Reflections on Contemporary History II
The Karma of Untruthfulness
GA 173b
24 December 1916, Dornach
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Zeitgeschichtliche Betrachtungen Band III
Achter Vortrag
Achter Vortrag
[ 1 ] Ich möchte auch heute bitten, daß ausnahmslos niemand nachschreibt; die ganzen drei Tage möchte ich darum bitten.
[ 1 ] Ich möchte auch heute bitten, daß ausnahmslos niemand nachschreibt; die ganzen drei Tage möchte ich darum bitten.
[ 2 ] Zuerst möchte ich nur ein paar Bemerkungen machen. Sie wissen ja aus früheren Mitteilungen, die ich Ihnen gemacht habe, etwas Bescheid über unsere Weihnachtsspiele. Ich brauche also heute nicht zu wiederholen, was Sie in Weihnachtsvorträgen über diese Spiele finden können. Ich will nur eine kleine Bemerkung machen über einen Satz, der vielleicht nicht ganz verstanden wird, damit Sie wissen, was damit gemeint ist. Der Teufel sagt:
[ 2 ] Zuerst möchte ich nur ein paar Bemerkungen machen. Sie wissen ja aus früheren Mitteilungen, die ich Ihnen gemacht habe, etwas Bescheid über unsere Weihnachtsspiele. Ich brauche also heute nicht zu wiederholen, was Sie in Weihnachtsvorträgen über diese Spiele finden können. Ich will nur eine kleine Bemerkung machen über einen Satz, der vielleicht nicht ganz verstanden wird, damit Sie wissen, was damit gemeint ist. Der Teufel sagt:
Hätten Adam und Eva Kleetzen gefressen,
Es wär’ ihnen tausendmal nützer gewesen.
Hätten Adam und Eva Kleetzen gefressen,
Es wär’ ihnen tausendmal nützer gewesen.
[ 3 ] Kleetzen sind in der Hitze gedörrtes Obst, namentlich Birnen, aber auch Pflaumen. Diese Kleetzen ißt man namentlich in bäurischen Gegenden zu Weihnachten. Es wird daraus auch ein Kleetzenbrot gebacken, das heißt, man backt Brot und da werden diese Kleetzen hineingebacken. In den Gegenden, in denen man den Ausdruck «Kleetzen» gutkennt, nennt man einen unentschlossenen, ein wenig feigen, zu nichts recht brauchbaren Mann einen «Kleetzensepperl», Sepperl von Joseph, Seppel; wenn man dann hochdeutsch sprechen will, sagt man: Gedörrter Birnen-Joseph!
[ 3 ] Kleetzen sind in der Hitze gedörrtes Obst, namentlich Birnen, aber auch Pflaumen. Diese Kleetzen ißt man namentlich in bäurischen Gegenden zu Weihnachten. Es wird daraus auch ein Kleetzenbrot gebacken, das heißt, man backt Brot und da werden diese Kleetzen hineingebacken. In den Gegenden, in denen man den Ausdruck «Kleetzen» gutkennt, nennt man einen unentschlossenen, ein wenig feigen, zu nichts recht brauchbaren Mann einen «Kleetzensepperl», Sepperl von Joseph, Seppel; wenn man dann hochdeutsch sprechen will, sagt man: Gedörrter Birnen-Joseph!
[ 4 ] Alles übrige ist, denke ich, verständlich. Die verschiedenen sonderbaren Aussprachen wie «ein Rieben» und so weiter, sind durchaus volkstümlich. Man sagt nicht «Rippe», aus der die Eva gemacht ist, sondern «Rieben»; das ist nicht eine Rübe, sondern eine Rippe. Ich denke, gerade in diesem «Paradeis-Spiel» sind sonst die Ausdrücke verständlich. Ist sonst noch ein Ausdruck, der aufgefallen ist, der hier schwer verständlich ist? Ich denke nicht.
[ 4 ] Alles übrige ist, denke ich, verständlich. Die verschiedenen sonderbaren Aussprachen wie «ein Rieben» und so weiter, sind durchaus volkstümlich. Man sagt nicht «Rippe», aus der die Eva gemacht ist, sondern «Rieben»; das ist nicht eine Rübe, sondern eine Rippe. Ich denke, gerade in diesem «Paradeis-Spiel» sind sonst die Ausdrücke verständlich. Ist sonst noch ein Ausdruck, der aufgefallen ist, der hier schwer verständlich ist? Ich denke nicht.
[ 5 ] Nun, die meisten von Ihnen waren ja letzten Donnerstag bei unseren Betrachtungen in Basel anwesend. Ich möchte heute, weil ich es für nicht unwichtig halten muß, daß die Gedanken, die dazumal entwickelt worden sind, uns bekannt werden, einen ganz kurzen Extrakt des am letzten Donnerstag über einen Punkt Gesagten heute vorbringen.
[ 5 ] Nun, die meisten von Ihnen waren ja letzten Donnerstag bei unseren Betrachtungen in Basel anwesend. Ich möchte heute, weil ich es für nicht unwichtig halten muß, daß die Gedanken, die dazumal entwickelt worden sind, uns bekannt werden, einen ganz kurzen Extrakt des am letzten Donnerstag über einen Punkt Gesagten heute vorbringen.
[ 6 ] Ich habe auseinandergesetzt, daß die Christus-Weisheit im Süden ausgerottet worden ist durch die Dogmatik, jene Christus-Weisheit, die vorhanden war durch die Gnosis, die ja selbst ausgerottet worden ist; denn was von der Gnosis geblieben ist, ist eigentlich nur eine ganz unbeträchtliche Summe von Fragmenten. Die Gnosis war ein Überrest von Urweisheit, der gewonnen war durch atavistisches Wissen über die geistigen Welten in alten Menschheitstagen. Und diese noch zur Zeit des Mysteriums von Golgatha vorhandene und bei den Gnostikern lebende Urweisheit, welche einen Überblick gab — wenn auch mit andern Namen — über dasjenige, was als Hierarchien der Weltenschöpfung zugrunde liegt, diese Urweisheit war imstande, sich einen Begriff, eine Idee zu machen von der Bedeutung des Christus. Mit der Gnosis ist auch die Möglichkeit verschwunden, die Christus-Wesenheit als kosmisches Wesen zu verstehen. An ihre Stelle ist die Dogmatik getreten, welche einige unverständliche Begriffe — Credo und dergleichen — über die Christus-Wesenheit fortgepflanzt hat.
[ 6 ] Ich habe auseinandergesetzt, daß die Christus-Weisheit im Süden ausgerottet worden ist durch die Dogmatik, jene Christus-Weisheit, die vorhanden war durch die Gnosis, die ja selbst ausgerottet worden ist; denn was von der Gnosis geblieben ist, ist eigentlich nur eine ganz unbeträchtliche Summe von Fragmenten. Die Gnosis war ein Überrest von Urweisheit, der gewonnen war durch atavistisches Wissen über die geistigen Welten in alten Menschheitstagen. Und diese noch zur Zeit des Mysteriums von Golgatha vorhandene und bei den Gnostikern lebende Urweisheit, welche einen Überblick gab — wenn auch mit andern Namen — über dasjenige, was als Hierarchien der Weltenschöpfung zugrunde liegt, diese Urweisheit war imstande, sich einen Begriff, eine Idee zu machen von der Bedeutung des Christus. Mit der Gnosis ist auch die Möglichkeit verschwunden, die Christus-Wesenheit als kosmisches Wesen zu verstehen. An ihre Stelle ist die Dogmatik getreten, welche einige unverständliche Begriffe — Credo und dergleichen — über die Christus-Wesenheit fortgepflanzt hat.
[ 7 ] Dasjenige, worauf es in den verflossenen Jahrhunderten ankam, ist nicht das Wissen über den Christus gewesen, sondern die Tatsache, daß der Christus sich nach der Erde gewendet und das Mysterium von Golgatha vollbracht hat. Ein wirkliches Verständnis der Christus-Wesenheit muß erst wiederum erobert werden durch die neuere Gnosis, die aber etwas ganz anderes ist als die alte Gnosis, durch die anthroposophisch geordnete, orientierte Geisteswissenschaft.
[ 7 ] Dasjenige, worauf es in den verflossenen Jahrhunderten ankam, ist nicht das Wissen über den Christus gewesen, sondern die Tatsache, daß der Christus sich nach der Erde gewendet und das Mysterium von Golgatha vollbracht hat. Ein wirkliches Verständnis der Christus-Wesenheit muß erst wiederum erobert werden durch die neuere Gnosis, die aber etwas ganz anderes ist als die alte Gnosis, durch die anthroposophisch geordnete, orientierte Geisteswissenschaft.
[ 8 ] Wichtiger soll uns nun heute sein als Ausgangspunkt das andere, das ich letzten Donnerstag ausgeführt habe, nämlich: daß im Norden in sehr früher, vorchristlicher Zeit — ich sagte: im 3. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung — bei einem Volksstamme, den Tacitus die Ingävonen nennt, eine gewisse Einrichtung bestanden hat, die von den Mysterienpriestern von einer Mysterienstätte aus geleitet wurde, die ihr Zentrum in dem heutigen Jütland in Dänemark hatte. Dieses Mysterium konnte wirken in dieser Zeit gerade in diesen Gegenden, weil alle klimatischen Verhältnisse — und alles, was materiell ist, hat ja auch seine geistigen Hintergründe — in diesen kälteren Regionen anders waren als in den südlichen, warmen Regionen. Waren die warmen Regionen mehr geeignet, um in der Gnosis die Geheimnisse der Christus-Wesenheit zu entwickeln, so waren die nördlichen Gegenden, durch das Vorhandensein von Vorstellungen über alte Einrichtungen, mehr geeignet, gerade über den Jesus sich Empfindungen zu bilden.
[ 8 ] Wichtiger soll uns nun heute sein als Ausgangspunkt das andere, das ich letzten Donnerstag ausgeführt habe, nämlich: daß im Norden in sehr früher, vorchristlicher Zeit — ich sagte: im 3. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung — bei einem Volksstamme, den Tacitus die Ingävonen nennt, eine gewisse Einrichtung bestanden hat, die von den Mysterienpriestern von einer Mysterienstätte aus geleitet wurde, die ihr Zentrum in dem heutigen Jütland in Dänemark hatte. Dieses Mysterium konnte wirken in dieser Zeit gerade in diesen Gegenden, weil alle klimatischen Verhältnisse — und alles, was materiell ist, hat ja auch seine geistigen Hintergründe — in diesen kälteren Regionen anders waren als in den südlichen, warmen Regionen. Waren die warmen Regionen mehr geeignet, um in der Gnosis die Geheimnisse der Christus-Wesenheit zu entwickeln, so waren die nördlichen Gegenden, durch das Vorhandensein von Vorstellungen über alte Einrichtungen, mehr geeignet, gerade über den Jesus sich Empfindungen zu bilden.
[ 9 ] So kam es, daß im Süden die Gnosis, ich möchte sagen, das Ostermysterium, das Christus-Mysterium mehr begriff. Nur wurde der Begriff davon, wie ich angedeutet habe, durch die Dogmatik ausgerottet. Im Norden hingegen faßte man mehr, wenn auch nicht in den Vorstellungen, die ja nicht mehr lebten, aber in den Empfindungen, die die Vorstellungen überdauern, das Jesus-Mysterium, die Empfindung von dem Kinde, das in die Welt hereinkommt zur Erlösung der Menschheit. Und das konnte man erfassen, eben weil die Empfindung der alten Einrichtungen fortwirkte. So kam es, daß während es im Süden die Aufgabe der Kirche war, das Christus-Mysterium auszurotten, es im Norden ihre Aufgabe wurde, das Weihnachtsmysterium auszurotten und es mehr, ich möchte sagen, in das Harmlose zu verwandeln, wodurch später im Mittelalter als Weihnachtsvorstellung das herauskam, was wirklich in vieler Beziehung rechnet, ich möchte sagen, mit dem immer mehr und mehr für die materialistische Zeit heraufdämmernden Biedermeiertum der neueren Zeit. Denn alles Biedermeierische ist durchaus eine Parallelerscheinung des Materialismus. Aber wir müssen uns schon vorstellen, daß größere, bedeutungsvollere Begriffe in der Form von Empfindungen bis ins 8.,9., wohl auch bis ins 10. Jahrhundert in Mitteleuropa lebten, weil sich diese Empfindungen eben anknüpften an das, was von den alten Einrichtungen noch vorhanden war: an Umzüge und dergleichen, die sich im Volksgebrauch erhalten hatten.
[ 9 ] So kam es, daß im Süden die Gnosis, ich möchte sagen, das Ostermysterium, das Christus-Mysterium mehr begriff. Nur wurde der Begriff davon, wie ich angedeutet habe, durch die Dogmatik ausgerottet. Im Norden hingegen faßte man mehr, wenn auch nicht in den Vorstellungen, die ja nicht mehr lebten, aber in den Empfindungen, die die Vorstellungen überdauern, das Jesus-Mysterium, die Empfindung von dem Kinde, das in die Welt hereinkommt zur Erlösung der Menschheit. Und das konnte man erfassen, eben weil die Empfindung der alten Einrichtungen fortwirkte. So kam es, daß während es im Süden die Aufgabe der Kirche war, das Christus-Mysterium auszurotten, es im Norden ihre Aufgabe wurde, das Weihnachtsmysterium auszurotten und es mehr, ich möchte sagen, in das Harmlose zu verwandeln, wodurch später im Mittelalter als Weihnachtsvorstellung das herauskam, was wirklich in vieler Beziehung rechnet, ich möchte sagen, mit dem immer mehr und mehr für die materialistische Zeit heraufdämmernden Biedermeiertum der neueren Zeit. Denn alles Biedermeierische ist durchaus eine Parallelerscheinung des Materialismus. Aber wir müssen uns schon vorstellen, daß größere, bedeutungsvollere Begriffe in der Form von Empfindungen bis ins 8.,9., wohl auch bis ins 10. Jahrhundert in Mitteleuropa lebten, weil sich diese Empfindungen eben anknüpften an das, was von den alten Einrichtungen noch vorhanden war: an Umzüge und dergleichen, die sich im Volksgebrauch erhalten hatten.
[ 10 ] Diese alten Einrichtungen will ich Ihnen kurz noch einmal skizzieren. Sie bestanden darin, daß bei den Ingävonen von den bezeichneten Mysterienstätten aus das Leben der Menschen insofern streng geregelt wurde, als die Zeit besonders bestimmt war, in welcher für die Fortpflanzung gesorgt werden durfte: Die Verbindung des Mannes mit dem Weibe durfte nur in den Frühlingstagen stattfinden, ungefähr in den Tagen, wenn nach der Frühlingssonnenwende der erste Vollmond war. Es war ungefähr die Zeit, die wir jetzt die Österzeit nennen. Die übrige Zeit des Jahres war verpönt für die menschliche Fortpflanzung, und derjenige wurde gewissermaßen als nicht ganz ehrlicher Mensch angesehen, welcher zu einer solchen Zeit geboren wurde, daß er nicht in der bezeichneten Zeit empfangen sein konnte.
[ 10 ] Diese alten Einrichtungen will ich Ihnen kurz noch einmal skizzieren. Sie bestanden darin, daß bei den Ingävonen von den bezeichneten Mysterienstätten aus das Leben der Menschen insofern streng geregelt wurde, als die Zeit besonders bestimmt war, in welcher für die Fortpflanzung gesorgt werden durfte: Die Verbindung des Mannes mit dem Weibe durfte nur in den Frühlingstagen stattfinden, ungefähr in den Tagen, wenn nach der Frühlingssonnenwende der erste Vollmond war. Es war ungefähr die Zeit, die wir jetzt die Österzeit nennen. Die übrige Zeit des Jahres war verpönt für die menschliche Fortpflanzung, und derjenige wurde gewissermaßen als nicht ganz ehrlicher Mensch angesehen, welcher zu einer solchen Zeit geboren wurde, daß er nicht in der bezeichneten Zeit empfangen sein konnte.
[ 11 ] Dadurch fielen die Geburten der richtig empfangenen Menschen alle in die Winterszeit, nach unserer jetzigen Weihnachtszeit, so daß dazumal derjenige, der als ein vollwertiger Mensch unter den Ingävonen angesehen werden sollte, in dieser Zeit geboren werden mußte. Die Geburten mußten also in die Zeit der finsteren Wintertage fallen, in die Zeit, wo draußen der Schnee die Bäume bedeckte, die Menschen in ihren Heimstätten, ihren primitiven Wohnungen waren. Und in einer gewissen Weise, wenn wir die heutige Sprechart anwenden, war jedes Kind ein Weihnachtskind, ein Wintersonnenwendekind.
[ 11 ] Dadurch fielen die Geburten der richtig empfangenen Menschen alle in die Winterszeit, nach unserer jetzigen Weihnachtszeit, so daß dazumal derjenige, der als ein vollwertiger Mensch unter den Ingävonen angesehen werden sollte, in dieser Zeit geboren werden mußte. Die Geburten mußten also in die Zeit der finsteren Wintertage fallen, in die Zeit, wo draußen der Schnee die Bäume bedeckte, die Menschen in ihren Heimstätten, ihren primitiven Wohnungen waren. Und in einer gewissen Weise, wenn wir die heutige Sprechart anwenden, war jedes Kind ein Weihnachtskind, ein Wintersonnenwendekind.
[ 12 ] Dieses wirkte auf die ganze Gemütsverfassung, auf die Seelenverfassung der Menschen. Dadurch, daß von Fortpflanzungswesen nichts vorhanden war in den andern Zeiten des Jahres, dadurch konnte sich das alte traumhafte Hellsehen erhalten. Und wenn die Zeit der Empfängnis, also die entsprechenden Frühlingstage, heranrückte, dann stellten sich die Unbewußtheitszustände ein. Die Empfängnis wurde durchaus im Unbewußtheitszustand, nicht im Tagesbewußtsein, zustande gebracht. Dadurch aber war real bewußt für die Empfangende die Erscheinung, die visionäre Erscheinung des Herabkommens einer Geistgestalt aus den geistigen Welten, welche ankündigte das kommende Kind. Ja, bei den Frauen war es so, daß sie wohl auch das Gesicht des kommenden Kindes voraussahen. Und diese Verkündigung, haben wir gesehen, klingt nach in der Zeit des Lukas-Evangeliums in der Verkündigung an Maria durch den Erzengel Gabriel. Wir haben gesehen, daß sogar in einem angelsächsischen Runenliede ein Fragment vorhanden ist desjenigen, was im alten Bewußtsein vorhanden war, daß wirklich auf der jütischen Halbinsel diese Einrichtungen gelebt haben, daß sie nach dem Osten hinübergezogen sind.
[ 12 ] Dieses wirkte auf die ganze Gemütsverfassung, auf die Seelenverfassung der Menschen. Dadurch, daß von Fortpflanzungswesen nichts vorhanden war in den andern Zeiten des Jahres, dadurch konnte sich das alte traumhafte Hellsehen erhalten. Und wenn die Zeit der Empfängnis, also die entsprechenden Frühlingstage, heranrückte, dann stellten sich die Unbewußtheitszustände ein. Die Empfängnis wurde durchaus im Unbewußtheitszustand, nicht im Tagesbewußtsein, zustande gebracht. Dadurch aber war real bewußt für die Empfangende die Erscheinung, die visionäre Erscheinung des Herabkommens einer Geistgestalt aus den geistigen Welten, welche ankündigte das kommende Kind. Ja, bei den Frauen war es so, daß sie wohl auch das Gesicht des kommenden Kindes voraussahen. Und diese Verkündigung, haben wir gesehen, klingt nach in der Zeit des Lukas-Evangeliums in der Verkündigung an Maria durch den Erzengel Gabriel. Wir haben gesehen, daß sogar in einem angelsächsischen Runenliede ein Fragment vorhanden ist desjenigen, was im alten Bewußtsein vorhanden war, daß wirklich auf der jütischen Halbinsel diese Einrichtungen gelebt haben, daß sie nach dem Osten hinübergezogen sind.
[ 13 ] Nun ist die Menschheit natürlich in Entwickelung. Entwickelung ist in der Menschheit. Und diese Einrichtung konnte nur in recht alten Zeiten bestehen, denn hätte sie fortbestanden, es hätte sich nicht jenes Bewußtsein, jene Bewußtseinsart entwickeln können, welche dann die Aufgabe der vierten, der fünften nachatlantischen Entwickelungszeit war. Die Einrichtung selbst wird für hellseherisches Bewußtsein in den nördlichen Gegenden, in denen sie verbreitet war und unter den verschiedenen Stämmen gelebt hat, schon im 2. Jahrtausend kaum noch gefunden werden und nimmt vollständig ab gegen das 1. Jahrtausend hin, wo eben das menschliche Empfangen- und Geborenwerden gewissermaßen über das ganze Jahr verteilt wird, wo nicht mehr gewußt wird von dem Herabkommen aus der kosmischen Welt durch die Sternkonstellationen, und daß für das Geborenwerden des Menschen auf der Erde, für sein Schicksal, viel abhängt davon, daß er unter einer gewissen Sternkonstellation herabkommt. Das Empfangenwerden und Geborenwerden des Menschen ist auf das ganze Jahr verteilt.
[ 13 ] Nun ist die Menschheit natürlich in Entwickelung. Entwickelung ist in der Menschheit. Und diese Einrichtung konnte nur in recht alten Zeiten bestehen, denn hätte sie fortbestanden, es hätte sich nicht jenes Bewußtsein, jene Bewußtseinsart entwickeln können, welche dann die Aufgabe der vierten, der fünften nachatlantischen Entwickelungszeit war. Die Einrichtung selbst wird für hellseherisches Bewußtsein in den nördlichen Gegenden, in denen sie verbreitet war und unter den verschiedenen Stämmen gelebt hat, schon im 2. Jahrtausend kaum noch gefunden werden und nimmt vollständig ab gegen das 1. Jahrtausend hin, wo eben das menschliche Empfangen- und Geborenwerden gewissermaßen über das ganze Jahr verteilt wird, wo nicht mehr gewußt wird von dem Herabkommen aus der kosmischen Welt durch die Sternkonstellationen, und daß für das Geborenwerden des Menschen auf der Erde, für sein Schicksal, viel abhängt davon, daß er unter einer gewissen Sternkonstellation herabkommt. Das Empfangenwerden und Geborenwerden des Menschen ist auf das ganze Jahr verteilt.
[ 14 ] Eine Parallelerscheinung damit ist das Heraufkommen des neueren Bewußtseins, das Heraufkommen der Freiheitsmöglichkeit für den Menschen und so weiter. — Ein Letztes ist nun aber geblieben, indem dasjenige, was in der Gegend des heutigen Dänemark bestanden hat, von Stamm zu Stamm gezogen ist, hinübergezogen ist nach dem Osten, und in einem Leib, der noch in einem solchen Zusammenhange gedacht wurde, dann verkörpert sein sollte: die Christus-Wesenheit. Derjenige, der der Erstling wurde unter vielen Brüdern, wurde gewissermaßen als der Letztling geboren unter denjenigen, die mit der kosmischen Sternkonstellation zusammen gedacht waren. Immer verbindet sich in der Evolution dasjenige, was übrigbleibt aus dem Alten, mit dem Neuen. Aber weil man in nördlichen Gegenden jene Empfindungen entwickelt hatte, daß in der Weihezeit der Mensch auf der Erde erscheine, konnte auch in diesen nördlichen Gegenden — ich möchte sagen unter dem atavistischen Nachklang jener Empfindungen — insbesondere die JesusEmpfindung sich ausbilden. Daher werden Sie finden, daß man in diesen nördlichen Gegenden vorzugsweise für das Lukas-Evangelium die nötige Empfindung, das bessere Verständnis hatte, daß da das Weihnachtsmysterium mehr wirkte als das Ostermysterium, das ja in die Geheimnisse der Kirche eingeschlossen war, während das Weihnachtsmysterium allgemein wurde.
[ 14 ] Eine Parallelerscheinung damit ist das Heraufkommen des neueren Bewußtseins, das Heraufkommen der Freiheitsmöglichkeit für den Menschen und so weiter. — Ein Letztes ist nun aber geblieben, indem dasjenige, was in der Gegend des heutigen Dänemark bestanden hat, von Stamm zu Stamm gezogen ist, hinübergezogen ist nach dem Osten, und in einem Leib, der noch in einem solchen Zusammenhange gedacht wurde, dann verkörpert sein sollte: die Christus-Wesenheit. Derjenige, der der Erstling wurde unter vielen Brüdern, wurde gewissermaßen als der Letztling geboren unter denjenigen, die mit der kosmischen Sternkonstellation zusammen gedacht waren. Immer verbindet sich in der Evolution dasjenige, was übrigbleibt aus dem Alten, mit dem Neuen. Aber weil man in nördlichen Gegenden jene Empfindungen entwickelt hatte, daß in der Weihezeit der Mensch auf der Erde erscheine, konnte auch in diesen nördlichen Gegenden — ich möchte sagen unter dem atavistischen Nachklang jener Empfindungen — insbesondere die JesusEmpfindung sich ausbilden. Daher werden Sie finden, daß man in diesen nördlichen Gegenden vorzugsweise für das Lukas-Evangelium die nötige Empfindung, das bessere Verständnis hatte, daß da das Weihnachtsmysterium mehr wirkte als das Ostermysterium, das ja in die Geheimnisse der Kirche eingeschlossen war, während das Weihnachtsmysterium allgemein wurde.
[ 15 ] Nun deutete ich schon letzten Donnerstag an und werde vielleicht einiges davon in diesen Tagen weiter ausführen können, daß insbesondere alle drei Jahre achtgegeben worden ist, wer als der erste nach der zwölften Stunde der Nacht, die wir heute die Heilige Nacht nennen, geboren wurde, gewissermaßen als der Erstling eines jeden vierten Jahres, nach drei Jahren also als der Erstling. Dieser Erstling war dann bestimmt für gewisse Prozeduren, die mit ihm vorgenommen wurden bis zu seinem dreißigsten Jahre. Er wurde bis zu seinem dreißigsten Jahre, gewissermaßen sehr abgesondert, von den Mysterienpriestern erzogen. Seiner Seele wurde eine ganz bestimmte Richtung gegeben. Seine Seele wurde dazu bestimmt, in ganz besonderer Weise Erlebnisse in den ersten dreißig Jahren seines Lebens zu haben, und diese Erlebnisse sollten ihn dazu führen — man kann es heute, wenn man die materialistischen Vorstellungen im Schädel — pardon, im Kopfe — hat, kaum noch begreifen —, diese Prozeduren sollten dazu führen, daß der Betreffende im dreißigsten Jahre seines Lebens den Zusammenhang des Menschen mit dem umfassenden Geistigen innerlich begriff. Dazu sollte er in diesen dreißig Jahren durch ganz bestimmte innerliche Erlebnisse nach und nach geführt werden.
[ 15 ] Nun deutete ich schon letzten Donnerstag an und werde vielleicht einiges davon in diesen Tagen weiter ausführen können, daß insbesondere alle drei Jahre achtgegeben worden ist, wer als der erste nach der zwölften Stunde der Nacht, die wir heute die Heilige Nacht nennen, geboren wurde, gewissermaßen als der Erstling eines jeden vierten Jahres, nach drei Jahren also als der Erstling. Dieser Erstling war dann bestimmt für gewisse Prozeduren, die mit ihm vorgenommen wurden bis zu seinem dreißigsten Jahre. Er wurde bis zu seinem dreißigsten Jahre, gewissermaßen sehr abgesondert, von den Mysterienpriestern erzogen. Seiner Seele wurde eine ganz bestimmte Richtung gegeben. Seine Seele wurde dazu bestimmt, in ganz besonderer Weise Erlebnisse in den ersten dreißig Jahren seines Lebens zu haben, und diese Erlebnisse sollten ihn dazu führen — man kann es heute, wenn man die materialistischen Vorstellungen im Schädel — pardon, im Kopfe — hat, kaum noch begreifen —, diese Prozeduren sollten dazu führen, daß der Betreffende im dreißigsten Jahre seines Lebens den Zusammenhang des Menschen mit dem umfassenden Geistigen innerlich begriff. Dazu sollte er in diesen dreißig Jahren durch ganz bestimmte innerliche Erlebnisse nach und nach geführt werden.
[ 16 ] Zunächst sollte gerade dieser Erstling begreifen schon als kleines Kind, wie der Mensch zusammenhängt mit dem Geistigen durch seinen Engel, und dadurch sollte er, abgesondert von der übrigen Welt, gewissermaßen unbehelligt durch die Begriffe,welche vom äußeren Leben sonst in die Seelen der Kinder hereinkommen, nahestehen den geistigen Wirksamkeiten und geistigen Geschehnissen, und zunächst ein tiefes Bewußtsein entwickeln von seinem Zusammenhange mit seinem führenden Engelwesen, dem Angelos. Dadurch wurde gerade dieses Kind ausgestattet mit einer Seele, der man aus Gründen, von denen wir vielleicht an den nächsten Tagen auch noch sprechen werden, etwas Besonderes beibrachte. Man brachte das Besondere an diesem Kinde dadurch zum Ausdruck, daß man sagte, ein solches Kind sei ein «Rabe» geworden. Das war gewissermaßen eine Einweihungsstufe, die verbreitet war über weite Gegenden, die insbesondere auch in der persischen Mithraseinweihung enthalten war und von der ich Ihnen in früheren Jahren schon einiges erzählt habe. Dann sollte diese Seele aufsteigen dazu, noch intensiver den Zusammenhang mit den geistigen Welten zu empfinden, sollte gewissermaßen die Geheimnisse der geistigen Welten in der Seele nachleben können.
[ 16 ] Zunächst sollte gerade dieser Erstling begreifen schon als kleines Kind, wie der Mensch zusammenhängt mit dem Geistigen durch seinen Engel, und dadurch sollte er, abgesondert von der übrigen Welt, gewissermaßen unbehelligt durch die Begriffe,welche vom äußeren Leben sonst in die Seelen der Kinder hereinkommen, nahestehen den geistigen Wirksamkeiten und geistigen Geschehnissen, und zunächst ein tiefes Bewußtsein entwickeln von seinem Zusammenhange mit seinem führenden Engelwesen, dem Angelos. Dadurch wurde gerade dieses Kind ausgestattet mit einer Seele, der man aus Gründen, von denen wir vielleicht an den nächsten Tagen auch noch sprechen werden, etwas Besonderes beibrachte. Man brachte das Besondere an diesem Kinde dadurch zum Ausdruck, daß man sagte, ein solches Kind sei ein «Rabe» geworden. Das war gewissermaßen eine Einweihungsstufe, die verbreitet war über weite Gegenden, die insbesondere auch in der persischen Mithraseinweihung enthalten war und von der ich Ihnen in früheren Jahren schon einiges erzählt habe. Dann sollte diese Seele aufsteigen dazu, noch intensiver den Zusammenhang mit den geistigen Welten zu empfinden, sollte gewissermaßen die Geheimnisse der geistigen Welten in der Seele nachleben können.
[ 17 ] Solches wäre heute nicht möglich, weil unser Bewußtsein sich unter andern Bedingungen entwickelt; aber in jenen alten Zeiten, in denen Traumbewußtsein entwickelt werden konnte, war das noch durchaus möglich. Wenn dann das Kind herangewachsen, ein Jüngling geworden war — es mußte immer ein Knabe sein, ein Mädchen galt nicht —, konnte man ihm die Führerschaften einzelner Gaugebiete übertragen, kleiner Stammeszusammengehörigkeiten, und zuletzt hatte er Dienst zu leisten in Verwaltungs-, in Regierungsangelegenheiten kleiner Gemeinschaften. Es ist aber wichtig, festzuhalten, daß diese Regierungsangelegenheiten so besorgt wurden, daß man den, der so erzogen wurde, stets behütete vor den äußeren Einflüssen, daß man ihn insbesondere sorgfältig behütete vor den Einflüssen der Egoismen, vor den Einflüssen, die sich herausbildeten auf Grund der äußeren Erlebnisse.
[ 17 ] Solches wäre heute nicht möglich, weil unser Bewußtsein sich unter andern Bedingungen entwickelt; aber in jenen alten Zeiten, in denen Traumbewußtsein entwickelt werden konnte, war das noch durchaus möglich. Wenn dann das Kind herangewachsen, ein Jüngling geworden war — es mußte immer ein Knabe sein, ein Mädchen galt nicht —, konnte man ihm die Führerschaften einzelner Gaugebiete übertragen, kleiner Stammeszusammengehörigkeiten, und zuletzt hatte er Dienst zu leisten in Verwaltungs-, in Regierungsangelegenheiten kleiner Gemeinschaften. Es ist aber wichtig, festzuhalten, daß diese Regierungsangelegenheiten so besorgt wurden, daß man den, der so erzogen wurde, stets behütete vor den äußeren Einflüssen, daß man ihn insbesondere sorgfältig behütete vor den Einflüssen der Egoismen, vor den Einflüssen, die sich herausbildeten auf Grund der äußeren Erlebnisse.
[ 18 ] Dadurch erreichte man, daß er in den letzten Zeiten dieser dreißig Jahre gewissermaßen als ein Repräsentant gelten konnte des ganzen Stammes. Und war er dreißig Jahre alt geworden, so war er reif, mit seinem Bewußtsein aufzunehmen die Zusammengehörigkeit mit dem ganzen Kosmos. Er wurde dasjenige, was man in den Mysterienstätten einen «Sonnenhelden» nannte. Er war nun dazu bestimmt, durch drei Jahre den Volksstamm zu regieren. Kein anderer konnte zur Regierung kommen als ein Mensch, der ein solcher «Sonnenheld» geworden war. Und er durfte nur drei Jahre regieren. Nach drei Jahren wurde mit ihm unter der Leitung der Mysterien etwas anderes vorgenommen, wovon ich noch sprechen werde. Gerade in all den Einrichtungen, die von dem Stamm der Ingävonen ausgegangen sind, durfte keiner länger als drei Jahre König sein, und es durfte keiner König werden, welcher nicht dasjenige durchgemacht hatte, was ich skizziert habe.
[ 18 ] Dadurch erreichte man, daß er in den letzten Zeiten dieser dreißig Jahre gewissermaßen als ein Repräsentant gelten konnte des ganzen Stammes. Und war er dreißig Jahre alt geworden, so war er reif, mit seinem Bewußtsein aufzunehmen die Zusammengehörigkeit mit dem ganzen Kosmos. Er wurde dasjenige, was man in den Mysterienstätten einen «Sonnenhelden» nannte. Er war nun dazu bestimmt, durch drei Jahre den Volksstamm zu regieren. Kein anderer konnte zur Regierung kommen als ein Mensch, der ein solcher «Sonnenheld» geworden war. Und er durfte nur drei Jahre regieren. Nach drei Jahren wurde mit ihm unter der Leitung der Mysterien etwas anderes vorgenommen, wovon ich noch sprechen werde. Gerade in all den Einrichtungen, die von dem Stamm der Ingävonen ausgegangen sind, durfte keiner länger als drei Jahre König sein, und es durfte keiner König werden, welcher nicht dasjenige durchgemacht hatte, was ich skizziert habe.
[ 19 ] Sie sehen in diesen Gemeinschaften gewissermaßen das Gerippe dessen sich ausbilden, aus dem später die Evangelien das Christus JesusLeben geformt haben. Diese Gemeinschaften gehören sehr alten Zeiten an. Von solchen Dingen verpflanzt sich in spätere Zeiten nur dasjenige, was eine Art Symbol ist des Früheren. Und so verpflanzte sich jene Vision der Verkündigung des Kindes an die Mutter später als NertusDienst, als Herta-Dienst in eine spätere Zeit. Und daß der Empfängnisakt in alten Zeiten in das Unbewußte fallen mußte, ist noch im NertusMythos angedeutet, wie ihn Tacitus hundert Jahre nach der Geburt des Jesus erzählt, ist angedeutet dadurch, daß wenn die Herta — die aber mann-weiblich ist, nicht eigentlich ein Weib, denn sie ist dasselbe wie der Gott Nört im Norden, dasselbe wie Nertus —, wenn die Herta herankommt auf ihrem Wagen, was also nichts anderes sein soll als der verkündende Engel, dann müssen diejenigen, die gedient haben, ins Meer versenkt werden, getötet werden, womit in einem Nachklang etwas angedeutet ist von dem Ins-Unbewußte-Getauchtsein des Empfängnisaktes in jenen alten Zeiten. In diesem Mythos von dem HertaWagen und den Sklaven, die ihn geleiten, die aber gleich, nachdem sie diesen Dienst geleistet haben, in die See versenkt werden, in diesem Nertus-Mythos hat man einen empfundenen Nachklang desjenigen, was früher eine astrale Realität war, was astral erlebt wurde. Und die Nertus-Umzüge wurden in den verschiedensten Gegenden sehr spät noch gemacht, bis in die ersten christlichen Jahrhunderte herein. Sogar in Schwaben, in Württemberg waren solche Herta-Umzüge. Das waren Erinnerungen an alte Zeiten. Und für diejenigen, welche durch gewisse Kultzusammenhänge, die in den alten Zeiten als Nachklang des Heidentums durchaus noch vorhanden waren, etwas wußten von früheren Jahrtausenden, war in bezug auf jene Umzüge mit dem Herta-Wagen ein Bewußtsein vorhanden, das sich etwa so in Worte fassen läßt: So haben es unsere Vorfahren gemacht. — Und man hat dasjenige, was dann noch als ein einziges Ereignis geschehen konnte in dem JesusLeben, zusammengebracht mit dem, was generell, was mehr allgemein war in alten Zeiten; man hat das besser verstanden für die Empfindungen, für das Gefühl besser verstanden.
[ 19 ] Sie sehen in diesen Gemeinschaften gewissermaßen das Gerippe dessen sich ausbilden, aus dem später die Evangelien das Christus JesusLeben geformt haben. Diese Gemeinschaften gehören sehr alten Zeiten an. Von solchen Dingen verpflanzt sich in spätere Zeiten nur dasjenige, was eine Art Symbol ist des Früheren. Und so verpflanzte sich jene Vision der Verkündigung des Kindes an die Mutter später als NertusDienst, als Herta-Dienst in eine spätere Zeit. Und daß der Empfängnisakt in alten Zeiten in das Unbewußte fallen mußte, ist noch im NertusMythos angedeutet, wie ihn Tacitus hundert Jahre nach der Geburt des Jesus erzählt, ist angedeutet dadurch, daß wenn die Herta — die aber mann-weiblich ist, nicht eigentlich ein Weib, denn sie ist dasselbe wie der Gott Nört im Norden, dasselbe wie Nertus —, wenn die Herta herankommt auf ihrem Wagen, was also nichts anderes sein soll als der verkündende Engel, dann müssen diejenigen, die gedient haben, ins Meer versenkt werden, getötet werden, womit in einem Nachklang etwas angedeutet ist von dem Ins-Unbewußte-Getauchtsein des Empfängnisaktes in jenen alten Zeiten. In diesem Mythos von dem HertaWagen und den Sklaven, die ihn geleiten, die aber gleich, nachdem sie diesen Dienst geleistet haben, in die See versenkt werden, in diesem Nertus-Mythos hat man einen empfundenen Nachklang desjenigen, was früher eine astrale Realität war, was astral erlebt wurde. Und die Nertus-Umzüge wurden in den verschiedensten Gegenden sehr spät noch gemacht, bis in die ersten christlichen Jahrhunderte herein. Sogar in Schwaben, in Württemberg waren solche Herta-Umzüge. Das waren Erinnerungen an alte Zeiten. Und für diejenigen, welche durch gewisse Kultzusammenhänge, die in den alten Zeiten als Nachklang des Heidentums durchaus noch vorhanden waren, etwas wußten von früheren Jahrtausenden, war in bezug auf jene Umzüge mit dem Herta-Wagen ein Bewußtsein vorhanden, das sich etwa so in Worte fassen läßt: So haben es unsere Vorfahren gemacht. — Und man hat dasjenige, was dann noch als ein einziges Ereignis geschehen konnte in dem JesusLeben, zusammengebracht mit dem, was generell, was mehr allgemein war in alten Zeiten; man hat das besser verstanden für die Empfindungen, für das Gefühl besser verstanden.
[ 20 ] Die Mönche und Priester haben sich daher ganz besondere Mühe gegeben, alles, was an diese Dinge erinnerte, mit Stumpf und Stiel auszurotten. Gerade diese Dinge wurden ebenso sorgfältig im Norden ausgerottet, wie im Süden die Gnosis ausgerottet worden ist. Man würde sonst durch das Zusammenhalten jener alten Einrichtung mit dem Mysterium von Golgatha gewußt haben, daß durch dieses, insoferne es Weihnachtsmysterium ist, zwar nicht jenes Alte, also das Naturgemäße, hereingetragen ist in die Gegenwart, aber daß gewissermaßen um eine Bewußtseinsschichte höher im Nachfühlen des Weihnachtsmysteriums ein Ersatz dafür gegeben ist. Aber das sollte man nicht bewußt haben. Das sollte ins Unterbewußte hinuntergedrängt werden, denn gewisse Mächte müssen immer mit dem Unbewußten rechnen. Und ein großer Teil des geschichtlichen Werdens liegt darin, daß Bewußtes und Unbewußtes zusammengeführt wird durch diejenigen, die so etwas zusammenzuführen verstehen.
[ 20 ] Die Mönche und Priester haben sich daher ganz besondere Mühe gegeben, alles, was an diese Dinge erinnerte, mit Stumpf und Stiel auszurotten. Gerade diese Dinge wurden ebenso sorgfältig im Norden ausgerottet, wie im Süden die Gnosis ausgerottet worden ist. Man würde sonst durch das Zusammenhalten jener alten Einrichtung mit dem Mysterium von Golgatha gewußt haben, daß durch dieses, insoferne es Weihnachtsmysterium ist, zwar nicht jenes Alte, also das Naturgemäße, hereingetragen ist in die Gegenwart, aber daß gewissermaßen um eine Bewußtseinsschichte höher im Nachfühlen des Weihnachtsmysteriums ein Ersatz dafür gegeben ist. Aber das sollte man nicht bewußt haben. Das sollte ins Unterbewußte hinuntergedrängt werden, denn gewisse Mächte müssen immer mit dem Unbewußten rechnen. Und ein großer Teil des geschichtlichen Werdens liegt darin, daß Bewußtes und Unbewußtes zusammengeführt wird durch diejenigen, die so etwas zusammenzuführen verstehen.
[ 21 ] Gewiß, wir sagen mit Recht: Vom vierten zum fünften nachatlantischen Zeitraum, aber auch schon vom dritten zum vierten ist das Bewußtsein des Menschen immer mehr Ich-Bewußtsein geworden, Tagesbewußtsein geworden. Die alten, traumhaften Einsichten in die geistige Welt sind geschwunden. Im Norden hat man sich so ausgedrückt, daß man sagte, daß an die Stelle der Wanen, was mit «wähnen» zusammenhängt, mit dem von der Vision Gegebenen, die Asen getreten seien, die nun schon Götter sind für das entwickelte Tagesbewußtsein. So hat man sich im Norden im vierten nachatlantischen Zeitraum noch ausgedrückt, bis alle diese Erinnerungen durch die Priester ausgerottet wurden. Im fünften nachatlantischen Zeitraum, in dem der Materialismus beziehungsweise der «Christentumismus» aufkam, waren diese Dinge bereits verschwunden. Aber während im Süden die Griechen ihre Götter: Zeus, Apollo und die andern hatten, hatten die nordiischen Menschen die Asen, was mit esse, sein, zusammenhängt, und esse wiederum mit gesehen werden, mit dem Auge gesehen werden. Für den dritten nachatlantischen Zeitraum aber hatten die alten Völker, die den europäischen Norden bewohnten, die Wanengötter. Und diese Wanengötter standen eben den Menschen noch viel näher. Nertus, was dann im Norden Nört wurde, ist eine solche Wanengottheit derjenigen, die eben eine jegliche Empfängnis beziehungsweise Geburt ankündigten.
[ 21 ] Gewiß, wir sagen mit Recht: Vom vierten zum fünften nachatlantischen Zeitraum, aber auch schon vom dritten zum vierten ist das Bewußtsein des Menschen immer mehr Ich-Bewußtsein geworden, Tagesbewußtsein geworden. Die alten, traumhaften Einsichten in die geistige Welt sind geschwunden. Im Norden hat man sich so ausgedrückt, daß man sagte, daß an die Stelle der Wanen, was mit «wähnen» zusammenhängt, mit dem von der Vision Gegebenen, die Asen getreten seien, die nun schon Götter sind für das entwickelte Tagesbewußtsein. So hat man sich im Norden im vierten nachatlantischen Zeitraum noch ausgedrückt, bis alle diese Erinnerungen durch die Priester ausgerottet wurden. Im fünften nachatlantischen Zeitraum, in dem der Materialismus beziehungsweise der «Christentumismus» aufkam, waren diese Dinge bereits verschwunden. Aber während im Süden die Griechen ihre Götter: Zeus, Apollo und die andern hatten, hatten die nordiischen Menschen die Asen, was mit esse, sein, zusammenhängt, und esse wiederum mit gesehen werden, mit dem Auge gesehen werden. Für den dritten nachatlantischen Zeitraum aber hatten die alten Völker, die den europäischen Norden bewohnten, die Wanengötter. Und diese Wanengötter standen eben den Menschen noch viel näher. Nertus, was dann im Norden Nört wurde, ist eine solche Wanengottheit derjenigen, die eben eine jegliche Empfängnis beziehungsweise Geburt ankündigten.
[ 22 ] Nun sagte ich, habe sich früher vorhanden Gewesenes in späteren Zeiten immer in Symbolen gewissermaßen erhalten, und so hat sich denn auch das, was ich Ihnen bisher nur ganz flüchtig, skizzenhaft geschildert habe, was wir vielleicht in den nächsten Tagen weiter ausführen dürfen, die Erkenntnis von dem — lassen Sie mich den Namen anführen — «König»-Werden, «Sonnenheld»-Werden, zuerst im Kultmythus und dann im Mythus fortgepflanzt. Wir unterscheiden den Kultmythus von dem Mythus als solchem. Der Kultmythus ist derjenige, wo noch im äußeren Gebrauche, in der äußeren Einrichtung, gewissermaßen in einer «Traumaufführung» dasjenige aufgeführt wird, was an die alten hellseherischen Einsichten erinnerte.
[ 22 ] Nun sagte ich, habe sich früher vorhanden Gewesenes in späteren Zeiten immer in Symbolen gewissermaßen erhalten, und so hat sich denn auch das, was ich Ihnen bisher nur ganz flüchtig, skizzenhaft geschildert habe, was wir vielleicht in den nächsten Tagen weiter ausführen dürfen, die Erkenntnis von dem — lassen Sie mich den Namen anführen — «König»-Werden, «Sonnenheld»-Werden, zuerst im Kultmythus und dann im Mythus fortgepflanzt. Wir unterscheiden den Kultmythus von dem Mythus als solchem. Der Kultmythus ist derjenige, wo noch im äußeren Gebrauche, in der äußeren Einrichtung, gewissermaßen in einer «Traumaufführung» dasjenige aufgeführt wird, was an die alten hellseherischen Einsichten erinnerte.
[ 23 ] So hat man in den Zeiten, in denen das nicht mehr wirksam war, was ich Ihnen auseinandergesetzt habe, in dem sogenannten BaldurMythus, in dem Mythus von dem Gotte Baldur, der unter den verschiedenen Stämmen als Mysterienspiel aufgeführt worden ist, einen Nachklang dieses Königwerdens. Früher war es als eine Realität da; dann wurde es aufgeführt, war ein Mysterienspiel; dann wurde es bloß noch erzählter Mythus. Und dann wurde es ausgerottet durch die Mönche und Priester. Baldur ist bereits ein Asengott, das heißt, er gehört als regierende geistige Macht demjenigen Zeitalter an, in dem die Menschen bereits zum Ich-Bewußtsein erwacht waren. Die Wanengötter waren schon verglommen, aber Baldur ist zugleich der Repräsentant jenes Wesens, das König werden sollte, jenes alle drei Jahre geborenen Erstlingswesens.
[ 23 ] So hat man in den Zeiten, in denen das nicht mehr wirksam war, was ich Ihnen auseinandergesetzt habe, in dem sogenannten BaldurMythus, in dem Mythus von dem Gotte Baldur, der unter den verschiedenen Stämmen als Mysterienspiel aufgeführt worden ist, einen Nachklang dieses Königwerdens. Früher war es als eine Realität da; dann wurde es aufgeführt, war ein Mysterienspiel; dann wurde es bloß noch erzählter Mythus. Und dann wurde es ausgerottet durch die Mönche und Priester. Baldur ist bereits ein Asengott, das heißt, er gehört als regierende geistige Macht demjenigen Zeitalter an, in dem die Menschen bereits zum Ich-Bewußtsein erwacht waren. Die Wanengötter waren schon verglommen, aber Baldur ist zugleich der Repräsentant jenes Wesens, das König werden sollte, jenes alle drei Jahre geborenen Erstlingswesens.
[ 24 ] Wenn nun erzählt wird, daß Baldur in einer gewissen Zeit seines Lebens Träume hatte, die ihm seinen Tod ankündigten, und wenn das später ausgeführt wurde, so bedeutet das nicht bloß, daß er seinen physischen Tod herankommen fühlte, sondern es bedeutet: Baldur hatte drei Jahre seinen Königsdienst versehen, und nach diesen drei Jahren war er aus seinem Bewußtsein heraus zu einem noch höheren Bewußtsein aufgestiegen. Bis dahin war er davor behütet worden, von der äußeren materialistischen Welt berührt zu werden. Ein solcher König sollte ja innerhalb der Priesterschaft leben, damit alle Egoismen aus seinem Gemüte schwinden konnten, damit diese nicht in ihn einfließen konnten. Länger als drei Jahre durfte er nicht König sein. Baldur fühlte nach drei Jahren das Ende seiner Königswürde herankommen. Aber dann war er nach diesen alten Anschauungen auch reif, berührt zu werden von der Außenwelt. Vorher hatte er zu regieren. Regiert werden sollte aber nur nach den Intentionen der geistigen Welt. Dann aber sollte er etwas anderes werden; er sollte in die Außenwelt kommen.
[ 24 ] Wenn nun erzählt wird, daß Baldur in einer gewissen Zeit seines Lebens Träume hatte, die ihm seinen Tod ankündigten, und wenn das später ausgeführt wurde, so bedeutet das nicht bloß, daß er seinen physischen Tod herankommen fühlte, sondern es bedeutet: Baldur hatte drei Jahre seinen Königsdienst versehen, und nach diesen drei Jahren war er aus seinem Bewußtsein heraus zu einem noch höheren Bewußtsein aufgestiegen. Bis dahin war er davor behütet worden, von der äußeren materialistischen Welt berührt zu werden. Ein solcher König sollte ja innerhalb der Priesterschaft leben, damit alle Egoismen aus seinem Gemüte schwinden konnten, damit diese nicht in ihn einfließen konnten. Länger als drei Jahre durfte er nicht König sein. Baldur fühlte nach drei Jahren das Ende seiner Königswürde herankommen. Aber dann war er nach diesen alten Anschauungen auch reif, berührt zu werden von der Außenwelt. Vorher hatte er zu regieren. Regiert werden sollte aber nur nach den Intentionen der geistigen Welt. Dann aber sollte er etwas anderes werden; er sollte in die Außenwelt kommen.
[ 25 ] Das ist für denjenigen, der sie vorher nicht berührt hatte, wirklich eine Art von Tod gewesen. Das drückte sich in seinen Träumen aus. Es wird das so dargestellt, daß die Götter von diesen Träumen hörten und beunruhigt wurden. Es wird erzählt: Als Baldur nach Absolvierung seines Königtums — wir dürfen immer das Menschliche da mit dem Göttlichen, wie es in alten Mysterienverbindungen ist, in Zusammenhang denken — diese Zeit herankommen fühlte, und die Götter, das heißt die Mysterienpriester, beunruhigt wurden, da ließen sie alle Wesen Eide schwören, den Baldur nicht zu verletzen, alle Wesen und alle Verhältnisse der Erde. Nur ein einziges, unbedeutendes Kraut, die Mistel, die Weihnachtspflanze, hatte man vergessen. Die aber kundschaftete Loki aus, der Feind der Asen, und brachte es dazu, daß bei dem Götterfeste, das stattfand, das heißt bei der Berührung des Gottes Baldur mit der materiellen Welt, die Mistel ihre Verwendung fand.
[ 25 ] Das ist für denjenigen, der sie vorher nicht berührt hatte, wirklich eine Art von Tod gewesen. Das drückte sich in seinen Träumen aus. Es wird das so dargestellt, daß die Götter von diesen Träumen hörten und beunruhigt wurden. Es wird erzählt: Als Baldur nach Absolvierung seines Königtums — wir dürfen immer das Menschliche da mit dem Göttlichen, wie es in alten Mysterienverbindungen ist, in Zusammenhang denken — diese Zeit herankommen fühlte, und die Götter, das heißt die Mysterienpriester, beunruhigt wurden, da ließen sie alle Wesen Eide schwören, den Baldur nicht zu verletzen, alle Wesen und alle Verhältnisse der Erde. Nur ein einziges, unbedeutendes Kraut, die Mistel, die Weihnachtspflanze, hatte man vergessen. Die aber kundschaftete Loki aus, der Feind der Asen, und brachte es dazu, daß bei dem Götterfeste, das stattfand, das heißt bei der Berührung des Gottes Baldur mit der materiellen Welt, die Mistel ihre Verwendung fand.
[ 26 ] Wir haben da auch ein altes Weihnachtsfest, und den Mistelbrauch mit dem Weihnachtsfest haben wir heute noch als Erinnerung an diesen alten Weihnachtsbrauch, der damit verknüpft war, daß an die Stelle des alten Königs ein neuer König zu treten hat. Diese Berührung mit der materiellen Welt wird nun dargestellt in dem Spiel und im Mythus dadurch, daß alle Wesen, die Eide geschworen haben, Baldur nicht zu verletzen, von den verschiedenen Göttern benützt werden. Man wirft, man schießt nach Baldur: nichts, keine Pflanze, kein Tier, keine Krankheit, kein Gift, nichts kann ihn verletzen. Nur Loki hat die Mistel ausgekundschaftet, hat sie in die Götter-, das heißt, in die Priestergemeinschaft gebracht und sie dem blinden Gotte Hödur, Höd übergeben. Höd, Hödur sagt: Was soll ich mit der Mistel machen? Ich bin blind, ich sehe ja nicht, wo Baldur steht, kann nicht wie die andern Götter nach ihm schießen. — Aber Loki wies ihm die Richtung, und er konnte mit dem Mistelzweige nach Baldur schießen. Baldur wurde verwundet und starb.
[ 26 ] Wir haben da auch ein altes Weihnachtsfest, und den Mistelbrauch mit dem Weihnachtsfest haben wir heute noch als Erinnerung an diesen alten Weihnachtsbrauch, der damit verknüpft war, daß an die Stelle des alten Königs ein neuer König zu treten hat. Diese Berührung mit der materiellen Welt wird nun dargestellt in dem Spiel und im Mythus dadurch, daß alle Wesen, die Eide geschworen haben, Baldur nicht zu verletzen, von den verschiedenen Göttern benützt werden. Man wirft, man schießt nach Baldur: nichts, keine Pflanze, kein Tier, keine Krankheit, kein Gift, nichts kann ihn verletzen. Nur Loki hat die Mistel ausgekundschaftet, hat sie in die Götter-, das heißt, in die Priestergemeinschaft gebracht und sie dem blinden Gotte Hödur, Höd übergeben. Höd, Hödur sagt: Was soll ich mit der Mistel machen? Ich bin blind, ich sehe ja nicht, wo Baldur steht, kann nicht wie die andern Götter nach ihm schießen. — Aber Loki wies ihm die Richtung, und er konnte mit dem Mistelzweige nach Baldur schießen. Baldur wurde verwundet und starb.
[ 27 ] So ist Hödur derjenige gewesen, der als der Repräsentant der äußeren materiellen Welt erscheint, insofern diese materielle Welt nicht in ihrem Zusammenhang mit dem Geistigen aufgefaßt wird, sondern wie ein Parasit in der Welt lebt. «Höd» ist zugleich der alte Name für Kampf, Krieg, während «Baldur», so wie er in der neueren Zeit noch erhalten ist, zurückgeht auf andere Bezeichnungen, von denen die beste noch erhalten ist im Angelsächsischen. Nach den Ausführungen, die ich in den letzten Tagen gemacht habe, ist ja «Tag» mit der Sprache selbst in der Lautverschiebung auch in früheren Stufen vorhanden: «Bal day» ist eigentlich ein möglicher Name, wenn auch im Angelsächsischen, und würde übersetzt heißen: «Der leuchtende Tag» oder der «Leuchtetag», womit der Zusammenhang des Baldur mit dem Bewußtsein des Tages, also mit dem Bewußtsein, das erst im vierten nachatlantischen Zeitraum über die Menschheit gekommen ist, ausgedrückt wird. Hödur ist der Repräsentant des Materiellen, der Finsternisse, zugleich des Kampfes, des Streites. Baldur ist der Repräsentant des Begreifens, der Erkenntnisse, des Lichtes, und zwar desjenigen Lichtes, das der Menschenseele leuchtet in dem Bewußtseinszustand, der sich seit dem vierten nachatlantischen Zeitraum entwickelt hat.
[ 27 ] So ist Hödur derjenige gewesen, der als der Repräsentant der äußeren materiellen Welt erscheint, insofern diese materielle Welt nicht in ihrem Zusammenhang mit dem Geistigen aufgefaßt wird, sondern wie ein Parasit in der Welt lebt. «Höd» ist zugleich der alte Name für Kampf, Krieg, während «Baldur», so wie er in der neueren Zeit noch erhalten ist, zurückgeht auf andere Bezeichnungen, von denen die beste noch erhalten ist im Angelsächsischen. Nach den Ausführungen, die ich in den letzten Tagen gemacht habe, ist ja «Tag» mit der Sprache selbst in der Lautverschiebung auch in früheren Stufen vorhanden: «Bal day» ist eigentlich ein möglicher Name, wenn auch im Angelsächsischen, und würde übersetzt heißen: «Der leuchtende Tag» oder der «Leuchtetag», womit der Zusammenhang des Baldur mit dem Bewußtsein des Tages, also mit dem Bewußtsein, das erst im vierten nachatlantischen Zeitraum über die Menschheit gekommen ist, ausgedrückt wird. Hödur ist der Repräsentant des Materiellen, der Finsternisse, zugleich des Kampfes, des Streites. Baldur ist der Repräsentant des Begreifens, der Erkenntnisse, des Lichtes, und zwar desjenigen Lichtes, das der Menschenseele leuchtet in dem Bewußtseinszustand, der sich seit dem vierten nachatlantischen Zeitraum entwickelt hat.
[ 28 ] So haben wir eine besondere Art des Weihnachtsmysteriums mit dem Baldur-Mythus gegeben. Das Bewußtsein des Zusammenhanges des Baldur-Mythus mit dem Weihnachtsmysterium ist ja auch von den Mönchen und Priestern ausgerottet worden. Denn Baldur hat etwas von den guten Eigenschaften des Luzifer, Hödur etwas von den guten Eigenschaften des späteren Mephistopheles-Ahriman. Mit «guten» meine ich dabei nicht moralisch guten, sondern für die Entwickelung notwendigen. Solche Dinge aber stehen wiederum mit der gesamten Evolution im Zusammenhange. Im vierten nachatlantischen Zeitraum war es eben noch möglich, daß der Mensch von einem bestimmten Zeitpunkte an auf die alte Art hineingeleitet wurde in die geistige Welt, wie es auch noch in diesen nordischen Mysterien der Fall war. Das mußte für die spätere Zeit wiederum geändert werden, denn die noch leise Art, die später nur atavistisch vorhanden ist, die noch leise, wenig gefestigte Art, die noch immer mit einem Nachklang von Traumhaftigkeit auftretende hellseherische Art des vierten nachatlantischen Zeitraums konnte nicht standhalten gegenüber den derber auftretenden Anforderungen des materialistischen Zeitalters. Und dieses Verhältnis des alten Hellsehens aus dem vierten nachatlantischen Zeitraum zu dem späteren, das ist in den Mythen in dem Gegensatz von Baldur und Hödur zum Ausdrucke gebracht. Was wirkt da eigentlich zusammen, was liegt dem zugrunde, daß Baldur, der Repräsentant des Menschenbewußtseins, das durchleuchtet werden kann von dem Göttlichen, daß Baldur unter dem Einflusse der bösen Macht Loki von Hödur, dem Gotte des Kampfes, des Krieges, der Finsternis getötet werden kann? Dem liegt zugrunde, daß, so wie unser Zeitalter seit langem ist und bis in eine gewisse Zeit hinein auch bleiben wird, immer ein Zusammenwirken stattfinden muß zwischen Licht und Finsternis. Es ist eigentlich nur ein religiöser Egoismus, wenn man den Menschen glauben macht, daß irgend etwas in der physischen Welt, in der Welt der Maja, restlos gut sein kann. Jedes Licht hat seinen Schatten, und gerade die wahrhaftige Durchdringung dieser Erkenntnis, daß jedes Licht seinen Schatten hat, ist außerordentlich wichtig und bedeutsam.
[ 28 ] So haben wir eine besondere Art des Weihnachtsmysteriums mit dem Baldur-Mythus gegeben. Das Bewußtsein des Zusammenhanges des Baldur-Mythus mit dem Weihnachtsmysterium ist ja auch von den Mönchen und Priestern ausgerottet worden. Denn Baldur hat etwas von den guten Eigenschaften des Luzifer, Hödur etwas von den guten Eigenschaften des späteren Mephistopheles-Ahriman. Mit «guten» meine ich dabei nicht moralisch guten, sondern für die Entwickelung notwendigen. Solche Dinge aber stehen wiederum mit der gesamten Evolution im Zusammenhange. Im vierten nachatlantischen Zeitraum war es eben noch möglich, daß der Mensch von einem bestimmten Zeitpunkte an auf die alte Art hineingeleitet wurde in die geistige Welt, wie es auch noch in diesen nordischen Mysterien der Fall war. Das mußte für die spätere Zeit wiederum geändert werden, denn die noch leise Art, die später nur atavistisch vorhanden ist, die noch leise, wenig gefestigte Art, die noch immer mit einem Nachklang von Traumhaftigkeit auftretende hellseherische Art des vierten nachatlantischen Zeitraums konnte nicht standhalten gegenüber den derber auftretenden Anforderungen des materialistischen Zeitalters. Und dieses Verhältnis des alten Hellsehens aus dem vierten nachatlantischen Zeitraum zu dem späteren, das ist in den Mythen in dem Gegensatz von Baldur und Hödur zum Ausdrucke gebracht. Was wirkt da eigentlich zusammen, was liegt dem zugrunde, daß Baldur, der Repräsentant des Menschenbewußtseins, das durchleuchtet werden kann von dem Göttlichen, daß Baldur unter dem Einflusse der bösen Macht Loki von Hödur, dem Gotte des Kampfes, des Krieges, der Finsternis getötet werden kann? Dem liegt zugrunde, daß, so wie unser Zeitalter seit langem ist und bis in eine gewisse Zeit hinein auch bleiben wird, immer ein Zusammenwirken stattfinden muß zwischen Licht und Finsternis. Es ist eigentlich nur ein religiöser Egoismus, wenn man den Menschen glauben macht, daß irgend etwas in der physischen Welt, in der Welt der Maja, restlos gut sein kann. Jedes Licht hat seinen Schatten, und gerade die wahrhaftige Durchdringung dieser Erkenntnis, daß jedes Licht seinen Schatten hat, ist außerordentlich wichtig und bedeutsam.
[ 29 ] Nehmen Sie einen bestimmten Fall. Wir werden gerade unter dem Einfluß des Weihnachtsmysteriums manches vertiefen können, was wir in den letzten Zeiten gesprochen haben. Nehmen Sie einen bestimmten Fall. Ich habe Ihnen öfter sehen angedeutet: Wenn Geisteswissenschaft mehr unter die Menschen kommen wird, so wird sie zum Beispiel auch die Medizin ergreifen, die Heilkunst. Man wird gewisse mehr physische Heilmethoden finden für seelische Krankheiten, mehr geistige Heilmethoden für leibliche Krankheiten. Daß das heute nicht möglich ist — ich habe Ihnen gesagt, warum das so ist: einfach aus dem Grunde, weil die Sünde durch das Gesetz da ist, nicht das Gesetz durch die Sünde. Solange die Gesetze so wirken, daß die materialistische Medizin das Gesetzmäßige ist — und das ist sie heute —, so lange kann der einzelne, wenn er noch so gründliche Einsichten hat, nichts machen, soll auch nichts machen. Aber es wird eine Zeit kommen, und wohl ist sie nicht mehr ferne, wo das Menschheitskarma soweit sein wird, daß die Medizin, die Heilkunst, aufnehmen wird die Impulse, die aus der geistigen Erkenntnis kommen. Das will ich nur andeuten, denn dasjenige, worauf es mir jetzt in diesem Augenblicke ankommt, ist etwas anderes. Die Erkenntnis der heilsamen Kräfte ist untrennbar von der Erkenntnis der krankmachenden Kräfte, man kann nicht das eine ohne das andere vermitteln. Es kann niemand in der Welt die heilenden Kräfte kennenlernen, ohne übermittelt zu erhalten die Kenntnis von den krankmachenden Kräften. Daher werden Sie einsehen, welche Rolle da, wo es auf den Ernst ankommt, die moralische Durchsetzung des Menschen bedeutet. Denn wer einen Menschen geistig heilen kann, kann einen Menschen auch geistig krankmachen, und zwar in demselben Grade. Daher können solche Wahrheiten von den Göttern den Menschen selbstverständlich erst übermittelt werden, wenn eine solche Stufe der Moralität erreicht ist, daß das Heilmittel nicht in Gift verwandelt werden kann.
[ 29 ] Nehmen Sie einen bestimmten Fall. Wir werden gerade unter dem Einfluß des Weihnachtsmysteriums manches vertiefen können, was wir in den letzten Zeiten gesprochen haben. Nehmen Sie einen bestimmten Fall. Ich habe Ihnen öfter sehen angedeutet: Wenn Geisteswissenschaft mehr unter die Menschen kommen wird, so wird sie zum Beispiel auch die Medizin ergreifen, die Heilkunst. Man wird gewisse mehr physische Heilmethoden finden für seelische Krankheiten, mehr geistige Heilmethoden für leibliche Krankheiten. Daß das heute nicht möglich ist — ich habe Ihnen gesagt, warum das so ist: einfach aus dem Grunde, weil die Sünde durch das Gesetz da ist, nicht das Gesetz durch die Sünde. Solange die Gesetze so wirken, daß die materialistische Medizin das Gesetzmäßige ist — und das ist sie heute —, so lange kann der einzelne, wenn er noch so gründliche Einsichten hat, nichts machen, soll auch nichts machen. Aber es wird eine Zeit kommen, und wohl ist sie nicht mehr ferne, wo das Menschheitskarma soweit sein wird, daß die Medizin, die Heilkunst, aufnehmen wird die Impulse, die aus der geistigen Erkenntnis kommen. Das will ich nur andeuten, denn dasjenige, worauf es mir jetzt in diesem Augenblicke ankommt, ist etwas anderes. Die Erkenntnis der heilsamen Kräfte ist untrennbar von der Erkenntnis der krankmachenden Kräfte, man kann nicht das eine ohne das andere vermitteln. Es kann niemand in der Welt die heilenden Kräfte kennenlernen, ohne übermittelt zu erhalten die Kenntnis von den krankmachenden Kräften. Daher werden Sie einsehen, welche Rolle da, wo es auf den Ernst ankommt, die moralische Durchsetzung des Menschen bedeutet. Denn wer einen Menschen geistig heilen kann, kann einen Menschen auch geistig krankmachen, und zwar in demselben Grade. Daher können solche Wahrheiten von den Göttern den Menschen selbstverständlich erst übermittelt werden, wenn eine solche Stufe der Moralität erreicht ist, daß das Heilmittel nicht in Gift verwandelt werden kann.
[ 30 ] So aber ist es nicht nur für dieses Beispiel, wo man es mit dem abnormen Leibes- oder Seelenzustand des Menschen zu tun hat, sondern so ist es auch für dasjenige, was im sozialen Leben vor sich geht. Denn Sie werden aus den letzten Betrachtungen wohl gründlich ersehen haben, daß auch im sozialen Zusammenleben der Menschheit Impulse wirken, gute und schlechte, die geleitet werden von denjenigen, die von der Leitung etwas verstehen, und die oftmals in merkwürdiger Weise geleitet werden. Sie werden sich denken können: Es ist einfach notwendig, daß solches geschieht, damit die Menschheit durch sich selber lerne, zum Guten zu gelangen. — Ich weiß wohl, wie wenig ernst selbst in unseren Reihen diese Dinge genommen werden, und wie gerade diesen Dingen gegenüber so vielfach philiströse Einwände gemacht werden; aber das muß schon einmal so sein in unserer Zeit.
[ 30 ] So aber ist es nicht nur für dieses Beispiel, wo man es mit dem abnormen Leibes- oder Seelenzustand des Menschen zu tun hat, sondern so ist es auch für dasjenige, was im sozialen Leben vor sich geht. Denn Sie werden aus den letzten Betrachtungen wohl gründlich ersehen haben, daß auch im sozialen Zusammenleben der Menschheit Impulse wirken, gute und schlechte, die geleitet werden von denjenigen, die von der Leitung etwas verstehen, und die oftmals in merkwürdiger Weise geleitet werden. Sie werden sich denken können: Es ist einfach notwendig, daß solches geschieht, damit die Menschheit durch sich selber lerne, zum Guten zu gelangen. — Ich weiß wohl, wie wenig ernst selbst in unseren Reihen diese Dinge genommen werden, und wie gerade diesen Dingen gegenüber so vielfach philiströse Einwände gemacht werden; aber das muß schon einmal so sein in unserer Zeit.
[ 31 ] Wie nun im einzelnen, so auch im sozialen Leben: Es können gewisse Impulse nach der einen oder nach der andern Seite gelenkt und geleitet werden. Namentlich im sozialen Leben ist heute noch vielfach möglich, das Unbewußte, und jedes Zeitalter hat sein Unbewußtes, zu Hilfe zu nehmen. Und sobald man mit dem Unbewußten oder Unterbewußten rechnet, dann erzielt man ganz andere Wirkungen als mit dem heutigen Bewußtsein, denn das heutige Bewußtsein wird seinen kosmischen Zusammenhang auf naturgemäße Weise erst im sechsten nachatlantischen Zeitraum erreichen. Man nimmt also immer, wenn man heute mit dem Unbewußten rechnet, aus dem vierten nachatlantischen Zeitraum die Dinge mephistophelisch oder luziferisch herüber. Nun ist es gerade unseren Bestrebungen durchaus nicht unentsprechend, in dieser ernsten Zeit solche allgemeinen Wahrheiten auf das Spezielle anzuwenden, auf den besonderen Fall, denn es ist uns angemessen, nicht bloß theosophische Kindereien zu treiben, sondern ernste Erkenntnisse zu sammeln, die in die Realität eingreifen, auch wenn diese ernsten Erkenntnisse Anforderungen stellen an die Vorurteilslosigkeit unserer Gefühle. Und es ist auch eine Weihnachtsempfindung, sich zu entschließen, an den Lebensernst heranzutreten. In unserer Zeit darf einfach nicht die Weihnachtsstimmung nur in dem wollüstigen SichHingeben an allerlei, was man «heilige Christbaumgefühle» nennt, bestehen, sondern in dem Erfühlen des Zusammenhanges mit den ernsten und auch erschütternden Erlebnissen der Gegenwart.
[ 31 ] Wie nun im einzelnen, so auch im sozialen Leben: Es können gewisse Impulse nach der einen oder nach der andern Seite gelenkt und geleitet werden. Namentlich im sozialen Leben ist heute noch vielfach möglich, das Unbewußte, und jedes Zeitalter hat sein Unbewußtes, zu Hilfe zu nehmen. Und sobald man mit dem Unbewußten oder Unterbewußten rechnet, dann erzielt man ganz andere Wirkungen als mit dem heutigen Bewußtsein, denn das heutige Bewußtsein wird seinen kosmischen Zusammenhang auf naturgemäße Weise erst im sechsten nachatlantischen Zeitraum erreichen. Man nimmt also immer, wenn man heute mit dem Unbewußten rechnet, aus dem vierten nachatlantischen Zeitraum die Dinge mephistophelisch oder luziferisch herüber. Nun ist es gerade unseren Bestrebungen durchaus nicht unentsprechend, in dieser ernsten Zeit solche allgemeinen Wahrheiten auf das Spezielle anzuwenden, auf den besonderen Fall, denn es ist uns angemessen, nicht bloß theosophische Kindereien zu treiben, sondern ernste Erkenntnisse zu sammeln, die in die Realität eingreifen, auch wenn diese ernsten Erkenntnisse Anforderungen stellen an die Vorurteilslosigkeit unserer Gefühle. Und es ist auch eine Weihnachtsempfindung, sich zu entschließen, an den Lebensernst heranzutreten. In unserer Zeit darf einfach nicht die Weihnachtsstimmung nur in dem wollüstigen SichHingeben an allerlei, was man «heilige Christbaumgefühle» nennt, bestehen, sondern in dem Erfühlen des Zusammenhanges mit den ernsten und auch erschütternden Erlebnissen der Gegenwart.
[ 32 ] Das sehen Sie im äußeren Leben der Menschen wirklich so ganz besonders: was geschieht, wenn man die Menschen im Unterbewußten ergreift. Gerade so, wie man einen einzelnen Menschen hypnotisieren kann und ihn als Hypnotisierten dann in seiner Gewalt hat, ihm auftragen kann, was er vielleicht nie sich einfallen ließe auszuführen in nichthypnotisiertem Zustand, so wie man also den Bewußtseinszustand des einzelnen ändern kann, indem man gewissermaßen einen für viel frühere Zeiten normalen Bewußtseinszustand in den heutigen hereinversetzt, um dadurch Verschiedenes zu erreichen, so kann man auch Menschengemeinschaften hypnotisieren. Für den einzelnen Menschen, der für unsere physische Welt ein stärkeres Wesen ist als ein Volkswesen, ist auch ein stärkeres Herabdämpfen des Bewußtseins notwendig, wenn man in anderem Bewußtseinszustand wirken soll. Für eine Menschengemeinschaft, für eine Menschengruppe braucht man gar nicht einmal die Herabdämpfung des Bewußtseins zu merken, denn sie kann viel leiser stattfinden. Und dennoch, man würde gewisse Dinge nicht erreichen, wenn man immer nur so sprechen wollte, wie wir etwa miteinander sprechen. Deshalb betone ich immer wieder: Ich werde mir nie einfallen lassen, anders als in gewissermaßen schwierigen, an den Intellekt appellierenden Begriffen zu sprechen, so daß jeder gezwungen ist, mitzudenken, dasjenige in Begriffen mitzumachen, um was es sich handelt. Einen Taumel hervorzurufen und auf irgend etwas anderes zu wirken als auf den Intellekt, kann da nicht in Frage kommen, wo man es mit dem fünften nachatlantischen Zeitraum und seinen Erfordernissen voll ernst nimmt. Auch wer heute nichts weiß von Geisteswissenschaft, aber ein unbestimmtes Bewußtsein hat vom Darinnenstehen im fünften nachatlantischen Zeitraum, wird heute die innere Freiheitskraft der Menschen achten und so sprechen, daß er nicht die Gefühle gewissermaßen übertölpelt, die Seele nicht in Taumel versetzt.
[ 32 ] Das sehen Sie im äußeren Leben der Menschen wirklich so ganz besonders: was geschieht, wenn man die Menschen im Unterbewußten ergreift. Gerade so, wie man einen einzelnen Menschen hypnotisieren kann und ihn als Hypnotisierten dann in seiner Gewalt hat, ihm auftragen kann, was er vielleicht nie sich einfallen ließe auszuführen in nichthypnotisiertem Zustand, so wie man also den Bewußtseinszustand des einzelnen ändern kann, indem man gewissermaßen einen für viel frühere Zeiten normalen Bewußtseinszustand in den heutigen hereinversetzt, um dadurch Verschiedenes zu erreichen, so kann man auch Menschengemeinschaften hypnotisieren. Für den einzelnen Menschen, der für unsere physische Welt ein stärkeres Wesen ist als ein Volkswesen, ist auch ein stärkeres Herabdämpfen des Bewußtseins notwendig, wenn man in anderem Bewußtseinszustand wirken soll. Für eine Menschengemeinschaft, für eine Menschengruppe braucht man gar nicht einmal die Herabdämpfung des Bewußtseins zu merken, denn sie kann viel leiser stattfinden. Und dennoch, man würde gewisse Dinge nicht erreichen, wenn man immer nur so sprechen wollte, wie wir etwa miteinander sprechen. Deshalb betone ich immer wieder: Ich werde mir nie einfallen lassen, anders als in gewissermaßen schwierigen, an den Intellekt appellierenden Begriffen zu sprechen, so daß jeder gezwungen ist, mitzudenken, dasjenige in Begriffen mitzumachen, um was es sich handelt. Einen Taumel hervorzurufen und auf irgend etwas anderes zu wirken als auf den Intellekt, kann da nicht in Frage kommen, wo man es mit dem fünften nachatlantischen Zeitraum und seinen Erfordernissen voll ernst nimmt. Auch wer heute nichts weiß von Geisteswissenschaft, aber ein unbestimmtes Bewußtsein hat vom Darinnenstehen im fünften nachatlantischen Zeitraum, wird heute die innere Freiheitskraft der Menschen achten und so sprechen, daß er nicht die Gefühle gewissermaßen übertölpelt, die Seele nicht in Taumel versetzt.
[ 33 ] Etwas anderes würde es sein, wenn jemand andere Wirkungen erzielen wollte als diejenigen, welche ich geschildert habe: wenn jemand das herabgedämpfte Bewußtsein benützen wollte, das man bei einer Menge viel leichter herstellen kann als beim einzelnen; denn man braucht da nicht bis zur Hypnose zu kommen. Sie wissen, wie eine Menge, eine Gruppe ergriffen werden kann von einem gewissen Taumel, wenn das nur in der rechten Weise gemacht wird. Ich habe schon bei früheren Anlässen gesagt, daß ich Volksredner kennengelernt habe, die aus gewissen Instinkten heraus sehr wohl die Kunst kannten, nicht zur reinen Intellektualität zu sprechen, sondern in gewisser Weise in Schlagworten, in besonders ausgeprägten Bildern zu einem verrückten, zu einem etwas delirienhaft gewordenen Bewußtsein zu sprechen. Wie gesagt, für den einzelnen müßte es stärker sein; aber für eine Menge braucht es gar nicht mehr. Ich habe ja auch Beispiele dafür gegeben.
[ 33 ] Etwas anderes würde es sein, wenn jemand andere Wirkungen erzielen wollte als diejenigen, welche ich geschildert habe: wenn jemand das herabgedämpfte Bewußtsein benützen wollte, das man bei einer Menge viel leichter herstellen kann als beim einzelnen; denn man braucht da nicht bis zur Hypnose zu kommen. Sie wissen, wie eine Menge, eine Gruppe ergriffen werden kann von einem gewissen Taumel, wenn das nur in der rechten Weise gemacht wird. Ich habe schon bei früheren Anlässen gesagt, daß ich Volksredner kennengelernt habe, die aus gewissen Instinkten heraus sehr wohl die Kunst kannten, nicht zur reinen Intellektualität zu sprechen, sondern in gewisser Weise in Schlagworten, in besonders ausgeprägten Bildern zu einem verrückten, zu einem etwas delirienhaft gewordenen Bewußtsein zu sprechen. Wie gesagt, für den einzelnen müßte es stärker sein; aber für eine Menge braucht es gar nicht mehr. Ich habe ja auch Beispiele dafür gegeben.
[ 34 ] Betrachten wir auch diese Dinge durchaus der Weihestimmung angemessen, in der wir jetzt sein können, denn sie sind Erkenntnisse, die tief zusammenhängen mit dem Weihnachts- und Ostermysterium. Ich habe früher angeführt, wie ich schon in jungen Jahren berührt war, als ich in der Realität solch eine Wirkung kennenlernte. Ich habe Ihnen das Beispiel öfter erzählt: Ich wurde durch das Karma in der rechten Zeit dazu gebracht, die Predigten eines ganz bedeutenden Jesuitenpaters zu hören, und ich konnte sehen, wie die Leute hineingesteigert wurden in ein Bild durch das Setzen bestimmter Worte, wie sie überzeugt wurden auf eine Art und Weise, die nicht zu ihrem Intellekt sprach, sondern zu dem, was eine delirienhafte Stimmung hervorbringt. Lassen Sie uns das Beispiel einmal ansehen. Der Jesuit predigte über die Notwendigkeit des Glaubens an die österliche Beichte und sagte ungefähr das Folgende: Ja, die Ungläubigen, die meinen, die österliche Beichte sei von dem Papste oder von dem Kardinalskollegium eingesetzt; aber, liebe Christen, was ist das für eine Vorstellung! Derjenige, der behauptet, die österliche Beichte sei eingesetzt von dem Papst und der Priesterschaft, den könnt Ihr vergleichen mit einem, der da ansieht, wie ein Kanonier an einer Kanone steht, und ein Offizier neben ihm, der die Befehle austeilt. Der Kanonier hat nur die Zündschnur anzuzünden, dann geht die Kanone los. Vergleicht, liebe Christen, den Kanonier mit dem Papst in Rom, und den Offizier, der die Befehle austeilt, mit Gott! Stellt Euch lebhaft vor, wie der Offizier dasteht, «Feuer» kommandiert — der Kanonier zieht nur die Zündschnur, ohne seinen Willen: die Kanone geht los. So machte es der Papst in Rom. Er hörte auf Gottes Gebot; Gott kommandierte, der Papst war der Kanonier, er zog die Zündschnur — und da wurde die österliche Beichte. Werdet Ihr nun sagen, daß der Kanonier, der an der Kanone steht und die Zündschnur angezogen hat, das Pulver erfunden hat? Ebensowenig wie Ihr sagen werdet, daß der Kanonier das Pulver erfunden hat, ebensowenig hat der Papst die österliche Beichte erfunden! Und alle, man sah es ihnen an, waren überzeugt — selbstverständlich!
[ 34 ] Betrachten wir auch diese Dinge durchaus der Weihestimmung angemessen, in der wir jetzt sein können, denn sie sind Erkenntnisse, die tief zusammenhängen mit dem Weihnachts- und Ostermysterium. Ich habe früher angeführt, wie ich schon in jungen Jahren berührt war, als ich in der Realität solch eine Wirkung kennenlernte. Ich habe Ihnen das Beispiel öfter erzählt: Ich wurde durch das Karma in der rechten Zeit dazu gebracht, die Predigten eines ganz bedeutenden Jesuitenpaters zu hören, und ich konnte sehen, wie die Leute hineingesteigert wurden in ein Bild durch das Setzen bestimmter Worte, wie sie überzeugt wurden auf eine Art und Weise, die nicht zu ihrem Intellekt sprach, sondern zu dem, was eine delirienhafte Stimmung hervorbringt. Lassen Sie uns das Beispiel einmal ansehen. Der Jesuit predigte über die Notwendigkeit des Glaubens an die österliche Beichte und sagte ungefähr das Folgende: Ja, die Ungläubigen, die meinen, die österliche Beichte sei von dem Papste oder von dem Kardinalskollegium eingesetzt; aber, liebe Christen, was ist das für eine Vorstellung! Derjenige, der behauptet, die österliche Beichte sei eingesetzt von dem Papst und der Priesterschaft, den könnt Ihr vergleichen mit einem, der da ansieht, wie ein Kanonier an einer Kanone steht, und ein Offizier neben ihm, der die Befehle austeilt. Der Kanonier hat nur die Zündschnur anzuzünden, dann geht die Kanone los. Vergleicht, liebe Christen, den Kanonier mit dem Papst in Rom, und den Offizier, der die Befehle austeilt, mit Gott! Stellt Euch lebhaft vor, wie der Offizier dasteht, «Feuer» kommandiert — der Kanonier zieht nur die Zündschnur, ohne seinen Willen: die Kanone geht los. So machte es der Papst in Rom. Er hörte auf Gottes Gebot; Gott kommandierte, der Papst war der Kanonier, er zog die Zündschnur — und da wurde die österliche Beichte. Werdet Ihr nun sagen, daß der Kanonier, der an der Kanone steht und die Zündschnur angezogen hat, das Pulver erfunden hat? Ebensowenig wie Ihr sagen werdet, daß der Kanonier das Pulver erfunden hat, ebensowenig hat der Papst die österliche Beichte erfunden! Und alle, man sah es ihnen an, waren überzeugt — selbstverständlich!
[ 35 ] Diese Dinge muß man auch innerhalb gewisser Gemeinschaften lernen: diese Dinge in Bildern darzustellen, Bilder zu benützen, Steigerungen zu benützen, Vergleiche zu gebrauchen. Das ist eine besondere Kunst, die in grauen Brüderschaften sehr geübt wird. Aber man braucht nicht gerade einer grauen Brüderschaft anzugehören, wenn man solche Kunst übt. Man kann abhängig sein in der einen oder in der andern Weise von grauen Brüderschaften, ohne daß man es vielleicht selber weiß, wie man abhängig ist, und kann dann solche Dinge benützen.
[ 35 ] Diese Dinge muß man auch innerhalb gewisser Gemeinschaften lernen: diese Dinge in Bildern darzustellen, Bilder zu benützen, Steigerungen zu benützen, Vergleiche zu gebrauchen. Das ist eine besondere Kunst, die in grauen Brüderschaften sehr geübt wird. Aber man braucht nicht gerade einer grauen Brüderschaft anzugehören, wenn man solche Kunst übt. Man kann abhängig sein in der einen oder in der andern Weise von grauen Brüderschaften, ohne daß man es vielleicht selber weiß, wie man abhängig ist, und kann dann solche Dinge benützen.
[ 36 ] Worauf beruhen denn diese Dinge? Sie beruhen darauf, daß eine andere Art unseres Seelenlebens da ist, wenn wir so miteinander reden, daß wir uns entsprechend dem fünften nachatlantischen Zeitraum an den Intellekt wenden, als wenn wir uns an das Delirium wenden, also irgend etwas von den Mitteln gebrauchen, die ich Ihnen eben skizzenhaft angedeutet habe. Diese andere Art besteht darinnen, daß der Mensch in diesem fünften nachatlantischen Zeitraum lernt, dem Hödur zu widerstehen, lernt, dem, was so zurückgeblieben ist aus früheren Zeiten, wie im Pflanzenreich die Mistelpflanze, die ein Parasit geworden ist, zu widerstehen. Der Mensch muß lernen, dem Hödur, dem Unbewußten zu widerstehen, dem Blinden, dem Leidenschaftlichen, dem Deliriösen.
[ 36 ] Worauf beruhen denn diese Dinge? Sie beruhen darauf, daß eine andere Art unseres Seelenlebens da ist, wenn wir so miteinander reden, daß wir uns entsprechend dem fünften nachatlantischen Zeitraum an den Intellekt wenden, als wenn wir uns an das Delirium wenden, also irgend etwas von den Mitteln gebrauchen, die ich Ihnen eben skizzenhaft angedeutet habe. Diese andere Art besteht darinnen, daß der Mensch in diesem fünften nachatlantischen Zeitraum lernt, dem Hödur zu widerstehen, lernt, dem, was so zurückgeblieben ist aus früheren Zeiten, wie im Pflanzenreich die Mistelpflanze, die ein Parasit geworden ist, zu widerstehen. Der Mensch muß lernen, dem Hödur, dem Unbewußten zu widerstehen, dem Blinden, dem Leidenschaftlichen, dem Deliriösen.
[ 37 ] Das können wir uns freilich nur dadurch erkaufen, daß unser Verständnis ein solches wird, in dem wir uns der Welt gegenüber recht isoliert fühlen, während derjenige, der das deliriöse Bewußtsein entwickelt, gleich kosmische Wirkungen anzieht, kosmische Wirkungen in die Gegenwart hereinzieht. Wir stehen mit unserem fünften nachatlantischen Bewußtsein auf der Erde isoliert. Beim deliriösen Bewußtsein werden in die Seele kosmische Wirkungen hereingezogen. Die müssen natürlich in der entsprechenden Weise benützt werden. Nehmen wir einen konkreten Fall.
[ 37 ] Das können wir uns freilich nur dadurch erkaufen, daß unser Verständnis ein solches wird, in dem wir uns der Welt gegenüber recht isoliert fühlen, während derjenige, der das deliriöse Bewußtsein entwickelt, gleich kosmische Wirkungen anzieht, kosmische Wirkungen in die Gegenwart hereinzieht. Wir stehen mit unserem fünften nachatlantischen Bewußtsein auf der Erde isoliert. Beim deliriösen Bewußtsein werden in die Seele kosmische Wirkungen hereingezogen. Die müssen natürlich in der entsprechenden Weise benützt werden. Nehmen wir einen konkreten Fall.


[ 38 ] Will jemand in der Gegenwart auf das deliriöse Bewußtsein wirken und etwas Besonderes erreichen, so kann er folgendes machen: Er kann sich erinnern, wann in einem früheren Zeitraum unter ähnlichen Sternkonstellationen etwas Ähnliches da war. Und nun, weil alles in der Welt wellenartig geschieht, und eine Welle nach einer bestimmten Zeit wiederum an die Oberfläche kommt, so kann er, um besondere Wirkungen zu erzielen, unter ähnlichen Verhältnissen, die aber etwas zu tun haben mit den kosmischen Einrichtungen, ein Ereignis wie eine Kopie eines vorhergegangenen Ereignisses gebrauchen, zu einer Kopie eines vorhergegangenen Ereignisses zu machen. Nehmen wir an, jemand wolle etwas erreichen für das deliriöse Bewußtsein durch ganz bestimmte Vornahmen, ganz bestimmte Tatsachen. Da geht er zurück in der Geschichte und erinnert sich an etwas, was in früherer Zeit unter einer ähnlichen Sternkonstellation geschehen ist.
[ 38 ] Will jemand in der Gegenwart auf das deliriöse Bewußtsein wirken und etwas Besonderes erreichen, so kann er folgendes machen: Er kann sich erinnern, wann in einem früheren Zeitraum unter ähnlichen Sternkonstellationen etwas Ähnliches da war. Und nun, weil alles in der Welt wellenartig geschieht, und eine Welle nach einer bestimmten Zeit wiederum an die Oberfläche kommt, so kann er, um besondere Wirkungen zu erzielen, unter ähnlichen Verhältnissen, die aber etwas zu tun haben mit den kosmischen Einrichtungen, ein Ereignis wie eine Kopie eines vorhergegangenen Ereignisses gebrauchen, zu einer Kopie eines vorhergegangenen Ereignisses zu machen. Nehmen wir an, jemand wolle etwas erreichen für das deliriöse Bewußtsein durch ganz bestimmte Vornahmen, ganz bestimmte Tatsachen. Da geht er zurück in der Geschichte und erinnert sich an etwas, was in früherer Zeit unter einer ähnlichen Sternkonstellation geschehen ist.
[ 39 ] Denken wir uns, jemand will etwas erreichen an einem Frühlingsdatum eines bestimmten Jahres. Er sagt sich also: Wir haben Pfingstzeit, ich will jetzt zurückgehen in der Zeitenwende zu einem Ereignis, das dem ähnlich ist, das ich da machen will. — Dann muß es aber auch in eine solche Zeit gefallen sein, wo das Pfingstdatum ungefähr in dieselben Tage fiel, in dieselben Monatstage. Dadurch ist im groben die Sternkonstellation für dieses Pfingstdatum natürlich ähnlich, es wiederholt sich ja. Auf diese Weise würde man gerade die besondere Möglichkeit haben, auf das deliriöse Bewußtsein zu wirken. Man würde gewissermaßen eine Gruppe von Menschen, die auch immer eine Art Baldur darstellen im fünften nachatlantischen Zeitraum, treffen können, wenn man den Loki spielen wollte mit dem blinden Hödur oder durch den blinden Hödur, indem man unter den besonderen kosmischen Verhältnissen das deliriöse Bewußtsein hervorruft.
[ 39 ] Denken wir uns, jemand will etwas erreichen an einem Frühlingsdatum eines bestimmten Jahres. Er sagt sich also: Wir haben Pfingstzeit, ich will jetzt zurückgehen in der Zeitenwende zu einem Ereignis, das dem ähnlich ist, das ich da machen will. — Dann muß es aber auch in eine solche Zeit gefallen sein, wo das Pfingstdatum ungefähr in dieselben Tage fiel, in dieselben Monatstage. Dadurch ist im groben die Sternkonstellation für dieses Pfingstdatum natürlich ähnlich, es wiederholt sich ja. Auf diese Weise würde man gerade die besondere Möglichkeit haben, auf das deliriöse Bewußtsein zu wirken. Man würde gewissermaßen eine Gruppe von Menschen, die auch immer eine Art Baldur darstellen im fünften nachatlantischen Zeitraum, treffen können, wenn man den Loki spielen wollte mit dem blinden Hödur oder durch den blinden Hödur, indem man unter den besonderen kosmischen Verhältnissen das deliriöse Bewußtsein hervorruft.
[ 40 ] Nehmen wir nun einen konkreten Fall: Am 20.Mai 1347, also in früheren Zeiten, da war gerade Pfingstzeit. In dieser Zeit zogen an einem bestimmten Tage in einer Menge, die allerdings noch zu dem Pfingstmysterium ein anderes Verhältnis hatte als die Gegenwart, die Herolde unter Trompetenschall in Rom voran dem Cola di Rienzi, der von der bedeutungsvollen Stätte in Rom in der Pfingstkonstellation, die dazumal auch gerade in den 20. Mai hineinfiel, dasjenige verkündigte, was ihn zum Tribunen von Rom machen sollte. Der Eindruck war derjenige, der da sein mußte auf ein deliriöses Bewußtsein einer Gruppe, einer Menge. Denn diese Menge hatte den Glauben, daß Cola di Rienzi den Heiligen Geist gebracht habe, und es war unter Benützung der entsprechenden Konstellation, wenn auch nur für ganz kurze Zeit, möglich zu erreichen, was Cola di Rienzi erreichen wollte.
[ 40 ] Nehmen wir nun einen konkreten Fall: Am 20.Mai 1347, also in früheren Zeiten, da war gerade Pfingstzeit. In dieser Zeit zogen an einem bestimmten Tage in einer Menge, die allerdings noch zu dem Pfingstmysterium ein anderes Verhältnis hatte als die Gegenwart, die Herolde unter Trompetenschall in Rom voran dem Cola di Rienzi, der von der bedeutungsvollen Stätte in Rom in der Pfingstkonstellation, die dazumal auch gerade in den 20. Mai hineinfiel, dasjenige verkündigte, was ihn zum Tribunen von Rom machen sollte. Der Eindruck war derjenige, der da sein mußte auf ein deliriöses Bewußtsein einer Gruppe, einer Menge. Denn diese Menge hatte den Glauben, daß Cola di Rienzi den Heiligen Geist gebracht habe, und es war unter Benützung der entsprechenden Konstellation, wenn auch nur für ganz kurze Zeit, möglich zu erreichen, was Cola di Rienzi erreichen wollte.
[ 41 ] Es war eine merkwürdige Kopie unter derselben Konstellation, als 1915, allerdings nicht Cola di Rienzi, sondern Signor d’ Annunzio, eine Gruppe in ganz ähnlicher Weise an dieselbe Stätte rief! Und wiederum wurde gewirkt auf das deliriöse Bewußtsein mit Vorstellungen, mit Symbolen, die durch ihre Bildhaftigkeit im eminentesten Sinne geeignet waren, zu diesem deliriösen Bewußtsein zu sprechen. Ich will niemandes Bewußtsein beschuldigen, will nur Tatsachen erzählen, Tatsachen, die meinetwillen soviel wie möglich in das Unterbewußtsein hinuntergedrängt worden sind. Das ändert aber nichts an ihrer Wirksamkeit. Am Pfingstsonntag des Jahres 1915 geschah in Rom dasselbe, was am Pfingstsonntag 1347, der auch in den Mai fiel, und zwar auf den 20., 21.Mai — ein Tag tut dabei gar nichts, im Gegenteil, die Konstellation wurde dadurch erst recht dieselbe — geschehen war. Pfingsten 1915 war also eine Wiederholung dessen, was 1347 geschehen war unter Cola di Rienzi. Dadurch wurde das Neue ganz besonders zur Wirksamkeit gebracht, denn es ist ein Einlaufen in dieselben Schwingungen, in dieselben Verhältnisse gewesen.
[ 41 ] Es war eine merkwürdige Kopie unter derselben Konstellation, als 1915, allerdings nicht Cola di Rienzi, sondern Signor d’ Annunzio, eine Gruppe in ganz ähnlicher Weise an dieselbe Stätte rief! Und wiederum wurde gewirkt auf das deliriöse Bewußtsein mit Vorstellungen, mit Symbolen, die durch ihre Bildhaftigkeit im eminentesten Sinne geeignet waren, zu diesem deliriösen Bewußtsein zu sprechen. Ich will niemandes Bewußtsein beschuldigen, will nur Tatsachen erzählen, Tatsachen, die meinetwillen soviel wie möglich in das Unterbewußtsein hinuntergedrängt worden sind. Das ändert aber nichts an ihrer Wirksamkeit. Am Pfingstsonntag des Jahres 1915 geschah in Rom dasselbe, was am Pfingstsonntag 1347, der auch in den Mai fiel, und zwar auf den 20., 21.Mai — ein Tag tut dabei gar nichts, im Gegenteil, die Konstellation wurde dadurch erst recht dieselbe — geschehen war. Pfingsten 1915 war also eine Wiederholung dessen, was 1347 geschehen war unter Cola di Rienzi. Dadurch wurde das Neue ganz besonders zur Wirksamkeit gebracht, denn es ist ein Einlaufen in dieselben Schwingungen, in dieselben Verhältnisse gewesen.
[ 42 ] Geschichte wird man erst verstehen, wenn man solche Tatsachen kennen wird, wenn man wissen wird, was mit Zuhilfenahme solcher Tatsachen bewirkt werden kann. Ganz gleich, unter welchen Einflüssen es dazu gekommen ist: Jener Signor d’Annunzio hatte durch sein bis dahin verbrachtes Leben schon die Möglichkeit, den verschiedensten Einflüssen zu unterliegen, er hatte in sich die Kraft, diese Einflüsse wiederum wirksam zu machen. Ich bemerke nur, daß dieser Dichter wegen seiner früheren Dichtungen in dem gesunden Italien von verschiedenen Kritikern genannt wurde: Der Sänger aller strafwürdigen Entartungen. — Er nannte sich, während er im bürgerlichen Leben Rapagnetta heißt, was, wie mir gesagt wird, «Rübchen» bedeutet, selbst d’Annunzio.
[ 42 ] Geschichte wird man erst verstehen, wenn man solche Tatsachen kennen wird, wenn man wissen wird, was mit Zuhilfenahme solcher Tatsachen bewirkt werden kann. Ganz gleich, unter welchen Einflüssen es dazu gekommen ist: Jener Signor d’Annunzio hatte durch sein bis dahin verbrachtes Leben schon die Möglichkeit, den verschiedensten Einflüssen zu unterliegen, er hatte in sich die Kraft, diese Einflüsse wiederum wirksam zu machen. Ich bemerke nur, daß dieser Dichter wegen seiner früheren Dichtungen in dem gesunden Italien von verschiedenen Kritikern genannt wurde: Der Sänger aller strafwürdigen Entartungen. — Er nannte sich, während er im bürgerlichen Leben Rapagnetta heißt, was, wie mir gesagt wird, «Rübchen» bedeutet, selbst d’Annunzio.
[ 43 ] Signor d’Annunzio hielt nun unter dieser Konstellation eine Rede, die Sie selbst beurteilen mögen, weil ich sie Ihnen, so gut es geht, vorlesen möchte. Ich bemerke nur zum Verständnis, daß dazumal in Italien zwei Parteien waren, die sogenannten Neutralisten und die Interventionisten, und Signor d’Annunzio stellte sich die Aufgabe, alle Neutralisten in Interventionisten umzuwandeln. Die Neutralisten wollten die Neutralität weiter bewahren, und ein Mann, der ziemlich verknüpft ist mit dem vorhergegangenen politischen Leben in Italien, Giolitt:, war für die Neutralität. Das bemerke ich gleichsam nur wie einen Kommentar. Jene Rede, welche d’Annunzio wie eine Wiederholung der Rede, die einst Cola di Rienzi unter derselben Konstellation gehalten hat, lautet etwa folgendermaßen:
[ 43 ] Signor d’Annunzio hielt nun unter dieser Konstellation eine Rede, die Sie selbst beurteilen mögen, weil ich sie Ihnen, so gut es geht, vorlesen möchte. Ich bemerke nur zum Verständnis, daß dazumal in Italien zwei Parteien waren, die sogenannten Neutralisten und die Interventionisten, und Signor d’Annunzio stellte sich die Aufgabe, alle Neutralisten in Interventionisten umzuwandeln. Die Neutralisten wollten die Neutralität weiter bewahren, und ein Mann, der ziemlich verknüpft ist mit dem vorhergegangenen politischen Leben in Italien, Giolitt:, war für die Neutralität. Das bemerke ich gleichsam nur wie einen Kommentar. Jene Rede, welche d’Annunzio wie eine Wiederholung der Rede, die einst Cola di Rienzi unter derselben Konstellation gehalten hat, lautet etwa folgendermaßen:
«Römer!
Ihr botet gestern der Welt ein erhabenes Schauspiel! Euer endloser, wohlgeordneter Zug war ein Abbild jener feierlichen Prozessionen des Altertums, die sich hier im Tempel des Jupiter Maximus bildeten, und jede Straße, die von solcher Kraft durchschritten wird, von solcher Kraft, die mit so viel Würde gepaart ist, wird zur Via Sacra. Ihr geleitetet, unsichtbar in Eurer Mitte auf unsichtbarem Götterwagen, die Statue unserer Großen Mutter.
Gesegnet die römischen Mütter, die ich gestern in dem Umzuge dieser feierlichen Selbstdarbringung sah, die Mütter, die ihre Söhne auf den Armen trugen und deren Stirnen das Mal des ergebenen Mutes, des schweigenden Opfers aufgeprägt war.
Braucht es ermahnender Worte, wo die Steine sprechen? Das Volk von Rom war bereit, das Pflaster aus dem Boden zu reißen, das von den Hufen jener Pferde gestampft wurde, die längst als Vorhut an der Grenze Istriens stehen sollten, statt, gedemütigt durch solche Schmach, hier die Brutstätten der giftigen Tiere, die Häuser der Verräter zu verteidigen! Wie mußten unsere jungen Soldaten betrübt sein, von welcher Disziplin, welcher Selbstverleugnung legten sie Kunde ab, als sie die gegen den gerechten Zorn des Volkes beschützten, die sie selbst anschwärzen und verleumden, die sie vor den Brüdern erniedrigen und vor den Feinden. Rufen wir: «Es lebe dasHeer! Dies ist der Ruf der Stunde!»
Neben den vielen Nichtswürdigkeiten, die von den Giolittischen Kanaillen begangen wurden, ist diese die verworfenste: die Anschwärzung unserer Waffen und der nationalen Verteidigung. Bis zum gestrigen Tage haben sie ungestraft den Zweifel, den Verdacht, die Mißachtung gegen unsere Soldaten säen dürfen, gegen unsere schönen, guten, starken, großmütigen, ungestümen Soldaten, gegen die Blüte unseres Volkes, gegen die zuverlässigen Helden des morgigen Tages. Mit welchem Herzen pflanzten diese das Bajonnett auf, um das Volk zurückzuwerfen, das doch nur sie selbst rächen wollte! O meine bewundernswerten Genossen! Jeder gute Bürger ist heute ein Soldat der italienischen Freiheit! Durch Euch und mit Euch haben wir gesiegt, haben wir die Reihen der Verräter in Verwirrung gebracht. Hört, o hört! Das Verbrechen des Hochverrates wurde erklärt, wurde bewiesen, wurde öffentlich verkündet. Die ehrlosen Namen sind bekannt, die Bestrafung ist notwendig!
Laßt Euch nicht täuschen, laßt Euch nicht zum Mitleid bewegen. Eine solche Herde empfindet keinen Gewissensbiß, keine Reue. Wer kann das Tier, das an den Kot gewöhnt ist, in dem es sich wälzt, das an den Trog gewöhnt ist, aus dem es sich mäster, zu anderem Geschmack bekehren?
Am 20. Mai, in der feierlichen Versammlung unserer Einheit, darf die unverschämte Gegenwart derer nicht geduldet werden, die seit Monaten mit dem Feinde über den Verkauf Italiens beraten haben. Man darf nicht erlauben, daß Hanswurste sich in den dreifarbigen Mantel hüllen und aus unreinen Kehlen den heiligen Namen des Vaterlandes brüllen. Stellt ohne Mitleid Eure Proskriptionsliste auf. Ihr habt dazu das Recht, Ihr habt die Pflicht! Wer hat Italien in diesen Tagen der Verdunkelung errettet, wer anders als Ihr, das lautere, das tiefe Volk?
Erinnert Euch daran! Jene dürfen sich der Züchtigung nur durch die Flucht entziehen. Lassen wir sie entweichen! Dies ist die einzige Nachsicht, die ihnen gegenüber gestattet ist. War ein Gewisser nicht noch heute morgen zur Teilnahme an den Kabalen geneigt, deren Netz zwischen den blühenden Rosenbeeten der jetzt der Konfiskation verfallenden Villa auf dem Pincio von der dort hausenden dicken deutschen Spinne gewebt wird? Wir glaubten freilich keinen Augenblick, ein von Herrn Bülow gebildetes Ministerium könne die Billigung des Königs finden, oder vielmehr der König könne dessen Mitschuldiger werden.
Der König hat in seinem großen Herzen die Ermahnung Camillo Cavours vernommen: Die hohe Stunde für die savoyische Monarchie hat geschlagen!
Ja, sie hat geschlagen! Geschlagen unter dem hohen Himmel, der sich, o Römer, über Eurem Pantheon wölbt, und über diesem ewigen Kapitol! Hier, wo die Plebs ihre Ratsversammlungen hielt, hier, wo jede Erweiterung der Römerherrschaft ihre Weihe empfing, wo die Konsuln die Aushebung vollzogen und den Soldateneid entgegennahmen, hier, von wo die Magistrate der Republik auszogen, um die Führung der Heere zu übernehmen und die Provinzen zu beherrschen, wo Germanicus beim Tempel der Fides die Trophäen seines Sieges über die Deutschen aufstellte, wo der triumphierende Octavian die römische Unterwerfung des gesamten Mittelmeerbeckens feierlich bestätigte, an diesem Ausgangspunkt und Zielpunkt aller Triumphe heiligen wir uns dem Vaterlande, hier feiern wir das freiwillige Opfer, hier rufen wir die Worte der Weihe und des Wunsches: Es lebe unser Krieg, es lebe Rom, es lebe Italien, es lebe das Heer und die Flotte, es lebe der König! Ruhm und Sieg!»
«Römer!
Ihr botet gestern der Welt ein erhabenes Schauspiel! Euer endloser, wohlgeordneter Zug war ein Abbild jener feierlichen Prozessionen des Altertums, die sich hier im Tempel des Jupiter Maximus bildeten, und jede Straße, die von solcher Kraft durchschritten wird, von solcher Kraft, die mit so viel Würde gepaart ist, wird zur Via Sacra. Ihr geleitetet, unsichtbar in Eurer Mitte auf unsichtbarem Götterwagen, die Statue unserer Großen Mutter.
Gesegnet die römischen Mütter, die ich gestern in dem Umzuge dieser feierlichen Selbstdarbringung sah, die Mütter, die ihre Söhne auf den Armen trugen und deren Stirnen das Mal des ergebenen Mutes, des schweigenden Opfers aufgeprägt war.
Braucht es ermahnender Worte, wo die Steine sprechen? Das Volk von Rom war bereit, das Pflaster aus dem Boden zu reißen, das von den Hufen jener Pferde gestampft wurde, die längst als Vorhut an der Grenze Istriens stehen sollten, statt, gedemütigt durch solche Schmach, hier die Brutstätten der giftigen Tiere, die Häuser der Verräter zu verteidigen! Wie mußten unsere jungen Soldaten betrübt sein, von welcher Disziplin, welcher Selbstverleugnung legten sie Kunde ab, als sie die gegen den gerechten Zorn des Volkes beschützten, die sie selbst anschwärzen und verleumden, die sie vor den Brüdern erniedrigen und vor den Feinden. Rufen wir: «Es lebe dasHeer! Dies ist der Ruf der Stunde!»
Neben den vielen Nichtswürdigkeiten, die von den Giolittischen Kanaillen begangen wurden, ist diese die verworfenste: die Anschwärzung unserer Waffen und der nationalen Verteidigung. Bis zum gestrigen Tage haben sie ungestraft den Zweifel, den Verdacht, die Mißachtung gegen unsere Soldaten säen dürfen, gegen unsere schönen, guten, starken, großmütigen, ungestümen Soldaten, gegen die Blüte unseres Volkes, gegen die zuverlässigen Helden des morgigen Tages. Mit welchem Herzen pflanzten diese das Bajonnett auf, um das Volk zurückzuwerfen, das doch nur sie selbst rächen wollte! O meine bewundernswerten Genossen! Jeder gute Bürger ist heute ein Soldat der italienischen Freiheit! Durch Euch und mit Euch haben wir gesiegt, haben wir die Reihen der Verräter in Verwirrung gebracht. Hört, o hört! Das Verbrechen des Hochverrates wurde erklärt, wurde bewiesen, wurde öffentlich verkündet. Die ehrlosen Namen sind bekannt, die Bestrafung ist notwendig!
Laßt Euch nicht täuschen, laßt Euch nicht zum Mitleid bewegen. Eine solche Herde empfindet keinen Gewissensbiß, keine Reue. Wer kann das Tier, das an den Kot gewöhnt ist, in dem es sich wälzt, das an den Trog gewöhnt ist, aus dem es sich mäster, zu anderem Geschmack bekehren?
Am 20. Mai, in der feierlichen Versammlung unserer Einheit, darf die unverschämte Gegenwart derer nicht geduldet werden, die seit Monaten mit dem Feinde über den Verkauf Italiens beraten haben. Man darf nicht erlauben, daß Hanswurste sich in den dreifarbigen Mantel hüllen und aus unreinen Kehlen den heiligen Namen des Vaterlandes brüllen. Stellt ohne Mitleid Eure Proskriptionsliste auf. Ihr habt dazu das Recht, Ihr habt die Pflicht! Wer hat Italien in diesen Tagen der Verdunkelung errettet, wer anders als Ihr, das lautere, das tiefe Volk?
Erinnert Euch daran! Jene dürfen sich der Züchtigung nur durch die Flucht entziehen. Lassen wir sie entweichen! Dies ist die einzige Nachsicht, die ihnen gegenüber gestattet ist. War ein Gewisser nicht noch heute morgen zur Teilnahme an den Kabalen geneigt, deren Netz zwischen den blühenden Rosenbeeten der jetzt der Konfiskation verfallenden Villa auf dem Pincio von der dort hausenden dicken deutschen Spinne gewebt wird? Wir glaubten freilich keinen Augenblick, ein von Herrn Bülow gebildetes Ministerium könne die Billigung des Königs finden, oder vielmehr der König könne dessen Mitschuldiger werden.
Der König hat in seinem großen Herzen die Ermahnung Camillo Cavours vernommen: Die hohe Stunde für die savoyische Monarchie hat geschlagen!
Ja, sie hat geschlagen! Geschlagen unter dem hohen Himmel, der sich, o Römer, über Eurem Pantheon wölbt, und über diesem ewigen Kapitol! Hier, wo die Plebs ihre Ratsversammlungen hielt, hier, wo jede Erweiterung der Römerherrschaft ihre Weihe empfing, wo die Konsuln die Aushebung vollzogen und den Soldateneid entgegennahmen, hier, von wo die Magistrate der Republik auszogen, um die Führung der Heere zu übernehmen und die Provinzen zu beherrschen, wo Germanicus beim Tempel der Fides die Trophäen seines Sieges über die Deutschen aufstellte, wo der triumphierende Octavian die römische Unterwerfung des gesamten Mittelmeerbeckens feierlich bestätigte, an diesem Ausgangspunkt und Zielpunkt aller Triumphe heiligen wir uns dem Vaterlande, hier feiern wir das freiwillige Opfer, hier rufen wir die Worte der Weihe und des Wunsches: Es lebe unser Krieg, es lebe Rom, es lebe Italien, es lebe das Heer und die Flotte, es lebe der König! Ruhm und Sieg!»
[ 44 ] So der neue Cola di Rienzi. Dann nahm er den Degen entgegen, der ihm überreicht wurde als besonders teueres Erinnerungszeichen des Nino Bixio. Dieser Degen stammte aus alten Tagen und war bei der Familie Podrecca aufbewahrt gewesen. Der Degen wird überreicht verzeihen Sie, aber es ist Tatsache — von dem Redakteur des «Asino»! «Asino» ist ein besonders unflätiges Witzblatt. Aber d’Annunzio nimmt den Degen in die Hand, küßt ihn feierlich, schreitet durch die Menge, besteigt nicht wie Cola di Rienzi — hierin ändern sich die Zeiten — einen von Pferden gezogenen Trinmphwagen, besteigt ein Auto, gibt aber noch vorher den Befehl, daß alle Glocken geläutet werden müssen. Das deliriöse Bewußtsein darf nicht gleich verschwinden: man muß alle Glocken läuten, damit es etwas andauert. Dann ließ d’Annunzio sein Auto am Telegraphenamt halten und telegraphierte an den «Gaulois», dessen Redakteur — ja, verzeihen Sie, ich weiß nicht, wie man solche Vollblutfranzosen ausspricht, ich will aber nach den deutschen Schriftzeichen, die da stehen, sagen —, dessen Redakteur Herr «Meier» heißt, ich weiß nicht, wie man es in Frankreich ausspricht, aber geschrieben wird es Herr «Meier», telegraphierte also vom Telegraphenamt an den Redakteur vom «Gaulois»:
[ 44 ] So der neue Cola di Rienzi. Dann nahm er den Degen entgegen, der ihm überreicht wurde als besonders teueres Erinnerungszeichen des Nino Bixio. Dieser Degen stammte aus alten Tagen und war bei der Familie Podrecca aufbewahrt gewesen. Der Degen wird überreicht verzeihen Sie, aber es ist Tatsache — von dem Redakteur des «Asino»! «Asino» ist ein besonders unflätiges Witzblatt. Aber d’Annunzio nimmt den Degen in die Hand, küßt ihn feierlich, schreitet durch die Menge, besteigt nicht wie Cola di Rienzi — hierin ändern sich die Zeiten — einen von Pferden gezogenen Trinmphwagen, besteigt ein Auto, gibt aber noch vorher den Befehl, daß alle Glocken geläutet werden müssen. Das deliriöse Bewußtsein darf nicht gleich verschwinden: man muß alle Glocken läuten, damit es etwas andauert. Dann ließ d’Annunzio sein Auto am Telegraphenamt halten und telegraphierte an den «Gaulois», dessen Redakteur — ja, verzeihen Sie, ich weiß nicht, wie man solche Vollblutfranzosen ausspricht, ich will aber nach den deutschen Schriftzeichen, die da stehen, sagen —, dessen Redakteur Herr «Meier» heißt, ich weiß nicht, wie man es in Frankreich ausspricht, aber geschrieben wird es Herr «Meier», telegraphierte also vom Telegraphenamt an den Redakteur vom «Gaulois»:
«Rom 1 Uhr, große Schlacht ist geschlagen. Soeben habe ich von der Höhe des Kapitols zu einer ungeheuren, im Delirium befindlichen Menge gesprochen. Die Glocken läuten Alarm, die Rufe des Volkes steigen zum schönsten Himmel der Welt empor. Ich bin trunken vor Wonne. Nach dem französischen Wunder ward ich Zeuge des italienischen Wunders.»
«Rom 1 Uhr, große Schlacht ist geschlagen. Soeben habe ich von der Höhe des Kapitols zu einer ungeheuren, im Delirium befindlichen Menge gesprochen. Die Glocken läuten Alarm, die Rufe des Volkes steigen zum schönsten Himmel der Welt empor. Ich bin trunken vor Wonne. Nach dem französischen Wunder ward ich Zeuge des italienischen Wunders.»
[ 45 ] Ich wollte, selbstverständlich ohne in irgendeiner Weise einen Kommentar oder eine Parteinahme zu prätendieren, gewisse Tatsachen registrieren, aber in ihren Zusammenhängen, namentlich um zu zeigen, wie doch Dinge geschehen, die von unserer heutigen unaufmerksamen Umwelt wenig aufgefaßt werden. Ich wollte darauf hinweisen, daß, wenn auch der «Sänger aller schmachwürdigen menschlichen Entartungen», wie er in Italien genannt wurde, nicht stark an das Pfingstwunder glauben wird, die ganze Art, hier ein Ereignis zur Wiederholung zu bringen, schon bedeutsame Kräfte für das deliriöse Bewußtsein in sich trägt, und auf gewisse unterbewußte Impulse zu wirken, das brachte Signor d’Annunzio ganz vorzüglich zustande. Derselbe Mann, der in seinem Heimatlande der Sänger aller schmachwürdigen menschlichen Entartungen genannt worden ist, der es fertiggebracht hat, einen Roman zu schreiben, in dem er sein Verhältnis zu einer berühmten Frau in grenzenlos verwerflicher Art in die Welt hinausposaunte, dieser Mann fand in der andern langen Rede, die er im Konstanzitheater gehalten hat, noch eine ganzeReihe von andern wirkungsvollen Bildern. Das Kanonenbild, das ich erwähnte, ist im Grunde genommen eine Kleinigkeit. Ich kann Ihnen nicht die ganze Rede vorlesen, weil das zu lange dauern wird, nur ein Stück vielleicht vom An fange, und dann den Schluß. Der Anfang:
[ 45 ] Ich wollte, selbstverständlich ohne in irgendeiner Weise einen Kommentar oder eine Parteinahme zu prätendieren, gewisse Tatsachen registrieren, aber in ihren Zusammenhängen, namentlich um zu zeigen, wie doch Dinge geschehen, die von unserer heutigen unaufmerksamen Umwelt wenig aufgefaßt werden. Ich wollte darauf hinweisen, daß, wenn auch der «Sänger aller schmachwürdigen menschlichen Entartungen», wie er in Italien genannt wurde, nicht stark an das Pfingstwunder glauben wird, die ganze Art, hier ein Ereignis zur Wiederholung zu bringen, schon bedeutsame Kräfte für das deliriöse Bewußtsein in sich trägt, und auf gewisse unterbewußte Impulse zu wirken, das brachte Signor d’Annunzio ganz vorzüglich zustande. Derselbe Mann, der in seinem Heimatlande der Sänger aller schmachwürdigen menschlichen Entartungen genannt worden ist, der es fertiggebracht hat, einen Roman zu schreiben, in dem er sein Verhältnis zu einer berühmten Frau in grenzenlos verwerflicher Art in die Welt hinausposaunte, dieser Mann fand in der andern langen Rede, die er im Konstanzitheater gehalten hat, noch eine ganzeReihe von andern wirkungsvollen Bildern. Das Kanonenbild, das ich erwähnte, ist im Grunde genommen eine Kleinigkeit. Ich kann Ihnen nicht die ganze Rede vorlesen, weil das zu lange dauern wird, nur ein Stück vielleicht vom An fange, und dann den Schluß. Der Anfang:
«Römer, Italiener, Brüder im Glauben und in der Sehnsucht, meine neuen Freunde, und meine Gefährten von ehedem!»
«Römer, Italiener, Brüder im Glauben und in der Sehnsucht, meine neuen Freunde, und meine Gefährten von ehedem!»
[ 46 ] na, mit dem «ehedem»!
[ 46 ] na, mit dem «ehedem»!
«Nicht mir, nicht mir gilt dieser Gruß warmer Liebenswürdigkeit, großmütiger Anerkennung; nicht mich begrüßt Ihr, den Heimkehrenden, ich weiß es, sondern den Geist, der mich führt, die Liebe, die mich beseelt, die Idee, der ich diene.
Euer Zuruf geht über mich hinauf und hinaus und zielt höher. Ich bringe Euch die Botschaft von Quarto, die nur eine römische Botschaft an das Rom der Villa Spada und des Vascello ist.
Von den aurelianischen Mauern ist heute abend das Tageslicht nicht geschieden, es scheidet nicht: der Schimmer weilt auf San Pancrazio. Es sind jetzt 66 Jahre — stellen wir heute abend der Feigheit den Heldenmut gegenüber —, es sind jetzt 66 Jahre an diesem Abend, seit der Führer der Mannen seine Legion, die schon zu den Juniwundern vorausbestimmt war, von Palestrina nach Rom zurückführte; es sind jetzt 55 Jahre — stellen wir heute abend den Ruhm der Schande gegenüber — gerade an diesem Abend, ja gerade in dieser Stunde, daß die Tausend auf dem Marsche von Marsala nach Salemii rasteten und neben ihren zusammengesetzten Gewehren ihr Brot aßen und still einschliefen. Sie hatten in ihrem Herzen die Sterne und das Wort des Führers, das heute auch uns lebendig und gebieterisch erklingt: «Wenn wir einig sein werden, wird unsere Aufgabe leicht sein. Also an die Waffen!»
Es war der Aufruf von Marsala, der weiterhin mit rauher Drohung sagte: «Wer sich nicht bewaffnet, ist ein Feigling oder ein Verräter!» Wenn Er, der Befreier, vom Janiculus in die Niederung herabsteigen könnte: würde er nicht alle diejenigen mit dem einen oder dem andern Stempel kennzeichnen und der Schande zeihen, welche insgeheim oder öffentlich daran arbeiten, Italiei zu entwaffnen, das Vaterland zu beschämen, es in den Zustand der Knechtschaft zurückzuversetzen, es wieder an sein Kreuz zu nageln oder es im Todeskampf in seinem Bett zu lassen, das manchmal uns ein Grab ohne Decke schien?
Mancher braucht 50 Jahre, um in seinem Bett zu sterben, mancher braucht 50 Jahre, um in seinem Bett seine Auflösung zu vollenden. Ist es möglich, daß wir von den Fremden herinnen und draußen, von den Feinden, die in unserem Hause wohnen oder eingedrungen sind, diese Todesart einem Volke auferlegen lassen, das gestern mit einem Machtschauder das Abbild seines höchsten Mythus an seinem Meere errichtete, das Denkbild seines wahren Willens, der ein römischer Wille ist, o Bürger?
Seit drei Tagen beginnt ein unbestimmbarer Geruch des Verrates uns zu ersticken.»
«Nicht mir, nicht mir gilt dieser Gruß warmer Liebenswürdigkeit, großmütiger Anerkennung; nicht mich begrüßt Ihr, den Heimkehrenden, ich weiß es, sondern den Geist, der mich führt, die Liebe, die mich beseelt, die Idee, der ich diene.
Euer Zuruf geht über mich hinauf und hinaus und zielt höher. Ich bringe Euch die Botschaft von Quarto, die nur eine römische Botschaft an das Rom der Villa Spada und des Vascello ist.
Von den aurelianischen Mauern ist heute abend das Tageslicht nicht geschieden, es scheidet nicht: der Schimmer weilt auf San Pancrazio. Es sind jetzt 66 Jahre — stellen wir heute abend der Feigheit den Heldenmut gegenüber —, es sind jetzt 66 Jahre an diesem Abend, seit der Führer der Mannen seine Legion, die schon zu den Juniwundern vorausbestimmt war, von Palestrina nach Rom zurückführte; es sind jetzt 55 Jahre — stellen wir heute abend den Ruhm der Schande gegenüber — gerade an diesem Abend, ja gerade in dieser Stunde, daß die Tausend auf dem Marsche von Marsala nach Salemii rasteten und neben ihren zusammengesetzten Gewehren ihr Brot aßen und still einschliefen. Sie hatten in ihrem Herzen die Sterne und das Wort des Führers, das heute auch uns lebendig und gebieterisch erklingt: «Wenn wir einig sein werden, wird unsere Aufgabe leicht sein. Also an die Waffen!»
Es war der Aufruf von Marsala, der weiterhin mit rauher Drohung sagte: «Wer sich nicht bewaffnet, ist ein Feigling oder ein Verräter!» Wenn Er, der Befreier, vom Janiculus in die Niederung herabsteigen könnte: würde er nicht alle diejenigen mit dem einen oder dem andern Stempel kennzeichnen und der Schande zeihen, welche insgeheim oder öffentlich daran arbeiten, Italiei zu entwaffnen, das Vaterland zu beschämen, es in den Zustand der Knechtschaft zurückzuversetzen, es wieder an sein Kreuz zu nageln oder es im Todeskampf in seinem Bett zu lassen, das manchmal uns ein Grab ohne Decke schien?
Mancher braucht 50 Jahre, um in seinem Bett zu sterben, mancher braucht 50 Jahre, um in seinem Bett seine Auflösung zu vollenden. Ist es möglich, daß wir von den Fremden herinnen und draußen, von den Feinden, die in unserem Hause wohnen oder eingedrungen sind, diese Todesart einem Volke auferlegen lassen, das gestern mit einem Machtschauder das Abbild seines höchsten Mythus an seinem Meere errichtete, das Denkbild seines wahren Willens, der ein römischer Wille ist, o Bürger?
Seit drei Tagen beginnt ein unbestimmbarer Geruch des Verrates uns zu ersticken.»
[ 47 ] Nun, in solcher Art gehen die Dinge weiter. Und dann finden wir zum Schlusse aufgewärmt in einer neuen Art dasjenige, was wir aus dem Evangelium gut kennen. Ausgerechnet d’Annunzio wagt es, die folgenden Worte zu sprechen:
[ 47 ] Nun, in solcher Art gehen die Dinge weiter. Und dann finden wir zum Schlusse aufgewärmt in einer neuen Art dasjenige, was wir aus dem Evangelium gut kennen. Ausgerechnet d’Annunzio wagt es, die folgenden Worte zu sprechen:
«O selig jene, die mehr haben, denn desto mehr werden sie geben können, desto mehr werden sie entbrannt sein können!
Selig jene, die zwanzig Jahre einen reinen Geist, einen gestählten Körper, eine mutige Mutter haben!
Selig jene, die wartend und vertrauend ihre Kraft nicht vergeudeten, sondern sie wahrten in der Zucht des Kriegers! Selig jene, die unfruchtbare Liebeleien verschmähten um jungfräulich zu sein für diese erste und letzte Liebe!»
«O selig jene, die mehr haben, denn desto mehr werden sie geben können, desto mehr werden sie entbrannt sein können!
Selig jene, die zwanzig Jahre einen reinen Geist, einen gestählten Körper, eine mutige Mutter haben!
Selig jene, die wartend und vertrauend ihre Kraft nicht vergeudeten, sondern sie wahrten in der Zucht des Kriegers! Selig jene, die unfruchtbare Liebeleien verschmähten um jungfräulich zu sein für diese erste und letzte Liebe!»
[ 48 ] ausgerechnet d’Annunzio: «Selig jene, die unfruchtbare Liebeleien verschmähten, um jungfräulich zu sein für diese erste und letzte Liebe!»
[ 48 ] ausgerechnet d’Annunzio: «Selig jene, die unfruchtbare Liebeleien verschmähten, um jungfräulich zu sein für diese erste und letzte Liebe!»
«Selig jene, die einen in der Brust festgewurzelten Haß sich ausreißen mit ihren eigenen Händen und dann ihr Opfer darbieten werden!
Selig jene, die zwar gestern noch gegen das Ereignis sich sträubten, nunmehr aber die tiefe Notwendigkeit stillschweigend hinnehmen werden und nicht mehr die letzten, sondern die ersten sein wollen! Selig die Jünglinge, die nach Ruhm hungern und dürsten, denn sie werden gesättigt werden.
Selig die Barmherzigen, denn sie werden ein glänzendes Blut wegzuwischen, einen strahlenden Schmerz zu verbinden haben!
Selig, die reinen Herzens sind, selig, die mit den Siegen wiederkehren; denn sie werden das neue Antlitz Roms sehen, die wiederbekränzte Stirne Dantes, die triumphierende Schönheit Italiens.»
«Selig jene, die einen in der Brust festgewurzelten Haß sich ausreißen mit ihren eigenen Händen und dann ihr Opfer darbieten werden!
Selig jene, die zwar gestern noch gegen das Ereignis sich sträubten, nunmehr aber die tiefe Notwendigkeit stillschweigend hinnehmen werden und nicht mehr die letzten, sondern die ersten sein wollen! Selig die Jünglinge, die nach Ruhm hungern und dürsten, denn sie werden gesättigt werden.
Selig die Barmherzigen, denn sie werden ein glänzendes Blut wegzuwischen, einen strahlenden Schmerz zu verbinden haben!
Selig, die reinen Herzens sind, selig, die mit den Siegen wiederkehren; denn sie werden das neue Antlitz Roms sehen, die wiederbekränzte Stirne Dantes, die triumphierende Schönheit Italiens.»
[ 49 ] So spricht man auch zuweilen in unserer Zeit! Und es ist schon von Bedeutung, an diesen Dingen nicht vorüberzugehen, meine lieben Freunde. Denn nicht jeder handelt im Sinne desjenigen, dessen Geburt in der Weihenacht gefeiert wird, der in solcher Weise Seligpreisungen in die Welt hinausschreit. Aber nicht der Finsternis anzugehören, sondern dem Lichte, das in die Welt gekommen ist, das gehört schon zu jenen Empfindungen, mit denen man sich durchdringen soll gerade an dem Weihefeste, sich gewissermaßen zu verloben dem Lichte, und nicht jener Unaufmerksamkeit, die uns die Finsternis bringt. Das kann in unserer ernsten Zeit auch etwas sein, was am Heiligen Abend sich in die Seelen zu schreiben wohl wichtig sein kann.
[ 49 ] So spricht man auch zuweilen in unserer Zeit! Und es ist schon von Bedeutung, an diesen Dingen nicht vorüberzugehen, meine lieben Freunde. Denn nicht jeder handelt im Sinne desjenigen, dessen Geburt in der Weihenacht gefeiert wird, der in solcher Weise Seligpreisungen in die Welt hinausschreit. Aber nicht der Finsternis anzugehören, sondern dem Lichte, das in die Welt gekommen ist, das gehört schon zu jenen Empfindungen, mit denen man sich durchdringen soll gerade an dem Weihefeste, sich gewissermaßen zu verloben dem Lichte, und nicht jener Unaufmerksamkeit, die uns die Finsternis bringt. Das kann in unserer ernsten Zeit auch etwas sein, was am Heiligen Abend sich in die Seelen zu schreiben wohl wichtig sein kann.
