Reflections on Contemporary History II
The Karma of Untruthfulness
GA 173b
26 December 1916, Dornach
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Zeitgeschichtliche Betrachtungen Band III
Zehnter Vortrag
Zehnter Vortrag
[ 1 ] Ich habe Ihnen gestern die ja wohl den meisten bekannte Geschichte von dem Guten Gerhard erzählt, weil ich einiges daranknüpfen möchte, das uns zum Verständnis der Dinge, deren Verständnis wir jetzt suchen, nützlich sein kann. Bevor ich aber zu einer Art Interpretation dieser Geschichte von dem Guten Gerhard, soweit wir sie benötigen, übergehen kann, müssen wir uns einiges ins Gedächtnis rufen, das wir schon in den vorhergehenden Betrachtungen verschiedentlich berührt haben. Sie haben ja aus dem, was in diesen Wochen gesagt worden ist, ersehen können, daß das Schmerzliche, das in unserer Zeit geschieht, zusammenhängt mit Impulsen, die im Menschheitskarma der neueren Zeit, im ganzen Karma der fünften nachatlantischen Periode leben. Und für den, der die Dinge tiefer verstehen will, ist es schon notwendig, daß er das äußerlich Geschehende anzuknüpfen vermag an manches innerlich Geschehende, das man nur verstehen kann, wenn man die Menschheitsentwickelung im Sinne der Geisteswissenschaft ins Auge faßt.
[ 1 ] Ich habe Ihnen gestern die ja wohl den meisten bekannte Geschichte von dem Guten Gerhard erzählt, weil ich einiges daranknüpfen möchte, das uns zum Verständnis der Dinge, deren Verständnis wir jetzt suchen, nützlich sein kann. Bevor ich aber zu einer Art Interpretation dieser Geschichte von dem Guten Gerhard, soweit wir sie benötigen, übergehen kann, müssen wir uns einiges ins Gedächtnis rufen, das wir schon in den vorhergehenden Betrachtungen verschiedentlich berührt haben. Sie haben ja aus dem, was in diesen Wochen gesagt worden ist, ersehen können, daß das Schmerzliche, das in unserer Zeit geschieht, zusammenhängt mit Impulsen, die im Menschheitskarma der neueren Zeit, im ganzen Karma der fünften nachatlantischen Periode leben. Und für den, der die Dinge tiefer verstehen will, ist es schon notwendig, daß er das äußerlich Geschehende anzuknüpfen vermag an manches innerlich Geschehende, das man nur verstehen kann, wenn man die Menschheitsentwickelung im Sinne der Geisteswissenschaft ins Auge faßt.
[ 2 ] Nehmen Sie gewisse Tatsachen, auf die ich Sie schon öfter hingewiesen habe, zunächst als solche; nehmen Sie die oft erwähnte Tatsache, daß in der Mitte des 19. Jahrhunderts das Bestreben entstand, die Menschheit der neueren Zeit aufmerksam darauf zu machen, daß in der Umwelt nicht nur diejenigen Kräfte und Mächte walten, welche von der Naturwissenschaft erkannt werden können, sondern daß in ihr auch geistige Kräfte tätig sind, daß gerade so, wie wir durch unsere Augen, durch unsere Sinne überhaupt Sinnliches wahrnehmen, in unserer Umgebung geistige Impulse wirksam sind, deren sich die Menschen auch bedienen können und die sie so in das soziale Leben einführen können, wenn sie etwas von den Dingen wissen, die man nicht mit den Sinnen wahrnehmen kann, sondern die eben Gegenstände einer geistigen Wissenschaft sind.
[ 2 ] Nehmen Sie gewisse Tatsachen, auf die ich Sie schon öfter hingewiesen habe, zunächst als solche; nehmen Sie die oft erwähnte Tatsache, daß in der Mitte des 19. Jahrhunderts das Bestreben entstand, die Menschheit der neueren Zeit aufmerksam darauf zu machen, daß in der Umwelt nicht nur diejenigen Kräfte und Mächte walten, welche von der Naturwissenschaft erkannt werden können, sondern daß in ihr auch geistige Kräfte tätig sind, daß gerade so, wie wir durch unsere Augen, durch unsere Sinne überhaupt Sinnliches wahrnehmen, in unserer Umgebung geistige Impulse wirksam sind, deren sich die Menschen auch bedienen können und die sie so in das soziale Leben einführen können, wenn sie etwas von den Dingen wissen, die man nicht mit den Sinnen wahrnehmen kann, sondern die eben Gegenstände einer geistigen Wissenschaft sind.
[ 3 ] Wir wissen, welchen Weg diese geistige Wissenschaft gemacht hat, das brauchen wir nicht immer zu wiederholen. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts handelte es sich also darum, von einem gewissen Zentrum aus die Menschen darauf aufmerksam zu machen, daß es gewissermaßen eine geistige Umgebung gibt. Dieses hatte man ja vergessen in der Zeit des Materialismus. Sie wissen auch, daß solches vorsichtig geschehen muß, weil zu gewissen Erkenntnissen ein gewisser Reifezustand der Menschen vorausgesetzt werden muß. Gewiß können nicht alle reif sein, auf die nach dem Gesetze unserer Zeit, das der Öffentlichkeit unterliegt, solche Erkenntnisse wirken, zu denen solche Erkenntnisse kommen. Aber es kann in der Notwendigkeit einer gewissen Zeit liegen, wenigstens zu prüfen, ob solche Erkenntnisse der Öffentlichkeit gegeben werden können.
[ 3 ] Wir wissen, welchen Weg diese geistige Wissenschaft gemacht hat, das brauchen wir nicht immer zu wiederholen. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts handelte es sich also darum, von einem gewissen Zentrum aus die Menschen darauf aufmerksam zu machen, daß es gewissermaßen eine geistige Umgebung gibt. Dieses hatte man ja vergessen in der Zeit des Materialismus. Sie wissen auch, daß solches vorsichtig geschehen muß, weil zu gewissen Erkenntnissen ein gewisser Reifezustand der Menschen vorausgesetzt werden muß. Gewiß können nicht alle reif sein, auf die nach dem Gesetze unserer Zeit, das der Öffentlichkeit unterliegt, solche Erkenntnisse wirken, zu denen solche Erkenntnisse kommen. Aber es kann in der Notwendigkeit einer gewissen Zeit liegen, wenigstens zu prüfen, ob solche Erkenntnisse der Öffentlichkeit gegeben werden können.
[ 4 ] Nun konnten in der Mitte des 19. Jahrhunderts zwei Wege eingeschlagen werden. Der eine wäre gewesen, daß man schon dazumal den Weg gewählt hätte, den wir einfach damit bezeichnen können, daß wir auf unsere anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft hinweisen, der Weg, dem menschlichen Denken begreiflich zu machen, was durch okkulte Erkenntnis über die geistige Umgebung erfahren werden kann. Das ist in der Tat etwas, was auch hätte versucht werden können, was aber damals, in der Mitte des 19. Jahrhunderts, nicht versucht worden ist. Man schreckte davor zurück zunächst aus einem gewissen Vorurteil der «Esoteriker», das von alten Zeiten überliefert ist, und das eben darinnen besteht, daß man einfach gewisse, in okkulten Brüderschaften verwahrte Erkenntnisse — damals waren sie eben verwahrt — nicht einfach in der Öffentlichkeit mitteilen soll, sondern sie in den Kreisen der okkulten Brüderschaften lassen soll. Wir sehen ja, daß, wenn die Dinge in der richtigen Weise geschehen, sie durchaus in unserer Zeit geschehen können. Abgesehen davon, daß aus den Kreisen derer, innerhalb welcher diese Erkenntnisse verbreitet worden sind, sich böswillige Gegner gezeigt haben und immer wieder zeigen werden, Menschen, die ihren Leidenschaften, ihrem Egoismus folgend, nachdem sie eine zeitlang Anhänger waren, unter allerlei Masken Gegner werden und dadurch Mißhelligkeit hervorbringen — abgesehen davon und von dem Umstande, daß, wenn in einer Gemeinschaft okkulte Erkenntnisse verbreitet werden, dies sehr leicht zu Streit und Zank und Hader führt — man kann aber darauf nicht allzuviel geben, denn sonst könnte man niemals okkulte Erkenntnisse verbreiten —, können Schädigungen nicht eintreten, wenn die Dinge richtig gemacht werden.
[ 4 ] Nun konnten in der Mitte des 19. Jahrhunderts zwei Wege eingeschlagen werden. Der eine wäre gewesen, daß man schon dazumal den Weg gewählt hätte, den wir einfach damit bezeichnen können, daß wir auf unsere anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft hinweisen, der Weg, dem menschlichen Denken begreiflich zu machen, was durch okkulte Erkenntnis über die geistige Umgebung erfahren werden kann. Das ist in der Tat etwas, was auch hätte versucht werden können, was aber damals, in der Mitte des 19. Jahrhunderts, nicht versucht worden ist. Man schreckte davor zurück zunächst aus einem gewissen Vorurteil der «Esoteriker», das von alten Zeiten überliefert ist, und das eben darinnen besteht, daß man einfach gewisse, in okkulten Brüderschaften verwahrte Erkenntnisse — damals waren sie eben verwahrt — nicht einfach in der Öffentlichkeit mitteilen soll, sondern sie in den Kreisen der okkulten Brüderschaften lassen soll. Wir sehen ja, daß, wenn die Dinge in der richtigen Weise geschehen, sie durchaus in unserer Zeit geschehen können. Abgesehen davon, daß aus den Kreisen derer, innerhalb welcher diese Erkenntnisse verbreitet worden sind, sich böswillige Gegner gezeigt haben und immer wieder zeigen werden, Menschen, die ihren Leidenschaften, ihrem Egoismus folgend, nachdem sie eine zeitlang Anhänger waren, unter allerlei Masken Gegner werden und dadurch Mißhelligkeit hervorbringen — abgesehen davon und von dem Umstande, daß, wenn in einer Gemeinschaft okkulte Erkenntnisse verbreitet werden, dies sehr leicht zu Streit und Zank und Hader führt — man kann aber darauf nicht allzuviel geben, denn sonst könnte man niemals okkulte Erkenntnisse verbreiten —, können Schädigungen nicht eintreten, wenn die Dinge richtig gemacht werden.
[ 5 ] Aber das glaubte man dazumal nicht. Man hielt sich, wie gesagt, an das bezeichnete alte Vorurteil und kam zunächst dahin überein, einen andern Weg einzuschlagen. Dieser Versuch ist nun, wie ich öfters auseinandergesetzt habe, eigentlich gescheitert. Man wählte den Weg, die okkulte Welt durch das Mittel der mediumistischen Offenbarungen geradeso bei den Menschen zur Anerkennung zu bringen wie die sinnliche Welt, indem man dazu geeignete Personen präparierte, Medien zu werden, die dann durch dasjenige, was sie auf medialem Wege bei herabgedämpftem Bewußtsein zutage förderten, die Menschen dazu bringen sollten, gewisse geistige Impulse in der Umwelt anzuerkennen. Das war ein materialistischer Weg, die geistige Welt den Menschen zugänglich zu machen. Er entsprach gewissermaßen dem fünften nachatlantischen Zeitraum, insofern dieser ein materialistisches Gepräge hat.
[ 5 ] Aber das glaubte man dazumal nicht. Man hielt sich, wie gesagt, an das bezeichnete alte Vorurteil und kam zunächst dahin überein, einen andern Weg einzuschlagen. Dieser Versuch ist nun, wie ich öfters auseinandergesetzt habe, eigentlich gescheitert. Man wählte den Weg, die okkulte Welt durch das Mittel der mediumistischen Offenbarungen geradeso bei den Menschen zur Anerkennung zu bringen wie die sinnliche Welt, indem man dazu geeignete Personen präparierte, Medien zu werden, die dann durch dasjenige, was sie auf medialem Wege bei herabgedämpftem Bewußtsein zutage förderten, die Menschen dazu bringen sollten, gewisse geistige Impulse in der Umwelt anzuerkennen. Das war ein materialistischer Weg, die geistige Welt den Menschen zugänglich zu machen. Er entsprach gewissermaßen dem fünften nachatlantischen Zeitraum, insofern dieser ein materialistisches Gepräge hat.
[ 6 ] Die Sache ging, wie Sie wissen, seit der Mitte des 19. Jahrhunderts von Amerika aus; aber es stellte sich sehr bald heraus, daß das Ganze ein Mißgriff war. Statt daß eingetreten wäre, was man erwartet hatte, nämlich daß die Medien angegeben hätten, daß gewisse elementare und Naturgeistigkeiten in der Umgebung sind, beriefen sich alle auf Offenbarungen aus dem Reiche der Toten. Damit war nun nicht erreicht, was man zunächst erreichen sollte. Ich habe ja öfter auseinandergesetzt: An die Toten kann der Mensch erst dadurch herankommen, daß er ein Anschauen in sich entwickelt, welches nicht durch herabgedämpftes Bewußtsein vermittelt ist. Nun, diese Dinge wissen wir ja. Aber man wußte das natürlich auch in der damaligen Zeit, und daher wußte man auch, als die Medien anfingen, von sich aus von Offenbarungen der Toten zu sprechen, daß die ganze Sache ein Mißgriff war. Man hatte das nicht erwartet, sondern man hatte erwartet, daß sie angeben werden, wie die Naturgeister wirken, wie ein Mensch auf den andern wirkt, welche Kräfte in dem sozialen Organismus sind und so weiter. Man hatte gehofft, daß man dadurch erkennen werde, welche Kräfte benützt werden können von dem, der sie kennt, damit Menschen nicht bloß so aufeinander angewiesen sind, wie es durch die Sinne der Fall ist, sondern wie es durch die ganze menschliche Persönlichkeit bedingt ist. Das war das eine Übel.
[ 6 ] Die Sache ging, wie Sie wissen, seit der Mitte des 19. Jahrhunderts von Amerika aus; aber es stellte sich sehr bald heraus, daß das Ganze ein Mißgriff war. Statt daß eingetreten wäre, was man erwartet hatte, nämlich daß die Medien angegeben hätten, daß gewisse elementare und Naturgeistigkeiten in der Umgebung sind, beriefen sich alle auf Offenbarungen aus dem Reiche der Toten. Damit war nun nicht erreicht, was man zunächst erreichen sollte. Ich habe ja öfter auseinandergesetzt: An die Toten kann der Mensch erst dadurch herankommen, daß er ein Anschauen in sich entwickelt, welches nicht durch herabgedämpftes Bewußtsein vermittelt ist. Nun, diese Dinge wissen wir ja. Aber man wußte das natürlich auch in der damaligen Zeit, und daher wußte man auch, als die Medien anfingen, von sich aus von Offenbarungen der Toten zu sprechen, daß die ganze Sache ein Mißgriff war. Man hatte das nicht erwartet, sondern man hatte erwartet, daß sie angeben werden, wie die Naturgeister wirken, wie ein Mensch auf den andern wirkt, welche Kräfte in dem sozialen Organismus sind und so weiter. Man hatte gehofft, daß man dadurch erkennen werde, welche Kräfte benützt werden können von dem, der sie kennt, damit Menschen nicht bloß so aufeinander angewiesen sind, wie es durch die Sinne der Fall ist, sondern wie es durch die ganze menschliche Persönlichkeit bedingt ist. Das war das eine Übel.
[ 7 ] Das andere war, daß der materialistischen Anlage der Menschen gemäß sich sehr bald zeigte, zu welcher Tendenz das Medienwesen geführt hätte, wenn es die Ausbreitung gewonnen hätte, welche drohte. Es hätte dazu geführt, daß man die Medien dazu benützt hätte, um Dinge zu vollziehen, welche man nur unter dem Einflusse der naturgemäßen, an die Sinneswelt gebundenen Vernunft vollziehen soll. Es wäre natürlich für manche Menschen eine höchst begehrenswerte Sache geworden, wenn man ein Medium hätte anstellen können, welches einem angegeben hätte, wie man zu denjenigen Dingen kommen kann, die manche Leute begehren. Ich habe Ihnen erzählt, wie viele Briefe ich bekommen habe, in denen mir Leute schrieben: Ich habe ein Los, oder ich will ein Los kaufen, ich brauche das Geld für einen ganz selbstlosen Zweck; könnten Sie mir nicht sagen, welche Nummer gezogen wird? — Selbstverständlich, hätte man Medien technisch ganz ausgebildet, so hätte man einen unbegrenzten Unfug nach dieser Richtung treiben können, abgesehen von allem übrigen. Man würde zu Medien gegangen sein, um sich zu verheiraten, um sich die entsprechende Braut oder den entsprechenden Bräutigam sagen zu lassen und so weiter.
[ 7 ] Das andere war, daß der materialistischen Anlage der Menschen gemäß sich sehr bald zeigte, zu welcher Tendenz das Medienwesen geführt hätte, wenn es die Ausbreitung gewonnen hätte, welche drohte. Es hätte dazu geführt, daß man die Medien dazu benützt hätte, um Dinge zu vollziehen, welche man nur unter dem Einflusse der naturgemäßen, an die Sinneswelt gebundenen Vernunft vollziehen soll. Es wäre natürlich für manche Menschen eine höchst begehrenswerte Sache geworden, wenn man ein Medium hätte anstellen können, welches einem angegeben hätte, wie man zu denjenigen Dingen kommen kann, die manche Leute begehren. Ich habe Ihnen erzählt, wie viele Briefe ich bekommen habe, in denen mir Leute schrieben: Ich habe ein Los, oder ich will ein Los kaufen, ich brauche das Geld für einen ganz selbstlosen Zweck; könnten Sie mir nicht sagen, welche Nummer gezogen wird? — Selbstverständlich, hätte man Medien technisch ganz ausgebildet, so hätte man einen unbegrenzten Unfug nach dieser Richtung treiben können, abgesehen von allem übrigen. Man würde zu Medien gegangen sein, um sich zu verheiraten, um sich die entsprechende Braut oder den entsprechenden Bräutigam sagen zu lassen und so weiter.
[ 8 ] Daher kam es,daß man von derselben Seite, von welcher man die ganze Aktion eingeleitet hatte, um zu prüfen, ob die Menschen reif wären, Okkultes aufzunehmen, die in Gang gebrachte Bewegung nun wiederum zurückdämmen wollte. Es war nun eben doch so gegangen, wie man in älteren Zeiten, in denen noch die Fähigkeiten der vierten nachatlantischen Epoche in den Menschen nachwirkten, gefürchtet hatte, daß es gehen werde. Die Hexen verbrannte man aus dem einfachen Grunde, weil die als Hexen bezeichneten Persönlichkeiten ja im Grunde genommen auch Medien waren und weil durch ihre Verbindung mit der geistigen Welt, wenn auch auf eine dem Materialismus angemessene Weise, Dinge hätten herauskommen können, die gewissen Leuten höchst unangenehm gewesen wären. So zum Beispiel hätte es gewissen Gemeinschaften höchst unangenehm werden können, wenn eine Hexe, bevor man sie verbrannt hat, darauf aufmerksam gemacht hätte, was hinter der oder jener Gemeinschaft steckt. Denn richtig ist es ja, daß bei herabgedämpftem Bewußtsein gewissermaßen eine Art Telephonanschluß an die geistige Welt stattfindet, und daß allerlei Geheimnisse auf diese Weise herauskommen können. Diejenigen, die die Hexen verbrannt haben, wußten schon ganz genau, warum sie das taten: eben weil ihnen dasjenige hätte unangenehm werden können, was die Welt, sei es im Guten oder im Schlechten, vor allem natürlich im Schlechten, aus dem Munde der Hexen hätte erfahren können. |
[ 8 ] Daher kam es,daß man von derselben Seite, von welcher man die ganze Aktion eingeleitet hatte, um zu prüfen, ob die Menschen reif wären, Okkultes aufzunehmen, die in Gang gebrachte Bewegung nun wiederum zurückdämmen wollte. Es war nun eben doch so gegangen, wie man in älteren Zeiten, in denen noch die Fähigkeiten der vierten nachatlantischen Epoche in den Menschen nachwirkten, gefürchtet hatte, daß es gehen werde. Die Hexen verbrannte man aus dem einfachen Grunde, weil die als Hexen bezeichneten Persönlichkeiten ja im Grunde genommen auch Medien waren und weil durch ihre Verbindung mit der geistigen Welt, wenn auch auf eine dem Materialismus angemessene Weise, Dinge hätten herauskommen können, die gewissen Leuten höchst unangenehm gewesen wären. So zum Beispiel hätte es gewissen Gemeinschaften höchst unangenehm werden können, wenn eine Hexe, bevor man sie verbrannt hat, darauf aufmerksam gemacht hätte, was hinter der oder jener Gemeinschaft steckt. Denn richtig ist es ja, daß bei herabgedämpftem Bewußtsein gewissermaßen eine Art Telephonanschluß an die geistige Welt stattfindet, und daß allerlei Geheimnisse auf diese Weise herauskommen können. Diejenigen, die die Hexen verbrannt haben, wußten schon ganz genau, warum sie das taten: eben weil ihnen dasjenige hätte unangenehm werden können, was die Welt, sei es im Guten oder im Schlechten, vor allem natürlich im Schlechten, aus dem Munde der Hexen hätte erfahren können. |
[ 9 ] Der Versuch, durch Medien die menschliche Kultur zu prüfen, war also mißglückt. Und das haben auch die gesehen, welche, durch die alten Gebote des Nichtsagens und durch die materialistischen Neigungen des 19. Jahrhunderts verführt, diesen Versuch gemacht haben. Sie wissen ja, daß man das Medienwesen nicht ganz einschränken konnte, daß es weiterexistierte, bis heute noch existiert; aber man hat gewissermaßen zurückgezogen die Kunst, die Medien bis zu einem solchen Grade auszubilden, daß ihre Offenbarungen bedeutsam werden. Indem man zurückgezuckt hat, wurde dasjenige, was nun die Medien noch vermögen, mehr oder weniger harmlos. Und in der neueren Zeit kommt, wie Sie wissen, durch Medien nicht viel anderes mehr heraus als etwas salbungsvolle Dinge, bei denen man nur verwundert ist, daß die Leute so großen Wert darauf legen. Das Tor in die geistige Welt war aber gewissermaßen eröffnet, noch dazu auf eine Weise, die eigentlich nicht zeitgemäß war, die ein Fehler war.
[ 9 ] Der Versuch, durch Medien die menschliche Kultur zu prüfen, war also mißglückt. Und das haben auch die gesehen, welche, durch die alten Gebote des Nichtsagens und durch die materialistischen Neigungen des 19. Jahrhunderts verführt, diesen Versuch gemacht haben. Sie wissen ja, daß man das Medienwesen nicht ganz einschränken konnte, daß es weiterexistierte, bis heute noch existiert; aber man hat gewissermaßen zurückgezogen die Kunst, die Medien bis zu einem solchen Grade auszubilden, daß ihre Offenbarungen bedeutsam werden. Indem man zurückgezuckt hat, wurde dasjenige, was nun die Medien noch vermögen, mehr oder weniger harmlos. Und in der neueren Zeit kommt, wie Sie wissen, durch Medien nicht viel anderes mehr heraus als etwas salbungsvolle Dinge, bei denen man nur verwundert ist, daß die Leute so großen Wert darauf legen. Das Tor in die geistige Welt war aber gewissermaßen eröffnet, noch dazu auf eine Weise, die eigentlich nicht zeitgemäß war, die ein Fehler war.
[ 10 ] In diese ganze Zeit hinein fiel dieGeburt und das Wirken der Blavatsky. Man könnte meinen, die Geburt eines Menschen sei bedeutungslos; aber das wäre nur ein Maja-Urteil. — Nun, das, worauf es ankommt, ist, daß in den Brüderschaften dieseganze Aktion besprochen werden mußte, und daß dadurch innerhalb der Brüderschaften viel gesagt, viel ausgesprochen worden ist. Und weil das 19. Jahrhundert nicht mehr so war wie frühere Jahrhunderte, wo man genug Mittel hatte, um die Dinge, die geheimgehalten werden sollten, geheimzuhalten, konnte es geschehen, daß in einem bestimmten Zeitpunkte ein Mitglied einer okkulten Brüderschaft, welches die Absicht hatte, das in diesen Brüderschaften Gehörte in einseitiger Weise auszunützen, an die Blavatsky herankam und sie, die neben ihren andern Eigenschaften vor allen Dingen auch ein außerordentlich starkes Medium war, dazu veranlaßte, gewissermaßen das Vermittlungsglied zu sein für Machinationen, die nun nicht mehr so ehrlich waren wie die ersten. Die ersten waren, wie Sie gesehen haben, ein Irrtum, aber sie waren ehrlich. Bis zu dem, was ich jetzt beginne zu erzählen, war die ganze Sache ein ehrlicher, wenn auch ein irrtümlicher Versuch, die Aufnahmefähigkeit der Menschen zu prüfen. Jetzt aber beginnt gewissermaßen der nicht mehr ehrliche Verrat eines Mitgliedes einer amerikanischen okkulten Brüderschaft, welches den Zweck verfolgte, in einseitiger Weise auszunützen, was es wußte, und sich dazu einer psychisch so veranlagten Persönlichkeit, wie die Blavatsky es war, bedienen wollte. Stellen wir uns nun zunächst die Tatsachen vor Augen, die geschehen sind.
[ 10 ] In diese ganze Zeit hinein fiel dieGeburt und das Wirken der Blavatsky. Man könnte meinen, die Geburt eines Menschen sei bedeutungslos; aber das wäre nur ein Maja-Urteil. — Nun, das, worauf es ankommt, ist, daß in den Brüderschaften dieseganze Aktion besprochen werden mußte, und daß dadurch innerhalb der Brüderschaften viel gesagt, viel ausgesprochen worden ist. Und weil das 19. Jahrhundert nicht mehr so war wie frühere Jahrhunderte, wo man genug Mittel hatte, um die Dinge, die geheimgehalten werden sollten, geheimzuhalten, konnte es geschehen, daß in einem bestimmten Zeitpunkte ein Mitglied einer okkulten Brüderschaft, welches die Absicht hatte, das in diesen Brüderschaften Gehörte in einseitiger Weise auszunützen, an die Blavatsky herankam und sie, die neben ihren andern Eigenschaften vor allen Dingen auch ein außerordentlich starkes Medium war, dazu veranlaßte, gewissermaßen das Vermittlungsglied zu sein für Machinationen, die nun nicht mehr so ehrlich waren wie die ersten. Die ersten waren, wie Sie gesehen haben, ein Irrtum, aber sie waren ehrlich. Bis zu dem, was ich jetzt beginne zu erzählen, war die ganze Sache ein ehrlicher, wenn auch ein irrtümlicher Versuch, die Aufnahmefähigkeit der Menschen zu prüfen. Jetzt aber beginnt gewissermaßen der nicht mehr ehrliche Verrat eines Mitgliedes einer amerikanischen okkulten Brüderschaft, welches den Zweck verfolgte, in einseitiger Weise auszunützen, was es wußte, und sich dazu einer psychisch so veranlagten Persönlichkeit, wie die Blavatsky es war, bedienen wollte. Stellen wir uns nun zunächst die Tatsachen vor Augen, die geschehen sind.
[ 11 ] Als Blavatsky aus dem Munde des Mitgliedes hörte, um was es sich handelte, hatte sie selbstverständlich die Möglichkeit, innerlich darauf zu reagieren, weil sie eine psychische Persönlichkeit war. Das heißt, sie verstand viel mehr von der Sache als derjenige, der ihr die Mitteilungen machte, selber davon verstand. Die in formelhaftes Gewand gekleideten alten Überlieferungen entzündeten in ihrer Seele bedeutsame Erkenntnisse, die sie wohl kaum durch bloße Eigenentwickelung hätte erlangen können. Aber indem in ihr innere seelische Erlebnisse durch uralte Formeln angeregt wurden, die noch aus der Zeit des atavistischen Hellsehens stammen und in den okkulten Brüderschaften, oftmals ohne daß die Mitglieder sie verstehen, aufbewahrt werden, wurde eine große Summe von Wissen in ihr entzündet, und sie wußte natürlich auch, daß dieses Wissen eine Bedeutung haben muß für die neuzeitliche Menschheitsentwickelung, und daß man nur die richtigen Wege einzuschlagen hatte, um dieses Wissen in einer bestimmten Art zu verwerten.
[ 11 ] Als Blavatsky aus dem Munde des Mitgliedes hörte, um was es sich handelte, hatte sie selbstverständlich die Möglichkeit, innerlich darauf zu reagieren, weil sie eine psychische Persönlichkeit war. Das heißt, sie verstand viel mehr von der Sache als derjenige, der ihr die Mitteilungen machte, selber davon verstand. Die in formelhaftes Gewand gekleideten alten Überlieferungen entzündeten in ihrer Seele bedeutsame Erkenntnisse, die sie wohl kaum durch bloße Eigenentwickelung hätte erlangen können. Aber indem in ihr innere seelische Erlebnisse durch uralte Formeln angeregt wurden, die noch aus der Zeit des atavistischen Hellsehens stammen und in den okkulten Brüderschaften, oftmals ohne daß die Mitglieder sie verstehen, aufbewahrt werden, wurde eine große Summe von Wissen in ihr entzündet, und sie wußte natürlich auch, daß dieses Wissen eine Bedeutung haben muß für die neuzeitliche Menschheitsentwickelung, und daß man nur die richtigen Wege einzuschlagen hatte, um dieses Wissen in einer bestimmten Art zu verwerten.
[ 12 ] Von der Blavatsky selber, von der Persönlichkeit der Blavatsky, konnte man nicht verlangen, daß sie nun im Sinne eines höchsten Okkultismus nur das Heil der gesamten Menschheit im Auge habe; sondern sie bekam die Idee, gewissen Zielen nachzugehen, die sie verstand. Dazu war sie auf die Weise gekommen, wie ich es geschildert habe. Da verlangte sie nun ihre Aufnahme in eine okkulte Brüderschaft in Paris. Durch diese wollte sie zunächst wirken. Natürlich wäre sie unter den gewöhnlichen Bedingungen einfach aufgenommen worden, abgesehen davon, daß es eine Art Abnormität gewesen wäre, eine Frau aufzunehmen; aber darüber hätte man sich in diesem Falle hinweggesetzt, denn man wußte, daß man es mit einer bedeutsamen Individualität zu tun hatte. Aber einfach als gewöhnliches Mitglied aufgenommen zu werden, hätte ihr nicht gedient, und so stellte sie denn gewisse Bedingungen. Hätte man diese Bedingungen erfüllt, dann würde vieles allerdings anders geworden sein, aber es hätte sich diese okkulte Brüderschaft zu gleicher Zeit in einer gewissen Beziehung das Todesurteil ausgestellt, das heißt, sie hätte sich eigentlich unwirksam gemacht. Daher verweigerte man in Paris der Blavatsky die Aufnahme. Dann wandte sie sich nach Amerika und wurde dort tatsächlich in einer okkulten Brüderschaft aufgenommen. Und die Folge davon war, daß sie natürlich ganz ungeheuer bedeutende Einblicke gewann in dasjenige, was solche okkulten Brüderschaften wollen, eben solche — das sei hier gleich gesagt —, die keineswegs im Sinne haben, ohne Ansehen von irgendwelchen Differenzierungen in der Menschheit das gesamte Heil der Menschheit anzustreben, sondern die einseitige, gewissen Gruppen dienende Absichten haben. So zu wirken, wie diese Brüderschaften wirken wollten, das lag nicht in der Natur derBlavatsky.Und so kam es denn dazu, daß sie unter dem Einflusse dessen,was man nannte eine Attacke auf die Verfassung Nordamerikas, von jener Brüderschaft ausgeschlossen werden mußte.
[ 12 ] Von der Blavatsky selber, von der Persönlichkeit der Blavatsky, konnte man nicht verlangen, daß sie nun im Sinne eines höchsten Okkultismus nur das Heil der gesamten Menschheit im Auge habe; sondern sie bekam die Idee, gewissen Zielen nachzugehen, die sie verstand. Dazu war sie auf die Weise gekommen, wie ich es geschildert habe. Da verlangte sie nun ihre Aufnahme in eine okkulte Brüderschaft in Paris. Durch diese wollte sie zunächst wirken. Natürlich wäre sie unter den gewöhnlichen Bedingungen einfach aufgenommen worden, abgesehen davon, daß es eine Art Abnormität gewesen wäre, eine Frau aufzunehmen; aber darüber hätte man sich in diesem Falle hinweggesetzt, denn man wußte, daß man es mit einer bedeutsamen Individualität zu tun hatte. Aber einfach als gewöhnliches Mitglied aufgenommen zu werden, hätte ihr nicht gedient, und so stellte sie denn gewisse Bedingungen. Hätte man diese Bedingungen erfüllt, dann würde vieles allerdings anders geworden sein, aber es hätte sich diese okkulte Brüderschaft zu gleicher Zeit in einer gewissen Beziehung das Todesurteil ausgestellt, das heißt, sie hätte sich eigentlich unwirksam gemacht. Daher verweigerte man in Paris der Blavatsky die Aufnahme. Dann wandte sie sich nach Amerika und wurde dort tatsächlich in einer okkulten Brüderschaft aufgenommen. Und die Folge davon war, daß sie natürlich ganz ungeheuer bedeutende Einblicke gewann in dasjenige, was solche okkulten Brüderschaften wollen, eben solche — das sei hier gleich gesagt —, die keineswegs im Sinne haben, ohne Ansehen von irgendwelchen Differenzierungen in der Menschheit das gesamte Heil der Menschheit anzustreben, sondern die einseitige, gewissen Gruppen dienende Absichten haben. So zu wirken, wie diese Brüderschaften wirken wollten, das lag nicht in der Natur derBlavatsky.Und so kam es denn dazu, daß sie unter dem Einflusse dessen,was man nannte eine Attacke auf die Verfassung Nordamerikas, von jener Brüderschaft ausgeschlossen werden mußte.
[ 13 ] Nun war sie ausgeschlossen. Sie war aber natürlich nicht eine Persönlichkeit, die nun alles resigniert hinnahm, sondern sie hat sehr scharf gedroht: sie werde der amerikanischen Brüderschaft schon zeigen, was es bedeute, nachdem sie so viel weiß, nun ausgeschlossen zu werden. In der Tat stand die amerikanische Brüderschaft jetzt unter dem Damoklesschwert. Hätte die Blavatsky der Welt mitgeteilt, was sie dadurch, daß sie dadrinnen gewesen war, wußte, so wäre das für jene amerikanische Brüderschaft das Todesurteil gewesen. Die Folge war nun, daß sich amerikanische und europäische Okkultisten verbanden, um die Blavatsky in denjenigen Zustand zu versetzen, welchen man die okkulte Gefangenschaft nennt. Es bedeutet dies, daß durch gewisse Machinationen eine Sphäre von Imaginationen in einer Seele hervorgerufen wird, wodurch eine Trübung desjenigen eintritt, was die Seele vorher gewußt hat, wodurch das gewissermaßen unwirksam wird. Es ist das eine Prozedur, welche von ehrlichen Okkultisten niemals und selbst von unehrlichen Okkultisten nur sehr selten angewendet wird, die aber dazumal angewendet worden ist, um jener okkulten Brüderschaft gewissermaßen das Leben, das heißt, die Wirksamkeit zu retten.
[ 13 ] Nun war sie ausgeschlossen. Sie war aber natürlich nicht eine Persönlichkeit, die nun alles resigniert hinnahm, sondern sie hat sehr scharf gedroht: sie werde der amerikanischen Brüderschaft schon zeigen, was es bedeute, nachdem sie so viel weiß, nun ausgeschlossen zu werden. In der Tat stand die amerikanische Brüderschaft jetzt unter dem Damoklesschwert. Hätte die Blavatsky der Welt mitgeteilt, was sie dadurch, daß sie dadrinnen gewesen war, wußte, so wäre das für jene amerikanische Brüderschaft das Todesurteil gewesen. Die Folge war nun, daß sich amerikanische und europäische Okkultisten verbanden, um die Blavatsky in denjenigen Zustand zu versetzen, welchen man die okkulte Gefangenschaft nennt. Es bedeutet dies, daß durch gewisse Machinationen eine Sphäre von Imaginationen in einer Seele hervorgerufen wird, wodurch eine Trübung desjenigen eintritt, was die Seele vorher gewußt hat, wodurch das gewissermaßen unwirksam wird. Es ist das eine Prozedur, welche von ehrlichen Okkultisten niemals und selbst von unehrlichen Okkultisten nur sehr selten angewendet wird, die aber dazumal angewendet worden ist, um jener okkulten Brüderschaft gewissermaßen das Leben, das heißt, die Wirksamkeit zu retten.
[ 14 ] Jahrelang befand sich die Blavatsky in dieser okkulten Gefangenschaft, bis sich ihrer gewisse indische Okkultisten annahmen, welche ein Interesse hatten, gegen die amerikanische Brüderschaft zu wirken. Sie sehen, man hat es da immer mit einseitig wirkenden okkulten Strömungen zu tun. Und so kam denn die Blavatsky in dieses Ihnen ja wohlbekannte indische Fahrwasser. Die indischen Okkultisten hatten alles Interesse daran, gegen die amerikanische Brüderschaft vorzugehen. Nicht weil sie die im allgemeinen so ansehen, daß sie der Menschheit nicht im großen und ganzen dienen, sondern weil sie wiederum von ihrem einseitigen, man könnte sagen, indisch-patriotischen Gesichtspunkte aus gegen die amerikanische Brüderschaft wirken wollten. Aber durch allerlei Machinationen kam zwischen gewissen indischen und amerikanischen Okkultisten eine Art von Ausgleich zustande. Die amerikanischen versprachen den indischen, nicht hineinzureden in dasjenige, was sie mit der Blavatsky machten, und die indischen verpflichteten sich dazu, über dasjenige zu schweigen, was vorangegangen war.
[ 14 ] Jahrelang befand sich die Blavatsky in dieser okkulten Gefangenschaft, bis sich ihrer gewisse indische Okkultisten annahmen, welche ein Interesse hatten, gegen die amerikanische Brüderschaft zu wirken. Sie sehen, man hat es da immer mit einseitig wirkenden okkulten Strömungen zu tun. Und so kam denn die Blavatsky in dieses Ihnen ja wohlbekannte indische Fahrwasser. Die indischen Okkultisten hatten alles Interesse daran, gegen die amerikanische Brüderschaft vorzugehen. Nicht weil sie die im allgemeinen so ansehen, daß sie der Menschheit nicht im großen und ganzen dienen, sondern weil sie wiederum von ihrem einseitigen, man könnte sagen, indisch-patriotischen Gesichtspunkte aus gegen die amerikanische Brüderschaft wirken wollten. Aber durch allerlei Machinationen kam zwischen gewissen indischen und amerikanischen Okkultisten eine Art von Ausgleich zustande. Die amerikanischen versprachen den indischen, nicht hineinzureden in dasjenige, was sie mit der Blavatsky machten, und die indischen verpflichteten sich dazu, über dasjenige zu schweigen, was vorangegangen war.
[ 15 ] Wenn man diese Dinge in Betracht zieht und dazufügt, worauf ich Sie ja auch schon hingewiesen habe, daß an die Stelle des alten Lehrers, Führers der Blavatsky, eine Maskenpersönlichkeit, ein Masken-Mahatma gesetzt worden war, der aber eigentlich in den Diensten einer europäischen Macht stand und die Aufgabe hatte, dasjenige, was durch die Blavatsky bewirkt werden konnte, im Dienste einer bestimmten europäischen Macht zu verwerten, so wird man sehen, wie verwickelt diese Dinge eigentlich sind. Um was es sich in Wahrheit handelt, wird man vielleicht einsehen können, wenn man sich frägt: Was wäre denn geschehen, wenn das eine oder das andere verwirklicht worden wäre?
[ 15 ] Wenn man diese Dinge in Betracht zieht und dazufügt, worauf ich Sie ja auch schon hingewiesen habe, daß an die Stelle des alten Lehrers, Führers der Blavatsky, eine Maskenpersönlichkeit, ein Masken-Mahatma gesetzt worden war, der aber eigentlich in den Diensten einer europäischen Macht stand und die Aufgabe hatte, dasjenige, was durch die Blavatsky bewirkt werden konnte, im Dienste einer bestimmten europäischen Macht zu verwerten, so wird man sehen, wie verwickelt diese Dinge eigentlich sind. Um was es sich in Wahrheit handelt, wird man vielleicht einsehen können, wenn man sich frägt: Was wäre denn geschehen, wenn das eine oder das andere verwirklicht worden wäre?
[ 16 ] Nun ist die Zeit zu kurz, um Ihnen alles heute schon zu erzählen, aber greifen wir zunächst einzelnes heraus. Wir können ja auf die Dinge demnächst wieder zurückkommen. — Nehmen wir einmal an, es wäre der Blavatsky gelungen, in der Pariser okkulten Loge aufgenommen zu werden, wie sie es angestrebt hat. Dann würde sie wohl nicht unter den Einfluß desjenigen gekommen sein, der dann in der Theosophical Society als ein Mahatma verehrt worden ist, der er aber nicht war, und es wäre dazu gekommen, der Pariser okkulten Loge das Lebenslicht auszublasen. Dann wäre vieles nicht geschehen, wohinter jetzt dieselbe Pariser okkulte Loge steht, beziehungsweise es wäre wahrscheinlich im Dienste einer andern Einseitigkeit geschehen. Es hätte dann manches einen andern Verlauf nehmen müssen, als es genommen hat. Denn es bestand schon die Absicht, die psychische Persönlichkeit der Blavatsky dazu zu verwenden, die Pariser Loge auszumerzen. Und wäre diese damals ausgemerzt worden, dann hätte hinter all diesen in der Geschichte mehr oder weniger als Marionettenfiguren lebenden Menschen nichts gestanden. Die Silvagni, Durante, Sergi, Cecconi, die ganze Verwandtschaft von Signor Lombroso und manche andern hätten keine okkulten Hintermänner gehabt. Und manche Türe, die wie eine Art von Schiebetüre wirkt, wäre geschlossen geblieben. — Sie werden verstehen, daß die Dinge etwas symbolisch gemeint sind: in gewissen Ländern haben Redaktionen — es ist bildlich gemeint! — eine anständige Türe und eine Schiebetüre; durch die anständige Türe kommt man in die Redaktion, durch die Schiebetüre in irgendeine okkulte Brüderschaft, die so wirkt, wie ich es in den letzten Tagen in verschiedener Weise angedeutet habe, als deren Resultat dann solche Dinge entstehen, wie wir sie ja auch verschiedentlich angedeutet haben. — Es handelte sich also darum, zunächst etwas aus der Welt zu schaffen, was wenigstens jene Richtung abgelenkt hätte, welche wir in der Gegenwart wirksam gesehen haben. Der Signor d’ Annunzio würde dann die Rede nicht gehalten haben, die wir angeführt haben.
[ 16 ] Nun ist die Zeit zu kurz, um Ihnen alles heute schon zu erzählen, aber greifen wir zunächst einzelnes heraus. Wir können ja auf die Dinge demnächst wieder zurückkommen. — Nehmen wir einmal an, es wäre der Blavatsky gelungen, in der Pariser okkulten Loge aufgenommen zu werden, wie sie es angestrebt hat. Dann würde sie wohl nicht unter den Einfluß desjenigen gekommen sein, der dann in der Theosophical Society als ein Mahatma verehrt worden ist, der er aber nicht war, und es wäre dazu gekommen, der Pariser okkulten Loge das Lebenslicht auszublasen. Dann wäre vieles nicht geschehen, wohinter jetzt dieselbe Pariser okkulte Loge steht, beziehungsweise es wäre wahrscheinlich im Dienste einer andern Einseitigkeit geschehen. Es hätte dann manches einen andern Verlauf nehmen müssen, als es genommen hat. Denn es bestand schon die Absicht, die psychische Persönlichkeit der Blavatsky dazu zu verwenden, die Pariser Loge auszumerzen. Und wäre diese damals ausgemerzt worden, dann hätte hinter all diesen in der Geschichte mehr oder weniger als Marionettenfiguren lebenden Menschen nichts gestanden. Die Silvagni, Durante, Sergi, Cecconi, die ganze Verwandtschaft von Signor Lombroso und manche andern hätten keine okkulten Hintermänner gehabt. Und manche Türe, die wie eine Art von Schiebetüre wirkt, wäre geschlossen geblieben. — Sie werden verstehen, daß die Dinge etwas symbolisch gemeint sind: in gewissen Ländern haben Redaktionen — es ist bildlich gemeint! — eine anständige Türe und eine Schiebetüre; durch die anständige Türe kommt man in die Redaktion, durch die Schiebetüre in irgendeine okkulte Brüderschaft, die so wirkt, wie ich es in den letzten Tagen in verschiedener Weise angedeutet habe, als deren Resultat dann solche Dinge entstehen, wie wir sie ja auch verschiedentlich angedeutet haben. — Es handelte sich also darum, zunächst etwas aus der Welt zu schaffen, was wenigstens jene Richtung abgelenkt hätte, welche wir in der Gegenwart wirksam gesehen haben. Der Signor d’ Annunzio würde dann die Rede nicht gehalten haben, die wir angeführt haben.
[ 17 ] Nun, vielleicht wäre aber eine andere gehalten worden, die nur die Dinge in eine andere Richtung geschoben hätte. — Aber Sie sehen, daß in dem Augenblicke, wo nicht mit völliger Beherrschung der Dinge, also irgendwie mit herabgedrängtem Bewußtsein Menschen geschoben werden, daß dann, wenn Okkultismus in Betracht kommt, dem es nicht um das allgemeine Heil der Menschheit und in unserer Zeit vor allen Dingen nicht um wirkliche Erkenntnis, sondern darum zu tun ist, gewisse Spezialziele zu erreichen, daß dann die Dinge unter Umständen schon ein schlimmes Aussehen bekommen können.
[ 17 ] Nun, vielleicht wäre aber eine andere gehalten worden, die nur die Dinge in eine andere Richtung geschoben hätte. — Aber Sie sehen, daß in dem Augenblicke, wo nicht mit völliger Beherrschung der Dinge, also irgendwie mit herabgedrängtem Bewußtsein Menschen geschoben werden, daß dann, wenn Okkultismus in Betracht kommt, dem es nicht um das allgemeine Heil der Menschheit und in unserer Zeit vor allen Dingen nicht um wirkliche Erkenntnis, sondern darum zu tun ist, gewisse Spezialziele zu erreichen, daß dann die Dinge unter Umständen schon ein schlimmes Aussehen bekommen können.
[ 18 ] Also wie gesagt, man war in dieser Loge gescheit genug, vom Standpunkte dieser Loge aus nicht einzugehen auf die Sache. Später sind gewisse Dinge wiederum, ich möchte sagen, vertuscht, vernebelt worden dadurch, daß die Blavatsky durch ihre okkulte Gefangenschaft verhindert worden ist, die Impulse jener amerikanischen Loge in einer gewissen Färbung, wie sie es ja zweifellos auch wiederum getan haben würde, zu publizieren. Gedient wurde durch die Blavatsky, nachdem alle diese Vorgänge sich abgespielt hatten, eigentlich nur dem indischen Okkultismus. Und daß eine gewisse Summe von okkulten Erkenntnissen gerade einseitig indischer Färbung in die Welt gekommen ist, das hat schon für die neuere Zeit eine ganz bestimmte Bedeutung. Die ist ja in die Welt gekommen, die ist da. Aber mehr oder weniger unbewußt ist der Welt geblieben, was auf die angedeutete Art paralysiert worden ist.
[ 18 ] Also wie gesagt, man war in dieser Loge gescheit genug, vom Standpunkte dieser Loge aus nicht einzugehen auf die Sache. Später sind gewisse Dinge wiederum, ich möchte sagen, vertuscht, vernebelt worden dadurch, daß die Blavatsky durch ihre okkulte Gefangenschaft verhindert worden ist, die Impulse jener amerikanischen Loge in einer gewissen Färbung, wie sie es ja zweifellos auch wiederum getan haben würde, zu publizieren. Gedient wurde durch die Blavatsky, nachdem alle diese Vorgänge sich abgespielt hatten, eigentlich nur dem indischen Okkultismus. Und daß eine gewisse Summe von okkulten Erkenntnissen gerade einseitig indischer Färbung in die Welt gekommen ist, das hat schon für die neuere Zeit eine ganz bestimmte Bedeutung. Die ist ja in die Welt gekommen, die ist da. Aber mehr oder weniger unbewußt ist der Welt geblieben, was auf die angedeutete Art paralysiert worden ist.
[ 19 ] Die mit solchen Dingen rechnen, machen stets große Zeiträume für sich geltend. Sie bereiten die Dinge vor, lassen sie sich entwickeln; denn es sind nicht einzelne Menschen, sondern Brüderschaften, in denen der Nachfolger dem Vorfahren die Dienste abnimmt, um dasjenige, was begonnen ist, in derselben Richtung fortzusetzen.
[ 19 ] Die mit solchen Dingen rechnen, machen stets große Zeiträume für sich geltend. Sie bereiten die Dinge vor, lassen sie sich entwickeln; denn es sind nicht einzelne Menschen, sondern Brüderschaften, in denen der Nachfolger dem Vorfahren die Dienste abnimmt, um dasjenige, was begonnen ist, in derselben Richtung fortzusetzen.
[ 20 ] Sie sehen, daß bei den zwei Beispielen, die ich Ihnen von okkulten Logen sagte, viel darauf ankam, daß ihre eigentlichen Impulse nicht in die Öffentlichkeit kommen. Ich möchte nicht mißverstanden werden und habe deshalb ausdrücklich gesagt: Eine gewisse Ehrlichkeit lag‘ dem ersten Versuch, den ich Ihnen charakterisiert habe, zugrunde. Aber es ist außerordentlich schwierig für die Menschen, wirklich objektiv menschlich zu sein, weil in der neueren Zeit wenig Neigung vorhanden ist, objektiv menschlich zu sein. Es lassen sich die Leute leicht durch das Gruppenhafte verführen, nicht objektiv menschlich zu sein, sondern einseitig dieser oder jener Gruppe zu huldigen, sich als Mitglied dieser oder jener Gruppe zu fühlen. Aber das ist an sich etwas, was nicht mehr völlig stimmt zu dem Momente der Menschheitsentwickelung, an dem wir nun einmal angelangt sind. Der fordert, daß der Mensch, wenigstens bis zu einem gewissen Grade, sich als eine Individualität fühlt, sich wenigstens innerlich loslöst von dem Gruppenmäßigen und lernt, als Mensch der Menschheit anzugehören. Zeigt auch gerade unsere Gegenwart in so grotesker Weise, wie unmöglich das gewissen Menschen ist, so ist es dennoch eine Forderung unserer Zeit.
[ 20 ] Sie sehen, daß bei den zwei Beispielen, die ich Ihnen von okkulten Logen sagte, viel darauf ankam, daß ihre eigentlichen Impulse nicht in die Öffentlichkeit kommen. Ich möchte nicht mißverstanden werden und habe deshalb ausdrücklich gesagt: Eine gewisse Ehrlichkeit lag‘ dem ersten Versuch, den ich Ihnen charakterisiert habe, zugrunde. Aber es ist außerordentlich schwierig für die Menschen, wirklich objektiv menschlich zu sein, weil in der neueren Zeit wenig Neigung vorhanden ist, objektiv menschlich zu sein. Es lassen sich die Leute leicht durch das Gruppenhafte verführen, nicht objektiv menschlich zu sein, sondern einseitig dieser oder jener Gruppe zu huldigen, sich als Mitglied dieser oder jener Gruppe zu fühlen. Aber das ist an sich etwas, was nicht mehr völlig stimmt zu dem Momente der Menschheitsentwickelung, an dem wir nun einmal angelangt sind. Der fordert, daß der Mensch, wenigstens bis zu einem gewissen Grade, sich als eine Individualität fühlt, sich wenigstens innerlich loslöst von dem Gruppenmäßigen und lernt, als Mensch der Menschheit anzugehören. Zeigt auch gerade unsere Gegenwart in so grotesker Weise, wie unmöglich das gewissen Menschen ist, so ist es dennoch eine Forderung unserer Zeit.
[ 21 ] Nehmen Sie ein Beispiel, knüpfen Sie an dasjenige an, was ich vor einigen Tagen hier sagte: daß, wenn wir Völker überschauen, wir es mit Individualitäten zu tun haben, die man nicht vergleichen darf mit der Individualität eines Menschen, wie er hier auf dem physischen Plane lebt und seine Entwickelung durchmacht zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Man hat es bei Völkern mit andern Individualitäten zu tun. Das, was man Volksgeist, Volksseele nennen kann, ist, wie Sie aus alldem, was Sie in unserer anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft finden, ersehen können, etwas anderes, als was die Seele eines einzelnen Menschen ist. Und mit materialistischem Geist, wie es heute geschieht, von der Seele eines Volkes zu sprechen, indem man doch immer den Untergrund hat, daß man etwas Ähnliches meint wie die Seele eines Menschen, wenn man sich das natürlich auch nicht gesteht, das ist im Grunde genommen ein Unfug. So kann heute das Wort gehört werden «die französische Seele», man hat das in den letzten Jahren immer wieder und wieder gehört. Es ist ein Unsinn, ein ganz gewöhnlicher Unsinn, weil es nur ein Analogon ist, das man von der individuellen Menschenseele nimmt und auf die Volksseele überträgt. Man kann von der Volksseele nur sprechen, wenn man den ganzen Zusammenhang nimmt, der Ihnen in dem Vortragszyklus über die verschiedenen Volksgeister gegeben ist. Aber in einem andern Sinne, etwa in dem Sinne davon zu reden, wie eben viele heute es tun, selbst Journalisten — bei denen man nur sagen kann, es soll ihnen verziehen werden, denn sie wissen nicht, was sie reden —, in diesem Sinne von der Volksseele zu reden, ist eben ein völliger Unsinn. Es ist eine bloße Tirade, wenn zum Beispiel geredet wird von der «keltischen Seele und dem lateinischen Geist». Als Analogie mag so etwas angehen, aber eine Realität ist damit nicht ins Auge gefaßt.
[ 21 ] Nehmen Sie ein Beispiel, knüpfen Sie an dasjenige an, was ich vor einigen Tagen hier sagte: daß, wenn wir Völker überschauen, wir es mit Individualitäten zu tun haben, die man nicht vergleichen darf mit der Individualität eines Menschen, wie er hier auf dem physischen Plane lebt und seine Entwickelung durchmacht zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Man hat es bei Völkern mit andern Individualitäten zu tun. Das, was man Volksgeist, Volksseele nennen kann, ist, wie Sie aus alldem, was Sie in unserer anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft finden, ersehen können, etwas anderes, als was die Seele eines einzelnen Menschen ist. Und mit materialistischem Geist, wie es heute geschieht, von der Seele eines Volkes zu sprechen, indem man doch immer den Untergrund hat, daß man etwas Ähnliches meint wie die Seele eines Menschen, wenn man sich das natürlich auch nicht gesteht, das ist im Grunde genommen ein Unfug. So kann heute das Wort gehört werden «die französische Seele», man hat das in den letzten Jahren immer wieder und wieder gehört. Es ist ein Unsinn, ein ganz gewöhnlicher Unsinn, weil es nur ein Analogon ist, das man von der individuellen Menschenseele nimmt und auf die Volksseele überträgt. Man kann von der Volksseele nur sprechen, wenn man den ganzen Zusammenhang nimmt, der Ihnen in dem Vortragszyklus über die verschiedenen Volksgeister gegeben ist. Aber in einem andern Sinne, etwa in dem Sinne davon zu reden, wie eben viele heute es tun, selbst Journalisten — bei denen man nur sagen kann, es soll ihnen verziehen werden, denn sie wissen nicht, was sie reden —, in diesem Sinne von der Volksseele zu reden, ist eben ein völliger Unsinn. Es ist eine bloße Tirade, wenn zum Beispiel geredet wird von der «keltischen Seele und dem lateinischen Geist». Als Analogie mag so etwas angehen, aber eine Realität ist damit nicht ins Auge gefaßt.
[ 22 ] Wir müssen uns darüber klar sein, was das Mysterium von Golgatha bedeutet. Wir haben es ja so oft ausgesprochen: Das Mysterium von Golgatha hat sich so vollzogen, daß dasjenige, was seit dem Mysterium von Golgatha mit der Erdenevolution verbunden ist, zwar für die Gesamtmenschheit da ist, wenn aber der einzelne von einem mystischen Christus in sich spricht, so ist das ein bloßes Geschwätz. Das Mysterium von Golgatha ist eine objektive Realität, wie Sie ja aus vielem wissen, was hier gesagt worden ist. Aber das, was für die ganze Menschheit ist, ist so gemeint, daß dabei der einzelne Mensch in Betracht kommt als Mensch. Der Christus ist gestorben für alle Menschen, aber als Mensch und für die Menschen, nicht für irgendwelche andere Wesensart. Man kann daher von einem Christen sprechen, von der christlichen Gesinnung des einzelnen Menschen, aber es ist ein völliger Unsinn, etwa von einem christlichen Volk zu sprechen. Das hat keine Realität. Christus ist nicht für die Völker gestorben, die Völker sind nicht die Individualitäten, die dabei in Betracht kommen. Christlich kann ein einzelner Mensch sein, der mit dem Wesen des Mysteriums von Golgatha verbunden ist; aber man kann nicht von einem christlichen Volke sprechen. Dasjenige, was den Völkern als wirkliche Seele zugrunde liegt, gehört Plänen an, auf denen sich das Mysterium von Golgatha nicht vollzogen hat. Was sich als Aktionen zwischen Völkern abspielt, kann niemals in einem christlichen Sinne gedeutet oder kommentiert werden.
[ 22 ] Wir müssen uns darüber klar sein, was das Mysterium von Golgatha bedeutet. Wir haben es ja so oft ausgesprochen: Das Mysterium von Golgatha hat sich so vollzogen, daß dasjenige, was seit dem Mysterium von Golgatha mit der Erdenevolution verbunden ist, zwar für die Gesamtmenschheit da ist, wenn aber der einzelne von einem mystischen Christus in sich spricht, so ist das ein bloßes Geschwätz. Das Mysterium von Golgatha ist eine objektive Realität, wie Sie ja aus vielem wissen, was hier gesagt worden ist. Aber das, was für die ganze Menschheit ist, ist so gemeint, daß dabei der einzelne Mensch in Betracht kommt als Mensch. Der Christus ist gestorben für alle Menschen, aber als Mensch und für die Menschen, nicht für irgendwelche andere Wesensart. Man kann daher von einem Christen sprechen, von der christlichen Gesinnung des einzelnen Menschen, aber es ist ein völliger Unsinn, etwa von einem christlichen Volk zu sprechen. Das hat keine Realität. Christus ist nicht für die Völker gestorben, die Völker sind nicht die Individualitäten, die dabei in Betracht kommen. Christlich kann ein einzelner Mensch sein, der mit dem Wesen des Mysteriums von Golgatha verbunden ist; aber man kann nicht von einem christlichen Volke sprechen. Dasjenige, was den Völkern als wirkliche Seele zugrunde liegt, gehört Plänen an, auf denen sich das Mysterium von Golgatha nicht vollzogen hat. Was sich als Aktionen zwischen Völkern abspielt, kann niemals in einem christlichen Sinne gedeutet oder kommentiert werden.
[ 23 ] Ich mache auf solche Dinge nur deshalb aufmerksam, weil es notwendig ist, daß gerade Sie einsehen, meine lieben Freunde, wie sehr man heute darauf halten muß, zu reinlichen Begriffen zu kommen. Man kann das nur, wenn man die Dinge geisteswissenschaftlich betrachtet, währenddem das Bestreben der Menschheit ist, mit möglichst unsinnigen Begriffen, mit unreinlichen Begriffen im trüben zu fischen. Es handelt sich also vor allen Dingen darum, zu reinlichen Begriffen zu kommen, die Dinge wirklich im Sinne von reinlichen Begriffen anzusehen und zu verstehen, daß in unserer Zeit, aber vorzugsweise durch Menschen, schon gewisse okkulte, gewisse geistige Impulse wirkten. Das entspricht dem fünften nachatlantischen Zeitraum.
[ 23 ] Ich mache auf solche Dinge nur deshalb aufmerksam, weil es notwendig ist, daß gerade Sie einsehen, meine lieben Freunde, wie sehr man heute darauf halten muß, zu reinlichen Begriffen zu kommen. Man kann das nur, wenn man die Dinge geisteswissenschaftlich betrachtet, währenddem das Bestreben der Menschheit ist, mit möglichst unsinnigen Begriffen, mit unreinlichen Begriffen im trüben zu fischen. Es handelt sich also vor allen Dingen darum, zu reinlichen Begriffen zu kommen, die Dinge wirklich im Sinne von reinlichen Begriffen anzusehen und zu verstehen, daß in unserer Zeit, aber vorzugsweise durch Menschen, schon gewisse okkulte, gewisse geistige Impulse wirkten. Das entspricht dem fünften nachatlantischen Zeitraum.
[ 24 ] Nun handelt es sich darum, daß vor allen Dingen, wenn Blavatsky damals hätte sprechen können, gewisse Geheimnisse herausgekommen wären, auf die ich schon hingedeutet habe, Geheimnisse gewisser okkulter Brüderschaften, die zusammenhängen mit dem ganzen Wollen weitausgedehnter Gruppen. Ich habe Ihnen gesagt: Gesetze liegen dem Entstehen und der Entwickelung dessen zugrunde, was man ein Volkstum nennen kann. Diese Gesetze kennt man in der äußeren physischen Welt gewöhnlich nicht. Und das ist zunächst gut, denn sie sollen nur erkannt werden von dem, der sie mit reinlichen Händen empfangen will. Das Eingreifen in dasjenige, was pulst als geistige Kräfte in der Menschheitsentwickelung auf dem Boden, auf dem sich zum Beispiel Volkstümer entwickeln, das Eingreifen in einseitiger Weise, wie es gewisse Brüderschaften der Neuzeit tun, das ist es eben, was mit den schwersten Prüfungen der ganzen Menschheit in der Gegenwart und in der Zukunft zusammenhängt. Alles, was in der Evolution geschieht, geschieht ja gesetzmäßig, geschieht regelmäßig, geschieht nach gewissen Kräften. Die Menschen greifen ein, zum Teil unbewußt, und wenn sie Mitglieder von okkulten Brüderschaften sind, bewußt.
[ 24 ] Nun handelt es sich darum, daß vor allen Dingen, wenn Blavatsky damals hätte sprechen können, gewisse Geheimnisse herausgekommen wären, auf die ich schon hingedeutet habe, Geheimnisse gewisser okkulter Brüderschaften, die zusammenhängen mit dem ganzen Wollen weitausgedehnter Gruppen. Ich habe Ihnen gesagt: Gesetze liegen dem Entstehen und der Entwickelung dessen zugrunde, was man ein Volkstum nennen kann. Diese Gesetze kennt man in der äußeren physischen Welt gewöhnlich nicht. Und das ist zunächst gut, denn sie sollen nur erkannt werden von dem, der sie mit reinlichen Händen empfangen will. Das Eingreifen in dasjenige, was pulst als geistige Kräfte in der Menschheitsentwickelung auf dem Boden, auf dem sich zum Beispiel Volkstümer entwickeln, das Eingreifen in einseitiger Weise, wie es gewisse Brüderschaften der Neuzeit tun, das ist es eben, was mit den schwersten Prüfungen der ganzen Menschheit in der Gegenwart und in der Zukunft zusammenhängt. Alles, was in der Evolution geschieht, geschieht ja gesetzmäßig, geschieht regelmäßig, geschieht nach gewissen Kräften. Die Menschen greifen ein, zum Teil unbewußt, und wenn sie Mitglieder von okkulten Brüderschaften sind, bewußt.
[ 25 ] Zur Beurteilung dieser Dinge gehört eben, was ich gestern einen weiteren Horizont genannt habe, die Gewinnung eines weiteren Horizontes. Ich habe Ihnen noch einmal dasjenige vor Augen geführt, wovon die Blavatsky gewissermaßen der Spielball war, um Sie darauf aufmerksam zu machen, wie solch ein Spielball von Westen nach Osten geworfen wird, von Amerika nach Indien, weil schon Kräfte durch menschliche Handhabung im Spiele sind, um das oder jenes dadurch zu bewirken, daß man sich der, ich möchte sagen, volkstummäßig verankerten Leidenschaften und Gefühle der Menschen, die man aber auch zuerst zubereitet, bedient. Das ist also sehr wichtig. Es kommt dabei darauf an, den Blick für die Dinge zu haben, den Blick, zu sehen, wie ein Mensch durch die Art von Leidenschaften, die in ihm sind, die in seinem Blute sind, an eine bestimmte Stelle gestellt, in diesem oder jenem Sinne gewissen Einflüssen ausgesetzt werden kann. Dazu muß man natürlich wissen, daß von der Stelle aus, an die man ihn dann stellt, gewisse Dinge erreicht werden können. Vieles mißlingt; aber man rechnet eben mit großen Zeiträumen, und man rechnet da, wo solche Dinge in Betracht kommen, mit vielen Möglichkeiten. Vor allen Dingen rechnet man damit, wie wenig die Menschen geneigt sind, ein wenig den Sinn zu richten auf die großen Zusammenhänge.
[ 25 ] Zur Beurteilung dieser Dinge gehört eben, was ich gestern einen weiteren Horizont genannt habe, die Gewinnung eines weiteren Horizontes. Ich habe Ihnen noch einmal dasjenige vor Augen geführt, wovon die Blavatsky gewissermaßen der Spielball war, um Sie darauf aufmerksam zu machen, wie solch ein Spielball von Westen nach Osten geworfen wird, von Amerika nach Indien, weil schon Kräfte durch menschliche Handhabung im Spiele sind, um das oder jenes dadurch zu bewirken, daß man sich der, ich möchte sagen, volkstummäßig verankerten Leidenschaften und Gefühle der Menschen, die man aber auch zuerst zubereitet, bedient. Das ist also sehr wichtig. Es kommt dabei darauf an, den Blick für die Dinge zu haben, den Blick, zu sehen, wie ein Mensch durch die Art von Leidenschaften, die in ihm sind, die in seinem Blute sind, an eine bestimmte Stelle gestellt, in diesem oder jenem Sinne gewissen Einflüssen ausgesetzt werden kann. Dazu muß man natürlich wissen, daß von der Stelle aus, an die man ihn dann stellt, gewisse Dinge erreicht werden können. Vieles mißlingt; aber man rechnet eben mit großen Zeiträumen, und man rechnet da, wo solche Dinge in Betracht kommen, mit vielen Möglichkeiten. Vor allen Dingen rechnet man damit, wie wenig die Menschen geneigt sind, ein wenig den Sinn zu richten auf die großen Zusammenhänge.
[ 26 ] Nun unterbrechen wir uns hier und sehen wir uns unsere gestrige Geschichte ein bißchen an. Da wird uns erzählt aus der Zeit etwa des 10. Jahrhunderts, wo also noch die Seelenverfassung des vierten nachatlantischen Zeitraumes herrschend war. Wir haben gesehen, wie bei dem Kaiser Otto mit dem roten Barte die geistige Welt hereinwirkt. Sein ganzes Leben wird umgewandelt dadurch, daß er von der geistigen Welt aus aufmerksam gemacht wird auf den Guten Gerhard. Von diesem Guten Gerhard soli er lernen Gottesfurcht, wahre Frömmigkeit, und daß man nicht erwarten soll, für dasjenige, was man auf der Erde hier getan hat, einen recht egoistischen Segen vom Himmel zu erhalten. Aber er wird von der geistigen Welt aus hingewiesen darauf, diesen Guten Gerhard aufzusuchen. Das ist das eine: das Hereinspielen der geistigen Welt.
[ 26 ] Nun unterbrechen wir uns hier und sehen wir uns unsere gestrige Geschichte ein bißchen an. Da wird uns erzählt aus der Zeit etwa des 10. Jahrhunderts, wo also noch die Seelenverfassung des vierten nachatlantischen Zeitraumes herrschend war. Wir haben gesehen, wie bei dem Kaiser Otto mit dem roten Barte die geistige Welt hereinwirkt. Sein ganzes Leben wird umgewandelt dadurch, daß er von der geistigen Welt aus aufmerksam gemacht wird auf den Guten Gerhard. Von diesem Guten Gerhard soli er lernen Gottesfurcht, wahre Frömmigkeit, und daß man nicht erwarten soll, für dasjenige, was man auf der Erde hier getan hat, einen recht egoistischen Segen vom Himmel zu erhalten. Aber er wird von der geistigen Welt aus hingewiesen darauf, diesen Guten Gerhard aufzusuchen. Das ist das eine: das Hereinspielen der geistigen Welt.
[ 27 ] Wer die Zeit wirklich kennt, nicht nur aus der äußeren Geschichte, wie man sie heute darstellt, sondern so, wie sie war, der weiß, daß solches Hereinspielen der geistigen Welt in realen Visionen, wie das erzählt wird von diesem Kaiser Otto dem Roten, in der damaligen Zeit gang und gäbe war, und daß die geistigen Impulse durchaus ihre bedeutungsvolle Rolle gespielt haben. Derjenige, der diese Geschichte aufgeschrieben hat, sagt nun ausdrücklich folgendes: Er habe in seiner Jugend noch viele andere Geschichten geschrieben, wie es auch andere seiner Zeitgenossen getan haben. Der Mann, der die Geschichte vom Guten Gerhard niedergeschrieben hat, ist ungefähr ein Zeitgenosse des Wolfram von Eschenbach: Rudolf von Hohenems. Er sagt, daß er noch anderes geschrieben hat, aber das habe er alles vernichtet, und zwar aus dem Grunde, weil das Märchengeschichten gewesen wären. Diese Geschichte aber, die ja im äußeren Sinne auch nicht historisch ist, das heißt, nicht in unseren heutigen, nur die physische Maja in Betracht ziehenden Geschichtsbüchern stehen könnte, die betrachtet er als streng historisch, als kein Märchen. Er erzählt sie zwar so, daß man sie nicht vergleichen kann mit der äußeren, rein physischen Geschichte; aber er erzählt wahrer als die äußere, rein physische Geschichte sein kann, die ja im Grunde genommen Maja ist. Er erzählt eben für den vierten nachatlantischen Zeitraum.
[ 27 ] Wer die Zeit wirklich kennt, nicht nur aus der äußeren Geschichte, wie man sie heute darstellt, sondern so, wie sie war, der weiß, daß solches Hereinspielen der geistigen Welt in realen Visionen, wie das erzählt wird von diesem Kaiser Otto dem Roten, in der damaligen Zeit gang und gäbe war, und daß die geistigen Impulse durchaus ihre bedeutungsvolle Rolle gespielt haben. Derjenige, der diese Geschichte aufgeschrieben hat, sagt nun ausdrücklich folgendes: Er habe in seiner Jugend noch viele andere Geschichten geschrieben, wie es auch andere seiner Zeitgenossen getan haben. Der Mann, der die Geschichte vom Guten Gerhard niedergeschrieben hat, ist ungefähr ein Zeitgenosse des Wolfram von Eschenbach: Rudolf von Hohenems. Er sagt, daß er noch anderes geschrieben hat, aber das habe er alles vernichtet, und zwar aus dem Grunde, weil das Märchengeschichten gewesen wären. Diese Geschichte aber, die ja im äußeren Sinne auch nicht historisch ist, das heißt, nicht in unseren heutigen, nur die physische Maja in Betracht ziehenden Geschichtsbüchern stehen könnte, die betrachtet er als streng historisch, als kein Märchen. Er erzählt sie zwar so, daß man sie nicht vergleichen kann mit der äußeren, rein physischen Geschichte; aber er erzählt wahrer als die äußere, rein physische Geschichte sein kann, die ja im Grunde genommen Maja ist. Er erzählt eben für den vierten nachatlantischen Zeitraum.
[ 28 ] Sie wissen, denn ich habe es gerade bei diesen Auseinandersetzungen immer wiederholt, es handelt sich da nicht um Parteinahme für das oder jenes, sondern um die Darstellung von Tatsachen, die die Unterlagen bilden sollen, um die Dinge beurteilen zu können. Nur derjenige, der nicht objektiv sein will, wird der Darstellung, die ich versuchen werde, Nichtobjektivität vorwerfen. Von jemandem, der nicht objektiv sein will, ist natürlich nicht zu verlangen, daß er dasjenige, was objektiv ist, als objektiv ansieht. Nicht nur darauf kommt es an bei dieser Erzählung von dem Guten Gerhard, daß die geistige Welt hereinspielt, sondern darauf, daß aus der geistigen Welt einer leitenden, führenden Persönlichkeit der Impuls gegeben wird, sich an ein Mitglied der kommerziellen Welt, der Kaufmannswelt zu wenden. Und in der Tat, das Historische an der Sache ist, daß in Mitteleuropa in jener Zeit bei den Mitgliedern jenes Hauses, aus dem der Rote Otto war, gerade das Kaufmännische der Städte protegiert worden ist. Es war für Europa die Zeit des Heranwachsens des kaufmännischen Wesens.
[ 28 ] Sie wissen, denn ich habe es gerade bei diesen Auseinandersetzungen immer wiederholt, es handelt sich da nicht um Parteinahme für das oder jenes, sondern um die Darstellung von Tatsachen, die die Unterlagen bilden sollen, um die Dinge beurteilen zu können. Nur derjenige, der nicht objektiv sein will, wird der Darstellung, die ich versuchen werde, Nichtobjektivität vorwerfen. Von jemandem, der nicht objektiv sein will, ist natürlich nicht zu verlangen, daß er dasjenige, was objektiv ist, als objektiv ansieht. Nicht nur darauf kommt es an bei dieser Erzählung von dem Guten Gerhard, daß die geistige Welt hereinspielt, sondern darauf, daß aus der geistigen Welt einer leitenden, führenden Persönlichkeit der Impuls gegeben wird, sich an ein Mitglied der kommerziellen Welt, der Kaufmannswelt zu wenden. Und in der Tat, das Historische an der Sache ist, daß in Mitteleuropa in jener Zeit bei den Mitgliedern jenes Hauses, aus dem der Rote Otto war, gerade das Kaufmännische der Städte protegiert worden ist. Es war für Europa die Zeit des Heranwachsens des kaufmännischen Wesens.
[ 29 ] Nun müßten wir in Betracht ziehen, daß wir in eine Zeit versetzt werden, in welcher von einer Seeverbindung zwischen dem Orient und dem Okzident nicht gesprochen werden konnte; die Handelswege waren durchaus Landwege. Solche kommerziellen Leute wie der Gute Gerhard, der, wie Sie wissen, in Köln wohnte, vermittelten auf Landwegen die Handelsverbindungen von Köln bis hinüber in den Orient und wieder zurück. Wenn sie Schiffe benützten, so war dies im Grunde genommen von untergeordneter Bedeutung; das Wesentliche waren die Landwege. Daher waren auch die Schiffsverbindungen im Grunde genommen nichts anderes als, ich möchte sagen, Versuche, mit den Mitteln der primitiven Schiffahrt das zu erreichen, was in viel umfänglicherer Art damals auf Landwegen vonstatten ging. Wir haben es also hauptsächlich mit den Landwegen zu tun, und erst mit den allerersten Anfängen der Schiffahrt. Das ist eben das Charakteristische, daß wir auf diesen Zeitpunkt gewiesen werden. Die umfängliche Schiffahrt kam erst viel später.
[ 29 ] Nun müßten wir in Betracht ziehen, daß wir in eine Zeit versetzt werden, in welcher von einer Seeverbindung zwischen dem Orient und dem Okzident nicht gesprochen werden konnte; die Handelswege waren durchaus Landwege. Solche kommerziellen Leute wie der Gute Gerhard, der, wie Sie wissen, in Köln wohnte, vermittelten auf Landwegen die Handelsverbindungen von Köln bis hinüber in den Orient und wieder zurück. Wenn sie Schiffe benützten, so war dies im Grunde genommen von untergeordneter Bedeutung; das Wesentliche waren die Landwege. Daher waren auch die Schiffsverbindungen im Grunde genommen nichts anderes als, ich möchte sagen, Versuche, mit den Mitteln der primitiven Schiffahrt das zu erreichen, was in viel umfänglicherer Art damals auf Landwegen vonstatten ging. Wir haben es also hauptsächlich mit den Landwegen zu tun, und erst mit den allerersten Anfängen der Schiffahrt. Das ist eben das Charakteristische, daß wir auf diesen Zeitpunkt gewiesen werden. Die umfängliche Schiffahrt kam erst viel später.
[ 30 ] Und nun sehen Sie, wie da ein ganz aus der Natur der Dinge herauskommender Gegensatz geschaffen wird. Es ist ganz natürlich, daß, solange die Landwege die Vermittlung bildeten zwischen dem Orient und dem Okzident, die mitteleuropäischen Länder tonangebend waren; das ist ganz selbstverständlich. Das Leben in diesen mitteleuropäischen Ländern richtete sich auch nach diesen Dingen ein. Es war ganz anders als später. Und vieles ist auf diesem Wege auch mit Bezug auf die geistige Kultur vermittelt worden. In den folgenden Jahrhunderten wurden die Landwege durch die Seeverbindung abgelöst. Die weitere Entwickelung war nun, wie Sie wissen, so, daß England allmählich diese Seeverbindungen aus verschiedenen Händen in einer Hand zusammengefaßt hat. — Die Spanier, die Holländer, die Franzosen sind als seefahrende Völker überwunden worden, und alles ist zusammengefaßt worden unter der immensen Herrschaft, die ein Viertel der gesamten trokkenen, das heißt, nicht vom Meere bedeckten Erdoberfläche umfaßt, und allmählich dazu auch die Herrschaft über das Meer.
[ 30 ] Und nun sehen Sie, wie da ein ganz aus der Natur der Dinge herauskommender Gegensatz geschaffen wird. Es ist ganz natürlich, daß, solange die Landwege die Vermittlung bildeten zwischen dem Orient und dem Okzident, die mitteleuropäischen Länder tonangebend waren; das ist ganz selbstverständlich. Das Leben in diesen mitteleuropäischen Ländern richtete sich auch nach diesen Dingen ein. Es war ganz anders als später. Und vieles ist auf diesem Wege auch mit Bezug auf die geistige Kultur vermittelt worden. In den folgenden Jahrhunderten wurden die Landwege durch die Seeverbindung abgelöst. Die weitere Entwickelung war nun, wie Sie wissen, so, daß England allmählich diese Seeverbindungen aus verschiedenen Händen in einer Hand zusammengefaßt hat. — Die Spanier, die Holländer, die Franzosen sind als seefahrende Völker überwunden worden, und alles ist zusammengefaßt worden unter der immensen Herrschaft, die ein Viertel der gesamten trokkenen, das heißt, nicht vom Meere bedeckten Erdoberfläche umfaßt, und allmählich dazu auch die Herrschaft über das Meer.
[ 31 ] Wenn Sie dazu annehmen, daß richtig ist, was ich Ihnen vor einiger Zeit gesagt habe, daß in den heranwachsenden und namentlich seit Jakob I. besonders groß werdenden okkulten Brüderschaften seit Jahrhunderten wie eine selbstverständliche Wahrheit gelehrt worden ist, daß an die angelsächsische Rasse — so sagt man eben in diesem Zusammenhange, das habe ich schon auseinandergesetzt — alle Weltherrschaft der fünften nachatlantischen Zeit übergehen müsse, so werden Sie System finden in diesem Überwinden und gewissermaßen Ausrotten der Seeherrschaft der andern. Und wenn man dazunimmt, was ich auch schon angedeutet habe, daß gelehrt wurde und wird: Diese fünfte nachatlantische Rasse der englisch sprechenden Völker, wie man sagt, muß überwinden die Völker der lateinischen Rasse, — so werden Sie das Systematische in den geschichtlichen Vorgängen schon sehen.
[ 31 ] Wenn Sie dazu annehmen, daß richtig ist, was ich Ihnen vor einiger Zeit gesagt habe, daß in den heranwachsenden und namentlich seit Jakob I. besonders groß werdenden okkulten Brüderschaften seit Jahrhunderten wie eine selbstverständliche Wahrheit gelehrt worden ist, daß an die angelsächsische Rasse — so sagt man eben in diesem Zusammenhange, das habe ich schon auseinandergesetzt — alle Weltherrschaft der fünften nachatlantischen Zeit übergehen müsse, so werden Sie System finden in diesem Überwinden und gewissermaßen Ausrotten der Seeherrschaft der andern. Und wenn man dazunimmt, was ich auch schon angedeutet habe, daß gelehrt wurde und wird: Diese fünfte nachatlantische Rasse der englisch sprechenden Völker, wie man sagt, muß überwinden die Völker der lateinischen Rasse, — so werden Sie das Systematische in den geschichtlichen Vorgängen schon sehen.
[ 32 ] Die Hauptsache, auf die es ankommt, ist zunächst das Wechselspiel zwischen den englisch sprechenden Völkern und den irgendwie lateinisch sprechenden Völkern. Man versteht die neuere Geschichte nicht, wenn man nicht weiß, daß es vor allen Dingen darauf ankommt — und daß die Dinge so dirigiert werden —, zugunsten der englisch sprechenden Bevölkerung die Weltenerscheinungen so einzurichten, daß der Einfluß der in irgendeiner Weise lateinisch sprechenden Bevölkerung aufhört. Unter gewissen Umständen kann man solch ein Aufhören am besten dadurch bewirken, daß man eine Zeitlang den andern fördert und ihn dadurch in seine Gewalt bekommt. Dadurch kann man vielleicht am besten dazu beitragen, daß man ihn aufsaugrt.
[ 32 ] Die Hauptsache, auf die es ankommt, ist zunächst das Wechselspiel zwischen den englisch sprechenden Völkern und den irgendwie lateinisch sprechenden Völkern. Man versteht die neuere Geschichte nicht, wenn man nicht weiß, daß es vor allen Dingen darauf ankommt — und daß die Dinge so dirigiert werden —, zugunsten der englisch sprechenden Bevölkerung die Weltenerscheinungen so einzurichten, daß der Einfluß der in irgendeiner Weise lateinisch sprechenden Bevölkerung aufhört. Unter gewissen Umständen kann man solch ein Aufhören am besten dadurch bewirken, daß man eine Zeitlang den andern fördert und ihn dadurch in seine Gewalt bekommt. Dadurch kann man vielleicht am besten dazu beitragen, daß man ihn aufsaugrt.
[ 33 ] In jenen okkulten Brüderschaften, auf die ich in verschiedener Weise gedeutet habe, wird Mitteleuropa keine besondere Bedeutung beigemessen; denn so gescheit ist man auch, um zu wissen, daß zum Beispiel Deutschland nur ein Dreiunddreißigstel der gesamten trockenen, das heißt, vom Lande bedeckten Erde besitzt. Das ist wirklich recht wenig im Vergleich zu einem Viertel der gesamten, vom Lande bedeckten Erde, wobei noch die Herrschaft über das Meer dazukommt. Mitteleuropa ist also nicht die Gegend, auf die man einen besonderen Wert legt. Einen besonderen Wert legte man jedoch, insbesondere in den Zeiten, in denen sich vorbereitete, was in der Gegenwart geschieht, auf die Überwindung aller derjenigen Impulse, die sich im Lateinertum zur Ausbildung bringen.
[ 33 ] In jenen okkulten Brüderschaften, auf die ich in verschiedener Weise gedeutet habe, wird Mitteleuropa keine besondere Bedeutung beigemessen; denn so gescheit ist man auch, um zu wissen, daß zum Beispiel Deutschland nur ein Dreiunddreißigstel der gesamten trockenen, das heißt, vom Lande bedeckten Erde besitzt. Das ist wirklich recht wenig im Vergleich zu einem Viertel der gesamten, vom Lande bedeckten Erde, wobei noch die Herrschaft über das Meer dazukommt. Mitteleuropa ist also nicht die Gegend, auf die man einen besonderen Wert legt. Einen besonderen Wert legte man jedoch, insbesondere in den Zeiten, in denen sich vorbereitete, was in der Gegenwart geschieht, auf die Überwindung aller derjenigen Impulse, die sich im Lateinertum zur Ausbildung bringen.
[ 34 ] Es ist ganz merkwürdig, wie kurzsichtig die historische Betrachtung der heutigen Zeit ist, wie wenig man geneigt ist, auf die charakteristischen Dinge einzugehen. Ich habe schon darauf aufmerksam gemacht, daß es auf dasjenige, was die Geschichtsbetrachtung, die man so lange eine pragmatische hat sein lassen, berichtet, das heißt: jetzt geschieht das, dann das, dann das und dann das, und so folgen die Dinge aufeinander —, daß es darauf nicht ankommt; sondern es handelt sich darum, die in den verschiedenen Beziehungen charakteristischen Tatsachen innerhalb der aufeinanderfolgenden Ereignisse zu erkennen. Auf die charakteristischen Tatsachen hinzuweisen, auf dasjenige, was, ich möchte sagen, in der Maja verrät die dahinterliegenden Kräfte, darauf kommt es an. Die pragmatische Geschichtsbetrachtung von heute muß abgelöst werden von einer symptomatischen Geschichtsbetrachtung.
[ 34 ] Es ist ganz merkwürdig, wie kurzsichtig die historische Betrachtung der heutigen Zeit ist, wie wenig man geneigt ist, auf die charakteristischen Dinge einzugehen. Ich habe schon darauf aufmerksam gemacht, daß es auf dasjenige, was die Geschichtsbetrachtung, die man so lange eine pragmatische hat sein lassen, berichtet, das heißt: jetzt geschieht das, dann das, dann das und dann das, und so folgen die Dinge aufeinander —, daß es darauf nicht ankommt; sondern es handelt sich darum, die in den verschiedenen Beziehungen charakteristischen Tatsachen innerhalb der aufeinanderfolgenden Ereignisse zu erkennen. Auf die charakteristischen Tatsachen hinzuweisen, auf dasjenige, was, ich möchte sagen, in der Maja verrät die dahinterliegenden Kräfte, darauf kommt es an. Die pragmatische Geschichtsbetrachtung von heute muß abgelöst werden von einer symptomatischen Geschichtsbetrachtung.
[ 35 ] Wer die Dinge durchschaut, wird gewisse Erscheinungen ganz anders beurteilen können als derjenige, der die Geschichten, die man Weltgeschichte nennt, diese Fable convenue, nur so hintereinander liest, wie sie eben in der heutigen Geschichtswissenschaft erzählt werden. Nehmen Sie gewisse Dinge, die Sie gut kennen, mit andern zusammen, auf die ich Sie aufmerksam machen will. Zunächst eine einfache Tatsache: Im Jahre 1618 hat, wie bekannt, der Dreißigjährige Krieg damit begonnen, daß aus dem tschechischen Slawentum heraus sich eine gewisse Art von reformatorischen Ideen bildeten. Dann haben sich diesen Slawenkreisen angehörige Adlige der Bewegung angenommen und sich aufgebäumt gegen dasjenige, was man die Gegenreformation nennen kann: gegen den vom Hause Habsburg, das ja aus Spanien stammte, begünstigten Katholizismus. Was gewöhnlich als erstes erzählt wird von dem Dreißigjährigen Kriege: daß die Aufständischen sich zum Prager Rathaus begaben und die Ratsherren Martinitz und Slawata und den Geheimschreiber Fabrizius hinterher zum Fenster hinauswarfen — das ist von keiner großen Bedeutung. Diese Sache ist höchstens dadurch interessant, daß sich alle drei Herren nichts Besonderes getan haben, weil sie gerade auf einen Misthaufen gefallen sind. Das sind aber nicht die Dinge, die den Dreißigjährigen Krieg wirklich anschaulich machen können, die ihn in seinen Untergründen erkennen lassen.
[ 35 ] Wer die Dinge durchschaut, wird gewisse Erscheinungen ganz anders beurteilen können als derjenige, der die Geschichten, die man Weltgeschichte nennt, diese Fable convenue, nur so hintereinander liest, wie sie eben in der heutigen Geschichtswissenschaft erzählt werden. Nehmen Sie gewisse Dinge, die Sie gut kennen, mit andern zusammen, auf die ich Sie aufmerksam machen will. Zunächst eine einfache Tatsache: Im Jahre 1618 hat, wie bekannt, der Dreißigjährige Krieg damit begonnen, daß aus dem tschechischen Slawentum heraus sich eine gewisse Art von reformatorischen Ideen bildeten. Dann haben sich diesen Slawenkreisen angehörige Adlige der Bewegung angenommen und sich aufgebäumt gegen dasjenige, was man die Gegenreformation nennen kann: gegen den vom Hause Habsburg, das ja aus Spanien stammte, begünstigten Katholizismus. Was gewöhnlich als erstes erzählt wird von dem Dreißigjährigen Kriege: daß die Aufständischen sich zum Prager Rathaus begaben und die Ratsherren Martinitz und Slawata und den Geheimschreiber Fabrizius hinterher zum Fenster hinauswarfen — das ist von keiner großen Bedeutung. Diese Sache ist höchstens dadurch interessant, daß sich alle drei Herren nichts Besonderes getan haben, weil sie gerade auf einen Misthaufen gefallen sind. Das sind aber nicht die Dinge, die den Dreißigjährigen Krieg wirklich anschaulich machen können, die ihn in seinen Untergründen erkennen lassen.
[ 36 ] Die reformatorisch gesinnten Leute wählten sich einen Gegenkönig, den Kurfürsten Friedrich von der Pfalz, der 1619 zum König von Böhmen gewählt wurde. Dem folgte, wie Sie wissen, die Schlacht auf dem Weißen Berge. Bis zur Wahl des Kurfürsten ging alles aus gewissen Leidenschaften der Menschen nach einer reformatorischen Bewegung hervor, aus einem Sich-Aufbäumen gegen Gewaltmaßregeln, die man gegen diese Reformatoren durch die Schließung beziehungsweise Zerstörung von protestantischen Kirchen in Braunau und Kloster Grab ergriffen hatte. Ich kann natürlich nicht die ganze Geschichte erzählen, dazu reicht unsere Zeit nicht aus. Aber nun bedenken Sie: Der Kurfürst Friedrich von der Pfalz wird gewählt. Bis dahin, daß sich die einen eigenen König wählen, sind es menschliche Leidenschaften, menschliche Enthusiasmen, meinetwillen, ich will es Ihnen konzedieren, auch menschliche Idealismen gewesen — mit vollem Recht kann das gesagt werden —, welche den Ereignissen zugrunde lagen.
[ 36 ] Die reformatorisch gesinnten Leute wählten sich einen Gegenkönig, den Kurfürsten Friedrich von der Pfalz, der 1619 zum König von Böhmen gewählt wurde. Dem folgte, wie Sie wissen, die Schlacht auf dem Weißen Berge. Bis zur Wahl des Kurfürsten ging alles aus gewissen Leidenschaften der Menschen nach einer reformatorischen Bewegung hervor, aus einem Sich-Aufbäumen gegen Gewaltmaßregeln, die man gegen diese Reformatoren durch die Schließung beziehungsweise Zerstörung von protestantischen Kirchen in Braunau und Kloster Grab ergriffen hatte. Ich kann natürlich nicht die ganze Geschichte erzählen, dazu reicht unsere Zeit nicht aus. Aber nun bedenken Sie: Der Kurfürst Friedrich von der Pfalz wird gewählt. Bis dahin, daß sich die einen eigenen König wählen, sind es menschliche Leidenschaften, menschliche Enthusiasmen, meinetwillen, ich will es Ihnen konzedieren, auch menschliche Idealismen gewesen — mit vollem Recht kann das gesagt werden —, welche den Ereignissen zugrunde lagen.
[ 37 ] Aber warum wurde nun gerade der Kurfürst von der Pfalz zum König von Böhmen gewählt? Das erklärt sich Ihnen, wenn Sie wissen, daß er der Schwiegersohn Jakobs 1. ist, Jakobs I., der am Ausgangspunkt der Erneuerung der Brüderschaften steht! Sie sehen: Hier kommt eine Hand ins Spiel, die man wohl berücksichtigen muß, wenn man die symptomatische Geschichte ins Auge faßt; hier kommt ins Spiel, daß von einer gewissen Seite her die Dinge nach einer ganz gewissen Richtung gelenkt werden sollten. Nun, damals ist es ja mißlungen. Aber man sieht, wie der Finger im Spiel ist. Wichtiger als alle andern Zusammenhänge ist für dasjenige, was an Impulsen hier hat hineingeworfen werden sollen, daß der Schwiegersohn eines der bedeutendsten okkultistischen Menschen, Jakobs I., just an diesen Platz geworfen wurde.
[ 37 ] Aber warum wurde nun gerade der Kurfürst von der Pfalz zum König von Böhmen gewählt? Das erklärt sich Ihnen, wenn Sie wissen, daß er der Schwiegersohn Jakobs 1. ist, Jakobs I., der am Ausgangspunkt der Erneuerung der Brüderschaften steht! Sie sehen: Hier kommt eine Hand ins Spiel, die man wohl berücksichtigen muß, wenn man die symptomatische Geschichte ins Auge faßt; hier kommt ins Spiel, daß von einer gewissen Seite her die Dinge nach einer ganz gewissen Richtung gelenkt werden sollten. Nun, damals ist es ja mißlungen. Aber man sieht, wie der Finger im Spiel ist. Wichtiger als alle andern Zusammenhänge ist für dasjenige, was an Impulsen hier hat hineingeworfen werden sollen, daß der Schwiegersohn eines der bedeutendsten okkultistischen Menschen, Jakobs I., just an diesen Platz geworfen wurde.
[ 38 ] Es handelt sich eben darum, daß wir es in der ganzen neueren Geschichte zu tun haben mit einem Gegensatz zwischen dem alten romanisch-lateinischen Wesen und demjenigen Wesen — ich sage nicht des englischen Volkes, dieses würde mit der Welt sehr gut auskommen —, aber demjenigen, das von der Seite, die ich ja genugsam charakterisiert habe, aus diesem englischen Volke gemacht wird oder gemacht werden soll, wenn es sich nicht dagegen wehrt. Um den Gegensatz dieser zwei Elemente handelt es sich.
[ 38 ] Es handelt sich eben darum, daß wir es in der ganzen neueren Geschichte zu tun haben mit einem Gegensatz zwischen dem alten romanisch-lateinischen Wesen und demjenigen Wesen — ich sage nicht des englischen Volkes, dieses würde mit der Welt sehr gut auskommen —, aber demjenigen, das von der Seite, die ich ja genugsam charakterisiert habe, aus diesem englischen Volke gemacht wird oder gemacht werden soll, wenn es sich nicht dagegen wehrt. Um den Gegensatz dieser zwei Elemente handelt es sich.
[ 39 ] Und das andere wird geschoben. Denn man kann an dem einen Punkt der Erde viel erreichen, wenn man an einem andern Orte manche Ereignisse hervorruft.
[ 39 ] Und das andere wird geschoben. Denn man kann an dem einen Punkt der Erde viel erreichen, wenn man an einem andern Orte manche Ereignisse hervorruft.
[ 40 ] Nehmen wir einen späteren Zeitpunkt. Sie können heute ein Geschichtsbuch in die Hand nehmen und die Geschichte des Siebenjährigen Krieges lesen. Nun, diese Geschichte des Siebenjährigen Krieges wird selbstverständlich auch gedankenlos gelesen. Denn will man erkennen, um was es sich handelt, will man die historischen Mächte erforschen, die da im Spiele sind, dann muß man die verschiedenen Verkettungen der Umstände eben richtig ins Auge fassen. Man muß ins Auge fassen, wie damals der südliche Teil von Mitteleuropa, Osterreich, ganz in Verbindung war mit allem Lateinischen, sogar ein richtiges Bündnis mit Frankreich hatte, wie dagegen der nördliche Teil von Mitteleuropa — zunächst allerdings nicht, aber später — herangezogen worden ist von dem, das von einer gewissen Seite her eben zu der englisch sprechenden fünften nachatlantischen Rasse gemacht werden sollte.
[ 40 ] Nehmen wir einen späteren Zeitpunkt. Sie können heute ein Geschichtsbuch in die Hand nehmen und die Geschichte des Siebenjährigen Krieges lesen. Nun, diese Geschichte des Siebenjährigen Krieges wird selbstverständlich auch gedankenlos gelesen. Denn will man erkennen, um was es sich handelt, will man die historischen Mächte erforschen, die da im Spiele sind, dann muß man die verschiedenen Verkettungen der Umstände eben richtig ins Auge fassen. Man muß ins Auge fassen, wie damals der südliche Teil von Mitteleuropa, Osterreich, ganz in Verbindung war mit allem Lateinischen, sogar ein richtiges Bündnis mit Frankreich hatte, wie dagegen der nördliche Teil von Mitteleuropa — zunächst allerdings nicht, aber später — herangezogen worden ist von dem, das von einer gewissen Seite her eben zu der englisch sprechenden fünften nachatlantischen Rasse gemacht werden sollte.
[ 41 ] Betrachten Sie die Bündnisse und alles dasjenige, was, von der Maja abgesehen, dazumal geschehen ist, so haben Sie den Krieg, der in Wirklichkeit geführt wurde zwischen England und Frankreich um Nordamerika und Indien. Und was in Europa geschah, ist eigentlich nur ein schwaches Spiegelbild davon. Denn vergleichen Sie alles dasjenige, was sich abgespielt hat im Großen — erweitern Sie Ihren Horizont! —, dann werden Sie sehen, daß dazumal der Kampf wütete zwischen England und Frankreich, und Nordamerika und Indien spielten eben schon hinein. Es handelte sich darum, wer von diesen beiden Mächten der Gescheitere ist, die Verhältnisse so zu dirigieren, daß er dem andern die Herrschaft über Nordamerika beziehungsweise Indien abspenstig macht. Darinnen spielen große Voraussichten, darinnen spielt die Beherrschung bedeutsamer Impulse. Und wahr ist es: Der Einfluß, der von England aus in Nordamerika erzielt worden ist, der Frankreich abgewonnen worden ist, der ist auf den schlesischen Schlachtfeldern im Siebenjährigen Kriege erfochten worden!
[ 41 ] Betrachten Sie die Bündnisse und alles dasjenige, was, von der Maja abgesehen, dazumal geschehen ist, so haben Sie den Krieg, der in Wirklichkeit geführt wurde zwischen England und Frankreich um Nordamerika und Indien. Und was in Europa geschah, ist eigentlich nur ein schwaches Spiegelbild davon. Denn vergleichen Sie alles dasjenige, was sich abgespielt hat im Großen — erweitern Sie Ihren Horizont! —, dann werden Sie sehen, daß dazumal der Kampf wütete zwischen England und Frankreich, und Nordamerika und Indien spielten eben schon hinein. Es handelte sich darum, wer von diesen beiden Mächten der Gescheitere ist, die Verhältnisse so zu dirigieren, daß er dem andern die Herrschaft über Nordamerika beziehungsweise Indien abspenstig macht. Darinnen spielen große Voraussichten, darinnen spielt die Beherrschung bedeutsamer Impulse. Und wahr ist es: Der Einfluß, der von England aus in Nordamerika erzielt worden ist, der Frankreich abgewonnen worden ist, der ist auf den schlesischen Schlachtfeldern im Siebenjährigen Kriege erfochten worden!
[ 42 ] Betrachten Sie, wie sich die Bündnisse ändern, wenn die Dinge etwas penibel werden, und verfolgen Sie von diesem Gesichtspunkte aus die Bündnisse!
[ 42 ] Betrachten Sie, wie sich die Bündnisse ändern, wenn die Dinge etwas penibel werden, und verfolgen Sie von diesem Gesichtspunkte aus die Bündnisse!
[ 43 ] Ich will Ihnen eine andere Geschichte erzählen. Es ist notwendig, solche Dinge ins Auge zu fassen, denn sobald man nicht mißverstanden wird, sondern sobald vorausgesetzt wird, daß es sich darum handelt, sich wirklich über die Dinge der Welt aufzuklären, sobald man sich nur selber bestrebt, ein bißchen objektiv zu sein, wird man nicht übelnehmen, wenn solche Dinge erzählt werden, sondern man wird verstehen, daß es sich um Verständnis handelt, und durchaus nicht um eine Parteinahme. Im Grunde genommen müßte oft gerade derjenige, der glaubt, von einer solchen Sache betroffen zu sein, am allerfrohesten sein, diese Sache kennenzulernen. Denn er wird dadurch über die Blindheit hinweggehoben und sehend gemacht, und nichts ist für den Menschen wohltätiger, als wirklich die Zusammenhänge der Welt sehend zu durchschauen. Nehmen wir noch ein Beispiel, das Ihnen von einer andern Seite her zeigen kann, wie die Dinge wirken.
[ 43 ] Ich will Ihnen eine andere Geschichte erzählen. Es ist notwendig, solche Dinge ins Auge zu fassen, denn sobald man nicht mißverstanden wird, sondern sobald vorausgesetzt wird, daß es sich darum handelt, sich wirklich über die Dinge der Welt aufzuklären, sobald man sich nur selber bestrebt, ein bißchen objektiv zu sein, wird man nicht übelnehmen, wenn solche Dinge erzählt werden, sondern man wird verstehen, daß es sich um Verständnis handelt, und durchaus nicht um eine Parteinahme. Im Grunde genommen müßte oft gerade derjenige, der glaubt, von einer solchen Sache betroffen zu sein, am allerfrohesten sein, diese Sache kennenzulernen. Denn er wird dadurch über die Blindheit hinweggehoben und sehend gemacht, und nichts ist für den Menschen wohltätiger, als wirklich die Zusammenhänge der Welt sehend zu durchschauen. Nehmen wir noch ein Beispiel, das Ihnen von einer andern Seite her zeigen kann, wie die Dinge wirken.
[ 44 ] Durch Verhältnisse, die Sie in der Geschichte nachlesen können, waren früher die Königreiche Hannover und England miteinander verbunden. Aber da waren verschiedene Thronfolgegesetze und so weiter — auf solche Dinge brauchen wir uns nicht einzulassen —, es genügt zu wissen, daß, als die Königin Viktoria auf den englischen Thron kam, Hannover abgetrennt werden mußte. Ein anderes Mitglied des englischen Königshauses mußte auf den Thron von Hannover kommen. Man wählte, oder man dirigierte die Sache so, daß Ernst August, Herzog von Cumberland, auf diesen Thron von Hannover, der vorher mit dem Thron von England verbunden war, bugsiert wurde. Dieser Ernst August kam also auf den Thron von Hannover, sechsundsechzig Jahre war er alt. Sein Charakter war so, daß die englischen Zeitungen, nachdem er England verlassen hatte, um als Majestät von Hannover sein Amt anzutreten, geschrieben haben: Es ist gut, daß er fort ist, hoffentlich kommt er nicht wieder! — Er galt eben durch seine ganze Art, durch die Art seines Auftretens, als eine geradezu fürchterliche Persönlichkeit. Und wenn man sich ansieht, wie er wirkte, welchen Eindruck er namentlich auf seine Zeitgenossen machte, auf diejenigen, die mit ihm zu tun hatten, so kommt ein gewisses Charakterbild heraus, das demjenigen auffällt, welcher einen Sinn hat für solche Charaktere. Die Hannoveraner konnten ihn eigentlich nicht verstehen; die fanden ihn grob. Nun, grob war er auch, so grob, daß Thomas Moore, der Dichter, sagt: Er gehörte ganz sicher zu der Dynastie der Beelzebuben. — Aber Sie wissen, man sagt: Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist. — Man hat zuweilen Verständnis für Grobheiten, aber man setzt voraus, daß, wenn einer schon grob wird, er dann wenigstens wahr ist. Aber Ernst August war immer verlogen, wenn er grob war, und das konnte man in Hannover nun ganz und gar nicht verstehen. Solche Züge finden sich bei ihm noch mehr.
[ 44 ] Durch Verhältnisse, die Sie in der Geschichte nachlesen können, waren früher die Königreiche Hannover und England miteinander verbunden. Aber da waren verschiedene Thronfolgegesetze und so weiter — auf solche Dinge brauchen wir uns nicht einzulassen —, es genügt zu wissen, daß, als die Königin Viktoria auf den englischen Thron kam, Hannover abgetrennt werden mußte. Ein anderes Mitglied des englischen Königshauses mußte auf den Thron von Hannover kommen. Man wählte, oder man dirigierte die Sache so, daß Ernst August, Herzog von Cumberland, auf diesen Thron von Hannover, der vorher mit dem Thron von England verbunden war, bugsiert wurde. Dieser Ernst August kam also auf den Thron von Hannover, sechsundsechzig Jahre war er alt. Sein Charakter war so, daß die englischen Zeitungen, nachdem er England verlassen hatte, um als Majestät von Hannover sein Amt anzutreten, geschrieben haben: Es ist gut, daß er fort ist, hoffentlich kommt er nicht wieder! — Er galt eben durch seine ganze Art, durch die Art seines Auftretens, als eine geradezu fürchterliche Persönlichkeit. Und wenn man sich ansieht, wie er wirkte, welchen Eindruck er namentlich auf seine Zeitgenossen machte, auf diejenigen, die mit ihm zu tun hatten, so kommt ein gewisses Charakterbild heraus, das demjenigen auffällt, welcher einen Sinn hat für solche Charaktere. Die Hannoveraner konnten ihn eigentlich nicht verstehen; die fanden ihn grob. Nun, grob war er auch, so grob, daß Thomas Moore, der Dichter, sagt: Er gehörte ganz sicher zu der Dynastie der Beelzebuben. — Aber Sie wissen, man sagt: Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist. — Man hat zuweilen Verständnis für Grobheiten, aber man setzt voraus, daß, wenn einer schon grob wird, er dann wenigstens wahr ist. Aber Ernst August war immer verlogen, wenn er grob war, und das konnte man in Hannover nun ganz und gar nicht verstehen. Solche Züge finden sich bei ihm noch mehr.
[ 45 ] Zunächst hat Ernst August in Hannover das Staatsgrundgesetz aufgehoben. Er brachte es auch dazu, daß die berühmten «Göttinger Sieben» die Universität Göttingen verlassen mußten. Er hat sie gleich über die Grenze schaffen lassen und erst in Witzenhausen, also jenseits der Hannoveraner Grenze seiner Majestät Ernst Augusts, durften die Studenten von ihnen Abschied nehmen. Diese ganze Geschichte brauche ich Ihnen nicht zu erzählen; aber wo liegt die Erklärung? Wer nach keiner weiteren Erklärung für diese sonderbare Maske sucht, findet Ernst August grob und unwahr. Er hat ja sogar den Metternich übers Ohr gehauen, und das will viel sagen, und so weiter. Aber in alledem ist doch ein merkwürdiges System. Und dieses System änderte sich nicht, trotzdem er sein Leben bis zum sechsundsechzigsten Jahre zum großen Teil in Deutschland verbracht hat — er war Dragoneroffizier.
[ 45 ] Zunächst hat Ernst August in Hannover das Staatsgrundgesetz aufgehoben. Er brachte es auch dazu, daß die berühmten «Göttinger Sieben» die Universität Göttingen verlassen mußten. Er hat sie gleich über die Grenze schaffen lassen und erst in Witzenhausen, also jenseits der Hannoveraner Grenze seiner Majestät Ernst Augusts, durften die Studenten von ihnen Abschied nehmen. Diese ganze Geschichte brauche ich Ihnen nicht zu erzählen; aber wo liegt die Erklärung? Wer nach keiner weiteren Erklärung für diese sonderbare Maske sucht, findet Ernst August grob und unwahr. Er hat ja sogar den Metternich übers Ohr gehauen, und das will viel sagen, und so weiter. Aber in alledem ist doch ein merkwürdiges System. Und dieses System änderte sich nicht, trotzdem er sein Leben bis zum sechsundsechzigsten Jahre zum großen Teil in Deutschland verbracht hat — er war Dragoneroffizier.
[ 46 ] Wer eine Erklärung dafür sucht, der findet sie darinnen, daß er in seiner Art jene Impulse anwendete, die man hat, wenn man Mitglied der sogenannten «Orangeloge» ist; denn sein ganzes Gebaren war eine Umsetzung der Impulse der Orangeloge, deren Mitglied er war.
[ 46 ] Wer eine Erklärung dafür sucht, der findet sie darinnen, daß er in seiner Art jene Impulse anwendete, die man hat, wenn man Mitglied der sogenannten «Orangeloge» ist; denn sein ganzes Gebaren war eine Umsetzung der Impulse der Orangeloge, deren Mitglied er war.
[ 47 ] Symptomatisch die Geschichte kennenzulernen, den Horizont zu erweitern, darauf kommt es an. Einen Sinn dafür entwickeln, was wichtig ist, was wirklich aufklärt, darauf kommt es an. Und so werden Sie begreifen, daß ich die Geschichte vom «Guten Gerhard» erzählt habe aus dem Grunde, um Ihnen zu zeigen, wie durch solche Dinge wie Orangelogen und so weiter dasjenige, was Mitteleuropa war, ganz systematisch hinübergezogen wurde. Das tadele ich nicht; es war eine historische Notwendigkeit. Aber einsehen soll man es, und soll nicht mit moralischen Urteilen in diesen Dingen kommen. Sehen soll man die Dinge, wie sie in Wirklichkeit sind! Alles kommt darauf an, daß man sich den Willen aneignet, die Dinge zu sehen, zu sehen, wie Menschen geschoben werden, zu sehen, wo Impulse liegen können, durch welche Menschen geschoben werden. Das ist aber eigentlich identisch mit dem Sich-Aneignen des Sinnes für Wahrheit; denn ich habe es oftmals betont, nicht darauf kommt es an, daß man sagt: Ja, ich habe das geglaubt, das war meine ehrliche, aufrichtige Meinung! — Nein, Wahrheitssinn hat derjenige, der unablässig danach strebt, die Wahrheit zu erforschen in einer Sache, der nicht nachläßt, die Wahrheit zu erforschen, und der sich verantwortlich erklärt für sich selber auch dann, wenn er irgend etwas aus Unwissenheit falsch sagt. Denn für das Objektive ist das ebenso gleichgültig, ob man etwas aus Wissenheit oder aus Unwissenheit falsch sagt, wie es gleichgültig ist, ob man aus Unverstand oder aus irgendeinem Mutwillen den Finger in die Flamme steckt; man verbrennt sich in beiden Fällen.
[ 47 ] Symptomatisch die Geschichte kennenzulernen, den Horizont zu erweitern, darauf kommt es an. Einen Sinn dafür entwickeln, was wichtig ist, was wirklich aufklärt, darauf kommt es an. Und so werden Sie begreifen, daß ich die Geschichte vom «Guten Gerhard» erzählt habe aus dem Grunde, um Ihnen zu zeigen, wie durch solche Dinge wie Orangelogen und so weiter dasjenige, was Mitteleuropa war, ganz systematisch hinübergezogen wurde. Das tadele ich nicht; es war eine historische Notwendigkeit. Aber einsehen soll man es, und soll nicht mit moralischen Urteilen in diesen Dingen kommen. Sehen soll man die Dinge, wie sie in Wirklichkeit sind! Alles kommt darauf an, daß man sich den Willen aneignet, die Dinge zu sehen, zu sehen, wie Menschen geschoben werden, zu sehen, wo Impulse liegen können, durch welche Menschen geschoben werden. Das ist aber eigentlich identisch mit dem Sich-Aneignen des Sinnes für Wahrheit; denn ich habe es oftmals betont, nicht darauf kommt es an, daß man sagt: Ja, ich habe das geglaubt, das war meine ehrliche, aufrichtige Meinung! — Nein, Wahrheitssinn hat derjenige, der unablässig danach strebt, die Wahrheit zu erforschen in einer Sache, der nicht nachläßt, die Wahrheit zu erforschen, und der sich verantwortlich erklärt für sich selber auch dann, wenn er irgend etwas aus Unwissenheit falsch sagt. Denn für das Objektive ist das ebenso gleichgültig, ob man etwas aus Wissenheit oder aus Unwissenheit falsch sagt, wie es gleichgültig ist, ob man aus Unverstand oder aus irgendeinem Mutwillen den Finger in die Flamme steckt; man verbrennt sich in beiden Fällen.
[ 48 ] Es handelt sich also darum, daß man begreift, wie mit dem Übergange aus dem vierten nachatlantischen Zeitraum, wo das Kommerzielle gerade noch unter den Impulsen aus der geistigen Welt stand, so wie es in dem «Guten Gerhard» angedeutet ist, wie man mit diesem Übergange das Kommerzielle in ein anderes Okkultes hinübergezogen hat, in dasjenige Okkulte, das geleitet wird von den sogenannten «Brüdern des Schattens». Diese hüten gewisse Grundsätze. Es wäre aber vom Standpunkt dieser Leute aus sehr gefährlich, wenn diese Grundsätze verraten würden. Daher dazumal die Sorgfalt, mit der man vermieden hat, daß Blavatsky die Dinge verraten konnte, oder daß diese durch sie in andere Hände gespielt werden konnten. Wohl sollten sie vom Westen nach dem Fernen Osten gespielt werden, aber zunächst nicht nach Indien, sondern nach einem andern, nämlich dem russischen Osten.
[ 48 ] Es handelt sich also darum, daß man begreift, wie mit dem Übergange aus dem vierten nachatlantischen Zeitraum, wo das Kommerzielle gerade noch unter den Impulsen aus der geistigen Welt stand, so wie es in dem «Guten Gerhard» angedeutet ist, wie man mit diesem Übergange das Kommerzielle in ein anderes Okkultes hinübergezogen hat, in dasjenige Okkulte, das geleitet wird von den sogenannten «Brüdern des Schattens». Diese hüten gewisse Grundsätze. Es wäre aber vom Standpunkt dieser Leute aus sehr gefährlich, wenn diese Grundsätze verraten würden. Daher dazumal die Sorgfalt, mit der man vermieden hat, daß Blavatsky die Dinge verraten konnte, oder daß diese durch sie in andere Hände gespielt werden konnten. Wohl sollten sie vom Westen nach dem Fernen Osten gespielt werden, aber zunächst nicht nach Indien, sondern nach einem andern, nämlich dem russischen Osten.
[ 49 ] Wenn man einen Sinn hat für das, was hinter der Maja liegt, so kann man begreifen, daß äußere Einrichtungen, äußere Maßnahmen gewissermaßen verschiedene Wertigkeit, verschiedenes Gewicht haben im ganzen Zusammenhang. Nehmen wir einen Fall aus der neueren Geschichte. Ich habe Ihnen ja so viel Okkultes erzählt, daß ich gewissermaßen meine Zeit abgesessen habe und ich Ihnen jetzt auch aus der neueren Geschichte noch einige Notizen geben kann. Das ist über die Zeit hinaus. Es soll niemand sagen können, ich nähme etwas von der Zeit, die dem Okkultismus gewidmet ist; aber auch diese Dinge sind wichtig.
[ 49 ] Wenn man einen Sinn hat für das, was hinter der Maja liegt, so kann man begreifen, daß äußere Einrichtungen, äußere Maßnahmen gewissermaßen verschiedene Wertigkeit, verschiedenes Gewicht haben im ganzen Zusammenhang. Nehmen wir einen Fall aus der neueren Geschichte. Ich habe Ihnen ja so viel Okkultes erzählt, daß ich gewissermaßen meine Zeit abgesessen habe und ich Ihnen jetzt auch aus der neueren Geschichte noch einige Notizen geben kann. Das ist über die Zeit hinaus. Es soll niemand sagen können, ich nähme etwas von der Zeit, die dem Okkultismus gewidmet ist; aber auch diese Dinge sind wichtig.
[ 50 ] Nehmen wir also ein Beispiel aus der neueren Geschichte. 1909 wurde die Zusammenkunft des italienischen Königs mit dem russischen Zaren arrangiert. Bis dahin war nicht viel von Freundschaft zu spüren zwischen diesen beiden Repräsentanten, aber von da ab fand man es gut, die beiden zusammenzuschieben. Die Zusammenkunft von Racconigi fand statt. Es war nicht leicht, und wenn Sie nachlesen, was der Giolitti, der damalige Ministerpräsident, alles hat anstellen müssen, um «attentatliche Unzukömmlichkeiten» zu vermeiden, dann werden Sie sehen, daß es dem armen Giolitti dazumal nicht gerade leicht geworden ist.
[ 50 ] Nehmen wir also ein Beispiel aus der neueren Geschichte. 1909 wurde die Zusammenkunft des italienischen Königs mit dem russischen Zaren arrangiert. Bis dahin war nicht viel von Freundschaft zu spüren zwischen diesen beiden Repräsentanten, aber von da ab fand man es gut, die beiden zusammenzuschieben. Die Zusammenkunft von Racconigi fand statt. Es war nicht leicht, und wenn Sie nachlesen, was der Giolitti, der damalige Ministerpräsident, alles hat anstellen müssen, um «attentatliche Unzukömmlichkeiten» zu vermeiden, dann werden Sie sehen, daß es dem armen Giolitti dazumal nicht gerade leicht geworden ist.
[ 51 ] Nun aber handelte es sich darum, die geeignete Persönlichkeit zu finden, welche dem Zaren die Huldigung von Rom überbrachte. Das mußte eine besonders geartete Persönlichkeit sein. Solche Dinge sind von langer Hand vorbereitet, damit sie im rechten Momente, ich möchte sagen aus nächster Nähe, nur herandirigiert zu werden brauchen. Jeden Beliebigen konnte man ja, wenn eine «saftige» Wirkung erzielt werden sollte, nicht nehmen zur Huldigung von Rom an den Zaren, des lateinischen Westens an den soi-disant slawischen Osten. Das mußte schon eine besondere Persönlichkeit sein; es mußte sogar eine Persönlichkeit sein, die nicht leicht dazu zu bringen war. Nun, es war dazumal «zufällig» muß man selbstverständlich sagen, wenn man Materialist ist, aber «nicht zufällig» wird man sagen, wenn man eben nicht Materialist ist —, es war Signor Nathan — ein italienischer Name! — dazumal auf dem Bürgermeisterposten von Rom. Er hatte allen Grund, recht demokratisch gesinnt zu sein, möglichst wenig so gesinnt zu sein, um just dem Zaren Reverenz zu erweisen. Er war, kurz bevor er Bürgermeister von Rom geworden war, überhaupt erst italienischer Bürger geworden, denn bis dahin war er englischer Staatsbürger gewesen. Die Blutsmischung mußte berücksichtigt werden: Er war der Sohn einer deutschen Mutter und hat den Namen Nathan angenommen, weil der Vater Mazzini war, der berühmte italienische Revolutionär. Ja, es ist schon so.
[ 51 ] Nun aber handelte es sich darum, die geeignete Persönlichkeit zu finden, welche dem Zaren die Huldigung von Rom überbrachte. Das mußte eine besonders geartete Persönlichkeit sein. Solche Dinge sind von langer Hand vorbereitet, damit sie im rechten Momente, ich möchte sagen aus nächster Nähe, nur herandirigiert zu werden brauchen. Jeden Beliebigen konnte man ja, wenn eine «saftige» Wirkung erzielt werden sollte, nicht nehmen zur Huldigung von Rom an den Zaren, des lateinischen Westens an den soi-disant slawischen Osten. Das mußte schon eine besondere Persönlichkeit sein; es mußte sogar eine Persönlichkeit sein, die nicht leicht dazu zu bringen war. Nun, es war dazumal «zufällig» muß man selbstverständlich sagen, wenn man Materialist ist, aber «nicht zufällig» wird man sagen, wenn man eben nicht Materialist ist —, es war Signor Nathan — ein italienischer Name! — dazumal auf dem Bürgermeisterposten von Rom. Er hatte allen Grund, recht demokratisch gesinnt zu sein, möglichst wenig so gesinnt zu sein, um just dem Zaren Reverenz zu erweisen. Er war, kurz bevor er Bürgermeister von Rom geworden war, überhaupt erst italienischer Bürger geworden, denn bis dahin war er englischer Staatsbürger gewesen. Die Blutsmischung mußte berücksichtigt werden: Er war der Sohn einer deutschen Mutter und hat den Namen Nathan angenommen, weil der Vater Mazzini war, der berühmte italienische Revolutionär. Ja, es ist schon so.
[ 52 ] Nun konnte man, wenn man den zur Reverenz an den Zaren brachte, sagen: Die Demokratie habe sich gründlich bekehrt. Es hat es nicht ein gewöhnlicher Mensch getan, sondern jemand, der mit allen Salben der Demokratie geschmiert war, aber — der auch gut präpariert war. Und gewisse Dinge beginnen von jener Zeit an penibel zu werden. So zum Beispiel weiß man heute, daß von jener Zeit ab die Korrespondenz, die innerhalb des Dreibunds geführt wurde, immer pünktlich nach Petersburg übermittelt worden ist! — Nicht ganz unbeteiligt sind auch wiederum menschliche Leidenschaften, indem bei dieser Übermittlung eine Dame eine ganz besondere Rolle spielt, die sich einen «geschwisterlichen» Weg geschaffen hatte zwischen Rom und Petersburg. Solche Dinge kann man, wenn man will, selbstverständlich dem Zufall zuschreiben; aber derjenige, der die Maja durchschauen will, wird sie nicht dem Zufall zuschreiben, sondern wird tiefere Zusammenhänge unter ihnen suchen. Und dann, wenn man solche tieferen Zusammenhänge sucht, wird man nicht mehr so viel lügen können, wie man lügt, wird nicht mehr so viel die Menschen betäuben können, damit sie abgelenkt werden von der Wahrheit, von demjenigen, worauf es ankommt.
[ 52 ] Nun konnte man, wenn man den zur Reverenz an den Zaren brachte, sagen: Die Demokratie habe sich gründlich bekehrt. Es hat es nicht ein gewöhnlicher Mensch getan, sondern jemand, der mit allen Salben der Demokratie geschmiert war, aber — der auch gut präpariert war. Und gewisse Dinge beginnen von jener Zeit an penibel zu werden. So zum Beispiel weiß man heute, daß von jener Zeit ab die Korrespondenz, die innerhalb des Dreibunds geführt wurde, immer pünktlich nach Petersburg übermittelt worden ist! — Nicht ganz unbeteiligt sind auch wiederum menschliche Leidenschaften, indem bei dieser Übermittlung eine Dame eine ganz besondere Rolle spielt, die sich einen «geschwisterlichen» Weg geschaffen hatte zwischen Rom und Petersburg. Solche Dinge kann man, wenn man will, selbstverständlich dem Zufall zuschreiben; aber derjenige, der die Maja durchschauen will, wird sie nicht dem Zufall zuschreiben, sondern wird tiefere Zusammenhänge unter ihnen suchen. Und dann, wenn man solche tieferen Zusammenhänge sucht, wird man nicht mehr so viel lügen können, wie man lügt, wird nicht mehr so viel die Menschen betäuben können, damit sie abgelenkt werden von der Wahrheit, von demjenigen, worauf es ankommt.
[ 53 ] Denn es wäre selbstverständlich — und ich sage das nur, um die Wahrheit zu charakterisieren — weitesten Kreisen unangenehm gewesen, die Menschen darauf aufmerksam zu machen, daß die ganze belgische Invasion nicht stattgefunden hätte, wenn jener Satz, von dem ich schon gesprochen habe, von Lord Grey — jetzt ist er eben auch Lord —, von Sir Edward Grey ausgesprochen worden wäre. Da wäre die ganze Geschichte in Belgien nicht passiert, damit wäre sie aus der Welt geschafft gewesen, sie wäre nicht geschehen. Statt aber diesen wirklichen Ursprung der Sache, der insofern der Ursprung ist, als er die Sache hätte verhindern können, ins Auge zu fassen, war es selbstverständlich bequemer, den Leuten die Zeit damit zu vertreiben, daß man über die «belgischen Greuel» sprach. Die wären aber auch nicht passiert, wenn dazumal die einzige kurze Maßnahme von Sir Edward Grey geschehen wäre, Aber um über die einfache Wahrheit Nebel zu verbreiten, braucht man natürlich etwas anderes, was zu den menschlichen Leidenschaften, zu berechtigten Leidenschaften, zum Moralischen spricht. Gewiß, es soll gar nichts dagegen eingewendet werden. Man braucht etwasanderes. Und das Charakteristische unserer gegenwärtigen Zeit ist gerade, daß bis zum heutigen Tag — und jetzt ist es besonders schmerzlich — alle Anstrengungen gemacht werden, um die Wahrheit zu verhüllen, um die Menschen über die Wahrheit hinwegzubetäuben.
[ 53 ] Denn es wäre selbstverständlich — und ich sage das nur, um die Wahrheit zu charakterisieren — weitesten Kreisen unangenehm gewesen, die Menschen darauf aufmerksam zu machen, daß die ganze belgische Invasion nicht stattgefunden hätte, wenn jener Satz, von dem ich schon gesprochen habe, von Lord Grey — jetzt ist er eben auch Lord —, von Sir Edward Grey ausgesprochen worden wäre. Da wäre die ganze Geschichte in Belgien nicht passiert, damit wäre sie aus der Welt geschafft gewesen, sie wäre nicht geschehen. Statt aber diesen wirklichen Ursprung der Sache, der insofern der Ursprung ist, als er die Sache hätte verhindern können, ins Auge zu fassen, war es selbstverständlich bequemer, den Leuten die Zeit damit zu vertreiben, daß man über die «belgischen Greuel» sprach. Die wären aber auch nicht passiert, wenn dazumal die einzige kurze Maßnahme von Sir Edward Grey geschehen wäre, Aber um über die einfache Wahrheit Nebel zu verbreiten, braucht man natürlich etwas anderes, was zu den menschlichen Leidenschaften, zu berechtigten Leidenschaften, zum Moralischen spricht. Gewiß, es soll gar nichts dagegen eingewendet werden. Man braucht etwasanderes. Und das Charakteristische unserer gegenwärtigen Zeit ist gerade, daß bis zum heutigen Tag — und jetzt ist es besonders schmerzlich — alle Anstrengungen gemacht werden, um die Wahrheit zu verhüllen, um die Menschen über die Wahrheit hinwegzubetäuben.
[ 54 ] Auch das mußte sorgsam vorbereitet werden. Denn gäbe es irgendwo ein Loch in der Rechnung, dann wäre das ja nicht möglich geworden. Man mußte eben die ganze Peripherie haben, die man sich deshalb wohlweislich auch geschaffen hat.
[ 54 ] Auch das mußte sorgsam vorbereitet werden. Denn gäbe es irgendwo ein Loch in der Rechnung, dann wäre das ja nicht möglich geworden. Man mußte eben die ganze Peripherie haben, die man sich deshalb wohlweislich auch geschaffen hat.
[ 55 ] Aber die Dinge wurden alle sehr sorgfältig vorbereitet, sowohl politisch wie kulturell. Und gerechnet wurde mit Mannigfaltigem. Und man konnte auch mit Mannigfaltigem rechnen, denn es herrscht zuweilen die unglaublichste Sorglosigkeit in diesen Dingen, sogar an Stellen, wo man sie eigentlich gar nicht vermuten würde. Nehmen Sie nur einen solchen Fall, wo man wirklich die Sorglosigkeit studieren kann, eine objektive Tatsache.
[ 55 ] Aber die Dinge wurden alle sehr sorgfältig vorbereitet, sowohl politisch wie kulturell. Und gerechnet wurde mit Mannigfaltigem. Und man konnte auch mit Mannigfaltigem rechnen, denn es herrscht zuweilen die unglaublichste Sorglosigkeit in diesen Dingen, sogar an Stellen, wo man sie eigentlich gar nicht vermuten würde. Nehmen Sie nur einen solchen Fall, wo man wirklich die Sorglosigkeit studieren kann, eine objektive Tatsache.
[ 56 ] Bismarck unterhielt zu einer bestimmten Zeit mit einem gewissen Usedom in Florenz und in Turin eine Verbindung. Ich habe ja auseinandergesetzt: Das moderne Italien ist eigentlich auf einem Umweg entstanden und verdankt seine Existenz in Wirklichkeit Deutschland; aber das hängt mit vielen Dingen zusammen. Die Dinge, die ich sage, haben ihre tiefen Untergründe, und in der Politik spielen mannigfaltige Fäden. So spielten auch einmal Fäden, durch die gerade die italienischen Republikaner gewonnen werden sollten, kurz, es gab zu einer gewissen Zeit eine solche Verbindung zwischen Bismarck und Usedom in Florenz und Turin. Jener Usedom war ein Freund von Mazzini, ein Freund von andern Leuten, welche namentlich in Volkskreisen eine gewisse Bedeutung hatten. Ein Mann war dieser Usedom, der eigentlich recht sehr den weisen Menschen posierte, und der sich einen angeblichen Mazzinisten als Privatsekretär anstellte. Nun kam aber später heraus, daß dieser Privatsekretär, von dem es hieß, daß er ein in dieGeheimnisse der Mazzini-Geheimbünde Eingeweihter sei, ein ganz gewöhnlicher Spion war. Bismarck erzählt diese Geschichte ganz naiv und fügt zu seiner Entschuldigung, daß er so hereingefallen ist, dazu: Aber Usedom war ein hoher Freimaurer. — Und so könnte man sehr vieles erzählen, wobei sich oftmals herausstellen würde, daß die Menschen, die daran beteiligt sind, höchst unschuldig sind, weil die eigentlichen — gestatten Sie den trivialen Ausdruck — Drahtzieher im Hintergrunde stehen.
[ 56 ] Bismarck unterhielt zu einer bestimmten Zeit mit einem gewissen Usedom in Florenz und in Turin eine Verbindung. Ich habe ja auseinandergesetzt: Das moderne Italien ist eigentlich auf einem Umweg entstanden und verdankt seine Existenz in Wirklichkeit Deutschland; aber das hängt mit vielen Dingen zusammen. Die Dinge, die ich sage, haben ihre tiefen Untergründe, und in der Politik spielen mannigfaltige Fäden. So spielten auch einmal Fäden, durch die gerade die italienischen Republikaner gewonnen werden sollten, kurz, es gab zu einer gewissen Zeit eine solche Verbindung zwischen Bismarck und Usedom in Florenz und Turin. Jener Usedom war ein Freund von Mazzini, ein Freund von andern Leuten, welche namentlich in Volkskreisen eine gewisse Bedeutung hatten. Ein Mann war dieser Usedom, der eigentlich recht sehr den weisen Menschen posierte, und der sich einen angeblichen Mazzinisten als Privatsekretär anstellte. Nun kam aber später heraus, daß dieser Privatsekretär, von dem es hieß, daß er ein in dieGeheimnisse der Mazzini-Geheimbünde Eingeweihter sei, ein ganz gewöhnlicher Spion war. Bismarck erzählt diese Geschichte ganz naiv und fügt zu seiner Entschuldigung, daß er so hereingefallen ist, dazu: Aber Usedom war ein hoher Freimaurer. — Und so könnte man sehr vieles erzählen, wobei sich oftmals herausstellen würde, daß die Menschen, die daran beteiligt sind, höchst unschuldig sind, weil die eigentlichen — gestatten Sie den trivialen Ausdruck — Drahtzieher im Hintergrunde stehen.
[ 57 ] Man kann nicht fragen: Wie kommt es, daß solche Dinge von der weisen Weltenlenkung zugelassen werden, daß die Menschheit gewissermaßen übergeben ist solchen Machinationen, da man doch hinter die Dinge nicht kommen kann? Es gibt eben so viele Gelegenheiten, wenn man sie nur ehrlich aufsucht, um dahinterzukommen. Aber wir sehen es ja an unserer eigenen Gesellschaft, wieviel Widerstand von den einzelnen geleistet wird, wenn es sich darum handelt, den einfachen Gang der Wahrheit zu gehen. Wir sehen, wie viele Dinge, die objektiv im Erkenntnissinne genommen werden sollten und dann gerade am besten zum Heile der Menschheit dienen würden, in subjektiv-persönlichem Sinne aufgefaßt werden. Und immerhin bestehen halt doch innerhalb unserer Gesellschaft, ich möchte sagen Kollegien, welche mit großer Aufmerksamkeit ein gewisses, ich glaube zweihundertsiebenundachtzig Seiten umfassendes Schriftstück zusammen gelesen und es völlig ernst genommen haben, die noch immer daran kauen, um dahinterzukommen, inwieweit eigentlich jener Mann, der ja hier genügend bekannt ist, im Rechte sei. Kurz, wir können innerhalb unserer eigenen Reihen manchmal schon Entdeckungen machen, die ein Licht darauf werfen, warum es manchen so schwer ist, die Dinge zu durchschauen; während es gar nicht schwierig ist, die Dinge zu durchschauen, wenn man wirklich ehrliches Wahrheitsstreben hat. Denn schon die ganzen Jahre hindurch wurde in unseren Kreisen vieles gesagt. Wenn man dasjenige zusammenhält, was seit dem Jahre 1902 vorgebracht worden ist, dann wird man schon sehen, daß man darinnen etwas hat, was einem wohl dienen kann, manches in der Welt zu durchschauen. Und unsere anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft ist nicht etwa als ein absoJuter Geheimbund aufgetreten, sondern diejenigen Dinge, auf die es ankommt, sind immer in öffentlichen Vorträgen vor aller Welt behandelt worden. Das ist gerade der Gegensatz, auf den man wohl achten muß.
[ 57 ] Man kann nicht fragen: Wie kommt es, daß solche Dinge von der weisen Weltenlenkung zugelassen werden, daß die Menschheit gewissermaßen übergeben ist solchen Machinationen, da man doch hinter die Dinge nicht kommen kann? Es gibt eben so viele Gelegenheiten, wenn man sie nur ehrlich aufsucht, um dahinterzukommen. Aber wir sehen es ja an unserer eigenen Gesellschaft, wieviel Widerstand von den einzelnen geleistet wird, wenn es sich darum handelt, den einfachen Gang der Wahrheit zu gehen. Wir sehen, wie viele Dinge, die objektiv im Erkenntnissinne genommen werden sollten und dann gerade am besten zum Heile der Menschheit dienen würden, in subjektiv-persönlichem Sinne aufgefaßt werden. Und immerhin bestehen halt doch innerhalb unserer Gesellschaft, ich möchte sagen Kollegien, welche mit großer Aufmerksamkeit ein gewisses, ich glaube zweihundertsiebenundachtzig Seiten umfassendes Schriftstück zusammen gelesen und es völlig ernst genommen haben, die noch immer daran kauen, um dahinterzukommen, inwieweit eigentlich jener Mann, der ja hier genügend bekannt ist, im Rechte sei. Kurz, wir können innerhalb unserer eigenen Reihen manchmal schon Entdeckungen machen, die ein Licht darauf werfen, warum es manchen so schwer ist, die Dinge zu durchschauen; während es gar nicht schwierig ist, die Dinge zu durchschauen, wenn man wirklich ehrliches Wahrheitsstreben hat. Denn schon die ganzen Jahre hindurch wurde in unseren Kreisen vieles gesagt. Wenn man dasjenige zusammenhält, was seit dem Jahre 1902 vorgebracht worden ist, dann wird man schon sehen, daß man darinnen etwas hat, was einem wohl dienen kann, manches in der Welt zu durchschauen. Und unsere anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft ist nicht etwa als ein absoJuter Geheimbund aufgetreten, sondern diejenigen Dinge, auf die es ankommt, sind immer in öffentlichen Vorträgen vor aller Welt behandelt worden. Das ist gerade der Gegensatz, auf den man wohl achten muß.
[ 58 ] Und das darf ich schon heute sagen: Wenn gewisse Strömungen in unserer Anthroposophischen Gesellschaft fortbestehen sollten, die namentlich dahingehen, im Sinne der menschlichen Eitelkeit dasjenige auszumünzen, was zunächst rein aus dem Grunde in abgeschlossenem Kreise gehalten wird, aus dem zum Beispiel auch an Universitäten man nicht die ganze Welt für den zweiten Jahrgang einlädt, sondern nur diejenigen, die schon den ersten Jahrgang gehört haben, dann wird es nichts Esoterisches mehr geben. Wenn man die Dinge nicht in diesem selbstverständlichen Sinne nimmt, sondern weiter vor die Welt hintritt und sagt: Das ist geheim, das ist ganz esoterisch, das ist okkult, das darf ich nicht sagen! — wenn diese Politik in gewissen Strömungen unserer Gesellschaft weiter verfolgt wird, wenn nicht ein Sinn sich entwickelt dafür, daß alle Eitelkeitsnuance aufhören muß, dann wird eben alles vor aller Welt verhandelt werden müssen, was der Menschheit heute mitgeteilt werden muß. Ob dann manches mitgeteilt werden kann, das werden die Notwendigkeiten ergeben. Aber die Anthroposophische Gesellschaft hat nur dann einen Sinn, wenn sie «Gesellschaft» ist, das heißt, wenn es sich wirklich jedem Einzelnen darum handelt, Front zu machen gegen alle Eitelkeiten, gegen alles dasjenige, was durch Torheit und Eitelkeit mit einem falschen mystischen Schleier umhüllt wird, und was zu nichts anderem taugt, als die andern Menschen stutzig und gehässig zu machen. Um das Geheimnisvolle, wie gewissen okkulten Brüderschaften, darf es unserer Gesellschaft nicht zu tun sein, sondern lediglich um die Vollbringung desjenigen, was zum Heil der Menschheit notwendig ist. Die Feinde werden, das habe ich oft gesagt, zahlreicher und zahlreicher werden. Vielleicht wird gerade daran, wie sich die Welt reibt mit unserer Gesellschaft, sich zeigen, welcher Art die Feinde sind. Ehrliche Gegnerschaft haben wir im Grunde noch gar nicht gefunden; die würde ja nur fördern können! Solche Gegnerschaft, wie wir sie gefunden haben, braucht man sich nur anzuschauen auf ihr «Wie», auf die Art und Weise, die Mittel, durch welche sie wirkt. Ob die Gegner aus unseren Kreisen selber sind, was sehr häufig der Fall ist, oder aus andern: Wir können es ruhig abwarten! Soeben wurde eine Gegnerschaft angekündigt, die ein Sturzbad über uns vergießen soll. Ein Buch wird in Vorträgen angekündigt, in dem jemand, der allerdings nie in unserer Gesellschaft war und der als eitler Tropf die Welt von allerlei Doppel-Ichen unterhalten hat, die Gelegenheit der verschiedenen nationalen Verhetzungen und Leidenschaften dazu benutzt, um gegen unsere Anthroposophie in einer Weise aufzutreten, die eben nicht reine Finger zeigt.
[ 58 ] Und das darf ich schon heute sagen: Wenn gewisse Strömungen in unserer Anthroposophischen Gesellschaft fortbestehen sollten, die namentlich dahingehen, im Sinne der menschlichen Eitelkeit dasjenige auszumünzen, was zunächst rein aus dem Grunde in abgeschlossenem Kreise gehalten wird, aus dem zum Beispiel auch an Universitäten man nicht die ganze Welt für den zweiten Jahrgang einlädt, sondern nur diejenigen, die schon den ersten Jahrgang gehört haben, dann wird es nichts Esoterisches mehr geben. Wenn man die Dinge nicht in diesem selbstverständlichen Sinne nimmt, sondern weiter vor die Welt hintritt und sagt: Das ist geheim, das ist ganz esoterisch, das ist okkult, das darf ich nicht sagen! — wenn diese Politik in gewissen Strömungen unserer Gesellschaft weiter verfolgt wird, wenn nicht ein Sinn sich entwickelt dafür, daß alle Eitelkeitsnuance aufhören muß, dann wird eben alles vor aller Welt verhandelt werden müssen, was der Menschheit heute mitgeteilt werden muß. Ob dann manches mitgeteilt werden kann, das werden die Notwendigkeiten ergeben. Aber die Anthroposophische Gesellschaft hat nur dann einen Sinn, wenn sie «Gesellschaft» ist, das heißt, wenn es sich wirklich jedem Einzelnen darum handelt, Front zu machen gegen alle Eitelkeiten, gegen alles dasjenige, was durch Torheit und Eitelkeit mit einem falschen mystischen Schleier umhüllt wird, und was zu nichts anderem taugt, als die andern Menschen stutzig und gehässig zu machen. Um das Geheimnisvolle, wie gewissen okkulten Brüderschaften, darf es unserer Gesellschaft nicht zu tun sein, sondern lediglich um die Vollbringung desjenigen, was zum Heil der Menschheit notwendig ist. Die Feinde werden, das habe ich oft gesagt, zahlreicher und zahlreicher werden. Vielleicht wird gerade daran, wie sich die Welt reibt mit unserer Gesellschaft, sich zeigen, welcher Art die Feinde sind. Ehrliche Gegnerschaft haben wir im Grunde noch gar nicht gefunden; die würde ja nur fördern können! Solche Gegnerschaft, wie wir sie gefunden haben, braucht man sich nur anzuschauen auf ihr «Wie», auf die Art und Weise, die Mittel, durch welche sie wirkt. Ob die Gegner aus unseren Kreisen selber sind, was sehr häufig der Fall ist, oder aus andern: Wir können es ruhig abwarten! Soeben wurde eine Gegnerschaft angekündigt, die ein Sturzbad über uns vergießen soll. Ein Buch wird in Vorträgen angekündigt, in dem jemand, der allerdings nie in unserer Gesellschaft war und der als eitler Tropf die Welt von allerlei Doppel-Ichen unterhalten hat, die Gelegenheit der verschiedenen nationalen Verhetzungen und Leidenschaften dazu benutzt, um gegen unsere Anthroposophie in einer Weise aufzutreten, die eben nicht reine Finger zeigt.
[ 59 ] Diese Dinge also müssen wir uns vor Augen halten und uns klar darüber sein, daß wir streng die Richtung festhalten müssen nach der Wahrheit und nach der Erkenntnis. Auch wenn wir von zeitgenössischen Dingen sprechen, kann es sich für uns nur um Erkenntnis der Wahrheit handeln. Den Dingen muß ins Auge geschaut werden; dann mag jeder nach seinem Empfinden diesen oder jenen Standpunkt einnehmen. Jeden Standpunkt wird man verstehen können, aber der Standpunkt muß auf Grundlage der Wahrheit gebildet werden.
[ 59 ] Diese Dinge also müssen wir uns vor Augen halten und uns klar darüber sein, daß wir streng die Richtung festhalten müssen nach der Wahrheit und nach der Erkenntnis. Auch wenn wir von zeitgenössischen Dingen sprechen, kann es sich für uns nur um Erkenntnis der Wahrheit handeln. Den Dingen muß ins Auge geschaut werden; dann mag jeder nach seinem Empfinden diesen oder jenen Standpunkt einnehmen. Jeden Standpunkt wird man verstehen können, aber der Standpunkt muß auf Grundlage der Wahrheit gebildet werden.
[ 60 ] Das ist schon ein Wort, das wir uns insbesondere heute vor die Seele schreiben müssen. Denn vieles ist in unserer Zeit geschehen, das die Menschen stutzig machen und sie darauf aufmerksam machen sollte, daß es notwendig ist, ein gesundes, wahrheitsgemäßes Urteil zu gewinnen. Wir haben es erlebt, daß, kaum daß die Sehnsucht nach Frieden durch die Welt gegangen ist, diese Sehnsucht nach Frieden bebrüllt wurde. Und wir sehen vorläufig noch, wie die Leute direkt böse werden, wenn heute von dieser oder jener Seite von Frieden gesprochen wird. Nicht nur, daß sie böse werden, wenn von einer kriegführenden Seite her von Frieden gesprochen wird, sondern sie werden sogar böse, wenn von neutraler Seite von Frieden gesprochen wird.
[ 60 ] Das ist schon ein Wort, das wir uns insbesondere heute vor die Seele schreiben müssen. Denn vieles ist in unserer Zeit geschehen, das die Menschen stutzig machen und sie darauf aufmerksam machen sollte, daß es notwendig ist, ein gesundes, wahrheitsgemäßes Urteil zu gewinnen. Wir haben es erlebt, daß, kaum daß die Sehnsucht nach Frieden durch die Welt gegangen ist, diese Sehnsucht nach Frieden bebrüllt wurde. Und wir sehen vorläufig noch, wie die Leute direkt böse werden, wenn heute von dieser oder jener Seite von Frieden gesprochen wird. Nicht nur, daß sie böse werden, wenn von einer kriegführenden Seite her von Frieden gesprochen wird, sondern sie werden sogar böse, wenn von neutraler Seite von Frieden gesprochen wird.
[ 61 ] Man wird sehen, ob die Welt genügend wird erstaunen können über diese Dinge. Man hat ja dabei schon ganz besondere Erfahrungen gemacht. Denn nachdem das Urteil, das sich die Welt bildet, hinweggegangen ist über das Ereignis vom April und Mai des Jahres 1915, wo freiwillig ein weites Territorium abgetreten werden sollte, was jedoch ausgeschlagen wurde, nur um Krieg führen zu können, und nicht die Möglichkeit gefunden worden ist, darüber auch nur ein einigermaßen zutreffendes Urteil zu finden, da kann man allerdings aufs Schlimmste gefaßt sein. Man kann deshalb aufs Schlimmste gefaßt sein, weil es den Menschen eigentlich gar nicht darauf ankommt, das zu sagen, was ist, sondern das zu sagen, was ihnen in den Kram paßt. Die Denkweisen sind ja kurios, die Denkweisen sind ganz eigentümlich. Man muß aber die Dinge an den rechten Punkten fassen.
[ 61 ] Man wird sehen, ob die Welt genügend wird erstaunen können über diese Dinge. Man hat ja dabei schon ganz besondere Erfahrungen gemacht. Denn nachdem das Urteil, das sich die Welt bildet, hinweggegangen ist über das Ereignis vom April und Mai des Jahres 1915, wo freiwillig ein weites Territorium abgetreten werden sollte, was jedoch ausgeschlagen wurde, nur um Krieg führen zu können, und nicht die Möglichkeit gefunden worden ist, darüber auch nur ein einigermaßen zutreffendes Urteil zu finden, da kann man allerdings aufs Schlimmste gefaßt sein. Man kann deshalb aufs Schlimmste gefaßt sein, weil es den Menschen eigentlich gar nicht darauf ankommt, das zu sagen, was ist, sondern das zu sagen, was ihnen in den Kram paßt. Die Denkweisen sind ja kurios, die Denkweisen sind ganz eigentümlich. Man muß aber die Dinge an den rechten Punkten fassen.
[ 62 ] Ich will Ihnen eine kleine Stelle vorlesen, die vor dem Ausbruch dieses Weltkrieges von einem Italiener in der Zeit geschrieben worden ist, als Italien über den Tripolis-Krieg jubelte, den ich nicht beurteile. Ich werde niemals etwas dagegen haben, daß Italien sich Tripolis angeeignet hat; diese Dinge beurteilt derjenige, der weiß, was im Staatenund Völkerverkehr eben das Notwendige und Mögliche ist, anders, als jene Lügen-Urteilenden, die heute mit allerlei moralischen Tugenden über diese Dinge urteilen. Aber da habe ich einen Menschen — Prezzolini heißt er — der über ein Italien schreibt, über das er sich freut, und das sich entwickelt hat aus einem Italien, über das er sich nicht freute. Er beschreibt zuerst, was aus diesem Italien eigentlich geworden war, wie es herabgekommen war, und fährt dann fort — also unmittelbar unter dem Eindrucke des Tripolis-Krieges:
[ 62 ] Ich will Ihnen eine kleine Stelle vorlesen, die vor dem Ausbruch dieses Weltkrieges von einem Italiener in der Zeit geschrieben worden ist, als Italien über den Tripolis-Krieg jubelte, den ich nicht beurteile. Ich werde niemals etwas dagegen haben, daß Italien sich Tripolis angeeignet hat; diese Dinge beurteilt derjenige, der weiß, was im Staatenund Völkerverkehr eben das Notwendige und Mögliche ist, anders, als jene Lügen-Urteilenden, die heute mit allerlei moralischen Tugenden über diese Dinge urteilen. Aber da habe ich einen Menschen — Prezzolini heißt er — der über ein Italien schreibt, über das er sich freut, und das sich entwickelt hat aus einem Italien, über das er sich nicht freute. Er beschreibt zuerst, was aus diesem Italien eigentlich geworden war, wie es herabgekommen war, und fährt dann fort — also unmittelbar unter dem Eindrucke des Tripolis-Krieges:
[ 63 ] «Und dennoch durchlebte Italien, vollkommen unbewußt dieser wirtschaftlichen Wiedergeburt, zur gleichen Zeit die Periode der oben geschilderten Niedergeschlagenheit. Die ersten, welche das Wiedererwachen bemerkten, waren die Fremden. Allerdings waren auch schon Italiener aufgetreten, aber Phrasendrescher mit dem berühmten und berüchtigten «Primat von Italien» auf den Lippen. Das Buch des Deutschen Fischer stammt von 1899, das des Engländers Bolton King von 1901. Auch heute noch hat kein Italiener, nicht einmal zur fünfzigjährigen Feier der «Einheit», ein Werk herausgebracht, das diesen gleichkommt. Die eigentümliche Klugheit dieser Ausländer ist besonders beachtenswert, weil wirklich die Fremden von einem modernen Italien weder etwas wissen wollten noch wollen. In bezug auf Italien bestand damals wie noch heute ein Urteil oder vielmehr Vorurteil: Italien sei ein Land der Vergangenheit und nicht der Gegenwart, es müsse «in der Vergangenheit ruhen», aber nicht in die Gegenwart eintreten. Man wünschte ein Italien der Archive, Museen, Gasthäuser für Hochzeitsreisen oder zur Zerstreuung von Spleen- oder Lungenkranken, ein Italien der Drehorgeln, der Serenaden und Gondelfahrten, voll von Ciceroni, Stiefelputzern, Polyglotten und Polichinellen. Diese Fremden waren viel glücklicher, wenn sie in Sleeping cars reisen konnten als in der Diligence, aber sie bedauerten es ein wenig, daß sie nicht hier und da an einer Straßenecke einen Kalabreser Straßenräuber trafen mit der Donnerbüchse und dem Sammethut in der Form eines Zuckerhutes. Oh, der schöne italienische Himmel, verdorben durch Fabrikschornsteine; oh — la bella Napoli —,schimpfiert durch Dampfschiffe und das Ausladen derselben; und Rom mit den italienischen Soldaten; welches Bedauern für die schönen Zeiten des päpstlichen, bourbonischen und leopoldinischen Roms! Diese menschenfreundlichen Gefühle bilden noch immer die Grundlage jedes angelsächsischen und deutschen Urteils über uns, und um zu sagen, wie tief sie waren, genügt es, daran zu erinnern, daß sie von Leuten ausgesprochen wurden, die in andern Hinsichten hervorragend waren, wie Gregorovius und Bourget. Das Italien, das sich reformierte und feist wurde, das anfing einen und den andern großen Kassenschein in seiner Brieftasche zu haben, hat erst heutigen Tages das richtige Bewußtsein von sich selbst gewonnen. Und wenn es aus Reaktion etwas weiter darin geht, als es mit seinen Begeisterungen dürfte, so muß man es verzeihen und verstehen. Zehn Jahre sind notwendig gewesen und haben kaum genügt, damit von den ersten, die die Zukunft und Kraft Italiens voraussahen, die Idee auf die Menge überging, die jetzt davon durchdrungen und überzeugt ist. Umsonst würden unsere großen Denker Bände von Zeitschriften, statistische Bücher, philosophische Werke und Bücher neuester Kunst aufgehäuft haben.»
[ 63 ] «Und dennoch durchlebte Italien, vollkommen unbewußt dieser wirtschaftlichen Wiedergeburt, zur gleichen Zeit die Periode der oben geschilderten Niedergeschlagenheit. Die ersten, welche das Wiedererwachen bemerkten, waren die Fremden. Allerdings waren auch schon Italiener aufgetreten, aber Phrasendrescher mit dem berühmten und berüchtigten «Primat von Italien» auf den Lippen. Das Buch des Deutschen Fischer stammt von 1899, das des Engländers Bolton King von 1901. Auch heute noch hat kein Italiener, nicht einmal zur fünfzigjährigen Feier der «Einheit», ein Werk herausgebracht, das diesen gleichkommt. Die eigentümliche Klugheit dieser Ausländer ist besonders beachtenswert, weil wirklich die Fremden von einem modernen Italien weder etwas wissen wollten noch wollen. In bezug auf Italien bestand damals wie noch heute ein Urteil oder vielmehr Vorurteil: Italien sei ein Land der Vergangenheit und nicht der Gegenwart, es müsse «in der Vergangenheit ruhen», aber nicht in die Gegenwart eintreten. Man wünschte ein Italien der Archive, Museen, Gasthäuser für Hochzeitsreisen oder zur Zerstreuung von Spleen- oder Lungenkranken, ein Italien der Drehorgeln, der Serenaden und Gondelfahrten, voll von Ciceroni, Stiefelputzern, Polyglotten und Polichinellen. Diese Fremden waren viel glücklicher, wenn sie in Sleeping cars reisen konnten als in der Diligence, aber sie bedauerten es ein wenig, daß sie nicht hier und da an einer Straßenecke einen Kalabreser Straßenräuber trafen mit der Donnerbüchse und dem Sammethut in der Form eines Zuckerhutes. Oh, der schöne italienische Himmel, verdorben durch Fabrikschornsteine; oh — la bella Napoli —,schimpfiert durch Dampfschiffe und das Ausladen derselben; und Rom mit den italienischen Soldaten; welches Bedauern für die schönen Zeiten des päpstlichen, bourbonischen und leopoldinischen Roms! Diese menschenfreundlichen Gefühle bilden noch immer die Grundlage jedes angelsächsischen und deutschen Urteils über uns, und um zu sagen, wie tief sie waren, genügt es, daran zu erinnern, daß sie von Leuten ausgesprochen wurden, die in andern Hinsichten hervorragend waren, wie Gregorovius und Bourget. Das Italien, das sich reformierte und feist wurde, das anfing einen und den andern großen Kassenschein in seiner Brieftasche zu haben, hat erst heutigen Tages das richtige Bewußtsein von sich selbst gewonnen. Und wenn es aus Reaktion etwas weiter darin geht, als es mit seinen Begeisterungen dürfte, so muß man es verzeihen und verstehen. Zehn Jahre sind notwendig gewesen und haben kaum genügt, damit von den ersten, die die Zukunft und Kraft Italiens voraussahen, die Idee auf die Menge überging, die jetzt davon durchdrungen und überzeugt ist. Umsonst würden unsere großen Denker Bände von Zeitschriften, statistische Bücher, philosophische Werke und Bücher neuester Kunst aufgehäuft haben.»
[ 64 ] Hier haben wir die Gesinnung, meine lieben Freunde! «Umsonst würden unsere großen Denker Bände von Zeitschriften, statistische Bücher, philosophische Werke und Bücher neuester Kunst aufgehäuft haben.» Das alles taugt nichts, meint er, um ein Volk wirklich zu heben. Keinen Glauben hat dieser moderne Mensch mehr an die geistige Wirksamkeit, an die Wirksamkeit des Geistigen!
[ 64 ] Hier haben wir die Gesinnung, meine lieben Freunde! «Umsonst würden unsere großen Denker Bände von Zeitschriften, statistische Bücher, philosophische Werke und Bücher neuester Kunst aufgehäuft haben.» Das alles taugt nichts, meint er, um ein Volk wirklich zu heben. Keinen Glauben hat dieser moderne Mensch mehr an die geistige Wirksamkeit, an die Wirksamkeit des Geistigen!
[ 65 ] «Umsonst würden unsere großen Denker Bände von Zeitschriften, statistische Bücher, philosophische Werke und Bücher neuester Kunst aufgehäuft haben; das Volk würde nie zu dieser Überzeugung gekommen sein und der Fremde auch nicht, wenigstens nicht in vielen Jahren.»
[ 65 ] «Umsonst würden unsere großen Denker Bände von Zeitschriften, statistische Bücher, philosophische Werke und Bücher neuester Kunst aufgehäuft haben; das Volk würde nie zu dieser Überzeugung gekommen sein und der Fremde auch nicht, wenigstens nicht in vielen Jahren.»
[ 66 ] Also geistige Kultur auf diese Weise schaffen, dazu hat der Mann kein Vertrauen.
[ 66 ] Also geistige Kultur auf diese Weise schaffen, dazu hat der Mann kein Vertrauen.
[ 67 ] «Das große und brutale Faktum war nötig, das die Phantasiegebilde zerschlägt und in jedem noch so kleinen und elenden Marktflecken die nationale Solidarität und denWiederaufschwung verspüren läßt.»
[ 67 ] «Das große und brutale Faktum war nötig, das die Phantasiegebilde zerschlägt und in jedem noch so kleinen und elenden Marktflecken die nationale Solidarität und denWiederaufschwung verspüren läßt.»
[ 68 ] Und wem schreibt er nun die Fähigkeit zu, dasjenige herbeizuführen, was keine geistige Kultur erzeugen kann? Er sagt:
[ 68 ] Und wem schreibt er nun die Fähigkeit zu, dasjenige herbeizuführen, was keine geistige Kultur erzeugen kann? Er sagt:
[ 69 ] «Und hierzu hat der Krieg gedient.»
[ 69 ] «Und hierzu hat der Krieg gedient.»
[ 70 ] Hier haben Sie es! Da haben Sie den Glauben, den man hatte. Tripolis war da; man hatte es haben müssen, und man sagt weiter: Man braucht den Krieg, um dahin zu kommen, wohin man durch eine geistige Kultur zu kommen nicht notwendig fand.
[ 70 ] Hier haben Sie es! Da haben Sie den Glauben, den man hatte. Tripolis war da; man hatte es haben müssen, und man sagt weiter: Man braucht den Krieg, um dahin zu kommen, wohin man durch eine geistige Kultur zu kommen nicht notwendig fand.
[ 71 ] Ja, meine lieben Freunde, solche Dinge sprechen, wenn man sie damit zusammenhält, daß dann von solcher Seite her eine Stimme kommt, die sagt: Wir haben diesen Krieg nicht gewollt, wir sind höchst unschuldige Lämmer, wir sind überfallen worden. — Denn sogar von dieser Seite kommt der Ruf: Um die Freiheit zu retten, um die kleinen Völker zu retten, sind wir gezwungen worden, in den Krieg zu ziehen. — Der Mann sagt:
[ 71 ] Ja, meine lieben Freunde, solche Dinge sprechen, wenn man sie damit zusammenhält, daß dann von solcher Seite her eine Stimme kommt, die sagt: Wir haben diesen Krieg nicht gewollt, wir sind höchst unschuldige Lämmer, wir sind überfallen worden. — Denn sogar von dieser Seite kommt der Ruf: Um die Freiheit zu retten, um die kleinen Völker zu retten, sind wir gezwungen worden, in den Krieg zu ziehen. — Der Mann sagt:
[ 72 ] «Wir ungefähr im Jahre 80 geborenen jungen Leute traten dem Leben der Welt mit dem neuen Jahrhundert entgegen. Unser Land war mutlos geworden. Die intellektuelle Welt auf sehr niedrigem Standpunkt.»
[ 72 ] «Wir ungefähr im Jahre 80 geborenen jungen Leute traten dem Leben der Welt mit dem neuen Jahrhundert entgegen. Unser Land war mutlos geworden. Die intellektuelle Welt auf sehr niedrigem Standpunkt.»
[ 73 ] Also das sind die ungefähr im Jahre 1880 geborenen Leute.
[ 73 ] Also das sind die ungefähr im Jahre 1880 geborenen Leute.
[ 74 ] «Die Philosophie: Positivismus; die Geschichte: Soziologie; die Kritik: historische Methode, wenn nicht gar Psychiatrie.»
[ 74 ] «Die Philosophie: Positivismus; die Geschichte: Soziologie; die Kritik: historische Methode, wenn nicht gar Psychiatrie.»
[ 75 ] Das kann man in dem Lande des Lombroso schon sagen!
[ 75 ] Das kann man in dem Lande des Lombroso schon sagen!
[ 76 ] «Auf die Befreier Italiens waren die Aussauger Italiens gefolgt; nicht nur ihre Söhne, unsere Väter, sondern auch die Enkel, unsere älteren Brüder. Die heroische Tradition der Wiedererhebung war verloren, und keine Idee erhob die neuen Generationen. Die Religion war bei den Besten gesunken, hatte aber eine Leere gelassen. Bei den andern war sie Gewohnheit. Die Kunst schwankte in einem sinnlichen und ästhetischen Taumel ohne Grund und ohne Glauben; von Carducci, den der Papa las, mit eingeschaltetem Toskaner Wein und mit einer Fuhrknechtszigarre, ging man auf d’Annunzio über, der jetzt das Evangelium des älteren Bruders ist, der nach der letzten Mode gekleidet ist, mit den Taschen voll Zuckerwerk, Frauenjäger und eitler Prahler.»
[ 76 ] «Auf die Befreier Italiens waren die Aussauger Italiens gefolgt; nicht nur ihre Söhne, unsere Väter, sondern auch die Enkel, unsere älteren Brüder. Die heroische Tradition der Wiedererhebung war verloren, und keine Idee erhob die neuen Generationen. Die Religion war bei den Besten gesunken, hatte aber eine Leere gelassen. Bei den andern war sie Gewohnheit. Die Kunst schwankte in einem sinnlichen und ästhetischen Taumel ohne Grund und ohne Glauben; von Carducci, den der Papa las, mit eingeschaltetem Toskaner Wein und mit einer Fuhrknechtszigarre, ging man auf d’Annunzio über, der jetzt das Evangelium des älteren Bruders ist, der nach der letzten Mode gekleidet ist, mit den Taschen voll Zuckerwerk, Frauenjäger und eitler Prahler.»
[ 77 ] Dennoch, diese Marionette, von der hier gesagt wird, daß sie «nach der letzten Mode gekleidet, mit den Taschen voll Zuckerwerk, Frauenjäger und eitler Prahler» ist, diese Marionette hat dann am Pfingstfest 1915 den Leuten klargemacht, daß sie nun wiederum dasjenige brauchen, was irgendein Geisteswerk nicht geben kann!
[ 77 ] Dennoch, diese Marionette, von der hier gesagt wird, daß sie «nach der letzten Mode gekleidet, mit den Taschen voll Zuckerwerk, Frauenjäger und eitler Prahler» ist, diese Marionette hat dann am Pfingstfest 1915 den Leuten klargemacht, daß sie nun wiederum dasjenige brauchen, was irgendein Geisteswerk nicht geben kann!
[ 78 ] In ernsten Zeiten ist es schon notwendig, daß man sich dazu entschließt, auf die Wahrheit hinzuschauen, und sich gewissermaßen der Wahrheit zu verbinden. Denn wenn man die Wahrheit nicht erkennen will, so irrt man ab von demjenigen, was der Menschheit wirklich heilsam sein kann. Deshalb muß es verstanden werden, daß gerade in diesen Tagen ernste Worte gesprochen werden. Denn wir sind doch in einer Lage, in der, man könnte sagen, der Siebenachtelblinde sehend werden könnte, wenn er erlebt, daß schon der Ruf nach Frieden bebrüllt wird. Wer glauben kann, daß man für einen dauerhaften Frieden kämpft, wenn man den Ruf nach Frieden bebrüllt, der kann in verschiedenen Gebieten des Lebens vielleicht noch ein einigermaßen gerades Urteil haben; aber in bezug auf dasjenige, was geschieht, kann er nicht zurechnungsfähig sein. Und wenn man demgegenüber nicht fühlt die Verpflichtung zur Wahrheit, dann kann es noch sehr, sehr schlimm in der Welt werden.
[ 78 ] In ernsten Zeiten ist es schon notwendig, daß man sich dazu entschließt, auf die Wahrheit hinzuschauen, und sich gewissermaßen der Wahrheit zu verbinden. Denn wenn man die Wahrheit nicht erkennen will, so irrt man ab von demjenigen, was der Menschheit wirklich heilsam sein kann. Deshalb muß es verstanden werden, daß gerade in diesen Tagen ernste Worte gesprochen werden. Denn wir sind doch in einer Lage, in der, man könnte sagen, der Siebenachtelblinde sehend werden könnte, wenn er erlebt, daß schon der Ruf nach Frieden bebrüllt wird. Wer glauben kann, daß man für einen dauerhaften Frieden kämpft, wenn man den Ruf nach Frieden bebrüllt, der kann in verschiedenen Gebieten des Lebens vielleicht noch ein einigermaßen gerades Urteil haben; aber in bezug auf dasjenige, was geschieht, kann er nicht zurechnungsfähig sein. Und wenn man demgegenüber nicht fühlt die Verpflichtung zur Wahrheit, dann kann es noch sehr, sehr schlimm in der Welt werden.
[ 79 ] Es ist für mich wahrhaftig keine sympathische Aufgabe, auf manches gerade in dieser Zeit aufmerksam zu machen. Wenn man aber vernimmt, was von überall her tönt, dann fühlt man die Notwendigkeit. Man muß den Mut nicht sinken lassen, solange das Unheil nicht völlig geschehen ist; aber das Fünkchen der Hoffnung ist klein: Es hängt von diesem Fünkchen der Hoffnung für die nächsten Tage sehr viel ab; und auch davon hängt sehr viel ab, daß es noch Menschen gibt, welche die ganze Absurdität von solchen Dingen in die Welt hinausschreien, wie es in diesen Tagen selbst von hervorragenden Weltstädten aus geschehen ist.
[ 79 ] Es ist für mich wahrhaftig keine sympathische Aufgabe, auf manches gerade in dieser Zeit aufmerksam zu machen. Wenn man aber vernimmt, was von überall her tönt, dann fühlt man die Notwendigkeit. Man muß den Mut nicht sinken lassen, solange das Unheil nicht völlig geschehen ist; aber das Fünkchen der Hoffnung ist klein: Es hängt von diesem Fünkchen der Hoffnung für die nächsten Tage sehr viel ab; und auch davon hängt sehr viel ab, daß es noch Menschen gibt, welche die ganze Absurdität von solchen Dingen in die Welt hinausschreien, wie es in diesen Tagen selbst von hervorragenden Weltstädten aus geschehen ist.
[ 80 ] Die Welt braucht Frieden, und sie wird viel entbehren, wenn sie jetzt keinen Frieden hat. Und sie wird viel entbehren, wenn weiter Menschen in der Welt Glauben finden, die da sagen: Wir sind gezwungen, für einen dauernden Frieden zu kämpfen —, und jeder Möglichkeit, zu einem Frieden zu gelangen, mit Hohnworten, die sie nur in geschickter Weise verbrämen, begegnen. Aber wir sind ja an dem Zeitpunkt angekommen, meine lieben Freunde, wo man selbst einen Lloyd George in weitestem Umkreise für einen großen Mann halten kann! Wir dürfen sagen: Es ist eben weit gekommen!
[ 80 ] Die Welt braucht Frieden, und sie wird viel entbehren, wenn sie jetzt keinen Frieden hat. Und sie wird viel entbehren, wenn weiter Menschen in der Welt Glauben finden, die da sagen: Wir sind gezwungen, für einen dauernden Frieden zu kämpfen —, und jeder Möglichkeit, zu einem Frieden zu gelangen, mit Hohnworten, die sie nur in geschickter Weise verbrämen, begegnen. Aber wir sind ja an dem Zeitpunkt angekommen, meine lieben Freunde, wo man selbst einen Lloyd George in weitestem Umkreise für einen großen Mann halten kann! Wir dürfen sagen: Es ist eben weit gekommen!
[ 81 ] Aber diese Dinge sind doch nur Prüfungen der Menschheit. Selbst dann wären sie nur eine Prüfung, wenn das eintreten würde, was ich mir beim Weihnachtsvortrage am Schluß zu sagen gestattete, wenn eintreten würde, daß alle Zukunft sagen müßte: In der Weihnachtstimmung des neunzehnhundertsechzehnten Jahres nach dem Mysterium von Golgatha hat man den Ruf «Friede auf Erden unter Menschen, die eines guten Willens sind» unter den eitelsten Vorwänden bebrüllt —, oder, wenn es nicht eitelste Vorwände sind, dann muß es eben etwas Schlimmeres sein. Dann muß man an diesem Bebrüllen jedes Friedensgedankens erkennen, um was es sich handelt: Daß es sich wirklich nicht um das handelt, was man in der Peripherie sagt, sondern um ganz andere Dinge. Dann wird man begreifen, daß man schon davon reden kann, daß es sich heute um Glück oder Unglück von Europa handelt. Nun, das kann ich heute wegen der vorgeschrittenen Zeit nicht weiter ausführen. Aber ich wollte noch diese Worte an Ihr Herz legen!
[ 81 ] Aber diese Dinge sind doch nur Prüfungen der Menschheit. Selbst dann wären sie nur eine Prüfung, wenn das eintreten würde, was ich mir beim Weihnachtsvortrage am Schluß zu sagen gestattete, wenn eintreten würde, daß alle Zukunft sagen müßte: In der Weihnachtstimmung des neunzehnhundertsechzehnten Jahres nach dem Mysterium von Golgatha hat man den Ruf «Friede auf Erden unter Menschen, die eines guten Willens sind» unter den eitelsten Vorwänden bebrüllt —, oder, wenn es nicht eitelste Vorwände sind, dann muß es eben etwas Schlimmeres sein. Dann muß man an diesem Bebrüllen jedes Friedensgedankens erkennen, um was es sich handelt: Daß es sich wirklich nicht um das handelt, was man in der Peripherie sagt, sondern um ganz andere Dinge. Dann wird man begreifen, daß man schon davon reden kann, daß es sich heute um Glück oder Unglück von Europa handelt. Nun, das kann ich heute wegen der vorgeschrittenen Zeit nicht weiter ausführen. Aber ich wollte noch diese Worte an Ihr Herz legen!
