Humanity's Internal Impulses for Development
Goethe and the Crisis of the Nineteenth Century
GA 171
15 October 1910, Dornach
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Humanity's Internal Impulses for Development, tr. SOL
Zwölfter Vortrag
Twelfth Lecture
[ 1 ] Im Laufe unserer letzten Betrachtungen versuchte ich, eine Art Charakteristik zu geben über die in der neueren Evolution vorhandenen Entwickelungsimpulse, die man sorgfältig ins Auge fassen muß, wenn man verstehen will, was eigentlich um einen herum geschieht, welche geistigen Kräfte tätig und wirksam sind, und wie man selbst sich hineinstellen soll in der rechten Weise, je nach dem Platze, auf dem man steht, in den Zusammenhang der neueren Evolution. Ich habe gestern darauf aufmerksam gemacht, wie innerhalb des Menschen-Gesamtorganismus selbst eine Tatsache vorhanden ist, eine Entwickelungstatsache, welche begreiflich erscheinen läßt dasjenige, was eigentlich innerhalb unseres fünften nachatlantischen Zeitraums als Entwickelungsimpulse der Menschheit vorhanden ist. Ich sagte, es ist ein gewisses Auseinandergehen des in der menschlichen Gesamtorganisation tätigen Lebensäthers und des festen, erdigen Elements. Dieses Auseinandergehen war noch nicht vorhanden während des vierten nachatlantischen Zeitraums, während des griechisch-lateinischen Zeitraums. Da war ein viel intensiveres Verbundensein des im Menschen vorhandenen Erdigen mit dem Lebensäther vorhanden, als das jetzt der Fall ist im normalen Menschenzustand. Erdiges — fassen wir nur den Ausdruck ganz richtig ins Auge, ich habe es ja schon öfter erwähnt — ist eigentlich im Menschen, man kann sagen, nur 5 bis 6 Prozent in Wirklichkeit vorhanden, denn im übrigen, weit über 90 Prozent, ist ja der Mensch eigentlich eine Wassersäule, was gewöhnlich nicht richtig berücksichtigt wird. Dieses erdige Element, vor allen Dingen das im Menschen vorhandene metallische Element, das ist stärker gebunden gewesen während des vierten nachatlantischen Zeitraums an den Lebensäther, der jetzt der Träger selbständiger, frei aufsteigender, frei aus der Seele aufsteigender Imaginationen ist, während das sich von ihm absondernde feste, erdige Element dazu führt, die äußeren Erscheinungen, wie man sagt, die Phänomene, wie ich es gestern charakterisierte, rein aufzufassen.
[ 1 ] In the course of our recent reflections, I have attempted to provide a kind of characterization of the developmental impulses present in recent evolution—impulses that must be carefully considered if one is to understand what is actually happening around us, which spiritual forces are active and at work, and how one should position oneself in the proper way, according to one’s own position, within the context of recent evolution. Yesterday I drew attention to how, within the human organism as a whole, there exists a fact—a fact of development—that makes it possible to understand what is actually present within our fifth post-Atlantean epoch as developmental impulses for humanity. I said that there is a certain divergence between the life ether active in the entire human organism and the solid, earthly element. This separation did not yet exist during the fourth post-Atlantean epoch, the Greco-Latin epoch. At that time, there was a much more intense connection between the earthly element present in the human being and the life ether than is now the case in the normal human condition. The earthly element—let us just consider the term quite precisely; I have, after all, mentioned it often—actually constitutes, one might say, only 5 to 6 percent of the human being in reality, for the rest—well over 90 percent—the human being is in fact a column of water, a fact that is usually not properly taken into account. This earth element—and above all the metallic element present in the human being—was more strongly bound during the fourth post-Atlantean epoch to the life ether, which is now the bearer of independent, freely ascending imaginations that rise freely from the soul, whereas the solid, earth element that separates from it leads to the external phenomena, as one says, the phenomena, as I characterized them yesterday, to be understood in a purely objective sense.
[ 2 ] Mit Hilfe der Ihnen ja oft geschilderten geisteswissenschaftlichen, also intimen inneren Methode kann man auch, ich möchte sagen, innerlich experimentell nachweisen, daß diese Tatsache richtig ist. In unserer äußeren geistigen Kultur berücksichtigt man ja wenig das intime Verständnis für Menschheitserscheinungen. Und so glaubt man sehr leicht, wenn man eine griechische Statue ansieht oder ein griechisches Drama oder die Gesänge des Homer auf sich wirken läßt, daß man sie so ohne weiteres verstehe. Allein das ist gar nicht der Fall. Derjenige, der gewöhnt ist, wenn ich so sagen darf, mit okkultistischen Methoden zu arbeiten, der weiß, daß man sich gewissermaßen auf das Griechentum doch erst einstellen muß, weil der Grieche vermöge der anderen Organisation, die ich eben angedeutet habe, dieses innigeren Durchdringens von Lebensäther mit dem erdigen Element im Menschen, dasjenige, was um ihn war, anders anschaute als der moderne Mensch der fünften nachatlantischen Periode. Ich will nur ein paar Beispiele herausheben, die sich dadurch ergeben, daß man sich eben in anderer Weise einstellt.
[ 2 ] With the help of the spiritual-scientific method—that is, the intimate inner method—which has often been described to you, one can also, I would say, prove through inner experimentation that this fact is true. In our external spiritual culture, little attention is paid to an intimate understanding of human phenomena. And so, when one looks at a Greek statue or takes in a Greek drama or the songs of Homer, one very easily believes that one understands them without further ado. But that is not the case at all. Anyone who is accustomed, if I may say so, to working with occult methods knows that one must, in a sense, first attune oneself to Greek culture, because the Greeks—by virtue of the different constitution I have just alluded to, that deeper interpenetration of the life-ether with the earthly element in the human being—viewed their surroundings viewed this differently than modern humans of the fifth post-Atlantean period. I would like to highlight just a few examples that arise from this different way of attuning oneself.
[ 3 ] Nehmen wir an, es macht jemand wirklich das durch, was Goethe glaubte, und mit Recht glaubte, in Italien durchgemacht zu haben, und was er dann aussprach mit den Worten, er sei nun dahintergekommen, welches das eigentliche Kunstgeheimnis der Griechen war: daß sie der Natur in einer geheimnisvollen Weise nachschufen, wie es die neuere Menschheit nicht mehr in demselben Grade imstande ist. Ja, Goethe war nicht ohne weiteres davon überzeugt, daß er so die Griechen nachfühlen kann wie heute einer, der mit dem Baedeker reist und die griechischen Kunstwerke anschaut oder in ein Museum geht und die griechischen Kunstwerke anschaut und glaubt, ohne weitere Einstellung dieses Griechentum auch zu verstehen. Wenn man versucht, ich möchte sagen durch Probieren, durch eine Art Probieren sich wirklich einzustellen auf dasjenige, was ganz klar verlangt ein griechisches Kunstwerk, ein plastisches oder ein dichterisches, übrigens auch was griechische Philosophie verlangt, wenn man sich wirklich darauf einstellt und dann okkultistisch mit den Ihnen sattsam bekannten intimen Seelenmethoden prüft, nachprüft, dann findet man, daß man in der Tat experimentell hergestellt hat, wenn auch nur in einem schwachen Nachklang, jene innigere Verbindung zwischen dem Lebensäther in einem selbst und dem erdigen Elemente, und man fühlt dieses, ich möchte sagen, intim-feine Anders-Konstruiertsein ausströmen über den ganzen Organismus. Und hat man sich wirklich auf griechische Kunst oder auf griechische Philosophie eingestellt, sich durch seinen ganzen Menschen eingestellt, und kann die innere Einstellung dann prüfen, da merkt man, daß man ja bei dieser anderen Einstellung eine Farbe ganz anders sieht oder Wärme ganz anders empfindet, als heute der Mensch Farbe sieht oder Wärme empfindet. Solche an das Seelenleben gebundenen Experimente liebt nur der moderne Mensch nicht. Versteht man den Äschylos oder den Heraklit oder auch nur den Aristoteles wirklich, dann sieht man auch mit dem Verständnis, das man entgegenbringt dem Herakliit, dem Äschylos, dem Sophokles, dem Aristoteles, eine Farbe anders. Man merkt dann: Während man in der gegenwärtigen Konstitution der fünften nachatlantischen Zeit Blau einfach sieht, Blau als eine Schattierung, als einfache Schattierung, sieht man gewissermaßen dann das Blau als etwas Komplizierteres: Wie wenn ein Schleier da wäre, der hinter sich hätte Finsternis, Dunkelheit, und man kann sondern die Finsternis, das Dunkle, von dem darüber gewobenen Trüben, wie man sagt. Das Blaue wird komplizierter, aber auch andere Empfindungen werden komplizierter. Wenn man mit der Hand auf einen warmen Gegenstand auftrifft, so empfindet man das, wie wenn sich etwas breiten würde, sich ausdehnend über die Hand. Aktiver wird auch das ganze sinnliche Wahrnehmen. Und jetzt weiß man, wie anders die Griechen sinnlich wahrgenommen haben. Das weiß man früher gar nicht, daß die Griechen wirklich anders die Natur rings um sich herum angeschaut haben als die heutigen Menschen. Im besonderen, wer solches Experiment nicht anstellen kann, weiß nichts vom Griechentum. Fängt er aber an, auf diese Weise etwas zu wissen, dann liest er gewisse Zusammenhänge erst in rechtem Lichte. Vorher hat man immer ein dunkles Gefühl, daß man eigentlich griechische Dichterstellen, wenn Farben auftreten, nicht recht versteht. Gewiß, mit dem grobklotzigen Verständnis, das heute die Menschen den Dingen entgegenbringen, merken sie das nicht; aber wenn man richtig verstehen will in allen feinen Nuancen, so merkt man das. Man merkt, daß der Grieche anders von Farben, überhaupt von seiner Umgebung sprach. Und in dieses Anders-Sprechen lebt man sich hinein auf diese feine, intime Weise, die ich beschrieben habe.
[ 3 ] Let us suppose that someone actually goes through what Goethe believed—and rightly so—he had gone through in Italy, and what he then expressed with the words that he had now discovered what the true secret of Greek art was: that they imitated nature in a mysterious way, in a manner that modern humanity is no longer capable of to the same degree. Yes, Goethe was not readily convinced that he could empathize with the Greeks in the same way as someone today who travels with a Baedeker guide and looks at Greek works of art, or goes to a museum and looks at Greek works of art, believing—without further reflection—that they also understand this Greek spirit. If one tries—I would say by experimenting, through a kind of experimentation—to truly attune oneself to what a Greek work of art, whether sculptural or poetic, quite clearly demands—and, incidentally, what Greek philosophy also demands—if one truly attunes oneself to this and then, using the intimate methods of the soul with which you are thoroughly familiar, examines and verifies it in an occult manner, then one finds that one has in fact, experimentally, established—albeit only as a faint echo—that deeper connection between the life-ether within oneself and the earthly element, and one feels this, I would say, intimately subtle “otherness” radiating throughout the entire organism. And if one has truly attuned oneself to Greek art or Greek philosophy—attuned oneself with one’s whole being—and can then test this inner attunement, one notices that with this different attitude, one sees a color quite differently or perceives warmth quite differently than people today see color or perceive warmth. Only modern man does not appreciate such experiments tied to the life of the soul. If one truly understands Aeschylus or Heraclitus—or even just Aristotle—then one also perceives a color differently through the understanding one brings to Heraclitus, Aeschylus, Sophocles, and Aristotle. One then realizes: While in the current state of the fifth post-Atlantean epoch one simply sees blue—blue as a shade, as a simple shade—one then, in a sense, sees blue as something more complex: as if there were a veil behind which lay darkness, and one can distinguish the darkness from the murkiness woven over it, as they say. Blue becomes more complex, but other sensations also become more complex. When one touches a warm object with one’s hand, one perceives it as if something were spreading out, expanding over the hand. Sensory perception as a whole also becomes more active. And now one realizes how differently the Greeks perceived the world through their senses. One didn’t realize this before—that the Greeks truly viewed the nature around them differently than people do today. In particular, anyone who cannot conduct such an experiment knows nothing of Greek culture. But once one begins to understand things in this way, one is able to interpret certain connections in their proper light. Before that, one always had a vague feeling that one didn’t really understand passages in Greek poetry where colors appear. Certainly, with the crude, clumsy understanding that people bring to things today, they do not notice this; but if one wants to understand correctly in all its subtle nuances, then one does notice it. One realizes that the Greeks spoke differently about colors—and about their surroundings in general. And one immerses oneself in this different way of speaking in that subtle, intimate manner I have described.
[ 4 ] Sie sehen also, es ist gewissermaßen experimentell möglich, das festzustellen, was ich Ihnen gestern als den andersartigen Zusammenhang zwischen dem Lebensäther und dem erdigen Element in unserem Gesamtorganismus bezüglich der fünften nachatlantischen Kulturperiode beschrieben habe. Und dieses Vorrücken der Evolution, das drückt sich aus in den verschiedenen Impulsen, die ich Ihnen geschildert habe. Je innerlicher und immer innerlicher man die menschliche Evolution in den charakterisierten Zeiträumen betrachtet, desto klarer wird einem der Charakter der Impulse, die ich angedeutet habe. Diese Impulse leben sich aus in der äußeren Kultur; nicht nur in der Erkenntniskultur, auch in der sozialen Kultur. Und nur der Umstand, daß eben der Mensch, wenn er nicht an die Geisteswissenschaft herankommt, drinnensteht innerhalb der polarisch einander entgegenwirkenden Impulse, das macht, daß man eigentlich so wenig weiß von dem, was da eigentlich waltet. Nun aber erstreckt dasjenige, was schon eine große Bedeutung, eine immense Bedeutung für die äußere Kultur hat, diese Bedeutung in einer viel intensiveren Weise in die unbewußt oder bewußt wirkenden okkulten Entwickelungsmomente hinein. Und darauf wollen wir auch heute noch einen Blick werfen.
[ 4 ] So you see, it is, in a sense, experimentally possible to verify what I described to you yesterday as the unique relationship between the life ether and the earthly element in our entire organism with regard to the fifth post-Atlantean cultural period. And this progression of evolution is expressed in the various impulses I have described to you. The more deeply—and ever more deeply—one considers human evolution within the periods I have characterized, the clearer the nature of the impulses I have alluded to becomes. These impulses play out in external culture—not only in the culture of knowledge, but also in social culture. And it is precisely the fact that human beings, when they do not have access to spiritual science, are caught in the midst of these polar, opposing impulses—this is what causes people to know so little about what is actually at work there. Now, however, that which already has great significance—indeed, immense significance—for external culture extends this significance in a much more intense way into the occult forces of development, whether they act unconsciously or consciously. And we would like to take a look at that today as well.
[ 5 ] Wir haben im wesentlichen unterschieden, gestern und schon früher, zwischen dem einen Impuls, der auf dem Gebiete der Erkenntnis und auf dem Gebiete des sozialen Lebens sein Hauptaugenmerk darauf verwendet, die Verwandelung, die im physischen Anschauen merkbare Verwandelung der Naturkräfte und Naturwesen zu beobachten. Das hat sich ja in der neueren Zeit voll ausgebildet. Man prüfte, wie Wärme sich in Arbeit verwandelt, wie die Naturkräfte ineinander sich verwandeln, wie sich ein Wesen im Laufe der Evolution umwandelt in seinen Formen. Man prüfte, wie die Wesen physisch entstehen: Verwandelung und Geburt also, und damit verbunden war die Glückseligkeit oder das Streben nach Glückseligkeit oder in der größten Einseitigkeit als Nützlichkeit. Der diesem entsprechende andere Impuls war das Aufsuchen des Bösen, des Leidens, des Schmerzes, das Hinlenken der Aufmerksamkeit auf den Tod, das soziale Suchen nach Erlösung des Menschen, nach Befreiung.
[ 5 ] Yesterday and even earlier, we essentially distinguished between the impulse that, in the realm of knowledge and in the realm of social life, focuses primarily on observing the transformation—the transformation of natural forces and natural beings that is perceptible to the physical eye. This has, in fact, fully developed in recent times. People investigated how heat is transformed into work, how the forces of nature transform into one another, and how a being changes in form over the course of evolution. They investigated how beings come into being physically—that is, transformation and birth—and associated with this was bliss, or the striving for bliss, or, in its most one-sided form, utility. The other impulse corresponding to this was the search for evil, suffering, and pain; the directing of attention toward death; and the social quest for human redemption and liberation.
[ 6 ] Es ist nun dies, was sich im sozialen, im gewöhnlichen Erkenntnisleben auslebt, weiter hineinwirkend, sagte ich schon, in die Impulse, die dann in den mehr oder weniger übersinnlichen Kräften und menschlichen Bestrebungen zum Ausdruck kommen. Einen ganz bestimmten Charakter trägt das okkulte Streben, das gewissermaßen beeinflußt wird von diesem Impuls. Und dieses okkulte Streben, ich habe ja schon teilweise charakterisiert, wie es sich äußert: Es äußert sich darinnen, daß nun auch das Spirituelle gezogen werden soll in den Dienst des äußeren Lebens, des äußeren physischen Daseins. Ein besonders abstoßendes Beispiel dieses Ziehens des spirituellen Lebens in den Dienst des äußeren physischen Daseins war ja das vor einigen Jahren errichtete «Büro Julia», und ich konnte selbst nachprüfen, wie die Menschen den Impuls empfangen haben gerade durch dieses «Büro Julia», das William Stead errichtet hat, okkulte Offenbarungen in den Dienst des gewöhnlichen Lebens zu stellen, des äußeren physischen Lebens, wie es verfließt zwischen Geburt und Tod. Ich fand da oder dort, merk würdigerweise, vor Vorträgen in verschiedenen Städten Zettel, in denen man mir sagte, das Medium des «Büro Julia» hätte wieder und wiederum den oder jenen angewiesen, sich an mich zu wenden, um Auskünfte über das oder jenes zu erlangen, und dasjenige, um was es sich handelte, waren ja wirklich immer Dinge des sehr äußerlichen Lebens. Und auch sonst benachrichtigte einen immer wiederum das «Büro Julia» auf ähnliche Weise. Das ist ein Beispiel. Viele Beispiele könnten angeführt werden, die vorläufig schon genügend zeigen, wie es sich darum handelte, spirituelles Manifestieren in den Dienst des gewöhnlichen physischen Lebens zu stellen, in den Dienst des Materialismus mit seinem Prinzip der Nützlichkeit des gewöhnlichen physischen Daseins. Und im Grunde genommen verfolgt ja dasjenige, was man Spiritismus nennt, ganz diese Richtung, wobei ich durchaus jetzt nicht kritisieren will die Geltung der oder jener spiritistischen Phänomene. Aber den Leuten, die sich dem Spiritismus zuwenden, handelt es sich ja gerade darum, auf äußere, materiell anschauliche Weise die Geisterwelt zur Erkenntnis zu bringen, das heißt, das Geistige selber auf materielle Weise zu begreifen.
[ 6 ] It is this, I have already said, that plays out in social and everyday life of cognition, exerting a further influence on the impulses that are then expressed in the more or less supersensible forces and human aspirations. The occult striving, which is, so to speak, influenced by this impulse, has a very specific character. And this occult striving—I have already described in part how it manifests itself: It manifests itself in the fact that the spiritual is now also to be drawn into the service of external life, of external physical existence. A particularly repulsive example of this drawing of spiritual life into the service of external physical existence was, of course, the “Julia Bureau” established a few years ago, and I was able to verify for myself how people received the impulse precisely through this “Julia Office,” which William Stead established to place occult revelations in the service of ordinary life—of external physical life as it unfolds between birth and death. Here and there, notably, before lectures in various cities, I found notes in which I was told that the medium of the “Julia Office” had repeatedly instructed this or that person to contact me to obtain information about this or that, and the matters in question were indeed always things pertaining to very external life. And in other instances as well, the “Julia Office” would repeatedly contact me in a similar manner. That is one example. Many examples could be cited that, for the time being, already sufficiently demonstrate how the aim was to place spiritual manifestation in the service of ordinary physical life, in the service of materialism with its principle of the utility of ordinary physical existence. And fundamentally, what is called spiritualism follows precisely this line of thought, though I certainly do not wish to criticize the validity of this or that spiritualist phenomenon. But for people who turn to spiritualism, the very point is to bring the spirit world to light in an external, materially tangible way—that is, to comprehend the spiritual itself in a material way.
[ 7 ] Und diesem Begreifen des Geistigen auf materielle Weise ist ja, wie Sie wissen, die Wissenschaft heute, auch die ernste Wissenschaft viel geneigter als denjenigen Methoden, die von unserer Geisteswissenschaft beschrieben werden. Wie viele Namen von angesehenen Gelehrten werden immer wieder und wiederum mit Recht aufgezählt, die sich interessiert haben für das oder jenes, was beweisend sein soll für das Wirken und Weben des Geistes als äußeres Experiment, als Experiment, das so ähnlich vollzogen werden kann wie ein Experiment, das man gewöhnt ist im Laboratorium oder im physikalischen Kabinett anzustellen. Gelehrte haben sich oftmals als unfähig erwiesen, diese Dinge wirklich wissenschaftlich zu prüfen. Sie haben gestrebt, möchte ich sagen, nach einer äußeren experimentellen, anschaulichen Weise, die sie gewöhnt waren von den heutigen materialistischen Methoden. Aber sie haben sich oftmals außerordentlich naiv erwiesen, durchaus nicht weniger naiv als ein Laienpublikum. Ein Mann sagte mir einmal, er habe einen sehr bedeutenden Gelehrten getroffen, und der habe ihm erzählt, was er alles mit einem Medium erlebt hat. Dabei wurde diesem Gelehrten ein sehr einfaches, allbekanntes Taschenspielerkunststückchen gezeigt, und er hatte keine Ahnung, wie dieses Taschenspielerkunststückchen entsteht. Nun soll man nicht denken, daß solch ein naiver Gelehrter, der keine Ahnung hat, wie das einfachste Taschenspielerkunststückchen zustande kommt, nicht betrogen werden solle in seiner Naivität von all den Kniffen und Pfiffen, die ja aus den unterbewußten Regionen gerade Medien entfalten. Die Medien sind jedenfalls zumeist viel weniger naiv und viel klüger nicht nur als der Durchschnittsgelehrte, sondern manchmal als recht hervorragende Gelehrte. Denn eskommt dabei nicht auf die bewußte Klugheit an, sondern auf die unterbewußte und unbewußte Klugheit, und dann kommt es an auf der anderen Seite auf die Leichtgläubigkeit gerade diesen Dingen gegenüber. Würde man zur Untersuchung wirklich alle Finessen der Experimentierkunst anwenden, welche man anwendet bei den einfacheren Dingen der Biologie oder der Physik oder der Chemie oder der Astronomie, so würde man schon nicht so oft in die Falle gehen. Aber bei der Naivität, die gerade Gelehrte haben, ist es gar nicht zu verwundern, daß auch Gelehrte sich in unserer heutigen Zeit viel beschäftigen mit allerlei Untersuchungen, wie die Pferde oder Hunde rechnen, wie die Hunde sogar religiöse Fragen lösen. Was auf diesem Gebiete diskutiert wird, zeigt so recht die Naivität, mit der der heutige, an das materialistische Untersuchen allein gewöhnte Mensch an diese Dinge herangeht. Da sehen Sie, wie der Trieb, der im Materialismus in dem bloßen Nützlichkeitsprinzip sich äußert, in dem Prinzip, zu untersuchen die Verwandelung der Naturkräfte und die Geburtsverhältnisse, wie dieser Trieb hineinspielt in das Verhältnis, das sich der Mensch zur geistigen Welt bildet. Nun spielt er auch in anderer Beziehung hinein. Man wird immer mehr und mehr versuchen, aus diesem Triebe heraus hinter alle Naturgeheimnisse, die sich auf die Verwandelung und die Geburt beziehen, zu kommen. Sehen wir doch heute schon eine sich Wissenschaft nennende Bestrebung immer deutlicher und deutlicher auftauchen, welche das Prinzip der natürlichen Zuchtwahl, das der materialistische Darwinismus gebracht hat, auf den Menschen anwenden will. So daß aus diesem Impuls wirklich einmal das Ideal hervorgehen wird, Gesetze zu finden, wie der passendste Mann auserlesen werden kann für die passendste Frau, um die passendste Nachkommenschaft zu erzielen.
[ 7 ] And, as you know, modern science—even serious science—is far more inclined toward this materialistic understanding of the spiritual than toward the methods described by our spiritual science. How many names of distinguished scholars are repeatedly and rightly cited—scholars who have taken an interest in this or that phenomenon, which is supposed to serve as proof of the workings and interplay of the spirit through an external experiment—an experiment that can be conducted in a manner similar to those one is accustomed to performing in a laboratory or physics laboratory. Scholars have often proved incapable of truly examining these matters scientifically. They have strived, I would say, for an external, experimental, and concrete approach, one to which they were accustomed through today’s materialistic methods. But they have often proved to be extraordinarily naive—by no means less naive than a lay audience. A man once told me that he had met a very distinguished scholar, who had recounted to him all the experiences he’d had with a medium. Yet this scholar had been shown a very simple, well-known sleight-of-hand trick, and he had no idea how it was performed. Now, one should not assume that such a naive scholar—who has no idea how even the simplest sleight-of-hand trick is performed—cannot be deceived in his naivety by all the tricks and ruses that mediums, after all, draw from the subconscious realms. In any case, mediums are for the most part far less naive and far wiser—not only than the average scholar, but sometimes even than quite outstanding scholars. For what matters here is not conscious cleverness, but subconscious and unconscious cleverness; and on the other hand, it depends on gullibility toward precisely these matters. If one were to apply all the subtleties of the art of experimentation—the same ones used in the simpler fields of biology, physics, chemistry, or astronomy—to this investigation, one would not fall into the trap so often. But given the naivety that scholars in particular possess, it is hardly surprising that even scholars today devote a great deal of time to all sorts of investigations—such as how horses or dogs calculate, or how dogs even resolve religious questions. What is discussed in this field truly reveals the naivety with which people today—accustomed solely to materialistic inquiry—approach these matters. There you see how the impulse that, in materialism, manifests itself in the mere principle of utility—in the principle of investigating the transformation of natural forces and the conditions of birth—how this impulse plays a role in the relationship that human beings form with the spiritual world. Now it also plays a role in another respect. People will increasingly attempt, driven by this impulse, to uncover all the mysteries of nature relating to transformation and birth. After all, we are already seeing an endeavor—which calls itself science—emerge ever more clearly today, one that seeks to apply the principle of natural selection, introduced by materialistic Darwinism, to human beings. Thus, from this impulse, the ideal will indeed one day emerge: to discover laws governing how the most suitable man can be chosen for the most suitable woman in order to produce the most suitable offspring.
[ 8 ] Solche Dinge werden heute schon besprochen, werden heute schon diskutiert, ich glaube, Eugenik nennt man diese Wissenschaft, die da im Aufstreben ist. Solche Dinge bilden schon durchaus ernsthafte Anregungen. Das aber wird immer stärker und stärker werden. Man wird immer mehr und mehr das menschliche soziale Leben seines spirituellen Charakters entkleiden wollen und es aufbauen wollen auf rein äußeren sinnlichen und sinnlich-natürlichen Verhältnissen. Unter dem Einflusse dieses Triebes ist ja auch die Psychoanalyse entstanden, jene sonderbare Wissenschaft, welche es sich zur Aufgabe macht, gewisse unterbewußte Kraftkomplexe herauszuholen aus dem menschlichen Gesamtorganismus, aber im wesentlichen ganz naturgemäß hauptsächlich mit sexuellen oder mit Triebverhältnissen rechnet, die den sexuellen Verhältnissen mehr oder weniger nahe oder doch entfernt verwandt sind. Man kann nämlich den Blick der Untersuchung und die Aufmerksamkeit zwar bloß lenken auf das physisch-sinnliche Geschehen. Aber in dem physisch-sinnlichen Geschehen, das sich in Verwandlung und Geburt ausdrückt und das in der Glückseligkeit, in der Nützlichkeit angestrebt wird, darinnen sprechen sich deshalb doch okkulte Kräfte aus, liegt doch okkultes Streben. Aber durch die Art, wie man mit Verleugnung des Spirituellen sich doch dem Spirituellen nähert durch diesen Pol, kommt man in die Nähe von gewissen geistigen Wesenheiten, die wirken, trotzdem man sie nicht schauen will, trotzdem man sie nicht berücksichtigen will, die hereinwirken in das Bestreben der Wissenschaft, in das Bestreben des Aufstellens sozialer Ideale. Das aber sind Wesenheiten, von denen gesagt werden muß, daß ihre höheren Fähigkeiten eine gewisse Ähnlichkeit haben mit den niederen Triebfähigkeiten der Menschen. Es sind eigentümliche geistige Wesenheiten, in deren Nähe man kommt, deren höhere Fähigkeiten also, deren eigentliche Denk-, Vernunft- und Wahrnehmungsfähigkeiten ein Anziehungsband haben zu dem menschlichen Sexuellen oder sonstigem niederem Triebhaften. Indem man also hantiert mit alle dem, was sich auf Verwandlung, Geburts- und Glückseligkeitsverhältnisse bezieht in der angedeuteten Weise, lebt man gewissermaßen in einer psychischen Aura solcher Wesen, bei denen die höheren Fähigkeiten eine gewisse Verwandtschaft haben zu unsern niederen Fähigkeiten. Daher werden die niederen Fähigkeiten des Menschen durch diese Verwandtschaft angeregt, und daher ist es auch, daß die Psychoanalyse, die doch aus materiellen Anschauungen heraus entspringt, eigentlich handelt unter dem Einflusse von solchen Wesenheiten, die hauptsächlich anregen den Blick für die Berücksichtigung des niederen Trieblebens.
[ 8 ] Such matters are already being discussed today; I believe this emerging science is called eugenics. Such ideas are already giving rise to quite serious considerations. But this trend will only grow stronger and stronger. People will increasingly seek to strip human social life of its spiritual character and build it upon purely external, sensory, and sensually-natural conditions. Psychoanalysis, after all, arose under the influence of this impulse—that peculiar science which sets itself the task of extracting certain subconscious complexes of forces from the human organism as a whole, but which, essentially and quite naturally, deals primarily with sexual or instinctual relationships that are more or less closely or at least distantly related to sexual relationships. For one can, of course, direct the focus of investigation and attention solely toward physical-sensual events. But within these physical-sensual events—which express themselves in transformation and birth and are sought after for their bliss and utility—occult forces are nevertheless at work, and occult striving is present. But through the very way in which one approaches the spiritual—while denying it—via this pole, one comes into the vicinity of certain spiritual beings who are at work, even though one does not wish to see them, even though one does not wish to take them into account; they influence the endeavors of science and the pursuit of social ideals. These, however, are beings of whom it must be said that their higher faculties bear a certain resemblance to the lower instinctual faculties of human beings. They are peculiar spiritual beings whose presence one comes into contact with; their higher faculties—that is, their actual faculties of thought, reason, and perception—have a bond of attraction to human sexuality or other lower instinctual drives. Thus, by dealing with everything related to transformation, birth, and conditions of bliss in the manner indicated, one lives, so to speak, within a psychic aura of such beings, whose higher faculties bear a certain resemblance to our lower faculties. Consequently, the lower faculties of human beings are stimulated by this kinship, and this is also why psychoanalysis—which, after all, springs from materialistic views—actually operates under the influence of such entities, which primarily stimulate the focus on the lower instinctual life.
[ 9 ] Also durch den Pol I (siehe Seite 275) gelangt der Mensch in den Bereich von solchen Wesenheiten, deren höhere Fähigkeiten mit seinen niederen Fähigkeiten verwandt sind, so daß er in die Gelegenheit kommt, in dieser Sphäre, in diesen Sphärenarten vor allen Dingen die Aufmerksamkeit auf seine niederen Triebfähigkeiten zu richten. Daher der Grundcharakter so vielen Strebens heute, welches, man möchte sagen, die ganze Welt nur unter dem Gesichtspunkte, unter dem Aspekte der niederen Triebe sehen will. Und es ist dennoch ein Weg — wenn auch ein weiter Weg — von den materialistischen psychoanalytischen Theorien Freuds bis hinauf zu dem Geistvollsten, Größten, Bedeutendsten, das in unserer Zeit geleistet worden ist auf diesem Gebiete, bis zu den Schriften des außerordentlich geistvollen Laurence Oliphant, der in seinen sehr interessanten Büchern «Sympneumata» und «Scientific Religion» etwas geliefert hat, was zunächst außerordentlich interessant und sympathisch ist, aber das nur, ich möchte sagen, die sublimierteste Bestrebung ist, die ganze Welt, das ganze Weltgeschehen, auch das geistige Weltgeschehen unter den Aspekt des Sexuellen zu stellen. Wenn das auch bei Oliphant außerordentlich fein und geistvoll und edel und sympathisch auftritt, es ist, sage ich, dennoch ein Weg von Freud zu Oliphant. Man lernt außerordentlich viel, wenn man «Sympneumata», «Scientific Religion» studiert. Aber man muß eben durchaus sich klar sein darüber, daß sich auch in diesen ganz vorzüglichen Büchern der eine Pol ausdrückt von dem, was charakterisiert worden ist. Denn da, wo dieser Pol ganz besonders waltet, da handelt es sich immer darum, nicht eigentlich aus den gegenwärtigen menschlichen Fähigkeiten heraus, aus den normalen geistigen Fähigkeiten des Menschen heraus aufzusteigen in die geistigen Welten, sondern es handelt sich darum, nur den einen Trieb auszubilden, den Trieb nach den Phänomenen, nach dem Äußeren, Physischen. Daher konnte beides entstehen, was auch wirklich entstanden ist.
[ 9 ] Thus, through Pole I (see page 275), the human being enters the realm of such beings whose higher faculties are related to his lower faculties, so that in this sphere—in these types of spheres—he has the opportunity to focus his attention above all on his lower instinctual faculties. Hence the fundamental character of so much striving today, which, one might say, seeks to view the entire world solely from the perspective of the lower instincts. And yet there is a path—albeit a long one—from Freud’s materialistic psychoanalytic theories all the way up to the most spiritual, greatest, and most significant achievements of our time in this field, to the writings of the extraordinarily spiritual Laurence Oliphant, who, in his very interesting books Sympneumata and Scientific Religion has offered something that is, at first glance, extraordinarily interesting and appealing, but which is, I would say, merely the most sublimated endeavor to view the entire world, all world events—including spiritual events—through the lens of sexuality. Even though this is presented in Oliphant’s work in an extraordinarily subtle, witty, noble, and appealing way, it is, I say, nonetheless a path from Freud to Oliphant. One learns an extraordinary amount by studying Sympneumata and Scientific Religion. But one must be absolutely clear that even in these truly excellent books, one pole of what has been characterized is expressed. For where this pole reigns particularly strongly, the focus is always not so much on ascending into the spiritual worlds from one’s present human capacities—from the normal spiritual faculties of the human being—but rather on developing only one impulse: the impulse toward phenomena, toward the external and the physical. Hence, both could arise—and indeed did arise.
[ 10 ] Bei gewissen okkulten oder okkultismusähnlichen Vereinigungen mystischen oder maurerischen Charakters des Westens sehen wir solche Eigenschaften auftreten. Da sehen wir überall, wie eine gewisse Abneigung besteht, aus den unmittelbaren, gegenwärtigen Eigenschaften der Menschen heraus, aus den normalen Eigenschaften der Menschen heraus in die geistigen Welten aufzusteigen, und viel mehr die Neigung, die normalen Eigenschaften der Menschheit der Gegenwart dazu zu verwenden, sie mehr in den Dienst der sinnenfälligen Utilität, der Nützlichkeit zu stellen. Dagegen tritt das Bestreben auf, das Geistige, das man nicht unmittelbar suchen will, auf andere Weise zu befriedigen. Das heißt, man kommt dazu, das Geistige da aufzugreifen, wo es noch vorhanden ist in alter atavistischer Form, es da hervorzuholen. Immer reger wird der Trieb werden, zu dem, was man auf medialem Wege für die Nützlichkeit erringt, durch allerlei okkulte Verbrüderungen auch das andere hinzuzugesellen, was man «uralte Weisheit» nennt, die einstmals atavistisch in die Menschheit eingezogen ist, oder was gewisse, auf früherer Entwickelungsstufe zurückgebliebene Völker sich bewahrt haben aus früheren Zeiten.
[ 10 ] We see such characteristics emerge in certain occult or occult-like societies of a mystical or Masonic nature in the West. There we see everywhere a certain reluctance to ascend into the spiritual worlds from the immediate, present characteristics of human beings—from their normal characteristics—and, to a much greater extent, a tendency to use the normal characteristics of present-day humanity to place them more in the service of sensory utility and practical benefit. In contrast, there arises an effort to satisfy the spiritual—which one does not wish to seek directly—in other ways. That is to say, one comes to take up the spiritual where it still exists in an old, atavistic form, to bring it forth from there. The impulse will grow ever stronger to combine what is attained through mediumistic means for the sake of utility with, through all manner of occult fraternities, that which is called “ancient wisdom”—which once entered humanity in an atavistic form—or what certain peoples, who have remained at an earlier stage of development, have preserved from earlier times.
[ 11 ] Wir sehen daher, wie die außerordentlich bedeutsamen, aus dem Osten stammenden Befähigungen der Blavatsky zuerst zusammengeknüpft werden sollten mit westlichen Bestrebungen. Nachdem das nicht geglückt war, nachdem das geschehen war, daß Blavatsky, wie ich erwähnt habe, in der einen Gesellschaft des Westens solche Bedingungen gestellt hat, daß sie nicht erfüllt werden konnten, nachdem sie aus einer anderen Gesellschaft des Westens ausgeschlossen worden war, da wurde das Ganze dann so gelenkt — das ist eine lange Geschichte, die man ja auch einmal ausführlicher hier erzählen wird —, daß gewissermaßen in ihre Psyche eingegossen wurde Indisches oder Indisch-Ähnliches. So will man überhaupt zusammenkoppeln das, bei dem man stehenbleiben will, die Beschränkung auf das Utilitätsprinzip, mit dem, was aus anderen Fähigkeiten der Menschen eines anderen Zeitalters übernommen werden kann. Nur daß sich selbstverständlich dann die Ergebnisse dieser Fähigkeiten eines anderen Zeitalters anbequemen müssen den modernen Bedürfnissen, jenen modernen Bedürfnissen, die ich gestern geschildert habe, und die namentlich dem Machtprinzip, dem Prinzip entsprechen, durch allerlei Satzungen Macht zu sammeln. Und so handelt es sich denn sehr häufig, gerade bei solchen okkulten Verbrüderungen — und etwas Ähnliches hatte auch die Theosophische Gesellschaft immer deutlicher und deutlicher angestrebt —, um das Gewinnen von Macht, gerade durch das Aufnehmen desjenigen, was aus alten atavistischen menschlichen Fähigkeiten sich als ein Ergebnis zeigen kann. Dieser Trieb, den ich damit schildere, der wird dann in die Eigenartigkeit der modernen Zeit gestellt, so daß, was zuweilen aus ganz anderem entspringt, im Gewande der neuen Zeit auftritt. Zur Machtentfaltung kann man es dann benützen, aber nicht zu einem im Sinne unserer Zeit gehaltenen Erkennen oder heilsamen sozialen Leben.
[ 11 ] We can therefore see how Blavatsky’s extraordinarily significant abilities, which originated in the East, were initially intended to be linked with Western aspirations. After that had failed, after Blavatsky—as I have mentioned—had set such conditions in one Western society that they could not be met, and after she had been expelled from another Western society, the whole matter was then steered—this is a long story that will one day be told here in greater detail—in such a way that, so to speak, something Indian or Indian-like was instilled into her psyche. Thus, one seeks to combine what one wishes to hold onto—the limitation to the principle of utility—with what can be adopted from the abilities of people of another era. Except that, of course, the results of these abilities from another era must then be adapted to modern needs—those modern needs I described yesterday—and which correspond specifically to the principle of power, the principle of amassing power through all manner of statutes. And so, very often—especially in such occult fraternities, and something similar was also what the Theosophical Society had been striving for more and more clearly—the aim is the acquisition of power, precisely through the incorporation of whatever may emerge as a result of ancient, atavistic human abilities. This impulse, which I am describing here, is then placed within the peculiar context of the modern era, so that what sometimes arises from entirely different sources appears in the guise of the new age. It can then be used to expand power, but not for the kind of knowledge or wholesome social life that is characteristic of our time.
[ 12 ] Diejenigen, die übrigens darinnenstehen in alten Zusammenhängen, die lebendig darinnenstehen, die wirklich mit-Zurückgeblieben sind in früheren Zusammenhängen, in früheren Kulturperioden, die reden ganz anders über die Impulse dieser Kulturepochen als diejenigen, die sie aufnehmen auf dem Umwege durch allerlei Organisationen des einen Poles von Impulsen. Ich habe schon erwähnt, was für ein bedeutsames Buch Ku Hung-Ming geschrieben hat in Anknüpfung an die unmittelbaren Zeitereignisse der Gegenwart. Ku Hung-Ming ist ein gebildeter Chinese, ein Chinese, der anscheinend wirklich an der Spitze der gegenwärtigen chinesischen Bildung steht. Nun, nicht nur, daß in solchen westlichen okkulten Verbrüderungen allerlei Indisches, dilettantisches und sonstiges althergebrachtes Zeug gefunden wird, daß nur Tradition aufgebracht wird zur Machtentfaltung, ohne daß die Dinge innerlich ergriffen werden — auch mit dem Chinesischen ist dies ja der Fall. Denn die Chinesen sind, wie ich öfter auseinandergesetzt habe, Nachkommen der letzten atlantischen Entwickelungsphase, und das, was sie erlangt haben in der nachatlantischen Zeit, das trägt überall ein Gepräge des Zurückweisens in atlantische Eigentümlichkeiten, wenn auch herüberübersetzt in die nachatlantische Zeit. Dadurch steht ein solcher Mensch wie Ku Hung-Ming in einem ganz anderen geistigen Zusammenhang darinnen als der Europäer. Man kann sagen, während die Europäer das alles nicht sehen, was um sie herum ist, sieht er, durch seine Unabhängigkeit von dem, was innerhalb Europas lebt, namentlich in der unmittelbaren Gegenwart, gewisse Dinge selbstverständlich viel genauer, viel intensiver. Daher sollte man in Europa das Buch von Ku Hung-Ming: «Der Geist des chinesischen Volkes und der Ausweg aus dem Krieg», wohl berücksichtigen; manches darin sollte wirklich angeschaut werden, weil es durch den eben erwähnten Umstand unbefangener ist als im Grunde genommen alles, was in Europa selber geurteilt wird. So kennt Ku Hung-Ming aus seinem Darinnenstehen im Chinesentum noch die eigentümliche Folge, die sich ergibt dadurch, daß China, wie so vieles Alte, sich bewahrt hat die strenge Grenze zwischen Ungebildeten und Gebildeten. Die ist, wie Ku Hung-Ming schildert, durch die Sprache bewirkt, und zwischen den Ungebildeten, die im Grunde eine eigene Sprache sprechen, und den Gebildeten ist der Halbgebildete nicht dazwischen, der eine so große Rolle in Europa spielt seit jener Zeit, wo die letzten Reste des alten Wissens verschwunden sind, wo noch die höchste Bildung auf dem Lateinischen beruhte. Das hat sich China selbstverständlich erhalten und dieses wird sich noch lange erhalten, daß ein offener Gegensatz ist zwischen Ungebildeten und Gebildeten, und nicht die Halbgebildeten dazwischen sind. Daher hat ein solcher Chinese wie Ku Hung-Ming ein scharfes Auge für alles dasjenige, was bewirkt wird durch die Halbgebildeten, und in einem Aufsatze, der sich auch in diesem Buche findet, spricht er sehr schön gerade über dieses. Er sagt: «Die gesprochene oder Umgangssprache ist zum Gebrauch für die Ungebildeten und die Schriftsprache ist nur für die wirklich Gebildeten bestimmt. Auf diese Weise gibt es keine Halbgebildeten. Das ist der Grund, weshalb die Chinesen dabei beharren, zwei Sprachen zu haben. Die Folgen der Halbbildung sieht man deutlich im heutigen Europa und Amerika, wo, seit das Lateinische abgekommen ist, der scharfe Unterschied zwischen Umgangs- und Schriftsprache verschwunden ist; seitdem ist eine Klasse Halbgebildeter erstanden, die das Recht hat, sich derselben Sprache wie die wirklich Gebildeten zu bedienen...»
[ 12 ] Those, incidentally, who are deeply immersed in ancient contexts—who are actively engaged in them, who have truly remained rooted in earlier contexts and cultural periods—speak quite differently about the impulses of these cultural epochs than those who absorb them indirectly through all manner of organizations representing one pole of these impulses. I have already mentioned what a significant book Ku Hung-Ming has written in connection with the immediate events of the present. Ku Hung-Ming is an educated Chinese man, a Chinese man who apparently truly stands at the forefront of contemporary Chinese education. Now, not only is all sorts of Indian, dilettantish, and other traditional material found in such Western occult fraternities—where tradition is merely invoked to exert power without the inner grasp of the matters at hand—but this is also the case with Chinese thought. For the Chinese, as I have often explained, are descendants of the last phase of Atlantean development, and what they have attained in the post-Atlantean era bears everywhere the stamp of a return to Atlantean characteristics, even if transposed into the post-Atlantean era. As a result, a person like Ku Hung-Ming stands within a completely different spiritual context than the European. One could say that while Europeans fail to see everything that surrounds them, he—through his independence from what is alive within Europe, particularly in the immediate present—naturally perceives certain things much more precisely and much more intensely. For this reason, Ku Hung-Ming’s book, The Spirit of the Chinese People and the Way Out of War, should be given serious consideration in Europe; many aspects of it truly deserve attention, because, due to the circumstance just mentioned, it is more unbiased than, in essence, anything judged within Europe itself. Thus, from his immersion in Chinese culture, Ku Hung-Ming is still aware of the peculiar consequence that arises from the fact that China, like so many ancient societies, has preserved the strict boundary between the uneducated and the educated. As Ku Hung-Ming describes, this is brought about by language, and between the uneducated—who essentially speak a language of their own—and the educated, there is no “semi-educated” class in between, a class that has played such a major role in Europe since the time when the last remnants of ancient knowledge disappeared, when even the highest level of education was still based on Latin. China has, of course, preserved this distinction—and will continue to do so for a long time—namely, that there is a clear contrast between the uneducated and the educated, with no semi-educated class in between. Consequently, a Chinese scholar such as Ku Hung-Ming has a keen eye for everything brought about by the semi-educated, and in an essay also included in this book, he speaks very eloquently on precisely this subject. He says: “The spoken or colloquial language is for the uneducated, and the written language is intended only for the truly educated. In this way, there are no semi-educated people. This is the reason why the Chinese insist on having two languages. The consequences of semi-education can be clearly seen in today’s Europe and America, where, since Latin fell out of use, the sharp distinction between the spoken and written languages has disappeared; since then, a class of semi-educated people has emerged who have the right to use the same language as the truly educated...”
[ 13 ] Ich bitte, auch da selbstverständlich zu berücksichtigen, daß ich nicht mit diesem Chinesen übereinstimmen will, daß ich nicht dasselbe sagen will; sondern ich will nur darauf aufmerksam machen, wie er gewisse Dinge unbefangener anschaut. Vergleichen Sie die folgende Stelle mit vielem, was Sie heute lesen können. Es soll hier nicht behauptet werden, daß die Halbgebildeten keine Berechtigung haben. Die europäische Kultur hat sie mit Notwendigkeit hervorgebracht, selbstverständlich gehören sie zur europäischen Kultur. Trotzdem gilt das, was Ku Hung-Ming sehr schön sagt:
[ 13 ] I ask that you, of course, bear in mind that I do not wish to agree with this Chinese man, nor do I wish to say the same thing; rather, I merely wish to draw attention to how he views certain things with greater objectivity. Compare the following passage with much of what you can read today. The point here is not to claim that the semi-educated have no right to exist. European culture has necessarily produced them; of course, they are part of European culture. Nevertheless, what Ku Hung-Ming so beautifully says holds true:
[ 14 ] «Seitdem ist eine Klasse Halbgebildeter erstanden, die das Recht hat, sich derselben Sprache wie die wirklich Gebildeten zu bedienen, die von Zivilisation, Freiheit, Neutralität, Militarismus und Panslawismus redet, ohne die wirkliche Bedeutung dieser Worte im geringsten zu verstehen. Anstatt zu sagen, der preußische Militarismus sei eine Gefahr für die Zivilisation, wäre es meiner Meinung nach richtiger, die Halbgebildeten, die Rotte halbgebildeter Menschen in der heutigen Welt für die wirkliche Gefährdung der Zivilisation anzusehen.»
[ 14 ] “Since then, a class of semi-educated people has emerged that has the right to use the same language as the truly educated—a language that speaks of civilization, freedom, neutrality, militarism, and Pan-Slavism—without understanding the true meaning of these words in the slightest. Instead of saying that Prussian militarism is a danger to civilization, I believe it would be more accurate to regard the semi-educated—that rabble of semi-educated people in today’s world—as the real threat to civilization.”
[ 15 ] Sie sehen, daß schon auch andere Urteile möglich sind von jemandem, der den Dingen anders gegenübersteht, als diejenigen Urteile, die heute oftmals gefällt werden; denn das Urteil hat viel für sich, daß heute von Halbgebildeten viel geredet wird über Freiheit, Zivilisation, Neutralität und so weiter, ohne daß man sich die Mühe gibt, diese Dinge in irgendeiner Weise tiefer zu verstehen. Das sieht der Chinese, und er sieht auch mit Recht, daß an den gegenwärtigen Zuständen und Ereignissen die Halbgebildeten in allen Gebieten Europas einen großen Teil der Schuld tragen. Diese Zusammenhänge wird man später viel mehr einsehen. Aber es wäre gut, wenn wenigstens einige Menschen sie schon jetzt einsehen würden.
[ 15 ] You can see that someone who views things differently is capable of forming judgments other than those often passed today; for there is much to be said for the fact that today, the semi-educated talk a great deal about freedom, civilization, neutrality, and so on, without taking the trouble to understand these things in any deeper way. The Chinese see this, and they also rightly observe that the semi-educated in all parts of Europe bear a large share of the blame for the current conditions and events. These connections will be much better understood later on. But it would be good if at least some people were to recognize them already now.
[ 16 ] Aber dieser Chinese sieht auch manches andere außerordentlich gut. Und das ist das Eigentümliche, daß auch der Verstand eines solchen Chinesen — man kann es an ihm sehen, an Ku Hung-Ming, der eine alte atavistische Kultur sich bewahrt und darauf den modernen entwickelten Verstand anwendet —, daß auch dieser Verstand, ich möchte sagen, Intimeres wirkt. Man sieht das an dem, was ihm da in der europäischen Kultur gefällt. Ihm gefällt zum Beispiel mancherlei ganz und gar nicht. Die europäische Ordnung ist ja im Grunde genommen für ihn Anarchie; bloß der Schutzmann, der Polizeimann, der gefällt diesem Chinesen außerordentlich, Man sieht, daß er in manches außerordentlich gut hineinschaut; aber an einem besonderen Beispiel will ich Ihnen klarmachen, wie dieser Chinese in europäische Zustände hineinschauen kann. Da sagt er: Ja, die Europäer haben, was China niemals entwickelt hat, Advokaten, andere Leute, welche sich in das soziale, in das staatliche, in das öffentliche Leben hineinbegeben, es sogar bis in die höchsten Spitzen in der Verwaltung und Verfassung dieses öffentlichen Lebens bringen. Was tun diese Menschen? Sie brauchen nach den europäischen Verhältnissen den Schutzmann. Dem Schutzmann gibt man fünfzehn Schilling die Woche und sagt ihm, er sei notwendig für die gesellschaftliche Ordnung. Von diesen fünfzehn Schilling ernährt er sich notdürftig. Was muß er entwickelt haben, meint Ku Hung-Ming, damit er sich überhaupt nicht in einer schönen Nacht einmal verwandelt in einen Anarchisten, dieser Schutzmann, wozu er immer Anlage haben wird durch seine Entlohnung, was muß er denn haben? Er muß einen gewissen Ehrbegriff, den man ihm beigebracht hat, haben, und dieser Ehrbegriff muß ihn dazu anleiten, das Gefühl zu haben, für seine fünfzehn Schillinge die Gesellschaft zu retten. Denn das hat man ihm eingebleut. Man sagt ihm: Er ist dazu notwendig. — Aber was wird denn dadurch erreicht? Jene Advokaten und sonstigen Leute, die ihn angestellt haben, meint Ku Hung-Ming, die brauchen ihn. Er braucht die ganze Sache nicht, aber die anderen brauchen ihn, und zwar brauchen sie ihn dazu, damit er ihre Tausende und Zehntausende und Hunderttausende und Millionen großen Werte sichert. Hätten sie ihn nicht, dem sie fünfzehn Schillinge geben, so würden ihnen ihre Millionen werte nicht bleiben können. Nun ja, das ist ihr eigentlicher Zweck, sie brauchen ihn für sich, sagt dieser Chinese, so daß man ihm eigentlich, dem Schutzmann, etwas einbleuen muß, was ihn hinwegtäuscht über den eigentlichen Zweck: daß er eigentlich zum Schutz der Besitzer da ist. Das heißt, wenn so etwas entfaltet wird, so beruht eigentlich nach seiner Ansicht ein großer Teil der europäischen Kultur auf Betrug. Ja, Ku HungMing nennt das Betrug. Und so kommt er denn wirklich dazu, von seinem Gesichtspunkte aus ein Urteil zu fällen — ich habe es schon angedeutet —, das doch zum mindesten überlegt werden sollte. Er sagt:
[ 16 ] But this Chinese man also sees many other things with extraordinary clarity. And what is peculiar is that even the intellect of such a Chinese man—you can see it in him, in Ku Hung-Ming, who preserves an ancient, atavistic culture and applies his modern, developed intellect to it—even this intellect, I would say, operates on a more intimate level. You can see this in what appeals to him in European culture. For example, there are many things he does not like at all. The European social order is, after all, essentially anarchy to him; yet the police officer—he likes that figure extraordinarily well. You can see that he has an exceptionally keen insight into many things; but I’d like to use a specific example to illustrate how this Chinese man is able to gain insight into European conditions. He says: “Yes, the Europeans have something that China has never developed—lawyers and other people who engage in social, governmental, and public life, even rising to the very highest echelons of the administration and constitution of this public life. What do these people do? According to European standards, they need the police officer. The police officer is paid fifteen schillings a week and told that he is necessary for social order. He barely makes ends meet on these fifteen schillings. What must he have developed, Ku Hung-Ming asks, so that he does not, on some fine night, turn into an anarchist—this police officer, who will always have a predisposition toward it due to his pay—what must he possess? He must possess a certain sense of honor that has been instilled in him, and this sense of honor must lead him to feel that, for his fifteen schillings, he is saving society. For that is what has been drummed into him. He is told: He is necessary for this. — But what is actually achieved by this? Those lawyers and other people who hired him, says Ku Hung-Ming, need him. He doesn’t need the whole thing, but the others need him—and they need him specifically to safeguard their assets worth thousands, tens of thousands, hundreds of thousands, and millions. If they didn’t have him, to whom they give fifteen shillings, their assets worth millions would not be able to remain theirs. Well, that is their actual purpose—they need him for themselves, says this Chinese man—so that the policeman must actually be brainwashed into believing something that deceives him about the real purpose: that he is actually there to protect the owners. That is to say, when something like this is laid bare, a large part of European culture, in his view, is actually based on fraud. Yes, Ku Hung-Ming calls it fraud. And so he really does come to pass judgment from his point of view—as I’ve already hinted at—which should at least be given some thought. He says:
[ 17 ] «Ich glaube wirklich, daß die Völker Europas die Lösung des großen Zivilisationsproblems nach diesem Krieg hier in China finden werden» — denn von all den Rezepten, die die Europäer selber angeben, verspricht er sich gar nichts. — «Es gibt hier in China, ich sage es nochmals, ein unschätzbares, aber bisher unverdächtigtes Erbe von Zivilisation, nämlich den wahren Chinesen. Er besitzt das Geheimnis einer neuen Zivilisation, das die Völker Europas nach diesem großen Krieg brauchen werden, nämlich das, was ich die Religion des guten Bürgers genannt habe, deren erster Grundsatz ist, zu glauben, daß die menschliche Natur gut ist; an die Macht der Güte zu glauben, an die Macht und Wirksamkeit dessen, was der Amerikaner Emerson das Gesetz der Liebe und Gerechtigkeit nennt. Was ist aber das Gesetz der Liebe?»
[ 17 ] “I truly believe that the peoples of Europe will find the solution to the great problem of civilization here in China after this war”—for he has no faith whatsoever in any of the solutions proposed by the Europeans themselves. — “Here in China,” I say again, “there is an invaluable but hitherto unsuspected heritage of civilization, namely, the true Chinese. They possess the secret of a new civilization that the peoples of Europe will need after this great war—namely, what I have called the religion of the good citizen, whose first principle is to believe that human nature is good; to believe in the power of goodness, in the power and efficacy of what the American Emerson calls the law of love and justice. But what is the law of love?”
[ 18 ] Tatsächlich sagt er also, es sei notwendig, daß die europäischen Völker den Chinesen herbeirufen, dasjenige, was im Chinesen die Grundlage einer neuen Zivilisation ist. Nun, den Chinesen können wir schon innerhalb Europas nicht brauchen, wollen ihn auch nicht herbeirufen, aber es handelt sich darum, zu verstehen, wie von einem gewissen Gesichtspunkte aus solche Urteile gerade aus einer atavistischen Geisteskultur wohl entstehen können und sogar für gewisse Dinge viel unbefangener sind als die Urteile, welche unter dem entgegengesetzten Pole in Europa selber entstehen.
[ 18 ] In fact, he says that it is necessary for the European peoples to call upon the Chinese to provide what constitutes the foundation of a new civilization in Chinese culture. Well, we certainly have no need for the Chinese within Europe, nor do we wish to summon them, but the point is to understand how, from a certain perspective, such judgments can indeed arise precisely from an atavistic intellectual culture and are even, in certain respects, far more unbiased than the judgments that arise at the opposite pole in Europe itself.
[ 19 ] Der andere Pol, den ich als den zweiten Pol bezeichnete und von dem ich sagte, daß seine Beziehungen nach dem Bösen, Leiden, Schmerz, Tod, Erlösung oder Befreiung gelegt sind, der strebt nach Überwindung desjenigen, was gerade für den anderen das Heil ist. Nach Überwindung desjenigen strebt dieser zweite Pol, was sich für den Menschen entwikkelt zwischen Geburt und Tod, was sich für den Menschen entwickelt so, daß er dieses sich Entwickelnde anschauen kann mit den äußeren Sinnen. Während sich durch den ersten Pol die bloße Utilität entwikkelt, die Utilität, der Gott des echten Bourgeois, entwickelt sich unter dem zweiten Pol der Sakramentalismus im weitesten Umfange. Das heißt, es entwickelt sich ein Leben, welches sucht, die Wirklichkeit vom Geistigen aus anzuschauen, und unter dieser Anschauung der Wirklichkeit vom Geistigen aus diese Wirklichkeit selbst mehr oder weniger verschwinden zu lassen. Das ist mehr im Anfange, was der zweite Pol anstrebt, während das andere, was der erste Pol anstrebt, in Europa ziemlich weit gediehen ist. Der erste Pol strebt an, im chemischen Laboratorium Stoffe zu erzeugen, die dann verwendet werden können in der mannigfaltigsten Weise für die äußere Utilität, für die wirkliche Utilität oder für die eingebildete Utilität. Der zweite Pol wird immer mehr und mehr anstreben, nicht diese äußere Utilität zu verwirklichen, sondern die äußere Welt mehr symbolisch, mehr so zu behandeln, daß das Geistige in ihr zum Ausdrucke kommt. Selbst in dem sozialen und in dem staatlichen Leben wird man versuchen, symbolische Zusammenhänge, bedeutsame Zusammenhänge zu suchen. So wie, wenn nun die okkulten Kräfte in Betracht kommen, der erste Pol in die Nähe von Wesen führt, deren höhere Geisteskräfte mit des Menschen niederen Trieben verwandt sind, so führt dieser andere Pol mit seinem Sakramentalismus in die Nähe von Wesen, deren niedere Kräfte mit den höheren Menschenkräften verwandt sind, mit den Kräften der menschlichen Vernunft, des menschlichen Verstandes, der menschlichen psychischen Organisation, der menschlichen spirituellen Organisation. Also der andere Pol führt in die Nähe, in die Gesellschaft geistiger Wesenheiten, deren niedere Fähigkeiten verwandt sind mit den menschlichen höheren Fähigkeiten. Die Folge davon wird sein, daß, wenn es auf die Entfaltung okkulter Kräfte aus diesem Pole heraus, aus diesem polarischen Impuls heraus, ankommt, ein Streben entstehen wird, welches versuchen wird, loszureißen die höheren übersinnlichen Glieder der Menschennatur von dem sinnlichen Menschen.
[ 19 ] The other pole, which I referred to as the second pole and of which I said that its relationships are oriented toward evil, suffering, pain, death, redemption, or liberation, strives to overcome precisely that which constitutes salvation for the other. This second pole strives to overcome that which develops in human beings between birth and death—that which develops in such a way that human beings can perceive this unfolding process with their external senses. While mere utility—the utility that is the god of the true bourgeois—develops through the first pole, sacramentalism develops to the fullest extent under the second pole. That is to say, a way of life develops that seeks to view reality from a spiritual perspective, and, through this spiritual view of reality, to cause reality itself to disappear to a greater or lesser extent. What the second pole strives for is still in its early stages, whereas the other—what the first pole strives for—has advanced quite far in Europe. The first pole strives to produce substances in the chemical laboratory that can then be used in the most diverse ways for external utility, for real utility, or for imagined utility. The second pole will increasingly strive not to realize this external utility, but rather to treat the external world more symbolically—in such a way that the spiritual within it finds expression. Even in social and political life, people will seek to find symbolic connections, meaningful connections. Just as, when occult forces come into play, the first pole leads one into the vicinity of beings whose higher spiritual powers are akin to man’s lower instincts, so this other pole, with its sacramentalism, leads one into the vicinity of beings whose lower powers are akin to man’s higher powers—the powers of human reason, human intellect, human psychological organization, and human spiritual organization. Thus, the other pole leads into the vicinity of, and into the company of, spiritual beings whose lower faculties are related to the higher human faculties. The consequence of this will be that, when it comes to the unfolding of occult powers arising from this pole, from this polar impulse, a striving will arise that will attempt to tear the higher supersensible elements of human nature away from the sensual human being.
[ 20 ] Aber dann, indem der Mensch sich losreißt zum imaginativen, zum visionären Leben, kommt er hinein in eine Aura, in welcher geistige Wesenheiten Triebe entwickeln, die ihre niederen Triebe sind. Dadurch wird eine eigentümliche Erscheinung hervorgerufen, die darinnen besteht, daß der Mensch gewissermaßen besonders stark ausbilden will immer mehr und mehr wird er dazu getrieben werden — eine gewisse Zuschauerrolle, durch die er ein Verbindungsglied abgibt zwischen übersinnlichen und untersinnlichen Wesenheiten. Es wird also hier besonders stark entwickelt dasjenige, wodurch der Mensch ein Verbindungsglied zwischen der übersinnlichen und der untersinnlichen Welt wird. Der Mensch wird das Verbindungsglied, und er entwickelt in sich den Drang, sich gewissermaßen zum Werkzeug zu machen, daß gewisse übersinnliche Wesenheiten auf die untersinnlichen Kräfte, auf diejenigen Kräfte wirken, welche verborgen liegen in den sinnlichen Erscheinungen, in den sinnlichen Phänomenen. In den sinnlichen Phänomenen liegen Kräfte, die ähnlich sind den heute schon vorhandenen Elektrizitäts-, magnetischen und anderen Kräften. Nun will sich der Mensch, der sich einseitig diesem Impulse hingibt, über die sinnliche Welt, über die Welt der Phänomene unmittelbar hinwegsetzen. Dadurch aber gerät er gerade in die Gefahr, eine Brücke abzugeben, ein Verbindungsband zu geben mit der übersinnlichen Welt der höheren Hierarchien, die ihre Kräfte heruntersenden in die untersinnliche Welt. Der Trieb, im Sakramentalismus, in der symbolischen Handlung etwas zu entwickeln, das ist dieser selbe Trieb. Denn immer, wenn Sakramentalismus auftritt, wenn die symbolische Handlung auftritt, da strömen die Kräfte aus den oberen Welten in die unteren Welten und wieder zurück. Einseitig in diesem Strömen der übersinnlichen Welt nach der untersinnlichen Welt, gewissermaßen mit Ausschaltung der sinnlichen Welt, geht dieser andere polarische Impuls. Es ist daher natürlich, daß immer mehr und mehr innerhalb dieses Impulses II (siehe Seite 275, rechts) das Bedürfnis entstehen wird, sich zum Träger geistiger Wesenheiten oder geistiger Kräfte zu machen.
[ 20 ] But then, as the human being breaks away into an imaginative, visionary life, he enters an aura in which spiritual beings develop impulses that are their lower instincts. This gives rise to a peculiar phenomenon, which consists in the fact that the human being, as it were, seeks to develop ever more strongly—and will be driven to do so more and more—a certain role as an observer, through which he acts as a connecting link between supersensible and subsensible beings. Thus, what enables the human being to become a connecting link between the supersensible and the subsensible world is developed particularly strongly here. Human beings become this connecting link, and they develop within themselves the urge to make themselves, as it were, an instrument through which certain supersensible beings can act upon the sub-sensory forces—those forces that lie hidden within sensory phenomena. Within sensory phenomena lie forces similar to the electrical, magnetic, and other forces that already exist today. Now, the human being who one-sidedly surrenders to this impulse seeks to transcend the sensory world—the world of phenomena—directly. In doing so, however, he runs the very risk of severing a bridge, of severing the connecting link with the supersensory world of the higher hierarchies, which send their forces down into the sub-sensory world. The impulse to develop something through sacramentalism, through symbolic action—that is this very same impulse. For whenever sacramentalism occurs, whenever symbolic action takes place, forces flow from the higher worlds into the lower worlds and back again. This other polar impulse proceeds unilaterally within this flow from the supersensible world toward the subsensible world, effectively bypassing the sensible world. It is therefore natural that, within this Impulse II (see page 275, right), the need will arise more and more to become a vehicle for spiritual beings or spiritual forces.
[ 21 ] Es ist natürlich eine mißliche Sache, wenn man auf Einzelheiten in dieser Beziehung eingehen soll. Aber nach alle dem, was wir bis jetzt besprochen haben, werden ja solche Andeutungen, wie ich sie Ihnen gegeben habe, schon genügen können, um zu zeigen, wie auf der einen Seite die Utilität, auf der anderen Seite der Sakramentalismus sich entwickeln können. Auf der einen Seite die Utilität, das Bourgeois-Ideal; auf der anderen der Sakramentalismus mit dem, was als menschliche Seelenstimmung zum Sakramentalismus oder zum Symbolismus gehört, als dessen Ideal der Pilger steht.
[ 21 ] It is, of course, a bit of a predicament when one is asked to go into details on this subject. But given everything we have discussed so far, hints such as those I have given you should suffice to show how, on the one hand, utilitarianism and, on the other, sacramentalism can develop. On the one hand, utilitarianism, the bourgeois ideal; on the other, sacramentalism, with what belongs to the human spiritual disposition toward sacramentalism or symbolism, of which the pilgrim stands as the ideal.
| I | II |
| Verwandlung | Das Böse, Leiden |
| Geburt Glückseligkeit (Nützlichkeit) |
Tod Erlösung (Befreiung) |
| Utilität | Sakramentalismus |
| Freud | übersinnliche Welt |
| Laurence Oliphant | untersinnliche Welt |
| I | II |
| Transformation | Evil, Suffering |
| Birth Bliss (Utility) |
Death Salvation (Liberation) |
| Utility | Sacramentalism |
| Freud | supersensible world |
| Laurence Oliphant | subsensible world |
[ 22 ] Wir sehen, worinnen die Synthese bestehen muß, diese Synthese, die beide Einseitigkeiten vereinigt, indem sie sie zugleich überwindet. Man würde in der Folgezeit des fünften nachatlantischen Zeitraums auf der einen Seite die Menschen bekommen, die nur auf die Nützlichkeit hinarbeiten und auch alle spirituellen Kräfte nur in den Dienst der Nützlichkeit stellen, und auf der anderen Seite eine Sorte von Menschen, die mit ihrem ganzen Geist nur in der spirituellen Sphäre drinnen sein wollen und alles dasjenige, was dem physischen Leben angehört, nicht so, wie die Naturkräfte walten, behandeln wollen, sondern sakramentalisch behandeln wollen, gewissermaßen sakramentalisch arrangieren wollen.
[ 22 ] We see what this synthesis must consist of—a synthesis that unites both one-sidednesses by overcoming them at the same time. In the period following the fifth post-Atlantean epoch, on the one hand, there would be people who work solely toward utility and also place all spiritual powers solely in the service of utility, and on the other hand, a certain type of person who, with their entire spirit, wishes to remain solely within the spiritual sphere and treat everything pertaining to physical life—not in accordance with the way the forces of nature operate—but rather in a sacramental manner, arranging it, so to speak, sacramentally.
[ 23 ] Heute stehen noch die verschiedenen Ideale, welche die Menschen aufstellen, ohne daß die Menschen es wissen, unter dem Einflusse dieser beiden polarischen Impulse. Es wird immer mehr und mehr zum Wesen des geisteswissenschaftlichen Strebens gehören, einzusehen, wie in das, wovon man es heute vielfach nicht glaubt, hineinspielen diese polarischen Impulse. Für denjenigen, der die Dinge durchschaut, ist in einer großen Menge von Bestrebungen auf der einen Seite vorhanden dasjenige, was ich als den Impuls I charakterisiert habe; aber auch schon leuchtet vielfach herein dasjenige, was ich in den Bestrebungen gezeigt habe des Impulses II.
[ 23 ] Even today, the various ideals that people set for themselves—without their realizing it—are still under the influence of these two polar impulses. It will become an increasingly essential part of spiritual scientific endeavor to understand how these polar impulses come into play in areas that many people today do not believe are affected by them. For those who see through to the heart of things, a great many endeavors contain, on the one hand, what I have characterized as Impulse I; but in many cases, what I have shown to be Impulse II is also already shining through.
[ 24 ] In dieses ganze Getriebe war dann H.P.Blavatsky eigentlich hineingestellt. Ausgegangen ist sie von Bestrebungen, von Kräften vielmehr, die unter dem ImpulsII standen. Unter diesem Impuls II ist in ihr alles dasjenige entstanden, was sie getrieben hat nach der sakramentalischen Seite, die sie ja auch in einer gewissen Weise ausgebildet hat; und unter dem Einflusse des Impulses I ist alles dasjenige entstanden, was dann zur Vermaterialisierung desjenigen geführt hat, was man die Theosophische Gesellschaft nennt. Es würde heute zu weit führen, noch einmal alles über die Persönlichkeit der Blavatsky, um die ein Wirbelsturm des einen und des andern Impulses in besonderer Stärke sich entfacht hat, die sie in alle ihre einzelnen bedeutsamen Manifestationen wie in ihre Irrtümer geführt haben, auseinanderzusetzen. Es ist heute auch nicht mehr die Zeit, um völlig zu Ende zu führen dasjenige, was wir jetzt begonnen haben. Wir werden am nächsten Sonnabend, wenn wir uns wieder zusammenfinden, hier weiter fortsetzen.
[ 24 ] H.P. Blavatsky was, in fact, placed within this entire mechanism. She began with aspirations—or rather, forces—that were driven by Impulse II. Under this Impulse II, everything within her arose that drove her toward the sacramental aspect, which she indeed developed in a certain way; and under the influence of Impulse I, everything arose that then led to the materialization of what is called the Theosophical Society. It would take us too far afield today to once again examine everything concerning the personality of Blavatsky, around whom a whirlwind of both Impulses flared up with particular intensity, leading her into all her individual significant manifestations as well as into her errors. Nor is this the time to bring to a complete conclusion what we have now begun. We will continue here next Saturday when we meet again.
