, then, is this human head on the one hand, and what is the rest of the human organism on the other? — To answer this question, one must consider matters entirely different from those that contemporary natural science typically considers important.

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[ 13 ] Sehen Sie, wenn Sie sich ein Tier vorstellen, so ist das Wesentliche an dem Tier, daß seine Rückenmarkssäule — ich habe das auch öfter angedeutet — parallel ist der Erdenoberfläche, und daß das Tier mit den Vorder- und Hinterbeinen auf der Erdenoberfläche daraufsteht (a) und den Kopf in der Verlängerung der Rückenmarkssäule, im wesentlichen als Verlängerung dieser Rückenmarkssäule horizontal trägt. Dasjenige, was man beim Menschen als sein heutiges Rückenmark kennt, das ist nun vertikal gerichtet, ist gerade senkrecht zu der Richtung gerichtet, die das Rückenmark des Tieres hat (b).

[ 13 ] You see, when you imagine an animal, the essential feature of that animal is that its spinal column—as I have often hinted—runs parallel to the Earth’s surface, and that the animal stands on the Earth’s surface with its front and hind legs (a) and holds its head horizontally in the extension of the spinal column, essentially as an extension of that spinal column. What we know today as the human spinal cord is oriented vertically; it is exactly perpendicular to the direction of the animal’s spinal column (b).

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[ 14 ] Aber dieses Rückenmark wollen wir zunächst nicht ins Auge fassen, denn es gehört nicht zum Kopfe; es gehört zum übrigen Organismus. Wir wollen zuerst ins Auge fassen ein anderes Rückenmark. Ja, was für ein anderes? Wir wollen ins Auge fassen das menschliche Gehirn. Sie werden sagen: Ist denn das ein Rückenmark? Ja, das ist ein Rückenmark! Es ist nämlich nichts anderes als ein umgewandeltes Rückenmark, es ist gewissermaßen ein aufgeplustertes Rückenmark. Denken Sie sich ein horizontales Rückenmark, wie es das Tier hat, aufgeblasen, umgewandelt, metamorphosiert, so bekommen Sie das menschliche Gehirn (c).

[ 14 ] But let us not consider this spinal cord for the time being, for it is not part of the head; it belongs to the rest of the organism. Let us first consider another spinal cord. Yes, what kind of another one? Let us consider the human brain. You will say: Is that a spinal cord? Yes, it is a spinal cord! For it is nothing other than a transformed spinal cord; it is, so to speak, a “puffed-up” spinal cord. Imagine a horizontal spinal cord, like that of an animal, inflated, transformed, metamorphosed—and you get the human brain (c).

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[ 15 ] Die wahre Tatsache ist diese, daß während der Mondenentwickelung das, was heute Gehirn ist, so ausschaute wie ein heutiges tierisches Rückenmark. Und nur beim Übergang von der Mondenentwickelung in die Erdenentwickelung herein ist dieses Rückenmark, das der Mensch auf dem Monde hatte, komplizierter geworden, ist zum heutigen menschlichen Gehirn geworden; aber seine horizontale Lage hat es behalten. Denn im wesentlichen ist seine Achse senkrecht auf dem dem Körper angehörigen Rückenmark, und dieses dem Körper angehörige Rückenmark hat der Mensch erst während der Erdenzeit erhalten. Das ist noch auf der Stufe, auf der jenes Rückenmark, welches Gehirn geworden ist, auf dem Monde war, während der Mondenentwickelung (d).

[ 15 ] The true fact is this: during the lunar evolution, what is now the brain looked like a modern animal spinal cord. And it was only during the transition from the lunar evolution to the Earth evolution that this spinal cord—which humans had on the Moon—became more complex, evolving into the modern human brain; but it retained its horizontal position. For essentially, its axis is perpendicular to the spinal cord belonging to the body, and humans did not acquire this spinal cord belonging to the body until the Earth period. This is still at the stage at which that spinal cord—which became the brain—was on the Moon during the Moon phase (d).

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[ 16 ] Dasjenige, was heute einfacher erscheint beim Menschen, sein Rükkenmark, das hat er später bekommen im Lauf der Entwickelung als dasjenige, was heute komplizierter erscheint, sein Gehirn. Nur war das Gehirn, das er heute hat, früher ein Rückenmark. So also sehen wir den Menschen ein zum Gehirn umgewandeltes Rückenmark haben, und dann erst während der Erdenentwickelung dazu gefügt ein ursprüngliches Rückenmark (e).

[ 16 ] What appears simpler in humans today—their spinal cord—is something they acquired later in the course of evolution, whereas what appears more complex today—their brain—is something they acquired later. However, the brain that humans have today was once a spinal cord. Thus, we see that humans have a spinal cord that has been transformed into a brain, and only later, during the Earth’s evolution, was an original spinal cord (e) added to it.

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[ 17 ] Also wenn wir das menschliche Haupt betrachten, so tritt es uns gar nicht so sehr verschieden vom tierischen entgegen; denn seine Hauptesrichtung ist wie die Rückgratsrichtung des Tieres, die auch beim Tiere die Hauptesrichtung ist, horizontal, parallel der Erde (f).

[ 17 ] So when we consider the human head, it does not appear all that different from that of an animal; for its main axis—like the axis of the animal’s spine, which is also the animal’s main axis—is horizontal, parallel to the ground (f).

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[ 18 ] Und manche anderen Eigenschaften könnten angegeben werden, welche zeigen würden, daß das menschliche Haupt als solches, wenn es besehen wird, wie es in der ganzen Entwickelung drinnensteht, eine umgebildete 'Tierheit ist, und daß zu dieser umgebildeten Tierheit die übrige menschliche Organisation dazugekommen ist. Diese Idee, die ist gar nicht sehr ähnlich derjenigen, zu der die naturwissenschaftliche Entwickelung im 19. Jahrhundert gekommen ist. Denn die naturwissenschaftliche Entwickelung im 19. Jahrhundert wird, weil sie auf das Außerlich-Sinnliche den Hauptwert legt, gerade das menschliche Haupt am allerverschiedensten von der Tierheit finden. Hier (siehe Zeichnung) erscheint uns das menschliche Haupt gar nicht so verschieden von der übrigen Tierheit, nur veredelt: das Gehirn ein aufgeplustertes Rückenmark, das ja das Tier hat.

[ 18 ] And one could point to many other characteristics that would show that the human head, as such—when viewed in the context of its entire development—is a transformed “animality,” and that the rest of the human organism has been added to this transformed animality. This idea is not at all similar to the one reached by scientific development in the 19th century. For scientific development in the 19th century, because it places primary value on the external, sensory realm, will find the human head to be the most different of all from animality. Here (see drawing), the human head does not appear to us to be all that different from the rest of the animal realm, only refined: the brain is a swollen spinal cord, which animals do indeed possess.

[ 19 ] Sie werden nun die Frage auf den Lippen haben: Ja, glaubst du nun vielleicht, daß der übrige menschliche Organismus nun sogar edler ist als der Hauptesorganismus in bezug auf die äußere Gestaltung, daß der übrige menschliche Organismus vielleicht sogar weniger dem Tiere gleichen könnte als dasHaupt? Und Sie selbst werden es vielleicht paradox heute noch finden, aber Sie werden sich schon hineinfinden in die Anschauung, daß dies gesagt werden muß. Und im Grunde genommen: Sieht nicht schon äußerlich unser Haupt schließlich, von allen unseren Gliedern im ganzen genommen, am allerähnlichsten den Tierformen? Wir sind, wenigstens einen großen Teil unseres Lebens, die Männer noch mehr als die Frauen, am Haupte behaart. Das hat der übrige Organismus keineswegs in demselben Maße. Dadurch spricht das auch schon seine Verwandtschaft mit dem tierischen Organismus recht sehr aus. Dies, was ich Ihnen jetzt nur andeute — ich will es vorläufig bei der Andeutung lassen —, dies werden wir schon im Laufe der Zeit weiter ausführen. Aber es wird uns immer mehr und mehr zu der Anerkennung führen, daß etwas ganz anderes stattfindet in der Natur als dasjenige, was man sehr häufig glaubt. Der Mensch blickt herunter vom Menschen zu den niederen Tieren und sieht zum Beispiel eine Schildkröte oder eine Muschel oder eine Schnecke, und er glaubt im Sinne der heutigen Naturwissenschaft, die Schnecke, die Muschel, überhaupt das niedrige Getier, das hat sich zuerst allmählich entwickelt, und zu den niedrigen Organismen der niedrigen Tierheit ist der menschliche Kopf dazugekommen. Unsinn ist dieses, völliger Unsinn! Wenn Sie sich heute ein Schalentier ansehen oder eine Schildkröte, so ist dieses ein menschliches Haupt auf einer untergeordneten Stufe, und unser übriger Organismus ist dazugekommen. Nachdem sich dasjenige, was niedere Tierformen sind — ich will sie schematisieren —, allmählich umgestaltet hat zum menschlichen Haupte, ist der übrige Organismus dazugekommen.

[ 19 ] You will now be on the verge of asking: “Yes, do you perhaps believe that the rest of the human organism is even nobler than the head organism in terms of external form, that the rest of the human organism might even resemble an animal less than the head?” And you yourself may still find this paradoxical today, but you will come to accept the view that this must be said. And when you think about it: Doesn’t our head, after all, when viewed externally and taken as a whole among all our limbs, most closely resemble animal forms? We are, at least for a large part of our lives—men even more so than women—hairy on the head. The rest of the body is by no means hairy to the same extent. This in itself already speaks volumes about its kinship with the animal organism. What I am merely hinting at now—and I will leave it at that for the time being—we will elaborate on further in due course. But it will lead us more and more to the realization that something entirely different takes place in nature than what is very often believed. Human beings look down from their own level to the lower animals and see, for example, a turtle, a mussel, or a snail, and—in accordance with modern scientific thought—they believe that the snail, the mussel, and indeed all lower creatures developed gradually first, and that the human head was added to the lower organisms of the animal kingdom. This is nonsense, utter nonsense! If you look at a shellfish or a turtle today, it is a human head at a lower stage, and the rest of our organism has been added to it. After what are lower animal forms—I will schematize them—have gradually transformed into the human head, the rest of the organism has been added to it.

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[ 20 ] Also wir haben eine Entwickelung, die geht von den niederen Tierformen immer weiter und weiter, und das, was Tierheit ist, hat sich zum menschlichen Haupte gestaltet und der übrige Organismus ist diesem menschlichen Haupte als das Spätere angehängt. In unserem Haupte allein tragen wir dasjenige in uns, was uns mit den übrigen Tieren verbindet, nicht in unserem anderen Organismus. Deshalb hat das menschliche Haupt in seiner Hauptachse für sich dieselbe Richtung wie ein Tier: parallel der Erdenoberfläche. Der übrige Organismus ist aufrecht gebaut, ist senkrecht auf der Erdenoberfläche.

[ 20 ] So we have a process of development that proceeds further and further from the lower forms of animals, and what constitutes animality has taken shape as the human head, while the rest of the organism is attached to this human head as a later addition. It is in our head alone that we carry within us that which connects us to the other animals, not in the rest of our organism. That is why the human head, in its main axis, has the same orientation as an animal: parallel to the Earth’s surface. The rest of the organism is built upright, perpendicular to the Earth’s surface.

[ 21 ] Es ist schon sehr verhängnisvoll, daß diese falsche Idee, die damit gekennzeichnet ist, in die naturwissenschaftliche Entwickelung des 19. Jahrhunderts eingezogen ist. Denn dadurch meint man eben, der Mensch als solcher, wie er ist, geht eben mit seinem ganzen Organismus als eine etwas ausgebildetere Gestalt aus früheren Tierformen hervor. Die Wahrheit ist, daß dasjenige, was aus früheren tierischen Formen hat werden können, nur Haupt sein kann, daß dagegen zu diesem Haupte hinzugekommen ist das, was innerhalb der Erdenentwickelung ganz neu eingetreten ist.

[ 21 ] It is indeed very unfortunate that this false idea, characterized by this view, found its way into the scientific development of the 19th century. For this leads one to believe that human beings, as such and as they are, have simply emerged—with their entire organism—as a somewhat more highly developed form from earlier animal forms. The truth is that what could have emerged from earlier animal forms can only be the core, whereas what has been added to this core is something that has emerged entirely anew within the course of Earth’s evolution.

[ 22 ] Nun wird es sich also um zweierlei handeln zunächst. Das erste ist dieses, daß wir eigentlich in unserem Haupte eine umgewandelte Form für die übrigen Tierformen haben. Und dennoch, aus demjenigen, was erst zum Haupte hinzugekommen ist und das wir als übrigen Organismus in einer Inkarnation haben, entwickeln wir durch entsprechende Kräfte in der nächsten Inkarnation die Form des Hauptes. Das könnte einem als ein scheinbarer Widerspruch vorkommen. Wir werden sehen, indem wir diese Dinge genau betrachten werden, daß es ein Widerspruch nicht ist.

[ 22 ] So there are two aspects to consider here, to begin with. The first is that our head is actually a transformed form of the other animal forms. And yet, from what was first added to the head—and which we have as the rest of the organism in one incarnation—we develop the form of the head in the next incarnation through corresponding forces. This might seem like an apparent contradiction. We will see, as we examine these things closely, that it is not a contradiction.

[ 23 ] Ich wollte Ihnen durch die Erinnerung an die Tatsache, daß der Mensch das Tier eigentlich an sich trägt, daß er mit seinem Erdenorganismus das Tier stützt, das zu seinem Kopfe geworden ist, nur zeigen, wie falsch die heutigen äußeren Ideen sein können. Aber auch positiv möchte ich Ihnen noch etwas anderes zeigen. Wodurch ist denn, wenn das menschliche Haupt nur ein umgestaltetes Tier ist, das Haupt des Menschen das geworden, was es heute ist? Wodurch kann sein Kopf, der, so wie er einmal heute ist, sich dadurch entwickelt, daß er vorbereitet wird durch einen irdischen Organismus in einer vorhergehenden Inkarnation, sich zu dem menschlichen Haupt heranbilden? Nun, das Tier geht durch seine zwei Paar Beine auf der Erde, das heißt durch vier Beine. Wer da glaubt, daß dieses Tier nur so über die Erde hinschreitet und daß nichts sonst geschieht, als daß dieses Tier über die Erde hinschreitet, der ist in großem Irrtume. Aus der Erde gehen fortwährend Kräfte in das Tier herauf, gehen durch das Rückgrat, gehen dann, indem sie gewissermaßen das Gehirn immer beeinflussen, wiederum in die Erde zurück (a). Das Tier gehört zur Erde. Und wie es darauf steht, wie die Kräfte, die in der Erde wirksam sind, durch seine Beine in sein Rückgrat gehen und wieder zurück, das gehört zum ganzen Leben des Tieres.

[ 23 ] By reminding you of the fact that human beings actually carry the animal within themselves—that with their earthly organism they support the animal that has become their head—I simply wanted to show you how mistaken today’s superficial ideas can be. But I would also like to show you something else from a positive perspective. If the human head is merely a transformed animal, how did the human head become what it is today? How can the human head—as it is today—develop into the human head through being prepared by an earthly organism in a previous incarnation? Well, the animal walks on the earth on its two pairs of legs—that is, on four legs. Anyone who believes that this animal simply strides across the earth and that nothing else happens except that this animal strides across the earth is greatly mistaken. Forces are constantly rising from the earth into the animal, passing through the spine, and then—while, so to speak, constantly influencing the brain—returning to the earth (a). The animal belongs to the earth. And the way it stands upon the earth, the way the forces active in the earth flow through its legs into its spine and back again—all of this is part of the animal’s entire life.

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[ 24 ] Das Verhältnis, das das Tier zur ganzen Erde hat, hat der Mensch, hat der Menschenkopf, das Menschenhaupt zu dem übrigen Organismus des Menschen. Dadurch, daß der Mensch einen Organismus hat, der sich senkrecht abhebt von der Erde, dadurch wird dieser übrige Organismus für das menschliche Haupt dasselbe, was die Erde, die ganze Erde, für das Tier ist. Wir haben also in unserem dem Haupte angehängten Organismus zusammengeschlossen die Geheimnisse der ganzen Erde in uns. Und es kann leicht nachgewiesen werden, washeute nur angedeutet werden kann, daß in der Tat, wenn wir das Haupt studieren und das Gehirn darinnen, die Rudimente, die Anhangsorgane da sind für vordere und hintere Gliedmaßen, durch die der Mensch sich auf sich selber mit seinem Haupte aufstellt wie das Tier auf der Erde, wie wir da, nur umgestaltet zu inneren, anderen Organen, hintere Gliedmaßen und vordere Gliedmaßen haben. Und die ganze Kopfbildung ist so, daß sie in der Tat sich verhält zu dem übrigen menschlichen Organismus wie das Tier zur Erde (b).

[ 24 ] The relationship that the animal has to the entire earth is the same relationship that the human being—the human head—has to the rest of the human organism. Because the human being has an organism that rises vertically from the earth, this remaining organism becomes to the human head what the earth—the entire earth—is to the animal. We thus have within us, united in the organism attached to our head, the mysteries of the entire earth. And it can easily be demonstrated—though today we can only hint at it—that in fact, when we study the head and the brain within it, we find the rudiments, the accessory organs for the front and rear limbs, through which the human being erects himself upon himself with his head, just as the animal stands upon the earth; just as we have there, only transformed into internal, other organs—we have hind limbs and front limbs. And the entire structure of the head is such that it indeed relates to the rest of the human organism as the animal relates to the earth (b).

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[ 25 ] Das ist so bedeutend nun, daß man einsieht, was eine solche Idee, die sich natürlich nur aus den durch die Geisteswissenschaft befruchteten Anschauungen ergibt, für eine Bedeutung hat. Denn mit dieser Idee muß man jetzt wiederum zurückgehen zu dem, was nur ungenügend das 19. Jahrhundert mit seinen groben Mitteln beobachtet hat; mit dieser Idee muß man nun zurückgehen und die Embryonalentwickelung verfolgen. Dann wird sich etwas ganz anderes ergeben als dasjenige, was die Naturwissenschaft des 19. Jahrhunderts hat finden können. Dann werden sich aber auch wiederum Ideen ergeben, die fruchtbar sein können für das menschliche Leben auch über die bloße unlebendige Technik hinaus. Aber ohne diese Ideen wird die Menschheit aus jener Sackgasse nicht herauskommen, in die sie sich nun einmal hineinbegeben hat. Denn auf der Entwickelung der Idee, nicht der allgemeinen Ideen, die heute in Vereinen mit großen Idealen gepflegt werden, nicht in diesen Ideen, die jeder fassen kann, wenn er sich einmal drei Stunden ins Kaffeehaus setzt, sondern auf den Ideen, die aus der Forschung der Wirklichkeit entlehnt sind und dann erst auf das Leben angewendet werden, beruht der wirkliche Fortschritt der Menschheit. Schöne Ideen, mit denen man Vereine gründen kann, die kann man leicht haben; aber sie verhindern nicht, daß die Kultur in solche Sackgassen kommt, wie sie jetzt gekommen ist. Nur allein die konkreten Ideen verhindern dieses.

[ 25 ] This is so significant that one comes to realize the importance of such an idea, which naturally arises only from the perspectives enriched by spiritual science. For with this idea, one must now return to what the nineteenth century, with its crude methods, observed only inadequately; with this idea, one must now go back and trace the embryonic development. Then something entirely different will emerge from what nineteenth-century natural science was able to discover. Then, in turn, ideas will also emerge that can be fruitful for human life, even beyond mere lifeless technology. But without these ideas, humanity will not be able to escape the dead end into which it has now strayed. For the true progress of humanity rests on the development of ideas—not the general ideas cultivated today in associations with lofty ideals, not those ideas that anyone can grasp by sitting in a coffeehouse for three hours—but on the ideas derived from the study of reality and only then applied to life. Beautiful ideas—the kind with which one can found associations—are easy to come by; but they do not prevent culture from ending up in dead ends like the one it has reached now. Only concrete ideas can prevent this.

[ 26 ] Das muß man so recht empfinden, dann wird man die großen Aufgaben der Geisteswissenschaft erst einsehen, und man wird die um uns liegende Wirklichkeit richtig beurteilen. Diese Wirklichkeit geht darauf aus, Geisteswissenschaft gerade in ihrem Wichtigsten nicht aufkommen zu lassen. Der Geist ist nämlich hinlänglich noch vorhanden, der die Goethesche Weltanschauung im 19. Jahrhundert hat versiegen lassen, und dieser Geist lebt sich namentlich dadurch aus, daß er von einer gewissen Verfolgungswut beseelt ist: von einer Wut, alles dasjenige zu verfolgen, was nach wirklichkeitsgesättigten Ideen strebt. Diesem Geist der Gegenwart kommen gerade die wirklichkeitsgesättigten Ideen oftmals phantastisch vor, weil er nicht geeignet ist, diese Ideen aufzunehmen. Und es wird sich schon das herausstellen, was der Geisteswissenschaft wie ihr stärkster Widersacher immer mehr und mehr gegenüberstehen wird: es wird sich das herausstellen, daß man gerade eine Weltanschauung, die wirkliche Geisteswege sucht und vorurteilslos in den Wirklichkeiten zu forschen sucht, deshalb ablehnt, weil man ablehnen will dieses Forschen in den Wirklichkeiten. Es ist einem zu unbequem, kennenzulernen, was alles notwendig ist, um zu einer wirklich umfassenden Weltanschauung zu kommen. Deshalb wird man verleumden diese umfassende Weltanschauung und wird nicht merken lassen die Welt, wie umfassend sie ist, sondern der Welt vormachen, daß sie auf ebenso oberflächlichen, engherzigen, eingeschränkten Begriffen und Forschungsresultaten stehe wie andere Weltanschauungen in der Gegenwart. Und geltend machen wird sich immer mehr und mehr eine gewisse Anerkennung der Unehrlichkeit des Strebens, nämlich desjenigen Strebens, das auf der Engherzigkeit besteht und eine Ablehnung gerade desjenigen, was mit dem Bewußtsein, das nur befriedigend vorwärtsführt, wirklich in den Wirklichkeiten forschen will und dadurch auch zu einem gewissen umfassenden Standpunkt kommen kann. Hochmut, Anmaßung sind Eigenschaften, die heute noch nicht ihren Höhepunkt erreicht haben. Was alles noch werden kann unter dem Einfluß jener Anmaßung, die nicht die Naturwissenschaft, sondern die Weltanschauung, die aus der Naturwissenschaft oftmals gezogen wird, großziehen wird, davon machen sich die Menschen der Gegenwart noch gar keine Vorstellung. Und welche Tyrannis auftreten wird, wenn von den äußeren Gewalten sich immer mehr und mehr privilegieren lassen wird der Materialismus auf dem Gebiet der Medizin, auf dem Gebiete anderer sogenannter Wissenschaftlichkeit, was aus dem hervorgehen wird, das auch nur zu empfinden, dazu ist der gegenwärtige Mensch noch viel zu bequem. Er liebt es vielmehr, Stück für Stück hinzunehmen, wie Tag um Tag mehr sich das Geistige privilegieren läßt von den äußeren Gewalten. Und wenige sind noch derjenigen Menschen, die fühlen, was für einer grausen Zukunft die Menschheit entgegengeht, wenn sie nicht fühlen lernt, um was es sich gerade auf diesem Gebiete handelt, welcher Rückgang gegenüber Standpunkten, die schon erreicht waren, gerade auf diesem Gebiete zu verzeichnen ist.

[ 26 ] One must truly feel this; only then will one begin to grasp the great tasks of spiritual science, and one will be able to correctly assess the reality that surrounds us. This reality is aimed at preventing spiritual science from emerging, precisely in its most essential aspects. For the spirit that caused Goethe’s worldview to dry up in the 19th century is still very much present, and this spirit manifests itself particularly through a certain mania for persecution: a mania for persecuting everything that strives toward ideas imbued with reality. To this spirit of the present, ideas saturated with reality often seem fantastical, precisely because it is incapable of assimilating them. And it will become increasingly clear what spiritual science—as its strongest adversary—will face more and more: it will become clear that a worldview which seeks genuine spiritual paths and endeavors to investigate realities without prejudice is rejected precisely because people wish to reject this very investigation of realities. It is too inconvenient for people to learn what is necessary to arrive at a truly comprehensive worldview. That is why they will slander this comprehensive worldview and will not let the world see how comprehensive it is, but will lead the world to believe that it is based on concepts and research findings that are just as superficial, narrow-minded, and limited as those of other contemporary worldviews. And there will be an ever-increasing recognition of the dishonesty of a certain kind of striving—namely, that striving which persists in narrow-mindedness—and a rejection of precisely that which, with a consciousness that leads satisfactorily forward, truly seeks to explore the realities and can thereby also arrive at a certain comprehensive standpoint. Arrogance and presumption are traits that have not yet reached their peak today. People today have absolutely no conception of what might yet come to pass under the influence of that presumption—which will not be fostered by the natural sciences themselves, but rather by the worldview that is often derived from them. And what tyranny will arise when materialism is granted ever greater privilege by external powers in the field of medicine and in other so-called scientific disciplines—to even begin to sense what will result from this is something for which modern man is still far too complacent. Rather, they prefer to accept, bit by bit, how day by day the spiritual realm is being sidelined by external forces. And there are few people left who sense what a dreadful future awaits humanity if it does not learn to recognize what is at stake in this very field—and what regression from previously attained positions is taking place precisely in this field.

[ 27 ] Nur diese Empfindung wollte ich einmal andeuten, die notwendig ist den Menschen der Gegenwart. Denn dieser Empfindung steht gegenüber eine ungeheure Schläfrigkeit gerade der idealistisch gesinnten Menschen der Gegenwart. Gegenüber dem, was man also empfinden soll an Aufgaben, scheint es aber die ärgste Sünde zu sein, wenn diejenigen, die, gerade von idealistischen Gesinnungen durchdrungen, in eine neuere Weltanschauung sich hineinfinden, sich dann zurückziehen von dem übrigen Wirken und Leben der Welt und allerlei Kolonien und dergleichen begründen, während das Notwendigste dieses ist, daß die neuere Weltanschauung, die geisteswissenschaftliche Weltanschauung sich voll in das Leben hineinstelle und nicht schläfrig dem ungeheuern Abgrunde entgegentaumle, der sich auftut aus dem, was man also andeuten kann, wie ich es heute wieder angedeutet habe.

[ 27 ] I simply wanted to hint at this feeling, which is essential for people today. For this feeling is countered by an immense lethargy, particularly among the idealistically minded people of today. In light of the tasks one is thus called upon to feel, however, it seems to be the gravest sin when those who, imbued precisely with idealistic sentiments, find their way into a newer worldview, then withdraw from the rest of the world’s activity and life and establish all sorts of colonies and the like, whereas what is most necessary is that this new worldview—the spiritual-scientific worldview—be fully integrated into life and not stumble sleepily toward the immense abyss that opens up from what can thus be hinted at, as I have hinted at again today.

[ 28 ] Ich wollte heute etwas Episodisches geben. Denn um die Dinge, die sehr wichtig sind, die ich weiterhin vorzubringen habe, darzustellen, brauche ich gerade drei aufeinanderfolgende Vorträge.

[ 28 ] I wanted to present something anecdotal today. Because in order to explain the things that are very important—the things I still need to bring up—I need exactly three consecutive lectures.