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Reflections on Contemporary History II
The Karma of Untruthfulness
GA 173b

25 December 1916, Dornach

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Zeitgeschichtliche Betrachtungen Band III
  1. Reflections on Contemporary History, Volume II, tr. SOL

Neunter Vortrag

Neunter Vortrag

[ 1 ] Wir haben gestern begonnen mit der Betrachtung des Baldur-Mythus, der, wie wir gesehen haben, zurückgeht auf alte Einrichtungen, und gerade an solcher Betrachtung kann uns klar werden, wie das Christentum anknüpfen mußte und anknüpfen sollte an dasjenige, was von der Menschheit vorher begriffen worden ist. Wenn wir die drei großen Feste des Jahres nehmen, so wie sie heute noch immer gefeiert werden, so stehen diese drei großen Feste des Jahres eben durchaus im Zusammenhange mit Dingen, die sich langsam und allmählich durch die Menschheitsentwickelung hindurch ergeben haben. Und vollständig verstehen kann man dasjenige, was sich noch ausdrücken will im Weihnachts-, Oster-, Pfingstmysterium nur dann, wenn man nicht scheut, die Dinge anzuknüpfen an das Denken und Fühlen und Empfinden der sich im Laufe der Zeiten entwickelnden Menschheit. Wir haben gesehen, wie die Christus-Idee zurückgeht in frühe, frühe Zeiten.

[ 1 ] Wir haben gestern begonnen mit der Betrachtung des Baldur-Mythus, der, wie wir gesehen haben, zurückgeht auf alte Einrichtungen, und gerade an solcher Betrachtung kann uns klar werden, wie das Christentum anknüpfen mußte und anknüpfen sollte an dasjenige, was von der Menschheit vorher begriffen worden ist. Wenn wir die drei großen Feste des Jahres nehmen, so wie sie heute noch immer gefeiert werden, so stehen diese drei großen Feste des Jahres eben durchaus im Zusammenhange mit Dingen, die sich langsam und allmählich durch die Menschheitsentwickelung hindurch ergeben haben. Und vollständig verstehen kann man dasjenige, was sich noch ausdrücken will im Weihnachts-, Oster-, Pfingstmysterium nur dann, wenn man nicht scheut, die Dinge anzuknüpfen an das Denken und Fühlen und Empfinden der sich im Laufe der Zeiten entwickelnden Menschheit. Wir haben gesehen, wie die Christus-Idee zurückgeht in frühe, frühe Zeiten.

[ 2 ] Sie brauchen nur, um das genauer ins Auge zu fassen, sich vor die Seele zu führen, was in der Schrift «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit» enthalten ist. Da werden Sie sehen, wie man dasjenige, was der Christus-Idee zugrunde liegt, zurückführen kann auf Geheimnisse der geistigen Welten, wie man zeigen kann, welchen Weg das der Christus-Idee zugrunde liegende Wesen in den geistigen Welten durchgemacht hat, um dann gewissermaßen in einem Punkt der Erdenentwickelung in physischer Menschwerdung sich zu offenbaren. Gerade an den Auseinandersetzungen dieser Begriffe über die geistige Führung der Menschheit ist es möglich, zu empfinden, welcher Zusammenhang oder auch Nichtzusammenhang besteht zwischen der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft und der alten Gnosis. Den Weg des Christus durch die geistigen Welten so darzustellen, wie es versucht worden ist in der Schrift «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit», das wäre in der alten Gnosis noch nicht möglich gewesen. Aber diese alte Gnosis hat doch eine Christus-Vorstellung, eine Christus-Idee gehabt. Sie konnte aus dem atavistisch-hellseherischen Wissen so viel herausholen, um den Christus auf geistige Art zu erfassen, um zu sagen: In der geistigen Welt ist eine Evolution, die Hierarchien, oder, wie dort gesagt wird, die Aonen folgen aufeinander, und einer der Äonen ist der Christus. Und gezeigt wird in der Gnosis, wie der Christus, während sich Äon nach Äon evolviert hat, heruntersteigt und sich in einem Menschen offenbart. Das kann heute noch deutlicher gezeigt werden, und Sie können es nachlesen in der Schrift «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit».

[ 2 ] Sie brauchen nur, um das genauer ins Auge zu fassen, sich vor die Seele zu führen, was in der Schrift «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit» enthalten ist. Da werden Sie sehen, wie man dasjenige, was der Christus-Idee zugrunde liegt, zurückführen kann auf Geheimnisse der geistigen Welten, wie man zeigen kann, welchen Weg das der Christus-Idee zugrunde liegende Wesen in den geistigen Welten durchgemacht hat, um dann gewissermaßen in einem Punkt der Erdenentwickelung in physischer Menschwerdung sich zu offenbaren. Gerade an den Auseinandersetzungen dieser Begriffe über die geistige Führung der Menschheit ist es möglich, zu empfinden, welcher Zusammenhang oder auch Nichtzusammenhang besteht zwischen der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft und der alten Gnosis. Den Weg des Christus durch die geistigen Welten so darzustellen, wie es versucht worden ist in der Schrift «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit», das wäre in der alten Gnosis noch nicht möglich gewesen. Aber diese alte Gnosis hat doch eine Christus-Vorstellung, eine Christus-Idee gehabt. Sie konnte aus dem atavistisch-hellseherischen Wissen so viel herausholen, um den Christus auf geistige Art zu erfassen, um zu sagen: In der geistigen Welt ist eine Evolution, die Hierarchien, oder, wie dort gesagt wird, die Aonen folgen aufeinander, und einer der Äonen ist der Christus. Und gezeigt wird in der Gnosis, wie der Christus, während sich Äon nach Äon evolviert hat, heruntersteigt und sich in einem Menschen offenbart. Das kann heute noch deutlicher gezeigt werden, und Sie können es nachlesen in der Schrift «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit».

[ 3 ] Nun ist es gut, wenn man in unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung mancherlei von tieferen Zusammenhängen empfindet, um dadurch loszukommen von den rein persönlichen Angelegenheiten. Denn es ist doch so, daß die Menschheit in ihrer Entwickelung in diesem fünften nachatlantischen Zeitraum an einem Punkt angelangt ist, in dem der einzelne es sehr schwer hat, von seinen persönlichen Angelegenheiten loszukommen. Der einzelne steht in Gefahr, seine persönlichen Angelegenheiten, seine persönlichen Instinkte und Leidenschaften zu vermischen mit demjenigen, was der ganzen Menschheit gemeinschaftlich ist.

[ 3 ] Nun ist es gut, wenn man in unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung mancherlei von tieferen Zusammenhängen empfindet, um dadurch loszukommen von den rein persönlichen Angelegenheiten. Denn es ist doch so, daß die Menschheit in ihrer Entwickelung in diesem fünften nachatlantischen Zeitraum an einem Punkt angelangt ist, in dem der einzelne es sehr schwer hat, von seinen persönlichen Angelegenheiten loszukommen. Der einzelne steht in Gefahr, seine persönlichen Angelegenheiten, seine persönlichen Instinkte und Leidenschaften zu vermischen mit demjenigen, was der ganzen Menschheit gemeinschaftlich ist.

[ 4 ] Auch die verschiedenen Festlichkeiten sind eigentlich zu rein persönlichen Angelegenheiten heruntergesunken, weil der Menschheit der Ernst und die Würde entschwunden sind, die allein möglich machen, der geistigen Welt in rechter Art sich zu nahen. Es ist sehr natürlich, daß in unserer fünften nachatlantischen Periode, wo der Mensch gewissermaßen sich selbst erfassen soll, sich auf sich selber stellen soll, solch eine Gefahr naheliegt, wie ich sie eben charakterisiert habe: daß der Mensch gewissermaßen den Zusammenhang verliert mit der geistigen Welt. Früher war der Menschheit der Zusammenhang mit der geistigen Welt bewußt, dafür aber anderes unbewußt, worauf ich ja gestern wieder hingedeutet habe. In der Gegenwart sind vor allem diejenigen Dinge unbewußt, auf die ich in diesen Betrachtungen in der Weise hingewiesen habe, daß ich sagte: Die Menschen haben heute nicht die Geneigtheit, ihre Aufmerksamkeit auf sie zu richten. Sie lassen sie vorübergehen, ohne sich um sie zu bekümmern.

[ 4 ] Auch die verschiedenen Festlichkeiten sind eigentlich zu rein persönlichen Angelegenheiten heruntergesunken, weil der Menschheit der Ernst und die Würde entschwunden sind, die allein möglich machen, der geistigen Welt in rechter Art sich zu nahen. Es ist sehr natürlich, daß in unserer fünften nachatlantischen Periode, wo der Mensch gewissermaßen sich selbst erfassen soll, sich auf sich selber stellen soll, solch eine Gefahr naheliegt, wie ich sie eben charakterisiert habe: daß der Mensch gewissermaßen den Zusammenhang verliert mit der geistigen Welt. Früher war der Menschheit der Zusammenhang mit der geistigen Welt bewußt, dafür aber anderes unbewußt, worauf ich ja gestern wieder hingedeutet habe. In der Gegenwart sind vor allem diejenigen Dinge unbewußt, auf die ich in diesen Betrachtungen in der Weise hingewiesen habe, daß ich sagte: Die Menschen haben heute nicht die Geneigtheit, ihre Aufmerksamkeit auf sie zu richten. Sie lassen sie vorübergehen, ohne sich um sie zu bekümmern.

[ 5 ] Es ist gut, wenn man gerade bei solchen Anlässen, wie das Weihnachtsfest einer ist, sich sagt: In unsere Weltentwickelung spielen geistige Impulse herein, in gutem wie auch in bösem Sinne. Und wir haben gesehen, wie die Impulse, die da walten, von den Menschen, die gewissermaßen in diese Dinge eingeweiht sind, auch im bösen Sinne, in irgendeinem persönlichen, egoistischen Sinne oder im Interesse eines Gruppenegoismus verwendet werden können. Wir müssen lernen, unsere Empfindung einzustellen auf umfassendere Angelegenheiten, auf umfassendere Verhältnisse. Wenn wir auch nicht immer solche Empfindungen an die große Glocke hängen können, wie man sagt, so müssen wir sie doch hegen können.

[ 5 ] Es ist gut, wenn man gerade bei solchen Anlässen, wie das Weihnachtsfest einer ist, sich sagt: In unsere Weltentwickelung spielen geistige Impulse herein, in gutem wie auch in bösem Sinne. Und wir haben gesehen, wie die Impulse, die da walten, von den Menschen, die gewissermaßen in diese Dinge eingeweiht sind, auch im bösen Sinne, in irgendeinem persönlichen, egoistischen Sinne oder im Interesse eines Gruppenegoismus verwendet werden können. Wir müssen lernen, unsere Empfindung einzustellen auf umfassendere Angelegenheiten, auf umfassendere Verhältnisse. Wenn wir auch nicht immer solche Empfindungen an die große Glocke hängen können, wie man sagt, so müssen wir sie doch hegen können.

[ 6 ] Nun möchte ich Ihnen Gelegenheit geben, an einer Sache jetzt gleich die Seele gewissermaßen loszureißen aus irgendeiner rein persönlichen Interpretation der Anthroposophie, und sie hinzulenken auf etwas Allgemeines, das verknüpft ist mit unserer anthroposophischen Bewegung. Wenn Sie das gestern Gesagte ordentlich auffassen, so werden Sie sich sagen: Jener 20. Mai 1347, jener Pfingstmai, an dem Cola di Rienzi seine bedeutsame Manifestation in Rom vollbracht hat, der wiederholte sich in einer gewissen Weise zur Pfingstzeit des Jahres 1915. Wer die Ereignisse verfolgt hat, der wird bald sehen können, oder würde bald sehen können, daß mit voller Absichtlichkeit, mit vollem Bewußtsein von jener Seite, von der es gemacht worden ist, dieser Pfingstmai gewählt worden ist. Man hat eben gewußt, daß da die alten Impulse wieder aufleben, daß da die Herzen und die Seelen, die sich HödurBlindheit ergeben, zu erfassen sind, wenn Loki an sie herantritt. Aber man ist ja nur so lange zu erfassen, als man nicht den Willen hat, sich daran zu gewöhnen, auf begreifbare, auf der Hand liegende Zusammenhänge hinzuschauen und sich von ihnen beeindrucken zu lassen. Man ist nur so lange den unbewußt bleibenden Zusammenhängen ausgeliefert, als man sich so im Persönlichen verstrickt, daß man nicht, ich möchte sagen auf «ordentliche» Zusammenhänge, auf Zusammenhänge im guten Sinne hinschaut, solange man kein Interesse hat für Allgemeinmenschliches, das immer in das Geistige hineinführt.

[ 6 ] Nun möchte ich Ihnen Gelegenheit geben, an einer Sache jetzt gleich die Seele gewissermaßen loszureißen aus irgendeiner rein persönlichen Interpretation der Anthroposophie, und sie hinzulenken auf etwas Allgemeines, das verknüpft ist mit unserer anthroposophischen Bewegung. Wenn Sie das gestern Gesagte ordentlich auffassen, so werden Sie sich sagen: Jener 20. Mai 1347, jener Pfingstmai, an dem Cola di Rienzi seine bedeutsame Manifestation in Rom vollbracht hat, der wiederholte sich in einer gewissen Weise zur Pfingstzeit des Jahres 1915. Wer die Ereignisse verfolgt hat, der wird bald sehen können, oder würde bald sehen können, daß mit voller Absichtlichkeit, mit vollem Bewußtsein von jener Seite, von der es gemacht worden ist, dieser Pfingstmai gewählt worden ist. Man hat eben gewußt, daß da die alten Impulse wieder aufleben, daß da die Herzen und die Seelen, die sich HödurBlindheit ergeben, zu erfassen sind, wenn Loki an sie herantritt. Aber man ist ja nur so lange zu erfassen, als man nicht den Willen hat, sich daran zu gewöhnen, auf begreifbare, auf der Hand liegende Zusammenhänge hinzuschauen und sich von ihnen beeindrucken zu lassen. Man ist nur so lange den unbewußt bleibenden Zusammenhängen ausgeliefert, als man sich so im Persönlichen verstrickt, daß man nicht, ich möchte sagen auf «ordentliche» Zusammenhänge, auf Zusammenhänge im guten Sinne hinschaut, solange man kein Interesse hat für Allgemeinmenschliches, das immer in das Geistige hineinführt.

[ 7 ] Ich habe Ihnen ausgeführt, daß die Gnosis noch ein Verständnis hatte für die Christus-Vorstellung, daß mit der Ausrottung der Gnosis die Christus-Vorstellung verdogmatisiert worden ist, im Süden daher die eigentliche Christus-Vorstellung gewissermaßen verschwunden ist. Die Geisteswissenschaft hat die Aufgabe, im Zusammenhang mit der geistigen Evolution diese Christus-Vorstellung wiederum zu begreifen, eine Christus-Vorstellung zu bilden, die nicht Phrase ist, sondern die inhaltsvoll ist, einen wirklichen Inhalt hat.

[ 7 ] Ich habe Ihnen ausgeführt, daß die Gnosis noch ein Verständnis hatte für die Christus-Vorstellung, daß mit der Ausrottung der Gnosis die Christus-Vorstellung verdogmatisiert worden ist, im Süden daher die eigentliche Christus-Vorstellung gewissermaßen verschwunden ist. Die Geisteswissenschaft hat die Aufgabe, im Zusammenhang mit der geistigen Evolution diese Christus-Vorstellung wiederum zu begreifen, eine Christus-Vorstellung zu bilden, die nicht Phrase ist, sondern die inhaltsvoll ist, einen wirklichen Inhalt hat.

[ 8 ] Im Norden ist gerade dasjenige, was dort vorhanden sein konnte, verschwunden: die Jesus-Empfindung. Die Jesus-Empfindung ist im Norden wirklich ausgebildet worden, wie ich vorgestern sagte, bis in das 8., 9., 10. Jahrhundert nach dem Mysterium von Golgatha. In alten Zeiten begrüßte man in jedem Hause, wo eine Geburt stattfand, das Christkind, das allein, insbesondere beim Stamm der Ingävonen, als ein würdiges Stammesmitglied aufgenommen werden konnte, während deplaziert war derjenige, der — selbstverständlich ohne Pedanterie — zu anderen Zeiten geboren wurde. Aber wir haben gezeigt, wie dasjenige, was dann als äußeres Christentum sich verbreitet hat, alles zurückdrängte, was selbst noch in Mythen und Umzügen, also in Kultgebräuchen, zusammenhing mit jener alten Jesus-Empfindung. Und wir haben gesehen, wie seit der Mitte des Mittelalters gewissermaßen angestrengt gearbeitet worden ist, um zu verwischen dasjenige, was sich von Jütland her über Europa, namentlich Mitteleuropa, ausgebreitet hatte.

[ 8 ] Im Norden ist gerade dasjenige, was dort vorhanden sein konnte, verschwunden: die Jesus-Empfindung. Die Jesus-Empfindung ist im Norden wirklich ausgebildet worden, wie ich vorgestern sagte, bis in das 8., 9., 10. Jahrhundert nach dem Mysterium von Golgatha. In alten Zeiten begrüßte man in jedem Hause, wo eine Geburt stattfand, das Christkind, das allein, insbesondere beim Stamm der Ingävonen, als ein würdiges Stammesmitglied aufgenommen werden konnte, während deplaziert war derjenige, der — selbstverständlich ohne Pedanterie — zu anderen Zeiten geboren wurde. Aber wir haben gezeigt, wie dasjenige, was dann als äußeres Christentum sich verbreitet hat, alles zurückdrängte, was selbst noch in Mythen und Umzügen, also in Kultgebräuchen, zusammenhing mit jener alten Jesus-Empfindung. Und wir haben gesehen, wie seit der Mitte des Mittelalters gewissermaßen angestrengt gearbeitet worden ist, um zu verwischen dasjenige, was sich von Jütland her über Europa, namentlich Mitteleuropa, ausgebreitet hatte.

[ 9 ] In den dänischen Gebieten war das Zentralmysterium, welches jene Verhältnisse gewissermaßen anordnete und überwachte, die dann in der Regelung der Empfängnisse und Geburten zum Vorschein kamen. Da war es, wo ein allgemeines Bewußtsein entwickelt worden ist über einen Zusammenhang sozialer Natur in der Menschheit, über einen Zusammenhang, der zugleich sakramental war, der ein wirkliches soziales Sakramentum war. Das Jahr selber wurde angeordnet als ein Sakramentum, und der Mensch wußte sich hineingestellt in das Jahressakramentum. Für die damaligen Menschen ging die Sonne nicht umsonst in verschiedener Weise über das Himmelsgewölbe in den verschiedenen Jahreszeiten, sondern was auf der Erde geschah, war ein Abbild der himmlischen Ereignisse. Da, wo der Mensch noch keinen Einfluß haben kann oder hat, wo noch elementarische und Naturgeister dasjenige verrichten, was mit Bezug auf das soziale Leben heute der Mensch verrichtet, da besteht noch das Sakramentum. Es leben heute, allerdings ohne daß die Menschen es schon wissen, recht starke ahrimanische Impulse in einzelnen Menschen. Ich sage ausdrücklich: ohne daß die Menschen es schon wissen. Diese ahrimanischen Impulse sind darauf gerichtet, auch gewissen elementaren Naturgeistern ihren Sakramentaleinfluß auf die Erdenevolution zu entreißen.

[ 9 ] In den dänischen Gebieten war das Zentralmysterium, welches jene Verhältnisse gewissermaßen anordnete und überwachte, die dann in der Regelung der Empfängnisse und Geburten zum Vorschein kamen. Da war es, wo ein allgemeines Bewußtsein entwickelt worden ist über einen Zusammenhang sozialer Natur in der Menschheit, über einen Zusammenhang, der zugleich sakramental war, der ein wirkliches soziales Sakramentum war. Das Jahr selber wurde angeordnet als ein Sakramentum, und der Mensch wußte sich hineingestellt in das Jahressakramentum. Für die damaligen Menschen ging die Sonne nicht umsonst in verschiedener Weise über das Himmelsgewölbe in den verschiedenen Jahreszeiten, sondern was auf der Erde geschah, war ein Abbild der himmlischen Ereignisse. Da, wo der Mensch noch keinen Einfluß haben kann oder hat, wo noch elementarische und Naturgeister dasjenige verrichten, was mit Bezug auf das soziale Leben heute der Mensch verrichtet, da besteht noch das Sakramentum. Es leben heute, allerdings ohne daß die Menschen es schon wissen, recht starke ahrimanische Impulse in einzelnen Menschen. Ich sage ausdrücklich: ohne daß die Menschen es schon wissen. Diese ahrimanischen Impulse sind darauf gerichtet, auch gewissen elementaren Naturgeistern ihren Sakramentaleinfluß auf die Erdenevolution zu entreißen.

[ 10 ] Wenn die moderne Technik so weit ausgebildet sein wird, daß man über gewisse Flächen hin künstliche Wärme erzeugen kann, dann wird man — und das wird schon geschehen, das tadele ich nicht, sondern stelle es Ihnen nur als eine Notwendigkeit hin, als etwas, was in der Zukunft geschehen wird —, dann wird man den Natur- und Elementargeistern das Pflanzenwachstum, vor allem das Getreidewachstum entreißen, man wird nicht nur Wintergärten, nicht nur geheizte Räume für kleinere Pflanzenwachstumsanlagen einrichten, sondern für ganze Getreidefelder, in denen man, den vom Kosmos hereinwirkenden Gesetzen entrissen, das Getreide zu andern Jahreszeiten ziehen wird, als es gewissermaßen von selbst, das heißt, durch die Natur- und Elementargeister wächst. Das aber wird für die Saaten dasselbe sein, wie das, was geschah, als das alte Bewußtsein von dem Sakramentalen der Empfängnis und der Geburten sich verallgemeinert hat über das ganze Jahr. Erforschen, erkunden, wie die geistigen Wesenheiten ebenso wirken können auf den sozial-sakramentalen Zusammenhang, wie sie wirken auf das Aufsprießen und Sprossen der Pflanzen im Frühling und das Zurückgehen im Herbste, das war die Aufgabe solcher Mysterienstätten wie derjenigen, von der ich sagte, daß sie sich in Dänemark befunden und das soziale Leben sakramental geregelt habe. Von da aus hat sich also dasjenige ausgebreitet, was wir noch im 3. Jahrtausend vor dem Mysterium von Golgatha suchen dürfen, dann aber allmählich schwinden und einem andern Platz machen sehen, das kommen mußte; sonst hätte der Mensch sich nicht zum Gebrauch seines Intellekts aufschwingen können. Die Dinge sind notwendig, aber eben ihre Notwendigkeit muß man einsehen, und nicht den Göttern ins Handwerk pfuschen wollen, indem man sagt: Warum haben die Götter nicht dies oder jenes, warum haben es die Götter nicht anders — wobei man immer meint, für den Menschen bequemer — eingerichtet?

[ 10 ] Wenn die moderne Technik so weit ausgebildet sein wird, daß man über gewisse Flächen hin künstliche Wärme erzeugen kann, dann wird man — und das wird schon geschehen, das tadele ich nicht, sondern stelle es Ihnen nur als eine Notwendigkeit hin, als etwas, was in der Zukunft geschehen wird —, dann wird man den Natur- und Elementargeistern das Pflanzenwachstum, vor allem das Getreidewachstum entreißen, man wird nicht nur Wintergärten, nicht nur geheizte Räume für kleinere Pflanzenwachstumsanlagen einrichten, sondern für ganze Getreidefelder, in denen man, den vom Kosmos hereinwirkenden Gesetzen entrissen, das Getreide zu andern Jahreszeiten ziehen wird, als es gewissermaßen von selbst, das heißt, durch die Natur- und Elementargeister wächst. Das aber wird für die Saaten dasselbe sein, wie das, was geschah, als das alte Bewußtsein von dem Sakramentalen der Empfängnis und der Geburten sich verallgemeinert hat über das ganze Jahr. Erforschen, erkunden, wie die geistigen Wesenheiten ebenso wirken können auf den sozial-sakramentalen Zusammenhang, wie sie wirken auf das Aufsprießen und Sprossen der Pflanzen im Frühling und das Zurückgehen im Herbste, das war die Aufgabe solcher Mysterienstätten wie derjenigen, von der ich sagte, daß sie sich in Dänemark befunden und das soziale Leben sakramental geregelt habe. Von da aus hat sich also dasjenige ausgebreitet, was wir noch im 3. Jahrtausend vor dem Mysterium von Golgatha suchen dürfen, dann aber allmählich schwinden und einem andern Platz machen sehen, das kommen mußte; sonst hätte der Mensch sich nicht zum Gebrauch seines Intellekts aufschwingen können. Die Dinge sind notwendig, aber eben ihre Notwendigkeit muß man einsehen, und nicht den Göttern ins Handwerk pfuschen wollen, indem man sagt: Warum haben die Götter nicht dies oder jenes, warum haben es die Götter nicht anders — wobei man immer meint, für den Menschen bequemer — eingerichtet?

[ 11 ] Da also ist von Jütland aus, von Dänemark aus, die Empfänglichkeit für die Jesus-Empfindung ausgegangen. Sehen Sie, es handelt sich darum, nicht nur bei mehr oder weniger wichtigen Anlässen nachzudenken, was geschieht, sondern an die Zusammenhänge zu denken, nur nicht, ich möchte sagen, um die Ecke herum zu denken und zu spintisieren, sondern geradeaus und in Wahrheit zu denken. Spintisieren tun gar viele sehr gern; aber das richtige Denken besteht in dem Zusammendenken der tatsächlichen Ereignisse, und dann zu warten, was daraus kommt, was für einen daraus hervorgeht.

[ 11 ] Da also ist von Jütland aus, von Dänemark aus, die Empfänglichkeit für die Jesus-Empfindung ausgegangen. Sehen Sie, es handelt sich darum, nicht nur bei mehr oder weniger wichtigen Anlässen nachzudenken, was geschieht, sondern an die Zusammenhänge zu denken, nur nicht, ich möchte sagen, um die Ecke herum zu denken und zu spintisieren, sondern geradeaus und in Wahrheit zu denken. Spintisieren tun gar viele sehr gern; aber das richtige Denken besteht in dem Zusammendenken der tatsächlichen Ereignisse, und dann zu warten, was daraus kommt, was für einen daraus hervorgeht.

[ 12 ] Man könnte sich nun in diesen Tagen, nachdem ich das alles auseinandergesetzt habe, folgende Frage vorlegen, und diejenigen unter Ihnen werden in der Seele etwas Richtiges empfunden haben, welche sich diese Frage vorgelegt haben. Und wenn Sie heute sie sich noch nicht vorgelegt haben, so können Sie danach streben, sich gerade solche Fragen für die Zukunft vorzulegen; denn sie sitzen überall, wenn die Voraussetzung gemacht wird, daß nicht nur in dem, was gesagt wird, die Wahrheit liegt, sondern auch in dem, was getan wird. Das Weltenwort, dessen Geburt wir im Weihnachtsmysterium feiern, verstehen wir nur dann recht, wenn wir dieses Weltenwort so allgemein als möglich denken, wenn wir denken, daß dieses Weltenwort wirklich vibriert und wellt in alledem auch, was geschieht, was sich ereignet. Und wenn man die Demut und Hingebung hat, sich selber eingewoben zu fühlen in dem Weltenprozeß, so erkennt man die Zusammenhänge, die da walten.

[ 12 ] Man könnte sich nun in diesen Tagen, nachdem ich das alles auseinandergesetzt habe, folgende Frage vorlegen, und diejenigen unter Ihnen werden in der Seele etwas Richtiges empfunden haben, welche sich diese Frage vorgelegt haben. Und wenn Sie heute sie sich noch nicht vorgelegt haben, so können Sie danach streben, sich gerade solche Fragen für die Zukunft vorzulegen; denn sie sitzen überall, wenn die Voraussetzung gemacht wird, daß nicht nur in dem, was gesagt wird, die Wahrheit liegt, sondern auch in dem, was getan wird. Das Weltenwort, dessen Geburt wir im Weihnachtsmysterium feiern, verstehen wir nur dann recht, wenn wir dieses Weltenwort so allgemein als möglich denken, wenn wir denken, daß dieses Weltenwort wirklich vibriert und wellt in alledem auch, was geschieht, was sich ereignet. Und wenn man die Demut und Hingebung hat, sich selber eingewoben zu fühlen in dem Weltenprozeß, so erkennt man die Zusammenhänge, die da walten.

[ 13 ] Welche Frage konnte sich die Seele vorlegen? So könnte Ihre Seele denken in diesen Tagen: Wir haben nun erfahren, daß in der Gnosis eine bedeutsame Christus-Vorstellung enthalten war; sie ist im Süden verschwunden, sie konnte sich gewissermaßen nicht bis zum Norden bewegen. Ihr ist entgegengekommen die Jesus-Vorstellung, die aber als Empfindung anknüpft an die jütischen Mysterien. Das haben wir nun gesehen.

[ 13 ] Welche Frage konnte sich die Seele vorlegen? So könnte Ihre Seele denken in diesen Tagen: Wir haben nun erfahren, daß in der Gnosis eine bedeutsame Christus-Vorstellung enthalten war; sie ist im Süden verschwunden, sie konnte sich gewissermaßen nicht bis zum Norden bewegen. Ihr ist entgegengekommen die Jesus-Vorstellung, die aber als Empfindung anknüpft an die jütischen Mysterien. Das haben wir nun gesehen.

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[ 14 ] Wenn man dieses erkennt und sich diesen Zusammenhang vor Augen stellt, wäre es da nicht natürlich, daß das Bedürfnis entsteht, dasjenige, was sich nicht hat zusammenfinden können, zusammenzubringen? In der Weltenevolution des Abendlandes hat sich die Christus-Idee mit der Jesus-Idee nicht zusammenfinden können. Daraus muß das Bedürfnis entstehen, die beiden zusammenzuknüpfen.

[ 14 ] Wenn man dieses erkennt und sich diesen Zusammenhang vor Augen stellt, wäre es da nicht natürlich, daß das Bedürfnis entsteht, dasjenige, was sich nicht hat zusammenfinden können, zusammenzubringen? In der Weltenevolution des Abendlandes hat sich die Christus-Idee mit der Jesus-Idee nicht zusammenfinden können. Daraus muß das Bedürfnis entstehen, die beiden zusammenzuknüpfen.

[ 15 ] Die moderne Anthroposophie hat in aller Bescheidenheit diese Aufgabe aufzunehmen. Es ist ihre Angelegenheit, zu versuchen, da das Richtige zu tun und diese Dinge in der Weltkonstellation ein wenig zusammenzuführen. Wenn man also versucht zu schildern, wie die neuere Anthroposophie gewissermaßen als eine in die Neuzeit heraufgehobene Gnosis den Christus wieder versteht, so könnte man diese Christus-Idee zusammenfügen wollen mit dem, was leben kann an einer bestimmten Stelle, wo es als Jesus-Empfindung in so intensiver Weise einstmals gelebt hat, wie ich es Ihnen dargestellt habe. Dann würde man über die Christus-Idee, wie sie sich einfügt in die geistige Führung der Menschheit, zu sprechen versuchen gerade an der Stätte, oder, entsprechend unseren Möglichkeiten, in der Nähe der Stätte, von wo die Jesus-Empfindung ausgestrahlt ist.

[ 15 ] Die moderne Anthroposophie hat in aller Bescheidenheit diese Aufgabe aufzunehmen. Es ist ihre Angelegenheit, zu versuchen, da das Richtige zu tun und diese Dinge in der Weltkonstellation ein wenig zusammenzuführen. Wenn man also versucht zu schildern, wie die neuere Anthroposophie gewissermaßen als eine in die Neuzeit heraufgehobene Gnosis den Christus wieder versteht, so könnte man diese Christus-Idee zusammenfügen wollen mit dem, was leben kann an einer bestimmten Stelle, wo es als Jesus-Empfindung in so intensiver Weise einstmals gelebt hat, wie ich es Ihnen dargestellt habe. Dann würde man über die Christus-Idee, wie sie sich einfügt in die geistige Führung der Menschheit, zu sprechen versuchen gerade an der Stätte, oder, entsprechend unseren Möglichkeiten, in der Nähe der Stätte, von wo die Jesus-Empfindung ausgestrahlt ist.

[ 16 ] Das ist die Antwort, die Sie sich geben können, wenn Sie sich fragen, warum ich vor Jahren auf eine von dort kommende Einladung hin gerade in Kopenhagen den Christus-Wandel durch die geistigen Evolutionen vorgetragen habe. Warum entstand gerade dazumal das Bedürfnis, die Christus-Idee, so wie sie in das Thema «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit» einverwoben werden konnte, an dieser Stätte zu entwickeln? Da ist etwas gesagt, nicht durch die Worte, die gesprochen sind, sondern durch die Konstellation! Auf die Menschen kommt es dann an, solche Dinge zu verstehen. Man braucht sie nicht an die große Glocke zu hängen, sagte ich; aber man kann verstehen, daß nicht nur durch das, was gesagt wird, sondern durch das, was geschieht, Dinge ausgedrückt werden, und daß in diesen Dingen das Weltenwort in einer gewissen Weise lebt.

[ 16 ] Das ist die Antwort, die Sie sich geben können, wenn Sie sich fragen, warum ich vor Jahren auf eine von dort kommende Einladung hin gerade in Kopenhagen den Christus-Wandel durch die geistigen Evolutionen vorgetragen habe. Warum entstand gerade dazumal das Bedürfnis, die Christus-Idee, so wie sie in das Thema «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit» einverwoben werden konnte, an dieser Stätte zu entwickeln? Da ist etwas gesagt, nicht durch die Worte, die gesprochen sind, sondern durch die Konstellation! Auf die Menschen kommt es dann an, solche Dinge zu verstehen. Man braucht sie nicht an die große Glocke zu hängen, sagte ich; aber man kann verstehen, daß nicht nur durch das, was gesagt wird, sondern durch das, was geschieht, Dinge ausgedrückt werden, und daß in diesen Dingen das Weltenwort in einer gewissen Weise lebt.

[ 17 ] Nun scheint es ja heute, daß die Menschheit dem Unrichtigen, dem Bösen, wenn man es in die Weltenkonstellationen hineinstellt, ganz offenbar mehr Gefühl und Empfindung entgegenbringt, als wenn man versucht, das, was im wirklich guten Sinne der Menschheitsentwickelung einverleibt werden soll, auch durch die reale Tatsache zum Ausdrucke zu bringen. Aber man möchte, gerade in der Anknüpfung an so etwas wie das Weihnachtsmysterium, ein Gefühl davon hervorrufen, daß man sich fühlen soll, teilnehmend an der anthroposophischen Bewegung, als in etwas darinnen lebend, was erhaben ist über die bloße äußere Maja, und man möchte, daß ernst genommen würde die Einsicht, daß dasjenige, was auf dem physischen Plan vorgeht, so wie es auf dem physischen Plane vorgeht, eben die Maja und nicht die Wirklichkeit im höheren Sinne ist.

[ 17 ] Nun scheint es ja heute, daß die Menschheit dem Unrichtigen, dem Bösen, wenn man es in die Weltenkonstellationen hineinstellt, ganz offenbar mehr Gefühl und Empfindung entgegenbringt, als wenn man versucht, das, was im wirklich guten Sinne der Menschheitsentwickelung einverleibt werden soll, auch durch die reale Tatsache zum Ausdrucke zu bringen. Aber man möchte, gerade in der Anknüpfung an so etwas wie das Weihnachtsmysterium, ein Gefühl davon hervorrufen, daß man sich fühlen soll, teilnehmend an der anthroposophischen Bewegung, als in etwas darinnen lebend, was erhaben ist über die bloße äußere Maja, und man möchte, daß ernst genommen würde die Einsicht, daß dasjenige, was auf dem physischen Plan vorgeht, so wie es auf dem physischen Plane vorgeht, eben die Maja und nicht die Wirklichkeit im höheren Sinne ist.

[ 18 ] Wenn man also fühlt, daß dasjenige, was hier auf der Erdegeschieht, gewissermaßen, wenn ich mich des christlichen Ausdruckes bedienen darf, auch im «Himmel» geschieht, und daß erst in der Zusammenfügung im menschlichen Geiste, also jetzt für unsere fünfte nachatlantische Zeit im menschlichen Intellekte, die volle Wahrheit liegt, dann betrachtet man erst die volle Wirklichkeit. Sie liegt in der Zusammenfügung dessen, was auf der Erde und im Himmel geschieht. Sonst aber bleibt man in der Maja stecken. Man hat heute so sehr das Bedürfnis, in der Maja steckenzubleiben, weil man im fünften nachatlantischen Zeitraum der Gefahr allzu stark ausgesetzt ist, die Worte für die Sache zu nehmen. Die Worte haben ja vielfach ihre Bedeutung verloren, und unter Bedeutung verstehe ich hier den lebendigen Seelenzusammenhang des Wortes mit der Wirklichkeit, die dem Worte zugrunde liegt. Die Worte sind nur Abbreviaturen geworden, und der Rausch, in dem heute noch viele leben in bezug auf die Worte, ist kein echter mehr, weil nur die Vertiefung in die geistige Welt das, was wir sprechen, echt machen kann. Die Worte werden erst wiederum einen wirklichen Inhalt bekommen, wenn die Menschen sich erfüllen mit einem Wissen von der geistigen Welt. Das alte Wissen ist verlorengegangen, und wir reden heute vielfach so, weil das alte Wissen verlorengegangen ist, wir in der Maja drinnen sind und nur Worte haben. Aber wir müssen wiederum ein geistiges Leben suchen, das den Worten einen Inhalt gibt. Wir leben gewissermaßen in einem Mechanismus der Worte, wie wir äußerlich in einem Mechanismus der Technik nach und nach vollständig die Individualität verlieren und ausgeliefert werden an den äußeren Mechanismus.

[ 18 ] Wenn man also fühlt, daß dasjenige, was hier auf der Erdegeschieht, gewissermaßen, wenn ich mich des christlichen Ausdruckes bedienen darf, auch im «Himmel» geschieht, und daß erst in der Zusammenfügung im menschlichen Geiste, also jetzt für unsere fünfte nachatlantische Zeit im menschlichen Intellekte, die volle Wahrheit liegt, dann betrachtet man erst die volle Wirklichkeit. Sie liegt in der Zusammenfügung dessen, was auf der Erde und im Himmel geschieht. Sonst aber bleibt man in der Maja stecken. Man hat heute so sehr das Bedürfnis, in der Maja steckenzubleiben, weil man im fünften nachatlantischen Zeitraum der Gefahr allzu stark ausgesetzt ist, die Worte für die Sache zu nehmen. Die Worte haben ja vielfach ihre Bedeutung verloren, und unter Bedeutung verstehe ich hier den lebendigen Seelenzusammenhang des Wortes mit der Wirklichkeit, die dem Worte zugrunde liegt. Die Worte sind nur Abbreviaturen geworden, und der Rausch, in dem heute noch viele leben in bezug auf die Worte, ist kein echter mehr, weil nur die Vertiefung in die geistige Welt das, was wir sprechen, echt machen kann. Die Worte werden erst wiederum einen wirklichen Inhalt bekommen, wenn die Menschen sich erfüllen mit einem Wissen von der geistigen Welt. Das alte Wissen ist verlorengegangen, und wir reden heute vielfach so, weil das alte Wissen verlorengegangen ist, wir in der Maja drinnen sind und nur Worte haben. Aber wir müssen wiederum ein geistiges Leben suchen, das den Worten einen Inhalt gibt. Wir leben gewissermaßen in einem Mechanismus der Worte, wie wir äußerlich in einem Mechanismus der Technik nach und nach vollständig die Individualität verlieren und ausgeliefert werden an den äußeren Mechanismus.

[ 19 ] Unsere Aufgabe ist es, dasjenige, was in der geistigen Welt lebt, zusammenzufügen mit dem, was in der physischen Welt lebt. Dazu müssen wir aber mit großem Ernst an die Erfassung der Wirklichkeit gehen. Der Mensch ist in unserer materialistischen Zeit zu sehr gewöhnt worden, nur immer kleine Horizonte zu überschauen und alles im Umfang kleiner Horizonte nur anzuschauen. Er hat sich sogar seine Religion so bequem eingerichtet, daß sie ihm einen kleinen Horizont gibt. Große Horizonte will der Mensch in unserer Zeit gerne vermeiden, will nicht die Dinge beim rechten Namen nennen. Dadurch verstehen die Menschen so schwer, daß ein solches Karma hat zustande kommen können wie dasjenige, das jetzt über Europa hereingebrochen ist. Mindestens will heute jeder solch ein Karma hauptsächlich von einem engen nationalen Standpunkte — wie man das nennt, obwohl darinnen auch viel Unwahrheit steckt — betrachten. Es ist aber ein allgemeines Menschheitskarma zugrunde liegend, das schon jeden einzelnen angeht, das man mit einem einfachen Worte, wenigstens in bezug auf einen Punkt — es gibt allerdings viele Punkte — aussprechen kann. Aber man hat ein Bestreben, vorbeizugehen gerade an dem, worauf es ankommt: es kommt an auf die Flucht vor der Wahrheit, in welche die Seelen heute verfallen sind! Die Seelen fliehen die Wahrheit förmlich, sie haben einen furchtbaren Abscheu, die Wahrheit in aller Stärke und aller Intensität aufzufassen.

[ 19 ] Unsere Aufgabe ist es, dasjenige, was in der geistigen Welt lebt, zusammenzufügen mit dem, was in der physischen Welt lebt. Dazu müssen wir aber mit großem Ernst an die Erfassung der Wirklichkeit gehen. Der Mensch ist in unserer materialistischen Zeit zu sehr gewöhnt worden, nur immer kleine Horizonte zu überschauen und alles im Umfang kleiner Horizonte nur anzuschauen. Er hat sich sogar seine Religion so bequem eingerichtet, daß sie ihm einen kleinen Horizont gibt. Große Horizonte will der Mensch in unserer Zeit gerne vermeiden, will nicht die Dinge beim rechten Namen nennen. Dadurch verstehen die Menschen so schwer, daß ein solches Karma hat zustande kommen können wie dasjenige, das jetzt über Europa hereingebrochen ist. Mindestens will heute jeder solch ein Karma hauptsächlich von einem engen nationalen Standpunkte — wie man das nennt, obwohl darinnen auch viel Unwahrheit steckt — betrachten. Es ist aber ein allgemeines Menschheitskarma zugrunde liegend, das schon jeden einzelnen angeht, das man mit einem einfachen Worte, wenigstens in bezug auf einen Punkt — es gibt allerdings viele Punkte — aussprechen kann. Aber man hat ein Bestreben, vorbeizugehen gerade an dem, worauf es ankommt: es kommt an auf die Flucht vor der Wahrheit, in welche die Seelen heute verfallen sind! Die Seelen fliehen die Wahrheit förmlich, sie haben einen furchtbaren Abscheu, die Wahrheit in aller Stärke und aller Intensität aufzufassen.

[ 20 ] Nehmen Sie das Folgende: Wir haben uns allmählich im Laufe der Zeit eine Art Überblick verschafft über die Entwickelung der Menschheit, wir wissen zu beurteilen, daß in einem gewissen Zeitabschnitte der Entwickelung der Menschheit Kriege aufgekommen sind, Kriege dasjenige waren, wovon die Menschheit gewissermaßen ergriffen worden ist. Aber es war die Zeit, in welcher die Menschen an Kriege geglaubt haben. Was heißt denn das: Es war die Zeit, in welcher die Menschen an Kriege geglaubt haben? — Was heißt: Glauben an Kriege? Nun, das Glauben an Kriege ist sehr ähnlich dem Glauben an das Duell, an den Zweikampf. Wann aber hat das Duell, der Zweikampf einen wahren Sinn? Nur dann, wenn diejenigen, die zum Duell sich stellen, der vollen inneren Überzeugung sind, daß nicht ein Zufall, sondern die Götter entscheiden. Sind diejenigen, die zum Duell antreten, des vollen Glaubens, daß derjenige, der getötet oder verwundet wird, diesen Tod oder diese Verwundung erhalten hat deshalb, weil ein Gott gegen ihn entschieden hat, dann ist Wahrheit im Duell. Keine Wahrheit ist im Duell, wenn man diese Überzeugung nicht hat; dann ist das Duell eine reale Lüge, selbstverständlich. So aber ist es auch mit dem Krieg. Wenn die Menschen, die zu den Völkern gehören, überzeugt sein können davon, den Glauben haben, daß die Entscheidung, die durch den Krieg herbeigeführt wird, eine göttliche ist, daß Göttliches waltet in dem, was geschieht, dann herrscht eine Wahrheit in dem, was als Kriegshandlung geschieht. Dann müssen aber diejenigen, die daran beteiligt sind, einen Sinn verbinden können mit dem Worte: ein Gottesurteil wird sich vollziehen.

[ 20 ] Nehmen Sie das Folgende: Wir haben uns allmählich im Laufe der Zeit eine Art Überblick verschafft über die Entwickelung der Menschheit, wir wissen zu beurteilen, daß in einem gewissen Zeitabschnitte der Entwickelung der Menschheit Kriege aufgekommen sind, Kriege dasjenige waren, wovon die Menschheit gewissermaßen ergriffen worden ist. Aber es war die Zeit, in welcher die Menschen an Kriege geglaubt haben. Was heißt denn das: Es war die Zeit, in welcher die Menschen an Kriege geglaubt haben? — Was heißt: Glauben an Kriege? Nun, das Glauben an Kriege ist sehr ähnlich dem Glauben an das Duell, an den Zweikampf. Wann aber hat das Duell, der Zweikampf einen wahren Sinn? Nur dann, wenn diejenigen, die zum Duell sich stellen, der vollen inneren Überzeugung sind, daß nicht ein Zufall, sondern die Götter entscheiden. Sind diejenigen, die zum Duell antreten, des vollen Glaubens, daß derjenige, der getötet oder verwundet wird, diesen Tod oder diese Verwundung erhalten hat deshalb, weil ein Gott gegen ihn entschieden hat, dann ist Wahrheit im Duell. Keine Wahrheit ist im Duell, wenn man diese Überzeugung nicht hat; dann ist das Duell eine reale Lüge, selbstverständlich. So aber ist es auch mit dem Krieg. Wenn die Menschen, die zu den Völkern gehören, überzeugt sein können davon, den Glauben haben, daß die Entscheidung, die durch den Krieg herbeigeführt wird, eine göttliche ist, daß Göttliches waltet in dem, was geschieht, dann herrscht eine Wahrheit in dem, was als Kriegshandlung geschieht. Dann müssen aber diejenigen, die daran beteiligt sind, einen Sinn verbinden können mit dem Worte: ein Gottesurteil wird sich vollziehen.

[ 21 ] Nun, fragen Sie sich selber, ob in einem solchen Worte heute Wahrheit liegt! Sie brauchen nur die Frage zu stellen: Glauben die Menschen daran, daß in den Kriegshandlungen heute sich Gottesurteile aussprechen? Glauben die Menschen daran? Fragen Sie sich, wie viele daran glauben, das Göttliche entscheide! — aber ich meine, ehrlich daran glauben; denn unter den verschiedenen Lügen, welche die Welt heute durchschwirren, ist ja auch diese, die in dem Anrufen der Götter oder des Gottes liegt, von allen Seiten, selbstverständlich. Aber ein wirklicher Glaube in dem Sinne, daß ein Gottesurteil sich vollzieht, kann selbstverständlich in diesem materialistischen Zeitalter nicht vorhanden sein. Man muß also ernst und würdig die Sache ansehen und sich sagen: Man vollzieht eigentlich etwas, an dessen innere Realität man nicht glaubt. Man glaubt nicht an die innere Realität, und man glaubt um so weniger an diese innere Realität, je weiter man nach dem europäischen Westen kommt — mit Recht, denn je weiter man nach dem europäischen Westen kommt, desto mehr hat dieser europäische Westen die Aufgabe, gerade für die fünfte nachatlantische Periode den Materialismus zu liefern.

[ 21 ] Nun, fragen Sie sich selber, ob in einem solchen Worte heute Wahrheit liegt! Sie brauchen nur die Frage zu stellen: Glauben die Menschen daran, daß in den Kriegshandlungen heute sich Gottesurteile aussprechen? Glauben die Menschen daran? Fragen Sie sich, wie viele daran glauben, das Göttliche entscheide! — aber ich meine, ehrlich daran glauben; denn unter den verschiedenen Lügen, welche die Welt heute durchschwirren, ist ja auch diese, die in dem Anrufen der Götter oder des Gottes liegt, von allen Seiten, selbstverständlich. Aber ein wirklicher Glaube in dem Sinne, daß ein Gottesurteil sich vollzieht, kann selbstverständlich in diesem materialistischen Zeitalter nicht vorhanden sein. Man muß also ernst und würdig die Sache ansehen und sich sagen: Man vollzieht eigentlich etwas, an dessen innere Realität man nicht glaubt. Man glaubt nicht an die innere Realität, und man glaubt um so weniger an diese innere Realität, je weiter man nach dem europäischen Westen kommt — mit Recht, denn je weiter man nach dem europäischen Westen kommt, desto mehr hat dieser europäische Westen die Aufgabe, gerade für die fünfte nachatlantische Periode den Materialismus zu liefern.

[ 22 ] Aber anders schon werden die Dinge, wenn man weiter gegen den Osten geht. Ich bin nicht gewohnt, in solchen Dingen theoretisch zu konstruieren oder leichten Herzens irgend etwas auszusprechen, sondern wenn ich etwas ausspreche, so liegen dem gute Tatsachen zugrunde. Sie können schon heute die Entdeckung machen, die eine merkwürdige Entdeckung ist: Kommen Sie aus dem Westen nach Mitteleuropa, so tritt nachweisbar sporadisch schon in Mitteleuropa der Glaube auf, daß ein Gottesurteil sich vollziehen kann. Das können Sie bemerken: Im Westen kann es das nicht geben, wenn sie es nicht von Mitteleuropa importiert haben, aber in Mitteleuropa tritt bei einzelnen Menschen gewissermaßen eine Art Schicksalsglaube auf, und das Wort «Gottesurteil» fällt. Und kommen wir ganz nach dem Osten, wo sich die Zukunft vorbereitet, da werden Sie natürlich zahlreiche Menschen finden, welche in den kommenden Entscheidungen Gottesurteile sehen. Denn der russische Mensch wird nicht wie der Mensch des Westens heute fern davon sein, ein Gottesurteil zu sehen in dem, was sich vollzieht.

[ 22 ] Aber anders schon werden die Dinge, wenn man weiter gegen den Osten geht. Ich bin nicht gewohnt, in solchen Dingen theoretisch zu konstruieren oder leichten Herzens irgend etwas auszusprechen, sondern wenn ich etwas ausspreche, so liegen dem gute Tatsachen zugrunde. Sie können schon heute die Entdeckung machen, die eine merkwürdige Entdeckung ist: Kommen Sie aus dem Westen nach Mitteleuropa, so tritt nachweisbar sporadisch schon in Mitteleuropa der Glaube auf, daß ein Gottesurteil sich vollziehen kann. Das können Sie bemerken: Im Westen kann es das nicht geben, wenn sie es nicht von Mitteleuropa importiert haben, aber in Mitteleuropa tritt bei einzelnen Menschen gewissermaßen eine Art Schicksalsglaube auf, und das Wort «Gottesurteil» fällt. Und kommen wir ganz nach dem Osten, wo sich die Zukunft vorbereitet, da werden Sie natürlich zahlreiche Menschen finden, welche in den kommenden Entscheidungen Gottesurteile sehen. Denn der russische Mensch wird nicht wie der Mensch des Westens heute fern davon sein, ein Gottesurteil zu sehen in dem, was sich vollzieht.

[ 23 ] Diesen Dingen muß man mit aller Objektivität ins Auge schauen. Dann nur ist man wahr, dann nur verbindet man mit den Worten heute einen Sinn. Das aber ist die Aufgabe der Menschheit, daß sie wiederum lerne, mit den Worten einen Sinn zu verbinden.

[ 23 ] Diesen Dingen muß man mit aller Objektivität ins Auge schauen. Dann nur ist man wahr, dann nur verbindet man mit den Worten heute einen Sinn. Das aber ist die Aufgabe der Menschheit, daß sie wiederum lerne, mit den Worten einen Sinn zu verbinden.

[ 24 ] Ich habe Sie vor einiger Zeit darauf aufmerksam gemacht, wie heute geradezu, ich möchte sagen, religiös gezüchtet wird die Gedanken- und Empfindungslosigkeit, indem man nicht wissen will, daß die modernen Religionen, indem sie von «Gott» sprechen, eigentlich nur von einem Engelwesen, von einem Angelos sprechen. Wenn der moderne Mensch «Gott» sagt, meint er nur seinen Engel, denjenigen Engel, der ihn durchs Leben weist. Und er redet sich bloß ein, daß er von einem höheren Wesen als einem Engelwesen spricht. Die Maja ist, daß der heutige Monotheismus von einem einzigen Gotte spricht, die Wirklichkeit, vom geistigen Gesichtspunkte angesehen, ist, daß im Grunde genommen die Menschheit die Tendenz hat, von so viel Göttern zu sprechen, als es Menschen auf der Erde gibt, weil jeder nur von seinem Engel spricht. Also die absoluteste Vielgötterei ist diejenige, die sich unter der Maske des Monotheismus verbirgt, daher auch die modernsten Religionen vor der Gefahr stehen, sich zu atomisieren, indem jeder nur seine Gottesidee vertritt, seinen Standpunkt. Woher kommt das? Das kommt daher, daß wir heute, im fünften nachatlantischen Zeitraum, isoliert stehen von der geistigen Welt. Das Bewußtsein ist nur in der Menschheitssphäre.

[ 24 ] Ich habe Sie vor einiger Zeit darauf aufmerksam gemacht, wie heute geradezu, ich möchte sagen, religiös gezüchtet wird die Gedanken- und Empfindungslosigkeit, indem man nicht wissen will, daß die modernen Religionen, indem sie von «Gott» sprechen, eigentlich nur von einem Engelwesen, von einem Angelos sprechen. Wenn der moderne Mensch «Gott» sagt, meint er nur seinen Engel, denjenigen Engel, der ihn durchs Leben weist. Und er redet sich bloß ein, daß er von einem höheren Wesen als einem Engelwesen spricht. Die Maja ist, daß der heutige Monotheismus von einem einzigen Gotte spricht, die Wirklichkeit, vom geistigen Gesichtspunkte angesehen, ist, daß im Grunde genommen die Menschheit die Tendenz hat, von so viel Göttern zu sprechen, als es Menschen auf der Erde gibt, weil jeder nur von seinem Engel spricht. Also die absoluteste Vielgötterei ist diejenige, die sich unter der Maske des Monotheismus verbirgt, daher auch die modernsten Religionen vor der Gefahr stehen, sich zu atomisieren, indem jeder nur seine Gottesidee vertritt, seinen Standpunkt. Woher kommt das? Das kommt daher, daß wir heute, im fünften nachatlantischen Zeitraum, isoliert stehen von der geistigen Welt. Das Bewußtsein ist nur in der Menschheitssphäre.

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[ 25 ] Im vierten nachatlantischen Zeitraum reichte das Bewußtsein der Menschen noch etwas hinauf in die geistige Sphäre, nämlich bis in die Region der Angeloi, und im dritten nachatlantischen Zeitraum in die Region der Archangeloi. Nur in diesem dritten Zeitraum aber konnte dasjenige entstehen, was ich Ihnen erzählt habe von den jütischen, von den dänischen Mysterien. Was war das für ein Wesen, das jeder einzelnen Mutter das kommende Kind ankündigte? Dasselbe Wesen, von dem auch im Lukas-Evangelium erzählt wird — ein Erzengel, ein Wesen aus der Region der Archangeloi. Derjenige, der nur aufblickt bis zu den Angeloi und einen aus der Sphäre der Angeloi seinen Gott nennt gleichgültig, ob er glaubt, daß das der Allgott ist, auf die Wirklichkeit kommt es an und nicht auf den Glauben —, der kann nicht mehr einen Zusammenhang finden, der über die Zeit zwischen der Geburt und dem Tode des Menschen hinausgeht in diejenige Region, die heute verdeckt ist von der äußeren Maja. Im dritten nachatlantischen Zeitraum konnte er jedoch noch in die Region der Erzengel hinaufblicken, da war ein lebendiger Zusammenhang noch da. Im zweiten nachatlantischen, urpersischen Zeitraum stand dasjenige, was dem Bewußtsein der Menschen offen war, auch noch mit den Archai in Zusammenhang, da fühlte sich der Mensch gar nicht in dem drinnen, was man heute Natur nennt, sondern in einer geistigen Welt. Licht und Finsternis waren da noch nicht die äußeren materiellen Vorgänge, sondern geistige Vorgänge, und in der ursprünglichen Zarathustra-Religion im zweiten nachatlantischen Zeitraum war es so.

[ 25 ] Im vierten nachatlantischen Zeitraum reichte das Bewußtsein der Menschen noch etwas hinauf in die geistige Sphäre, nämlich bis in die Region der Angeloi, und im dritten nachatlantischen Zeitraum in die Region der Archangeloi. Nur in diesem dritten Zeitraum aber konnte dasjenige entstehen, was ich Ihnen erzählt habe von den jütischen, von den dänischen Mysterien. Was war das für ein Wesen, das jeder einzelnen Mutter das kommende Kind ankündigte? Dasselbe Wesen, von dem auch im Lukas-Evangelium erzählt wird — ein Erzengel, ein Wesen aus der Region der Archangeloi. Derjenige, der nur aufblickt bis zu den Angeloi und einen aus der Sphäre der Angeloi seinen Gott nennt gleichgültig, ob er glaubt, daß das der Allgott ist, auf die Wirklichkeit kommt es an und nicht auf den Glauben —, der kann nicht mehr einen Zusammenhang finden, der über die Zeit zwischen der Geburt und dem Tode des Menschen hinausgeht in diejenige Region, die heute verdeckt ist von der äußeren Maja. Im dritten nachatlantischen Zeitraum konnte er jedoch noch in die Region der Erzengel hinaufblicken, da war ein lebendiger Zusammenhang noch da. Im zweiten nachatlantischen, urpersischen Zeitraum stand dasjenige, was dem Bewußtsein der Menschen offen war, auch noch mit den Archai in Zusammenhang, da fühlte sich der Mensch gar nicht in dem drinnen, was man heute Natur nennt, sondern in einer geistigen Welt. Licht und Finsternis waren da noch nicht die äußeren materiellen Vorgänge, sondern geistige Vorgänge, und in der ursprünglichen Zarathustra-Religion im zweiten nachatlantischen Zeitraum war es so.

[ 26 ] Sie sehen, der Mensch ist allmählich herabgestiegen. Im zweiten nachatlantischen Zeitraum ragte sein Bewußtsein noch empor bis in die Region der Archai, da konnte er sich noch sagen: Ich als Mensch bin nicht nur die aus Muskeln und Fleisch bestehende Gliederpuppe, wie es die heutigen Anatomen und Physiologen und Biologen behaupten, sondern ich bin ein Wesen, das man gar nicht verstehen kann, wenn man es nicht im Geistzusammenhange betrachtet, wenn man es nicht betrachtet im lebendigen Weben von Licht und Finsternis drinnen; denn dem Weben von Licht und Finsternis gehöre ich an.

[ 26 ] Sie sehen, der Mensch ist allmählich herabgestiegen. Im zweiten nachatlantischen Zeitraum ragte sein Bewußtsein noch empor bis in die Region der Archai, da konnte er sich noch sagen: Ich als Mensch bin nicht nur die aus Muskeln und Fleisch bestehende Gliederpuppe, wie es die heutigen Anatomen und Physiologen und Biologen behaupten, sondern ich bin ein Wesen, das man gar nicht verstehen kann, wenn man es nicht im Geistzusammenhange betrachtet, wenn man es nicht betrachtet im lebendigen Weben von Licht und Finsternis drinnen; denn dem Weben von Licht und Finsternis gehöre ich an.

[ 27 ] Dann kam der dritte nachatlantische Zeitraum. Das Natürliche ergriff schon den Menschen, wie es an ihm selber ist; denn die Vorgänge von Geburt und Tod verknüpfen das Seelenleben des Menschen mit dem Natürlichen. Es sind Naturvorgänge für die äußerliche Maja. Geburt, Empfängnis, Tod, sind Naturvorgänge für die äußerliche Maja. Sie sind erst geistige Vorgänge, wenn man hinaufblickt dorthin, wo eben in diese Naturvorgänge die geistige Wirklichkeit eingreift, das ist in der Region der Archangeloi. Diesen Zusammenhang erblickte man aber in der dritten nachatlantischen Zeit.

[ 27 ] Dann kam der dritte nachatlantische Zeitraum. Das Natürliche ergriff schon den Menschen, wie es an ihm selber ist; denn die Vorgänge von Geburt und Tod verknüpfen das Seelenleben des Menschen mit dem Natürlichen. Es sind Naturvorgänge für die äußerliche Maja. Geburt, Empfängnis, Tod, sind Naturvorgänge für die äußerliche Maja. Sie sind erst geistige Vorgänge, wenn man hinaufblickt dorthin, wo eben in diese Naturvorgänge die geistige Wirklichkeit eingreift, das ist in der Region der Archangeloi. Diesen Zusammenhang erblickte man aber in der dritten nachatlantischen Zeit.

[ 28 ] Dann allmählich wurde für den Menschen die Natur selber gewissermaßen eine Wirklichkeit — von der vierten nachatlantischen Zeit an. Vorher hat man von einer Natur in dem Sinne, wie wir heute von Natur sprechen, gar nicht gesprochen. Der Mensch mußte heraustreten aus der geistigen Welt und gewissermaßen abgesondert von der geistigen Welt mit der Natur allein sein. Es mußte ihm aber durch ein Ereignis die Möglichkeit gegeben werden, sich wieder anzuknüpfen an die geistige Welt. Das Göttliche ist ihm einstmals in der zweiten nachatlantischen Periode in der Region der Archai erschienen, in der dritten in der Region der Archangeloi, in der vierten in der Region der Angeloi. In der fünften muß er es als Mensch erkennen, nachdem es sich vorbereitet hat, da es als Mensch erschienen ist mitten in der vierten nachatlantischen Periode — in dem Christus. Das heißt, der Christus muß immer besser und besser verstanden werden, verstanden werden in seinem Zusammenhange mit dem Menschen. Denn der Christus ist deshalb als Mensch erschienen, damit der Mensch seinen Menschheitszusammenhang mit dem Christus finden kann. Solches muß man sich besonders klarmachen im Zusammenhange mit dem Weihnachtsmysterium: Der Menschheitszusammenhang mit der geistigen Welt muß gefunden werden, so wie er einem entgegentreten kann, nachdem die Menschheit aus der geistigen Welt herausgetreten ist, um in der Natur zu leben. Als Tatsache hat sich das vorbereitet im vierten nachatlantischen Zeitraum. Verstanden muß es aber erstwerden im fünften nachatlantischen Zeitraum, wirklich verstanden muß es da werden!

[ 28 ] Dann allmählich wurde für den Menschen die Natur selber gewissermaßen eine Wirklichkeit — von der vierten nachatlantischen Zeit an. Vorher hat man von einer Natur in dem Sinne, wie wir heute von Natur sprechen, gar nicht gesprochen. Der Mensch mußte heraustreten aus der geistigen Welt und gewissermaßen abgesondert von der geistigen Welt mit der Natur allein sein. Es mußte ihm aber durch ein Ereignis die Möglichkeit gegeben werden, sich wieder anzuknüpfen an die geistige Welt. Das Göttliche ist ihm einstmals in der zweiten nachatlantischen Periode in der Region der Archai erschienen, in der dritten in der Region der Archangeloi, in der vierten in der Region der Angeloi. In der fünften muß er es als Mensch erkennen, nachdem es sich vorbereitet hat, da es als Mensch erschienen ist mitten in der vierten nachatlantischen Periode — in dem Christus. Das heißt, der Christus muß immer besser und besser verstanden werden, verstanden werden in seinem Zusammenhange mit dem Menschen. Denn der Christus ist deshalb als Mensch erschienen, damit der Mensch seinen Menschheitszusammenhang mit dem Christus finden kann. Solches muß man sich besonders klarmachen im Zusammenhange mit dem Weihnachtsmysterium: Der Menschheitszusammenhang mit der geistigen Welt muß gefunden werden, so wie er einem entgegentreten kann, nachdem die Menschheit aus der geistigen Welt herausgetreten ist, um in der Natur zu leben. Als Tatsache hat sich das vorbereitet im vierten nachatlantischen Zeitraum. Verstanden muß es aber erstwerden im fünften nachatlantischen Zeitraum, wirklich verstanden muß es da werden!

[ 29 ] Und die Menschen müssen sich dazu hinfinden, die Christus-Tatsache zu verstehen, sie zu verstehen im Zusammenhange mit der ganzen geistigen Welt. Was versteht man alles nicht an dem Christus heute, und was versteht man alles nicht an dem Jesus, aus welchen zwei Bestandteilen sich das Verständnis des Christus Jesus eben zusammensetzt! Wer den historischen Zusammenhang betrachtet, kann einsehen, daß mit dem Ausrotten der Gnosis verschwunden ist das ChristusVerständnis. Wer den Mysterienzusammenhang, wie er sich dann im Baldur-Mythus ausspricht, ins Auge faßt, kann verstehen, wie ausgerottet worden ist die Jesus-Empfindung.

[ 29 ] Und die Menschen müssen sich dazu hinfinden, die Christus-Tatsache zu verstehen, sie zu verstehen im Zusammenhange mit der ganzen geistigen Welt. Was versteht man alles nicht an dem Christus heute, und was versteht man alles nicht an dem Jesus, aus welchen zwei Bestandteilen sich das Verständnis des Christus Jesus eben zusammensetzt! Wer den historischen Zusammenhang betrachtet, kann einsehen, daß mit dem Ausrotten der Gnosis verschwunden ist das ChristusVerständnis. Wer den Mysterienzusammenhang, wie er sich dann im Baldur-Mythus ausspricht, ins Auge faßt, kann verstehen, wie ausgerottet worden ist die Jesus-Empfindung.

[ 30 ] Aber man kann auch, wenn man wahr bleibt, an den Zusammenhängen der Gegenwart erkennen, daß sich im äußeren Leben das bestätigt, was so aus der Historie herausgeholt wird. Denn man muß immer wieder darauf hinweisen: Wie viele Vertreter der heutigen Religion glauben in ihrem Herzen, nicht bloß mit ihren Lippen, sondern in ihrem Herzen an die wirkliche Auferstehung — sie können ja nur glauben, wenn sie sie begreifen —, an das Ostergeheimnis? Wie viele Priester? Die modernen Priester und Pfarrer sehen schon ihre ganze Aufgeklärtheit darin, daß sie das Ostergeheimnis, das Auferstehungsgeheimnis wegleugnen, es irgendwie wegdiskutieren, wegsophistizieren; und wenn sie irgendeinen Grund finden, nicht daran glauben zu müssen, so sind sie ungeheuer froh.

[ 30 ] Aber man kann auch, wenn man wahr bleibt, an den Zusammenhängen der Gegenwart erkennen, daß sich im äußeren Leben das bestätigt, was so aus der Historie herausgeholt wird. Denn man muß immer wieder darauf hinweisen: Wie viele Vertreter der heutigen Religion glauben in ihrem Herzen, nicht bloß mit ihren Lippen, sondern in ihrem Herzen an die wirkliche Auferstehung — sie können ja nur glauben, wenn sie sie begreifen —, an das Ostergeheimnis? Wie viele Priester? Die modernen Priester und Pfarrer sehen schon ihre ganze Aufgeklärtheit darin, daß sie das Ostergeheimnis, das Auferstehungsgeheimnis wegleugnen, es irgendwie wegdiskutieren, wegsophistizieren; und wenn sie irgendeinen Grund finden, nicht daran glauben zu müssen, so sind sie ungeheuer froh.

[ 31 ] Zunächst ist die Christus-Idee, die untrennbar ist von dem Auferstehungsgeheimnis, verdogmatisiert worden; dann aber ist sie allmählich in die Diskussion verfallen, und die Tendenz besteht, das Auferstehungsmysterium vollständig fallen zu lassen. Aber auch das Geburtsmysterium will man nicht verstehen. Man will sich nicht einlassen darauf, weil man es in seiner ganzen Tiefe, eben in seinem Mysteriencharakter, nicht mehr gelten lassen will. Man will es nur in seinem animalen Charakter gelten lassen; man will sich nicht bewußt sein, daß etwas Geistiges herabsteigt. Im dritten nachatlantischen Zeitraum haben die Menschen noch dieses Geistige herabsteigen sehen, aber mit einer andern Bewußtseinslage. Weder Geburt noch Tod des Christus Jesus will eigentlich dasjenige, was man moderne Religion, modernes Christentum nennt, noch verstehen. Einige wollen noch dogmatisch daran glauben, daran festhalten; aber ein Verständnis dieser Dinge, das über den bloßen Wortschall hinausgeht, ist heute nur durch Geisteswissenschaft möglich. Dazu ist es aber notwendig, den Horizont des Begreifens zu erweitern. Aber es besteht ein Fliehen der Wahrheit, man flieht förmlich dasjenige, was zum Verstehen der Dinge führen kann.

[ 31 ] Zunächst ist die Christus-Idee, die untrennbar ist von dem Auferstehungsgeheimnis, verdogmatisiert worden; dann aber ist sie allmählich in die Diskussion verfallen, und die Tendenz besteht, das Auferstehungsmysterium vollständig fallen zu lassen. Aber auch das Geburtsmysterium will man nicht verstehen. Man will sich nicht einlassen darauf, weil man es in seiner ganzen Tiefe, eben in seinem Mysteriencharakter, nicht mehr gelten lassen will. Man will es nur in seinem animalen Charakter gelten lassen; man will sich nicht bewußt sein, daß etwas Geistiges herabsteigt. Im dritten nachatlantischen Zeitraum haben die Menschen noch dieses Geistige herabsteigen sehen, aber mit einer andern Bewußtseinslage. Weder Geburt noch Tod des Christus Jesus will eigentlich dasjenige, was man moderne Religion, modernes Christentum nennt, noch verstehen. Einige wollen noch dogmatisch daran glauben, daran festhalten; aber ein Verständnis dieser Dinge, das über den bloßen Wortschall hinausgeht, ist heute nur durch Geisteswissenschaft möglich. Dazu ist es aber notwendig, den Horizont des Begreifens zu erweitern. Aber es besteht ein Fliehen der Wahrheit, man flieht förmlich dasjenige, was zum Verstehen der Dinge führen kann.

[ 32 ] Nur die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft ist imstande, aus sich selbst heraus, nicht durch ein historisches Aufwärmen, gewisse Begriffe wiederum zu schaffen, die jetzt voll bewußt und nicht mehr atavistisch da sein werden, die einmal aber atavistisch da waren, Begriffe, für die der heutige Mensch eigentlich gar keine so rechte Empfindung mehr hat. Und da erinnern Sie sich an etwas, wovon ich gestern gesprochen habe. Ich sagte Ihnen, mit der ganzen sozialen Einrichtung, von der ich im Zusammenhange mit den jütischen Mysterien gesprochen habe, hängt das Königtum der alten europäischen Stämme zusammen. DasjenigeKind wurde als determiniert für dieKönigswürde angesehen, das im dritten Jahr zuerst nach der Heiligen Nacht geboren worden ist. Das wurde in dieser Weise, wie ich es gestern angedeutet habe, zur Königswürde vorbereitet, und aus ihm wurde der Mensch, der dann drei Jahre König sein konnte. Da war er in dem Stadium, von dem ich Ihnen sagte: Er wuchs heraus aus dem Nationalen, das heißt aus dem Zusammenhang mit seinem Stamme. — Der fünfte Grad, der bei den Persern «Perser» hieß, bei jedem Stamm den Namen des betreffenden Stammes hatte, der stand noch drinnen in der Gruppe; der «Sonnenheld», der sechste Grad — und mit dem Mysterium des «Sonnenhelden» mußte derjenige durchdrungen sein, der drei Jahre König sein durfte in jener Zeit —, der mußte herausgewachsen sein aus dem Stammes-, aus dem Gruppenzusammenhang, mußte im Menschheitszusammenhang drinnenstehen. Aber er konnte das nur dadurch, daß er nicht in einem bloß irdischen Zusammenhang stand, sondern in einem kosmischen Zusammenhange drinnenstand, eben «Sonnenheld» war, das heißt, in dem lebte, das nicht bloß von irdischen Gesetzen beherrscht war, sondern von denjenigen Gesetzen, in die auch die Sonne eingesponnen ist. Unter der Berührung aber mit dem Irdischen, die unbedingt eintritt, wenn der Mensch Irdisches verrichten soll, vollzieht sich ein gewisser Prozeß. Diesen Prozeß soll man anerkennen. Denn durch die Anerkennung dieses Prozesses bekommt man das Verständnis für gewisse Übergänge, für gewisse Dinge, die man einsehen muß, wenn man die Wirklichkeit einsehen will.

[ 32 ] Nur die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft ist imstande, aus sich selbst heraus, nicht durch ein historisches Aufwärmen, gewisse Begriffe wiederum zu schaffen, die jetzt voll bewußt und nicht mehr atavistisch da sein werden, die einmal aber atavistisch da waren, Begriffe, für die der heutige Mensch eigentlich gar keine so rechte Empfindung mehr hat. Und da erinnern Sie sich an etwas, wovon ich gestern gesprochen habe. Ich sagte Ihnen, mit der ganzen sozialen Einrichtung, von der ich im Zusammenhange mit den jütischen Mysterien gesprochen habe, hängt das Königtum der alten europäischen Stämme zusammen. DasjenigeKind wurde als determiniert für dieKönigswürde angesehen, das im dritten Jahr zuerst nach der Heiligen Nacht geboren worden ist. Das wurde in dieser Weise, wie ich es gestern angedeutet habe, zur Königswürde vorbereitet, und aus ihm wurde der Mensch, der dann drei Jahre König sein konnte. Da war er in dem Stadium, von dem ich Ihnen sagte: Er wuchs heraus aus dem Nationalen, das heißt aus dem Zusammenhang mit seinem Stamme. — Der fünfte Grad, der bei den Persern «Perser» hieß, bei jedem Stamm den Namen des betreffenden Stammes hatte, der stand noch drinnen in der Gruppe; der «Sonnenheld», der sechste Grad — und mit dem Mysterium des «Sonnenhelden» mußte derjenige durchdrungen sein, der drei Jahre König sein durfte in jener Zeit —, der mußte herausgewachsen sein aus dem Stammes-, aus dem Gruppenzusammenhang, mußte im Menschheitszusammenhang drinnenstehen. Aber er konnte das nur dadurch, daß er nicht in einem bloß irdischen Zusammenhang stand, sondern in einem kosmischen Zusammenhange drinnenstand, eben «Sonnenheld» war, das heißt, in dem lebte, das nicht bloß von irdischen Gesetzen beherrscht war, sondern von denjenigen Gesetzen, in die auch die Sonne eingesponnen ist. Unter der Berührung aber mit dem Irdischen, die unbedingt eintritt, wenn der Mensch Irdisches verrichten soll, vollzieht sich ein gewisser Prozeß. Diesen Prozeß soll man anerkennen. Denn durch die Anerkennung dieses Prozesses bekommt man das Verständnis für gewisse Übergänge, für gewisse Dinge, die man einsehen muß, wenn man die Wirklichkeit einsehen will.

[ 33 ] Nehmen wir an, man hätte einen Menschen, der in diesen alten Zeiten zum Stamm der Ingävonen gehört hat, einen Ingävonen genannt; den «Sonnenhelden», der drei Jahre regierte, konnte man keinen Ingävonen nennen, denn er war aus seinem Stamm herausgewachsen. Man wäre nicht wahr gewesen, wenn man den «Sonnenhelden» einen Ingävonen genannt hätte; er ist etwas anderes geworden. Sehen Sie, was für ein feiner Begriff dadurch mit einer irdischen Realität verbunden war dadurch, daß man das Hereinstrahlen des Geistigen fühlte.

[ 33 ] Nehmen wir an, man hätte einen Menschen, der in diesen alten Zeiten zum Stamm der Ingävonen gehört hat, einen Ingävonen genannt; den «Sonnenhelden», der drei Jahre regierte, konnte man keinen Ingävonen nennen, denn er war aus seinem Stamm herausgewachsen. Man wäre nicht wahr gewesen, wenn man den «Sonnenhelden» einen Ingävonen genannt hätte; er ist etwas anderes geworden. Sehen Sie, was für ein feiner Begriff dadurch mit einer irdischen Realität verbunden war dadurch, daß man das Hereinstrahlen des Geistigen fühlte.

[ 34 ] Wem wird denn in der heutigen Zeit, die mit Worten nur spielt, statt sich an Begriffe zu halten, wem wird denn in unserer heutigen Zeit zum Beispiel einfallen, daß der Papst nur mit Unrecht ein Christ genannt wird, weil es paradox ist, den Papst einen Christen zu nennen, geradeso wie es paradox wäre, den König der Ingävonen einen Ingävonen zu nennen? Wenn der Papst wirklich ein «Papst» sein will, das heißt, drinnenstehen soll im wirklichen geistigen Prozesse, so müßte er gar nicht als Christ aufgenommen werden. Wir können nur dadurch Christen sein, daß der Papst kein Christ ist: das wäre die Wahrheit.

[ 34 ] Wem wird denn in der heutigen Zeit, die mit Worten nur spielt, statt sich an Begriffe zu halten, wem wird denn in unserer heutigen Zeit zum Beispiel einfallen, daß der Papst nur mit Unrecht ein Christ genannt wird, weil es paradox ist, den Papst einen Christen zu nennen, geradeso wie es paradox wäre, den König der Ingävonen einen Ingävonen zu nennen? Wenn der Papst wirklich ein «Papst» sein will, das heißt, drinnenstehen soll im wirklichen geistigen Prozesse, so müßte er gar nicht als Christ aufgenommen werden. Wir können nur dadurch Christen sein, daß der Papst kein Christ ist: das wäre die Wahrheit.

[ 35 ] Wem fällt es denn heute ein, über so gewichtige Dinge die Wahrheit denken zu wollen? Und wem fällt es ein, in irdischen Dingen dadurch, daß man sie als Maja erkennt, das Hereinspielen der göttlichen, der überirdischen Dinge anzuerkennen? Das liegt gar nicht im Charakter der heutigen Zeit. Nur wo man dazu gezwungen ist, erkennt man es an; man fügt sich nur, wo man gezwungen ist, den Gesetzen des Kosmos. Würde man nicht gezwungen sein, anzuerkennen, daß der Weizenhalm zu einer gewissen Jahreszeit heraussproßt aus der Erde, heranwächst, die Ähren entwickelt und dann wiederum aus dem Samen neu herauskommen muß, daß da ein Kreislauf sich vollzieht, daß dasjenige, was entsteht, auch in das Vergehen übergehen muß, und zwar gesetzmäßig in das Vergehen übergehen muß, so würde man ja auch das nicht anerkennen!

[ 35 ] Wem fällt es denn heute ein, über so gewichtige Dinge die Wahrheit denken zu wollen? Und wem fällt es ein, in irdischen Dingen dadurch, daß man sie als Maja erkennt, das Hereinspielen der göttlichen, der überirdischen Dinge anzuerkennen? Das liegt gar nicht im Charakter der heutigen Zeit. Nur wo man dazu gezwungen ist, erkennt man es an; man fügt sich nur, wo man gezwungen ist, den Gesetzen des Kosmos. Würde man nicht gezwungen sein, anzuerkennen, daß der Weizenhalm zu einer gewissen Jahreszeit heraussproßt aus der Erde, heranwächst, die Ähren entwickelt und dann wiederum aus dem Samen neu herauskommen muß, daß da ein Kreislauf sich vollzieht, daß dasjenige, was entsteht, auch in das Vergehen übergehen muß, und zwar gesetzmäßig in das Vergehen übergehen muß, so würde man ja auch das nicht anerkennen!

[ 36 ] In jenen alten Zeiten hat man anerkannt, daß der «Sonnenheld», der dazu berufen ist, der Führer des Stammes der Ingävonen zu sein, nach drei Jahren wieder aufhören muß, es zu sein. Man fühlte die Gesetzmäßigkeit wie im Heranwachsen der Pflanzen. Das ist wichtig, daß man versucht, alles miteinander in Harmonie und im Einklange zu denken. Denn nur dadurch kommt man zu der Wahrheit, nur dadurch erweitert man die Horizonte. Denn die Wahrheit ist kein Kinderspiel, das man nach seinen persönlichen Interessen einrichten kann, sondern das Anhangen an der Wahrheit ist ein ernster, heiliger Dienst. Und das muß man fühlen, das muß man empfinden. Und die heutige Zeit ist ihrer ganzen Anlage nach zu nichts anderem geneigt, als die Maja zu verabsolutieren, sie unbedingt zur Wahrheit zu erklären.

[ 36 ] In jenen alten Zeiten hat man anerkannt, daß der «Sonnenheld», der dazu berufen ist, der Führer des Stammes der Ingävonen zu sein, nach drei Jahren wieder aufhören muß, es zu sein. Man fühlte die Gesetzmäßigkeit wie im Heranwachsen der Pflanzen. Das ist wichtig, daß man versucht, alles miteinander in Harmonie und im Einklange zu denken. Denn nur dadurch kommt man zu der Wahrheit, nur dadurch erweitert man die Horizonte. Denn die Wahrheit ist kein Kinderspiel, das man nach seinen persönlichen Interessen einrichten kann, sondern das Anhangen an der Wahrheit ist ein ernster, heiliger Dienst. Und das muß man fühlen, das muß man empfinden. Und die heutige Zeit ist ihrer ganzen Anlage nach zu nichts anderem geneigt, als die Maja zu verabsolutieren, sie unbedingt zur Wahrheit zu erklären.

[ 37 ] Gehen Sie heute auf die historischen Seminarien: Was nennt man da historische Kritik? Das reinliche Herausschälen der bloß sinnenfälligen Tatsachen — wobei man immer irren muß. Denn bestrebt man sich überhaupt, die bloße sinnenfällige Tatsache herauszuschälen, dann gleitet man in die Maja hinein. Die Maja ist aber die Täuschung. Daher muß diejenige Geschichtswissenschaft, die sich bestrebt, alles auszuschalten, was geistig ist, die Maja herausarbeiten, gerade recht zur Maja führen. Versuchen Sie einmal mit der heutigen Seminarmethode, mit der heutigen Historischen-Institutsmethode die Wahrheit herauszuschälen, indem Sie alles Geistige ablehnen und nur das, was auf dem physischen Plan vorgeht — die sinnenfällige Tatsache — herauszustellen, so verfallen Sie gerade der Maja, dann können Sie niemals Geschichte auffassen. Nehmen Sie ein heutiges Geschichtsbuch zur Hand, für das jeder übersinnliche Zusammenhang ein Unding ist, wo sorgfältig danach gestrebt wird, nur die physischen Zusammenhänge gelten zu lassen, so finden Sie das Bestreben, die Maja herauszustellen. Die Maja ist aber die Täuschung. Sie müssen also gerade der Täuschung verfallen, und das tun Sie auch. Sobald Sie diese Geschichte, die heute geschrieben wird, glauben, verfallen Sie der Maja, der Täuschung.

[ 37 ] Gehen Sie heute auf die historischen Seminarien: Was nennt man da historische Kritik? Das reinliche Herausschälen der bloß sinnenfälligen Tatsachen — wobei man immer irren muß. Denn bestrebt man sich überhaupt, die bloße sinnenfällige Tatsache herauszuschälen, dann gleitet man in die Maja hinein. Die Maja ist aber die Täuschung. Daher muß diejenige Geschichtswissenschaft, die sich bestrebt, alles auszuschalten, was geistig ist, die Maja herausarbeiten, gerade recht zur Maja führen. Versuchen Sie einmal mit der heutigen Seminarmethode, mit der heutigen Historischen-Institutsmethode die Wahrheit herauszuschälen, indem Sie alles Geistige ablehnen und nur das, was auf dem physischen Plan vorgeht — die sinnenfällige Tatsache — herauszustellen, so verfallen Sie gerade der Maja, dann können Sie niemals Geschichte auffassen. Nehmen Sie ein heutiges Geschichtsbuch zur Hand, für das jeder übersinnliche Zusammenhang ein Unding ist, wo sorgfältig danach gestrebt wird, nur die physischen Zusammenhänge gelten zu lassen, so finden Sie das Bestreben, die Maja herauszustellen. Die Maja ist aber die Täuschung. Sie müssen also gerade der Täuschung verfallen, und das tun Sie auch. Sobald Sie diese Geschichte, die heute geschrieben wird, glauben, verfallen Sie der Maja, der Täuschung.

[ 38 ] So hat man aber nicht immer Geschichte geschrieben. Die Art, wie man früher Geschichte geschrieben hat, verachtet man heute. Und das ist ein furchtbares Menschheitskarma, daß gewissermaßen schon in der Geschichtsbetrachtung das Geistige ausgeschaltet werden soll. Gehen wir zurück, sagen wir, unmittelbar in die Zeit, wo noch im wesentlichen die Gesinnung der vierten nachatlantischen Periode herrscht. Da wird ganz anders Geschichte erzählt, es wird Geschichte so erzählt, daß der heutige professoral infizierte Mensch die Nase rümpft und sagt: Die Kerle haben keine Kritik gehabt, die Kerle, die haben ja alles mögliche Mythen- und Sagenhafte sich aufbinden lassen; eine reinliche Kritik, wodurch die Tatsachen in ihrer Wahrheit hätten hingestellt werden können, dafür haben diese Leute keinen Sinn. — So sagt der heutige Historiker, und selbstverständlich derjenige erst recht, der ihm nachbetet. Kindisch waren die Menschen dazumal — so sagen die Leute. Für heutige Begriffe waren sie auch kindisch! Hören wir zum Beispiel einmal an, wie eine alte Historie erzählt worden ist, etwas, was zahllose Menschen aus der Gesinnung noch des vierten nachatlantischen Zeitraums als Historie, als Geschichte angesehen haben. Wollen wir uns heute einmal ein Beispiel vor Augen führen, damit wir es als Grundlage haben für weitergehende Betrachtungen, die wir morgen anstellen wollen:

[ 38 ] So hat man aber nicht immer Geschichte geschrieben. Die Art, wie man früher Geschichte geschrieben hat, verachtet man heute. Und das ist ein furchtbares Menschheitskarma, daß gewissermaßen schon in der Geschichtsbetrachtung das Geistige ausgeschaltet werden soll. Gehen wir zurück, sagen wir, unmittelbar in die Zeit, wo noch im wesentlichen die Gesinnung der vierten nachatlantischen Periode herrscht. Da wird ganz anders Geschichte erzählt, es wird Geschichte so erzählt, daß der heutige professoral infizierte Mensch die Nase rümpft und sagt: Die Kerle haben keine Kritik gehabt, die Kerle, die haben ja alles mögliche Mythen- und Sagenhafte sich aufbinden lassen; eine reinliche Kritik, wodurch die Tatsachen in ihrer Wahrheit hätten hingestellt werden können, dafür haben diese Leute keinen Sinn. — So sagt der heutige Historiker, und selbstverständlich derjenige erst recht, der ihm nachbetet. Kindisch waren die Menschen dazumal — so sagen die Leute. Für heutige Begriffe waren sie auch kindisch! Hören wir zum Beispiel einmal an, wie eine alte Historie erzählt worden ist, etwas, was zahllose Menschen aus der Gesinnung noch des vierten nachatlantischen Zeitraums als Historie, als Geschichte angesehen haben. Wollen wir uns heute einmal ein Beispiel vor Augen führen, damit wir es als Grundlage haben für weitergehende Betrachtungen, die wir morgen anstellen wollen:

[ 39 ] Es lebte einmal im Sachsenlande, so erzählt man, ein Kaiser, den man nannte den «Roten Kaiser», den Kaiser mit dem roten Bart: Otto mit dem roten Bart. Dieser Kaiser hatte eine Gemahlin, die aus England stammte, und die, um ihren Herzensbedürfnissen so recht entsprechen zu können, wünschte, eine besondere kirchliche Stiftung zu haben. Da entschloß sich der Rote Otto, die Stiftung des Erzbistums Magdeburg vorzunehmen. Das Erzbistum Magdeburg sollte eine besondere Mission in Mitteleuropa haben, insbesondere den Westen mit dem Osten so verbinden, daß gerade vom Erzbistum Magdeburg unter den ja gleich angrenzend wohnenden Slawen das Christentum verbreitet werden sollte. Das Erzbistum Magdeburg machte gute Fortschritte, es übte in einer weiten Umgebung höchst wohltätige Wirkungen aus, und Otto mit dem roten Bart sah, was seine Stiftung für wohltätige Wirkungen in der Umgebung ausübte. Nun war er darüber sehr froh. Zum Segen in der physischen Welt gereichen meine Taten, sagte er sich, und er hatte immer den Wunsch, daß ihm Gott lohnen möge, was er an Wohltaten an den Menschen vollbrachte. Das war sein Bestreben: daß göttlicher Lohn ihm werden möge, weil er ja aus der Frömmigkeit heraus tat, was er unternahm.

[ 39 ] Es lebte einmal im Sachsenlande, so erzählt man, ein Kaiser, den man nannte den «Roten Kaiser», den Kaiser mit dem roten Bart: Otto mit dem roten Bart. Dieser Kaiser hatte eine Gemahlin, die aus England stammte, und die, um ihren Herzensbedürfnissen so recht entsprechen zu können, wünschte, eine besondere kirchliche Stiftung zu haben. Da entschloß sich der Rote Otto, die Stiftung des Erzbistums Magdeburg vorzunehmen. Das Erzbistum Magdeburg sollte eine besondere Mission in Mitteleuropa haben, insbesondere den Westen mit dem Osten so verbinden, daß gerade vom Erzbistum Magdeburg unter den ja gleich angrenzend wohnenden Slawen das Christentum verbreitet werden sollte. Das Erzbistum Magdeburg machte gute Fortschritte, es übte in einer weiten Umgebung höchst wohltätige Wirkungen aus, und Otto mit dem roten Bart sah, was seine Stiftung für wohltätige Wirkungen in der Umgebung ausübte. Nun war er darüber sehr froh. Zum Segen in der physischen Welt gereichen meine Taten, sagte er sich, und er hatte immer den Wunsch, daß ihm Gott lohnen möge, was er an Wohltaten an den Menschen vollbrachte. Das war sein Bestreben: daß göttlicher Lohn ihm werden möge, weil er ja aus der Frömmigkeit heraus tat, was er unternahm.

[ 40 ] Einmal kniete er in der Kirche, und während er so, man möchte sagen, in einem Gebete, das bis zur Meditation gesteigert war, flehte: Wenn er einmal sterben sollte, mögen ihm die Götter das, was er gestiftet habe, so vergelten, wie es ihm auf dem physischen Plan vergolten worden war durch das viele Gute, das in der Umgebung des Erzbistums Magdeburg entstanden war —, da erschien ihm ein Geistwesen, und dieses Geistwesen sprach zu ihm: Wahr ist es, du hast viel Gutes gestiftet, du hast vielen Menschen große Wohltaten erwiesen. Aber du hast es im Hinblick darauf getan, daß dir nach dem Tode von der göttlichen Welt der Segen kommt, wie dir jetzt der irdische Segen gekommen ist. Das ist schlecht, und damit verdirbst du deine Stiftung.

[ 40 ] Einmal kniete er in der Kirche, und während er so, man möchte sagen, in einem Gebete, das bis zur Meditation gesteigert war, flehte: Wenn er einmal sterben sollte, mögen ihm die Götter das, was er gestiftet habe, so vergelten, wie es ihm auf dem physischen Plan vergolten worden war durch das viele Gute, das in der Umgebung des Erzbistums Magdeburg entstanden war —, da erschien ihm ein Geistwesen, und dieses Geistwesen sprach zu ihm: Wahr ist es, du hast viel Gutes gestiftet, du hast vielen Menschen große Wohltaten erwiesen. Aber du hast es im Hinblick darauf getan, daß dir nach dem Tode von der göttlichen Welt der Segen kommt, wie dir jetzt der irdische Segen gekommen ist. Das ist schlecht, und damit verdirbst du deine Stiftung.

[ 41 ] Nun war Otto mit dem roten Bart sehr unglücklich und er unterhielt sich mit dem Geistwesen, von dem wir jetzt wissen, nicht wahr, daß es ein Wesen aus der Reihe der Angeloi war. Es ist dies aus der Gesinnung des vierten nachatlantischen Zeitraums heraus empfunden. Er unterhielt sich mit jenem Wesen und das Wesen machte ihm begreiflich: Gehe nach Köln, da wohnt der Gute Gerhard; erkundige dich nach dem Guten Gerhard, und wenn du besser werden kannst durch das, was dir der Gute Gerhard sagt, dann vielleicht kannst du verhindern, daß sich vollzieht an dir, was eben ausgesprochen worden ist. — So ungefähr war die Unterredung Ottos mit dem roten Bart mit dem Geistwesen.

[ 41 ] Nun war Otto mit dem roten Bart sehr unglücklich und er unterhielt sich mit dem Geistwesen, von dem wir jetzt wissen, nicht wahr, daß es ein Wesen aus der Reihe der Angeloi war. Es ist dies aus der Gesinnung des vierten nachatlantischen Zeitraums heraus empfunden. Er unterhielt sich mit jenem Wesen und das Wesen machte ihm begreiflich: Gehe nach Köln, da wohnt der Gute Gerhard; erkundige dich nach dem Guten Gerhard, und wenn du besser werden kannst durch das, was dir der Gute Gerhard sagt, dann vielleicht kannst du verhindern, daß sich vollzieht an dir, was eben ausgesprochen worden ist. — So ungefähr war die Unterredung Ottos mit dem roten Bart mit dem Geistwesen.

[ 42 ] In einer für seine Umgebung etwas unbegreiflichen Weise arrangierte der Kaiser Otto schnell eine Reise nach Köln. In Köln ließ er versammeln nicht nur den Bürgermeister, sondern auch alle «wohlweisen und großgünstigen Ratsherren». An einem, der hereinkam, erkannte er schon an dem Aussehen, daß dies ein besonderer Mann sei, und um dessentwillen war er ja eigentlich nur gekommen. Und er fragte den Erzbischof von Köln, der ihn hingeführt hatte, ob das der sogenannte «Gute Gerhard» sei. Und wirklich, er war es. Da sagte der Kaiser zu den Ratsherren: Ich wollte mich mit Euch beraten, aber ich will zuerst mit diesem Einzelnen abgesondert sprechen und dann dasjenige, was ich, nachdem ich mit ihm gesprochen habe, erkundet habe, mit Euch besprechen.

[ 42 ] In einer für seine Umgebung etwas unbegreiflichen Weise arrangierte der Kaiser Otto schnell eine Reise nach Köln. In Köln ließ er versammeln nicht nur den Bürgermeister, sondern auch alle «wohlweisen und großgünstigen Ratsherren». An einem, der hereinkam, erkannte er schon an dem Aussehen, daß dies ein besonderer Mann sei, und um dessentwillen war er ja eigentlich nur gekommen. Und er fragte den Erzbischof von Köln, der ihn hingeführt hatte, ob das der sogenannte «Gute Gerhard» sei. Und wirklich, er war es. Da sagte der Kaiser zu den Ratsherren: Ich wollte mich mit Euch beraten, aber ich will zuerst mit diesem Einzelnen abgesondert sprechen und dann dasjenige, was ich, nachdem ich mit ihm gesprochen habe, erkundet habe, mit Euch besprechen.

[ 43 ] Vielleicht hatten die Ratsherren, aus deren Mitte einer herausgenommen wurde, etwas lange Nasen, aber das wollen wir nicht besonders untersuchen, jedenfalls nahm der Kaiser den Ratsherrn, den man in Köln den Guten Gerhard nannte, zu sich in ein besonderes Zimmer und fragte: Warum nennt man dich den Guten Gerhard? Er mußte diese Frage stellen, denn der Engel hatte ihn darauf verwiesen, daß etwas davon abhänge, daß er erkenne, warum man diesen Mann den «Guten Gerhard» nenne; denn durch den sollte er ja geheilt werden. Da sagte der Gute Gerhard so ungefähr: Man nennt mich den Guten Gerhard, weil die Leute gedankenlos sind. Ich habe nichts Besonderes getan. Aber das, was ich getan habe und was wirklich unbedeutend ist, was ich dir auch nicht erzählen will und nicht erzählen werde, das ist ein bißchen bekanntgeworden, und weil die Leute eben das Bedürfnis haben, überall Worte zu erfinden, so nennen sie mich den Guten Gerhard. — Nein, nein, sagte der Kaiser, so einfach kann das nicht sein, und es ist für mich und meine ganze Regierung außerordentlich wichtig, daß ich weiß, warum du der Gute Gerhard genannt wirst. — Der Gute Gerhard wollte das nicht verraten, aber der Kaiser wurde immer eindringlicher, und so sagte der Gute Gerhard: So will ich dir erzählen, warum sie mich den Guten Gerhard nennen; aber du darfst es nicht wiedersagen, denn ich sehe darin wirklich nichts Besonderes:

[ 43 ] Vielleicht hatten die Ratsherren, aus deren Mitte einer herausgenommen wurde, etwas lange Nasen, aber das wollen wir nicht besonders untersuchen, jedenfalls nahm der Kaiser den Ratsherrn, den man in Köln den Guten Gerhard nannte, zu sich in ein besonderes Zimmer und fragte: Warum nennt man dich den Guten Gerhard? Er mußte diese Frage stellen, denn der Engel hatte ihn darauf verwiesen, daß etwas davon abhänge, daß er erkenne, warum man diesen Mann den «Guten Gerhard» nenne; denn durch den sollte er ja geheilt werden. Da sagte der Gute Gerhard so ungefähr: Man nennt mich den Guten Gerhard, weil die Leute gedankenlos sind. Ich habe nichts Besonderes getan. Aber das, was ich getan habe und was wirklich unbedeutend ist, was ich dir auch nicht erzählen will und nicht erzählen werde, das ist ein bißchen bekanntgeworden, und weil die Leute eben das Bedürfnis haben, überall Worte zu erfinden, so nennen sie mich den Guten Gerhard. — Nein, nein, sagte der Kaiser, so einfach kann das nicht sein, und es ist für mich und meine ganze Regierung außerordentlich wichtig, daß ich weiß, warum du der Gute Gerhard genannt wirst. — Der Gute Gerhard wollte das nicht verraten, aber der Kaiser wurde immer eindringlicher, und so sagte der Gute Gerhard: So will ich dir erzählen, warum sie mich den Guten Gerhard nennen; aber du darfst es nicht wiedersagen, denn ich sehe darin wirklich nichts Besonderes:

[ 44 ] Ich bin ein einfacher Kaufmann, bin immer ein einfacher Kaufmann gewesen, und eines Tages rüstete ich eine Reise aus. Ich durchwanderte also zunächst zu Land einige Gegenden, dann zu Schiff, kam bis in den Orient und kaufte viele, viele wertvolle Stoffe und wertvolle Gegenstände, alles mögliche um billiges Geld. Ich dachte, ich würde das da oder dort wiederum verkaufen um das Doppelte, das Drei-, Vier-, Fünffache, denn das ist so Kaufmannsbrauch; das war eben so mein Geschäft, mein Beruf. Dann setzte ich die Reise, weil das notwendig war, zu Schiff fort. Aber wir wurden durch einen ungünstigen Wind verschlagen im Meere. Wir wußten gar nicht, wo wir sind, und so war ich im Winde auf offenem Meer mit wenigen Gefährten verschlagen mit meinen kostbaren Geräten und Stoffen. Wir kamen an einen Strand, an dem Strand erhob sich ein Gebirge. Wir schickten einen Kundschafter aus, der auf das Gebirge hinaufsteigen sollte, um zu sehen, was jenseits ist, denn wir wurden einfach an den Strand geschlagen. Der Kundschafter sah von dem Gebirge aus jenseits eine mächtige Stadt, offenbar eine große Handelsstadt. Karawanen zogen von allen Seiten durch eine Reihe von Straßen heran, ein Fluß floß vorbei. Er kam wieder zurück, der Kundschafter, und wir konnten nun den Weg finden, um mit unserem Schiff an der Stadt anzulegen.

[ 44 ] Ich bin ein einfacher Kaufmann, bin immer ein einfacher Kaufmann gewesen, und eines Tages rüstete ich eine Reise aus. Ich durchwanderte also zunächst zu Land einige Gegenden, dann zu Schiff, kam bis in den Orient und kaufte viele, viele wertvolle Stoffe und wertvolle Gegenstände, alles mögliche um billiges Geld. Ich dachte, ich würde das da oder dort wiederum verkaufen um das Doppelte, das Drei-, Vier-, Fünffache, denn das ist so Kaufmannsbrauch; das war eben so mein Geschäft, mein Beruf. Dann setzte ich die Reise, weil das notwendig war, zu Schiff fort. Aber wir wurden durch einen ungünstigen Wind verschlagen im Meere. Wir wußten gar nicht, wo wir sind, und so war ich im Winde auf offenem Meer mit wenigen Gefährten verschlagen mit meinen kostbaren Geräten und Stoffen. Wir kamen an einen Strand, an dem Strand erhob sich ein Gebirge. Wir schickten einen Kundschafter aus, der auf das Gebirge hinaufsteigen sollte, um zu sehen, was jenseits ist, denn wir wurden einfach an den Strand geschlagen. Der Kundschafter sah von dem Gebirge aus jenseits eine mächtige Stadt, offenbar eine große Handelsstadt. Karawanen zogen von allen Seiten durch eine Reihe von Straßen heran, ein Fluß floß vorbei. Er kam wieder zurück, der Kundschafter, und wir konnten nun den Weg finden, um mit unserem Schiff an der Stadt anzulegen.

[ 45 ] Nun waren wir in einer ganz fremden Stadt. Bald zeigte sich, daß wir als Christen mitten unter Heiden waren. Wir sahen, daß ein lebhafter Markt ist. Ich dachte, ich werde auch auf dem Markte allerlei verkaufen können, denn die Handelstätigkeit war rege in jener Stadt; aber ich wußte nicht recht Bescheid. Da kam mir auf der Straße ein Mann entgegen, zu dem ich Vertrauen faßte, der mir vertrauenswürdig aussah. Zu dem Mann sagte ich: Kannst du mir nicht behilflich sein, um hier meine Waren zu verkaufen? — Der Mann hatte offenbar auch zu mir Vertrauen gefaßt und sagte: Woher kommst du? — Ich erzählte, ich sei ein Christ und aus Köln. Da sagte er: Mir scheinst du trotzdem ein ganz guter Mann zu sein. Ich habe bis jetzt über die Christen die allerschlimmsten Vorstellungen gehabt, aber du scheinst mir kein Unmensch zu sein; ich werde dir behilflich sein, und ich werde dir eine Herberge verschaffen können. Und dann laß mich einmal deine Waren alle anschauen.

[ 45 ] Nun waren wir in einer ganz fremden Stadt. Bald zeigte sich, daß wir als Christen mitten unter Heiden waren. Wir sahen, daß ein lebhafter Markt ist. Ich dachte, ich werde auch auf dem Markte allerlei verkaufen können, denn die Handelstätigkeit war rege in jener Stadt; aber ich wußte nicht recht Bescheid. Da kam mir auf der Straße ein Mann entgegen, zu dem ich Vertrauen faßte, der mir vertrauenswürdig aussah. Zu dem Mann sagte ich: Kannst du mir nicht behilflich sein, um hier meine Waren zu verkaufen? — Der Mann hatte offenbar auch zu mir Vertrauen gefaßt und sagte: Woher kommst du? — Ich erzählte, ich sei ein Christ und aus Köln. Da sagte er: Mir scheinst du trotzdem ein ganz guter Mann zu sein. Ich habe bis jetzt über die Christen die allerschlimmsten Vorstellungen gehabt, aber du scheinst mir kein Unmensch zu sein; ich werde dir behilflich sein, und ich werde dir eine Herberge verschaffen können. Und dann laß mich einmal deine Waren alle anschauen.

[ 46 ] Als der Kaufmann, der Gute Gerhard, in der Herberge war, da kam nach einigen Tagen der Heide, den er getroffen hatte, schaute sich die Waren an, fand sie außerordentlich kostbar und sagte: Es gibt in der Stadt, trotzdem es hinreichend reiche Leute gibt, keinen einzigen, der so viel Geld hat, daß er so viel kaufen könnte. Das ist ganz unmöglich. Ich bin der einzige hier, der etwas hat, was ein Äquivalent ist für diese Waren. Ich kann dir, wenn du mir alle deine Waren gibst, einen Gegenwert bieten, aber ich bin der einzige, der das hat. — Nun, der Mann aus Köln wollte sich die Sache doch ansehen — er erzählt das alles dem Kaiser. — Ja, dann komm zu mir, und ich werde dir zeigen, daß ich Gegenwaren habe, die wirklich austauschbar sind gegen deine außerordentlich wertvollen, aus aller Welt als Kostbarstes zusammengetragenen Waren.

[ 46 ] Als der Kaufmann, der Gute Gerhard, in der Herberge war, da kam nach einigen Tagen der Heide, den er getroffen hatte, schaute sich die Waren an, fand sie außerordentlich kostbar und sagte: Es gibt in der Stadt, trotzdem es hinreichend reiche Leute gibt, keinen einzigen, der so viel Geld hat, daß er so viel kaufen könnte. Das ist ganz unmöglich. Ich bin der einzige hier, der etwas hat, was ein Äquivalent ist für diese Waren. Ich kann dir, wenn du mir alle deine Waren gibst, einen Gegenwert bieten, aber ich bin der einzige, der das hat. — Nun, der Mann aus Köln wollte sich die Sache doch ansehen — er erzählt das alles dem Kaiser. — Ja, dann komm zu mir, und ich werde dir zeigen, daß ich Gegenwaren habe, die wirklich austauschbar sind gegen deine außerordentlich wertvollen, aus aller Welt als Kostbarstes zusammengetragenen Waren.

[ 47 ] Nun kam der Gerhard zu dem heidnischen Menschen, sah gleich, daß er es mit einem außerordentlich wichtigen Manne der Heidenstadt zu tun hatte. Zunächst führte ihn der Heide in ein Gemach, worinnen zwölf Jünglinge waren, gefesselt, als Gefangene, abgezehrt, in elendiger Lage. — Siehst du, sagte er, das sind zwölf Christen, die haben wir gefangengenommen auf offenem Meere, nachdem sie auf offenem Meere richtungslos schwammen. Jetzt werde ich dir den andern Teil der Ware zeigen. — Nun führte er ihn in ein anderes Gemach und zeigte ihm ebensoviele herabgekommene Greise. Dem Gerhard tat das Herz bei den Greisen noch mehr weh als bei den Jünglingen. Und dann zeigte der Heide ihm auch eine Anzahl Frauen — ich glaube fünfzehn —, die nun auch gefangengenommen waren. Und dann sagte er ihm: Gibst du mir deine Ware, so gebe ich dir diese Gefangenen; sie sind sehr kostbar, du kannst sie haben.

[ 47 ] Nun kam der Gerhard zu dem heidnischen Menschen, sah gleich, daß er es mit einem außerordentlich wichtigen Manne der Heidenstadt zu tun hatte. Zunächst führte ihn der Heide in ein Gemach, worinnen zwölf Jünglinge waren, gefesselt, als Gefangene, abgezehrt, in elendiger Lage. — Siehst du, sagte er, das sind zwölf Christen, die haben wir gefangengenommen auf offenem Meere, nachdem sie auf offenem Meere richtungslos schwammen. Jetzt werde ich dir den andern Teil der Ware zeigen. — Nun führte er ihn in ein anderes Gemach und zeigte ihm ebensoviele herabgekommene Greise. Dem Gerhard tat das Herz bei den Greisen noch mehr weh als bei den Jünglingen. Und dann zeigte der Heide ihm auch eine Anzahl Frauen — ich glaube fünfzehn —, die nun auch gefangengenommen waren. Und dann sagte er ihm: Gibst du mir deine Ware, so gebe ich dir diese Gefangenen; sie sind sehr kostbar, du kannst sie haben.

[ 48 ] Nun erfuhr der Gerhard, der Kaufmann aus Köln, daß sich unter den Frauen eine befand, die einen ganz besonderen Wert dadurch hatte, daß sie eine norwegische Königstochter war, die mit ihren Frauen — wenigen, nur ein paar, die andern waren woanders her — Schiffbruch erlitten hatte und gefangengenommen war von den Heiden. Die anderen waren aus England. Die Frauen waren Engländerinnen, die Jünglinge und Greise waren Engländer, und zwar waren sie ausgezogen mit dem Königssohne von England, Wilhelm, der sich seine norwegische Braut holen sollte. Und als er die norwegische Braut von Norwegen abgeholt hatte, da hatten sie auf dem Meere Unglück, die ganze Gesellschaft wurde in das Meer hinausgetrieben. Der Königssohn Wilhelm wurde ganz getrennt von den andern. Von dem wußten die andern nicht, wo er hingekommen war, er war für sie verschollen. Die aber, die ich aufgezählt habe, die Frauen und die Königstochter von Norwegen, die zwölf edlen Jünglinge aus England, die zwölf edlen Greise, die andern Frauen, die mit abgeholt hatten die Königstochter mit Wilhelm, die hatten Schiffbruch erlitten und waren in die Gewalt dieses heidnischen Fürsten gekommen. Die wollte ihm also der Heidenhäuptling verkaufen gegen seine orientalischen Waren. Gerhard weinte viele Tränen, nicht um die Waren, sondern im Gegenteil, weil er solch kostbares Gut gegen die Waren eintauschen sollte, und ging seiner ganzen Gesinnung nach auf den Handel ein. Der Heidenhäuptling war sehr gerührt und dachte sich: So starke Unmenschen sind nun wirklich diese Christen nicht. — Er stattete ihm sogar ein Schiff mit allen Lebensmitteln aus, so daß er seine Jünglinge und Greise und die Königstochter und die Jungfrauen mit über das Meer führen konnte, und entließ ihn sehr gerührt, indem er ihm sagte: Um deinetwillen werde ich von jetzt ab sehr loyal gegen alle Christen sein, die in meinen Gewahrsam kommen.

[ 48 ] Nun erfuhr der Gerhard, der Kaufmann aus Köln, daß sich unter den Frauen eine befand, die einen ganz besonderen Wert dadurch hatte, daß sie eine norwegische Königstochter war, die mit ihren Frauen — wenigen, nur ein paar, die andern waren woanders her — Schiffbruch erlitten hatte und gefangengenommen war von den Heiden. Die anderen waren aus England. Die Frauen waren Engländerinnen, die Jünglinge und Greise waren Engländer, und zwar waren sie ausgezogen mit dem Königssohne von England, Wilhelm, der sich seine norwegische Braut holen sollte. Und als er die norwegische Braut von Norwegen abgeholt hatte, da hatten sie auf dem Meere Unglück, die ganze Gesellschaft wurde in das Meer hinausgetrieben. Der Königssohn Wilhelm wurde ganz getrennt von den andern. Von dem wußten die andern nicht, wo er hingekommen war, er war für sie verschollen. Die aber, die ich aufgezählt habe, die Frauen und die Königstochter von Norwegen, die zwölf edlen Jünglinge aus England, die zwölf edlen Greise, die andern Frauen, die mit abgeholt hatten die Königstochter mit Wilhelm, die hatten Schiffbruch erlitten und waren in die Gewalt dieses heidnischen Fürsten gekommen. Die wollte ihm also der Heidenhäuptling verkaufen gegen seine orientalischen Waren. Gerhard weinte viele Tränen, nicht um die Waren, sondern im Gegenteil, weil er solch kostbares Gut gegen die Waren eintauschen sollte, und ging seiner ganzen Gesinnung nach auf den Handel ein. Der Heidenhäuptling war sehr gerührt und dachte sich: So starke Unmenschen sind nun wirklich diese Christen nicht. — Er stattete ihm sogar ein Schiff mit allen Lebensmitteln aus, so daß er seine Jünglinge und Greise und die Königstochter und die Jungfrauen mit über das Meer führen konnte, und entließ ihn sehr gerührt, indem er ihm sagte: Um deinetwillen werde ich von jetzt ab sehr loyal gegen alle Christen sein, die in meinen Gewahrsam kommen.

[ 49 ] Der Kaufmann Gerhard aus Köln fuhr nun über das Meer, und als man an die Stelle kam, an der man an der Konfiguration des Landes erkennen konnte, wo sich die Wege nach London und Utrecht trennen, da sagte er zu seiner Reisegesellschaft: Diejenigen, die nun nach England gehören, die mögen nach England gehen; die nach Norwegen gehören, die Königstochter mit ihren wenigen Frauen, die gehen mit mir nach Köln, und ich werde sehen, ob derjenige, für den diese Braut bestimmt war, nachdem er sich vielleicht gefunden hat, sie abholt.

[ 49 ] Der Kaufmann Gerhard aus Köln fuhr nun über das Meer, und als man an die Stelle kam, an der man an der Konfiguration des Landes erkennen konnte, wo sich die Wege nach London und Utrecht trennen, da sagte er zu seiner Reisegesellschaft: Diejenigen, die nun nach England gehören, die mögen nach England gehen; die nach Norwegen gehören, die Königstochter mit ihren wenigen Frauen, die gehen mit mir nach Köln, und ich werde sehen, ob derjenige, für den diese Braut bestimmt war, nachdem er sich vielleicht gefunden hat, sie abholt.

[ 50 ] Gerhard in Köln hielt nun die norwegische Königstochter ihrem Stande angemessen. Sie war außerordentlich liebevoll gepflegt in der Familie, selbstverständlich, nur die kleine Bemerkung machte er noch, der Gute Gerhard, daß, als er heimkam mit der Königstochter, seine Frau erst etwas die Nase rümpfte. Aber dann hatte sie sie wie eine Tochter wirklich lieb. Nun, diese Dinge, nicht wahr, sind ja begreiflich. Sie wuchs also wie die Tochter des Hauses heran, war sehr lieb gehalten, sie hatte nur den großen Schmerz, der sich daraus ergab, daß sie immer nach ihrem Geliebten, dem Wilhelm, weinte, denn sie hatte selbstverständlich vorausgesetzt, daß er, wenn er gerettet werde, überallin der Welt sie suchen würde und sie schon finden werde. Er kam nicht und kam nicht. Aber sie war der Familie des Guten Gerhard lieb geworden, und der Gerhard hatte einen Sohn, und so dachte der Gerhard selber, daß diese schöne Jungfrau seines Sohnes Gattin werde. Das konnte sie natürlich nur, nach der Auffassung der damaligen Zeit, wenn der Sohn zu ihrem Stand hinaufgehoben wurde. Der Erzbischof von Köln erklärte sich bereit, den Sohn zum Ritter zu schlagen. Alles wurde in entsprechender Weise gemacht. Gerhard war sehr reich, es ging alles sehr gut. Turniere wurden abgehalten, und nachdem man noch ein Jahr gewartet hatte, ob sich nun der Wilhelm einfinde — dieses Jahr hatte sich die Königstochter ausbedungen —, da hatte man die Hochzeit gerichtet.

[ 50 ] Gerhard in Köln hielt nun die norwegische Königstochter ihrem Stande angemessen. Sie war außerordentlich liebevoll gepflegt in der Familie, selbstverständlich, nur die kleine Bemerkung machte er noch, der Gute Gerhard, daß, als er heimkam mit der Königstochter, seine Frau erst etwas die Nase rümpfte. Aber dann hatte sie sie wie eine Tochter wirklich lieb. Nun, diese Dinge, nicht wahr, sind ja begreiflich. Sie wuchs also wie die Tochter des Hauses heran, war sehr lieb gehalten, sie hatte nur den großen Schmerz, der sich daraus ergab, daß sie immer nach ihrem Geliebten, dem Wilhelm, weinte, denn sie hatte selbstverständlich vorausgesetzt, daß er, wenn er gerettet werde, überallin der Welt sie suchen würde und sie schon finden werde. Er kam nicht und kam nicht. Aber sie war der Familie des Guten Gerhard lieb geworden, und der Gerhard hatte einen Sohn, und so dachte der Gerhard selber, daß diese schöne Jungfrau seines Sohnes Gattin werde. Das konnte sie natürlich nur, nach der Auffassung der damaligen Zeit, wenn der Sohn zu ihrem Stand hinaufgehoben wurde. Der Erzbischof von Köln erklärte sich bereit, den Sohn zum Ritter zu schlagen. Alles wurde in entsprechender Weise gemacht. Gerhard war sehr reich, es ging alles sehr gut. Turniere wurden abgehalten, und nachdem man noch ein Jahr gewartet hatte, ob sich nun der Wilhelm einfinde — dieses Jahr hatte sich die Königstochter ausbedungen —, da hatte man die Hochzeit gerichtet.

[ 51 ] Während der Hochzeit erscheint ein Pilger, der einen solchen Bart hatte, daß man sah, daß schon lange Zeit kein Schermesser über sein Gesicht gegangen war, und der sehr traurig war. Der Gute Gerhard war voller Erbarmen, als er den Pilger sah, und fragte ihn, was er denn habe. Es ist unmöglich, zu sagen, meinte der Pilger, was er habe, denn er müsse nun sein Leid weiter durch die Welt tragen; von heute ab wisse er, daß dieses Leid niemals gemildert werden könne. — Das war nämlich der Wilhelm, der alle seine Gefährten verloren hatte, an eine Küste verschlagen worden war, in der Welt als Pilger umhergeirrt war, in dem unrechten Augenblicke erst ankam, als seine ihm zugedachte Braut schon dem Sohne des Gerhard in Köln fast vermählt war. Der Gerhard sagte: Das ist ganz selbstverständlich, daß du deine rechtmäßige Braut erhältst, ich werde mit meinem Sohne sprechen. — Da die Braut auch gewissermaßen die größere Liebe hatte zu ihrem verlorengegangenen, ihr zugehörigen Bräutigam Wilhelm, so ließ sich die Sache ordnen, und der Gerhard brachte, nachdem nun die Hochzeit mit dem Wilhelm gefeiert war in Köln, den Wilhelm, den Thronerben Englands, mit seiner Gattin nach London. Da ließ er zunächst die andern zurück. Er war ja bekannt als ein Kaufmann, der oft in London war. Er ging in die Stadt hinein und hörte, daß eben eine große Versammlung sei. Alles war unruhig, hatte einen revolutionären Charakter schon im Äußeren; er hörte, es sei Unordnung im Lande ausgebrochen, weil kein Thronfolger da sei. Der Thronfolger sei verschwunden vor Jahren, sei nicht wiedergekommen, er hätte Anhänger im Lande, aber alles andere sei uneinig, und man wolle jetzt für einen Königsnachfolger sorgen.

[ 51 ] Während der Hochzeit erscheint ein Pilger, der einen solchen Bart hatte, daß man sah, daß schon lange Zeit kein Schermesser über sein Gesicht gegangen war, und der sehr traurig war. Der Gute Gerhard war voller Erbarmen, als er den Pilger sah, und fragte ihn, was er denn habe. Es ist unmöglich, zu sagen, meinte der Pilger, was er habe, denn er müsse nun sein Leid weiter durch die Welt tragen; von heute ab wisse er, daß dieses Leid niemals gemildert werden könne. — Das war nämlich der Wilhelm, der alle seine Gefährten verloren hatte, an eine Küste verschlagen worden war, in der Welt als Pilger umhergeirrt war, in dem unrechten Augenblicke erst ankam, als seine ihm zugedachte Braut schon dem Sohne des Gerhard in Köln fast vermählt war. Der Gerhard sagte: Das ist ganz selbstverständlich, daß du deine rechtmäßige Braut erhältst, ich werde mit meinem Sohne sprechen. — Da die Braut auch gewissermaßen die größere Liebe hatte zu ihrem verlorengegangenen, ihr zugehörigen Bräutigam Wilhelm, so ließ sich die Sache ordnen, und der Gerhard brachte, nachdem nun die Hochzeit mit dem Wilhelm gefeiert war in Köln, den Wilhelm, den Thronerben Englands, mit seiner Gattin nach London. Da ließ er zunächst die andern zurück. Er war ja bekannt als ein Kaufmann, der oft in London war. Er ging in die Stadt hinein und hörte, daß eben eine große Versammlung sei. Alles war unruhig, hatte einen revolutionären Charakter schon im Äußeren; er hörte, es sei Unordnung im Lande ausgebrochen, weil kein Thronfolger da sei. Der Thronfolger sei verschwunden vor Jahren, sei nicht wiedergekommen, er hätte Anhänger im Lande, aber alles andere sei uneinig, und man wolle jetzt für einen Königsnachfolger sorgen.

[ 52 ] Der Gerhard steckte sich in sein bestes Gewand und ging in die Versammlung. Da ließ man ihn auch hinein, da er eben in seinem besten Gewande war, was bei diesem reichen Kaufmann außerordentlich prunkvoll war. Und er fand vierundzwanzig Menschen versammelt, welche darüber berieten, wer der Ersatz sein sollte für den geliebten Thronfolger Wilhelm. Gerhard sah, diese vierundzwanzig Menschen waren dieselben, die er von dem Heidenhäuptling befreit hatte, die er dazumal, als die Wege nach London und Utrecht sich schieden, nach London geschickt hatte. Sie erkannten ihn nicht gleich. Sie erzählten ihm, daß Wilhelm verlorengegangen sei, ihr über alles geliebter Wilhelm. Dann aber erkannten sich Gerhard und die andern. Nun erklärte er ihnen, daß er ihnen ihren Wilhelm bringen werde. Auf diese Weise löste sich die Sache. Die Freude, die da herrschte in England, brauche ich Ihnen nicht zu erzählen. Zuerst hatte man sogar in der Versammlung, als man noch nicht gewußt hatte, wen der Gerhard bringen werde, aber ihn, der sie gerettet hatte, schon erkannt hatte, den Gerhard selber zum König ausrufen wollen. — Wilhelm wurde nun der König von England. Und nun wollte Wilhelm das Herzogtum Kent dem Gerhard geben, aber der nahm es nicht. Selbst von der neuen Königin, die so lange seine Pflegetochter war, nahm er nicht einmal die Goldschätze, die sie ihm zu geben wünschte, nur einen Ring und einiges andere noch, aber weniges, das er zum Andenken an die Pflegetochter seiner Frau mit nach Hause nehmen wollte. Und fuhr nach Hause.

[ 52 ] Der Gerhard steckte sich in sein bestes Gewand und ging in die Versammlung. Da ließ man ihn auch hinein, da er eben in seinem besten Gewande war, was bei diesem reichen Kaufmann außerordentlich prunkvoll war. Und er fand vierundzwanzig Menschen versammelt, welche darüber berieten, wer der Ersatz sein sollte für den geliebten Thronfolger Wilhelm. Gerhard sah, diese vierundzwanzig Menschen waren dieselben, die er von dem Heidenhäuptling befreit hatte, die er dazumal, als die Wege nach London und Utrecht sich schieden, nach London geschickt hatte. Sie erkannten ihn nicht gleich. Sie erzählten ihm, daß Wilhelm verlorengegangen sei, ihr über alles geliebter Wilhelm. Dann aber erkannten sich Gerhard und die andern. Nun erklärte er ihnen, daß er ihnen ihren Wilhelm bringen werde. Auf diese Weise löste sich die Sache. Die Freude, die da herrschte in England, brauche ich Ihnen nicht zu erzählen. Zuerst hatte man sogar in der Versammlung, als man noch nicht gewußt hatte, wen der Gerhard bringen werde, aber ihn, der sie gerettet hatte, schon erkannt hatte, den Gerhard selber zum König ausrufen wollen. — Wilhelm wurde nun der König von England. Und nun wollte Wilhelm das Herzogtum Kent dem Gerhard geben, aber der nahm es nicht. Selbst von der neuen Königin, die so lange seine Pflegetochter war, nahm er nicht einmal die Goldschätze, die sie ihm zu geben wünschte, nur einen Ring und einiges andere noch, aber weniges, das er zum Andenken an die Pflegetochter seiner Frau mit nach Hause nehmen wollte. Und fuhr nach Hause.

[ 53 ] Das ist dasjenige, was nun leider bekanntgeworden ist in meiner Umgebung, sagte der Gute Gerhard zum Roten Otto, und deshalb nennen mich die Leute den Guten Gerhard. Aber eine Entscheidung darüber, ob dasjenige, was ich getan habe, gut ist oder nicht gut ist, steht ja nicht den Menschen, auch mir selber nicht zu. Und deshalb ist es ganz unsinnig, daß die Leute mich den Guten Gerhard nennen, wenn die Worte einen Sinn haben sollen.

[ 53 ] Das ist dasjenige, was nun leider bekanntgeworden ist in meiner Umgebung, sagte der Gute Gerhard zum Roten Otto, und deshalb nennen mich die Leute den Guten Gerhard. Aber eine Entscheidung darüber, ob dasjenige, was ich getan habe, gut ist oder nicht gut ist, steht ja nicht den Menschen, auch mir selber nicht zu. Und deshalb ist es ganz unsinnig, daß die Leute mich den Guten Gerhard nennen, wenn die Worte einen Sinn haben sollen.

[ 54 ] Der Rote Otto, der Kaiser, hörte das mit Aufmerksamkeit an und wußte nun allerdings, daß es eine andere Gesinnung gäbe als diejenige, die er entwickelt hatte, und daß diese andere Gesinnung sogar bei einem Kaufmann in Köln zu finden sei. Das machte einen tiefen Eindruck auf ihn. Er ging zurück in die Ratsversammlung, sagte den Herren: Ihr könnt nach Hause gehen, ich habe alles schon von dem Guten Gerhard erfahren. — Die Nasen der wohlweisen und großgünstigen Herren wurden noch länger, aber die Seelenrichtung des Roten Otto war eine vollständig andere geworden.

[ 54 ] Der Rote Otto, der Kaiser, hörte das mit Aufmerksamkeit an und wußte nun allerdings, daß es eine andere Gesinnung gäbe als diejenige, die er entwickelt hatte, und daß diese andere Gesinnung sogar bei einem Kaufmann in Köln zu finden sei. Das machte einen tiefen Eindruck auf ihn. Er ging zurück in die Ratsversammlung, sagte den Herren: Ihr könnt nach Hause gehen, ich habe alles schon von dem Guten Gerhard erfahren. — Die Nasen der wohlweisen und großgünstigen Herren wurden noch länger, aber die Seelenrichtung des Roten Otto war eine vollständig andere geworden.

[ 55 ] So erzählte man eine Geschichte.

[ 55 ] So erzählte man eine Geschichte.

[ 56 ] Das, was da erzählt wird, kritisiert heute selbstverständlich der Historiker, der reinlich herausschälen will die Tatsachen, die auf dem physischen Plan sich abspielen, in Grund und Boden. Aber nicht nur dieses Ereignis, sondern auch andere Ereignisse hat man in jener geschichtlichen Gesinnung, die noch im vierten nachatlantischen Zeitraum herrschend war, so erzählt, daß man nicht bloß die physische Tatsache erzählt hat, sondern gewissermaßen den mit der geistigen Welt zusammenhängenden Sinn. Ineinandergreifen ließ man dasjenige, was auf dem physischen Plan geschah, und dasjenige, was als Sinn das durchwebt, was auf dem physischen Plan geschieht.

[ 56 ] Das, was da erzählt wird, kritisiert heute selbstverständlich der Historiker, der reinlich herausschälen will die Tatsachen, die auf dem physischen Plan sich abspielen, in Grund und Boden. Aber nicht nur dieses Ereignis, sondern auch andere Ereignisse hat man in jener geschichtlichen Gesinnung, die noch im vierten nachatlantischen Zeitraum herrschend war, so erzählt, daß man nicht bloß die physische Tatsache erzählt hat, sondern gewissermaßen den mit der geistigen Welt zusammenhängenden Sinn. Ineinandergreifen ließ man dasjenige, was auf dem physischen Plan geschah, und dasjenige, was als Sinn das durchwebt, was auf dem physischen Plan geschieht.

[ 57 ] Ein tiefer Sinn liegt schon in der Geschichte von dem Roten Otto und dem Guten Gerhard.

[ 57 ] Ein tiefer Sinn liegt schon in der Geschichte von dem Roten Otto und dem Guten Gerhard.

[ 58 ] Ich wollte Ihnen diese Geschichte heute erzählen, die einmal als Geschichte genommen worden ist, damit wir sie unter andern Dingen auch morgen zugrunde legen können bei Betrachtungen, die uns noch weitere Horizonte eröffnen sollen.

[ 58 ] Ich wollte Ihnen diese Geschichte heute erzählen, die einmal als Geschichte genommen worden ist, damit wir sie unter andern Dingen auch morgen zugrunde legen können bei Betrachtungen, die uns noch weitere Horizonte eröffnen sollen.